Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, zweiter Band
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Title: Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, zweiter Band
Translator: Karl Eugen Neumann
Release date: May 10, 2015 [eBook #48901]
Most recently updated: October 24, 2024
Language: German
Other information and formats: www.gutenberg.org/ebooks/48901
Credits: Produced by Norbert H. Langkau, Reiner Ruf, and the Online
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*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE REDEN GOTAMO BUDDHOS. MITTLERE SAMMLUNG, ZWEITER BAND ***
Anmerkungen zur Transkription
#############################
In diesem Text werden fortlaufend Seitenzahlen aus zwei verschiedenen
Ausgaben anderer Autoren angegeben. Diese Verweise werden hier am
rechten Rand außerhalb des laufenden Textes wiedergegeben.
Kursive Passagen im Original werden von Unterstrichen umgeben
(_kursiv_), gesperrter Text dagegen von Tilden (~gesperrt~).
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repräsentiert; mehrere Zeichen werden dabei in geschweiften Klammern
gruppiert. Tiefgestellte Zeichen werden in geschweifte Klammern gesetzt
und mit Hilfe eines vorangestellten Unterstriches versinnbildlicht.
Die Wortformen, die in der Vorrede und einigen Fußnoten einem
Wurzelzeichen folgen, stellen die Wortwurzel der erklärten Begriffe
dar. Diese wurden im Original kursiv gesetzt, in dieser Version werden
diese jedoch in normalem Schriftschnitt beispielhaft folgendermaßen
wiedergegeben: √(ruh).
Der vorliegende Text wurde anhand der 1921 erschienenen Buchausgabe
erstellt; Interpunktionsfehler wurden dabei stillschweigend korrigiert.
Die Rechtschreibung des Originals wurde beibehalten, sofern es sich
nicht um offensichtliche Fehler handelt. Der Fußnotenanker [264] fehlt
in dieser Ausgabe und wurde an der in den Fassungen von 1919 und 1922
vorgesehenen Position eingefügt.
Die folgenden Stellen wurden korrigiert:
S. 354: ‚Versamlung‘ → ‚Versammlung‘
S. 430: ‚Kāccāno‘ → ‚Kaccāno‘
S. 462: ‚Sahampatin‘ → ‚Sahampati‘
S. 479: ‚Mantānī‘ → ‚Mantāṇī‘
S. 490: ‚Nāḷijāṉgho‘ → ‚Nāḷijaṉgho‘
S. 594: ‚Bhāradvāyo‘ → ‚Bhāradvājo‘
S. 597 (Fußnotenanker): ‚[259]‘ → ‚[249]‘
S. 734 (So viel trau’ ich Herrn Gotamo zu): ‚285; 83‘ → ‚285, 288‘
S. 738 (letzter Begriff): ‚Aḷāro‘ → ‚Āḷāro‘
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DIE REDEN
GOTAMO BUDDHOS
AUS DER MITTLEREN
SAMMLUNG MAJJHIMANIKĀYO
DES PĀLI-KANONS
ZUM ERSTEN MAL ÜBERSETZT
VON
KARL EUGEN NEUMANN
ZWEITE AUFLAGE
ZWEITER BAND
MITTLERES HALBHUNDERT
MÜNCHEN 1921 * R. PIPER & CO.
ALLE RECHTE VORBEHALTEN
COPYRIGHT 1921
BY R. PIPER & CO. / G. M. B. H. / MÜNCHEN
INHALT
Seite
VORREDE IX
DIE MITTLERE SAMMLUNG DER REDEN GOTAMO BUDDHOS
ZWEITER BAND
MITTLERES HALBHUNDERT
SECHSTER THEIL
BUCH DER HAUSVÄTER
51. Rede: Kandarako 3
52. „ Der Bürger von Aṭṭhakam 20
53. „ Die Schritte des Kämpfers 25
54. „ Potaliyo 34
55. „ Jīvako 49
56. „ Upāli 54
57. „ Der Hundelehrling 79
58. „ Abhayo der Königsohn 87
59. „ Viel der Gefühle 94
60. „ Fraglosigkeit 101
SIEBENTER THEIL
BUCH DER MÖNCHE
61. Rede: Rāhulos Ermahnung (I) 131
62. „ Rāhulos Ermahnung (II) 140
63. „ Der Sohn der Māluṉkyā (I) 148
64. „ Der Sohn der Māluṉkyā (II) 157
65. „ Bhaddāli 166
66. „ Das Gleichniss von der Wachtel 181
67. „ Vor Cātumā 196
68. „ Vor Naḷakapānam 206
69. „ Gulissāni 218
70. „ Vor Kīṭāgiri 224
ACHTER THEIL
BUCH DER PILGER
71. Rede: Vacchagotto (I) 241
72. „ Vacchagotto (II) 246
73. „ Vacchagotto (III) 254
74. „ Dīghanakho 266
75. „ Māgandiyo 272
76. „ Sandako 290
77. „ Sakuludāyī (I) 314
78. „ Der Sohn der Samaṇamuṇḍikā 344
79. „ Sakuludāyī (II) 353
80. „ Vekhānaso 367
NEUNTER THEIL
BUCH DER KÖNIGE
81. Rede: Ghaṭīkāro 377
82. „ Raṭṭhapālo 390
83. „ Makhadevo 415
84. „ Madhuro 428
85. „ Bodhi der Königsohn 438
86. „ Aṉgulimālo 473
87. „ Was einem lieb ist 485
88. „ Der Ueberwurf 494
89. „ Wahre Denkmale 502
90. „ Am Zwieselstein 512
ZEHNTER THEIL
BUCH DER PRIESTER
91. Rede: Brahmāyu 527
92. „ Selo 543
93. „ Assalāyano 554
94. „ Ghoṭamukho 569
95. „ Caṉkī 587
96. „ Esukārī 605
97. „ Dhanañjani 614
98. „ Vāseṭṭho 627
99. „ Subho 638
100. „ Saṉgāravo 655
ANMERKUNGEN 661
NACHWEISE. Vom Herausgeber 715
REGISTER 725
Alle Namen haben, wie bisher, nominative Endung beibehalten;
zur Aussprache Seite VIII des ersten Bandes.
VORREDE
Wie schon in der Einführung zum ersten Bande, Seite XIX-XXIII,
aus Inschriften des dritten vorchristlichen Jahrhunderts
nachgewiesen, ist die älteste Gestalt des Kanons nicht in
einem _Tipiṭakam_ oder _Dvipiṭakam_ sondern im _Piṭakam_
schlechthin, nämlich im _Suttapiṭakam_, erhalten. Hieraus darf
man schließen, wie dort begründet, auch das _Vinayapiṭakam_,
wie später das _Abhidhammapiṭakam_, sei aus dem einen Kanon
theils ausgeschieden, theils weiter entwickelt worden. Das
vorliegende Mittlere Halbhundert des zweiten Bandes bestätigt
diese Folgerungen noch genauer. Wir finden hier eine ganze
Reihe von Reden, die reinen _vinayo_ darlegen, sich bis zu
den letzten Verzweigungen mit der Ordenszucht befassen, und
zwar in ächter, ursprünglicher Weise, die dem wirklichen Leben
entspricht, nicht mit jenen kasuistischen Erfindungen, die
dem _Vinayapiṭakam_ eignen und dessen überwiegend fingierten
Charakter ausmachen. Gleich die Eröffnungsrede liefert ein
klassisches Muster: klassisch, weil sie wiederum zunächst die
Tugendsatzung mit aller Ausführlichkeit vorträgt, was auch im
ersten Bande bei passender Gelegenheit immer geschieht. In
diesem Betracht sind ja die zahlreichen Wiederholungen der
Reden erklärlich, da fast jede, wie sie eben gesprochen wurde,
_dhammo_ und _vinayo_, Lehre und Zucht, als untrennbares Ganze
giebt. Hier lässt sich nichts kürzen oder beschränken oder
zusammenziehn ohne den gehörigen Zusammenhang zu verlieren: die
Rede ist an eine oder an mehrere bestimmte Personen gerichtet
gewesen, auf einen besonderen Anlass hin, doch im höheren Sinne
allgemein gültig, hat weder zu viel noch zu wenig gesagt,
sondern ihren Gang gerade eingehalten. Der Orden hatte daher
bei Lebzeiten des Meisters wohl keinerlei andere Regel als die
in den Reden verkündete, und diese Regel, gar verschieden von
den später lawinenartig angewachsenen Korollarien, war eine
ungemein einfache; so einfach, dass der Meister nicht selten
einem Aufnahmesuchenden, im Gegensatze zu den nachmaligen
umständlichen Vorbereitungen, sogleich und bloß mit den
Worten »Komm’, o Mönch!« die Ordensweihe verlieh: sogar einem
berüchtigten Mörder, nach dessen plötzlicher Umkehr, in der
sechsundachtzigsten Rede. Gotamo selbst hat diese ursprüngliche
Einfachheit vollkommen klar zugestanden, gegen Ende der
fünfundsechzigsten Rede. Da fragt ein Mönch, woher es nur
komme, dass es früher weniger Ordensregeln gegeben als jetzt,
worauf ihm der greise Meister antwortet, Ordensregeln seien
eben erst dann vonnöthen, wann die wahre Lehre untergehe, wann
der Orden Größe und Ansehn und späte Jahre erreicht habe.
Vernehmen wir also in den Reden oft und oft des Meisters
eigene Worte, rein erhalten wie sie gesprochen, so ist auch
Fremdes zu merken und giebt sich meist unverhohlen kund; so
schon die Umrahmung, die allerdings nur die Namen der Orte,
der Personen und sonstige sachgemäße Mittheilungen bietet.
Es hat aber doch hie und da Sagenhaftes Eingang gefunden,
spätere Zuthat, z. B. in die dreiundachtzigste Rede. Dann sind
es zuweilen upanischadartige und yogaverwandte Darlegungen,
die uns begegnen, wie etwa in der siebenundsiebzigsten,
bez. dreiundsiebzigsten. Gewisse Gleichnisse aus den
alten Upanischaden, e. g. das in der achtundsechzigsten
Rede, gewisse Uebungen des alten Yogas, besonders in der
zweiundsechzigsten und zehnten behandelt, hat freilich schon
Gotamo, wohlbewusst, übernommen, ausgebildet, vertieft. Der
Meister behauptet ja niemals, seine Lehre widerspreche allem
bisher Dagewesenen, sondern: »Wovon die Weisen erklären ‚Es ist
nicht in der Welt‘, davon sage auch ich ‚Es ist nicht‘; wovon
die Weisen erklären ‚Es ist in der Welt‘, davon sage auch ich
‚Es ist‘.«[*] Wie großartig der Meister zumal vedische Lehren
vollendet hat, zeigt u. a. die fünfundfünfzigste Rede. Weil es
aber bei mündlicher Ueberlieferung kaum anders möglich, wird
auch der oder jener Jünger, nach des Meisters Tode, diesen
oder jenen fremden Satz wissentlich oder unwissentlich mit
überliefert haben, aus vedischen oder aus yogischen Kreisen, je
nach dem gewohnten Schwergewichte. Sehr lehrreich sind hierfür
die Lieder der Mönche, deren Gedanken durchaus nach dem Meister
weisen, im Einzelnen aber noch subjektive Züge bewahren. Wenn
sich nun, trotz der wachsenden Größe des Ordens, bis etwa
in die Zeit Asoko des Großen kein tiefergehender Verfall
entwickelt hat, was bei den anderen indischen Geistesdenkmalen
in der Regel eher geschah, so ist das erstaunlich und kein
geringer Beweis für die ungewöhnliche, andauernde Wirkung
einer Persönlichkeit wie es die Gotamos war.[**] Diese
Wirkung hat übrigens nicht bloß die Jüngerschaft gewaltig
ergriffen, sie hat sich, wie bekannt, auf ganz Indien und
weiter erstreckt; und insbesondere ist sie den Verfassern der
späteren Upanischaden, des _Yoga-_ und des _Sāṃkhyaśāstram_,
und Barden und Dichtern, bis auf des Tul’sīdās [***] noch
heute in Palast und Hütte, von Fürst und Bettler gesungenes
_Rāmcaritmānas_ herab[†], ausgiebig zustatten
gekommen, ob sie es selber zwar nicht recht wissen, gleichwohl
durch, oft wörtliche, Paraphrase der Meisterworte unschwer
errathen lassen. Hat also Gotamo, und dann mancher der Jünger,
vom Geiste der Zeit einiges benutzt, so haben die Späteren
erheblich mehr von Gotamo und den Seinen gelernt, sich zu eigen
gemacht und weitergegeben, bis es allmälig indisches Gemeingut
geworden.
Nur indisches? Es hat den Anschein als ob jene Gedanken auch
bei uns langsam, langsam merkbar würden, zu wirken begännen,
kraft ihres unzerstörbaren Gehaltes. Eine gesammte Umwandlung
altererbter Ueberzeugungen und Ansichten wird nun sicherlich
kein Teleolog von ihnen erwarten, sowenig wie etwa unsere
Missionare dergleichen beim braven Chinesen gewärtigen dürfen.
Tausendjährigen Kulturen, und wären sie noch so morsch und
überlebt, kann man nicht so leicht mit geistigen Mitteln
beikommen, nicht von einem Jahrhundert zum anderen, wie dem
Papste, schon den Untergang voraussagen: sie altern gern und
wohlgemuth weiter. Aber die Gedanken haben keine Eile, langsam,
langsam wirken sie durch unermessliche Zeiten und Räume, in
ewiger Jugend. -- Einst fragte mich der Gesandte von Siam am
Berliner Hofe, Seine Exzellenz Phya Nond Buri, ob sich denn
wirklich, wie man ihm erzählt habe, bereits buddhistische
Einflüsse in Europa wahrnehmen ließen: ich entgegnete, ich
hätte nicht eben viel davon gemerkt; da lächelte er in seiner
feinen Weise und sagte, auf ein buddhistisches Volkswort
anspielend: »Nun, wir haben ja Zeit, noch fünftausend Jahre.«
-- Wir haben mehr Zeit und weniger. Mehr, weil uns die Erde
geduldig trägt; weniger, weil wir heute den Worten eines
Meisters lauschen können, die aus der Welt des Unschönen
und Schönen hinübergeleiten, wo es keinen Schein giebt.
»Willkommen sei mir ein verständiger Mann«, sagt Gotamo, gegen
Ende der achtzigsten Rede, »kein Häuchler, kein Gleißner, ein
gerader Mensch; ich führ’ ihn ein, ich lege die Satzung dar.
Der Führung folgend wird er in gar kurzer Zeit eben selber
merken, selber sehn, dass man also ganz von der Fessel befreit
wird, nämlich von der Fessel des Nichtwissens.«
* * * * *
Ohne einen Strich hinzu- oder hinwegzuthun, mit wohlgeprüften,
-verglichenen, -gesicherten Lesarten, ist auch dieses Mittlere
Halbhundert, das _Majjhimapaṇṇāsam_, schlicht und unangetastet
übersetzt worden, bis auf den Titel und Punkt: so mag der Text
in genauester Form, wenn es etwa noch weiter gelungen, in
identischem Ausdrucke Zeuge sein. Die Zahlen am Rande geben die
Seiten der Trenckner’schen Lesung an, so weit diese reicht:
nach der sechsundsiebzigsten Rede die Seiten der siamesischen
Ausgabe.
~Wien~, Ende 1899.
/KARL EUGEN NEUMANN./
SECHSTER THEIL
BUCH DER HAUSVÄTER
51.
Sechster Theil Erste Rede
KANDARAKO
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei 339
Campā, am Gestade des Gaggarā-Sees, mit einer großen Schaar von
Mönchen.
Da nun begab sich Pesso, der Sohn eines Elephantenlenkers, und
Kandarako, ein Pilger, dorthin wo der Erhabene weilte. Dort
angelangt begrüßte Pesso, der Sohn des Elephantenlenkers, den
Erhabenen ehrerbietig und setzte sich seitwärts nieder; während
Kandarako, der Pilger, mit dem Erhabenen höflichen Gruß und
freundliche, denkwürdige Worte tauschte und sich dann seitwärts
hinstellte. Seitwärts stehend blickte da Kandarako der Pilger
über die lautlose, stille Schaar der Mönche hin und sprach nun
zum Erhabenen also:
»Wunderbar, o Gotamo, außerordentlich ist es, o Gotamo, wie da
Herr Gotamo so richtig die Jüngerschaft gewiesen hat! Die da
früher, o Gotamo, in vergangenen Zeiten Heilige, vollkommen
Erwachte waren, haben auch diese Erhabenen ebenso richtig ein
solches Ziel den Jüngern gewiesen, gleichwie da jetzt Herr
Gotamo die Jünger richtig gewiesen hat? Und die da später, o
Gotamo, in künftigen Zeiten Heilige, vollkommen Erwachte sein
werden, werden auch diese Erhabenen ebenso richtig ein solches
Ziel den Jüngern weisen, gleichwie da jetzt Herr Gotamo die
Jünger richtig gewiesen hat?«
»So ist es, Kandarako, so ist es, Kandarako. Die da früher,
Kandarako, in vergangenen Zeiten Heilige, vollkommen Erwachte
waren, auch diese Erhabenen haben ebenso richtig ein solches
Ziel den Jüngern gewiesen, gleichwie da jetzt von mir die
Jünger richtig gewiesen sind; und die da später, Kandarako,
in künftigen Zeiten Heilige, vollkommen Erwachte sein werden,
auch diese Erhabenen werden ebenso richtig ein solches Ziel den
Jüngern weisen, gleichwie da jetzt von mir die Jünger richtig
gewiesen sind.
»Denn es giebt, Kandarako, Mönche unter diesen Jüngern, die
Heilige, Wahnversieger, Endiger sind, die das Werk gewirkt,
die Last abgelegt, das Heil sich errungen, die Daseinsfesseln
vernichtet, sich durch vollkommene Erkenntniss erlöst haben.
Und es giebt, Kandarako, Mönche unter diesen Jüngern, die
Kämpfer sind, tapfer in Tugend, tapfer im Wandel, gewitzigt
sind, witzig im Wandel; die haben ihr Gemüth auf die vier
Pfeiler der Einsicht gegründet; auf welche vier? Da wacht, 340
Kandarako, ein Mönch beim Körper über den Körper, unermüdlich,
klaren Sinnes, einsichtig, nach Verwindung weltlichen Begehrens
und Bekümmerns; wacht bei den Gefühlen über die Gefühle,
unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach Verwindung
weltlichen Begehrens und Bekümmerns; wacht beim Gemüthe über
das Gemüth, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach
Verwindung weltlichen Begehrens und Bekümmerns; wacht bei den
Erscheinungen über die Erscheinungen, unermüdlich, klaren
Sinnes, einsichtig, nach Verwindung weltlichen Begehrens und
Bekümmerns.«
Auf diese Worte wandte sich Pesso, der Sohn des
Elephantenlenkers, also an den Erhabenen:
»Wunderbar, o Herr, außerordentlich ist es, o Herr, wie so
deutlich, o Herr, der Erhabene die vier Pfeiler der Einsicht
gezeigt hat, die da zur Läuterung der Wesen, zur Ueberwältigung
des Schmerzes und Jammers, zur Zerstörung des Leidens und der
Trübsal, zur Gewinnung des Rechten, zur Verwirklichung der
Erlöschung führen! Denn auch wir, o Herr, als Hausleute, weiß
gekleidet, haben von Zeit zu Zeit unser Gemüth auf die vier
Pfeiler der Einsicht gegründet: da wachen wir, o Herr, beim
Körper über den Körper, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig,
nach Verwindung weltlichen Begehrens und Bekümmerns; wachen
bei den Gefühlen über die Gefühle, unermüdlich, klaren
Sinnes, einsichtig, nach Verwindung weltlichen Begehrens und
Bekümmerns; wachen beim Gemüthe über das Gemüth, unermüdlich,
klaren Sinnes, einsichtig, nach Verwindung weltlichen Begehrens
und Bekümmerns; wachen bei den Erscheinungen über die
Erscheinungen, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach
Verwindung weltlichen Begehrens und Bekümmerns. Wunderbar, o
Herr, außerordentlich ist es, o Herr, wie genau, o Herr, der
Erhabene, wo die Menschen so heimlich, wo die Menschen so
verhohlen[1], wo die Menschen so häuchlerisch sind, weiß, was
den Wesen frommt und was ihnen nicht frommt! Denn heimlich wie
die Höhle, o Herr, ist der Mensch, und offen wie die Ebene,
o Herr, ist das Thier. Ja, ich kann mich, o Herr, an einen
Elephantenhengst erinnern: so oft der auch durch die Straßen
von Campā gehn und kommen mag, wird er jedesmal all seine List
und Tücke, Launen und Ränke offenbaren. Was da aber, o Herr,
unsere Knechte und Söldner und Werkleute sind, die gehn anders
an die Arbeit, und anders reden sie, und wiederum anders denken
sie. Wunderbar, o Herr, außerordentlich ist es, o Herr, wie
genau, o Herr, der Erhabene, wo die Menschen so heimlich, wo
die Menschen so verhohlen, wo die Menschen so häuchlerisch
sind, weiß, was den Wesen frommt und was ihnen nicht frommt.
Denn heimlich wie die Höhle, o Herr, ist der Mensch, und offen
wie die Ebene, o Herr, ist das Thier.«
»So ist es, Pesso, so ist es, Pesso: heimlich wie die Höhle, 341
Pesso, ist ja der Mensch, und offen wie die Ebene, Pesso,
ist ja das Thier. -- Vier Arten von Menschen, Pesso, finden
sich hier in der Welt vor: welche vier? Da ist, Pesso, einer
ein Selbstquäler, ist der Uebung der Selbstquaal eifrig
ergeben; da ist wieder, Pesso, einer ein Nächstenquäler, ist
der Uebung der Nächstenquaal eifrig ergeben; da ist, Pesso,
einer ein Selbstquäler, ist der Uebung der Selbstquaal eifrig
ergeben, und er ist ein Nächstenquäler, ist der Uebung der
Nächstenquaal eifrig ergeben; und da ist, Pesso, einer weder
ein Selbstquäler, ist nicht der Uebung der Selbstquaal eifrig
ergeben, noch ist er ein Nächstenquäler, ist nicht der Uebung
der Nächstenquaal eifrig ergeben: ohne Selbstquaal, ohne
Nächstenquaal ist er schon bei Lebzeiten ausgeglüht, erloschen,
kühl geworden, fühlt sich wohl, heilig geworden im Herzen.
Welcher ist es, Pesso, von diesen vier Menschen, der deinem
Sinne zusagt?«
»Jener Mensch, o Herr, der ein Selbstquäler, der Uebung der
Selbstquaal eifrig ergeben ist, der sagt meinem Sinne nicht
zu; und auch jener Mensch, o Herr, der ein Nächstenquäler, der
Uebung der Nächstenquaal eifrig ergeben ist, auch der sagt
meinem Sinne nicht zu; und auch jener Mensch, o Herr, der ein
Selbstquäler, der Uebung der Selbstquaal eifrig ergeben ist,
und ein Nächstenquäler, der Uebung der Nächstenquaal eifrig
ergeben ist, auch der sagt meinem Sinne nicht zu; aber jener
Mensch, o Herr, der weder ein Selbstquäler, nicht der Uebung
der Selbstquaal eifrig ergeben ist, noch ein Nächstenquäler,
nicht der Uebung der Nächstenquaal eifrig ergeben ist: der ohne
Selbstquaal, ohne Nächstenquaal schon bei Lebzeiten ausgeglüht,
erloschen, kühl geworden ist, sich wohlfühlt, heilig geworden
im Herzen: der sagt meinem Sinne zu.«
»Warum aber, Pesso, sagen jene drei Menschen deinem Sinne nicht
zu?«
»Jener Mensch, o Herr, der ein Selbstquäler, der Uebung der
Selbstquaal eifrig ergeben ist, der lässt sich selber, der Wohl
begehrt und Wehe verabscheut, Quaal und Pein erleiden: darum
sagt jener Mensch meinem Sinne nicht zu; und jener Mensch, o
Herr, der ein Nächstenquäler, der Uebung der Nächstenquaal
eifrig ergeben ist, der lässt den Nächsten, der Wohl begehrt
und Wehe verabscheut, Quaal und Pein erleiden: darum sagt jener
Mensch meinem Sinne nicht zu; und jener Mensch, o Herr, der ein
Selbstquäler, der Uebung der Selbstquaal eifrig ergeben ist, 342
und ein Nächstenquäler, der Uebung der Nächstenquaal eifrig
ergeben ist, der lässt sich wie den Nächsten, die Wohl begehren
und Wehe verabscheuen, Quaal und Pein erleiden: darum sagt
jener Mensch meinem Sinne nicht zu; aber jener Mensch, o Herr,
der weder ein Selbstquäler, nicht der Uebung der Selbstquaal
eifrig ergeben ist, noch ein Nächstenquäler, nicht der Uebung
der Nächstenquaal eifrig ergeben ist: der ohne Selbstquaal,
ohne Nächstenquaal schon bei Lebzeiten ausgeglüht, erloschen,
kühl geworden ist, sich wohlfühlt, heilig geworden im Herzen:
dieser Mensch sagt meinem Sinne darum zu. -- Wohlan denn,
jetzt, o Herr, wollen wir gehn: manche Pflicht wartet unser,
manche Obliegenheit.«
»Wie es dir nun, Pesso, belieben mag.«
Und Pesso, der Sohn des Elephantenlenkers, durch des Erhabenen
Rede erfreut und befriedigt, stand von seinem Sitze auf,
begrüßte den Erhabenen ehrerbietig, schritt rechts herum und
ging fort.
Da wandte sich nun der Erhabene, bald nachdem Pesso, der Sohn
des Elephantenlenkers, fortgegangen war, also an die Mönche:
»Weise, ihr Mönche, ist Pesso, der Sohn des Elephantenlenkers,
wissensmächtig, ihr Mönche, ist Pesso, der Sohn des
Elephantenlenkers. Wäre Pesso, ihr Mönche, der Sohn des
Elephantenlenkers, noch eine Weile geblieben, bis ich ihm diese
vier Arten von Menschen ausführlich erklärt hätte, großen
Gewinn hätt’ er mit sich genommen. Aber, ihr Mönche, auch so
schon hat Pesso, der Sohn des Elephantenlenkers, viel gewonnen.«
»Da ist es, Erhabener, Zeit, da ist es, Willkommener, Zeit,
dass der Erhabene diese vier Arten von Menschen ausführlich
erkläre: des Erhabenen Wort werden die Mönche bewahren.«
»Wohlan denn, ihr Mönche, so höret und achtet wohl auf meine
Rede.«
»Gewiss, o Herr!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen
aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»Was ist das nun, ihr Mönche, für ein Mensch, der ein
Selbstquäler, der Uebung der Selbstquaal eifrig ergeben ist?
Da ist, ihr Mönche, einer ein Unbekleideter, ein Ungebundener,
ein Handverköster, kein Ankömmling, kein Abwärtling, gestattet
keine Darreichung, keine Vergünstigung, keine Einladung, späht
beim Empfangen des Almosens nicht nach dem Topfe, nicht nach
der Schüssel, nicht über die Schwelle, nicht über das Gitter,
nicht in den Kessel hinein, nimmt nicht von zu zweit Speisenden
an, nicht von einer Schwangeren, nicht von einer Säugenden,
nicht von einer, die vom Manne kommt, nicht von Beschmutzten,
nicht wo ein Hund dabei steht, nicht wo Fliegen hin und her
schwärmen, isst keinen Fisch, kein Fleisch, trinkt keinen
Wein, kein gebranntes Wasser, keinen gegohrenen Haferschleim.
Er geht zu einem Hause und begnügt sich mit einer handvoll
Almosenspeise; geht zu zwei Häusern und begnügt sich mit zwei
handvoll Almosenspeise; geht zu sieben Häusern und begnügt
sich mit sieben handvoll Almosenspeise. Er fristet sein Leben
durch die Mildthätigkeit von nur einer Spenderin, von nur
zwei Spenderinen, von nur sieben Spenderinen. Er nimmt nur
jeden ersten Tag Nahrung ein, nur jeden zweiten Tag, nur jeden 343
siebenten Tag. Solcherart wechselnd beobachtet er streng diese
bis auf einen halben Monat ausgedehnte Fastenübung. Oder er
lebt von Kräutern und Pilzen, von wildem Reis und Korn, von
Saamen und Kernen, von Pflanzenmilch und Baumharz, von Gräsern,
von Kuhmist, fristet sich von Wurzeln und Früchten des Waldes,
lebt von abgefallenen Früchten. Auch trägt er das hänfene Hemd,
trägt das härene Hemd, trägt einen Rock, geflickt aus den im
Leichenhof und auf der Straße gefundenen Fetzen, hüllt sich
in Lumpen, in Felle, in Häute, gürtet sich mit Flechten aus
Gras, mit Flechten aus Rinde, mit Flechten aus Laub, birgt
die Blöße unter pelzigem Schurze, unter borstigem Schurze,
unter einem Eulenflügel. Und er rauft sich Haupt- und Barthaar
aus, die Regel der Haar- und Bartausraufer befolgend; ist ein
Stetigsteher, verwirft Sitz und Lager; ist ein Fersensitzer,
übt die Zucht der Fersensitzer; ist Dornenseitiger und legt
sich zur Seite auf ein Dornenlager; steigt allabendlich zum
dritten Mal herab ins Büßerbad. So übt er sich gar vielfach in
des Körpers inbrünstiger Schmerzensaskese. Den heißt man, ihr
Mönche, einen Menschen, der ein Selbstquäler, der Uebung der
Selbstquaal eifrig ergeben ist.
»Was ist das aber, ihr Mönche, für ein Mensch, der ein
Nächstenquäler, der Uebung der Nächstenquaal eifrig ergeben
ist? Da ist, ihr Mönche, einer ein Schlächter, der Schaafe und
Schweine schlachtet, ist ein Vogelfänger, ein Wildsteller, ein
Jäger, ein Fischer, ein Räuber, ein Henker, ein Kerkermeister,
oder was man da sonst noch anderes als grausames Handwerk
betreibt. Den heißt man, ihr Mönche, einen Menschen, der ein
Nächstenquäler, der Uebung der Nächstenquaal eifrig ergeben ist.
»Was ist das aber, ihr Mönche, für ein Mensch, der ein
Selbstquäler, der Uebung der Selbstquaal eifrig ergeben ist,
und der ein Nächstenquäler, der Uebung der Nächstenquaal
eifrig ergeben ist? Da ist, ihr Mönche, einer ein König, ein
Herrscher, dessen Scheitel gesalbt ist, oder ein hochmögender
Priester. Der hat im Osten der Stadt ein neues Herrenhaus
errichten lassen. Und mit geschorenem Haar und Barte, mit
rauhem Felle gegürtet, mit Butteröl am Körper bestrichen,
den Rücken mit einem Hirschhorne reibend tritt er in das
Herrenhaus ein, begleitet von der ersten Gemahlin und dem
Oberpriester. Dort nimmt er im offenen Hofe, von wo man das
Gras entfernt hat, Platz. Einer Kuh, die ein ihr gleichendes
Kalb bei sich hat, wird an dem einen Euter die Milch
ausgemolken, und damit der König bedient; wird an dem zweiten 344
Euter die Milch ausgemolken, und damit die Königin bedient;
wird an dem dritten Euter die Milch ausgemolken, und damit
der Oberpriester bedient; wird an dem vierten Euter die Milch
ausgemolken, und damit dem Feuer geopfert. Was noch bleibt
wird dem Kalbe gelassen. Und er gebietet: ›Soviele Stiere
sollen erschlagen werden um des Opfers willen, soviele Farren
sollen erschlagen werden um des Opfers willen, soviele Färsen
sollen erschlagen werden um des Opfers willen, soviele Ziegen
sollen erschlagen werden um des Opfers willen, soviele Schaafe
sollen erschlagen werden um des Opfers willen, soviele Bäume
sollen gefällt werden, als Pfosten zu dienen, soviel Gras soll
gemäht werden, als Streu zu dienen!‹ Und seine Knechte und
Söldner und Werkleute gehn aus Furcht vor Strafe, von Angst
eingeschüchtert, mit thränenden Augen klagend daran, den Befehl
auszuführen. Den heißt man, ihr Mönche, einen Menschen, der
ein Selbstquäler, der Uebung der Selbstquaal eifrig ergeben
ist, und der ein Nächstenquäler, der Uebung der Nächstenquaal
eifrig ergeben ist.[2]
»Was ist das aber, ihr Mönche, für ein Mensch, der weder
ein Selbstquäler, nicht der Uebung der Selbstquaal eifrig
ergeben ist, noch ein Nächstenquäler, nicht der Uebung der
Nächstenquaal eifrig ergeben ist: der ohne Selbstquaal, ohne
Nächstenquaal schon bei Lebzeiten ausgeglüht, erloschen, kühl
geworden ist, sich wohlfühlt, heilig geworden im Herzen? Da
erscheint, ihr Mönche, der Vollendete in der Welt, der Heilige,
vollkommen Erwachte, der Wissens- und Wandelsbewährte, der
Willkommene, der Welt Kenner, der unvergleichliche Leiter
der Männerheerde, der Meister der Götter und Menschen,
der Erwachte, der Erhabene. Er zeigt diese Welt mit ihren
Göttern, ihren bösen und heiligen Geistern, mit ihrer Schaar
von Priestern und Büßern, Göttern und Menschen, nachdem er
sie selbst verstanden und durchdrungen hat. Er verkündet die
Lehre, deren Anfang begütigt, deren Mitte begütigt, deren Ende
begütigt, die sinn- und wortgetreue, er legt das vollkommen
geläuterte, geklärte Asketenthum dar.
»Diese Lehre hört ein Hausvater, oder der Sohn eines
Hausvaters, oder einer, der in anderem Stande neugeboren ward.
Nachdem er diese Lehre gehört hat, fasst er Vertrauen zum
Vollendeten. Von diesem Vertrauen erfüllt denkt und überlegt er
also: ›Ein Gefängniss ist die Häuslichkeit, ein Schmutzwinkel;
der freie Himmelsraum die Pilgerschaft. Nicht wohl geht es,
wenn man im Hause bleibt, das völlig geläuterte, völlig
geklärte Asketenthum Punkt für Punkt zu erfüllen.[3] Wie, wenn
ich nun, mit geschorenem Haar und Barte, mit fahlem Gewande
bekleidet, aus dem Hause in die Hauslosigkeit hinauszöge?‹ So
giebt er denn später einen kleinen Besitz oder einen großen
Besitz auf, hat einen kleinen Verwandtenkreis oder einen großen 345
Verwandtenkreis verlassen, und ist mit geschorenem Haar und
Barte, im fahlen Gewande vom Hause fort in die Hauslosigkeit
gezogen.
»Er ist nun Pilger geworden und hat die Ordenspflichten der
Mönche auf sich genommen. Lebendiges umzubringen hat er
verworfen, Lebendiges umzubringen liegt ihm fern: ohne Stock,
ohne Schwerdt, fühlsam, voll Theilnahme, hegt er zu allen
lebenden Wesen Liebe und Mitleid. Nichtgegebenes zu nehmen hat
er verworfen, vom Nehmen des Nichtgegebenen hält er sich fern:
Gegebenes nimmt er, Gegebenes wartet er ab, nicht diebisch
gesinnt, rein gewordenen Herzens. Die Unkeuschheit hat er
verworfen, keusch lebt er: fern zieht er hin, entrathen der
Paarung, dem gemeinen Gesetze. Lüge hat er verworfen, von Lüge
hält er sich fern: die Wahrheit spricht er, der Wahrheit ist
er ergeben, standhaft, vertrauenswürdig, kein Häuchler und
Schmeichler der Welt. Das Ausrichten hat er verworfen, vom
Ausrichten hält er sich fern: was er hier gehört hat erzählt er
dort nicht wieder, um jene zu entzweien, und was er dort gehört
hat erzählt er hier nicht wieder, um diese zu entzweien; so
einigt er Entzweite, festigt Verbundene, Eintracht macht ihn
froh, Eintracht freut ihn, Eintracht beglückt ihn, Eintracht
fördernde Worte spricht er. Barsche Worte hat er verworfen, von
barschen Worten hält er sich fern: Worte, die frei von Schimpf
sind, dem Ohre wohlthuend, liebreich, zum Herzen dringend,
höflich, viele erfreuend, viele erhebend, solche Worte spricht
er. Plappern und Plaudern hat er verworfen, von Plappern und
Plaudern hält er sich fern: zur rechten Zeit spricht er, den
Thatsachen gemäß, auf den Sinn bedacht, der Lehre und Ordnung
getreu, seine Rede ist reich an Inhalt, gelegentlich mit
Gleichnissen geschmückt, klar und bestimmt, ihrem Gegenstande
angemessen.
»Sämereien und Pflanzungen anzulegen hat er verschmäht. Einmal
des Tags nimmt er Nahrung zu sich, nachts ist er nüchtern,
fern liegt es ihm zur Unzeit zu essen. Von Tanz, Gesang,
Spiel, Schaustellungen hält er sich fern. Kränze, Wohlgerüche,
Salben, Schmuck, Zierrath, Putz weist er ab. Hohe, prächtige
Lagerstätten verschmäht er. Gold und Silber nimmt er nicht
an. Rohes Getreide nimmt er nicht an. Rohes Fleisch nimmt er
nicht an. Frauen und Mädchen nimmt er nicht an. Diener und
Dienerinen nimmt er nicht an. Ziegen und Schaafe nimmt er nicht
an. Hühner und Schweine nimmt er nicht an. Elephanten, Rinder
und Rosse nimmt er nicht an. Haus und Feld nimmt er nicht an.
Botschaften, Sendungen, Aufträge übernimmt er nicht. Von Kauf
und Verkauf hält er sich fern. Von falschem Maaß und Gewicht
hält er sich fern. Von den schiefen Wegen der Bestechung, 346
Täuschung, Niedertracht hält er sich fern. Von Raufereien,
Schlägereien, Händeln, vom Rauben, Plündern und Zwingen hält er
sich fern.
»Er ist zufrieden mit dem Gewande, das seinen Leib deckt,
mit der Almosenspeise, die sein Leben fristet. Wohin er auch
pilgert, nur mit dem Gewande und der Almosenschaale versehn
pilgert er. Gleichwie da etwa ein beschwingter Vogel, wohin er
auch fliegt, nur mit der Last seiner Federn fliegt, ebenso auch
ist der Mönch mit dem Gewande zufrieden, das seinen Leib deckt,
mit der Almosenspeise, die sein Leben fristet. Wohin er auch
wandert, nur damit versehn wandert er.
»Durch die Erfüllung dieser heiligen Tugendsatzung empfindet er
ein inneres fleckenloses Glück.
»Erblickt er nun mit dem Gesichte eine Form, so fasst er
keine Neigung, fasst keine Absicht. Da Begierde und Missmuth,
böse und schlechte Gedanken gar bald den überwältigen, der
unbewachten Gesichtes verweilt, befleißigt er sich dieser
Bewachung, er hütet das Gesicht, er wacht eifrig über das
Gesicht.
»Hört er nun mit dem Gehöre einen Ton,
»Riecht er nun mit dem Geruche einen Duft,
»Schmeckt er nun mit dem Geschmacke einen Saft,
»Tastet er nun mit dem Getaste eine Tastung,
»Erkennt er nun mit dem Gedenken ein Ding, so fasst er keine
Neigung, fasst keine Absicht. Da Begierde und Missmuth,
böse und schlechte Gedanken gar bald den überwältigen, der
unbewachten Gedenkens verweilt, befleißigt er sich dieser
Bewachung, er hütet das Gedenken, er wacht eifrig über das
Gedenken.
»Durch die Erfüllung dieser heiligen Sinnenzügelung empfindet
er ein inneres ungetrübtes Glück.
»Klar bewusst kommt er und geht er, klar bewusst blickt er
hin, blickt er weg, klar bewusst regt und bewegt er sich, klar
bewusst trägt er des Ordens Gewand und Almosenschaale, klar
bewusst isst und trinkt, kaut und schmeckt er, klar bewusst
entleert er Koth und Harn, klar bewusst geht und steht und
sitzt er, schläft er ein, wacht er auf, spricht er und schweigt
er.
»Treu dieser heiligen Tugendsatzung, treu dieser heiligen
Sinnenzügelung, treu dieser heiligen klaren Einsicht sucht er
einen abgelegenen Ruheplatz auf, einen Hain, den Fuß eines
Baumes, eine Felsengrotte, eine Bergesgruft, einen Friedhof,
die Waldesmitte, ein Streulager in der offenen Ebene. Nach
dem Mahle, wenn er vom Almosengange zurückgekehrt ist, setzt
er sich mit verschränkten Beinen nieder, den Körper gerade
aufgerichtet, und pflegt der Einsicht. Er hat weltliche 347
Begierde verworfen und verweilt begierdelosen Gemüthes, von
Begierde läutert er sein Herz. Gehässigkeit hat er verworfen,
hasslosen Gemüthes verweilt er, voll Liebe und Mitleid zu
allen lebenden Wesen läutert er sein Herz von Gehässigkeit.
Matte Müde hat er verworfen, von matter Müde ist er frei;
das Licht liebend, einsichtig, klar bewusst, läutert er sein
Herz von matter Müde. Stolzen Unmuth hat er verworfen, er ist
frei von Stolz; innig beruhigten Gemüthes läutert er sein
Herz von stolzem Unmuth. Das Schwanken hat er verworfen, der
Ungewissheit ist er entronnen; er zweifelt nicht am Guten, vom
Schwanken läutert er sein Herz.
»Er hat nun diese fünf Hemmungen aufgehoben, hat die Schlacken
des Gemüthes kennen gelernt, die lähmenden; gar fern von
Begierden, fern von unheilsamen Dingen lebt er in sinnend
gedenkender ruhegeborener säliger Heiterkeit, in der Weihe der
ersten Schauung.
»Weiter sodann, ihr Mönche: nach Vollendung des Sinnens und
Gedenkens gewinnt der Mönch die innere Meeresstille[4], die
Einheit des Gemüthes, die von sinnen, von gedenken freie, in
der Einigung geborene sälige Heiterkeit, die Weihe der zweiten
Schauung.
»Weiter sodann, ihr Mönche: in heiterer Ruhe verweilt der Mönch
gleichmüthig, einsichtig, klar bewusst, ein Glück empfindet
er im Körper, von dem die Heiligen sagen: ›Der gleichmüthig
Einsichtige lebt beglückt‹; so gewinnt er die Weihe der dritten
Schauung.
»Weiter sodann, ihr Mönche: nach Verwerfung der Freuden und
Leiden, nach Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns
erreicht der Mönch die Weihe der leidlosen, freudlosen,
gleichmüthig einsichtigen vollkommenen Reine, die vierte
Schauung.
»Solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert, gediegen,
schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, unversehrbar,
richtet er das Gemüth auf die erinnernde Erkenntniss früherer
Daseinsformen. So kann er sich an manche verschiedene
frühere Daseinsform erinnern, als wie an ein Leben, dann an
zwei Leben, dann an drei Leben, dann an vier Leben, dann an
fünf Leben, dann an zehn Leben, dann an zwanzig Leben, dann
an dreißig Leben, dann an vierzig Leben, dann an fünfzig
Leben, dann an hundert Leben, dann an tausend Leben, dann
an hunderttausend Leben, dann an die Zeiten während mancher
Weltenentstehungen, dann an die Zeiten während mancher
Weltenvergehungen, dann an die Zeiten während mancher
Weltenentstehungen-Weltenvergehungen. ›Dort war ich, jenen
Namen hatte ich, jener Familie gehörte ich an, das war mein
Stand, das mein Beruf, solches Wohl und Wehe habe ich erfahren,
so war mein Lebensende; dort verschieden trat ich anderswo
wieder ins Dasein: da war ich nun, diesen Namen hatte ich,
dieser Familie gehörte ich an, dies war mein Stand, dies mein
Beruf, solches Wohl und Wehe habe ich erfahren, so war mein
Lebensende; da verschieden trat ich hier wieder ins Dasein‹: 348
so erinnert er sich mancher verschiedenen früheren Daseinsform,
mit je den eigenthümlichen Merkmalen, mit je den eigenartigen
Beziehungen.
»Solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert,
gediegen, schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest,
unversehrbar, richtet er das Gemüth auf die Erkenntniss des
Verschwindens-Erscheinens der Wesen. So kann er mit dem
himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen
hinausreichenden, die Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen
sehn, gemeine und edle, schöne und unschöne, glückliche und
unglückliche, er kann erkennen wie die Wesen je nach den Thaten
wiederkehren. ›Diese lieben Wesen sind freilich in Thaten
dem Schlechten zugethan, in Worten dem Schlechten zugethan,
in Gedanken dem Schlechten zugethan, tadeln Heiliges, achten
Verkehrtes, thun Verkehrtes; bei der Auflösung des Leibes, nach
dem Tode, gelangen sie auf den Abweg, auf schlechte Fährte,
zur Tiefe hinab, in untere Welt. Jene lieben Wesen sind aber
in Thaten dem Guten zugethan, in Worten dem Guten zugethan,
in Gedanken dem Guten zugethan, tadeln nicht Heiliges, achten
Rechtes, thun Rechtes; bei der Auflösung des Leibes, nach dem
Tode, gelangen sie auf gute Fährte, in sälige Welt‹: so kann
er mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche
Gränzen hinausreichenden, die Wesen dahinschwinden und
wiedererscheinen sehn, gemeine und edle, schöne und unschöne,
glückliche und unglückliche, er kann erkennen wie die Wesen je
nach den Thaten wiederkehren.
»Solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert, gediegen,
schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, unversehrbar,
richtet er das Gemüth auf die Erkenntniss der Wahnversiegung.
›Das ist das Leiden‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist
die Leidensentwicklung‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist
die Leidensauflösung‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist
der zur Leidensauflösung führende Pfad‹ erkennt er der Wahrheit
gemäß. ›Das ist der Wahn‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das
ist die Wahnentwicklung‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das
ist die Wahnauflösung‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist
der zur Wahnauflösung führende Pfad‹ erkennt er der Wahrheit
gemäß.
»Also erkennend, also sehend wird da sein Gemüth erlöst
vom Wunscheswahn, erlöst vom Daseinswahn, erlöst vom
Nichtwissenswahn. ›Im Erlösten ist die Erlösung‹, diese
Erkenntniss geht auf. ›Versiegt ist die Geburt, vollendet das
Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt‹
versteht er da.
»Den heißt man, ihr Mönche, einen Menschen, der weder ein
Selbstquäler, nicht der Uebung der Selbstquaal eifrig
ergeben ist, noch ein Nächstenquäler, nicht der Uebung der
Nächstenquaal eifrig ergeben ist: der ohne Selbstquaal, ohne 349
Nächstenquaal schon bei Lebzeiten ausgeglüht, erloschen, kühl
geworden ist, sich wohlfühlt, heilig geworden im Herzen.«[5]
* * * * *
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche
über das Wort des Erhabenen.
52.
Sechster Theil Zweite Rede
DER BÜRGER VON AṬṬHAKAM
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der ehrwürdige Ānando
bei Vesālī, nahe dem Bilva-Weiler. Um diese Zeit nun war
Dasamo der Hausvater, ein Bürger von Aṭṭhakam, in Pāṭaliputtam
angekommen, irgend ein Geschäft zu erledigen.
Und Dasamo der Hausvater, der Bürger von Aṭṭhakam, begab sich
nach dem Hahnenhaine, wo einer der Mönche weilte, begrüßte
diesen ehrerbietig und setzte sich zur Seite hin. Zur Seite
sitzend sprach nun Dasamo der Hausvater, der Bürger von
Aṭṭhakam, also zu dem Mönche:
»Wo hält sich denn, o Herr, der ehrwürdige Ānando jetzt auf?
Wir möchten jenen ehrwürdigen Ānando gerne sehn.«
»Der ehrwürdige Ānando, Hausvater, der hält sich bei Vesālī
auf, nahe dem Bilva-Weiler.«
Als nun Dasamo der Hausvater, der Bürger von Aṭṭhakam, sein
Geschäft in Pāṭaliputtam erledigt hatte, begab er sich nach
Vesālī, zum Bilva-Weiler, dorthin wo der ehrwürdige Ānando
weilte, begrüßte ihn ehrerbietig und setzte sich zur Seite hin.
Zur Seite sitzend sprach nun Dasamo der Hausvater, der Bürger
von Aṭṭhakam, also zum ehrwürdigen Ānando:
»Ist wohl, Herr Ānando, von Ihm, dem Erhabenen, dem Kenner, dem
Seher, dem Heiligen, vollkommen Erwachten, eine Weise angegeben
worden, wobei dem Mönche, der unermüdlich, in heißem,
innigem Ernste beharrt, das unerlöste Gemüth sich löst, der
unversiegte Wahn zur Versiegung kommt, wo man die unerreichte
unvergleichliche Sicherheit erreicht?«
»Es ist, Hausvater, von Ihm, dem Erhabenen, dem Kenner,
dem Seher, dem Heiligen, vollkommen Erwachten, eine Weise 350
angegeben worden, wobei dem Mönche, der unermüdlich, in heißem,
innigem Ernste beharrt, das unerlöste Gemüth sich löst, und
der unversiegte Wahn zur Versiegung kommt, und wo man die
unerreichte unvergleichliche Sicherheit erreicht.«
»Was ist das aber, Herr Ānando, für eine Weise, die von Ihm,
dem Erhabenen, dem Kenner, dem Seher, dem Heiligen, vollkommen
Erwachten angegeben wurde, wobei dem Mönche, der unermüdlich,
in heißem, innigem Ernste beharrt, das unerlöste Gemüth sich
löst, und der unversiegte Wahn zur Versiegung kommt, und wo man
die unerreichte unvergleichliche Sicherheit erreicht?«
»Da weilt, Hausvater, ein Mönch, gar fern von Begierden, fern
von unheilsamen Dingen, in sinnend gedenkender ruhegeborener
säliger Heiterkeit, in der Weihe der ersten Schauung. Und er
überlegt also: ›Auch diese erste Schauung ist zusammengesetzt,
zusammengesonnen: was aber irgend zusammengesetzt,
zusammengesonnen ist, das ist wandelbar, muss untergehn‹: so
erkennt er. Und dahin gekommen erlangt er die Wahnversiegung.
Erlangt er aber die Wahnversiegung nicht, so wird er eben bei
seiner Begier nach Wahrheit, bei seinem Genusse der Wahrheit
die fünf niederzerrenden Fesseln vernichten und emporsteigen,
um von dort aus zu erlöschen, nicht mehr zurückzukehren nach
jener Welt. Das aber, Hausvater, ist von Ihm, dem Erhabenen,
dem Kenner, dem Seher, dem Heiligen, vollkommen Erwachten, als
eine Weise angegeben worden, wobei dem Mönche, der unermüdlich,
in heißem, innigem Ernste beharrt, das unerlöste Gemüth sich
löst, und der unversiegte Wahn zur Versiegung kommt, und wo man
die unerreichte unvergleichliche Sicherheit erreicht.
»Weiter sodann, Hausvater: nach Vollendung des Sinnens und
Gedenkens gewinnt der Mönch die innere Meeresstille, die
Einheit des Gemüthes, die von sinnen, von gedenken freie, in
der Einigung geborene sälige Heiterkeit, die Weihe der zweiten
Schauung -- die Weihe der dritten Schauung -- die Weihe der
vierten Schauung. Und er überlegt also: ›Auch diese vierte
Schauung ist zusammengesetzt, zusammengesonnen: was aber irgend
zusammengesetzt, zusammengesonnen ist, das ist wandelbar,
muss untergehn‹: so erkennt er. Und dahin gekommen erlangt
er die Wahnversiegung. Erlangt er aber die Wahnversiegung
nicht, so wird er eben bei seiner Begier nach Wahrheit,
bei seinem Genusse der Wahrheit die fünf niederzerrenden
Fesseln vernichten und emporsteigen, um von dort aus zu
erlöschen, nicht mehr zurückzukehren nach jener Welt. Das
aber, Hausvater, ist von Ihm, dem Erhabenen, dem Kenner, dem
Seher, dem Heiligen, vollkommen Erwachten, als eine Weise 351
angegeben worden, wobei dem Mönche, der unermüdlich, in heißem,
innigem Ernste beharrt, das unerlöste Gemüth sich löst, und
der unversiegte Wahn zur Versiegung kommt, und wo man die
unerreichte unvergleichliche Sicherheit erreicht.
»Weiter sodann, Hausvater: liebevollen Gemüthes -- erbarmenden
Gemüthes -- freudevollen Gemüthes -- unbewegten Gemüthes
weilend strahlt der Mönch nach einer Richtung, dann nach einer
zweiten, dann nach der dritten, dann nach der vierten, ebenso
nach oben und nach unten: überall in allem sich wiedererkennend
durchstrahlt er die ganze Welt mit unbewegtem Gemüthe, mit
weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem.
Und er überlegt also: ›Auch diese unbewegte Gemütherlösung
ist zusammengesetzt, zusammengesonnen: was aber irgend
zusammengesetzt, zusammengesonnen ist, das ist wandelbar,
muss untergehn‹: so erkennt er. Und dahin gekommen erlangt 352
er die Wahnversiegung. Erlangt er aber die Wahnversiegung
nicht, so wird er eben bei seiner Begier nach Wahrheit,
bei seinem Genusse der Wahrheit die fünf niederzerrenden
Fesseln vernichten und emporsteigen, um von dort aus zu
erlöschen, nicht mehr zurückzukehren nach jener Welt. Das
aber, Hausvater, ist von Ihm, dem Erhabenen, dem Kenner, dem
Seher, dem Heiligen, vollkommen Erwachten, als eine Weise
angegeben worden, wobei dem Mönche, der unermüdlich, in heißem,
innigem Ernste beharrt, das unerlöste Gemüth sich löst, und
der unversiegte Wahn zur Versiegung kommt, und wo man die
unerreichte unvergleichliche Sicherheit erreicht.
»Weiter sodann, Hausvater: nach völliger Ueberwindung der
Formwahrnehmungen, Vernichtung der Gegenwahrnehmungen,
Verwerfung der Vielheitwahrnehmungen gewinnt der Mönch in dem
Gedanken ›Gränzenlos ist der Raum‹ das Reich des unbegränzten
Raumes -- gewinnt der Mönch nach völliger Ueberwindung der
unbegränzten Raumsphäre in dem Gedanken ›Gränzenlos ist
das Bewusstsein‹ das Reich des unbegränzten Bewusstseins --
gewinnt der Mönch nach völliger Ueberwindung der unbegränzten
Bewusstseinsphäre in dem Gedanken ›Nichts ist da‹ das Reich
des Nichtdaseins. Und er überlegt also: ›Auch dies Erfassen
der Nichtdaseinsphäre ist zusammengesetzt, zusammengesonnen:
was aber irgend zusammengesetzt, zusammengesonnen ist, das
ist wandelbar, muss untergehn‹: so erkennt er. Und dahin
gekommen erlangt er die Wahnversiegung. Erlangt er aber die
Wahnversiegung nicht, so wird er eben bei seiner Begier
nach Wahrheit, bei seinem Genusse der Wahrheit die fünf
niederzerrenden Fesseln vernichten und emporsteigen, um von
dort aus zu erlöschen, nicht mehr zurückzukehren nach jener
Welt. Das aber, Hausvater, ist von Ihm, dem Erhabenen, dem
Kenner, dem Seher, dem Heiligen, vollkommen Erwachten, als eine
Weise angegeben worden, wobei dem Mönche, der unermüdlich in
heißem, innigem Ernste beharrt, das unerlöste Gemüth sich löst,
und der unversiegte Wahn zur Versiegung kommt, und wo man die
unerreichte unvergleichliche Sicherheit erreicht.«
Nach dieser Rede wandte sich Dasamo der Hausvater, der Bürger
von Aṭṭhakam, also an den ehrwürdigen Ānando:
»Gleichwie etwa, Herr Ānando, wenn ein Mann, der eine
Schatzmulde sucht, auf einmal elf Schatzmulden fände: ebenso 353
nun auch habe ich, o Herr, der eine Pforte der Ewigkeit suchte,
auf einmal von elf Pforten der Ewigkeit erfahren. Gleichwie
etwa, o Herr, ein Mann, der ein Haus mit elf Pforten hat, bei
einer Feuersbrunst durch eine jede der Pforten sich zu retten
vermöchte: ebenso nun auch könnte ich, o Herr, durch eine
jede dieser elf Pforten der Ewigkeit mich retten. -- Da nun, o
Herr, die anderen Geistlichen gewiss nicht ausbleiben werden,
für ihren Lehrer das Lehrgeld einzusammeln[6], warum sollt’ ich
nicht auch dem ehrwürdigen Ānando meine Ehrfurcht bezeugen?«
Und Dasamo der Hausvater, der Bürger von Aṭṭhakam, bat die
Mönche von Pāṭaliputtam und von Vesālī zu Gast und bediente und
versorgte sie eigenhändig mit ausgewählter fester und flüssiger
Speise; und er gab jedem der Mönche ein neues paar Kleider, dem
ehrwürdigen Ānando den Mantel dazu. Und er ließ dem ehrwürdigen
Ānando ein Wohnhaus für fünfhundert Mönche erbauen.[7]
53.
Sechster Theil Dritte Rede
DIE SCHRITTE DES KÄMPFERS
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene im
Lande der Sakker, bei Kapilavatthu, im Park der Feigenbäume.
Damals aber hatten die Sakyer von Kapilavatthu eben erst
ein neues Herrenhaus erbauen lassen, und niemand noch hatte
darin gewohnt, kein Asket und kein Priester noch irgendein
menschliches Wesen.
Da begaben sich denn die Sakyer von Kapilavatthu dorthin wo
der Erhabene weilte, begrüßten den Erhabenen ehrerbietig und
setzten sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend sprachen nun
die Sakyer von Kapilavatthu zum Erhabenen also:
»Es ist da, o Herr, von den Sakyern in Kapilavatthu ein neues
Herrenhaus errichtet worden, und niemand noch hat es bewohnt,
kein Asket und kein Priester, noch irgendein menschliches
Wesen. Das möge, o Herr, der Erhabene zuerst benutzen: vom
Erhabenen zuerst benutzt, werden es dann die Sakyer von
Kapilavatthu benutzen. So soll es den Sakyern von Kapilavatthu
lange zum Wohle, zum Heile gereichen!«[8] 354
Schweigend gewährte der Erhabene die Bitte.
Als nun die Sakyer von Kapilavatthu der Zustimmung des
Erhabenen sicher waren, standen sie auf, begrüßten den
Erhabenen ehrerbietig, gingen rechts herum und begaben sich
nach dem Herrenhause. Dort ließen sie den Boden ganz mit Matten
bedecken[9], die Stühle bereit richten, einen Eimer mit Wasser
aufstellen und eine Oellampe zurecht machen. Dann kehrten sie
wieder zum Erhabenen zurück, verneigten sich ehrerbietig vor
dem Erhabenen und standen seitwärts. Seitwärts stehend sprachen
nun die Sakyer von Kapilavatthu zum Erhabenen also:
»Ganz mit Matten bedeckt, o Herr, ist der Boden des Hauses, die
Stühle stehn bereit, ein Eimer mit Wasser ist aufgestellt, eine
Oellampe zurecht gemacht: wie es nun, o Herr, dem Erhabenen
belieben mag.«
Da hat denn der Erhabene sich gerüstet, Mantel und Schaale
genommen und ist in Begleitung der Jüngerschaar zum Herrenhause
hingeschritten. Dort angelangt spülte der Erhabene die Füße
ab, trat in den Saal ein und setzte sich nahe dem mittleren
Pfeiler, gegen Osten gewendet, nieder. Und auch die
begleitenden Mönche spülten die Füße ab, traten in den Saal
ein und setzten sich nahe der westlichen Wand, gegen Osten
gewendet, nieder, so dass der Erhabene ihnen voransaß. Und auch
die Sakyer von Kapilavatthu spülten die Füße ab, traten in den
Saal ein und setzten sich nahe der östlichen Wand, gegen Westen
gewendet, nieder, so dass der Erhabene ihnen voransaß.
Nachdem nun der Erhabene die Sakker von Kapilavatthu bis tief
in die Nacht in lehrreichem Gespräche ermuntert, ermuthigt,
erregt und erheitert hatte, wandte er sich an den ehrwürdigen
Ānando:
»Besinne dich, Ānando, den Sakyern von Kapilavatthu zuliebe auf
die ›Schritte des Kämpfers‹; der Rücken ist mir ermüdet: den
will ich ausstrecken.«
»Gern, o Herr!« erwiderte da der ehrwürdige Ānando, dem
Erhabenen gehorchend.
Und der Erhabene spreitete den Mantel, vierfach gefaltet, aus
und legte sich auf die rechte Seite wie der Löwe hin, einen Fuß
über dem anderen, gesammelten Sinnes, der Zeit des Aufstehns
gedenkend.
Und der ehrwürdige Ānando wandte sich nun also an Mahānāmo den
Sakyer:
»Da ist, Mahānāmo, der heilige Jünger tüchtig in Tugend, die
Thore der Sinne hütet er, beim Essen weiß er Maaß zu halten, er
weiht sich der Wachsamkeit, sieben rechte Eigenschaften eignen
ihm, und die vier Schauungen, die das Herz erquicken, schon im
Leben besäligen, die kann er nach Wunsch gewinnen, in ihrer
Fülle und Weite.
»Wie aber ist, Mahānāmo, der heilige Jünger tüchtig in Tugend? 355
Da ist, Mahānāmo, der heilige Jünger tugendhaft, in reiner
Zucht richtig gezügelt bleibt er lauter im Handel und Wandel:
vor geringstem Fehl auf der Hut kämpft er beharrlich weiter,
Schritt um Schritt. Also ist, Mahānāmo, der heilige Jünger
tugendhaft.
»Wie aber hütet, Mahānāmo, der heilige Jünger die Thore der
Sinne? Hat da, Mahānāmo, der heilige Jünger mit dem Gesichte
eine Form erblickt, so fasst er keine Neigung, fasst keine
Absicht. Da Begierde und Missmuth, böse und schlechte Gedanken
gar bald den überwältigen, der unbewachten Gesichtes verweilt,
befleißigt er sich dieser Bewachung, er hütet das Gesicht, er
wacht eifrig über das Gesicht. Hat er mit dem Gehöre einen Ton
gehört -- hat er mit dem Geruche einen Duft gerochen -- hat
er mit dem Geschmacke einen Saft geschmeckt -- hat er mit dem
Getaste eine Tastung getastet -- hat er mit dem Gedenken ein
Ding erkannt, so fasst er keine Neigung, fasst keine Absicht.
Da Begierde und Missmuth, böse und schlechte Gedanken gar
bald den überwältigen, der unbewachten Gedenkens verweilt,
befleißigt er sich dieser Bewachung, er hütet das Gedenken,
er wacht eifrig über das Gedenken. Also hütet, Mahānāmo, der
heilige Jünger die Thore der Sinne.
»Wie aber weiß, Mahānāmo, der heilige Jünger beim Essen Maaß
zu halten? Da nimmt, Mahānāmo, der heilige Jünger gründlich
besonnen die Nahrung ein, nicht etwa zur Letzung und Ergetzung,
nicht zur Schmuckheit und Zier, sondern nur um diesen Körper zu
erhalten, zu fristen, um Schaden zu verhüten, um ein heiliges
Leben führen zu können: ›So werd’ ich das frühere Gefühl
abtödten und ein neues Gefühl nicht aufkommen lassen, und
ich werde ein Fortkommen haben, ohne Tadel bestehn, mich wohl
befinden.‹ Also weiß, Mahānāmo, der heilige Jünger beim Essen
Maaß zu halten.
»Wie aber weiht sich, Mahānāmo, der heilige Jünger der
Wachsamkeit? Da läutert, Mahānāmo, der heilige Jünger bei Tage,
gehend und sitzend, das Gemüth von trübenden Dingen; läutert in
den ersten Stunden der Nacht, gehend und sitzend, das Gemüth
von trübenden Dingen; legt sich in den mittleren Stunden der
Nacht auf die rechte Seite wie der Löwe hin, einen Fuß über dem
anderen, gesammelten Sinnes, der Zeit des Aufstehns gedenkend;
läutert in den letzten Stunden der Nacht, wieder aufgestanden,
gehend und sitzend, das Gemüth von trübenden Dingen. Also weiht
sich, Mahānāmo, der heilige Jünger der Wachsamkeit.
»Wie aber eignen, Mahānāmo, dem heiligen Jünger sieben rechte 356
Eigenschaften? Da hat, Mahānāmo, der heilige Jünger Zutrauen,
er traut der Wachheit des Vollendeten, so zwar: ›Das ist der
Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte, der Wissens-
und Wandelsbewährte, der Willkommene, der Welt Kenner, der
unvergleichliche Leiter der Männerheerde, der Meister der
Götter und Menschen, der Erwachte, der Erhabene.‹ Und er ist
schaamhaft, er schämt sich Schlechtes in Werken, Worten und
Gedanken zu begehn, er wahrt sich, dass er nicht in böse,
unheilsame Dinge gerathe. Und er ist schüchtern, er scheut
sich Schlechtes in Werken, Worten und Gedanken zu begehn, er
sorgt, dass er nicht in böse, unheilsame Dinge gerathe. Und
er hat viel gehört, ist Behälter des Wortes, Hort des Wortes
der Lehre; und was da am Anfang begütigt, in der Mitte
begütigt, am Ende begütigt und sinn- und wortgetreu das
vollkommen geläuterte, geklärte Asketenthum überliefert: das
kennt er, behält er, beherrscht er mit der Rede, bewahrt es im
Gedächtniss, hat es von Grund aus verstanden. Und er hat den
Muth und die Kraft unheilsame Dinge zu verleugnen und heilsame
Dinge zu erringen, er dauert stark und standhaft aus, giebt
den heilsamen Kampf nicht auf. Und er hat Einsicht, ist mit
höchster Geistesgegenwart begabt: was da einst gethan, einst
gesagt wurde, daran denkt er, daran erinnert er sich. Und er
ist witzig, mit der Weisheit begabt, die Aufgang und Untergang
sieht, mit der heiligen, durchdringenden, die zur völligen
Leidensversiegung führt. Also eignen, Mahānāmo, dem heiligen
Jünger sieben rechte Eigenschaften.
»Und wie, Mahānāmo, kann der heilige Jünger die vier
Schauungen, die das Herz erquicken, schon im Leben besäligen,
nach Wunsch gewinnen, in ihrer Fülle und Weite? Da weilt,
Mahānāmo, der heilige Jünger, gar fern von Begierden, fern
von unheilsamen Dingen, in sinnend gedenkender ruhegeborener
säliger Heiterkeit, in der Weihe der ersten Schauung. Nach
Vollendung des Sinnens und Gedenkens erreicht er die innere
Meeresstille, die Einheit des Gemüthes, die von sinnen, von
gedenken freie, in der Einigung geborene sälige Heiterkeit, die
Weihe der zweiten Schauung. In heiterer Ruhe, gleichmüthig,
einsichtig, klar bewusst weilt er, ein Glück empfindet er
im Körper, von dem die Heiligen sagen: ›Der gleichmüthig
Einsichtige lebt beglückt‹; so erwirkt er die Weihe der
dritten Schauung. Nach Verwerfung der Freuden und Leiden, nach
Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns erwirkt er
die Weihe der leidlosen, freudlosen, gleichmüthig einsichtigen
vollkommenen Reine, die vierte Schauung. Also kann, Mahānāmo,
der heilige Jünger die vier Schauungen, die das Herz erquicken,
schon im Leben besäligen, nach Wunsch gewinnen, in ihrer Fülle
und Weite.
»Ist nun, Mahānāmo, der heilige Jünger also tüchtig in Tugend,
hütet er also die Thore der Sinne, weiß er also beim Essen
Maaß zu halten, weiht er sich also der Wachsamkeit, eignen
ihm also sieben rechte Eigenschaften, und kann er die vier 357
Schauungen, die das Herz erquicken, schon im Leben besäligen,
also nach Wunsch gewinnen, in ihrer Fülle und Weite, so heißt
man ihn, Mahānāmo, den heiligen Jünger, der die Schritte des
Kämpfers gegangen, ja bis oben an die Verschaalung gelangt
ist, fähig zur Durchbrechung, fähig zur Erwachung, fähig die
unvergleichliche Sicherheit zu finden.
»Gleichwie etwa, Mahānāmo, wenn eine Henne ihre Eier, acht oder
zehn oder zwölf Stück, wohl bebrütet, gänzlich ausgebrütet,
völlig gar gebrütet hat; wie sollte da nicht jener Henne der
Wunsch kommen: ›Ach möchten doch meine Küchlein mit den Krallen
oder dem Schnabel die Eischaale aufhacken, möchten sie doch
heil durchbrechen!‹, und jene Küchlein sind fähig geworden
mit den Krallen oder dem Schnabel die Eischaale aufzuhacken
und heil durchzubrechen: ebenso nun auch, Mahānāmo, wird der
heilige Jünger, sobald er also tüchtig in Tugend ist, also
die Thore der Sinne hütet, also beim Essen Maaß zu halten
weiß, also der Wachsamkeit sich weiht, also sieben rechte
Eigenschaften ihm eignen, und er also die vier Schauungen,
die das Herz erquicken, schon im Leben besäligen, nach
Wunsch gewinnen kann, in ihrer Fülle und Weite, als solcher,
Mahānāmo, der heilige Jünger geheißen, der die Schritte des
Kämpfers gegangen, ja bis oben an die Verschaalung gelangt
ist, fähig zur Durchbrechung, fähig zur Erwachung, fähig die
unvergleichliche Sicherheit zu finden.
»Hat nun, Mahānāmo, ein solcher heiliger Jünger eben diese
letzte, gleichmüthig einsichtige vollkommene Reine erreicht, so
erinnert er sich mancher verschiedenen früheren Daseinsform,
mit je den eigenthümlichen Merkmalen, mit je den eigenartigen
Beziehungen. So ist er zum ersten Mal hervorgebrochen, wie das
junge Huhn aus der Eischaale.
»Hat nun, Mahānāmo, ein solcher heiliger Jünger eben diese
letzte, gleichmüthig einsichtige vollkommene Reine erreicht,
so sieht er mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über
menschliche Gränzen hinausreichenden, die Wesen dahinschwinden
und wiedererscheinen, gemeine und edle, schöne und unschöne,
glückliche und unglückliche, er erkennt wie die Wesen je
nach den Thaten wiederkehren. So ist er zum zweiten Mal
hervorgebrochen, wie das junge Huhn aus der Eischaale.
»Hat nun, Mahānāmo, ein solcher heiliger Jünger eben diese
letzte, gleichmüthig einsichtige vollkommene Reine erreicht,
so lässt er den Wahn versiegen und macht sich die wahnlose
Gemütherlösung, Weisheiterlösung noch bei Lebzeiten offenbar,
verwirklicht und erringt sie. So ist er zum dritten Mal 358
hervorgebrochen, wie das junge Huhn aus der Eischaale.
»Wenn da, Mahānāmo, der heilige Jünger tüchtig in Tugend ist,
so gilt ihm das als Wandel. Wenn da, Mahānāmo, der heilige
Jünger die Thore der Sinne hütet, so gilt ihm das als Wandel.
Wenn da, Mahānāmo, der heilige Jünger beim Essen Maaß zu halten
weiß, so gilt ihm das als Wandel. Wenn da, Mahānāmo, der
heilige Jünger sich der Wachsamkeit weiht, so gilt ihm das als
Wandel. Wenn da, Mahānāmo, dem heiligen Jünger sieben rechte
Eigenschaften eignen, so gilt ihm das als Wandel. Wenn da,
Mahānāmo, der heilige Jünger die vier Schauungen, die das Herz
erquicken, schon im Leben besäligen, nach Wunsch gewinnen kann,
in ihrer Fülle und Weite, so gilt ihm das als Wandel.
»Und wenn sich da, Mahānāmo, der heilige Jünger mancher
verschiedenen früheren Daseinsformen erinnert, so gilt ihm
das als Wissen. Und wenn da, Mahānāmo, der heilige Jünger die
Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen sieht, so gilt ihm
das als Wissen. Und wenn da, Mahānāmo, der heilige Jünger
mit der Wahnversiegung sich die wahnlose Gemütherlösung,
Weisheiterlösung noch bei Lebzeiten offenbar macht,
verwirklicht und erringt, so gilt ihm das als Wissen.
* * * * *
»Den heißt man, Mahānāmo, den heiligen Jünger, der wissend
bewährt ist, der wandelnd bewährt ist, der wissend und wandelnd
bewährt ist. -- Auch Brahmā hat da, Mahānāmo, der ewige
Jüngling, den Spruch gesagt:
›Der Krieger ist der höchste Herr
Von allen, die von Adel sind;
Der wissend, wandelnd ist bewährt
Ist höchster Herr bei Gott und Mensch.‹
Das aber ist da, Mahānāmo, ein Spruch, den Brahmā, der ewige
Jüngling, recht gesungen, nicht unrecht gesungen, recht
gesprochen, nicht unrecht gesprochen hat, der sinnig ist, nicht
unsinnig, dem der Erhabene zugestimmt hat.«
Und der Erhabene stand nun auf und wandte sich also an den
ehrwürdigen Ānando:
»Gut, gut, Ānando, gut hast du, Ānando, den Sakyern von
Kapilavatthu die ›Schritte des Kämpfers‹ gezeigt.«
* * * * *
Also hatte der ehrwürdige Ānando gesprochen, und der Meister es 359
gebilligt. Zufrieden freuten sich jene Sakyer von Kapilavatthu
über das Wort des ehrwürdigen Ānando.[10]
54.
Sechster Theil Vierte Rede
POTALIYO
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene im
Lande der Aṉguttarāper, bei Āpaṇam, einer Burg im Gebiete der
Aṉguttarāper. Und der Erhabene, zeitig gerüstet, nahm Mantel
und Schaale und ging nach Āpaṇam um Almosenspeise. Und als
der Erhabene, von Haus zu Haus tretend, Almosen erhalten,
kehrte er zurück, nahm das Mahl ein und begab sich dann in
ein nahe gelegenes Waldgehölz, für den Tag. Im Inneren dieses
Waldgehölzes setzte sich der Erhabene am Fuß eines Baumes
nieder, bis gegen Sonnenuntergang da zu verweilen.
Und auch Potaliyo der Hausvater kam, in einen weiten
Obermantel gehüllt, versehn mit Schirm und Sandalen, auf einem
Spaziergange lustwandelnd, nach dem Waldgehölze. Und er trat
in das Waldgehölz ein und kam dorthin wo der Erhabene weilte.
Dort angelangt tauschte er mit dem Erhabenen höflichen Gruß und
freundliche, denkwürdige Worte und stellte sich seitwärts hin.
Und an Potaliyo den Hausvater, der seitwärts stand, wandte sich
der Erhabene also:
»Man kann sich da, Hausvater, hinsetzen: wenn du willst sitz’
nieder.«
Also angeredet dachte Potaliyo der Hausvater bei sich:
›Hausvater hat mich der Asket Gotamo genannt!‹ Und verstimmt
und missmuthig schwieg er still.
Und zum zweiten Mal wandte sich der Erhabene also an Potaliyo
den Hausvater:
»Man kann sich da, Hausvater, hinsetzen: wenn du willst sitz’
nieder.«
Und zum zweiten Mal dachte Potaliyo der Hausvater bei sich:
›Hausvater hat mich der Asket Gotamo genannt!‹ Und verstimmt
und missmuthig schwieg er still.
Und zum dritten Mal wandte sich der Erhabene also an Potaliyo
den Hausvater:
»Man kann sich da, Hausvater, hinsetzen: wenn du willst sitz’
nieder.«
Und zum dritten Mal dachte Potaliyo der Hausvater bei sich:
›Hausvater hat mich der Asket Gotamo genannt!‹ Und verstimmt
und missmuthig sprach er also zum Erhabenen:
»Das kommt dir, o Gotamo, nicht zu, das steht dir nicht zu, 360
dass du mich mit dem Worte Hausvater angehst!«
»Du hast ja, Hausvater, Mienen, Merkmale, Kennzeichen wie sie
dem Hausvater eignen.«
»Gleichwohl hab’ ich, o Gotamo, jeder Thätigkeit entsagt, jeden
Verkehr abgeschnitten.«
»Wie denn aber hast du, Hausvater, jeder Thätigkeit entsagt,
jeden Verkehr abgeschnitten?«
»Was ich da, o Gotamo, an Geld und Gut, an Silber und Gold
besessen habe, das hab’ ich alles meinen Kindern zum Erbe
gegeben: und ich rathe da keinem zu, keinem ab, hab’ mir nur
Kost und Gewand bedungen. Also hab’ ich, o Gotamo, jeder
Thätigkeit entsagt, jeden Verkehr abgeschnitten.«
»Anders redest, Hausvater, du vom Verkehrabschneiden,
und wieder anders wird im Orden des Heiligen der Verkehr
abgeschnitten.«
»Wie denn aber, o Herr, wird im Orden des Heiligen der Verkehr
abgeschnitten? Gut wär’ es, o Herr, wenn mir der Erhabene die
Lehre so darlegen wollte, wie der Verkehr im Orden des Heiligen
abgeschnitten wird.«
»Wohlan denn, Hausvater, so höre und achte wohl auf meine Rede.«
»Ja, o Herr!« erwiderte da aufmerksam Potaliyo der Hausvater
dem Erhabenen. Der Erhabene sprach also:
»Acht Dinge sind es, Hausvater, die hier im Orden des Heiligen
den Verkehr abschneiden lassen: welche acht? Kein Wesen tödten
lässt vom Tödten der Wesen abstehn, Gegebenes nehmen lässt vom
Nehmen des Nichtgegebenen abstehn, die Wahrheit reden lässt
von der Lüge abstehn, nicht verleumden lässt von Verleumdung
abstehn, nicht begehrlich süchten lässt von begehrlicher
Sucht abstehn, nicht rügen und schelten lässt von Rügen und
Schelten abstehn, nicht wüthen und verzweifeln lässt von Wuth
und Verzweiflung abstehn, nicht anmaaßen lässt von Anmaaßung
abstehn. Das sind, Hausvater, kurz gesagt, nicht ausführlich
unterschieden, die acht Dinge, die hier im Orden des Heiligen
den Verkehr abschneiden lassen.«
»Diese acht Dinge, o Herr, vom Erhabenen kurz angegeben, nicht
ausführlich unterschieden, die hier im Orden des Heiligen
den Verkehr abschneiden lassen: möchte mir doch, o Herr, der
Erhabene diese acht Dinge ausführlich darlegen, von Mitleid
bewogen!«
»So höre denn, Hausvater, und achte wohl auf meine Rede!«
»Gewiss, o Herr!« erwiderte da aufmerksam Potaliyo der
Hausvater dem Erhabenen. Der Erhabene sprach also:
»‚Kein Wesen tödten lässt vom Tödten der Wesen abstehn‘: 361
das ist gesagt worden; und warum ist das gesagt worden? Da
überlegt, Hausvater, der heilige Jünger bei sich: ›Jene
Fesseln, die mich zum Mörder machen könnten, die beginn’ ich
zu lösen, abzuschneiden: denn wenn ich zum Mörder würde, so
möcht’ ich gar mich selber verachten, wegen des Mordes, und,
wohlüberlegt, möchten Verständige mich tadeln, wegen des
Mordes, und bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode,
stände mir üble Fährte bevor, wegen des Mordes. Das ist ja eben
die Fessel, das ist die Hemmung, nämlich der Mord. Wenn aber
durch Mord verstörendes, sehrendes Wähnen entsteht, kann es
den, der sich vom Morde fernhält, also nicht ankommen.‹ ‚Kein
Wesen tödten lässt vom Tödten der Wesen abstehn‘: wurde das
gesagt, so war es darum gesagt.
»‚Gegebenes nehmen lässt vom Nehmen des Nichtgegebenen
abstehn‘: das ist gesagt worden; und warum ist das gesagt
worden? Da überlegt, Hausvater, der heilige Jünger bei sich:
›Jene Fesseln, die mich zum Diebe machen könnten, die beginn’
ich zu lösen, abzuschneiden: denn wenn ich zum Diebe würde, so
möcht’ ich gar mich selber verachten, wegen des Diebstahls,
und, wohlüberlegt, möchten Verständige mich tadeln, wegen
des Diebstahls, und bei der Auflösung des Körpers, nach dem
Tode, stände mir üble Fährte bevor, wegen des Diebstahls.
Das ist ja eben die Fessel, das ist die Hemmung, nämlich der
Diebstahl. Wenn aber durch Diebstahl verstörendes, sehrendes
Wähnen entsteht, kann es den, der sich vom Diebstahl fernhält,
also nicht ankommen.‹ ‚Gegebenes nehmen lässt vom Nehmen des
Nichtgegebenen abstehn‘: wurde das gesagt, so war es darum
gesagt.
»‚Die Wahrheit reden lässt von der Lüge abstehn‘: das ist
gesagt worden; und warum ist das gesagt worden? Da überlegt,
Hausvater, der heilige Jünger bei sich: ›Jene Fesseln, die
mich zum Lügner machen könnten, die beginn’ ich zu lösen,
abzuschneiden: denn wenn ich zum Lügner würde, so möcht’ ich
gar mich selber verachten, wegen der Lüge, und, wohlüberlegt,
möchten Verständige mich tadeln, wegen der Lüge, und bei der
Auflösung des Körpers, nach dem Tode, stände mir üble Fährte
bevor, wegen der Lüge. Das ist ja eben die Fessel, das ist die
Hemmung, nämlich die Lüge. Wenn aber durch Lüge verstörendes,
sehrendes Wähnen entsteht, kann es den, der sich von der Lüge 362
fernhält, also nicht ankommen.‹ ‚Die Wahrheit reden lässt von
der Lüge abstehn‘: wurde das gesagt, so war es darum gesagt.
»‚Nicht verleumden lässt von Verleumdung abstehn‘: das ist
gesagt worden; und warum ist das gesagt worden? Da überlegt,
Hausvater, der heilige Jünger bei sich: ›Jene Fesseln, die
mich zum Verleumder machen könnten, die beginn’ ich zu lösen,
abzuschneiden: denn wenn ich zum Verleumder würde, so möcht’
ich gar mich selber verachten, wegen der Verleumdung, und,
wohlüberlegt, möchten Verständige mich tadeln, wegen der
Verleumdung, und bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode,
stände mir üble Fährte bevor, wegen der Verleumdung. Das ist ja
eben die Fessel, das ist die Hemmung, nämlich Verleumden. Wenn
aber durch Verleumden verstörendes, sehrendes Wähnen entsteht,
kann es den, der sich von Verleumden fernhält, also nicht
ankommen.‹ ‚Nicht verleumden lässt von Verleumdung abstehn‘:
wurde das gesagt, so war es darum gesagt.
»‚Nicht begehrlich süchten lässt von begehrlicher Sucht
abstehn‘: das ist gesagt worden; und warum ist das gesagt
worden? Da überlegt, Hausvater, der heilige Jünger bei sich:
›Jene Fesseln, die mich begehrlich süchten ließen, die beginn’
ich zu lösen, abzuschneiden: denn wenn ich begehrlicher Sucht
fröhnte, so möcht’ ich gar mich selber verachten, wegen
begehrlicher Sucht, und, wohlüberlegt, möchten Verständige
mich tadeln, wegen begehrlicher Sucht, und bei der Auflösung
des Körpers, nach dem Tode, stände mir üble Fährte bevor,
wegen begehrlicher Sucht. Das ist ja eben die Fessel, das
ist die Hemmung, nämlich begehrliche Sucht. Wenn aber durch
begehrliche Sucht verstörendes, sehrendes Wähnen entsteht, kann
es den, der sich von begehrlicher Sucht fernhält, also nicht
ankommen.‹ ‚Nicht begehrlich süchten lässt von begehrlicher
Sucht abstehn‘: wurde das gesagt, so war es darum gesagt.
»‚Nicht rügen und schelten lässt von Rügen und Schelten
abstehn‘: das ist gesagt worden; und warum ist das gesagt
worden? Da überlegt, Hausvater, der heilige Jünger bei sich:
›Jene Fesseln, die mich rügen und schelten ließen, die beginn’
ich zu lösen, abzuschneiden: denn wenn ich rügte und schölte, 363
so möcht’ ich gar mich selber verachten, wegen des Rügens und
Scheltens, und, wohlüberlegt, möchten Verständige mich tadeln,
wegen des Rügens und Scheltens, und bei der Auflösung des
Körpers, nach dem Tode, stände mir üble Fährte bevor, wegen des
Rügens und Scheltens. Das ist ja eben die Fessel, das ist die
Hemmung, nämlich Rügen und Schelten. Wenn aber durch Rügen und
Schelten verstörendes, sehrendes Wähnen entsteht, kann es den,
der sich von Rügen und Schelten fernhält, also nicht ankommen.‹
‚Nicht rügen und schelten lässt von Rügen und Schelten
abstehn‘: wurde das gesagt, so war es darum gesagt.
»‚Nicht wüthen und verzweifeln lässt von Wuth und Verzweiflung
abstehn‘: das ist gesagt worden; und warum ist das gesagt
worden? Da überlegt, Hausvater, der heilige Jünger bei sich:
›Jene Fesseln, die mich wüthen und verzweifeln ließen, die
beginn’ ich zu lösen, abzuschneiden: denn wenn ich in Wuth und
Verzweiflung geriethe, so möcht’ ich gar mich selber verachten,
wegen der Wuth und Verzweiflung, und, wohlüberlegt, möchten
Verständige mich tadeln, wegen der Wuth und Verzweiflung, und
bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, stände mir üble
Fährte bevor, wegen der Wuth und Verzweiflung. Das ist ja eben
die Fessel, das ist die Hemmung, nämlich Wuth und Verzweiflung.
Wenn aber durch Wuth und Verzweiflung verstörendes, sehrendes
Wähnen entsteht, kann es den, der sich von Wuth und
Verzweiflung fernhält, also nicht ankommen.‹ ‚Nicht wüthen und
verzweifeln lässt von Wuth und Verzweiflung abstehn‘: wurde das
gesagt, so war es darum gesagt.
»‚Nicht anmaaßen lässt von Anmaßung abstehn‘: das ist gesagt
worden; und warum ist das gesagt worden? Da überlegt,
Hausvater, der heilige Jünger bei sich: ›Jene Fesseln, die mir
Anmaaßung schüfen, die beginn’ ich zu lösen, abzuschneiden:
denn wenn ich anmaaßend würde, so möcht’ ich gar mich selber
verachten, wegen der Anmaaßung, und, wohlüberlegt, möchten
Verständige mich tadeln, wegen der Anmaaßung, und bei der
Auflösung des Körpers, nach dem Tode, stände mir üble Fährte
bevor, wegen der Anmaaßung. Das ist ja eben die Fessel, das
ist die Hemmung, nämlich Anmaaßen. Wenn aber durch Anmaaßen
verstörendes, sehrendes Wähnen entsteht, kann es den, der sich
von Anmaaßen fernhält, also nicht ankommen.‹ ‚Nicht anmaaßen
lässt von Anmaaßung abstehn‘: wurde das gesagt, so war es darum
gesagt.
»Das sind, Hausvater, kurz gesagt und ausführlich 364
unterschieden, die acht Dinge, die hier im Orden des Heiligen
den Verkehr abschneiden lassen. Doch nicht nur soweit wird
im Orden des Heiligen ganz und gar überall aller Verkehr
abgeschnitten.«
»Wie aber wird dann, o Herr, im Orden des Heiligen ganz und gar
überall aller Verkehr abgeschnitten? O dass mir, o Herr, der
Erhabene die Lehre derart zeigen möchte, wie da im Orden des
Heiligen ganz und gar überall aller Verkehr abgeschnitten wird!«
»So höre denn, Hausvater, und achte wohl auf meine Rede.«
»Gewiss, o Herr!« erwiderte da aufmerksam Potaliyo der
Hausvater dem Erhabenen. Der Erhabene sprach also:
»Gleichwie etwa, Hausvater, wenn ein Hund, von Hunger und
Schwäche gepeinigt, sich vor der Bank eines Rindschlächters
aufstellte, und es würfe ihm ein geschickter Schlächter oder
Schlächtergeselle ein Knochenstück zu, kahl, abgeschabt, ohne
Fleisch, blutbefleckt; was meinst du wohl, Hausvater: könnte da
dieser Hund, indem er das Knochenstück, das kahle, abgeschabte,
fleischlose, blutbefleckte, rings herum benagt, Hunger und
Schwäche vertreiben?«
»Gewiß nicht, o Herr!«
»Und warum nicht?«
»Das Knochenstück, o Herr, ist ja kahl, abgeschabt, ohne
Fleisch, blutbefleckt, so viel Mühe und Plage auch immer der
Hund sich geben mag.«
»Ebenso nun auch, Hausvater, überlegt der heilige Jünger bei
sich: ›Kahlen Knochen gleich sind die Begierden, hat der
Erhabene gesagt, voller Leiden, voller Quaalen, das Elend
überwiegt‹: und er sieht es also, der Wahrheit gemäß, mit
vollkommener Weisheit an: und den Anblick, der vielfältig
Vielheit sucht, diesen verleugnet er, und den Anblick, der
einfältig Einheit sucht, wo jedes Hangen an weltlichem Köder
gänzlich vereitelt wird, ja diesen Anblick verwirklicht er.
»Gleichwie etwa, Hausvater, wenn ein Geier oder ein Reiher
oder ein Rabe einen Fleischfetzen packte und fortrisse, und
es stürzten auf ihn andere Geier oder Reiher oder Raben in
Schaaren hernieder und rauften darum; was meinst du wohl
Hausvater: wenn dieser Geier oder Reiher oder Rabe den
Fleischfetzen nicht alsbald fahren ließe, wär’ ihm da Tod
gewiss oder tödtlicher Schmerz?«
»Freilich, o Herr!«
»Ebenso nun auch, Hausvater, überlegt der heilige Jünger
bei sich: ›Fleischfetzen gleich sind die Begierden, hat der
Erhabene gesagt, voller Leiden, voller Quaalen, das Elend
überwiegt‹; und er sieht es also, der Wahrheit gemäß, mit
vollkommener Weisheit an: und den Anblick, der vielfältig 365
Vielheit sucht, diesen verleugnet er, und den Anblick, der
einfältig Einheit sucht, wo jedes Hangen an weltlichem Köder
gänzlich vereitelt wird, ja diesen Anblick verwirklicht er.
»Gleichwie etwa, Hausvater, wenn ein Mann mit einer flammenden
Strohfackel gegen den Wind ginge; was meinst du wohl,
Hausvater: wenn dieser Mann die flammende Strohfackel nicht gar
eilig von sich fortwürfe, würde sie da seine Hand versengen,
seinen Arm versengen oder andere Glieder des Leibes, und er
also Tod erleiden oder tödtlichen Schmerz?«
»Freilich, o Herr!«
»Ebenso nun auch, Hausvater, überlegt der heilige Jünger bei
sich: ›Flammendem Stroh gleich sind die Begierden, hat der
Erhabene gesagt, voller Leiden, voller Quaalen, das Elend
überwiegt‹: und er sieht es also, der Wahrheit gemäß, mit
vollkommener Weisheit an: und den Anblick, der vielfältig
Vielheit sucht, diesen verleugnet er, und den Anblick, der
einfältig Einheit sucht, wo jedes Hangen an weltlichem Köder
gänzlich vereitelt wird, ja diesen Anblick verwirklicht er.
»Gleichwie etwa, Hausvater, wenn da eine Grube wäre, tiefer als
Manneshöhe, voll glühender Kohlen, ohne Flammen, ohne Rauch;
und es käme ein Mann herbei, der leben, nicht sterben will,
der Wohlsein wünscht und Wehe verabscheut, und zwei kräftige
Männer ergriffen ihn unter den Armen und schleppten ihn zu
der glühenden Kohlengrube hin; was meinst du wohl, Hausvater:
würde da nun dieser Mann auf jede nur mögliche Weise den Leib
zurückziehn?«
»Gewiss, o Herr!«
»Und warum das?«
»Gar wohl, o Herr, wüsste der Mann: ›Fall’ ich in diese
glühenden Kohlen hinein, so muss ich sterben oder tödtlichen
Schmerz erleiden!‹«
»Ebenso nun auch, Hausvater, überlegt der heilige Jünger bei
sich: ›Glühenden Kohlen gleich sind die Begierden, hat der
Erhabene gesagt, voller Leiden, voller Quaalen, das Elend
überwiegt‹; und er sieht es also, der Wahrheit gemäß, mit
vollkommener Weisheit an: und den Anblick, der vielfältig
Vielheit sucht, diesen verleugnet er, und den Anblick, der
einfältig Einheit sucht, wo jedes Hangen an weltlichem Köder
gänzlich vereitelt wird, ja diesen Anblick verwirklicht er.
»Gleichwie etwa, Hausvater, wenn ein Mann ein Traumbild sähe,
einen schönen Garten, einen freundlichen Hain, eine heitere
Landschaft, einen lichten See, und, wieder erwacht, nichts mehr
erblickte: ebenso nun auch, Hausvater, überlegt der heilige
Jünger bei sich: ›Traumbilden gleich sind die Begierden, hat
der Erhabene gesagt, voller Leiden, voller Quaalen, das Elend
überwiegt‹; und er sieht es also, der Wahrheit gemäß, mit
vollkommener Weisheit an: und den Anblick, der vielfältig
Vielheit sucht, diesen verleugnet er, und den Anblick, der
einfältig Einheit sucht, wo jedes Hangen an weltlichem Köder
gänzlich vereitelt wird, ja diesen Anblick verwirklicht er.
»Gleichwie etwa, Hausvater, wenn ein Mann dargeliehenes Gut
entliehe und einen Wagen mit kostbarem Schmuck und Edelgestein
belüde[11], und er führe, mit diesem geborgten Schatze versehn 366
und versorgt, über den Marktplatz hin; und die Leute sähen
ihn und sprächen: ›Reich, wahrlich, ist der Mann, so können
Reiche den Reichthum genießen!‹ Und wo ihn eben etwa die Eigner
träfen, da zögen sie eben etwa das Eigen zurück. Was meinet du
wohl, Hausvater: genügte das, um diesen Mann zu verstören?«
»Allerdings, o Herr!«
»Und warum das?«
»Die Eigner, o Herr, ziehn ja das Eigen zurück.«
»Ebenso nun auch, Hausvater, überlegt der heilige Jünger bei
sich: ›Darlehen gleich sind die Begierden, hat der Erhabene
gesagt, voller Leiden, voller Quaalen, das Elend überwiegt‹;
und er sieht es also, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener
Weisheit an: und den Anblick, der vielfältig Vielheit sucht,
diesen verleugnet er, und den Anblick, der einfältig Einheit
sucht, wo jedes Hangen an weltlichem Köder gänzlich vereitelt
wird, ja diesen Anblick verwirklicht er.
»Gleichwie etwa, Hausvater, wenn sich unfern eines Dorfes
oder einer Stadt ein dichter Forst befände, und ein Baum
stände darin, der reifende Früchte trägt, und keine der
Früchte wäre herabgefallen. Und es käme ein Mann herbei, der
Früchte begehrt, Früchte sucht, nach Früchten ausspäht; und
er gelangte ins Innere des Forstes und gewahrte den Baum, der
reifende Früchte trägt; da gedächte er: ›Dieser Baum ist mit
reifenden Früchten behangen, und keine der Früchte zu Boden
gefallen: aber ich kann ja Bäume erklettern! Wie, wenn ich nun
da hinaufkletterte und mich daran satt äße und den Rockschurz
voll davon pflückte?‹ Und er kletterte hinauf und äße sich
satt und pflückte den Rockschurz voll. Aber ein zweiter Mann
käme herbei, der Früchte begehrt, Früchte sucht, nach Früchten
ausspäht, mit einem scharfen Beile versehn; und er gelangte
ins Innere des Forstes und gewahrte den Baum mit den reifenden
Früchten; da gedächte er: ›Dieser Baum trägt reifende Früchte,
und keine der Früchte liegt auf der Erde, und Bäume erklettern,
das kann ich nicht: wie, wenn ich nun diesen Baum an der Wurzel
fällte und mich dann satt äße und den Rockschurz vollpflückte?‹
Und er fällte den Baum an der Wurzel. Was meinst du wohl,
Hausvater: wenn da jener Mann, der zuerst hinaufgestiegen,
nicht gar eilig herabkletterte, möchte ihm da durch den Sturz
des Baumes die Hand zerschmettert oder der Fuß zerschmettert
oder andere Glieder des Leibes zerschmettert werden, so dass er 367
Tod oder tödtlichen Schmerz erlitte?«
»Freilich, o Herr!«
»Ebenso nun auch, Hausvater, überlegt der heilige Jünger bei
sich: ›Baumfrüchten gleich sind die Begierden, hat der Erhabene
gesagt, voller Leiden, voller Quaalen, das Elend überwiegt‹;
und er sieht es also, der Wahrheit gemäß mit vollkommener
Weisheit an: und den Anblick, der vielfältig Vielheit sucht,
diesen verleugnet er, und den Anblick, der einfältig Einheit
sucht, wo jedes Hangen an weltlichem Köder gänzlich vereitelt
wird, ja diesen Anblick verwirklicht er.
»Hat nun, Hausvater, ein solcher heiliger Jünger eben diese
letzte, gleichmüthig einsichtige vollkommene Reine erreicht, so
erinnert er sich mancher verschiedenen früheren Daseinsform,
mit je den eigenthümlichen Merkmalen, mit je den eigenartigen
Beziehungen.
»Hat nun, Hausvater, ein solcher heiliger Jünger eben diese
letzte, gleichmüthig einsichtige vollkommene Reine erreicht,
so sieht er mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über
menschliche Gränzen hinausreichenden, die Wesen dahinschwinden
und wiedererscheinen, gemeine und edle, schöne und unschöne,
glückliche und unglückliche, er erkennt wie die Wesen je nach
den Thaten wiederkehren.
»Hat nun, Hausvater, ein solcher heiliger Jünger eben diese
letzte, gleichmüthig einsichtige vollkommene Reine erreicht,
so lässt er den Wahn versiegen und macht sich die wahnlose
Gemütherlösung, Weisheiterlösung noch bei Lebzeiten offenbar,
verwirklicht und erringt sie.
»Soweit nun, Hausvater, wird im Orden des Heiligen ganz und
gar überall aller Verkehr abgeschnitten. Was meinst du wohl,
Hausvater: wie ganz und gar überall aller Verkehr im Orden des
Heiligen abgeschnitten wird, findest du, dass auch ebenso bei
dir der Verkehr abgeschnitten sei?«
»Was bin ich, o Herr, und was ist der Orden des Heiligen, wo
ganz und gar überall aller Verkehr abgeschnitten wird! Fern
bin ich, o Herr, davon, dass ich ganz und gar überall allen
Verkehr, dem Orden des Heiligen gemäß, abgeschnitten hätte. --
Ja, wir haben früher, o Herr, die anderen Büßer und Pilger, die
so gewöhnlich sind, für erlesen gehalten, die so gewöhnlich
sind, mit erlesener Speise gespeist, die so gewöhnlich sind,
mit erlesener Ehre geehrt: doch haben wir, o Herr, die Mönche,
die so erlesen sind, für gewöhnlich gehalten, die so erlesen
sind, mit gewöhnlicher Speise gespeist, die so erlesen sind,
mit gewöhnlicher Ehre geehrt. Jetzt aber wollen wir, o Herr,
die anderen Büßer und Pilger, die so gewöhnlich sind, als 368
gewöhnlich erkennen, die so gewöhnlich sind, mit gewöhnlicher
Speise speisen, die so gewöhnlich sind, mit gewöhnlicher Ehre
ehren: doch wollen wir, o Herr, die Mönche, die so erlesen
sind, als erlesen erkennen, die so erlesen sind, mit erlesener
Speise speisen, die so erlesen sind, mit erlesener Ehre ehren.
Erzeugt hat mir, wahrlich, o Herr, der Erhabene Asketenliebe
zu den Asketen, Asketenfreude an den Asketen, Asketenehrfurcht
vor den Asketen. -- Vortrefflich, o Herr, vortrefflich, o Herr!
Gleichwie etwa, o Herr, wenn man Umgestürztes aufstellte,
oder Verdecktes enthüllte, oder Verirrten den Weg wiese, oder
Licht in die Finsterniss brächte: ›Wer Augen hat wird die Dinge
sehn‹: ebenso auch ist vom Erhabenen die Lehre gar vielfach
gezeigt worden. Und so nehm’ ich, o Herr, beim Erhabenen
Zuflucht, bei der Lehre und bei der Jüngerschaft: als Anhänger
möge mich der Erhabene betrachten, von heute an zeitlebens
getreu.«[12]
55.
Sechster Theil Fünfte Rede
JĪVAKO
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei
Rājagaham, im Mangohaine Jīvakos, des Hofarztes.[13]
Da nun begab sich Jīvako der Hofarzt zum Erhabenen hin,
begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich seitwärts
nieder. Seitwärts sitzend sprach nun Jīvako der Hofarzt also
zum Erhabenen:
»Gehört hab’ ich solches, o Herr: ›Um des Asketen Gotamo willen
rauben sie das Leben, und der Asket Gotamo nimmt wissentlich
das eigens für ihn bereitete Fleisch an!‹ Die da solches, o
Herr, gesagt haben, haben die wirklich, o Herr, des Erhabenen
Worte gebraucht und den Erhabenen nicht mit Unrecht angeführt
und der Lehre gemäß geredet, so dass sich kein entsprechender
Folgesatz als ungehörig erweisen kann?«
»Die da, Jīvako, solches gesagt haben: ›Um des Asketen 369
Gotamo willen rauben sie das Leben, und der Asket Gotamo nimmt
wissentlich das eigens für ihn bereitete Fleisch an‹, die haben
nicht meine Worte gebraucht und haben mich also ohne Grund und
mit Unrecht angeführt. Drei Fälle giebt es, Jīvako, wo ich
sage, Fleisch ist nicht zu nehmen: besehn, gehört, vermuthet.
Das sind, Jīvako, die drei Fälle, wo ich sage, Fleisch ist
nicht zu nehmen. Drei Fälle giebt es, Jīvako, wo ich sage,
Fleisch ist zu nehmen: unbesehn, ungehört, unvermuthet. Das
sind, Jīvako, die drei Fälle, wo ich sage, Fleisch ist zu
nehmen.
»Da lebt, Jīvako, ein Mönch in der Umgebung eines Dorfes
oder einer Stadt. Liebevollen Gemüthes weilend strahlt er
nach einer Richtung, dann nach einer zweiten, dann nach der
dritten, dann nach der vierten, ebenso nach oben und nach
unten: überall in allem sich wiedererkennend durchstrahlt er
die ganze Welt mit liebevollem Gemüthe, mit weitem, tiefem,
unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem. Und es sucht ihn
ein Hausvater auf, oder der Sohn eines Hausvaters, und bittet
ihn, am nächsten Tage bei ihm zu speisen. Mag eben der Mönch
es, Jīvako, annehmen, so sagt er zu. Und am nächsten Morgen,
zeitig gerüstet, nimmt er Mantel und Schaale und begiebt
sich dorthin wo jener Hausvater, oder Sohn eines Hausvaters,
wohnt. Dort angekommen nimmt er auf dem dargebotenen Sitze
Platz. Und es bedient ihn der Hausvater, oder Sohn eines
Hausvaters, mit ausgewählter Almosenspeise. Da denkt er
nicht: ›Schön, wahrlich, ist es von diesem Hausvater, oder
Sohn eines Hausvaters, mich mit ausgewählter Almosenspeise
zu bewirthen: ach wenn mich doch dieser Hausvater, oder Sohn
eines Hausvaters, auch fernerhin mit ebensolcher ausgewählter
Almosenspeise bewirthen möchte!‹: also etwa denkt er nicht.
Er nimmt diese Almosenbissen unverlockt, unverblendet, nicht
hingerissen, das Elend sehend, der Entrinnung eingedenk, ein.
Was meinst du wohl, Hausvater: hat etwa da der Mönch bei dieser
Gelegenheit eigene Verletzung im Sinne, oder hat er anderer
Verletzung im Sinne, oder hat er beider Verletzung im Sinne?«
»Das nicht, o Herr!«
»Nimmt also, Jīvako, nicht der Mönch bei dieser Gelegenheit
eben untadelhafte Nahrung ein?«
»Allerdings, o Herr! -- Reden hab’ ich gehört, o Herr: ›Brahmā
ist liebevoll.‹ Dafür hab’ ich, o Herr, den Erhabenen bürgen
sehn: denn der Erhabene, o Herr, ist liebevoll.«
»Jene Gier, Jīvako, jener Hass, jener Wahn, wo Verderben in 370
den Sinn käme, solche Gier, solcher Hass, solcher Wahn ist vom
Vollendeten verleugnet, an der Wurzel abgeschnitten, einem
Palmstumpf gleichgemacht, ausgerodet worden, kann sich ferner
nicht mehr entwickeln. Wenn deine Worte, Jīvako, das gemeint
haben, geb’ ich es dir zu.«
»Eben das, freilich, o Herr, haben meine Worte gemeint.«
»Da lebt, Jīvako, ein Mönch in der Umgebung eines Dorfes oder
einer Stadt. Erbarmenden Gemüthes, freudevollen Gemüthes,
unbewegten Gemüthes weilend strahlt er nach einer Richtung,
dann nach einer zweiten, dann nach der dritten, dann nach
der vierten, ebenso nach oben und nach unten: überall in
allem sich wiedererkennend durchstrahlt er die ganze Welt mit
erbarmendem Gemüthe, mit freudevollem Gemüthe, mit unbewegtem
Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und
Groll geklärtem. Und es sucht ihn ein Hausvater auf, oder der
Sohn eines Hausvaters, und bittet ihn, am nächsten Tage bei ihm
zu speisen. Mag eben der Mönch es, Jīvako, annehmen, so sagt er
zu. Und am nächsten Morgen, zeitig gerüstet, nimmt er Mantel
und Schaale und begiebt sich dorthin wo jener Hausvater, oder
Sohn eines Hausvaters, wohnt. Dort angekommen nimmt er auf dem
dargebotenen Sitze Platz. Und es bedient ihn der Hausvater,
oder Sohn eines Hausvaters, mit ausgewählter Almosenspeise. Da
denkt er nicht: ›Schön, wahrlich, ist es von diesem Hausvater,
oder Sohn eines Hausvaters, mich mit ausgewählter Almosenspeise
zu bewirthen: ach wenn mich doch dieser Hausvater, oder Sohn
eines Hausvaters, auch fernerhin mit ebensolcher ausgewählter
Almosenspeise bewirthen möchte!‹: also etwa denkt er nicht.
Er nimmt diese Almosenbissen unverlockt, unverblendet, nicht
hingerissen, das Elend sehend, der Entrinnung eingedenk, ein.
Was meinst du wohl, Hausvater: hat etwa da der Mönch bei dieser
Gelegenheit eigene Verletzung im Sinne, oder hat er anderer
Verletzung im Sinne, oder hat er beider Verletzung im Sinne?«
»Das nicht, o Herr!«
»Nimmt also, Jīvako, nicht der Mönch bei dieser Gelegenheit
eben untadelhafte Nahrung ein?«
»Allerdings, o Herr! -- Reden hab’ ich gehört, o Herr: ›Brahmā
ist unbewegt.‹ Dafür hab’ ich, o Herr, den Erhabenen bürgen
sehn: denn der Erhabene, o Herr, ist unbewegt.«
»Jene Gier, Jīvako, jener Hass, jener Wahn, wo Wuth, wo Unlust,
wo Widerstreit in den Sinn käme, solche Gier, solcher Hass,
solcher Wahn ist vom Vollendeten verleugnet, an der Wurzel
abgeschnitten, einem Palmstumpf gleichgemacht, ausgerodet
worden, kann sich ferner nicht mehr entwickeln. Wenn deine
Worte, Jīvako, das gemeint haben, geb’ ich es dir zu.«
»Eben das, freilich, o Herr, haben meine Worte gemeint.« 371
»Wer da, Jīvako, um des Vollendeten oder Vollendeten Jüngers
willen das Leben raubt, der erwirbt zu fünf Malen schwere
Schuld. Weil er da also befiehlt: ›Geht hin und bringt
jenes Thier dort herbei!‹, darum erwirbt er zum ersten Mal
schwere Schuld. Weil dann das Thier, zitternd und zagend
herbeigeführt, Schmerz und Quaal empfindet, darum erwirbt er
zum zweiten Mal schwere Schuld. Weil er dann spricht: ›Geht
hin und tödtet dieses Thier!‹, darum erwirbt er zum dritten
Mal schwere Schuld. Weil dann das Thier im Tode Schmerz und
Quaal empfindet, darum erwirbt er zum vierten Mal schwere
Schuld. Weil er dann den Vollendeten oder des Vollendeten
Jünger ungebührend laben lässt, darum erwirbt er zum fünften
Mal schwere Schuld. Wer da, Jīvako, um des Vollendeten oder
Vollendeten Jüngers willen das Leben raubt, der erwirbt zu
diesen fünf Malen schwere Schuld.«
* * * * *
Nach diesen Worten sprach Jīvako der Hofarzt also zum
Erhabenen:
»Wunderbar, o Herr, außerordentlich, o Herr! Gebührende
Nahrung, wahrlich, o Herr, nehmen die Mönche ein, untadelhafte
Nahrung, wahrlich, o Herr, nehmen die Mönche ein. --
Vortrefflich, o Herr, vortrefflich, o Herr! Als Anhänger
möge mich der Erhabene betrachten, von heute an zeitlebens
getreu.«[14]
56.
Sechster Theil Sechste Rede
UPĀLI
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei
Nāḷandā, im Mangohaine Pāvārikos. Um diese Zeit nun hielt sich
der Freie Bruder Nāthaputto[15] bei Nāḷandā auf, mit einer
großen Schaar Freier Brüder.
Da begab sich nun Dīghatapassī, ein Freier Bruder, nach Nāḷandā
um Almosenspeise, kehrte wieder zurück, nahm das Mahl ein,
und suchte dann den Mangohain Pāvārikos auf, ging dorthin wo
der Erhabene weilte, tauschte höflichen Gruß und freundliche, 372
denkwürdige Worte mit dem Erhabenen und stellte sich seitwärts
hin. Und an Dīghatapassī den Freien Bruder, der seitwärts
stand, wandte sich der Erhabene also:
»Es sind hier, Tapassī, Sitze bereit: wenn du willst setze
dich.«
Also angeredet nahm Dīghatapassī der Freie Bruder einen von den
niederen Stühlen zur Hand und setzte sich beiseite nieder. Und
zu Dīghatapassī dem Freien Bruder, der beiseite saß, sprach der
Erhabene also:
»Wieviel Arten, Tapassī, von Thaten giebt wohl der Freie Bruder
Nāthaputto als möglich an, um böse That zu thun, um böse That
zu begehn?«
»Nicht steht es, Bruder Gotamo, dem Freien Bruder Nāthaputto
an, eine Handlung schlechthin als That zu bezeichnen: als
Streich schlechthin, Bruder Gotamo, steht es dem Freien Bruder
Nāthaputto an, eine Handlung zu bezeichnen.«
»Wieviel Arten, Tapassī, von Streichen giebt also der Freie
Bruder Nāthaputto als möglich an, um böse That zu thun, um böse
That zu begehn?«
»Drei Arten, Bruder Gotamo, von Streichen giebt der Freie
Bruder Nāthaputto als möglich an, um böse That zu thun, um böse
That zu begehn: nämlich Streiche in Werken, Streiche in Worten,
Streiche in Gedanken.«
»Wie denn, Tapassī: sind Streiche in Werken Eines, und Streiche
in Worten ein Anderes, und Streiche in Gedanken wieder ein
Anderes?«
»Eines, Bruder Gotamo, sind Streiche in Werken, und ein
Anderes Streiche in Worten, und wieder ein Anderes Streiche in
Gedanken.«[16]
»Welche dieser drei Arten aber, Tapassī, von Streichen, die
also eingetheilt, also unterschieden werden, giebt der Freie
Bruder Nāthaputto als übelste an, um böse That zu thun, um böse
That zu begehn: die Streiche in Werken, oder die Streiche in
Worten, oder die Streiche in Gedanken?«
»Von diesen drei Arten, Bruder Gotamo, der Streiche, die also
eingetheilt, also unterschieden werden, giebt der Freie Bruder
Nāthaputto die Streiche in Werken als übelste an, um böse That
zu thun, um böse That zu begehn: nicht so sehr die Streiche in
Worten, nicht so sehr die Streiche in Gedanken.«
»Die Streiche in Werken, sagst du, Tapassī?«
»Die Streiche in Werken, sag’ ich, Bruder Gotamo.«
»Die Streiche in Werken, sagst du, Tapassī?«
»Die Streiche in Werken, sag’ ich, Bruder Gotamo.«
»Die Streiche in Werken, sagst du, Tapassī?«
»Die Streiche in Werken, sag’ ich, Bruder Gotamo.«
Also ließ da der Erhabene Dīghatapassī den Freien Bruder diese
Frage des Gesprächs dreimal bestimmt beantworten. Und nun 373
wandte sich Dīghatapassī der Freie Bruder an den Erhabenen und
fragte:
»Du aber, Bruder Gotamo: wieviel Arten von Streichen giebst du
als möglich an, um böse That zu thun, um böse That zu begehn?«
»Nicht steht es, Tapassī, dem Vollendeten an, eine Handlung
schlechthin als Streich zu bezeichnen: als That schlechthin,
Tapassī, steht es dem Vollendeten an, eine Handlung zu
bezeichnen.«
»Wieviel Arten, Bruder Gotamo, von Thaten giebst du also als
möglich an, um böse That zu thun, um böse That zu begehn?«
»Drei Arten, Tapassī, von Thaten gebe ich als möglich an, um
böse That zu thun, um böse That zu begehn: nämlich Thaten in
Werken, Thaten in Worten, Thaten in Gedanken.«
»Wie denn, Bruder Gotamo: sind Thaten in Werken Eines, und
Thaten in Worten ein Anderes, und Thaten in Gedanken wieder ein
Anderes?«
»Eines, Tapassī, sind Thaten in Werken, und ein Anderes Thaten
in Worten, und wieder ein Anderes Thaten in Gedanken.«
»Welche dieser drei Arten aber, Bruder Gotamo, von Thaten, die
also eingetheilt, also unterschieden werden, giebst du als
übelste an, um böse That zu thun, um böse That zu begehn: die
Thaten in Werken, oder die Thaten in Worten, oder die Thaten in
Gedanken?«
»Von diesen drei Arten, Tapassī, der Thaten, die also
eingetheilt, also unterschieden werden, gebe ich die Thaten in
Gedanken als übelste an, um böse That zu thun, um böse That zu
begehn: nicht so sehr die Thaten in Werken, nicht so sehr die
Thaten in Worten.«
»Die Thaten in Gedanken, sagst du, Bruder Gotamo?«
»Die Thaten in Gedanken, sag’ ich, Tapassī.«
»Die Thaten in Gedanken, sagst du, Bruder Gotamo?«
»Die Thaten in Gedanken, sag’ ich, Tapassī.«
»Die Thaten in Gedanken, sagst du, Bruder Gotamo?«
»Die Thaten in Gedanken, sag’ ich, Tapassī.«
Also ließ da Dīghatapassī der Freie Bruder den Erhabenen diese
Frage des Gesprächs dreimal bestimmt beantworten. Dann stand er
von seinem Stuhle auf und begab sich zu Nāthaputto dem Freien
Bruder.
Zu dieser Zeit nun saß der Freie Bruder Nāthaputto inmitten
einer großen Schaar von Hausleuten, die ihm thöricht zugethan
waren, Upāli zuvörderst. Und der Freie Bruder Nāthaputto sah
Dīghatapassī den Freien Bruder von ferne herankommen, und als
er ihn gesehn rief er ihm zu:
»Ei, wo kommst du denn her, Tapassī, so zeitig am Nachmittag?«
»Von dort, o Herr, vom Asketen Gotamo komme ich.«
»Hast du wohl, Tapassī, mit dem Asketen Gotamo irgend eine
Unterredung gehabt?«
»Allerdings hab’ ich, o Herr, mit dem Asketen Gotamo eine 374
Unterredung gehabt.«
»Was war denn das, Tapassī, für eine Unterredung, die du mit
dem Asketen Gotamo gehabt hast?«
Da berichtete nun Dīghatapassī der Freie Bruder Wort für Wort
das ganze Gespräch, das er mit dem Erhabenen geführt hatte,
dem Freien Bruder Nāthaputto. Hierauf sprach der Freie Bruder
Nāthaputto also zu Dīghatapassī dem Freien Bruder:
»Gut, gut, Tapassī: wie ein erfahrener Jünger, der des
Meisters Lehre von Grund aus versteht, hat eben da Tapassī
der Freie Bruder dem Asketen Gotamo Bescheid gegeben. Was
gilt wohl ein erbärmlicher Gedankenstreich im Vergleiche zu
dem so gewichtigen Werkstreich? Vielmehr ist ein Werkstreich
bei weitem der üblere, um böse That zu thun, um böse That zu
begehn, und nicht so sehr der Wortstreich, und nicht so sehr
der Gedankenstreich.«
Auf diese Worte wandte sich Upāli der Hausvater also an den
Freien Bruder Nāthaputto:
»Gut, gut ist, o Herr, Tapassī: wie ein erfahrener Jünger, der
des Meisters Lehre von Grund aus versteht, hat eben da der
erlauchte Tapassī dem Asketen Gotamo Bescheid gegeben. Was
gilt wohl ein erbärmlicher Gedankenstreich im Vergleiche zu
dem so gewichtigen Werkstreich? Vielmehr ist ein Werkstreich
bei weitem der üblere, um böse That zu thun, um böse That
zu begehn, und nicht so sehr der Wortstreich, und nicht so
sehr der Gedankenstreich. Wohlan, o Herr, auch ich will gehn
und den Asketen Gotamo in einem solchen Gespräche beim Wort
nehmen. Wenn mir da der Asket Gotamo ebenso entgegentritt,
wie er dem erlauchten Tapassī entgegengetreten ist, so werde
ich den Asketen Gotamo, gleichwie etwa ein starker Mann einen
langhaarigen Widder bei den Haaren ergreifen, heranziehn,
herumziehn, rings herumziehn mag, mit der Rede heranziehn,
herumziehn, rings herumziehn; oder gleichwie etwa der starke
Knecht eines Branntweinbrenners das große Filtriergeflecht in
einen tiefen Wasserpfuhl werfen, am einen Ende festhalten,
heranziehn, herumziehn, rings herumziehn mag, so werde auch ich
den Asketen Gotamo mit der Rede heranziehn, herumziehn, rings
herumziehn; oder gleichwie etwa ein rüstiger Branntweinsäuberer
das Destilliersieb am Henkel packen, hinschwenken,
herschwenken, ausseihen mag, so werde auch ich den Asketen
Gotamo mit der Rede hinschwenken, herschwenken, ausseihen; oder 375
gleichwie etwa ein sechzigjähriger Elephant in einen tiefen
Lotusweiher steigt und ein sogenanntes Spritzbad zur Erholung
vornimmt, so gedenke auch ich mit dem Asketen Gotamo eine Art
Spritzbad zur Erholung vorzunehmen. Wohlan, o Herr, auch ich
will gehn und den Asketen Gotamo in einem solchen Gespräche
beim Wort nehmen.«
»Gehe du, Hausvater, und nimm den Asketen Gotamo in einem
solchen Gespräche beim Wort: sei es ich eben, Hausvater, der
den Asketen Gotamo beim Wort nimmt, sei es Dīghatapassī der
Freie Bruder, sei es du.«
Auf diese Worte des Freien Bruders Nāthaputto erwiderte
Dīghatapassī der Freie Bruder:
»Das gefällt mir wahrlich nicht, o Herr, dass Upāli der
Hausvater den Asketen Gotamo beim Wort nehmen soll. Denn der
Asket Gotamo, o Herr, ist listig, versteht verlockende List,
wodurch er die Jünger anderer Asketen anlockt.«
»Unmöglich ist es, wahrlich, Tapassī, es kann nicht sein,
dass sich Upāli der Hausvater zum Jüngerthum des Asketen
Gotamo bekehre: möglich aber ist es wohl, dass sich der Asket
Gotamo zum Jüngerthum des Hausvaters Upāli bekehre. Gehe
du, Hausvater, und nimm den Asketen Gotamo in einem solchen
Gespräche beim Wort: sei es ich eben, Hausvater, der den
Asketen Gotamo beim Wort nimmt, sei es Dīghatapassī der Freie
Bruder, sei es du.«
Und ein zweites Mal, und ein drittes Mal sprach Dīghatapassī
der Freie Bruder also zum Freien Bruder Nāthaputto:
»Es gefällt mir durchaus nicht, o Herr, dass Upāli der
Hausvater den Asketen Gotamo beim Wort nehmen soll. Der Asket
Gotamo, o Herr, ist ja listig, versteht verlockende List,
wodurch er die Jünger anderer Asketen anlockt.«
»Unmöglich ist es, wahrlich, Tapassī, es kann nicht sein,
dass sich Upāli der Hausvater zum Jüngerthum des Asketen
Gotamo bekehre: möglich aber ist es wohl, dass sich der Asket
Gotamo zum Jüngerthum des Hausvaters Upāli bekehre. Gehe
du, Hausvater, und nimm den Asketen Gotamo in einem solchen
Gespräche beim Wort: sei es ich eben, Hausvater, der den
Asketen Gotamo beim Wort nimmt, sei es Dīghatapassī der Freie
Bruder, sei es du.«
»Recht so, Herr!« entgegnete da Upāli der Hausvater dem Freien
Bruder Nāthaputto. Dann stand er von seinem Stuhle auf,
begrüßte den Freien Bruder Nāthaputto ehrerbietig, ging rechts
herum und begab sich nach dem Mangohaine Pāvārikos, dorthin wo 376
der Erhabene weilte. Dort angelangt begrüßte er den Erhabenen
ehrerbietig und setzte sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend
wandte sich nun Upāli der Hausvater also an den Erhabenen:
»Ist wohl, o Herr, Dīghatapassī der Freie Bruder hiergewesen?«
»Hiergewesen ist, Hausvater, Dīghatapassī der Freie Bruder.«
»Und hast du, o Herr, mit Dīghatapassī dem Freien Bruder ein
Gespräch geführt?«
»Ich habe, Hausvater, mit Dīghatapassī dem Freien Bruder ein
Gespräch geführt.«
»Und was war das, o Herr, für ein Gespräch, das du mit
Dīghatapassī dem Freien Bruder geführt hast?«
Da berichtete nun der Erhabene dem Hausvater Upāli Wort für
Wort das ganze Gespräch mit Dīghatapassī dem Freien Bruder.
Also berichtet erwiderte Upāli der Hausvater dem Erhabenen:
»Gut, gut ist, o Herr, Tapassī: wie ein erfahrener Jünger,
der des Meisters Lehre von Grund aus versteht, hat eben da
Dīghatapassī der Freie Bruder dem Erhabenen Bescheid gegeben.
Was gilt wohl ein erbärmlicher Gedankenstreich im Vergleiche zu
dem so gewichtigen Werkstreich? Vielmehr ist ein Werkstreich
bei weitem der üblere, um böse That zu thun, um böse That zu
begehn, und nicht so sehr der Wortstreich, und nicht so sehr
der Gedankenstreich.«
»Wenn du dich, Hausvater, bei der Rede an die Wahrheit halten
willst, so mag da unter uns ein Gespräch statthaben.«
»An die Wahrheit, o Herr, werde ich mich bei der Rede halten:
möge da unter uns ein Gespräch statthaben!«
»Was meinst du wohl, Hausvater: es sei da ein Freier Bruder,
der unwohl, leidend, schwerkrank ist und frisches Wasser
abweist, nur warmes Wasser gebraucht[17]; und weil er kein
frisches Wasser erhielte stürbe er. Wo aber, Hausvater, sagt da
der Freie Bruder Nāthaputto, erscheine ein solcher wieder?«
»Es giebt, o Herr, Götter, die heißen ›gedankenhaft‹: da
erscheint ein solcher wieder.«
»Und warum das?«
»Weil er ja, o Herr, gedankenergeben gestorben ist.«
»Hausvater, Hausvater, denke wohl nach, und dann, Hausvater,
antworte: denn es geht dir mit dem Ersten das Letzte nicht
zusammen, oder mit dem Letzten nicht das Erste. Doch hast du,
Hausvater, also gesprochen: ›An die Wahrheit, o Herr, werde
ich mich bei der Rede halten: möge da unter uns ein Gespräch
statthaben!‹«
»Wenn auch, o Herr, der Erhabene solches sagt, so ist
gleichwohl der Werkstreich bei weitem der üblere, um böse
That zu thun, um böse That zu begehn, und nicht so sehr der
Wortstreich, und nicht so sehr der Gedankenstreich.«
»Was meinst du wohl, Hausvater: es sei da ein Freier Bruder, 377
vierfach gezügelt in fester Zucht, der sich jeden Born
verbietet, jeden Born verwehrt, jeden Born verweist, jeden Born
versagt; und während er kommt und geht tritt er da viele kleine
Wesen zutode. Was aber, Hausvater, sagt da der Freie Bruder
Nāthaputto, sei die Folge davon?«
»Was ohne Absicht geschieht, o Herr, sagt der Freie Bruder
Nāthaputto, ist nicht so sehr von Uebel.«
»Wenn es aber, Hausvater, mit Absicht geschieht?«
»Dann, o Herr, ist es sehr von Uebel.«
»Die Absicht aber, Hausvater, giebt der Freie Bruder Nāthaputto
als was an?«
»Als Gedankenstreich, o Herr!«
»Hausvater, Hausvater, denke wohl nach, und dann, Hausvater,
antworte: denn es geht dir mit dem Ersten das Letzte nicht
zusammen, oder mit dem Letzten nicht das Erste. Doch hast du,
Hausvater, also gesprochen: ›An die Wahrheit, o Herr, werde
ich mich bei der Rede halten: möge da unter uns ein Gespräch
statthaben!‹«
»Wenn auch, o Herr, der Erhabene solches sagt, so ist
gleichwohl der Werkstreich bei weitem der üblere, um böse
That zu thun, um böse That zu begehn, und nicht so sehr der
Wortstreich, und nicht so sehr der Gedankenstreich.«
»Was meinst du wohl, Hausvater: dieses Nāḷandā blüht und
gedeiht, ist volkreich, von vielen Menschen bewohnt?«
»Gewiss, o Herr: dieses Nāḷandā blüht und gedeiht, ist
volkreich, von vielen Menschen bewohnt.«
»Was meinst du wohl, Hausvater: wenn da ein Mann herankäme, mit
einem gezückten Schwerdte in der Hand, und spräche also: ›Ich
werde was es auch an Lebendigen hier in Nāḷandā giebt in einem
Augenblick, in einem Nu zu einer einzigen Masse Mus, zu einer
einzigen Masse Brei machen‹; was meinst du wohl, Hausvater:
vermöchte nun etwa dieser Mann was es auch an Lebendigen hier
in Nāḷandā giebt in einem Augenblick, in einem Nu zu einer
einzigen Masse Mus, zu einer einzigen Masse Brei zu machen?«
»Selbst zehn Mann, o Herr, selbst zwanzig Mann, selbst dreißig
Mann, selbst vierzig Mann, selbst fünfzig Mann reichten
nicht hin was es hier in Nāḷandā an Lebendigen giebt in
einem Augenblick, in einem Nu zu einer einzigen Masse Mus,
zu einer einzigen Masse Brei zu machen: was gälte da nur ein
erbärmlicher Mann?«
»Was meinst du wohl, Hausvater: wenn da ein Asket oder ein
Priester herankäme, machtbegabt, geistesgewaltig, und spräche
also: ›Ich werde dieses Nāḷandā mit einem einzigen Zorngedanken
zu Asche machen‹; was meinst du wohl, Hausvater: vermöchte nun
etwa ein solcher Asket oder Priester dieses Nāḷandā mit einem
einzigen Zorngedanken zu Asche zu machen?«
»Selbst zehn Nāḷandā, o Herr, selbst zwanzig Nāḷandā, selbst 378
dreißig Nāḷandā, selbst vierzig Nāḷandā, selbst fünfzig
Nāḷandā vermöchte ein solcher Asket oder Priester mit einem
einzigen Zorngedanken zu Asche zu machen: was gälte da nur ein
erbärmliches Nāḷandā?«[18]
»Hausvater, Hausvater, denke wohl nach, und dann, Hausvater,
antworte: denn es geht dir mit dem Ersten das Letzte nicht
zusammen, oder mit dem Letzten nicht das Erste. Doch hast du,
Hausvater, also gesprochen: ›An die Wahrheit, o Herr, werde
ich mich bei der Rede halten: möge da unter uns ein Gespräch
statthaben!‹«
»Wenn auch, o Herr, der Erhabene solches sagt, so ist
gleichwohl der Werkstreich bei weitem der üblere, um böse
That zu thun, um böse That zu begehn, und nicht so sehr der
Wortstreich, und nicht so sehr der Gedankenstreich.«
»Was meinst du wohl, Hausvater: hast du reden hören: ›Der
Daṇḍaker-Wald, der Mejjher-Wald, der Kāliṉger-Wald, der
Mātaṉger-Wald ist öder Urwald geworden‹?«
»Gewiss, o Herr: ich habe reden hören: ›Der Daṇḍaker-Wald, der
Mejjher-Wald, der Kāliṉger-Wald, der Mātaṉger-Wald ist öder
Urwald geworden.‹«
»Was meinst du wohl, Hausvater: hast du vielleicht reden hören,
wodurch der Daṇḍaker-Wald, der Mejjher-Wald, der Kāliṉger-Wald,
der Mātaṉger-Wald öder Urwald geworden ist?«
»Ich habe reden hören, o Herr: ›Durch der Seher Zorngedanken
ist der Daṇḍaker-Wald, der Mejjher-Wald, der Kāliṉger-Wald, der
Mātaṉger-Wald öder Urwald geworden‹.«
»Hausvater, Hausvater, denke wohl nach, und dann, Hausvater,
antworte: denn es geht dir mit dem Ersten das Letzte nicht
zusammen, oder mit dem Letzten nicht das Erste. Doch hast du,
Hausvater, also gesprochen: ›An die Wahrheit, o Herr, werde
ich mich bei der Rede halten: möge da unter uns ein Gespräch
statthaben!‹«
»Schon durch das erste Gleichniss, o Herr, hat mich der
Erhabene zufrieden und froh gemacht: aber ich wollte noch
diese reichlichen Fragen und Erklärungen vom Erhabenen hören;
und so dacht’ ich mir, ich dürfte dem Erhabenen Gegenrede
geben.[19] -- Vortrefflich, o Herr, vortrefflich, o Herr!
Gleichwie etwa, o Herr, als ob man Umgestürztes aufstellte,
oder Verdecktes enthüllte, oder Verirrten den Weg wiese, oder
Licht in die Finsterniss brächte: ›Wer Augen hat wird die Dinge
sehn‹: ebenso auch hat der Erhabene die Lehre von vielen Seiten
beleuchtet. Und so nehm’ ich, o Herr, beim Erhabenen Zuflucht,
bei der Lehre und bei der Jüngerschaft: als Anhänger möge mich 379
der Erhabene betrachten, von heute an zeitlebens getreu.«
»Ueberleg’ es dir, Hausvater, gehörig: Ueberlegung ist bei
wohlbekannten Leuten euersgleichen rathsam.«[20]
»Dadurch hat mich, o Herr, der Erhabene nur noch viel mehr
zufrieden und froh gemacht, dass der Erhabene also zu mir
spricht: ›Ueberleg’ es dir, Hausvater, gehörig: Ueberlegung ist
bei wohlbekannten Leuten euersgleichen rathsam.‹ Denn als mich,
o Herr, die anderen Asketen zum Jünger gewonnen, da mochten
sie mich in ganz Nāḷandā als Fahne herumtragen: ›Upāli der
Hausvater hat sich zu unserem Jüngerthum bekehrt!‹ Doch der
Erhabene spricht nun also zu mir: ›Ueberleg’ es dir, Hausvater,
gehörig: Ueberlegung ist bei wohlbekannten Leuten euersgleichen
rathsam.‹ Und so nehm’ ich denn, o Herr, zum zweiten Mal beim
Erhabenen Zuflucht, bei der Lehre und bei der Jüngerschaft:
als Anhänger möge mich der Erhabene betrachten, von heute an
zeitlebens getreu.«
»Lange Zeit ist, Hausvater, dein Thor den Freien Brüdern
gastlich offen gewesen, so dass du ihrer, die um Almosen zu dir
kommen, milde gedenken mögst.«
»Auch dadurch hat mich, o Herr, der Erhabene noch viel mehr
zufrieden und froh gemacht, dass der Erhabene also zu mir
spricht: ›Lange Zeit ist, Hausvater, dein Thor den Freien
Brüdern gastlich offen gewesen, so dass du ihrer, die um
Almosen zu dir kommen, milde gedenken mögst.‹ Ich habe mir
sagen lassen, o Herr: ›Der Asket Gotamo spricht also: ‚Mir nur
ist Gabe darzubringen, nicht den anderen; nur meinen Jüngern
ist Gabe darzubringen, nicht den Jüngern anderer; nur die mir
dargebrachte Gabe lässt hohen Lohn erlangen, nicht die den
anderen dargebrachte Gabe; nur die meinen Jüngern dargebrachte
Gabe lässt hohen Lohn erlangen, nicht die den Jüngern anderer
dargebrachte Gabe.‘‹ Doch der Erhabene ermahnt mich nun, auch
den Freien Brüdern Gabe zu geben. Gewiss, o Herr: wir werden da
schon der Zeit achthaben. Und so nehm’ ich denn, o Herr, zum
dritten Mal beim Erhabenen Zuflucht, bei der Lehre und bei der
Jüngerschaft: als Anhänger möge mich der Erhabene betrachten,
von heute an zeitlebens getreu.«
Da hat denn der Erhabene Upāli den Hausvater allmälig in das
Gespräch eingeführt, sprach erst mit ihm vom Geben, von der
Tugend, von säliger Welt, machte des Begehrens Elend, Ungemach,
Trübsal, und der Entsagung Vorzüglichkeit offenbar. Als der
Erhabene merkte, dass Upāli der Hausvater im Herzen bereitsam,
geschmeidig, unbehindert, aufgerichtet, heiter geworden 380
war, da gab er die Darlegung jener Lehre, die den Erwachten
eigenthümlich ist: das Leiden, die Entwicklung, die Auflösung,
den Weg.
Gleichwie etwa ein reines Kleid, von Flecken gesäubert,
vollkommen die Färbung annehmen mag, ebenso auch ging da
Upāli dem Hausvater, während er noch da saß, das abgeklärte,
abgespülte Auge der Wahrheit auf:
›Was irgend auch entstanden ist
Muss alles wieder untergehn.‹
Und Upāli der Hausvater, der die Wahrheit gesehn, die Wahrheit
gefasst, die Wahrheit erkannt, die Wahrheit ergründet hatte,
zweifelentronnen, ohne Schwanken, in sich selber gewiß, auf
keinen anderen gestützt im Orden des Meisters, der wandte sich
nun an den Erhabenen also:
»Wohlan denn, jetzt, o Herr, wollen wir gehn: manche Pflicht
wartet unser, manche Obliegenheit.«
»Wie es dir nun, Hausvater, belieben mag.«
Und Upāli der Hausvater, durch des Erhabenen Rede erfreut und
befriedigt, stand auf von seinem Stuhle, begrüßte den Erhabenen
ehrerbietig, ging rechts herum und begab sich nach Hause. Zu
Hause angekommen befahl er dem Pförtner:
»Von heute an, guter Pförtner, ist meine Pforte den Freien
Brüdern und Freien Schwestern verschlossen: unverschlossen
ist sie den Jüngern des Erhabenen, den Mönchen und Nonnen,
den Anhängern und Anhängerinen.[21] Wenn da ein Freier Bruder
herankommt, so hast du einem solchen zu sagen: ›Bleibe, o
Herr, wolle nicht eintreten: von heute an hat sich Upāli
der Hausvater zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehrt.
Verschlossen ist die Pforte den Freien Brüdern und Freien
Schwestern: unverschlossen ist sie den Jüngern des Erhabenen,
den Mönchen und Nonnen, den Anhängern und Anhängerinen. Wenn
du, o Herr, Almosen bedarfst, so bleibe nur hier: man wird es
dir hierher bringen.‹«
»Jawohl, Herr!« erwiderte da gehorsam der Pförtner Upāli dem
Hausvater.
* * * * *
Es hörte nun Dīghatapassī der Freie Bruder das Gerede: ›Upāli,
sagt man, der Hausvater, soll sich zum Jüngerthum des Asketen
Gotamo bekehrt haben!‹ Und Dīghatapassī der Freie Bruder begab
sich zum Freien Bruder Nāthaputto und sprach also zu ihm:
»Das Gerücht, o Herr, ist mir zu Ohren gekommen, Upāli der
Hausvater habe sich zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehrt.«
»Unmöglich ist es, wahrlich, Tapassī, es kann nicht sein, dass
sich Upāli der Hausvater zum Jüngerthum des Asketen Gotamo
bekehrt habe: möglich aber ist es wohl, dass sich der Asket
Gotamo zum Jüngerthum des Hausvaters Upāli bekehrt habe.«
Und zum zweiten Mal, und zum dritten Mal sprach Dīghatapassī 381
der Freie Bruder zum Freien Bruder Nāthaputto also:
»Das Gerücht, o Herr, ist mir zu Ohren gekommen, Upāli der
Hausvater habe sich zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehrt.«
»Unmöglich ist es, wahrlich, Tapassī, es kann nicht sein, dass
sich Upāli der Hausvater zum Jüngerthum des Asketen Gotamo
bekehrt habe: möglich aber ist es wohl, dass sich der Asket
Gotamo zum Jüngerthum des Hausvaters Upāli bekehrt habe.«
»So will ich denn hingehn, o Herr, um zu erfahren, ob sich
Upāli der Hausvater zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehrt
oder nicht bekehrt hat.«
»Gehe hin, Tapassī, und überzeuge dich, ob sich Upāli der
Hausvater zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehrt oder nicht
bekehrt hat.«
Und Dīghatapassī der Freie Bruder machte sich nun auf den Weg
zur Wohnung des Hausvaters Upāli. Es sah aber der Pförtner
Dīghatapassī den Freien Bruder von ferne herankommen, und als
er ihn gesehn sprach er also zu ihm:
»Bleibe, o Herr, wolle nicht eintreten: von heute an hat sich
Upāli der Hausvater zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehrt.
Verschlossen ist die Pforte den Freien Brüdern und Freien
Schwestern: unverschlossen ist sie den Jüngern des Erhabenen,
den Mönchen und Nonnen, den Anhängern und Anhängerinen. Wenn
du, o Herr, Almosen bedarfst, so bleibe nur hier: man wird es
dir hierher bringen.«
»Ich brauche, o Freund, kein Almosen« sagte er, kehrte um,
begab sich zum Freien Bruder Nāthaputto zurück und sprach also
zu ihm:
»Wahr ist es wirklich, o Herr, dass sich Upāli der Hausvater
zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehrt hat. Und du hast es
mir, o Herr, nicht zugestanden, als ich sagte: ›Es gefällt mir
durchaus nicht, o Herr, dass Upāli der Hausvater den Asketen
Gotamo beim Wort nehmen soll. Denn der Asket Gotamo, o Herr,
ist listig, versteht verlockende List, wodurch er die Jünger
anderer Asketen anlockt.‹ Und weggelockt ist dir, o Herr, Upāli
der Hausvater worden vom Asketen Gotamo durch verlockende
List!«
»Unmöglich ist es, wahrlich, Tapassī, es kann nicht sein, dass
sich Upāli der Hausvater zum Jüngerthum des Asketen Gotamo
bekehrt habe: möglich aber ist es wohl, dass sich der Asket
Gotamo zum Jüngerthum des Hausvaters Upāli bekehrt habe.«
Und zum zweiten Mal, und zum dritten Mal sprach Dīghatapassī
der Freie Bruder zum Freien Bruder Nāthaputto also:
»Es ist wirklich wahr, o Herr: Upāli der Hausvater hat sich
zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehrt. Und du hast es mir, 382
o Herr, nicht zugestanden, als ich sagte: ›Es gefällt mir
durchaus nicht, o Herr, dass Upāli der Hausvater den Asketen
Gotamo beim Wort nehmen soll. Denn der Asket Gotamo, o Herr,
ist listig, versteht verlockende List, wodurch er die Jünger
anderer Asketen anlockt.‹ Und weggelockt ist dir, o Herr, Upāli
der Hausvater worden vom Asketen Gotamo durch verlockende List!«
»Unmöglich ist es, wahrlich, Tapassī, es kann nicht sein, dass
sich Upāli der Hausvater zum Jüngerthum des Asketen Gotamo
bekehrt habe: möglich aber ist es wohl, dass sich der Asket
Gotamo zum Jüngerthum des Hausvaters Upāli bekehrt habe. So
will ich denn hingehn, Tapassī, und mich selbst überzeugen,
ob sich Upāli der Hausvater zum Jüngerthum des Asketen Gotamo
bekehrt oder nicht bekehrt hat.«
Und der Freie Bruder Nāthaputto zog nun in Begleitung einer
großen Schaar Freier Brüder zur Wohnung des Hausvaters Upāli
hin. Und es sah der Pförtner den Freien Bruder Nāthaputto von
ferne herankommen, und als er ihn gesehn sprach er also zu ihm:
»Bleibe, o Herr, wolle nicht eintreten: von heute an hat sich
Upāli der Hausvater zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehrt.
Verschlossen ist die Pforte den Freien Brüdern und Freien
Schwestern: unverschlossen ist sie den Jüngern des Erhabenen,
den Mönchen und Nonnen, den Anhängern und Anhängerinen. Wenn
du, o Herr, Almosen bedarfst, so bleibe nur hier: man wird es
dir hierher bringen.«
»Wohlan denn, guter Pförtner, geh’ zu Upāli dem Hausvater und
melde ihm: ›Der Freie Bruder, o Herr, Nāthaputto steht mit
einer großen Schaar Freier Brüder vor dem Thore draußen: er
möchte dich sehn.‹«
»Jawohl, Herr!« erwiderte da gehorsam der Pförtner dem Freien
Bruder Nāthaputto; und er ging zu Upāli dem Hausvater und
meldete ihm:
»Der Freie Bruder, o Herr, Nāthaputto steht mit einer großen
Schaar Freier Brüder vor dem Thore draußen: er möchte dich
sehn.«
»So stelle denn, guter Pförtner, in der mittleren Thorhalle die
Stühle zurecht.«
»Jawohl, Herr!« erwiderte da gehorsam der Pförtner Upāli dem
Hausvater; und er stellte in der mittleren Thorhalle die Stühle
zurecht, und ging dann zu Upāli dem Hausvater und meldete ihm:
»Zurechtgestellt, o Herr, sind dir in der mittleren Thorhalle
die Stühle, wie es dir beliebt.«
Und Upāli der Hausvater trat nun in die mittlere Thorhalle ein, 383
nahm dort auf dem ersten und besten, höchsten und vornehmsten
Sitze Platz, und befahl dann dem Pförtner:
»So geh’ denn, guter Pförtner, zum Freien Bruder Nāthaputto und
melde ihm: ›Upāli, Herr, der Hausvater, lässt sagen: ‚Wolle
nähertreten, o Herr, wenn es dir genehm ist.‘‹«
»Jawohl, Herr!« erwiderte da gehorsam der Pförtner Upāli
dem Hausvater; und er ging zum Freien Bruder Nāthaputto und
meldete ihm: ›Upāli, Herr, der Hausvater, lässt sagen: ‚Wolle
nähertreten, o Herr, wenn es dir genehm ist.‘‹
Und der Freie Bruder Nāthaputto trat nun mit seiner großen
Schaar Freier Brüder in die mittlere Thorhalle ein. Und
Upāli der Hausvater, der da früher, sobald er den Freien
Bruder Nāthaputto von ferne herankommen sehn, ihm alsbald
entgegengegangen und den ersten und besten, höchsten und
vornehmsten Sitz dort eingeräumt, mit dem Mantel abgestäubt und
angeboten hatte, der saß nun selbst dort auf dem ersten und
besten, höchsten und vornehmsten Sitze; und er sprach also zum
Freien Bruder Nāthaputto:
»Es sind hier, o Herr, Sitze bereit: wenn du willst setze dich.«
Also angesprochen entgegnete der Freie Bruder Nāthaputto Upāli
dem Hausvater:
»Von Sinnen bist du, Hausvater, verloren hast du, Hausvater!
Du hast ja gesagt: ›Hingehn will ich, o Herr, und den Asketen
Gotamo beim Wort nehmen‹, und bist ausgezogen und mit einer
gewaltigen Niederlage deiner Redekunst heimgekehrt. Gleichwie
etwa, Hausvater, wenn ein Mann auszöge, Hoden auszureißen,
und mit ausgerissenen Hoden heimkehrte; oder gleichwie etwa,
Hausvater, wenn ein Mann auszöge, Augen auszureißen, und mit
ausgerissenen Augen heimkehrte: ebenso nun auch, Hausvater,
hast du gesagt: ›Hingehn will ich, o Herr, und den Asketen
Gotamo beim Wort nehmen‹, und bist ausgezogen und mit einer
gewaltigen Niederlage deiner Redekunst heimgekehrt. Weggelockt
worden bist du nun, Hausvater, vom Asketen Gotamo durch
verlockende List.«
»Beglückend, o Herr, ist diese verlockende List, besäligend,
o Herr, ist diese verlockende List! Wenn sich, o Herr,
meine lieben Leute und Hausgenossen durch solche Verlockung
verleiten ließen, so würd’ es auch meinen lieben Leuten und
Hausgenossen lange zum Wohle, zum Heile gereichen. Wenn sich
auch, o Herr, alle Adeligen durch solche Verlockung verleiten
ließen, so würd’ es einem jeden von ihnen lange zum Wohle, zum
Heile gereichen. Wenn sich auch, o Herr, alle Priester und 384
alle Bürger und alle Diener durch solche Verlockung verleiten
ließen, so würd’ es einem jeden von ihnen lange zum Wohle, zum
Heile gereichen. Wenn sich auch, o Herr, die Welt mit ihren
Göttern, ihren bösen und heiligen Geistern, mit ihrer Schaar
von Büßern und Priestern, Göttern und Menschen durch solche
Verlockung verleiten ließe, so würd’ es auch der Welt mit
ihren Göttern, ihren bösen und heiligen Geistern, mit ihrer
Schaar von Büßern und Priestern, Göttern und Menschen lange zum
Wohle, zum Heile gereichen. Und so will ich dir nun, o Herr,
ein Gleichniss geben: auch durch Gleichnisse wird da manchem
verständigen Manne der Sinn einer Rede klar.
»Es war einmal, o Herr, ein Brāhmane, der war alt und greis
und hochbetagt, und hatte eine junge Brāhmanin zur Frau, die
war schwanger, der Entbindung nahe. Und diese Brāhmanin, o
Herr, sprach also zu ihrem Gemahl: ›Gehe, Brāhmane, auf den
Markt, kaufe einen jungen Affen und bring’ ihn heim, auf dass
er meinem Knäblein ein Spielgenosse werde.‹ Auf diese Worte,
o Herr, erwiderte der Brāhmane seiner Gemahlin: ›Warte so
lange, liebe Frau, bis du geboren hast: wenn du, liebe Frau,
ein Knäblein gebären wirst, so werd’ ich auf den Markt gehn
und dir einen jungen Affen kaufen und heimbringen, auf dass er
deinem Knäblein ein Spielgenosse werde; wenn du aber, liebe
Frau, ein Mägdlein gebären wirst, so werd’ ich auf den Markt
gehn und dir eine junge Aeffin kaufen und heimbringen, auf dass
sie deinem Mägdlein eine Spielgenossin werde.‹ Und ein zweites
Mal, und ein drittes Mal, o Herr, sprach die Brāhmanin also zu
ihrem Gemahl. Da ging nun endlich, o Herr, der Brāhmane, der
seine Gemahlin sehr liebte, ihr innig zugethan war, auf den
Markt, kaufte einen jungen Affen, brachte ihn heim und sprach
also zu seiner Gemahlin: ›Da hast du, liebe Frau, den jungen 385
Affen: ich hab’ ihn am Markte gekauft und dir nun heimgebracht,
auf dass er deinem Knäblein ein Spielgenosse werde.‹ Auf diese
Worte, o Herr, erwiderte die Brāhmanin ihrem Gemahle: ›Gehe,
Brāhmane, mit diesem jungen Affen zu Rattapāṇi dem Färber und
sag’ ihm: ‚Ich wünsche, guter Rattapāṇi, dass dieser junge
Affe mit gelber Farbe gefärbt, aufgewalzt, durchgewalzt, auf
beiden Seiten geglättet werde.‘ Und der Brāhmane, o Herr, der
seine Gemahlin sehr liebte, ihr innig zugethan war, ging nun
zu Rattapāṇi dem Färber und sprach also zu ihm: ›Ich wünsche,
guter Rattapāṇi, dass dieser junge Affe mit gelber Farbe
gefärbt, aufgewalzt, durchgewalzt, auf beiden Seiten geglättet
werde.‹ Auf diese Worte, o Herr, erwiderte Rattapāṇi der Färber
dem Brāhmanen: ›Dieser junge Affe, o Herr, nimmt dir wohl Farbe
an, aber lässt sich nicht aufwalzen, lässt sich nicht glatt
machen.‹ Ebenso nun auch, o Herr, nimmt der thörigen Freien
Brüder Rede wohl Farbe an, für Thoren, nicht für Weise, aber
lässt sich nicht zurichten, lässt sich nicht glatt machen. --
Und jener Brāhmane, o Herr, ging nun ein anderes Mal mit einem
neuen Stück Tuch zu Rattapāṇi dem Färber und sprach also zu
ihm: ›Ich wünsche, guter Rattapāṇi, dass dieses neue Stück Tuch
mit gelber Farbe gefärbt, aufgewalzt, durchgewalzt, auf beiden
Seiten geglättet werde.‹ Auf diese Worte, o Herr, erwiderte
Rattapāṇi der Färber dem Brāhmanen: ›Dieses neue Stück Tuch,
o Herr, das nimmt dir Farbe an und lässt sich aufwalzen und
lässt sich glatt machen.‹ Ebenso nun auch, o Herr, nimmt des
Erhabenen Rede, des Heiligen, vollkommen Erwachten, Farbe an,
für Weise, nicht für Thoren, und lässt sich zurichten und lässt
sich glatt machen.«
»Der König, o Hausvater, und das Hofgesinde weiß von dir:
›Upāli der Hausvater ist ein Jünger des Freien Bruders
Nāthaputto‹; für wessen Jünger, Hausvater, sollen wir dich
halten?«
Also befragt erhob sich Upāli der Hausvater von seinem Sitze,
entblößte die eine Schulter, verneigte sich ehrerbietig nach
der Richtung wo der Erhabene weilte, und gab nun dem Freien 386
Bruder Nāthaputto diese Antwort:
»So vernimm denn, o Herr, wessen Jünger ich bin.
»Des Weisen, den kein Wahn bethört,
Kein Unmuth ankommt und kein Sieg versucht,
Kein Uebel peinigt, keine Regung reizt,
Gereifte Tugend, rechter Witz beräth,
Erhaben über alle Welt kein Flecken fleckt:
Ja, dessen Jünger, der bin ich.
»Des Frohen, der da nimmer fragt,
Zufrieden, weltgenussgenesen weilt,
Asketenkunst gemeistert hat als Mensch,
Den letzten Leib als Mann zu Ende trägt,
Erhaben ohnegleichen heiter glänzt:
Ja, dessen Jünger, der bin ich.
»Des Kühnen, der kein Zagen kennt,
Gewisser Führer, bester Lenker ist,
So lieblich, wie kein Zweiter Wahrheit lehrt,
Von Sehnsucht lauter, hell wie Sonnenlicht,
Erhaben ohne Hoffart, heldensam:
Ja, dessen Jünger, der bin ich.
»Des Aechten, der alleinig west[22]
Und unermesslich tief Gedanken denkt,
Gar wohl uns rathen, helfen kann,
In rechter Ordnung unverstörbar steht,
Erhaben kehrt aus Fesseln frei hervor:
Ja, dessen Jünger, der bin ich.
»Des Großen, der entfremdet lebt,
Von jedem Band entbunden, freigelöst,
Besonnen keinem Frohne fröhnt,
Und ohne Absicht, ohne Wunscheshang
Erhaben abgewendet in sich ruht:
Ja, dessen Jünger, der bin ich.
»Des hehrsten Sehers, der uns taugt,
Vollendet heilig, dreifach aufgeklärt,
Gewitzigt, weil das Wort er weiß.
Beschwichtigt, weil den Sinn er sieht,
Erhaben, wie der Götterkönig hold:
Ja, dessen Jünger, der bin ich.
»Des Wackern, der sich selbst bewacht,
Getreu im Tritte, gern uns Kunde giebt,
Der in sich schaut und um sich schaut,
Geneigt ist keinem, keinem abgeneigt,
Erhaben herzensmächtig, unbewegt:
Ja, dessen Jünger, der bin ich.
»Des Fürsten, der da Schauung übt,
Unhemmbar abgeschieden, rein entrückt,
Enthaftet keine Furcht erfährt[23],
Entwesen ledig, bis zum letzten Ziel,
Erhaben und errettet Retter ist:
Ja, dessen Jünger, der bin ich.
»Des Sanften, der da reichlich weiß,
Gewaltig weiß, und keiner Sucht begehrt,
Vollkommen hier, willkommen hier,
Nicht einem ebenbürtig, ebenbild,
Erhaben weit hinausblickt, fein versteht:
Ja, dessen Jünger, der bin ich.
»Des Wachen, den kein Durst mehr quält,
Kein Rauch umdüstert, nimmer Nebel netzt,
Des Geistes, den das Opfer ehrt,
Der wie kein andrer herrlich ragt empor,
Erhaben Erstgerühmter, riesenhoch:
Ja, dessen Jünger, der bin ich.«
»Wann hast du dir nur, Hausvater, diese Lobpreisungen des
Asketen Gotamo zusammengesucht?«
»Gleichwie etwa, o Herr, wenn da ein großer Haufe verschiedener
Blumen läge, und es bände ihn ein geschickter Gärtner oder 387
Gärtnergeselle zu einem bunten Strauße zusammen, ebenso nun
auch, o Herr, eignet Ihm, dem Erhabenen, vielfaches Lob,
vielhundertfaches Lob: und wer wird, o Herr, einen, der Lob
verdient, nicht loben?«
* * * * *
Aber dem Freien Bruder Nāthaputto, der des Erhabenen Ehrung
nicht länger zu ertragen vermochte, quoll da warmes Blut aus
dem Munde hervor.[24]
57.
Sechster Theil Siebente Rede
DER HUNDELEHRLING
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene im Lande
der Koḷiyer, zu Haliddavasanam, einer Burg im Koḷiyergebiete.
Da nun begab sich der Koḷiyer Puṇṇo, ein Kuhlehrling, und
Seniyo der Unbekleidete, ein Hundelehrling, dorthin wo
der Erhabene weilte. Dort angelangt begrüßte der Koḷiyer
Puṇṇo, der Kuhlehrling, den Erhabenen ehrerbietig und setzte
sich seitwärts nieder; während Seniyo der Unbekleidete,
der Hundelehrling, mit dem Erhabenen höflichen Gruß und
freundliche, denkwürdige Worte wechselte und sich dann wie ein
Hund eingerollt seitwärts hinsetzte.
Seitwärts sitzend sprach nun der Koḷiyer Puṇṇo, der
Kuhlehrling, zum Erhabenen also:
»Dieser Unbekleidete, o Herr, Seniyo der Hundelehrling, übt
schwere Buße: auf die Erde geworfene Nahrung nimmt er zu
sich. Er hat das Hundegelübte lange Zeit hindurch befolgt und
bewahrt: wohin wird er gelangen, was darf er erwarten?«
»Genug, Puṇṇo, lass es gut sein, frage mich das nicht!«
Und zum zweiten Mal, und zum dritten Mal sprach der Koḷiyer
Puṇṇo, der Kuhlehrling, zum Erhabenen also:
»Dieser Unbekleidete, o Herr, Seniyo der Hundelehrling, übt
schwere Buße: auf die Erde geworfene Nahrung nimmt er zu
sich. Er hat das Hundegelübde lange Zeit hindurch befolgt und
bewahrt: wohin wird er gelangen, was darf er erwarten?«
»Wohlan denn, Puṇṇo, du giebst mir nicht nach: genug, Puṇṇo,
lass’ es gut sein, frage mich das nicht; so will ich dir nun
Rede stehn. Da verwirklicht, Puṇṇo, einer das Hundegelübde,
kommt ihm ganz und gar nach, verwirklicht die Hundegewohnheit,
kommt ihr ganz und gar nach, verwirklicht das Hundegemüth,
kommt ihm ganz und gar nach, verwirklicht das Hundegehaben, 388
kommt ihm ganz und gar nach. Und hat er das Hundegelübde
verwirklicht, ist ihm ganz und gar nachgekommen, hat er
die Hundegewohnheit verwirklicht, ist ihr ganz und gar
nachgekommen, hat er das Hundegemüth verwirklicht, ist ihm ganz
und gar nachgekommen, hat er das Hundegehaben verwirklicht,
ist ihm ganz und gar nachgekommen, so gelangt er bei der
Auflösung des Körpers, nach dem Tode, unter Hunden wieder zum
Dasein. Wenn er aber die Meinung hegt: ›Durch diese Uebungen
oder Gelübde, Kasteiung oder Entsagung werd’ ich ein Gott
werden oder ein Göttlicher!‹, so ist es eine falsche Meinung.
Und seine falsche Meinung, sag’ ich, Puṇṇo, lässt ihn nach
der einen oder nach der anderen Seite gelangen: in höllische
Welt oder in thierischen Schooß. So führt also, Puṇṇo, das
Hundegelübde, wenn es gelingt, zu den Hunden hin, und wenn es
misslingt, in höllische Welt.«
Auf diese Worte brach Seniyo der Unbekleidete, der
Hundelehrling, in Wehklagen und Thränen aus. Und der Erhabene
sprach nun zum Koḷiyer Puṇṇo, dem Kuhlehrling, also:
»Du hast mir ja, Puṇṇo, nicht nachgeben wollen: genug, Puṇṇo,
lass’ es gut sein, frage mich das nicht!«
»Nicht klage ich, o Herr, weil der Erhabene solches über mich
ausgesagt hat, sondern weil ich, o Herr, dieses Hundegelübde
lange Zeit hindurch befolgt und bewahrt habe! -- Dieser Koḷiyer
Puṇṇo, o Herr, der Kuhlehrling, hat das Kuhgelübde lange Zeit
hindurch befolgt und bewahrt: wohin wird er gelangen, was darf
er erwarten?«
»Genug, Seniyo, lass’ es gut sein, frage mich das nicht!«
Und zum zweiten Mal, und zum dritten Mal sprach Seniyo der
Unbekleidete, der Hundelehrling, zum Erhabenen also:
»Dieser Koḷiyer Puṇṇo, o Herr, der Kuhlehrling, hat das
Kuhgelübde lange Zeit hindurch befolgt und bewahrt: wohin wird
er gelangen, was darf er erwarten?«
»Wohlan denn, Seniyo, du giebst mir nicht nach: genug, Seniyo,
lass’ es gut sein, frage mich das nicht; so will ich dir nun
Rede stehn. Da verwirklicht, Seniyo, einer das Kuhgelübde,
kommt ihm ganz und gar nach, verwirklicht die Kuhgewohnheit,
kommt ihr ganz und gar nach, verwirklicht das Kuhgemüth, kommt
ihm ganz und gar nach, verwirklicht das Kuhgehaben, kommt ihm
ganz und gar nach. Und hat er das Kuhgelübde verwirklicht,
ist ihm ganz und gar nachgekommen, hat er die Kuhgewohnheit
verwirklicht, ist ihr ganz und gar nachgekommen, hat er das
Kuhgemüth verwirklicht, ist ihm ganz und gar nachgekommen,
hat er das Kuhgehaben verwirklicht, ist ihm ganz und gar
nachgekommen, so gelangt er bei der Auflösung des Körpers,
nach dem Tode, unter Kühen wieder zum Dasein. Wenn er aber die
Meinung hegt: ›Durch diese Uebungen oder Gelübde, Kasteiung 389
oder Entsagung werd’ ich ein Gott werden oder ein Göttlicher!‹,
so ist es eine falsche Meinung. Und seine falsche Meinung, sag’
ich, Seniyo, lässt ihn nach der einen oder nach der anderen
Seite gelangen: in höllische Welt oder in thierischen Schooß.
So führt also, Seniyo, das Kuhgelübde, wenn es gelingt, zu den
Kühen hin, und wenn es misslingt, in höllische Welt.«
Auf diese Worte brach der Koḷiyer Puṇṇo, der Kuhlehrling, in
Wehklagen und Thränen aus. Und der Erhabene sprach nun zu
Seniyo dem Unbekleideten, dem Hundelehrling, also:
»Du hast mir ja, Seniyo, nicht nachgeben wollen: genug, Seniyo,
lass’ es gut sein, frage mich das nicht!«
»Nicht klage ich, o Herr, weil der Erhabene solches über mich
ausgesagt hat, sondern weil ich, o Herr, dieses Kuhgelübde
lange Zeit hindurch befolgt und bewahrt habe. -- So viel trau’
ich, o Herr, dem Erhabenen zu und glaube, der Erhabene kann
die Lehre derart zeigen, dass ich eben von diesem Kuhgelübde,
Seniyo aber der Unbekleidete, der Hundelehrling, von dem
Hundegelübde abstehn mag!«
»So höre denn, Puṇṇo, und achte wohl auf meine Rede.«
»Gewiss, o Herr!« erwiderte da aufmerksam der Koḷiyer Puṇṇo,
der Kuhlehrling, dem Erhabenen. Der Erhabene sprach also:
»Vier Arten von Thaten, Puṇṇo, hab’ ich mir offenbar
gemacht, verwirklicht und erklärt: welche vier sind das? Es
giebt, Puṇṇo, dunkle That, die dunkle Folge hat; es giebt,
Puṇṇo, lichte That, die lichte Folge hat; es giebt, Puṇṇo,
dunkel-lichte That, die dunkel-lichte Folge hat; es giebt,
Puṇṇo, weder dunkle noch lichte That, die weder dunkle noch
lichte Folge hat, That, die zur Thatenversiegung führt. Was ist
das aber, Puṇṇo, für eine That, die dunkel ist und dunkle Folge
hat? Da begeht einer, Puṇṇo, in Werken beschwerhafte Handlung,
begeht in Worten beschwerhafte Handlung, begeht in Gedanken
beschwerhafte Handlung. Und hat er in Werken beschwerhafte
Handlung begangen, in Worten beschwerhafte Handlung begangen,
in Gedanken beschwerhafte Handlung begangen, so gelangt er
in beschwerhafter Welt wieder zum Dasein. Und ist er in
beschwerhafter Welt wieder zum Dasein gelangt, so empfangen ihn
beschwerhafte Empfindungen. Und von beschwerhaften Empfindungen
empfangen fühlt er ein beschwerhaftes Gefühl, einzig leidvoll,
gleichwie etwa höllische Wesen. Also kommt, Puṇṇo, nach dem 390
Wirken des Wesens Wiedersein zustande. Was einer wirkt lässt
ihn wiedersein; wiedergeworden empfangen ihn Empfindungen.
Darum aber, Puṇṇo, sag’ ich: Erben der Werke sind die Wesen.
Das heißt man, Puṇṇo, dunkle That, die dunkle Folge hat.
»Und was ist das, Puṇṇo, für eine That, die licht ist
und lichte Folge hat? Da begeht einer, Puṇṇo, in Werken
beschwerlose Handlung, begeht in Worten beschwerlose Handlung,
begeht in Gedanken beschwerlose Handlung. Und hat er in
Werken beschwerlose Handlung begangen, in Worten beschwerlose
Handlung begangen, in Gedanken beschwerlose Handlung begangen,
so gelangt er in beschwerloser Welt wieder zum Dasein. Und
ist er in beschwerloser Welt wieder zum Dasein gelangt, so
empfangen ihn beschwerlose Empfindungen. Und von beschwerlosen
Empfindungen empfangen fühlt er ein beschwerloses Gefühl,
einzig freudvoll, gleichwie etwa strahlende Götter. Also kommt,
Puṇṇo, nach dem Wirken des Wesens Wiedersein zustande. Was
einer wirkt lässt ihn wiedersein; wiedergeworden empfangen ihn
Empfindungen. Darum aber, Puṇṇo, sag’ ich: Erben der Werke sind
die Wesen. Das heißt man, Puṇṇo, lichte That, die lichte Folge
hat.
»Und was ist das, Puṇṇo, für eine That, die dunkel-licht ist
und dunkel-lichte Folge hat? Da begeht einer, Puṇṇo, in Werken
beschwerhafte Handlung und beschwerlose Handlung, begeht in
Worten beschwerhafte Handlung und beschwerlose Handlung,
begeht in Gedanken beschwerhafte Handlung und beschwerlose
Handlung. Und hat er in Werken beschwerhafte Handlung und
beschwerlose Handlung begangen, in Worten beschwerhafte
Handlung und beschwerlose Handlung begangen, in Gedanken
beschwerhafte Handlung und beschwerlose Handlung begangen, so
gelangt er in beschwerhafter und beschwerloser Welt wieder
zum Dasein. Und ist er in beschwerhafter und beschwerloser
Welt wieder zum Dasein gelangt, so empfangen ihn beschwerhafte
und beschwerlose Empfindungen. Und von beschwerhaften
und beschwerlosen Empfindungen empfangen fühlt er ein
beschwerhaftes und beschwerloses Gefühl, freudvoll und leidvoll
gemischt, gleichwie etwa Menschen, und manche Götter und manche
Geister.[25] Also kommt, Puṇṇo, nach dem Wirken des Wesens
Wiedersein zustande. Was einer wirkt lässt ihn wiedersein;
wiedergeworden empfangen ihn Empfindungen. Darum aber, Puṇṇo,
sag’ ich: Erben der Werke sind die Wesen. Das heißt man, Puṇṇo,
dunkel-lichte That, die dunkel-lichte Folge hat.
»Und was ist das, Puṇṇo, für eine That, die weder dunkel noch 391
licht ist und weder dunkle noch lichte Folge hat, That, die
zur Thatenversiegung führt? Es ist da, Puṇṇo, was dunkle That
anlangt, die dunkle Folge hat, deren Verleugnung, die gedacht
wird; und ist was lichte That anlangt, die lichte Folge hat,
deren Verleugnung, die gedacht wird; und ist was dunkel-lichte
That anlangt, die dunkel-lichte Folge hat, deren Verleugnung,
die gedacht wird. Das heißt man, Puṇṇo, weder dunkle noch
lichte That, die weder dunkle noch lichte Folge hat, That, die
zur Thatenversiegung führt.
»Das aber, Puṇṇo, sind die vier Arten von Thaten, die ich mir
offenbar gemacht, verwirklicht und erklärt habe.«
Nach diesen Worten wandte sich der Koḷiyer Puṇṇo, der
Kuhlehrling, also an den Erhabenen:
»Vortrefflich, o Herr, vortrefflich, o Herr! Gleichwie etwa,
o Herr, als ob man Umgestürztes aufstellte, oder Verdecktes
enthüllte, oder Verirrten den Weg wiese, oder ein Licht in die
Finsterniss hielte: ›Wer Augen hat wird die Dinge sehn‹: ebenso
auch hat der Erhabene die Lehre gar vielfach gezeigt. Und so
nehm’ ich, o Herr, beim Erhabenen Zuflucht, bei der Lehre und
bei der Jüngerschaft: als Anhänger möge mich der Erhabene
betrachten, von heute an zeitlebens getreu.«
Seniyo aber der Unbekleidete, der Hundelehrling, sprach zum
Erhabenen also:
»Vortrefflich, o Herr, vortrefflich, o Herr! Gleichwie etwa,
o Herr, als ob man Umgestürztes aufstellte, oder Verdecktes
enthüllte, oder Verirrten den Weg wiese, oder Licht in die
Finsterniss hielte: ›Wer Augen hat wird die Dinge sehn‹: ebenso
auch hat der Erhabene die Lehre gar manigfach gezeigt. Und so
nehm’ ich, o Herr, beim Erhabenen Zuflucht, bei der Lehre und
bei der Jüngerschaft: möge mir, o Herr, der Erhabene Aufnahme
gewähren, die Ordensweihe ertheilen!«
»Wer da, Seniyo, erst einem anderen Orden angehörte und in
diese Lehre und Zucht aufgenommen werden, die Weihe erhalten
will, der bleibt vier Monate bei uns; und nach Verlauf von
vier Monaten wird er, wenn er also verblieben ist, von innig
erfahrenen Mönchen aufgenommen und eingeweiht in das Mönchthum:
denn ich habe hier manche Veränderlichkeit erfahren.«
»Wenn, o Herr, die früheren Anhänger anderer Orden, welche in
diese Lehre und Zucht aufgenommen werden, die Weihe erhalten
wollen, vier Monate bleiben, und nach Verlauf von vier Monaten,
wenn sie also verblieben sind, von innig erfahrenen Mönchen
aufgenommen und eingeweiht werden in das Mönchthum, so will ich
vier Jahre bleiben[26]: und nach Verlauf von vier Jahren sollen
mich, wenn ich also verblieben bin, innig erfahrene Mönche
aufnehmen und einweihen in das Mönchthum.«
Es wurde Seniyo der Unbekleidete, der Hundelehrling, vom
Erhabenen aufgenommen, wurde mit der Ordensweihe belehnt.
Nicht lange aber war der ehrwürdige Seniyo in den Orden
aufgenommen, da hatte er, einsam, abgesondert, unermüdlich,
in heißem, innigem Ernste gar bald was edle Söhne gänzlich 392
vom Hause fort in die Hauslosigkeit lockt, jenes höchste Ziel
des Asketenthums noch bei Lebzeiten sich offenbar gemacht,
verwirklicht und errungen. ›Versiegt ist die Geburt, vollendet
das Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt
verstand er da. Auch einer war nun der ehrwürdige Seniyo der
Heiligen geworden.[27]
58.
Sechster Theil Achte Rede
ABHAYO DER KÖNIGSOHN
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei
Rājagaham, im Bambusparke, am Hügel[28] der Eichhörnchen.
Da nun begab sich Abhayo der Königsohn dorthin wo der Freie
Bruder Nāthaputto weilte, begrüßte den Freien Bruder Nāthaputto
ehrerbietig und setzte sich seitwärts nieder. Und zu Abhayo
dem Königsohn, der zur Seite saß, sprach der Freie Bruder
Nāthaputto also:
»Gehe, du Königsohn, und nimm den Asketen Gotamo beim Worte:
dann wird man dir mit dem frohen Ruhmesrufe begegnen: ‚Abhayo
der Königsohn hat den Asketen Gotamo, den so mächtigen, so
gewaltigen, beim Worte genommen!‘«
»Wie aber, o Herr, soll ich den Asketen Gotamo, den so
mächtigen, so gewaltigen, beim Worte nehmen?«
»Gehe, du Königsohn, hin wo der Asket Gotamo weilt, und sprich
dann also zu ihm: ›Mag wohl, o Herr, der Vollendete Dinge
sagen, die den anderen unlieb und unangenehm sind?‹ Wenn dir
der Asket Gotamo auf diese Frage also antwortet: ›Sagen mag,
o Königsohn, der Vollendete Dinge, die den anderen unlieb und
unangenehm sind‹, so hast du also zu ihm zu reden: ›Aber was
ist dann nur, o Herr, für ein Unterschied zwischen dir und
einem gewöhnlichen Menschen? Denn auch der gewöhnliche Mensch
mag Dinge sagen, die den anderen unlieb und unangenehm sind.‹
Doch wenn dir der Asket Gotamo auf deine Frage also antwortet:
›Nicht mag, o Königsohn, der Vollendete Dinge sagen, die den
anderen unlieb und unangenehm sind‹, so hast du also zu ihm zu 393
reden: ›Aber hast du denn nicht, o Herr, von Devadatto gesagt:
‚Unsälig ist Devadatto, unrettbar ist Devadatto, Zwecke sucht
Devadatto[29], unheilbar ist Devadatto‘? Und diese deine Worte
haben Devadatto zornig und unzufrieden gemacht!‹ Legst du,
o Königsohn, dem Asketen Gotamo diese doppeldeutige Frage
vor, so wird er weder ausschlingen noch einschlingen können.
Gleichwie etwa ein Mann, dem ein eiserner Ring um den Hals
gelegt ist, nicht ausschlingen kann und nicht einschlingen,
ebenso nun auch, o Königsohn, wird der Asket Gotamo auf diese
doppeldeutige Frage weder ausschlingen noch einschlingen
können.«
»Gut, o Herr!« erwiderte da gehorsam Abhayo der Königsohn dem
Freien Bruder Nāthaputto. Und er stand von seinem Sitze auf,
begrüßte den Freien Bruder Nāthaputto ehrerbietig, ging rechts
herum und begab sich dorthin wo der Erhabene weilte, begrüßte
den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich seitwärts nieder.
Als nun Abhayo der Königsohn zur Seite saß, da sah er nach
der Sonne und gedachte: ›Es ist heute nicht an der Zeit, den
Erhabenen beim Worte zu nehmen; morgen dann will ich in meinem
Hause den Erhabenen beim Worte nehmen‹: und er sprach zum
Erhabenen also:
»Gewähre mir, o Herr, der Erhabene die Bitte, morgen selbviert
bei mir zu speisen!«
Schweigend gewährte der Erhabene die Bitte.
Als nun Abhayo der Königsohn der Zustimmung des Erhabenen
sicher war, stand er von seinem Sitze auf, begrüßte den
Erhabenen ehrerbietig, ging rechts herum und entfernte sich.
Und der Erhabene begab sich am nächsten Morgen, zeitig
gerüstet, mit Mantel und Schaale versehn, nach dem Hause Abhayo
des Königsohns. Dort angelangt nahm der Erhabene auf dem
dargebotenen Sitze Platz. Und Abhayo der Königsohn bediente und
versorgte eigenhändig den Erhabenen mit ausgewählter fester
und flüssiger Speise.
Nachdem nun der Erhabene gespeist und das Mahl beendet hatte,
nahm Abhayo der Königsohn einen von den niederen Stühlen zur
Hand und setzte sich zur Seite hin. Zur Seite sitzend sprach
dann Abhayo der Königsohn zum Erhabenen also:
»Mag wohl, o Herr, der Vollendete Dinge sagen, die den anderen
unlieb und unangenehm sind?«
»Nicht wohl, Königsohn, einzig das.«
»Das haben, o Herr, die Freien Brüder vorgebracht.«
»Warum denn, Königsohn, sprichst du also: ›Das haben, o Herr,
die Freien Brüder vorgebracht‹?« 394
»Da war ich, o Herr, zum Freien Bruder Nāthaputto hingegangen,
hatte ihn ehrerbietig begrüßt und mich seitwärts niedergesetzt.
Und als ich da saß, sprach der Freie Bruder Nāthaputto also
zu mir: ›Gehe, du Königsohn, und nimm den Asketen Gotamo beim
Worte: dann wird man dir mit dem frohen Ruhmesrufe begegnen:
‚Abhayo der Königsohn hat den Asketen Gotamo, den so mächtigen,
so gewaltigen, beim Worte genommen!‘‹ Auf diesen Rath, o Herr,
erwiderte ich dem Freien Bruder Nāthaputto: ›Wie soll ich aber,
o Herr, den Asketen Gotamo, den so mächtigen, so gewaltigen,
beim Worte nehmen?‹ -- ›Gehe, du Königsohn, hin wo der Asket
Gotamo weilt, und sprich dann also zu ihm: ‚Mag wohl, o
Herr, der Vollendete Dinge sagen, die den anderen unlieb und
unangenehm sind?‘ Wenn dir der Asket Gotamo auf diese Frage
also antwortet: ‚Sagen mag, o Königsohn, der Vollendete Dinge,
die den anderen unlieb und unangenehm sind‘, so hast du also
zu ihm zu reden: ‚Aber was ist dann nur, o Herr, für ein
Unterschied zwischen dir und einem gewöhnlichen Menschen? Denn
auch der gewöhnliche Mensch mag Dinge sagen, die den anderen
unlieb und unangenehm sind.‘ Doch wenn dir der Asket Gotamo
auf deine Frage also antwortet: ‚Nicht mag, o Königsohn, der
Vollendete Dinge sagen, die den anderen unlieb und unangenehm
sind‘, so hast du also zu ihm zu reden: ‚Aber hast du denn
nicht, o Herr, von Devadatto gesagt: „Unsälig ist Devadatto,
unrettbar ist Devadatto, Zwecke sucht Devadatto, unheilbar ist
Devadatto“? Und diese deine Worte haben Devadatto zornig und
unzufrieden gemacht!‘ Legst du, o Königsohn, dem Asketen Gotamo
diese doppeldeutige Frage vor, so wird er weder ausschlingen
noch einschlingen können. Gleichwie etwa ein Mann, dem ein
eiserner Ring um den Hals gelegt ist, nicht ausschlingen kann
und nicht einschlingen, ebenso nun auch, o Königsohn, wird der
Asket Gotamo auf diese doppeldeutige Frage weder ausschlingen
noch einschlingen können.‹«
Während dieses Gespräches nun hatte Abhayo der Königsohn einen
zarten Knaben, einen unvernünftigen Säugling auf dem Schooße
sitzen. Da sprach nun der Erhabene zu Abhayo dem Königsohn also:
»Was meinst du wohl, Königsohn: wenn dieser Knabe infolge 395
deiner Nachlässigkeit oder der Nachlässigkeit seiner Amme ein
Holzstück oder einen Scherben in den Mund nähme, was würdest du
mit ihm machen?«
»Ich würd’ es ihm wegnehmen, o Herr! Wenn ich es, o Herr,
nicht gleich von Anfang an wegnehmen könnte, so würd’ ich mit
der linken Hand seinen Kopf halten und mit der rechten einen
Finger krümmen und es ihm, selbst blutig, herausziehen. Und
warum das? Weil mich, o Herr, der Knabe erbarmt.«
»Ebenso nun auch, Königsohn, kennt der Vollendete Worte, von
denen er weiß, dass sie unwahr, unächt, unheilsam und den
anderen unlieb und unangenehm sind, und mag der Vollendete
solche Worte nicht sagen; und kennt der Vollendete Worte, von
denen er weiß, dass sie wahr und ächt und unheilsam und den
anderen unlieb und unangenehm sind, und mag der Vollendete auch
solche Worte nicht sagen; doch kennt der Vollendete Worte,
von denen er weiß, dass sie wahr und ächt und heilsam und den
anderen unlieb und unangenehm sind, und mag da der Vollendete
die Zeit ermessen, solche Worte zu reden. Es kennt der
Vollendete Worte, von denen er weiß, dass sie unwahr, unächt,
unheilsam und den anderen lieb und angenehm sind, und mag der
Vollendete solche Worte nicht sagen; und kennt der Vollendete
Worte, von denen er weiß, dass sie wahr und ächt und unheilsam
und den anderen lieb und angenehm sind, und mag der Vollendete
auch solche Worte nicht sagen; doch kennt der Vollendete Worte,
von denen er weiß, dass sie wahr und ächt und heilsam und den
anderen lieb und angenehm sind, und mag da der Vollendete die
Zeit ermessen, solche Worte zu reden. Und warum das? Weil,
Königsohn, den Vollendeten die Wesen erbarmen.«
»Wenn da, o Herr, gelehrte Fürsten und gelehrte Priester,
gelehrte Bürger und gelehrte Asketen eine Frage zusammenstellen
und den Vollendeten aufsuchen und sie vorlegen, hat da wohl,
o Herr, der Erhabene schon vorher im Geiste daran gedacht:
›Wer mich aufsuchen und befragen wird, dem werd’ ich auf
solche Frage solche Antwort geben‹; oder kommt es eben erst im
Augenblick dem Vollendeten in den Sinn?«
»Da will ich dir nun, Königsohn, eben hierüber eine Frage
stellen: wie’s dir gutdünkt magst du sie beantworten. Was
meinst du wohl, Königsohn: sind dir die Theile und Stücke des
Wagens genau bekannt?«
»Gewiss, o Herr, genau sind mir die Theile und Stücke des
Wagens bekannt.«
»Was meinst du wohl, Königsohn: wenn man zu dir käme und dich
fragte: ›Was ist denn das für ein Theil und Stück vom Wagen‹,
würdest du etwa schon vorher im Geiste daran gedacht haben:
›Wer mich aufsuchen und befragen wird, dem werd’ ich auf solche 396
Frage solche Antwort geben‹; oder kam’ es dir eben erst im
Augenblick in den Sinn?«
»Ich bin ja, o Herr, ein erfahrener Wagenlenker, genau sind
mir die Theile und Stücke des Wagens bekannt, alle Theile
und Stücke des Wagens hab’ ich wohl erprobt: eben erst im
Augenblicke käm’ es mir in den Sinn.«
»Ebenso nun auch, Königsohn, gehn da gelehrte Fürsten und
gelehrte Priester, gelehrte Bürger und gelehrte Asketen den
Vollendeten mit einer Frage an, und es kommt dem Vollendeten
eben erst im Augenblick in den Sinn. Und warum das? Jene
Eigenart der Dinge hat ja, Königsohn, der Vollendete von Grund
aus erkannt, so dass es durch die gründliche Erkenntniss der
Eigenart der Dinge dem Vollendeten eben erst im Augenblick in
den Sinn kommt.«
Nach diesen Worten wandte sich Abhayo der Königsohn also an den
Erhabenen:
»Vortrefflich, o Herr, vortrefflich, o Herr! Gleichwie etwa,
o Herr, als ob man Umgestürztes aufstellte, oder Verdecktes
enthüllte, oder Verirrten den Weg wiese, oder ein Licht in die
Finsterniss hielte: ›Wer Augen hat wird die Dinge sehn‹: ebenso
auch hat der Erhabene die Lehre gar manigfach gezeigt. Und
so nehm’ ich, o Herr, beim Erhabenen Zuflucht, bei der Lehre
und bei der Jüngerschaft: als Anhänger möge mich der Erhabene
betrachten, von heute an zeitlebens getreu.«[30]
59.
Sechster Theil Neunte Rede
VIEL DER GEFÜHLE
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei
Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos.
Da nun begab sich Pañcakaṉgo der Baumeister dorthin wo der
ehrwürdige Udāyī weilte. Dort angelangt begrüßte er den
ehrwürdigen Udāyī ehrerbietig und setzte sich zur Seite hin.
Zur Seite sitzend sprach nun Pañcakaṉgo der Baumeister also zum
ehrwürdigen Udāyī:
»Wieviel Gefühle hat wohl, Herr Udāyī, der Erhabene angegeben?«
»Drei Gefühle, Hausvater, hat der Erhabene angegeben: das
wohlige Gefühl, das wehe Gefühl und das weder wohlig noch
wehe Gefühl. Das, o Hausvater, sind die drei Gefühle, die der 397
Erhabene angegeben hat.«
»Nicht drei Gefühle, Herr Udāyī, hat der Erhabene angegeben,
zwei Gefühle hat der Erhabene angegeben: das wohlige Gefühl und
das wehe Gefühl. Was das weder wohlig noch wehe Gefühl anlangt,
o Herr, das hat der Erhabene beim Tüchtigen als auserlesenes
Wohl bezeichnet.«
Und zum zweiten Mal, und zum dritten Mal sprach der ehrwürdige
Udāyī also zu Pañcakaṉgo dem Baumeister:
»Nicht zwei Gefühle, Hausvater, hat der Erhabene angegeben,
drei Gefühle hat der Erhabene angegeben: das wohlige Gefühl,
das wehe Gefühl und das weder wohlig noch wehe Gefühl. Das, o
Hausvater, sind die drei Gefühle, die der Erhabene angegeben
hat.«
Und zum zweiten Mal, und zum dritten Mal sprach Pañcakaṉgo der
Baumeister also zum ehrwürdigen Udāyī:
»Nicht drei Gefühle, Herr Udāyī, hat der Erhabene angegeben,
zwei Gefühle hat der Erhabene angegeben: das wohlige Gefühl und
das wehe Gefühl. Was das weder wohlig noch wehe Gefühl anlangt,
o Herr, das hat der Erhabene beim Tüchtigen als auserlesenes
Wohl bezeichnet.«
Und weder vermochte der ehrwürdige Udāyī Pañcakaṉgo den
Baumeister zu überzeugen, noch auch vermochte Pañcakaṉgo der
Baumeister den ehrwürdigen Udāyī zu überzeugen.
Es erfuhr aber der ehrwürdige Ānando das Gespräch, das
zwischen dem ehrwürdigen Udāyī und Pañcakaṉgo dem Baumeister
stattgefunden. Und der ehrwürdige Ānando begab sich dorthin
wo der Erhabene weilte, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und
setzte sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend erzählte nun
der ehrwürdige Ānando dem Erhabenen das ganze Gespräch des
ehrwürdigen Udāyī mit Pañcakaṉgo dem Baumeister. Nach diesem
Berichte sprach der Erhabene also zum ehrwürdigen Ānando:
»Einen tauglichen Standpunkt, wahrlich, Ānando, hat Pañcakaṉgo
der Baumeister Udāyī dem Mönche streitig gemacht: und einen
tauglichen Standpunkt, wahrlich, Ānando, hat auch Udāyī der
Mönch Pañcakaṉgo dem Baumeister streitig gemacht. Zwei Gefühle
hab’ ich, Ānando, angegeben je nach dem Standpunkte, und
drei Gefühle hab’ ich angegeben je nach dem Standpunkte, und 398
fünf Gefühle hab’ ich angegeben je nach dem Standpunkte, und
sechs Gefühle hab’ ich angegeben je nach dem Standpunkte, und
achtzehn Gefühle hab’ ich angegeben je nach dem Standpunkte,
und sechsunddreißig Gefühle hab’ ich angegeben je nach dem
Standpunkte, und hundertacht Gefühle hab’ ich angegeben je
nach dem Standpunkte.[31] Also hab’ ich, Ānando, je nach dem
Standpunkte die Lehre dargelegt. Wenn sie nun, Ānando, bei
also von mir je nach dem Standpunkte dargelegter Lehre dem
rechten Worte, der rechten Rede nicht gegenseitig zustimmen,
beistimmen, beipflichten wollen, so ist von ihnen zu erwarten,
dass sie zanken und streiten, mit einander hadern und scharfe
Wortgefechte führen werden. Also hab’ ich, Ānando, je nach dem
Standpunkte die Lehre dargelegt. Wenn sie nun, Ānando, bei also
von mir je nach dem Standpunkte dargelegter Lehre dem rechten
Worte, der rechten Rede gegenseitig zustimmen, beistimmen,
beipflichten wollen, so ist von ihnen zu erwarten, dass sie
sich vertragen, einig, ohne Zwist, mild geworden, einander
sanften Auges ansehn werden.
»Fünf Begehrungen, Ānando, giebt es da: und welche fünf?
Die durch das Gesicht ins Bewusstsein tretenden Formen,
die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem
Begehren entsprechenden, reizenden; die durch das Gehör
ins Bewusstsein tretenden Töne, die ersehnten, geliebten,
entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden,
reizenden; die durch den Geruch ins Bewusstsein tretenden
Düfte, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem
Begehren entsprechenden, reizenden; die durch den Geschmack
ins Bewusstsein tretenden Säfte, die ersehnten, geliebten,
entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden,
reizenden; die durch das Getast ins Bewusstsein tretenden
Tastungen, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen,
dem Begehren entsprechenden, reizenden. Das sind, Ānando, die
fünf Begehrungen. Was da Wohl und Glück, Ānando, diesen fünf
Begehrungen gemäß geht nennt man Wohl des Begehrens.
»Wenn da nun, Ānando, einer behauptet: ›Das ist das höchste
Wohl und Glück, das die Wesen genießen können‹, so gesteh’ ich
ihm das nicht zu: und warum nicht? Es giebt, Ānando, ein Wohl,
das besser und erlesener ist als jenes Wohl. Was ist das aber,
Ānando, für ein Wohl, das besser und erlesener als jenes Wohl
ist? Da weilt, Ānando, ein Mönch, gar fern von Begierden, fern
von unheilsamen Dingen, in sinnend gedenkender ruhegeborener
säliger Heiterkeit, in der Weihe der ersten Schauung. Das ist,
Ānando, ein Wohl, das besser und erlesener ist als jenes Wohl.
»Wenn da nun, Ānando, einer behauptet: ›Das ist das höchste
Wohl und Glück, das die Wesen genießen können‹, so gesteh’
ich ihm das nicht zu: und warum nicht? Es giebt, Ānando, ein 399
Wohl, das besser und erlesener ist als jenes Wohl. Was ist das
aber, Ānando, für ein Wohl, das besser und erlesener als jenes
Wohl ist? Da gewinnt, Ānando, ein Mönch nach Vollendung des
Sinnens und Gedenkens die innere Meeresstille, die Einheit des
Gemüthes, die von sinnen, von gedenken freie, in der Einigung
geborene sälige Heiterkeit, die Weihe der zweiten Schauung. Das
ist, Ānando, ein Wohl, das besser und erlesener ist als jenes
Wohl.
»Wenn da nun, Ānando, einer behauptet: ›Das ist das höchste
Wohl und Glück, das die Wesen genießen können‹, so gesteh’
ich ihm das nicht zu: und warum nicht? Es giebt, Ānando, ein
Wohl, das besser und erlesener ist als jenes Wohl. Was ist das
aber, Ānando, für ein Wohl, das besser und erlesener als jenes
Wohl ist? Da verweilt, Ānando, ein Mönch in heiterer Ruhe,
gleichmüthig, einsichtig, klar bewusst, ein Glück empfindet
er im Körper, von dem die Heiligen sagen: ›Der gleichmüthig
Einsichtige lebt beglückt‹; so erwirkt er die Weihe der dritten
Schauung. Das ist, Ānando, ein Wohl, das besser und erlesener
ist als jenes Wohl.
»Wenn da nun, Ānando, einer behauptet: ›Das ist das höchste
Wohl und Glück, das die Wesen genießen können‹, so gesteh’
ich ihm das nicht zu: und warum nicht? Es giebt, Ānando, ein
Wohl, das besser und erlesener ist als jenes Wohl. Was ist das
aber, Ānando, für ein Wohl, das besser und erlesener als jenes
Wohl ist? Da erwirkt, Ānando, ein Mönch nach Verwerfung der
Freuden und Leiden, nach Vernichtung des einstigen Frohsinns
und Trübsinns die Weihe der leidlosen, freudlosen, gleichmüthig
einsichtigen vollkommenen Reine, die vierte Schauung. Das ist,
Ānando, ein Wohl, das besser und erlesener ist als jenes Wohl.
»Wenn da nun, Ānando, einer behauptet: ›Das ist das höchste
Wohl und Glück, das die Wesen genießen können‹, so gesteh’ ich
ihm das nicht zu: und warum nicht? Es giebt, Ānando, ein Wohl,
das besser und erlesener ist als jenes Wohl. Was ist das aber,
Ānando, für ein Wohl, das besser und erlesener als jenes Wohl
ist? Da gewinnt, Ānando, ein Mönch nach völliger Ueberwindung
der Formwahrnehmungen, Vernichtung der Gegenwahrnehmungen,
Verwerfung der Vielheitwahrnehmungen in dem Gedanken
›Gränzenlos ist der Raum‹ das Reich des unbegränzten Raumes.
Das ist, Ānando, ein Wohl, das besser und erlesener ist als
jenes Wohl.
»Wenn da nun, Ānando, einer behauptet: ›Das ist das höchste
Wohl und Glück, das die Wesen genießen können‹, so gesteh’ ich
ihm das nicht zu: und warum nicht? Es giebt, Ānando, ein Wohl,
das besser und erlesener ist als jenes Wohl. Was ist das aber,
Ānando, für ein Wohl, das besser und erlesener als jenes Wohl
ist? Da gewinnt, Ānando, ein Mönch nach völliger Ueberwindung
der unbegrenzten Raumsphäre in dem Gedanken ›Gränzenlos ist das
Bewusstsein‹ das Reich des unbegränzten Bewusstseins. Das ist,
Ānando, ein Wohl, das besser und erlesener ist als jenes Wohl.
»Wenn da nun, Ānando, einer behauptet: ›Das ist das höchste
Wohl und Glück, das die Wesen genießen können‹, so gesteh’ ich
ihm das nicht zu: und warum nicht? Es giebt, Ānando, ein Wohl,
das besser und erlesener ist als jenes Wohl. Was ist das aber,
Ānando, für ein Wohl, das besser und erlesener als jenes Wohl
ist? Da gewinnt, Ānando, ein Mönch nach völliger Ueberwindung
der unbegränzten Bewusstseinsphäre in dem Gedanken ›Nichts ist
da‹ das Reich des Nichtdaseins. Das ist, Ānando, ein Wohl, das
besser und erlesener ist als jenes Wohl.
»Wenn da nun, Ānando, einer behauptet: ›Das ist das höchste
Wohl und Glück, das die Wesen genießen können‹, so gesteh’ ich
ihm das nicht zu: und warum nicht? Es giebt, Ānando, ein Wohl,
das besser und erlesener ist als jenes Wohl. Was ist das aber,
Ānando, für ein Wohl, das besser und erlesener als jenes Wohl
ist? Da erreicht, Ānando, ein Mönch nach völliger Ueberwindung
der Nichtdaseinsphäre die Gränzscheide möglicher Wahrnehmung.
Das ist, Ānando, ein Wohl, das besser und erlesener ist als
jenes Wohl.
»Wenn da nun, Ānando, einer behauptet: ›Das ist das höchste 400
Wohl und Glück, das die Wesen genießen können‹, so gesteh’ ich
ihm das nicht zu: und warum nicht? Es giebt, Ānando, ein Wohl,
das besser und erlesener ist als jenes Wohl. Was ist das aber,
Ānando, für ein Wohl, das besser und erlesener als jenes Wohl
ist? Da erreicht, Ānando, ein Mönch nach völliger Ueberwindung
der Gränzscheide möglicher Wahrnehmung die Auflösung der
Wahrnehmbarkeit. Das ist, Ānando, ein Wohl, das besser und
erlesener ist als jenes Wohl.
»Möglich aber, Ānando, wär’ es, dass da die Pilger anderer
Orden sagten: ›Die Auflösung der Wahrnehmbarkeit verkündet der
Asket Gotamo, und er bezeichnet sie als Wohl: was ist es damit,
wie verhält es sich damit?‹ Auf solche Rede, Ānando, wäre den
Pilgern anderer Orden solches zu erwidern: ›Nicht, ihr Brüder,
bezeichnet es der Erhabene in Beziehung auf das wohlige Gefühl
als Wohl; sondern, ihr Brüder: wo eben immerhin Wohl empfunden
wird, das bezeichnet da der Vollendete eben immerhin als Wohl.«
* * * * *
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich der ehrwürdige
Ānando über das Wort des Erhabenen.[32]
60.
Sechster Theil Zehnte Rede
FRAGLOSIGKEIT
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit wanderte der Erhabene
im Lande Kosalo von Ort zu Ort und kam, von vielen Mönchen
begleitet, in die Nähe eines kosalischen Brāhmanendorfes Namens
Sālā. Und es hörten die brāhmanischen Hausleute in Sālā reden:
›Der Asket, wahrlich, Herr Gotamo, der Sakyersohn, der dem Erbe
der Sakyer entsagt hat, wandert in unserem Lande von Ort zu Ort
und ist mit vielen Mönchen in Sālā angekommen. Diesen Herrn 401
Gotamo aber begrüßt man allenthalben mit dem frohen Ruhmesrufe,
so zwar: ‚Das ist der Erhabene, der Heilige, vollkommen
Erwachte, der Wissens- und Wandelsbewährte, der Willkommene,
der Welt Kenner, der unvergleichliche Leiter der Männerheerde,
der Meister der Götter und Menschen, der Erwachte, der
Erhabene. Er zeigt diese Welt mit ihren Göttern, ihren bösen
und heiligen Geistern, mit ihrer Schaar von Priestern und
Büßern, Göttern und Menschen, nachdem er sie selbst verstanden
und durchdrungen hat. Er verkündet die Lehre, deren Anfang
begütigt, deren Mitte begütigt, deren Ende begütigt, die sinn-
und wortgetreue, er legt das vollkommen geläuterte, geklärte
Asketenthum dar. Glücklich wer da nun solche Heilige sehn
kann!‘‹
Und die brāhmanischen Hausleute von Sālā begaben sich nun
dorthin wo der Erhabene weilte. Dort angelangt verneigten sich
einige vor dem Erhabenen ehrerbietig und setzten sich zur Seite
nieder, andere wechselten höflichen Gruß und freundliche,
denkwürdige Worte mit dem Erhabenen und setzten sich zur Seite
nieder, einige wieder falteten die Hände gegen den Erhabenen
und setzten sich zur Seite nieder, andere wieder gaben beim
Erhabenen Namen und Stand zu erkennen und setzten sich zur
Seite nieder, und andere setzten sich still zur Seite nieder.
Zu den brāhmanischen Hausleuten von Sālā nun, die da zur Seite
saßen, sprach der Erhabene also:
»Habt ihr wohl, Hausväter, einen lieben Meister unter euch, zu
dem ihr gegründetes Vertrauen hegen könnt?«
»Nein, o Herr, wir haben keinen lieben Meister unter uns, zu
dem wir gegründetes Vertrauen hegen können.«
»Habt ihr, Hausväter, keinen lieben Meister gefunden, so mag
euch diese fraglose Lehre zur Weisung dienen. Denn die fraglose
Lehre, Hausväter, befolgt und bewahrt, die wird euch lange zum
Wohle, zum Heile gereichen. Was ist das aber, Hausväter, für
eine fraglose Lehre?
»Es giebt, Hausväter, manche Asketen und Priester, die sagen
und lehren: ›Almosengeben, Verzichtleisten, Spenden -- es ist
alles eitel; es giebt keine Saat und Ernte guter und böser
Werke; Diesseits und Jenseits sind leere Worte; Vater und
Mutter und auch geistige Geburt sind hohle Namen; die Welt hat
keine Asketen und Priester, die vollkommen und vollendet sind,
die sich den Sinn dieser und jener Welt begreiflich machen,
anschaulich vorstellen und erklären können.‹ Nun sagen aber,
Hausväter, manche Asketen und Priester gerade das Gegentheil
davon und behaupten: ›Almosengeben, Verzichtleisten, Spenden 402
ist kein Unsinn; es giebt eine Saat und Ernte guter und böser
Werke; das Diesseits ist vorhanden und das Jenseits ist
vorhanden; Eltern giebt es und geistige Geburt giebt es; die
Welt hat Asketen und Priester, die vollkommen und vollendet
sind, die sich den Sinn dieser und jener Welt begreiflich
machen, anschaulich vorstellen und erklären können.‹ Was meint
ihr wohl, Hausväter: sagen da nicht die einen Asketen und
Priester gerade das Gegentheil von dem, was die anderen sagen?«
»Allerdings, o Herr!«
»Da ist nun, Hausväter, von den einen Asketen und Priestern
zu erwarten, dass sie den guten Wandel in Werken, Worten
und Gedanken, diese drei heilsamen Dinge, aufgeben und den
schlechten Wandel in Werken, Worten und Gedanken, diese drei
unheilsamen Dinge, annehmen werden: und warum das? Weil ja
jene lieben Asketen und Priester der unheilsamen Dinge Elend,
Ungemach, Trübsal, und der heilsamen Dinge, der Entsagung
vorzüglichen, läuternden Einfluss nicht merken. Denn obzwar
es ein Jenseits giebt, erkennt ein solcher: ›Es giebt kein
Jenseits‹; das ist seine falsche Erkenntniss. Denn obzwar es
ein Jenseits giebt, sinnt er: ›Es giebt kein Jenseits‹; das ist
seine falsche Gesinnung. Denn obzwar es ein Jenseits giebt,
redet er: ›Es giebt kein Jenseits‹; das ist seine falsche Rede.
Denn obzwar es ein Jenseits giebt, behauptet er: ›Es giebt kein
Jenseits‹; und den Heiligen, die vom Jenseits wissen, denen
stellt er sich entgegen. Denn obzwar es ein Jenseits giebt,
belehrt er die anderen: ›Es giebt kein Jenseits‹; das ist seine
unrichtige Belehrung. Und um dieser unrichtigen Belehrung
willen brüstet er sich noch und verachtet[33] die anderen.
So hat er was da früher etwa Gutes an ihm war verleugnet und
Schlechtes angenommen: das ist falsche Erkenntniss, falsche
Gesinnung, falsche Rede, Widerstand gegen Heilige, unrichtige
Belehrung, Eigenlob und Nächstentadel. Also entwickeln sich an
ihm diese verschiedenen bösen, unheilsamen Dinge aus falscher
Erkenntniss.
»Da überlegt nun, Hausväter, ein verständiger Mann: ›Wenn 403
es kein Jenseits giebt, so wird dieser liebe Mann bei der
Auflösung des Körpers, nach dem Tode, heil ausgehn; wenn es
aber ein Jenseits giebt, so wird dieser liebe Mann bei der
Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts, auf schlechte
Fährte, zur Tiefe hinab, in höllische Welt gelangen. Mag es
nun immerhin kein Jenseits geben, wahr soll das Wort jener
lieben Asketen und Priester sein: aber dieser liebe Mann zieht
sich ja schon bei Lebzeiten den Tadel Verständiger zu: ‚Es
ist ein gewissenloser Mensch, der die Dinge falsch ansieht,
an nichts glaubt.‘ Wenn es aber doch ein Jenseits giebt, so
hat dieser liebe Mann auf beiden Seiten das Spiel verloren:
erst, weil er sich schon bei Lebzeiten den Tadel Verständiger
zuzieht; und dann, weil er bei der Auflösung des Körpers, nach
dem Tode, abwärts, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in
höllische Welt gelangen wird. Also hat er diese fraglose Lehre
übel befolgt und bewahrt, nur ein Ziel gelten und das Gute
verkümmern lassen.‹
»Da ist nun, Hausväter, von den anderen Asketen und Priestern
zu erwarten, dass sie den schlechten Wandel in Werken, Worten
und Gedanken, diese drei unheilsamen Dinge, aufgeben und
den guten Wandel in Werken, Worten und Gedanken, diese drei
heilsamen Dinge, annehmen werden: und warum das? Weil ja jene
lieben Asketen und Priester der unheilsamen Dinge Elend,
Ungemach, Trübsal, und der heilsamen Dinge, der Entsagung
vorzüglichen, läuternden Einfluss merken. Und weil es eben ein
Jenseits giebt, erkennt ein solcher: ›Es giebt ein Jenseits‹;
das ist seine rechte Erkenntniss. Und weil es eben ein Jenseits
giebt, sinnt er: ›Es giebt ein Jenseits‹; das ist seine rechte
Gesinnung. Und weil es eben ein Jenseits giebt, redet er: ›Es
giebt ein Jenseits‹; das ist seine rechte Rede. Und weil es
eben ein Jenseits giebt, behauptet er: ›Es giebt ein Jenseits‹;
und den Heiligen, die vom Jenseits wissen, denen stellt er
sich nicht entgegen. Und weit es eben ein Jenseits giebt,
belehrt er die anderen: ›Es giebt ein Jenseits‹; das ist seine
richtige Belehrung. Und um dieser richtigen Belehrung willen 404
brüstet er sich nicht, verachtet nicht die anderen. So hat er
was da früher etwa Schlechtes an ihm war verleugnet und Gutes
angenommen: das ist rechte Erkenntniss, rechte Gesinnung,
rechte Rede, kein Widerstand gegen Heilige, richtige Belehrung,
kein Eigenlob und kein Nächstentadel. Also entwickeln sich an
ihm diese verschiedenen heilsamen Dinge aus rechter Erkenntniss.
»Da überlegt nun, Hausväter, ein verständiger Mann: ›Wenn
es ein Jenseits giebt, so wird dieser liebe Mann bei der
Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte, in
himmlische Welt gelangen. Mag es nun immerhin kein Jenseits
geben, wahr soll das Wort jener lieben Asketen und Priester
sein: aber dieser liebe Mann wird ja schon bei Lebzeiten von
Verständigen gepriesen: ‚Es ist ein gewissenhafter Mensch, der
die Dinge recht ansieht, an etwas glaubt.‘ Wenn es aber doch
ein Jenseits giebt, so hat dieser liebe Mann auf beiden Seiten
das Spiel gewonnen: erst, weil er schon bei Lebzeiten den Preis
Verständiger erwirbt; und dann, weil er bei der Auflösung des
Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte, in himmlische Welt
gelangen wird. Also hat er diese fraglose Lehre wohl befolgt
und bewahrt, beide Ziele gelten und das Schlechte verkümmern
lassen.‹
»Es giebt, Hausväter, manche Asketen und Priester, die sagen
und lehren: ›Was einer begeht und begehn lässt: wer zerstört
und zerstören lässt, wer quält und quälen lässt, wer Kummer und
Plage schafft, wer schlägt und schlagen heißt, wer Lebendiges
umbringt, Nichtgegebenes nimmt, in Häuser einbricht, fremdes
Gut raubt, wer stiehlt, betrügt, Ehefrauen verführt, Lügen
spricht: was einer begeht, er begeht keine Schuld. Und wer da
gleich mit einer scharfgeschliffenen Schlachtscheibe alles
Lebendige auf dieser Erde zu einer einzigen Masse Mus, zu einer
einzigen Masse Brei machte, so hat er darum keine Schuld,
begeht kein Unrecht. Und wer auch am südlichen Ufer des Ganges
verheerend und mordend dahinzöge, zerstörte und zerstören
ließe, quälte und quälen ließe, so hat er darum keine Schuld,
begeht kein Unrecht: und wer auch am nördlichen Ufer des Ganges
spendend und schenkend dahinzöge, Almosen gäbe und geben
ließe, so hat er darum kein Verdienst, begeht nichts Gutes.
Durch Milde, Sanftmuth, Selbstverzicht, Wahrhaftigkeit erwirbt
man kein Verdienst, begeht nichts Gutes.‹ Nun sagen aber,
Hausväter, manche Asketen und Priester gerade das Gegentheil
davon und behaupten: ›Was einer begeht und begehn lässt: wer 405
zerstört und zerstören lässt, wer quält und quälen lässt, wer
Kummer und Plage schafft, wer schlägt und schlagen heißt, wer
Lebendiges umbringt, Nichtgegebenes nimmt, in Häuser einbricht,
fremdes Gut raubt, wer stiehlt, betrügt, Ehefrauen verführt,
Lügen spricht: was einer begeht, er begeht Schuld. Und wer
da etwa mit einer scharfgeschliffenen Schlachtscheibe alles
Lebendige auf dieser Erde zu einer einzigen Masse Mus, zu
einer einzigen Masse Brei machte, der hat darum Schuld, begeht
Unrecht. Und wer etwa am südlichen Ufer des Ganges verheerend
und mordend dahinzöge, zerstörte und zerstören ließe, quälte
und quälen ließe, der hat darum Schuld, begeht Unrecht: und
wer etwa am nördlichen Ufer des Ganges spendend und schenkend
dahinzöge, Almosen gäbe und geben ließe, der hat Verdienst,
begeht Gutes. Durch Milde, Sanftmuth, Selbstverzicht,
Wahrhaftigkeit erwirbt man Verdienst, begeht Gutes.‹ Was meint
ihr wohl, Hausväter: sagen da nicht die einen Asketen und
Priester gerade das Gegentheil von dem, was die anderen sagen?«
»Freilich, o Herr!«
»Da ist nun, Hausväter, von den einen Asketen und Priestern
zu erwarten, dass sie den guten Wandel in Werken, Worten
und Gedanken, diese drei heilsamen Dinge, aufgeben und den
schlechten Wandel in Werken, Worten und Gedanken, diese drei
unheilsamen Dinge, annehmen werden: und warum das? Weil ja
jene lieben Asketen und Priester der unheilsamen Dinge Elend,
Ungemach, Trübsal, und der heilsamen Dinge, der Entsagung
vorzüglichen, läuternden Einfluss nicht merken. Denn obzwar
es ein Handeln giebt, erkennt ein solcher: ›Es giebt kein
Handeln‹; das ist seine falsche Erkenntniss. Denn obzwar es
ein Handeln giebt, sinnt er: ›Es giebt kein Handeln‹; das ist
seine falsche Gesinnung. Denn obzwar es ein Handeln giebt,
redet er: ›Es giebt kein Handeln‹; das ist seine falsche Rede.
Denn obzwar es ein Handeln giebt, behauptet er: ›Es giebt kein
Handeln‹; und den Heiligen, die vom Handeln aussagen, denen
stellt er sich entgegen. Denn obzwar es ein Handeln giebt,
belehrt er die anderen: ›Es giebt kein Handeln‹; das ist seine
unrichtige Belehrung. Und um dieser unrichtigen Belehrung
willen brüstet er sich noch und verachtet die anderen. So
hat er was da früher etwa Gutes an ihm war verleugnet und
Schlechtes angenommen: das ist falsche Erkenntniss, falsche 406
Gesinnung, falsche Rede, Widerstand gegen Heilige, unrichtige
Belehrung. Eigenlob und Nächstentadel. Also entwickeln sich an
ihm diese verschiedenen bösen, unheilsamen Dinge aus falscher
Erkenntniss.
»Da überlegt nun, Hausväter, ein verständiger Mann: ›Wenn es
kein Handeln giebt, so wird dieser liebe Mann bei der Auflösung
des Körpers, nach dem Tode, heil ausgehn; wenn es aber ein
Handeln giebt, so wird dieser liebe Mann bei der Auflösung des
Körpers, nach dem Tode, abwärts, auf schlechte Fährte, zur
Tiefe hinab, in höllische Welt gelangen. Mag es nun immerhin
kein Handeln geben, wahr soll das Wort jener lieben Asketen und
Priester sein: aber dieser liebe Mann zieht sich ja schon bei
Lebzeiten den Tadel Verständiger zu: ‚Es ist ein gewissenloser
Mensch, der die Dinge falsch ansieht, an kein Handeln glaubt.‘
Wenn es aber doch ein Handeln giebt, so hat dieser liebe Mann
auf beiden Seiten das Spiel verloren: erst, weil er sich schon
bei Lebzeiten den Tadel Verständiger zuzieht; und dann, weil
er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts, auf
schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in höllische Welt gelangen
wird. Also hat er diese fraglose Lehre übel befolgt und
bewahrt, nur ein Ziel gelten und das Gute verkümmern lassen.‹
»Da ist nun, Hausväter, von den anderen Asketen und Priestern
zu erwarten, dass sie den schlechten Wandel in Werken, Worten
und Gedanken, diese drei unheilsamen Dinge, aufgeben und
den guten Wandel in Werken, Worten und Gedanken, diese drei
heilsamen Dinge, annehmen werden: und warum das? Weil ja jene
lieben Asketen und Priester der unheilsamen Dinge Elend,
Ungemach, Trübsal, und der heilsamen Dinge, der Entsagung
vorzüglichen, läuternden Einfluss merken. Und weil es eben ein
Handeln giebt, erkennt ein solcher: ›Es giebt ein Handeln‹;
das ist seine rechte Erkenntniss. Und weil es eben ein Handeln
giebt, sinnt er: ›Es giebt ein Handeln‹; das ist seine rechte
Gesinnung. Und weil es eben ein Handeln giebt, redet er: ›Es
giebt ein Handeln‹; das ist seine rechte Rede. Und weil es
eben ein Handeln giebt, behauptet er: ›Es giebt ein Handeln‹;
und den Heiligen, die vom Handeln aussagen, denen stellt er
sich nicht entgegen. Und weil es eben ein Handeln giebt,
belehrt er die anderen: ›Es giebt ein Handeln‹; das ist seine
richtige Belehrung. Und um dieser richtigen Belehrung willen
brüstet er sich nicht, verachtet nicht die anderen. So hat er 407
was da früher etwa Schlechtes an ihm war verleugnet und Gutes
angenommen: das ist rechte Erkenntnis, rechte Gesinnung, rechte
Rede, kein Widerstand gegen Heilige, richtige Belehrung, kein
Eigenlob und kein Nächstentadel. Also entwickeln sich an ihm
diese verschiedenen heilsamen Dinge aus rechter Erkenntniss.[34]
»Da überlegt nun, Hausväter, ein verständiger Mann: ›Wenn es
ein Handeln giebt, so wird dieser liebe Mann bei der Auflösung
des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte, in himmlische Welt
gelangen. Mag es nun immerhin kein Handeln geben, wahr soll das
Wort jener lieben Asketen und Priester sein: aber dieser liebe
Mann wird ja schon bei Lebzeiten von Verständigen gepriesen:
‚Es ist ein gewissenhafter Mensch, der die Dinge recht ansieht,
an das Handeln glaubt.‘ Wenn es aber doch ein Handeln giebt, so
hat dieser liebe Mann auf beiden Seiten das Spiel gewonnen:
erst, weil er schon bei Lebzeiten den Preis Verständiger
erwirbt: und dann, weil er bei der Auflösung des Körpers, nach
dem Tode, auf gute Fährte, in himmlische Welt gelangen wird.
Also hat er diese fraglose Lehre wohl befolgt und bewahrt,
beide Ziele gelten und das Schlechte verkümmern lassen.‹
»Es giebt, Hausväter, manche Asketen und Priester, die sagen
und lehren: ›Es giebt keinem Grund, es giebt keine Ursache der
Verderbniss der Wesen; ohne Grund, ohne Ursache werden die
Wesen verderbt. Es giebt keinen Grund, es giebt keine Ursache
der Läuterung der Wesen; ohne Grund, ohne Ursache werden die
Wesen lauter. Es giebt keine Macht und keine Kraft, es giebt
keine Mannesgewalt und keine Mannestapferkeit. Alle Wesen, alle
Lebendigen, alle Gewordenen, alle Geborenen sind willenlos,
machtlos, kraftlos. Nothwendig kommen sie zustande und
entwickeln sich zur Reife und empfinden je nach den sechs Arten
von Dasein Wohl und Wehe.‹ Nun sagen aber, Hausväter, manche
Asketen und Priester gerade das Gegentheil davon und behaupten:
›Es giebt einen Grund, es giebt eine Ursache der Verderbniss
der Wesen; aus Grund und Ursache werden die Wesen verderbt.
Es giebt einen Grund, es giebt eine Ursache der Läuterung der
Wesen; aus Grund und Ursache werden die Wesen lauter. Es giebt
Macht und Kraft, es giebt Mannesgewalt und Mannestapferkeit.
Kein Wesen, kein Lebendiges, kein Gewordenes, kein Geborenes
ist willenlos, machtlos, kraftlos. Nicht Nothwendigkeit ist es,
wodurch die Wesen zustandekommen, sich zur Reife entwickeln und
je nach den sechs Arten von Dasein Wohl und Wehe empfinden.‹
Was meint ihr wohl, Hausväter: sagen da nicht die einen Asketen 408
und Priester gerade das Gegentheil von dem, was die anderen
sagen?«
»Gewiss, o Herr!«
»Da ist nun, Hausväter, von den einen Asketen und Priestern
zu erwarten, dass sie den guten Wandel in Werken, Worten
und Gedanken, diese drei heilsamen Dinge, aufgeben und den
schlechten Wandel in Werken, Worten und Gedanken, diese drei
unheilsamen Dinge, annehmen werden: und warum das? Weil ja
jene lieben Asketen und Priester der unheilsamen Dinge Elend,
Ungemach, Trübsal, und der heilsamen Dinge, der Entsagung
vorzüglichen, läuternden Einfluss nicht merken. Denn obzwar
es einen Grund giebt, erkennt ein solcher: ›Es giebt keinen
Grund‹; das ist seine falsche Erkenntniss. Denn obzwar es einen
Grund giebt, sinnt er: ›Es giebt keinen Grund‹; das ist seine
falsche Gesinnung. Denn obzwar es einen Grund giebt, redet
er: ›Es giebt keinen Grund‹; das ist seine falsche Rede. Denn
obzwar es einen Grund giebt, behauptet er: ›Es giebt keinen
Grund‹; und den Heiligen, die vom Grunde aussagen, denen stellt
er sich entgegen. Denn obzwar es einen Grund giebt, belehrt er
die anderen: ›Es giebt keinen Grund‹; das ist seine unrichtige
Belehrung. Und um dieser unrichtigen Belehrung willen brüstet
er sich noch und verachtet die anderen. So hat er was da früher
etwa Gutes an ihm war verleugnet und Schlechtes angenommen:
das ist falsche Erkenntniss, falsche Gesinnung, falsche Rede,
Widerstand gegen Heilige, unrichtige Belehrung, Eigenlob und
Nächstentadel. Also entwickeln sich an ihm diese verschiedenen
bösen, unheilsamen Dinge aus falscher Erkenntniss.
»Da überlegt nun, Hausväter, ein verständiger Mann: ›Wenn es
keinen Grund giebt, so wird dieser liebe Mann bei der Auflösung
des Körpers, nach dem Tode, heil ausgehn; wenn es aber einen
Grund giebt, so wird dieser liebe Mann bei der Auflösung des
Körpers, nach dem Tode, abwärts, auf schlechte Fährte, zur
Tiefe hinab, in höllische Welt gelangen. Mag es nun immerhin
keinen Grund geben, wahr soll das Wort jener lieben Asketen und
Priester sein: aber dieser liebe Mann zieht sich ja schon bei
Lebzeiten den Tadel Verständiger zu: ‚Es ist ein gewissenloser
Mensch, der die Dinge falsch ansieht, an keinen Grund glaubt.‘
Wenn es aber doch einen Grund giebt, so hat dieser liebe Mann
auf beiden Seiten das Spiel verloren: erst, weil er sich schon 409
bei Lebzeiten den Tadel Verständiger zuzieht; und dann, weil
er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts, auf
schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in höllische Welt gelangen
wird. Also hat er diese fraglose Lehre übel befolgt und
bewahrt, nur ein Ziel gelten und das Gute verkümmern lassen.‹
»Da ist nun, Hausväter, von den anderen Asketen und Priestern
zu erwarten, dass sie den schlechten Wandel in Werken, Worten
und Gedanken, diese drei unheilsamen Dinge, aufgeben und
den guten Wandel in Werken, Worten und Gedanken, diese drei
heilsamen Dinge, annehmen werden: und warum das? Weil ja jene
lieben Asketen und Priester der unheilsamen Dinge Elend,
Ungemach, Trübsal, und der heilsamen Dinge, der Entsagung
vorzüglichen, läuternden Einfluss merken. Und weil es eben
einen Grund giebt, erkennt ein solcher: ›Es giebt einen Grund‹;
das ist seine rechte Erkenntniss. Und weil es eben einen Grund
giebt, sinnt er: ›Es giebt einen Grund‹; das ist seine rechte
Gesinnung. Und weil es eben einen Grund giebt, redet er: ›Es
giebt einen Grund‹; das ist seine rechte Rede. Und weil es
eben einen Grund giebt, behauptet er: ›Es giebt einen Grund‹;
und den Heiligen, die vom Grunde aussagen, denen stellt er
sich nicht entgegen. Und weil es eben einen Grund giebt,
belehrt er die anderen: ›Es giebt einen Grund‹; das ist seine
richtige Belehrung. Und um dieser richtigen Belehrung willen
brüstet er sich nicht, verachtet nicht die anderen. So hat er
was da früher etwa Schlechtes an ihm war verleugnet und Gutes
angenommen: das ist rechte Erkenntniss, rechte Gesinnung,
rechte Rede, kein Widerstand gegen Heilige, richtige Belehrung,
kein Eigenlob und kein Nächstentadel. Also entwickeln sich an
ihm diese verschiedenen heilsamen Dinge aus rechter Erkenntniss.
»Da überlegt nun, Hausväter, ein verständiger Mann: ›Wenn es
einen Grund giebt, so wird dieser liebe Mann bei der Auflösung
des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte, in himmlische Welt
gelangen. Mag es nun immerhin keinen Grund geben, wahr soll das
Wort jener lieben Asketen und Priester sein: aber dieser liebe
Mann wird ja schon bei Lebzeiten von Verständigen gepriesen:
‚Es ist ein gewissenhafter Mensch, der die Dinge recht ansieht,
an den Grund glaubt.‘ Wenn es aber doch einen Grund giebt so 410
hat dieser liebe Mann auf beiden Seiten das Spiel gewonnen:
erst, weil er schon bei Lebzeiten den Preis Verständiger
erwirbt; und dann, weil er bei der Auflösung des Körpers, nach
dem Tode, auf gute Fährte, in himmlische Welt gelangen wird.
Also hat er diese fraglose Lehre wohl befolgt und bewahrt,
beide Ziele gelten und das Schlechte verkümmern lassen.‹
»Es giebt, Hausväter, manche Asketen und Priester, die sagen
und lehren: ›Es giebt keine gänzlich formlosen Welten.‹ Nun
sagen aber, Hausväter, manche Asketen und Priester gerade das
Gegentheil davon und behaupten: ›Es giebt gänzlich formlose
Welten.‹ Was meint ihr wohl, Hausväter: sagen da nicht die
einen Asketen und Priester gerade das Gegentheil von dem, was
die anderen sagen?«
»Freilich, o Herr!«
»Da überlegt nun, Hausväter, ein verständiger Mann: ›Wenn da
die einen lieben Asketen und Priester sagen und lehren ‚Es
giebt keine gänzlich formlosen Welten‘, so hab’ ich das nicht
gesehn; und wenn da die anderen lieben Asketen und Priester
sagen und lehren ‚Es giebt gänzlich formlose Welten‘, so
hab’ ich das nicht erfahren. Doch wenn ich mich nun, ohne es
erfahren, ohne es gesehn zu haben, einzig für eines entschiede,
‚Dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes‘, so stände mir das
übel an. Ist es nun wahr, was da die einen lieben Asketen und
Priester sagen und lehren ‚Es giebt keine gänzlich formlosen
Welten‘, so kann es wohl sein, dass mir unter den Göttern, die
formhaft sinnlich bestehn, ein Wiederdasein fraglos erreichbar
sei; ist aber das wahr, was da die anderen lieben Asketen und
Priester sagen und lehren ‚Es giebt gänzlich formlose Welten‘,
so kann es wohl sein, dass mir unter den Göttern, die formlos
wahrnehmbar bestehn, ein Wiederdasein fraglos erreichbar sei.
Wo es nun Form giebt, da giebt es Wüthen und Blutvergießen,
Krieg und Zwietracht, Zank und Streit, Lug und Trug: das aber
giebt es ganz und gar nicht in formloser Welt.‹ Also überlegend
wird er eben der Formen überdrüssig, wendet sich ab, löst sich
los.
»Es giebt, Hausväter, manche Asketen und Priester, die sagen
und lehren: ›Es giebt keine gänzliche Auflösung des Daseins.‹
Nun sagen aber, Hausväter, manche Asketen und Priester gerade
das Gegentheil davon und behaupten: ›Es giebt eine gänzliche 411
Auflösung des Daseins.‹ Was meint ihr wohl, Hausväter: sagen da
nicht die einen Asketen und Priester gerade das Gegentheil von
dem, was die anderen sagen?«
»Allerdings, o Herr!«
»Da überlegt nun, Hausväter, ein verständiger Mann: ›Wenn da
die einen lieben Asketen und Priester sagen und lehren ‚Es
giebt keine gänzliche Auflösung des Daseins‘, so hab’ ich
das nicht gesehn; und wenn da die anderen lieben Asketen und
Priester sagen und lehren ‚Es giebt eine gänzliche Auflösung
des Daseins‘, so hab’ ich das nicht erfahren. Doch wenn ich
mich nun, ohne es erfahren, ohne es gesehn zu haben, einzig
für eines entschiede, ‚Dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes‘,
so stände mir das übel an. Ist es nun wahr, was da die einen
lieben Asketen und Priester sagen und lehren ‚Es giebt keine
gänzliche Auflösung des Daseins‘, so kann es wohl sein, dass
mir unter den Göttern, die formlos wahrnehmbar bestehn, ein
Wiederdasein fraglos erreichbar sei; ist aber das wahr, was da
die anderen lieben Asketen und Priester sagen und lehren ‚Es
giebt eine gänzliche Auflösung des Daseins‘, so kann es wohl
sein, dass mir noch bei Lebzeiten Wahnerlöschung erreichbar
sei. Den Asketen und Priestern nun, die da sagen und lehren ‚Es
giebt keine gänzliche Auflösung des Daseins‘, denen gereicht
diese Lehre zum Reize, zur Lockung, zur Freude, zum Behagen,
zum Anhalt: den Asketen und Priestern aber, die da sagen und
lehren ‚Es giebt eine gänzliche Auflösung des Daseins‘, denen
gereicht diese Lehre nicht zum Reize, nicht zur Lockung,
nicht zur Freude, nicht zum Behagen, nicht zum Anhalt.‹ Also
überlegend wird er eben des Daseins überdrüssig, wendet sich
ab, löst sich los.
* * * * *
»Vier Arten von Menschen, Hausväter, finden sich hier in
der Welt vor: welche vier? Da ist, Hausväter, einer ein
Selbstquäler, ist der Uebung der Selbstquaal eifrig ergeben;
da ist, Hausväter, einer ein Nächstenquäler, ist der Uebung
der Nächstenquaal eifrig ergeben; da ist, Hausväter, einer
ein Selbstquäler, ist der Uebung der Selbstquaal eifrig
ergeben, und er ist ein Nächstenquäler, ist der Uebung der
Nächstenquaal eifrig ergeben; da ist, Hausväter, einer weder
ein Selbstquäler, ist nicht der Uebung der Selbstquaal eifrig
ergeben, noch ist er ein Nächstenquäler, ist nicht der Uebung
der Nächstenquaal eifrig ergeben: ohne Selbstquaal, ohne 412
Nächstenquaal ist er schon bei Lebzeiten ausgeglüht, erloschen,
kühl geworden, fühlt sich wohl, heilig geworden im Herzen.
»Was ist das aber, Hausväter, für ein Mensch, der ein
Selbstquäler, der Uebung der Selbstquaal eifrig ergeben ist?
Da ist, Hausväter, einer ein Unbekleideter, ein Ungebundener, 342
ein Handverköster, kein Ankömmling, kein Abwärtling, gestattet
keine Darreichung, keine Vergünstigung, keine Einladung, späht
beim Empfangen des Almosens nicht nach dem Topfe, nicht nach
der Schüssel, nicht über die Schwelle, nicht über das Gitter,
nicht in den Kessel hinein, nimmt nicht von zu zweit Speisenden
an, nicht von einer Schwangeren, nicht von einer Säugenden,
nicht von einer, die vom Manne kommt, nicht von Beschmutzten,
nicht wo ein Hund dabei steht, nicht wo Fliegen hin und her
schwärmen, isst keinen Fisch, kein Fleisch, trinkt keinen
Wein, kein gebranntes Wasser, keinen gegohrenen Haferschleim.
Er geht zu einem Hause und begnügt sich mit einer handvoll
Almosenspeise; geht zu zwei Häusern und begnügt sich mit zwei
handvoll Almosenspeise; geht zu sieben Häusern und begnügt
sich mit sieben handvoll Almosenspeise. Er fristet sein Leben
durch die Mildthätigkeit von nur einer Spenderin, von nur
zwei Spenderinen, von nur sieben Spenderinen. Er nimmt nur
jeden ersten Tag Nahrung ein, nur jeden zweiten Tag, nur jeden
siebenten Tag. Solcherart wechselnd beobachtet er streng diese 343
bis auf einen halben Monat ausgedehnte Fastenübung. Oder er
lebt von Kräutern und Pilzen, von wildem Reis und Korn, von
Saamen und Kernen, von Pflanzenmilch und Baumharz, von Gräsern,
von Kuhmist, fristet sich von Wurzeln und Früchten des Waldes,
lebt von abgefallenen Früchten. Auch trägt er das hänfene Hemd,
trägt das härene Hemd, trägt einen Rock, geflickt aus den im
Leichenhof und auf der Straße gefundenen Fetzen, hüllt sich
in Lumpen, in Felle, in Häute, gürtet sich mit Flechten aus
Gras, mit Flechten aus Rinde, mit Flechten aus Laub, birgt
die Blöße unter pelzigem Schurze, unter borstigem Schurze,
unter einem Eulenflügel. Und er rauft sich Haupt- und Barthaar
aus, die Regel der Haar- und Bartausraufer befolgend; ist ein
Stetigsteher, verwirft Sitz und Lager; ist ein Fersensitzer,
übt die Zucht der Fersensitzer; ist Dornenseitiger und legt
sich zur Seite auf ein Dornenlager; steigt allabendlich zum
dritten Mal herab ins Büßerbad. So übt er sich gar vielfach
in des Körpers inbrünstiger Schmerzensaskese. Den heißt man,
Hausväter, einen Menschen, der ein Selbstquäler, der Uebung der
Selbstquaal eifrig ergeben ist.
»Was ist das aber, Hausväter, für ein Mensch, der ein
Nächstenquäler, der Uebung der Nächstenquaal eifrig ergeben
ist? Da ist, Hausväter, einer ein Schlächter, der Schaafe und
Schweine schlachtet, ist ein Vogelfänger, ein Wildsteller, ein
Jäger, ein Fischer, ein Räuber, ein Henker, ein Kerkermeister,
oder was man da sonst noch anderes als grausames Handwerk
betreibt. Den heißt man, Hausväter, einen Menschen, der ein
Nächstenquäler, der Uebung der Nächstenquaal eifrig ergeben ist.
»Was ist das aber, Hausväter, für ein Mensch, der ein
Selbstquäler, der Uebung der Selbstquaal eifrig ergeben ist,
und der ein Nächstenquäler, der Uebung der Nächstenquaal eifrig
ergeben ist? Da ist, Hausväter, einer ein König, ein Herrscher,
dessen Scheitel gesalbt ist, oder ein hochmögender Priester.
Der hat im Osten der Stadt ein neues Herrenhaus errichten
lassen. Und mit geschorenem Haar und Barte, mit rauhem Felle
gegürtet, mit Butteröl am Körper bestrichen, den Rücken mit
einem Hirschhorne reibend tritt er in das Herrenhaus ein,
begleitet von der ersten Gemahlin und dem Oberpriester. Dort
nimmt er im offenen Hofe, von wo man das Gras entfernt hat,
Platz. Einer Kuh, die ein ihr gleichendes Kalb bei sich hat,
wird an dem einen Euter die Milch ausgemolken, und damit der 344
König bedient; wird an dem zweiten Euter die Milch ausgemolken,
und damit die Königin bedient; wird an dem dritten Euter die
Milch ausgemolken, und damit der Oberpriester bedient; wird
an dem vierten Euter die Milch ausgemolken, und damit dem
Feuer geopfert. Was noch bleibt wird dem Kalbe gelassen. Und
er gebietet: ›Soviele Stiere sollen erschlagen werden um des
Opfers willen, soviele Farren sollen erschlagen werden um des
Opfers willen, soviele Färsen sollen erschlagen werden um des
Opfers willen, soviele Ziegen sollen erschlagen werden um des
Opfers willen, soviele Schaafe sollen erschlagen werden um
des Opfers willen, soviele Bäume sollen gefällt werden, als
Pfosten zu dienen, soviel Gras soll gemäht werden, als Streu zu
dienen!‹ Und seine Knechte und Söldner und Werkleute gehn aus
Furcht vor Strafe, von Angst eingeschüchtert, mit thränenden
Augen klagend daran, den Befehl auszuführen. Den heißt man,
Hausväter, einen Menschen, der ein Selbstquäler, der Uebung der
Selbstquaal eifrig ergeben ist, und der ein Nächstenquäler, der
Uebung der Nächstenquaal eifrig ergeben ist.
»Was ist das aber, Hausväter, für ein Mensch, der weder
ein Selbstquäler, nicht der Uebung der Selbstquaal eifrig
ergeben ist, noch ein Nächstenquäler, nicht der Uebung der
Nächstenquaal eifrig ergeben ist: der ohne Selbstquaal, ohne
Nächstenquaal schon bei Lebzeiten ausgeglüht, erloschen, kühl
geworden ist, sich wohlfühlt, heilig geworden im Herzen? Da
erscheint, Hausväter, der Vollendete in der Welt, der Heilige,
vollkommen Erwachte, der Wissens- und Wandelsbewährte, der
Willkommene, der Welt Kenner, der unvergleichliche Leiter
der Männerheerde, der Meister der Götter und Menschen,
der Erwachte, der Erhabene. Er zeigt diese Welt mit ihren
Göttern, ihren bösen und heiligen Geistern, mit ihrer Schaar
von Priestern und Büßern, Göttern und Menschen, nachdem er
sie selbst verstanden und durchdrungen hat. Er verkündet die
Lehre, deren Anfang begütigt, deren Mitte begütigt, deren Ende
begütigt, die sinn- und wortgetreue, er legt das vollkommen
geläuterte, geklärte Asketenthum dar.
»Diese Lehre hört ein Hausvater, oder der Sohn eines
Hausvaters, oder einer, der in anderem Stande neugeboren ward.
Nachdem er diese Lehre gehört hat, fasst er Vertrauen zum
Vollendeten. Von diesem Vertrauen erfüllt denkt und überlegt er
also: ›Ein Gefängniss ist die Häuslichkeit, ein Schmutzwinkel;
der freie Himmelsraum die Pilgerschaft. Nicht wohl geht es,
wenn man im Hause bleibt, das völlig geläuterte, völlig
geklärte Asketenthum Punkt für Punkt zu erfüllen. Wie, wenn
ich nun, mit geschorenem Haar und Barte, mit fahlem Gewande
bekleidet, aus dem Hause in die Hauslosigkeit hinauszöge?‹ So
giebt er denn später einen kleinen Besitz oder einen großen
Besitz auf, hat einen kleinen Verwandtenkreis oder einen großen 345
Verwandtenkreis verlassen, und ist mit geschorenem Haar und
Barte, im fahlen Gewande von Hause fort in die Hauslosigkeit
gezogen.
»Er ist nun Pilger geworden und hat die Ordenspflichten der
Mönche auf sich genommen. Lebendiges umzubringen hat er
verworfen, Lebendiges umzubringen liegt ihm fern: ohne Stock,
ohne Schwerdt, fühlsam, voll Theilnahme, hegt er zu allen
lebenden Wesen Liebe und Mitleid. Nichtgegebenes zu nehmen hat
er verworfen, vom Nehmen des Nichtgegebenen hält er sich fern:
Gegebenes nimmt er, Gegebenes wartet er ab, nicht diebisch
gesinnt, rein gewordenen Herzens. Die Unkeuschheit hat er
verworfen, keusch lebt er: fern zieht er hin entrathen der
Paarung, dem gemeinen Gesetze. Lüge hat er verworfen, von Lüge
hält er sich fern: die Wahrheit spricht er, der Wahrheit ist
er ergeben, standhaft, vertrauenswürdig, kein Häuchler und
Schmeichler der Welt. Das Ausrichten hat er verworfen, vom
Ausrichten hält er sich fern: was er hier gehört hat erzählt er
dort nicht wieder, um jene zu entzweien, und was er dort gehört
hat erzählt er hier nicht wieder, um diese zu entzweien; so
einigt er Entzweite, festigt Verbundene, Eintracht macht ihn
froh, Eintracht freut ihn, Eintracht beglückt ihn, Eintracht
fördernde Worte spricht er. Barsche Worte hat er verworfen, von
barschen Worten hält er sich fern: Worte, die frei von Schimpf
sind, dem Ohre wohlthuend, liebreich, zum Herzen dringend,
höflich, viele erfreuend, viele erhebend, solche Worte spricht
er. Plappern und Plaudern hat er verworfen, von Plappern und
Plaudern hält er sich fern: zur rechten Zeit spricht er, den
Thatsachen gemäß, auf den Sinn bedacht, der Lehre und Ordnung
getreu, seine Rede ist reich an Inhalt, gelegentlich mit
Gleichnissen geschmückt, klar und bestimmt, ihrem Gegenstande
angemessen.
Sämereien und Pflanzungen anzulegen hat er verschmäht. Einmal
des Tags nimmt er Nahrung zu sich, nachts ist er nüchtern,
fern liegt es ihm zur Unzeit zu essen. Von Tanz, Gesang,
Spiel, Schaustellungen hält er sich fern. Kränze, Wohlgerüche,
Salben, Schmuck, Zierrath, Putz weist er ab. Hohe, prächtige
Lagerstätten verschmäht er. Gold und Silber nimmt er nicht
an. Rohes Getreide nimmt er nicht an. Rohes Fleisch nimmt er
nicht an. Frauen und Mädchen nimmt er nicht an. Diener und
Dienerinen nimmt er nicht an. Ziegen und Schaafe nimmt er nicht
an. Hühner und Schweine nimmt er nicht an
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