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Die Sandwich-Inseln, oder das Inselreich von Hawaii.

by Reinhold Anrep-Elmpt · German · Gutenberg #49896 · 812,127 chars · public domain (US)

The Project Gutenberg eBook of Die Sandwich-Inseln, oder das Inselreich von Hawaii.
    
This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms
of the Project Gutenberg License included with this eBook or online
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Title: Die Sandwich-Inseln, oder das Inselreich von Hawaii.

Author: Reinhold Anrep-Elmpt


        
Release date: September 6, 2015 [eBook #49896]
                Most recently updated: October 24, 2024

Language: German

Other information and formats: www.gutenberg.org/ebooks/49896

Credits: Produced by Odessa Paige Turner, Reiner Ruf, and the Online
        Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This
        book was produced from scanned images of public domain
        material from the Google Books project.)


*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE SANDWICH-INSELN, ODER DAS INSELREICH VON HAWAII. ***

  ##################################################################
                     Anmerkungen zur Transkription

Der vorliegende Text wurde anhand der 1885 erschienenen Buchausgabe
erstellt. Satzzeichen wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche
und inkonsistente Schreibweisen wurden beibehalten, sofern diese den
Sinn des Textes nicht beeinflussen (z. B. ‚Sydney/Sidney/Sydnei‘ oder
‚habeus corpus‘ statt ‚habeas corpus‘). Hiervon ausgenommen sind
Eigennamen, bei denen sich eine über den gesamten Text vorherrschende
Schreibweise erkennen lässt, sowie offensichtliche Druckfehler.
Variationen in der Schreibweise polynesischer und englischer Begriffe
wurden beibehalten; insbesondere die Akzentuierung sowie die Verwendung
von Bindestrichen kann bei ersteren innerhalb des Textes stark
variieren.

Inkonsistenzen bei den großen Umlauten (Ä, Ö und Ü) bzw. deren
Umschreibungen (Ae, Oe und Ue) wurden nicht harmonisiert. Überträge bei
Tabellen, die sich über Seitengrenzen hinweg erstrecken (S. 351-362),
wurden entfernt. Im Original wurde die Zwischensumme durch ‚Latus‘, der
Übertrag auf der neuen Seite durch ‚Transport‘ angegeben. Buchformate
in den Anzeigen wurden harmonisiert zu ‚8°.‘ bzw. ‚12°.‘

Die folgenden Stellen wurden korrigiert bzw. bedürfen des Kommentars:

    S. VII: ‚iron bound coaste‘ → ‚iron bound coast‘; ‚Mossman‘ →
        ‚Mossmann‘; ‚Gruve-Rench‘ → ‚Gruve-Ranch‘
    S. XI: ‚Pitoreske Sicht‘ → ‚Pittoreske Sicht‘
    S. XII: ‚Choren‘ → ‚Charen‘
    S. XV: ‚Nacsfolgerin‘ → ‚Nachfolgerin‘
    S. XVI: ‚Ferderungen‘ → ‚Forderungen‘
    S. XVII: Seitenzahl: ‚414‘ → ‚214‘
    S. XXI: ‚Militärkörperchaften‘ → ‚Militärkörperschaften‘;
        ‚Instruktioen‘ → ‚Instruktionen‚; ‚Representanten‘ →
        ‚Repräsentanten‘
    S. XII: ‚Charakteristk‘ → ‚Charakteristik‘
    S. 2: ‚sicht‘ → ‚sich‘
    S. 3: doppeltes ‚der‘; eines entfernt; ‚Jnsel‘ → ‚Insel‘; ‚Latt.
        21°-16°-56° und der Long. 157° 48° 51°‘ → ‚Latt. 21° 16′ 56″ und
        der Long. 157° 48′ 51″‘
    S. 5: ‚Aucland‘ → ‚Auckland‘
    S. 7: ‚Strasssen‘ → ‚Strassen‘
    S. 1: ‚Belagererer‘ → ‚Belagerer‘
    S. 18: ‚augenblichlich‘ → ‚augenblicklich‘
    S. 21: ‚ch wiieder‘ → ‚ich wieder‘
    S. 32: ‚Arena‘ könnte ‚Area‘ heißen, wurde aber so belassen
    S. 33: ‚10 Meile‘ → ‚10 Meilen‘
    S. 36: ‚Herrn Titkomb‘ → ‚Herrn Titcomb‘; ‚Herr Chr. Titcomb‘ →
        ‚Herr Chs. Titcomb‘
    S. 37: ‚dnrch‘ → ‚durch‘
    S. 39: ‚der Charakter der von Kolóa‘ → ‚der Charakter von Kolóa‘
    S. 41: ‚in sanften Bogen‘ → ‚in sanftem Bogen‘
    S. 46: ‚Nesselgewäschsen‘ → ‚Nesselgewächsen‘
    S. 48: ‚nnd‘ → ‚und‘
    S. 49: doppeltes ‚von‘; eines entfernt
    S. 50: ‚Sträuche‘ → ‚Sträucher‘
    S. 55: ‚selbstsüchtige europäische‘ → ‚selbstsüchtiger europäischer‘
    S. 60: ‚grogressiy‘ → ‚progressiv‘
    S. 61: ‚Districktsschulen‘ → ‚Distriktsschulen‘
    S. 62: ‚riesele‘ → ‚rieseln‘
    S. 68: ‚des Lava-Seees‘ → ‚des Lava-Sees‘; ‚174 meter‘ → ‚174 Meter‘
    S. 71: ‚Auströmungen‘ → ‚Ausströmungen‘
    S. 74: ‚engliche Meilen‘ → ‚englische Meilen‘
    S. 88: ‚ofmals‘ → ‚oftmals‘
    S. 102: ‚bearbeitetem‘ → ‚bearbeiteten‘
    S. 105: ‚religiösen Gebrauche‘ → ‚religiösen Gebräuche‘
    S. 113: ‚die Frau‘ → ‚die Frauen‘
    S. 115: ‚heist‘ → ‚heisst‘
    S. 125: ‚cirsa‘ → ‚circa‘; ‚strüppig‘ → ‚struppig‘
    S. 129: ‚westmalaysche‘ → ‚westmalayische‘
    S. 133: ‚phospheroscirend‘ → ‚phosphorescirend‘
    S. 134: ‚Tungi‘ → ‚Fungi‘
    S. 147: ‚vertheilhaft‘ → ‚vortheilhaft‘
    S. 168: ‚Geissel‘ → ‚Geisel‘
    S. 172: ‚König Kahakíli‘ → ‚König Kahikíli‘
    S. 177: ‚Gewandheit‘ → ‚Gewandtheit‘
    S. 185: ‚mit Aufmerksamkeit zulauschen‘ → ‚mit Aufmerksamkeit zu
        lauschen‘
    S. 187: ‚Paster‘ → ‚Pastor‘
    S. 188: ‚verbeiten‘ → ‚verbreiten‘
    S. 204: ‚Süpreme court‘ → ‚Supreme court‘
    S. 214: das Symbol für ‚Pfund‘ wurde durch das Symbol ‚℔.‘
        dargestellt.
    S. 218: ‚landen hiess‘; könnte auch heißen: ‚landen liess‘
    S. 228: ‚gswählten‘ → ‚gewählten‘
    S. 250: ‚Repäsentanten‘ → ‚Repräsentanten‘
    S. 260: ‚Finanzbudjets‘ → ‚Finanzbudgets‘
    S. 261: ‚ans‘ → ‚aus‘
    S. 262: ‚accreditite‘ → ‚accreditirte‘
    S. 263: ‚Protestand‘ → ‚Protestant‘
    S. 264: ‚bei der Verein. Staaten‘ → ‚bei den Verein. Staaten‘
    S. 266: ‚namentlieh‘ → ‚namentlich‘
    S. 273: ‚Steamchip‘ → ‚Steamship‘; ‚veraussehend‘ → ‚voraussehend‘
    S. 274: ‚ernante‘ → ‚ernannte‘
    S. 277: ‚Honolulu-Riflles‘ → ‘Honolulu-Rifles‚
    S. 279: ‘Honolulu-Reifles‚ → ‘Honolulu-Rifles‚
    S. 290: ‘the membres‚ → ‘the members‚
    S. 300: ‘Section 1420 → ‚Section 1421‘
    S. 304: ‚Miethhauser‘ → ‚Miethhäuser‘; ‚zwizchen‘ → ‚zwischen‘
    S. 312: ‚eingericht‘ → ‚eingereicht‘
    S. 314: ‚verschieden Häfen‘ → ‚verschiedenen Häfen‘; ‚jählich‘ →
        ‚jährlich‘
    S. 324: ‚Section I‘ → ‚Section 1‘
    S. 332: ‚Versicherungscompagie‘ → ‚Versicherungscompagnie‘
    S. 338: ‚lincensirte‘ → ‚licensirte‘; ‚spirituoser‘ → ‚spirituöser‘
    S. 343: ‚an diesm‘ → ‚an diesem‘; ‚Daner‘ → ‚Dauer‘
    S. 349: ‚Flüsigkeiten‘ → ‚Flüssigkeiten‘
    S. 351: ‚Obergerichts‘ → ‚Obergerichtes‘ (vereinheitlicht)
    S. 363: ‚Privy-Concil‘ → ‚Privy-Council‘

Verschiedene Schriftschnitte werden in diesem Text durch die folgenden
Sonderzeichen dargestellt:

    kursiv:   _Unterstriche_
    fett:     +Pluszeichen+
    gesperrt: ~Tilden~

Tiefgestellte Zeichen werden durch geschweifte Klammern mit
vorangestelltem Unterstrich symbolisiert: _{tiefgestellt}.

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                                  Die
                            Sandwich-Inseln
                               oder das
                        Inselreich von Hawaii.

                                  Von
                      Graf Reinhold Anrep-Elmpt.

                            [Illustration]

                               Leipzig.
                     Verlag von Wilhelm Friedrich,
                          K. Hofbuchhändler.
                                 1885.




       Alle Rechte, besonders das der Uebersetzung, vorbehalten.




Vorwort.


„Du musst unbedingt die Eindrücke Deiner Reisen veröffentlichen!“ so
lautete der Wunsch zahlreicher Freunde, den ich zu erfüllen versprochen
hatte, ohne zu bedenken, dass das Wollen leichter als das Können ist.

Als ich zur Erfüllung meines Versprechens schritt, ja da erschien --
abgesehen von den vielen Schwierigkeiten, denen der Schriftsteller
gewöhnlich begegnet -- sofort die der Wahl des Objektes zum Beginnen.
Womit beginnen? das war die Frage. Soll es Amerika, soll es Australien
oder Asien sein -- deren Länderstrecken ich kreuz und quer, täglich
treu ein Tagebuch führend durchwandert, oder mehrfach durchreist bin --
womit ich die Beschreibungen meiner Reisen um die Welt eröffnen soll?

Mein Entschluss schwankte hin und her, bis ich auf den Gedanken kam,
mit dem kleinsten selbstständigen Reiche des Stillen Oceans den Anfang
zu machen, um zugleich durch diese Wahl beweisen zu können, dass oft im
Kleinen Grosses und wo man wenig erwartet, mehr als man vermuthet zu
finden ist.

Ich griff deshalb zu meinen Reise-Tagebüchern der Sandwichinseln, d. h.
des Inselreichs von Hawaii, des interessanten Stillen Ocean.

Die Wahl dieses kleinen Reiches und seiner in ihrer Reife noch
jugendlichen Nation als Beginn meiner Reisebeschreibungen, gibt mir den
Muth die Hoffnung auszudrücken, dass gleichwie in der Kleinheit meines
Objektes des Inselreiches von Hawaii sich Grosses zeigt, vielleicht
auch in meiner kleinen Arbeit etwas Nützliches für das Grosse zu
finden sein wird und dass, gleichwie das in seiner fabelhaft raschen
Entwicklung interessante kleine Reich seiner Jugend wegen Nachsicht
verdient, auch dieser meiner kleinen Arbeit gütige Nachsicht und
einiges Interesse vom Leser gewährt werden wird.




Inhalts-Verzeichniss.


  I. Theil:

  3 Monate 8 Tage im Inselreiche. Reisebeschreibung.


  I. Abtheilung.

  Von San Francisko (Californien) nach Honolulu (Inselreich
  Hawaii).

                                                                   Seite

  Den 13. Mai 1878. -- Ab San Francisko. -- Eindrücke. --              1

  Rückblick auf die Metropole. -- Im Stillen Ocean. --                 2

  Vom 18. bis 21. Mai. -- Sicht von Oahú. --                           3

  Sicht von Honolulu. -- Der Hafen. --                                 3

  Halt vor der Werft. -- Tabelle der Reise. --                         4


  II. Abtheilung.

  Ankunft in Honolulu. -- Eindrücke.

  Landung. -- Wohnung. --                                              5

  Umriss des Inselreiches. --                                          5

  Abnorme Sterblichkeit. -- Ursache derselben. -- Tabelle der
  Einwohner. --                                                        6

  Erster Eindruck. -- Wanderung durch die Stadt. --                    7

  Hauptstrassen. --                                                    7

  Gärten. -- Die Kirchen Honolulus. --                                 8

  Sehenswerthe Gebäude. -- Palais des Königs. --                       9

  Die Kaserne. -- Das Gefängniss auf dem Riff. --                     10

  Das „Oahú-College“. --                                              11

  Principien der Anstalt. --                                          12

  Gemeinschaftliche Erziehung. -- Amerikanisches Schulprincip. --     12

  Oeffentliche Prüfung der Schule. -- Die Gärten der Anstalt. --      13

  Entwicklung des Schulwesens. -- Das „Joláni-College“. --            14

  Asyl für Geisteskranke. --                                          15

  Das Reformatorium. -- Zweimonatlicher Aufenthalt. --                15

  Vorbereitungen zur Reise nach Kauai. --                             16


  III. Abtheilung.

  Ausflug von Honolulu nach Kauai.

  Der Schooner „Marianne“. --                                         16

  Sicht von Kauai. -- Hafen Navillivilli. -- W. Lowel. -- Guter
  Kaffee. -- Die Terrafirma. -- Eindrücke. --                         17

  Von Navillivilli nach Kolóa. -- Eindrücke. -- Brücke des
  Niúmalú. --                                                         18

  Stille der Natur. -- Auf der Höhe des Passes. -- Dreiers
  Plantage. -- Kolóa. --                                              19

  Schlechte Weide. -- Der Ort Kolóa. --                               20

  Plantage Kolóa. -- Rückweg. -- Lowel’s Häuslichkeit. --             20

  Lehúa-Plantage. -- Ein Abend unter Hawaii’ern. -- Wie die
  lieben Leute speisen. --                                            21

  Frisches Pferd zum Weiterritt. -- Ab durch die Insel. --            22

  Mündung des Wailúa. -- Das Dorf Wailúa. -- Die Heimath der
  Deborah. -- Der Wailúa-Sturz. -- Ueppige Vegetation. --
  Dorf Kapaá. --                                                      23

  Sicht im Ritt. -- Viehgut des Mr. Krull. -- Ursache der Grasarmuth.
  -- Ort Moloá. --                                                    24

  Irrthum durch Stille und Schädel. -- Nacht in Pelaá. -- Herr
  Bertelmann. --                                                      25

  Weiterritt. -- Die Gegend. -- Von Moloá bis Kiloéa. -- Nach
  Hanalei. -- Eindrücke. --                                           26

  Von der Höhe. -- Princeville-Plantage. -- Ein steiler Zickzack.
  -- Ueppige Lage der Plantage. --                                    27

  Eindrücke. -- Vor dem Hause. -- Herr Conrad nebst Frau. --
  Wanderung durch das Thal. --                                        28

  Bei Hackfield. -- Idyllische Behausung. -- Eindrücke. -- Die
  schmierige Pfeife. -- Die Hawaii’er Frauen. --                      29

  Rückkehr zur Plantage. -- Lebensweise. -- Die Chinesen. --          30

  Importirter Hass. -- Der Europäer in der Plantage. -- Gemischte
  Sprösslinge. -- Früh zur Ruh. --                                    31

  Rentabilität der Zuckerrohrplantage. -- Ein Exempel der
  Rentabilität. --                                                    32

  Den 9. Juli im Sattel. -- Prachtscenerien. -- Das Waioli-Thal. --
  Ritt durch die Brandung. -- In Naué. -- Mr. Robinson und
  sein Haus. --                                                       33

  Ritt zu den Grotten von Haëna. -- Eindrücke der Grotten. --         34

  Rascher Ritt. -- Hunger zwingt zur Eile. -- Mr. Titcomb
  und kein Nachtlager. --                                             35

  Bei Bertelmann. -- Vielseitige Unterhaltung. -- Herr Titcomb
  und seine Charakteristik. -- Seidenraupenzucht. --                  36

  Beispiel wirkt. -- Die Heiligkeit des Sonntags liebt die
  Seidenraupe nicht. -- Ruin Titcombs. --                             37

  Sein Aufschwung. -- Die Insel verliert eine Industrie. -- Im
  Sattel bis Lehúa. -- Parforceritt nach Kolóa. -- Auf dem
  Dampfer „Kilauéa“. --                                               38

  Eindrücke der Insel. -- Die „iron bound coast“. -- Lage der
  Insel Kauai. --                                                     39

  Ankunft in Honolulu. --                                             40


  IV. Abtheilung.

  Ausflug von Honolulu zur Insel Maui und Ritt durch dieselbe.

  Auf dem Dampfer „Likelike“. --                                      40

  Eindruck des Hafens von Honolulu. --                                41

  Lahaïna. -- Die Malaéa-Bai. -- Gerüttelt, geschüttelt bis Wailúku.
  -- Die Landenge Kóla. --                                            42

  Ost-Maui. -- West-Maui. -- Das „Jáo-Thal“. -- Die Schlacht
  der Vernichtung. -- Die „Brewer“-Plantage. --                       43

  Der Ort Wailúku. -- Eindruck der Bevölkerung. --                    44

  Die „Waikapú“-Plantage. -- Eindrücke. -- Wanderung durch das
  „Wailúku“-Thal. --                                                  45

  Pompöse Schlussgebirge des Thales. -- Zurück nach Wailúku. --       46

  Die „Waihae“-Plantage. -- Der Fischmarkt. -- Der stille Sonntag.
  -- Die römisch-katholische Kirche. --                               47

  Wahrheit oder Schein. -- Der Schein und die Wahrheit. --
  Die „Poi“-Manufaktur. -- Bahn von Kahúluï. --                       48

  Ritt nach Ost-Maui. -- Eine öde Fläche. -- Mossmann’s Plantage. --  49

  Die „Gruve-Ranch“. -- Eine freundliche Aufnahme. -- Der Ort
  Makawaó. -- „Sanich-Set“. --                                        50

  Ueberraschende Anlagen. -- Coralls und ihre Pforten. --             51

  Die „Hayku“-Plantage. -- Meine Rechnung. -- Die Fahrt nach
  Kahúluï. --                                                         52


  V. Abtheilung.

  Von Maui nach Hawaii.

  Auf dem Dampfer „Kilauéa“. -- Die Insel Kahooláwe. -- Folgen
  der Entwaldung. --                                                  53

  Vor Honoaúla. -- Die Felseninsel. -- Molokíni. -- Die
  „Hoúlapalákuá“-Plantage. -- Hawaii in Sicht. -- Stürmischer Canal.
  -- Bai von Kawaihae. -- Distrikt Kohála. -- Ort Kawaihae. --        54

  Von Kawaihae bis Waiméa. -- Distrikt Waiméa. -- Der Tempel
  von Puúapá. -- Irrthümliche Behauptung der Europäer. --             55

  Kein Kannibalismus. -- Vor Kohála. -- Vor Laupahoehoe. --
  Pracht der Wasserfälle. -- Halt vor Hakaálaú. -- Die Küste. --      56

  Vor Hilo. -- Beschwerliche Landung. --                              57


  VI. Abtheilung.

  Die Insel Hawaii.

  Der Bäckermeister Wilhelm. -- Ein umfangreiches Dorf. --            57

  Hilo, wie es ist. -- Die Regenbogen-Cascade. --                     58

  Lieblicher Blick. -- Wanderung durch die Stadt. -- Die
  Hochschule. --                                                      59

  Eindruck der Schule. -- Schulzwang. -- Schulwesen. -- Trennung
  der Kirche von der Schule. --                                       60

  Keine Staatsregierung. -- Distrikts- und Normalschulen. -- Privat-
  und Kirchenschulen. -- Wirkung des hiesigen Schulwesens. --
  Miethe eines Pferdes. --                                            61

  Hilo und sein Klima. --                                             61

  Hilos Wasser und Feuchtigkeit. -- Ueppiges Gedeihen. -- Warum
  die Produkte theuer. --                                             62

  4. August im Sattel. -- Ein störrisches Pferd. --                   62

  Joe Puni tröstet. -- Weg und Gegend. -- Die Vegetation. --          63

  Die hiesige Flora im Vergleich zu der Indiens und Ceylons. --
  Die Fama der Flora ist vorbei. -- Ursache des Schwindens
  der Flora. --                                                       64

  Die Hauptbedingungen der Pflanzenwelt der Tropen. --                65

  Die Natur bleibt Herrscherin der Schöpfung. -- Ort Olaá. --
  Die Sicht. -- Kaauá und sein Grashaus. -- Ein dampfendes
  Prachtmahl. --                                                      66

  Von Olaá zum Kilauéa. -- Die Sicht -- Erstes Rollen. --             66

  3 Meilen vor dem Krater. -- Das Kraterhaus. --                      67

  Dampf und Schwefelgeruch. -- Kamin- und Kraterfeuer. -- Zum
  Krater. -- Vor dem Feuerbecken. --                                  68

  Eindrücke. -- Farbe der Masse. -- Das Loch der Péle. -- Der
  Rückweg. --                                                         69

  Der Mauna-Lóa und seine Nebenkrater in Charakterzügen. --           70

  Ab vom Kraterhaus. -- Meine Rechnung. -- Eine wüste Gegend.
  -- Nebel. --                                                        72

  Vor Kapapála. -- Verpestete Luft. -- Ueber Kaiwa nach Pahálla.
  -- Gastfreundschaft. --                                             73

  Die „Pahálla“-Plantage. -- Praktische Cisternen. -- Folgen der
  Dürre. -- Unternehmungsgeist des Besitzers. --                      74

  Ab nach Waiohíno. -- Hartes Fell der Pferde. -- Der Mensch
  das gequälte Thier. -- Mein Weg. -- Hafenort Púnaluú. --
  Quellen am Ufer. --                                                 74

  Verheerung durch Eruption. -- Ein mattes Pferd. --                  75

  Die Mühle von Waiohíno. -- Lage der Stadt. -- Keimkraft. --         76

  Im Hause echter Kanaken. -- Wanderung durch Waiohíno. --            77

  Durch die Zuckerrohrfelder. -- Praktischer Transport des Rohres
  von den Feldern. --                                                 78

  Ritt nach Kaálualú. -- Schlechter Transport meiner Sachen. --
  Zum Dampfer. --                                                     78


  VII. Abtheilung.

  Von Hawaii nach Honolulu.

  Heftig schwankend ab von Kaálualú. -- Halt vor Hóopúlo. --          78

  Sicht der Küste. -- Vor Kauilií. --                                 79

  Ort Kapaá. -- Vor Hookéna. -- Es wird „Ava“ geladen. --
  Die Fischerbevölkerung. -- Ein wohlhabender Ort. --                 80

  Halt vor Kaawalóa in der „Kéalakékuá“-Bai. -- Denkmal Cooks. --     80

  Vor Kailúa. -- Distrikt Kóna. -- Vor Wainanálií. -- Halt vor
  Kawaihae. -- Sicht des Húalálií. -- Lieblicher Hain. --
  Sturm vor Máhukóna. -- Der Mumúkohú hebt Steine. --                 81

  Oede Umgebung. -- Der „Hawaii-Maui“-Kanal. --                       81

  Lahaïna. -- Die Normalschule. -- Die Abendschulen und
  Privatschulen. --                                                   82

  Die Insel Lanaï. -- Die Nadeln von Honopú. -- Die Verwüstung
  Lanaïs. --                                                          83

  Die Insel Molokai. --                                               84

  Fruchtbarkeit des Bodens. -- Ansiedelung für Aussätzige. --         85

  Lage der Ansiedelung. --                                            85

  Die Insel Nihau. --                                                 85

  Ankunft in Honolulu. --                                             86

  Ich hätte poltern sollen. -- Die Fregatte „Kreiser“. --
  Sehnsucht. --                                                       86


  VIII. Abtheilung.

  Tendenz der Europäer. -- Charakterzüge der Hawaiier. --
  Gebräuche und Sitten derselben.

  Eine nützliche Bekanntschaft. -- Trübe Gedanken. --
  Anglo-sächsischer Einfluss. --                                      87

  Die Vernichtung. -- Civilisatorischer Einmarsch unter dem
  Deckmantel der Religion. --                                         88

  Um rasch Proselyten zu machen. -- Hass und Zwietracht. --
  Folgen der Verzweiflung. --                                         88

  Gerechte Verzweiflung als Rebellion. -- Pulver gegen
  Schleuderstein. --                                                  89

  Action, Besetzung, Colonisation und Scheidewasser. -- Die Plagen
  der Ureingeborenen. --                                              89

  Keine Gerechtigkeit und Nächstenliebe. -- Import der Verachtung.
  -- Civilisationstaufe des Urbodens. --                              90

  Schlimme Folgen gewisser Colonisationssysteme. --                   90

  Günstigere Folgen anderer Systeme. --                               91

  Gewisse Colonisatoren und die Menschen-Vernichtung. --              91

  Philanthropische Vereine als Deckmäntel. --                         92

  Die Schlussfolgen der anglo-sächsischen Colonisation. -- Der
  Colonisator müsste bedenken -- --. -- Erobern und Berauben. --      92

  Politisches Handeln und gewandter Betrug. --                        93

  Eifersucht der Staaten und Nationen. -- Der Staat und das
  eigenmächtige Attentat. --                                          93

  Der Eroberer und das Eroberte. -- Toleranz ist besser als
  Zwang. --                                                           94

  Legitime Mittel gegen Unterworfene. -- Das Inselreich Hawaii
  berücksichtigt unter den Colonien. --                               95

  Cooks Zahl der Bevölkerung. -- Abnorme Sterblichkeit von 1779
  bis 1872 tabellarisch. -- Was kann diese Sterblichkeit
  hemmen? --                                                          95

  Ursachen der Sterblichkeit. -- Vergiftung des Blutes. --            96

  Der Aussatz und der Aberglaube. -- Der Aussatz und die neue
  Zeit. --                                                            96

  Aerzte sind erforderlich. -- Frühzeitiges Sterben der Kinder. --
  Sorglosigkeit der Mütter. -- Jugendlicher Beischlaf. -- Polyandrie.
  -- Foeticidium und Geschlechtskrankheiten. -- Das Reiten. --        97

  Gutmüthigkeit und Indifferenz. -- Das „tabú“ und die Kinder. --
  Die Mutter und das Kind. --                                         98

  Aversion der Frauen gegen Kindererzeugung. -- Entwicklung der
  Kinder. --                                                          98

  Widerspruch im Charakter. -- Vom Barbarismus in 58 Jahren
  zur Civilisation. -- Das Volk von heute athmet frei. --             99

  Wirkung einer unübertriebenen Civilisation. -- Der Hawaiier
  und der Wechsel seines Temperaments. --                             99

  Der Hawaiier hat keinen Ausdruck für das Gefühl. -- Nationale
  Spiele. --                                                         100

  Nationale Tänze und Lieder. --                                     101

  Charakter der Spiele. -- Charakter der Tänze. -- Musikalische
  Instrumente. --                                                    101

  Schmuck der Tänzerinnen. -- Federmantel Kamehámehás I. --
  Waffen der Kanáken. --                                             102

  Ihre Ackergeräthe und Werkzeuge alter Zeiten. --                   102

  Charakter der Kanáken. -- Veränderung desselben. --                102

  Misstrauen gegen Fremde. -- Beispiel der Europäer. --              103

  Charakter der Kanáken. -- Das Wort „tabú“. --                      103

  Die Wirkung des „tabú“. --                                         104

  Die Mythologie der Hawaiier. -- Ihr Begriff der Seele. --          105

  Das „Wakéa“ und der „Milú“. -- Die Götter der Unterwelt. --        105

  Die Priester und die „Kiéo“. -- Das Todtengebet. --                105

  Die Jahreszeiten und Monate. --                                    106

  Unterschied zwischen dem „kaú“ und dem „hooílo“. -- Ihre
  Astronomie. --                                                     106

  Die alten Sitten unsichtbar, jedoch vorhanden. --                  106

  Die Hawaiier ohne Schleier. --                                     107

  Die Kunst der Verstellung. --                                      107

  Bemeisterung der Gefühle. -- Die Grashütten. -- Haltbarkeit
  der Dächer. -- Das Innere der Hütten. -- Die Matten. --            108

  Frische der Hütten. -- Frauen speisen abgesondert. --              108

  Zubereitung eines Schweines. -- Ihre liebste Nahrung -- Der
  „taro“. --                                                         109

  Zubereitung des „poi“. --                                          109

  Kleidung der Frauen. -- Ihr Kopfputz. -- Kleidung zu Pferde. --    110

  Malerische Reiterinnen. -- Die „selápa“. -- Das Alphabet der
  Kanáken. --                                                        111

  Eine 53jährige Entwicklung. --                                     111

  Das Schulwesen im Inselreich. --                                   112

  Die Mädchen im elterlichen Hause. -- Charakteristik der
  Frauen. --                                                         112

  Die Frauen waren nicht den Männern untergeordnet. --               113

  Warum speisten die Frauen abgesondert? -- Wechsel im Temperament
  der Frauen. -- Ihre Leidenschaft in der Liebe. --                  113

  Ihre Liebe für Blumen. -- Ihr dolce far niente. --                 114


  IX. Abtheilung.

  Mein Entschluss. -- Recapitulation. -- Meine Eindrücke.

  Mein Entschluss. -- Reisevorbereitungen. --                        114

  Die Einfahrt in den Hafen den 11. August -- Die Gebirgsketten
  der Insel Oahú. --                                                 115

  Die Diamantspitze. -- Der Pluto von Hawaii. --                     115

  Eine idyllische Ebene. -- Waikíki. -- Der Kaula. -- Die Einfahrt
  in den Hafen. -- In der Rhede. -- Honolulu im
  Morgenschlaf. --                                                   116

  Die Glocke der Frühmesse. -- Ueber die Stadt hinweg. -- Die
  Gebirgsketten. --                                                  117

  Die „Ewa“-Fläche. -- Das Gefängniss. -- Reisfelder. --             118

  Eine öde Fläche. -- Das üppige „Núuanú“-Thal. -- Die
  „Núuanú-Pali“-Strasse. -- Freudige Züge. --                        118

  Des Teufels „Punch-Bowl“. --                                       119

  Sicht vom Teufelsgipfel. --                                        119

  Die Kratervertiefung. -- Nebenkrater als Teiche. --                119

  Auf der Höhe des Kegels. -- Die Umgebung des Kegels. --            119

  Das „halfway“-Haus. -- Schluss des Thales. -- Der „Pali“-Pass.
  -- Der Abgrund von 1794. --                                        120

  Der Zickzackweg. -- Die nördliche Ebene von Oahú. --               120

  Das Dorf Kailua. -- Chinesische Reisplantagen. -- Gute Jagd. --    121

  Das Thal Waimanalóa. -- Die Fläche von Kapaá. --                   122

  Der Ort Káneohé nebst Umgebung. --                                 122

  Der „Hoeii“-Distrikt und Waikáno. -- Dem Strande entlang. --       123

  Das „Waiahoeé“-Thal. -- Das Dorf Kualóa. --                        123

  Kauá. -- Hauúla. -- Laïe. -- Die Ansiedelung der Mormonen. --      124

  Die Gemeinde der Mormonen. -- Eine echte Strandgegend. --          124

  Von Kahukú bis Waïalúa. -- Der Ort Waïalúa. -- Der Weg
  über Waïanae. --                                                   125

  Der Weg durch das „Waïalúa“-Thal. -- Pittoreske Sicht --
  Die Vegetation des Gebirges. --                                    125

  Waïpio am Schluss des Thales. -- Die „Perl-Lochs“. -- Keine
  Austern mehr. --                                                   126

  Eine öde Fläche. -- Puúlóa. --                                     126

  Vor Honolulu. -- Ursprung und Bildung der Inseln. --               127

  Das Gebirge und der Untergrund. -- Die Reihen Vulkane. --
  Der Humus. --                                                      128

  Sandansammlungen. -- Die Laven. -- Die Asche. --                   128

  Die Fauna der Inseln. -- Säugethiere. --                           128

  Vögel. --                                                          129

  Reptilien. -- Lurche. -- Fische. -- Insekten. --
  Tausendfüsser. --                                                  130

  Spinnenthiere. -- Krustenthiere. --                                132

  Räderthiere. -- Würmer. --                                         132

  Weichthiere. --                                                    132

  Strahlthiere. --                                                   133

  Moosthiere. -- Darmlose Thiere. -- Urthierchen. --                 133

  Die Flora. --                                                      133

  Cryptogamen. -- Algen. -- Pilze. -- Flechten. -- Charen. --        134

  Laubmoose. -- Lebermoose. -- Farnen. --                            135

  Schachtelhalme. -- Natterzungengewächse. -- Wurzelfrüchtler.
  -- Bärlappen. -- Phanerogamen. -- Cicadeen. --
  Nadelholzgewächse. --                                              135

  Monocotyledonen. -- Kolbenblüthige. -- „Kalo“. -- Thyphaceen.
  -- Pandanen. --                                                    136

  Palmen. -- Kokospalmen. -- Spelzenblüthige. -- Die „papaia“.
  -- Die Weideflächen, wie sie waren und wie sie sind. --            136

  Ursache des Schwindens der Gräser. -- Der „ki“. --                 137

  Der „úhi“ und „úbi“. -- Die „ensis argentia“. --                   137

  Bananen. -- Banane als Heilmittel. -- Arowroot -- Dicotyledonen.
  -- Apetalae. -- Sandelbäume. --                                    138

  „Awa“ als Getränk. -- „Awa“ als Heilmittel. -- „Awa“ als
  „betle“. -- Piper cubeba. -- Der „kahuiláo-kaláni“ oder
  „nioi“ als Gift. --                                                138

  Der „nioi“ vernichtet durch Kamehámehá III. -- Der Brotbaum.
  -- Der „makokó“. -- Der „mii-mákole“. --                           139

  Dicotyledonen-Sympetalae. -- Spanischer Pfeffer als
  Heilmittel. --                                                     140

  Der „kowáli“. -- Der „pohuéhué“. -- Die Batate. --                 140

  Der „williwilli“. -- Teak. --                                      141

  Dicotyledonen. -- Polypetalae. -- Der „púnalíma“. -- Kürbisse.     141

  Eucalyptus. -- Der Hawaiier Bergapfel. -- Der „kóa“. -- Der
  „rus coraria“. -- Sumach. --                                       142

  Der Mango. -- Der „hau“. -- Geranium und Balsaminen. --            143

  Der „kukuï“. -- Ranunculaceen. -- Physiognomien der Inseln. --     143

  Die Insel Hawaii. --                                               144

  Erhebungen derselben. -- Ihre Gipfel mit Schnee. -- Form des
  Gebirges. -- Das Ufer der Insel. --                                144

  Umgebung der Ufer. -- Eindruck der Insel Hawaii. --                144

  Die Insel Maui. -- Ost-Maui. -- West-Maui. --                      145

  Maui im Vergleich zu Hawaii. -- Charakter von West-Maui. --        145

  Die Insel Kauai und ihr Charakter. --                              146

  Die Insel Kauai als die üppigste. -- Charakter der Insel Oahú.
  Geringe Veränderungen derselben. -- Oahú’s Gebirge. --             146

  Oahú’s Flora. -- Charakter der Insel Molokai. -- Allgemeiner
  Eindruck der bewohnten Inseln. --                                  147

  Die üppigste Insel. -- Welche könnte die ertragreichste sein?
  -- Früherer Erwerbszweig der Inseln. --                            147

  Walfischfahrerstationen. -- Regelmässiges Treiben derselben. --    148

  Der Verdienst der Inseln. -- Abnahme der Walfischfahrer und
  deren Ursache. --                                                  148

  Als Ersatz die Moralität. -- Wiederbelebung der Fischerei und
  des Ackerbaues. --                                                 148

  Die rationelle Landwirtschaft schwer möglich. -- Zu zahlreiche
  Heerden. -- Devastation der Waldungen. --                          149

  Günstiges Klima. -- Günstiger Boden für Zuckerrohr. --             149

  Erforderliche Einschränkung des Dampfbetriebs. --                  150

  Wasser nimmt ab. -- Das Zuckerrohr ist lukrativ; doch soll der
  Wald geschont werden. --                                           150

  Arbeitskräfte mangeln. -- Der Kanake liebt keine fesselnde
  Arbeit. -- Günstigste Einwanderer. --                              150

  Der Kaffeeanbau vorteilhaft. -- Die Seidenraupenzucht
  anzurathen. --                                                     151

  Obstbaumzucht, verbunden mit Seidenraupenzucht. -- Einmachen
  der Früchte. -- Schonung der Waldungen. --                         152

  Maulbeer-, Obst-, Kaffeebäume geben Schatten. -- Schwierigkeit,
  Capitalien aufzutreiben. -- Hohe Prozente. --                      152

  Was erfordern die Inseln zur Entwickelung ihres Wohlstandes? --    153

  Erhaltung der Naturkräfte. -- Schonung der Vögel. --               153

  Der Kaffeebaum. -- Die Seidenraupenzucht. -- Der Sandelbaum. --    154

  Vermehrung der Arbeitskräfte. -- Protektion der Einheimischen.
  -- Fremde Machthabung ist der Nation schädlich. --                 154

  Fremde Machthaber folgen dem Princip des Aussaugens. -- Ursache
  dieses Princips. --                                                155

  Sonderbarer Ausspruch. -- Die Selbstentwicklung der Hawaiier. --   156

  Gefahr ihrer Selbstständigkeit. --                                 157


  II. Theil:

  Entdeckung der Sandwich- oder Hawaii-Inselgruppe
  und chronologische Entwicklungsgeschichte des
  Königsreichs von Hawaii.


  I. Abtheilung.

  Entdeckung der Sandwich- oder Hawaii-Inselgruppe.

                                                                   Seite

  1542 der spanische Seefahrer Gaëtano. -- 1567 Besuch Mendonas.
  -- Die Insel schon früher bekannt gewesen. -- Sage
  von 1527. -- Sinalóa und die Moluken. --                           161

  Sturm an der Küste Hawaiis. -- Die Ihú. -- Mendonas geogr.
  Feststellung. --                                                   162

  1567, Mendona benennt die Inseln. -- Capitän Cook. -- 1777,
  die Middleton’sche Karte der Inseln. --                            162

  Ursprung der Eingeborenen. -- Möglichkeit ihrer Wanderung
  aus Asien. --                                                      163

  Sie sind Westmalayen. -- Ihre Aehnlichkeit mit denen von
  Sinalóa. --                                                        164

  Die Maori Westmalayen. -- 1778 Cooks Besuch. --                    165

  Die Urbevölkerung freundlich. --                                   166

  Cook vor Waiméa. -- Cook vor Nihau. -- Kamehámehá besucht
  ihn. --                                                            166

  Cook in der Bai Kealákekuá. -- Seine Vergötterung. --              166

  Eine Volkssage. -- Cook als Gott Leno. --                          167

  Cook verlässt die Bai. --                                          168

  Freude des Volkes. -- Cook landet wieder. -- Cooks List
  überlistet. -- Ein Häuptling erschlagen. -- Rache. --              168

  Cook stöhnt -- Cook tödtet und wird getödtet. --                   169

  Vergeltung seines Todes. -- Flucht der Eingeborenen mit der
  Leiche. -- Wiedergabe seiner Knochen. --                           169

  1786 Laperouse vor Maui. -- 1779 bis 1792.-- Kiwaló gegen
  Kamehámehá. -- Tod Kiwalós. --Kamehámehá als Sieger. -- 170

  Kamehámehá in Maui. -- Die „Jao“-Schlacht. --                      171

  Schlacht auf Hawaii. -- Der Aschenregen. -- Keuá ermordet. --
  Kamehámehá wird Herr von Maui und Hawaii. --                       171

  1790, die ersten Schiffe Amerikas. -- Neue Freunde Kamehámehás.
  -- Ein Gemetzel. -- Vorbereitungen des Krieges. -- Seeschlacht
  vor Hilo. -- Die Schlacht von Nuuanú. --                           172

  Der Sturz in den Abgrund. -- Kamehámehá wird Herr von Maui,
  Oahú und Hawaii. -- Kriegsvorbereitungen gegen Kauai. --           172

  1792 Vancouvers Besuch. -- 1794, Entdeckung des Hafens von
  Honolulu. -- Frieden bis 1804. -- Vancouver und der König. --      173

  1801, Eruption des Hualalaï. -- Die „Peleleu“-Flotte. -- Der
  König siedelt nach Waikiki. -- Seine Schaaren. --                  173

  Kamehámehá I. und Kaumualii von Kauai. --                          174

  Kaumualii besucht Kamehámehá I. --                                 174

  Ihre Unterredung. -- Ihre Vereinbarung. --                         175

  Gründung der Einheit des Reiches. -- Ausbruch der Pocken. --       176


  II. Abtheilung.

  Die Gründung des Königreichs von Hawaii unter Kamehámehá I.
  -- Kamehámehá II. während seiner Minderjährigkeit. --
  Die Regentschaft.

  Charakteristik Kamehámehás I. -- Seine zweite Frau. --             177

  Ereignisse während seines Lebens bis 1804. --                      177

  Sein erstes Handeln als alleiniger Herrscher. -- Sein Wunsch
  um Missionäre. -- Seine Regierung. --                              178

  Der König als Kaufmann. -- Seine Schonung der Sandelbäume.
  -- Geburt seines Sohnes. -- Festung Honolulu erbaut. --            179

  Die Religion des Königreichs. -- 1819, Tod Kamehámehás I. --
  Das „tabu“. --                                                     179

  Das Heidenthum fühlt sein Ende. -- Kamehámehá II. als
  minderjährig. --Die Kaahúmanú. -- Krönung des Königs. --           180

  Ceremonie der Krönung. -- Charakter Kamehámehás II. -- 181

  Leichtsinn und Indifferentismus des Königs. -- Bruch des tabu
  1819. -- Schreck der Priester. --                                  182


  III. Abtheilung.

  Bruch der Priester mit dem König. -- Sturz des Heidenthums.
  -- Das Christenthum fasst Wurzel. -- Kamehámehá II. und die
  Regentschaft. -- Tod des Königs. -- Kamehámehá III. unmündig.
  -- Tod der Kaahúmanú. -- Ihre Nachfolgerin. --

  Rebellion der Priester. -- Schlacht bei Kuamoó. --                 183

  Vernichtung des Heidenthums. --                                    183

  Der König unwillkürliche Ursache derselben. -- 1820, die ersten
  Missionäre. --                                                     184

  Verbot ihrer Niederlassung. -- Der Grund des Verbotes. --
  Aufhebung des Verbotes. -- Die ersten Missionäre in Honolulu. --   184

  1822, erste Druckerei. -- 1823, Eruption des Kilauéa. -- Die
  Kaahúmanú und die Missionäre. --                                   185

  Ihre Zurückhaltung den Missionären gegenüber. -- Der König
  reist nach England. -- 1824, Tod des Königs. --                    185

  Die Königin-Mutter lässt sich taufen. -- Aufstand in Kauai. --      --

  George wird geschlagen. -- Strenge des Gouverneurs. --             186

  Kamehámehá III. -- Die Regentin. -- 1825, Ankunft der Leiche
  des Königs. -- Die Kaahúmanú lässt sich taufen. --                 187

  Die Taufe der Kaahúmanú bekehrt das Volk. -- Die erste Kirche
  in Honolulu. -- Entwicklung des Christenthums im
  Inselreiche. --                                                    187

  Die Regierung, das Volk und die Missionäre. -- Die Missionäre
  bedrängt durch die weisse Bevölkerung. --                          188

  Ihre Tendenz gegen Spirituosen. --                                 188

  Schiffsmannschaften gegen die Landesgesetze. --                    189

  Die Regentin tritt energisch für die Missionäre auf. --            191

  Energische Antwort der Kaahúmanú. -- Die 2. Compagnie
  Missionäre. --                                                     191

  Die Proklamation von 1829. -- Protest der weissen Bevölkerung. --  192

  Die Vereinigten Staaten beglückwünschen die Regentin. --
  Einschärfung der Gesetze. -- Schulen und Missionäre. --            192

  1832, Tod der Kaahúmanú. -- Ihre Nachfolgerin. -- Vulkanische
  Eruptionen. -- Depravation des Königs. --                          193

  Gefährlicher Umschwung des Volksgeistes. --                        193


  IV. Abtheilung.

  Volljährigkeit des Königs Kamehámehá III. -- Die „Kuina-nui“
  Kinau und ihre Regierung. -- Kamehámehá III. giebt eine
  Constitution. -- Seine Regierungszeit. -- Sein Tod. --

  1833, Kamehámehá III. volljährig. -- Die Kinau regiert. --
  Zunahme der Missionäre. --                                         194

  1834, erste Zeitschrift in nationaler Sprache. -- Die Missionäre.
  -- Der König verändert sich. -- Eine wichtige Proklamation. --     194

  Einfluss der Kinau auf den König. -- Verfolgung der
  römisch-katholischen Kirche. -- Die ersten Glieder ihrer Gemeinde.
  -- Die ersten Geistlichen derselben landend. -- Boki schützt die
  Väter. -- Er verlässt die Inseln. --                               195

  Die amerikanischen Missionäre. -- Der römisch-katholische Glaube.
  Bedrängte Lage der römisch-katholischen Gemeinde. --               196

  Zähigkeit derselben. -- Abführung ihrer Geistlichen nach
  Californien. -- Kriegsschiffe aus Chili. --                        196

  Die römisch-katholische Gemeinde von ihnen geschützt. --
  Scheinbare Toleranz. -- Energischer Schritt Kamehámehás III. --    197

  1836, erneuerte Verfolgung der Gemeinde. -- Des Königs
  Vermählung. -- Missionäre. -- Protest der „Clementine“. --         198

  Ihr Capitän schützt die katholische Gemeinde. -- Provisorische
  Erlaubnis der Geistlichen zum Bleiben. -- Verbot neu angekommener
  zum Landen. --                                                     199

  Umtriebe der Vulkane. -- Phänomen der Ebbe und Fluth. --
  Ihre verwüstende Wirkung. --                                       199

  1837, des Königs Proklamation gegen den katholischen Glauben. --   200

  Geburt der Lydia Kamehámehá. -- Capitän Laplaces Auftritt
  für die römisch-katholische Gemeinde. -- Seine Forderung. --       201

  Der König fügt sich derselben. -- Definitive Toleranz des
  katholischen Glaubens. -- Der Grundstein zur römisch-
  katholischen Kathedrale. --                                        202

  Kamehámehá III. froh über dieses Ergebniss. -- Er giebt eine
  Constitution. -- Hauptpunkte derselben. --                         203

  Die Minister des Königs. -- Eruption des Kilauéa. -- Erste
  Hinrichtung eines Häuptlings. --                                   204

  Einfluss amerikanischer Missionäre. -- Ihre geistliche Stellung
  wird eine politische. --                                           205

  Ihr verdienter Ruf. -- Beginn ihrer politischen Wirksamkeit. --
  Die Annexion und die Missionäre. -- Befürchtung des Königs. --     206

  1842, erster Schritt wegen Protektorats der Vereinigten Staaten.
  -- Haalilio als Abgesandter nach Amerika und Europa. --            207

  1843, Anerkennung der Selbstständigkeit des Inselreiches. --
  Der Vorfall Charltons. -- Lord Paulets Ankunft. --                 207

  Seine Forderungen. -- Der König muss sich fügen. --                208

  Bestimmungen Lord Paulets. -- Uebertriebene Forderung. --          209

  Der König cedirt sein Reich mit Protest. -- Die Proklamation. --   210

  Proklamation Lord Paulets. --                                      210

  Die provisorische Regierungs-Commission. -- Protest Kearneys. --   211

  Der König in Lahaïna. -- Er stellt sich nicht auf Befehl. --
  Admiral Thomas restituirt das Reich. --                            211

  Die Rede des Königs. -- Das nationale Motto. -- Rede des Admiral
  Thomas. --                                                         212

  Lord Paulets Eigenmächtigkeit nützlich dem Inselreich. -- 1843,
  Eruption des Mauna-loa. --                                         213

  Die Missionäre rastlos. -- Erster Export von Seide. --             213

  Tod Haalilios. -- Tod des Kekauluohi. -- Einweihung der
  römisch-katholischen Kathedrale. --                                214

  1846, Rückgabe der 20,000 Dollar Garantie. -- Commission zur
  Regelung der Besitztitel. --                                       214

  Die Streitfrage Charltons vor der Commission. --                   215

  Die öffentliche Meinung gegen Charlton. -- Schiedsgerichtliche
  Entscheidung der englischen Regierung. --                          216

  Die 12. Compagnie Missionäre. -- Ihr Streben um die Session
  des Reiches. -- Epidemische Masern. -- Das Goldfieber. --
  Consul Dillon verklagt die Regierung. --                           217

  Admiral Tromelin besetzt die Festung. -- Abzug desselben. --
  Die Yacht des Königs verschwindet. --                              218

  Wirkung dieses Falles auf den König. -- 1849, erster
  Fleisch-Export. -- Aufschwung des Handels. --                      219

  Des Königs Schritte bei den Vereinigten Staaten. -- Die
  Commission von 1850. -- Revision der Constitution. --              220

  Der König denkt an seine Krönung. -- Mangel an Staatsmitteln.
  -- Die Grosssöhne Kamehámehás I. --                                221

  Gründung der Agrikulturgesellschaft. -- Die verbesserte
  Constitution von 1852. --                                          221

  Eruption des Kilauéa. -- 1853, die asiatischen Pocken. --          222

  Die Vereinigten Staaten-Kriegsdampfer vor Honolulu. -- Wirken
  der Missionäre. -- 1854, Tod Kamehámehás III. --                   223


  V. Abtheilung.

  Kamehámehá IV. -- Seine Regierung bis zu seinem Tode. --
  Kamehámehá V. -- Seine Regierung bis zur Constitution von 1864.

  1854, Kamehámehá IV. -- Seine ersten Handlungen. --                224

  Beisetzung des verstorbenen Königs. --                             224

  Neuwahl der Minister. -- Charakteristik derselben. --              225

  Der König anullirt die Sessionsschritte seiner Vorgänger. --
  Seine Gesandtschaft nach Europa. --                                225

  Feuersbrunst in Honolulu. -- Vermählung des Königs. -- Die
  Königin Emma. --                                                   226

  Proposition eines Handelsvertrages mit den Vereinigten Staaten.
  -- Abschlägige Antwort derselben. -- Die Commission zur
  Ausarbeitung des Civilcodex. --                                    227

  Bau des Gefängnisses. -- Ministerwechsel. -- Geburt des
  Thronfolgers. --                                                   228

  Comité zur Prüfung des Civilcodex. -- Erste Reiscultur. --         228

  Der Civilcodex. --                                                 229

  Sammlung gerichtlicher Berichte. -- Der Handelsvertrag mit
  Frankreich. --                                                     229

  Ein Adreferendum und dessen Folgen. -- Eruption des Maunaloa. --   230

  Das Gaswerk von Honolulu. -- Mr. Tiffany verschwindet. --          231

  Verhängnissvoller Tag des Königs. -- Kamehámehá IV. will
  abdanken. -- Seine Gesandtschaft nach England. --                  232

  Religiöse Motive des Königs. -- Prinz Lott in Missionen nach
  Amerika. --                                                        233

  Lydia Kamakaehá heirathet. -- Tod Armstrongs. -- Annexion
  einiger Inseln. --                                                 233

  Tod des Thronfolgers. -- Tod des Königs 1863. -- 1863,
  Kamehámehá V. -- Seine ersten Handlungen. -- Sein Charakter. --    234

  Enttäuschung der amerikanischen Partei. -- Trauerbezeigung
  für den verstorbenen König. --                                     235

  Kamehámehá V. und sein Wille. -- Wahl seiner Minister. --          235

  Erstes Werk der Regierung. --                                      236

  Verfassung bietet Hindernisse. -- Revision der Constitution. --    237

  Beisetzung des verstorbenen Königs. -- 1864, Proklamation des
  Königs. -- Der Befehl der Minister. --                             237

  Bildung einer Opposition. -- Das Wühlen unter dem Volke. --        238

  Des Königs Entschluss. -- Der König besucht die Inseln. --
  Die legislative Versammlung von 1864. -- Das Scrutinium. --        239

  Die Debatten. -- Sieg der Opposition. --                           239

  Das Veto des Königs. -- Seine Proklamation einer neuen
  Constitution. --                                                   240

  Die Opposition geschlagen. -- Ovation des Volkes für den
  König. --                                                          240


  VI. Abtheilung.

  Die neue Constitution von 1864. -- Fortsetzung der Regierung
  Kamehámehá’s V. bis zu seinem Tode.

  Das Wühlen der Opposition. -- Die Treue des Volkes. -- Der
  König verliest die Constitution. -- 241

  Der König und die hohen Beamten leisten derselben ihren Eid. --    242

  Die Constitution. -- Die Rechte des Menschen. -- Recht des
  habeas corpus. --                                                  242

  Die Strafen. -- Das Arretiren. -- Nur eine Strafe für ein
  Vergehen. -- Das „Gegensichselbstzeugen“. -- Eigenschaften
  eines Richters und Geschworenen. --                                243

  Zwangdienst. -- Recht der Haussuchung. -- Für wen soll der König
  regieren? -- Rechte der Glieder der menschlichen Gesellschaft. --  244

  Recht der Feststellung von Steuern, Abgaben, Subsidien,
  Gelderhebungen. --                                                 245

  Das Gesetz soll nicht rückwirkend sein. -- Das Militär und die
  Gesetze. -- Rechte der Wähler. -- Das Obergericht. -- Die
  Regierung des Reiches. --                                          245

  Die Confirmirung der Krone. --                                     246

  Pflicht der Glieder der königlichen Familie. -- Eid des
  Königs. --                                                         246

  Rechte des Thrones. -- Der König als Oberbefehlshaber. --
  Recht der Begnadigung. -- Recht, die legislative Versammlung
  zu berufen. -- Des Königs Recht Verträge abzuschliessen. --        247

  Die Prärogative des Königs. -- Die Heiligkeit des Königs. --
  Minderjährigkeit eines Thronerben. -- Des Königs
  Stellvertreter. --                                                 248

  Souveränetät des Königs. -- Recht der Verleihungen. -- Das
  Kriegsrecht. -- Die nationale Standarte. -- Des Königs
  Eigenthum. --                                                      249

  Der König unter keiner Gerichtsbarkeit. -- Das Staatsconcilium.
  -- Das Königl. Cabinet. -- Die Glieder des Cabinets. --            249

  Das Finanzbudget. -- Die legislative Gewalt. -- Die Versammlung
  der Legislatur. -- Pflichten der Glieder derselben. --
  Das Recht zur Verbesserung der Constitution. --                    250

  Das Gesetz und die Billigung des Königs. -- Gewalt der
  legislativen Versammlung über ihre Mitglieder. -- Die Wahl ihrer
  Beamten. -- Die Macht der legislativen Versammlung. --             251

  Das Journal der legislativen Versammlung. -- Die Glieder der
  legislativen Versammlung und der Arrest. --                        252

  Entschädigung der Repräsentativen. -- Der König wählt den
  Adel. -- Der Gerichtshof der Noblen. --                            252

  Die Repräsentativen des Volkes. -- Qualification derselben. --     253

  Qualification der Wähler. -- Eigenthumsqualification
  derselben. --                                                      254

  Die richterliche Gewalt. -- Das Obergericht. --                    254

  Vertheilung der richterlichen Gewalt. -- Competenz derselben.
  -- Stellung des Oberrichters. --                                   255

  Decision des Oberrichters. -- Verpflichtung desselben. -- Die
  Ernennung der Richter. --                                          255

  Ueber das Urtheil eines Richters. -- Qualification zu
  Ehrenposten. --                                                    256

  Ein Verbot für die Beamten. -- Bewilligungen der Legislatur.
  -- Stil der Verfügungen. -- Der Titel für Urkunden. --             256

  Die bisherigen und die neuen Gesetze. --                           257

  Das Inkrafttreten der Constitution von 1864. -- Das Recht zu
  Amendements. --                                                    257

  Eifer der Regierung. -- Die legislative Versammlung von 1864.
  -- Rede des Königs. --                                             258

  Der König wird beglückwünscht. -- Debatte über das
  Alkoholgesetz. --                                                  259

  Das Finanzbudget. -- Schluss der Versammlung. -- Das Comité
  für Einwanderung. --                                               260

  Unternehmungen und Landwirtschaft heben sich. -- Der Hafen
  von Honolulu. -- Die Glieder des Comités für Emigranten. --        261

  Königin-Wittwe Emmas Reise nach England. -- Tod Mr. Wyllies.
  -- Sein Nachfolger. -- Ministerwechsel. -- Eröffnung der
  legislativen Versammlung von 1866. --                              261

  Tod der Thronfolgerin. -- Vorlagen der legislativen Versammlung.
  -- Der Handelsvertrag mit den Vereinigten Staaten. --              262

  Bestimmungen der legislativen Versammlung. -- Der Abgesandte
  nach Washington. -- Rückkehr der Königin-Wittwe Emma. --           262

  Das Kriegsschiff der Vereinigten Staaten. -- Unheimliche
  Verzögerung seines Abganges. -- Der Handelsvertrag scheint zu
  gelingen. -- Ausarbeitung eines Projektes zu demselben. --         263

  Die Vereinigten Staaten und der Handelsvertrag. -- Die
  anglikanische Kathedrale. -- 1867, Tod des Oberrichters. -- Die
  „Laka-Wana“ vor Honolulu. -- Capitän Reynold. --                   264

  Die Regierung fordert Erklärung von den Vereinigten Staaten.
  -- Englands und Frankreichs Kriegsschiffe vor Honolulu. --
  Zurückberufung der „Laka-Wana“. --                                 264

  Extraordinäre legislative Versammlung 1867. --                     265

  Der Handelsvertrag in Washington und acta. -- Die Rede des
  Königs vereitelt. -- Eruption des Mauna-loa. --                    268

  Verwüstungen in Hilo. -- Des Königs Rückkehr nach Honolulu.
  -- Unterstützung der Verunglückten. --                             268

  Der Gesammtschaden der Eruption. -- Subventionen für Dampfer.
  -- Ministerwechsel. --                                             268

  Tod des Kékuanaóa. -- 1869, der fanatische Kaóna. --               269

  Kaóna in der Irrenanstalt. -- Rebellion des Kaóna. --              269

  Gefangennahme des Kaóna. -- Herzog von Edinburg in Honolulu.
  -- 12 Tage Festlichkeiten. --                                      270

  Abreise des Herzogs. -- Ministerwechsel. -- Wachsende Opposition.
  -- Einigkeit der Regierungsorgane schwindet. --                    271

  Legislative Versammlung von 1870. -- Der Dampfer „Waga-Waga“. --   272

  Eröffnung einer regelmässigen Dampferverbindung. --
  Ministerwechsel. --                                                272

  Legislative Versammlung von 1872. -- Tod des Königs. -- Neuwahl
  eines Königs. -- Das Ballotement. --                               273

  Lúnalílo als König. -- Seine Ministerwahl. --                      273

  Eine Wahl der Opposition. -- Schritte der Vereinigten Staaten
  wegen Abtretung eines Hafens. --                                   274

  Der Vorschlag und die Opposition. -- Der König und der
  Vorschlag. --                                                      275

  Das Land befreit von der Gefahr. -- 1874, Tod des Königs. --
  Sein Grab. --                                                      276


  VII. Abtheilung.

  König Kalakaua und sein Wirken.

  1874, Kalakaua als König gewählt. -- Die neue Dynastie. --         276

  Die Nachkommen Kamehámehás I. -- Regierungsantritt Kalakauas.
  -- Der Aufstand. --                                                277

  Die Gegenwart von vier Kriegsschiffen hemmt den Aufstand. --

  Ministerwahl. -- Charakteristik der Minister und höheren
  Beamten. --                                                        277

  Auflösung einiger Militärkörperschaften. -- Creirung neuer. --
  Die legislative Versammlung von 1876. --                           279

  Die Rede des Königs. -- Bewilligungen der legislativen
  Versammlung. --                                                    279

  Die 4 juridischen Bezirke. -- Die Hawaiier Artillerie. -- Geburt
  der Princess Victoria. -- Die „Hawaiian Guard“. -- Der
  Handelsvertrag mit den Vereinigten Staaten. --                     280

  Des Königs Reise nach Amerika ermöglichte denselben. -- Wortlaut
  des Vertrages. --                                                  281

  Die Valuta ausländischer Gold- und Silbermünzen im
  Inselreiche. --                                                    284

  Das Stempelgesetz des Inselreiches. --                             287

  Regelung des Postwesens. -- Taxe für Lohnwagen. -- Das
  Museum. -- Die Arbeitsdauer. --                                    291

  Keine Arbeit an Feiertagen. -- Commission zur Entwickelung
  des Reiches. -- 1877, Resultat ihrer Arbeit. --                    292

  Kurzgefasster Wortlaut der Arbeiter-Commission. --                 293

  Oberrichter-Wechsel. --                                            297

  Generalrechtsanwalt-Wechsel. -- Die muthmassliche
  Thronfolgerin. --                                                  298

  Die legislative Versammlung von 1878. -- Gesetz über die
  Arbeitszeit. --                                                    298

  Einige Veränderungen des Civilcodex die Arbeiter betreffend. --    298

  Commission für sanitäre Instruktionen. -- Beschluss, Kamehámehá
  I. ein Denkmal zu errichten. --                                    301

  1879, Grundsteinlegung des neuen Joláni-Palais. -- Sanitäre
  Instruktionen werden veröffentlicht. --                            302

  Die legislative Versammlung von 1880. -- Die Arbeiter betreffende
  Gesetze. --                                                        302

  Gesetze für Wohnungen der Arbeiter. --                             303

  Die Arbeiterverträge Betreffendes. --                              304

  Ministerwechsel. -- Die deutsche Krankenkasse. -- Der deutsche
  Club. -- Die Krönungsfrage. --                                     305

  Das Gesetz der Krönung. --                                         306

  Bemerkungen einiger Glieder der Versammlung gegen die
  Krönung. --                                                        306

  W. M. Gipson’s Erklärung über den Begriff von Krönung und
  das sogenannte „poni“. -- Die Regalien. -- Vertagung der
  Krönung. --                                                        307

  1881, Reise des Königs um die Welt. -- Die legislative
  Versammlung von 1882. -- Die Minister von 1882. --                 307

  Die legislative Versammlung von 1882 eine gesetzgebende. --
  Creirung neuer Aus- und Einfahrtshäfen. --                         308

  Compensation der Repräsentanten des Volks. --                      309

  Gesetz gegen Brandlegung. -- Competenz der Richter für
  kleine Vergehen. --                                                309

  Die Polizeirichter Betreffendes. -- Bewilligung der Königin-
  Wittwe Emma. --                                                    310

  Länder der Krone und die Forderungen C. Spreckels. --              310

  Die Tanzhäuser. --                                                 311

  Die Pässe Betreffendes. --                                         312

  Die Naturalisation der Ausländer. --                               313

  Beförderung der Agrikultur. --                                     313

  Hospitalgebühren der Passagiere. --                                314

  Sitzungsbehörden. --                                               314

  Stadt Honolulu und feuerfeste Gebäude. --                          315

  Gage der Geschworenen. -- Die Auktionäre Betreffendes. --          316

  Licenz der Milchhäuser. --                                         317

  Autorisation einer nationalen Anleihe. --                          319

  Niederdrückung der Krankheiten unter den Thieren. --               320

  Schutz der Mädchen-Pensionen. --                                   323

  Regelung der Licenz für ausländische Handlungsreisende. --
  Internationale Steuergesetze. -- Kopfsteuer. --                    325

  Schulsteuer. -- Steuer für Thiere. --                              326

  Wegesteuer. --                                                     327

  Eigenthumssteuer. --                                               327

  Schätzung und Collekte der Steuern. --                             328

  Der Appellhof für Steuern. --                                      333

  Collekte der Steuern. --                                           335

  Strafen für Steuern betreffende Vergehen. --                       336

  Regelung des Verkaufes spirituöser Flüssigkeiten. --               337

  Feststellung der Bewilligungen für das Biennium von 1882 bis
  1884. --                                                           350

  Imports- und Exportsangabe einiger Jahre von 1848 bis incl.
  1882. --                                                           363

  1883, formelle Krönung des Königs. -- Das neue „Jolani“-
  Palais. --                                                         364

  Enthüllung des Standbildes Kamehámehás I. -- Tod der Letzten
  der Dynastie Kamehámehás I. -- Die Regierungszeit des
  Königs Kalakaua. --                                                365

  Charakteristik des Königs Kalakaua. --                             365

  Charakteristik der Regierung des Königs Kalakaua. --               366

  Schluss. --                                                        367




    I. Theil.

    Sandwich-Inseln.


    ~Motto:~

    „Natura non facit saltus.“

    (C. von Linné.)




I. Abtheilung.

Von San Francisco (Californien) nach Honolulu (Inselreich Hawaii).


Es war einer der in San Francisco bekanntlich stets schönen sonnigen
Tage des Mai -- den 13. 1878 --, als mich ein kleiner Lootsendampfer
aufnahm, und mich zur weit vom Ufer geankerten „City of Sydney“ führte.

Hinter uns blieb die terra firma der gewaltigen Metropole des an Gold
und anderen edlen Metallen so reichen Californien mit ihren schönen
Häusern, strotzenden Waarenlagern, reichen Verkaufslokalen, luxuriösen
Hotels etc.

Hinter uns blieb der gewaltige Wirrwarr einer in Spekulationen und
giganten Unternehmungen rastlos hin und her wogenden Menschenmenge
verschiedenartigster Nationalitäten, des zu einer Weltstadt sich
fühlbar und sichtbar rasch ausbildenden, erst seit 1850 entstandenen
San Francisco.

Vor uns in herrlicher Beleuchtung lag die schöne von Bergen umgebene
weite Bai, Berge, die, wenngleich öde, so doch im Farbenreichthum einen
höchst schmucken Anblick und einen allgemein bewunderten Rahmen der so
gefällig geformten Bai liefern.

Auf der „City of Sydney“ angelangt, löste ich mein Billet für die
Strecke von 2094 Seemeilen bis Honolulu erst auf dem Schiffe. Die
Kabine kostete 75, das Zwischendeck 30 $.

Die „City of Sydney“ gehört der „Pacific-Mael-Steamship-Comp.“, hat
3500 Tonnen deklarirten Raumgehalt oder ihre Maschine 650 Pferdekraft
und ist durchweg als ein vollendet schönes Schiff in bester Ordnung.

Bald hatte ich mich häuslich in meiner geräumigen Kabine eingerichtet,
und um 1 Uhr bewegte sich unter der Leitung eines Piloten langsam
drehend und dröhnend unser Riesendampfer, und nach kurzem Gange heftig
schwankend durchzog er die sich so auffallend stauende Enge der „Golden
gate“ und ihr heftig brandendes und brausendes Wogenspiel.

Noch ein Rückblick auf die imposante Sieben-Sandhügelstadt, das
Eldorado der abenteuerlichsten Geld-Spekulanten, dem Brutnest des
verwegenen „Raudi“, des Humbug und der faulen Glücksritter, jedoch auch
den geselligen Wohnort zahlreicher achtungswerther, mir liebgewordener
Persönlichkeiten.

Bald schwand die Sicht des Landes, und vor und um uns blieb nur die
unabsehbare Sicht einer sich kräuselnden Wasserfläche, der gigante
„Stille Ocean“, durch dessen weit sich ausdehnende Wogen unser
Schiff in S. 61 W.-Richtung seinen Weg mit seinem hohen Kiel stolz
durchschnitt.

Heftiger, zugleich frostigkalter NO. machte, dass ein warmer
Ueberzieher nicht zuviel war.

Bis zum 18. Mai bei ruhiger Fahrt ohne erwähnenswerthe Zufälle, blieb
die Witterung ziemlich gleichmässig dieselbe, d. h. im Schutze des
Windes warm, der Wind frostig kalt. Den 18. nahm die Wärme allmählig
zu, die Farbe des Wassers wurde dunkler im Blau, klar und tief
durchsichtig. Der Wind gab plötzlich nach, als wir nämlich die Strömung
der „Nord-Pacificschen-Trift“ verlassen hatten. Den 19. war es trüb und
frisch. In der vergangenen Nacht um 12 begegnete uns der Post-Dampfer
aus Honolulu. Zahlreiche fliegende Fische unterbrachen die Monotonie.
Die schwarzen Seevögel, die uns treu von San Francisco gefolgt,
schienen uns nicht verlassen zu wollen.

Am 19. mussten wir gegen Quittung 2 Dollar für das Jedem zur
Disposition stehende „Hospital der Königin Emma“ zahlen -- eine Steuer,
die jedem Ankommenden im Königreich Hawaii auferlegt wird, der mehr
denn 30 Tage im Königreiche verweilt, und dem, der weniger denn 30 Tage
im Königreiche sich aufhält, wieder zurückgezahlt wird.

Gegen Abend kamen wir wieder in die Strömung, daher sofort unruhigere
See und heftiges Rollen des Schiffes; der NNO. war uns günstig und
gestattete volle Segel, da unsere Richtung stets in S. 61. W. hielt.

Den 20. recht frischer NNO. bei heissen Sonnenstrahlen. Wir durchzogen
den Wendekreis des Krebses um 1 Uhr. --

Den 21. Mai um 6 in der Früh waren wir in Sicht der felsigen, öden,
von schwarzen, durch die heftige Brandung bunt ausgehöhlten Riffen
umgebenen Küste und der öden, wilden, vulkanischen Gebirge der Insel
Oahú.

Um 1/2-9 bei scharfer Wendung nach N. umzogen wir die pompöse Felsmasse
des hell glitzernden sogenannten „Diamond-Head“ und bogen in den durch
die Inseln „Molokai und Oahú“ gebildeten „Oahú“-Kanal. Hier ändert sich
vollständig die Sicht: die Ufer sind bebaut und im üppigsten Grün,
das vulkanische Gebirge ist gleichsam wie grün getüncht, und bald
lag rechts vor uns der Badeort der Bewohner Honolulus, das liebliche
Waikiki mit seinem reizenden Kokospalmen-Hain. Unzählige Vögel und
spielende Fische zeigten sich.

Bald erhoben sich Kirchthürme aus einem Thale und Masten der Schiffe,
und endlich um 10 Uhr lag vor uns Honolulus -- wenngleich kleiner, so
doch ruhiger und stets durch kühle Brise -- frischer Hafen, der immer
sicher, mit Ausnahme der Zeit, wo hin und wieder vom Dezember bis März
der wüthende Südsturm, der „Kóna“ herrscht.

Die Grenzen des reizenden Hafens bilden breite Korallen-Bänke, die,
von zwei Seiten ausgehend, ihn kranzförmig umfassen. Der Eingang ist
550 Fuss breit und ist durch eine geankerte Bake bezeichnet, die
genau unter der Latt. 21° 16′ 56″ und der Long. 157° 48′ 51″ westlich
von Greenwich liegt. In den Hafen können -- Dank seiner Tiefe von
13-18 engl. Klafter -- die grössten Schiffe einkehren. Rechts von der
einen Korallenbank, 3/4 Meilen von der Bake entfernt, steht der seit
1869 den 2. August beständig 8 Seemeilen weit leuchtende Thurm, der
klein, schmuck gestrichen, aus Holz auf Bollwerk in wild brandender,
schäumender Wogenumgebung der Bänke erbaut ist.

Bald hielten wir vor dem Werft der „Pacific-Dampfer-Compagnie“, und
nach Beendigung des mühsamen Manövers des Anziehens des Schiffes an
die Brücke kamen wir um 11 Uhr an Land, nach einer in 8 Tagen weniger
3 Stunden zurückgelegten Reise von 2094 Seemeilen, d. h. wir hatten
durchschnittlich 11,_{089} Knoten die Stunde gemacht.

  Uebersicht über den Lauf der Reise:

     Uhr        Nördlich      der Länge       Täglich          Tägliche
                der Breite    westlich        gemacht          Richtung
                täglich       von Greenwich   Seemeilen
                   0  ′  ″        0  ′  ″
  1  Mai 13  Grad 37 48 10 Grad 122        Die Golden-Gate  S. 61     W.
  12  „  14       36 06 00      126 36               230    S. 61     W.
  12  „  15       33 58 00      131 29               272    S. 62     W.
  12  „  16       31 36 00      136 13               277    S. 59     W.
  12  „  17       29 27 00      140 37               262    S. 60-1/2 W.
  12  „  18       27 23 00      145 20               268    S. 62     W.
  12  „  19       25 14 00      149 45               271    S. 61-1/2 W.
  12  „  20       22 57 00      154 11               279    S. 61     W.
  10}             21 16 56      157 48 51            235     Die Bake
    } „  21
  11}             21 18 23      157 48 45        Centrum der Stadt




II. Abtheilung.

Ankunft in Honolulu. -- Eindrücke.


Gleichwie vor Aden und wie im Allgemeinen vor allen tropischen und
subtropischen Häfen, so auch hier bei unserer Ankunft lieferten uns
nach Geld in die Tiefe tauchende Buben in Mitte zahlreicher Haifische
ihre Kunstproduktion mit auffallender Behendigkeit. --

Nach einer höchst liebenswürdigen Untersuchung des Zollamtes fand ich
ein gutes Unterkommen bei dem Bäckermeister Singer, einem Deutschen, an
der Ecke der „Queen-“ und „Richard“-Strasse für 2 Dollar die Woche: ein
gutes, geräumiges, höchst sauberes Zimmer.

Somit war ich in der reizend gelegenen, sauber gehaltenen kleinen
Hauptstadt und dem Handels-Empyrium des Insel-Königreiches von
Hawaii, dessen Umfang circa 8000 engl. Quadratmeilen beträgt und aus
17 Inseln besteht, von denen 8 Inseln und zwar Hawaii, Maui, Lanaï,
Kahooláwe, Molokai, Oahú, Kauai, Niihau beständig, die 9 andern
Inseln Molokíni, Lehúa, Kaula, die Vogel-Inseln, die Palmira-Inseln,
die seit 1862 annectirten Guano-Inseln Kaláma, Layson, Lisansky,
Cornwallis wenig oder nur temporär bewohnt sind. Sämmtliche Inseln
sind vulkanischen Ursprungs und tragen in klimatischer Beziehung den
reinen polinesisch-subtropischen Charakter. Die geographische Lage
des Inselreiches ist zwischen den 18° 50′ und dem 22° 30′ n. B. und
zwischen den geographischen Längen 154° 30′ und 161° westlich von
Greenwich zu finden. Der Eingang in den Hafen von Honolulu ist von
San Francisco 2094 Seemeilen, von Sydney via Auckland 4368 und von
Hongkong 4487 Seemeilen entfernt. Das Inselreich von Hawaii bildet
augenblicklich das Empyrium der Inseln des Stillen-Ocean.

Die Grösse der Inseln, d. h. der bewohnten des Königreiches, die
höchsten Höhen und die Bevölkerung derselben zeigt folgende Tabelle:

                                  engl.      maximum.      Zahl der
                                □ Meilen:     Höhe:       Bevölkerung:

    Insel Hawaii                  5000        13,935        17,034
      „   Maui                     600        10,200        12,109
      „   Oahú                     520         3,800        20,236
      „   Kauai                    520         4,800         5,634
      „   Molokai                  170         2,800         2,581
      „   Lanai                    110         1,600           214
      „   Niihau                    80           800           177
      „   Kahooláwe                 60           400          --

      1878 in Summa               7060          --          57,985

1779 sollen die Inseln circa 300.000 Einwohner gezählt haben. 1866
ergab der Census nur 64.131 Einwohner, von denen 58,765 Ureingeborne
und 5366 Fremde waren. Da 1779 unter der muthmasslich durch Cook
angenommenen Zahl von 300,000 wenig oder gar keine Fremde waren,
so muss von derselben die 1866 sich ergebende Zahl von 58,765
Ureingebornen zum Vergleich in Abrechnung gebracht werden, wonach
im Verlauf von 87 Jahren die Abnahme der Bevölkerung sich auf die
abnorme Zahl von 241,235 Seelen stellt. Diese Abnormität der Abnahme
der Bevölkerung lässt sich nur entweder durch die höchst glaubliche
Irrthümlichkeit der Angabe von 1779 oder aber durch die als blutig sich
bewiesenen Kriege des Kamehámehá I., durch die Pestilenz von 1804, die
Epidemie der Masern von 1848, die Epidemie der Pocken von 1856, durch
die Folgen des Importes von Alkohol, sowie durch dem Volke fremdartige
Gewohnheiten, Kleidungsmoden und namentlich ansteckende Kleidungsstoffe
europäischen Imports, durch die Aussatz-, diverse Fieber- und
Seuchenkrankheiten erklären. Ein treues Bild dieser abnormen Abnahme
der Bevölkerung soll folgende Zusammenstellung verschiedener Census
ergeben:

                   Kanaken                 Chinesen         Amerikaner,
                                                           Europäer etc.

    -- 1779     muthmasslich 300,000          --                 --
    -- 1823     laut Census  142,000          --                 --
    -- 1832         dto.     130,000          --                 --
    -- 1836         dto.     108,000          --                 --
    -- 1850         dto.      84,165          --                 --
    -- 1853         dto.      73,137          --                 --
    -- 1860         dto.      66,984          --                2716
    -- 1866         dto.      58,765         1317               5366
    -- 1872         dto.      49,044         1938               4119
    -- 1878         dto.      43,088         5916               4561
    -- 1882         dto.      36,756       13,000             10,477

      ~Die Stadt Honolulu hat Einwohner gehabt:~

               -- 1820 waren laut Census  7000.
               -- 1860       dto.        14310.
               -- 1866       dto.        13521.
               -- 1878       dto.        14114.
               -- 1882       dto.        17000. --

Der erste Eindruck der Insel Oahú bei Umfahrung ihrer Küste und
bei Sicht der grünen Umgebung der Stadt Honolulu ist der einer
wilden, öden, vulkanisch durchwühlten Masse, auf der mit Hilfe der
günstigen klimatischen Verhältnisse und humusreichen Grundlage --
mit Ausnahme einzelner zerstreut gelegener feuchter Schluchten, wo
die Natur den Keim zur üppigsten Vegetation der verschiedenartigsten
Farn, Tamarinden, Kaffeestauden, Thekstauden, Thysträucher u. s. w.
selbstständig legt, -- die rege Hand des Menschen stellenweise eine
üppige, künstliche Vegetation entwickelt hat.

Angelangt, durch Bad und Nahrung erfrischt, war mein Erstes eine
gründliche Durchwanderung der Stadt, deren meist parallel laufende
Strassen mit ihren von Gärten und auffallend mannigfaltigen
Blumenreichthum umgebenen Häusern, reichhaltigen Waarenlagern und
Schauläden einen saubern, höchst angenehmen Eindruck hervorrufen.
Die Strassen sind meist mit Lava, die prachtvolle, von der Stadt aus
schattige „Nuuanú“-Strasse theilweise mit Korallensteinen belegt. Beide
Arten sind recht wasserdicht und angenehm zum Gehen, jedoch höchst
staubig.

Zu den Hauptgeschäftsstrassen gehören nächst der „Nuuanú“-Strasse
die sehr breite „Kingsstreet“, in welcher meist die Handwerker sich
niedergelassen und deren nördliches Ende eine solide Brücke über
den „Nuuanú“-Bach, der das Thal schlängelnd durchzieht, bildet und
die „Fort-street“, die nur kurzweilig aus Schauläden, sonst nur
Privathäusern besteht.

Die Grosshändler haben ihre reichhaltigen Magazine an den Werften
und zwar resp. in der „Queen-street“ und „Port-street.“ Als höchst
liebliche und national-charakteristische, schattige Strassen sind
die „Hotel-street“ und die „Beretania-street“, deren nördliches Ende
ebenfalls eine Brücke über den „Nuuanú“-Bach bildet, zu benennen. In
diesen breiten Strassen ist die Verschiedenartigkeit der Bäume in
den Gärten und Alleen eine bemerkenswerthe. Hauptsächlich figuriren
der reichtragende Mango-Baum mit seinen aromatisch feinschmeckenden
Früchten, diverse stämmige Akazien und Mimosen. Die Palmen und Bananen
sind meist in etwas leidendem Zustande, fast krüppelig zu nennen,
dessen Ursache ich im ätzenden Staube der Lava, die die Strassen deckt,
zu finden glaube.

Die Flora der Gärten ist im Allgemeinen in Honolulu eine reichhaltige
und auffallend üppige, jedoch der Unterhalt der Gärten -- mit Ausnahme
der des Banquiers Sir Bichop in der „Kings-street“, des tropischen des
Palais der Königin-Wittwe Emma in der „Nuuanú“-street und theilweise
der des königlichen Palastes -- ein scheinbar unordentlicher, meist
verstaubter, dürrer und im Allgemeinen -- mit Ausnahme des Gartens des
Sir Bichop -- eigentlich geschmackloser zu nennen.

An schmucken Kirchen fehlt es nicht. Sie sind an Zahl und
Verschiedenheit der Konfessionen reich. Die hervorragendsten derselben
sind: Die 1840 erbaute römisch-katholische Kathedrale in der
„Fort-street“ und die ihr gegenüber liegende sog. „congregationelle“
Kirche, die beide einen recht schmucken Eindruck machen. -- Von
den speziellen Kirchen der Ureingeborenen sind zu bemerken: die
„Kau-ma-ka-pili“-Kirche, die eine congregationelle am westlichen Ende
der „Beretaria“-Strasse gelegen und deren Pastor, der Rev. Kauéa, ein
Ureingeborner ist. Die Kirche wurde von den amerikanischen Missionären
1838 erbaut (congregationell ist eine amerikanische Benennung
für „altpuritanisch“). Dann folgt die ebenfalls congregationelle
„Kawaiahae“-Kirche an der Ecke der „King-“ und „Punch-bowl-street,“
die 1825 erbaut, die älteste Kirche in Honolulu ist und in deren
Hofraum das schmucke Mausoleum des Königs Lunalílo steht. Der Pastor
der Kirche ist der Rev. W. Frear. Dann folgt die anglikanische oder
reformirt-katholische Kirche, die sog. „St. Andrews“-Kathedrale, die im
„Emma-Square“ gelegen und deren Grundstein 1867 durch König Kamehámehá
V. gelegt worden ist. Dann wäre noch zu bemerken die aus Holz erbaute
Kirche „the Seaman’s-Bethel,“ die 1833 an der Ecke der „King-“ und
„Bethel-street“ unter der Leitung des Missionärs John Diel von der
„American-Seaman’s-Friend-Society“ erbaut wurde. Nach dem Tode Diels
1841 wurde der im Lande höchst geachtete Rev. Dr. S. Damon als Pastor
ernannt. 1843 rief er unter seiner Redaction die für die moralische
Entwicklung der Nation höchst wirksame, monatlich erscheinende
Zeitschrift „the Friend“ ins Leben.

An schönen Gebäuden, obgleich dieselben im Allgemeinen sehr wohnlich
sind, ist vollständiger Mangel. Es sind nur wenige Häuser halbwegs
hervorragender Architektur vorhanden. -- Unter den hervorragendsten
wären zu nennen: das Parlamentsgebäude („Alioláni“-Halle) in der
„Kings-street,“ in der die Versammlungen der Legislatur abgehalten
werden und in welcher ferner die Regierung alle Branchen ihrer
Amtslokale eingerichtet hat und in der auch das noch jugendliche Museum
und die reichhaltige Bibliothek des Staates sich befinden. Dann käme
das am Werft gelegene steinerne, kasernenartige Gebäude des Zollamtes;
das zweistöckige inhaltsvolle Geschäftslocal der Firma „Hacfield &
Co.,“ ein höchst geschmackloses, aber geschäftsvolles Gebäude; die Bank
gegenüber der Post, wohl das hübscheste Gebäude der Stadt; die Post,
sehr praktisch eingerichtet, aber als Gebäude unschön; das Hospital
der Königin Emma, welches reizend in der Mitte einer umfangreichen
Parkanlage am Fusse eines Hügels, des sog. „Punsch-Bowl-Hill,“ gelegen,
und 1860 von Kamehámehá IV. erbaut und nach seiner Frau, der Königin
Emma benannt worden war und nach der Bank unter die schönsten Gebäude
zu zählen ist. Das „Joláni“-Palais des Königs, in der „Kings-street,“
der „Alioláni“-Halle gegenüber, besteht aus mehreren einstöckigen, an
breiten Veranden reichen, mit Schindeln oder Schilf gedeckten luftigen
Häusern, die in einem grossen, recht schattig gehaltenem Garten
liegen, aus Korallenstein erbaut und äusserlich recht unansehnlich
sind. Das eine Gebäude enthält die Staats-Empfangsräume. Die Wände
der Eingangshalle desselben sind gefüllt mit stattlichen Ölporträts
verschiedener Herrscher Europas, die meist Geschenke derselben
sind. -- Der Empfangssaal ist stattlich eingerichtet und reich an
Vergoldungen; die eine Wand desselben ziert ein vortreffliches Porträt
des Königs Kamehámehá IV. Diesem Raume angrenzend befindet sich der
Saal der Bibliothek, die eine sehr reichhaltige ist; die Wände zieren
Porträts verschiedener Könige des Inselreiches und der „Kuina-nui“
Kaahúmanú. Die Krönungshalle ist ein schmucker Saal, dessen Wände mit
gediegenen Gemälden, Kupferstichen und Stahlstichen gefüllt sind.
Neben dieser Halle, die zugleich auch für Galagelage benutzt wird, ist
das Buffetzimmer, in welchem eine reichhaltige Schau von Porzellan-,
Fayence- und Krystall-Gegenständen sich befinden, die Geschenke
verschiedener Monarchen der Welt sind. Die übrigen Räumlichkeiten sind
reich möblirt und mit Gemälden geziert. Der Ballsaal befindet sich in
einem abgesondertem Gebäude, ebenso die höchst wohnlich und elegant
eingerichteten Privatzimmer der königlichen Familie. Das letztgenannte
Gebäude der königlichen Wohnzimmer liegt unmittelbar am Haupteingang
des Palais. Das ganze Areal des die Häuser umgebenden Gartens ist von
einer 8 Fuss hohen Steinmauer umgeben (Korallenstein), durch die an
jeder Windseite sehr primitive Pforten nebst zwei Seitenthüren, die
stets unter Wache eines patrouillirenden Postens sich befinden, führen.
Westlich von diesem Häusercomplex soll das neue Palais erbaut werden,
welches bei 140′ Länge und 120′ Breite 4 Stock hoch werden soll.
Die 4 Ecken desselben werden Thürme bilden und das Zentrum des fast
viereckigen Gebäudes bei 80′ Höhe ein Gewölbe fassen. Zum Bau dieses
Gebäudes hat die legislative Versammlung 65,000 Dollar bewilligt. --

In der unmittelbaren Nähe des Palastes liegt die 200 Mann fassende
Kaserne, ein kleines, rothes, höchst originelles, nicht geschmackloses
Gebäude.

Sehr sehenswerth ist das auf der Landzunge Lelcó gelegene, aus weissem
Korallenstein erbaute Gefängniss. Frei liegend, umgeben von schattigen
Bäumen, unter dem directen Einflusse der gesunden Luft der See und der
Winde, prangt dieses 1857 im italienischen Stile erbaute Gebäude als
Zierde der Stadt. Die Disziplin, so auch die Gesundheitsmassregeln
der Anstalt sollen, wie es die zur Arbeit oft erscheinenden Inwohner
ihrem Aussehen nach beweisen, eine bemerkenswerthe sein. Man gelangt
zum Gefängniss, die südliche Richtung der „Kings-street“, bis zur
schmucken Brücke über den „Nu-u-anú“-Bach einschlagend, und die Stadt
alsdann verlassend, der „Ewa“-Landstrasse folgend, bei diversen
Schildkrötenteichen vorbei, erblickt man das links frei auf der
Landzunge liegende stattliche Gebäude. In seiner Nähe auf Riffen
erbaut, liegt die Quarantaine, die bisher nur zur Accommodation der
Einwanderer benutzt worden ist.

Sehr sehenswerth ist die in der Umgegend von Honolulu, circa 1-1/2
Meilen von der Stadt gelegene Schule von Púnahu, die im Mai 1853 unter
dem Namen „Oahú-College“ im vergrösserten Massstabe eröffnet worden
ist. Bis 1853 war die Schule seit ihrer Gründung unter Kamehámehá
III. 1842 nur für die Erziehung der Kinder protestantischer und
zwar amerikanischer Missionäre benutzt worden. Allmählig nahm der
Zudrang anderer Kinder derart zu, dass die Anstalt zum, wie schon
bemerkt, „Oahú-College“ vergrössert werden musste, und ist dieselbe
augenblicklich die bedeutendste Erziehungsanstalt des Reiches. Die
Anstalt empfängt ohne Ausnahme Externe und Interne. Die Zöglinge sind
Knaben und Mädchen zusammen; der Unterricht ist ein höchst gründlicher.
Das Gebäude ohne architektonischen Stil und Zierde liegt circa 1/2
Meile vom Meere entfernt, enthält die Wohnungen des Directors und
der Directrice, desgleichen die der in der Anstalt lebenden Lehrer
und Lehrerinnen, so auch die Klassen und den Speisesaal. Diesem
Zentralgebäude angeschlossen sind zwei Flügel, der rechte für Mädchen,
der linke für Knaben. Der Raum zwischen den beiden Flügeln ist durch
zierliche Anpflanzungen ohne jegliche trennende Umzäunung ausgefüllt.
Jeder Zögling hat sein Zimmer für sich allein, welches klein, aber
auffallend sauber gehalten ist. Der Unterricht in der Anstalt ist ein
gemeinschaftlicher für Mädchen und Knaben, desgleichen der Speisesaal
und der Tummelplatz.

Dieses stete Beisammensein und Untersichleben beider Geschlechter
-- wo ja Zöglinge im Alter von 12 bis 20 Jahren sich befinden -- ist
für uns Europäer unbegreiflich. Doch sobald man den Charakter der
Kanaken kennen gelernt und nachdem man den Ausspruch authentischer
Persönlichkeiten über die Sittlichkeit der Anstalt und die Resultate
dieser gemeinschaftlichen Erziehung gehört hat, gewinnt man bald die
Überzeugung, dass bis jetzt bei den Kanaken dieses dem Europäer fast
unsittlich erscheinende Prinzip statt schlecht sich gut bewährt hat.

Trotz der dem Kanaken eigenthümlich sinnlichen Tendenz ist oder
soll seit Errichtung der Anstalt kein Fall von Seduction oder
leichtfertiger, sinnlicher Handlung vorgekommen sein. Erzogen unter
dem Prinzip der amerikanisch-protestantischen Kirche, d. h. in
dem der persönlichen moralischen Verantwortung -- einem Prinzip,
welches, wenn es richtig gehandhabt wird, im Zögling eine ernste
moralische Willenskraft erweckt. Diese von Jugend auf erweckte Kraft
der Überwindung des Sichselbstbemeistern ist meiner Ansicht nach die
Ursache zu der jeden Fremden in Erstaunen setzenden Gabe der Männer und
Frauen dieser Nation, jedem Fremden Respect einzuflössen. Obgleich frei
in Rede und Bewegung, obgleich in Folge traditioneller Gewohnheiten,
klimatischen Zwanges und national-körperlicher Erfordernisse sehr
leicht bekleidet, steht demungeachtet dem muthigen europäischen
Frauen-Belagerer, dem europäisch Eingebildeten, dem nach europäischem
Begriffe sog. Unwiderstehlichen kein weites Feld ihnen gegenüber offen,
um über die Grenzen des Anstandes zu schreiten. Dieses ist das Resultat
einer gut überwachten, gemeinschaftlichen Erziehung unter den Kanaken,
während bei uns eine solche bei bester Überwachung nie und nimmer ein
gleiches Resultat liefern würde.

Durch diese gemeinschaftliche Erziehung lernen die Geschlechter
genau untereinander sich kennen, lernen ihre gegenseitigen Fehler,
Gewohnheiten und Eigenthümlichkeiten erkennen, und es entstehen oft
jugendliche Inclinationen, Anhänglichkeiten reiner Natur, die sie
sehr oft, später reifend, zusammenbringen, was hier leicht, da die
Kinder völlig frei in der Wahl ihres Herzens, ihrer Gefühle und ihres
Willens sind. Von unglücklichen Ehen, wie bei uns so oft, ist mir
noch kein authentisch bewiesener Fall hier zu Ohren gekommen. Eine
Eigenthümlichkeit des Landes ist, dass bei Heirathen die Eltern nicht
wie bei uns eine Aussteuer den Töchtern geben.

Das amerikanische Prinzip der Erziehung ist im Reiche das herrschende.
Die Mädchen machen gleich den Knaben denselben und den vollen Cursus
durch. Ausser den Wissenschaften, als: Geschichte, Geographie,
Mathematik, Naturwissenschaft u. s. w. wird auch Musik, Gesang und
Zeichnen betrieben. Den Mädchen werden Handarbeiten gelehrt, werden
theoretische Anweisungen zum Haushalte gegeben, sowie auch praktische,
indem abwechselnd für je 14 Tage Mädchen der Anstalt unter der Leitung
der Directrice den Haushalt der Anstalt in allen Branchen versehen,
sogar die für die Anstalt erforderlichen Markteinkäufe bewerkstelligen.
Jeder Zögling ist angehalten, sein Zimmer selbst zu reinigen und zu
betten.

Jährlich findet eine öffentliche Prüfung statt; zu der alle Eltern
und Verwandte der Zöglinge erscheinen. Die Prüfung dauert drei Tage,
während denen sämmtliche Eingeladenen auf das glanzvollste bewirthet
werden. Die Prüfung findet von 10 Uhr Morgens bis 6 Uhr Abends vor
einem zahlreichen Auditorium statt, was die Unbefangenheit und
Selbstständigkeit der Zöglinge überaus entwickelt. -- Höchst anmuthig
ist das mit Blumenkränzen und verschiedenen Verzierungen festlich
geschmückte Versammlungslokal, desgleichen das mit Blumenkränzen
geschmückte Auditorium, wie es überhaupt dieses sinnreiche, der Poesie
so zugängliche Volk prächtig versteht, mit der ihr zur Disposition
stehenden, so mannigfaltigen und rastlos blühenden Flora des Landes
sich und ihre Umgebung zierlich und geschmackvoll zu schmücken.

Die Pflege der Gärten, die Zucht und Pflege der Blumen etc.
bewerkstelligen die Jünglinge. Manche bedeutende Erdarbeiten;
Wasserleitungen der Anstalt, sind von denselben gemacht worden und
das im progressiv sich vergrössernden Massstabe, da jährlich das zur
Cultur bestimmte Areal vergrössert und mit acclimatisirten Gewächsen
bepflanzt wird, die in spätern Jahren durch ihr gedeihliches Wachsen
die Freude ihrer jugendlichen Erzeuger und Gründer bilden und
angenehme Erinnerungen ihrer Thatkraft hinterlassen. Kurz gesagt,
mein Auge traf das Modell einer Erziehungsanstalt, in der mir
namentlich der wohlaussehende, vergnügte, sittlich-zufriedene Ausdruck
der Zöglinge auffiel, aus welchem die günstigen Resultate dieser
theoretisch-praktischen Erziehung klar hervortraten.

Auch muss ich zur Ehre des Landes und seiner Regierung hervorheben,
dass beide ihr Möglichstes thun, um die Schulen des Landes zu heben,
was ihnen denn auch mit Dank gelingt, da dieses Bestreben mit
erstaunlich unbeschränkten Bewilligungen der legislativen Versammlung
unterstützt wird. -- Die Tendenz der Überanstrengung der Jugend
existirt hier im Lande noch nicht, da die gesunde Überzeugung hier noch
herrscht, dass für die Zukunft des Landes eine unnöthige Gelehrsamkeit
von keinem Nutzen sei. Die bestehende Tendenz ist: der Jugend einen
religiösen Sinn und die erforderlichen Kenntnisse eines civilisirten,
in der Civilisation allmählig fortschreitenden Bürgers beizubringen
-- eine Tendenz, aus der sicher eine gesunde kernige und vernünftige
Nation sich zum Wohle des Landes entwickeln wird, wenn nicht der
Eindrang schädlicher europäischer Beeinflussungen diesen gesunden Keim
erstickt.

Nach der Anstalt von Punahou wäre noch zu erwähnen das in der
„Nuuanú-street“, circa 3/4 Meilen ausserhalb der Stadt gelegene, 1872
eröffnete „Joláni-College,“ welches unter der speziellen Leitung des
Bischofs der anglikanischen resp. der episkopalen Kirche steht. Die
Anstalt ist in 2 Departements getheilt, das elementare und gymnasiale.
Die Anstalt ist eine durchweg disciplinirte. Die Schlafsäle nehmen
einen ganzen Stock ohne Abtheilungen ein, sind daher vollständig
ventilirt und gesund. Die 4 Acker umfassende Umgebung der Anstalt, da
sie hoch gelegen, bietet eine prachtvolle Sicht über die Stadt und den
Hafen und bildet eine Parkanlage, die gegenwärtig noch jung, jedoch
mit der Zeit eine der schattigsten und lieblichsten von Honolulu werden
wird.

An der „Ewa“-Landstrasse, an der nördlichen Seite derselben, von
der „King-street“ kommend, liegt das „Asyl für Geisteskranke“ im
Stadttheile Kapaláma, hoch, in luftiger, gesunder Lage. Die Anstalt
besteht aus mehreren einstöckigen Steinhäusern für die Kranken und dem
Gebäude des Superintendenten Mr. Wright.

In der Nähe dieses Asyles, circa 3/4 Meilen von der Stadt, ist das 1864
gegründete „Industrielle Reformatorium,“ eine Verbesserungsanstalt für
Knaben und Mädchen. Die Lage ist gesund. Das Areal der Anstalt bilden 6
Acker, von denen die Hälfte mit Bananen und andern Gewächsen bepflanzt
und von den Zöglingen gepflegt werden; die andere Hälfte nehmen die
Gebäude und die Tummelplätze der Jugend ein. Das Zentralgebäude ist
zweistöckig. Im Grundstock befinden sich die Schulräume und der
Speisesaal und den zweiten Stock bildet ein ungetheilter, daher
luftiger und gesunder Schlafsaal. Das Gebäude ist von 72 Fuss
Länge und 36 Fuss Breite. Die Nebengebäude dienen zur Wohnung dem
Superintendenten der Anstalt, Mr. Hill, und den Assistenten, Lehrern
und Lehrerinnen, desgleichen zu Küchen und Wirthschaftsräumlichkeiten.
Ausser den benannten 6 Ackern gehören der Anstalt noch 15 Acker
Land, die die Jugend mit Reis und „tarro“ bebaut. Die Zöglinge haben
täglich 4 Stunden zur Mahlzeit und Recreation frei, den Rest der Zeit
verbringen sie entweder in der Schule oder mit Feldarbeiten. Durch
ihre Arbeit und den Erlös der Produkte bezahlt sich reichlich ihr
Unterhalt. Ausserdem giebt der Staat der Anstalt eine Subvention, die
für sämmtliche Verbesserungsanstalten des Königreiches in Summa für
die biennale Periode circa 10,000 Dollar betragen soll. Zur Entlassung
der Zöglinge aus der Anstalt wird gefordert, dass dieselben ein gutes
Sittenzeugniss erhalten, zu rechnen und in der Hawaii’schen und
englischen Sprache zu lesen und zu schreiben verstehen.

Bis den 2. Juli, d. h. während fast zwei Monaten, tummelte ich
geschäftlich und gesellig durch die Strassen der Stadt, durch die
Umgegend von Honolulu, durch das lebhafte „Nuuanú“-Thal längs den
romantisch schlängelnden, das Thal durchziehenden Bächen „Panóa“
und „Nuuanú“, oder durchwanderte die Insel Oahú. Ich lernte die
Bevölkerung und Stadt und Land in ihrer anziehenden Gemüthlichkeit,
ihrem eigenthümlichen Wesen und die Freundlichkeit, den Charakter Sr.
Majestät des Königs Kalakaua kennen und liebgewinnen.

Meine weiteren Erörterungen über Honolulu und über meine Wanderung
durch die Insel Oahú behalte ich mir für später vor und zwar nachdem
ich die andern Inseln besucht und vielseitiger das Land und sein Volk
kennen gelernt haben werde.

Meine Absicht war nämlich diese gewesen: ich wollte mit dem
kleinen Schooner „Marianne“ den folgenden Tag zur Insel Kauai, die
in NO.-Richtung circa 100 Seemeilen von Honolulu entfernt ist,
abgehen. Ich richtete zum Zweck einer Excursion durch die Insel mein
Sattelgepäck in möglichst kleinem Massstab ein.




III. Abtheilung.

Ausflug von Honolulu nach Kauai.


Bei recht windigem Abend wars am 2. Juli, als ich um 1/2-4 den kleinen,
höchst sauber blau und weiss gestrichenen Schooner „Marianne“ betrat.
Um 4 spannten sich dessen verhältnissmässig gewaltigen Segel, und bald
hatten wir, einem Pfeile gleich, den kleinen, ruhigen Hafen durchzogen
und befanden uns in der recht unruhigen See des „Oahú“-Kanals. Trotz
der glänzenden Beleuchtung der Küste, einer erfrischenden Luft und
köstlicher Sicht zwangen die entsetzlichen Bewegungen des kleinen
Schooners mit seinem kaum 2 Fuss hohen Geländer alle Passagiere, so
auch mich zum Sichausstrecken und Stillliegenbleiben.

Den folgenden Morgen um 6 lag vor uns Navillivilli, der erste und
bedeutendste Hafen der Insel Kauai.

Der durch Korallenbänke gebildete Hafen ist wildschön, zugleich aber
auch wild-unruhig. Ein durch die gewaltige Wogen oft hoch gehobenes
Boot holte die hier Absteigenden, sowie die Briefsäcke vom Schooner ab,
wonach die „Marianne“ hin und her schwankend unter vollen Segeln oft
sich hochbäumend ihren Weg weiter nach Kolóa nahm. --

In Folge der unbeschreiblich stürmischen Nacht betrat ich mit sehr
unsicheren Füssen das Land. Es schien der ganze Boden unter denselben
zu schwanken und hin und her wie närrisch taumelnd betrat ich das Haus
des Schreiners und Grundbesitzers William Lowel, wo nach gutem Kaffee
und einem herzstärkenden Frühstücke bald wieder der Boden unter meinen
Füssen fester wurde, die mich umgebenden Wände zu schwanken aufhörten
und ich mich wieder factisch auf terra firma fühlte.

Hierauf gab Lowel mir ein Pferd nach Kolóa und zurück für den
Miethpreis von 2-1/2 Dollar. Die Strecke soll 12 englische
Meilen betragen und mich über die zwei Meilen von hier entfernte
Zuckerplantage Lehúa führen.

Der Ort Navillivilli ist klein, besteht nur aus 6 Häusern und einigen
Hütten, die zerstreut auf einem hügeligen Terrain liegen. Die Umgebung
des Ortes ist wüst, sandig und zugleich reich an kleinen, seichten
Lagunen, in welchen üppiger „tárro“ gebaut wird. Das Ganze bildet eine
nach der See offne 200′ über dem Meeresspiegel liegende Kesselschlucht,
welche von der Landseite kranzförmig von Bergen umgeben ist.

Dank den zahlreichen Lagunen und der nur von drei Seiten umschlossenen
Lage ist Navillivilli, -- obgleich an concentrirter Hitze und daher
auch an Mosquitos auffallend reich, -- ein wahres Treibhaus der Natur
zu benennen. In Folge der frischen Winde einer beständigen Brise der
offenen Seeseite ist der Ort höchst erträglich und sehr gesund.

Mein Pferd war gesattelt und ich bald im Ritt ohne Begleiter.

Von Navillivilli führt ein ziemlich unsichtbarer, oft versumpfter
Weg erst über Stauungen der Lagunen, dann bergauf bis zum Ort
Niú-malú, der nur aus einem Gefängniss und dem ursprünglichen Hause
des Gouverneurs der Insel Kauai besteht (der Gouverneur Mr. Busch
residirt augenblicklich in Kolóa). Niú-malú verlassend, liegt rechts
vom Wege hübsch angelegt und weit ausgebreitet die Zuckerplantage
Lehúa mit ihren zahlreichen Gebäuden. Sie soll nächst Kolóa die
älteste Plantage des Reiches sein. Von „Niú-malú“ an wird der Weg ein
guter und ist circa eine Meile vom rechts liegenden öden, dürren,
vulkanisch-durchwürfelten Basaltgebirge entfernt. Dieser Gebirgskette
folgend durchzieht der Weg die üppigen Ländereien des Sir Albert
Wilcox, die der Arowrod-Plantage des Herrn Müller und die der reichen
Zuckerplantage von Lehúa und endlich an der schattigen, idyllisch
isolirt liegenden Behausung des im Königreiche allbekannten tüchtigen
Verwalters der Lehúa-Plantage, Herrn Isenbergs, vorbei. Hier beginnt
der Weg allmählich schlechter und bedeutend wilder zu werden. Durch
gegenwärtig auffallend dürre -- sonst, wie man mir gesagt, üppige
-- Weideländereien, bald Hügel auf, bald ab, bergauf, bergab, stets
in Sicht sehr mageren Viehes schlechter Art, auffallend zerfetzt
aussehender Schafheerden führt der allmählich fast weglos werdende Weg
bis zur „Niú-malú“-Schlucht. In der Schlucht des Flusses Niú-malú, die
charakteristisch ist durch ihre krüppeligen, wenngleich an Früchten
reichen Baumgruppen, die hier in spärlichen, wild verworrenen Massen
„Wald“ genannt werden sollen, während sie nur höchstens halbwegs einem
Urbusche zu vergleichen sind, sind die ihr Fell nachschleppenden Schafe
auffallend bemerkenswerth. Das Terrain ist ausserordentlich durchwühlt.
Die Brücke über den Niú-malú in der Tiefe der Schlucht soll 6 englische
Meilen von Lehúa, demnach der halbe Weg bis Kolóa sein. Von der Brücke
aus mit scharfen Curven beginnt die für die geringe Höhe auffallend
steile Besteigung des Passes, jedoch mit beständigem Hinauf und Hinab,
bis man endlich die stark windige Maximal-Höhe von 600′ über dem
Meeresspiegel erreicht.

Die allgemeine Stille der Natur -- während der Mittagszeit namentlich
-- ist hier eine auffallende. Kein Vogel, kein lebendes Geschöpf ist
weder sichtbar, noch hörbar, in Folge der gegenwärtig herrschenden
Dürre schweigt sogar der Laut der Grille. Nur das unaufhörliche
Klappern der langen Blätter der Pandanen, das beständige Sausen des
Windes, hin und wieder das ruckweise, entfernte Brausen der brandenden
Woge des Oceans und das sonderbare Getöse der wirbelnden, rothen,
gewaltigen Lava-Staubwolken begleiten fast unheimlich den auf dieser
Strecke meist einsam, rasch dahin eilenden Reiter in der sonst
lautlosen Natur.

Selten nur begegnet man auf dieser höchst unwirthlichen Strecke einem
Menschen und nur selten einer Behausung oder Grashütte der Eingebornen.

Von der Höhe des Passes entfaltet sich plötzlich die Sicht des
gewaltigen Oceans und ein recht hübscher Rundblick über das bunte
Felsengewirr der Insel im mannigfaltigsten Farbenspiel.

Niedersteigend bis zu einer Höhe von 228′ über dem Meeresspiegel
bei zunehmend sich besserndem Wege erreicht man die rechts vom Wege
liegenden Häuser der auffallend lautlosen Zuckerrohr-Plantage des
Herrn Dreier, die im üppigsten Grün fruchtreicher, schattiger Bäume
verschiedenster Art lieblich und gesund gelegen ist. Gleich darauf
folgen, rechts und links am Wege zerstreut liegend, die zahlreichen,
vollständig schattenlosen Gebäude der Plantage Kolóa, die auf gleicher
Höhe mit Dreier’s Plantage, d. h. 228′ über dem Meeresspiegel, liegt.
Hier entfaltet sich ein köstlicher Blick auf das glitzernde Wogenspiel
des heftig brandenden Oceans und auf den Ort Kolóa nebst seiner
sonderbaren Umgebung. --

Zur Nacht wurde ich gastlich von A. Haneberg, dessen Bruder ich auf
der „City of Sydney“ kennen gelernt und der hier angestellt ist, nach
echt deutscher Art und Weise empfangen und aufgenommen, was mir höchst
angenehm war, da hier kein Gasthaus vorhanden ist.

Den 4. Juli erwachte ich frisch und gekräftigt; leider aber war es
meinem, vom Ritte Tags vorher recht ermatteten, an und für sich
schwachen Pferde schlechter ergangen. Eine fast graslose Weide hatte
das arme Thier sichtlich matt und missmuthig gestimmt. Ich fand das
arme Geschöpf starr niederblickend mit halb geschlossenen Augen und
langhängenden Lippen, dem besten Zeichen des Hungers.

Meine Absicht, zwei Tage hier zu bleiben, gab ich dieser armseligen
Weide wegen auf und entschloss mich, noch denselben Tag um 2 Uhr wieder
aufzubrechen und nach Navillivilli zurückzureiten, um mir daselbst ein
kräftigeres Pferd, zum Weiterritt durch die Insel zu verschaffen.

Das Städtchen Kolóa ist weitläufig angelegt und circa 2 englische
Meilen vom Ufer entfernt, welches Ufer, keinen Hafen, sondern den
Strand der off’nen See mit einer sehr heftigen Brandung bildend,
die Landung sehr erschwert. An diesem Ufer liegt die Werfte und
die verschiedenen Häuser und Speicher des Zollamtes. Das Haus des
Gouverneurs liegt isolirt, 1/2 Meile vom Ufer entfernt und ist in
keiner Weise bemerkenswerth.

Die Kolóa-Zuckerrohrplantage wurde im Jahre 1840 durch die
amerikanische Firma Ladd & Co. und das mit ausserordentlichen
Concessionen der Regierung angelegt. Verschiedene Eventualitäten
zwangen die Compagnie 1844 das Land zu verkaufen, wodurch es in die
Hände des Dr. R. W. Wood kam. Unter seinen Händen erhielt die Plantage
ihren systematischen Aufschwung. Später kam dieselbe wieder in andere
Hände. Es ist die älteste Plantage des Inselreiches.

Weder der Ort noch die Zuckerrohrplantage weisen auf System und
Ordnung, obgleich, wie man mir sagt, der Ertrag derselben ein bedeutend
günstiger sein soll.

Um 2 verliess ich Kolóa und ritt mit meinem ermatteten Pferde denselben
Weg bis Lehúa zurück. In Lehúa machte ich einen kurzweiligen Besuch
dem liebenswürdigen Kaufmann Schulz, dem ich wärmstens empfohlen
worden war. Zur Nachtszeit ritt ich nach Navillivilli hinab, wo mich
ein gutes Bett und zum Abendbrot gekochte „tarro“-Wurzel, gebackener
„poi“, roher Fisch, Fleisch und Thee erwarteten. W. Lowell, bei dem
ich wieder abstieg, ist schottischer Herkunft, seine Frau eine feiste,
echte Kanakin. Sein hölzernes Haus ist von ihm selbst erbaut. Im Innern
desselben zeigt sich die den Eingeborenen charakteristische Unordnung.
An Zahl der Möbel reich -- was sonst in den Häusern der Eingeborenen
nicht der Fall ist -- zeigen dieselben, gleich wie Alles im Hause, ein
auffallendes Durcheinander, was im Allgemeinen in allen Häusern der
sehr lieben Leute des Landes zu finden ist.

Den 5. Juni kurz nach Sonnenaufgang wanderte ich zur „Lehúa“-Plantage.
Die Plantage, die Zuckerrohrmühle, die Siederei und Raffinerie umfassen
ein Terrain von 10,000 engl. Acker, und gehören einer Compagnie, deren
Hauptverwalter Paul Isenberg ist und dessen Tüchtigkeit im Lande in
vielen Beziehungen einen bedeutenden Ruf hat.

Die Plantage macht in allen ihren Zweigen den Eindruck einer
geregelten Verwaltung, sie trägt den Stempel der Gediegenheit und
Vollkommenheit -- das vollständige Gegentheil der von Kolóa. Wo man
hinblickt, trifft das Auge tief bearbeitete Felder und namentlich eine
auffallende Gleichmässigkeit und Ueppigkeit im Zuckerrohr, dessen
Qualität eine vorzügliche ist. Nachdem ich die überaus vollständigen
Fabrikeinrichtungen der Mühle, der Siederei und Raffinerien, die
ausserordentlich beachtenswerthen Maschinerien neuester Construction
besichtigt hatte, kehrte ich zur Nachtszeit zu W. Lowell zurück.

Den Abend verbrachte ich in Gesellschaft meiner liebenswürdigen
Wirthsleute, des Sherifs und vieler Eingeborenen. Das Abendessen wurde
auf nationale Art eingenommen, d. h. es wurde auf einer reinen Matte
des Fussbodens gedeckt. Das Gedeck besteht aus einer riesigen, recht
saubern Schüssel, die nämlich aus einem ausgehöhlten Riesen-Kürbis
besteht, in welchem der wohlschmeckende, säuerliche „poi“ sich
befindet. Um diese Hauptspeise stehen diverse flache Schalen mit
Fleisch, gekochter „tarro“-Wurzel und rohem Fisch. Die Gesellschaft
lagert im Kreise um das Gedeck und Jeder fährt mit einem, oder
zwei, drei auch vier Fingern, je nach seinem Hunger in die sogen.
„poi“-Schüssel; mit einer kleinen Drehung derselben umwickelt er
die Finger mit dem „poi“ und bringt sie alsdann in seinen zierlich
geöffneten Mund. Dann folgt Lecken der Finger mit schnalzender
Begleitung; hin und wieder wird etwas vom Fleisch, etwas vom Fisch,
etwas vom „tarro“ gerissen und genascht. Alsdann kehren die Finger
wieder in den kleistrigen „poi“ u. s. w.

Während des Essens wird viel laut geredet, gelacht und gescherzt und
das, je gesättigter, desto lauter und in rascherem Tempo.

Zum Schluss folgt gewöhnlich ein Schluck Wasser, hin und wieder auch
Thee oder Kaffee. Dem folgt das gründliche Waschen der Hände, das
Erheben von den Sitzen mit gewaltigem Magenaufstossen zum Zeichen der
Verdauung. Alles geschieht in heiterster Art und Weise und mit endlosen
charakteristischen Höflichkeitsverbeugungen.

Für den Ritt durch die Insel gab Lowell mir dieses Mal ein gutes Pferd.

Den 6. Juli um 5 Uhr nach einem kräftigen Frühstück war ich mit
leichtem Gepäck im Sattel, und frisch ging es im kurzen Galopp bergauf
nach Lehúa. Nach kurzem Abstecher bei Herrn Schulz ging’s weiter, bald
Trab, bald Galopp, bergauf, bergab durch die üppigen Zuckerplantagen
Lehúas, bei festem, gutem Wege, dann durch den „Honomaúluú-Fluss“ an
der neuen „Lehúa“-Zuckermühle vorbei, dem schäumenden Strande zu. Dann
folgt links ödes und wild durchworfenes Gebirge, rechts bald nah, bald
fern der wogende Ocean.

Intensive Sonnenstrahlen, Schauer, Spritzregen und Regenbogen waren
in beständigem Wechsel und trotz Regen wirbelte unaufhörlicher Staub.
Die Vegetation war spärlich und höchst bemerkenswerth die Stille der
Natur, bis wir 7 engl. Meilen von Lehúa den Wailúa, den an Tiefe
bedeutendsten Fluss der Insel, erreichten. In der Nähe seiner Mündung
und breitesten Stelle derselben setzte uns für 5 cent. pro Pferd ein
gutes Floss über.

Das an der Mündung des Flusses in recht sumpfiger Umgebung liegende
kleine Dorf Wailúa mit seinen sehr interessanten Grashäusern war
in alter Zeit der Sitz der Königin Kapúle, des lieblichen Weibes
des letzten Königs der Insel, des traditionell bekannten, in meinem
geschichtlichen Theil erwähnten Kaúmuálii, der im Kampfe gegen
Kamehámehá I. gefallen war. Die Königin Kapúle ist die in unserer
Theaterwelt bekannte „Deborah“. --

Von Wailúa links in das schmale Thal einkehrend, dem Fluss aufwärts
folgend, trifft man den schönen, ca. 200 Fuss hohen Sturz desselben,
den im Lande besungenen Wailúa-Sturz, dessen Umgebung -- gleich der
der ganzen Länge des Flusses mit Ausnahme seiner Mündung -- eine
an Vegetation üppige zu nennen ist. Umringt von wilden Bananen,
Kaffeestauden mit ihren dunkelgrünen Blättern, Citronen- und
Orangenbäumen in vollster Frucht und Blüthe, dichten Gruppen des „hau“
(Hybisius tiliaceus), des „Kukúi“ (Aleorites triloba), Tamarinden,
Pandanen, hochwüchsiger Typhaceen mit ihren kriechenden Wurzelstöcken,
mannigfaltigster Form u. s. w. bietet kurz gesagt, eine Ueppigkeit und
Vielseitigkeit der Vegetation, die ihres gleichen sucht.

Vom Wasserfall zurückgekehrt, drei Meilen dem Strande entlang reitend,
erreichten wir das Dorf Kapaá, eine neue, in vollster Bearbeitung
begriffene Privatplantage des Königs Kalakaua, die unter der
umsichtigen Leitung des Herrn Lilikaláni steht und, da sie, wie gesagt,
neu angelegt, keiner andern Bemerkung bedarf als nur der, dass das zur
Bewässerung sehr geeignete Terrain und der humusreiche Boden derselben
unzweifelhaft günstiges Resultat erzielen wird, was übrigens schon das
stellenweise sichtliche Zuckerrohr in seiner Kraft und Ueppigkeit der
Farbe beweist.

Nach einer eiligen Kräftigung im chinesischen Restaurant und einem
kurzweiligen Besuche bei der liebenswürdigen Mrs. King, deren Mann
leider nicht zu Hause war, ritt ich, da Lowell hier blieb, allein
weiter.

Die folgenden 9 Meilen führte mich mein Weg links in das Gebirge,
beständig bergauf, bergab, mit hin und wieder bedeutenden Steigungen
und unter oftmaligem Durchreiten reissender Gewässer, bis ich das
Viehgut des Mr. E. Krull erreichte. -- Die auffallend dürre Zeit der
letzten Jahre hatte Futtermangel erzeugt. Die öden dürren Weidestrecken
boten nur spärlich Nahrung dem Vieh, so dass der Anblick der Heerden
ein deprimirender war. Freilich war nach dem verflossenen, besonders
trocken gewesenen Jahre im Allgemeinen kein richtiges Urtheil über die
Ertragfähigkeit der Weiden zu fällen, doch gewinnt man die vollste
Ueberzeugung, dass durch übertriebene Entholzung der Gegend die
herrschende Dürre -- wenn auch nicht durch dieselbe entstanden, --
so doch unzweifelhaft befördert worden ist und dass auch in Jahren
häufigerer Niederschläge der Graswuchs nur theilweise und zwar nur
stellenweise üppig sein kann, im Allgemeinen aber das Gras, gleich wie
alle andern Gewächse der freien Natur -- abgesehen von der unsinnigen
Entholzung des Landes -- den Charakter vulkanischer Länder trägt, d. h.
der des krüppligen, niedrigen Wuchses auf den Hügeln und Höhen, den der
vollständigen und üppigen Vegetation in den verhältnissmässig kurzen,
schmalen, aber tiefen und feuchten Lagen der Gegend.

Daher bin ich der festen Ueberzeugung, dass hier, im Kleinen betrieben,
die Viehzucht günstig dem Lande, im Grossen jedoch dieselbe im höchsten
Grade schädlich und gefährlich werden kann.

Von E. Krull’s Besitzung bei -- nach zurückgelegten vier Meilen --
zunehmender Steigung lag rechts am Ufer des Oceans, tief unter mir der
kleine Ort Moloá mit schmuckem, blendend weissem Kirchlein. Ueber die
tiefe Schlucht hinweg, mir gegenüber, lag ein Schlachthaus, in dessen
unmittelbarer Nähe zu meinem grossen Erstaunen und meiner Freude einmal
wieder ein recht üppiger und gut erhaltener Wald zu sehen war.

Ein Schwindel erregender, schmaler, höchst beschwerlicher Pfad
führte mich mit bedeutendem Umritt zum Schlachthaus. Das Bild der
Verlassenheit, die leblose Stille desselben in Mitte unzähliger Schädel
und Knochen machten mich glauben, dass ich meine Richtung verfehlt
hatte. Somit ritt ich zum Dorfe hinab, einen halsbrecherischen,
unbeschreiblich steilen Pfad, was mein wackeres Pferd mit erstaunlicher
Gewandtheit bewerkstelligte. Zu meinem Schrecken fand ich auch das
sumpfig liegende kleine Dorf in lebloser Stille, und nach Menschen
suchend, nahm ich durch Sumpf und Gräben meinen Weg und fand endlich
eine redende Seele, aber leider eine mir unverständliche. Durch Zeichen
und Gebärden gelang es mir, den Weg nach Pelaá, Herrn Bertelmann’s
Besitzung, zu erfahren und durch diese Nachricht die überraschende
Kunde zu erlangen, dass das leblose Schlachthaus von der wahrscheinlich
ebenfalls leblosen Besitzung des Herrn Bertelmann 100 Schritt entfernt
liegt und nur durch einen Ausläufer des dichten Waldes von derselben
getrennt sei.

Eine neue, breite und gute Fahrstrasse, obgleich etwas steil, führte
mich im Zickzack wieder auf die Höhe von 228 Fuss, zum Schlachthaus,
und um 4 Uhr erreichte ich das liebliche, im duftigen Walde gesund
gelegene Haus des Herrn Bertelmann, den ich leider nicht zu Hause
traf. Seine liebenswürdige Frau jedoch empfing mich und forderte
mich gastlich auf, die Nacht in ihrem Hause zu bleiben. Bald kehrte
auch Herr Bertelmann heim und zwar in Begleitung des katholischen
Geistlichen aus Moloá, dem Pater Sylvester, einem Belgier. Wir
unterhielten uns höchst gemüthlich bis 11 in die Nacht hinein, und Herr
Bertelmann fand meine früher ausgesprochene Ansicht über den Betrieb
der Viehzucht im Kleinen oder Grossen, nicht nur für diese Insel,
sondern für das ganze Inselreich für richtig. Bei schönem Mondlicht und
der hier so auffallenden Stille, sogar der nächtlichen Natur, kehrte
der geistreiche Pater in sein Thal zurück, und ich begab mich in das
mir angewiesene, nach dem ermüdenden Ritte höchst willkommene Bett.

Nach einer köstlich vollbrachten Nacht erwachte ich den 7. Juli
Morgens, einem Sonntag. Nach dem Frühstück liess ich satteln und ritt
um 10 Uhr, nachdem mich Bertelmann aufgefordert, ihn nach meiner
Rückkehr zu besuchen, in scharfem Tempo ab.

Mein Weg führte mich durch krüppeliges Gehölz eines höchst verworrenen
Waldes Kilauéa, der grossen Plantage des Herrn Titcomb zu, die 228
Fuss über dem Meeresspiegel liegt. Die Umgebung des Weges, der fast
beständig sich bergauf bergab hinzieht, besteht aus vollständig
grasloser Weide, auf der jammervoll magere Viehheerden zu sehen sind.

Wie sehr die Dürren der letzten Jahre gewirkt, beweisen die Verluste
Bertelmann’s, der in diesem Jahre durchschnittlich 27 Stück Grossvieh
wöchentlich verlor. Die Zahl seines damaligen Verlustes betrug 320
Stück, und zu bemerken ist, dass es im gleiche Massstabe allen übrigen
hiesigen Viehzüchtern erging.

Von Moloá bis Kiloéa ist ungeachtet der dürren Weidestrecken die Gegend
wild-pittoresk. Rechts in der Entfernung ist die Sicht des rauschenden
Oceans; links krüppelige, meist niedrige, an mannigfaltigsten Früchten
reiche Bäume des Waldes; in den Tiefen des Gebirges zahlreiche,
absonderlich geformte, kahle Höhen, üppige Schluchten, Kesselthäler,
Engthäler und zahlreiche Wasserfälle, die glitzernd gleich einem
Silberband von der Höhe niederziehend etwas Leben den dürren, öden,
steilen Abhängen geben und das Gebirge charakterisiren.

Ich liess -- da Sonntag -- die Plantage rechts in der weitsichtigen
Fläche liegen, ohne daselbst einen Besuch zu machen und ritt der 6
Meilen entfernten Plantage des Hanaléi-Thales zu. Es folgt links
die romantische Sicht des an Wasserfällen und Wald ziemlich reichen
Kahiliwaí-Thales. Der Wald besteht nur aus niedrigem „kauhála“ und hin
und wieder aus demselben hervorragend dem „hau“, „kukuï“, als auch
hin und wieder Sandelbäumen, die jedoch meist krüppelig und selten
erscheinen.

Nachdem ich 4 Meilen zurückgelegt und eine verhältnissmässig günstige
Grasfläche traf, so liess ich mein Pferd, da es vergangene Nacht wenig
Futter gehabt, zwei Stunden grasen und streckte mich selbst in das
nichts weniger als weiche Gras.

Als ich wieder aufbrach, entfaltete sich bald vor mir der Ocean; links
tauchten üppige Zuckerrohrfelder aus dem Thale hervor und wie ich die
höchste Höhe des Hochplateaus erreichte, lag unmittelbar vor mir das
Haus des Mr. Hackfield und unter mir in einer Thalschlucht die reizende
Bai von Hanalei, in welche sich der tiefe, durch das „Hanalei“-Thal
und dessen üppige Zuckerrohrfelder lieblich sich schlängelnde und in
der Nähe seiner Mündung stark austretende „Hanalei“-Fluss ergiesst.
Unmittelbar an der Mündung, d. h. auf dem durch die überschwemmende
Mündung gebildeten Delta liegt das kleine unzusammenhängende Dorf
Hanalei. -- Im Thale selbst, glatt an der Bergwand, auf deren
Plateau ich mich befinde, liegen romantisch die Gebäude der reichen
„Princewille“-Plantage im üppigsten Grün schattiger Bäume.

Diese Plantage ist von R. C. Wyllie gegründet worden und ist Dank
ihrer günstigen Lage, ihrem Wasserreichthum und auffallender Weise
durch häufigeren Regen die vortrefflichste und ertragreichste
des Inselreiches. Einen Uebelstand derselben bilden die häufigen
Ueberschwemmungen des reissenden Hanalei.

Von Lehúa bis Hanalei war der höchste Punkt des Weges 450′ über dem
Meeresspiegel.

Nachdem ich kurzweilig die schöne Sicht genossen, kehrte ich um
und ritt der glücklich gefundenen Stelle einen höchst praktischen,
jedoch steilen, schmalen Zickzack-Weg zur Plantage hinab, die circa
52′ über dem Niveau des Thales, umgeben von schönen und schattigen
Bäumen, liegt. Magnolien -- unter denen auch die Magnolia grandiflora
-- reichtragende Orangen-, Pomeranzen-, Citronen-, Pfirsich-,
Aprikosen-, Oliven-, Mandeln-, gewaltige Mango-Bäume, Reben mit den
verschiedenfarbigsten Trauben, Ananas, stämmige und sich schlingende
Rosen, Erdbeeren, eine reiche Mannigfaltigkeit zierlicher Blumen,
hochwüchsige Rohrpflanzen und Blattstauden zieren im üppigsten
Durcheinander duftend die Umgebung des Wohnhauses. Vom Wohnhause aus
entfaltet sich höchst praktisch für die Verwaltung der Plantage die
volle Sicht des ganzen Thales, welches mit Ausnahme der Seeseite von
vulkanisch wild zerworfenen, meist öden und dürren, jedoch an Färbung
reichem, waldlosen Gebirge umschlossen ist.

Das Thal ist ein überaus üppiges und schönes, in welchem sich
gemüthlich leben lässt und wo ein nach Ruhe sich Sehnender ein
idyllisches und, wenn er will, zugleich thätiges und dem Lande Nutzen
bringendes Heim sich gründen kann. Leider ist dieses Thal klein
und untheilbar und glaube ich, dass kein zweites ihm ähnliches im
Inselreiche zu finden ist. Viele Jahre hat der jetzt verstorbene Mr.
Wyllie gebraucht und vieles Geld verbraucht, um dieses sein Kleinod zu
seiner jetzigen Gestalt und seinem jetzigen Werthe zu erheben.

Um 3 Uhr hielt ich vor der Pforte des Hauses, wo eine zahlreiche
Gesellschaft versammelt war. Ich band mein Pferd an den Zaun, trat ein,
stellte mich vor und erhielt sofort von Herrn Konrad, Oberinspektor der
Plantage, ein Zimmer und die Einladung, einige Tage bei ihm zu bleiben.
Während ich mich säuberte, erhielt ich den Besuch des Oberzuckerkochers
Herrn C. Killing, den ich aus Honolulu her kannte und der die weitere
Versorgung meines Pferdes freundlichst übernahm.

Die Frau Konrad ist eine gebildete, liebenswürdige Kanakin, er ist ein
Deutscher sowie auch seine Beamten meist Deutsche, daher verbrachte
ich einen höchst gemüthlichen Abend auf der Veranda bei erfrischendem
Getränk im hellen Mondlicht und erquickender Brise. Hin und wieder fiel
ein kurzweiliger Strichregen, der hier so üblich sein soll, dass die
Bewohner der Plantage denselben kaum mehr bemerken.

Den folgenden Tag, den 8. Juli, wanderte ich frühzeitig hinaus und
folgte dem sich schlängelnden Fluss durch die üppigen Zuckerrohrfelder,
besuchte den 3 Meilen von der Plantage entfernt wohnenden Missionär Mr.
Johnson, dessen Kirche und Haus am Flusse, umgeben von einem Garten,
gelegen. Ich fand nur die Damen zu Hause und wurde aufgefordert,
wiederzukommen. Als ich zur Plantage zurückkehrte, nahm ich meinen Weg
über das Schlachthaus derselben, wo ich Herrn Bertelmann in vollster
Beschäftigung Ochsen zu schlachten, fand -- eine Thätigkeit, die die
ganze Gegend seiner zu diesem Geschäfte kunstvollen Hand übergeben
hatte.

Den Abend besuchte ich den 3 Meilen von der Plantage auf dem Plateau
wohnhaften Mr. Hackfield. Es war dasselbe Haus, dessen ich auf meinem
Herritte erwähnte und mir vom Plateau aus nahe erschien; dasselbe war
jedoch durch eine tiefe Schlucht von mir getrennt und es erforderte
einen bedeutenden Umweg, um das Haus zu erreichen.

Die Behausung liegt, wie gesagt, auf einem Berge mit prachtvoller
Sicht auf den Ocean und das üppige Thal. Sie ist umgeben von alten,
höchst schattigen Bäumen. Das Wohnhaus ist gross, einstöckig, aus Holz
erbaut, mit Schindeln gedeckt, sehr geräumig, aber niedrig. Die Räume
des Hauses sind ohne Möbel, nur ein grosser Schaukelstuhl war zu sehen.
Der Boden der Räume ist reichhaltig mit doppelten, auch dreifachen
Matten belegt. Die Matten sind zierlich in bunten Mustern aus den
Fasern der Pandane geflochten. Auf diesen Matten wird geschlafen,
gespeist, geliebt, geschnattert, geklatscht, gelacht und auf dem Bauche
liegend die höchst saftige Pfeife geraucht. Die meisten Frauen und
Männer rauchen hier im Lande. Gewöhnlich geht die Pfeife im Kreise
von Mund zu Mund. Diese Pfeife ist gewöhnlich kurz und klein und oft
auffallend saftig glänzend und schmierig. Der gerauchte Tabak ist meist
einheimischer, der aromatisch, kräftig und wohlschmeckend ist.

Bei meinem Erscheinen wurde mir erst der Schaukelstuhl als Ehrensitz
angeboten, den ich aber bald mit dem auf der Matte tauschte, da die
stark im Hause vertretenen Frauen auf derselben sich niedergelassen
und mir das Niederreden von der Höhe ungemüthlich und unpassend
vorkam. Die Kleidung dieser Frauen wie allgemein im Lande bestand aus
einer in langer Schleppe ausartenden Kapotte aus farbigem Zeuge und
ohne Taille, d. h. von den Schultern breit niederfallend und hoch
bis an den Hals ragend. Der Hals war zierlich geschmückt mit aus
duftigen natürlichen Blumen kunstvoll und farbenreich verfertigten
Ketten, die auffallend kunstvoll, stark und dabei zierlich gearbeitet
sind. Die Verfertigung dieser Ketten bildet den Erwerb zahlreicher
Frauen dieses Landes. Auf dem an Haaren reichen Haupte, die meist
lose hängend getragen werden, haben sie im Freien stets, oft auch
im Zimmer, unter dem Kinn befestigt, einen flachen, sehr breiten,
einheimisch verfertigten Rohrhut, der ebenfalls mit natürlichen
oder auch in Folge des zunehmenden Importes mit künstlichen Blumen
in grellsten Farben, oft überladen geschmückt ist. Trotz dieser
Ueberfüllung steht aber die grelle Farbenpracht derselben vortrefflich
dem etwas dunklen Teint der Gesichter mit ihren grossen so glanzvollen
und so treuen, lieblich-weiblichen Augen der Kanakinnen. Das Auge
ist unwiderstreitlich die höchste Zierde ihres meist prachtvollen
Körperbaues, solange ihn nicht die hier herrschende Fettsucht
verunstaltet hat, und bildet den schönsten Theil ihrer mongolenartigen
Kopfbildung. -- Der so offenherzige Ausdruck ihres fast sprechenden
Auges, glaube ich, ist die Ursache der so auffallend vielfältigen Ehen
mit Europäern!

Meine Rückkehr nahm ich bergab durch das von der untergehenden Sonne
glänzend beleuchtete Thal, einem im Baue begriffenen neuen Wege folgend
und traf erst mit Beginn der Dunkelheit in der Plantage ein, wo man
mich mit dem Abendessen erwartete.

Die Lebensweise ist hier, wie auf allen Plantagen des Reiches, eine
höchst unruhige, d. h. Keiner hat Zeit. Von Sonnenaufgang bis zum
Sonnenuntergang herrscht rastloses Treiben zu Pferde und zwar oft
grundlos übertrieben, da eigentlich nicht viel zu thun ist.

Circa 200 Chinesen sind hier zur Arbeit angestellt und werden von den
Europäern fast sklavenartig behandelt. Auch regt sich besonders hier
eine merkliche Unzufriedenheit unter jenen gegen die Europäer, die
gegen die arbeitsame, in das Land durch Versprechungen gelockte Nation
oft grenzenlos ungerecht, gehässig und brutal sich benehmen.

Bemerkenswerth ist die aus Kalifornien hierher gebrachte grundlose
Gehässigkeit, deren Ursache nur in der Eifersucht liegt. Sie sehen,
dass der Chinese thätig, gewandt, ausdauernd und vernünftig, --
wenngleich mehr Zeit gebrauchend -- jede Arbeit gleich gut und für den
halben Preis zu liefern im Stande ist, dass derselbe treu in seinen
nationalen Gewohnheiten, nüchtern und einfach im Aberglauben seiner
Tradition unter ihnen weiterlebt und trotz der auf ihn ausgeübten
Unterdrückung und gesellschaftlichen Verachtung, reich wird: und das
ist es, was sie ihm nicht verzeihen können.

Es ist nicht zu leugnen, dass alle Elemente dieser Plantage einer
pflichttreuen, rastlosen Thätigkeit sich rühmen können, zugleich aber
auch die ausgeartetste Rohheit und Bildungslosigkeit beweisen. Ein
jedes Glied derselben, d. h. vom Europäer gesprochen, ist hier im
richtigsten Sinne des Wortes ein kleiner Despot, der aber zugleich als
Mann der Freiheit des Sozialismus sich rühmt. Die meisten derselben
sind an einheimische Frauen verheirathet, daher ist ihre Häuslichkeit
höchst gemischten Charakters, d. h. so zu sagen Bier oder Porter zum
einheimischen „poi“ gepaart. Die Sprösslinge dieser Paarung werden
meist unter dem wirksamen Einflusse der Mutter und den mystischen
Legenden und Ueberlieferungen des Landes einheimisch-national erzogen.
Die etwas thierisch sinnliche Tendenz der Nation, ihre eigenthümlichen
traditionellen Gewohnheiten und Gebräuche als z. B. in der Kleidung,
der Art des Speisens, der des Wohnens, ihren Liebesbezeugungen u. s. w.
üben einen derartigen Reiz auf die Jugend und auf die Ausbildung ihres
Charakters, dass man oft gerade unter diesen die schroffsten Nationalen
trifft.

Um 8 Uhr ist gewöhnlich die Zeit, wo alles sich hier zur Ruhe begiebt;
somit zog auch ich mich -- da ich andern Tages früh wieder aufbrechen
wollte -- von meinem liebenswürdigen Wirthe auf das herzlichste mich
verabschiedend auf mein Zimmer zurück.

Was die Rentabilität der Zuckerplantagen des Inselreiches anbelangt,
so meinte der in dieser Branche höchst unterrichtete Herr Konrad, dass
eine bedeutende zu erzielen wäre, wenn man im Stande ist, mit eigenem
und zwar genügendem Kapital zu beginnen. Auf Schuld, meinte er jedoch,
so glanzvoll sich auch die Berechnungen herausstellen würden, sei jedes
solches Unternehmen zu widerrathen, da, abgesehen davon, dass hier
40-50 Procent für aufzunehmendes Kapital gefordert werden, Kapitalien
überhaupt schwer im Lande zu beschaffen sind. Wenn man aber mit eigenem
und genügendem Kapital, ohne Schulden zu machen, beginnt, so würde
folgendes Resultat sich herausstellen:

  A. ~Vorausgesetzt~, dass eine Arena von 500 amer. Acker
                      pro Acker 100 Dollar gekauft und
                      baar bezahlt worden =               50,000 Dollar.
                      Das Inventar, Maschinen,
                      Baulichkeiten etc. =                50,000   „
                                                       -----------------
                                reiner Kapitalwerth    = 100,000 Dollar.

  B. ~Vorausgesetzt~  a) Kapitalwerth 100,000 Doll.
                         à 12% jährlich, beträgt
                         eine jährliche Auslage
                         von                      12,000 Dollar
                      b) jährliche Amortisations-
                         Summe                    10,000   „
                      c) Arbeiterlohn, Transporte,
                         Reparaturen etc.         50,000   „
                                                  ----------------
                  incl. der Amortisation pro anno 72,000 Dollar Ausgabe.

  C. ~Vorausgesetzt~  1) Vom Acker die Minimal-Ernte
                         von 1-1/2 Tonnen Zucker à 5 cent
                         pro amer. Pfund, macht für 500
                         Acker (die Tonne à 3200 amer.
                         Pfund) jährlich eine Brutto-
                         Einnahme von                     82,500 Dollar
                         Die sub B genannte Ausgabe ab    72,000 „
                                                       -----------------
                                pro anno Netto-Gewinn     10,500 Dollar.
                      2) Vom Acker die gewöhnliche Ernte
                         von 2 Tonnen Zucker à 5 cent
                         pro amer. Pfund macht für 500
                         Acker (die Tonne à 3200 amer.
                         Pfund) jährlich eine Brutto-
                         Einnahme von                    110,000 Dollar
                         Die sub B benannte Ausgabe ab    72,000   „
                                                       -----------------
                                 pro anno Netto-Gewinn    38,000 Dollar.

  NB. Zu bemerken ist, dass jährlich eine Amortisation von 10,000
  Dollar abgeht, demnach jährlich die Einnahme progressiv steigt. --
  Die Tilgung des Kapitals findet in 10 Jahren statt. --

Den 9. Juli um 5 Uhr in der Frühe war ich im Sattel. Mein Pferd in
Folge der grasreichen Weide munter und muthig. Ein Floss setzte uns
über den Hanalei. Dann folgte ich dem Flusse abwärts in dem bei den
hiesigen Pferden so eigenthümlichen, sehr bequemen Pass-Galopp, an
der Behausung Johnson’s vorbei, dann bergauf, bergab bei prachtvoll
sich entfaltenden Gebirgsscenerien durch üppige Schluchten, zahlreiche
reissende Bäche und zahlreiche Wasserfälle. Stellenweise in Sicht des
von der Sonne glänzend beleuchteten Oceans erreichte ich das tief
in das Gebirge ziehende, an Vegetation üppige Waióli-Thal, welches
die grosse Reisplantage des reichen Chinesen „Afong“ mit gediegenen
chinesischen Bewässerungseinrichtungen einnimmt und die vollste
Beachtung verdient.

Das Thal quer durchritten, führte mich ein sehr schmaler Geröllweg oft
so nahe an den Ocean, dass die heftig schäumende Brandung desselben mir
das Gesicht netzte und ich oft links hart der steilen Felswand entlang
durch die Brandung hindurch reiten musste, bis ich Naue, die Behausung
des Herrn Robinson, 10 Meilen von Honalei erreichte (gerechnet werden
10 Meilen, sicher aber sind es 12, da ich bei ziemlich scharfem Ritte
fast 2 Stunden gebraucht hatte).

In vielen Zeiten des Jahres, namentlich wenn der heftige Südsturm,
der „Kona“, herrscht, soll Herr Robinson nicht zu erreichen und ihm
jegliche Verbindung mit der Insel genommen sein, da er von einer
steilen Felswand vollständig umschlossen ist.

In einer kleinen grasreichen Fläche liegt sein Haus, welches
mittelgross, in echt nationalem Stile erbaut ist. Die Wände desselben
bestehen aus einem doppelten, sehr festen Grasgeflecht, desgleichen
auch das Dach. Diese Grasbedeckung vereitelt jede durchdringende
Wirkung der Sonnenstrahlen und des Regens und ist von einer
ausserordentlichen Dauerhaftigkeit. Das Haus hat keine Oberlage und
ist in drei überaus kühle Räume durch Matten getheilt. Diese Räume
haben keine Möbel; an deren Stelle bedecken den Boden saubere, in
buntesten Mustern geflochtene Matten, die in mehreren Ueberlagen eine
höchst bequeme Ruhestätte bieten und auf welchen zahlreiche Kissen zur
Bequemlichkeit und viele leere und gefüllte Flaschen mit Branntwein
(„Gin“ und „Whisky“) und Hopfenbier zerstreut umher liegen.

Bei meiner Ankunft wurde ich vom Besitzer und seiner etwas
dunkelfarbigen, doch höchst liebenswürdigen Frau freundlichst
aufgenommen und sofort mit gutem „Whisky“, sehr bitterm Hopfenbier und
Zwieback bewirthet.

Nach kurzweiliger Stärkung und Rast bestieg ich mein Pferd und ritt
einen unbeschreiblich beschwerlichen Weg zu den Grotten von Haéna, die
an der nordöstlichen Spitze der Insel gelegen.

Der Grotten sind drei: Sie liegen am Fusse eines circa 2500 Fuss hohen
Abhanges mit einem einzigen Eingang, der 12 Fuss breit. Stalaktitartige
Säulen ziehen sich von circa 20 Fuss Höhe bis fast zum Boden, gleich
als ob sie die natürliche Form der Kuppel tragen würden.

Die erste Grotte ist circa 200 Fuss im Quadrat. Von dieser Grotte
aus führt rechts eine offene Spalte in die zweite und zwar grössere
Grotte, die man nur in einem kleinen „Káno“ besuchen kann. Diese
zweite Grotte ist das sogenannte Bassin der „Wa-i-aka-a-lúa“ (Wasser
der Schrecken). Mit einiger Mühe könnte man zu Fuss die Umfassung
des Bassins umklettern, doch ist dieses nicht rathsam, da die Steine
glatt und das Wasser eine Tiefe von 100 Fuss haben soll. Demungeachtet
versuchte ich es dennoch, kam aber eiligst von meinem Vorhaben zurück,
da mir die Glätte und ein ganz sonderbares Gefühl von Lebendigkeit
der Steine höchst zuwider wurde. Die Farbe des Wassers ist auffallend
klar und durchsichtig. Beim Hineinwerfen eines kleinen Steines ist
es stark, ohne jegliches Hineinwerfen schwach phosphorescirend. Von
dieser Grotte begiebt man sich -- und das ist nur im „Káno“ möglich
-- bei verhältnissmässig angenehmer Atmosphäre, durch eine vulkanisch
geformte Arche in die dritte Grotte, die die grösste ist. Hier ist
das Wasser unermesslich tief und weniger klar. In demselben zeigen
sich unheimlich hin und her langsam auf und ab sich bewegende,
schwefelfarbige Gewächse. Die gigante Kuppel, die die hohe Decke der
Grotte bildet, giebt einen für den geringsten Laut überraschenden
Widerhall, da jeder Laut sich bedeutend stärker und intensiver
wiederholt. Dieser See heisst Wa-i-akána-lóa (Wasser der grossen
Verzweiflung).

Diese Grotten, die unmittelbar am See gelegen, sind unzweifelhaft die
Endpunkte uralter Lava oder vulkanischer Wassergänge, wie es ihrer
so viele neuerer Bildung im Inselreiche giebt, mit dem Unterschiede
nur, dass diese alter Bildung sind und durch langen Ruhestand zu
stalaktitartigen Ausbildungen Zeit gehabt haben.

Von hier nahm ich, wo es mein Weg nur irgend wie ermöglichte, im
raschesten Tempo meinen Weg nach Hanalei zurück. Recht hungrig hielt
ich vor der Thüre des Missionärs Johnson, in der Hoffnung, eine
materielle Stärkung bei ihm zu erhalten, da es hier keine Gasthäuser
oder Restaurationen giebt und ich den ganzen Tag, mit Ausnahme einiger
Zwiebacke, die ich bei Robinson erhalten, nichts genossen hatte.

Ich fand leider den ehrwürdigen Seelsorger nicht. Seine beiden Töchter
empfingen mich auf das Herzlichste. Nach kurzer Unterhaltung und
ohne jegliche Erfrischung brach ich auf, an der Plantage vorbei, den
Zick-Zack-Weg bergauf und im festen Galopp über Berg und Thal erreichte
ich die Plantage Kilauéa, wo ich -- da es schon 5 Uhr Abends war und
ich demnach fast 12 Stunden mit wenigen Unterbrechungen im Sattel
gewesen und mein Pferd, das nur kurzweilig bei Robinson gegrast hatte,
von der Parforcetour von mindestens 40 guten englischen Meilen ermattet
war -- um Einkehr bitten wollte. Zufällig traf ich den rothäugigen,
kleinen, kräftigen Mr. Chs. Titcomb auf dem Felde und trug ihm sofort
mein Anliegen vor. Zu meinem grossen Erstaunen schlug er mir meine
Bitte kurz und bündig ab und rieth mir, zur Nacht nach Moloá zu seinem
Schwiegersohn Bertelmann zu reiten. Da zufälliger Weise derselbe im
hiesigen Schlachthause sein sollte, so ritt ich dahin und wurde nach
herzlicher Begrüssung nach Moloá zur Nacht eingeladen, wo ich um 7 Uhr
eintraf und wo zu meiner Verwunderung Bertelmann, der mit besserem und
frischerem Pferde geritten war, mich schon längst erwartete.

Den Abend plauderten wir noch lange über die günstigen Verhältnisse
des Landes, die zunehmende Sterblichkeit des Viehes, das alljährliche
Abnehmen des Grases, die abnorme Sterblichkeit der Eingeborenen,
über Herrn Titcomb, über Frau Bertelmann’s rheumatische Leiden,
über Deutschlands Einigkeit, die allgemeine stete Uneinigkeit, über
chinesische Kulis und die der Südsee-Inseln, über Himmel, Sterne
und Kometen, über die Verwüstung der Waldungen, über vulkanische
Eruptionen, über Schlachtmesser, über die Liebe und über Schleifsteine
-- kurz gesagt: an Vielseitigkeit der Gedanken fehlte es nicht, auch
nicht an Humor, obgleich wir beide viel harte Sorgen und Schläge des
Schicksals im Leben getragen hatten und noch zu tragen haben.

Herr Chs. Titcomb, der so unerwartet und so gegen die hiesige
Üblichkeit mir ein Obdach versagt hatte, ist jedoch eine so merkwürdige
Persönlichkeit und charakterisirt derartig die in dem Inselreiche sich
niedergelassenen Europäer, dass es von Interesse ist, diesen Mann und
seine thätige Laufbahn im Lande zu beschreiben.

Mr. Chs. Titcomb ist Engländer von Geburt, Engländer im Charakter und
Engländer in seinem ganzen Wesen, d. h. im Allgemeinen kalt, barsch
und unfreundlich; geschäftlich kurz, bündig und klar; in seinem
Wirkungskreise tüchtig und energisch.

Als er in das Land kam, richtete er mit wenig Mitteln im Kleinen eine
Seidenraupenzucht im Thale von Hanalei ein. Die Maulbeerbaum-Anlage
derselben kam vortrefflich fort. Auf sichere und reiche Erträge
rechnend, verschrieb er aus China und Japan die besten Puppen. Im
Besitze gut ventilirter grosser Räumlichkeiten und von Allem, was zur
Beförderung des Unternehmens erforderlich war, schien es unzweifelhaft,
dass sein Unternehmen gleichwie es im Kleinen gewesen, auch im Grossen
günstige Resultate aufweisen würde. Es fehlte ihm jedoch die richtige
Arbeitskraft, d. h. in derselben das Verständniss, die Ehrlichkeit und
der Fleiss. Die Indolenz der Kanaken brachte ihn fast aus der Fassung;
er gab den Gebrauch der Männer auf, benutzte nur Frauen, und es ging
besser: er erzielte Cocons vorzüglicher Qualität.

Das Beispiel wirkte und bald legten sich diese bei ihm arbeitenden
Frauen, bald auch andere bei sich zu Hause im Kleinen auf die ihnen
sehr zusprechende Raupenzucht mit auffallendem Gelingen, sodass der
sichere Glaube erwachte, dass durch diese Industrie bald dem ganzen
Lande eine glänzende Zukunft eröffnet werden würde, da die klimatischen
Verhältnisse, der fruchtbare Boden unzweifelhaft, wie es Titcomb
bewiesen, die Entwicklung dieser Industrie begünstigen.

Die Seidenraupe erfordert bekanntlich eine ununterbrochen pünktliche,
sorgfältige Pflege und Aufsicht, und gleich jedem lebenden Wesen
keine sonntägliche Ausnahme in der Ernährung. Die sonntäglich sich
wohlnährenden Herren Missionäre waren jedoch anderer Ansicht; sie
erzwangen durch ihren damaligen bedeutenden Einfluss von der Regierung
ein Gesetz, durch welches jede Arbeit am Sonntag gegen harte Strafe
verboten wurde. Dieses soll, wie man sagt, eine kleine Rache gegen den
nicht genügend kirchlich gestimmten Titcomb gewesen sein.

Natürlich konnte Titcomb diesem Gesetze keine vollständige Folge
leisten; er zahlte die erhobenen Strafen ohne Widersetzung, blieb aber
nothgedrungen dabei, an Sonntagen seinen sich bedeutend vermehrenden
Raupen das erforderliche Futter reichen zu lassen bis endlich die
erzürnten Missionäre -- da sie die Fruchtlosigkeit ihrer Rache gegen
Titcomb sahen -- auf den Gedanken kamen, den Frauen das Erscheinen zur
Fütterung der Raupen am Sonntag auf ihr Seelenheil hin von der Kanzel
aus zu verbieten. Die abergläubischen Leute glaubten der Drohung und in
Folge ihres Ausbleibens kamen eine Unmasse Raupen um.

Titcomb war ruinirt, es blieben ihm jedoch treu die Eigenschaften
seiner Nationalität: der Stolz, der Muth, die Hartnäckigkeit und die
Ausdauer.

Mit erneuerter Energie legte er sich auf den hier so leichten und dabei
rentablen Kaffeeanbau, eine Pflanze, bei der die sonntägliche Ruhe und
Rast ohne Schaden beobachtet werden konnte. Durch Umsicht und rastlosen
Fleiss gelang es ihm, in Verbindung mit einer damals günstigen
Viehzucht ein wohlhabender Mann zu werden, und ist er augenblicklich im
Begriff aus Kiloéa eine rentable Zuckerplantage zu creiren.

Der Insel war freilich durch diesen kleinlichen Neid der Missionäre
und einer gewissen Kurzsichtigkeit der Regierung das Aufblühen einer
ihr gewinnreichen Industrie -- die wahrscheinlich sich über das ganze
Inselreich verbreitet hätte -- im Keime erstickt worden. Doch glaube
ich fest, dass noch einmal die Seidenraupenzucht im Inselreiche wieder
eingeführt werden wird, da der Boden und die klimatischen Verhältnisse
desselben das günstige Gedeihen des Maulbeerbaumes fördern, und die
Nation für die Seidenraupenzucht ihrem Charakter nach höchst geeignet
ist.

Den 10. Juli um 8 Uhr Morgens verliess ich die lieben Bertelmann’s und
eilte im nationalen „Pass-Galopp“, ohne mich auf dem Wege aufzuhalten,
zurück nach Lehúa, wo ich um 11 eintraf.

Der Dampfer „Kilauéa“ sollte am selbigen Tage um 4 Uhr von Kolóa nach
Honolulu abgehen, und da ich die Gelegenheit benutzen wollte, mein
Pferd aber 26 engl. Meilen in 3 Stunden gemacht hatte und ermüdet war,
so ritt ich noch zwei Meilen hinab, nach Navillivilli, zahlte Lowell
für meinen Ritt durch die Insel 13 Dollar und erhielt ein frisches,
sehr rasches Pferd für die 12 engl. Meilen weite Strecke nach Kolóa,
die ich dann auch im gestreckten Galopp in einer Stunde zurücklegte.
Um 1 Uhr verliess ich Navillivilli, um 2 war ich am Hafen von Kolóa,
um 4 auf der Kiloéa, und um 5 steuerten wir in die sehr wilde See.
In der Insel Kauai -- dank dem über die verhärtete Lavamasse dick
gelagerten Humus, dank dem im Verhältniss zu den anderen Inseln
grösseren Reichthum an Bächen und Flüssen und an günstig gelegenen
Thälern, deren Fruchtbarkeit eine wuchernde ist, dank dem hier früheren
Erlöschen gewaltiger Krater, wodurch dem Boden eine längere Ruhe zur
Bildung der hier so üppigen subtropischen Vegetation geboten war, --
ist die Flora und namentlich die Mannigfaltigkeit der Blüthen derselben
eine bemerkenswerthe.

Der erste Eindruck der Insel bei der Landung ist, wie schon früher
erwähnt, der einer wilden, wüsten, vulkanischen, unwirthlichen. Es
umgiebt dieselbe eine steile, von alten Lavaausflüssen oder heftiger
Brandung ausgehöhlte Felsenküste, die in ihrer Farbe düster, in ihrer
Form scharf durchlöchert und rauh, oder aber gerundet ist, wo der
Einfluss der Woge gewirkt. Die Umgebung dieser Küste bilden zahlreiche
schwarze Riffe, die finster drohend aus dem hier stets unruhigen
Ocean meist konisch hervorragen. Unzählige kleine seichte Buchten,
Einschnitte, Landvorsprünge, die, entblösst von jeglicher Vegetation,
dürr und kahl sind, bilden das starre Ufer, welches der Engländer so
charakteristisch „the iron bound coast“ benennt.

Ein gleiches Bild entfaltet der ganze Kreis der Küste der Insel;
hauptsächlich jedoch ist es der Charakter von Kolóa. Hier ist die
Landung nicht nur beschwerlich, sondern oft unmöglich, da entweder das
Wasser zu seicht, wenn der Wind vom Lande weht, oder aber zu unruhig,
wenn der Wind vom Ocean, der „Kona“, herrscht. Es soll oft vorkommen,
dass Schiffe kurz vor Kolóa gezwungen sind, ohne zu landen nach
Honolulu zurückzukehren, um eine günstigere Zeit zu erwarten.

Die Insel Kauai bildet das nordöstliche Ende des Hawai-Archipels. Die
Entfernung von Honolulu wird auf 110 Meilen gerechnet. Die heftige
Strömung des Kanals ist die Ursache, dass Segelschiffe 28 Stunden zur
Ueberfahrt gebrauchen, und sollen Fälle gewesen sein, wo letztere 7-8
Tage erfordert hat.

Nach einem sehr guten Mittag und einer Unterhaltung mit dem Kapitain,
einem auffallend dunkelfarbigen Europäer, über den saubern, netten
Dampfer, über die zahlreiche, höchst seekranke Gesellschaft, die meist
aus Kanaken, ihren Weibern und Kindern bestand, zog ich mich bei recht
stürmischer See in meine saubere Koie zurück, mit der Absicht, erst in
Honolulu zu erwachen.

Den 11. Juli um 6 Uhr Morgens lag vor uns die Küste von Oahú, die wir
auf Schussweite umfuhren. Sie ist ähnlich der von Kauai. Bald nach 6
die Sicht der glanzvollen Felsmasse des „Diamond-Head“, gleich darauf
die Honolulu’s und ihrer Bai, und nach 13stündiger Fahrt hielten wir
vor der Werfte des Dampfers.

Meine vor 11 Tagen verlassene Behausung fand ich in bester Ordnung und
viele Briefe vor. --

Nachdem ich mich 11 Tage in Honolulu erholt hatte, richtete ich
wiederum mein Sattelgepäck, da ich folgenden Tags aufbrechen wollte, um
die Inseln Maui und Hawaii zu besuchen. --




IV. Abtheilung.

Ausflug von Honolulu zur Insel Maui und Ritt durch dieselbe.


Den 23. Juli um 1/2-5 Abends begleiteten mich einige Freunde zu dem
von Passagieren überfüllten Regierungsdampfer, der „Likelike“, der
eigentlich eher ein grosser, ziemlich unsauberer Dampfkasten zu nennen
ist, der Alters wegen stets in Reparatur und ich glaube, nie wieder
in Stand gesetzt werden kann und ähnlich einem Greise ist, bei dem
die Wunden nicht mehr heilen wollen. Um 5 praecise ging der Dampfer
bei heftigem Winde, prachtvoller Beleuchtung der Insel und der Bai,
schwankend ab. Bei jedesmaliger Einfahrt in die Bai oder Ausfahrt
aus derselben fesselte meine vollste Aufmerksamkeit die sonderbar
contrastirende Konstellation derselben und ihres pompösen Hintergrundes.

Es verknüpft in dem sich hier entfaltenden Bilde die Natur gleichsam
zu einer eigenthümlichen Zeichnung, die die Resultate der regen
Thatkraft des Menschen mit drei deutlichen Produkten des vulkanischen
Grundelementes verbindet. Rechts am Ufer und quer der Länge nach durch
die ganze Insel in sanftem Bogen zieht sich ein Gebirge schroffer,
starrer, vulkanischer Felsmassen mit ihren charakteristischen
Aushöhlungen und napfartigen Vertiefungen alterloschner Krater.
Unmittelbar diesem Gebirge angrenzend zeigt sich die auf vulkanischem
Humus üppig entstandene Vegetation von Honolulu und die des Thales
von Nuúanú. Rechts von letzterem, längs einer starren, auffallend
glänzenden Felswand, bis dicht an den Ocean sich ziehend, erblickt
man die schlanken Stämme der den Strand und das Brackwasser liebenden
Cocus-Palmen, des lieblichen Haines von Waikiki mit dem so auffallenden
Abglanze der Sonne auf das frische Grün ihrer majestätisch gerichteten
Blätter und ihrer blendend weissen, weit in die Ferne glänzenden
Blüthenscheiden. Links von dem „Nuúanú“-Thale entfaltet sich eine
schattenlose, öde, von vulkanischem Lava- und Felsengeröll bedeckte
Ebene, die wild und unwirthlich bis an und in den brandenden und
schäumenden Ocean sich zieht. Nur hin und wieder ist diese Ebene und
zwar spärlich mit verkrüppeltem Gebüsch, Kräutern, Distelarten und
rauhen Gräsern bewachsen. In dieser unwirthlichen Ebene erscheint
gleich einer Oase eine neu angelegte chinesische Reisplantage im
üppigsten Grün als deutlicher Beweis, dass die Strecke mit ausdauerndem
Fleiss cultivirt werden kann.

Es ist demnach gleichsam das treue Bild der unmittelbaren Verknüpfung
von 3 Formationen des vulkanischen Grundelementes: der geognostischen,
der vegetabilischen und der des Ueberganges von einem zum andern. Das
Produkt der ersten trägt das Gepräge der unveränderlichen Starrheit,
das der zweiten das Gepräge der mächtigen Naturkräfte des organischen
Lebens und das der dritten endlich das Gepräge der Erweckung aus der
Starrheit zum wandelbaren organischen Leben durch die Kraft der Natur
und den Fleiss des Menschen. Kurz gesagt, vor uns liegt hier in kleinem
Raum zu einer Kette oder richtiger gesagt, zu einem Ringe mit der Tiefe
des gewaltigen Oceans geschlossen ein klares Bild der vulkanischen
Entwicklungskraft, d. h. der Entwicklung des vulkanischen Urelementes
in seiner starren Produktion und der der mächtigen organischen
Naturkraft mit Beihülfe des menschlichen Fleisses aus und auf einer
vulkanischen Grundlage, ein Bild der Produktion, des Entstehens des
grünenden organischen Lebens.

Nach einer recht stürmischen Fahrt hielten wir um zwei Uhr in der
Nacht vor dem lieblich gelegenen, von den Bergen eng umschlossenen
Hauptstädtchen der Insel Maui, dem saubern Lahaïna, und um 5 Uhr
landeten wir in der zugigen, unruhigen „Maalaéa“-Bai. Gelandet,
bestiegen wir einen offnen uralten Rüttelkasten, mit 2 Pferden
bespannt, den man Wagen nennen sollte, und auf fast spurlosem Wege
über Steingeröll, bald hügelauf, bald hügelab, durch Gräben, über
Wälle, gerüttelt und geschüttelt, jedoch in überraschend kurzer Zeit
erreichten wir das 5 englische Meilen von der Bai entfernte Städtchen
Waìlúku.

In der „Masonic-Hall“ fand ich, Dank meinem Reisebegleiter Mr. Bryant,
einem Freimaurer, in seinem Zimmer ziemlich gute Unterkunft. Mr.
Bryant, ein richtiger englischer Gentleman war aus Europa hierher mit
dem Vorhaben gekommen, sich anzukaufen, und mit Zuckerplantagen sein
Glück zu versuchen. Den nächsten Tag beschloss ich mit ihm einige
derselben zu besuchen.

Die Strecke vom Hafen bis Waìlúka ist die stürmische Sandfläche oder
dünenreiche Landenge Kóla -- eine schmale hügelige Fläche, die Ost-Maui
von West-Maui trennt und deren Lavageröllunterlage und dünenartige
Lavabildung der Oberfläche das treue Bild der Vereinigung von 2
vulkanischen Inseln durch gewaltige Lavaausströmungen gibt.

Die jetzt durch die Fläche von Kóla vereinigte Doppelinsel Maui
bestand früher aus 2 Inseln: 1) Der östlichen und grösseren mit ihrem
gewaltigen, breit bis an das Ufer auslaufenden 10,300 Fuss hohen,
öden, starren aber auffallend glänzenden Vulkan „Hale-a-Kála,“ dessen
Uferkante oder allmählich steigende an Schluchten reiche Sohle von
Zuckerrohr und Kaffeeplantagen fast rundherum besetzt ist, 2) der
westlichen, kleineren, sehr wild gebirgigen und an Zahl der Krater
reichen Insel, an deren westlicher Seite Lahaïna, der Sitz des
Gouverneurs von Maui und seiner Regierungsorgane liegt und wo der
romantische, in der hiesigen Geschichte berühmte „Wailuku“-Pass die
Stadt Wailuku resp. durch die Landenge von Kóla, Ost-Maui mit Lahaina
über Land verbindet und, wie man sagt, einen höchst beschwerlichen
jedoch interessanten, an Vegetation üppigen Weg bietet. Zu diesem
Pass führt der Weg durch das enge „Wailuku“-Thal, welches ein wilder
Gebirgsbach, der ursprüngliche Jao, jetzt Wailúku genannt, mit starken
Windungen seiner Bahn reissend durchzieht und der einen dem Lande
unvergesslichen geschichtlichen Ruf hat, da 1780 Kamehámehá I., der
Grosse, in diesem Engthal das tapfere Heer des Königs Kahekili von
Maui in einer blutigen Schlacht vernichtete. Seitdem wurde dem Flusse
der Name „Wai-lúku“ gegeben, d. h. „Wasser der Vernichtung.“ Seinem
Hauptniedersturze wurde der Name „Keh-poni-wai“ d. h. „Dämmung des
Wassers“ gegeben, weil hier die Ansammlung von Leichen während der
Schlacht die Strömung hemmte. Die Schlacht wurde „luku“, d. h. die
der Vernichtung benannt. Die Plantage, zu der Wailúku gehört, ist
die sogenannte „Brewer“-Plantage, deren Verwalter der liebenswürdige
Mr. Baylay ist. Die reich tragenden Felder derselben umgeben den
Ort. Die Zuckermühle, sämmtliche Gebäude der Plantage, bilden den
hauptsächlichsten Theil des recht freundlich mit Gärten und Alleen
versehenen zu einer Stadt angelegten Fleckens.

Den folgenden Tag, nachdem ich mich durch ein vorzügliches Douche-Bad
erfrischt, im chinesischen in der Nähe der Mühle am Jao in der
Hauptstrasse gelegenen Restaurant gefrühstückt hatte, besuchte ich
die Plantage und wanderte später, nach Besichtigung der Fabrik, die
ausserordentlich vollständig eingerichtet ist, durch die ausgedehnten
Felder derselben. Ich fand lange nicht die Ueppigkeit der Plantagen der
Insel Kauai; demungeachtet soll aber, wie man mir sagt, das hiesige
Rohr sehr ertragreich und saftigerer Qualität als das der Insel Kauai
sein.

Die Lage des Ortes ist eine schöne. Von einer Seite, d. h. links erhebt
sich romantisch das vulkanisch wildzerrissene Gebirge von West-Maui,
welches wie die meisten Gebirge des Inselreiches durch die zahlreich
hervorragenden, scharfen Spitzen, tiefen Engschluchten, scharfen
Einschnitte oder Spalten, die gefüllt mit üppigster Vegetation sind,
charakteristisch ist. --

Das Gebirge ist meist in einen dunstartigen Nebel gehüllt, während
die Küste und die Niederungen stets sonnig erscheinen und selten
Niederschläge oder Nebel haben, d. h. es scheint, sozusagen, als ob das
Gebirge die Feuchtigkeit der Atmosphäre an sich ziehen würde.

Von der entgegengesetzten Seite, rechts über die beständig rothen
Staub wirbelnde Enge von Kóla hinweg, erhebt sich der mit seinen
dunkelgrünen Zuckerrohr- und Kaffee-Plantagen, kleinen idyllischen
Hainen, sowie üppig bepflanzten Abhängen ganz Ost-Maui einnehmende
gewaltige „Háleakála“. Derselbe im beständigen Sonnenschein, in der
Höhe vollständig waldlos, durch seine intensiven Schattenflecken seiner
stets glänzend schimmernden Spitze wird der „Palast der Sonne“ genannt.

Die beiden andern Richtungen liefern das Bild der gelungenen Resultate
menschlichen Fleisses und der Kraft der zeugenden Natur.

Der Eindruck der Bevölkerung des Ortes ist ein eigenthümlicher durch
die Mannigfaltigkeit der Nationalitäten, namentlich der Chinesen, die
hier zahlreich vertreten sind, und der Südsee-Insulaner, die höchst
geeignet für das Land man progressiv in das Inselreich einzubringen
gedenkt. Man ist hier oft im Zweifel, ob man noch im Königreiche
Hawaii sich befindet, da namentlich die Hauptstrasse des Ortes von
Chinesen derart überfüllt ist, dass die Laute ihrer dem Europäer
unverständlichen und daher unharmonisch erscheinenden Sprache die
anderen übertönen. Dieser im Allgemeinen dem Europäer antipathischen
Nation verdankt man jedoch die Möglichkeit, hier verhältnissmässig gut
zu speisen, wenn erforderlich auch Unterkommen und zwar für sehr humane
Preise zu finden.

Den folgenden Tag ritt ich zur grossen „Waikapú“-Plantage der Mr.
Cornwell & Co., die auf dem Wege zur „Malaéa“-Bay überaus malerisch
liegt. Rechts hat dieselbe eine überaus prachtvolle Sicht auf den
glänzenden Hallea-kála und den ebenfalls glänzenden Ocean, links
auf die üppigen Zuckerrohrfelder, durch die der Weg nach Wailúku
über ein stark hügeliges Terrain führt. Den Hintergrund der Plantage
bilden die zahlreichen Wohn- und Fabrikgebäude derselben und, diesen
wiederum anschliessend, als Hintergrund das das Centrum West-Mauis
durchziehende, schwachgrünliche, bunt durchworfene, an intensiven
Schattirungen reiche Gebirge.

Das Wohnhaus des Mr. Cornwell liegt auf einer Central-Anhöhe, die die
hügelige Plantage im Umkreise beherrscht und die von einer schattigen,
an Diversität der Pflanzen und duftender Blüthen reichen Gartenanlage
umgeben ist. Das Ganze trägt im Innern gleichwie im Aeussern den
Ausdruck eines bedeutenden Wohlstandes, Anstandes und gediegenen
Geschmackes.

Ich fand nur die Damen zu Hause, die mich mit britischernster
Steifheit, jedoch mit der ihrer Nation angeborenen Liebenswürdigkeit
auf der kühlen Veranda des Hauses empfingen.

Um 1 Uhr war ich zu Mittag wieder in Wailúku. Nach beendeter Mahlzeit
bei dem Chinesen, wo die unverheiratheten Beamten der Plantage täglich
speisen und unter denen angenehme Männer zu finden waren, unternahm ich
einen Gang in das „Wailúku“- oder richtiger „Jáo“-Thal, dem reissenden
Bach aufwärts folgend, dem „Wailúku“-Passe zu.

Anfangs münden zahlreiche Entwässerungsgräben der hochliegenden
Zuckerrohrfelder in den Bach, und zahlreiche Ausflüsse desselben
ziehen sich in die Bewässerungsgräben der tiefer liegenden Felder.
Je höher, desto mehr nimmt das wilde Geröll des Bachbettes zu und um
desto rauschender und plätschernder wird der an scharfen Biegungen und
Stürzen so reiche Jáo.

Das romantische, schmale Thal ist charakteristisch in der auffallenden
Stille der Natur. Es zeigen sich wenig Vögel, wenig Thiere, im
Allgemeinen wenig Zeichen wandelbaren Lebens!

Nur hin und wieder huscht eilig, gleichsam aus Versehen, ein bunter
Vogel kreischend durch das Gebüsch. Ein unaufhörliches Geräusch bilden
jedoch in dieser sonst stillen Natur der bald rieselnde, bald stürzende
Bach, das unaufhörliche Tosen der ruckweisen Brandung des unsichtbaren
Oceans, und das unaufhörliche Rasseln der Blätter der Pandanen.

Das Engthal ist schmal, stellenweise einer Spalte gleich und durchweg
schön zu nennen. Die meist steilen Böschungen desselben, an die sich
die üppigste Vegetation strotzend hinaufzieht, ist bemerkenswerth. Die
Vegetation, die nur hin und wieder quasi hochstämmig ist, besteht aus
dichtem, üppig hohen, immer grünem Gebüsch, giganten Nesselgewächsen,
Mimosen, prachtvollen Cannaceen, Farren in auffallender
Mannigfaltigkeit, Pandanen, Bananen, Thyphaceen, und in den zahlreichen
quelligen Stellen hohem Schilfgrase u. s. w.

Das Thal ist ziemlich besetzt von kleinen, niedrigen, oft recht
zierlichen Häusern und zahlreichen Grashütten der Eingebornen,
die meist in den feuchtesten Stellen gelegen, von kleinen
„tarro“-Anpflanzungen umringt sind, und deren Einwohner, namentlich
deren Kinder scheu bei meiner Sicht flüchteten, scheuer als das liebe
Vieh, welches stellenweise weidend sich im Gebüsch des Thales zeigt.
Dieses Vieh ist meist mager und höchst verwildert.

Je höher, desto üppiger wird im dichtesten Gewebe mannigfaltigster
Schlingpflanzen -- namentlich der Orchideen -- die hohe Strauch- und
Farren-Vegetation und wilder, steiler und zerrissener das Gebirge,
jedoch ist der Pfad trotz einigen recht quelligen Stellen und an Steile
merklich zunehmend, verhältnissmässig bequem.

Nachdem ich circa 6 engl. Meilen gemacht, verengte sich das Thal
plötzlich, und ein schroffer Vordergrund zeigte sich mit dem von einer
Höhe von circa 500 Fuss glänzend niederstürzenden Bache.

Diesen Vordergrund bilden die romantisch schönen, sehr wild zerrissenen
Schlussgebirge des Thales, an dessen Abhang die früher erwähnte
„Schlacht der Vernichtung“ stattgefunden haben soll und die für die
Hiesigen den beschwerlichen Uebergang nach Lahaïna bilden, wenn sie
nicht den fahrbaren, weiteren Weg um das Gebirge, der westlichen Küste
entlang, vorziehen. Um 5 war ich wieder in Wailúku, wo mir nach einer
dreistündigen Gebirgstour der „Cörry“ und Thee bei meinem chinesischen
Versorger vortrefflich mundete. Den folgenden Tag machte ich mit
Sir Bryant eine Ausfahrt zu mehreren Plantagen, die sich alle eines
lebhaften Betriebes und Zeichen der Ueppigkeit rühmen dürfen.

Die „Waïhae“-Plantage der Gebrüder Makeé wollte er kaufen, da er, wie
er mir sagte, eine bedeutende Forderung auf dieser Plantage liegen
habe. Diese Plantage ist in allen Beziehungen eine gelungene zu nennen.
Sie zeigt nach allen Richtungen hin einen üppigen Stand des Rohres,
kostspielige Einrichtungen und ausnahmsweise einen gewissen Sinn ihrer
Besitzer zur Erhaltung oder Wiedererzeugung des Waldes durch Haine, die
zierlich gepflanzt hin und wieder zu sehen sind.

Den Abend hatte ich das bunte Treiben eines hiesigen Fischmarktes,
der alle Sonnabende in Wailúku abgehalten wird und an Qualität und
Quantität seiner Meeresprodukte, an Verschiedenheit der ihn besuchenden
Nationalitäten und den Farben- und Blumenschmuck der zu demselben
erscheinenden Kanaken höchst bemerkenswerth war, genossen.

Den folgenden Tag -- ein stiller englischer Sonntag -- benützte ich, um
die circa eine Meile entfernte, römisch-katholische St. Antony-Kirche
zu besuchen, die hübsch geschmückt und lieblich am Meere liegt. Ausser
den höchst liebenswürdigen geistlichen Herren, dem höchst anmuthigen
Gottesdienst, zu dem namentlich die glockenhellen Stimmen der festlich
gekleideten einheimischen Kinder viel beitrugen, ist der Gang hin
und zurück mit günstiger Sicht auf das Städtchen, auf das Gebirge,
die üppigen Plantagen, den Ocean und den stets klaren, leuchtenden
Háleakála ein höchst anmuthiger und interessanter.

Die Kirche ist klein, aber schmuck gebaut und gut erhalten. Sie
ist umgeben von den der Kirche gehörenden Schulgebäuden, den
Priester-Lokalitäten und dem duftigen Schatten alter Bäume. Das Ganze
trägt den ausdrücklichen Stempel der Ruhe. Die sich versammelnde recht
zahlreiche Gemeinde zeigt den Ausdruck der Zufriedenheit und Einigkeit.
Ob dieser Eindruck durch die Wahrheit oder nur durch hyppokritischen
Schein hervorgerufen, lasse ich dahingestellt sein, da in einem Lande,
wo die englische Scheinheiligkeit dominirt, die Gewissheit, dass diese
Zeichen der Religiosität aus dem Grunde der Seele kommen, schwer zu
ermitteln ist.

Still wie die Hawaiische Natur, ist auch die von den Engländern
importirte heilige Stille des Hawaiischen Sonntags. Kein geselliger
öffentlicher Verkehr findet statt, selten ein heiteres Gespräch, so
lange man unter den Augen der Oeffentlichkeit steht. Zwischen 4 Wände
geschlossen, da ändert sich das Wesen vieler „Stillen“ bedeutend, denn,
wie gesagt, „Scheinheiligkeit“ ist und bleibt die Standarte, um die
sich Britanniens Macht und Einfluss sammelt und unter der sie alles
fremde Element zu bannen strebt.

Höchst interessant ist in Wailúku die „poi“-Manufactur des J. B.
Kanána. Er gebraucht zur Bearbeitung desselben 24 Mann. Die Zermalmung
des „tarro“ wird durch ein Göpelwerk mit zwei Pferden betrieben. Die
„tarro“-Wurzel wird hierzu erst gekocht, alsdann von der Haut befreit
und in der Quetschmühle zu einem Teig verarbeitet. In diesem Zustande
wird er per Pfund à 2 cents zum Verkaufe versendet.

Es soll eine Bahn von Kahúlui, d. h. vom Hafen der „Malaea“-Bai über
Wailúku und die Ebene von Kóla nach Hawakopúku gebaut werden, um den
Transport der Produkte der Plantagen von Ost-Maui zu erleichtern. Von
Kahúlui findet eine regelmässige, direkte Segelschiffverbindung mit
San-Francisco durch die sog. „Spreckels & Co.-Line“ statt.

Den Abend accordirte ich ein Pferd für 5 Dollar, zum Ritt durch
West-Maui, und ordnete mein Gepäck, um den folgenden Tag frühzeitig
aufbrechen zu können.

Den 29. Juli erwachte ich mit aufgehender Sonne und war um 7 Uhr
im Sattel. Mein Weg führte an der katholischen Kirche vorbei, dem
Strande entlang zur Landenge von Kóla, wo mich ein heftiger, Sand- und
Lavastaub aufwirbelnder Sturm und zugleich ein feiner Spritzregen bei
hellem Sonnenschein empfing.

Die höchst unwirthliche Fläche der Landenge besteht aus Lavageröll,
hoch sich thürmenden, durch die verwitterte Lava farbig
gemusterten Dünen, dürrer Weide, Lagunen, glatten Lavaflächen und
Alkali-Ablagerungen; sie ist, kurz gesagt, eine wüste Strecke mit
nur wenigen Ansiedlungen, in deren Nähe jedoch im Schutze des Windes
und kleinen Ansammlungen von Süsswasser sich eine üppige Vegetation
gebildet hat. Die Landenge verlassend, gab der Wind sofort nach und
begann die allmähliche Steigung des Haleakála.

Es entwickelt sich allmählich zunehmend die freundliche Sicht fleissig
bearbeiteter Felder der Zuckerrohrplantage und der Ländereien des Mr.
Claus Spreckel.

Bei zunehmender Vegetation zahlreicher, abseits vom Wege liegender
Ansiedelungen der Kanaken erreichte ich an Plantagen-Beihöfen vorbei
kommend auf einer Höhe von 1476′ um 12 Uhr Mittags die Ländereien
Mossmann’s und bald das Wohnhaus und die Mühle desselben.

Dieselbe soll die höchst gelegene Plantage Maui’s sein. Sie liegt auf
dem Wege zur Besteigung des Haleakála, circa 30 gute englische Meilen
von Wailuku -- exclusive der oftmaligen Umwege, die ich in Ermangelung
der Ortskenntniss gemacht hatte -- entfernt. Auch hier fand ich nur
die liebenswürdige Frau zu Hause, die eine Eingeborne ist.

Nach kurzweiligem Aufenthalt und einer Erfrischung, die mir die
freundliche Hausfrau reichte, ritt ich bald abwärts, bald steigend
weiter.

Der ziemlich gute Weg zog sich abwechselnd schnurgerade oder
schlängelnd durch die üppigen Zuckerrohrfelder der Plantage Mossmann’s
und der des Mr. Spencer, bis ich um 5 Makawaó oder die Plantage des
Mr. Sharret & Co., die sogenannte „Gruve-Ranch“, circa 18 Meilen von
Mossmann’s Plantage auf einer Höhe von 985′ erreichte.

Ich bat um Obdach für die Nacht und wurde freundlichst empfangen.

Das einstöckige, saubere hölzerne Haus nebst einigen kleinen
Nebenhäusern liegt in einer neuen Gartenanlage, welcher jedoch viele
alte Bäume und Sträucher einen schattigen, freundlichen Eindruck
geben. Die Plantage ist neu und erst im hoffnungsvollen Werden. Die
sichtbaren höchst praktischen Vorbereitungen und Einrichtungen einer
rationellen Wirthschaft sprechen für günstige Resultate, das sichtbare
Zuckerrohr für die Tragfähigkeit des Bodens und die zahlreichen
rieselnden Bächlein, Gräben und zahlreiche nasse Stellen der Umgebung
für genügende Feuchtigkeit.

Da Mr. Sharret nicht zu Hause war, zog ich mich nach einem englisch
schweigsamen Thee in mein Zimmer, welches mir im Nebenhause angewiesen
war, zur wohlverdienten Ruhe zurück. Der Flecken Makawáo mit circa 400
Einwohnern liegt unweit der Plantage. Der Ort besteht nur aus kleinen,
unansehnlichen, entfernt von einander liegenden Gebäuden, die von
schattigen Bäumen umgeben und von lieblichem Eindrucke sind.

Den folgenden Morgen um 8 Uhr war ich wieder im Sattel, nachdem die
gastfreundschaftliche Familie mich herzlichst aufgefordert hatte, sie
wieder zu besuchen.

Ein guter Weg, bald durch bewaldete Schluchten, bald in Sicht
natürlicher oder künstlicher Bewässerungen, führte mich nach Paliúle
oder zur „Sanisch-Set“-Plantage des Mr. Boldwin, die im üppigsten Grün
theilweise natürlicher, theilweise bepflanzter Waldungen liegt.

Das Haus derselben, circa 875′ über dem Meeresspiegel, ist idyllisch
gelegen, umringt von schattigen Gartenanlagen und Blumen. Das Ganze
spricht für Verständniss und Kunstsinn und trägt den Charakter des
Wohlstandes, der Ordnung und einer vernünftigen Sparsamkeit. In den
Anlagen spürt man jedoch bedeutende Kapitalauslagen, denn der Besitzer
hat es verstanden, mit Willenskraft, Ausdauer und Geschmack der
künstlichen Production den Charakter einer Naturproduction zu geben,
über die der Beschauer erstaunt, da die geschaffene Vegetation, die
obendrein theilweise eine dem Lande fremdartige, eine auffallend üppige
ist.

Da im richtigen Sinne des Wortes keine menschliche Seele zu Hause
war, so trabte ich weiter bis zu der im Umbau begriffenen Mühle und
den umfangreichen Gebäuden der Plantage, die auf einer 656′ über dem
Meeresspiegel liegenden Fläche in Mitte der üppigen Zuckerrohrfelder
schattenlos liegen.

Viele Menschen der Plantage waren unweit der Mühle bei der Arbeit
eines im Bau begriffenen Dammes beschäftigt, als ich durch die üppigen
Zuckerrohrfelder ritt. Ich kam an zahlreichen „Coralls“ vorbei, in
deren Umzäunung gutes Vieh und kräftige Pferde weideten. Einige dieser
umzäunten Viehweiden musste ich durchreiten und daher die praktische
Einrichtung ihrer Pforten benutzen, die nämlich der Reiter ohne vom
Sattel zu steigen oder sich zu bücken, öffnen und schliessen kann.
Das System derselben besteht in einer losen Rollenvorrichtung, die
entweder in der Lage der Haspel oder Winde und verbunden mit Riemen-,
Schnur- oder galvanisirten Drahtscheiben ist, oder aber hin und wieder
auf dem System einer horizontalen, selbstspannenden Hebelzieh- und
Schliessvorrichtung beruht. -- Die Umzäunungen der Coralls bilden circa
4′ über den Boden ragende, solide Pfosten, die stark in den Grund
gerammt sind, und durch die in 3 oder 4 Reihen galvanisirter Draht
stramm gespannt ist. --

Gegen 12 Uhr erreichte ich Hawakopúku oder auch Haikú I. genannt, eine
auf einem recht hügeligen Terrain 328′ über dem Meeresspiegel liegende
Plantage.

Von hier aus circa 100′ bergab, dann wieder circa 100′ bergauf, einem
höchst steilen Pfade folgend, erreichte ich die grössere, ebenfalls
328′ hoch gelegene Plantage Haikú II., die umgeben von lichtem Walde
und deren Verwalter und Mitbesitzer Mr. C. H. Alexander ist.

Da ich wiederum Niemanden zu Hause traf, musste ich den beschwerlichen
Weg nach Hawakopúku zurücklegen und schlug von dort aus meine Richtung
über den winzigen Hafenort der kleinen „Makuaó“-Bai ein und folgte
dem Strande entlang, soweit die Lagunen und sumpfigen Stellen es mir
gestatteten, um die Landenge von Kóla zu erreichen, über die ich denn
auch bei glänzendem Sonnenuntergang und herrlicher Beleuchtung des
Haleakála und, bei verhältnissmässig schwachem Zugwinde um 1/2-5 nach
vollbrachtem Tagesritt von mindestens 49 englischen Meilen Wailúku
erreichte.

Da ich die Absicht hatte, die folgende Nacht um 2 Uhr Wailúku zu
verlassen und mit dem Dampfer, der am andern Tage Kahúlui verlässt,
nach Hawaii zu gehen, so forderte ich meine Rechnung, um mich bis zum
Abgange des Wagens zur „Malaéa“-Bai zur Ruhe zu strecken.

      Meine Ausgaben laut Rechnung betrugen:

    Das Zimmer für 7 Tage             Dollar 3.--
    Speisen bei dem Chinesen            „    3.75
    Der Wagen zur Bai hin und zurück.   „    1.--
    Mein Ritt von 32 Stunden            „    5.--
    Benutzung eines Wagens              „   10.--

    für sieben Tage Auslagen    Summa   „   22.75

Um 2 Uhr bei vollständig finsterer Nacht war der Rüttelkasten, der
sog. Wagen vor der Thüre, und fort ging es im gestreckten Galopp über
Steine, Geröll und Gräben, bald hügelab, bald hügelauf, und nach einer
halsbrecherischen Fahrt erreichten wir um 1/2-3 Kahúlui, wo eine warme
Tasse Kaffee nach dem unbeschreiblichen Gerüttel des Wagens wohlthuend
wirkte. Bis 7 Uhr streckte ich mich -- in den Plaid eingehüllt -- in
der Wartehütte auf einer harten Bank bis zur Ankunft des Dampfers
verharrend.




V. Abtheilung.

Von Maui nach Hawaii.


Den 31. Juli um 7 Uhr traf der Dampfer „Kilauéa“ ein; um 8 waren wir
auf Deck und gleich darauf ging er ab.

Bald zeigte sich rechts die Sicht der wüsten Felseninsel Kahóoláwe,
links die hier steileren Ufer des bis in den Ocean sich hineinziehenden
Haleakála, dessen Höhe durch seinen breiten Auslauf namentlich von hier
aus viel geringer erscheint.

Die Insel Kahóoláwe hat einen Umfang von 84 engl. Quadratmeilen,
liegt lang gestreckt, mit einer Maximal-Höhe von 400′. Die Insel soll
vor Zeiten fruchtbar und bevölkert gewesen sein. Noch 1876 hatte der
Oberrichter E. H. Allen auf der Insel 16000 Schafe. Augenblicklich soll
dortselbst kein Schaf mehr vorhanden sein oder nur wenige derselben
und zwar verwilderte an der Westküste der Insel, die noch stellenweise
nahrhafte Gräser bietet. Mit Ausnahme dieser Westküste charakterisiren
die Insel augenblicklich eine unbeschreibliche öde, dürre Sicht und
beständig sich erhebende Staubwolken, die wirbelnd den Rest des Humus
der Insel allmählich in den Ocean bringen. Die Insel spricht für die
Mahnung, dass, wer im übertrieben grossen Massstabe Schafzucht treiben
will, zugleich an die Cultivirung des Landes und an die erforderliche
Bewässerung desselben denken muss.

Um 9 Uhr Halt vor dem Hafen Hónaáúla, der der kleinen wilden
Felseninsel Molokíni gegenüber gelegen ist. Den kleinen
Ort charakterisirt eine dürre, öde Gegend. Er ist von der
„Hoúlapalákuá“-Plantage des Kapitain J. Makee umgeben. Die sichtbaren
Felder der Plantage zeigen keine Ueppigkeit, obgleich der Ruf derselben
sie als ertragreich schildert.

Um 10 Uhr dampften wir weiter, und kaum, dass wir die spitzen Ausläufer
der kleinen Bai umfahren hatten, so zeichnete sich vor uns in der Ferne
die gewaltige dunkle Masse der erloschnen Schlammhügel des 14,140′
hohen Mauna-Kéa der Insel Hawaii, dessen Gipfel in dichte Wolken
gehüllt war. Zur gleichen Zeit, gleichwie durch Zauberspruch, fasste
plötzlich unser Schiff die heftige Strömung des Maui-Hawaii-Kanales mit
gewaltiger Hast. Die gewaltige Unruhe des Oceans währte bis 3 Uhr, als
wir in Sicht der nördlichsten Spitze der Insel Hawaii und zugleich aus
der wirksamen Strömung des Kanales traten und bald darauf in der Bai
von Kawaihae vor dem Hafenort gleichen Namens um 4 Uhr hielten. --

Vor uns lag scheinbar öd und dürre der Distrikt Kohála, dessen
wilder, starrer Küstenstrich den Ruf eines fischreichen hat, was die
zahlreichen, gleich einem perpetuum mobile hin und her schwankenden
Reihen der Fischerboote und -Barken klar beweisen. Die Boote bestehen
meist aus ausgehöhlten Baumstämmen, an deren einen Seite, da sie sehr
schmal, eine Flügeleinrichtung zur Erhaltung der Balance angebracht
ist, die ähnlich der der Boote der Malaien und Singalesen ist. Der Mast
oder die Maste dieser schmalen Boote (Kanos) sind mit verhältnissmässig
sehr grossen dreieckigen Segeln versehen, deren Handhabung gleichwie
die der Boote als eine leichte erscheint und eine verhältnissmässig
sichere sein muss, da, wie man mir sagt, sehr selten Unglücksfälle
vorkommen sollen.

Der Ort Kawaihae ist ungeachtet seiner auffallend dürren
Lavageröllumgebung ein ungemein lieblicher. An seinem nördlichen Ende
erhebt sich ein kleiner, blendend weiss gestrichener Leuchtthurm; in
südlicher Richtung desselben liegen in einer Reihe ein paar Dutzend
ebenfalls weiss gestrichner kleiner Häuser mit rothen Dächern, in deren
Mitte sich schattige Bäume einer gefälligen Gartenanlage zeigen und
vereinigt mit einer dem Strande entlang sich ziehenden Allee einen
heitern, freundlichen Eindruck dem saubern kleinen Orte geben.

Von Kawaihae aus findet die Verbindung mit der unter der Agentur der
Mr. Castle und Cook stehenden grossen Zuckerplantage Kohála und dem
Viehzucht treibenden gebirgigen Distrikte von Waiméa statt.

Der Distrikt von Waiméa, der früher als reiches, üppiges Grasland einen
bedeutenden Ruf im Inselreiche gehabt hatte, ist jetzt leider durch
falsche Behandlung der Waldung oder besser gesagt, durch vernunftlose
Ausnutzung selbstsüchtiger europäischer Eindringlinge, die nur an ihren
eigenen Vortheil dachten, vollständig verwüstet worden.

Kawaihae war am Anfange dieses Jahrhunderts noch ein wichtiger
Wallfahrtsort des Heidenthums. Circa 1 Meile vom Hafen entfernt liegt
nämlich der Heiïau oder Tempel von Puuapa, der laut der Sage in 3 Tagen
erbaut worden ist. Die Steine zum Bau mussten von einem circa 12 engl.
Meilen entfernten Bruch von der Bevölkerung angetragen werden. Der
Mörtel zum Bau soll, wie man sagt, mit menschlichem Blute zubereitet
worden sein. Der Tempel hat eine Länge von 350′ zu 150′ Breite und die
Mauern sind 20′ hoch bei einer Basis von 50′ Breite und 8′ Breite in
der Höhe. In der einen Ecke des Tempels, frei liegend ohne jegliche
Bedachung, ruht ein grosser, dunkler, glatter Stein, auf welchem
die Menschen den Göttern geopfert wurden. In den Ruinen des Tempels
findet man noch heutigen Tages zahlreiche Sammlungen zusammengelegter,
sorgfältig eingewickelter Knochen, in deren unmittelbarer Nähe kleinere
Steinplatten sich befinden, auf denen das von den Knochen abfallende
Fleisch sorgfältig bis auf das Kleinste verbrannt wurde.

Die Behauptung vieler Europäer, dass bei diesen Opfern die Priester,
denen das Amt der Opfervollziehung durch einen „tabú“, d. h. eine
heilige Amtserklärung, übergeben war, sich nachträglich vom Fleische
der Opfer nährten, ist in facto erdichtet, wie ich es auf das
Bestimmteste aus dem Munde jetzt noch lebender Augenzeugen gehört
habe. Diese behaupten auch namentlich, dass laut ihren ältesten
Ueberlieferungen der Kannibalismus unter ihren Vorfahren, die sich
am liebsten von Vegetabilien nährten, nie bestanden habe und dass im
Tempel die Opfer dieses so grausamen Aberglaubens mit raschem Tode und
ehrfurchtsvoller Achtung gleichsam wie Heilige behandelt worden sind.

Um 1/2-6 verliessen wir Kawaihae, um, unsern Weg in nördlicher Richtung
zurücknehmend, die nördliche Spitze der Insel bei Upoloá zu umfahren
und wieder in die heftige wilde Strömung des „Maui-Hawaii“-Kanales zu
gelangen.

Um 1/2-7 Halt vor Kohála und nach einer Stunde Aufenthalt ging’s bei
zunehmend unruhiger See wieder weiter.

Um 1/2-2 in der Nacht hielten wir vor dem imposanten Palisadenufer
Laupa-hoe-hoe, vor der grossen und reichen Zuckerplantage des Mr.
Campbell und in Sicht eines von der steilen Küste wild niederstürzenden
vom Monde beleuchteten Wasserfalles. Unmittelbar am Ufer erheben
sich malerisch die Ruinen des vom König Lilío dem Gotte der Fischer
errichteten Tempels. Er war nämlich vom einfachen Fischer zum König der
Insel erhoben worden.

Am folgenden Tag, den 1. August, um 10 Uhr verliessen wir die
höchst lebhafte Küste von Laupa-hoe-hoe -- und folgten einer
pallisadenartigen, sehr steilen, mit üppigem Gebüsch bewachsenen,
grünen Küste, von deren steiler Höhe zahlreiche Wasserfälle glitzernd
in den Ocean sich stürzen und die so mannigfaltig in ihrem Charakter
sind, dass sich für einen Maler keine günstigere Stelle zum Studium der
Wasserfälle findet.

Um 11 Uhr Halt vor Hakaalaú, von wo aus die Küste an Steile abnimmt
und bis Hilo allmählich flacher wird, jedoch an Vegetation und
charakteristischen Schattirungen bis zum prachtvollsten Ausdruck
zunimmt.

Um 2 Uhr hielten wir vor Hilo, dessen hübscher Hafen seiner heftigen
Brandung und hoher Woge wegen ein wilder zu nennen ist.

Mit bedeutender Anstrengung gelang es dem Boote, welches uns vom
Dampfer abholte, an der kleinen eisernen Werfte zu landen. Die wilde
Woge hob dasselbe wiederholt bis zur Brücke, es wurde jedoch rasch
wieder und zwar durch die Woge, uns vollständig überspülend, in den
Ocean zurückgetrieben. Mit nur grosser Mühe gelang es uns endlich, uns
fest an die Leiter klammernd, kletternd zu landen.

Die Reise von der „Malaéa“-Bai bis Hilo kostete 8 Dollar, -- für eine
Strecke von 149 Seemeilen über Kaiwaihae; die direkte Strecke, ohne
Kaiwaihae zu berühren, ist nur 120 Seemeilen weit.




VI. Abtheilung.

Die Insel Hawaii.


Da ich im Hôtel kein Zimmer fand, so brachte ich mich und meine sieben
Sachen bei dem Bäckermeister Herrn Wilhelm in einem kleinen und saubern
Zimmer unter.

Das Haus des Bäckermeisters liegt unmittelbar am Hafen in der Nähe der
Werft. Er und seine Familie, als auch das Wesen seiner Haushaltung ist
echt deutsch.

Das kleine Hilo, die Hauptstadt der Insel Hawaii, der Sitz des
Gouverneurs und seiner Regierungsorgane, ist ein liebliches, ziemlich
umfangreiches Dorf, dessen kleine, saubere, meist weit auseinander
gelegene, mit wenigen Ausnahmen von Gärten umgebene Häuser einen
freundlichen, geselligen und ländlichen Anblick bieten.

Unter den Häusern findet man einige recht stattliche, die auf blühenden
Wohlstand und Geschmack deuten.

Hauptsächlich jedoch fällt die auffallend strotzende Ueppigkeit der
Vegetation auf, die das hügelige, fast bergige Terrain der Stadt und
die einem Hufeisen ähnlich geformte Bai umgiebt.

Ein recht schöner, ernster Bau ist der der römisch-katholischen
Kathedrale, die während dem gewaltigen Ausbruch des Mauna-Lóa 1869
stark mitgenommen wurde und an der noch Spuren der Verwüstung
deutlich zu bemerken sind. Dieselbe ist überraschend gut restaurirt,
was besonders auffallend ist, da sie, wie man mir sagt, nahe dem
Zusammensturze gewesen war und nur durch die zahlreiche sehr
wohlhabende Gemeinde durch eine sofortige und gründliche Reparatur
erhalten worden ist.

Wie ich mich überzeugt habe, war zur Zeit meines Dortseins die Zahl
der römisch-katholischen Gemeinden im Inselreiche gleich der der
Protestantischen.

Den darauf folgenden Tag wanderte ich zur 3 Meilen entfernten
„Regenbogen-Cascade“. Der Weg führt über und durch wild durcheinander
geworfenes Lavageröll, über tiefe Spalten oder glatte und feste
Lavastrecken. Die Stelle der Cascade selbst ist ein längst erloschener
Krater. Die eine Seite desselben bildet ein 600 Fuss tiefes Becken;
von der andern Seite stürzt fast senkrecht ein Bach, ohne jeglichen
Widerstand zu finden, daher glatt und ununterbrochen gleich einem
Silberbande vibrirend und glänzend in eine von langjährigem Sturze
gebildete Vertiefung oder möglicher Weise in eine durch den Sturz
durchbrochene Grotte, die laut Sage zur Heidenzeit von einem Unhold
bewohnt war, welcher jegliches lebende Wesen, welches sich der Grotte
näherte, vernichtete.

Durch diese Grotte ergiesst sich unsichtbar das Wasser in das früher
erwähnte Bassin, aus welchem es durch die zahlreichen vulkanischen,
unterirdischen Gänge allmählich seinen Ausfluss findet.

Wenn nun die Sonnenstrahlen gegen die glitzernde Fläche des
spiegelglatt niederstürzenden Wasserfalles sich brechen, entfaltet sich
ein wundersames Regenbogenspiel, welches der sogenannten Cascade den
wohlverdienten Namen gegeben hat.

Es ist in allen Beziehungen eine lohnende Mühe, den Ausflug zu machen
und zwar unbedingt besser zu Fuss als zu Pferde, da die Spalten und
der höchst unebene Weg, den man, so gut es geht, erst suchen muss, dem
Reiter viel ermüdender und beschwerlicher als dem Fussgänger wird.

Höchst lieblich ist bei der Rückkehr der Blick auf die Stadt, auf die
Bai und die sie üppig umgebende Vegetation. Namentlich erhöht den Reiz
desselben der ausserordentliche Contrast zu dem starren Gewühl der
ausgedehnten wüsten Lavastrecken.

Den folgenden Tag, den 2. August, wanderte ich durch die saubere
Stadt, deren meist einstöckige, hölzerne, mit Brettern verkleidete
Häuser, die meist seit 1869 nach dem verwüstenden Ausbruche des
Mauna-Lóa neu erbaut oder renovirt und im zierlichsten Anstrich meist
von pflanzenreichen Gärten umgeben sind, zerstreut liegend den Ort
bilden. Ausserhalb desselben in regelrechte, parallellaufende Strassen
eingetheilt, schmücken Villen mit zierlichen Gartenanlagen die Umgebung.

Wandernd erreichte ich die bemerkenswerthe Hochschule des Mr. Lymon,
die 1836 gestiftet und zu ihrer Unterhaltung eine biennale Subvention
von 900 Doll. vom Staate erhält.

Das praktisch eingerichtete Gebäude liegt ausserhalb der Stadt in einer
luftigen, schattigen, gesunden Umgebung. Ich wohnte dem Unterrichte bei
und muss gestehen, dass die Fähigkeiten, die Intelligenz der Jugend,
und namentlich das sittsame, bescheidene, nette Benehmen derselben mein
Erstaunen erregten und mir eine angenehme Rückerinnerung hinterliessen.

Besonders auffällig war mir das Betragen der Zöglinge im Vergleiche
mit dem unserer Schuljugend der gegenwärtigen Zeit, wo das
Selbstbewusstsein der Jugend zu einer undisziplinirten Unbändigkeit
ausartet und ein Uebel ist, welches von Jahr zu Jahr progressiv
zunimmt, da wir in einer Zeit leben, wo das allgemeine Streben nach
Schrankenlosigkeit als herrschendes Element zu dem Resultate zu führen
scheint, dass jede Achtung für Alter, Gesetz und Ordnung allmählig
schwinden muss, wenn nicht ein Riegel der Ausartung dieses Uebels
vorgeschoben wird.

Von Herzen wünsche ich, dass der hier herrschende gesunde Geist der
Jugend einen steten Einfluss auf die kommende Generation ausübe, um die
Bewahrung desselben der Zukunft des Landes zu sichern.

Das System des quasi freien Unterrichtes im Inselreiche ist ein
reines Zwangssystem. Die Eltern sind verpflichtet, ihren Kindern
das Lesen, Schreiben und Rechnen lehren zu lassen, dieselben zu
ernähren, zu kleiden und zu erhalten. Jeder Distrikt hat mindestens
eine gemeinschaftliche Schule für Knaben und Mädchen. Der Unterhalt
derselben wird zur Hälfte von der Bevölkerung und dem Staate getragen.
Die erforderlichen Lehrer und Lehrerinnen derselben werden von der
lokalen Schulkommission erwählt. Diese Kommission besteht aus dem
lokalen Friedensrichter, einem vom hohen Rathe in Honolulu ernannten,
und einem zweiten von den Eltern der Schulkinder gewählten Inwohner
des betreffenden Distriktes und wird präsidirt vom Oberintendanten der
öffentlichen Aufklärung oder seines Stellvertreters.

Die Pflichten dieser Commission bestehen in der Ueberwachung und
Leitung der Schulen, der Zöglinge und der schulpflichtigen Kinder des
Distriktes. Alle Bestimmungen der Commission müssen dem hohen Rathe in
Honolulu zur Bestätigung vorgelegt werden.

Die Trennung der Kirche von der Schule ist obligatorisch. Der
Unterricht in der Religion ist vollständig den Eltern überlassen und
zum Unterrichten in derselben wird den betreffenden Seelsorgern das
Lokal der Schule von 3-4 Uhr täglich zur Disposition gestellt. Die
allgemeine Schulzeit ist von 9 Uhr morgens bis 2 Uhr festgestellt.
Die meisten Geistlichen ziehen es vor, in ihrer Kirche oder in einem
derselben angrenzenden Bethause den religiösen Unterricht zu ertheilen.

Der Staat -- ohne prononcirte Staatsreligion -- trägt keine Last für
irgend welche Confession. Die Kirchen und zahlreichen Kirchenschulen
werden daher von der betreffenden konfessionellen Gemeinde oder von der
Kirche selbst unterhalten.

Die Distriktsschulen sind primäre, aus denen die Zöglinge zu ihrer
weitern Ausbildung in die sekundären und alsdann in die Normalschulen
(Hochschulen) treten können. Hochschulen gibt es 3: eine in Honolulu,
eine in Lahaïna und eine in Hilo.

Der Eintritt in Privat- und Kirchenschulen statt in die
Distriktsschulen ist gestattet, so lange erstere das Lesen, Schreiben
und Rechnen lehren.

Die Folgen eines normalen, nicht übertriebenen Systemes sind hier
auffallend günstige gewesen, da man gegenwärtig factisch unter
der ganzen Bevölkerung -- mit Ausnahme der übrigens selten hier
zu findenden Idioten -- keinen Mann oder Frau trifft, die nicht
lesen, schreiben und rechnen können. Besonders auffallend ist dieses
Resultat, wenn man bedenkt, dass erst von 1820, den 4. April, dem Tage
der Landung der ersten Missionäre im Inselreiche, der Beginn einer
öffentlichen Aufklärung im Lande zu rechnen ist und dass ältere Leute
sich im Alter sichtlich einer Aufklärung unterworfen haben müssen, um
das erwähnte Resultat zu erreichen.

Hochgelehrte findet man natürlich unter denen, die die hiesigen
Hochschulen verlassen, keine, aber um desto mehr Wohlunterrichtete mit
normalem, gesunden Verstande, was die kernig gesunde Entwicklung des
Landes beweist.

Auf meinem Rückwege accordirte ich den Preis für ein gutes Pferd,
und als Führer hatte ich den „Joe Puni“ für einen Ritt zum Vulkan
Kilanéa und von dort zum Mr. Waelsch, circa 46 engl. Meilen, für 35
Dollar mit der Absicht, den folgenden Tag in der Früh aufzubrechen
und in der Hoffnung, dass die gestrigen Strichregen und die fast
wolkenbruchartigen der letzten Nacht den Weg nicht zu schlecht gemacht
haben werden.

Bei höchst wild brausender, die Werfte überwogender See langte ich zu
meiner, diesem Prachtschauspiele nahe liegenden Behausung. Die Luft war
trotz der heissen Sonne des Tages eine erquickende. Es weht nämlich
hier stets eine erfrischende Brise, weshalb die Nächte immer kühl,
einen erquickenden Schlaf gönnen und hier alle lebenden Wesen frisch,
wohl und munter aussehen. Kurz gesagt, Hilo ist in allen Beziehungen
ein anziehender Ort, in welchem ein jeder Naturfreund, der keine
Ansprüche auf Luxus macht, sich ein gesundes und verjüngendes Leben
verschaffen kann.

Wasserreichthum umgibt den Ort; wohin man blickt rieseln Rinnen,
oder es fliessen die Gewässer kleiner Gräben und Bäche, umgeben von
strotzender, fruchtbarer Vegetation.

Die Feuchtigkeit der Gegend mit Ausnahme der der Lavastrecken, ist eine
so bedeutende, dass sogar die recht hoch gelegenen Zuckerrohrplantagen
um Hilo meist ohne Bewässerungen üppig gedeihen. Sogar die
Sumpfpflanze, der „Tárro“, erfordert zu seinem vollständigen Gedeihen
hier keine beständige Bewässerung.

Die verhältnissmässige Theuerung der Lebensmittel im Allgemeinen, der
merkwürdige Mangel an Fischen für ein am Ufer des Oceans in Mitte einer
so üppigen Vegetation und einem so fruchtbaren Boden gelegenen Orte wie
Hilo, ist mehr denn auffallend. Ich schreibe die Ursache der Indolenz
und theilweise der Trägheit der hiesigen, dem dolce far niente gern
ergebenen Nation zu, deren grösste Liebhaberei es ist, entweder im zum
Halbdunkel verhängten Zimmer auf reiner Matte des Fussbodens sich auf
den Bauch zu strecken, oder „poi“ zu essen, im Fingerlecken, Orangen
und Mangos zu saugen oder zu schlafen, oder aber darin besteht, hoch zu
Pferde, mit Blumen geschmückt als famos kühne Reiter und Reiterinnen
die wild zerrissene aus tiefen Spalten bestehende Lavaumgebung im
eiligsten Tempo ihrer kernigen Ponys zu durchziehen.

Sonntag den 4. August war ich um 5 Uhr auf; Pferd und Führer waren
bereit. Ich bezahlte Herrn Wilhelm meine Rechnung für drei Tage mit nur
3 Dollar 50 Cents und ritt nach kräftigem, famosen Frühstück ab.

Ein eigensinniges Pferd und ein Halt bei dem Führer gestatteten uns
erst um 1/2-8 Hilo zu verlassen.

Obgleich ich meinem Führer als Hauptbedingung gestellt hatte, dass er
mir ein gutes, starkes Pferd und einen guten Sattel liefern müsse,
so hatte ich leider während des kurzen Rittes durch die Stadt die
bedeutende Mangelhaftigkeit des Sattels, der sehr eng und schwülstig
war, erkannt. Mein fast uneingerittenes Pferd suchte mit aller Macht,
mit gebogenem Rücken seinen Kopf zwischen die Beine zu bringen, um mit
gehörigem Bocken sich von meiner Last zu befreien. Einige gehörige
Hiebe mit kräftiger Gerte zwischen die Ohren brachten den Gaul freilich
vorwärts, der jedoch dann bald rechts, bald links ausschlagend, sich
auf die Seite werfend, sich rüttelnd und schüttelnd, endlich im
gestreckten Karriere durch die Strassen rannte. Es erinnerte mich
dieser Ritt lebhaft an meine Büffeljagd unter den Apachen am Rio grande
in Texas.

Obgleich ich ein fester Reiter, brachte mich doch der rundgebogene
Rücken, das ausserordentlich bewegliche Kreuz des störrischen Pferdes,
als auch der erbärmliche Sattel über einen Zoll hoch aus demselben,
und mir wurde die Aussicht, auf diesem Dromedar in Pferdegestalt den
weiten Ritt machen zu müssen, nicht angenehm. Die Versicherung aber des
Joë Puni, dass es sein bestes Pferd sei und es später ordentlich gehen
würde, erwies sich sehr bald als gerechtfertigt.

Um 1/2-8 wie gesagt, verliessen wir Hilo. Es folgte eine Stunde lang,
circa 4 Meilen, eine weite wellenförmig steigende, wüste, theilweise
mit struppigem Grase und Farrenkräutern bewachsene Lavageröllfläche.

Der Weg war sumpfig und eigentlich kaum ein Weg zu nennen. Er zog
sich bald über höchst glatte grossartige Lavalagen, oft über tiefe
Spalten derselben oder über Strecken verhärteter treppenartig geformter
Lavastrecken, und war daher nur im Schritt zu reiten möglich.

Alsdann folgte eine Stunde lang circa 6 Meilen Wald, d. h.
hochwüchsiges, verworrenes Buschland mit nur hin und wieder
erscheinenden hochstämmigen Bäumen, die mit grauen, dürren, schroffig
flachen und oft stachligen, gleich Krystallen in einander gewirkten,
oft tief niederhängenden Flechtenformen stark belegt waren. Der
Boden selbst und die herumliegenden Blöcke und Gesteine sind mit
gelblich-grünen, dicht gedrängten, sanft geschwollenen Formen diverser
Moose belegt. Das ganze verworrene Gedränge des Busches besteht
hauptsächlich aus einem üppigen Gemisch des zitternden Laubes der
mannigfaltigsten zierlich-zarten, vielfach zerschlitzten, schirmartig
ausgebreiteten Blattformen der verschiedensten Kraut-, Zwerg-,
Strauch- und Baum-Farren, aus den ewig rasselnden Pandanen mit ihren
hohen, glänzend grünen, zweischneidigen, steifen, eigenartig in sich
gewalzten oder schraubenartig gedrehten, schlanken Blättern, aus dem
hartholzigen Tek-Strauch mit seinen glänzenden, rothen Blüthen, hin
und wieder aus Palmen, jedoch in unausgebildeten Formen, hochstämmigen
Pisang- oder Bananen-Pflanzen mit dem üppigen, saftigen Grün ihrer
gewaltigen Blätter, ferner aus Liliengewächsen mit ihrer dem Schilfe
ähnlichen Tracht der Blätter, aus Schilfformen verschiedenster Art
und tropisch edlen, hohen, baumartigen Wuchses, Thy-Sträuchern
mit ihren hochwüchsigen, grasartigen Blättern u. s. w. Das ganze
Gemenge ist durchschlungen von mannigfaltigen Schlingpflanzen, deren
hochstrebende Wurzeltriebe kaum von ihren Zweigen zu unterscheiden
sind und die namentlich dazu beitragen, dem sich hier entfaltenden
Bilde den Charakter der tropischen oder subtropischen Verworrenheit
der Buschvegetation zu geben. Dieselbe ist jedoch lange nicht der
der Pracht und Vielseitigkeit der ostindischen und der von Ceylon
zu vergleichen, da die schönste Vegetation des hiesigen Busches der
schwächsten Vegetation des Djungles von Ceylon gleichzustellen ist.

Die Fama der althawaiischen Flora ist vorbei, die Flora der Jetztzeit
des Inselreiches bietet nur stellenweise Reichthum, Ueppigkeit und
Fülle, wie z. B. hier, jedoch ein wirklich ausgebildetes Modell
einer Pflanzenformation ist faktisch nicht mehr zu finden. Es liegt,
so zu sagen, auf dieser Vegetation, sogar an den üppigsten Stellen
derselben, der Stempel entweder der zerstörenden Macht des vulkanischen
Elementes oder aber noch deutlicher, der des Elementes einer
willkürlich eingedrungenen, eigennützigen, verwüstenden, dem Lande
fremdartigen Cultur, die wie an so vielen Stellen der Welt, wo dieselbe
civilisatorisch während Jahrhunderten eingedrungen, stets, gleichsam
die geschaffene Verwüstung fliehend, verwüstetes Land hinterliess, so
lange noch irgendwo in der Welt ein Strich jungfräulicher Natur zum
Verwüsten ihnen noch üppig entgegenschien.

Denn wodurch entstehen die verwüstenden Folgen der eindringenden
Cultur, namentlich in den Tropen und Subtropen? Meiner Ansicht nach
hauptsächlich durch die Verminderung und allmähliche Vernichtung
der Feuchtigkeit in Folge der masslosen Entholzung und unnatürlich
übertriebenen Entwässerung der Gegend zur Einführung materiell
vortheilhaft erscheinender, systematischer Culturpflanzungen, deren
niedriger Wuchs und meist lichter Stand den Boden dem aussaugenden,
daher dem allmählich austrocknenden Einflusse der Sonnenstrahlen
aussetzt, wodurch natürlich die Urfeuchtigkeit des Bodens rascher
verbraucht wird, und die Ausdünstungen desselben und dem zufolge
natürlich auch die Feuchtigkeit der Atmosphäre und ihre von der Natur
geregelten Niederschläge sich allmählich mehr und mehr verringern.

Da nun bekanntlich die Hauptbedingungen zu einer vollkommenen,
formenreichen, üppigen tropischen oder subtropischen Pflanzenwelt die
Feuchtigkeit und die Wärme sind, und zu deren Mannigfaltigkeit die
Auflösung der bei genügender Feuchtigkeit leicht auflöslichen, jährlich
sich progressiv ansammelnden unorganischen Stoffe des tropischen und
subtropischen Grundbodens die Entwickelungsursache bildet, so lässt
sich hiermit deutlich die Ursache des Zuerstsichverkrüppeln und
dann das allmähliche Schwinden der Vegetation durch den Mangel an
Grundfeuchtigkeit und das Sichnichtauflösen der unorganischen Stoffe
des Bodens erklären.

Es entfaltet sich hierdurch der deutliche Beweis, dass die fieberhaft
geschäftig wirkende Thätigkeit des rastlos als Herr der Natur sich
dünkenden eitlen Menschen trotz seiner kühnen Weisheit nicht im Stande
ist, die Gesetze der Natur auch nur in ihren kleinsten Wirkungen zu
ändern, und dass die Natur vernichtend, erhaltend oder erzeugend stets
der tyrannische Herr der Schöpfung und der Geschöpfe, daher auch des
Menschen von Ewigkeit zu Ewigkeit war, ist und bleibt und dass erst
dann die Cultur ihren wahren Begriff zum Vortheil der Natur, ohne
Verwüstungen zu hinterlassen, entfalten wird, wenn der unbändige Träger
derselben, „der Mensch“, sich von den Banden des Egoismus und der
Willkür befreit haben wird!

Dann folgt 1-1/2 Stunden circa 6 Meilen steigend ein wilder Geröllweg
in wüster Farrenumgebung, unter denen einzelne schlanke, meist jedoch
krüpplige Stämme des „hau“, Teek-Bäume, Akazien, Mimosen, hin und
wieder auch Sandelbäume sich erheben.

Diese Strecke zieht sich bis zum sogenannten „Half-way“-Haus des Kaaua,
1177 Fuss über dem Meeresspiegel und 16 Meilen von Hilo entfernt
liegend hin. Bei letzterem traf ich um 11 Uhr bei einer Temperatur von
80 Grad Fahrenheit ein. Der Ort selbst heisst Olaá und besteht aus
einigen Grashäusern und einer kleinen weiss gestrichenen Kirche ohne
Thurm.

Von Hilo bis Olaá hat man die Sicht des Mauna-Kéa rückwärts und rechts
die des Mauna-Lóa, in Wolken gehüllt und ohne jede Spur von Dampf.

Kaauá’s Grashaus ist sauber und rein gehalten und ausnahmsweise mit
Möbeln versehen.

Bald wurde mir ein dampfendes Huhn, „tarro“, Kaffee und frisches
Quellwasser vorgesetzt.

Um 1 Uhr war ich wieder in meinem höchst unbequemen Sattel, und
vorwärts ging es bald im Trabe, bald im Galopp über Farrnflächen
und verhärtete Lava -- eine höchst beschwerliche Strecke. Namentlich
ist dieselbe lästig für die Pferde, da einige Stellen derselben dem
Glatteis gleichen.

Die Steigung im Allgemeinen ist kaum merklich; man würde, so zu sagen,
ohne sich zu besinnen wetten, dass man auf einer horizontalen Fläche
reitet, wenn nicht hin und wieder der Ocean, der stellenweise in Sicht,
jedes Mal tiefer liegend erscheinen würde.

Nicht die geringste Spur von Dampf oder leuchtender Atmosphäre ist zu
sehen, noch Schwefelgeruch zu spüren, so dass man unwillkürlich glaubt,
entweder eine falsche Richtung eingeschlagen zu haben oder noch weit
entfernt vom Kilauéa-Becken zu sein.

Vor uns liegt der in Wolken gehüllte Gipfel des Maúna-Lóa, rechts die
volle Sicht des breiten Maúna-Kéa.

Um 1/2-5 begann ein merkwürdiges Rauschen, Zischen und unaufhörliches,
unterirdisches Rollen. Je mehr wir vorwärts schritten, desto intensiver
wurde das Zischen, welches ähnlich dem eines Bleigusses in Wasser ist,
und desto häufiger spürte man das gewaltige Erdröhnen der Erde und
die Luft begann nach Schwefel oder richtiger gesagt nach Glüheisen zu
duften.

Circa 3 engl. Meilen vor dem Kraterhause bildet sich aus dem fast
spurlosen Wege ein gut erhaltener. Dieser Weg führt uns wieder durch
einen üppig hochwüchsigen Wald, durch zahlreiche auffallend dampfende
Stellen, welche aus dem üppigen Grase und der hier so mannigfaltigen
Farrn-Vegetation hervorqualmen und die uns unser Ziel sichtbar zu
erkennen geben.

Um 1/2-6 endlich hielten wir nach zurückgelegten guten 18 engl. Meilen
von Olaá ab, auf einer Höhe von circa 4407 Fuss über dem Meeresspiegel,
vor dem überraschend stattlichen Kraterhause bei einer Temperatur von
61 Grad Fahrenheit im Schatten und Windschutze.

Das Haus besteht in seiner Front einerseits aus vier Gastzimmern und
einem Gesellschaftszimmer („Parlor-Room“) mit Ausgängen auf eine breite
Veranda und vollster Sicht auf den Vulkan d. h. das „Kilauéa“-Becken.
Vier Gastzimmer und das Speisezimmer haben ihren Ausgang und Sicht nach
hinten. Die andere Seite des Hauses bilden die Wohnzimmer, die Küche
etc., des Verwalters.

Es ist ein grosses einstöckiges Gebäude, dessen Wände und das Dach aus
Schindeln bestehen.

Der Krater war diesen Tag höchst aufgeregt, und die grasreiche Umgegend
dampfte stark. Obgleich der Wind von unserer Seite, d. h. gegen den
Krater wehte -- was, wie man mir sagt, ein gewöhnlicher Fall ist -- war
demungeachtet ein starker Schwefelgeruch zu spüren.

Nach einem guten Abendessen bei lustigem Feuer im Kamine des
Gesellschaftszimmers, verbrachte ich den Abend bei prachtvoll speiendem
Feuerspiel und lautem Brausen und Zischen der wüthenden „Péle“, der
althawaiischen Göttin des Kilauea-Kraters.

Den folgenden Morgen, den 5. August, erwachte ich nach überaus
lebhaften Träumen über Feuermeere und sternfunkelnden Himmel um 6 Uhr,
und um 1/2-7 zog ich nach kräftigem Frühstück mit meinem Führer dem
Krater zu.

Nach einer schroffen Niedersteigung langten wir um 3/4-7 an der Kante
des Lava-Sees an, welche 1150 Meter über dem Meeresspiegel, demnach 174
Meter tiefer als das Kraterhaus liegt.

Von hier ging es sofort springend über Spalten und Risse, über sich
rührende Schollen und fliessende Lavaströmungen.

Die erst heisse Unterlage wurde allmählich glühend, so dass mein Stab
zu brennen anfing und eine silberne Münze, die ich niederlegte, in
unglaublicher Geschwindigkeit geschmolzen war.

Nach zurückgelegten 4 englischen Meilen einer glühenden Fläche
erreichten wir in einer Stunde, d. h. um 3/4-8 die 1200 Meter über dem
Meeresspiegel liegende schwülstige Kante des wogenden Feuerbeckens.

Unter uns -- nicht tiefer als 25′ -- tobte sichtlich die unheimliche
Glühmasse, die, bald hoch sich hebend, ihre Umfassung vernichtend
beleckte, bald wüthend mit einstürzenden Theilen derselben in sich
selbst versank, um von Neuem aus sich selbst sofort wieder gewaltig
sich zu erheben.

Aus dieser unaufhörlich auf und nieder wogenden Tiefe entfaltet sich
eine derartige Hitze, dass man nur kurzweilig hineinblicken kann, um
die Farbe der glühenden Masse mit ihren sonderlichen Schattirungen
genauer zu betrachten.

Die Farbe derselben ist gleich der einer schäumenden Mischung von
Blut und Milch, in der hin und wieder sich dunkelbläuliche, in den
verschiedensten Farben schimmernde Durchzüge zeigen, die die Masse
gleich Adern langsam durchziehen und allmählich gleichwie auseinander
gehend, sich mit ihr vermischen.

Das beständige Donnern, Dröhnen, Schmatzen, Zischen, Lechzen, Stöhnen
und Keuchen der Tiefe, das oftmalige Erdröhnen, das höchstgewaltige
Erdbeben unserer Unterlage und dem folgend, das hastige Hinausspeien --
so dass oft Tropfen der Glühmasse zu unseren Füssen niederfielen, die
bald darauf als erkaltete Lava in den eigenthümlichsten Formen von uns
gesammelt werden konnten -- namentlich aber das oftmalige plötzliche
Einstürzen unserer unmittelbaren Grundumgebung erweckten unwillkürlich
ein grausiges Gefühl der Unsicherheit, aber auch zugleich dasjenige des
Erstaunens in uns.

Unwillkürlich fühlt man sich geneigt, bei dem Anblick dieses ernsten
Schauspieles der Natur gleich den Hawaii-Kanaken auszurufen: „Lúcu lúa
Péle a lohá,“ d. h.: „Vernichtendes Loch Péle, sei gegrüsst!“

Um 8 verliessen wir das mir unvergessliche Schauspiel und trotz
verkohltem Stabe, verkohlten Sohlen und gesengtem Haare gereute mich
der Gang nicht, der obgleich heiss und theilweise gefahrvoll, jedoch
unbeschwerlich und vom grössten Interesse war. Nirgends in der Welt ist
es möglich, unter den gleichen klimatischen Verhältnissen, so leichtem
Erreichen und in so unmittelbarer Nähe das glühende Centralelement in
seiner gewaltigsten Action beobachten zu können.

Um 1/2-10 war ich wieder unter dem Schutze der stets frischen,
luftigen Veranda, um mich mit Sodawasser und Brandy zu erquicken und
einige Gedanken der Erinnerung in das Fremdenbuch einzutragen.

Die Sicht des vor einem liegenden, tobenden Lavasees, seiner weit
im Umkreise dampfenden Umgebung -- dampfend aus dem See, aus dem
üppigen hohen Grase und aus der so mannigfaltigen Farrn-Vegetation der
links nach Hilo zu dicht bewaldeten Geg

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