Unser Familien-Arzt
by H. R. Stout · German · Gutenberg #51147 · 1,349,738 chars · public domain (US)
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Title: Unser Familien-Arzt
Allöopathische, Homöopathische, Hydropathische, Eclectische und Kräuter-Heilmethode
Author: H. R. Stout
Release date: February 8, 2016 [eBook #51147]
Most recently updated: October 23, 2024
Language: German
Other information and formats: www.gutenberg.org/ebooks/51147
Credits: E-text prepared by Constanze Hofmann, Juliet Sutherland, Reiner Ruf, and the Online Distributed Proofreading Team (http://www.pgdp.net)
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Anmerkungen zur Transkription:
In der originalen Frakturschrift wird zwischen den Großbuchstaben
‚I‘ und ‚J‘ nicht unterschieden, daher wurden den Namensinitialen
willkürlich der wahrscheilichere Buchstabe ‚J‘ zugeordnet. Bei
‚Iodide‘ wurde, passend zur entsprechenden englischen Bezeichnung,
ein ‚I‘ verwendet; bei den deutschen Bezeichnungen ‚Jod‘ und
‚Jodid‘ aber der Buchstabe ‚J‘.
Von der normalen Schriftart abweichenden Schriftschnitte werden
durch die folgenden Sonderzeichen dargestellt:
fett: =Gleichheitszeichen=
gesperrt: +Pluszeichen+
Antiqua: ~Tilden~
Kapitälchen: /Schrägstriche/
Eine Übersicht über die korrigierten Fehler findet sich am Ende
dieses Textes.
UNSER FAMILIEN-ARZT.
Allöopathische, Homöopathische, Hydropathische,
Eclectische und Kräuter-
+Heilmethode+.
+Eine+
=vollkommen zuverlässige Anweisung=
+zur+
Entdeckung aller solcher Krankheiten, die ohne ärztliche Hilfe von
irgend einer intelligenten Person in ihrem Verlaufe
gehemmt oder behandelt werden können.
+Mit besonderer Berücksichtigung
der+
prompte, energische Maßregeln erheischenden, sowie der in Amerika
vorkommenden Krankheitsfälle.
+Nebst+
=einer vollständigen und deutlichen Anweisung zur Krankenpflege,
Zubereitung der Krankenkost u.s.w.=
Chicago.
J. S. Goodman & Co.
Cincinnati. C. F. Vent & Co.
San Francisco. H. H. Bancroft & Co.
1869.
Entered according to Act of Congress, in the year 1869, by
J. S. GOODMAN & CO.,
In the Clerk’s Office of the District Court of the United States,
for the Northern District of Illinois.
Vorwort der Verleger.
Schon längst sind wir davon überzeugt, daß sich in unserem Lande
das Bedürfniß nach einem +bündig gefaßten+ Werke, das +billig
verkauft+ werden kann, und welches eine zuverlässige Anweisung für
die erfolgreiche Behandlung solcher Unpäßlichkeiten, Krankheiten und
körperlichen Beschädigungen enthält, die von irgend einer intelligenten
Person ohne ärztliche Hülfe behandelt werden mögen, vorhanden ist: Ein
Werk, das nicht den Anspruch macht, alle die betreffenden Kenntnisse
zu bieten, noch unter allen Umständen die Hülfe eines Arztes unnöthig
zu machen, denn es giebt Fälle, deren Behandlung berufsmäßige
Geschicklichkeit und lange Erfahrung erfordert.
Es giebt jedoch -- dies ist einleuchtend -- eine große Anzahl
Krankheitsfälle, welche mit Hülfe solcher Belehrung, wie die in der
vorliegenden Abhandlung leicht gehoben werden können, während andere
gleich beim Anfang die promptesten, energischsten Mittel nöthig machen,
widrigenfalls sie sich, ehe noch ein Arzt eintreffen kann, so sehr
steigern, daß das Leben des Patienten gefährdet wird.
Der Schreiber dieses erinnert sich noch recht wohl des plötzlichen
Erkrankens seines Familienarztes, welcher unerwartet in seiner Office
von jener fürchterlichen Seuche, der Cholera, befallen wurde, und ehe
Hülfe geleistet werden konnte, dem Tode verfallen war.
Auch erinnert sich der Verfasser dieser Vorrede noch recht wohl, wie
dankbar er dafür war, daß er ein Buch hatte, welches +genau angab, was
bei Croup-Anfällen zu thun sei+, als er zum erstenmal mitten in der
Nacht durch den =Croup-Husten= seines einzigen Kindes aufgeweckt wurde.
Durchdrungen von der oben ausgedrückten Ueberzeugung, sahen wir uns
nach einem Autor um, welcher einerseits mit unseren Ansichten völlig
übereinstimmte und andererseits die Fähigkeit hatte, dieselben in
praktische Form zu kleiden, und nachdem wir längere Zeit vergeblich
uns bemühten, sind wir sicher, den rechten Mann gefunden zu haben, und
legen nun dem Publikum das Resultat seiner Arbeit mit der Zuversicht
vor, daß dieses längst gefühlte Bedürfniß durch dieses Werk vollkommen
befriedigt ist.
Um das Buch noch brauchbarer und praktischer zu machen, sind die
verschiedenen Behandlungsweisen der verschiedenen medizinischen
Schulen angegeben: die +allöopathische+, die +homöopathische+, die
+hydropathische+, die +eclectische+ und die +Kräuter-Heilmethode+, so
daß man je nach Bequemlichkeit oder Ueberzeugung zu der einen oder der
andern greifen, oder eine nach der andern anwenden kann, falls die erst
angewandte nicht den erwünschten Erfolg erzeugt hätte. Wenn z. B. eine
auf dem Lande, weit von einem Arzte oder einer Apotheke lebende Person
sich plötzlich eine heftige Erkältung zuzieht und ein Fieber im Anzuge
ist, mag sie -- obgleich die allöopathische Kurmethode vielleicht
vorziehend -- zur Kräuter- oder Wasser-Heilmethode mit dem besten
Erfolg greifen.
Diese Zusammenstellung der verschiedenen Heilmethoden ist originell und
wird, wie wir glauben, in keinem anderen Buche gefunden.
Der Name des Autors ist, wie der Leser bemerken wird, nicht angegeben
und zwar deshalb, weil er ein Graduirter eines medizinischen
Collegiums, ein angesehener Arzt einer der medizinischen Schulen
ist und seine Stellung unter seinen Fachgenossen verlieren würde,
sobald bekannt wäre, daß er nebst den in seiner Schule üblichen
Behandlungsweisen auch andere angegeben habe. Erst kürzlich wurde ein
hochgestellter allöopathischer Arzt in New-York „disciplinirt,“ weil
er mit einem ebenso intelligenten und ausgezeichneten homöopathischen
Arzte sich berathen hatte. So lange solcher Geist selbst noch unter den
intelligenteren Kunstgenossen herrscht, kann man es unserem Autor nicht
verargen, wenn er seinen Namen verschweigt, und dies um so mehr, als
durch die Nennung desselben doch nichts Gutes bezweckt würde.
Der =Werth= des Werkes wird demselben entweder +Erfolg+ sichern,
oder das Mißfallen des Publikums zuziehen; aber wir übergeben es der
Oeffentlichkeit mit dem festen Glauben, ja wir möchten sagen, mit der
+unzweifelhaften Gewißheit+, daß es +mit Beifall+ aufgenommen werden
und ein +kostbarer Familienschatz in tausenden Häusern+ werden wird.
Daß dies der Fall sein möge, ist der Wunsch
=Der Verleger.=
=Chicago, September 1868.=
Vorrede des Verfassers.
Dieses Werk der Beurtheilung des Publikums übergebend, bin ich
überzeugt, durch dasselbe einem langgefühlten Bedürfniß für ein
Familienbuch der Heilkunde, das allen Klassen entspricht, nachzukommen.
Dasselbe ist hauptsächlich für die Erfordernisse der Landbevölkerung
und solcher geschrieben, die weit entfernt von größeren Ortschaften
oder solchen Plätzen wohnen, wo zuverlässige Hülfe in Krankheitsfällen
beschafft werden kann. Viele können sich gewisser Zeiten erinnern,
in welchen, wäre ein solches Buch vorhanden gewesen, großen Leiden
vorgebeugt, oder selbst dann und wann ein Leben hätte gerettet werden
können. Da unser Leben, auch wenn wir ein hohes Alter erreichen,
immerhin ein sehr kurzes ist, so ist die Pflicht, dasselbe womöglich
bis zu der dem Menschen zugemessenen Zeit zu verlängern, eine
deutliche; Niemand kann sagen, wann ihn eine Krankheit befallen, wann
er durch einen Unfall körperlich bedeutend beschädigt werden wird, und
wir sollten gegen solche Fälle stets vorbereitet sein.
In der Ausarbeitung dieses Werkes habe ich mich bemüht, jede Krankheit
in so einfacher Weise zu beschreiben als möglich, indem ich mir Mühe
gab, technische und wissenschaftliche Ausdrücke so weit dies geschehen
konnte, zu vermeiden und +eine Sprache+ zu gebrauchen, die jedes Kind
verstehen kann. Alle Fremdwörter aber, die nothwendiger Weise gebraucht
werden mußten, sind entweder sogleich erklärt oder findet sich deren
Erklärung im Fremdwörterverzeichniß.
Um allen Klassen und den Anhängern der verschiedenen medizinischen
Schulen etwas zu bieten, habe ich bei jeder Krankheit die
Behandlungsweise der verschiedenen Methoden beigefügt und dabei alle
Vorurtheile, die ich für oder gegen diese oder jene Schule haben mag,
in den Hintergrund treten lassen, indem ich jeder derselben volle
Gerechtigkeit widerfahren ließ und sowohl meine Erfahrung als die
anderer benützte, denn es wurden die besten Autoritäten Europas und
Amerikas zu Rathe gezogen, so daß man sich auf die Angaben dieses
Buches verlassen kann.
Zur Bequemlichkeit und Nachhülfe beim Nachschlagen ist das Werk
eingetheilt wie folgt:
+Erster Theil: Allgemeine Krankheiten.+
Jedes Kapitel dieses Theils führt Krankheiten verschiedener
Körpertheile auf, sowie allgemeine Krankheiten. Jede derselben ist
deutlich behandelt, indem die Symptome, die Ursachen und die Behandlung
der verschiedenen medizinischen Schulen pünktlich angegeben sind.
+Zweiter Theil: Frauenkrankheiten.+
Unter dieser Ueberschrift wird über Menstruation, mit ihren Störungen,
Schwangerschaft und die Behandlung der Krankheiten während derselben,
Entbindung u. s. w. abgehandelt.
+Dritter Theil: Kinderkrankheiten.+
In diesem Theile finden sich wertvolle Winke bezüglich der
Verpflegung, der Kost und der allgemeinen Behandlung der Kinder, sowie
Abhandlungen über Kinderkrankheiten.
+Vierter Theil: Verschiedene Krankheiten.+
Unter dieser Ueberschrift werden die nicht im ersten Theile
eingeschlossenen Krankheiten aufgeführt, und sind Anweisungen gegeben,
wie man die Scheintodten wieder zum Leben bringen kann. Dieser
Abtheilung sind auch werthvolle Bemerkungen über die Krankenpflege
beigefügt, nebst einer vollständigen Anweisung für die hydropathische
Behandlung der Krankheiten.
Unter dem Titel -- +Pharmacie+ ist die Zubereitung mancher in diesem
Buch angegebenen Arzneien vorgeschrieben.
+Fünfter Theil: Wundarzneikunst.+
In diesem Theil werden solche Behandlungen und Mittel der
Wundarzneikunde angegeben, welche von jeder intelligenten Person in
Anwendung gebracht werden können. Außerdem finden hier die Gifte nebst
ihren Gegenmitteln und ein Verzeichniß der medizinischen Ausdrücke
einen Platz.
In dem +Symptom-Verzeichniß+ sind die hauptsächlichen Symptome der am
häufigsten vorkommenden Krankheiten angegeben, und wird dasselbe den
Personen, die unwohl fühlen, aber nicht gerade sagen können, was ihnen
fehlt, gute Dienste leisten.
Daß das Werk zum Besten der Menschheit eine weite Verbreitung finden
und hierdurch die darauf verwendete Arbeit vergüten möge, ist der
aufrichtige Wunsch des
=Verfassers.=
=Chicago, Januar 1869.=
+Zeugnisse.+
Die folgenden anerkennenden Zeugnisse wurden von ausgezeichneten
Aerzten der Homöopathischen, Allöopathischen und Eclectischen Schulen
ausgestellt.
Herren J. S. Goodman & Co., Verleger:
+Meine Herren+! -- Daß in Ihrem zu publizirenden Werk „Unser
Familien-Arzt“ die Krankheiten genau und richtig beschrieben sind, und
daß die darin angegebene Heilkunde zuverlässig ist, kann ich nach einer
Prüfung der mir zugesandten Probebogen des Buches bezeugen.
+N. F. Cooke, ~M. D.~+,
=Professor der Theorie und Praxis am Hahnemannischen medizinischen
Collegium.=
=Chicago den 6. Febr. 1869.=
* * * * *
Ich beglaubige hiermit, daß ich das Werk „Unser Familien-Arzt,“ welches
von J. S. Goodman & Co. publizirt werden wird, geprüft habe und in
demselben die Symptome der Krankheiten richtig angegeben sind, wie denn
das Buch überhaupt das Vertrauen des Publikums verdient.
+H. S. Hahn, ~M. D.~+
=Chicago den 8. Febr. 1869.=
+Meine Herren+! -- Auf Ihr Ersuchen habe ich die Probebogen Ihres
Werkes „Unser Familien-Arzt“ durchgelesen und es macht mir Vergnügen
dasselbe zu empfehlen. Es gibt die richtige Behandlungsweise der
Krankheiten an und verdient eine weite Verbreitung.
+J. F. Cooke, ~M. D.~+,
=Professor im Bennett medizinischen Collegium, Chicago.=
=Den 8. Febr. 1869.=
Inhalts-Verzeichniß.
Erster Theil. -- Allgemeine Krankheiten.
Erstes Kapitel.
(Seite 17.)
=Krankheiten der Haut.= -- 1. +Ausschlagfieber.+ -- Ausschlag --
Nesselfieber -- Rose -- Masern -- Scharlachfriesel -- Scharlachfieber
-- Windpocken -- Blattern -- Varioliden.
2. +Chronische Hautausschläge.+ -- Jucken und Reizung der Haut --
Frostbeulen -- Zittermahl oder Gürtelrose -- Flechten -- Krätze --
Milchschorf -- Grindkopf -- Hühneraugen -- Warzen.
Zweites Kapitel.
(Seite 65.)
=Fieber.= -- Gewöhnliches oder eintägiges Fieber -- Entzündliches
Fieber -- Nervenfieber oder Typhus -- Gehirnfieber oder
Gehirnentzündung -- Remittirendes oder Gallenfieber --
Intermittirendes oder Wechselfieber -- Gelbes Fieber.
Drittes Kapitel.
(Seite 99.)
=Geisteskrankheiten.= -- Hypochondrie oder Schwermüthigkeit --
Hysterie oder Bauchnervensucht -- Melancholie oder Trübsinn -- Manie,
Irr- oder Wahnsinn.
Viertes Kapitel.
(Seite 106.)
=Krankheiten des Kopfes.= -- Congestion oder Blutandrang nach dem
Kopfe -- Schwindel (~Dizziness~) -- Schlagfluß -- Gehirnentzündung
-- Sonnenstich -- Kopfweh durch Catarrh verursacht -- Kopfweh durch
Blutandrang verursacht -- Kopfweh durch Rheumatismus verursacht --
Kopfweh durch Hartleibigkeit und Unterleibsbeschwerden verursacht
-- Sympathetisches Kopfweh (~Sick Headache~) -- Nervöses Kopfweh
(~Neuralgia in the Head~) -- Ausfallen des Haares.
Fünftes Kapitel.
(Seite 131.)
=Augenkrankheiten.= -- Niederfallen des Augenlids -- Entzündung und
Anschwellen des Augenlids -- Entzündung des Rands des Augenlids --
Entzündung des Augapfels -- Chronische Augenentzündung -- Chronische
skrophulöse Augenentzündung -- Gerstenkorn am Augenlid -- Nasse oder
thränende Augen -- Schwarzer Staar -- Augenschwäche -- Blindheit --
Kurzsichtigkeit -- Weitsichtigkeit -- Schielauge -- Fremde Körper im
Auge.
Sechstes Kapitel.
(Seite 147.)
=Ohrenkrankheiten.= -- Das äußere Ohr und die dasselbe umgebenden
Theile -- Ohrenentzündung -- Ohrenweh -- Ohrensausen --
Schwerhörigkeit -- Ohrlaufen -- Durchstechen des Ohrläppchens --
Fremde Körper im Ohr.
Siebentes Kapitel.
(Seite 155.)
=Krankheiten der Nase.= -- Entzündung und Anschwellen der Nase
-- Nasenbluten -- Schnupfen oder Erkältung im Kopf (~Catarrh~) --
Eiterung der Nase -- Nasenpolyp -- Nasenkrebs -- Fremde Körper in der
Nase.
Achtes Kapitel.
(Seite 166.)
=Krankheiten des Gesichts, der Lippen und der Kinnbacken.= --
Gesichtsrose -- Gesichtsausschlag -- Nervöser Gesichtsschmerz oder
Neuralgie -- Gesichtsflecken -- Gesichts- und Kinnbackenlähmung.
Neuntes Kapitel.
(Seite 178.)
=Krankheiten der Zähne, des Zahnfleisches und des Mundes.= -- Zahnweh
-- Verfall und Leiden der Zähne -- Widerwärtiger Geruch des Athems --
Schlechter Geschmack im Munde -- Zahnfleischschwären -- Entzündung
und Anschwellen der Zunge -- Mundkrebs -- Scorbut -- Speichelfluß --
Stammeln.
Zehntes Kapitel.
(Seite 194.)
=Krankheiten des Halses.= -- Weher Hals oder gewöhnliche
Halsentzündung -- Eiternde und putride (Fäulniß erzeugende), oder
bösartige Halsentzündung -- Entzündung und Anschwellung der Mandeln
oder Tonsillen -- Anschwellen und Verlängerung des Zäpfchens.
=Eilftes Kapitel.=
(Seite 208.)
=Krankheiten der Luftröhre und der Brust.= -- Heiserkeit --
Luftröhrenentzündung oder Bronchitis -- Influenz oder Grippe, auch
Flußfieber -- Husten (~Tussis Convulsiva~) -- Lungenentzündung
-- Lungenentzündung bei alten Leuten -- Pleuresie, Brustfell-,
Rippenfell-Entzündung -- Scheinbare Pleuresie oder Seitenstechen
-- Herzentzündung -- Herzklopfen -- Rheumatische Herzschmerzen --
Brustbeklemmung -- Lungenbluten -- Engbrüstigkeit oder Asthma --
Brustwassersucht -- Auszehrung -- Brustquetschung -- Fremde Körper in
der Luftröhre.
Zwölftes Kapitel.
(Seite 253.)
=Krankheiten des Magens und der Eingeweide.= -- Mangel an Appetit
-- Heißhunger, Schlinglust -- Dyspepsie oder schwacher Magen --
Sodbrennen, oder Unverdaulichkeit, oder versäuerter Magen --
Uebelkeit und Erbrechen -- Seekrankheit -- Magen-Neuralgie --
Magenweh oder Magenkolik -- Magenentzündung -- Gedärmentzündung
-- Leberentzündung -- Gelbsucht -- Milzentzündung -- Würmer --
Hartleibigkeit -- Diarrhöe oder Durchfall -- Ruhr -- Cholera Morbus
-- Asiatische Cholera -- Hämorrhoiden -- Mastdarmvorfall -- Bruch --
Unterleibswassersucht.
Dreizehntes Kapitel.
(Seite 323.)
=Krankheiten der Harn- oder Urin- und Geschlechts-Organe.= --
Nierenentzündung -- Blasenentzündung -- Harnverhaltung -- Harnfluß
-- Harnruhr -- Blasenpolyp -- Blasenstein -- Blutharnen --
Selbstbefleckung -- Syphilis oder Lustseuche -- Samenfluß, Tripper.
* * * * *
Zweiter Theil. -- Frauenkrankheiten.
Erstes Kapitel.
(Seite 344.)
=Menstruation.= -- Eine vollständige Beschreibung dieser Funktion.
Zweites Kapitel.
(Seite 349.)
=Störungen der Menstruation.= -- Verzögerte Menstruation -- Chlorose
oder Bleichsucht -- Uebermäßige Menstruation -- Schwere Menstruation
oder Menstrualkolik -- Unterdrückte Menstruation -- Aufhören der
Menstruation oder Uebergangszeit.
Drittes Kapitel.
(Seite 367.)
=Vorfall der Gebärmutter.= -- Weißer Fluß.
Viertes Kapitel.
(Seite 375.)
=Schwangerschaft.= -- Anzeichen der Schwangerschaft -- Kleidung
-- Bewegung -- Diät -- Erbrechen -- Scham-Jucken während der
Schwangerschaft -- Krampfadern oder varicöse Adern -- Hämorrhoiden
oder Goldader -- Anschwellen der Füße -- Hartleibigkeit während der
Schwangerschaft -- Diarrhöe während der Schwangerschaft -- Zahnweh
und Speichelfluß -- Dyspepsie oder versäuerter Magen, auch Sodbrennen
genannt -- Hysterische Anfälle -- Herzklopfen -- Kopfweh -- Husten
-- Krämpfe -- Urin- oder Harnträufeln -- Unterdrückung des Urins --
Blutfluß -- Frühgeburt oder Abortion -- Falsche Wehen -- Behandlung
der Brüste.
Fünftes Kapitel.
(Seite 396.)
=Entbindung oder Kindbett.= -- Geburtswehen -- Schmerzen bei den
Geburtswehen -- Entbindung -- Behandlung nach der Entbindung --
Verbinden des Nabels -- Licht, Temperatur und Lüftung -- Nachwehen
-- Blutfluß -- Dauer des Kindbetts -- Diät und Regeln während des
Kindbetts -- Lochien oder Geburtsfluß -- Unterdrückung der Lochien --
Uebermäßige und lang anhaltende Lochien -- Milchfieber -- Ausbleiben
der Milch -- Uebermäßige Ansammlung der Milch -- Wunde Brustwarzen --
Brustfieber -- Brustgeschwulst -- Hartleibigkeit nach der Entbindung
-- Diarrhöe nach der Entbindung -- Puerperal- oder Kindbettfieber --
Weiße Schenkelgeschwulst -- Der wunde Mund der Stillenden.
* * * * *
Dritter Theil. Kinderkrankheiten.
(Seite 415.)
Kleidung des Kindes -- Scheintod (~Asphyxia~) -- Diät der
Neugeborenen -- Anschwellen und Verlängerung des Kopfes --
Anschwellen der Brüste -- Kindspech (~Meconium~) -- Gemüthsbewegungen
beeinflussen die Milch -- Abgewöhnung -- Kost während des Säugens --
Ruhelosigkeit und Schlaflosigkeit der Kinder -- Durchscheuern und
Wundheit der Haut -- Gelbsucht -- Krämpfe -- Zahnen -- Verstopfte
Nase oder Schnupfen -- Mundschwamm -- Hartleibigkeit -- Diarrhöe
-- Kopfwassersucht -- Remittirende Fieber -- Cholera Infantum
-- Sommerkrankheit -- Häutige Bräune -- Keuch- oder Stickhusten
(~Hooping cough~; ~Pertussis~) -- Gaumenlähmung -- Kolik -- Würmer --
Gehirnentzündung -- Kehlsucht, auch Ziegenpeter.
* * * * *
Vierter Theil. -- Verschiedene Krankheiten.
Erstes Kapitel.
(Seite 448.)
=Verschiedene Krankheiten.= -- Rheumatismus -- Gicht -- Skropheln --
Hüftenentzündung -- Krämpfe -- Kropf -- Schlaflosigkeit -- Lähmung --
Säuferwahnsinn -- Fallsucht -- Veitstanz -- Ohnmacht -- Starrkrampf.
+Scheintod+ durch Hunger -- durch Ertrinken -- durch Erfrieren --
durch Erhängen -- durch Blitzschlag -- durch schädliche Dünste --
durch einen Fall oder Schlag -- durch heftige Aufregung.
Zweites Kapitel.
(Seite 474.)
=Das Krankenzimmer.= -- Krankenpflege -- Zubereitung der Speisen für
Kranke und Wiedergenesende -- Brauchbare Anweisungen.
Drittes Kapitel.
(Seite 484.)
=Hydropathische Behandlung.=
Viertes Kapitel.
(Seite 495.)
=Arzneibereitungskunst.=
* * * * *
Fünfter Theil. -- Wundarzneikunst und Gifte.
(Seite 503.)
=Wundärztliche Hülfsmittel.= -- Umschläge -- Bähmittel -- Pflaster --
Wickelbänder und Bandagen -- Schienen.
=Unglücksfälle.= -- Bruch des Nasenbeins -- des untern Kinnbackens
-- der Rippen -- des Schlüsselbeins -- des Schulterblatts -- des
Oberarms -- des Ellbogens -- des Vorderarms -- des Fingers -- des
Schenkels -- des Beins -- des Fußes -- der Zehe -- Zusammengesetzte
Brüche.
=Ausrenkungen.= -- Ausrenkung des Kinnbackens -- des Genicks -- der
Schulter -- des Ellbogens -- des Faustgelenks, Handwurzel -- des
Hüftknochens -- der Kniescheibe -- des Kniegelenks -- des Knöchels.
=Wunden, Quetschungen.= -- Verstauchungen und Erschütterungen --
Brand- und Brühwunden -- Erfrorene Gliedmaßen -- Beulen -- Karfunkel
-- Fingergeschwür -- Einwachsen des Zehenagels.
* * * * *
(Seite 524.)
=Gifte und Gegengifte.= -- Animalische Gifte -- Vegetabilische Gifte --
Mineralische Gifte.
* * * * *
(Seite 527.)
=Angabe der Symptome der verschiedenen Krankheiten.=
* * * * *
(Seite 536.)
=Alphabetisches Fremdwörter-Verzeichniß.=
* * * * *
(Seite 540.)
=Alphabetisches Inhalts-Verzeichniß.=
Unser Familien-Arzt.
+Erster Theil. -- Allgemeine Krankheiten.+
Erstes Kapitel. -- Krankheiten der Haut.
1. Ausschlag-Fieber.
Ausschlag.
Diese Krankheit wird häufig durch Erkältung, Mattigkeit, verdorbenen
Magen u. s. w. hervorgerufen. Sie zeigt sich in der Form von kleinen
rothen Flecken, welche besonders des Nachts unerträglich jucken, ist
aber nicht lebensgefährlich.
+Behandlung.+
=Homöopathisch.= Wenn das Jucken sehr stark wird, dabei Frost
oder Hitze und Schlaflosigkeit, gebe man alle Stunden eine Dosis (6
Kügelchen) ~Chamomilla~. Wird es nach 2 bis 3 Stunden nicht
besser, so gebe man eine Dosis (6 Kügelchen) ~Ledum Palustre~.
Ist es am nächsten Tage noch nicht besser, so gebe ~Rhus~ und
~Sulphur~ abwechselnd alle 2 bis 3 Stunden. Laue Bäder werden
sehr erfrischen.
=Allöopathisch.= Das folgende gelinde Abführmittel mag gegeben
werden:
Magnesia ½ Pfund.
Ingwer (~Ginger~) fein pulverisirt 1 Unze.
Rhabarber fein pulverisirt 2 Unzen.
Dies zu mischen. Für Kinder ungefähr einen halben, für Erwachsene
einen Theelöffel voll oder mehr.
Nesselfieber (~Hives~, ~Urticaria~).
Dies ist ein Ausschlag der Haut, ähnlich den Verletzungen durch
Brennnesseln; derselbe ist aber weder ansteckend, noch gefährlich.
+Ursachen.+ -- Einige Personen haben eine Anlage zu dieser
Krankheit, so daß sie sich nach dem kleinsten Diätfehler einstellt.
Nahrungsmittel wie Schellfisch, Gurken, Pilze, Erdbeeren, Makrele &c.
werden häufig die Ursache zu einem Anfall. Kinder, die eine zarte,
feine Haut haben, sind besonders geneigt dazu.
+Kennzeichen.+ -- Der Ausschlag besteht in erhabenen Flecken auf
der Oberfläche der Haut, die zuweilen roth, aber im Allgemeinen weiß
und roth gemischt und ziemlich hart sind und eine brennende, juckende
Empfindung erzeugen. Nesselausschlag erscheint häufiger bei kleinen
Kindern in der Form von großen Blattern, die außen von unregelmäßiger
Gestalt und hellrother Farbe, im Mittelpunkt aber weiß und ein wenig
erhaben sind. Der Ausschlag zeigt sich bald an dem einen bald an dem
andern Ort. Zuweilen geht der Krankheit ein wenige Stunden anhaltendes
Fieber, Kopfschmerz, Uebelkeit, Erbrechen, bitterer Geschmack im Munde
voraus; hin und wieder gleicht auch der Ausschlag den Striemen von
Peitschenhieben.
+Behandlung.+
=Allöopathisch.= Geht die Krankheit vom Magen aus, so gebe man
das folgende Brechmittel:
Brechweinstein (~tartar emetic~) 1 Gran.
Ipecacuanha-Pulver 1 Skrupel.
Gewöhnlicher Syrup 1 Drachme.
Quellwasser 10 Drachmen.
Mische und nehme es auf einmal.
Diesem lasse man untenstehendes schnell wirkendes Abführmittel folgen:
Zusammengesetzter Extrakt von Coloquinthen ½ Drachme.
(~Colocynth~)
Extrakt von Jalappenwurzel (~Jalap~) 15 Gran.
Mische es und mache 12 Pillen daraus. 2 oder 3 Pillen werden ihre
Wirkung nicht verfehlen.
Bei starken nervösen Symptomen gebe man je nach dem Alter des Kranken
5-20 Tropfen Schwefel-Aether -- alle halbe Stunden.
Zur äußerlichen Anwendung gebrauche man eins von den folgenden:
Bleizucker ½ Drachme.
Kohlensaures Ammoniak (~Carbonate of Ammonia~) 1 Drachme.
Rosenwasser ½ Pint.
Mische es.
Oder:
Alcohol 1½ Unze.
Rosenwasser 4 Unzen.
Mische es.
Oder folgendes von Dr. Erasmus Wilson empfohlene:
Aetzendes Quecksilber (~Corrosive Sublimate~) 6 Gran.
Rosmarin-Spiritus 1 Unze.
Alcohol 1 Unze.
Kühltrank von bittern Mandeln 6 Unzen.
Mische es.
Es ist rathsam, hiervon sorgfältig äußerlich Gebrauch zu machen,
weil der Ausschlag nach Innen getrieben werden kann, was bedenkliche
Folgen hat.
=Eclectische und Kräuterkur.= Wo immer der Ausschlag erscheint, reibe
man den Körper mit Waizenmehl und lasse den Kranken ungehindert
Saffran-Thee, oder Salbei- und Sassafras-Thee trinken. Bessert
sich der Kranke, so gib folgendes beruhigendes Arzneimittel: 3
Theile ~Cremor Tartari~, ein Theil Schwefel mit Molasses gemischt;
davon einen Theelöffel dreimal des Tages mehrere Tage hinter
einander. Wirkt es nicht hinreichend, nehme man eine Dosis Salz und
Sennablätter. Warmes Saleratuswasser ist ein gutes Einreibmittel für
die Haut.
=Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Wo dem Ausschlag Fieber, heiße Haut,
Durst, belegte Zunge und Schlaflosigkeit vorausgeht oder wo es
denselben begleitet.
~Dulcamara.~ -- Wenn der Anfall durch Erkältung hervorgerufen ist,
und von Uebelkeit, Erbrechen, bitterem Geschmack im Munde, Diarrhöe
begleitet ist, die Symptome des Nachts oder in der Stubenhitze
stärker, dagegen im Freien schwächer sind. Dieses Mittel kann
abwechselnd mit ~Antimonium Crudum~ gegeben werden.
~Rhus toxicodendron.~ -- Wird der Ausschlag von Jucken und Brennen
begleitet, besonders nach Bewegung im Freien oder dem Genusse
gewisser Speisen.
~Pulsatilla.~ -- Wenn der Anfall durch reiche und fette Kost
hervorgerufen wurde.
~Calcarea Carbonica.~ -- Wenn der Ausschlag beim Aufenthalt in
der frischen Luft verschwindet und er durch die Anwendung des
kalten Wassers verstärkt wird, das Gesicht gelb, die Haut rauh mit
Gänse-Finnen bedeckt ist, mit einem betäubenden Schmerz im Kopf,
Uebelkeit und Schwindel des Nachts oder beim Erwachen des Morgens.
Wenn durch feuchtes Wetter Erkältung, mit Schmerzen in den Gliedern,
Frost und Kopfschmerz hervorgerufen, so gebe man ~Bryonia~ und ~Rhus
toxicodendron~ abwechselnd, alle 3 bis 4 Stunden eine Gabe (4 oder
6 Kügelchen). ~Ledum Palustre~ ist ein anderes Mittel, das bei den
meisten Fällen mit Erfolg angewendet werden kann.
Sollte sich der Ausschlag nach Innen werfen und der Kranke über einen
krankhaften Zustand des Magens, große Schwäche klagen, gebe man
~Ipecacuanha~ (~Ipecac~) oder ~Bryonia~ jede Stunde mehrere Stunden
hintereinander, tritt nach drei Stunden keine Besserung ein, so
nehme man ~Arsenicum~. Gleichzeitig hülle man den Kranken wohl ein
und lasse ihn viel Wasser trinken, um Schweiß hervorzurufen.
Hat Jemand diese Krankheit eine lange Zeit, oder hat er besonders
Anlage dazu, so lasse man ihn jeden vierten Tag am Abend eine Dosis
~Calcarea Carbonica~ nehmen. Bessert er sich nicht innerhalb einiger
Wochen, gebe man entweder ~Lycopodium~, ~Sulphur~, ~Acidum Nitri~
oder ~Carbo Vegetabilis~ in derselben Weise.
+Die Darreichung der Arzneimittel.+ -- Wenn die Dosis nicht mit dem
Mittel erwähnt ist, löse man 12 Kügelchen in 12 Theelöffel Wasser und
gebe alle 2 oder 3 Stunden, je nach der Heftigkeit des Auftretens der
Symptome, eine Dosis.
+Kost.+ Kein Fleisch, oder erhitzende Getränke, nur Wasser, schwarzer
Thee, Haferschleim, Zwieback (~Toast~), gebackene Aepfel und
altbackenes Brod.
Die Rose (St. Antonius Feuer, ~Erysipelas~).
Die Rose oder Rothlauf ist eine Entzündung der Haut, die sich leicht
ausbreitet und zuweilen weit in das Zellengewebe dringt. Sie ist
ansteckend und Personen, deren Verdauungsorgane nicht in Ordnung, oder
die der Feuchtigkeit und Kälte ausgesetzt sind, haben besonders Anlage
dazu. In der Regel finden wir die Rose im Gesicht, häufig aber auch an
den Gliedern.
+Kennzeichen.+ -- Der Rose gehen gewöhnlich Fieber, eine allgemeine
Erschlaffung, Frost, Kopfschmerz und belegte Zunge voraus; diesen
Symptomen folgen dann heiße Haut, schneller Puls, Durst, Schmerzen
im Rücken und den Gliedern, die Haut wird roth oder purpurn, und ein
starkes stechendes, brennendes Gefühl mit Spannung und Schmerz wird
wahrgenommen. Die betreffenden Theile fangen an zu schwellen, und
befindet sich die Entzündung am Kopf oder im Gesichte, so schwellen
die Augen zu und die Züge können nicht wieder erkannt werden. Blasen
mit Wasser gefüllt, gleich jenen, die vom Verbrennen herrühren, bilden
sich zuweilen auf der Oberfläche. Der Kranke, besonders wenn sich
die Entzündung am Kopfe befindet, phantasirt des Nachts und der Hals
schwillt beträchtlich an. In den schlimmsten Fällen steigert sich
dieser Zustand bis zum Irrsinn; Schlafsucht tritt ein und der Kranke
kann in Folge eines inneren im Kopfe erfolgenden Ergusses sterben. Wird
das Zellengewebe tief angegriffen, so kann sich Eiter bilden und die
betreffenden Theile können sich von dem gesunden Fleisch ablösen. Sind
die Theile bedeutend angegriffen, die Farbe hochroth, das Prickeln
und Brennen sehr heftig, die Oberfläche fest und hart, so wird die
Entzündung Phlegmone oder unächter Rothlauf genannt. Ist die Geschwulst
weich und schwammig -- beim Druck beweglich -- die Farbe blaßroth oder
wachsgelb und gewöhnlich schwächliche Constitutionen angreifend, so
wird sie Blasen- oder Blatterrose (~Erysipelas ædematodes~) genannt.
Wenn der Rothlauf als eine blasse Röthe ohne Fieber auftritt, nennt man
ihn ~Erythema~ (kalte Hautröthe).
+Ursachen.+ -- Die Ursachen der Rose sind mannigfach, einige von ihnen
sind folgende: Einfluß der Witterung, ungeregelte Lebensweise, Mangel
an Reinlichkeit. Die meisten Veranlassungen dazu sind: Unmäßigkeit,
heftige, geistige Aufregung, das sich Aussetzen der kalten Luft nach
Erhitzung oder Aufregung, besonders wenn der Magen nicht in Ordnung
ist, Wunden und Quetschungen. Große Sorgfalt muß getragen werden, die
Ausbreitung der Entzündung zu verhindern. Man lüfte das Zimmer gut aus
ohne den Kranken der Zugluft auszusetzen, halte ihn sehr reinlich und
gebe ihm hinreichend Nahrung. Personen, die an Wunden leiden, oder in
irgend einer Weise erkrankt sind, und besonders Frauen unmittelbar
vor oder nach der Entbindung sollte der Aufenthalt in der Nähe eines
an der Rose Erkrankten nicht gestattet werden; auch sollten die mit
dieser Entzündung Behafteten an Wunden Leidende oder Frauen im Kindbett
nicht besuchen, ohne die größte Sorgfalt anzuwenden, um gegen die
Uebertragung der Krankheit zu schützen, z. B. durch den Wechsel der
Kleider, Baden u. s. w.
+Behandlung.+
=Eclectische und Kräuterkur.= Beginne die Behandlung, besonders
wenn Fieber vorhanden ist, mit folgendem Abführmittel:
~Potophyllum peltatum~ (Gemeines Fußblatt) 1½ Gran.
~Leptandrin~ 4 Gran.
~Cremor Tartari~ 20 Gran.
Mische es, theile es in zwei Pillen und gib alle 6 Stunden eine, bis
Stuhlgang erfolgt ist. Hierauf erhalte regelmäßigen Stuhlgang durch
folgendes:
Schwarzwurzel (~Blackroot~) 5 Unzen.
Wilde Indigo Wurzel (~Wild Indigo Root~) 1 Unze.
Mische es und rühre die Mischung in 4½ Pint kochendes Wasser. Man
nehme einen Theelöffel voll mehrere Male des Tages.
Treten die Symptome heftig auf, so beginne man die Behandlung mit
einem Brechmittel. Gegen Magensäure gib Magnesia, Kreide oder
doppeltkohlsaures Soda (~Bicarbonate of Soda~). Erscheint die
Entzündung am Körper, so wird ein Dampfbad Erleichterung gewähren.
Wenn sich die Rose im Gesicht oder am Kopf befindet, bähe die
betreffenden Theile mit einer Abkochung von Boneset, Farnkraut
(~Tansy~), oder Katzenmünze (~Catnip~) mehrere Male des Tages. Ein
Umschlag von Preiselbeeren wird von Vielen für ein ganz besonderes
Mittel gegen diese Krankheit gehalten. Koche ein oder zwei Pint, bis
sie weich sind und mische sie mit pulverisirter Ulmenrinde oder Mehl
und mache einen Umschlag auf den erkrankten Theil. Ist die Entzündung
heftig, gebrauche
Eisen-Chlor-Tinctur (~tincture of chloride of iron~) 1 Drachme.
Süßer Salpeter-Spiritus (~sweet spirits of nitre~) 2 Drachmen.
Mische es. Dosis: 25 Tropfen in ein Weinglas mit einem Aufguß von
Hollunderblüthe und Frauenhaar (~Elder flowers and Maiden hair~) 1
Unze von jedem, in 2 Pints kochenden Wassers.
Bilden sich Blasen und tritt Eiterung ein, mache Umschläge von
Ulmenrinde und Hopfenmalz. Verschwindet die Entzündung plötzlich,
oder wird eine Neigung hierzu bemerkbar, gebe man folgendes:
Blutwurzel, Pleuresiewurzel, Ipecacuanha und Salpeter, jedes
pulverisirt, eine Drachme. Gieb eine Dosis von 12 zu 15 Gran alle 3
oder 4 Stunden. Zur Milderung des Juckens und Brennens kann eines
der folgenden Mittel gebraucht werden: Gleiche Theile von Lobelia-
und Blutwurzel-Tinctur mit ein wenig Essig; drei- oder viermal des
Tages anzuwenden. -- Eine Abkochung von Flöhkraut und Stinkkamille
(~Smartweed and Mayweed~) kann kalt gebraucht werden. Ein anderes
Mittel: Lobelia-Tinctur, Lorbeer-Rinden- (~Bay berry~) Tinctur, eine
satte Auflösung von Salmiak, von jedem eine Unze; bade die Theile
mehrere Male des Tages damit. Ebenso noch einen erweichenden Umschlag
von gebranntem Mehl oder Ulmen-Rinde. Wenn der Rothlauf chronisch
ist und nach einigen Monaten immer wieder ausbricht, kann zu dessen
Vertreibung folgende Behandlung angewendet werden: Man halte die
Eingeweide mit guten Abführungspillen oder einem gemischten Pulver
von Rhabarber und Potasche in Dosen von fünf oder zehn Gran dreimal
des Tages zu nehmen in Ordnung; gleichzeitig nehme man das folgende:
Wilde Indigo-Wurzel, Blut-Wurzel und Scharlachbeere-Wurzel (~Poke
root~) von jedem eine Unze; holländischen Wachholderbranntwein
(~Gin~) und Branntwein 1 Pint; man lasse es eine Woche stehen und
füge 2 Drachmen hydriosaures Potasche-Salz, aufgelöst in einer Unze
Wasser; Dosis einen Theelöffel voll dreimal des Tages. Das folgende
Mittel wird gleichfalls empfohlen: Blaue Schwertlilien-Wurzel,
gelbe Ampferkraut-Wurzel, Kletten-Wurzel, die Rinde der
Bittersüß-Wurzel, Sassafras-Rinde, von jedem, grob gepulvert, eine
Unze; Hollunder-Blüthe 2 Unzen, dazu 6 Pint kochendes Wasser; bedecke
das Gefäß und lasse es 24 Stunden stehen; presse ferner die Kräuter,
durchseihe und versüße es. Dosis: Ein Weinglas voll dreimal des
Tages. Das Baden der angegriffenen Theile mehrere Male in der Woche
in schwachem Laugenwasser wird gleichfalls von guter Wirkung gefunden
werden.
=Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Wenn starkes Fieber, heiße, trockene
Haut, Durst u. s. w. vorhanden ist.
~Belladonna.~ -- Ein wichtiges Mittel, besonders gegen Gesichtsrose,
bei geschwollenen Augen, trockener Haut, Durst und Phantasiren.
~Aconitum~ und ~Belladonna~ kann abwechselnd gegeben werden. Alle 2
Stunden eine Dosis. Bessern sich die Symptome nicht, klagt der Kranke
über Schmerz im Hals, Trockenheit, Husten ohne Auswurf, gebe man
~Lachesis~. ~Apis mellifica~ kann abwechselnd damit gegeben werden.
Wenn diese Mittel eine Zeitlang gegeben worden sind und sich
der Zustand des Kranken noch verschlimmert, während eine große
Empfindlichkeit gegen Geräusch und Licht vorhanden, die Haut glänzend
und sehr zart ist, zuweilen Blasen bildet, gebe man ~Belladonna~
und ~Rhus toxicodendron~ abwechselnd, einen Theelöffel voll alle
zwei Stunden. Wird der Kranke schläfrig, gebe man eine Dosis (4
Kügelchen) ~Opium~. Wenn aufgeregt und schlaflos, gebe man Kaffee und
~Belladonna~ abwechselnd, alle Stunden eine Dosis. ~Arsenicum~ kann
gegeben werden, wenn die Entzündung eine dunkle Farbe annimmt und der
Kranke sehr schwach wird.
~Pulsatilla~ -- ist zu geben, wenn die Krankheit durch gewisse
Nahrungsmittel, wie Austern, Clams u. s. w. Auch dann, wenn die
Entzündung an einem Orte verschwindet und an einem anderen wieder
erscheint oder wenn sie die Ohren angreift. Gegen Rothlauf in den
Gelenken ~Bryonia~ und ~Rhus toxicodendron~ abwechselnd.
Wenn sich Blasen bilden, die faulig werden, gebe man ~Arsenicum~ und
~Carbo vegetabilis~ abwechselnd.
~Mercurius~ und ~Hepar sulphuris~ kann gegeben werden, wenn sich der
Rothlauf in Eitergeschwüre verläuft.
Wenn die Krankheit chronisch wird und der Leidende derselben hin und
wieder unterworfen ist, gebe man ~Rhus toxicodendron~ und ~Graphites~
einen Tag um den andern. Eine Dosis 6 Kügelchen.
Die Anwendung des Wassers -- in Form von nassen Tücherumschlägen --
um Schweiß hervorzurufen, wird sehr zuträglich gefunden werden.
+Anwendung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll
Wasser und gebe stündlich oder alle 2 bis 3 Stunden einen Theelöffel
voll, wenn nicht anders verordnet.
+Kost.+ -- Trockenes geröstetes Brod, Haferschleim, schwarzer Thee,
warme Limonade, wenn keine Diarrhöe vorhanden ist, und geschmorte
Pflaumen.
=Allöopathisch.= Beim Ausbruch gebe man ein Abführmittel wie
Bittersalz oder folgendes:
~Magnesia sulphurica~ 1 Unze.
Salpetersaure Potasche (~Nitrate of Potash~) 10 Gran.
Lakritzen-Saft (~Liquorice~) 1 Skrupel.
Gemischten Aufguß von Sennablättern 5½ Unze.
Tinctur von Senna-Blättern und Jalappenwurzel 3 Drachmen.
Spiritus von flüchtigem Salz (~Spirit of sal
volatile~) 1 Drachme.
Mische es. Dosis: 2 oder 3 Eßlöffel voll. Wenn die Krankheit nicht
heftig ist, ist es nicht gut, ein Brechmittel anzuwenden. Das
folgende kann, wenn nothwendig, gebraucht werden:
Brechweinstein (~Tartar Emetic~) 1 Gran.
Ipecacuanha-Pulver 1 Skrupel.
Syrup 1 Drachme.
Quellwasser 10 Drachmen.
Mische es und nimm es auf einmal.
Wenn auf die Eingeweide gewirkt wurde, kann das folgende gegeben
werden:
Eine Auflösung des essigsauren Ammoniak
(~solution of acetate of Ammonia~) 1½ Unzen.
Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet Spirits of
Nitre~) 2 Drachmen.
Syrup 2 Drachmen.
Campher-Mischung 4 Unzen.
Mische es. Dosis: 2 Eßlöffel voll alle 2 bis 3 Stunden.
Ist der Magen reizbar, gebe man folgendes:
Doppelkohlsaure Potasche (~Bicarbonate of Potash~) 2 Drachmen.
Syrup 2 Drachmen.
Destillirtes Wasser 6 Unzen.
Mische es. Dosis: 2 Eßlöffel voll. Zu jedem füge einen Theelöffel
voll frischen Lemon-Saft oder 15 Gran Citronen-Säure, zuvor in einem
Eßlöffel voll Wasser aufgelöst; trinke es während des Aufschäumens.
Wird der Kranke schwach und der Fall nimmt einen typhösen Charakter
an, so gebraucht man folgendes stärkende Mittel:
Eine Abkochung von Baumrinde 6 Unzen.
Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) 8 Gran.
Verdünnte Schwefelsäure (~Dilute sulphuric acid~) ½ Drachme.
Zusammengesetzte Baumrinden-Tinctur ½ Unze.
Syrup von Orangen-Schale 2 Drachmen.
Mische es. Dosis: 2 Eßlöffel voll alle 4 Stunden. Wein, Molken,
Milch, Punsch, Eier und Wein u. s. w. können ebenfalls mit Vortheil
angewendet werden.
Schlägt die Krankheit aus irgend einem Grunde nach Innen, muß die
krankhafte Oberfläche mit Senf abgerieben und der ganze Körper in
ein heißes Bad gebracht werden. Um das Jucken und Brennen der Haut
zu vermeiden, ist eines von den folgenden Mitteln anzuwenden:
Pfeilwurzpulver, Roggenmehl, pulverisirte Stärke, ein Thee von
Buchweizenmehl; leinene Umschläge, mit folgender Mischung getränkt:
Eine Auflösung von essigsaurem Ammoniak (~solution
of Acetate of Ammonia~) 4 Unzen.
Wein-Spiritus 1 „
Hollunderblüthe oder Rosenwasser 3 „
Gegen die Ausbreitung der Entzündung wende man Jod-Tinctur an, Dr.
Wood empfiehlt einen Rand von ungefähr zwei Zoll, eine Hälfte auf
der entzündeten Oberfläche und die andere auf der gesunden Haut zu
malen; nach Belieben anzuwenden und täglich, wenn nothwendig, zu
wiederholen. Salpetersaures Silber wird von Higgenbottom empfohlen
und wie folgt angewendet:
Salpetersaures Silber (~Nitrate of Silver~) 2 Skrupel.
Salpetersäure (~Nitric Acid~) 12 Tropfen.
Wasser 1 Unze.
Mische es. Wende es mit einem an einen Stock gebundenen Lappen oder
einer Kameelshaarbürste an.
+Anmerkung.+ Bei heftig auftretenden Fällen wende man sich an einen
geschickten Arzt.
Masern (~Measels~, ~Rubeola~).
Dies ist eine Krankheit, die hauptsächlich in der Kindheit auftritt;
doch werden auch Erwachsene davon befallen, die derselben weit
härter als Kinder unterworfen sind. Ein Anfall wird in der Regel den
Betreffenden gegen einen zweiten sichern. Es ist eine ansteckende
Krankheit, deren Verlauf 7 bis 20 Tage nach dem Erscheinen erfordert.
+Kennzeichen:+ Die Symptome sind anfänglich jenen des Katarrhs oder
Schnupfens sehr ähnlich. Frost, Durst, Schlaflosigkeit, zuweilen
Kopfschmerzen, Niesen, kurzer trockner Husten, Laufen der Nase, rothe
und wässrige Augen sind vorhanden. Dies ist das erste Stadium, welches
in der Regel ungefähr drei Tage dauert. Am vierten Tage zeigt sich ein
Ausschlag. Derselbe beginnt im Gesicht, gewöhnlich auf der Stirne, und
geht hinab nach dem Nacken, Rumpf und untern Körpertheilen. Dieser
Zustand dauert ungefähr 48 Stunden, während dessen das Fieber sehr
stark ist. Der Ausschlag besteht in ganz kleinen tief rothen Punkten,
welche den Flohbissen sehr ähnlich sind, sind leicht erhaben auf der
Oberfläche und fühlen sich rauh an, wenn man mit der Hand über die
Haut streicht. Am siebten oder achten Tage nach den ersten Symptomen
der Krankheit verschwindet der Ausschlag und zwar zunächst da, wo er
sich zuerst zeigte. Am neunten Tage werden in der Regel nur noch
einige gelbrothe Flecke gesehen. Die Haut wird trocken und löst sich
in kleinen kleiartigen Stückchen ab. Masern können mit einer Unordnung
des Magens, Entzündung der Lungen oder einer solchen der Eingeweide
verwickelt sein. Fällt die Krankheit auf die Lungen, so verschwindet
der Ausschlag viel früher als er sollte -- in 36 oder 48 Stunden.
Die Masern können mit Scharlachfieber verwechselt werden, wer aber
die Symptome genau beachtet, kann kaum einen solchen Irrthum begehen.
Die unterscheidenden Merkmale zwischen den beiden Krankheiten sind
folgende: 1) Den Masern gehen stets Katarrh-Symptome, wie Niesen,
Husten, Laufen der Nase voraus, was bei dem Scharlachfieber nicht
der Fall ist. 2) Das Ausbrechen der Masern zeigt sich in Flecken in
der Gestalt eines Halbmonds, ähnlich den Flohbissen, welche auf der
Oberfläche leicht erhaben sind. Die Flecken des Scharlachfiebers
sind nicht erhaben, breiten sich über den ganzen Körper aus und sind
von einer hellen Scharlachfarbe. Bezüglich der Farbe könnte man
die Masern mit der der Himbeere und die des Scharlachfiebers mit
jener eines gekochten Krebses vergleichen. 3) Böser Hals wird stets
beim Scharlachfieber gefunden, bei Masern selten oder nie. 4) Der
Masernausschlag erscheint am vierten und jener des Scharlachfiebers am
zweiten Tage.
+Behandlung.+
=Allgemeine.= Masern erfordern in der Regel nur wenig medizinische
Behandlung. Der Kranke sollte in ein großes luftiges Zimmer geschafft
werden, und es ist besser, wenn er im Bett bleibt. Man sollte ihm
keine warmen Getränke oder Brechmittel geben, da diese das Fieber
nur erhöhen. Kaltes Wasser kann er so viel trinken, als er wünscht.
Die Kost muß leicht sein, wie: Weizen- oder Reismehl, Haferschleim,
Zwieback-Wasser, Milch und Wasser, Tapiocamehl, Sago oder andere
leicht verdauliche Nahrungsmittel. Wenn das Fieber abnimmt, kann eine
kräftigere Kost gestattet werden. Die Augen schütze man gegen das
Licht.
=Eclectische und Kräuterkur.= Wenn das Fieber stark und die Symptome
ernstlich, mag die Tinctur von Virginischer Schlangenwurzel (~Snake
root~) in Dosen von 10 bis 60 Tropfen in warmem Katzenmünze-
(~catnip~) oder Balsam-Thee, alle 2 oder 4 Stunden eingenommen
werden. Kommt der Ausschlag lange nicht heraus, oder schlägt er nach
seinem Erscheinen wieder zurück, mache man Senfumschläge auf den
Unterleib, die Füße, Knöchel und die Handgelenke. Ist der Husten
stark, gieb eine gemischte Tinctur von Lobelia in einem Aufguß
von Ulmenrinde (~slippery elm~) alle ein oder zwei Stunden. Sind
Anzeichen von einer Lungenentzündung vorhanden, so mache man einen
Senfumschlag über die ganze Brust, der entfernt werden kann, sobald
er eine bestimmte Röthe hervorgerufen hat, dann einen Umschlag
von Hopfen- und Lobeliablättern, wechsle sie alle halbe oder alle
Stunden. Man gebe die gemischte Lobelia-Tinctur, die Uebelkeit
verursachen wird. Auch wasche man den Kranken öfters vermittelst
eines Schwammes mit warmem, schwachem Laugenwasser, um das Jucken und
Brennen zu vermindern. Ist Diarrhöe vorhanden, gebe man einen Aufguß
von Brombeerenwurzel (~blackberry root~) oder Einspritzungen von
Stärkewasser mit einigen Tropfen Laudanum.
=Allöopathisch.= Gegen den Husten gebe man Flachssamen- oder
Ulmenrindenthee (~slippery elm~). Die Eingeweide halte man durch
geröstete Aepfel, gekochte Pflaumen oder mit folgendem Mittel offen:
Schwefelsaures Magnesia (~sulphate of Magnesia~) 3 Drachmen.
Auflösung von essigsaurem Ammoniak (~solution of
Acetate of Ammonia~) 1 Unze.
Ipecacuanha-Wein (~wine of Ipecac~) 1 Drachme.
Süßer Salpeter-Spiritus (~sweet spirits of nitre~) 1 „
Mohn-Syrup (~syrup of Poppies~) 2 „
Zimmet-Wasser 1 Unze.
Hinreichend Wasser, um vier Unzen zuzubereiten.
Mische es. Dosis: 1 Eßlöffel voll 3 oder 4 Mal des Tages.
Wenn der Ausschlag von zu starkem Fieber zurückgehalten wird, gebe
man die Tinctur von grüner Nieswurz (~veratrum viride~),
Ipecacuanha, Bienen-Syrup oder Lobelia in Dosen, die hinreichen, um
Uebelkeit im Magen hervorzurufen, so wie die zusammengesetzte Tinktur
der Virginischen Schlangenwurzel theelöffelweise.
Ist der Husten sehr stark, gebe man folgendes:
Gewöhnlichen Sauerhonig (~oxymel simple~) 1 Unze.
Ipecacuanha-Wein (~Wine of Ipecac~) ½ Drachme.
Meerzwiebel-Tinctur (~tincture of Squills~) 1 „
Genügend Wasser, um 6 Unzen zu bereiten.
Mische es. Dosis: Vier- oder fünfmal des Tages einen Theelöffel voll.
Oder:
Tolu-Syrup 1½ Unze.
Gummi Arabicum Schleim (~Mucilage of Gum Arabic~) 1½ „
Ipecacuanha Wein 1 Drachme.
Meerzwiebel-Tinctur 1 „
Hinlänglich Wasser, um 6 Unzen zuzubereiten.
Mische es. Alle 4 Stunden einen Eßlöffel voll. Am dritten oder
vierten Tage, nachdem der Ausschlag verschwunden ist, gebe man ein
zusammengesetztes Pulver von Jalappenwurzel oder Scammonium-Harz.
Bei großer Schwäche des Patienten gebe man:
Anderthalb Kohlensaures Ammoniak (~sesquicarbonate
of Ammonia~) ½ Drachme.
Süßen Salpeter-Spiritus (~sweet spirits of nitre~) 2 Drachmen.
Opium-Tinctur 30 Minims.
Kampfer-Mischung 6 Unzen.
Mische es. 2 Eßlöffel voll alle 3 oder 4 Stunden.
Oder:
Salzsaures Ammonium (~muriate of Ammonia~) 1 Unze.
Destillirtes Wasser 9 Unzen.
Mische es. Alle 3 oder 4 Stunden einen Eßlöffel voll.
=Homöopathisch.= Wenn der Anfall gelind ist, gebe man abwechselnd
~Aconitum~ und ~Pulsatilla~ (4 Kügelchen) alle 2 bis 3 Stunden, was
in der Regel die gewünschte Wirkung haben wird. Bei Magenbeschwerden
gebe man gelegentlich eine Dosis Ipecacuanha oder Belladonna. Bei
bösem, trockenem, schmerzhaftem (beim Schlucken) Hals, Durst,
krampfartigem Husten, auch wenn Andrang nach dem Kopfe bei erhöhtem
Fieber, Schlaflosigkeit, Delirium vorhanden ist.
~Aconitum~ und ~Bryonia~ sollten alle zwei bis drei Stunden
abwechselnd gegeben werden (12 Kügelchen aufgelöst in 12
Theelöffelvoll Wasser). Gebe einen Theelöffel voll bei heftigem,
trocknem Husten mit stechenden Schmerzen in der Brust, welche
Bronchitis oder Lungenentzündung anzeigt.
~Ipecacuanha~ und ~Bryonia~ gebe man abwechselnd alle Stunden oder
alle halbe Stunden, wenn der Ausschlag nicht recht herauskommt oder
plötzlich zurückschlägt -- bei Blässe und Magenschmerzen. ~Euphrasia~
bei entzündeten wässerigen Augen.
~Rhus Toxicodendron~ sollte abwechselnd mit ~Bryonia~ gegeben werden,
wenn Symptome von Nervenfieber vorhanden sind, wie: trockene rothe
Zunge, heiße und trockene Haut, sowie Delirium. Kommt hierzu starker
Durst, Schlaflosigkeit, bräunliche Diarrhöe, gebe man ~Arsenicum~ und
~Rhus~ abwechselnd alle 1 oder 2 Stunden eine Dosis.
Bei Ohrenfluß mit Ohrenschmerzen verbunden nach den Masern gebe man
~Pulsatilla~, ~Sulphur~ oder ~Mercurius~. Gegen das Anschwellen der
Drüsen des Nackens ~Belladonna~, ~Mercurius~, ~Rhus~, ~Arnica~. Gegen
das Brennen und Jucken der Haut ~Sulphur~ und ~Arsenicum~.
Während einer Epidemie der Masern ist eine Dosis (4 Kügelchen) von
~Pulsatilla~ alle Abend zu empfehlen, sie wird entweder den Anfall
ganz verhindern oder doch schwächen.
+Verordnung der Heilmittel.+ Ist die Dosis nicht mit den Mitteln
angegeben, so löse man 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und
gebe einen Theelöffel voll alle 2 bis 3 Stunden.
+Anmerkung.+ Wenn die Masern bösartig sind, sich Symptome eines
Faulfiebers, sowie ein dunkler, schwarzgelber Ausschlag, mit
dunkelrothen Flecken, großer Schwäche einstellen und der Ausschlag
einmal heraustritt, dann wieder verschwindet, so ziehe man einen
geschickten Arzt zu Rathe.
Das Scharlachfriesel (~Scarlatina familiaris~, ~scarlet rash~.)
Dasselbe ist eine vom Scharlachfieber verschiedene Krankheit, obgleich
es zuweilen mit demselben, sowie auch mit den Masern verwechselt wird.
Der Ausschlag des Scharlachfriesels besteht in ganz kleinen kronartigen
Erhöhungen, welche bei einem Streichen mit der Hand über die Oberfläche
der Haut leicht gefühlt werden können, während der Ausschlag des
Scharlachfiebers vollkommen glatt ist.
+Ursachen.+ Kinder irgend eines Alters sind empfänglich dafür,
wird aber häufiger bei Säuglingen gefunden. Es wird durch einen
gewissen Reiz des Magens und der Eingeweide, durch plötzlichen
Witterungswechsel, plötzliche Unterdrückung der Hautausdünstung, durch
kaltes Trinken, wenn der Körper erhitzt ist, und durch übermäßige
Bewegung hervorgerufen. Es ist nicht ansteckend.
+Kennzeichen.+ Dem Ausschlag geht in der Regel Frost und Hitze --
abwechselnd -- Schwäche, Schwere und Eingenommenheit des Kopfes,
Schlaflosigkeit, Hitze und Trockenheit der Haut, Appetitlosigkeit u.
s. w. voraus. Diese Symptome verschwinden, sobald sich der Ausschlag
zeigt, was in der Regel am dritten oder vierten Tage der Fall ist.
Scharlachfriesel kann von Scharlachfieber dadurch unterschieden werden,
daß bei dem Letzteren der Ausschlag eine hellrothe oder scharlachartige
Farbe besitzt und sich gleichmäßig über die Oberfläche des Körpers
verbreitet; bei dem Ersteren ist der Ausschlag viel dunkler, zuweilen
fast purpurfarbig, und erstreckt sich in unregelmäßigen runden
Flecken über den Körper, läßt auch beim Druck mit den Fingern keinen
weißen Eindruck zurück. Das Scharlachfieber wird stets von bösem Hals
begleitet, was bei dem Scharlachfriesel nicht der Fall ist. Durch das
Laufen der Nase, Augen u. s. w., Symptome der Masern, können dieselben
vom Scharlachfriesel unterschieden werden.
+Behandlung.+
=Homöopathisch.= Bei gewöhnlichen Fällen reicht ~Aconitum~ hin, das,
wenn Reizbarkeit und Schlaflosigkeit vorhanden ist, abwechselnd mit
~Coffea~ gegeben werden kann.
Bei Uebelkeit und Erbrechen ~Ipecacuanha~ oder ~Pulsatilla~.
Verschwindet in Fällen der Ausschlag plötzlich: ~Ipecacuanha~ und
~Bryonia~, abwechselnd alle halbe Stunden oder alle Stunden eine
Dosis, gleichzeitig halte man den Kranken wohl zugedeckt.
Bei Andrang nach dem Kopfe, Schläfrigkeit gebe man ~Opium~. Wenn
plötzliche Anfälle eintreten, die Augen mit Blut unterlaufen und der
Kopf schwer wird, wende man ~Belladonna~ an.
+Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll
Wasser und gebe alle 1, 2 oder 3 Stunden, der Strenge der Symptome
angemessen, einen Theelöffel voll.
=Allöopathisch.= Gewöhnlich ist nur wenig, wenn irgend welche
Behandlung erforderlich. Bei starken Anfällen beschränke man den
Kranken auf das Haus, setze ihn auf schmale Kost und gebe folgendes:
Eine Auflösung von essigsaurem Ammoniak
(~solution of acetate of Ammonia~) 1½ Unzen.
Süßer Salpeter-Spiritus (~sweet spirits of nitre~) 2 Drachmen.
Syrup 2 „
Kampfer-Mischung 4 Unzen.
Mische es. Dosis: einen Theelöffel voll alle 3 oder 4 Stunden.
Ist Säure in dem Magen vorhanden, gelegentlich eine Dosis Magnesia
-- bei starkem Fieber die neutrale Mischung (~neutral mixture~).
Auf die Eingeweide suche man mit Castoröl oder Bittersalz u. s. w.
einzuwirken.
=Wasserheilkur.= Die Anwendung des Wassers wird bei dieser Krankheit
von ausgezeichnetem Erfolge gefunden werden. Hülle den Kranken in
nasse Tücher und decke ihn mit wollenen Decken gut zu. In dieser
Lage mag er gelassen werden, bis eine ungehinderte Ausdünstung
eintritt, worauf man ihn mit lauwarmem Wasser abwäscht. Ruft die
erste Einhüllung nicht die gehörige Ausdünstung hervor, so sollten
die nassen Tücher wiederholt werden, und zwar so oft, bis das Fieber
eintritt. Wenn der Ausschlag plötzlich verschwindet und der Kranke
wird schwach, schlaflos und reizbar, so wasche man ihn über und über
mit kaltem Wasser, hülle ihn unabgetrocknet in wollene Decken ein
und gebe ihm reichlich kaltes Wasser zu trinken. Er wird dadurch in
Schweiß gerathen und der Ausschlag wird wieder erscheinen.
Betreffs der Kost müssen alle reichen, überreifen und fetten Speisen
vermieden werden und man darf dem Kranken nur leichte Diät erlauben,
wie z. B. Weizen- oder Reismehlschleim, Milch und Wasser, Sago,
Tapioca oder Zwiebackwasser (~toast water~).
Das Scharlachfieber (~Scarlatina~, ~laevis~).
Dies gehört zu den ansteckenden Fiebern und ist in der Regel von
Ausschlag und bösem Halse begleitet. Es giebt drei verschiedene Arten:
~Scarletina Simplex~ oder einfaches Scharlachfieber; ~Scarletina
Anginosa~, wo Hals und Haut angegriffen sind, und ~Scarletina Maligna~,
wo der böse Hals ein vorwiegendes Kennzeichen ist und daher zuweilen
auch bösartige Halsentzündung genannt wird. Diese verschiedenen Formen
aber entspringen alle aus ein und derselben Quelle. Scharlachfieber
kommt im Frühjahr und Herbst am häufigsten vor. Die einzige Krankheit,
mit der sie verglichen werden kann, sind die Masern, und unter dem
Abschnitt „die Masern“ wurde bereits der Unterschied dieser beiden
Krankheiten angegeben. Der böse Hals kann die Folge eines gelinden
Scharlachfiebers sein, wie auch nicht selten in Folge einer bösartigen
Halsentzündung gelindes Scharlachfieber entsteht. Diese Formen erhöhen
unmerklich eine die andere (Watson). Oft tritt das Scharlachfieber
so gelinde auf, daß es den Kranken kaum an’s Haus bindet, während es
wieder in andern Fällen in wenigen Tagen, ja sogar in wenigen Stunden
eine schlimmere Wendung nimmt.
~Scarlatina Simplex~ -- beginnt mit Frostschauer, heißer Haut,
Kopfschmerz, Uebelkeit und einer leichten Halsentzündung. Am zweiten
Tage zeigt sich ein Ausschlag von feinen rothen Punkten -- zuerst im
Gesicht und auf dem Nacken und bedeckt bald den ganzen Körper. Der
Ausschlag nimmt am vierten oder fünften Tage ab und verschwindet in der
Regel am siebten oder achten Tage der Krankheit ganz. Die Epidermis
oder Oberhaut schält sich in großen Flecken von den Händen und
Endgliedern und schuppt sich vom Gesicht und den übrigen Körpertheilen
ab.
~Angina scarlatinosa.~ -- Die Symptome treten schärfer und stärker
bei dieser Art als bei der vorhergehenden auf. Die Vorläufer oder
ersten Kennzeichen dauern länger, der Ausschlag zeigt sich nicht vor
Ablauf des zweiten, in manchen Fällen nicht vor dem dritten Tage und
zeigt sich mehr in der Form von großen rothen Flecken. Der Frost
ist bedeutend, der Hals entzündet und Hals und Drüsen hochroth und
geschwollen. Das Schlucken geht schwierig und die Drüsen schwellen
so bedeutend an, daß sie den Eingang zum Halse fast verstopfen.
Anhaltendes Kopfweh, geschwollene, rothe Augen verbinden sich mit
Steifheit des Nackens und Kinnbackens. Die Hitze der Haut ist groß
und die Haut erscheint fast roth gesotten. Sollte sich der Ausschlag
auf den Magen, die Lungen oder das Gehirn erstrecken, so werden die
Symptome sehr bedenklich und der Fall erfordert eine sehr umsichtige
Behandlung. Wenn der Fall günstig verläuft, verschwindet der Ausschlag
ungefähr am sechsten oder achten Tag.
~Scarlatina Maligna.~ -- Diese Krankheit ist sehr gefährlich. Die
Symptome sind ungefähr dieselben, wie bei der vorhergehenden Form,
nur nähern sie sich bald denen des Typhoid und verursachen große
Schwäche und gänzliche Erschöpfung. Die Entzündung des Halses ist
bedeutend, Geschwüre bilden sich, welche die zarten Theile des Halses
zerstören können. Der Ausschlag zeigt sich in unregelmäßigen Flecken,
verschwindet zuweilen und kommt wieder. Die Drüsen des Nackens sind
sehr geschwollen und die Nasenhöhlen verstopft und angeschwollen. Eine
scharfe und brennende Absonderung aus der Nase und dem Halse macht die
Lippen sowie die Nase wund. Die Zunge ist trocken und hat eine dunkle
mahagoniholzartige Farbe. Der Puls ist schwach und die Hitze der Haut
unter dem normalen Stand.
Das Aussehen der Zunge ist bei Scharlachfieber eigenthümlich. Beim
Beginn der Krankheit ist sie mit einer dicken, rahmartigen Lage
bedeckt und die Kanten sind von einer dunkelrothen Farbe; nach den
ersten zwei oder drei Tagen reinigt sie sich und gleicht jetzt einem
Stück rohen Fleische. Gewisse Krankheiten, die zuweilen einem Anfall
von Scharlachfieber folgen, sind fast eben so gefährlich, als das
Fieber selbst. Hierher gehören die Entzündung des Inneren des Ohres,
von welchem eine eiterartige Absonderung stattfindet und die den
Kranken vollständig taub machen kann, scrophulöses Anschwellen der
Nackendrüsen, chronische Entzündung der Augen. Die am meisten zu
befürchtende Folge ist die Wassersucht, die entweder den ganzen Körper
oder nur den Kopf und die Brust befallen kann. Gewöhnlich wird sie
durch eine Erkältung während der Wiedergenesung hervorgerufen, und es
kann daher nicht genug Sorgfalt während der Hautabschuppung beobachtet
werden. Dieser Abschnitt der Genesung ist der gefährlichste der ganzen
Krankheit, denn während die Eltern meinen, daß das Kind wieder gesund
wird, lassen sie in ihrer Wachsamkeit nach, indem sie dem Kinde
gestatten, in ein kaltes Zimmer zu gehen, das Feuer abgehen lassen und
sich noch anderer grober Sorglosigkeiten schuldig machen. In Folge
einer solchen Krankheit wird der Kranke hinfällig, matt, fieberisch
und schlaflos. Die Haut ist trocken und heiß, die Abschuppung stellt
sich ein, das Gesicht schwillt an, bald dehnt sich dieses Anschwellen
auf Hände und Füße und schließlich auf den ganzen Körper aus. Wenn
auch der Anfall von Scharlachfieber nur ein leichter war, so sollte
doch dem Kranken nicht gestattet werden, sein Bett vor dem fünfzehnten
Tage und das Haus nicht vor vier Wochen, vom Beginn der Krankheit an,
zu verlassen. Sein Leben kann von der genauen Befolgung dieser Regel
abhängen.
+Ursachen.+ -- Scharlachfieber kann durch Ansteckung fortgepflanzt
werden, oder auch als eine Epidemie herrschen. Dr. Hood empfiehlt in
seinem Werk über das „Scharlachfieber“, die Kleider mit Chlorsalz zu
tränken und sie auf Stühle in dem Zimmer eines an dieser Krankheit
Leidenden zu hängen. Dies zerstört die Ansteckungskraft und die Gefahr
der Ausbreitung dieser Krankheit ist weit geringer, als es andrerseits
der Fall sein würde.
+Behandlung.+
=Allgemeine.= Die milderen Formen dieser Krankheit erfordern nur
geringe Behandlung. Man halte den Kranken in einem gut gelüfteten
Zimmer, setze ihn auf schmale Kost und wasche die Oberfläche des
Körpers gelegentlich mit lauwarmem Wasser, wenn die Hitze der Haut groß
ist. Einige Aerzte empfehlen anstatt der Waschung mit lauwarmem Wasser
eine Einreibung mit Nierenfett sehr. Dr. West sagt in seinem Buche
„über Krankheiten der Kinder,“ daß er dieses Mittel mit großem Erfolg
angewendet habe. Es entfernt jene stechende Hitze weit erfolgreicher
als das Wasser, macht die Haut geschmeidig und braucht nicht mehr als
zweimal innerhalb 24 Stunden wiederholt zu werden. Die Einreibung
besteht aus folgendem: Man nehme Talg oder fetten Speck und reibe damit
den Kranken vom Kopf bis zum Fuß, ausgenommen das Gesicht und die
Kopfhaut, Morgens und Abends. Anstatt des Speckes empfiehlt Dr. Meigs
in seinem „Krankheiten der Kinder“ folgende Salbe:
Glycerin 1 Drachme.
Salbe von Rosenwasser 1 Unze.
Diese Einreibung sollte sofort nach dem Erkennen der Krankheit
angewendet und während dem ganzen Verlaufe fortgesetzt werden.
Während der Genesung, oder wenn sich die Haut abschuppt, wende sie
des Morgens an, gebe dem Kinde ein warmes Bad am Abend und reibe es
gut mit einem weichen Handtuche ab.
Nasse kalte Wasserumschläge sollten um den Hals, wenn er böse und
entzündet ist, gemacht werden. Der Umschlag muß immer nach einigen
Augenblicken entfernt werden, bis sich der Hals bessert. Anstatt der
Einreibung wasche die Oberfläche mit einer schwachen Auflösung des
Saleratus oder Laugenwasser, was den Reiz vermindern wird. Im Falle
der Ausschlag plötzlich verschwindet und es ist augenscheinlich,
daß er sich nach Innen geschlagen hat, empfiehlt Dr. Mundle die
Behandlung vermittelst der Wasserkur, als ein ausgezeichnetes Mittel,
und zwar wie folgt: Im Falle, daß das Scharlachfieber plötzlich nach
Innen schlägt, muß der Kranke am ganzen Körper mit kaltem Wasser
gewaschen werden, und falls Krampf erfolgt, muß kaltes Wasser in
größerer Menge über ihn gegossen werden, bis der Krampf aufhört, dann
wird er in wollene Decken, ohne abgetrocknet oder abgerieben worden
zu sein, gewickelt, und muß soviel als möglich kaltes Wasser trinken.
In den meisten Fällen tritt Schweiß ein, der Ausschlag erscheint
wieder und der Kranke ist gerettet.
Die gehörige Regelung der Kost ist ein wesentlicher Bestandtheil
der Behandlung. In der Regel zeigt der Kranke kein besonderes
Verlangen nach Nahrung, besonders wenn das Fieber seinen Höhepunkt
erreicht hat. Wünscht aber der Kranke etwas zu genießen, so gebe
man ihm Reismehl- oder Pfeilwurzschleim, Tapioca, Farina, Wasser
von geröstetem Brod, Eiswasser oder Flachssamenthee. Ein sehr
erfrischender Trank wird dadurch hergestellt, daß man dem kalten
Wasser Erdbeeren-, Himbeeren- oder anderen Fruchtsyrup hinzufügt.
Wenn die Lippen und Zähne mit einem Schorf oder einer Kruste bedeckt
werden, entferne man sie vermittelst warmer Milch oder warmen
Wassers. Wird er besser und die Genesung schreitet vorwärts, so kann
Haferschleim, geröstete Milchschnitten (milk toast) und sehr leichte
Fleischbrühe gestattet werden. Wenn die Verdauung gut ist, erlaube
man Suppen, zartes, leicht verdauliches Fleisch u. s. w. In Betreff
der Kost kann nie genug Sorgfalt beobachtet werden. Beklagt sich der
Kranke laut, daß ihm nicht hinreichend Nahrung zu Theil wird, so
willfahre seinem Ansuchen nicht.
Es ist von äußerster Wichtigkeit, daß ihm nicht erlaubt werde, zu
früh auszugehen oder sich auf irgend eine Weise der kalten Luft
auszusetzen. Es ist sehr zuträglich, wenn noch eine lange Zeit nach
dem Anfall unmittelbar auf der Haut Flanell getragen wird.
Als ein Schutzmittel gegen das Scharlachfieber wird von den Aerzten
aller Schulen Belladonna empfohlen. Seine Vorzüge wurden zuerst
durch Hahnemann, den Gründer der homöopathischen Schule, bekannt. Es
ist außer allem Zweifel, daß dies die Kraft, gegen die Krankheit zu
schützen oder doch den Anfall bedeutend zu verringern, besitzt. Die
beste Form, dasselbe zu nehmen, ist das homöopathische Kügelchen, von
welchem man vier einmal des Tages durch mehrere Wochen hindurch, oder
so lange als man der Krankheit ausgesetzt sein mag, einnimmt. Kann
man diese Form nicht haben, nehme man einen Tropfen von der Tinctur
ein Tag um den andern. Wenn dies Alles einen Anfall nicht verhüten
sollte, so wird es ihn doch sicherlich weit gelinder machen.
=Homöopathisch.= Bei Behandlung dieser Krankheit ist das wichtigste
Mittel ~Belladonna~. Es wird in allen Formen und Stadien gegeben,
bei der einfachen Form wird schon diese eine genügen. Die Symptome,
welche es erfordern, sind folgende: Trockenes, brennendes Fieber,
schneller Puls, großer Durst, trockene, rothe oder weißbelegte Zunge,
Hals und Drüsen entzündet und geschwollen, erschwertes Schlucken,
Schlagen der Halsadern, Gesicht heiß, roth und aufgedunsen,
Schwindel, Vollsein und Druck im Kopf, mit stechenden Schmerzen,
welche durch Bewegung erhöht werden, Appetitlosigkeit, Uebelkeit
und Erbrechen, heftigen Husten, trockene, brennende Hitze der Haut,
das Auffahren aus dem Schlaf, große Erregtheit und Umsichschlagen,
Scharlach-Ausschlag auf dem Gesicht und ganzen Körper. Bei heftigen
Anfällen kann ~Belladonna~ alle Stunden einmal gegeben werden, bis
sich die Symptome bessern. Bei milderen Fällen alle 2 bis 3 Stunden
eine Dosis.
Wenn das Fieber stark, der Puls schnell und voll, die Haut trocken
und der Kopf heiß ist und große Erregtheit sich kund gibt, so gebe
~Aconitum~ abwechselnd mit ~Belladonna~ alle Stunden. Tritt unter
dieser Behandlung während des Tages Besserung ein und die Symptome
wachsen zur Nachtzeit zur Ruhe- und Schlaflosigkeit, so gebe man
~Coffea~ und ~Belladonna~ abwechselnd alle Stunden, bis der Kranke
ruhiger wird.
Ist große Schläfrigkeit und Hin- und Herwerfen vorhanden, die Zunge
sehr trocken, Anschwellen der Drüsen des Nackens, die Haut im Gesicht
glänzend, der Kopf nach rückwärts geworfen und fast beständiges
Delirium, so gebe man ~Rhus toxicodendron~ und ~Belladonna~
abwechselnd alle Stunden.
~Mercurius~ und ~Belladonna~ mögen alle Stunden abwechselnd gegeben
werden, wenn die Mandeln schwürig werden, die Drüsen des Nackens
anschwellen, eine große Menge von Speichel aus dem Munde läuft und
übelriechender Athem vorhanden ist. Tritt innerhalb 12 Stunden keine
Besserung ein, gebe man ~Acidum Nitri~ ebenso wie ~Mercurius~.
Werden aber, nachdem man 6 bis 8 Stunden ~Acidum Nitri~ gegeben
hat, die Symptome schlimmer und die Speichelabsonderung immer
unerträglicher, gebe man ~Arsenicum~ und ~Lachesis~ alle Stunden eine
Dosis abwechselnd bis der Kranke besser wird. ~Opium~ mag gegeben
werden, wenn das Athmen in Schnarchen übergeht, bei Auffahren oder
beständigem Delirium; das Gesicht aufgeschwollen und roth, brennende
Hitze der Haut -- mit oder ohne Schweiß.
Schlägt der Ausschlag zurück und die Haut nimmt eine dunkelbläuliche
Farbe an, abwechselnd ~Bryonia~ und ~Belladonna~ alle halbe Stunden.
Gewährt dies keine Erleichterung, so gebe man ~Ipecacuanha~ oder
~Camphor~.
~Sulphur~ ist ein schätzenswerthes Mittel und sollte (gelegentlich
eine Dosis) gegeben werden, wenn sich die Haut abzuschuppen beginnt.
Wenn die Symptome, welche ~Belladonna~ erfordern, nach Einnahme
dieser Arznei nicht nachlassen, so gebe gelegentlich eine Dosis
~Sulphur~.
Zeigen sich die Symptome der Bräune (~Croup~), so gebe man ~Aconitum~
und ~Hepar sulphuris~ abwechselnd, alle Stunden eine Dosis.
Gegen Ohrenschmerzen nach Scharlachfieber reiche man ~Pulsatilla~
alle ein oder zwei Stunden eine Dosis, der Strenge der Symptome
angemessen. Gewährt dies keine Erleichterung, so gebe man
~Belladonna~ und ~Hepar Sulphuris~ abwechselnd.
Gegen Ohrenfluß (~Otorrhœa~) gebe man ~Pulsatilla~ alle 6 Stunden
eine Dosis, drei oder vier Tage lang; wenn es darauf nicht besser
wird, gebe man ~Calcarea~ oder ~Silicea~ in derselben Weise. Zeigt
das Kind nach der Krankheit Symptome von Wassersucht des Gehirns
(heißen Kopf, kalte Endglieder, Schlaf mit halboffenen Augen,
Erbrechen bei Bewegung), so gebe man ~Bryonia~ und ~Helleborus~
abwechselnd, alle zwei Stunden, bis sich die Symptome bessern.
Wenn der ganze Körper anschwillt, gebe man ~Belladonna~ und
~Helleborus~ abwechselnd alle zwei Stunden und darauf ~Bryonia~ oder
~Apis mellifica~.
Sind, ehe der Ausschlag herauskommt, Verzuckungen vorhanden, so gebe
man ~Belladonna~ und ~Cuprum~ abwechselnd alle 15 bis 20 Minuten eine
Dosis.
+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem betreffenden Heilmittel löse
12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wassers und gebe als Dosis einen
Theelöffel voll alle halbe, ganze oder zwei Stunden, der Heftigkeit
der Symptome angemessen.
=Allöopathisch.= Bei gelinden Fällen bleibe man im Hause in kühler
frischer Luft, nehme verdünnte Getränke wie Flachssamen-Thee und eine
leichte Kost, sowie die folgende Mischung, was alles sein wird, was
nothwendig ist.
Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) 1½ Unzen.
Zusammengesetzter Aufguß von Rosen (~Compound
infusion of roses~) 5 Unzen.
Zimmet-Wasser 1 Unze.
Mische es. Dosis: Alle drei Stunden zwei Theelöffel voll.
Bei schmerzhaftem Schlucken, entzündetem und geschwollenem Hals und
Mandeln, vollem und springendem Puls, heißer und trockener Haut, gebe
man folgendes Brechmittel:
Pulverisirten Ipecacuanha 10 Gran.
Schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~) 10 Gran.
Gewöhnlicher Syrup 2 Drachmen.
Wasser 1 Unze.
Auf diese Arznei gebe man warmes Wasser, bis ein Erbrechen
hervorgerufen ist. Dieses Mittel kann einem Kinde von 6 Jahren
und darüber gegeben werden. Dr. Rush empfiehlt ein Brechmittel
mit einem Abführmittel zu vereinigen, und zwar wie folgt: 5 Gran
Calomel, 1 Gran ~Antimonium tartarisatum~, oder 5 Gran pulverisirtes
Ipecacuanha. Brechmittel sollten während dieser Krankheit, wo immer
die Symptome schlechter werden, oder Magenkrankheit vorhanden ist,
angewendet werden. Zur Beförderung der Thätigkeit der Haut wird
folgendes Mittel gut gefunden werden:
Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitri~) ½ Unze.
Tinctur von grüner Nieswurz (~Tincture of veratrum
viride~) 20 Tropfen.
Pulverisirter Gummi-Arabicum 1 Skrupel.
Weiches Wasser 2 Unzen.
Mische es. Dosis: Alle halbe Stunden einen Theelöffel voll. ~Acidum
muriaticum~ ist ein gutes Heilmittel. Gebe 45 Tropfen in ein Glas
versüßten Wassers und alle halbe Stunde einen Theelöffel voll.
Als ein Gurgelwasser für den Hals gebrauche man eine Auflösung von
Chlorkalk (~chloride of lime~) eine Unze auf das Pint.
Wenn das Kind zum Gurgeln noch zu jung ist, so binde ein Läppchen
an einen Stock und wische den Hals aus. Ungefähr zweimal des Tages
anzuwenden. Es schadet nichts, wenn das Kind zufällig etwas davon
verschlucken sollte. Ferner ist es sehr zuträglich, das Kind Abends
und Morgens mit derselben Auflösung abzuwaschen. Ein ausgezeichnetes
Gurgelwasser ist das folgende:
Zusammengesetzter Aufguß von Rosen (~Compound
infusion of roses~) ½ Pint.
Verdünnte Salzsäure (~Dilute muriatic acid~) ½ Drachme.
Mische es.
Wenn die Symptome, wie in der zweiten Form angegeben, gebe man
folgendes:
Citronen-Säure (~Citric acid~) 1 Drachme.
Doppeltkohlensaure Potasche (~Bicarbonate of potash~) 4 Skrupel.
Salpeter (~Nitre~) 2 Skrupel.
Zimmet-Wasser 2 Unzen.
Wasser 2 Unzen.
Mische es. Dosis: Alle vier Stunden zwei Theelöffel voll. Tritt
bedeutender Schweiß ein, gebe man das folgende mit obigem alle vier
Stunden:
Auflösung von essigsaurem Ammoniak (~Solution of
acetate of ammonia~) 2 Unzen.
Kohlensaures Ammoniak (~Carbonate of ammonia~) 3 Skrupel.
Syrup ½ Unze.
So viel Wasser, um ein halbes Pint zu machen. Dosis: Einen Eßlöffel.
Als ein Mittel gegen Ansteckung und für einen Trank möge das
folgende angewandt werden: Bringe 2 Gran Chlorsaures Kali
(~chloride of potash~) in eine Quartflasche, füge eine Drachme
Chlorwasserstoff-Säure (~hydrochloric acid~) hinzu und halte die
Flasche gut verkorkt. Man lasse die Mischung ungefähr eine halbe
Stunde stehen und füge dann allmählig ein Quart Wasser zu. Schüttle
die Mischung nach jeder Hinzufügung von Wasser, damit das Wasser das
Gas in sich aufnimmt. Ferner noch drei Unzen Orangenschalen-Syrup.
Dies kann von dem Kranken so oft er es wünscht getrunken werden.
Bei der bösartigen Form des Scharlachfiebers, wenn große
Hinfälligkeit vorhanden ist, der Ausschlag nach Innen schlägt und
die Haut eine purpurne oder mahoganyholzartige Farbe annimmt, die
Zunge tiefroth oder dunkelbraun ist und die Geschwüre im Halse faulig
werden, muß die Behandlung eine stärkende sein. Gieb ein Brechmittel
und sind die Eingeweide verstopft, gebe man ein Abführmittel wie
Castoröl. Dann gebe man das folgende:
Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of Quinine~) 18 Gran.
Tinktur von Orangenschale 1 Unze.
Verdünnte Schwefelsäure (~Dilute sulphuric acid~) 1 Drachme.
Syrup von Orangenschale 2 Unzen.
Wasser 2 „
Mische es. Dosis: Zwei Theelöffel voll in ein Weinglas voll Wasser
dreimal des Tages für ein sechsjähriges Kind.
Folgendes wird ebenfalls gut sein.
Aromatischer Ammoniak-Spiritus (~Aromatic spirits
of ammonia~) 2 Drachmen.
Aether 1 Drachme.
Kampher-Spiritus 1 „
Laudanum 20 Tropfen.
Mische es. Dosis: Alle 3 oder 4 Stunden, oder wenn erforderlich auch
öfters, einen Theelöffel voll.
Das folgende Gurgelwasser kann angewandt werden:
Chlorsaure Potasche (~Chlorate of potash~) ¼ Unze.
Starke Chlorwasserstoff-Säure (~Strong hydrochloric
acid~) 40 Tropfen.
Wasser 1 Pint.
Mische es.
Molken, Wein, oder Madera mit Milch kann zuweilen gebraucht werden.
Gegen Wassersucht, die hin und wieder einem Anfall von
Scharlachfieber folgt, gebe täglich ein lauwarmes Bad und die
zusammengesetzte Tinctur von virginischer Schlangenwurzel, bis eine
ungehinderte Ausdünstung der Haut eintritt, alle zwei Stunden einen
Theelöffel voll in Katzenmünze (~catnip~) oder Balsam-Thee, dann
verlängere die Zwischenräume.
Folgende Mischung wird von Condie bei Kinderkrankheiten empfohlen:
Calomel 12 Gran.
Salpetersaure Potasche (~Nitrate of potash~) 1 Drachme.
Fingerhut (~Digitalis~) 4 Gran.
Mische und theile es in 12 Pulver; gebe jede Stunde, oder alle 2, 3
auch 4 Stunden ein Pulver.
Wenn Schmerz in den Ohren und andere Anzeichen einer Entzündung
vorhanden sind, empfiehlt Condie folgendes:
Präparirte Kreide (~Prepared chalk~) 36 Gran.
Calomel 12 „
Ipecacuanha 4 „
Bilsenkraut-Extrakt (~Extract hyosciamus~) 6 „
Mache 12 Pulver daraus und nehme eins alle Abend beim Schlafengehen
und während des Tages etwas gelind Abführendes, wie schwefelsaure
Magnesia. Tritt eine Entleerung aus den Ohren ein, so spritze
sie häufig mit lauwarmem Gerstenwasser aus. Wenn die Absonderung
dunkelgefärbt und übelriechend ist, gebrauche eine schwache Auflösung
von Chlor-Soda (~Chloride of soda~), oder eine Abkochung von
schwarzer Eichenrinde.
=Eclectische und Kräuterkur.= Bei gelinden Anfällen ist nur eine
geringe Behandlung erforderlich. Man gebe während des kalten
Stadiums warmen Thee von Katzenmünze (~catnip~), Flöhkraut
(~pennyroyal~), Salbei oder Saffran. Ist der Magen reizbar, und
findet häufiges Erbrechen statt, so gebe man Sodawasser oder
Frauenmünze- (~spearmint~) Thee. Ein Senfpflaster über den Magen
wird zuweilen das Erbrechen erleichtern. Folgende Behandlung wird
als eine erfolgreiche sehr empfohlen. Bei dem ersten Erscheinen
der Symptome, gewöhnlich böser Hals, gebe man einer erwachsenen
Person 60 bis 80 Gran Jalappenwurzel (~jalap~). Die Dosis muß dem
Alter des Kranken angemessen vermindert werden. Des Nachts gebe man
einen Theetassenkopf bis ein Pint voll starken rothen Pfefferthee,
angemessen dem Alter des Kranken und der Heftigkeit der Symptome, den
nächsten Tag ungefähr die Hälfte der obigen Menge von Jalappenwurzel
und wieder Pfefferthee des Nachts. Am dritten Tage, wenn noch
Schmerzhaftigkeit des Halses vorhanden ist, gebe man eine Dosis
Bittersalz, welches in der Regel die Heilung vollenden wird.
Es ist eine allgemeine Regel, die Behandlung mit einem Brechmittel
aus zusammengesetztem Pulver von Lobelia, oder für ganz kleine
Kinder eine zusammengesetzte Tinctur der Lobelia zu beginnen. Von
dem Pulver nehme man einen halben Theelöffel voll in warmem Wasser
alle 20 Minuten, bis Erbrechen eintritt. Von der Tinctur alle 15
Minuten einen halben Theelöffel voll in Syrup mit Wasser, bis es
wirkt. Dieses Brechmittel mag drei oder vier Tage aufeinander -- so
lange als das Fieber stark anhält -- gegeben werden. Prof. John King
empfiehlt als ein Fieber-Linderungsmittel 1 Drachme Jasmin-Tinctur
(~tincture of gelseminum~), mit 6 Tropfen Aconit-Tinctur alle
Stunden, bis die Wirkung der Medizin die Symptome schwächt. Sechs bis
acht Tropfen in einem Theelöffel voll Wasser.
Folgendes ist ein brauchbares Gurgelwasser:
Chlorsaure Potasche (~Chlorate of potash~) ½ Drachme.
Salzsaures Ammonium (~Muriate of ammonia~) ½ „
Glycerine 1 Unze.
Wasser 3 Unzen.
Alle zwei oder drei Stunden. Ist das Kind noch zu jung zum Gurgeln,
spüle ihm den Mund damit aus.
Ein anderes gutes Gurgelwasser ist ein halbes Pint Essig und eben
soviel Wasser, heiß, dazu füge einen Theelöffel voll Blutwurzel
(~blood root~) und lasse es vor dem Gebrauch 6 bis 8 Stunden stehen.
Citronensaft wird bei bösem Hals zuweilen sehr dienlich gefunden.
Schneide die Citrone in zwei Hälften, fülle eine Hälfte mit
gepulvertem Brodzucker und lasse den Patienten daran saugen, so lange
es nothwendig ist.
Bei der bösartigen Form kann, wenn sich typhöse Symptome einstellen,
Folgendes gebraucht werden:
Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) 1 Skrupel.
Vitriol-Absud (~Elixir of vitriol~) 1 Drachme.
Tinctur von Cohosh Wurzel 12 Drachmen.
Tinctur von Belladonna 2 „
Zuerst löse das Chinin in dem Vitriol-Absud auf und füge die
Tincturen von schwarzer Cohosh Wurzel und Belladonna hinzu. Einem
Kinde von 6 Jahren gebe 5 und einem Erwachsenen 15 Tropfen in einem
Theelöffel voll Wasser, alle Stunden von Mitternacht bis 12 Uhr am
andern Tage.
Zeigen sich Symptome von Fäulniß, gurgle den Hals mit gleichen
Theilen von Hefen und Milch, mit Honig versüßt, oder mit Hefen allein.
Wenn das Gesicht sehr geschwollen und entzündet ist, sind fein
gestoßene Preiselsbeeren (~granberries~) ein schätzbares Mittel. Sie
sind mit großem Erfolg angewandt worden.
Gegen den Ohrenfluß gebrauche man eine Einspritzung von Gelbwurzel
(~Golden seal~), oder wenn der Ausfluß faulig ist, eine Auflösung von
Chlor-Soda (~Chloride of soda~).
Gegen Wassersucht, die zuweilen einem Anfall von Scharlachfieber
folgt, gibt Prof. John King folgendes Mittel:
Salpeter 10 Gran.
~Cremor Tartari~ 20 Gran.
Aufguß von Petersilien-Wurzel (~Parsley root~) 12 Unzen.
Mische es. Dosis für ein Kind von 5-8 Jahren jede Stunde einen
Eßlöffel voll. Setze es fort, bis das Anschwellen verschwindet und
eine ungehinderte Urin-Ausleerung stattfinden kann; in diesem Falle
gebe man öfters einen Aufguß von Petersilien-Wurzel oder ~Haircap
Moss~. Das folgende stärkende Mittel mag gleichzeitig angewendet
werden. Man nehme Entian-Wurzel (~Gentian root~), Columbo-Wurzel,
süße Schwertlilien- (~Sweet flag~) Wurzel, Gelbwurz- (~Golden seal~)
Wurzel, Cayenne-Pfeffer, jedes grob gepulvert und davon einen
gehäuften Theelöffel voll; gieb es zu einem Pint guten Sherry-Weines,
und nachdem dies einige Tage lang gestanden hat, nehme von einem
Theelöffel bis zu einem Weinglas voll drei- oder viermal des Tages.
Windpocken, Wasserpocken (~Chicken Pox~, ~Varicella~).
Diese Krankheit kennzeichnet sich durch zahlreiche durchsichtige
Bläschen, oder kleine Blattern. Zu einer Zeit betrachtete man sie als
eine Art von Pocken (~Variolæ~), allein es ist bereits nachgewiesen,
daß sie mit diesen nicht verwandt ist. Sie ist ansteckend.
+Kennzeichen.+ Dem Ausschlag gehen Frost, fliegende Hitze, Schmerz im
Kopf, Durst und Schlaflosigkeit voraus; in der Regel sind nur wenig
bezeichnende Symptome vorhanden. Hierauf erscheint der Ausschlag,
aber ohne die Regelmäßigkeit, welche die Pocken (~Variolæ~)
bezeichnet, entweder zuerst im Gesicht, oder auf dem Rücken,
oder auch auf irgend einem anderen Theile des Körpers; während
der Ausschlag der Pocken (~Variolæ~) immer zuerst auf dem Gesicht
erschien. Bei den Pocken (~Variolæ~) wird stets ein Schwimmen im
Kopfe und anhaltendes Kreuzweh empfunden. Die Pustel der Windpocke
erscheint sogleich in der Form einer Blatter, während jene der
ächten Pocken in der Form einer Spitze gleich dem Kopfe einer Nadel
auftritt. Die Pusteln der Windpocken haben nie eine Beule in dem
Mittelpunkt, wie jene der ächten Pocken, und die in ihnen enthaltene
Flüssigkeit ist hell und wird nicht gelb wie bei den ächten Pocken.
Ungefähr am vierten oder fünften Tage trocknen die Blattern der
Windpocken ab; es bilden sich Schorfen und fallen ab -- selten oder
nie lassen sie Narben zurück.
+Behandlung.+
=Allöopathisch.= Spärliche Kost, kühlende Getränke und ein
gelindes Abführmittel wie folgt:
Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) 1 Unze.
Auflösung von essigsaurem Ammoniak (~solution of
Acetate of Ammonia~) 3 Unzen.
Destillirtes Wasser 3 Unzen.
Mische es. Dosis: Alle drei Stunden einen Theelöffel voll. Wenn
ein beträchtliches Fieber vorhanden ist, gib kleine Dosen von
Antimonium-Pulver mit essigsaurem Ammoniak und der Salpeter-Mischung
-- unter Scharlachfriesel bereits angegeben.
=Eclectische und Kräuterkur.= Ungefähr alles was nöthig ist, dem
Patienten zu geben, besteht in Flöhkraut- (~Pennyroyal~), Salbei-
(~Sage~), Saffran- oder Katzenmünze- (~Catnip~) Thee. Sind die
Eingeweide verstopft, so gebe man Seidlitz-Pulver. Wasche die
Oberfläche des Körpers mit Saleratus-Wasser und lasse den Kranken
nicht aus dem Hause.
=Homöopathisch.= Gegen das Fieber und den Kopfschmerz gebe
abwechselnd ~Aconitum~ und ~Belladonna~.
Wenn ein Schmerzen der Knochen und gallenkranke Symptome vorhanden
sind, gebe man abwechselnd ~Bryonia~ und ~Rhus~.
Gegen Unruhe, nervöse Aufregung, gestörten Schlaf &c. gebe ~Coffea~.
Ist eine schmerzhafte Urin-Entleerung vorhanden, gebe ~Cantharis~
oder ~Conium~, oder auch beides abwechselnd.
Wenn der Ausschlag sehr streng auftritt, gebe man Brechweinstein
(~Tartar emetic~).
+Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll
Wasser und gib alle 3 oder 4 Stunden einen Theelöffel voll. Bei
Fieber, Kopfschmerz, Unruhe &c. kann alle Stunden eine Dosis gegeben
werden.
Die Blattern oder Pocken (~Small Pox~, ~Variolæ~).
Dieser sehr lästigen und ansteckenden Krankheit geht ein dreitägiges
Fieber voraus, dem ein Ausschlag folgt, der in ungefähr acht Tagen
seine Höhe erreicht. Sie ist sehr ansteckend. Es gibt zwei Arten: die
+deutliche+, wo die Pusteln vollkommen von einander getrennt sind,
und die +zusammenfließende+, wo sie sich vereinigen oder in einander
laufen. Die Heftigkeit der Krankheit zeigt sich zum großen Theil in dem
Ausschlag, je weniger Pusteln, desto gelinder ist die Krankheit. Die
Krankheit wird, wie folgt, in vier Stadien eingetheilt.
+Kennzeichen.+ -- +Erstes oder Fieber-Stadium.+ Dieses Stadium beginnt
in der Regel vom neunten bis zum vierzehnten Tag nach dem Ausbruch. Der
Kranke klagt gewöhnlich über Frost, mehr oder weniger streng, dem ein
starkes Fieber folgt, schneller Puls, belegte Zunge, Appetitlosigkeit,
Durst, oft Uebelkeit und Erbrechen, starke Schmerzen in dem Kopf und
dem Rückkreuz, sowie allgemeine Schmerzen und Uebelbefinden.
Es gibt nichts, was dieses Stadium von anderen Krankheiten
unterscheidet, außer dem heftigen Kreuzweh. Die Kopf-Symptome sind
häufig sehr heftig. Es ist große Unruhe und Reizbarkeit vorhanden, das
Licht schmerzt die Augen, der Kopf schwimmt, Irrereden; der Kranke wird
irre und zuweilen treten Krämpfe ein.
+Zweites oder Ausbruchsstadium.+ Ungefähr am dritten Tage erscheint
der Ausschlag in der Gestalt von kleinen, hellrothen Flecken, ungefähr
in der Größe eines Nadelkopfes und zu derselben Zeit verschwindet
das Fieber. Der Ausschlag erscheint zuerst auf dem Gesichte, dann am
Nacken, Brust und Körper, und zuletzt auf Armen und Beinen. Dieses
Stadium dauert ungefähr drei Tage, und während dieser Zeit gehen
die Spitzen in Bläschen oder kleine Blattern über, welche mit einer
wasserartigen Flüssigkeit gefüllt sind. Gleichzeitig mit dem Erscheinen
des Ausschlags auf der Haut können wir auch eine starke Entzündung des
Halses bei Zartheit und Anschwellen der Drüsen des Nackens wahrnehmen.
+Drittes oder Eiter-Stadium.+ Die Bläschen nehmen jetzt an Größe zu
und ändern ihre Pustelgestalt (enthalten Eiter). Die Flüssigkeit wird
weißlich, endlich gelblich, und ist ähnlich wie bei einer Orange in
Zellen abgetheilt. Auf der Spitze ist eine kleine Beule und die Haut
um die Pusteln ist roth oder entzündet. Dieser Wechsel findet vom
vierten bis zum sechsten Tage nach dem Ausbruche statt. Die Pusteln
nehmen an Größe zu, werden hart und ausgedehnt, so groß wie eine
gespaltene Bohne. In diesem Stadium ist das Gesicht sehr geschwollen
und ein brennendes, ausgebreitetes, schmerzhaftes Gefühl ist vorhanden.
Auch mag eine Schmerzhaftigkeit des Mundes mit Speichelfluß vorhanden
sein. Sowie der Ausschlag zuerst im Gesicht erscheint, so gelangen auch
die Pusteln im Gesicht in diesem Stadium zuerst zur Reife, während
jene auf der Brust sich füllen und die auf den Gliedern noch wachsen;
auf diese Weise wird der Schmerz vertheilt, welcher sonst unerträglich
sein würde. Die Pusteln auf dem Gesichte beginnen am achten Tage sich
zu verändern und die auf den Füßen zwei oder drei Tage später. In
dieser Zeit findet eine eigenthümliche und unangenehme Ausdünstung
des Körpers statt, woran ein mit dieser Krankheit Vertrauter sie in
der Regel erkennen kann. Ungefähr um den achten oder neunten Tag der
Krankheit erscheint das, was man secundäres Fieber nennt, welches von
der Strenge, Ausdehnung und Spannkraft des Patienten abhängt. In der
+deutlichen+ Form nimmt es in der Regel mit den Pusteln ab.
+Viertes oder Stadium der Austrocknung.+ Dies ist das Stadium der
Abnahme. Ungefähr nach dem achten oder neunten Tag des Ausbruchs oder
dem elften oder zwölften Tage der Krankheit werden die Pusteln an
der Spitze braun und trocken, oder einige von ihnen brechen auf und
der ausfließende Eiter bildet eine Kruste. Von da ab schreitet die
Abtrocknung rasch vorwärts, das Anschwellen des Gesichts läßt nach und
die Schorfe im Gesicht fangen am vierzehnten oder fünfzehnten Tage der
Krankheit an abzufallen. Es dauert drei oder vier Tage nachdem sich
die Schorfe auf dem Gesicht bildeten, so zeigen sie sich auch an den
Knöcheln und Handgelenken. Nachdem die Kruste oder Schorfe abgefallen
sind, erhält die Haut ein eigenthümliches Aussehen; es sind purpurrothe
Flecken, die nach und nach verschwinden oder bei schweren Fällen, wo
sich der Eiter durch die eigentliche Haut gefressen hat, bilden sich
Vertiefungen, oder, wie man sagt, der Kranke wird pockennarbig. Der
ganze Verlauf der Krankheit dauert zwei bis drei Wochen.
Die obige Beschreibung ist die des regelmäßigen, günstigen Verlaufs
der Krankheit, da wo die Pusteln nicht in einander laufen. Wenn aber
die Pusteln eine Masse bilden, ist die Gefahr und Dauer der Krankheit
bei weitem erhöht. In dieser Form ist das Fieber stärker und nimmt
vom Erscheinen des Ausbruchs bis zur Zeit der Reife oder dem dritten
Stadium zu. Verzuckungen, Delirien und Betäubung sind häufiger; die
Augenlider schwellen an, so daß der Kranke am fünften Tage nicht mehr
sehen kann, der Hals ist sehr böse, sowie bedeutend geschwollen und
die Entzündung kann sich auf die ganze Länge der Luftröhren ausdehnen,
so daß durch Erstickung der Tod veranlaßt werden kann. Das Fieber hört
nicht auf beim Erscheinen des Ausbruchs, sondern nimmt an Strenge zu
und ist von Delirien, Betäubung, Blutstürzen, blutigem Urin und Ruhr
begleitet, oder es kann mit einem Male den Tod herbeiführen.
+Ursachen.+ -- Die Veranlassung zu dieser Krankheit ist jedenfalls die
Ansteckung. Irgend Jemand, der nicht durch Impfung oder einen früheren
Anfall von Pocken unempfänglich ist, ist der Ansteckung zugänglich.
Die Impfung schützt nicht immer, denn man kann, trotz geimpft zu sein,
die Varioliden (eine gelindere Form der Pocken) bekommen. Die Zeit,
welche von der Ansteckung bis zu den ersten Symptomen der Krankheit
verstreicht, beläuft sich auf neun bis zwölf Tage.
+Behandlung.+
=Allgemeine.= Das Zimmer, in dem sich der Kranke befindet, sollte
groß und luftig sein. Sorgfalt muß beobachtet werden, daß es mäßig
kühl und dunkel ist. Die Kleidung und das Bettzeug des Kranken
sollten jeden Tag oder alle zwei Tage gewechselt werden. Man wasche
die Augen häufig mit Rosenwasser oder Ulmenrindenwasser (~slippery
elm~), besonders wenn der Eiter aus den Pusteln hineinrinnt.
Waschungen von kaltem Wasser, Milch mit Wasser oder schwachem
Bleiwasser können im Gesicht angewandt werden, wenn dieses sehr
entzündet ist. Die Nasenhöhlen sind vermittelst eines wohlgeölten
Kameelhaar-Pinsels, mit welchem man mehrere Male des Tages
hineinfährt, offen zu halten. Wenn aus den Symptomen ersichtlich,
daß die Pocken zu den in einander laufenden zu zählen sind, sollte
das Haar bei dem ersten Erscheinen des Ausschlages kurz geschnitten
werden, überhaupt ist dies in jedem anderen Falle auch gut, denn
sobald der Eiter aus den Pusteln fließt, wächst das Haar zusammen
und bildet eine eckelerregende Masse, auch wird gleichzeitig dadurch
die Masse des Ausschlags auf der Kopfhaut, sowie die Neigung zu
Gehirnstörungen verringert. Eine Hauptsache bei der Behandlung der
Pocken ist, zu verhindern, daß Narben entstehen, und in dieser
Richtung werden eine große Anzahl Mittel empfohlen. Ein Mittel,
das mit großem Erfolg in dem Kinderhospital von Paris angewendet
wird, besteht in einer Mischung von 25 Theilen Mercurial-Salbe, 10
Theilen gelben Wachs und 6 Theilen schwarzen Pech. Andere öffnen
jede Pocke, sobald sie blasenartig wird, mit einer Lanzette, und
wenden salpeter-saures Silber (~nitrate of silver~), sehr fein
zugespitzt, oder vermittelst des Betupfens mit einer Stecknadel
einer sehr starken Auflösung an. Jodtinctur (~tincture of iodine~)
wird sehr empfohlen, welche vermittelst eines Kameelhaarpinsels auf
die ganze kranke Oberfläche gestrichen wird. Dr. Stokes von Dublin
empfiehlt ein Pflaster von Flachssamen, auf irgend einen weichen
Stoff gestrichen und mit geölter Seide oder Gutta-Percha bedeckt.
Die Anwendung dieses Pflasters muß vom Beginn der Krankheit bis
zum Abtrocknungs-Stadium stattfinden. Das vielleicht wirksamste
Mittel ist das von Dr. Bennett von Edinburgh empfohlene. Nämlich
ein Pflaster aus 3 Theilen kohlensaurem Zink (~carbonate of zinc~)
und 1 Theil Zink-Oxid (~oxide of zinc~) in einem Mörser mit soviel
Olivenöl, um einen dicken Brei zu bilden, gemischt. Dieses muß dick
auf das Gesicht gelegt und sogleich wieder erneuert werden, wenn es
sich irgendwo abreiben sollte. Was immer auch angewendet werden mag,
so darf es doch nicht später als am dritten Tage angewendet werden.
=Eclectische und Kräuterkur.= Beim Beginn der Krankheit gebe man
ein Brechmittel von dem zusammengesetzten Pulver der Lobelia, wenn
einem Erwachsenen, dann Dosen von einem halben Theelöffel voll
alle 15 Minuten, bis ungehindert Erbrechen eintritt, wenn einem
Kinde -- dann Dosen von einem halben bis ganzen Theelöffel voll in
Syrup und Wasser alle 15 Minuten. Sind die Fieber-Symptome streng
und der Kranke ist verstopft, so gebe man eine Einspritzung von
lauwarmem Wasser und verordne ein Seidlitzpulver; das Pulver kann
in vier oder sechs Stunden wiederholt werden, wenn es das erste Mal
wirkungslos blieb. Gegen die Uebelkeit des Magens gebe man warmen
Frauenmünz- oder Pfeffermünzthee (~spearmint~ oder ~peppermint~)
mit ein wenig darin aufgelöstem Saleratus, auch eine Einspritzung
von Eibisch-Wurzel und Pfirsichblätter (~Marshmallow root and peach
leaves~), sowie auch einen Senfumschlag auf den Unterleib. Bis zum
Erscheinen des Ausschlages kann auch der Körper öfter mit warmem
schwachem Laugenwasser gebadet werden. Gegen großen Schmerz im Kopf
und Kreuz wende Senfpflaster längst des Rückgrats, auf den Knöcheln
und Fußsohlen an, auch bade man den Kopf in Essig und Wasser. Gegen
den bösen Hals und zur Entfernung des Luftröhrenschleims aus dem Hals
gebe man folgendes:
Blutwurzel (~blood root~) 1 Unze.
Lobeliasamen gepulvert 1 Unze.
Ipecacuanha 2 Unzen.
Cayenna ½ Unze.
Whiskey 1 Quart.
Lasse dies eine Woche stehen. Dosis: Gelegentlich einen oder zwei
Theelöffel voll. Ein gutes Gurgelwasser ist eine Abkochung von
Salbei (~Sage~) und Isop (~Hyssop~) mit Borax und Honig. Wenn das
premiäre und secundäre Fieber sehr heftig ist, gebe 15 bis 20 Tropfen
von Schlangenwurzel-Tinctur (~tincture of black Cohosh~) alle zwei
oder drei Stunden.
Nach dem Erscheinen des Ausschlages kann das folgende mit
ausgezeichnetem Erfolg angewendet werden. In ein Pint kochenden
Wassers gebe man eine Unze gepulverte Wurzel der Schlangenwurzel
(~black Cohosh~) und lasse davon ein oder zwei Eßlöffel voll alle
drei Stunden warm nehmen; setze es fort, bis die Pusteln zu trocknen
beginnen. Füllen sich die Pusteln nicht recht und sind schlaff, so
gebe man Molkenwein (~wine whey~) oder Milchpunsch, unbeschränkt;
verschwinden sie und schlagen nach Innen, so mögen Theelöffeldosen
von der zusammengesetzten Virginischen Schlangenwurzel-Tinctur
(~Virginia Snake root~) oder ein Aufguß von Schlangenwurzel (~black
Cohosh~) in größeren Dosen gegeben werden. Wenn sich bösartige
Symptome, sowie eine faulige Diarrhöe einstellen, gebe man einen
Theelöffel voll gepulverte Kohle, einen halben Theelöffel voll
Salpeter, gemischt, drei- oder viermal des Tages. Auch gleiche Theile
von Hopfen-Hefe und Salat-Oel in Eßlöffeldosen.
=Homöopathisch.= Für das erste oder Fieberstadium ist die Behandlung
wie folgt:
~Aconitum.~ -- Besonders während des Frostschauers und Fiebers,
auch wenn starke Schmerzen im Kopfe, vollen Puls, Delirium und
Unerträglichkeit des Lichtes vorhanden ist. ~Belladonna~ kann
abwechselnd damit gegeben werden, besonders gegen Kopfschmerz und
Delirium.
Gegen starke Rückenschmerzen, mit Schmerzen in den Knochen und
allgemeines Unwohlsein gebe man ~Bryonia~ und ~Rhus Toxicodendron~
abwechselnd. Gegen Uebelkeit gebe ~Tartarus Emeticus~. Wird der
Patient unempfindlich -- bei Betäubung und schnarchendem Athem gebe
man ~Opium~, wenn große Unruhe, Reizbarkeit und Schlaflosigkeit
vorhanden, gebe man ~Coffea~ und ~Belladonna~ abwechselnd.
+Behandlung im zweiten oder Ausbruchs-Stadium.+ Wenn das Delirium
nach ~Belladonna~ nicht verschwindet, gebe man ~Stramonium~,
besonders wenn der Ausschlag nicht leicht herauskommt.
Sind aber die Symptome dieses Stadiums nicht streng, so gebe man
~Tartarus Emeticus~ und ~Thuja~ abwechselnd. Gegen den rauhen,
röchelnden Husten gebe man ~Tartarus Emeticus~ oder ~Ipecacuanha~.
+Behandlung im dritten oder Abtrocknungs-Stadium.+ Bei beträchtlichem
Fieber und besonders gegen bösen Hals und übermäßigen Speichel gebe
man ~Mercurius~.
Wird die Haut zwischen den Pusteln schwarzgelb oder dunkelbraun und
die Pusteln werden schlaff, so gebe man ~Arsenicum~. Wenn die Pusteln
schwarz werden und der Kranke sehr schwach ist und es zeigen sich
typhoide Symptome, gebe man ~Rhus Toxicodendron~ abwechselnd mit
~Arsenicum~. ~Acidum muriaticum~ ist ebenfalls gut gegen dieselben
Symptome.
+Behandlung im vierten oder Abschuppungs-Stadium.+ Beim Beginn dieses
Stadiums gebe alle Abende eine Dosis ~Sulphur~. Hört die Diarrhöe
nicht auf, gebe man alle drei oder vier Stunden ~Mercurius~.
+Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll
Wasser und gebe, der Heftigkeit der Symptome angemessen, alle 1, 2
oder 3 Stunden einen Theelöffel voll.
=Allöopathisch.= Gegen das dem Ausschlag folgende Fieber gebe man
nachstehendes Brechmittel:
Brechweinstein (~Tartar Emetic~) 1 Gran.
Ipecacuanha-Pulver 1 Skrupel.
Syrup 1 Drachme.
Quellwasser 10 Drachmen.
Mische es und gebe es auf einmal.
Nach dem Brechmittel gebe folgendes Abführmittel:
Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) 1 Unze.
Salpetersaure Potasche (~Nitrate of Potash~) 10 Gran.
Lakritzen-Extrakt 1 Skrupel.
Zusammengesetzter Aufguß von Sennablättern
(~Compound infusion of senna~) 5½ Unze.
Tinctur von Senna-Blättern oder Jalappenwurzel 3 Drachmen.
Spiritus von flüchtigem Salz (~Spirit of sal
volatile~) 1 Drachme.
Mische es. Dosis: 2 oder 3 Eßlöffel voll.
Das Fieber kann durch folgendes abführendes Salz eingeschränkt werden:
Steinalaun (~Rochelle salt~) oder Weinsteinsaure
Potasche (~Tartar of Potash~) 1 Unze.
Kohlensaure Magnesia (~Carbonate of magnesia~) 1 Drachme.
Pfeffermünzwasser 6 Unzen.
Mische es. Dosis: Einen Eßlöffel voll alle 3 oder 4 Stunden. Dies
wird gleichzeitig die Eingeweide mäßig offen halten.
Nachdem der Ausschlag sich vollständig entwickelt hat und das
secundäre Fieber erscheint, gebe folgendes:
Flüssiges Ammoniak (~Spirits of mindererus~) 2 Unzen.
Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~) 1 Unze.
Mische es. Alle 3 Stunden einen Eßlöffel voll.
Calcinirte Magnesia (~Calcined magnesia~) 1 Drachme.
Wasser 2 Unzen.
Mische es. Nimm es auf einmal und wiederhole so oft als nothwendig.
Wenn der Patient, besonders des Nachts, von Husten abgemattet wird,
gebe man folgendes von Dr. Condie empfohlene Mittel:
Schleim des Akazien-Gummi’s (~Mucilage of Gum
Acacia~) 3 Unzen.
Syrup von Meerzwiebeln (~Syrup of squills~) 1 Drachme.
Spiritus von Salpeter-Aether (~Spirits of nitric
ether~) 3 Drachmen.
Ipecacuanhawein 1 Drachme.
Mit Kampfer gesättigte Tinctur des Opiums
(~Camphorated tincture of Opium~) 1 Drachme.
Mische es. Dosis: Einen Theelöffel voll alle 2 oder 3 Stunden.
Wenn die Symptome, wie Schmerz im Kopf, fliegende Hitze und Delirium
eine Störung im Gehirn anzeigen, muß am Arme Blut entzogen, an den
Schläfen und hinteren Theile des Nackens müssen Blutegel gesetzt und
für die Füße ein Senfbad gemacht werden. Zu derselben Zeit gebe ein
Abführmittel, wie Calomel und Jalappenwurzel, oder einen Aufguß von
Sennesblättern.
Kommt der Ausschlag nicht recht heraus, und der Kranke beklagt sich
bei häufigem Erbrechen und Brustbeklemmung über große Reizbarkeit
des Magens, gieb ihm ein warmes Bad, lege Flaschen mit heißem Wasser
zu seinen Füßen und in warmem Wasser ausgerungene Tücher über seinen
Magen.
Gegen bösen Hals kann folgendes als ein Gurgelwasser gebraucht werden:
Chlorsaure Potasche (~Chlorate of potash~) ¼ Unze.
Starke Chlorwasserstoffsäure (~Hydrochloric acid~) 40 Tropfen.
Wasser 1 Pint.
Mische es. Gebrauche mehrere Male des Tages.
Oder:
Zusammengesetzter Aufguß der Rosen (~Compound
infusion of roses~) ½ Pint.
Verdünnte Salzsäure (~Dilute muriatic acid~) ½ Drachme.
Mische es.
Wenn Diarrhöe vorhanden, so mag dieselbe mit dem folgenden gehemmt
werden:
Kreidemischung 5½ Unzen.
Zusammengesetzte Cardamon-Tinctur (~Compound
tincture of cardomons~) 3 Drachmen.
Catechu-Tinctur 3 Drachmen.
Laudanum 20 Minims.
Mische es. Dosis: 2 oder 3 Eßlöffel voll alle 4 Stunden.
Die Kost bei den Pocken sollte aus Wasser, Eiscream, Limonade,
Orangen, gebratenen Aepfeln, gedünsteten Pflaumen, Erdbeeren,
Haferschleim, trockener, gerösteter Brodschnitte u. s. w. bestehen.
Ist Diarrhöe vorhanden, so sollten Früchte und Eiscream nicht
gestattet werden. In jedem Falle muß dem Kranken animalische
Kost (Fleischspeisen &c.) bis zu seiner völligen Wiedergenesung
vorenthalten bleiben.
Als ein Schutzmittel gegen diese Krankheit muß die Impfung angewendet
werden, was Jedermanns Pflicht gegen sich selbst, seine Familie und
seine Freunde ist. Sie ist die einzige Versicherung gegen diese
fürchterliche und so lästige Krankheit. Es ist sehr gut, wenn sich
die betreffenden Personen, sobald sich die ersten Symptome zeigen,
impfen lassen, denn es mag den Anfall bedeutend mäßigen.
+Anmerkung.+ Bei dieser Krankheit (den ächten Pocken) ist es das
Beste, einen +erfahrenen+ Arzt zu Rathe zu ziehen, besonders bei der
ineinander fließenden Form.
Varioloiden.
Diese Krankheit ist nur eine gelindere Form der ächten Pocken und die
Behandlung für beide ist ein und dieselbe. Eine Person, die geimpft
wurde, kann die Varioloiden bekommen, aber sie werden sehr mild
auftreten.
2. Chronische Hautausschläge.
Jucken und Reizung der Haut.
Dies ist ein Ausschlag eines feinen farblosen Friesels unter der
Haut. Er ruft ein sehr unangenehmes und lästiges Kitzeln, das
zuweilen unerträglich wird, hervor. Die heftigere Form ist von einem
Gefühl begleitet, wie es kriechende Ameisen oder stechende Insekten
hervorbringen. Er dauert zuweilen Monate und Jahre lang und wird
gewöhnlich durch das Aussetzen ungewöhnlicher Hitze und Kälte, gewisse
Mischungsmittel &c. hervorgerufen.
+Behandlung.+
=Allgemeine.= Jeden Abend vor dem Schlafengehen eine gute Waschung
von Wasser mit spanischer Seife (~castile soap~), welche man
eintrocknen läßt. Branntwein oder Alcohol kann in derselben Weise
gebraucht werden. Eine Unze von Citronensaft in einem Pint Wasser
in demselben Verhältniß angewendet, wird zweckentsprechend gefunden
werden; ebenso Wasser und Kampher-Spiritus. Die Kost sollte dabei
sorgfältig geordnet und alles Reizende vermieden werden.
=Homöopathisch.= ~Pulsatilla.~ -- Wenn das Kitzeln im Bette, oder
wenn nahe am Feuer sich verschlimmert, besonders nach Kratzen. Eine
Dosis (6 Kügelchen) alle Morgen und Abend.
~Ledum palustre.~ -- Im Fall das Kitzeln nach dem zu Bett gehen
beginnt, von einem zum andern Platze springt und der Ausschlag
Flohbissen gleicht. Man gebe es in derselben Weise wie ~Pulsatilla~.
~Mercurius.~ -- Wenn das Kitzeln die ganze Nacht fortdauert und
nach dem Kratzen leicht blutet. Es ist gut, dieses abwechselnd mit
~Causticum~ jeden Abend zu geben.
Ist das Jucken von einem starken Brennen begleitet, gebe man
~Bryonia~ und ~Rhus~ abwechselnd alle 4 Stunden; eine Dosis (6
Kügelchen). Gebe diese Mittel zwei Tage lang und dann ~Hepar
sulphuris~ jeden Morgen und Abend eine Dosis. Wenn nach einer
Woche nicht besser, nehme man Morgens und Abends eine Dosis ~Carbo
vegetabilis~.
~Nux vomica~ und ~Arsenicum~ abwechselnd wird sich zuweilen
vortheilhaft bewähren.
Befällt es alte Leute, so gebe man ~Opium~ und ~Secale~ abwechselnd
jeden Abend eine Dosis.
Wenn es durch die Hitze im Sommer hervorgerufen wird, gebe man
~Lachesis~ und ~Lycopodium~ abwechselnd Abends.
~Silicea~ und ~Sulphur~ sind gut bei hartnäckigen Fällen. Andere
Heilmittel sind: ~Thuja~, ~Graphites~, ~Petroleum~, ~Calcarea
Carbonica~, ~Sepia~, ~Conium~.
=Allöopathisch.= Erasmus Wilson empfiehlt folgendes:
Verdünnter holzsaurer Holzessig (~Pyroligneous
acid~) ½ Unze.
Gepulverter Kampher ½ Drachme.
Rosenwasser 1 Pint.
Mische es.
Folgendes wird auch gut gefunden werden:
Kohlensaure Soda (~Carbonate of soda~) 1 Drachme.
Hydrocyan-Säure (~Hydrocyatic acid~) 1 „
Destillirtes Wasser 8 Unzen.
Mische es.
Zwei Drachmen schwefelsaure Potasche mit einem Pint Wasser kann auch
versucht werden.
Bei hartnäckigen Fällen möge folgendes angewendet werden:
Scharfes salzsaures Quecksilber (~Corrosive
sublimate~) 2 Gran.
Basisches Quecksilber-Oxyd (~Hydrochloras
ammoniacus~) 2 Gran.
Rosenwasser und Almond-Mischung, von jedem 4 Unzen.
Hydrocyan-Säure 1 Drachme.
Mische es. Dies sollte bei Kindern nicht angewendet und, da es giftig
ist, sollte sehr sorgsam damit umgegangen werden.
Frostbeulen (~Chilblains~)
sind eine lästige entzündete Anschwellung, welche gewöhnlich an den
Fersen und Füßen erscheint und durch Kälte verursacht wird. Sie sind
roth oder purpurn und verursachen durch das ungewöhnliche Kitzeln,
Stechen und Prickeln große Unbehaglichkeit. Wenn der Frost einen Theil
des Körpers angegriffen hat (~frost-bitten~), so muß er zu seinem
natürlichen Wärmezustand, sehr langsam, stufenweise zurückgeführt
werden, auf welche Weise man Frostbeulen meistentheils vermeiden kann.
+Behandlung.+
Bei dem ersten Erscheinen kann eins von den folgenden Mitteln
angewendet werden:
Zusammengesetztes Kampher-Liniment 6 Drachmen.
Seifensalbe 6 „
Kanthariden-Tinctur (~Tincture of cantharides~) ½ Unze.
Mische es. Morgens und Abends anzuwenden.
Collodium 1 Unze.
Venetianischer Terpentin ½ „
Castoröl 2 Drachmen.
Mische es. Morgens und Abends anzuwenden.
Wenn man damit befallene Theile mit gepulverter Stärke vermittelst
der Hand einreibt, wird zuweilen das unerträgliche Kitzeln
vermindert. Petroleum oder Kohlenöl ist ein ausgezeichnetes Mittel.
Feuchte ein Tuch damit an und binde es über den kranken Theil. Bei
hartnäckigen Fällen kann das folgende empfohlen werden:
Olivenöl 5 Unzen.
Venetianischer Terpentin 1 Unze.
Gelbes Wachs ½ „
Alkanna-Wurzel (~Alcanet root~) 2 Drachmen.
Mische dasselbe, koche es zusammen und presse es aus, dann nehme
Peruanischer Balsam (~Balsam of Peru~) 1 Drachme.
Kampher 5 Gran.
Mische es, füge die warme Mischung hinzu und rühre es so lange, bis
es erkaltet.
Frostbeulen können dadurch, daß man sie mit dem gewöhnlichen
Seifenpflaster bedeckt, an dem Aufbrechen verhindert werden.
Ist die Entzündung und Geschwulst bedeutend und bilden sich Blasen,
wird das folgende, „Devergier’s Salbe“ genannt, sehr wohlthuend sein:
Schweinefett 1 Unze.
Essigsaures Blei (~Acetus plumbi~) 5 Gran.
Opium-Extrakt 3 „
Kreosot 10 „
Mische und gebrauche es jeden Morgen und Abend.
Gleiche Theile von Petroleum und Kalkwasser werden auch in diesen
Fällen Erleichterung verschaffen. Nachdem die Blasen aufgebrochen
sind, mache Umschläge von Brod und Milch oder Flachssamen mehrere
Tage lang. Hierauf bedecke die Oberfläche mit einer aus gleichen
Theilen zusammengesetzten Salbe von salpetersaurem Quecksilber
(~Nitrate of mercury~) und einfacher Wachssalbe und auf Charpie oder
ein weiches Tuch gestrichen.
Einige einfache Mittel gegen Frostbeulen sind die folgenden:
1. Eine Unze schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~) in einem Pint
Wasser aufgelöst. Bade darin den erkrankten Theil mehrere Male des
Tages.
2. Eine Unze salzsauren Ammoniak (~Ammonium muriaticum~) aufgelöst
in einem Pint Apfel- (~Cider~) Essig. Wie das vorhergehende zu
gebrauchen.
3. Zusammengesetzte Seifensalbe, 2 Unzen, und Kanthariden-Tinctur, 1
Unze. Mische es und gebrauche es wie Nro. 1 und 2.
4. Essig und Alcohol, von jedem ein halbes Pint, salzsaures Ammoniak
(~Muriate of ammonia~), eine Unze. Mische es und gebrauche es wie die
früheren.
Zittermahl -- auch Gürtelrose (~Herpes Circinnatus~, ~Ringworm~).
Diese Krankheit ist an einem Ausschlag von kleinen Blasen
(blatternartig) in der Form eines Ringes, dessen Mittelpunkt seine
natürliche Farbe behält, kenntlich. Sie ist von einer leichten
prickelnden und kitzelnden Empfindung begleitet. Die Blasen trocknen
allmählig, Schorfe bilden sich und fallen zur Zeit ab. Die Haut bleibt
roth. Die Krankheit kann an irgend einem Theile des Körpers auftreten,
aber vorzugsweise wird sie am Hals oder im Gesicht gefunden. Sie wird
durch das sich der Kälte und Feuchtigkeit Aussetzen, unregelmäßige
Kost, Ermüdung &c. hervorgerufen.
+Behandlung.+
=Allgemeine.= Aufmerksamkeit sollte der Kost zugewendet und alle
stimulirenden Nahrungsmittel vermieden werden. Halte die Glieder
rein, und ein gelegentliches lauwarmes Bad wird sehr zuträglich
gefunden werden. Es ist gut, jede einzelne Blase mit einer Nadel zu
öffnen, damit die Flüssigkeit auslaufen kann, was häufig das Kitzeln
vermindern wird.
=Allöopathisch.= Bei heftigen Anfällen gebe man einige gelinde
Abführmittel, wie Schwefel und Magnesia, oder Schwefel und
doppeltweinsteinsaure Potasche (~Bitartrate of potash~). Das
Prickeln, Kitzeln und Brennen kann durch eine Abwaschung mit
essigsaurem Blei (~Acetas plumbi~) und ein wenig Alcohol, oder durch
die Anwendung der essigsauren Bleisalbe erleichtert werden. Der Saft
der grünen Schale der Wallnuß, Tinctur von Galläpfeln, oder eine
starke Waschung mit essigsaurem oder schwefelsaurem Kupfer sind
Mittel, welche Condie empfiehlt.
=Eclectische und Kräuterkur.= Die folgende Salbe ist von Dr. John
King empfohlen:
Gagel (~Bayberry tallow~) ½ Unze.
Süßer Gummi (~Sweet gum~) ½ „
Hammeltalg (~Mutton suet~) 1 „
Mache es zusammen flüssig und presse es.
Folgendes wird für ein unfehlbares Mittel gehalten:
Man nehme Taback-Blätter, koche sie und füge Essig und starke Lauge
zu der Flüssigkeit. Wasche den Ausschlag mehrere Male des Tages. Auch
Castoröl, häufig angewendet, soll ein sicheres Mittel sein.
Peruanischer Balsam (~Balsam of Peru~) mit einer gleichen Menge Talg
mag zuweilen helfen.
=Homöopathisch.= ~Sepia~ kann in Dosen von 6 Kügelchen Morgens und
Abends gegeben werden. Wenn es nach Verlauf einer Woche nicht hilft,
gebe ~Rhus toxicodendron~ und ~Sulphur~ einen Tag um den andern eine
Dosis (6 Kügelchen). Wenn nach zehn- oder vierzehntägiger Anwendung
dieser Heilmittel keine Besserung eintritt, gebe man ~Calcarea~ und
~Causticum~ einen Tag um den andern oder man gebe eins allein --
jeden Abend eine Dosis.
Andere Heilmittel sind ~Graphites~, ~Silicea~, ~Acidum Nitre~,
~Mercurius~. Diese mögen ebenso gegeben werden wie die vorhergehenden.
Flechten (~Tetter~, ~Herpes~).
Flechten können in +trockene+ und +nasse+ eingetheilt werden. Zu der
trockenen Gattung mögen z. B. Schorf (~dandruff~) gezählt werden.
Er ist kenntlich an sehr kleinen weißen Schuppen oder Schorfen und
wird auf dem Gesicht, Kopf, Brust, Händen, Füßen und an den Gelenken
gefunden. Häufiger befällt er die Kopfhaut.
+Nasse Flechte+ schließt folgendes in sich: ~Ecthyme~, die
Blatterflechte (~eczema~), welche in einem Ausschlag von kleinen
wässerigen Bläschen an verschiedenen Theilen des Körpers und zwar dicht
zusammengedrängt besteht. Oeffnen sich diese Bläschen oder werden sie
geöffnet, so breitet sich die Flüssigkeit über die gesunde Haut aus
und pflanzt dadurch die Krankheit fort. Bleiben sie geschlossen, so
trocknen sie auf und bilden eine Kruste.
Eine andere Art ist die ~Pemphigus~. -- Die Nesselsucht ist ein
Ausschlag von Wasserblasen, welche eine wässerige Flüssigkeit, gleich
der einer gewöhnlichen Blase enthalten. Sie sind bezüglich ihrer Größe
verschieden und wechseln von der Größe einer gespaltenen Erbse bis zu
der einer halben Wallnußschale. Sie wachsen sehr schnell, brechen auf
und lassen eine rauhe Oberfläche, welcher bald heilt, zurück.
+Der Rothlaufgürtel+ -- ~Shingles~ -- ~Cingulum~ ist eine ander Form
der nassen Flechte. Ein leichtes Fieber geht in der Regel zwei bis
drei Tage einem Anfalle dieser Krankheit voraus, dann folgt ein
Ausschlag von kleinen durchsichtigen Bläschen, mit einer farblosen
zuweilen bräunlich gefärbten Flüssigkeit. Es zeigt sich auf dem
Gesicht, den Händen und Füßen, aber in der Regel auf dem Körper, wo der
Ausschlag die Gestalt eines Gürtels oder Ringes annimmt und rings um
den Körper herumläuft.
Es gibt noch verschiedene Gattungen von Flechten, ich hielt es aber für
genügend, nur diese wenigen anzuführen, denn die meisten Krankheiten
der Haut sollten von einem erfahrenen Arzt behandelt werden.
+Behandlung.+
=Allgemeine.= Das erste, was bei der Behandlung dieser Krankheit in
Betracht zu ziehen ist, ist die Reinlichkeit. Ohne genaue Beachtung
dieses Punktes ist die Behandlung dieser Krankheit um Vieles schwerer
als es andererseits der Fall sein würde. Eine Verordnung von
spanischer Seife (~castile soap~) und Wasser ist dringend nothwendig
und in manchen Fällen sogar unentbehrlich. Auch der Kost muß
gehörige Aufmerksamkeit geschenkt werden. Allzureiche, reizende und
stark gewürzte Speisen müssen vermieden und nichts außer einfacher
nährender Kost genommen werden. Ein gelegentliches warmes Bad wird
sehr wohlthuend gefunden werden -- ebenso das Schwefelbad.
=Eclectische und Kräuterkur.= Eine gute Behandlung gegen
Rothlaufgürtel besteht in der Regulirung der Eingeweide vermittelst
gelinder Abführmittel, wie Magnesia; dann lasse man den Kranken
viel von einer Abkochung von Klette (~Burdock~), ~Yellow dock~
und Sassafras-Wurzel einige Tage lang nehmen oder verordne den
zusammengesetzten Syrup von ~Yellow dock~. Wasche den Körper Abends
mit Saleratus-Wasser. Die Salbe von Gagel (~Bay berry tallow~), unter
Zittermahl angegeben, wird sich auch hier wohlthuend erweisen, oder
auch folgendes:
Zink-Oxyd 3½ Unzen.
Benzoe-Säure (~Benzoic acid~) 1 Drachme.
Schwefelsaures Morphium (~Sulphate of morphia~) 1 Skrupel.
Rosenöl 10 Minims.
Stoße alles im Mörser zu einem feinen Pulver, dann füge folgendes
hinzu, welches vorher gemischt werden muß:
Olivenöl 1 Pfund.
Weißes Wachs 2 Unzen.
Spermaceut (~Spermaceti~) 5 „
Rühre es bis es kalt wird.
Gegen ~Eczema~ kann das folgende angewendet werden: Zwei Unzen von
~Yellow dock~ und ebensoviel Blutwurzel (~blood root~); wasche und
lege es in ein Pint Alcohol und ebensoviel Essig; lasse es vor
dem Gebrauch eine Woche oder zehn Tage lang stehen. Diese Mischung
sollte ein- oder zweimal des Tages angewendet werden, ebenso auch die
folgende Salbe:
Frische Butter 4 Unzen.
Venetianischer Terpentin 1 Unze.
Rothes Präcipitat (Quecksilberniederschlag) 3 Drachmen.
Mische es.
Gegen ~Pemphigus~ kann die folgende Salbe angewendet werden:
Zink-Oxyd (~Oxide of zinc~) 1 Drachme.
Sparmaceut-Salbe (~Spermaceti ointment~) 1 Unze.
Mische und wende es Abends an.
=Homöopathisch.= Gegen Gürtelrose (~Shingles~, ~Cingulum~) ist es
gut, die Behandlung mit ~Aconitum~ zu beginnen, besonders wenn
Fieber, Mattigkeit, Kopfschmerz &c. vorhanden ist. Nachdem man einige
Dosen davon gegeben hat, gebe man alle drei Stunden eine Dosis ~Rhus
toxicodendron~ (6 Kügelchen).
Bei Uebelkeit und Erbrechen ~Tartarus emeticus~.
Bildet sich Eiter in den Bläschen, gebe man ~Hepar sulphuris~, ebenso
wie ~Rhus~.
Wenn bei trockener Haut, Durst &c. ein brennendes Gefühl vorhanden
ist, gebe man ~Arsenicum~.
Bei Eiterung des Ausschlages kann man die folgenden Mittel geben:
~Mercurius~, ~Sepia~, ~Lycopodium~, ~Sulphur~. Zwei Tage lang alle
drei oder vier Stunden eine Dosis von einem dieser Heilmittel;
tritt keine Besserung ein, wechsle es gegen ein anderes. Kopfgrind
(~dandruff~) erfordert eins von den folgenden Mitteln: ~Dulcamara~,
~Sepia~, ~Sulphur~, ~Silicea~.
~Eczema~ erfordert ~Rhus~, ~Graphites~, ~Calcarea~, ~Lycopodium~,
~Sulphur~, ~Dulcamara~.
~Pemphigus~ erfordert ~Carbo veg.~, ~Rhus~, ~Sulphur~, ~Graphites~,
~Mercurius~, ~Lycopodium~.
Ist das Kitzeln sehr heftig, gebe ~Acidum Nitri~, ~Phosphorus~,
~Graphites~; wird es durch die Wärme erhöht, ~Clematis~, und
verschlimmert es sich am Abend, gebe ~Alumina~ und ~Staphysagria~.
+Verordnung der Heilmittel.+ Nimm eine Dosis (6 Kügelchen) des
betreffenden Heilmittels zwei Wochen lang Morgens und Abends. Stellt
sich zu Ende dieser Zeit keine Besserung ein, wähle ein anderes
Heilmittel und gib es in derselben Weise.
=Allöopathisch.= Gegen nasse Flechten, wie Gürtelrose, ~Eczema~,
~Pemphigus~ möge die folgende Behandlung angewendet werden:
Ist der Kranke alt oder schwächlich, gebe:
Doppelkohlsaure Soda ½ Unze.
Zusammengesetzter Aufguß von Enzian 4 Unzen.
Colombo-Wurzel-Tinctur 1 Unze.
Orangenschalen-Syrup ½ „
Mische es. Dosis: Einen Theelöffel voll dreimal des Tages.
Gleichzeitig gebrauche:
Hollunder-Blüthen-Salbe 1 Unze.
Zink-Oxyd 1 Drachme.
Ist der Organismus in gutem Zustande, so mag das folgende angewendet
werden:
Blaue Pillen 1 Skrupel.
Zusammengesetzte Rhabarber-Pillen 2 „
Mische es. Theile es in 12 Pillen und nimm als Dosis eine oder zwei,
bis sie wirken. Gleichzeitig folgendes:
Eine Abkochung von Sarsaparilla ½ Pint.
Potaschen-Hydriodat 25 Gran.
Mische es. Dosis: Zwei Eßlöffel voll dreimal des Tages.
Folgende Waschung kann gebraucht werden:
Wein-Spiritus 2½ Unzen.
Destillirtes Wasser 1 Pint.
Mische und wende es mehrere Male des Tages an.
Wenn die Krusten anfangen abzufallen, gebrauche:
Schwefelsaures Zink ½ Drachme.
Destillirtes Wasser 1 Pint.
Mische es.
Gegen Kopfgrind dient folgende Waschung:
Auflösung von Potasche 2 Drachmen.
~Acidum hydrocianicum~ (verdünnt) 1 Drachme.
Almond-Mischung ½ Pint.
Mische und gebrauche es ein- oder zweimal des Tages.
Wenn nach Anwendung dessen eine Zeitlang keine Besserung eintritt,
gebrauche man das Folgende:
Salbe von Quecksilber-Salpeter (~Mercurius nitrosus~) 1 Theil.
Spermaceut-Salbe 2 Theile.
Mische es.
Bei chronischen Ausschlägen dieser Art kann man sich des folgenden
mit Erfolg bedienen:
Präparirter Schwefel 1 Skrupel.
Kohlensaure Magnesia 10 Gran.
Zusammengesetztes Pulver von Jalappenwurzel und
Ingwer von jedem 5 Gran.
Mische es und nehme eine kleine Portion zweimal des Tages.
Krätze (~Itch~, ~Scabies~).
ist ein ansteckender, in der Regel von Unreinlichkeit herrührender
Ausschlag.
+Ursache+: Er wird durch die Anwesenheit eines sehr kleinen Insekts,
~Acarus Scabies~ genannt, hervorgerufen. Kommt dieses Insekt auf die
Haut, so beginnt es sofort zu arbeiten und bohrt sich eine Wohnung
unter der ~Epidermis~ oder Schleierhaut. Natürlich verursacht das
Herumkriechen dieses ungebetenen Gastes ein unerträgliches Jucken, das,
wie James ~I.~ bemerkte, als der Luxus des Kratzens sehr in Aufnahme
kam, nur für Könige gemacht sei.
+Symptome.+ Als etwas ganz Gewöhnliches erscheint dieser Ausschlag
zuerst an den Handgelenken und zwischen den Fingern. Derselbe besteht
in kleinen punctirten Bläschen, mit einer durchsichtigen Flüssigkeit
gefüllt. Anfänglich sind diese Blasen von einer blaßrothen oder
Fleischfarbe; aber die Haut bricht bald auf und die Flüssigkeit bildet
einen dünnen Schorf. Er kann unter anderen Ausschlägen an seiner Form,
dem überstarken Jucken und dadurch, daß er nie im Gesicht gefunden
wird, erkannt werden. Das Jucken ist des Nachts schlimmer und wird
durch die Bettwärme erhöht.
+Behandlung.+
Gegen diese Krankheit ist beinahe Schwefelsalbe das einzige Mittel,
das hilft. Dies zerstört das Insekt und bewirkt dadurch die Heilung.
Gebrauche einen Theil Schwefelmilch und zwei Theile Schweinefett.
Mische und reibe es gehörig in die Haut. Andere Zubereitungen sind
wie folgt:
Schwefel 2 Unzen.
Kohlensaure Potasche (~Carbonate of Potash~) 2 Drachmen.
Präparirtes Schweinefett 4 Unzen.
Mische es.
Schwefel 1 Unze.
Boraxsaure Soda (~Borate of Soda~) 1 Drachme.
Salzsaures Ammoniak (~Muriate of ammonia~) 1 „
Weißes Präcipitat-Quecksilber (~White Precipitate of
Mercury~) 2 Skrupel.
Präparirtes Schweinefett 2 Unzen.
Mische es. (Frisch.)
Welches immer von den vorstehenden Mitteln gebraucht wird (und
ich möchte gewöhnlichen Schwefel und Schweinefett empfehlen), so
muß sich der Kranke vom Kopf bis zum Fuß und zu den Fingerspitzen
einschmieren; an einem Feuer gehörig in die Haut einreiben, sich mit
Socken, Unterhosen und Flanellhemd bekleiden und 36 Stunden im Bett
verbleiben, während welcher Zeit die Einreibung zweimal erfolgen muß.
Hierauf reinige die Haut vermittelst eines warmen Bades gründlich.
Reicht dies nicht hin, so wiederhole man die Kur noch einmal. Bei
milderen Fällen wird ein Schwefeldampfbad, ein- oder zweimal des
Tages genommen, schnell Erleichterung verschaffen.
Milchschorf (~Milk Crust~, ~Crusta Lactea~).
Diese Krankheit tritt mehr als zu irgend einer andern Zeit bei dem
Durchbruch der ersten Zähne auf und erscheint auf der Stirne, den
Wangen oder der Kopfhaut. Der Ausschlag besteht im Anfang in rothen
Blattern, auf welchen sich bald kleine gelbliche oder strohfarbene
Pusteln bilden, die zuweilen von einem starken Jucken begleitet sind.
Diese können sich über das ganze Gesicht und die Kopfhaut ausbreiten,
so daß der Kranke ein Ekel erregendes Ansehen annimmt. Die Pusteln
brechen zu Ende des dritten oder vierten Tages auf und entleeren eine
klebrige Flüssigkeit, welche Krusten von weiß-gelblicher oder grüner
Farbe bilden. Wenn sich die Flüssigkeit auf diese Weise unter der
Oberfläche absondert, verursacht sie, daß die Kruste immer dicker
wird, sich so über die sie umgebende Haut verbreitet und die Krankheit
fortpflanzt. Verschwinden die Krusten, so zeigt sich die Haut roth und
entzündet, wie mit kleinen Punkten besetzt, von denen die Flüssigkeit
beständig sickert. Der Gesundheitszustand des Kranken verbleibt im
allgemeinen gut, wenn er nicht von dem Jucken gepeinigt und gereizt
wird. In Fällen bei Kindern mit weißem Haar und blasser, zarter Haut,
sind die Drüsen des Nackens und jene hinter den Ohren zum Anschwellen
geneigt, werden hart und empfindlich.
Die Krusten fangen in der Regel innerhalb 2 bis 4 Wochen an abzufallen,
lassen die Oberfläche roth-glänzend und zart, was bei dem geringsten
Anlaß die Bildung eines neuen Ansatzes von Pusteln verursacht und
dadurch die Krankheit Monate, ja vielleicht Jahre lang hinzieht. Keine
bleibenden Spuren, sogar bei den stärksten Anfällen der Krankheit
werden auf der Haut zurückgelassen. Das Haar kann in Folge dieser
Krankheit ausfallen, aber es wächst wieder, wenn nicht, wie bei
Kopfgrind (~tinea capitis~), die Haarwurzel zerstört ist. Das Waschen
des Kopfes mit Theerseife ist das Beste, was man anwenden kann.
+Behandlung.+
=Homöopathisch.= Bei dem ersten Erscheinen der Krankheit, wenn das
Jucken, besonders des Nachts, stark ist, gebe man ~Aconitum~, sowohl
allein als auch abwechselnd mit ~Chamomilla~, alle 2 Stunden eine
Dosis.
~Sepia~ kann in vielen Fällen mit gutem Erfolg gegeben werden.
Sollte ~Aconitum~ keine Erleichterung gewähren, so kann auch ~Rhus
toxicodendron~ gegeben werden. Es wird gut sein, das Letztere mit
~Sulphur~ zusammen zu geben. Des Nachts eine Dosis (6 Kügelchen)
~Sulphur~ und Morgens und Mittags eine Dosis (6 Kügelchen) ~Rhus
toxicodendron~. Man setze diese Behandlung mehrere Wochen lang fort.
Stellt sich Diarrhöe ein, so stelle die Gabe von ~Sulphur~ ein und
gieb dreimal des Tages ~Rhus toxicodendron~.
~Calcarea carbonica~ kann gegeben werden, wenn der Ausschlag trocken
ist.
Ist der Ausschlag feucht, der Ausfluß übermäßig, bei schlechtem
Geruch, gebe man ~Lycopodium~.
Andere Heilmittel sind: ~Arsenicum~, ~Croton-Tiglium~, ~Petroleum~,
~Mezereum~, ~Hepar Sulphur~, ~Graphites~, ~Nitric Acid~, ~Antimonium
Crudum~.
Aeußerlich gebrauche man nichts außer Milch und Wasser, schlüpferiges
Ulmenwasser oder Glycerin.
+Verordnung der Heilmittel.+ 12 Kügelchen werden in 12 Theelöffel
voll Wasser aufgelöst und beim ersten Erscheinen der Krankheit gebe
man alle 3 Stunden einen Theelöffel voll. Bessert sich das Kind,
so gebe man dieses zwei- oder dreimal des Tages, wenn nicht andere
Anweisungen bei den Heilmitteln angegeben sind. Wird es vorgezogen,
gebe man 3 Kügelchen trocken auf die Zunge.
=Allöopathisch.= Bei milderen Fällen ist es gut, Magnesia in Dosen
von 2 bis 3 Gran einmal des Tages zu verordnen. Auch die Mischung
von Schwefel und ~Cremor tartari~ wird sich als dienlich erweisen.
Bei harten Fällen gebe man Calomel in Dosen von ein bis zwei Gran,
hinreichend oft um auf die Eingeweide zu wirken.
Zu Umschlägen bediene man sich dicker Sahne (~cream~),
Spermazeut-Salbe (~Spermaceti ointment~), Rosenwasser-Salbe oder
Glycerin. Die wässerige Auflösung des Opiums wird sich als ein guter
Umschlag zur Verminderung des Reizes bewähren. In derselben Absicht
kann auch das folgende Mittel angewendet werden:
Boraxsaure Soda (~Borate of Soda~) 10 Grane.
Rosenwasser 2 Unzen.
Glycerin 2 Drachmen.
Mische es. Anwendung: Zwei- bis dreimal des Tages.
Auch folgendes wird in einigen Fällen von Erfolg sein:
Blausäure (~Hydrocyanic acid~) 4 Drachmen.
Bleizucker (~Sugar of lead~) 15 Grane.
Alcohol 4 Drachmen.
Wasser 7 Unzen.
Mische es. Einmal des Tages anzuwenden.
Cazenave empfiehlt Zink-Oxyd mit 15 gleichen Theilen Stärke gemischt
zur Anwendung, nachdem die betreffenden Theile zuvor mit schwacher
Lauge abgewaschen und getrocknet sind.
Condie empfiehlt, nachdem die Entzündung vollkommen nachgelassen hat,
eine Salbe von salpetersaurem Quecksilber (~Nitrate of mercury~) mit
ein Drittel Fett aufgelöst als Umschlag.
=Eclectische und Kräuterkur.= Zur Reinigung des Blutes kann
folgendes angewandt werden: Schlangenwurzel (~Black cohosh~) und
Ziegenblatt- (~Shrubby trefoil~) Tinctur; von jedem drei Unzen. Zu
mischen. Man gebe dem Alter des Kindes angemessen 5 bis 20 Tropfen
in einem Theelöffel voll versüßten Wassers. Ist ein stärkendes
Mittel erforderlich, füge zu jeder Dosis 2 bis 3 Tropfen salzsaures
Eisenoxyd (~Ferrum muriaticum~). Als Salbe gebrauche man das folgende:
Hammelfett 1 Unze.
Zinkoxyd (~Oxide of zinc~) 1 Drachme.
Kampfer-Tinctur 2 Drachmen.
Glycerin 1 Drachme.
Mische es. Zwei- bis dreimal des Tages anzuwenden.
Grindkopf (~Tinea capitis~)
ist ein ansteckender Ausschlag der Kopfhaut, der sich durch kleine
Eiterbeulen an der Kopfhaarwurzel kennzeichnet. Er beginnt mit kleinen
rothen Flecken, in deren Mitte sich eine kleine gelbe Pustel befindet
und die in der Regel von einem Haare durchstochen sind. Diese Pusteln
brechen auf, bilden dünne Schorfe, in deren Mitte sich bei jedem
einzelnen Schorfe eine Vertiefung befindet; sie verbinden sich mit
den zunächst liegenden und bilden so bald große Flecken. Die Krusten
nehmen allmählig zu und werden hart, werden sie entfernt, so bleibt die
Oberfläche roth und glänzend. Zieht sich die Krankheit in die Länge, so
fallen die Haare aus und wachsen selten oder nie wieder; geschieht es
indessen, so ist es von einer helleren Farbe, kurz und ungesund. Der
Geruch, der die Ausdünstung der Kopfhaut verursacht, ist besonders bei
harten Fällen und da, wo die Reinlichkeit nicht mit in der Behandlung
einbegriffen ist, widerwärtig. Auch bildet sich Ungeziefer unter
den Krusten, welches große Beschwerde verursacht. Da es eine sehr
ansteckende Krankheit ist, sollte Kindern, die damit behaftet sind,
nicht gestattet werden, sich derselben Kämme, Bürsten, Kopfbedeckungen,
Handtücher &c. mit Andern gemeinschaftlich zu bedienen, ebenso ist das
Schlafen solcher mit Andern in einem Bette nicht zulässig.
+Behandlung.+
=Allgemeine.= Reinlichkeit ist bei dieser Krankheit von der größten
Wichtigkeit. Die Haare müssen so kurz als möglich geschnitten werden,
und während des Verlaufs der Krankheit sollten alle ungesunden
Haare mittelst einer kleinen Zange oder Haarzängelchen (~tweezers~)
herausgezogen werden. Die Kost ist sorgfältig zu regeln, wobei alle
reizende und allzureiche Nahrung vermieden werden muß.
=Allöopathisch.= Man entferne die Krusten durch einen erweichenden
Umschlag, wie Brod mit Milch oder eine Waschung von 2 bis 3 Drachmen
Pflanzenlaugensalz (~Subcarbonate of potassa~) mit einem Pint Wasser.
Hierauf wende man Morgens und Abends die Salbe von salpetersaurem
Quecksilber (~Nitrate of mercury~), oder die der Jod-Potasche
(~Iodium potassae~) an, und zwar in dem Verhältniß: aus 1 Drachme
~Potassium~ (Metall der Potasche) 2 Unzen Fett. Vor Anwendung der
Salbe wasche man die Theile mit spanischer Seife und lauwarmem
Wasser. Wenn eine starke Absonderung stattfindet, wende man eine
Auflösung von 2 bis 3 Gran schwefelsaurem Zink mit einer Unze Wasser
zwei- oder dreimal des Tages an; ist keine Absonderung vorhanden,
dann nehme man eine Salbe von 1 Gran gepulvertem schwefelsaurem
Zink mit einer Unze Fett, oder eine Lösung von 2 Drachmen doppelt
kohlensaurer Potasche mit 1 Pint Wasser, oder schlägt dies nicht
an, 2 Drachmen geschwefelte Potasche (~Sulphuret of potash~), 2
Drachmen weiße Seife und ein halbes Pint Limewasser. Sollte irgend
ein Umschlag eine Entzündung hervorrufen, so muß sie ausgesetzt und
dagegen erweichende Umschläge und lauwarme Waschungen angewendet
werden.
Eine sehr zu empfehlende Salbe ist:
Pulverisirtes schwefelsaures Kupfer (~Pulverized
sulphate of Copper~) 10 Grane.
Spanischer Fliegen-Extrakt 5 „
Schweinefett 1 Unze.
Mische und gebrauche es nach einer gründlichen Waschung mit
spanischer (~castile~) Seife und Wasser einmal des Tages.
Zuweilen wird die folgende Salbe mit ausgezeichnetem Erfolg
angewendet:
Salpetersaures Quecksilber 1 Drachme.
Wasser 4 Unzen.
Mische und trage es einen Tag um den andern mit einem
Kameelhaarpinsel auf.
=Eclectische und Kräuterkur.= Man schneide das Haar ganz kurz mache
einen Umschlag von schlüpferigem Ulm, bis sich die Schorfe lockern
und abfallen. Ehe man den Umschlag gemacht, wasche man den Kopf mit
spanischer Seife und Wasser. Nach Entfernung der Krusten und Waschung
des Kopfes wende man folgende Salbe an:
Schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~) 1 Unze.
Biester (~Woodsoot~) 1 „
Schwefel ½ „
Schweinefett 6 Unzen.
Mische es. Morgens und Abends anzuwenden.
Man halte die Eingeweide mit einer gelegentlichen Dosis von Magnesia
und Castoröl offen. Eine andere sehr empfohlene Salbe wird aus
grünem, 6 bis 8 Zoll hohem Roggen gemacht, indem man ihn mit frischer
Sahne langsam kochen läßt, bis die Blätter braun geröstet sind.
Schwefelsalbe wird zuweilen mit Erfolg angewandt.
=Homöopathisch.= ~Sepia~ kann in Dosen (6 Kügelchen) dreimal des
Tages durch zwei oder drei Wochen gegeben werden, tritt keine
Besserung ein, gebe man ~Calcarea carbonica~; bei trockenem
Ausschlag Morgens und Abends eine Dosis (6 Kügelchen). Wenn nach
zweiwöchentlichem Gebrauche noch keine Besserung wahrgenommen wird,
gebe man ~Sulphur~. Bei feuchtem Ausschlag gebe man ~Rhus~ oder
~Lycopodium~, zweimal des Tages eine Dosis, und lasse ~Sulphur~
folgen. Macht die Absonderung des Ausschlages die Haut wund oder
verursacht Geschwüre, wo sie auf die Haut übertragen wird, gebe man
~Arsenicum~ und ~Rhus~ abwechselnd einen Tag, täglich dreimal.
Eine gute Kopfwaschung geschieht mit Kleiewasser. Als Umschlag
kann Salpetersäure (~Acidum nitri~) im Verhältniß von 12 Tropfen
auf 4 Unzen Wasser angewendet werden. Was immer für ein Heilmittel
innerlich gegeben werden mag, so ist es gut, dasselbe auch als
Umschlag anzuwenden; dadurch, daß man 12 oder 15 Kügelchen in einem
halben Glas voll Wasser auflöst.
Andere Heilmittel als jene bereits erwähnten sind folgende:
~Dulcamara~, ~Staphysagria~, ~Hepar sulphuris~, ~Antimonium crudum~,
~Graphites~, ~Bryonia~. Dieselben können in der nämlichen Weise, wie
die anderen, wenn diese nicht den gewünschten Erfolg haben sollen,
angewendet werden.
Hühneraugen, Leichdornen (~Corns~)
sind eine Verdickung der Schleierhaut, welche durch den Druck oder die
Reibung von zu engem oder schlecht passendem Schuhwerk hervorgerufen
wird.
+Behandlung.+
Erweiche die Füße in warmem oder schwachem Laugenwasser. Dies
erweicht die verhärtete Oberfläche, so daß sie mit dem Fingernagel
oder einem Federmesser entfernt werden kann. Nach Entfernung dieser
verhärteten Haut wird ein kleiner weißer Fleck gesehen werden, der
der Mittelpunkt des Hühnerauges ist. Diesen schneide vorsichtig,
ohne Schmerzen oder Blutung zu verursachen, heraus und lege dann
ein Stück weiches Tuch, einen Schwamm oder nach und nach auch ein
Pflaster auf; jedes von diesem muß indessen ein Loch in der Mitte
haben. Wenn eine Entzündung vorhanden ist, betupfe es jeden zweiten
oder dritten Tag mit einem zugespitzten Stück Höllenstein (~Argentum
nitri~).
Weiche Hühneraugen zwischen den Zehen können durch zwei- oder
dreimaliges Auflegen des Tages von Charpie oder Watte, mit
Kampfer-Tinctur befeuchtet, entfernt werden. Ein Stück Watte sollte
so lange aufgelegt bleiben bis die betreffenden Theile wieder
vollständig hergestellt sind.
Es giebt eine Menge von Mitteln, Hühneraugen zu entfernen, einige von
ihnen sind folgende: Ein Epheublatt mit Essig befeuchtet und auf das
Hühnerauge gebunden; Charpie oder Watte mit einer zusammengesetzten
Flüssigkeit von salzsaurem Ammoniak (~Muriate of ammonia~), eine
Unze in 4 Unzen Wasser aufgelöst, befeuchtet. Man mache einen dicken
Teig von Bleiweiß (~White lead~) und Leinöl und soviel pulverisirte
Schlangenwurzel, um es zu färben, schmiere es auf ein Stückchen
dünnes Leder und lege es auf das Hühnerauge. Man erneure es alle
3 bis 4 Tage. Man nehme Salpeter (~Nitric acid~) und Salzsäure
(~Muriatic acid~), von jedem eine halbe Unze, rothes Sandelholz
(~Red sanders~), Opium, salzsaures Ammoniak (~Muriate of ammonia~),
von jedem 1 Drachme. Nachdem die Haut um das Hühnerauge ringsherum
leicht geritzt ist, befeuchtet man den Stöpsel der Flasche, worin
sich die Flüssigkeit befindet, durch Umschütteln, und betupfe damit
dasselbe. Ein Pulver von Badebaumblättern (~Savine~) 2 Unzen,
Grünspan (~Verdigris~) 1 Drachme, rothes Präcipitat 2 Unzen, gemischt
und über Nacht auf das Hühnerauge gebunden. Weinsteinsäure (~Acidum
tartaricum~), Salzsäure, Wasser, von jedem eine Unze und ein Stück
Schöpsenfett mit einem Stückchen Holz mehrere Male auf das Hühnerauge
zu tragen. Folgendes, „Sir Humphrey Davy’s Solvent“ genannt, besteht
in 2 Theilen Potasche, 1 Theil Sauerkleesalz, fein gepulvert,
gemischt und in einer kleinen Menge vermittelst eines Verbandes durch
mehrere Nächte hintereinander auf das Hühnerauge zu bringen. Starke
Essigsäure bleibt immer das beste Mittel, das angewendet werden kann.
Um die Heilung indessen zu vervollständigen und um für immer davon
befreit zu bleiben, ist es nothwendig, daß das Schuhwerk nicht zu eng
ist, überhaupt gut paßt.
Warzen (~Veruccae~)
sind so allgemein bekannt, daß davon gar keine Beschreibung nothwendig
ist. Fast Jeder hat damit schon mehr oder weniger Bekanntschaft
gemacht. Die Mittel zu deren Entfernung sind fast eben so zahlreich als
die Warzen selbst -- einige von ihnen werden hier angegeben.
Gleiche Theile von salzsaurem Ammoniak (~Muriate of ammonia~),
Cayenne-Pfeffer und Schlangenwurzel, fein gepulvert, gemischt und
mit ein wenig Talg und Bienenwachs zu einem Pflaster gemacht. Ein
Heftpflaster, in dessen Mitte sich ein Loch befindet, so daß es über
die Warze gezogen werden kann und dieselbe allein frei bleibt, wird
aufgelegt und darauf dann das Obige. Die Anwendung dieses Pflasters muß
so lange geschehen, bis die Warze abstirbt.
Kohlensaure Soda (~Carbonate of soda~) eine Unze, Wasser ein Pint,
gemischt, und damit die Warze dreimal des Tages gewaschen.
Concentrirte Essigsäure (~Acetic acid~), ebenso Salpeter und
salpetersaure Salzsäure sind ausgezeichnete Mittel. Sobald als die
Warzen hart werden, entferne man sie.
Eine gesättigte Auflösung von doppelt chromsaurer Potasche (~Bichromate
of Potassa~) ist mit Erfolg angewendet worden; das Berühren anderer
Theile außer der Warze sollte vermieden werden.
Mangansäure (~Manganic acid~) zerstört sie sehr schnell.
Eine Mischung von gleichen Theilen Salpeter und unaufgelöstem Lime mit
hinreichend Essig, um einen Teig zu bilden, ist gut.
Die Rinde der gewöhnlichen Weide zu Asche verbrannt mit starkem Essig
gemischt und häufig angewendet, wird sie zuweilen entfernen.
Man binde einen starken Faden um die Warze und ziehe ihn mit jedem Tage
dichter zusammen.
Zweites Kapitel.
Fieber.
Fieber ist ein allgemeiner Ausdruck, in dem verschiedene
Krankheitsformen eingeschlossen sind; es ist eine der gewöhnlichsten,
häufigsten und verwickeltsten Krankheiten, welchen der menschliche
Körper unterworfen ist. Es ist bei allen hitzigen (~acuten~)
Krankheiten in mehr oder weniger erhöhtem Maße vorhanden. Ein
Fieber, das als ein einfaches oder gewöhnliches beginnt, kann sich
hinziehen, bis es sich zu einem Wechsel- oder typhösen Fieber bildet.
Es greift den Organismus im Allgemeinen an und ist eher als ein
Krankheitssymptom, als eine Krankheit an und für sich selbst zu
betrachten.
+Ursachen.+ -- Zum Fieber gibt es zahlreiche, einige von ihnen sind
folgende: Große geistige oder körperliche Anstrengung, Kummer,
Besorgniß, Mangel an gehöriger Nahrung, Kleidung oder Bewegung, Miasmen
(die giftigen Bestandtheile, welche von verwesenden thierischen oder
Pflanzenstoffen aufsteigen), außergewöhnliche Hitze oder Kälte,
plötzlicher Witterungswechsel, allgemeine schädliche Einflüsse,
Entzündungen, reizende Speisen und Getränke.
+Symptome.+ -- Der Kranke klagt zunächst über ein Gefühl der
Ermüdung, Mattigkeit, Schmerzhaftigkeit des Fleisches, Schwere und
Eingenommenheit des Kopfes, Mangel an Eßlust, schlechtem Geschmack im
Mund, dem bald große Hitze, Frost, Uebelkeit und Erbrechen folgt. Diese
Kennzeichen werden bei Fiebern allgemein gefunden. Eine Beschreibung
der verschiedenen Arten von Fiebern folgt nachstehend.
Gewöhnliches oder eintägiges Fieber.
Die einfachste Form des Fiebers, die nur einen Tag, oder auch eine
Woche oder länger dauern kann. Unter gehöriger Behandlung dauert es
indessen selten länger als drei bis vier Tage.
+Ursachen.+ -- Erkältung, außerordentliche geistige oder körperliche
Ermüdung, ungesunde Nahrung, Unmäßigkeit im Essen und Trinken u. s. w.
+Symptome.+ -- Frost und Hitze, krankhafter Magen, vielleicht auch
Erbrechen, Appetitlosigkeit, Mattigkeit, dem Fieber, Durst, belegte
Zunge u.s.w. folgt.
+Behandlung.+
=Allgemeine.= Der Kranke sollte im Bett bleiben, sich aller
Fleischspeisen enthalten und nichts anderes als Haferschleim,
Fleischbrühe &c. zu sich nehmen.
=Homöopathisch.= ~Aconitum~ ist ungefähr alles, was in dieser
Krankheit zu geben ist. Löse 12 Kügelchen in einem halben Tassenkopf
Wasser und gib von dieser Auflösung alle zwei oder drei Stunden einen
Theelöffel voll, bis ein ungehindertes Schwitzen eintritt.
Sind plötzliches Zusammenfahren, fliegende Hitze und andere Symptome,
die anzeigen, daß der Kopf mehr oder weniger angegriffen ist,
vorhanden, so gebe man ~Belladonna~ abwechselnd mit ~Aconitum~.
=Allöopathisch.= Einige gelinde Abführmittel, wie Magnesia,
Bittersalz, mögen gegeben werden, oder auch die folgende Mischung:
Rochelle-Salz oder weinsteinsaure Potasche (~Tartrate
of potash~) 1 Unze.
Kohlensaure Magnesia (~Carbonate of magnesia~) 1 Drachme.
Pfeffermünzwasser 6 Unzen.
Mische es. Alle 3 Stunden einen Theelöffel voll.
Lasse diesem folgen:
Auflösung von essigsaurem Ammoniak (~Solution of
acetate of ammonia~) 1½ Unze.
Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~) 2 Drachmen.
Syrup 2 „
Kampher-Mischung 4 Unzen.
Mische es. Alle 4 oder 6 Stunden einen Eßlöffel voll.
=Eclectische und Kräuterkur.= Man gebe ein einfaches Brechmittel, wie
gleiche Theile der Lobelia und Brechwurz, Thee von Kamillenblüthen,
Wasserdost (~Boneset~), Hundekamille (~Anthemis~) oder gepulverten
Senf in warmem Wasser. Bringe den Kranken zu Bett und lege rings
um ihn warme Steine oder Flaschen mit heißem Wasser und lasse
ihn ungehindert Thee von Katzenmünze (~catnip~), grüne Münze
(~spearmint~), Isop, Salbei, Saffran oder Balsam trinken.
Entzündliches Fieber
tritt ebenso wie das gewöhnliche Fieber auf, worauf ein starker Frost
und die gewöhnlichen Symptome von Hitze, Mattigkeit, Unruhe, ziehende
Schmerzen im Kreuz, Kopf und Gliedern folgen. Darauf stellt sich
Röthe des Gesichts, große Beklemmung, Klopfen der Schläfe, große Hitze
der Haut, Durst, eine mit einem weißen Schleim belegte Zunge, sehr
schnelles Athmen, Uebelkeit des Magens, zuweilen Erbrechen, trockene,
heiße Haut und mehr oder weniger Störung fast aller Funktionen des
Körpers, ein. Diese Krankheit nimmt ihren Verlauf in ungefähr zwei
bis drei Wochen; wenn sie aber um diese Zeit nicht nachläßt, geht sie
leicht in ein typhöses Fieber über.
+Ursachen.+ -- Ueberladung des Magens mit fetten, unverdaulichen
Speisen, ungeregeltes Leben, plötzliche Unterdrückung des Schweißes,
heftige geistige Aufregungen und Beschädigungen des Körpers, das
Wohnen in feuchten, schlecht ventilirten Häusern und im Allgemeinen
Unmäßigkeit.
+Behandlung.+
=Allöopathisch.= Da häufig Verstopfung die Ursachen dieses Fiebers
ist, sollte zur Entleerung der Eingeweide eines der folgenden Mittel
genommen werden:
Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) 2 Drachmen.
Frisch gebrannter Kaffee, grob gemahlen 2 Skrupel.
Heißes Wasser 4 Unzen.
Mische und koche dieses drei Minuten, seihe es durch und nimm alle
drei Stunden einen Theetassenkopf voll zur augenblicklichen Wirkung.
Jeden Morgen kann ein Tassenkopf voll zum Offenhalten der Eingeweide
gegeben werden.
Oder auch:
Rhabarber 10 Grane.
Calcinirte (~calcined~) Magnesia ½ Drachme.
Mische es und nimm das Ganze auf einmal.
Wenn stärkere Abführmittel erforderlich sind, gebrauche man das
folgende:
Zusammengesetzter Koloquinthen- (~Colocynth~)
Extrakt ½ Drachme.
Jalappenwurzel- (~Jalap~) Extrakt 15 Grane.
Mische dies und mache 12 Pillen davon. Dosis zwei oder drei Pillen,
bis die Wirkung erfolgt. Als ein kühlender Trank ist das folgende zu
empfehlen:
~Cremor tartari~ ½ Unze.
Frisch zerquetschte Citronenschale 4 Unzen.
Stückzucker 4 „
Kochendes Wasser 3 Pint.
Mische und, nachdem es eine Weile gestanden, durchseihe es.
Wenn die Entzündung ihren Sitz im Kopfe hat, sollte unbeschränkt
kaltes Wasser angewendet werden.
=Eclectische und Kräuterkur.= Der Körper sollte öfters, während
das Fieber unterdrückt ist, einige Minuten lang mit kaltem Wasser
gewaschen werden. Ist der Kopf stark von Schmerz und Delirium
angegriffen, sollten drei oder vier Blutegel an jede Schläfe
angesetzt und Umschläge von kaltem Wasser und Essig auf den Kopf
gemacht werden. Das letztere kann zuweilen auch statt der Blutegel
angewendet werden.
Die Ausleerungen zu erhöhen und die Eingeweide zu erleichtern, kann
auch Brechwurz in Dosen von 1 bis 1½ Gran in ein wenig warmem
Wasser oder Molasses aufgelöst auf einmal in zwei Stunden gegeben
werden.
Zur Reinigung der Eingeweide kann auch ein Pulver, aus dem folgenden
zusammengesetzt, gegeben werden:
Gepulverter Entenfuß (~Podophyllum~) 1 Grane.
Leptandrin 4 „
~Cremor tartari~ 1 Theelöffel
voll.
Senna- und Epheublätter-Salz kann ebenso zu demselben Zwecke
verwendet werden.
Wenn es nothwendig ist, Schweiß hervorzurufen, sollten warme
Bäder angewendet oder die Füße in warmem Wasser erweicht werden,
dabei lasse man den Kranken unbeschränkt Thee von Salbei, Balsam,
Wasserdost, Isop oder Flachssamen trinken. Diese Maßregeln werden
in der Regel das Fieber dämpfen. Bei Schlaflosigkeit lege man ein
Hopfenkissen unter den Kopf des Kranken oder lasse ihn starken
Hopfenthee trinken, was von gutem Erfolge sein wird. In dem letzteren
Stadium des Fiebers, wenn der Magen reizbar ist, ist es zuweilen
besser, anstatt der Medizinen Einspritzungen anzuwenden, und diese
können in einem Theelöffel voll gewöhnlichen Salzes, in einem Pint
von warmem Wasser aufgelöst, oder Molasses mit Wasser, und wenn die
Nahrungsmittel vom Magen nicht angenommen werden, in einer Brühe von
Milch- und Wasser-Haferschleim bestehen.
Die Diarrhöe, die zuweilen diesem Fieber folgt, kann vermittelst
Einspritzungen von warmem Wasser, in das 15 bis 20 Tropfen Mohnsaft
(~Laudanum~) gethan werden, eingehalten werden; kleine Dosen von
Rhabarber und Magnesia werden zuweilen erfolgreich gefunden werden.
=Homöopathisch.= ~Aconitum~ sollte immer zu Anfang gegeben werden.
Nachdem dies 6 Stunden lang geschehen ist, die Symptome sich aber
nicht vermindern, gebe man abwechselnd mit dem obigen ~Belladonna~,
besonders wenn der Kopf heiß ist, bei heftigem Schmerz in der
Stirngegend, Gesicht roth, die Augen gegen das Licht empfindlich,
Unruhe oder Schwindel bei großem Druck und Delirium.
~Bryonia.~ -- Wenn mit den anderen Symptomen des Fiebers, Schwindel
im Kopf, Verstopfung und ein Gefühl von Schwere im Magen, Schmerzen
in den Gliedern und im Rückgrate verbunden sind.
Andere Heilmittel, welche angewendet werden können, wenn die Lungen
angegriffen sind, sind folgende: ~Bryonia~, ~Tartarius Emeticus~ und
~Phosphorus~.
Ist eine Neigung zu Typhus vorhanden, so gebe man ~Rhus
toxicodendron~ abwechselnd mit ~Bryonia~.
Gegen Diarrhöe gebe man auch folgende Heilmittel: ~Mercurius~,
~Arsenicum~, ~Ipecacuanha~, ~Chamomilla~, ~Veratrum~.
Die Kost sollte bei dieser Krankheit im Anfang sehr leicht sein. Man
gebe nichts außer Fleischbrühe und kühlenden Getränken. Es schadet
dem Kranken nichts, wenn er so viel kaltes Wasser, als er wünscht,
trinkt, zuweilen ist es sogar zuträglich.
Folgendes mag als Kost dienen: Gerstenschleim, Wasser von geröstetem
Brode, Pfeilwurzel, Aepfelsauce und, wird der Kranke besser,
Rindfleisch oder Hühnerbrühe und dann und wann leichte Weine. Der
Kranke sollte in dem Zusichnehmen von schwereren Lebensmitteln bis
zur vollständigen Wiedergenesung sehr vorsichtig sein.
+Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll
Wasser und gebe, der Heftigkeit der Symptome angemessen, alle 1, 2
oder 3 Stunden einen Theelöffel voll.
Nervenfieber oder Typhus.
Dieses Fieber tritt zuweilen ganz plötzlich mit einem Frost auf,
obgleich das Fieber in der Regel allmählig ankommt, so daß sein
Anfang nicht bemerkt wird. Der Kranke klagt wohl eine lange Zeit über
Müdigkeit, eine allgemeine Schwere und dann und wann über Kopfweh.
Die Haut ist möglicherweise etwas erhitzt, das Gesicht von fliegender
Hitze überzogen, die Zunge leicht belegt und der Appetit vermindert.
Die Symptome können sich mehrere Tage oder eine Woche lang hinziehen,
dann stellt sich der Frost ein, der 6 bis 8 Stunden, zuweilen 1 bis 2
Tage anhält. Sobald die Krankheit zum Ausbruch gekommen ist, hört der
Frost auf und bei dem Kranken stellen sich die gewöhnlichen Symptome
des Fiebers ein, wie schneller Puls, Hitze und Trockenheit der Haut,
fliegende Hitze, stechende Schmerzen in der Stirn, Summen in den Ohren,
Appetitlosigkeit, Durst und allgemeine Schwäche. Es kann ebensowohl
Diarrhöe wie Verstopfung vorhanden sein. Der Stuhl ist gelblich oder
grünlich und zuweilen mit Blut gemischt. Ein kneipender Schmerz wird
in den Eingeweiden vorhanden sein. Der Schmerz in den Eingeweiden wird
durch einen Druck auf der rechten Seite erhöht.
Wie die Krankheit fortschreitet, stellt sich Delirium ein, das sehr
stark werden kann. Die Zunge wird trocken und bekommt eine bräunliche
Farbe; der Kranke ist entweder sehr unruhig oder er liegt in einem
bewußtlosen Zustand.
In der Regel erscheint in diesem Stadium ein Ausschlag am Unterleib,
bestehend in kleinen rothen Flecken, der sich in einigen Fällen auch
über die Glieder erstreckt; auch werden bei genauer Besichtigung zu
derselben Zeit kleine Blasen, eine wässerige Flüssigkeit enthaltend,
auf dem Nacken und dem oberen Theile der Brust wahrgenommen werden.
Wenn die Krankheit anhält, wird die Zunge ganz trocken, mit einem
braunen oder schwarzen Schleim überzogen und die Zähne sind mit einer
schwarzen Masse bedeckt, ebenso Lippen und Zahnfleisch. Ein Schweiß,
der sehr widerwärtig werden kann, tritt ein; der Unterleib schwillt
drommelartig an; der Kranke liegt auf dem Rücken, gleitet nicht selten
nach dem Ende des Bettes, pflückt an dem Bettzeug und spricht leise vor
sich hin. Eine Entleerung der Gedärme und des Urins findet unbewußt --
ohne daß der Kranke fähig ist, es zu verhindern -- statt, oder es ist
eine Unterdrückung des Urins vorhanden, in welchem Falle man denselben
vermittelst eines Instrumentes ablassen muß.
Bei fortdauernder Krankheit werden die Endgliedmaßen kalt und klebrig
und die ganze Oberfläche des Körpers ist in einem klebrigen Schweiß
gebadet. Das Gesicht nimmt einen ängstlichen Ausdruck an und des
Kranken Kräfte schwinden mehr und mehr.
+Ursachen.+ -- Dieses Fieber ist unzweifelhaft ansteckend -- kann
von einer auf die andere Person übertragen werden und ein Anfall
sichert in der Regel den Betreffenden vor einem zweiten. Es wird durch
übermäßige Anstrengung des Körpers oder Geistes, Ausschweifungen aller
Art, schlechte Luft und schlechtes Wasser, den Aufenthalt unter zu
dichter Bevölkerung, in schmutzigen Straßen und kleinen Wohnzimmern
hervorgerufen.
+Behandlung.+
=Allgemeine.= Der Kranke sollte in ein gut ventilirtes Zimmer
geschafft, das Bett häufig aufgeschüttelt und die Decken gerade
gelegt werden. Es ist nothwendig, die vorstehenden Theile des
Körpers, wie die Hüften und den unteren Theil des Rückgrats gegen den
Druck zu schützen, um das Aufliegen zu verhindern. Wenn aber diese
Theile weich werden, oder eine dunkle oder eine ganz weiße Farbe
annehmen sollten, kann eine schwache Arnika-Tinktur angewendet und
die Theile müssen durch weiche Kissen oder durch aufgelegte Pflaster
gegen den Druck geschützt werden.
Es ist wichtig, bei dieser Krankheit der Kost große Aufmerksamkeit
zuzuwenden. In den ersten Stadien sollte dieselbe sehr leicht und
flüssig sein, so daß sie auch als Getränk gereicht werden kann
wie Gummi Arabicum-, Gersten-, geröstetes Brod- (~toast~) Wasser,
schwache Auflösung von ~Sago~, ~Tapioca~ oder Pfeilwurz (~arrow
root~), Hafer- oder Welschkorn-Mehlschleim; ebenso kann auch der Saft
von süßen Trauben und Orangen erlaubt werden, aber man muß dafür
sorgen, daß die festen Theile davon nicht mit verschluckt werden;
als Getränke möge man sich kalter Limonade oder Eiswasser bedienen.
Ungefähr in der zweiten Woche, wenn der Kranke sehr schwach wird,
mögen ~Sago~, ~Tapioca~ oder Pfeilwurz mit drei Theilen Wasser und
einem Theile Milch, dicker Haferschleim, Panade mit Muskatnuß und
zuweilen mit Wein schmackhaft gemacht, gegeben werden. Es wird gut
sein, hiervon alle zwei, drei oder vier Stunden, je nach der Stärke
des Kranken, ein Weinglasvoll zu geben. In einigen Fällen wird alle
ein oder zwei Stunden ein Eßlöffelvoll Milch gute Dienste thun --
wenn der Magen reizbar ist, mische sie mit einem gleichen Theile von
Limewasser. Wird der Kranke sehr schwach, gebe man ihm Fleischbrühe,
Milchpunsch, oder Eier in Wein.
Man beobachte sorgfältig die Blase, da, wenn sie sich mit Wasser
füllen sollte, dieselbe entleert werden muß. Hat das Fieber einen
hohen Grad erreicht, kann die Oberfläche des Körpers öfter mit kaltem
Wasser abgewaschen werden und der Patient sollte so viel als möglich
kaltes Wasser trinken, ebenso Eis essen.
=Eclectische und Kräuterkur.= Während des ersten Theiles der
Krankheit, wenn Uebelkeit und Erbrechen vorhanden ist gebe man ein
gelindes Abführmittel, wie das zusammengesetzte Pulver der Lobelia.
Bei Verstopfung mag das folgende Mittel angewendet werden:
Virginischer Ehrenpreis (~Black root~) 2 Drachmen.
Rhabarber (~Rhubarb~) 1 Drachme.
Siedendes Wasser ½ Pint.
Lasse die Wurzel ein oder zwei Stunden lang in dem Wasser stehen;
seihe es ab und gib alle Stunden einen Eßlöffel voll, bis eine
Wirkung wahrgenommen wird. Sorge sollte getragen werden, daß die
Eingeweide nicht zu willkürlich bewegt werden.
Während des Fiebers wasche man den Körper mit warmem Laugenwasser
und den Kopf mit kaltem Wasser. Stellt sich Delirium ein, sollten
Senfpflaster auf die Füße und längs des Rückgrats gelegt werden.
Diarrhöe kann durch folgendes Mittel gestopft werden:
Dreifach-salpetersaurer Wismuth (~Tris-nitrate of
bismuth~) 3 Grane.
Terpentin (~Turpentine~) 15 Tropfen.
Pfeffermünz-Wasser (~Peppermint water~) 2 Drachmen.
Mische und nimm es auf einmal.
Tannin-Säure (~Tannic acid~) kann alle Stunden in Dosen von ein oder
zwei Granen gegeben werden, so auch Terpentinöl, jede oder alle zwei
Stunden, in Dosen von 6 bis 8 Tropfen. Ist der Magen zu schwach,
um es anzunehmen, gebe man es vermittelst Einspritzungen. Gegen die
Schmerzen in den Eingeweiden und das Anschwellen des Unterleibes
einen erweichenden Umschlag von Hopfen oder Lobelia. Letzteres ist
öfters zu wiederholen, und nicht kalt werden zu lassen. Zuweilen
wird Hinzufügung von Terpentinöl von guter Wirkung sein. Dies sollte
so lange fortgesetzt werden, bis ein Druck ohne Empfindung eines
Schmerzes gemacht werden kann, oder bis der Kranke sehr hinfällig
wird. Tritt das Letztere ein, so gebe man folgendes:
Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) 20 Grane.
Vitriol-Elixir (~Elexir of vitriol~) 1 Drachme.
Schlangenwurzel-Tinctur (~Tincture of black cohosh
root~) 4 Drachmen.
Löse das Chinin in dem Vitriol-Elixir auf und füge dann die
Schlangenwurzel-Tinktur hinzu. Dosis: 20 Tropfen in kaltem Wasser
jede Stunde.
Bei großer Nervenschwäche und Reizbarkeit gebe man statt des Obigen
Chinirten Baldrian (~Valerianate of quinine~) jede oder alle zwei
Stunden ½ Gran in einem Aufguß von Hopfen oder Schildkraut
(~skull-cap~).
Um während des Fiebers Schweiß hervorzurufen, gebe man einen Aufguß
von Eibischwurzel (~Marsh-mellow~) und Pfirsichblätter, oder einen
Aufguß von Frauenhaarmoos (~Haircap moss~). Wird der Kranke sehr
schwach, so kann eine getränkte Tinktur von stachligen Eschbeeren
(~prickly Ash-berries~) als Einspritzung angewendet werden.
Erwachsenen einen Eßlöffel voll dieser Tinktur in Ale, Porter oder
Branntwein in Wasser, oder Schöpsen- oder Rindsbrühe. Kann es der
Kranke nicht bei sich behalten, so sollte es vermittelst einer
leinenen Preßbinde eine längere Zeit in den Eingeweiden gehalten
werden.
=Homöopathisch.= Wenn zu Anfang Kopfschmerz, Schwindel, Frost,
Schmerzen in dem Rücken und den Gliedern, bei leichtem Husten, mit
oder ohne Diarrhöe, Uebelkeit des Magens und zuweilen Erbrechen
vorhanden ist, gebe man alle zwei Stunden abwechselnd eine Dosis
~Bryonia~ und ~Rhus toxicodendron~.
Lasse den Kranken zu Bett gehen, und wenn er unruhig ist, gebe man
eine oder zwei Dosen ~Coffea~ oder ~Belladonna~. Sobald der Patient
zu schwitzen anfängt und diese Symptome verschwinden, wird er besser.
Wenn aber die Krankheit fortschreitet und die Symptome schlimmer
werden, so sollte ~Aconitum~ gegeben werden, besonders wenn der Puls
voll, die Haut heiß und trocken und heftiger Durst vorhanden ist.
Dies sollte abwechselnd mit ~Belladonna~ gegeben werden, sobald mit
den obigen Symptomen starke Kopfschmerzen, große Empfindlichkeit
gegen Licht und Geräusch und Auffahren im Schlafe verbunden sind.
Nehmen die Symptome an Heftigkeit zu, gebe man noch einmal ~Bryonia~
abwechselnd mit ~Rhus toxicodendron~.
Andere Heilmittel sind folgende:
~Arsenicum.~ -- Trockene und gelbliche Haut, eingefallene Augen und
Wangen, zusammengeschrumpftes, blasses Gesicht, kalter Schweiß auf
der Stirn, dunkle, trockene aufgesprungene Lippen, schwarze Zähne mit
einer schmutzigen Masse überzogen, geschwollener Unterleib, kurzer
und schneller Athem, leise und murmelnde Stimme, brennende Hitze in
der Magengrube, Uebelkeit und Erbrechen, besonders nach Genuß von
Speisen und Getränken, außerordentliche Hinfälligkeit und Sinken der
Kräfte.
~Acidum phosphoricum.~ -- Große Schwäche, der Patient liegt beständig
auf dem Rücken, redet irre, Zupfen an dem Bettzeug, starrer Blick und
hohle glasige Augen.
~Bryonia.~ -- Gesicht roth und geschwollen, Athem schwer und kurz
oder seufzend, Lippen braun und trocken, Mund trocken und mit einem
gelblichen Pelz besetzt, Vollsein und ein Druck im Kopf, bei Bewegung
schlimmer, Summen in den Ohren, Trockenheit im Halse, Verstopfung.
~Opium.~ -- Bei großer Trockenheit mit schnurrendem Athem, eine
unbewußte Entleerung der Blase und Eingeweide.
~Lachesis~ -- kann bei denselben Symptomen gegeben werden, besonders
wenn die Zunge trocken, roth und glänzend -- wie lackirt -- ist.
~Hyosciamus.~ -- Wenn das Gesicht heiß und roth, die Augen funkeln,
die Muskeln zucken, rasendes Delirium und der Kranke fortwährend ein
Verlangen zu entwischen zeigt.
~Carbo vegetabilis.~ -- Dies kann abwechselnd mit ~Arsenicum~
gegeben werden, wenn sich folgende Symptome zeigen: Aengstlicher und
niedergeschlagener Ausdruck, Gesicht blaß, dunkelbraun oder gelb,
Augen eingefallen und gläsern, kalter Schweiß, der Stuhl faul und
höchst widerwärtig, heftig drückende oder ziehende Schmerzen im Kopf,
Röcheln im Hals, krampfartige oder brennende Schmerzen im Magen und
in den Eingeweiden, die Eingeweide geschwollen und weich beim Druck.
~Rhus toxicodendron.~ -- Dieses Heilmittel ist in allen Stadien
der Krankheit anzuwenden, besonders wenn der Kranke stumpf ist und
stechende Schmerzen im Kopfe vorhanden sind, trockene, brennende
Hitze, Steifheit des Nackens mit ziehenden Schmerzen, welche bei
Bewegung zunehmen, Diarrhöe, Frost und Schwindel, Trockenheit des
Halses, Drücken der Augen und Empfindlichkeit gegen Licht und
Geräusch. Hat der Patient zu irgend einer Zeit keinen Schlaf, gebe
man alle Stunden eine Dosis ~Coffea~ abwechselnd mit ~Belladonna~.
Wenn die Haut kalt und klebrig ist und klebrige Schweiße vorhanden
sind, gebe man ~Camphora~, das mit ~Coffea~ abgewechselt werden kann,
sobald der Kranke unruhig werden sollte.
Nachdem das Fieber gebrochen ist und der Kranke wieder zu genesen
beginnt, kann entweder ~China~, ~Mercurius~ oder ~Sulphur~ gegeben
werden.
+Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll
Wasser und gebe, der Strenge der Symptome angemessen, alle halbe,
ganze oder alle zwei Stunden einen Theelöffel voll.
=Allöopathisch.= Häufiges Waschen mit Wasser, kalt oder warm, dem
Befinden des Kranken angemessen, sollte angewendet werden. Ist
Diarrhöe vorhanden, kann dieselbe mit ein wenig Branntwein oder dem
folgenden eingehalten werden:
Doverisches Pulver (~Dover’s Powder~) ½ Drachme.
Präparirte Kreide (~Prepared chalk~) 1 Skrupel.
Mische und theile es in 12 Pulver. Gib alle 2 oder 3 Stunden, je
nachdem es nothwendig ist, ein Pulver.
Sind die Eingeweide verstopft, gebe man eine Einspritzung von warmem
Wasser, oder die folgende Mischung kann genommen werden:
Castoröl 1 Unze.
Ein Eidotter.
Mische dieses und füge hinzu
Gewöhnlichen Syrup ½ Unze.
Pfeffermünz-Wasser (~Peppermint water~) 1-2 Unzen.
Mische und nimm es auf einen Schluck
Oder:
Rhabarber (~Rhubarb~) 10 Grane.
Calcinirte Magnesia (~Calcined magnesia~) ½ Drachme.
Mische es und nimm es als eine Dosis in Syrup oder Molasses.
Wenn der Kopf heiß ist, muß das Haar kurz geschnitten und der Kopf
dann mit Eiswasser oder Essig und Wasser kühl gehalten und Blutegel
an die Schläfe gesetzt werden.
Bei Schlaflosigkeit gebe man 25 bis 30 Tropfen ~Laudanum~ (Mohnsaft).
Um das Fieber zu vermindern und Schweiß hervorzurufen, alle Stunden 3
bis 10 Tropfen Tinctur oder flüssigen Extrakt von ~Veratrum Viride~
(Mistkraut), bis das Fieber nachläßt.
Wo die Eingeweide bedeutend angeschwollen sind, mögen erweichende
Umschläge von Hopfen oder Leinsamen gemacht werden.
Finden Blutungen aus den Eingeweiden statt und ist große Schwäche
vorhanden, lasse man den Kranken Wein und Brod zu sich nehmen. Wenn
das Fieber langsam verläuft, sollte Chinin (~Quinine~) in mäßigen
Dosen gegeben werden. Ein guter reizender Trank wird durch Lösung von
einer Drachme von Potaschen-Chlorid (~Chloride of Potash~) in einem
Pint Wasser hergestellt, das dem Kranken auf dessen Verlangen zu
geben ist.
Als eine reizende Mischung möge das folgende angewendet werden:
Abkochung von Baumrinde (~Bark~) 7 Unzen.
Zusammengesetzte Baumrinden-Tinktur (~Compound
tincture of bark~) 6 Drachmen.
Syrup von Orangenschale 2 „
Verdünnte Schwefelsäure (~Diluted sulphuric acid~) 1 Drachme.
Mische es. Dosis: Zwei Eßlöffel voll dreimal des Tages.
Oder:
Orangenschalen-Tinktur (~Tincture of Orange Peel~) 4 Drachmen.
Laudanum-Tinktur (~Tincture of Laudanum~) 2 „
Doppeltkohlsaure Soda (~Bicarbonate of Soda~) 2 Skrupel.
Aufguß von Calumba, hinreichend um davon 6 Unzen.
zu machen.
Mische es. Dosis: Dreimal des Tages einen Eßlöffel voll.
+Anmerkung.+ -- Es ist rathsam, die Behandlung des Nervenfiebers
nur einem erfahrenen Arzt zu überlassen.
Gehirnfieber oder Gehirnentzündung (~Inflammation of the brain~).
Dies ist unter verschiedenen Namen unter den Aerzten bekannt, allein
der Ausdruck Gehirnentzündung schließt alle die verschiedenen Formen in
sich.
+Ursachen.+ -- Personen von voller Leibesbeschaffenheit, kurzem Nacken,
vollblütig, sind vor allen Anderen zu Anfällen dieser Krankheit
geneigt; die hervorragendsten Ursachen sind Schläge oder das Fallen auf
den Kopf, unmittelbares Aussetzen des Kopfes den Sonnenstrahlen oder
auch starker künstlicher Hitze, lang anhaltendes und hartes geistiges
Arbeiten, Kälte, Ermüdung, Unmäßigkeit, heftige Bewegung, Jähzorn,
das nach Innen Schlagen von Hautkrankheiten, zuweilen auch durch
Krankheit der Knochen des Ohres, Schädelbrüche und Mangel an Schlaf
verursacht. Hin und wieder tritt sie auch während Lungenentzündung,
Scharlachfieber, Rothlauf und Gedärmentzündung ein.
+Symptome.+ Sie kann allmählig oder auch ganz plötzlich kommen,
allgemein aber ist das Erstere. Wo sie allmählig eintritt, ist
der Kranke eine lange Zeit mit Schwere, Niedergeschlagenheit,
Schlaflosigkeit, Schwindel, Ohrenklingen, geringem Appetit, Angst,
Traurigkeit, Reizbarkeit, Singen und Lärmen in dem Kopfe, schreckliche
Träume, Zittern der Glieder, Uebelkeit, Erbrechen geplagt, die Augen
sind mit Blut unterlaufen und sehr empfindlich gegen das Licht.
Schreitet die Krankheit vor, so hat der Kranke mehr oder weniger Frost
und beständig Kopfweh, welches zuweilen außerordentlich heftig wird.
Diesem folgt ein heftiges Fieber, heiße, trockene Haut, ängstlicher
Gesichtsausdruck, fliegende Hitze, die Pupillen des Auges ziehen sich
fast zur Größe eines Nadelstiches zusammen, der Puls schlägt sehr
schnell und stark, schnelles Athmen, heiße, zuweilen feuchte Haut, die
Zunge klebrig und mitunter mit einem weißen Pelz belegt. Der Kranke
leidet stark an Delirien.
Bei weiterem Fortschritt der Krankheit geht das Delirium in Betäubung
über, aus welcher der Kranke nur mit Schwierigkeit zu erwecken ist.
Die Pupillen, die vorher ganz zusammengezogen waren, erweitern sich
jetzt und die Augen verlieren ihren Glanz. Zuweilen tritt Schielen ein
und der Blick wird gedankenlos. Flüssigkeiten im Munde bleiben dort,
ohne daß sie verschluckt werden, oder daß sie der Kranke auslaufen
läßt. Der Kranke zupft an dem Bettzeuge und hascht in der Luft. Das
Gehör ist um Vieles vermindert und alle Sinne sind mehr oder weniger
abgestumpft. Der Urin ist sehr spärlich, wird zuweilen willenlos von
dem Kranken zurückgehalten, in welchem Falle es nothwendig wird, die
Blase zu leeren. Krämpfe können in diesem Stadium an Stelle der großen
Aufregung folgen und Zeichen von großer Schwäche und Erschöpfung werden
wahrgenommen. Der Puls wird schwach, häufig und zuckend, das Gesicht
blaß und eingesunken und die Haut mit einem kalten und klebrigen
Schweiß bedeckt. Der Urin geht ohne Wissen des Kranken ab, der in einem
Zustande von gänzlicher Unempfindlichkeit stirbt.
Dies ist der mehr regelmäßige Verlauf der Krankheit, aber er kann
abweichen und in vielen Fällen mögen einige von diesen Symptomen nicht
vorhanden sein.
In einigen Fällen gehen dem Anfall Krämpfe voraus, bei deren Aufhören
der Kranke ebensowohl bei Bewußtsein als in einem betäubenden Zustande
sein kann. Die Krankheit dauert 24 Stunden bis 7 oder 8 Wochen, der
Durchschnitt ist aber ungefähr 4 bis 5 Wochen.
+Behandlung.+
=Allgemeine.= Kalte Wasser- und Eisumschläge sollten auf den Kopf
gemacht werden und die Kost muß wie bei allen Fiebern leicht sein.
Dem Patienten ist geröstetes Brod, Wasser, Gerstenschleim, Limonade
oder Orangensaft, aber immer nur in kleinen Portionen zu gestatten.
Während der Wiedergenesung ist die Kost sorgfältig zu ordnen und die
Eingeweide und Blase ebenso zu bewachen.
=Homöopathisch.= Kaltes Wasser ist das erste von Wichtigkeit. Es
sollten hiervon regelmäßige Umschläge auf den Kopf gemacht und das
Heißwerden des Kopfes verhindert werden. Kaltes Wasser ist dem Eise
vorzuziehen.
~Aconitum.~ -- Wenn der Kranke starkes Delirium hat, brennende
Schmerzen im Kopfe, besonders in der Stirne, rothes Gesicht,
blutunterlaufene Augen, heiße, trockene Haut. Tritt nach sechs
Stunden keine Besserung ein, sollte ~Belladonna~ abwechselnd mit
~Aconitum~ gegeben werden, besonders bei folgenden Symptomen: große
Hitze des Kopfes, rothes und blutunterlaufenes Gesicht, heftiges
Schlagen der Adern des Nackens und der Schläfe, Trockenheit des
Mundes, der Zunge und des Halses, erschwertes Schlucken, Uebelkeit,
Erbrechen, Schwindel, Empfindlichkeit gegen Licht und Geräusch,
blutunterlaufene und strahlende Augen bei einem wilden Ausdrucke,
heftiges Delirium, Diarrhöe, stechende Schmerzen im Kopfe, leises
Murmeln und Krämpfe.
~Hyosciamus.~ -- Betäubung, Bewußtlosigkeit, Delirium, jähes
Auffahren, Singen, Murmeln, Lächeln, Zupfen am Bettzeuge, Versuch zu
entwischen, unfreiwilliges Ablassen des Urins.
~Stramonium.~ -- Gesicht roth, starren Blick, natürliches Schlafen,
aber bei Krämpfen und Herumwerfen.
~Bryonia.~ -- Beständige Neigung zu schlafen, jähes Auffahren aus
dem Schlafe, Delirium, Aufspringen, Seufzen, Schreien, brennende und
stechende Schmerzen im Kopfe und kalter Schweiß auf der Stirne.
~Bryonia~ kann ferner gegeben werden, wenn ~Aconitum~ und
~Belladonna~ angezeigt erscheinen, aber keine Erleichterung gewähren.
~Opium.~ -- Schläferigkeit mit schwerem Athem, hell offenen Augen,
Verwirrung und Schwindel nach Erwachen, Frost oder Gleichgültigkeit
gegen Alles. Ist der Kranke zu irgend einer Zeit während des
Krankheit sehr unruhig und schlaflos, kann man alle Stunden eine
Dosis ~Coffea~ abwechselnd mit ~Belladonna~ geben, während diese
Heilmittel gegeben werden, muß die Gabe anderer unterbleiben.
Andere Heilmittel sind ~Zincum~, ~Apis Mellitica~, ~Rhus
toxicodendron~, ~Lachesis~ und ~Sulphur~.
+Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen des gewählten Mittels
in 12 Theelöffel voll kalten Wassers und gieb, der Strenge der
Symptome angemessen, alle 1, 2 oder 3 Stunden einen Theelöffel voll.
=Allöopathisch.= Es ist von großer Wichtigkeit, daß die Behandlung
rechtzeitig früh begonnen wird. Ist der Puls voll, sollte zu
Aderlässen gegriffen und nicht eher damit nachgelassen werden, bis er
schwächer wird. Kann man das Blut nicht am Arme entziehen, so sollten
auf Nacken, Rückgrat und Schläfe 12 Blutegel und mehr gesetzt werden.
Das Haupt muß rasirt werden und kalte oder Eiswasserumschläge sind
anzuwenden, auch gestoßenes Eis kann in einen Beutel auf den Kopf
gelegt werden. Eine volle Dosis, 5-10 Grane geläutertes Quecksilber
(~Calomel~) mit einer gleichen Menge Jalappenwurzel (~Jalap~) kann
in diesem Stadium gegeben werden. Zug- und Senfpflaster sind auf die
Waden zu legen. Wer sich des Calomels nicht bedienen will, nehme
Folgendes:
Pulverisirtes Gummi-Gutti (~Pulverized gamboge~) 12 Grane.
Pulverisirtes Scammonium-Salz (~Pulverized
Scammony~) 12 „
Springgurke (~Elaterium~) 2 „
Purgirkörneröl (~Croton oil~) 8 Tropfen.
Stechapfel-Extrakt (~Extract of stramonium~) 3 Grane.
Mische es und mache 12 Pillen daraus. Dosis: Alle Stunden eine Pille
bis sich die Wirkung einstellt.
Nachdem das Aufregungs-Stadium vorüber ist und der Kranke schwach
wird, Puls kaum fühlbar, Gesicht blaß, Hände und Füße kalt, sollte
Wein oder andere Reizmittel gegeben und Zugpflaster auf den Nacken
und hinter die Ohren gelegt werden.
Bei Schlaflosigkeit sind 2 Grane essig- oder salzsaures Morphium
(~Acetate or muriate of morphine~) in 4 Unzen Wasser aufgelöst und
davon alle 2 oder 3 Stunden einen Eßlöffel voll, bis Schlaf eintritt,
zu geben.
Die Eingeweide sind offen zu halten und nachdem die erste Dosis
Calomel gegeben wurde, möge man folgendes anwenden:
Calomel 6-8 Grane.
Brechwurz (~Ipecacuanha~) 4 „
Präparirte Kreide (~Prepared chalk~) ½ Drachme.
Fingerhut (~Digitalis~) 3 Grane.
Theile es in 12 Pulver und gebe eine hinreichende Menge, die
Eingeweide offen zu halten.
Sollte dieses Mittel Erbrechen erregen, so füge man jeder Dosis
ein Drittel bis zu einem ganzen Gran ~Hyosciamus Extract~
(Bilsenkraut-Extrakt) bei.
=Eclectische und Kräuterkur.= Sobald die ersten Symptome erscheinen,
nehme man ein Fußbad in warmem Wasser, dem ein wenig Saleratus oder
Asche beigefügt ist. Dies sollte 2 bis 3 Mal des Tages wiederholt
werden. Mache kalte Wasserumschläge auf Gesicht, Kopf und Nacken und
öffne die Eingeweide mit einer Mischung aus gleichen Theilen von
Alraunwurzel (~Mandrake root~) und (~Cremor tartari~) mit ein wenig
Gewürznelken (~Cloves~). Sollte Alraunwurzel ohne Wirkung bleiben,
so kann auch Jalappenwurzel (~Jalap~) mit ~Cremor tartari~ gegeben
werden. Dies sollte, jeden Morgen und Abend eine Dosis, so lange
fortgesetzt werden, bis der Kranke außer Gefahr ist. Senfpflaster
sind auf Kreuz, Nacken und über den Magen aufzulegen.
Um Schweiß hervorzurufen, bediene man sich gleicher Theile der
Lobelia, Blutwurzel (~Blood root~) und des Weins der Brechwurz (~Wine
of Ipecac~) in gleichen Dosen, einmal in einer Stunde. Wenn die
Tincturen nicht beschafft werden können, mögen diese drei Sachen auch
in Pulvern, und zwar in Dosen von 6 bis 10 Granen gegeben werden. Ist
das Kopfweh stark, sollten warme erweichende Umschläge von Hopfen mit
Essig vermischt aufgelegt werden, und wenn der Kranke unruhig ist und
nicht schlafen kann, lasse man ihn unbeschränkt Hopfenthee trinken.
Befindet sich der Kranke in einem betäubten Zustande, und ist nur
mit Schwierigkeit aus diesem zu erwecken, mag ihm in ein wenig
Porter oder Ale kohlensaures Ammoniak (~Carbonate of ammonia~), dem
ein Viertel-Gran Calomel und ein halbes Gran schwefelsaures Chinin
(~Sulphate of Quinine~) beigefügt wird, gegeben und kann, so oft als
erforderlich, wiederholt werden. Man lasse den Patienten Limonade,
mit ~Cremor tartari~ säuerlich gemachtes Wasser oder grünen Münzthee
(~Spearmint~), mit ein wenig süßem Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits
of nitre~) darin, trinken.
Remittirendes oder Gallenfieber (~Remittent or Bilious Fever~).
Diese Krankheit ähnelt dem Intermittirenden- oder Wechselfieber und
entspringt in der Regel aus denselben Ursachen. Beim Wechselfieber aber
kehren die Anfälle zu bestimmten Zeiten wieder und lassen den Kranken
während der Zwischenzeit frei von allen Symptomen, während bei dem
Gallenfieber das Fieber nur nachläßt und bezüglich seines Erscheinens
unregelmäßig ist.
+Ursachen.+ Es wird ohne Zweifel durch Malaria (einen giftigen Dunst,
welcher von verwesenden thierischen und Pflanzenstoffen aufsteigt --
Sumpfluft) verursacht; befällt mehrentheils Personen von schwacher
Verdauung, oder solche, die sich der Unmäßigkeit hingeben. Ueberladen
des Magens, Zorn, Furcht oder Aerger können ebenfalls Ursachen werden.
+Symptome.+ Gewöhnlich gehen Schwäche, Niedergeschlagenheit, sich
Dehnen, Appetitlosigkeit, mehr oder weniger Schmerz im Kopfe, fliegende
Hitze oder Kälte voraus. Diese Symptome können mehrere Tage dauern, ehe
sich die Krankheit vollkommen entwickelt. Die Kälte nimmt stufenweise
zu, bis sie in einen kennbaren Frost übergeht. Diesem Frost folgt eine
fliegende Hitze, und nach Verlauf von 2 bis 3 Stunden wird die ganze
Oberfläche des Körpers heiß. Der Kranke klagt über Schmerz und ein
Gefühl von Vollsein und Schwere im Kopfe, Schmerz in dem Rückgrat und
Gliedern, besonders in den Waden, große Schwäche, beschleunigtes und
schwieriges Athmen, flammendes Gesicht, Hitze und Trockenheit der Haut,
Uebelkeit, Erbrechen und Durst. Der Puls ist voll und dessen Schlag
erhöht, die Eingeweide verstopft und die Zunge mit einem weißen Schleim
belegt.
Das Fieber kann 8 bis 12, ja sogar 24 Stunden anhalten, dann wird die
Haut feucht, der Puls sinkt und der Kranke fällt in einen erquickenden
Schlaf.
Bei harten Fällen aber bleibt die Haut heiß und trocken, der Patient
wird sehr unruhig und das Fieber stellt sich nach Verlauf von wenigen
Stunden von Neuem ein.
Einer der eigenthümlichsten Züge dieser Krankheit ist die gelbliche
Haut und das Weiße des Auges. Dies stellt sich zwischen dem dritten und
fünften Tage der Krankheit, zuweilen auch gleich bei dem Beginn ein.
Der gelbe Eiter kann auf die Oberfläche getrieben werden, so daß ein
weißes Taschentuch, wenn man damit auf die Haut reibt, gelbe Flecke
bekommt.
Die Krankheit kann einige Tage lang oder zwei bis drei Wochen anhalten
und schließlich in ein wirkliches Wechsel- oder Nervenfieber übergehen,
wenn der Kranke nicht wieder genesen sollte. Ungefähr um die Zeit der
Wiedergenesung erscheint ein Ausschlag auf den Lippen, der als ein
günstiges Zeichen angenommen wird.
+Behandlung.+
=Allgemeine.= Die Kost muß, wie Haferschleim, leichtes Brod,
schwarzer Thee und geröstetes Brod, Kaffee ohne Milch oder Zucker,
von der leichtesten Art sein. Der Kranke mag ein Stück Eis in den
Mund nehmen und Limonade, Aepfel, Wasser oder Wasser mit Corinthen-
(~Current~) oder mit Brombeer- (~Blackberry~) Saft schmackhaft
gemacht, trinken. Ein zuweilen sehr zuträglicher Trank wird aus
schwachem Molasses, Wasser, ein wenig Citronensaft, ein Stück
Zwieback (~Toast~) und Eis gemacht.
Dauert die Krankheit fort, kann man Gummi-Arabicumwasser oder
Gerstenschleim gebrauchen.
Wenn der Kranke sehr schwach wird und es zeigen sich typhöse
Symptome, mögen Brühe von Rindfleisch, Milchpunsch oder Wein mit
Eiern gestattet werden.
Während der Wiedergenesung erlaube man dem Patienten Brod und Butter,
Zwieback, gekochten Reis, Fleischbrühen, weich gesottene Eier,
Austern, gekochtes Huhn oder anderes Geflügel. Das Zimmer muß kühl
und lichtfrei gehalten werden. Das Bettzeug ist öfters zu wechseln,
das Zimmer muß täglich gelüftet und die verdorbene Luft durch
Verbrennen von Zucker, Besprengen des Zimmers mit Lavendelwasser
(~Lavender~), aromatischen Essig (~Aromatic vin.~) und anderen
derartigen Mitteln gereinigt werden.
=Allöopathisch.= Ehe sich das Fieber vollständig entwickelt hat, ist
es gut, folgendes Brechmittel zu geben:
Pulverisirte Brechwurz (~Ipecac~) 1 Skrupel.
Pulverisirter Cayenne-Pfeffer (~Cayenne~) 10 Grane.
Wasser 2 Unzen.
Mische es und nimm es auf einmal.
Oder auch:
Brechweinstein (~Tartar emetic~) 1 Gran.
Brechwurzpulver (~Ipecac powder~) 1 Skrupel.
Syrup 1 Drachme.
Quellwasser 10 Drachmen.
Mische es und nimm es auf einmal.
Lasse diesem Brechmittel nachstehendes Abführmittel folgen:
Rochelle-Salz (~Rochelle salt~) 2 Drachmen.
Doppeltkohlensaure Soda (~Bicarbonate of soda~) 2 Skrupel.
Wasser ½ Pint.
Mische es und füge 25 Tropfen Weinstein-Säure (~Tartaric acid~) bei.
Das Ganze ist während des Aufbrausens zu nehmen.
Oder:
Gepulverte Sennesblätter (~Powdered Senna~) ½ Unze.
„ Jalappenwurzel (~Powdered Jalap~) 10 Grane.
„ Gewürznelken (~Powdered Cloves~) 10 „
Zu mischen und in versüßtem Wasser auf einmal zu nehmen.
Bleiben diese Mittel ohne Wirkung auf die Eingeweide, gebe man
folgendes:
Sennesblätter (~Senna~) ½ Unze.
Manna 1 „
Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) 1 „
Cardamon oder Fenchelsamen (~Cardamon or Fennel
seed~) 2 Drachmen.
Kochendes Wasser 1 Pint.
Mische es. Dosis: Alle zwei Stunden, bis Wirkung eintritt, ein
Weinglas voll.
Wenn sich die Krankheit vollständig entwickelt hat, kann der Kranke
zwei- oder dreimal des Tages mit kaltem Wasser, seinem Befinden
angemessen, von oben bis unten gewaschen werden; dabei gebe man eins
von den folgenden Getränken:
Cremor Tartari (~Cream of tartar~) ½ Unze.
Zerquetschte frische Citronenschale 4 Unzen.
Stückzucker (~Loaf sugar~) 4 „
Kochendes Wasser 3 Pints.
Mische und durchseihe es, nachdem es eine Weile gestanden hat.
Auch:
Citronen-Säure (~Citric acid~) ½ Drachme.
Doppeltkohlensaure Potasche (~Bicarbonate of
potash~) ½ „
Citronen-Syrup (~Lemon syrup~) 1 Unze.
Wasser 6 Unzen.
Bittersalz (~Epsom salts~) 1 Unze.
Mische es. Dosis: Wenn nöthig alle vier Stunden zwei Eßlöffel voll.
Um das Fieber zu vermindern, gebe von der Tinktur oder dem
flüssigen Extrakt der ~Veratrum Viride~ (grüne Nießwurz) oder dem
zusammengesetzten Pulver von Brechwurz (~Ipecacuanha~) und Opium.
Während der fieberfreien Zeit, oder nachdem das Fieber vorüber ist,
gebe man
Chinin (~Quinine~) 1 Skrupel.
Vitriol-Elixir (~Elixir of vitriol~) 1 Drachme.
Löse das Chinin in dem Elixir und füge noch 14 Drachmen
Schlangenwurzel (~Black cohosh~) hinzu. Dosis: 20 Tropfen in ein
wenig Wasser, einmal in der Stunde.
Oder:
Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) 12 Grane.
Aromatische Schwefelsäure (~Aromatic sulphuric
acid~) 24 Tropfen.
Syrup 1 Unze.
Pfeffermünz-Wasser (~Peppermint water~) 1 „
Mische es. Dosis: In zwei bis drei Stunden einen Eßlöffel voll.
=Eclectische und Kräuterkur.= In dem Hitze-Stadium, wenn das Fieber
ankommt, sollte der Körper häufig mit warmem schwachen Laugenwasser
gebadet und innerlich folgendes gegeben werden:
Jasmin-Tinktur (~Tincture of gelseminum~) ½ Unze.
Aconit-Tinktur (~Tincture of aconite~) 20 Tropfen.
Mische es. Dosis: Alle halbe oder ganze Stunde 20 Tropfen in einem
Theelöffel voll Wasser.
Nachdem das Fieber unterdrückt und eine fieberfreie Zeit eintritt,
gebe man eines von den folgenden Mitteln:
Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) 14 Grane.
Wasser 1 Unze.
Schwefelsäure (~Sulphuric acid~) 14 Tropfen.
Mische es. Dosis: Einen Eßlöffel voll jede Stunde während der
fieberfreien Zeit.
Oder:
Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) 20 Grane.
Vitriol-Elixir (~Elixir of vitriol~) 1 Drachme.
Mische es und lasse das Chinin auflösen, dann füge hinzu:
Schlangenwurzel-Tinktur (~Tincture of black cohosh
root~) 7 Drachmen.
Jasmin-Tinctur (~Tincture of gelseminum~) 7 „
Mische es. Dosis: Alle halbe oder ganze Stunde 20 Tropfen in ein
wenig Wasser.
Wenn die Eingeweide verstopft sind und die Zunge dunkel belegt
ist, die Augen und Haut gelblich, kann man der ersten Dosis obiger
Mischung ¼ Gran von Podophyllum (~Podophyllin~) und 1 Gran
Leptandrin, das alle sechs Stunden wiederholt werden kann, beifügen,
bis sich die Wirkung auf die Eingeweide einstellt.
Ist aber Diarrhöe vorhanden, gebe man folgendes:
Geranium (~Geranin~) 2 Grane.
Schwefelsaures Morphium (~Sulphate of morphine~) ⅛ Gran.
Nimm es auf einmal und wiederhole es alle 2 bis 4 Stunden, bis sich
die Zahl der Entleerungen vermindert.
Bei Schmerz im Unterleib und Empfindlichkeit in der Magengrube
verbunden mit Uebelkeit und Erbrechen, setze man die mit Chinin
gemischten Mittel aus und lasse den Kranken nach Belieben einen
Aufguß von Pfirsichblättern und Altheewurzel (~marsh-mallow root~)
trinken. Auch lege Senfpflaster auf den Magen, die Eingeweide und
längs des Rückgrats.
Columbo-Wurzel (~Calumba root~) zu Thee zubereitet, ist bei dieser
Krankheit schätzenswerth und kann gegen Erbrechen, das zuweilen
sehr beschwerlich ist, angewendet werden. Hin und wieder kann das
Erbrechen auch durch gleiche Theile von Milch und Wasser eingehalten
werden. Gegen Kopfschmerz mache man Essig- und Wasserumschläge auf
den Kopf. Ist der Patient fast ganz schlaflos, so bediene man sich
des Hopfen-Kopfkissens oder lasse ihn Hopfenthee trinken.
Wenn das Fieber gebrochen ist und der Patient kommt nicht schnell
zu Kräften, sondern bleibt hinfällig, sind stärkende Mittel
erforderlich. Zu diesem Behufe nehme man:
Gelbwurz (~Golden seal~), Wachholderbeeren (~Juniper berries~),
stachlige Eschenrinde (~Prickly ash bark~), Rinde vom wilden
Kirschbaum (~Wild cherry bark~), von jedem, grob gestoßen, eine Unze,
Entenfuß (~Podophyllin~) und Rainfarn (~Tansy~) von jedem eine halbe
Unze. Gieße zwei Pint kochendes Wasser darüber, decke es zu und lasse
es eine Stunde lang auf dem Ofen stehen; wenn kalt, füge noch zwei
Pints Whiskey und ein Pint Molasses hinzu und lasse diese Mischung
dann für den Gebrauch einige Tage lang stehen. Dosis: Drei- oder
viermal des Tages einen Eßlöffel voll.
=Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Starkes Fieber, rasend schneller
Puls, mit einem gelben Schleim belegte Zunge, bitterer Geschmack im
Mund, Erbrechen eines bitteren, grünlichen Stoffes, Kopfschmerz,
schlimmer beim Sprechen.
~Bryonia.~ -- Besonders im Sommer, bei heißem und feuchtem Wetter
passend, trockene und weiß oder gelb belegte Zunge, Durst, bitterer
Geschmack im Munde, Verlangen nach Saurem und Wein, Erbrechen nach
Trinken, Frost oder Hitze, bei Schwindel, der sich nach dem Trinken
verschlimmert. Dies kann abwechselnd mit ~Rhus toxicodendron~ gegeben
werden.
~Pulsatilla.~ -- Weiß belegte Zunge, bitterer Geschmack im Munde,
Appetitlosigkeit, Frost, Mattigkeit.
~Nux vomica.~ -- Verstopfung bei häufigen erfolglosen Anstrengungen
zu Stuhlentleerungen, rheumatischen Schmerzen im Kopf und Körper,
bitterer und fauler Geschmack im Munde.
~Arsenicum.~ -- Kolik oder brennende Schmerzen im Magen und
Eingeweiden, Empfindlichkeit des Magens gegen Druck, brennende
Schmerzen auf einem kleinen Fleck im Magen, große Schwäche, das
Verlangen sich niederzulegen, Erbrechen nach Trinken oder Bewegung.
~Chamomilla.~ -- Bitterer Geschmack im Munde, Appetitlosigkeit,
Uebelkeit und Erbrechen einer grünen, bitteren oder sauren
Flüssigkeit, Unruhe, Druck im Magen.
~Mercurius.~ -- Weiß oder gelblich belegte feuchte Zunge,
Empfindlichkeit auf der Magengrube und den Eingeweiden, die sich
des Nachts verschlimmert, Unruhe, Schläfrigkeit bei Tag und
Schlaflosigkeit des Nachts.
~China.~ -- Appetitlosigkeit, Widerwille gegen Speise und Trank,
Frost und Schauder nach Trinken, Diarrhöe, unverdaute Nahrung. Dies
kann abwechselnd mit ~Acidum phosphoricum~ gegeben werden.
~Colocynthis.~ -- Erbrechen oder Diarrhöe nach Genuß von Speisen,
Kolik, Wadenkrampf.
~Tartarus emeticus.~ -- Beständige Magenübelkeit, Neigung zum
Erbrechen, leichtes Erbrechen und Diarrhöe. Kann mit ~Bryonia~
abwechselnd gegeben werden.
~Veratrum.~ -- Trockene, gelb belegte Zunge, Erbrechen einer galligen
Masse, Diarrhöe, Ohnmacht nach Stuhl, schneidende Schmerzen in den
Eingeweiden.
~Cedron.~ -- Frost gegen Abend, darauf Fieber, fast gänzliche
Schlaflosigkeit und Erbrechen von Galle.
+Verordnung der Heilmittel.+ -- Man gebe alle 2, 3 oder 4 Stunden 6
Kügelchen des betreffenden Mittels oder man löse 12 Kügelchen in 12
Theelöffel voll Wasser und gebe als Dosis einen Theelöffel voll.
Intermittirendes oder Wechselfieber (~Intermittent Fever~)
kennzeichnet sich durch die regelmäßig eintretenden Anfälle und die
gänzliche Fieberlosigkeit zwischen denselben. Jeder Anfall besteht aus
drei verschiedenen Stadien, welche regelmäßig auf einander folgen: 1)
das Kalte, 2) das Hitze, 3) das Schweiß-Stadium.
Es gibt verschiedene Arten dieser Krankheit. Das +alltägliche+
(~Quotidiana~) hat alle 24 Stunden einen Anfall. Das +dreitägige+
(~Tertiana~) innerhalb 48 Stunden oder einen Tag um den andern. Das
+viertägige+ (~Quartana~) nach Verlauf von 72 Stunden oder jeden
dritten Tag einen solchen. Es gibt noch andere von Schriftstellern
erwähnte Arten, allein die Symptome und die Behandlung sind ebenso wie
bei den vorhergehenden. Der Zeitraum von dem Ende eines Anfalles bis
zum Anfang eines andern wird die fieberfreie Zeit oder ~Apyrexia~ und
jener von dem Anfange eines Anfalles zu einem andern das ~Interval~
genannt.
+Symptome.+ -- Dem +kalten Stadium+ geht gewöhnlich eine Mattigkeit,
Schwäche, Unbehagen, Strecken, Gähnen, Kopfschmerz, Kreuz- und
Lendenschmerzen voraus. Diese Symptome dauern eine Zeitlang und
jenen folgt ein Gefühl von Frost, besonders in den Gliedern, das
sich nach und nach über den ganzen Körper ausdehnt. Das Gesicht und
die Oberfläche des Körpers werden blaß, eingefallen, und erscheinen
rauh, was mit „Gänsehaut“ bezeichnet wird. Zuweilen ist ein Gefühl
vorhanden, als ob kleine Bäche von Eiswasser langsam den Rücken
hinunter liefen. Der Patient empfindet ein Frösteln und Zittern, ein
Schauer durchdringt den ganzen Körper, die Zähne klappern und die
Heftigkeit des Frostes wird so stark, daß zuweilen dessen Stärke an
der Bettstelle wahrgenommen wird. Das Athmen geschieht rasend schnell
und beschwerlich, Puls schwach, Zunge trocken und weiß, Lippen und
Fingernägel blau, hin und wieder Uebelkeit und Erbrechen. Dieses
Stadium dauert 10 Minuten bis 3 oder 4 Stunden, durchschnittlich aber
ungefähr eine Stunde.
+Das Stadium der Hitze.+ -- Sobald der Frost anfängt nachzulassen,
strömt eine Hitze über den ganzen Körper, die eher angenehm als
anders zu bezeichnen ist. Schließlich hört die Kälte ganz auf und
eine trockene brennende Hitze tritt ein, das Gesicht röthet sich, die
Augen funkeln und der Mund wird trocken und gleichsam gedörrt; die
Schläfe klopfen und heftiges Kopfweh hat sich eingestellt; der Puls ist
ungewöhnlich voll und stark; der Urin ist spärlich und stark gefärbt.
Dieses Stadium kann 2 bis 18 Stunden und länger anhalten.
+Das Schweiß-Stadium.+ -- Schweiß tritt auf die Stirne, Hände und Füße
und erstreckt sich bald über den ganzen Körper. Die Fiebersymptome
und Schmerzen lassen allmählig nach, der Kranke fällt häufig in einen
ruhigen Schlaf und fühlt sich beim Erwachen fast so wohl wie gewöhnlich.
In einigen Fällen mögen diese Stadien abweichen, und eines oder mehrere
von den oben erwähnten Symptomen nicht vorhanden sein, oder wenn sie
vorhanden sind, können nur wenige von ihnen erkannt werden.
Das eintägige Fieber beginnt in der Regel am Morgen, das dreitägige am
Mittag und das viertägige am Nachmittag. Das kalte Fieber stellt sich
gewöhnlich im Frühjahr und Herbst ein und die Anfälle im Herbste sind
die heftigsten.
+Ursachen.+ -- Die Haupt-, wenn nicht die einzige Ursache zum
Wechselfieber ist die Sumpfluft oder Malaria, welche aus der Verwesung
von Pflanzenstoffen entspringt. Die Zeit, die von dem sich Aussetzen
einer solchen Sumpfluft bis zum Ausbruch des Fiebers verstreicht, ist
sehr verschieden. Der Anfall kann sich Monate lang verzögern und dann
durch eine Schwächung des Organismus, durch feuchtes Wetter, durch das
sich der Sonnenhitze bloßstellen, durch Ueberanstrengung, ein kaltes
Bad, oder auch durch eine Dosis eines abführenden Mittels hervorgerufen
werden. Diese vergiftete Luft wird vom Winde fortgetragen und von den
Blättern der Bäume angezogen oder hängt sich an dieselben und es ist
deshalb gut, das Haus mit einer Gruppe von Bäumen zu umgeben.
Die Wirkung des kalten Fiebers, wenn die Krankheit eine Zeitlang
angehalten hat oder ungeschickt behandelt wurde, besteht in einer
Erweiterung der Leber oder Milz, Verdauungsbeschwerden, Wassersucht,
Diarrhöe u.s.w.
+Behandlung.+
=Allgemeine.= Der Kranke sollte in eine trockene Wohnung und in eine
Gegend, die frei von der Malaria ist, ziehen. Die Kleidung muß warm,
die Nahrung einfach sein und Unmäßigkeit im Essen und Trinken muß
ernstlich verboten werden. Während des Anfalles von Kälte, gebe man
warme Getränke wie Gerstenschleim, schwachen Thee, heiße Limonade,
Wasser von geröstetem Brod. Erhitzte Steine und Flaschen mit heißem
Wasser lege man zu den Füßen und längs des Körpers.
Während des Fiebers entferne man so viel
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