Fauna der Nassauischen Mollusken
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Title: Fauna der Nassauischen Mollusken
Author: Wilhelm Kobelt
Release date: May 15, 2015 [eBook #48965]
Most recently updated: October 24, 2024
Language: German
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FAUNA
DER
NASSAUISCHEN MOLLUSKEN
VON
DR. WILHELM KOBELT,
ARZT IN SCHWANHEIM AM MAIN.
Mit IX lithographirten Tafeln.
Aus den Jahrbüchern des Nassauischen Vereins für Naturkunde,
Jahrg. XXV u. XXVI.
Wiesbaden.
~Julius Niedner~,
Verlagshandlung.
1871.
Vorrede.
Die Weichthierfauna unseres Vereinsgebietes, obwohl literarisch
besser bedacht, als die vieler anderer deutschen Bezirke, ist noch
weit davon entfernt, ganz erforscht zu sein; vielmehr ist der grösste
Theil von Nassau in malacologischer Beziehung noch eine vollständige
terra incognita. Es muss dies Wunder nehmen, wenn man bedenkt, dass
in keinem Zweige der Naturgeschichte die Ausbeutung einer bestimmten
Gegend so verhältnissmässig rasch und leicht möglich ist, wie in
der Conchyliologie, während dieselbe doch andererseits auch nach
Jahre langem Studium immer Neues und Interessantes bietet und nie
zum vollständigen Abschluss kommen lässt, also für den Dilettanten,
der sich wissenschaftlich beschäftigen will, ganz besonders geeignet
ist. Der Hauptgrund für die Vernachlässigung dieses Zweigs der
Naturgeschichte scheint mir in dem Mangel billiger und dabei doch
ausreichender literarischer Hilfsmittel zu liegen. Während es genug
gute Bücher über die deutschen Pflanzen, Käfer und Schmetterlinge gibt,
fehlt es noch ganz an einer Molluskenfauna von Mitteldeutschland mit
guten Abbildungen und Berücksichtigung der anatomischen Verhältnisse;
wer die Conchylien seiner nächsten Umgebung studiren will, ist auf
dieselben kostspieligen Hilfsmittel angewiesen, wie der, welcher die
Mollusken von ganz Europa und selbst des Auslandes zu seinem Studium
macht.
Diese Erwägung veranlasste mich, nicht, wie es ursprünglich mein
Plan war, nur die über verschiedene Gegenden unseres Vereinsgebietes
veröffentlichten Arbeiten, durch meine eigenen mehrjährigen
Beobachtungen und die Fundortsangaben zuverlässiger Freunde vermehrt zu
einem Verzeichniss der Conchylien des gesammten Nassau zu verschmelzen,
sondern auch durch Beigabe ausführlicher Beschreibungen und eine
möglichst vollständige Zusammenstellung alles dessen, was über inneren
Bau, Entwicklung und Lebensweise bekannt ist, eine Grundlage zu bieten,
von der aus der Anfänger die Fauna seiner Gegend studiren und sich die
Fähigkeit zu eigenen Beobachtungen und Untersuchungen erwerben kann.
Der Vorstand des nassauischen Vereins für Naturkunde billigte meinen
Plan und machte es mir möglich, auf neun Tafeln Abbildungen unserer
sämmtlichen Schnecken, mit Ausnahme der Nacktschnecken, zu geben.
Für die Form des Werkes im Grossen und Ganzen diente mir die zweite
Auflage der Fauna von Siebenbürgen von E. A. ~Bielz~ zum Vorbild; doch
glaubte ich die lateinischen Diagnosen, deren Inhalt ja doch in den
deutschen Beschreibungen wiederholt wird, füglich weglassen zu können
und habe lieber den anatomischen Verhältnissen und der Lebensweise
mehr Raum gegönnt. Die Beschreibungen sind in der Regel fast wörtlich
die ~Rossmässlers~; es kann eben nur eine richtige Beschreibung geben,
und da es unmöglich ist, bessere als die ~Rossmässler~’schen zu
geben, so hätte der Versuch dazu nur zu einer Verschlechterung oder
im günstigsten Falle zu einer mühsamen Umschreibung führen können.
Auch eine Anzahl Abbildungen sind aus der Iconographie oder aus den
Clausiliengruppen von ~Schmidt~ copirt; doch sind dies nur Arten, die
überall gleich sind und deren Abbildungen ganz unseren nassauischen
Formen entsprechen, oder solche, deren Ausführung meine technische
Fertigkeit überstieg, wie bei den Clausilien und Pupen. Die sämmtlichen
Wassermollusken mit Ausnahme einiger Planorben und der nach ~Baudon~
copirten Pisidien, sowie der grössere Theil der Heliceen, sind
Originalabbildungen, theils von meiner Frau, theils von mir gezeichnet.
Die Abbildungen der Vitrinen verdanke ich meinem Freunde Dr. Carl
~Koch~.
Ich verkenne nicht, dass meine Arbeit nur mit Unrecht eine Fauna von
~Nassau~ genannt werden kann, während sie doch nur einzelne Theile
desselben umfasst; ich hoffe aber, dass sie den Anstoss zu einer
regeren Beschäftigung mit unseren Mollusken gibt, und dass es dadurch
in nicht zu ferner Zeit möglich sein wird, an eine wirklich umfassende
und erschöpfende Fauna von Nassau zu gehen. Ich bitte desshalb
diejenigen Mitglieder unseres Vereins, welche Lust haben, sich mit
der Fauna ihrer Umgegend zu beschäftigen, dringend, sich mit mir in
Verbindung zu setzen; ich bin gern bereit, ihnen durch Mittheilung
von Exemplaren unserer nassauischen Arten und durch Bestimmung der
gefundenen Arten das Studium zu erleichtern.
Es liegt mir noch die angenehme Pflicht ob, den zahlreichen Freunden,
welche mich bei meiner Arbeit unterstützt haben, meinen herzlichsten
Dank abzustatten, besonders den Herrn Professor ~Kirschbaum~, Hofrath
~Lehr~ und Conservator ~Römer~ in Wiesbaden, D. F. ~Heynemann~, Dr.
Carl ~Koch~, ~Dickin~ und Dr. ~Noll~ in Frankfurt, ~Trapp~ auf der
Obermühle bei Giessen und ~Ickrath~ in Schwanheim, die mir ihre
Beobachtungen freundlichst zur Veröffentlichung mittheilten, und den
Herrn Professor ~Dunker~ in Marburg, Professor ~Sandberger~ in Würzburg
und Ed. ~von Martens~ in Berlin, welche mich in anderer Weise mit
Rath und That unterstützten. Herrn Dr. Carl ~Koch~ bin ich noch ganz
besonders verbunden für die Freundlichkeit, mit welcher er mir die auf
Nassau bezüglichen Theile seiner noch ungedruckten Arbeit über die
Vitrinen, nebst den dazu gehörigen Originalabbildungen überliess.
~Schwanheim~ a/Main, 12. Juni 1870.
$Dr. W. Kobelt.$
ALLGEMEINER THEIL.
Erstes Capitel.
Umgränzung, Literatur und Vorarbeiten.
Wenn wir die vorliegende Arbeit eine Fauna von Nassau nennen, wollen
wir damit durchaus nicht sagen, dass wir gesonnen sind, uns ängstlich
innerhalb der Gränzen des ehemaligen Herzogthums Nassau zu halten; auch
die etwas weiteren des Regierungsbezirks Wiesbaden respectiren wir
nicht überall, obschon sie sich besser den natürlichen Verhältnissen
anpassen; wir nehmen vor allem das linke Rheinufer mit der reichen
Fauna der Sümpfe und Haiden von Mombach, das Lahnthal von Marburg bis
Wetzlar und den oberen Theil der Mainebene bis nach Hanau hinauf hinzu,
und wo sichere Fundorte seltener Arten aus nicht zu weiter Entfernung
bekannt sind, stehen wir nicht an, auch diese anzuführen.
Unser Gebiet enthält somit ein ziemliches Stück Rheingebiet, das
Rheinthal mit seinen kleinen Seitenthälchen zwischen Mainz und Coblenz,
das untere Mainthal nebst der Wetterau, dem Gebiete der Nidda, und ganz
besonders das Thal der Lahn bis zu ihrer Quelle hinauf. Der Taunus,
der Westerwald, die letzten Ausläufer des rheinisch-westphälischen
Schiefergebirges und der südliche Theil des Vogelsberges machen
seinen grössten Theil zu einem reich abwechselnden Hügellande, in dem
alle Arten von Boden vertreten sind. Dem entsprechend ist auch die
Weichthierfauna eine sehr reiche, und nur wenige der bis jetzt in
Mitteldeutschland aufgefundenen Arten werden bei uns vermisst. Ueber
ihre Vertheilung im Verhältniss zur Bodenbeschaffenheit reden wir
ausführlich später.
Der erste Naturforscher, welcher die einheimischen Conchylien des
Herzogthums Nassau einer genaueren Beachtung würdigte, war der
auch sonst in vielfacher Beziehung um die Erforschung von Nassau
hochverdiente Dr. C. ~Thomae~; im Jahre 1841 veröffentlichte er mit
einem Doublettencatalog des Landesmuseums ein Verzeichniss der in der
Umgegend von Wiesbaden gefundenen Binnenconchylien, und 1849 liess er
im vierten Bande der Jahrbücher des nassauischen Vereins für Naturkunde
S. 206-226 ein ausführliches „~Verzeichniss der im Herzogthum Nassau,
insbesondere in der Umgegend von Wiesbaden lebenden Weichthiere~“
erscheinen, welches besonders die Gegenden des Rheinthals, des unteren
Lahnthals und den Südabhang des Taunus umfasst und sehr zahlreiche,
meist sehr genaue Fundortsangaben enthält. Es werden darin 64 Land-, 30
Süsswasserschnecken und 16 Muscheln angeführt.
Zwei Jahre später veröffentlichten die Herren Fridolin ~Sandberger~
in Weilburg und Carl ~Koch~ in Dillenburg in dem siebenten Band der
Jahrbücher S. 276-282 „Beiträge zur Kenntniss der Mollusken des oberen
Lahn- und Dillgebietes“. Es berücksichtigt diese Arbeit besonders
die Umgebungen von Weilburg und von Dillenburg und enthält 55 Arten
Landschnecken, 17 Süsswasserschnecken und 9 Muscheln; 8 davon sind
bei Thomae nicht angeführt. In unmittelbarem Anschluss daran folgt
dann noch ein Nachtrag zu dem Thomae’schen Verzeichniss von Dr. Frid.
~Sandberger~, meist auf die genauen Nachsuchungen des Conservators
~Römer~ gegründet und einige Berichtigungen, zahlreiche neue Fundorte
und acht für Nassau neue Arten enthaltend. Einen ferneren Nachtrag
lieferte derselbe für die Jahre 1851-52 im achten Heft der nassauischen
Jahrbücher, Abth. II. pag. 163, ebenfalls wieder neue Fundorte und 12
für Nassau neue Arten enthaltend, von denen freilich die meisten auf
Najadeen entfallen und wohl wieder zu streichen sind.
Die Angaben dieser beiden Verzeichnisse, mit einigen neuen Fundorten
vermehrt und revidirt von dem Herrn Apotheker ~Scholtz~ aus Jatroschin
in Russland, finden wir wieder in der 1861 in Wetzlar erschienenen
Badeschrift von Dr. L. ~Spengler~: „Der Kurgast in Ems“; es werden
daselbst im Ganzen 45 Arten aus der Umgegend von Ems erwähnt und einige
davon durch Holzschnitte, die freilich sehr viel zu wünschen übrig
lassen, veranschaulicht.
Endlich ist noch eine neueste Arbeit von Dr. G. ~Servain~ zu
nennen: _Malacologie des Environs d’Ems et de la vallée de la Lahn_,
eine Aufzählung der von ihm im August 1869 in der Umgebung von Ems
gesammelten Conchylien. Ausser den von ~Spengler~ angeführten Arten
finden wir noch vier ~Bourguignat~’sche Arten oder besser Un-Arten:
_Limax xanthius_, _Zonites subnitens_, _Dutaillyanus_, _Balia Rayana_
und _Ancylus gibbosus_, sowie _Anodonta Rossmässleriana Dupuy_. Der
Autor möge uns verzeihen, wenn wir diese, nur einem Franzosen _de la
nouvelle école_ unterscheidbaren Species vorläufig auf sich beruhen
lassen.
Getrennt von der Literatur über die nassauische Fauna war bisher die
über die Gegend von Frankfurt und Hanau. Hier begegnen wir schon
früher conchyliologischen Forschungen. Schon 1814 veröffentlichte der
um die Erforschung der Wetterau hochverdiente G. ~Gärtner~ in Hanau
einen „~Versuch einer systematischen Beschreibung der in der Wetterau
bis jetzt entdeckten Conchylien~“ in den Annalen der Wetterauischen
Gesellschaft III. Heft 2. pag. 281-318; es enthält diese Arbeit bereits
60 Species.
Eine Aufzählung der im Gebiete von Frankfurt vorkommenden Mollusken
veröffentlichte 1827 Herr ~Römer-Büchner~ in seinem „~Verzeichniss der
Steine und Thiere, welche in dem Gebiet der freien Stadt Frankfurt
und deren nächsten Umgebung gefunden werden~“, S. 63-67. Es enthält
dasselbe 39 Land- und 38 Süsswassermollusken, ist aber sehr flüchtig
und ungenau und ohne alle Kritik geschrieben, so dass seine Angaben nur
mit Vorsicht aufzunehmen sind.
Zuverlässiger und reichhaltiger ist die im Jahresbericht der
Wetterauischen Gesellschaft für die gesammte Naturkunde 1847-50 auf
Seite 41-73 enthaltene Arbeit von ~Oscar Speyer~ „~Systematisches
Verzeichniss der in der Provinz Hanau und nächster Umgebung
vorkommenden Land- und Süsswasserconchylien~“. Die Frankfurter Angaben
beruhen darin grossentheils auf den Beobachtungen des verstorbenen
Schöffen C. ~von Heyden~. Daran schliessen sich als Anhang neue
Fundortsangaben aus der Wetterau, der Umgebung von Gelnhausen etc. von
D. F. ~Heynemann~.
Seit dem Anfange dieses Decenniums herrscht ein regeres Leben in der
naturwissenschaftlichen Ausbeutung der Umgegend von Frankfurt, an dem
die Malacologie nicht wenig Antheil nimmt. Insbesondere sind es die
Arbeiten von D. F. ~Heynemann~ über die Nacktschnecken, veröffentlicht
in verschiedenen Jahrgängen der Malacozoologischen Blätter, durch
welche zuerst die unbeschalten Weichthiere Nassaus, die bis dahin nur
ganz oberflächlich behandelt worden waren, einer genaueren Untersuchung
unterzogen wurden, welche unsere Fauna nicht unerheblich bereicherte.
Fernere Mittheilungen über die Mollusken des unteren Maingebietes
finden wir in der Inauguraldissertation von Dr. C. ~Noll~, „~Der Main
in seinem unteren Laufe~“, Frankfurt 1866. Es werden darin besonders
die im Main und an seinen Ufern lebenden Arten besprochen, sowie die
im Geniste angeschwemmt vorkommenden, zusammen 24 Arten Land- und 22
Süsswassermollusken.
Die neueste hierher gehörende Arbeit ist der von D. F. ~Heynemann~
in dem neunten Jahresberichte des Offenbacher Vereins für Naturkunde
veröffentlichte Vortrag „~Die Molluskenfauna Frankfurts~“, weniger eine
Aufzählung der einzelnen Arten und ihrer Fundorte, als eine Schilderung
des Gesammtbildes der Fauna mit zahlreichen interessanten Beobachtungen
und Bemerkungen. Im Ganzen werden 110 Arten aufgeführt, nämlich 69
Landschnecken, 26 Süsswasserschnecken und 15 Muscheln.
Zerstreute Fundortsangaben finden sich ausserdem noch an verschiedenen
Stellen, bei ~Schröter~, Carl ~Pfeiffer~, ~Rossmässler~, in den
~Malacozoologischen Blättern~, im ~Zoologischen Garten~ etc. Eine
Zusammenstellung derselben durch Ed. ~von Marten~s findet sich im
ersten Jahrgang des Nachrichtsblattes der deutschen malacozoologischen
Gesellschaft Nro. 8 und 9, und ein Nachtrag dazu von ~Heynemann~ in
Nro. 13.
Die übrigen Punkte unseres Gebietes sind in der Literatur noch gar
nicht vertreten und noch sehr mangelhaft untersucht; es gilt diess
besonders auch von den Umgebungen der Universitäten Giessen und
Marburg. Auch das Gränzgebiet nach Süden hin, die in der Provinz
Starkenburg gelegenen Theile der Rheinebene und der Odenwald, sind noch
kaum untersucht. Nur über die nächste Umgebung von Darmstadt finden
wir in Nro. 3 des Nachrichtsblattes von 1870 eine Aufzählung der dort
gesammelten Arten von ~Hugo Ickrath~.
Ausser den genannten Conchyliologen haben noch die Herren Hofrath
~Lehr~ und Conservator ~Römer~ in Wiesbaden, ~Dickin~ in Frankfurt
und ~Trapp~ in Biedenkopf, jetzt auf der Obermühle am Dünsberg, die
Faunen einzelner Gebiete von Nassau gesammelt und mir mündlich
oder schriftlich zur Benutzung gütigst mitgetheilt. Auch den Herren
Professor ~Dunker~ in Marburg und ~Leuckart~ in Giessen, jetzt in
Leipzig, bin ich für manche Beobachtung verpflichtet.
Zweites Capitel.
Stellung der Weichthiere im Thierreich, allgemeiner Bau, Eintheilung.
Die Weichthiere, _~Mollusca~_ oder _~Malacozoa~_, bilden eine der
grossen Unterabtheilungen im Reiche der Thiere ohne inneres Scelett,
eine Stellung, die ihnen schon ~Aristoteles~ anwies. Freilich galt im
Mittelalter mehr das System des ~Plinius~, der alles, was im Wasser
lebt, Fische, Muscheln, Krebse etc., als Wasserthiere, _Aquatilia_,
zusammenfasste und demgemäss wurden die Landschnecken entweder bei den
Würmern oder mit diesen als Anhang bei den Insecten abgehandelt. Nur
~Gesner~ unterscheidet die _Pisces_ und die _Aquatilia_ und handelt
auch die Landnacktschnecken bei den Wasserthieren ab. -- Schon ~Wotten~
1552, ~Aldrovandi~ 1605, ~Jonston~ 1632 und ~Ray~ 1693 kehren aber
darin zu ~Aristoteles~ zurück, dass sie die Thiere in blutführende
und blutleere, unseren Wirbelthieren und Wirbellosen entsprechend,
eintheilen und die Mollusca als eigene Abtheilung behandeln.
~Linné~ rechnete sie zu seiner sechsten, so viel Ungleichartiges
umfassenden Classe, den Würmern. Durch ~Cuvier~ erhielten sie endlich
die ihnen gebührende Stellung als gleichberechtigte Abtheilung neben
den Gliederthieren und Strahlthieren, und in dieser Stellung sind sie
seitdem auch geblieben.
Im Allgemeinen finden wir bei allen Mollusken, mögen sie nun einen vom
übrigen Körper abgesetzten Kopf mit Sinnesorganen besitzen oder nicht,
ein mehr oder minder vollständig entwickeltes ~Gefässsystem~, das aus
Schlag- und Blutadern besteht, zwischen denen aber fast immer Lücken
in Gestalt wandungsloser Räume, Lacunen, sich finden, und das ein
Herz -- bei einer Abtheilung auch mehrere -- zur Bewegung des Blutes
besitzt; -- ein ~Nervensystem~ aus einzelnen Nervenknoten bestehend,
die durch Fäden verbunden, aber nirgends zu einem Rückenstrang
zusammengereiht sind; -- ~Athmungsorgane~, je nach der Lebensweise
für Luft- oder Wasserathmung eingerichtet; -- stark entwickelte
~Verdauungsorgane~, die bei allen Kopfträgern mehr oder minder
entwickelte Fresswerkzeuge, bei allen Mund, Magen, Darmcanal und After
zeigen; -- einen sehr complicirt gebauten ~Fortpflanzungsapparat~, der
meistens beide Geschlechter in einem Individuum vereinigt, doch so,
dass zur Befruchtung Begattung mit anderen Individuen nöthig ist; --
mehr oder minder entwickelte ~Sinnesorgane~, die sich allerdings bei
unseren Kopflosen auf Tastapparate und Gehörorgane reduciren, während
bei den Kopfträgern noch Augen und sehr wahrscheinlich auch Organe für
Geruch und Geschmack hinzukommen; -- und endlich ~Fortbewegungsorgane~,
welche, meist in der Mittellinie, selten paarig seitlich angebracht,
nur einigen der niedersten, nur im Meere lebenden Formen, und auch
diesen nur in ihren späteren Entwicklungsstadien, fehlen, aber bei
vielen Muscheln stark verkümmert sind.
Die Körperbedeckung besteht bei allen Weichthieren aus einer musculösen
Haut, welche den ganzen Körper einschliesst; sie zeigt meistens eine
faltenförmige Verlängerung, welche einen grösseren oder kleineren
Theil des Körpers mantelartig einschliesst und desshalb auch ~Mantel~
(_Pallium_) genannt wird. In dem Raum zwischen Mantel und Körper liegen
bei vielen Mollusken die Athmungsorgane. Bei fast allen Arten sondert
der Mantel, zuweilen in seiner Substanz, noch häufiger auf der äusseren
Fläche, einen kalkhaltigen Schleim ab, aus dem sich das Gehäuse bildet.
Dieses ~Gehäuse~ (_Cochlea_ oder _Concha_) besteht aus kohlensaurem
Kalk in Form von Arragonit oder Kalkspath, mit einer, freilich geringen
Beimengung einer organischen Substanz, Muschelleim oder Conchiolin,
die bei den Schnecken 1%, bei den Muscheln etwa 2-4% der Masse
ausmacht. Bei den sogenannten nackten Schnecken liegt das Gehäuse, oder
wenigstens ein aus Kalkkörnern gebildetes Rudiment desselben innerhalb
des Mantels, bei den Gehäuseschnecken dagegen wird es, wenigstens
sobald sie das Ei verlassen haben, frei getragen; einige Arten umhüllen
es aber auch später noch mit einem Fortsatz des Mantels. Die äussere
Schale ist dann mit einer organischen ~Oberhaut~ (~_Epidermis_~)
überzogen, welche vor Ablagerung der Schale gebildet wird und diese vor
dem Einfluss von Luft und Wasser schützt.
Da man im Anfang nur die Gehäuse, als den am meisten in die Augen
fallenden und am leichtesten aufzubewahrenden Theil der Weichthiere,
beachtete, ist es natürlich, dass auch die ersten Eintheilungsversuche
nur die Gehäuse berücksichtigten. Bis auf ~Cuvier~ galt im Allgemeinen
die alte Eintheilung des ~Aristoteles~ in einschalige und zweischalige,
oder Schnecken und Muscheln, denen man meist noch die unnatürliche
dritte Categorie der vielschaligen beifügte, welche ~Aristoteles~
nicht hat und bessere Systematiker schon frühe verwarfen. ~Poli~ und
~Cuvier~ dagegen gründeten auf die Thiere und besonders auf deren
Fortbewegungsorgane die noch jetzt geltende Eintheilung. Andere fügten
noch fernere Untergattungen hinzu, und jetzt nimmt man ziemlich
allgemein sechs, mitunter auch sieben Gruppen an, die ~Cephalopoden~,
~Pteropoden~, ~Heteropoden~, ~Gastropoden~, ~Pelecypoden~ und
~Brachiopoden~, zu denen dann noch in neuester Zeit als siebente
Unterabtheilung die Meerzähne als _~Solenoconchae~_ kommen. Von
diesen Gruppen leben die drei ersten, die sechste und die siebente
nur im Meer, und es kommen für uns also nur zwei in Betracht, die
~Bauchfüsser~, ~Gastropoden~, mit einschaligem Gehäuse oder nackt, und
die ~Beilfüsser~, ~Pelecypoden~, auch Blattkiemer, _Lamellibranchiata_
(~Cuvier~), oder Muschelthiere, _Conchifera_ (~Lamarck~) genannt, mit
zweischaligem Gehäuse. Erstere nennen wir Schnecken, letztere Muscheln.
Der Bau dieser beiden Gruppen ist so durchaus verschieden, dass wir
jede für sich allein betrachten müssen. Der Hauptunterschied der Thiere
besteht darin, dass die Schnecken einen mehr oder weniger deutlich
abgesetzten Kopf mit Sinnesorganen und einen Fuss mit breiter, zum
Kriechen eingerichteter Sohle haben, während den Muscheln der Kopf
als formell gesonderter Abschnitt ganz fehlt und ihr Fuss beilförmig
zusammengedrückt oder cylindrisch oder ganz verkümmert ist.
Drittes Capitel.
Sammeln, Reinigen, Aufbewahren und Ordnen.
~Wo finden wir Mollusken?~
Die Mollusken des süssen Wassers sind so ziemlich überall verbreitet;
es dürfte kaum ein Bach zu finden sein, in dem nicht Schnecken oder
Muscheln vorkämen, selbst in warmen Quellen finden sich hier und
da Schnecken, z. B. _Bithynia thermalis_ in den Bädern von Lucca,
_Hydrobia aponensis_ in den Quellen von Abano. Im Allgemeinen sind
schnellfliessende, kalte Gebirgsbäche mit steinigem Grund viel ärmer,
als langsam fliessende oder gar die reich mit Pflanzen bewachsenen
stehenden Gewässer der Ebene. Während jene nur einige Unionen und
2-3 Limnäen und Ancylus enthalten, liefern uns die Gewässer der
norddeutschen Ebene 78 Arten; manche Gattungen, z. B. _Physa_ und
_Paludina_, und die grossen Planorben, scheinen sich, wenigstens in
unserem Gebiete, nie in’s Gebirge zu versteigen, während _Hydrobia_ nur
dem gebirgigen Theile desselben angehört.
Die ergiebigsten Fundorte für Süsswasserconchylien sind stehende
Gewässer mit schlammigem, aber nicht moorigem Grund, Gräben,
Flussbuchten, verwachsene Teiche und ganz besonders die durch
Stromregulirungen abgeschnittenen Altwasser, die oft förmlich von
_Limnaea_, _Planorbis_, _Physa_, _Valvata_, _Bithynia_, _Paludina_,
_Cyclas_, _Pisidium_, _Anodonta_, _Unio_ wimmeln. Auch in Tümpeln, die
von allen anderen isolirt ohne äusseren Ab- und Zufluss mitten im Felde
liegen, findet man nicht selten Schnecken; wie sie dorthin gekommen,
ist mitunter schwer begreiflich. Früher nahm man zur Entstehung
durch Urzeugung seine Zuflucht, aber in neuerer Zeit, wo man lieber
beobachtet als philosophirt, hat man gelernt, es auf andere Weise zu
erklären. ~Heynemann~ hat an einer aus Mexico stammenden Wasserwanze
ein Pisidium fest anhängend gefunden; hier ist also die Möglichkeit
einer Uebertragung auf weite Strecken hin durch Insecten direct
nachgewiesen. In ähnlicher Weise kann es jedenfalls auch durch Vögel
geschehen, besonders durch die oft stundenlang unbeweglich im Wasser
stehenden Reiher. Endlich ist es mir durchaus nicht unwahrscheinlich,
dass kleine Muscheln und selbst gedeckelte Wasserschnecken mitunter,
wenn lebendig verschluckt, den Darmcanal unverdaut passiren und so
verpflanzt werden können.
In solchen Gewässern sucht man am besten, wenn der Sonnenschein die
seichten Uferstrecken recht durchwärmt hat; es sammeln sich dann die
Weichthiere oft in grossen Mengen an der Sonnenseite, um die Wärme zu
geniessen. Ausserdem sucht man die Wasserpflanzen ab und fischt den
Schlamm des Bodens mit einem feinmaschigen, an einen Stock geschraubten
Netz aus. Kleine Arten erhält man mitunter in grosser Menge durch die
Larven der Köcherfliegen, Phryganeen, die, im Wasser lebend, sich aus
Steinen, Holzstückchen u. dergl., an schneckenreichen Localitäten aber
auch aus den Gehäusen kleiner Planorben, Limnäen, Valvaten, Pisidien
und _Ancylus lacustris_ Röhren bauen, was dem Sammler natürlich viele
Mühe spart. Mitunter findet man sogar noch lebende Schnecken an den
Röhren. Wo man keine Schnecken an den Phryganeengehäusen findet,
braucht man auf Ausbeute an kleineren Schnecken nicht zu hoffen.
Muscheln sucht man am besten im seichten Wasser mit der Hand vom Ufer
oder von einem Kahn aus. Als Anhalt dienen dabei die Furchen, welche
sie im Schlamm des Bodens ziehen: am einen Ende derselben steckt die
Muschel. Will man in tieferem, undurchsichtigem Wasser fischen, so thut
man gut, den Boden erst tüchtig mit einem Rechen aufzulockern, ehe
man mit dem Netz sucht, da die Muscheln sonst zu fest stecken. Reiche
Ausbeute macht man, wenn ein Teich oder ein Mühlgraben abgelassen wird;
es sind das Festtage für den Schneckensammler wie für den Käfersammler,
der dabei seine Ernte an Wasserkäfern hält.
Die Mainmuscheln kann man sehr bequem erhalten, da die Thiere an
vielen Orten zum Mästen der Schweine verwandt werden. Besonders in der
Umgegend von Schwanheim findet man ganze Haufen frischer, vollkommen
sauber ausgeleerter und unversehrter Schalen, und kann sich in aller
Bequemlichkeit die interessantesten Formen herauslesen.
Auch am Rande der Gewässer ist eine reiche Ausbeute zu machen. Auf dem
Boden und an Wasserpflanzen kriechen die Bernsteinschnecken umher,
unter Steinen, Holz u. dergl. finden sich viele Hyalinen, kleine
Helices, Pupen und Carychien; auch eine Nacktschnecke, der kleine
_Limax brunneus_, entfernt sich nicht weit vom Wasser. Man kann
sich, wie an allen schneckenreichen Localitäten, das Sammeln sehr
erleichtern, wenn man an passenden Stellen alte halbfaule Holzstücke,
Steine u. dergl. auslegt; bei trockenem Wetter sammeln sich die
Schnecken der ganzen Umgegend darunter und können dann einfach in
die Schachtel gekehrt werden. Auch Rohrhalme und selbst Glasröhrchen
kann man mit Erfolg auslegen. Nach ~Dumont~ und ~Mortillet~ kann man
namentlich den _Limax_ durch Auslegen von Knochen, deren Gelatine ihn
anzieht, leicht bekommen.
Viele kleine Arten, die man sonst nur mit Mühe einzeln erhält, kann
man bequem und in Menge, aber freilich immer nur leer finden, wenn
man im Frühjahr unmittelbar nach der ersten Fluth das von den Bächen
und Flüssen angeschwemmte Geniste durchsucht. Man nimmt sich eine
grössere Quantität mit nach Hause, wobei man berücksichtigen muss,
dass die grösste Anzahl der leeren, schwimmenden Gehäuse sich immer
auf der Oberfläche der Genisthaufen findet; dann sucht man zunächst
die grösseren Arten aus und entfernt gleichzeitig die grösseren
Holzstückchen, Rohrhalme u. dergl., den feineren Rest siebt man dann
durch und durchsucht das Durchgesiebte in kleinen Portionen auf weissem
Papier. Die kleinen _Vertigo_, _Pupa muscorum_, _Hel. costata_ und
ganz besonders _Cionella acicula_, die sonst nicht leicht zu bekommen
ist, erhält man dann in grosser Menge. Genaueres über die im Geniste
vorkommenden Schneckenarten folgt am Schlusse.
Beim Sammeln von Landschnecken müssen wir vor Allem bedenken, dass
alle Schnecken mehr oder weniger die Feuchtigkeit lieben. Nur wenige
Arten leben an trockenen Stellen und dann meist gesellig, z. B.
_Helix ericetorum_, _candidula_, _costulata_, _Bulimus detritus_ und
_tridens_, _Pupa frumentum_; aber auch diese sind bei Regen munterer
und sitzen bei trocknem Wetter wenigstens den Tag über unbeweglich.
Im Uebrigen ist es schwer, hier bestimmte Regeln aufzustellen; ich
muss für das Genauere auf den speciellen Theil verweisen. Immer ist
unter sonst gleichen Bedingungen Kalkboden reicher an Schnecken, als
kalkarmer, weil es den Thieren dort viel leichter ist, den zum Bau
ihrer Schalen nöthigen Kalk aufzunehmen.
Wo man in kalkarmen Gegenden auffallend viel Schnecken beisammen
findet, ist fast immer Kalk in der Nähe, sei es als unterirdisches
Kalklager, das den Quellen einen grösseren Kalkgehalt mittheilt, sei
es als Mörtel an alten Mauern und Ruinen. Besonders die Ruinen sind
immer reiche Fundgruben für Schnecken, die hier ausser dem Kalk in
den Trümmerhaufen auch sichere Verstecke und genügenden Schutz vor
Sommerhitze und Winterkälte finden. Sehr häufig findet man an solchen
Punkten Schnecken, die auf weit und breit in der Gegend nicht mehr
vorkommen, z. B. _Claus. lineolata_ und _Pupa doliolum_ auf den
Schlossruinen des Taunus, _Amalia marginata_ auf denen des rheinischen
Schiefergebirgs. Ja, man kann behaupten, dass fast ohne Ausnahme alle
isolirt vorkommenden, in der Fauna einer Gegend wie fremd dastehenden
Arten an solche Fundorte gebunden sind.[1]
Andere reiche Localitäten sind Hecken und bewachsene Raine. Unsere
grösseren Helixarten, _pomatia_, _hortensis_, _nemoralis_, _fruticum_
finden sich mit Vorliebe an solchen Stellen.
Der Hauptfundort für den Sammler bleibt immer der Laubwald, besonders
der Buchenwald, wenn er nicht zu trocken ist und genug Unterholz hat.
Auf den Randgebüschen und unter denselben, im feuchten Moos und auf
und unter der Bodendecke treiben sich eine Menge kleiner Arten herum,
und stundenlang kann man, an einer Stelle liegend, Laub und Moos
durchwühlen und immer neue Beute machen. Auch an den Stämmen sind Arten
von _Helix_, _Bulimus_, _Clausilia_ und _Limax_ mitunter in Menge
zu finden. Waldreiche Gegenden sind nie ganz arm an Schnecken, wenn
sie nicht rein aus Nadelholz bestehen, das, ausser vielleicht an den
Küsten des Mittelmeeres (_Hel. Homeyeri_) von den Schnecken fast ganz
gemieden wird. -- Feuchte quellige Stellen in Buchenwäldern, besonders
die Anfänge der Waldthälchen, sind fast immer sehr reich an Schnecken.
Man sucht hier zunächst die Unterseite der Steine und das Gras in deren
nächster Umgebung ab und nimmt dann von dem feuchten Laub am besten
eine tüchtige Portion mit nach Hause, um es dort zu trocknen und bequem
auszulesen. Auslegen von faulem Holz und Steinen rentirt auch hier sehr
gut. -- Ueberhaupt muss man es sich zum Gesetz machen, auf Excursionen
jeden halbwegs grossen Stein umzudrehen, da man unter ihnen meistens
die reichste Ausbeute macht.
~Seibert~ in Eberbach empfiehlt in Nro. 6 des Nachrichtsblattes für
1870 mit Recht, den Boden der halb ausgetrockneten Wiesengräben
zur Zeit der Heuernte zu untersuchen. Auch hier kann man das
Moos ausstechen und mit nach Hause nehmen, um es dort in aller
Bequemlichkeit zu durchsuchen.
Was nun die Tageszeit anbelangt, so sind bei trockenem Wetter die
Schnecken fast nur zu finden, so lange der Thau im Grase liegt, und
wenn man eine reiche Ernte von Nacktschnecken halten will, muss man
Abends nach Sonnenuntergang oder in den ersten Tagesstunden gehen.
Man findet dann oft Schnecken in Masse an Stellen, an denen man sonst
nie eine einzige gesehen hat. Bei feuchtem, regnerischem Wetter und
bedecktem Himmel bleiben die Schnecken auch bei Tag ausser ihrem
Versteck. Im Allgemeinen kann man mit ~Rossmässler~ annehmen, dass, je
trockner das Wetter, desto näher am Boden oder desto tiefer unter der
Bodendecke die Schnecken sich aufhalten.
Noch viel grösser ist natürlich der Einfluss der Jahreszeit. Man
findet freilich Schnecken zu allen Jahreszeiten, wenn nicht der Boden
ganz fest gefroren ist, und die Daudebardien, Vitrinen und _Cionella
acicula_ findet man sogar vorzugsweise im Herbst und im ersten
Frühjahr, selbst unter dem schmelzenden Schnee. Die meisten Schnecken
aber lieben die Wärme, und wenn man sie nicht in ihren Winterquartieren
aufsuchen will, muss man mit dem Sammeln warten bis nach dem ersten
tüchtigen warmen Frühlingsregen, der sie aus dem Winterschlafe weckt.
Die Wasserschnecken erscheinen nur, wenn das Wasser nicht zu kalt ist;
sonst verbergen sie sich, wie auch die Muscheln, im Schlamm. -- Im
Frühjahr findet man sehr häufig unausgewachsene Gehäuse, oder solche,
welche bei der Ueberwinterung gelitten haben, denn auch am lebenden
Thiere verwittern die Gehäuse, wie man sich besonders an den Campyläen
und Clausilien des Hochgebirgs, aber auch schon an unseren Schnecken
überzeugen kann. Ich erinnere mich z. B. kaum jemals im Frühjahr ein
glänzendes, unverwittertes Exemplar von _Clausilia laminata_ in der
Umgegend von Biedenkopf gefunden zu haben, während sie doch im Herbst
vollständig durchsichtig und rein waren, und auch an den überwinterten
_Helix nemoralis_ sah man meistens Spuren des Winters. Die beste Zeit
zum Sammeln ist desshalb im Nachsommer und im ersten Herbst; auch die
Wasserschnecken findet man dann meistens ausgewachsen.
Die zum Sammeln nöthigen Instrumente sind äusserst einfach. Ein paar
Schachteln von Holz oder Blech, ein paar Gläser mit weiter Oeffnung
oder starke Glasröhren genügen zur Aufbewahrung. Ich führe gewöhnlich
ein blechernes, zum Umhängen eingerichtetes Gefäss, in das oben im
Deckel eine 1″ weite, durch einen Kork verschliessbare und nach beiden
Seiten vorragende Blechröhre eingesetzt ist. Zweckmässig sind auch
eine Anzahl flacher Blechschachteln von gleicher Grösse, die man zu
einer Rolle zusammenpacken kann, so dass sie in der Umhängetasche nur
wenig Raum einnehmen. Complicirtere Apparate sind durchaus unnöthig.
Nur einige sehr zarte Arten, wie _Daudebardia_, _Vitrina_ und die
Nacktschnecken müssen vorsichtiger behandelt werden, wenn man sie
lebend nach Hause bringen will, besonders bei trockenem Wetter.
Man thut dann die kleinen Arten am besten in Glasröhren, die man
oben und unten gut verkorkt, die grösseren in eine gut schliessende
Blechschachtel mit etwas ~lebendem~ Moos, das aber nicht zu feucht
sein darf. Wasserschnecken bleiben in Gläsern ohne Wasser sehr lange
am Leben, während sie im Wasser rasch absterben; man nimmt sie also am
besten trocken mit. Nur bei den gedeckelten Kiemenathmern thut man gut,
eine Portion feuchter Wasserlinsen beizugeben.
Um die ganz kleinen Schnecken, die in Moder und Mulm leben und mit
den Fingern nicht gut erfasst werden können, zu sammeln, nimmt man am
zweckmässigsten ein weithalsiges Glas, dessen Kork mit einer Federspule
durchbohrt ist; mit dem freien Ende derselben kann man dann die
Schneckchen aufschöpfen und sie gleich in das Glas hinabrollen lassen.
Was man nicht lebend nach Hause bringen will, kann man gleich lebend
in ein Glas mit Spiritus werfen, das man um den Hals hängt, wie
Käfersammler zu thun pflegen.
Zum Suchen auf dem Lande gebraucht man zweckmässig einen kleinen,
starken Handrechen, den man des bequemen Unterbringens halber auch
zum Anschrauben einrichtet; es schont die Finger sehr, wenn man
damit, statt mit ihnen, die Bodendecke aufkratzt. Auch ein paar gute
Handschuhe sind an dicht mit Brennesseln bewachsenen Stellen von
entschiedenem Werthe.
Für die Wasserjagd braucht man ein starkes Netz aus einem
dichtmaschigen Zeug, das man an einen starken Stock anschrauben kann;
des Rostes wegen ist eine Vorrichtung zum Anstecken auch durchaus nicht
unpraktisch. E. A. ~Bielz~ empfiehlt statt des Netzes ein Drahtsieb mit
2″ hohem Rande aus starkem Leinen, mit dem es an dem Draht befestigt
ist; man kann es dann in trockenem Zustande wie einen Klapphut
zusammenlegen und in die Tasche stecken.
Derbe, möglichst wasserdichte Stiefeln und Kleider, auf deren
Reinerhaltung man nicht zu sehr zu sehen braucht, erklärt ~Rossmässler~
nicht mit Unrecht für Haupterfordernisse zu einer erfolgreichen
Excursion.
Hat man nun seine Ausbeute von einer Excursion glücklich nach Hause
gebracht, so beginnt die Hauptarbeit, das Reinigen der Gehäuse und das
Entfernen der Thiere aus denselben. Nur die mit den Thieren gesammelten
Gehäuse haben noch den vollständigen Glanz; leere sind schon nach
wenigen Tagen verwittert und verblichen, was besonders hervortritt,
sobald sie trocken werden. Man muss desshalb, wo es möglich ist,
immer nur lebende sammeln. Die Schnecken sind in ihrem Gehäuse durch
einen sehnigen Bandstreifen angewachsen; um denselben abzulösen und
zugleich die Schnecken zu tödten, wirft man sie in siedendes Wasser
und lässt sie darin, bis es sich soweit abgekühlt hat, dass man die
Schnecken bequem mit den Fingern herausholen kann. Dann fasst man das
Thier mit einer gekrümmten Nadel oder einem Drahthäkchen und zieht es
vorsichtig heraus. Bei vielen Arten reisst sehr gerne der hintere Theil
des Thieres, welcher die Leber enthält, ab, besonders wenn man es zu
früh aus dem Wasser genommen hat. Solche Exemplare legt man an einen
kühlen, schattigen Ort in’s Freie; Käfer und Fliegenlarven besorgen
die Reinigung dann sehr rasch und gründlich, und der Speckkäfer mit
seinen Verwandten, der Schrecken der Insectensammler, wird in den
Conchyliensammlungen gern geduldet. Bei vielen Helices mit gezahnter
Mündung und bei den Pupen ist man von vornherein auf dieses Verfahren
angewiesen, Clausilien lassen sich fast gar nicht aus dem Gehäuse
entfernen, und der Schliessapparat sperrt auch nach dem Tode noch
den Insecten den Zugang; diese lässt man einfach eintrocknen. Die
Wasserschnecken sind alle sehr leicht zu reinigen, selbst die dünnen,
vielgewundenen Planorben und die zerbrechlichen Physen.
Die Muscheln sind nicht durch ein Band, sondern durch ihre
Schliessmuskel an den Schalen befestigt. Man tödtet sie durch siedendes
Wasser, muss sie aber darin kochen lassen, damit das Wasser im Innern
der Schalen auch genügend erhitzt wird. Sobald das Thier todt ist,
klaffen die Schalen; man löst dann mit einem stumpfen Falzbein die
Muskeln von ihren Ansatzstellen und nimmt das Thier heraus.
Die ungedeckelten Schnecken sind dann zum Aufbewahren fertig; bei den
gedeckelten löst man den Deckel, der meist für die Bestimmung sehr
wichtig ist, vom Fusse ab, bestreicht seine Unterseite mit etwas Gummi
und klebt ihn auf ein Bäuschchen Baumwolle, das man in die Mündung
gesteckt hat.
Viele Wasserschnecken sind mit einer mehr oder weniger fest
aufsitzenden Schmutzkruste überzogen, die sich nur durch scharfes
Bürsten mit einer weichen Zahnbürste und Seifenwasser entfernen lässt.
Bei den sehr zerbrechlichen Arten, besonders den Limnäen, thut man gut,
die Reinigung noch am lebenden Thiere vorzunehmen, da dann das Gehäuse
weniger leicht zerbricht. Immer kann es aber nichts schaden, wenn man
auch ein ungereinigtes Exemplar von jedem Fundort in die Sammlung
legt, denn die Schmutzkruste zeigt nicht selten charakteristische
Eigenthümlichkeiten.
Auch die Muscheln bedürfen stets einer sehr gründlichen Reinigung
und ihre wahre Farbe kommt nicht selten erst heraus, wenn man sie
mit starkem Essig oder einer schwachen Mineralsäure überstreicht. Um
den charakteristischen Ueberzug zu erhalten, kann man sich begnügen,
eine Schale zu putzen. Nach dem Reinigen drückt man die beiden
Schalen zusammen und wickelt einen Faden darum, um sie in dieser
Lage zu halten, bis sie trocken sind. Um auch das Innere jederzeit
betrachten zu können, durchschneidet man das Schlossband mit einem
scharfen Messer. Der Sicherheit halber pflege ich dann beide Klappen am
Vorderrande mit einem Papierstreifen zu verbinden und Namen und Fundort
in’s Innere zu schreiben.
Ueber die Art der Aufstellung und Aufbewahrung in der Sammlung kann
man keine Vorschriften machen; es muss sich da Jeder selbst seinen
Weg suchen und die für ihn zweckmässigste Art der Aufstellung selbst
herausprobiren. Man thut gut, alle kleineren Arten aufzukleben, und
Namen und Fundort auf die Rückseite des Streifens zu schreiben; passirt
dann einmal ein Unglück und wird eine Schublade voll durcheinander
geworfen, so kann man sie leicht wieder auseinander lesen. -- Eins kann
man aber dem angehenden Sammler nicht dringend genug an’s Herz legen,
nämlich von Anfang an gleich seine Conchylien sorgfältig nach den
Fundorten getrennt zu halten, denn es ist sehr unangenehm, wenn man bei
einer Revision einmal eine interessante Varietät oder selbst eine neue
Art unter anderen findet und dann nicht mehr weiss, woher sie stammt.
Ich glaube kaum, dass ich der Einzige bin, der schliesslich im Aerger
seine früher gesammelten Sachen sämmtlich wegwarf und von Neuem anfing.
Es ist nicht zu verkennen, dass das Aufbewahren der Gehäuse nur ein
Nothbehelf ist, da es leider noch kein Mittel gibt, die für unsre
Wissenschaft viel wichtigeren Thiere bequem und mit Beibehaltung ihrer
Form aufzubewahren. Sie halten sich nur in Weingeist und schrumpfen
darin schnell zu einer formlosen Masse ein oder ziehen sich ganz in
ihr Gehäuse zurück. Will man die Thiere aufbewahren, -- und für unsre
Nacktschnecken gibt es ja kein anderes Mittel, sie unseren Sammlungen
einzuverleiben, so muss man sie in kaltem Wasser ersticken, allerdings
ein etwas grausames Verfahren. Die Thiere kriechen dann möglichst weit
aus dem Gehäuse, aber sie schwellen unnatürlich an und ziehen die
Fühler halb ein. Doch habe ich im Museum zu Leipzig Präparate, von
Herrn ~Nitsche~ angefertigt, gesehen, die ganz die natürliche Gestalt
bewahrten; dieselben wurden alsbald nach dem Tode mit Nadeln auf einer
Wachsplatte in natürlicher Stellung befestigt, die Fühler ausgestreckt
etc., und dann in starkem Weingeist gehärtet. Ich muss gestehen, dass
mich diese Präparate, die sich in Nichts von dem Thiere im lebenden
Zustande unterschieden, im höchsten Grade überraschten. Immerhin
bleibt es aber für einen Privatmann eine ziemlich kostspielige Sache.
-- Man darf hier nicht vergessen, die Thiere nach einigen Tagen aus
dem Spiritus herauszunehmen, von dem anklebenden Schleim zu reinigen
und dann in frischen Spiritus zu legen; versäumt man es, so sehen die
Schnecken schmutzig aus und der Spiritus wird rasch trüb.
Viertes Capitel.
Zucht lebender Mollusken.
Um die Lebensweise der Mollusken beobachten zu können, muss
man dieselben lebend aufbewahren und züchten, was bei einiger
Aufmerksamkeit durchaus nicht schwierig ist. Am einfachsten ist die
Zucht der Wasserschnecken und Muscheln: die jetzt als Zimmerzierde
so beliebten Aquarien sind das bequemste Mittel, um sie lebend zu
beobachten; sie verlangen darin gar keine weitere Pflege und vermehren
sich sehr stark, vorausgesetzt, dass man nicht gleichzeitig auch Fische
darin hält. Als Futter scheinen die meisten Arten Wasserschnecken
Wasserlinsen, _Ceratophyllum_ und _Hydrocharis_ zu lieben; doch
sind es eigentlich nur _Limnaea stagnalis_, _Planorbis corneus_ und
_marginatus_, welche frische Pflanzen abfressen; die anderen halten
sich mehr an die abgestorbenen Blattreste und an Algen und die sogen.
~Priestley~’sche Materie; bringt man eine mit Algen bedeckte Limnäe
aus der Freiheit in’s Aquarium, so kommen die übrigen Schnecken sofort
herbei und weiden sie förmlich ab. Im Winter kann man auch Brodkrumen
und selbst Fleischstückchen füttern. -- Die Muscheln bedürfen ausser
den im Wasser suspendirten organischen Theilchen und vielleicht den
microscopischen Algen gar keiner Nahrung; ich habe alle unsere Arten,
~Unio~, _Anodonta_, _Cyclas_, _Pisidium_ und selbst _Tichogonia_ Jahre
lang im Aquarium gehabt, ohne mich weiter um sie zu kümmern. Doch darf
man die Pflanzen darin nicht zu üppig werden lassen; im Frühjahr 1870
brachte ich einige Exemplare _Hottonia palustris_ in mein Aquarium, die
sich sehr rasch vermehrten und einen dichten Rasen bildeten; in Folge
davon gingen sämmtliche Muscheln, die zum Theil schon 1½ Jahre darin
gelebt, binnen wenigen Tagen zu Grunde. Uebereinstimmend damit findet
man in stark bewachsenen Gewässern selten Muscheln.
Etwas vorsichtiger muss man bei der Zucht der Landschnecken sein, da
man hier einerseits zu grosse Nässe, andererseits zu grosse Trockenheit
zu vermeiden hat. ~Rossmässler~ empfiehlt zur Zucht grosse Gläser, die
man unten abschneidet und mit einem groben Drahtsieb zubindet; man
füllt sie bis zu einem Drittel mit Erde und Laub, unter die man ein
paar Kalksteine legt, und stellt das Ganze in einen irdenen Untersatz,
von welchem aus man die Feuchtigkeit regulirt. Ebenso gut kann man aber
auch eine irdene Blumenscherbe nehmen, die man mit einer Glasplatte
zudeckt. Auch in Terrarien und, wie ~Seibert~ im Nachrichtsblatt 1870
bemerkt, auf dem Felsen von Aquarien, kann man mit dem besten Erfolg
Schnecken züchten. Man muss nur immer besonders darauf achten, dass
kein Schimmel entsteht.
Als Futter verwendet man am besten dünne Scheibchen Obst, Gemüse,
Rüben, Salat, Bohnen und Gurken; namentlich die letzteren werden sehr
begierig von ihnen gefressen und _Cyclostoma elegans_ wollte in der
Gefangenschaft gar kein anderes Futter anrühren. Die Daudebardien,
Vitrinen und mehrere Nacktschnecken muss man mit lebenden Schnecken
oder rohem Fleisch füttern. Im Winter stellt man sie in ein frostfreies
Zimmer und gibt ihnen durchaus kein Wasser; im Sommer stellt man sie am
besten an einen schattigen Ort im Garten.
Sorgt man dafür, dass der Untersatz immer etwas Wasser bekommt, dass
die Zahl der Exemplare in einem Topf nicht zu gross wird, und dass
kein schimmeliges Futter liegen bleibt, so kann man Jahre hindurch
immer neue Generationen züchten, wie es die Herren ~Mühlenpfordt~ in
Hannover, ~Sporleder~ in Rheden, ~Sterr~ in Donaustauf u. andere mit
dem besten Erfolge gethan haben.
Auch im Freien kann man ganz gut Schnecken züchten, indem man durch
einen Drahtkorb ihr Entweichen verhindert; man muss aber vorsichtig
sein, denn manche Arten, namentlich Nacktschnecken, graben sich mit
grosser Geschicklichkeit unter der Wand durch und entfliehen. Dagegen
hat es seine Schwierigkeit, sie im Freien an Orten, wo sie sonst nicht
vorkommen, zu acclimatisiren, auch wenn man in der Wahl der Localitäten
und der Zeit noch so vorsichtig ist und grosse Massen aussetzt.
Andererseits kommen wieder Verschleppungen unter den anscheinend
ungünstigsten Umständen nicht selten vor.
Fünftes Capitel.
Terminologie, Kunstsprache.
Um ein Conchyl mit wenig Worten genau und treffend zu beschreiben, ist
es nöthig, jeden einzelnen Theil des Gehäuses mit einem bestimmten
Namen zu belegen und auch für die verschiedenen Formen bestimmte
Ausdrücke ein für allemal zu wählen. Es ist diess natürlich von
allem Anfang an geschehen und so ist nach und nach eine bestimmte
Kunstsprache entstanden, welche namentlich von ~Rossmässler~, L.
~Pfeiffer~ u. A. ausgebildet worden ist. Wir wollen, um Anfängern
das Verständniss der späteren Beschreibungen zu erleichtern, die
wichtigsten Kunstausdrücke hier kurz mittheilen. Doch können wir,
da wir die Beschreibungen nur deutsch, ohne die gebräuchlichsten
lateinischen Diagnosen geben, die lateinischen Kunstausdrücke in den
meisten Fällen füglich übergehen.
Man unterscheidet zunächst das einschalige ~Schneckenhaus~, _~Testa~_,
von der zweischaligen ~Muschel~, _~Concha~_. An dem Schneckenhaus haben
wir die ~Spitze~, die verschiedenen ~Windungen~ oder Umgänge, und die
untere Oeffnung oder ~Mündung~. Die feine Haut, welche die Aussenfläche
des Gehäuses überkleidet und hauptsächlich die Farben enthält, nennt
man die ~Oberhaut~, _Epidermis_. Die Linie, in welcher die einzelnen
Windungen zusammenstossen, nennt man die ~Naht~, _Sutura_; die gerade
Linie dagegen, um welche die Windungen herum gewunden sind, bezeichnet
man als ~Spindel~, _Columella_. An der Unterseite des Gehäuses sehen
wir oft ein Loch, dadurch entstanden, dass die verschiedenen Windungen
sich hier nicht berühren, die Spindel also gewissermassen einen hohlen
Kegel bildet, in den man hineinsehen kann; man nennt dieses Loch den
~Nabel~, _Umbilicus_, und unterscheidet, da seine Beschaffenheit für
die Bestimmung sehr wichtig ist, verschiedene Abstufungen in der Weite
desselben; man nennt ein Gehäuse ~genabelt~, wenn die Oeffnung ziemlich
weit ist, wie bei _Helix obvoluta_, ~durchbohrt~, wenn sie eng ist,
wie bei _Helix sericea_, ~geritzt~, wenn sie nur in einem mehr oder
weniger vertieften Ritz besteht, wie bei den Clausilien. Wird der
Nabel von dem der Spindel zunächst liegenden Theile des Mündungsrandes
ganz oder zum Theil überdeckt, so nennt man das Gehäuse ~bedeckt~ --
~genabelt~, oder -- ~durchbohrt~. Der Nabel kann ausserdem noch ganz-
oder halbdurchgängig, weit, perspectivisch u. dergl. sein.
An der Mündung unterscheidet man den freien Rand des Gehäuses, den
~Mundsaum~, und den zwischen beiden Enden desselben befindlichen Theil
des letzten oder vorletzten Umganges, die ~Mündungswand~. Auf beiden
stehen nicht selten Vorsprünge, die man, je nach der Gestalt, als
~Zähne~, ~Falten~ und ~Lamellen~ bezeichnet; häufig ist der Mundsaum
auch innen mit einer Wulst, der ~Lippe~, belegt. -- Der Mundsaum
besteht aus einem ~Innen-~ oder ~Spindelrand~ und einem ~Aussenrand~,
ersterer die von der Spindel, letzterer die von der Naht entspringende
Hälfte, die in der Mitte ohne Gränze in einander übergehen. Je nachdem
die Ansatzstellen mehr oder weniger entfernt von einander liegen, nennt
man sie ~entfernt~ oder ~genähert~, und ~verbunden~, wenn sie durch
eine linienförmige Lippe auf der Mündungswand mit einander verbunden
sind. Tritt der Mundsaum ringsum deutlich vom Gehäuse los, wie bei
_Helix lapicida_, so nennt man ihn ~gelöst~.
Den von aussen sichtbaren inneren Theil des Gehäuses nennt man den
~Schlund~, den weiter nach oben gelegenen Theil desselben speciell den
~Gaumen~; ihnen entspricht auf der Aussenseite der ~Nacken~. Diese
Gegenden sind besonders bei der Beschreibung der Clausilien und Pupen
von Wichtigkeit.
Die ~Windungen~ können stielrund, niedergedrückt, d. h. breiter als
hoch, und umgekehrt zusammengedrückt, d. h. höher als breit, sein, oder
bauchig, aufgetrieben oder kantig; sind sie so niedergedrückt, dass sie
einen scharfen Rand bilden, so nennt man sie ~gekielt~ und den Rand
selbst den ~Kiel~, _~Carina~_.
Viele Schnecken haben einen an ihrem Fusse befestigten ~Deckel~,
_~Operculum~_, mit welchem sie das Gehäuse schliessen können; derselbe
ist kalkig, hornartig oder knorpelig, spiralig oder concentrisch
gestreift, und entweder ~endständig~, wenn er gerade an den
Mündungsrand anschliesst, oder ~eingesenkt~, wenn er erst weiter innen
die Oeffnung verschliesst.
Die Schnecken, welche keinen solchen Deckel besitzen, verschliessen
ihr Gehäuse, wenigstens im Winter, mitunter auch im Sommer bei grosser
Trockenheit, durch einen zeitweiligen Deckel, den ~Winterdeckel~,
_~Epiphragma~_; manche auch durch mehrere hintereinander; derselbe kann
kalkig, lederartig oder häutig sein.
Was die Richtung der Windungen anbelangt, so unterscheidet man
~rechts gewundene~ und ~links gewundene~ Gehäuse. Man erkennt die
Windungsrichtung am bequemsten, wenn man das Gehäuse aufrecht, mit der
Spitze nach oben und der Mündung nach dem Beschauer zu betrachtet; bei
den links gewundenen steht dann die Mündung nach links, bei den rechts
gewundenen nach rechts von der Spindel.
Bei den Muscheln unterscheidet man zunächst eine rechte und eine linke
Schale. Welches die rechte und welches die linke Schale sei, darüber
ist früher sehr viel gestritten worden; in neuerer Zeit ist man aber
nach dem Vorgang von ~Nilsson~ und ~Rossmässler~ so ziemlich darüber
einig, die Schale die rechte zu nennen, welche zur Rechten liegt,
wenn man die Muschel mit den Wirbeln nach oben so aufstellt, dass das
Schlossband nach dem Beschauer zu gerichtet ist. Den Schalenumfang
zerfällt man in vier Theile, den ~Ober~- oder ~Rückenrand~, an welchem
die Wirbel und das Schlossband liegen, und gegenüber den ~Unterrand~,
den ~Hinterrand~, der von den Wirbeln aus auf derselben Seite liegt,
wie das Schlossband, und gegenüber den ~Vorderrand~.
Auf jeder Schale sehen wir einen vorgetriebenen Punkt, den ~Wirbel~
oder Buckel; die beiden Wirbel liegen immer einander genau gegenüber
und nahe am Oberrand. Theilt eine durch sie hindurch gehende Linie
die Muschel in zwei ganz oder doch annähernd gleiche Theile, so
nennt man dieselbe ~gleichseitig~, im anderen Falle, der bei unseren
meisten Muscheln vorkommt, ~ungleichseitig~. Den Raum unmittelbar
vor und zwischen den Wirbeln nennt man das ~Schildchen~ (_~Areola~_,
_~Lunula~_), den hinter den Wirbeln bis zum Anfange des Hinterrandes
den ~Schild~ (_~Area~_). In diesem Raume liegt ein starkes, zähes
Band, das die beiden Schalen verbindet und durch seine Elasticität ihr
Aufklappen bewirkt, das ~Schlossband~. Der unmittelbar unter demselben
liegende Theil des Oberrandes ist meist mit ineinandergreifenden
Zähnen oder Leisten versehen, die beim Oeffnen der Schalen ein
Auseinanderweichen verhindern; man nennt die ganze Vorrichtung das
~Schloss~.
Im Innern der Schale sieht man zwei mehr oder minder deutliche Gruben
oder Eindrücke, in welchen beim lebenden Thiere die Schliessmuskeln
angeheftet sind; man nennt sie den vorderen und den hinteren
~Muskeleindruck~. Von dem einen zum anderen läuft parallel mit dem
Unterrande eine vertiefte Linie, der ~Manteleindruck~.
Was sonst noch in den Beschreibungen von Kunstausdrücken vorkommt,
bedarf keiner weiteren Erklärung. Nur noch ein paar Worte über die
Benennung der Schnecken und Muscheln. Wie es bei den kleinen, dem
Volke nicht auffallenden Thieren natürlich ist, haben nur wenige
einen gebräuchlichen deutschen Namen und die deutschen Namen, die
man ihnen in den Büchern gibt, sind zum Theil geradezu komisch,
z. B. Schnirkelschnecke für _Helix_, Frassschnecke für _Bulimus_.
Die wichtigsten sind desshalb die wissenschaftlichen, lateinischen
Namen. Nach dem System des grossen Schweden ~Linné~ bestehen dieselben
immer aus zwei Namen, der erste bezeichnet die Gattung, der zweite
die Art. Dazu kommt aber noch ein dritter Name; es sind nämlich unter
denselben Namen nicht selten ganz verschiedene Sachen beschrieben
worden; was z. B. O. F. ~Müller~ _Helix sericea_ nennt, ist etwas ganz
Anderes, als was ~Draparnaud~ mit diesem Namen bezeichnet. Um nun die
Irrthümer zu verhüten, setzt man hinter den Namen der Art noch den des
Schriftstellers, der dieselbe zuerst beschrieben, wie z. B. _Helix
sericea_ ~Draparnaud~, _Bulimus obscurus_ ~Müller~.
Sechstes Capitel.
Die wichtigsten conchyliologischen Werke.
Wir haben zwar schon im ersten Capitel die speciell auf die
nassauische Fauna bezüglichen Arbeiten aufgeführt; da aber die
wenigsten Sammler sich ganz auf Nassau beschränken werden und beim
Conchyliensammeln ebensogut und vielleicht mehr als von anderen Zweigen
der Naturwissenschaft das Wort gilt: „Beim Essen kommt der Appetit“,
so dürfte es nicht überflüssig sein, die wichtigsten, auf Deutschlands
Conchylienfauna bezüglichen Arbeiten hier anzuführen. Es sind:
~O. F. Müller~, _Vermium terrestrium et fluviatilium seu Animalium
infusoriorum, helminthicorum et testaceorum non marinorum succincta
historia. Havniae et Lipsiae_ 1773 und 1774. Zwei Bände. Die
Mollusken werden im zweiten Bande abgehandelt.
~Carl Pfeiffer~, Naturgeschichte deutscher Land- und
Süsswassermollusken. Weimar 1821-28. Drei Abtheilungen, jede mit
8 colorirten Tafeln, gute Abbildungen deutscher Binnenconchylien
enthaltend, aber im Text etwas veraltet.
~E. A. Rossmässler~, Iconographie der Land- und Süsswassermollusken
Europas. Leipzig 1835-59. Drei Bände mit ausgezeichneten Abbildungen
fast aller europäischen Binnenconchylien, für jeden Conchyliologen
unentbehrlich, aber leider sehr theuer (col. 25 Thlr.) und vergriffen.
Dr. ~L. Pfeiffer~, _Monographia Heliceorum viventium_. Leipzig
1847-69. Mit den Supplementen bis jetzt 6 Bände, die kurze
lateinische Beschreibung aller bekannten Heliceen enthaltend, aber
ohne Abbildungen.
~Albers, Johann Christian~, die Heliceen nach natürlicher
Verwandtschaft systematisch geordnet. Zweite Ausgabe, besorgt von
Ed. ~von Martens~. Berlin 1860. Enthält ein natürliches System der
Heliceen mit Beschreibung der Gattungen und Untergattungen und
Aufzählung der Arten und ihres Vaterlandes. Zum Ordnen der Sammlung
unentbehrlich.
~Adolf Schmidt~, Die kritischen Gruppen der europäischen Clausilien.
Abth. 1. Leipzig 1857.
~Adolf Schmidt~, System der europäischen Clausilien und ihrer
nächsten Verwandten. Cassel 1868.
~Bronn~, Die Classen und Ordnungen des Thierreichs. Bd. III, die
Weichthiere, fortgesetzt von ~Keferstein~. Leipzig und Heidelberg
1862-66. Eine äusserst reichhaltige und sorgfältige Zusammenstellung
alles dessen, was über Bau, Entwicklung und Lebensweise der
Weichthiere bekannt ist, zum genaueren Studium der anatomischen
Verhältnisse unentbehrlich.
~Hartmann~, Erd- und Süsswassergasteropoden der Schweiz, St. Gallen
1840-44; nicht systematisch und unvollständig, aber gute Abbildungen
und zahlreiche interessante Bemerkungen auch über deutsche Arten,
ihre Abänderungen, Missbildungen etc. enthaltend.
~Sturm~, Deutschlands Fauna in Abbildungen nach der Natur mit
Beschreibung. Abtheilung VI, die Würmer. 8 Hefte, 1803-1829. Enthält
die meisten deutschen Mollusken in oft sehr guten Abbildungen und ist
antiquarisch mitunter sehr billig zu haben.
~Fr. H. Troschel~, _de Limnaeaceis seu de Gasteropodis pulmonatis,
quae nostris in aquis vivunt_. _Berolini_ 1834. Eine kleine gute
Monographie von _Limnaeus_, _Physa_ und _Planorbis_, namentlich auch
auf Anatomie und Lebensweise eingehend.
Ein billiges, blos die deutschen Mollusken umfassendes Handbuch
zum Gebrauch für den Anfänger fehlt leider noch immer, und ebenso
mangelt es noch sehr an gründlichen deutschen Arbeiten über die
Süsswasserschnecken, insbesondere die Limnäen, Planorben, Valvaten,
Cyclas und Pisidien. Doch ist bei dem regen, wissenschaftlichen Leben,
das gegenwärtig unter den deutschen Malacologen herrscht, eine baldige
gründliche Bearbeitung dieser Gattungen mit Sicherheit zu hoffen.
Von Zeitschriften kommen für den deutschen Sammler noch in Betracht:
~Zeitschrift für Malacozoologie~, herausgegeben von ~Menke~ und
~Pfeiffer~, 10 Jahrgänge von 1844-53, Cassel bei Theodor ~Fischer~,
und deren Fortsetzung
~Malacozoologische Blätter~, herausgegeben von Dr. L. ~Pfeiffer~, in
demselben Verlage erscheinend. Endlich das
~Nachrichtsblatt der deutschen malacozoologischen Gesellschaft~,
begonnen 1869, unter Mitwirkung von D. F. ~Heynemann~ redigirt von
Dr. W. ~Kobelt~. In Commission bei Sauerländer in Frankfurt.
Siebentes Capitel.
Verhältniss der Weichthiere zur übrigen Natur.
In unseren Gegenden erreicht die Anzahl der Schnecken nicht leicht
jenen hohen Grad, der sie dem Ackerbau und der Gärtnerei lästig oder
selbst verderblich macht. Nur die gemeine nackte Ackerschnecke, _Limax
agrestis_, wird in warmen, nassen Jahren durch ihre Gefrässigkeit und
ihre starke Vermehrung schädlich, und hier und da hört man die Besitzer
von Treibhäusern klagen, dass ihnen Schnecken die Blumenblätter
zerfressen. Unsere Schnecken ziehen mit geringen Ausnahmen modernde
Pflanzenstoffe den frischen und unbebaute Stellen den angebauten vor.
Die Wasserschnecken thun selbstverständlich keinen Schaden, nutzen
vielmehr durch raschere Beseitigung der verwesenden Vegetabilien.
Auch der directe Nutzen für den Menschen ist bei uns sehr unbedeutend.
Unsere einzige essbare Schnecke, die Weinbergsschnecke, wird, soviel
mir bekannt, in Nassau höchstens hier und da von einzelnen Individuen
gegessen; Schneckengärten und Mästereien, wie auf der schwäbischen Alp
und in der Schweiz, existiren in Nassau nicht. Auch von der früher viel
häufigeren Benutzung der grossen Nacktschnecken zu arzneilichen Zwecken
kommen höchstens noch einzelne Fälle vor. Wichtiger dagegen sind für
die Anwohner des Mains die Anodonten und Unionen, die in zahlloser
Menge seine seichten Stellen bewohnen. Sie werden, sobald das Wasser
hinreichend gefallen und nicht mehr zu kalt ist, in Masse gesammelt
und die Thiere gekocht zum Mästen der Schweine verwendet; diese werden
davon sehr fett, nehmen aber bei ausschliesslicher Muschelnahrung
leicht einen thranigen Geschmack an.
Vielen Thieren dienen die Schnecken als willkommene Nahrung; Dachs,
Fuchs und Igel verschmähen sie durchaus nicht; ebenso die meisten
Vögel; Krähen, Dohlen und Raubvögel stellen besonders den Muscheln
nach, tragen sie oft weit vom Wasser hinweg und öffnen sie mit einem
tüchtigen Schnabelhieb auf oder vor den einen Wirbel; doch glaube ich,
dass die Krähen sich mehr an die halbtodten oder frisch gestorbenen
Muscheln halten, die man nach den Frühjahrsfluthen sehr häufig am
Ufer und zwischen den Steinen der Strombauten findet, denn sehr viele
Schalen, die ich im Grase 20-30 Schritt vom Ufer fand, waren vollkommen
unverletzt. Auch Reiher, Enten u. s. w. verzehren sehr viele Schnecken
und Muscheln; ~Brot~ fand im Magen einer Ente Anodonten von 3 Ctm.
Länge. -- Die Amphibien sind den Schnecken gegenüber auch keine
Kostverächter; Frösche und Kröten stellen namentlich den Nacktschnecken
nach, und die Kröten werden ja in manchen Gärtnereien ausschliesslich
zu diesem Zweck gehalten. Eine Eidechse, die ich im Terrarium hielt,
frass binnen sehr kurzer Zeit eine ganze Anzahl frisch ausgekrochener
_Helix nemoralis_. Die Wassersalamander fressen mit Vorliebe Hydrobien
und Pisidien; ich habe bei Biedenkopf mehrmals ihren Darmcanal ganz mit
der dort sehr häufigen _Hydrobia Dunkeri_ angefüllt gefunden.
Auch unter den Insecten haben die Schnecken manche Feinde. Die
grossen Laufkäfer verzehren manche Nacktschnecke, scheinen aber den
Gehäuseschnecken nicht viel anhaben zu können. Die Larve eines anderen
Käfers, des _Drilus flavescens_, tödtet dagegen das Thier und verpuppt
sich, nachdem sie es aufgefressen, in seinem Gehäuse; namentlich
_Helix incarnata_ scheint ihren Angriffen ausgesetzt zu sein. -- Den
Wasserraubkäfern habe ich oft zugesehen, wie sie, auf dem Gehäuse einer
Limnäe sitzend, dem Thiere auflauerten und es angriffen, sobald sein
Kopf ausserhalb des Gehäuses erschien, und aus der Anzahl der leeren
Gehäuse, die ich um diese Zeit im Aquarium fand, konnte ich ersehen,
dass die Angriffe nicht immer resultatlos blieben.
Auch verschiedene Blutegel, namentlich die der Gattung _Clepsine_
angehörigen flachen Arten, tödten manche Schnecke.
Gefährliche Feinde sind auch die Schnecken selbst. Die Daudebardien
leben ganz, die Vitrinen und manche Limacinen grossentheils von
anderen Schnecken, aber auch Pflanzenfresser scheuen sich gar nicht,
gelegentlich eine kleinere Schnecke zu verschlucken. So habe ich
_Limnaea stagnalis_ ihre eigenen Jungen sammt und sonders aufzehren
sehen, und an Landschnecken hat man ähnliche Beobachtungen gemacht.
Die Schnecken dienen einer ganzen Anzahl von Schmarotzern zur Wohnung.
Auf der Aussenseite leben einige Milben; auf den Nacktschnecken,
besonders den Arionarten, lebt _Acarus Limacum_; sie läuft sehr rasch
auf dem Körper herum und zur Athemöffnung aus und ein. ~Heynemann~
beobachtete sie nur selten auf den Nacktschnecken des Frankfurter
Gebiets, dagegen in Menge auf Westerwälder Exemplaren von _Arion
empiricorum_, bis zu 100 auf einem. In ähnlicher Weise schmarotzt eine
andere Milbe, _Limnochares Anodontae_, auf und in den Muscheln.
Weit zahlreicher als diese äusseren Schmarotzer sind die
Eingeweidewürmer der Weichthiere. Viele Parasiten der Wasservögel leben
in ihrem Jugendzustand in den Paludinen und Limnäen, vor allen die
~Distomen~ und deren Larven, die ~Cercarien~. Die grosse Sumpfschnecke,
_Paludina vivipara_, beherbergt allein 4 Arten Distomum und sämmtliche
übrigen Wasserschnecken enthalten mindestens einzelne Species.
Werden solche Schnecken von Vögeln oder anderen Thieren gefressen,
so entwickelt sich die Cercarie zum vollständigen Distomum. Auch das
für die Schafe mitunter so verderbliche _~Distomum hepaticum~_, der
Leberegel, wohnt als Larve in Schnecken; die ausgebildete Cercarie
scheint dann das Thier zu verlassen und eine Zeit lang im Wasser oder
selbst im feuchten Grase lebend zu bleiben, bis sie endlich mit dem
Futter oder Wasser in den Darmcanal der Schafe gelangt. Doch kann
sie am Ende auch mit der Schnecke von den Schafen gefressen werden;
wenigstens hat man in England beobachtet, dass die Schafe auf den Dünen
sehr gern die lebende _Helix variabilis_ fressen und davon fett werden.
Auch Würmer aus der Classe der ~Nematoden~ findet man in den Nieren
einiger Schneckenarten und selbst im Blute von _Helix pomatia_
beobachtete ~Keferstein~ einen Fadenwurm. Ein durch seine schöne
grüne Farbe ausgezeichneter, ziemlich grosser Wurm, _Leucochloridium
paradoxum_, wurde von ~Carus~ in den Fühlern von _Succinea_ entdeckt.
Alle diese Parasiten scheinen das Wohlbefinden der Schnecken durchaus
nicht zu beeinträchtigen.
Ein ganz eigenthümliches Verhältniss, vielleicht Wechselverhältniss,
findet sich zwischen unseren Flussmuscheln und einem kleinen,
karpfenartigen Fisch, dem ~Bitterling~, _~Rhodeus amarus~_; die
Embryonen des Fisches entwickeln sich nämlich in den Kiemenfächern
der Muscheln, und wahrscheinlich machen die Muschelembryonen ihre
Verwandlung auf diesem oder einem anderen Fische durch. Genaueres
hierüber im speciellen Theil.
Achtes Capitel.
System der Mollusken.
Für die Eintheilung der Binnenconchylien hat man die
verschiedenartigsten Systeme in Vorschlag gebracht, je nachdem man
das Gehäuse, oder die Fresswerkzeuge des Thieres oder das Fehlen oder
Vorhandensein einer Schleimpore am Ende des Fusses zum wichtigsten
Criterium gemacht hat. Wir befolgen im Ganzen die auf ~Cuvier~’s
System beruhende Anordnung von ~Ad. Schmidt~, weil dieselbe für die
Betrachtung der Binnenconchylien allein als die einfachste und klarste
erscheint. Sie ist wesentlich auf das Vorhandensein oder Fehlen des
Deckels und die Stellung der Augen begründet. Mit den dadurch bedingten
Verschiedenheiten gehen nämlich so durchgreifende Unterschiede
im gesammten Bau Hand in Hand, dass das System als ein durchaus
naturgemässes erscheint; die Unterschiede lassen sich auch ohne mühsame
Präparation schon mit blossem Auge erkennen. Nur bei den Heliceen
haben wir uns einige Abänderungen im Anschluss an die Eintheilung
von ~Albers-Martens~, die wenigstens für die europäischen Conchylien
durchaus mustergültig ist, erlaubt.
Wir theilen demgemäss, wie schon oben erwähnt, die gesammten Mollusken
ein in ~Kopftragende~, _~Cephalophora~_, auch ~Bauchfüsser~,
_~Gastropoda~_, genannt, und ~Kopflose~, _~Acephala~_. Die
Kopftragenden zerfallen wieder in solche ohne bleibenden Deckel,
_~Inoperculata~_, und solche mit bleibendem Deckel, _~Operculata~_.
Die Deckellosen tragen ihre Augen entweder auf der Spitze der Fühler,
_~Stylommatophora~_, oder an der Basis derselben, _~Basommatophora~_;
einige Untergruppen werden dann durch das Fehlen oder Vorhandensein
eines äusseren Gehäuses und durch das Gebiss bedingt. Die
Basommatophoren zerfallen nach ihrer Lebensweise in Land- und
Wasserschnecken, _~Terrestria~_ und _~Aquatilia~_, und ebenso die
Deckelschnecken. Die Muscheln theilen wir in solche mit und solche ohne
Athemröhre.
Das ganze System stellt sich folgendermassen dar:
$A. ~Cephalophora~, Schnecken.$
$I. Inoperculata, Deckellose.$
1. _~Stylommatophora~_.
a. Ohne Kiefer, _~Testacellea~_.
1. _Daudebardia_.
b. Mit Kiefer, ohne äussere Schale, _~Limacea~_.
2. _Arion_.
3. _Amalia_.
4. _Limax_.
c. Mit Kiefer und äusserer Schale, _~Helicea~_.
5. _Vitrina_.
6. _Hyalina_.
7. _Helix_.
8. _Cionella_.
9. _Buliminus_.
10. _Pupa_.
11. _Balea_.
12. _Clausilia_.
13. _Succinea_.
2. _~Basommatophora~_.
d. _Terrestria_, _~Auriculacea~_.
14. _Carychium_.
e. _Aquatilia_, _~Limnaeacea~_.
15. _Limnaea_.
16. _Physa_.
17. _Planorbis_.
18. _Ancylus_.
$II. ~Operculata~, Deckelschnecken.$
a. _Terrestria_, _~Neurobranchia~_.
19. _Acme_.
20. _Cyclostoma_.
b. _Aquatilia_, _~Prosobranchia~_.
α. Bandzüngler, _~Taenioglossa~_.
21. _Paludina_.
22. _Bithynia_.
23. _Hydrobia_.
24. _Valvata_.
β. Fächerzüngler, _~Rhipidoglossa~_.
25. _Neritina_.
$B. ~Acephala~, Muscheln.$
1. Thier ohne Athemröhre, _~Najadea~_.
26. _Unio_.
27. _Anodonta_.
2. Thier mit Athemröhre.
a. Schale rundlich, _~Cycladea~_.
28. _Cyclas_.
29. _Pisidium_.
b. Schale dreiseitig, _~Tichogoniacea~_.
30. _Tichogonia_.
SPECIELLER THEIL.
A. Cephalophora, Schnecken.
Erstes Capitel.
Anatomische Verhältnisse.
Den allgemeinen Bau der Schnecken kann man am besten an den nackten
Schnecken, z. B. den schwarzen Wegschnecken, studiren. Wir sehen das
Thier in Gestalt eines länglichen Schlauches, unten zu einer flachen,
muskulösen Sohle verbreitert. Die umhüllende Haut ist an einer, hier
nur einen kleinen Theil des Rückens bedeckenden Stelle besonders
glatt und muskulös. Dieser Theil ist der ~Mantel~. Er tritt an den
Seiten als eine Falte los und unter diesem Mantelrande, zwischen ihm
und dem Körper, bleibt eine Höhle, die ~Athemhöhle~, die durch einen
lochförmigen, verschliessbaren, nahe dem Mantelrande befindlichen
Schlitz mit der äusseren Luft zusammenhängt. Am vorderen Theile des
Körpers sehen wir einen deutlich abgesetzten Kopf mit den Fühlern und
der Mundöffnung. Die Afteröffnung liegt ebenfalls vornen am Eingang
der Athemhöhle. Die Schale ist nur durch einzelne Kalkkörner oder ein
flaches Kalkschild innerhalb des Mantels angedeutet.
Complicirter ist der Bau bei den Gehäuseschnecken. Hier hebt sich der
hintere Theil des Körpers von der Sohle los und windet sich spiralig in
die Höhe. Wir müssen also hier einen Vorderkörper, aus Kopf und Fuss
bestehend, und einen Hinterkörper unterscheiden, dessen Hautbedeckung
der Mantel ist, welcher gegen den Fuss hin eine kragenartige Falte,
den Mantelrand, bildet. Ein eigentlicher Unterschied zwischen der
Hautbedeckung von Kopf und Fuss und dem Mantel existirt jedoch nicht
und noch weniger ist dieser, wie man aus manchen Definitionen annehmen
sollte, noch eine weitere Bedeckung ausser der Haut. Der Hinterkörper
ist bei allen so gebauten Schnecken mit einer Schale bedeckt, die von
dem Mantel abgesondert wird. Bei allen ungedeckelten Schnecken bildet
sich der erste Anfang der Schale beim Embryo innerhalb des Mantels,
wie bei den Nacktschnecken, aber noch ehe sie das Ei verlassen, geht
der äussere Mantellappen verloren. Bei den Kiemenathmern dagegen liegt
die Schale zu allen Zeiten ausserhalb des Mantels. Wie es sich bei
_Cyclostoma_ verhält, ist meines Wissens noch nicht untersucht worden.
Der Körper der Schnecken, der nackten sowohl als der Gehäuseschnecken,
ist von einer Haut bedeckt, die aus einer dicken muskulösen
~Lederhaut~, _Cutis_, und einer dünnen Zellenschicht, dem ~Epithel~,
besteht. In ihr liegen eine Menge Drüsen, die theils Schleim, theils
Farbstoff absondern. Der Mantelrand zeigt, da er nur eine Falte der
Haut darstellt, denselben Bau; nur sind die Drüsen auffallend stärker
entwickelt und oft zu einzelnen Häufchen zusammengruppirt. Er steht am
Rücken weiter vor, wie am Bauche und bildet so einen taschenartigen
Raum, die ~Mantel-~ oder ~Athemhöhle~, welche durch einen kräftigen
Schliessmuskel geschlossen werden kann. Ihr Innenrand ist reich
mit Gefässen versehen und bildet das Athmungsorgan; Niere, Herz
und Mastdarm liegen in ihrer nächsten Nähe und der letztere mündet
unmittelbar neben ihrem Eingang. An der rechten Seite bildet der
Mantelrand eine Oeffnung, das ~Athemloch~, welches durch eigene Muskeln
geöffnet und geschlossen werden kann; bei den Kiemenathmern verlängert
sich dieses Loch mitunter zu einem Halbrohr, dem ~Athemrohr~, _~Sipho~_.
Die Schnecke ist im Gehäuse durch die Sehne eines starken symmetrisch
aus zwei Hälften zusammengesetzten Muskels, des ~Spindelmuskels~,
befestigt. Derselbe nimmt seinen Ursprung in der Nähe der Mundmasse
und durchsetzt die Haut in der Achse der ersten Windung, um sich dort
mit einem sehnigen Streifen an der Spindel zu befestigen. Bei seiner
Zusammenziehung wird natürlich der Theil des Körpers zuerst nach
hinten gezogen, an welchem er befestigt ist; der Körper knickt bei
den Deckellosen in der Mitte der Sohle der Länge nach zusammen, die
beiden Hälften legen sich aneinander und der Fuss verschwindet von vorn
nach hinten in der Oeffnung des Gehäuses und dem diese auskleidenden
Ringmuskel des Mantelrandes, der dann allein sichtbar bleibt. Bei den
Deckelschnecken dagegen knickt die Sohle der Quere nach ein, die beiden
Querhälften legen sich aneinander und dadurch kommt die Rückenseite
der hinteren Hälfte, welche den Deckel trägt, schliesslich in der
Mündung nach aussen gerichtet zu liegen und schliesst dieselbe. Von
dem Spindelmuskel entspringen noch eine Anzahl kleinerer Muskeln zur
Bewegung einzelner Theile.
Die ~Verdauungsorgane~ sind bei allen Gastropoden sehr entwickelt.
Immer finden wir einen Mund, Schlundkopf, Speiseröhre, Magen und
Darmcanal nebst anhängenden Drüsen, von denen namentlich die Leber
sehr gross ist. Der ~Mund~ ist bei allen ungedeckelten Schnecken
eine einfache Einstülpung der Haut, die unmittelbar in die Höhle des
Schlundkopfes führt; bei manchen Wasserschnecken aber, besonders den
Kiemenathmern, und bei den gedeckelten Landschnecken steht er auf
der Spitze einer Schnauze; ein einstülpbarer Rüssel, wie ihn viele
Seeschnecken haben, kommt bei unseren Binnenconchylien nicht vor.
Hinter der Mundöffnung kommen wir in die Höhle des ~Schlundkopfes~,
die von einer starken, birnförmigen Muskelmasse umgeben ist und die
Fresswerkzeuge enthält. Diese bestehen aus Zunge und Kiefer. Der
~Kiefer~ fehlt nur wenigen Gattungen aus der Gruppe der Testacelliden,
die bei uns nur durch die Gattung _Daudebardia_ vertreten werden; alle
anderen haben einen oder mehrere, von so verschiedener Form, dass
man sie mit dem besten Erfolg zur Eintheilung der Schnecken benutzen
kann. Er liegt an der oberen Wand des Schlundkopfes, unmittelbar
hinter der Mundöffnung und besteht aus einer hornigen Verdickung
der Epithelzellen, meist von brauner Farbe, und in Aetzkali nur bei
längerem Kochen löslich. Bei den ungedeckelten Landschnecken finden wir
immer nur einen ziemlich langen, nach vorn convexen Kiefer, der quer
an der oberen Wand des Schlundkopfes liegt; die Limnäen und Planorben
dagegen haben drei Kiefer, von denen einer in der Mitte, die beiden
anderen an den Seitenwänden liegen; _Physa_ hat nur ein Mittelstück,
_Ancylus_ einen Halbring von kleinen Hornstückchen. Die Deckelschnecken
haben zwei seitliche, meist nur kleine Plättchen. Aber auch im
Einzelnen ist die Form sehr verschieden. Alle Arten der Gattung _Helix_
haben z. B. vorspringende Leisten auf dem Kiefer, die nahe verwandten
Hyalinen dagegen haben einen ganz platten Kiefer mit einem zahnartigen
Vorsprung in der Mitte, und dieser Unterschied gibt den Hauptgrund
zur Trennung beider Gattungen. Von den Nacktschnecken hat _Arion_ den
Kiefer wie _Helix_, _Limax_ wie _Hyalina_. Im Allgemeinen hängt dies
auch direct mit der Lebensweise zusammen; die Pflanzenfresser haben die
stärksten Rippen auf dem Kiefer, die von faulenden Substanzen, Mulm
und Moder lebenden haben einen schwächeren, die Fleischfresser gar
keinen Kiefer; die Benutzung des Kiefers zur systematischen Eintheilung
ist demnach durchaus gerechtfertigt. Ein System freilich, das nur auf
den Kiefer ohne Berücksichtigung anderer Verhältnisse begründet ist,
wie das von ~Mörch~, ist ebensowenig ein natürliches, wie ~Linné~’s
Eintheilung der Pflanzen.
Auch zur Unterscheidung der Untergruppen, und selbst einzelner Species,
kann man mitunter die Kiefer benutzen, wie z. B. bei _Succinea putris
L._ und _Pfeifferi Rossm._, doch muss man hier sehr vorsichtig sein,
da bei einer und derselben Art die Form des Kiefers mitunter sehr
schwankt. So fand ich bei _Hel. nemoralis_ die Anzahl der Kieferleisten
von 2-9 schwankend.[2]
Die untere Seite der Schlundhöhle nimmt das andere Fresswerkzeug, die
~Zunge~, ein, eine längliche, dicke Masse aus Muskeln und Knorpeln,
mit einer feinen Membran, der ~Reibplatte~, überzogen. Die Muskeln
bestehen aus zwei starken Bündeln, die einen dreieckigen Raum zwischen
sich lassen; in diesem liegen die Knorpel, und das Ganze ist von einer
dünnen, aus faserigem Bindegewebe und Muskelfasern bestehenden Haut,
der ~Zungenhaut~, bedeckt, welche dann die Reibplatte, den wichtigsten
Theil des Schneckengebisses, trägt.
Diese ~Reibmembran~, _~Radula~_, besteht aus einer dünnen Grundmembran,
auf der eine Menge von Zähnen, in Längs- und Querreihen angeordnet,
sitzen. Sie überzieht die ganze Zunge, auch an den Seitenflächen, wo
allerdings die Zähne wenig oder gar nicht entwickelt sind, und verliert
sich nach hinten in eine knorpelige Umhüllung, die Zungenscheide. In
chemischer Beziehung besteht sie aus Chitin; sie ist in concentrirtem
Kali nur nach sehr langem Kochen löslich; durch concentrirte Säuren
wird sie braun gefärbt, und man kann die anorganischen Bestandtheile,
die freilich nur 5-6 % ausmachen, dadurch ausziehen. Eine Behauptung,
dass die Zähne aus Kieselsäure beständen, hat bis jetzt noch keine
Bestätigung gefunden.
Die Zungenzähne sind in äusserst regelmässige Längs- und Querreihen
angeordnet. Immer kann man an den Querreihen die Mittellinie erkennen,
indem der mittelste Zahn kleiner oder doch strenger symmetrisch ist,
als die fast immer etwas schiefen Seitenzähne. Am wenigsten deutlich
ist dies bei den _Helices_, am deutlichsten bei den Kiemenschnecken,
wo man Mittel- und Seitenplatten unterscheiden muss. Die Querreihen
verlaufen nur bei wenigen Arten, z. B. bei manchen Planorben,
vollständig horizontal über die Radula; meistens bilden sie einen nach
hinten, seltener nach vorn offenen Winkel, oder es ist ein gerader
Mitteltheil, an den sich die beiden Seitentheile in schräger Richtung
anschliessen.
Die Form und Grösse der Zungenzähne scheint äusserst constant;
wenigstens fand ich bei meinen Zählungen derselben, die ich bei
_Hel. nemoralis_, _hortensis_ und _sylvatica_ an einer grösseren
Anzahl von Zungen vornahm, für jede Art innerhalb eines und desselben
Gesichtsfeldes immer dieselbe Zahl Längs- und Querreihen. Doch muss ich
hier erwähnen, dass man kaum eine Schneckenzunge genauer untersuchen
kann, ohne Abnormitäten der Zähne zu finden. Bald schmelzen zwei
Längsreihen zu einer zusammen, bald schiebt sich zwischen zwei Längs-
oder Querreihen an einem beliebigen Punkte eins dritte ein; man
muss also auch hier äusserst vorsichtig mit der Verwerthung für die
Artunterscheidung sein.
Die Zahl der Längsreihen ist sehr verschieden; bei den Deckelschnecken
beläuft sie sich im Allgemeinen nur auf sieben, aber die einzelnen
Zähne sind sehr gross und mit mehreren, mitunter mit sehr vielen
Spitzen versehen. Bei den Pulmonaten dagegen sind die einzelnen Spitzen
alle selbstständig, höchstens findet man an einem Zahn noch eine
oder zwei kleine Nebenspitzen, und die Zahl der Längsreihen ist viel
bedeutender. Dementsprechend ist auch die Zunge der Deckelschnecken
bandförmig, lang und schmal, bei den Pulmonaten kürzer und bedeutend
breiter. Die grössten Schnecken haben auch die meisten Zähne.
Nachstehend gebe ich einige, auf eigenen Zählungen beruhende Zahlen,
die natürlich nur annähernde Werthe geben, da man sich leicht verzählt
und die abgenutzten Zahnreihen der Zungenspitze gar nicht zu zählen
sind.
Längsreihen. Querreihen. Summe.
_Neritina fluviatilis_ 7 90-96 650
_Paludina vivipara_ 7 100-112 750-800
_Cyclostoma elegans_ 7 120-130 8-900
_Hyalina cellaria_ 58 60-65 3700
_Limnaea peregra_ 72-75 120-125 8800
_Succinea putris _ 96 90-92 8700
_Helix rufescens_ 80-82 124-126 10000
_Helix sylvatica_ 76-80 150-155 12000
_Helix nemoralis_ 88-90 180 16000
_Helix pomatia _ 140 195-200 27-28000
Wie schon angedeutet, werden die Zungenzähne, besonders die am meisten
gebrauchten, am vorderen Ende stark abgenutzt und müssen von Zeit zu
Zeit erneuert werden. Ueber die Art und Weise dieser Erneuerung sind
die Ansichten noch verschieden. Nach ~Keferstein~ rücken Radula und
Zungenhaut gleichmässig zusammen vor, und es kommen so immer neue Zähne
an den vorderen Rand, während die Neubildung nur am hintern Ende in
der Zungenscheide stattfindet. ~Semper~ dagegen (Zum feinern Bau der
Molluskenzunge. Zeitschr. für wissensch. Zoologie IX, 1858) nimmt an,
dass von Zeit zu Zeit die Radula abgestossen werde und sich eine neue
darunter bilde, also eine vollständige Häutung stattfinde. Im letzteren
Falle wäre es aber auffallend, dass man nie eine Radula findet, die
nicht vornen abgenutzt wäre.
Wie bei dem Kiefer lässt sich auch bei der Radula ein Zusammenhang
zwischen der Form der Zungenzähne und der Lebensweise der Schnecken
nachweisen. Die Pflanzenfresser haben viereckige Zähne mit starken,
umgeschlagenen Haken, bei den Fleischfressern sind sie spitz, nadel-
oder dolchförmig, und die von Mulm und faulenden Vegetabilien lebenden
Arten stehen in der Mitte.
Bei der Wichtigkeit, die Zunge und Kiefer für die Systematik haben,
scheint mir eine genauere Angabe über die Art der Präparation nicht
unwichtig. Die des Kiefers ist am einfachsten. Man isolirt den
Schlundkopf und zieht mit einer Nadel den Kiefer davon ab, was bei
allen grösseren Arten keine Schwierigkeit hat; auch bei kleinen
gelingt es unter der Stativloupe unschwer. Ich halte die mechanische
Isolirung immer für besser, als das Kochen in Aetzkali, obwohl man
dann den Kiefer weit weniger rein bekommt, denn das Aetzkali greift
die Hornsubstanz doch immer mehr oder weniger an. Den isolirten
Kiefer reinigt man erst auf dem Finger oder unter der Loupe von dem
anhängenden Bindegewebe, bringt ihn einen Augenblick in möglichst
starken Weingeist, um das Wasser auszuziehen, und legt ihn dann in
einen Tropfen rectificirtes Terpentinöl, um den Alcohol zu verdrängen.
In diesem lässt man ihn einige Augenblicke liegen und reinigt
mittlerweile den Objectträger. Dann erwärmt man diesen etwas, bringt
einen Tropfen Canadabalsam darauf und legt den Kiefer vorsichtig in
denselben. Das Präparat bedeckt man mit einem Deckgläschen und kann es
dann aufheben, so lange man will. Damit keine Luftbläschen bleiben, die
das Bild unter dem Microscope stören, erwärmt man auch das Deckgläschen
etwas oder bestreicht es mit Terpentinöl. Bleiben doch einige Bläschen
im Balsam, so legt man das Präparat, vor Staub geschützt, einige
Stunden auf den Herd oder den warmen Ofen, doch so, dass es nicht zu
stark erhitzt wird, denn sonst beginnt der Balsam zu kochen und das
Uebel wird ärger.
Umständlicher ist die Präparation der Zunge, besonders wenn man das
Präparat aufbewahren will. Man isolirt sie am besten, indem man
den ganzen Schlundkopf in Aetzkali kocht; ich benutze dazu einen
Reagenzcylinder, aber nicht zu kurz, damit die Lauge nicht überkocht
und das Glas für die Finger nicht zu heiss wird. Sobald die Radula
allein herumschwimmt, schütte ich die gesammte Flüssigkeit in eine
weisse Untertasse, fische die Zunge heraus, neutralisire das Kali
durch einen Tropfen Salpetersäure und wasche dann die Radula in
Wasser aus. Zum Untersuchen ist sie dann fertig; will man aber das
Präparat aufbewahren, so muss man sie in ein der Zersetzung nicht
unterworfenes, nicht leicht austrocknendes Medium bringen und
hermetisch von der Luft abschliessen. Zu ersterem Zwecke hat man die
verschiedenartigsten Mischungen; ich benutze meistens eine Mischung
von Arseniklösung oder von salpetersaurer Magnesia mit Glycerin; beide
brechen das Licht weniger stark, als reines Glycerin, die Magnesia
am schwächsten, aber dafür hat sie die unangenehme Eigenschaft, sehr
rasch zu schimmeln und lässt sich nicht aufbewahren. Andere legen
die Zungen in eine Gummilösung, dann halten sie sich eine Zeit lang
ganz gut, bis das Gummi austrocknet und zu springen beginnt. In
Canadabalsam, wie gleichfalls empfohlen wird, darf man die Zungen
unserer Binnenconchylien durchaus nicht legen, da sie darin fast ganz
unsichtbar werden.
Um eine Zunge zum Aufheben zu präpariren, bringt man auf den
sorgfältig gereinigten Objectträger zunächst einen winzigen Tropfen
der Farrand’schen Lösung, -- ein Gemenge von Arseniklösung, Glycerin
und Gummilösung --, und legt die Zunge möglichst trocken mit der
rauhen Seite nach oben darauf. Die Lösung klebt etwas, und es ist
desshalb nicht schwer, die Zunge unter der Stativ-Loupe auszubreiten
und Unreinigkeiten zu entfernen. Dann bringt man vorsichtig einen
Tropfen der Conservirflüssigkeit darauf und bedeckt ihn mit dem durch
Weingeist vorsichtig gereinigten Deckgläschen. Bei einiger Uebung
lernt man leicht die richtige Menge Flüssigkeit treffen, damit nichts
an den Rändern überfliesst und das Ankleben des Lackes verhindert.
Luftbläschen entfernt man durch vorsichtiges Klopfen oder Erhitzen über
einer Spiritusflamme. Eine grosse Erleichterung gewähren Objecthalter,
zwei Korkstopfen, der untere breit, der obere an der Unterfläche
ziemlich spitz, die durch einen gebogenen, federnden Messingdraht
gegeneinander gedrückt werden und auf einem Brettchen befestigt
sind. Man bringt das Präparat dazwischen und kann dann in aller Ruhe
die überschüssige Flüssigkeit mit einem Pinsel oder einem feinen
Leinwandläppchen entfernen. Dann umzieht man den Rand des Deckgläschens
mit einer Auflösung von Siegellack in Weingeist, und überstreicht
diesen nach einigen Tagen mit schwarzem Militärlack. Solche Präparate
halten sich viele Jahre lang ohne die geringste Veränderung.[3]
Um die Präparate auf einander legen zu können, klebe ich an beide
schmale Seiten des Objectträgers ein paar Cartonstreifen, auf die ich
zugleich Namen etc. schreiben kann; zum Aufkleben bediene ich mich
einer mit französischem Terpentin versetzten Schellaklösung; nimmt
man reine Schellaklösung oder Gummi, so springen die Leisten alle
Augenblicke ab.
Aus dem hinteren, oberen Theile der Mundmasse entspringt die
~Speiseröhre~, ein enges, mitunter in Längsfalten liegendes Rohr,
das sich entweder schon nach kurzem Lauf allmählig, wie bei _Helix_
und _Limax_, oder nach langem Lauf plötzlich, wie bei _Limnaea_ und
_Planorbis_, zu einem mehr oder minder geräumigen ~Magen~ erweitert.
Meist der Einmündungsstelle des Schlundes gegenüber entspringt aus dem
Magen dann der Darm; nur bei den Kiemenschnecken erscheint der Magen
mehr zusammengebogen und die beiden Oeffnungen liegen nahe bei einander.
Der ~Darmcanal~ bildet meistens zwei starke Schlingen, die innerhalb
der Lebermasse verlaufen, und geht dann in den kurzen, geraden
~Mastdarm~ über, der an der rechten Seite, zunächst an oder in der
Athemhöhle, nach aussen mündet. Die Wand des Darmes besteht aus einer
dicken Muskelhaut mit besonders starken Längsmuskeln, und einem inneren
Ueberzug von cylindrischen Zellen; Drüsen finden sich in derselben
nirgends.
Dagegen findet man einige starke Drüsen ausserhalb des Darms, aber in
ihn einmündend. Immer sind zwei starke ~Speicheldrüsen~ vorhanden,
die zu beiden Seiten des Schlundes liegen und in ihn einmünden. Den
hintern Theil des Körpers füllt die ~Leber~ aus, aus mehreren Drüsen
bestehend, die den Darm und die Fortpflanzungs-Organe umhüllen und
in den Magen oder den obersten Theil des Darmcanals, jede mit einem
eigenen Ausführungsgange, einmünden.
Das ~Nervensystem~ ist ziemlich einfach. Wir finden weder ein in
ähnlicher Weise wie bei den Wirbelthieren die andern Nervencentren
überwiegendes Gehirn, noch eine Längsreihe strangförmig vereinigter
Nervenknoten, wie bei den Gliederthieren. Das Centralorgan ist ein
Nervenring, der unmittelbar hinter der Mundhöhle, bei den Kiemenathmern
hinter der Schnauze, den Anfang der Speiseröhre umgiebt. Er besteht aus
drei Paar Nervenknoten oder Ganglien, die durch mehrere Nervenfäden
unter einander verbunden sind. Ein Ganglienpaar liegt auf der
Oberseite des Schlundes, es giebt die Nervenäste für den Kopf und
die Sinnesorgane ab und wird das ~Hirnganglion~ genannt. Von den
beiden auf der Unterseite liegenden Paaren versorgt das eine den Fuss
und die Bewegungsorgane, ~Fussganglion~, das andere die Eingeweide,
~Visceralganglion~. Wo besonders starke Organe zu versorgen sind,
finden wir meistens noch einzelne Nervenäste zu Knoten anschwellend,
besonders im Mantel. Die Ganglien bestehen aus ziemlich grossen Zellen
mit mehreren Ausläufern, sogenannten multipolaren Ganglienzellen;
die Ausläufer gehen unmittelbar in die ziemlich breiten, blassen
Nervenfasern über, die aber nicht, wie bei den höheren Thieren, aus
Scheide und Inhalt, sondern nur aus einer gleichartigen Masse bestehen.
Die beiden unteren Ganglien sind bei den Lungenschnecken meist mit
einander verschmolzen, doch kann man an den austretenden Nerven die
Bedeutung der einzelnen Theile leicht erkennen. Bei den Kiemenathmern
sind sie weiter von einander entfernt, bei manchen Seeschnecken liegen
sie sogar, durch lange Nervenfäden verbunden, in ganz verschiedenen
Körpertheilen. Die Farbe des Nervensystems ist meist ein blasses Weiss;
bei _Limnaea_ und _Planorbis_ aber sind alle Theile gelb oder roth
gefärbt.
Die ~Sinnesorgane~ finden wir bei den Gastropoden alle fünf mehr
oder weniger entwickelt. Das ~Gefühl~ scheint seinen Hauptsitz in
den Fühlern zu haben, doch sind auch die anderen Körpertheile mehr
oder weniger empfindlich. Die Fühler oder Tentakel geben durch ihren
sehr verschiedenen Bau wichtige Anhaltspuncte für die Eintheilung.
Bei den lungenathmenden Landschnecken finden wir hohle, im Innern mit
Blut erfüllte Fühler, die wie Handschuhfinger aus- und eingestülpt
werden können. Das Einstülpen geschieht durch einen eigenen Muskel,
der, von dem Spindelmuskel ausgehend, sich kurz vor der Spitze des
Fühlers, aber noch unterhalb des Auges und des Tastorganes, ansetzt;
der vorderste Theil des Fühlers wird also bei seiner Zusammenziehung
nur in die Fühlerröhre hineingezogen, nicht in sich selbst eingestülpt;
dadurch sind die Sinnesorgane vor Zerrung geschützt. Die Ausstülpung
erfolgt ohne Muskelwirkung nur durch den Blutandrang. In die Fühler
tritt von dem Hirnganglion aus ein starker Nervenast, der unmittelbar
jenseits des Muskelansatzes zu einem Nervenknoten anschwillt, von dem
aus feine Fädchen nach der Haut gehen. ~Moquin-Tandon~ will hierin das
Geruchsorgan erkennen.
Die Landschnecken haben meistens vier Fühler, von denen aber die
unteren kleiner und einfacher gebaut zu sein pflegen; bei der zu _Pupa_
gehörigen Gattung _Vertigo_ verkümmern dieselben sogar ganz. Die
Wasserschnecken haben meistens nur zwei Fühler, und sind dieselben nur
einfache, lappen- oder borstenförmige, inwendig solide Hautlappen, die
nicht eingezogen, sondern nur zurückgezogen und unter den Mantelrand
verborgen werden können; sie enthalten auch keinen besonderen
Nervenknoten. Die gedeckelten Landschnecken haben ebenfalls nur zwei,
nicht einziehbare Fühler und gleichen hierin ganz den Kiemenschnecken.
~Gesichtsorgane~ finden sich bei allen Gastropoden, mit Ausnahme
einiger Arten, die in dem ewigen Dunkel grosser Tropfsteinhöhlen, fast
nur im Krain, leben. Sie sind sehr vollkommen gebaut, ganz ähnlich
denen der höheren Thiere. Zu äusserst liegt eine feste, bindegewebige
Haut, die sich vornen zu einer durchsichtigen Hornhaut verdünnt;
dahinter liegt eine ziemlich kugelige Linse, und den Rest des Auges
füllt die Netzhaut aus, an der man aber wieder eine innere faserige und
eine äussere körnige Schicht unterscheiden kann, zwischen denen eine
dünne Schicht farbstoffhaltiger Zellen, der Aderhaut der höheren Thiere
entsprechend liegt. Nur die unterirdisch lebende _Cionella acicula_
hat auch keine ausgebildete Augen, mindestens keine Pigmentschicht
darin. Genauere Untersuchungen an dieser Art sind mir nicht bekannt.
Die Nerven kommen nicht von dem Ganglion des Tastnerven, obwohl das
Auge der Landschnecken unmittelbar auf demselben aufsitzt, sondern von
einem eigenen Nerven, der sich schon ziemlich nahe am Gehirnganglion
von dem Tastnerven abzweigt. Ueber seine Endigungen in der Netzhaut
ist man noch nicht einig, da die schwarzgefärbte Zellenschicht eine
Untersuchung dieser Verhältnisse ausserordentlich erschwert.
Die Lage der Augen gibt für unser System einen sehr wichtigen
Eintheilungsgrund ab. Bei allen lungenathmenden Landschnecken, mit
Ausnahme der Auriculaceen und Cyclostomaceen, stehen die Augen auf der
Spitze der oberen Fühler und der ~Schmidt~’sche Name Stylommatophoren
ist davon abgeleitet. Bei den lungenathmenden Wasserschnecken sitzen
sie meistens innen neben der Fühlerbasis, bei den gedeckelten
Wasserschnecken aussen, bei den gedeckelten Landschnecken ebenfalls
aussen oder hinter der Fühlerwurzel.
Die Schärfe des Gesichtes scheint nicht sehr bedeutend zu sein; doch
können sie immerhin einige Fuss weit sehen. Ich habe oft beobachtet,
dass kriechende Schnecken ihre Fühler einzogen, sobald ich, mehrere
Fuss von ihnen entfernt stillestehend, die Hand nach ihnen ausstreckte.
Auch das ~Gehörorgan~ findet sich bei allen Gastropoden; es besteht
aus zwei kugeligen oder halbkugeligen Bläschen, die beiderseits auf
der Hinterseite der Fussganglien aufsitzen und einen oder einige
steinartige Körperchen, die Hörsteine oder Otolithen, enthalten,
die beständig in schwingender, zitternder Bewegung sind. Sie wurden
zuerst von ~John Hunter~ erkannt, und dann von v. ~Siebold~, und
besonders in neuerer Zeit von Ad. ~Schmidt~[4], genauer untersucht. Bei
kleinen Schnecken kann man leicht die zitternde Bewegung der Otolithen
beobachten, wenn man der lebenden Schnecke den Kopf abschneidet, ihn
mit einem Tropfen Wasser zwischen zwei Objectträgern presst und dann
unter das Microscop bringt; die Bewegung dauert dann ¼-½ Stunde.
Form und Zahl der Gehörsteinchen sind sehr verschieden; _Cyclostoma_,
_Hydrobia_, _Bithynia_ haben nur einen, _Neritina_ viele hunderte. Man
nimmt meistens an, dass sie aus kohlensaurem Kalk (Arragonit) bestehen,
da sie sich in Essigsäure ohne Rückstand auflösen; ~Schmidt~ macht aber
darauf aufmerksam, dass auch in dem Glycerin microscopischer Präparate,
welche längere Zeit der Wärme ausgesetzt waren, die Gehörsteinchen sich
auflösen, was mit dem chemischen Verhalten des Kalkes nicht stimmt.
Bei einigen Schnecken, _Helix_, _Limax_, _Physa_, beobachtete Ad.
~Schmidt~ einen Gang, der von der Gehörblase nach der äusseren Haut
verläuft und vermuthlich als äusserer Gehörgang die Zuleitung des
Schalles vermittelt.
Der ~Geschmacksinn~ ist bei allen Schnecken vorhanden, denn sie wählen
ihre Nahrung sehr sorgfältig aus, seinen Sitz hat man aber noch nicht
ausmachen können. Ebenso ergeht es mit dem ~Geruch~. Vorhanden ist er
jedenfalls, denn die Thiere kriechen in ganz gerader Linie auf ihre
Nahrung zu, auch wenn dieselbe so liegt, dass sie nicht gesehen werden
kann; es scheint der Geruch sogar der schärfste Sinn bei den Schnecken
zu sein und ihre Bewegungen vorzugsweise zu leiten; aber über seinen
Sitz ist man durchaus noch nicht einig. ~Moquin-Tandon~ sucht, wie
schon erwähnt, den Geruchsinn in dem Ganglion des Tastnerven, und bei
den Wasserschnecken, denen dieser Knoten fehlt, in der gesammten Haut;
aber seine Beweise dafür, Versuche an Thieren mit abgeschnittenen
Fühlern, sind durchaus nicht beweisend. Wahrscheinlicher ist die
Annahme von ~Semper~, dass ein von ihm entdecktes, in der Haut
unmittelbar hinter der Mundmasse gelegenes, sehr nervenreiches Organ,
der Sitz des Geruches sei. Genauere Untersuchungen bleiben noch
abzuwarten.
Das ~Gefässsystem~ zeigt bei allen Gastropoden die Eigenthümlichkeit,
dass die Röhrenleitung an irgend einer Stelle unterbrochen ist und
hier die Höhlungen des Körpers das freie Blut enthalten. Wir finden
bei allen ein Herz, von dem Herzbeutel umhüllt, Arterien, die sich
in feine Haargefässe auflösen, und Venen, die das Blut wieder in’s
Herz zurückführen. Aber diese Venen stehen überall, oder doch,
wie die Untersuchungen von ~Wedl~ an _Helix pomatia_ beweisen, an
den meisten Stellen nicht in directem Zusammenhang mit den feinen
Arterienverzweigungen, sondern bilden meist stärkere Stämme mit
freien Endigungen. Das Blut ergiesst sich aus den freien Enden der
Arterien in die Hohlräume zwischen den Eingeweiden und fliesst dort,
nur durch die Bewegungen des gesammten Körpers getrieben, weiter, bis
es an bestimmten Stellen durch die Venen aufgesogen und durch die
Athmungsorgane hindurch in’s Herz geführt wird.
Das ~Herz~ liegt meistens in nächster Nähe der Athemorgane, meistens
an dem Rücken des Thiers in der hinteren Ecke der Mantelhöhle,
unmittelbar am Mastdarm, nicht selten, z. B. bei _Neritina_, von
demselben durchbohrt. Es ist immer von einem Herzbeutel umgeben und
besteht aus einem dünnwandigen Vorhof und einer dickwandigen Kammer,
beide sind kegelförmig und mit der Basis auf einander aufgewachsen.
Die Oeffnung zwischen beiden wird durch Klappen geschlossen, die sich
nach der Kammer hin öffnen und also ein Zurückströmen des Blutes nicht
gestatten. Der Vorhof liegt bei allen unseren Schnecken nach vorn
gerichtet.
Aus der Herzkammer entspringt an der kegelförmigen Spitze die
grosse Körperschlagader, bei den Kiemenathmern finden wir hier auch
zwei Klappen als Verschluss, bei den Lungenathmern fehlen sie, bei
_Limax_ sogar auch die an der Oeffnung zwischen Kammer und Vorhof;
der Verschluss wird dann durch einen Ringmuskel bewirkt. Die
Schlagader giebt zunächst einen starken Ast an die Leber und die
Geschlechtsorgane, weiterhin an die Verdauungsorgane ab und verzweigt
sich dann in Kopf und Fuss. Aus den freien Enden der feinsten
Zweige tritt das Blut in die schon erwähnten Hohlräume, Lacunen
oder Sinus genannt, und wird dann von den Venen theils mit ihren
freien Enden, theils durch Oeffnungen in ihren Stämmen aufgesogen
und den Athmungsorganen zugefügt. Bei den Lungenathmern bilden die
Lungengefässe einen Ring um den Lungensack, aus dem zahlreiche
Stämmchen entspringen und sich netzartig verzweigen, um sich dann
wieder zu einem grossen Stamm zu sammeln, der in die Spitze des
Vorhofes mündet. -- Bei den Kiemenathmern dagegen strömt das Blut
frei durch den Raum innerhalb der Kieme und wird am Ende derselben
wieder von einem Stamme aufgenommen, der in’s Herz führt. Daneben
führen aber andere Stämme das Blut, ohne die Kiemen zu berühren, direct
in’s Herz. Es muss also bei den Lungenathmern das sämmtliche Blut die
Athmungsorgane passiren, um wieder in’s Herz zu gelangen, bei den
Kiemenathmern nur ein Theil.
Bei den Kiemenathmern findet sich seltsamer Weise innerhalb der Nieren
eine Oeffnung in einer Venenwand, durch die das Blut mit Wasser
verdünnt werden kann.
Das Blut selbst besteht aus einer bläulich oder röthlich gefärbten
Flüssigkeit, in der zahlreiche, farblose Blutkörperchen schwimmen.
Im Gegensatz zu dem Blute der höheren Thiere ist also hier die
Blutflüssigkeit Trägerin der Farbe. Die Blutkörperchen haben einen
deutlichen Kern und sehr häufig blasse, sternförmige Ausläufer. Die
Quantität des Blutes wechselt nach dem Fütterungszustande sehr; bei
hungernden Schnecken nimmt zunächst immer die Blutmenge ab, während der
übrige Körper unberührt bleibt.
Die ~Athmungsorgane~ sind, wie schon oben erwähnt, nach zwei
verschiedenen Typen gebaut, entweder ~Lungen~ zum Athmen der Luft
oder ~Kiemen~ zum Wasserathmen. Doch darf man sich den Unterschied
nicht entfernt so gross vorstellen, wie zwischen Wirbelthierlunge
und Fischkieme. Es ist vielmehr wesentlich derselbe Typus: ist nur
eine Stelle in der Wand des Lungensacks besonders gefässreich, ohne
sonst hervorzutreten, so nennt man sie Lunge, erhebt sie sich zu
einer gefässreichen Falte, so nennt man sie Kieme. Gewöhnlich benutzt
man diesen Unterschied als Haupteintheilungsgrund, aber dann hat
man den Uebelstand, dass man die gedeckelten Landschnecken, deren
Athmungsorgane ganz den Bau der Lungenschnecken haben, auch zu diesen
ziehen muss, obwohl sie in ihrem sonstigen Bau vollkommen mit den
Kiemenschnecken übereinstimmen. Manche helfen sich nun damit, dass sie
die Athmungsorgane derselben trotz ihres Baues für Kiemen ansehen, aber
das ist doch wohl eine etwas starke Entstellung des Thatbestandes, wenn
sie auch das System sehr vereinfacht.
Die ~Lungen~ bestehen also einfach aus einer gefässreichen Stelle
an der Decke der Mantelhöhle, die durch einen starken Muskel
verengert und erweitert werden kann; sie erhalten die Luft durch
die Athemöffnung, welche ebenfalls durch einen eigenen Ringmuskel
geöffnet und geschlossen werden kann. In ihren Gefässen kann man zwei
Netze unterscheiden, ein gröberes, aus stärkeren, mit Flimmerepithel
ausgekleideten Stämmen bestehendes, und ein feineres aus dünnen,
epithellosen Gefässchen, nach ~Semper~ sogar aus wandungslosen Lacunen.
Die ~Kiemen~ sind einfache oder verästelte Falten der Haut, in deren
Zwischenräumen das Blut ohne eigentliche Gefässe von einem Venenstamm
in den anderen übertritt. Bei _Paludina_ ist die Kieme dreieckig,
ziemlich lang, aber noch innerhalb der Mantelhöhle verborgen, bei
_Valvata_ dagegen steht sie als ein verästelter Federbusch aus dem
Athemloche hervor. Eine Verlängerung des Athemlochrandes zu einer
Athemröhre, wie bei so vielen See-Kiemenschnecken, kommt bei unseren
Arten nicht vor.
Alle Schnecken haben ~Absonderungsorgane~ zur Entfernung der
verbrauchten Körpersubstanz. Vor allen Dingen gehört hierher die
~Niere~, eine grosse Drüse mit einem Hohlraum im Inneren, die ebenfalls
wie Lunge und Herz an der Decke der Mantelhöhle liegt, meistens
zwischen diesen beiden Organen. Sie mündet entweder direct in die
Mantelhöhle, wie bei _Arion_, oder durch einen kürzeren oder längeren
Gang, den ~Ureter~, vornen in der Nähe der Afteröffnung. Die Mündung
ist fast immer von einem kräftigen Schliessmuskel umgeben. Die Niere
bildet einen weiten Sack, in dessen Innerem sich eine Menge häutiger
Falten erheben und die absondernde Oberfläche vergrössern. Das ganze
Innere ist mit einer Schicht cylindrischer Zellen mit flimmernden
Fortsätzen ausgekleidet; der Inhalt ist harnsaures Ammoniak, meistens
in festen Concretionen, die ~Swammerdam~, der Entdecker, für Kalk
ansah. ~Cuvier~ erklärte die Niere für eine Schleimdrüse, und das
Gewicht seines Namens hielt diese Ansicht gegen die richtigere von
~Wilbrand~ aufrecht, bis 1820 ~Jacobson~ die chemische Beschaffenheit
des Inhalts nachwies.
Bei den Kiemenschnecken, insbesondere bei _Paludina_, von der wir
~Leydig~[5] eine ausgezeichnete Anatomie zu verdanken haben, hat die
Niere und der dort sehr stark erweiterte Ausführungsgang wahrscheinlich
noch eine andere Verrichtung. Wie schon oben erwähnt, hat hier das
Gefässsystem in der Niere eine Lücke, durch die das Blut in die
Nierenhöhle hineintreten und sich dort mit dem eingedrungenen Wasser
vermischen kann. In welcher Weise das Blut hier verändert wird, ob eine
Veränderung regelmässig oder nur in Ausnahmsfällen stattfindet, weiss
man noch nicht.
Ausser der Niere finden wir noch bei vielen Schnecken ~Schleimdrüsen~.
Am entwickeltsten sind sie bei den nackten Landschnecken. Wir finden
hier meistens eine lange, bandförmige Drüse, die ~Fussdrüse~, die
sich innerhalb des Fusses durch den ganzen Körper hin erstreckt und
mit einer weiten Oeffnung zwischen Kopf und Fuss mündet. Ausserdem
haben viele Schnecken noch eine ~Schwanzdrüse~, die unmittelbar auf
der Schwanzspitze liegt; diese sondert, namentlich bei der Begattung,
grosse Quantitäten Schleim ab, den die Schnecken, nach ~Bouchard~, vor
der eigentlichen Begattung sehr begierig fressen.
Die ~Geschlechtsorgane~ sind bei den Lungenschnecken wesentlich anders
gebaut, als bei den Kiemenschnecken. Während nämlich die letzteren fast
sämmtlich getrennten Geschlechtes sind, sind die Pulmonaten sämmtlich
Zwitter, und zwar Zwitter in der höchsten Ausbildung, da Samen und Eier
von einer Drüse producirt werden. Nach dem Vorgange ~Meckels~ suchte
man dies dadurch zu erklären, dass man zwei ineinandergeschachtelte
Drüsen annahm, von denen die äussere Eier, die innere Samen absondere.
Es ist eine solche Einschachtelung aber nicht zu finden und neuere
Untersuchungen haben auch die Unrichtigkeit dieser Theorie direct
nachgewiesen. Eine und dieselbe Drüse, die ~Zwitterdrüse~, sondert in
ihren fingerförmigen Lappen Samen und Eier ab, ohne dass man sagen
könnte, welcher Theil besonders Eier und welcher Samen abscheide.
Von der Drüse aus gehen beide gemeinsam durch den sogenannten
~Zwittergang~ bis zu einer, an seinem Ende befindlichen Erweiterung,
der ~Samentasche~. Hier beginnt die Trennung. Die Eier, bis dahin nur
aus einem Dotter bestehend, bekommen eine Eiweisshülle und gehen durch
einen weiten Gang, den ~Eileiter~, nach unten. Im Verlaufe dieses
Ganges liegen eine Anzahl Drüsen, die den Eiern der Landpulmonaten ihre
Kalkschale liefern. In der Nähe des Ausganges verschwinden die Drüsen
und der Eileiter wird zur ~Scheide~, in die bei der Begattung der Penis
eingeführt wird.
Der Samen wendet sich von der Samentasche aus nach dem ~Samengang~,
der Anfangs nur eine enge, mit Flimmerepithel ausgekleidete Rinne
in der Wand des Eileiters darstellt, sich aber bald als freier Gang
davon loslöst und nach dem Penis führt. Auch seine Wand ist mit
zahlreichen, kleinen Drüsen besetzt, der untere Theil ist aber frei
und geht allmählig in den _Penis_ über, eine musculöse Erweiterung des
Samenganges, die durch den Blutandrang ausgestülpt und durch einen
eigenen Muskel wieder zurückgezogen werden kann.
Die äussere Geschlechtsöffnung liegt bei allen rechtsgewundenen Arten
an der rechten Seite des Halses, bei den linksgewundenen, auch wenn es
abnorme Exemplare von sonst rechtsgewundenen Arten sind, an der linken
Seite.
Bei den meisten Heliceen hat der Penis hinten einen peitschenförmigen
Anhang, das _~Flagellum~_, der mitunter länger als der Körper des
Thieres ist. In ihm und in dem hinteren Theile des Penis wird Schleim
abgesondert, der, zu einem Pfropf erhärtet, bei allen Landpulmonaten
als Samenträger, ~Spermatophore~, dient, d. h. er nimmt in eine kleine
Höhlung im Inneren den Samen auf und wird mit demselben in die Scheide
hineingeschoben.
Ausser diesen wichtigsten Bestandtheilen des Geschlechtsapparates
finden wir bei vielen Gattungen noch eine Anzahl ~Anhangsdrüsen~, über
deren Bedeutung man noch nicht im Klaren ist. Bei den meisten Arten der
Gattung _Helix_ finden wir als Anhang der Scheide einen musculösen,
ziemlich grossen Sack, der uns beim Seciren sofort in’s Auge fällt; er
enthält im Inneren ein kalkiges, pfeil- oder lanzenförmiges Gebilde,
den ~Liebespfeil~, das den inneren Raum vollständig ausfüllt. Beim
Vorspiel der Begattung wird derselbe durch Ausstülpung der an seinem
Grunde befindlichen Papille herausgetrieben und mit einer gewissen
Gewalt in die Haut der anderen Schnecke hineingestossen. Welche
Bedeutung dieser Vorgang hat, ist ganz unklar; nöthig für die Begattung
ist er sicherlich nicht, da jede Schnecke nur einmal den Pfeil
ausstösst, sich aber sehr häufig mehrfach begattet. Die Liebespfeile
zeigen sich so constant in der Form, dass man sie als werthvolles
Unterscheidungskennzeichen nahe verwandter Arten, z. B. _Helix
nemoralis_ und _hortensis_, _costulata_ und _candidula_ verwenden
kann. Man erhält sie am sichersten unzerbrochen, wenn man den ganzen
Pfeilsack ausschneidet und in einem Reagenzgläschen in Aetzkalilauge
kocht; es bleibt dann nur der Pfeil übrig.
Viele Helices haben ausserdem noch einen Anhang am Stiele der
Samenblase, das ~Divertikel~; es übertrifft mitunter an Länge die
Samenblase, sein Zweck ist aber noch unklar; bei manchen Arten nimmt
es die Spermatophore auf, aber nahe verwandte Arten haben wieder kein
Divertikel.
Ausserdem finden wir noch viele Schleimdrüsen, die besonders bei der
Begattung sehr lebhaft absondern.
Die einzelnen Theile sind bei den verschiedenen Gattungen so
verschieden gebaut, dass sie höchst wichtige Anhaltspuncte für die
Unterscheidung der Gattungen und Arten darbieten. Beobachtungen
darüber finden wir besonders in dem Werke von Adolf ~Schmidt~: der
Geschlechtsapparat der Stylommatophoren, und bei ~Moquin-Tandon~,
Histoire des mollusques terr. et fluv. de la France.
Weit einfacher ist der Bau des Geschlechtsapparates bei den
~Kiemenschnecken~. Männliche wie weibliche Organe bestehen hier aus
einer in die Lebersubstanz eingebetteten, keimbereitenden Drüse,
die immer auf der rechten Seite des Thieres liegt, und einem langen
Ausführungsgang. Bei dem Weibchen erweitert sich derselbe dicht vor
seiner Mündung zu einem _Uterus_, zu dem bei _Paludina_ noch eine
Samentasche, bei _Neritina_, nach ~Claparède~, eine Nebendrüse mit
fettigem Secret kommt. Vor dem Uterus liegt noch eine kurze Scheide,
die in die Mantelhöhle links hinter dem After einmündet. -- Bei dem
Männchen läuft der Ausführungsgang ganz auf dem Boden der Mantelhöhle
nach dem Penis zu, entweder als geschlossenes Rohr, wenn der Penis hohl
ist, oder als offene Rinne bis zur Spitze desselben, wenn er solide
ist. Der Penis liegt immer am Kopfe, dicht hinter dem rechten Fühler,
oder, wie bei _Paludina_, in einer Rinne desselben; er kann nicht
eingezogen, aber doch unter dem Mantel verborgen werden.
Die gedeckelten Landschnecken verhalten sich auch hierin ganz wie die
Kiemenschnecken.
Sämmtliche Theile des Geschlechtsapparates bestehen aus einer äusseren
Muskelschicht und einer inneren Zellenschicht mit stark flimmerndem
Epithel.
Zweites Capitel.
Entwicklung der Schnecken.
Nicht nur bei den Getrenntgeschlechtigen, sondern auch bei den Zwittern
ist zur Befruchtung eine Begattung nöthig. Nur in Ausnahmsfällen ist
eine Selbstbefruchtung, wie sie zuerst K. E. ~von Bär~ bei _Limnaea
auricularia_ beobachtete, möglich. Bekannt ist, dass ~Czermak~ von
einer _Limnaea_, die er schon als Ei isolirte, befruchtete Eier und
Nachkommen erhielt.
Bei unsern Kiemenschnecken hat man, soviel mir bekannt, eine Begattung
noch nicht beobachtet, um so häufiger bei den Pulmonaten, wo sie
entweder wechselseitig, wie bei den Heliceen, oder abwechselnd, wie bei
den Limnäen, erfolgt.
Wo die Befruchtung der Eier erfolgt, ist noch nicht ermittelt,
wahrscheinlich im oberen Theile der Saamenblase, ehe sie von Eiweiss
und Schale umhüllt sind. Eine Anzahl unserer Schnecken, _Paludina
vivipara_, _Helix rupestris_, _Balea fragilis_, _Clausilia ventricosa_,
_biplicata_, sind lebendiggebärend, d. h. die Eier werden im unteren
Theile des Uterus so lange behalten, bis das Eiweiss vollständig
aufgezehrt ist und das Junge die Eihülle verlässt. Alle anderen legen
Eier, aber in sehr verschiedener Weise. Die Landpulmonaten legen
meistens Eier mit kalkartiger Schale, die bei einigen tropischen
Arten (_Bulimus ovatus_ und _oblongus_) die Grösse eines Taubeneies
erreichen; sie sind meist kugelförmig, bisweilen auch oval oder in
zwei Spitzen ausgezogen und dann mitunter in perlschnurartige Reihen
geordnet, sonst fast immer isolirt zu kleinen Häufchen gruppirt. Ihre
Zahl ist sehr bedeutend, _Limax agrestis_ z. B. legt im Laufe eines
Sommers 3-500 Eier. Meistens werden sie in feuchter Erde, unter Laub,
Moos und Steine u. dgl. ohne weitere Sorgfalt abgesetzt; nur _Helix
pomatia_ gräbt eine kellerartige Höhle und wölbt sie oben wieder zu,
wenn die Eier abgesetzt sind. Die Wasserpulmonaten und auch _Succinea_
legen eine grössere Anzahl Eier, durch Schleim zu einem gemeinsamen
Laich zusammengeklebt, an die Blätter der Wasserpflanzen. _Neritina_
setzt ihre Eier in einer aus zwei Halbkugeln zusammengesetzten Kapsel
ab, die sie auf Steinen oder anderen Schnecken befestigt, die erste
Andeutung der oft so wunderbar complicirt gebauten Eierkapseln der
Seeschnecken.
Die Entwicklung der Eier hat man besonders bei den Wasserschnecken,
wo sie blos von dem durchsichtigen Eiweiss umgeben sind, beobachtet.
Lungenschnecken und Kiemenschnecken zeigen hier eine durchgreifende
Verschiedenheit. Bei _Limnaea_ beginnt alsbald nach der Absetzung des
Laiches die Furchung des Dotters; schon am zweiten Tage zeigen sich
die ersten Spuren des Embryos, der Fuss entwickelt sich und der Embryo
beginnt sich langsam um sich selbst zu drehen. Es bildet sich dann
der anfangs geradlinige Darmcanal mit Mund und After, der Mantel, und
auf oder vielmehr in ihm die erste Anlage der Schale; dann bilden sich
Fühler und Augen, Nervensystem, Athmungs- und Kreislaufsorgane, und
nach circa 20 Tagen sprengt der Embryo die Eihülle.
Etwas complicirter ist der Entwicklungsgang bei den Landpulmonaten, wo
man ihn, durch die Durchsichtigkeit der Eischale begünstigt, besonders
bei _Limax_ verfolgt hat. Es bilden sich hier nämlich, ausser den
bleibenden Organen, am Nacken und am Schwanzende zwei contractile
Blasen aus, die ~Nackenblase~ und die ~Schwanzblase~, und vermitteln
durch ihre Zusammenziehungen eine Art Kreislauf; mit der Entwicklung
des Herzens bilden sie sich wieder zurück. Ausserdem finden wir in der
Athemhöhle noch ein S-förmig gebogenes Organ, das Harnstoff ausscheidet
und somit als Niere dient; man nennt es die ~Urniere~; auch es
verschwindet, wenn sich die bleibenden Nieren ausbilden.
Von den Kiemenschnecken kennen wir durch ~Leydig~ sehr genau die
Entwicklung von _Paludina vivipara_; dieselbe ist unschwer zu
verfolgen, da man im Uterus stets die verschiedenen Entwicklungsstadien
beisammen findet. Characteristisch ist für dieselbe ein eigenes
Bewegungsorgan, das später wieder schwindet, das ~Segel~ oder ~Velum~,
ein mit Wimpern besetzter Wulst, mit dessen Hülfe der Embryo langsam
rotirt. Bei _Neritina_, wo sich aus vielen Eiern in einer Kapsel
immer nur ein Embryo entwickelt, dient das Segel demselben, um die
anderen Eier in die Nähe seiner Mundöffnung zu bringen, damit er sie
verschlingen kann. Nach dem Segel bilden sich dann die anderen Organe
in folgender Reihenfolge: Darm, Leber, Fuss, Sinnesorgane, Mantel,
Schale, Nervensystem, Herz, Kiemen. Wie schon oben erwähnt, ist die
Schale der Kiemenschnecken zu keiner Zeit eine innere, während die der
Pulmonaten im Ei von einem Mantellappen bedeckt wird, der später wieder
schwindet.
Die meisten Eier werden natürlich im Sommer abgesetzt, doch findet man
sie auch noch im Herbst; eine Ueberwinterung gehört aber, wenn sie
überhaupt vorkommt, zu den Seltenheiten. Viele Schnecken scheinen bald
nach beendigtem Eierlegen zu sterben; man findet, wenigstens im Sommer,
sehr häufig frisch gestorbene Schnecken. Bei _Physa_ beobachtete
es schon ~von Alten~; da diese Schnecke nach ihrem Tode sehr rasch
aus dem Gehäuse herausfällt, nahm er an, sie verlasse dasselbe vor
dem Eierlegen freiwillig und sterbe dann, ein Irrthum, den schon
Carl ~Pfeiffer~ berichtigt hat. -- Doch ist das Verhältniss durchaus
nicht so, wie bei vielen Insecten, besonders den Schmetterlingen, die
unmittelbar nach dem Eierlegen sterben; viele Schnecken legen mehrmals
Eier, und selbst in mehreren Jahren nach einander, wie es wenigstens
~Sporleder~ bei _Helix cingulata_ beobachtet hat. Es sind über diesen
Punct noch viel zu wenig Beobachtungen gemacht.
Ihre vollständige Grösse scheinen die meisten Schnecken innerhalb
eines Jahres, die Winterruhe mit eingerechnet, zu erreichen. Unter
günstigen Verhältnissen bauen viele noch im Herbst ihr Gehäuse fertig,
die anderen müssen es bis in’s Frühjahr aufschieben. Irrthümlich ist
es, aus den Wachsthumstreifen, die man mitunter am Gehäuse findet,
aufs Alter schliessen zu wollen, da dieselben durchaus nicht der Zahl
der Jahre entsprechen; die Schnecken vergrössern ihr Gehäuse mehrmals
im Jahre, so oft sie Kalk genug angesammelt haben. Der Mundsaum mit
seinen Verdickungen, Lippen und Falten ist das Letzte, was gebaut wird,
so dass man daran das fertige Gehäuse leicht erkennen kann. Doch ist
dies nicht immer der Fall. Bei _Helix personata_ habe ich beobachtet,
dass sie die Mündungslamellen schon bildet, wenn unter der Oberhaut
erst eine ganz dünne Kalkschicht vorhanden ist; es muss also hier nach
Vollendung der Mündung noch eine Verdickung der Schale stattfinden,
und zwar wahrscheinlich während der Winterruhe, denn ich fand die
dünnschaligen, durchsichtigen Exemplare noch im Spätherbst, aber nicht
mehr im Frühjahr.
Der Weiterbau des Gehäuses erfolgt, indem das Thier aus dem vorderen
Theile der Mantelfläche eine dünne Haut ausscheidet, durch die man die
Mantelgefässe sehr stark entwickelt durchscheinen sieht. In dieselbe
lagert sich dann der Kalk ab und zuletzt wird der Farbstoff von den
Drüsen des Mantelrandes ausgeschieden. Während des ganzen Vorganges
sitzt das Thier unbeweglich still, auf die Unterseite eines Blattes
oder an einen Stamm angekittet. Natürlich hängt die Grösse des
angebauten Stückes mit dem Blutreichthum, also auch mit der Art und
Menge der Nahrung zusammen.
Ueber die Dauer der normalen Entwicklung wären genauere Untersuchungen
noch sehr zu wünschen. ~Sporleder~ hat Clausilien in 4 Monaten, und
andere unter denselben Bedingungen erst in 9 Monaten ihre volle Grösse
erreichen sehen. Am schnellsten scheinen sich die Wasserschnecken zu
entwickeln; _Planorbis leucostoma_ und _Limnaea peregra_ sind schon
nach drei Monaten fortpflanzungsfähig; _Limnaea stagnalis_, die ich in
einem Aquarium zog, begattete sich zum ersten Mal in einem Alter von 4
Monaten.
Im Allgemeinen haben die Landschnecken ein bestimmtes Grössenmass,
das sie auch unter den günstigsten Lebensverhältnissen nicht leicht
überschreiten, auch wenn sie nach seiner Erreichung noch lange
leben. Wasserschnecken, und besonders einzelne Limnäen dagegen, _L.
auricularia_, _ovata_, scheinen zu wachsen, so lange sie leben, und
erreichen nicht selten eine die normale weit übertreffende Grösse.
Durchaus nicht selten kommen abnorm gebaute Schneckenhäuser vor,
namentlich verkehrt gewundene und wendeltreppenartige. Für letztere
liegt die Ursache meistens in irgend einer Verletzung, die das Thier
in seiner Jugend erlitt; wird dadurch das vordere Ende des letzten
Umganges nach unten gedrückt und bleibt etwa noch ein fremder Körper
stecken, der das Thier verhindert, wieder in die normale Richtung zu
gelangen, so muss es von seiner normalen Windungsrichtung abweichen.
Bis zu einem gewissen Grade kann man diess künstlich erreichen, wenn
man die letzte Windung bei jungen Exemplaren etwas nach unten drückt
und dann einen Wachs- oder Siegellacktropfen darüber befestigt.
Es kommen aber auch solche sogenannte ~Scalariden~ vor, bei denen
die Missbildung ohne eine nachweisbare Verletzung schon an den
Embryonalwindungen ihren Anfang nimmt, so dass man also eine angeborene
falsche Richtung annehmen muss. In den höchsten Graden dieser
Missbildung ist das Gehäuse ganz frei gewunden, ohne dass sich die
Umgänge berühren, wie es bei Planorben nicht selten ist und bei einer
Cubaner Deckelschnecke, _Choanopoma echinus Wright_, normal vorkommt,
oder der ganze Kegel ist ohne eine Spur von Windung, in Gestalt eines
Nachtwächterhornes, aufgebaut. -- Mitunter kommen auch umgekehrte
Scalariden vor, d. h. Schnecken, die sonst ein kegelförmiges Gehäuse
zu bilden pflegen, werden durch eine Verletzung veranlasst, eine
flache Scheibe zu bauen, wie ich bei _Helix fruticum_ und _nemoralis_
beobachtet habe.
Sehr interessant ist eine hierhergehörige Beobachtung von ~Sporleder~.
Ein scalar gewundener _Planorbis vortex_, den derselbe in einem Glase
hielt, suchte sich mit einem anderen, normal gebauten, zu begatten, und
von dieser Zeit an begann das normale Exemplar ebenfalls scalar weiter
zu bauen.
Ueberhaupt sind die Planorben besonders geneigt zu den seltsamsten
Windungsanomalien. ~Heynemann~ besitzt ein Exemplar, das wie ein um
einen dünnen Draht, den man später wieder herausgenommen, gewickeltes
Kordel aussieht. In Mengen hat sie einmal ~Hartmann~ in einem mit
Eichenlaub erfüllten Tümpel gefunden; er sucht die Ursache in den
Verletzungen durch die Ränder der harten Blätter. Geringere Grade
findet man sehr häufig bei _Helix lapicida_ und noch häufiger bei
_ericetorum_.
Schwerer zu erklären als die Wendeltreppenform ist die ~abnorme
Windungsrichtung~. Hier hat man die unsinnigsten Erklärungsweisen
versucht und in neuester Zeit noch sogar die Electricität zu Hülfe
genommen. Wenigstens wahrscheinlich ist eine Erklärungsweise, die
mir Herr Professor ~Dunker~ mittheilte, und die meines Wissens noch
nirgends veröffentlicht ist; derselbe nimmt nämlich an, dass die
abnorm gewundenen Exemplare aus Zwillingseiern stammten, bei denen
des Raumes wegen der eine Embryo rechts, der andere links drehen
müsse. Eine entscheidende Beobachtung dürfte sich wohl nur bei den
Arten machen lassen, die, wie manche siebenbürgische und indische
_Bulimus_, normaler Weise bald rechts, bald links gewunden vorkommen.
Eine Fortpflanzung zwischen abnorm und normal gewundenen Schnecken
ist wohl unmöglich, da mit der Windungsrichtung sich auch die Lage
sämmtlicher Organe, und also auch der Geschlechtsöffnung, ändert. Aber
auch zwei abnorm gewundene pflanzen, wenn sie sich begatten, ihre
abnorme Richtung nicht fort; ~Chemnitz~ brachte mit grossen Kosten
eine Anzahl linksgewundener _Helix pomatia_ zusammen, erhielt aber von
ihnen stets nur rechtsgewundene Nachkommen. Demgemäss findet man solche
Abnormitäten immer nur einzeln zwischen normalen Exemplaren; unter den
vielen Tausenden von _Helix pomatia_, die jährlich nach Wien gebracht
werden, finden sich nach ~Rossmässler~ höchstens 10-12 linksgewundene,
sogenannte Schneckenkönige. Von häufigerem Vorkommen ist mir nur die
von ~Hartmann~ (Erd- und Süsswassergasteropoden der Schweiz, I, p. 86)
angeführte Beobachtung von ~Mousson~ bekannt, der in einem 3′ breiten,
12′ langen Tümpel bei Wiedikon, Canton Zürich, zwölf linksgewundene
_Limnaea peregra_ beisammen fand.
Eine andere häufige Abnormität ist die ~Albinoform~, der Mangel von
Farbstoff im ganzen Gehäuse oder doch wenigstens in den Bändern; im
ersteren Falle ist auch das Thier farblos. Meistens fehlt es dann
dem Gehäuse auch an Kalk, und besonders die farblosen Binden sind
meistens durchscheinend. Die Ursache suchen manche in Armuth des
Bodens an Kalk, andere, z. B. ~Hartmann~, in Nässe und Feuchtigkeit;
beide Gründe scheinen mir nicht ausreichend, denn man findet sie auch
auf kalkreichem Boden und meistens einzeln unter der Stammform; ich
fand _Helix hortensis_ nirgends häufiger mit durchscheinenden Binden,
als an den trocknen Abhängen des Heidelberger Schlossbergs. Manche
Arten finden sich so constant an bestimmten Orten, dass man eine
Erblichkeit, wie bei den weissen Mäusen, Kaninchen u. dgl. annehmen
muss. Züchtungsversuche fehlen hier noch.
Verwandt mit ihnen sind die Schnecken mit abnorm dünnen Schalen, wie
bei den Varietäten _picea_ und _aethiops_ von _Helix arbustorum_. Hier
ist meistens die Armuth des Bodens an löslichem Kalk die Ursache, doch
kommen mitunter auch an kalkreichen Orten einzelne Exemplare vor, bei
denen man dann eine Krankheit, etwa analog der Rhachitis der Menschen,
annehmen muss.
Eine sehr interessante Missbildung fand ich einmal bei _Helix pomatia_;
das etwa halbwüchsige, sonst ganz normal gebildete Exemplar hatte
nämlich den Winterdeckel nicht ganz ablösen können, es war ein etwa 1½‴
breiter, halbmondförmiger Rand auf der einen Seite stehen geblieben,
und das Thier hatte von dem inneren Rande desselben weiter gebaut.
-- Einmal erhielt ich auch eine Weinbergsschnecke mit perlenartigen
Concretionen in der letzten Windung, und auch bei _Planorbis corneus_
habe ich dergleichen beobachtet.
Wasserschnecken findet man nicht selten mit angefressenem, cariösem
Gehäuse, mitunter so, dass ein Theil des Gewindes verloren gegangen
ist; Planorben werden dadurch ringförmig durchbohrt. Ueber die
Ursachen dieser Erscheinung werden wir weiter unten bei den Muscheln
ausführlicher reden. Landschnecken, die, wie der südeuropäische
_Bulimus decollatus_, die obersten Umgänge ihres Gehäuses in dem
Masse, wie sie weiterbauen, abwerfen, haben wir bei uns freilich
nicht, aber verwandte Erscheinungen sind bei unseren Wasserschnecken
durchaus nicht selten. Namentlich in Gebirgsquellen findet man
_Limnaea peregra_ häufig mit tief ausgefressenen Löchern, die bis auf
die verdickte Perlmutterschicht dringen, und oft sind die obersten
Windungen ganz oder zum Theil verloren. Aber auch in stehenden Wassern
findet man angefressene Exemplare; bei ~Heynemann~ sah ich sehr cariöse
_L. stagnalis_, und ein besonders zerfressenes Exemplar von _L.
palustris_, in einer Lache in der Nähe von Bornheim gefunden, hat Herr
~Dickin~ der Normalsammlung der deutschen malacologischen Gesellschaft
übergeben.
Mitunter bauen Schnecken, nachdem sie ihr Gehäuse schon abgeschlossen
und den Mundsaum fertig gebildet haben, noch einmal weiter. Besonders
häufig findet man es bei den grossen Limnaeen, bei _auricularia_ und
_ovata_, wo dann der umgewölbte Mundrand als scharfer Grat aus dem
Gehäuse vorspringt, wie es bei manchen Seeschnecken, z. B. _Tritonium_,
_Murex_, Regel ist. Aber auch bei Landschnecken kommt es vor, dann ist
freilich das angebaute Stück fast immer farblos, rauh und krüppelhaft.
Bricht man in das Gehäuse einer Schnecke ein Loch kurz oberhalb der
Mündung, so kann man nicht selten beobachten, dass das Thier dann diese
künstliche Oeffnung zum Aus- und Einkriechen benutzt, und nicht selten
baut es hier auch noch ein Stückchen an. Besonders sicher kann man
diese Missbildung, die früher für eine der grössten Seltenheiten galt,
bei Clausilien erzeugen, wenn man die Mündung mit Wachs verstopft und
etwas weiter oben eine genügend weite Oeffnung bricht.
Drittes Capitel.
Lebensweise der Schnecken.
Die Schnecken lieben im Allgemeinen Wärme und Feuchtigkeit und sind
desshalb am lebhaftesten in der warmen Jahreszeit und bei feuchtem
Wetter. Nur wenige lieben trockene Orte, wie _Helix ericetorum_,
_candidula_, _costulata_, _Bulimus tridens_ und _detritus_; doch sind
auch diese lebhafter Morgens, so lang noch der Thau liegt, und nach
einem Regen. Eine Ausnahme machen die Daudebardien, Vitrinen und
_Cionella acicula_, die nur im Spätherbst und Frühjahr, und in gelinden
Wintern auch den ganzen Winter hindurch zu finden sind, während
sie sich im Sommer, in unseren Gegenden wenigstens, verbergen; im
Hochgebirge, an der Schneegränze, sind sie allerdings den ganzen Sommer
hindurch zu finden.
Alle anderen Landschnecken verkriechen sich im Winter mehr oder weniger
tief, manche an geeigneten Orten mehrere Fuss tief, und schliessen ihre
Mündung mit einem kalkigen, häutigen oder seidenartigen Deckel, dem
Winterdeckel, _Epiphragma_; im Laufe des Winters ziehen sich viele
dann immer weiter zurück und bauen mehrere Scheidewände hintereinander,
die inneren sind aber immer dünn und häutig, auch wenn der erste kalkig
ist. Auch viele der ungedeckelten Wasserschnecken vergraben sich in den
Schlamm und schliessen ihr Gehäuse mit einem dünnen, häutigen Deckel.
Doch geschieht dies durchaus nicht regelmässig; selbst bei der strengen
Kälte im Februar 1870 fand ich die Limnaeen und Planorben meines
Aquariums, von dem ich fast täglich mehrmals das Eis entfernen musste,
zwar ruhig auf dem Boden aufsitzend, aber mit offener Mündung.
Der Beginn des Winterschlafs hängt natürlich von der Temperatur ab, ist
aber bei den verschiedenen Arten sehr verschieden. Im Winter 1869-70
habe ich _Helix ericetorum_, und zwar besonders junge, unausgewachsene
Exemplare, bis nach Weihnachten täglich im Freien und fressend
gesammelt, obwohl mehrmals vorübergehend Schnee fiel.[6] _Helix
pomatia_ dagegen verschwindet schon sehr früh und gräbt sich tief ein,
scheint aber doch mitunter der Kälte zu erliegen, denn man findet
sehr oft todte Exemplare mit Winterdeckel. Im Allgemeinen gehen die
ausgewachsenen Exemplare weit früher zur Ruhe als die noch unfertigen.
In dem Zustand des Winterschlafs steht der Stoffwechsel fast still;
das Herz schlägt statt 20-30mal in der Minute nur 2-3mal, die Athmung
ist fast gleich Null, um so geringer, je niedriger die Temperatur ist;
einiger Austausch von Sauerstoff und Kohlensäure findet aber doch immer
statt; es dient dazu die in der Lungenhöhle enthaltene Luft.
In diesem Zustand können die Schnecken niedere Frostgrade, nach
~Gaspart~ 4-5°, ohne Schaden ertragen, aber bei 8-10° sterben sie
rasch. Wasserschnecken können, ohne Schaden zu nehmen, einfrieren,
sobald aber ihr Körper selbst gefriert, sterben sie. -- In warmen
Wintern schlafen manche Schnecken gar nicht, sondern bleiben unter der
Bodendecke munter, so besonders die Clausilien, _Helix hispida_ und
andere.
Der Winterschlaf dauert meistens bis zum ersten warmen, durchdringenden
Regen, trockene Frühjahre halten die Schnecken lange in ihren
Verstecken zurück. Temperaturen, bei denen sie im Herbst noch munter
sind, scheinen ihnen im Frühjahr noch durchaus nicht zu genügen, und
die meisten Arten erscheinen erst auf dem Platz, wenn die Vegetation
schon ziemlich weit vorgeschritten ist.
Im Sommer, bei dauernder Trockenheit, verbergen sich die Schnecken
ebenfalls an möglichst feuchten und kühlen Orten, die sie mit grossem
Geschick ausfindig zu machen wissen. Es ist merkwürdig, wie diese
anscheinend so stumpfsinnigen Thiere Verstecke zu finden wissen, die
dem eifrig suchenden Sammler entgehen. Am Schlossberg zu Biedenkopf,
wo _Helix pomatia_ und _nemoralis_ auf einem beschränkten Räume zu
Tausenden vorkommen, habe ich bei trockenem Wetter oft stundenlang
gesucht, ohne ein Exemplar zu finden, bis mich ein Zufall auf die
richtige Fährte brachte; es standen dort einzelne Obstbäume, und am
Fusse derselben, in den für die Pfähle in den felsigen Boden gemachten,
mit Steinen und Moos ausgefüllten Löchern sassen die Schnecken in
dichten Klumpen. -- Manche Arten, z. B. _Helix obvoluta_, machen auch
im Sommer einen dünnen, häutigen Deckel, andere ketten sich mit der
Mündung fest an einen Stein oder einen Pflanzenstengel, und bleiben
sitzen, bis wieder Regen fällt.
Die Wasserschnecken graben sich, wenn im Sommer ihre Wohnplätze
austrocknen, in den Schlamm und dauern dort aus, so gut es geht; doch
gehen dann immer grosse Mengen zu Grunde, und mehrere trockene Sommer
hintereinander können ganze Gegenden veröden. -- In ähnlicher Weise
ist auch die Trockenlegung einer Gegend durch Drainirung, Abzugsgräben
u. dgl. im Stande, die Schneckenfauna zu verändern; in hohem Grade ist
dies, wie mir Dr. C. ~Koch~ mittheilte, um Dillenburg der Fall gewesen,
wo in Folge der immer ausgedehnteren Grubenbaue eine Menge Quellen und
mit ihnen eine ganze Anzahl der in seinem Verzeichniss angeführten
Mollusken verschwunden sind.
Viele Schnecken halten sich mit Vorliebe unter Steinen, Balken und
Baumstämmen auf, und in vielen Fällen kann man auch beim genauesten
Nachsuchen keinen Weg finden, auf dem sie darunter gelangt sind. Wie
kommen die Vitrinen und Hyalinen, die bei der geringsten Berührung
zerbrechen, an diese Stellen?
Manche Arten scheinen in verschiedenen Altersstufen ganz
verschiedene Lebensweisen zu haben. So findet man _Succinea oblonga_
in halbwüchsigem Zustande sehr häufig unter Steinen an dürren
Bergabhängen, weit vom Wasser, z. B. bei Biedenkopf am Abhange des
Eschenbergs, 3-400′ über der Thalsohle; erwachsene Exemplare habe ich
dort nie gefunden, dagegen öfter an feuchten Orten mit den anderen
Succineen, und nach einer Mittheilung von Herrn Professor ~Sandberger~
leben sie besonders an den Blättern von Aspen und Sahlweiden, wo man
wieder keine jungen findet. -- Auch _Buliminus obscurus_ lebt in der
Jugend an Baumstämmen und auf dem Laub, wo er wie eine Knospe oder ein
spitzer Gallapfel aussieht, und im erwachsenen Zustande unter Steinen
und in Mauern. Bei sorgfältiger Beobachtung dürften sich derartige
Beispiele wohl noch mehren.
Viertes Capitel.
Uebersicht der Gattungen.
A. Thiere ohne Deckel, _Inoperculata_.
AA. Die Augen auf den Fühlerspitzen tragend, ~Stylommatophoren~.
a. Ohne Kiefer, _Testacellea_.
Gehäuse klein, ganz hinten auf dem viel grösseren Körper
sitzend und nur einen kleinen Theil desselben bedeckend.
1. _Daudebardia_, ~Hartmann~.
b. Mit hornigem Kiefer, ohne äussere Schale, _Limacea_.
Mantel gekörnelt, Athemöffnung vor der Mitte der rechten
Mantelseite, Körper ungekielt, am Schwanzende eine Schleimdrüse,
keine innere Schale.
2. _Arion_, ~Férussac~.
Mantel gekörnelt, querüber eingeschnürt, die Athemöffnung
hinter der Mitte der rechten Seite, Körper in seiner ganzen
Länge gekielt, keine Schleimdrüse, unter dem Mantel eine innere
Schale.
3. _Amalia_ (~Moquin-Tandon~), ~Heynemann~.
Mantel wellig gerunzelt, aber nicht eingeschnürt, die
Athemöffnung ebenfalls hinter der Mitte, Körper nur hinten
gekielt, ohne Schleimdrüse, unter dem Mantel eine innere
Schale.
4. _Limax_, ~Linné~.
c. Mit hornigem Kiefer und äusserer, gewundener Schale, _Helicea_.
α. Gehäuse ohrförmig, scheiben- bis kugelförmig.
Gehäuse undurchbohrt, durchsichtig, mit nur 2-3 Windungen,
deren letzte den Haupttheil des Gehäuses ausmacht,
im Verhältniss zum Thiere klein; Mündung weit, mit gebogenem
Spindelrand.
5. _Vitrina_, ~Draparnaud~.
Gehäuse durchbohrt oder genabelt, meist flachgedrückt,
mit 5-7 Windungen, glänzend. Kiefer glatt mit einem
Vorsprung in der Mitte.
6. _Hyalina_, ~Albers~.
Gehäuse genabelt, durchbohrt oder undurchbohrt, kugelig,
kegel- oder scheibenförmig, Mündung breiter als hoch, schief;
Thier mit quergeripptem Kiefer und meist mit einem Liebespfeil.
7. _Helix_, ~Linné~.
β. Gehäuse mehr oder weniger länglich, ei-, thurm- oder
spindelförmig.
Mündung höher als breit, der äussere Mundsaum bedeutend
länger, als der innere, Spindel gerade, am Grunde weder
abgestutzt noch ausgeschnitten.
8. _Buliminus_, ~Beck~.
Mündung eiförmig, Spindel unten quer abgestutzt, Gehäuse
langeiförmig oder spindelförmig, glatt, glänzend.
9. _Cionella_, ~Jeffreys~.
Mündung halbeiförmig, beide Ränder gleichlang, meist
auf der Spindel und oft auch auf den Mündungsrändern Zähne
und Falten; Gehäuse eiförmig oder cylindrisch.
10. _Pupa_, ~Draparnaud~.
Gehäuse langgestreckt, Mündung rundeiförmig mit schwacher
Lamelle, sonst ohne Falten. Kein Schliessapparat.
11. _Balea_, ~Prideaux~.
Gehäuse langgestreckt, spindelförmig, Mündung ei- oder
birnförmig, mit zwei starken Lamellen, im Inneren ein
Schliessapparat.
12. _Clausilia_, ~Draparnaud~.
Gehäuse eiförmig, undurchbohrt, bernsteinfarbig durchscheinend,
3-4 rasch zunehmende Windungen; Mündung
oval, sehr weit, mit einfachem Mundsaum und einfacher
Spindel.
13. _Succinea_, ~Draparnaud~.
BB. Die Augen nicht auf der Fühlerspitze tragend, ~Basommatophoren~.
a. Landbewohner, _Auriculacea_.
Gehäuse spitzeiförmig, winzig klein, weiss, durchscheinend,
mit Falten an der Spindel und zahnartigen Verdickungen am
Mundsaum.
14. _Carychium_, ~Müller~.
b. ~Wasserbewohner~, _Limnaeacea_.
α. Gehäuse gewunden.
Fühler flach, dreieckig, Gehäuse rechts gewunden.
15. _Limnaea_, ~Draparnaud~.
Fühler borstenförmig, Gehäuse linksgewunden, glänzend.
16. _Physa_, ~Draparnaud~.
Fühler borstenförmig, Gehäuse scheibenförmig.
17. _Planorbis_, ~Müller~.
β. Gehäuse napfförmig, ohne erkennbare Windungen.
18. _Ancylus_, ~Linné~.
B. Thier mit bleibendem Deckel, _Operculata_.
AA. Landschnecken, _Pneumonopoma_.
Gehäuse schmal, cylindrisch, klein, Augen an der inneren
Seite der Fühlerwurzel.
19. _Acme_, ~Hartmann~.
Gehäuse ei-kegelförmig mit stielrunden Umgängen, Deckel
fast rund mit wenigen Spiralwindungen.
20. _Cyclostoma_, ~Lamarck~.
BB. Wasserschnecken, _Prosobranchiata_.
a. Gehäuse thurm- bis kreiselförmig, Mündung und Deckel oben
eckig, Kieme nicht aus der Athemöffnung vorragend, _Paludinacea_.
Gehäuse gross, Deckel hornig mit concentrischen Anwachsstreifen.
21. _Paludina_, ~Lamarck~.
Gehäuse mittelgross, Deckel kalkig mit concentrischen
Anwachsstreifen.
22. _Bithynia_, ~Leach~.
Gehäuse klein, Deckel hornig, spiralgestreift.
23. _Hydrobia_, ~Hartmann~.
b. Gehäuse kreisel- oder scheibenförmig, Mündung und Deckel
rund, hornig mit vielen Windungen, Kiemen zeitweise
federbuschförmig aus der Athemöffnung vorragend.
24. _Valvata_, ~Müller~.
c. Gehäuse halbeiförmig, Mündung halbrund, Deckel mit einem
Fortsatz am unteren Ende der Innenseite.
25. _Neritina_, ~Lamarck~.
Fünftes Capitel.
A. INOPERCULATA, Deckellose.
AA. STYLOMMATOPHORA.
a. TESTACELLEA, Halbnacktschnecken.
Gehäuse klein, nur einen kleinen Theil des Körpers deckend; Thier ohne
Kiefer, die Zunge mit lauter gleichmässigen, stachelförmigen Zähnen
bewehrt.
I. DAUDEBARDIA ~Hartmann~.
Daudebardie.
Gehäuse ohrförmig, durchbohrt, sehr glänzend, weniger leicht
zerbrechlich, als die Vitrinen, flach, wenig gewunden, der letzte
Umgang sehr rasch an Weite zunehmend, die Mündung schief, sehr weit.
Thier unverhältnissmässig gross im Verhältniss zum Gehäuse, so dass es
sich zu keiner Zeit in dasselbe zurückziehen kann, in der Ruhe, wo man
das ganz auf dem Ende des Körpers getragene Gehäuse leicht übersieht,
täuschend einer Nacktschnecke ähnlich, mit langem Hals, Fuss kurz,
nur wenig aus der Schale vorragend; im Gewinde scheint durch die sehr
durchsichtige Schale die gelbbraune Leber durch (~Hartm.~). Der Kiefer
fehlt ganz, die Zunge ist mit lauter gleichen, dornförmigen, nicht
gebogenen Zähnen besetzt. Der Geschlechtsapparat zeichnet sich durch
eine starke Blase aus, die mit einem kurzen, starken Stiel in die sehr
aufgetriebene Scheide mündet; die Ruthe ist stark, ohne Flagellum (Ad.
~Schmidt~).
Die Daudebardien leben namentlich in bergigen Gegenden unter Laub und
Steinen, meist einzeln; sie sind in unseren Gegenden nur im Spätherbst
und ersten Frühjahr zu finden, auf höheren Bergen den ganzen Sommer
hindurch. Häufig sind sie nirgends. Ihre Nahrung besteht in anderen
Schnecken, besonders Vitrinen, Hyalinen und Hel. rotundata; doch
scheuen sie auch Ihresgleichen nicht. Ihre Bewegungen sind sehr rasch
und lebhaft, aber nur bei feuchtem Wetter; Trockenheit können sie
durchaus nicht vertragen und man kann sie nur lebend nach Hause
bringen, wenn man sie in frisches, lebendes Moos setzt.
In Nassau haben wir die beiden deutschen Species, aber sie scheinen
zu den grössten Seltenheiten zu gehören und es sind von beiden erst
einzelne Exemplare aufgefunden worden. Nur bei St. Goar hat Dr.
~Noll~ die zweite Art nicht allzuselten gefunden. Die beiden Arten
unterscheiden sich folgendermassen:
a. Gewinde die Hälfte des Gehäuses bildend,
_D. rufa_ ~Drp.~
b. Gewinde noch nicht ein Drittel des Gehäuses bildend,
_D. brevipes_ ~Drp.~
Ich muss aber hier noch bemerken, dass mir die deutschen Daudebardien
dringend einer Revision zu bedürfen scheinen, für die freilich mein
Material nicht ausreicht. Schon ~Rossmässler~ macht darauf aufmerksam,
dass _Daud. brevipes_ der meisten Autoren nur eine junge _rufa_ sei;
der Umstand, dass meistens beide Arten zusammen vorkommen sollen, lässt
dies schon vermuthen.
1. Daudebardia rufa ~Draparnaud~.
Rothe Daudebardie.
_Syn. Helicophanta rufa_ C. ~Pfeiff.~, ~Fér.~ --
Gehäuse durchbohrt, niedergedrückt, in die Quere verbreitert, aber
nicht in dem Grade, wie bei _brevipes_; drei Windungen, von denen die
beiden ersten etwa die Hälfte des Querdurchmessers einnehmen. Mündung
gerundet. Farbe braunröthlich oder gelblich. Höhe 1,5 Mm. Grosser
Durchmesser 5,5, kleiner 4 Mm.
Thier in der Jugend rein weiss, später obenher bläulichgrau mit
schwarzen Fühlern und braunem, punctirtem Mantel. Fuss kurz, weiss
(~Hartm.~) Bis jetzt nur ein leeres Gehäuse von Thomae bei der Ruine
Stein bei Nassau gefunden und irrthümlich für _brevipes_ gehalten.
Findet sich ausserhalb unseres Gebietes im Siebengebirge und bei Bonn,
(~Goldfuss~), sowie bei Würzburg (~Sdbrg.~), bei Heidelberg. Sehr
selten bei Wächtersbach (~Speyer~).
2. Daudebardia brevipes ~Draparnaud~.
_Syn. Helicophanta brevipes_ C. ~Pfeiff.~
Gehäuse durchbohrt, niedergedrückt, sehr in die Quere verbreitert,
fast ohrförmig, aus drei Umgängen bestehend, von denen die zwei ersten
das kleine punctförmige Gewinde, der dritte fast allein das ganze
Gehäuse bilden, durchsichtig, zart, grünlichbraun, glatt, Mündung
sehr weit, fast ganz horizontal, eiförmig; Aussenrand weit vorgezogen
und stark gekrümmt, Innenrand unten etwas vor den ganz engen Nabel
zurückgebogen.
Thier in ausgewachsenem Zustande von _rufa_ nicht verschieden.
(~Hartm.~)
An der Ruine Lahneck von ~Rath~ 1851 gefunden. Bei St. Goar (~Noll~).
Bei Bonn. ~Goldfuss.~
Sechstes Capitel.
b. LIMACEA, Nacktschnecken.
Thiere ohne äussere Schale, nur mit einem schildartig ausgebreiteten,
einen Theil des Körpers deckenden Mantel.
II. ARION ~Férussac~.
Wegschnecke.
Thier nackt und träge, der Körper halbstielrund oder cylindrisch, vorn
und hinten verschmälert, unten platt. Fühler cylindrisch-kegelförmig.
Schild mässig lang, ~gekörnt~, vornen und hinten abgerundet.
Athemöffnung rund, auf der rechten Seite des Schildes vor seiner
Mitte, dicht darunter die Geschlechtsöffnung. In dem Schilde liegen
in grösserer oder geringerer Zahl zerstreute Kalkkörnchen, aber ohne
eine eigentliche Schale zu bilden; nur bei _Arion hortensis_ ~Fér.~
(_fuscus_ ~Müll.~) treten sie zu einer unvollkommenen Schale zusammen
und ~Moquin-Tandon~ stellt desshalb denselben als Untergattung
_Prolepis_ den anderen, die die Untergattung _Lochea_ bilden,
gegenüber. Die Fusssohle ist in ihrer ganzen Länge gleichbreit, hinten
und vorn abgerundet und nicht wie bei _Limax_ in drei deutliche Felder
geschieden. Am Ende des Schwanzes findet sich eine starke Schleimdrüse,
die besonders zur Begattungszeit sehr stark secernirt.
Der Kiefer ist halbmondförmig, hornig, am concaven Rande etwas
verdickt, auf der oberen Fläche mit 8-15 starken Leistchen,
die den concaven Rand zahnartig überragen. Zunge mit einem
symmetrischen, dreispitzigen Mittelzahn, der etwas kleiner ist, als
die nebenstehenden anderen Zähne des Mittelfeldes. Seitenzähne
messerförmig, etwas gekrümmt. Die gesammte Verdauung ist auf
Vegetabilien eingerichtet; der innere Bau ist ganz der im ersten
Capitel beschriebene der Gastropoden. Das Genitalsystem ist einfach
gebaut, ohne die Anhangsdrüsen von _Helix_.
Sämmtliche Arten sind träge, sehr gefrässige Thiere, die nur bei
feuchtem Wetter und Nachts umherkriechen, sonst ruhig unter Steinen,
feuchtem Holz u. dgl. sitzen. Sie sondern sehr viel Schleim ab. Die
Begattung erfolgt in derselben Weise, wie bei _Helix_; die Eier werden
zu 50-60 Stück lose unter Moos und Laub den ganzen Sommer durch
abgelegt, die Jungen erscheinen nach 4-6 Wochen.
Es kommen in Nassau vier Arten vor, die sich unterscheiden wie folgt:
Körper halbstielrund, Sohle gleichbreit, hinten und vorn abgerundet,
verwaschen dreifarbig; Thier glänzend schwarz oder rothgelb, Länge
13-15 Ctm.
_A. empiricorum_ ~Fér.~
Körper cylindrisch, hinten und vornen verschmälert, Sohle am
Schwanzende länglich zugespitzt mit ganz undeutlichen Langsfeldern,
Farbe rothbraun, auf jeder Seite eine dunkelbraune Längsbinde, Länge
5-6 Ctm.
_A. subfuscus_ ~Fér.~
Körper cylindrisch, schlank, hinten schnell zugespitzt, in der Ruhe
breit gerundet. Farbe grau oder weisslich mit verwaschenen schwarzen
Flecken, jederseits eine dunkle Binde; Länge 5-6 Ctm.
_A. hortensis_ ~Fér.~
Körper cylindrisch, schlank, grünlich weiss bis hell meergrün, Kopf und
Augenträger schwarz, Sohle gelblichweiss; Länge 4-5 Ctm.
_A. melanocephalus_ ~Faure~.
3. Arion empiricorum ~Férussac~.
_Syn. Arion ater_ ~List.~ _Limax ater_ ~Linn.~ _L. rufus_ ~Linn.~ _L.
succineus_ ~Müll.~
Körper halbstielrund mit stark gewölbtem Rücken und ganz flacher
breiter Sohle, die überall gleichbreit, nach hinten abgerundet
ist. Länge 13-15 Ctm., Breite 1¾-2½ Ctm. Schild hinten und vornen
abgerundet, in der Ruhe stark, beim Kriechen feiner gekörnt.
Athemöffnung rund, vor der Mitte des rechten Schildrandes stehend.
Körper mit groben Maschen bedeckt. Sohle undeutlich in drei
Längsstreifen getheilt, an den Seiten grau, in der Mitte heller. Ueber
dem Schwanzende in einem dreieckigen Raum die Mündung der starken
Schwanzdrüse. Farbe meistens glänzend schwarz; mitunter der Fussrand
hellbraun, gelb oder rothbraun, immer mit schwarzen Querstrichelchen;
es kommen aber auch rothe, gelbe und scharlachrothe Exemplare vor.
Unter dem Schilde über dem Lungensack liegen eine Anzahl Kalkplättchen
und Körner zerstreut. Kiefer halbmondförmig, gleichbreit, am Rande
etwas verdickt, mit 6-16 Leisten, die am concaven Rande vorspringen.
Zunge wie in der Gattungsbeschreibung angegeben.
Die Jungen weichen in der Farbe auffallend ab, manche Formen werden
wahrscheinlich als eigene Arten beschrieben; anfangs sind sie meistens
weiss, dann grau oder grünlich mit dunklerem Kopf.
Die Schnecke lebt namentlich in Waldgegenden, in feuchten
Laubwaldungen, meistens gesellig, bei Tag und bei trockenem Wetter
unter Holz und Steinen verborgen. Sie ist sehr träge in ihren
Bewegungen und frisst Pflanzenstoffe, Pilze, aber auch faules Fleisch.
Man verwandte sie früher zur Darstellung einer Schneckenbrühe für
Schwindsüchtige.
Allgemein verbreitet, dürfte wohl keinem Bezirk in Nassau fehlen.
In der Umgebung von Biedenkopf habe ich immer nur die schwarze Form
beobachtet; auch um Schwanheim überwiegt sie.
4. Arion subfuscus ~Férussac~.
Körper cylindrisch, hinten und vornen verschmälert, Schild fein
gekörnt, nach vornen gebuckelt, Athemloch in der Mitte des rechten
Randes. Länge 5-6 Ctm., Breite 6 Mm. Körper mit parallelen, feinen
Längsrunzeln. Sohle am Schwanzende länglich zugespitzt, mit
undeutlichen Längsstreifen und von einem schmalen, hinten breiteren
Saum umgeben. Zunge wie die der vorigen Art; die Zähne der Seitenfelder
mit seitlichen Einschnitten an der von der Mittellinie abgewandten
Seite. Kiefer mit abgerundeten Ecken und 10-12 nach der concaven Seite
hin convergirenden Leisten.
Farbe gelbbraun oder rothbraun, Rücken und Fühler meistens dunkler; von
den Augenträgern läuft auf jeder Seite ein dunkleres Band über Nacken,
Schild und Körper nach der Schwanzdrüse. Fussrand grau, fein schwarz
gestrichelt. Sohle gelbweiss, Schleim gelb. (~Lehmann~).
Die Schnecke lebt gesellig in Laubwaldungen und Hecken; man findet sie
namentlich nach einem Regen an Buchenstämmen. Lebensweise wie bei der
vorigen Art.
5. Arion hortensis ~Férussac~.
_Syn._ _Limax fuscus_ ~Müll.~
Körper cylindrisch, schlank, vornen an Breite abnehmend, hinten schnell
zugespitzt, in der Ruhe breit abgerundet. Schild vorn und hinten
abgerundet, in der Ruhe feinkörnig. Körper gerunzelt, die Runzeln
besonders an den Seiten in regelmässige Reihen angeordnet. Farbe
gelblich oder weissgrau, mit dunkleren Flecken oder Streifen, besonders
am Rücken, jederseits mit einer dunklen auf dem Schild lyra-artig
gekrümmten Längsbinde; Kopf und Fühler schwärzlich, Sohle gelblichweiss
mit etwas gelberem, nicht gestrichelten Rande, in der Mitte scheinen
mitunter die Eingeweide durch; Schleim glashell. Länge 4-5 Ctm., Breite
4-5 Mm.
Kiefer halbmondförmig, mit 10-15 ziemlich gleichen Leistchen, Zunge
mit 65-77 Längsreihen und 100-133 Querreihen, der Mittelzahn um
wenig kleiner, als die Seitenzähne, dreispitzig, alle Zähne kurz und
gedrungen. (~Lehmann~).
In Gärten unter Steinen und faulem Holz, ziemlich lebhaft in seinen
Bewegungen. Bei Weilburg (~Sandb~.). Um Frankfurt einzeln in Gärten
(~Heyn~). Ziemlich selten bei Ems (~Servain~).
6. Arion melanocephalus ~Faure-Biguet~.
_Syn._ _A. tenellus_ ~Müll~.
Körper cylindrisch, schlank, Schild an beiden Enden abgerundet,
unregelmässig gekörnt, Körper mit langen, feinen, elliptischen Runzeln.
Farbe bei unseren Exemplaren aus den Taunuswaldungen grünlichweiss
bis hellmeergrün, nie citron- oder orangegelb, wie ~Lehmann~ von den
Stettiner Exemplaren angiebt. Sohle hellgelb mit weissgelblichem Rande;
Kopf und Augenträger schwarz. Schleim glashell. Länge 5½ Ctm., Breite
5 Mm. Kiefer mit 5 stärkeren und 5-6 schmäleren Leisten. Zunge der von
_hortensis_ sehr ähnlich.
Häufig im Moos am Boden am Fuss der Baumstämme in den Waldungen des
Taunus.
III. AMALIA ~(Moquin-Tandon) Heynemann~.
Amalie.
Thier nackt und träge; Kiefer oben glatt, vornen ausgebuchtet und
gezähnt. Mantel gekörnelt, hinten ausgebuchtet, ~über die Mitte quer
eingeschnürt~; darunter eine kalkige, am Rande nicht häutige Platte
mit einem auf der Mitte liegenden Nucleus. Hinterleib oben ~der ganzen
Länge nach gekielt~, mit flachen, zwischen Längsfurchen in Längsreihen
hinter einander liegenden Runzeln. Sohle in drei Längsfelder getheilt.
7. Amalia marginata ~Draparnaud~.
Mantel und Körper rothgrau, obenher dunkler, an den Seiten heller. Der
Mantel ist hinten stark ausgebuchtet, namentlich wenn das Thier ruht,
und überall mit schwarzen Punkten und Schnörkeln besäet, welche auf
beiden Seiten zu je einem deutlichen Striche zusammenfliessen, der
sich, vom hinteren Mantelrande angefangen, in einem schwachen Bogen bis
zur Mitte hinzieht; von diesen Längsstreifen aus geht die Einschnürung
des Mantels über dessen Mitte hinweg. Der Körper hat oben einen
blassgelben, schmalen, aber sehr in die Augen fallenden Kiel und ist
sonst auf dem rothgrauen Grunde mit schwarzen Puncten besetzt, welche
ziemlich regelmässig in den Furchen zwischen den Runzeln stehen. Die
Runzeln, auf jeder Seite, am hinteren Mantelrande gezählt, vom Kiel bis
zur Sohle 16 Reihen, bilden schräg nach abwärts und hinten verlaufende,
auf dem Rücken stellenweise unterbrochene Perlenreihen. Der Sohlenrand
ist mit einem schwarzen, am Schwanzende stärker ausgeprägten Striche
umzogen, die Sohle gelblichweiss. Kopf mit einer vorn gabelig
getheilten Nackenleiste, mit schwarzen, wulstigen Flecken bedeckt. Auch
die Fühler sind mit schwarzen, erhabenen Puncten besetzt; ihre Knöpfe
birnförmig mit dem dünnen Ende nach oben. Die Augennerven als zwei
dunkle Streifen sichtbar. Länge 8-10 Ctm.
Die innere Schale ist oval, dick, gewölbt; mit erhabenem Nucleus,
hinter dem sich der Rand etwas herunterbiegt. (~Heynemann~.) Kiefer
weit ausgeschnitten, schmal, mit einem stumpfen Zähnchen in der Mitte,
an den Seiten flügelförmig verbreitert. Die Zungenzähne sind im
Mittelfeld schlank, lanzettförmig, mit einer Seitenspitze auf jeder
Seite; die der Seitenfelder schlank sichelförmig.
Diese schöne Schnecke, die unter allen Nacktschnecken durch ihre
feine, man möchte fast sagen vornehme Färbung auffällt, sitzt den Tag
über träge unter Steinen, besonders unter kleinen, flachliegenden, an
schattigen, nicht zu trocknen Orten, wie es scheint mit Vorliebe in
der Nähe von Ruinen. Nachts und im dunklen Raum kriecht sie lebhaft
umher; bei der Berührung sondert sie einen zähen, firnissartigen,
weissen Schleim ab. In Nassau wurde sie zuerst 1868 von mir am Schlosse
zu Biedenkopf, später auch von Dr. ~Koch~ zu Dillenburg an einem
Ackerrande vor dem Feldbacher Wäldchen unter Schalsteinen gefunden.
Auch ~Servain~ beobachtete sie unter Steinen rechts vom Fusspfad,
der von der Burg Stein nach der Ruine Nassau führt. Sie dürfte sich
wahrscheinlich auf den meisten Ruinen des rheinisch-westphälischen
Schiefergebirges finden.
IV. LIMAX ~Lister~.
Schnegel.
Körper halbstielrund, unten platt, nach vorn und hinten spindelartig
verschmälert, schlanker als Arion. ~Schild mit concentrischen
Wellenlinien~, ungefähr wie die Innenseite des letzten Daumengliedes
an der Menschenhand. Die Athemöffnung liegt hinter der Mitte des
rechten Schildrandes, die Geschlechtsöffnung hinter dem rechten
Augenträger. Unter dem Schilde liegt die innere Schale, eine ovale,
nach oben convexe Tafel mit häutigem Rande und einem Knöpfchen, der
Embryonalwindung, _nucleus_, rechts am oberen Rande. Der Rücken ist
nach hinten gekielt, eine Schwanzdrüse nicht vorhanden. Die Sohle meist
deutlich in drei Felder getheilt. Kiefer halbmondförmig, sattelartig
über die Fläche gebogen, mit einem kegelförmigen Zahn im concaven Rand.
Zunge deutlich in ein Mittelfeld und zwei Seitenfelder zerfallend, die
Zähne des Mittelfeldes sind ein- bis dreispitzig, die der Seitenfelder
hakenförmig gekrümmte Dornen.
Die Limaxarten, durch ihr Gebiss mehr auf Fleischnahrung und eine
räuberische Lebensweise angewiesen, sind viel lebhafter und beweglicher
als die Wegschnecken. Sie fressen nicht nur andere Schnecken,
sondern auch sich unter einander mit der grössten Gier auf, wenn
sie Hunger haben. Mitunter sieht man Exemplare herumkriechen, die
fast bis aufs Schild aufgefressen sind; dennoch leben sie meistens
gesellig. Ausser Fleisch scheinen modernde Pflanzenstoffe und Pilze
ihre Lieblingsnahrung zu bilden, doch verschmähen sie, besonders der
schädliche _Limax agrestis_, auch frische Pflanzenstoffe nicht.
Sie begatten sich, indem sie sich schraubenförmig um einander wickeln,
entweder am Boden, wie _Limax agrestis_, oder freischwebend in der
Luft, an einem Faden ihres eigenen Schleimes aufgehängt, wie _Limax
cinereo-niger_ und _arborum_. Die Eier sind vollkommen durchsichtig,
gelblich, bei den kleineren Arten rund, bei den grösseren oval mit
ausgezogenen Enden und zu förmlichen Schnüren zusammengeklebt; nur
_Limax arborum_, der auch in anderen Puncten abweicht, legt einzelne,
einfach eiförmige Eier. Die jungen Thiere weichen in Gestalt und
Färbung von den alten vielfach ab; sie sondern sehr viel Schleim ab
und können sich an einem Faden desselben von nicht zu bedeutender Höhe
herunterlassen, eine Fähigkeit, welche die ausgewachsenen nur bei der
Begattung, wo die Schleimsecretion ausserordentlich vermehrt ist, haben.
Durch die Bemühungen ~Heynemanns~, dem wir bei dieser Gattung
vorzüglich folgen, sind in unserem Gebiete alle acht, bis jetzt sicher
in Mitteldeutschland beobachteten Arten nachgewiesen. Dieselben lassen
sich unterscheiden, wie folgt:
A. ~Mantel ohne dunkle Seitenstreifen.~
a. ~Grössere Arten, 12-15 Ctm. lang.~
Sohle in drei verschiedenfarbige, scharf geschiedene Felder
getheilt, Körper verschieden gefärbt, aber der Mantel immer
ungefleckt.
_L. cinereo-niger_ ~Wolf~.
Körper heller oder dunkel grau, Mantel stets gefleckt, Sohle
einfarbig.
_L. cinereus_ ~Lister~.
Körper und Mantel einfarbig, ohne Flecken, Sohle einfarbig.
_L. unicolor_ ~Heyn.~
Körperfarbe hochgelb, mit einem schwärzlichen Netz überzogen,
Mantel hinten zugespitzt, Schleim gelb, Länge 10-12
Ctm.
_L. variegatus_ ~Drp.~
b. ~Kleinere Arten, 4-6 Ctm. lang.~
Körperfarbe braun, Mantel so lang wie der Körper, das
ganze Thier durchscheinend, 4 Ctm. lang.
_L. brunneus_ ~Drp.~
Körperfarbe grau mit schwarzen Strichelchen, Sohle gelbweiss,
Länge 4-6 Ctm.
_L. agrestis_ L.
B. ~Mantel mit zwei dunklen Seitenstreifen.~
Körperfarbe hochgelb, Fühler schwarz, Schleim gelb, Mantelende
rund.
_L. cinctus_ ~Müll.~
Körperfarbe grau, Fühler hellfarbig, Schleim glashell, Mantelende
spitz.
_L. arborum_ ~Bouch.~
8. Limax cinereo-niger ~Wolf~.
_Syn._ _L. maximus_ L., _antiquorum_ ~Fér.~ _(ex parte.)_
Körper halbstielrund, lang, schlank, nach hinten sehr lang und spitz
ausgezogen, das Schwanzende flossenartig gekielt. Mantel hinten spitz,
concentrisch um ein in der Mitte liegendes Centrum geringelt, immer
ungefleckt. Der Rücken mit grossen, breiten nicht geschlängelten
Runzeln. Die Sohle des Fusses meistens in drei deutliche, verschieden
gefärbte Längsstreifen eingetheilt, schwarz-weiss-schwarz. Doch ist die
Färbung nicht constant; da überhaupt die Schnecke, durch Abnahme des
Pigments alle Schattirungen von Grau bis zu einem trüben Weiss annehmen
kann, kann auch die Sohle grau-weiss-grau und selbst fast einfarbig
weissgrau werden. Eine rein weisse Varietät fand ~Heynemann~ im Taunus
und nennt sie _var. Hareri_. Länge 12-18 Ctm. Br. 2 Ctm.
Die rudimentäre Kalkschale ist viereckig, vornen schmäler als
hinten, mit einem etwas erhabenen Nabel vornen und rechts. Kiefer
halbmondförmig, der Zahn bis in gleiche Höhe mit den Seitentheilen
reichend, der convexe Rand etwas eingebuchtet. Die Zunge trägt 150-170
Längsreihen und circa 80 Querreihen, die Seitenzähne sind schon von der
15. Reihe an zweispitzig, etwa am 50. erreicht die zweite Spitze die
Höhe der ersten und verschwindet dann wieder allmählig. (~Heyn.~)
Die Schnecke scheint besonders den Gebirgswaldungen anzugehören, und
fällt durch ihre Grösse -- manche Exemplare sind ausgestreckt fast
einen Fuss lang -- alsbald in die Augen. Im Taunus findet sie sich
in den höheren Gegenden in Menge, ebenso um Dillenburg und Weilburg
(~Sdbrg.~ und ~Koch~). In der Umgebung von Biedenkopf fand ich sie nur
ganz einzeln im Schlossberg und am alten Schloss bei Breidenstein. Bei
Ems (~Servain~).
9. Limax cinereus ~Lister~.
Grauer Schnegel.
_Syn._ _L. antiquorum_ ~Fér.~ _ex parte_.
Körperform ganz wie bei _cinereo-niger_, so dass ihn manche nur für
eine Varietät desselben gelten lassen wollen, mit mittelfeinen, etwas
geschlängelten Runzeln. ~Mantel immer mit hellen Flecken~, mittelfein
gerunzelt. Sohle einfarbig weiss, in drei deutliche, aber nicht
verschieden gefärbte Längsfelder geschieden. Länge 15-18 Ctm. Breite
2 Ctm.
Kiefer mit einem starken Mittelzahn, der mitunter über den concaven
Rand hinaus vorragt. Zunge mit wenig auffallendem Mittelzahn; die
Zähne des Mittelfeldes lanzettförmig, ohne Seiteneinschnitte, die der
Seitenfelder einfach sichelförmig.
Diese für gewöhnlich als häufig angegebene Schnecke ist in unserem
Gebiete mit Sicherheit bis jetzt nur von Dr. ~Koch~ in wenigen
Exemplaren an den Mauern der Wilhelmsstrasse zu Dillenburg gefunden
worden.
10. Limax unicolor ~Heynemann~.
_Syn._ _L. cinereus_ in ~Heyn.~ Verz. d. Frankf. Nacktschn. Mal. Bl.
1861.
Mantel hinten zugespitzt, ~nie gefleckt~, mit sehr feinen Runzeln.
Körper ebenfalls fein gerunzelt, die Runzelreihen stark geschlängelt.
Fühler fein gekörnelt. Sohle einfarbig weiss. Schleim glashell. Länge
12-15 Ctm. Breite 2 Ctm.
Im botanischen Garten zu Frankfurt (~Heyn.~), bei Schwalbach (~von
Maltzan~).
11. Limax variegatus ~Draparnaud~.
Kellerschnegel.
Thier schlank, gelb oder gelbgrün gefärbt, wie mit einem dunklen
Netz überzogen, das die Runzeln und die Höhe des Rückens freilässt.
Runzeln in etwa 35 Längsreihen, auch ziemlich regelmässig in Querreihen
angeordnet. Mantel intensiver gefärbt, als der übrige Körper, und
ebenfalls mit einem dunklen Netz überzogen, das gleichsam nur an
zerrissenen Stellen die Körperfarbe durchscheinen lässt; er ist nach
hinten zugespitzt und zeigt deutlich hervortretende Wellenlinien,
deren Zahl ungefähr der der Längsreihen gleichkommt. Sohle einfarbig,
gelblich. Fühler blau. Schleim gelb. Die Kieferform ist nicht
constant, doch scheint sich der Mittelzahn nie bis zur Höhe der beiden
Seitenenden zu erheben. Die Zunge hat, wie bei _cinereus_, einfache
Mittelzähne und gegabelte Seitenzähne.
Das Schalenrudiment ist auffallend breit, mitunter am Rande häutig;
die Anwachsstreifen sind nicht besonders deutlich; ein Knöpfchen ist
nicht zu bemerken.
Diese schöne Schnecke, die, nebenbei bemerkt, in fast allen Erdtheilen
vorkommt und unter den verschiedensten Namen beschrieben worden ist,
findet sich stets nur im Bereiche der Wohnungen, besonders in Kellern
alter Häuser, in Brunnenkammern etc., meistens in grosser Menge, aber
nur selten beachtet, da man an solchen Orten nicht nach Schnecken
sucht. Beobachtet wurde sie bis jetzt nur in Frankfurt (~Heynemann~)
und von mir in Schwanheim, doch kommt sie jedenfalls noch an anderen
Puncten, wenigstens im Mainthal, vor.[7]
12. Limax brunneus ~Draparnaud~.
Brauner Uferschnegel.
_Syn._ _L. laevis_ ~Müll~.
Körper halbstielrund, spindelförmig, etwa 4 Ctm. lang, schwach gekielt.
Mantel so lang, wie der Körper, mit zwölf breiten Wellenlinien,
deren Centrum nur wenig rechts von der Mittellinie liegt; Mantelende
nicht zugespitzt. Die Runzeln des Körpers sind nur wenig erhaben,
in Längsreihen geordnet, der ganze Körper glatt und glänzend. Farbe
dunkelbraungrau bis chocoladebraun, an den Seiten und auf der Sohle
etwas heller, das ganze Thier etwas durchscheinend, so dass man
von aussen die Kalkschale erkennen kann. Dieselbe besteht in einer
länglich runden, schmalen, ziemlich langen Kalkplatte mit feinen
Ansatzstreifchen und einem fast in der Mitte sitzenden Knöpfchen.
Kiefer stark bogenförmig, der Zahn nicht die Höhe der Hörner
erreichend. Zunge wie die der übrigen Limaceen, aber die Zähne der
Seitenfelder nur einspitzig, ohne seitlichen Zahneinschnitt.
Diese Schnecke lebt nur an den allerfeuchtesten Stellen an den Ufern
der Bäche und Flüsse unter Steinen, die fast im Wasser liegen. Sie wird
wahrscheinlich an den meisten Orten übersehen, oder bei flüchtiger
Betrachtung für einen Blutegel gehalten. In den feuchten Thälern des
Taunus, namentlich in dem des Urselbaches (~Heyn.~). Am Mainufer,
Schwanheim gegenüber unter allen Steinen in Menge. An feuchten
Waldstellen bei Dillenburg und Haiger (~Koch~). Am Lahnufer bei
Biedenkopf einzeln.
13. Limax agrestis ~Linné~.
Gemeine Ackerschnecke.
_Syn._ _L. reticulatus_ ~Müll.~ -- _L. filans_ ~Hoy.~
Körper halbstielrund, schmal, nach vornen etwas abnehmend, nach hinten
lang ausgezogen, stark gekielt, 3-6 Ctm. lang. Mantel hinten quer
abgestutzt, mit sehr breiten Wellenlinien. Runzeln des Körpers gross.
Sohle einfarbig, doch mit dreifeldriger Musculatur. Schleim milchig,
sehr zäh, fadenziehend, woher der Name _filans_. Farbe von weiss
bis chocoladebraun variirend, meist mit schwarzen Strichelchen und
Flecken. Kalkplättchen fest, schmal, mit abgerundeten Ecken, schwach
concentrisch gestreift. Knöpfchen in der Mitte des vorderen Randes,
diesen etwas überragend. Der Kiefer ist ein ziemlich flach gestreckter
Halbmond mit breitem, kegelförmigem Zahn, der nicht selten die beide
Enden verbindende Linie überragt. Die Zungenzähne des Mittelfeldes sind
lanzettförmig mit seitlichen Einschnitten, der Mittelzahn kleiner, die
Seitenzähne einfach sichelförmig.
Die gemeinste Art der Gattung und unsere einzige eigentlich schädliche
Schnecke; sie ist allenthalben anzutreffen, bei Tage und trockenem
Wetter meistens unter Steinen verborgen. Sie begattet sich auf der
Erde, nicht hängend, wie die anderen Arten, und legt den ganzen
Sommer hindurch Eier, zusammen etwa 200-250 Stück. Die Jungen
sind dunkler gefärbt, sehr lebhaft und schon nach wenigen Monaten
fortpflanzungsfähig, so dass sie in warmen, feuchten Jahren zu einer
wahren Landplage werden. Man vertilgt sie, indem man die Felder mit
Asche bestreut oder noch besser mit einer verdünnten Lösung von
Chlorkalk übergiesst. Auch kann man halbfaule Breter auslegen, unter
denen sie sich dann ansammeln, und sie dort tödten. In Gärtnereien hält
man mitunter Kröten zu ihrer Vertilgung, und Ländereien, in deren Nähe
sich froschreiche Gräben befinden, sollen vor ihnen sicher sein.
14. Limax cinctus ~Müller~.
_Syn._ _L. flavus_ ~Müll.~ -- _L. tenellus_ ~Nilss.~
Körper halbstielrund, mässig hochgewölbt, nach vornen etwas
verschmälert, nach hinten lang ausgezogen, 3,5-6,5 Ctm. lang. Mantel
intensiv hochgelb, mit feinen, körnigen Wellenlinien. Rücken schmutzig
gelbgrau, mit elliptischen, in Längsfalten angeordneten, obenauf
gebräunten Runzeln; die Grundfarbe tritt nur in den Zwischenräumen
hervor. Augenträger schwarzbraun; von ihnen aus verläuft jederseits
ein dunkler Streif über Nacken, Schild und Körper bis zum Schwanzende,
gewissermassen einen Gürtel bildend, wodurch der ~Müller~’sche Name
veranlasst wurde. Sohle hellgelb, mit schmaler Längsleiste eingefasst,
Schleim gelb. Die innere Schale gleicht der von _agrestis_, ist aber
weniger gewölbt. Kiefer wenig gekrümmt mit fast geradem Vorderrande.
Die Zunge bietet nichts Auffallendes.
Eine Varietät bei der die dunkle Gürtelbinde verschwindet, ist nach
~Heynemann~ der _L. flavus_ ~Müll.~, andere z. B. ~Lehmann~, halten den
_variegatus_ für die genannte ~Müller~’sche Art, doch ist bei diesem
das Gelb nicht so auffallend, um den Namen davon zu nehmen.
Diese Schnecke lebt in den Bergwäldern an Schwämmen und faulem Holz
fressend; sie erscheint erst, wenn die Schwämme kommen. Nach ~Lehmann~
legt sie mehrmals 30-40 unzusammenhängende Eier von runder Form ins
Moos.
Beobachtet wurde sie bis jetzt nur von ~Heynemann~ im Frankfurter Wald
und im Taunus.
15. Limax arborum ~Bouchard~.
Grauer Baumschnegel.
_Syn._ _L. marginatus_ ~Müll.~ (_non_ ~Drap.~) _sylvaticus_ ~Drp.~,
_scandens_ ~Norm.~
Körper halbstielrund, Rücken hochgewölbt, Schwanzende spitz, scharf
gekielt; das ganze Thier sehr durchscheinend, 6-7 Ctm. lang. Mantel
hinten zugespitzt, mit dichten Wellenlinien, deren Centrum in der
Mitte, aber etwas nach vornen liegt, Körperrunzeln wie gewöhnlich in
Längsreihen geordnet. Fühler oft mit gekörnelten Streifen umwunden,
mit einem dunkleren Streifen, der sich auch über den Nacken und auf
den Mantel zu zwei verwaschenen Längsstreifen fortsetzt, die aber nach
innen zu scharf begränzt sind. Färbung grau, oft mit röthlichem Anflug.
Sohle einfarbig weissgrau, Schleim glashell.
Der innere Bau weicht von dem der anderen Limaxarten nicht
unbeträchtlich ab. Die innere Schale ist ein Plättchen organischen
Gewebes, in welches nur hin und wieder Kalk eingelagert ist. Der
Kiefer ist ein flacher Halbmond mit flügelartig verbreiterten Enden
und kurzem stumpfem Mittelzahn. An der Zunge sind die Zähne des
Mittelfeldes lanzettförmig, stumpf und breit, ohne Seiteneinschnitte,
die der Seitenfelder sind ebenfalls stumpf, an den Enden abgerundet,
nur die äussersten mit einem oder einigen, kaum bemerkbaren Widerhaken
versehen. Auf Grund dieser Abweichungen schlägt ~Heynemann~ (Mal. Bl.
X p. 211) vor, diese Schnecke als eine eigene Untergattung _Lehmannia_
von dem Reste der Gattung _Limax_ abzutrennen.
Die Schnecke lebt, wie schon der Name andeutet, mit Vorliebe in
Waldungen und zwar an den Stämmen der Buchen, doch auch in Gärten und
im freien Feld. Bei trockenem Wetter liegen oft eine ganze Anzahl
Exemplare zusammen in feuchten Stöcken oder Astlöchern; bei Regen
kommen sie hervor und kriechen an den Stämmen hinauf, besonders
an den Stellen, wo das Wasser herabfliesst; sie sind dann von der
aufgenommenen Flüssigkeit ganz glänzend und durchscheinend.
Ihre Eier, von denen sie mehrere Häufchen, jedes von 20-30 Stück unter
Moos und Rinde absetzen, sind einfach eiförmig, im Gegensatz zu denen
der anderen Limaxarten, die kugelrund oder in eine Spitze ausgezogen
sind.
Allenthalben im Frankfurter Wald und im Taunus. (~Heyn.~) Um Biedenkopf
von mir nicht selten, aber immer nur einzeln, an moosigen Mauern und
Brücken gefunden. In Buchenwaldungen um Dillenburg häufig. (~Koch~).
Siebentes Capitel.
V. VITRINA ~Drp.~
Glasschnecke.
~Gehäuse~ ungenabelt, aus wenigen, schnell zunehmenden, fast horizontal
entwickelten Windungen bestehend, kugelig bis ohrförmig, mit fast
verschwindendem Gewinde, durchsichtig, sehr zerbrechlich, stark
glänzend. Mündung gross, Mundsaum einfach, Spindelrand bogenförmig
ausgeschnitten, bei einigen Arten häutig.
~Thier~ schlank, gestreckt, im Verhältniss zum Gehäuse sehr gross;
der quergerunzelte Mantel schickt einen zungenförmigen Fortsatz aus,
welcher sich an die rechte äussere Wand des Gehäuses anlegt; er ist,
auch wenn das Thier ruht, immer in Bewegung und erhält dadurch das
Gehäuse glatt. Fuss ziemlich kurz, spitz. Vier Fühler, die oberen lang
und schlank, die unteren kurz. Athemöffnung auf der rechten Seite an
der Basis des Mantellappens; Geschlechtsöffnung rechts in der Mitte des
Halses. Kiefer glatt, gebogen, mit einem Vorsprung in der Mitte. Zunge
in drei Felder getheilt; die Zähnchen des Mittelfeldes sind dreispitzig
und bilden eine ziemlich gerade Linie ohne besonders ausgezeichneten
Mittelzahn; die Seitenzähne sind klein, stachelförmig verlängert und
bilden mit der Mittelreihe einen nach hinten offenen Winkel.
Die Vitrinen sind sehr auf die Feuchtigkeit angewiesen; die gesammelten
vertrocknen meist, ehe man sie nach Hause bringt, wenn man sie nicht in
lebendes Moos packt oder in ein luftdicht verschlossenes Glasröhrchen
setzt. In der Gefangenschaft kann man sie deshalb fast nur auf dem
Felsen des Aquariums halten. Sie leben nur an feuchten Orten, unter
Laub, Moos und Steinen, besonders im Gebirge. In unseren Gegenden sind
sie am muntersten in der kühlen Jahreszeit, man findet sie selbst unter
dem thauenden Schnee. Im Sommer dagegen finden sie sich nur an ganz
feuchten Stellen, z. B. in Hochgebirgen in der Nähe der Schneegränze
und im Moos in der Umgebung von Quellen. An trockenen Stellen findet
man sie dann oft in Menge todt; so fand ich sie zu Tausenden schon im
Mai unter den Randgebüschen der Mombacher Haide. Sie nähren sich von
vermodernden Substanzen, aber auch von anderen Schnecken; ich fand sie
mitunter gesellig in Pilzen, in die sie tiefe Löcher gefressen hatten.
Eier rund mit häutiger Schale; sie werden in kleinen Häufchen unter
Laub und Moos abgesetzt.
Im Gebiete unserer Fauna sind bis jetzt fünf Arten beobachtet worden,
welche sich in folgender Weise unterscheiden:
A. Schlanke Formen mit flachem häutigem Spindelrand, der sich in
scharf markirter Kiellinie gegen den gewölbten Theil des letzten
Umgangs absetzt.
a. 2 Umgänge, Gehäuse ohrförmig, wie bei _Daudebardia_,
grünlichgelb. Höhe 1¾ Mm., Länge 4 Mm.
_V. elongata_ ~Drp.~
b. 2½ Umgänge, Gewinde etwa die Hälfte des ganzen Gehäuses
ausmachend; in der Mitte des Spindelrandes steht die Kiellinie
ebensoweit von dem Rande ab, als die Projection des gewölbten
Theiles vom letzten Umgange beträgt.
_V. Heynemanni_ C. ~Koch~.
c. 2½-3 Umgänge, Gewinde die Hälfte des Gehäuses; Kiellinie
in der Mittellinie halb so weit abstehend vom Spindelrand, als
die Projection beträgt.
_V. diaphana_ ~Drp.~
B. Gedrungenere, mehr kugelige Formen mit grösserem Gewinde und
ohne häutigen Spindelsaum, 3-3½ Windungen.
a. Gehäuse fast kugelig, wenig in die Quere verbreitert. Mündung
fast kreisrund, Thier grau mit dunklerem Mantel.
_V. pellucida_ ~Müll.~
b. Gehäuse flacher, mehr in die Quere verbreitert, Mündung gestreckt
elliptisch, Thier schieferblau mit dreifarbiger Sohle.
_V. Draparnaldi_ ~Cuvier~.
16. Vitrina elongata ~Draparnaud~.
Ohrförmige Glasschnecke.
_Syn._ _Hel. semilimax_ ~Fér.~ père.
Gehäuse länglich ohrförmig, aus kaum zwei Umgängen bestehend, ganz
niedergedrückt und sehr stark nach der rechten Seite hin ausgezogen,
sehr dünn und zart, grünlichgelb gefärbt, vollkommen durchsichtig;
Gewinde punctförmig, kaum ein Drittel des ganzen Gehäuses ausmachend;
der Spindelrand mit breitem Hautsaum, dessen Breite das doppelte der
Projection von dem gewölbten Theile des letzten Umganges beträgt,
in der Nabelgegend gleichmässig verschmälert auslaufend und bis zum
vorderen Theil der Mündung reichend. Länge 4 Mm. Breite 2,75 Mm. Höhe
1,75 Mm.
Thier auffallend grösser als das Gehäuse, hellgrau. Mantel mit
schwarzen Pünctchen und Flecken; der Mantelfortsatz bedeckt die ganze
Mündung. Sohle sehr schmal, schmutzig weiss.
Diese kleine, sehr lebhafte Vitrine scheint in unserem Gebiete selten
zu sein. Bis jetzt wurde sie nur im Hohlwege nach dem alten Geisberg
bei Wiesbaden von A. ~Römer~ und am Altkönig und bei Cronberg von
dem verstorbenen Schöffen von ~Heyden~ beobachtet, dürfte aber wohl
noch an mehr Puncten im Taunus vorkommen, wenn man im ersten Frühjahr
nachsuchte.
17. Vitrina Heynemanni C. ~Koch~.
_Syn._ _V. diaphana var._ C. ~Koch~ und ~Sandb.~ Beiträge etc.
Gehäuse länglich ohrförmig, zart, grünlichgelb gefärbt und vollkommen
durchsichtig; 2½ Umgänge, welche aus punctförmiger Spira rasch
zunehmen; Mündung verlängert, Spindelrand mit breitem Hautsaum, dessen
Breite in der Mitte des Spindelrandes dieselbe Dimension hat, wie die
Projection des gewölbten Theils am letzten Umgang beträgt, in der
Nabelgegend in gleichbreitem Spiralband fortsetzt und nach dem Centrum
plötzlich verschmälert ausläuft und nicht ganz bis zum vorderen Theil
der Mündung reicht; die Kiellinie gegen den gewölbten Theil des letzten
Umgangs ist sehr scharf markirt; das Gewinde macht nicht ganz die
Hälfte des Gehäuses aus. Länge 6 Mm. Breite 4¼ Mm. Höhe 3 Mm.
Thier viel grösser als das Gehäuse, 12-15 Mm. lang, gestreckt, aber
plumper gebaut als bei _elongata_ und _diaphana_; der Mantel ragt weit
aus dem Gehäuse hervor, ist dunkelgrau gefärbt und stark querrunzelig;
der Mantellappen grau mit schwärzlichem Saum, die Spira nicht deckend.
Hals mässig unter dem Mantel hervorragend, aschgrau gefärbt mit grob
gekörneltem Kiel zwischen zwei weisslichen Vertiefungen; Stirne und
Seiten grob gekörnelt, dagegen Hals und Rücken querrunzelig mit
deutlicher Streifung von hellerem und dunklerem Grau. Fuss auffallend
hoch mit stumpfer, undeutlicher Körnelung, fast glatt. Fühler
gedrungen, conisch zugespitzt, mit feiner, quergestellter Körnelung.
(C. ~Koch~).
Diese Form unterscheidet sich von der folgenden schon durch die
hellere Farbe des Thieres, und durch ihre Lebensweise. Sie hält sich
in Waldsümpfen auf, zwischen _Chrysosplenium oppositifolium_ unter der
Bodendecke. Ihre Hauptentwicklung fällt in den Spätherbst und Anfang
des Winters; im October legt sie ihre Eier in feuchte Walderde. Bis zum
Frühjahr dauert sie an den bis jetzt beobachteten Fundstellen nicht aus.
Im Breitscheider Walde, bei Langenaubach und bei Oberdresselndorf am
nördlichen Abhang des Westerwaldes an Stellen, wo Tertiärschichten
zwischen Basalten auftreten und es das ganze Jahr hindurch feucht ist.
Bei Langenaubach ist sie zur günstigen Jahreszeit sehr häufig, sie
wurde dort von Dr. C. ~Koch~ schon 1844 beobachtet und in den Beiträgen
zur Molluskenfauna von ~Sandberger~ und ~Koch~ (Jahrbuch des nass.
Vereins VII) als Varietät von _V. diaphana_ angeführt.
18. Vitrina diaphana ~Draparnaud~.
_Syn._ _Helix limacina_ ~von Alten~. -- _Hyalina vitrea_ ~Studer~.
Gehäuse länglich niedergedrückt, stumpfohrförmig erweitert, zart,
glashell oder grün, vollkommen durchsichtig und stark glänzend;
vollkommen ausgewachsene Exemplare haben 2½ und selbst 3 Umgänge;
Rossmässler gibt nur zwei an und scheint demnach ein unfertiges
Exemplar vor sich gehabt zu haben. Gewinde etwas stärker, als
bei voriger Art, die Hälfte des Gehäuses ausmachend, der häutige
Spindelrand ist schmäler und weniger deutlich abgesetzt als bei der
vorigen Art; seine Breite beträgt in der Mitte des Randes nur die
Hälfte von der Projection des gewölbten Theiles vom letzten Umgang;
die Kiellinie verschwindet nach dem Nabel hin und fällt nach dem
vorderen Theile der Mündung hin im letzten Viertel mit dem Spindelrande
zusammen. Höhe 4-5 Mm. Breite 6-7 Mm.
Thier mit braunem, schwarzpunctirtem Mantel, sonst hellgrau, der
Mantelfortsatz fast das ganze Gehäuse bedeckend; Sohle in der Mitte
weisslich, an den Rändern dunkelgrau.
Diese Form kommt, soviel mir bekannt ist, nur an einem einzigen Puncte
in unserer Gegend vor, nämlich in einem Weidengebüsch dicht am Main
bei Mühlheim; sie wurde daselbst von Herrn ~Kretzer~ in Mühlheim
aufgefunden und ist im Frühjahr sehr häufig; wahrscheinlich stammt sie
aus dem Spessart.[8]
19. Vitrina pellucida ~Müller~ (non ~Drp.~).
Kugelige Glasschnecke.
_Syn._ _Helix limacoides_ ~von Alten~. -- _Vitrina beryllina_ Carl
~Pfeiffer~.
Gehäuse niedergedrückt kugelig, ziemlich glatt, grünlich, vollkommen
durchsichtig, 3½ Umgänge, der letzte nur wenig in die Quere
verbreitert; Mündung mondförmig rund, gross. Höhe 3-4 Mm. Breite 4-5 Mm.
Thier fahlhellgrau oder weisslich, ziemlich durchscheinend, Mantel
dunkel, schwarzpunctirt, der Mantelfortsatz kleiner, als bei den
anderen Arten; Sohle gelblichweiss.
Allenthalben in Nassau nicht selten, besonders in den gebirgigeren
Theilen. Man findet sie meistens gesellig unter Steinen und Laub,
besonders häufig im Spätherbst und Winter. Auf Ruinen, am Fusse alter
Mauern und in Buchenwäldern mit Quellen wird man sie nicht leicht
irgendwo vermissen. Gesammelt wurde sie bis jetzt: an vielen Orten um
Wiesbaden, Ruine Sonnenberg, Stein, Nassau, Runkel, Idstein (~Thomae~),
Weilmünster (~Sandberger~), bei Breitscheid, im Feldbacher Wäldchen,
bei Burg und Langenaubach (~Koch~), an vielen Puncten um Frankfurt und
im Taunus (~Heynemann~); bei Soden (C. von ~Heyden~); an vielen Puncten
um Biedenkopf von mir. Auffallend ist das massenhafte Vorkommen auf der
Mombacher Haide; ich fand im Mai 1870 tausende von leeren Exemplaren
unter dem abgefallenen Laub der kümmerlichen Büsche am Rande nach der
Hartmühle hin, an Stellen, die das ganze Jahr hindurch trocken sind.
~Koch~ im Nachr. Bl. 1871 Nro II vermuthet, dass sie vielleicht als Art
von _pellucida_ verschieden sei.
20. Vitrina Draparnaldi ~Cuvier~.
Grosse Glasschnecke.
_Syn._ _V. pellucida_ ~Drp.~ (_non_ ~Müller~); _V. major_ ~Fér.~; _V.
Audebardi_ ~Fér.~
Gehäuse flacher, als das von _pellucida_ und bedeutend grösser, dünn,
zart, glashell feingestreift, und dadurch etwas weniger glänzend, als
_pellucida_; 4 Umgänge, der letzte stärker in die Quere verbreitert, so
dass die Mündung eine gestreckt elliptische Form annimmt. Höhe 3-4 Mm.
Breite 5-8 Mm.
Thier gross, hellgrau mit dunkel schieferblauem Mantel, dessen
Fortsatz gross genug ist, um fast das ganze Gewinde zu bedecken. Sohle
deutlich in ein weisses Mittelfeld und zwei schieferblaue Seitenfelder
geschieden.
Diese ausgezeichnete Form ist in Nassau dem Anschein nach sehr
verbreitet und häufig, ist aber dennoch lange übersehen oder mit
anderen Formen verwechselt worden, obschon sie sich von _pellucida_
schon durch die Grösse und die dreifarbige Sohle, von _diaphana_ durch
den Mangel des häutigen Spindelrandes und die Grösse des Gewindes
unterscheidet. Sie gleicht in ihrer Lebensweise der _pellucida_ und
kommt mit ihr zusammen vor. Sie wurde zuerst von ~Heynemann~ auf der
Ruine Hattstein im Taunus gefunden, dann auch von dem Schöffen ~von
Heyden~ bei Rüdesheim; später an mehreren Puncten. Im Wolkenbruch bei
Wiesbaden (~Lehr~); bei Stein und Nassau sehr häufig (~Servain~); um
Dillenburg die häufigste Vitrine (~Koch~). Ich fand sie nicht selten an
verschiedenen Puncten um Biedenkopf, besonders an feuchten Waldstellen
im Martinswald. -- Bei Schlangenbad (C. ~von Heyden~). -- Bei Weilburg
im Gebück (~Sandberger~ brieflich).
Achtes Capitel.
b. HELICEA, Schnirkelschneckenartige.
VI. HYALINA ~Gray~.
Glanzschnecken.
_Syn._ _Zonites_ Ad. ~Schmidt~ _ex parte_.
Gehäuse meistens genabelt, durchscheinend, glänzend, glashell oder
hornbraun, mit 5-7 regelmässig zunehmenden Umgängen, von denen
der letzte nicht oder nur wenig nach unten gerichtet, gegen die
Mündung meistens erweitert ist. Das Gewinde ist fast stets flach,
niedergedrückt, nur bei einer Art kegelförmig erhoben. Mündung gerundet
mondförmig, Mundsaum dünn, scharf, gerade, ohne Spindelhäutchen.
Das Thier ist dem von _Helix_ äusserlich ganz gleich; es unterscheidet
sich wesentlich nur durch Kiefer und Zunge. Der Kiefer ist bei
_Hyalina_ halbmondförmig mit einem kleinen, aber scharf vortretendem
Zahne am concaven Rand und auf der Oberseite vollkommen eben, während
er hier bei den Helixarten mit Längsrippen versehen ist. Die Zunge hat
in der Mitte kurze, dreispitzige, an den Seiten längere, haken- oder
dornförmige, ungetheilte Zähne. Da die mittleren eine gerade Reihe
bilden, an die sich zu beiden Seiten die Seitenzähne im schiefen Winkel
anschliessen, zerfällt die Zunge sehr deutlich in drei Längsfelder, was
bei Helix durchaus nicht so deutlich ist.
Das Thier selbst ist zart und schlank; die Athemöffnung mündet an
der rechten oberen Seite des Halses, die Oeffnung des einfachen
Geschlechtsapparates ist etwas weiter unten. Die Geschlechtsorgane
sind einfacher, als bei Helix, ohne Pfeilsack und Schleimdrüsen; das
Flagellum ist sehr kurz oder fehlt ganz.
Sämmtliche Hyalinen leben an feuchten, moderigen Stellen, unter
faulem Holz, Steinen, oder im Mulm; sie nähren sich von vermodernden
Vegetabilien, aber auch von Pilzen und thierischen Stoffen, wie die
im Kieferbau ihnen verwandten Vitrinen und Limaxarten. Für frische
Pflanzenstoffe ist ihr Gebiss weniger geeignet, als das der ächten
Helices.
Die Hyalinen sind allgemein verbreitet; sie leben bis zu bedeutenden
Höhen und hohen Breiten. Meistens findet man mehrere Arten zusammen
an einem Fundorte. Sie legen ihre mit häutiger oder kalkiger Schale
umgebenen Eier einzeln in feuchte Erde.
~Albers-Martens~ führt als in Deutschland vorkommend 12 Arten an,
von denen acht in Nassau aufgefunden sind. Bei der schwierigen
Unterscheidung, besonders der kleinen Arten, dürfte noch eine oder die
andere Art hinzukommen. Sie lassen sich folgendermassen unterscheiden:
A. Gehäuse niedergedrückt oder flach gewölbt, _Hyalina_ im engeren
Sinne.
a. Gehäuse weit genabelt, so dass der zweite Umgang im Nabel
noch sichtbar ist.
Umgänge 4½, Gehäuse fettglänzend, gelbgrau, unten heller,
Mündung rund, Durchmesser 7-9 Mm.
_H. nitidula_ ~Drp.~
Ebenso, aber der letzte Umgang sehr in die Quere verbreitert,
die Mündung nach unten gezogen.
_H. nitens_ ~Mich.~
Umgänge 4, Gehäuse glänzend, einfarbig horngelb bis
grünlich, Durchmesser 4-5 Mm.
_H. nitidosa_ ~Fér.~
Umgänge 6, Gehäuse fast scheibenförmig niedergedrückt,
stark glänzend, oben grünlich horngelb oder grünweisslich, unten
weisslich. Durchmesser 11-13 Mm.
_H. cellaria_ ~Müll.~
Umgänge 5, Gehäuse etwas kugelförmig, niedergedrückt,
rothgelb, Thier blauschwarz. Durchmesser 6-7½ Mm.
_H. nitida_ ~Müll.~
b. Gehäuse enggenabelt, feindurchbohrt oder ungenabelt.
Umgänge 4½, Gehäuse feindurchbohrt, glashell, glatt.
Durchmesser 3½-4 Mm.
_H. crystallina_ ~Müll.~
Umgänge 5, Gehäuse genabelt, glashell, die Naht tief,
Windungen höher, als bei _crystallina_, in der Mündung eine
weisse Lippe, Durchmesser 4-4½ Mm.
_H. subterranea_ ~Bourg.~
Umgänge 6, Gehäuse ungenabelt, glashell, sehr dicht gewunden,
Durchmesser 4-4½ Mm.
_H. hyalina_ ~Fér.~
B. Gehäuse kegelförmig (_Conulus_ ~Fitz.~), Umgänge 6, Gehäuse
ungenabelt, horngelb; Durchmesser 3½-4 Mm., Höhe 3 Mm,
_H. fulva_ ~Müll.~
21. Hyalina nitidula ~Draparnaud~.
Gemeine Glanzschnecke.
Gehäuse weit und tief genabelt, etwas kugelig, gedrückt, oben und
unten convex, dünn, durchscheinend, fettglänzend, fast glatt, oben
hellrothbraun, unten um den Nabel milchweisslich, aus 4½, sich wenig
erhebenden, walzenförmigen Umgängen, die sehr langsam zunehmen,
bestehend. Mündung rundmondförmig; Mundsaum einfach, scharf, nicht
geschweift; Nabel offen und tief. Höhe 3-3½ Mm., Durchmesser 7-9 Mm.
Thier hellschieferblau, auf dem Rücken und an der Fussspitze dunkler.
Diese Art unterscheidet sich von der nächstverwandten _H. cellaria_
durch die stärkere Erhebung des Gewindes und die geringere Zahl der
Umgänge, von _H. nitens_ durch die einfach runde, nicht oder nur ganz
unbedeutend quer erweiterte Mündung. Sie lebt in schattigen, feuchten
Wäldern und Hecken unter Laub, Steinen und faulem Holz und ist ziemlich
allenthalben verbreitet. An alten Baumstämmen im Nerothal (~Thomae~).
Im Gebück bei Weilburg (~Sandb.~). Im Feldbacher Wäldchen, bei Erdbach,
Langenaubach und Breitscheid bei Dillenburg (~Koch~). Im Frankfurter
Wald, im Taunus (~Heyn.~ ~Dickin~). Bei Hanau selten, bei Bischofsheim
und unterhalb Hochstadt (~Speyer~). Am Wurzelborn im Schwanheimer Wald.
(!) Um Biedenkopf allenthalben, aber ziemlich einzeln; am häufigsten in
feuchten Waldthälchen unter dem Laub.
22. Hyalina nitens ~Michaud~.
Weitmündige Glanzschnecke.
Gehäuse gewölbt, niedergedrückt, offen und ziemlich weit genabelt,
dünn, durchsichtig, matt glänzend, oben hellbraungelb, unten weisslich,
sehr wenig gestreift, fast glatt; 4½ Umgänge, von denen der letzte
grösser und besonders am Ende sehr verbreitert und herabgebogen ist,
wodurch Wirbel und Nabel sehr ausser dem Mittelpunct zu stehen kommen;
Naht wenig vertieft; Mündung eiförmig, nur wenig ausgeschnitten,
herabgebogen. Mündung geradeaus, einfach, scharf, geschweift.
Dimensionen wie bei der vorigen.
Thier heller oder dunkler schiefergrau mit dunkelblaugrauen Oberfühlern
und Rücken.
Diese Art ist eine entschieden südliche Form, die in unseren Gegenden
bei weitem nicht die Grösse erreicht, wie im Süden, wo sie der _H.
cellaria_ nichts nachgiebt. Von manchen, z. B. ~Bielz~, wird ihre
Artselbstständigkeit bezweifelt und sie als Varietät zu der vorigen
gezogen. Meiner Ansicht nach kann diess nur Folge einer Verwechslung
sein, indem man Formen von _nitidula_ mit etwas erweiterter Mündung für
_nitens_ hält; die ächte _nitens_ ist jedenfalls eine selbstständige
Art.
Sie findet sich mit der vorigen, aber seltener. Bei Mombach (~Thomae~).
Um Dillenburg in schattigen Wäldern auf Kalkboden; selten bei Erdbach
an den Steinkammern; am Wildweiberhäuschen bei Langenaubach (~Koch~).
Im Schürwald an der Babenhäuser Chaussee bei Frankfurt (~Dickin~).
Aeusserst selten im Puppenwalde bei Hanau (~Speyer~). Auf der Ruine
Frankenstein bei Darmstadt (~Ickrath~). Auf dem Falkenstein im Taunus
(~Ickrath~). Am Schlossberg und in einem Thälchen des weissen Waldes
bei Biedenkopf.
23. Hyalina nitidosa ~Férussac~.
Grünliche Glanzschnecke.
_Syn._ _Hel. pura_ ~Alder~, _viridula_ ~Mke.~, _clara_ ~Held~.
Gehäuse durchgehend, aber ziemlich eng genabelt, niedergedrückt, oben
etwas convex, dünn, durchsichtig, gelblich oder grünlich hornfarben,
glänzend, Oberseite sehr fein und regelmässig gestreift, Unterseite
weniger. Die vier, etwas gedrückten Umgänge sind durch eine flache Naht
vereinigt und erheben sich wenig; der letzte ist an der Mündung schnell
erweitert. Mündung verhältnissmässig sehr gross, gerundet mondförmig;
Mundsaum einfach und scharf. Nabel ziemlich eng, doch ganz durchgehend.
Höhe 1½-2 Mm., Durchmesser 3½-5 Mm. Thier hellblaugrau; Kopf, Hals und
Fühler dunkler.
Diese Schnecke ist die kleinste aus der Sippschaft der offen genabelten
Hyalinen und schon dadurch leicht zu erkennen; dass sie ausgewachsen,
sieht man an der raschen Zunahme des letzten Umganges.
Unter Laub und Steinen und im Moose feuchter, quelliger Stellen mit
_Hyal. crystallina_, _fulva_, _Hel. pygmaea_, _Cionella lubrica_,
_Carychium minimum_, _Vertigo 7dentata_ in den meisten Gegenden
nicht selten. Um Weilburg häufig (~Sandb.~). Bei Diez (~Schübler~
_ibid._). Im ganzen Breitscheider Walde und bei Langenaubach häufig.
Im Feldbacher Wäldchen, Thiergarten und bei Oberscheld (~Koch~). Im
Nerothal selten (A. ~Römer~). Am Beilstein (~Heyn.~). Im Frankfurter
Wald an geeigneten Stellen überall einzeln; im Mombacher Kiefernwald
(~Heyn.~). Aeusserst selten bei Wächtersbach (~Speyer~). Um Biedenkopf
an quelligen Stellen und im Moos an Bachrändern allenthalben nicht
selten, aber nie in grösserer Anzahl beisammen. Im Moose an Gräben am
Sandhof bei Frankfurt.
24. Hyalina cellaria ~Müller~.
Keller-Glanzschnecke.
Gehäuse offen genabelt, niedergedrückt, oben fast ganz flach oder
nur wenig convex, unten ganz flach, durchscheinend, glänzend, aber
nach dem Tode des Thieres bald trüb und glanzlos werdend, oben etwas
gestreift. Farbe oben schmutzig gelb, etwas grünlich, mitunter kaum
gefärbt, unten weisslich. 5-6 sich wenig erhebende, gedrückte Umgänge,
der letzte in seiner letzten Hälfte bedeutend erweitert, so dass der
Nabel ausserhalb des Mittelpunctes liegt, wenn auch nicht in dem Grade,
wie bei _nitens_. Mündung gedrückt, schiefmondförmig, fast breiter als
hoch; Mundsaum einfach, scharf, etwas geschweift. Nabel ziemlich weit
und tief. Höhe 3-4 Mm., Durchmesser 12-14 Mm.
Thier sehr schlank, weisslich, Kopf und der angränzende Theil des
Rückens nebst der Spitze der Fühler schieferblau. Die in Kellern
u. dgl. hausenden Exemplare sind heller. Die Zungenzähne sind in nach
vorn convexe Reihen geordnet, die einzelnen sind weit grösser, als bei
gleichgrossen Helices. In der Mitte steht ein kleiner, dreispitziger
Zahn, daneben je ein grösserer, dreispitziger mit drei sehr ungleichen
Spitzen; die drei zusammen bilden eine gerade Linie; daran schliessen
sich dann in einem starken Winkel jederseits 8-10 einfache, starke,
gekrümmte Dornen, die nach aussen an Grösse abnehmen. Es sind 42
Querreihen, jede mit 19-23 Zähnen, zusammen etwa 900 Zähne.
Diese grösste unserer Hyalinen lebt, wie schon der Name andeutet, mit
Vorliebe in Kellern und anderen unterirdischen Räumen, aber auch an
feuchten Stellen unter Moos, Laub und faulem Holz. Mit Sicherheit
kann man immer darauf rechnen, sie unter dem Schutt der Ruinen zu
finden. Sie ist in Nassau allgemein verbreitet. Sonnenberg, Biebricher
Schlossgarten, auf den Ruinen Adolphseck, Katz, Liebenstein, Sternberg,
Spurkenburg, Kammerburg, Rheineck; bei Dehrn und Runkel im Lahnthal, im
Hachenburger Schlossgarten (~Thomae~). Bei Weilburg im Gebück, an den
Reservoirs und verschiedenen alten Mauern in der Stadt (~Sandb.~). Bei
Dillenburg bei Burg, Breitscheid, Rabenscheid, Langenaubach, Endbach;
verbreitet, aber nirgends häufig. (~Koch~). Im Frankfurter Wald, auf
allen Ruinen des Taunus, in Kellern zu Frankfurt und Schwanheim, bei
Homburg. Um Biedenkopf, Breidenbach, Buchenau, aber immer einzeln, nur
unter dem Schutt am Schlossberg häufig; am Hartenberg bei Dexbach.
25. Hyalina nitida ~Müller~.
Dunkle Glanzschnecke.
_Syn._ _Hel. lucida_ ~Drap. autor~.
Gehäuse offen genabelt, etwas kugelförmig niedergedrückt, zart,
glänzend, feingestreift, ~rothgelb~; 5 Umgänge mit ziemlich deutlicher
Naht, zu einem kurzen Gewinde erhoben; Mündung mondförmig rund;
Mundsaum einfach und scharf, Nabel offen und tief, Höhe 3-4 Mm.,
Durchmesser 6-7 Mm.
Thier blauschwarz, nach Kiefer und Zunge eine ächte Hyaline; nach
den Beobachtungen von ~Lehmann~ (Mal. Bl. IX. S. 111) hat es einen
Liebespfeil mit trichterförmiger Krone, etwas gebogenem, fadenförmigem
Stiel und lang lancettförmiger, kaum verbreiterter Spitze, 1¾ Mm.
lang; derselbe trennt unsere Schnecke desshalb als eigene Gattung
_Zonitoides_ von den Hyalinen ab. Mit demselben Rechte müsste man dann
aber auch die Helices ohne Liebespfeil von denen mit Liebespfeil als
besondere Gattung trennen.
An feuchten, schattigen Stellen, besonders den Ufern von Bächen,
Flüssen und Teichen, aber auch fern vom Wasser, unter Steinen, Laub
und Bretern, meist in grösserer Gesellschaft. An den Ufern des Nero-
und Wellritzbaches bei Wiesbaden (~Thomae~). Im Gebück bei Weilburg
(~Sdbrg.~). An der Burger Brücke bei Dillenburg, selten. Häufig auf den
Wiesen des Nanzenbachthals (~Koch~). Am Metzgerbruch (~Heynemann~). Am
Mainufer unter Steinen und im Gras überall in grosser Menge. Ebenso um
Hanau, Gelnhausen, Wächtersbach, Schlüchtern und Steinau (~Speyer~).
Auffallend ist dagegen ihre Seltenheit in der Umgegend von Darmstadt,
wo sie ~Ickrath~ nur am Ufer des Stützebachs unfern des Kranichsteiner
Jagdschlosses einzeln fand. Im oberen Lahnthal und seinen Seitenthälern
um Biedenkopf nirgends selten.
26. Hyalina crystallina ~Müller~.
Crystall-Glanzschnecke.
Gehäuse durchbohrt, niedergedrückt, mit nur sehr wenig erhabenem
Gewinde, glashell, ganz durchsichtig, fast farblos mit einem schwachen
grünlichen Schein, glatt, starkglänzend, sehr zart; Umgänge 4½,
der letzte merklich breiter, als der vorhergehende; Naht ziemlich
vertieft, Mündung mondförmig, Mundsaum geradeaus, einfach. Höhe 1¼ Mm.,
Durchmesser 3½-4 Mm.
Thier sehr schlank, Fuss, Seiten und Sohle weisslich, Rücken und Mantel
schwarz.
An feuchten Orten im Moos, mit Vorliebe unter faulem Holz, durch
dessen Auslegen man sie leicht in Menge erhalten kann. Im Nerothal
bei Wiesbaden, selten (A. ~Römer~). Bei Weilburg im Gebück, Gänsberg,
Harnisch (~Sdbrg.~). Bei Dillenburg im Breitscheider Wald bei
Oberdresselndorf und im Aubachthale, verbreitet und ziemlich zahlreich
(~Koch~). Im Frankfurter Wald nur an der Oberschweinsteige im Moose am
Bach häufig (~Dickm.~). Um Biedenkopf an allen geeigneten Plätzen in
Menge; sehr häufig im Badseiferthal; eine grosse Anzahl fand ich einmal
mit _Hyal. nitida_ und _Hel. rotundata_ zusammen unter einem halbfaulen
Bret, das als Brücke über den Obergraben der Wallauer Papiermühle
diente.
27. Hyalina subterranea ~Bourguignat~.
Unterirdische Glanzschnecke.
Gehäuse genabelt, klein, stärker gewölbt, als _crystallina_, mit
der sie im Uebrigen sehr viel Aehnlichkeit hat, glashell, fast
farblos, glatt, stark glänzend, sehr zart. Umgänge 5, der letzte
merklich breiter, als der vorletzte; Naht stärker vertieft, als bei
_crystallina_; Mündung mondförmig, innen mit einer weisslichen Lippe
belegt; Mundsaum geradeaus, einfach, scharf. Dimensionen die einer
grossen _crystallina_.
Thier von dem von _crystallina_ durchaus nicht verschieden.
Diese Art wurde bisher immer mit _crystallina_ zusammengeworfen,
unterscheidet sich aber von ihr sicher durch die grössere Dicke und den
weiteren Nabel, ½ Umgang mehr, die tiefere Naht und die Lippe in der
Mündung. In Deutschland wurde sie zuerst durch ~Reinhardt~ in Berlin
nachgewiesen und bestimmte mir dieser auch einen Theil der von mir bei
Biedenkopf und von ~Dickin~ um Frankfurt gesammelten _crystallina_ als
diese Species. Sie kommt demnach mit _crystallina_ zusammen vor und
vielleicht gehören ihr die meisten Fundorte derselben ausschliesslich
an. Am Mainufer bei Schwanheim fand ich nur _subterranea_, im
feuchten Moos zahlreich umherkriechend, und allem Anschein nach ist
sie weit häufiger, als die ächte, enggenabelte _crystallina_. Eben
dieser Umstand macht mich zweifelhaft, ob sie nicht die eigentliche
_crystallina_ ~Müll.~ ist, denn die Worte O. F. ~Müllers~ passen
ebensogut auf sie und es wäre sonderbar, wenn er durch einen Zufall
gerade die in Norddeutschland sehr seltene, enggenabelte Form vor sich
gehabt hätte.
Im Moos an Grabenrändern in der Umgebung des Sandhofes bei Frankfurt.
28. Hyalina hyalina ~Férussac~.
Dichtgewundene Glanzschnecke.
Gehäuse im ausgewachsenen Zustand ungenabelt, klein, niedergedrückt,
mit ganz flachem Gewinde, glashell, fast farblos, ganz durchsichtig,
stark glänzend; die 5-6 Umgänge sind sehr dicht gewunden und nehmen
oben sehr gleichmässig an Dicke zu, nur der letzte ist etwas erweitert.
Naht ziemlich stark vertieft; Mündung sehr eng, mondförmig, Mundsaum
geradeaus, einfach; die Gegend um den ganz geschlossenen Nabel
ist trichterförmig eingesenkt. Dimensionen etwas grösser wie bei
_crystallina_.
Thier weisslich durchscheinend, Rücken und obere Fühler schwärzlich,
Leber fleischroth.
Diese seltene Schnecke wird mitunter mit _crystallina_ verwechselt, ist
aber leicht zu unterscheiden durch die grössere Zahl der Windungen,
die bei weitem engere Mündung und den Mangel des Nabels. Sie wurde in
Nassau lebend nur von Herrn A. ~Römer~ im Adamsthal in feuchtem Boden
unter Hecken an den Wurzeln von _Sphagnum_ u. dgl. gefunden. Leere
Gehäuse finden sich selten im Geniste der Flüsse.
29. Hyalina fulva ~Müller~.
Kreiselförmige Glanzschnecke.
Gehäuse sehr klein, kaum durchbohrt, kreiselförmig, kuglig, horngelb,
sehr dicht und fein gestreift, daher seidenglänzend, durchsichtig.
Umgänge 5-6, etwas niedergedrückt, mit der schwachen Andeutung eines
Kiels; Naht ziemlich tief; Mündung niedergedrückt, mondförmig, breiter
als hoch; Mundsaum geradeaus, einfach, scharf. Höhe und Durchmesser
gleich, 3-3½ Mm.
Thier schwarzbraun bis schwarz, unten heller; Fühler lang und
cylindrisch, die unteren verdickt; Fuss schmal und zugespitzt. Kiefer
oben etwas gekielt, in der Mitte mit einem kurzen, stumpfen Zähnchen.
In Waldgegenden auf feuchtem Boden in der Nähe von Gewässern, unter
Steinen und faulendem Laub; auch unter der losen Rinde am Boden
liegender Stämme. An der wilden Scheuer zu Steeten bei Runkel, selten;
in der Nähe des Adamsthales, selten (A. ~Römer~). Bei Dillenburg
mit _crystallina_; ausserdem im Feldbacher Wäldchen, im Thiergarten
und bei Oberscheld, vereinzelt (~Koch~). Ein Exemplar im Moose des
Bessunger Teiches (~Ickrath~). Am Beilstein, im Mombacher Kieferwald,
im Maingenist (~Heyn.~) An der Oberschweinsteige (~Dickin~). Einzeln
fand ich sie lebend am Mainufer bei Schwanheim. Um Biedenkopf ist sie
durchaus nicht selten in allen feuchten Thalgründen unter Steinen und
verwesendem Buchenlaub, doch meistens einzeln; in grösserer Anzahl fand
ich sie nur an der Goldküste, am Wege nach Eifa.
~Anmerkung.~ Ausser diesen Arten findet sich in Deutschland noch
eine der _nitidosa_ nächstverwandte Art, _Hyal. radiatula_ ~Alder~
(_Hammonis_ ~Ström~). Sie unterscheidet sich von ihrer Verwandten durch
die gestreifte Schale und den engeren Nabel. In Nassau ist sie meines
Wissens noch nicht gefunden worden, kommt aber nach ~Goldfuss~ im
Siebengebirge vor.
Dann die zunächst mit _cellaria_ verwandte _Hyalina glabra_ ~Studer~,
durch den engeren Nabel und stärkeren Glanz von ihr unterschieden; auch
sie ist in Nassau noch nicht aufgefunden worden.
Neuntes Capitel.
VII. HELIX ~Linné~.
Gehäuse rund, scheibenförmig bis kegel- und selbst kugelförmig; Mündung
breiter als hoch, schief, am Grunde nicht ausgeschnitten und durch das
Hereintreten der letzten Windung fast mondförmig.
Thier schlank, nicht übermässig gross im Verhältniss zum Gehäuse, so
dass es sich ganz in dasselbe zurückziehen kann; der Mantel bleibt
immer im Gehäuse eingeschlossen. Vier walzenförmige, stumpfe Fü
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