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Tagebuch eines bösen Buben

by Metta Victoria Fuller Victor · German · Gutenberg #45956 · 390,290 chars · public domain (US)

The Project Gutenberg eBook of Tagebuch eines bösen Buben
    
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Title: Tagebuch eines bösen Buben

Author: Metta Victoria Fuller Victor


        
Release date: June 13, 2014 [eBook #45956]
                Most recently updated: October 24, 2024

Language: German

Other information and formats: www.gutenberg.org/ebooks/45956

Credits: E-text prepared by Norbert H. Langkau and the Online Distributed Proofreading Team (http://www.pgdp.net) from page images generously made available by Internet Archive/American Libraries (https://archive.org/details/americana)


*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK TAGEBUCH EINES BÖSEN BUBEN ***

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TAGEBUCH EINES BÖSEN BUBEN






[Illustration]

Delphin-Verlag München




          Die Übersetzung aus dem Englischen stammt von
          J. Bolstiber. Die Bilder zeichnete Eugen Osswald.
          Druck von C. Brügel & Sohn A.G., Ansbach

          17.--20. Tausend




                               Tagebuch




Wie er es begann


Ich wahr gestern 8 Jar alt un Mamma sagte zu mir: »Schorschi, was fir
ein Geburtstagspresennt mechstu gern habn?«

Ich sagte »ein Tagbuch«, weil alle meine große Schwestern eins habn un
ich dachte, das ich auch schon groß genug dazu bin. Also kaufte Mamma
mir eins. Weil ichs aber ganz richtig anfangn wollt', schlich ich
henauf in Lilys Zimmer und wollte ein bischen aus ihren henausschreibn,
aber sie hat es in ihrn Schreibtisch eingeschperrt un ich brauchte
greßlich fiel Zeit einen Schlissl der dazu paßt zu suchn. Wi ich enlich
einen gefundn hadte un Lil grad zu Besuch aus war, setzte ich mich
nieder un schrib eine Seite ab, so gut als ich konnte.

Ich hab drei Schwestern, die alle ein Tagbuch habn, in das sie jedn
Abens heneinschreibn, wenn sie sich die Haare henuntergenommen un in
der Lade heneingelegt habn, außer die welche sie eingewiklt habn. Heute
Abens also kommt Herr Willi Schmidt, so ein großer heßlicher alter
Junggesell, der beina jeden abens zu Lil auf Besuch kommt un iber dem
meine Schwestern immer hinter seinen Rickn lachn un ich bin grad in'
Sallohn mit mein' Tagbuch un er fragt mich was ich bekommen hab un
gibt mir ein Schtick Kandeszucker un ich zeig' ihm mein' Tagbuch un er
list es laut for zu Lil un Elsbett die sehr fein aufgeputzt grad in
Zimmer warn: »Ich winsche, der alter Willi Schmidt mechte liber zuhaus
bleibn. Am Sonntag abens war er wider da. Ich werde ihm nie un nie un
nimmermehr auch nur ein bißchen lib habn, aber Mamma sagt, er is reich
un ich muß ihm annehmen, wenn er um mich anhelt. Oh wi grausam is es
mich zu so einen falschn Schpiel zu feranlassen! Es scheint, als ob
mir das Herz brechn mißte. Was fir schreklich große rote Hende er nur
hat un er kann fon nichs andern schprechn, als wifiel Häuser er hat un
seine Krawatte is fon greßlicher Geschmacklosigkeit. Ich winschte er
wirde wegbleibn un dem Ding ein Ende machn. Wi er letztn Sonntag abens
fortging wollte er mich kissn aber ich mechte ebnsogern einen Krebs
kissn wi ihm. O er is so ferschidn fon meinen sißn, sißn Montague de
Jones. O warum is Montague nur ein armer Beamter! Ich kann dises Elend
nich lenger mehr ertragn. Montague is eifersichtig un macht mir die
bitterste Vorwirfe. O was fir ein Betrug is dises Lebn! Ich bin es mid.«

Lil krisch die ganze Zeit un wollte es packn, aber Herr Schmidt hilt es
in der Hehe un las das ganze; dann sagte er zu mir: was schreibst du
solchn Unsinn? aber ich sagte es is kein Unsinn, es is aus Lils Tagbuch
un ich glaube Lil weiß genug, um sich eins zu haltn -- und er nimmt
seinen Hut un Schtock und Elsbett sagt zu mir: »Da has du wider was
schönes angerichtet, Schorschi!«

Lil wollte mich packn, aber ich bickte mich un lif weg.

Ich hab noch keinen Jungen so leicht in der Patsche kommen gesehn, wi
ich. Die ganze Familje is zornig auf mir und sagt ich hab die Heirat
hintergetribn un sie um gute hunderttausend Doller gebracht, aber ich
seh nich ein, wiso ich schuld sein soll -- blos weil ich ein paar Zeiln
aus Lils Tagbuch abgeschribn hab?

Eins is sicher -- das ibrige fon disn Buch wird fon meiner eigner
Erfindung sein, gut oder schlecht. Mir ekln di Narrnsachn in dise
Medchentagbicher.

Heit war so ein Lerm deswegn zuhaus, das ich gar nich sah, wi ich mein
Essn krign soll, so ging ich fischn. Es war nich trib, so wolltn sie
nich anbeißn. Ein Mann kommt forbei un sagt: »Was angebissn, Sehnchen?«

Ich winsche, die Leite mechtn mich nich Sehnchen rufn -- es macht mich
withend. Deswegen schrie ich: »Ferdammter Fisch!«

Un er sagt: »Was fir ein godtloser Junge!«

Un ich sag: »Ach was, der Fisch is auf den Damm.«

Un er kratzte sich am Kopf un ging weg. Grad biß einer an un ich lehnte
mich zuweit heniber und fiel henein. Ich schwamm iber den Damm un flog
henein in die Mihle und grad ibers Rad, aber nich früer, wi ich zur
Schleise kam, dachte ich, ich glaube, sie wern traurig sein, wenn sie
Schorschi nich mehr habn wern, ihm zu scheltn. Ich weiß aber nich mehr
was ich dachte, wi sie mich herauszogn, weil ich so totgetrenkt war,
wie eine Maus; aber sie rolltn mich auf einer Kiste un blisn mir mit
einen Blasbalg in mein innerliches un ich kam zu mir un fragte: »Habt
ihr mein Fischzeig gerettet?« Ich weiß nich, warum Mamma weinte, wie
sie mich nachaus brachtn, denn da wars ja schon forbei un das sagte ich
ihr auch. Ich war greßlich froh, das ich heneingefalln bin, weil sie
driber ganz fergeßn habn, auf mir bös zu sein.

Lil brachte mir Budterbrod un sehr gutn Tee un am abens gingen alle
henunter und wickltn mich in der Deke ein, das ich glaubte ich muß
erschtickn. Deswegen schtand ich auf un zog mein neies Gewand an -- das
andre war zum trocknen. Un weil sie mich gewiß gescholtn hedtn, das ich
aufgeschtandn bin, schlich ich in Sallohn un ferschteckte mich hintern
Vorhang fom Feranderfenster. Ich wahr so mid, das ich gleich einschlief
un wi ich aufkam, herte ich Schtimmen un bemerkte das es Susann un ihr
Ferehrer war, die zusamm am Sofa saßn. Elsbett hakte am Peano am andern
End fom Zimmer. Lil war drobn, weil sie wußte, das Herr Schmidt nich
mehr kommen wird.

»Wir werdn wartn missn,« sagte er, »filleich ein Jar. Der alter Doktor
Bradley braucht einem jungen Mann, um die Fahrtn zu machn un er hat
ferschprochn mich auf disn Fall zu nehmen. Kanns du wartn auf mich mein
Lib? Du wirst Geduld habn missn,« sagte er.

»Du auch mit mir,« sagte Susann un dann lachtn sie.

»Wir tetn besser es fir dem Moment als tifes Geheimniß zu betrachten,«
sagte er.

»Ja,« sagte sie, »wahrhaftig! Es is die beste Polletik lange
Ferlobungen geheim zu haltn -- es kennte irgend etwas dazwischn kommen,
weiß du!«

Un dann schprang sie auf, wi wenn er auf sie geschossen hedt un lif
durchs Zimmer un setzte sich noch grade recht auf einen Sessl, weil ein
par Leite herein kamen und dann noch ein par. Alle wolltn wissn, wi es
dem armen kleinen Schorschi geht un dann kam Mamma und sagte, ich bin
weggelaufn un sie is greßlich besorgt ich hab das Dellirum in meinen
Kopf un mein Gehirn is filleich angegriffn. So gab ich also dem Vorhang
einen Schwups un schprang herfor wi wenn ich Hipf-Frosch schpiln mecht
un es wahr zum lachn, wi sie schrien.

»Oh Schorschi, Schorschi!« seifzte die arme Mamma, »du wirst noch mein
Tod sein -- ich weiß, du wirst.«

»Warstu die ganze Zeit unter den Feranderfenster?« fragte Susann un
wird rot un blaß.

»Natirlich,« sag ich un winke ihm und wink' ihr. »Ich wußte, das
Erlichkeit die beste Polletik is,« fing ich an, »aber warum is es die
beste Polletik es nich zu sagn, wenn ihr ferlobt seid, wi du früer
gesagt hast?« Dann warf mich Susann henaus aus den Zimmer un wi wir
schon bei der Thir warn schrie ich noch: »Laß mein Arm los! Ich geh
schon, brauchst mich nich zu schtoßn. Sag Su, warum bistu so fom Sofa
aufgeschprungn, wi di Leite geklinglt habn? Hat Doktor Moor --«

Aber sie hilt mir die Hand forn Mund un schlug die Thir zu.

»Ich mechte dich so gern auspeitschn, als ich je wieder essn mecht,
Schorschi,« sagt sie und fengt zum weinen an: »so mit der Thire ins
Haus zu falln, du schlechter, schlechter Junge!«

»Mit was fir einer Thire?« frag ich.

»Doktor Moor wird dirs nie ferzeihn!« un schluchst, wi wenn ihr ihr
einzges Schtickchen Kandis in Brunnen gefalln wer. »Wir wolltn, das
kein Mensch for den nechstn seks Monathn etwas dafon weiß.«

»Es tut mir leid, das ichs getan hab, Susi,« sagte ich, »ich werds
auch nimmer tun, wenn du zu weinen aufherst. Aber was hab ich denn
eigentlich angeschtellt? Wenn ich gewußt hedt, das der Doktor so leicht
erschreckt, so wer ich wirklich nich so schnell herausgeschprungen.
Ich mecht so einen Menschn nich heiratn, der so leicht erschreckt. Er
mecht fielleich gleich in Ohmach falln, wenn er in der Nacht ein weißes
Leintuch zum trocknen aufgehengt siht. Ich glaub nich an Geschpenster,
glaubs du?« Wi ich das sag kommt Mamma und schleppt mich wider henauf
in mein Bed und sagt Betti -- das Stubnmedchen -- soll bei mir bleibn
bis ich schlaf, un ich bat Betti, das in mein Tagbuch zu schreibn,
weil ich so mid un schlefrig wahr. Bettis Libhaber hat rote Haare und
schielt. Ich guckte eimal durchs Gangfenster un sah wi er mit ein Aug
auf Betti un mit einen auf der Kechin schaute -- die is so launisch,
wi man nur sein kann -- un ich winschte, ich mecht auch schieln, dann
kennt ich mit ein Aug ins Buch schaun un mit ein Aug auf Tommy Fuller,
wenn er Nadln in die Benke schteckt wo sich die Jungen hinsetzn wolln.
Schielaugn wern der greßter Schpaß fir Jungen, die in der Schul gehn
missn. Betti gehnt, wi wenn ihr der Kopf abfalln mecht. So muß ich
schlissn.




Die Photographien


Ich bin beina eine Woche zu krank gewesn, um in mein Tagbuch zu
schreibn. Ich wahr krank, weil ich mich ertrenkt hab un weil ich aus
den Bed aufgeschtandn bin, wi ich schwitzig war. Doktor Moor war
zweimal jedn Tag bei mir. Er wahr so gut zu mir, das es mir leid tut,
ich hab ihm damals so erschreckt. Ich herte heit früh Elsbett zu Lil
sagn, sie ist froh, das ich krank bin un sie hofft, das ich mindestens
ein Monath krank sein werd, damit ein bischen Fridn im haus is. Ich
mechte nur wissn, warum Medchen ihre kleine Brider nich gern haben. Ich
bin doch wirklich gut zu Beß. Wenn ich gesund bin geh ich zweimal in
Tag zur Post fir ihr. Ich hab im ganzn nich mehr als drei Brife fir
ihr verlorn. Famohs! Bin ich froh, das sie's nich weiß!

Heute nachmittag wahr mir schon so gut, das ich aufschtehn wollte un
wi Betti mitn Nachmahl kam, kroch ich aus dem Bed un ferschteckte mich
hinter der Thir. Ich hadte Mammas Schahl um un wie sie hereinkam,
schprang ich herfor un bellte wi wenn ich ein großer schwarzer Hund
wer -- un dise unforsichge Persohn leßt die Tasse auf der Erde falln.
So eine Bescheerung! Di Porzlanschale gebrochn, die Suppe aufn Teppich
ferschidtet un die ganze Familje kam heraufgelaufn, weil sie so schrie,
wi wenn das Haus in Feier wer. Ich wußte nicht, das Betti so eine Gans
is. Alle scholtn sie mich -- das tun sie immer. Ich glaube, wenn ich
gesund bin, werd ich dafonlaufn un ein Biffljeger wern oder auf ein
Schiff gehn. So is ein Junge nie behandlt worn -- so ungerech.

Heut erlaubtn sie mir in der Decke eingewiklt im Lehnschtuhl zu sitzn.
Aber das wahr mir bald fad, so bat ich Betti mir ein Glas Eiswasser
zu holn um meinem Durscht zu leschn un wi sie draußn war, tummlte ich
mich un lif weg in Lils Zimmer heniber um mir alle di Fotografin fon di
hibschn junge Menner anzuschaun, die sie in der Lade hat. Die Medchen
warn alle im Sallohn druntn, weil Fräuln Miller zu Besuch da wahr.
Betti kam mich suchn aber ich verschteckte mich im Kabenett hinter
einen altn Reifrock. Wi sie weg wahr kam ich wider hervor un unterhilt
mich wirklich sehr gut. Einige fon di Fotografin warn rickwerts
beschribn, wi zum Beischpil: »Eingebildeter Narr!« »Oh wi siß!« »Er
wollte, ich nich!« »Ein herziger Schatz!« »Was fir ein Mund!« »Portreht
eines Affn!«

Zwei Dutzn dafon, welche ich kannte, schteckte ich ein, um ein bischen
Schpaß zu habn, wenn ich gesund bin. Ich machte die Lade wider zu,
sodas Susann nich merkt, das ich sie genommen hab. Mir wahr, als ob ich
nimmer in das heßliche Zimmer zurickgehn kennt, so fad war es mir schon
un ich dachte ich kann mir hir die Zeit fertreibn un schpiln, ich bin
ein junges Medchen. So zog ich also Susis altes Kideparih an un einem
Unterrok mit einen langen Schlepp' un ihr blauseidnes Kleid, nur war es
nich groß genug um der Taillje. In der Lade fand ich ein paar kleine
Lockn die machte ich mir auf der Schtirn mit Gummirabi fest un dann sah
ich etwas rotes in einer Schale un ferbte mir die Wangen damit. Wi ich
fertig wahr, rutschte ich am Treppngelender hinunter un plumpste grad
auf Fräuln Miller, di sich fon meine Schwestern empfehln wollte. So ein
Geschrei, das sie machtn!

»Mein bestes blauseidnes, du Teufl fon einen Jungen!« sagte Su.

Fräuln Miller drehte mich zum Licht un sagte so siß wi Honig: »Woher
has du nur di hibschn rotn Wangen, Schorschi?« Susann machte mir ein
Zeichn, aber ich ferschtand sie nich.

»Ich fand etwas rotes in Susanns Lade,« sagte ich un sie lechlte so
recht hemisch un sagte: »Oh!«

Meine Schwester sagt, sie is eine greßliche Schwetzerin un wird in der
ganzn Schtatt erzehln, daß sie sich schminkn was gar nich wahr is weil
die Schale zufellig dort wahr um Rosn auf Kartnpapir zu machn, un das
is nichs schlechtes.

Ich blib in Susanns Kleid hengen, wi ich die Schtige henauf gehn wollte
un riß dem Vorderteil mittndurch. Sie war so ergerlich, daß sie mich
orfeigte.

»Aha Susi,« sagte ich zu mir, »du weißt nichs fon die Fotografin die
ich aus deiner Lade genommen hab!«

Manche Leite glaubn kleine Jungen habn nur Ohrn um sie zu orfeign --
meine Schwestern wengstens tuns. Wenn sie nur wißtn was fir finstere
und deßprahte Gedankn kleine Jungen habn, mechtn sie sorgsamer mit
ihnen umgehn -- es regt sie auf, wi wenn man mitn Schtock in der
Kotlake herumrihrt.

Ich gab nach -- aber warte nur bis morgn! Heut lißn sie mich zum
Frühschtick henunter kommen. Ich hadte alle dise Bilder in meine Taschn
geschteckt un wi ich aufpasse das ich unbemerk wegschleichn kann, sagt
Lily: »Was macht denn deine Taschn so herausschtehn?«

»Oh ferschidnes!« sagte ich, und sie lachte.

»Ich hab geglaubt, du hast filleich Bicher und Kleider eingeschteckt un
willst weglaufn un ein indjanischer Heiptling wern,« sagte sie.

Ich ferried nichs, sondern sagte: »Ich will in den Hinterhof gehn un
ein bischen schpiln.«

Gut, ich lif also in der Schtadt henunter un hadte einem prachfolln
Schpaß. Ich ging zu alle Orgenahle fon die Fotografin.

[Illustration]

»Halloh Schorschi! Wider gesund?« sagte der erster zu den ich ging.

Oh du mein Gott! Wenn ich groß genug bin wird mein Schnurbart nich
so aufgewikst sein wi seiner, hoff ich. Er is in einen Ladn un ich
bettelte ihm, mir eine hibsche Krawatte zu schenken un wi er fragte:
»Sin deine Schwestern gesund?« fischte ich seine Fotografih heraus un
gab sie ihm.

Es war die mit »Eingebildeter Narr!« auf dem Rickn geschribn. Die
Medchen hadten seinen Schnurbart doplt solang ausgezogn un ihm iber das
ganze Gesicht lachn gemacht. Er wurde so rot wi Feier un dann schrie er
zu mir: »Wer hat das getan, du Nichsnutz?«

»Ich glaube die Geschpenster,« sagte ich so erns wi eine Nachteile un
machte das ich fortkam, weil er auschaute wi wenn gleich das Gewidter
losgehn mecht.

Der nechster Platz, wo ich hin kam, wahr eine Matrjahlwarnhandlung wo
ein andrer junger Mann wahr. Er hadte rotes Haar un Sommerschprossen
aber er schien sich selbs fir einer Schönheit zu haltn.

Ich sagte: »Halloh Peters! Gutn Morgn!«

Er sagte: »Ich winsch ebnfalls, Schorschi. Iß du Rosinen gern? Da, nimm
dir.«

Jungen, die drei hibsche Schwestern habn, gehts iberall gut, bemerke
ich. Ich nahm mir eine große Hanfoll Rosinen un ein par Nisse un setzte
mich zum essn auf den Ladntisch, bis ich auf einmal, wi wenn mirs grad
einfalln mecht, in der Tasche greif, seine Fotografih henausnehm, drauf
schiele un sage: »Das siht aber ganz so aus wie sie, sag ich!«

»Laß sehn!« sagte er.

Ich wollte ers lang nich un dann gab ich sie ihm. Die Medchen hadtn
Sommerschprossn iber das ganze Gesicht gemacht. Das wahr die, bei
welcher sie auf dem Rickn geschribn hatn »Er wollte, ich nich«. Sie
hadtn sein Haar so rot angemahlt wi einen Hahnenkamm. Er wurde ganz
bleich, wi er es in der Näe sah.

»Das is eine brennende Schande,« sagte ich, »fir dise Damen, sich so
iber ihre Ferehrer lustig zu machn.«

»Schau das du fortkommst!« sagte Peters.

Ich packte noch schnell ein Bindl Rosinen und ferschwand ruig. Er wahr
withend! Herr Hofmann is ein Avokat un hat ein Bihro auf den Platz
bein Gerichtshaus. Ich kenn ihm sehr gut, weil er offt zu uns kommt.
Er is ein greßlich komischer Mensch un so schteif, man mechte glaubn,
er schaut ob der Mond aus grinen Käs gemacht is, wi di Leite sagn,
weil er so in der Luft guckt. Er hat eine tife, tife Schtimme beina
bis in seine Schtifl henunter. Das Hertz schlug mir wi ich hinkam, so
firchtete ich mich. Aber ich wollte den Schpaß doch bis zuend sehn un
so fragte ich ihm: »Is das Wunderthir heite ausgeschtellt?«

»Was meins du?« fragte er un schaute auf mir henunter.

[Illustration]

»Susann sagte, wenn ich ins Bihro fon Herrn Hofmann geh, so kann ich
sehn wofon das das Bild is,« sag ich un gib ihm seine eigne Fotografih
beschribn mit »Das große Wunderthir«. Es is greßlich schpaßig, die
Gesichter der Leite zu sehn, wenn sie ihre eigne Fotografihn anschaun.
In einen Nuh hob er dem Fuß auf, aber ich wich ihm noch grad zurecht
aus. Ich herte ihm etwas brummen wi »anzeign wegn Beleidegung«. Ich
glaube er sollte sie liber wegn effentlicher Gewalttetigkeit anzeign,
weil sie mich immer orfeigt. Ich winschte sie mecht eingeschperrt wern,
da gescheh ihr recht.

Wenn ich noch lenger schreib, so komm ich nich for Mitternach ins
Bed. Ich muß schon gehnen wie in schterbender Fisch. So, lebwohl mein
Tagbuch, bis nechstesmahl. Die Bilder hab ich alle noch formittag
zurickgegebn. Ich glaube, das wird einen Schpektakl gebn. Ich muß beina
zerplatzn for lachn, wenn ich an dem Menschn denk dem ich »Das Portreht
eines Affn« zurickgegebn hab. Er schaute so wunderlich aus. Ich glaube
er weinte. Wi ich zum Essn nachaus kam, queltn sie Mamma grad, ihnen zu
erlaubn, nechste Woche Gesellschaft zu gebn. Ich glaube nich, das einer
fon die junge Menner kommen wird, die Medchen werdn auf ihnen ferzichtn
missn. Mir ligt garnix dran. Was nehmen sie sich solche Freiheitn mit
meine Ohrn heraus, wenn sie wolln, ich soll gut zu ihnen sein.

P. S. Ich wette die Ohrn klingen ihnen heite wi mir noch nie.




Die Gesellschaft


Oh Godt! Oh Godt! Was fir eine Welt is das! Kleine Jungen sin zum
Ferdruß geborn, wi di Funkn zum in der Heh flign. Es is iber einer
Woche seit ich das Herz gehabt hab in mein Tagbuch zu schreibn. Armes
Tagbuch! Du Zeige meines gebrochenen Herzns, zu dir komme ich um
Trohst. Auf deine Bletter will ich mein Leid aufschreibn. Es schmerzt
mich noch jetz, grad auf den Sessl zu sitzn, aber deinetwegn will ichs
zu ertragn suchn.

Es kommt alles fon den Tag her, wo ich den Menschn ihre Fotografihn
zurickbrachte. Die Medchen queltn also die Mamma grad, eine
Gesellschaff zu gebn un Mamma ferschprach es ihnen enlich, sodas sie
sehr lustig wahrn un anfingn die Liste von denen herauszuschreibn, die
sie einladn wolltn. Sie wahrn alle drei so ämsig wi Bihnen und ich war
ganz braf un saß auf einen Sessl un herte ruig zu weil ich so mid wahr,
wi es auf eimal klinglt un nimand andrer hereinkommt als Tante Betsey
die in Hoppertown wohnt un uns zweimal in Jar besucht. Meine Schwestern
warn ganz außer sich, weil sie wußtn, das sie eine Woche dableibt un
bei der Gesellschaff sein wird. Lily machte ein böses Gesicht wi sie es
herte.

»Heßliche alte Persohn,« sagte sie, »immer kommt sie zur ungelegestn
Zeit.«

»Sie bleibt sicher hir,« sagte Elsbett, »wenn sie dafon hert, un wird
wider ihr altes grines Seidnkleid tragn mit den gelbn Kopfputz un ihre
lila gewirkte Handschuhe.«

»Sie wird uns greßlich langweiln,« sagte Susann. Ich glaube Tante
Betsey is reich, aber so altmodisch, das man glaubn mechte, si is
grad aus der Arche gekommen mit die Thire zu zwei un zwei nur Tante
Betsey muß allein gehn weil sie eine alte Jungfer is. Wi ich also
herte, das sie hofftn sie wird nich zur Gesellschaff bleibn, hoffte ich
es wirklich auch. Um die Wahrheit zu sagn, ich hadte ein schlechtes
Gewissn wegn dise Fotografihn di ich aus Rache zurickgegebn hab. Oh es
is schrecklich ein schlechtes Gewissn zu habn, es wägt wi Blei. Ich
winsche ich hedte es nich getan aber es nitzt nichs um fergossener
Milch zu weinen un so hab ich beschlossn etwas fir meine Schwestern zu
tun, um es gut zu machn.

Nach dem Tee wahr ich allein mit der Tante im Vorsaal un sagte zu ihr:
»Tante, mechst du meine Schwestern gern glicklich machn?«

»Was meins du?« fragte sie.

»Weil, wenn du wolltest,« sag ich, »bitte fahr nachaus befor
Gesellschaff is. Sie wolln dich den Abend nich hir habn. Ich herte sie
so sagn. Erzehl aber nich das ich dirs gesagt hab, Tante, sondern fahr
nur ruig nachaus den Tag for nechstn Donnerstag un ich wer dir mein
Lebnlang dankbar sein.«

Ich glaube es wahr nich schön fon ihr, zornig zu wern, wenn ich so
heflich zu ihr redete -- un ganz gemein war es, gleich heneinzulaufn
um es zu erzehln, wenn ich sie ausdriklich gebetn hadte, es nich zu
ferratn, was sie aber tat so schnell sie nur konnte, un den nechstn
Tag wahr sie auf und davon un sagte sie wird uns nie un nie un
nimmermehr besuchn.

Aber das is noch nich alles. Es scheint mein Papa hadte Geld fon ihr
ausgeborgt, weil die Zeitn so schlecht sin un sie machte ihm Forwirfe,
das er Gesellschaffn mit ausgeborgten Geld gibt. Der ganzer Zorn
fon alle fiel auf mir armen 8 Jar altn Jungen. Un noch was andres
fiel auf mir. Ich will dir nich di Schande antun, libes Tagbuch un
heneinschreibn, was, es is genug wenn ich sag das sie das Kind ferdorbn
habn, obwohl sie dem Schtock nich schpartn. Betti bedauerte mich un
machte mir ein weiches Kissn aus einen altn Polster. Ich will nich
ausgehn, damit die Jungen nich merkn es is was passihrt -- die Zeit
fergeht greßlich langsam. Ich mechte mir nichs draus machn Robinson zu
sein. Wenn ich eimal groß wer, un einen kleinen Jungen hab, ich wer ihm
nich so behandln. Ich mechte ihm nich beschtrafn fir etwas, was er gar
nich tun wollte, sondern ihm dreimal in Tag mit Schaumkuchn fittern un
seine eltern Schwestern nich so grob zu ihm schprechn lassn, als wer er
ein Monstrem.

Die ganze Zeit war ich nich ruig wegn die Fotografihn. Ich glaubte jedn
Augnblick, es muß herauskommen, was ich angeschtellt hab. Ein Tag nach
den andern ferging, enlich kam der Gesellschaffsabend. Betti zog mir
mein neies Gewand an, band mir meine schönste Krawatte um un schittete
mir einen Liter parfehm auf mein Taschntuch, meine Schwestern predigtn
mir eine halbe Schtunde, wi ich mich benemen muß wenn ich nich
zubett geschikt wern will un lissn mich enlich in Sallohn kommen. Das
ganze Haus war beleichtet, iberall warn Bukehs un ein Mann war da zum
Klawirschpiln. Der Mund wesserte mir, wenn ich an dem Gefrornen dachte
un den Kuchn, die Oranschen und das Scheleh, die Hihner un belegte
Butterbröder die in Schpeißzimmer warn. Die Medchen schautn greßlich
hibsch aus, in Weiße Kleider, die Loknwikl herausgenommen, die Augn
hell un Blumen im Haar.

Die Gesellschaff kam an. Alle die jungen nobln Damen aus den Ort die
zu uns kommen flegn, kamen -- die Uhr schlug nein -- der einzger Herr
der da war, war Doktor Moor, der Susann heiratn wird. Meine Schwestern
fingn an unruig auszuschaun. Ich zidterte in meine Schue.

Der Kerl bei den Peano schpilte un schpilte. Ein par fon die Medchen
faßten sich um der Taillje und walztn herum aber es schin ihnen nich
sehr zu gefalln. Die Uhr schlug halb zehn!!!

Oh wi mein schlechtes Gewissn mich henunterdrickte! Ich sagte zu mir
selbs: »Die Bombe is geladn, die Lunte angeschteckt, jetz kann sie
platzn!«

Die Geste fingen zu wispern an un meine Schwestern schautn aus als ob
sie sich am libstn in ein Mausloch ferkrichn wolltn. Dann klinglte es
auf eimal draußen sehr laut -- alle Gesichter glentzn, aber es wahr nur
Betti, die eine Karte brachte un sie meinen Schwestern gab. Es war
aber keine »Absage« nur eine Fotografih, die sie beschribn hadtn un die
in ihrer Schreibtischlade zu sein flegte. Die Glocke klinglte nocheimal
-- noch eine Foto! Na, die Ssene!

Die Glocke klinglte noch zwanzigmal un jedesmal wahr es eine andere un
noch eine un noch eine.

Zuletz kamen zwei junge Menner. Ich wußte augnblicklich warum sie
kamen. Auf ihre Kartn war geschribn: »Oh du herziger Junge« un »Zu
schön, zu prechtig, um zu dauern!«

Der wahr in einen Schuhgeschefft aber er ferschtand dem Witz nich.

Sie tanzten ein par Lanzjehs mit drei Herrn un finf Damen.

Fräulein Hopkins kicherte die ganze Zeit un meine Schwester weinte
beina. Das Nachtessn war ausgezeichnet, aber ich wußte die Gesellschaff
wahr ferdorbn. Ich fihlte mich so unruig, das ich bei der finften Tasse
Gefrornes aufhern mußte.

»Wenn ich wißte, wer es getan hat,« herte ich Susi zum Dokter
sagn, »ich könnte ihn ermordn! Un ich wirde es auch! Ein gemeiner,
feigherziger ränkischer Scherz! Ich hasse solche Scherze! Sie sind
nun alle böse auf uns. Wir kennen es nie mehr gutmachn. Wir werdn in
einer andre Schtadt zihn missn. Ich werd es nie mehr wagn, mich auf der
Schtraße zu zeign. Ich winsche ich kennte herausfindn, wer es tat!«

»Filleich kann Schorschi hir uns Auskunff gebn,« sagte der Dokter un
schaute mir scharff ins Gesicht.

»Oh nein,« sagte ich. »Hechstens wars Hektor. Ich hab ihm ein par
Fotografihn zum kaun gegebn, filleich hat er sie auf der Schtraße falln
lassn.«

»Dann hadtest du sie also?!« sagte sie ganz heftig. Das Unglick war
geschehn. Ich lif dafon un legte mich schlafn. Ich wollte nich dabei
sein, wi di Leite weggingn. Ich lag un denkte un denkte lange Zeit. Ich
wußte, das mich jetz wider Prigl erwartn. Ich habe mich noch nich fon
die Wirkungen der forign erholt. Mir schin als kennte ich die harte
Prifung nich iberschtehn die mich in der Frih erwartet. Ich konnte
keinem Momment schlafn. Ich war entschlossn fortzurennen. Tante Betsey
wohnte nur finfzig Meiln per Bahn fon unsern Ort. Ich wahr einmal dort.
Ich hadte zwei Doller in meiner Schparkasse. Der Mond schin so hell wi
Tag. Ich schtand auf, un zog mich an, nahm meine Schparkasse kroch die
Schtige henunter so leise wi eine Maus, machte mir die Thir auf un war
draußn.

Ich lif so schnell ich nur konnte zum Deppoh. Es wurde schon hell.
Ein Lastzug schtand auf der Weiche un blis Dampf aus. Ich paßte di
Gelegenheit ab un kroch in einem leern Wagn.

Zimlich bald klinglte es -- wir warn am Weg!

»Lebt wol meine Freinde!« sagte ich. »Ihr werdet euch nich mehr mit
disn bösn Jungen ergern. Er geht un wird sich duckn, bis der Sturm
voriber is!«

Dann machte mich das Wackln fon den Wagohn sehr schlefrig un ich
dachte, ich will ein bischen schlafn un ich werde morgn erzehln, wi ich
aufwachte.

       *       *       *       *       *

»Wer is das?« fragte eine raue Schtimme.

»Ich bins, der kleiner Schorschi,« sagte ich. »Ich will meine Fart
bezahln. Hir is meine Schparkasse mit zwei Doller drin, nehmen sie sich
henaus wifil sie bekommen.«

Ein großer Mann mit einer Laterne schaute mir sehr erns an.

»Wi komms du da herein?« fragte er.

»Ich lief fon zuhaus weg, weil ich immer etwas anschtell. Ich sollte
gepriglt werdn, weil ich den jungen Leitn di Fotografihn zurickgegebn
hab, auf di meine Schwestern geschribn hadtn. Sind sie der Bremser?«

»Natirlich!« sagt er un lacht. »Wo wills du auschteign?«

»Hoppertown,« sag ich. »Un ich glaub ich wer dortbleibn bis ich groß
bin, weil sons meine Schwestern alle als alte Jungffern schterbn.«

Der Bremser war sehr freinlich un setzte sich mir gegniber un sagte das
ich ihm erzehlen soll. Wir unterhiltn uns gans gut un er erklärte mir
alles am Wagn. Ich glaube, ich mechte auch Bremser wern wenn ich groß
bin.

       *       *       *       *       *




Die Flucht


Ich hab letztn Abens zimlich kurz abgebrochn, weil eine Maus in meinen
Schlafzimmer kam un ich fersuchte sie zu fangen. Ich zerbrach mein
Lawor wi ich einen Schu auf ihr hinschmis. Aber die Maus erwischte ich
nich.

Also gut, der Bremser un ich unterhiltn uns sehr gut. Ich erzehlte ihm
fon meine Schwestern, fon Tante Betsey un fon allen. Es tat ihm leid um
mir; er wollte kein Geld fon mir fir der Fart nehmen. Er sagte wi er in
meinen Alter war bekam er jedn Abens reglmeßig Prigl un ich soll mich
nur dran gewehnen un mir nix draus machn.

»Der Frosch gewehnt sich dran geschundn zu wern,« sagte er, »hindre nur
die Ferlobungen deiner Schwestern nich, wenns dir meglich is; Ferehrer
sin heuer rar. Der Krig in Europa hat unter die Menner aufgereimt.«

Den Bremser werd ich bis zu meinen Todestag libhabn, er war so gut zu
mir. Es war filleich nein Uhr formittag wi wir zu den Platz kamen,
wo ich ausschteign wollte; wir schittltn uns noch die Hende un sagtn
Adjeh, wi wenn wir schon alte Freunde wern. Ich glaube ich wers aufgebn
Biffljeger zu wern un liber Bremser sein, wenn ich groß bin. So ein
famohses Lebn! Man kann ganz umsons fahrn sofiel man will.

Bei den Deppoh warn ein par Jungen, die sehr erschtaunt wahrn, mich
aus den Lastzug ausschteign zu sehn. Sie schtelltn sich mir for und
ich dachte ich kennte noch ein bischen schpiln, befor ich Tante Betsey
sage, das ich hergekommen bin, um bei ihr zu bleibn.

Ich fand aber, das es sehr schlechte godtlose Jungen warn, die gar
keine Erziung hadtn. Sie nahmen mir meine Schparkassa weg zerrissn mir
mein neus Gewand un warfn mit Schmuz, so das ich mich nich anschaun
lassn konnte. Ich dachte an etwas, das in einen Buch fon mir schteht:
»Nimm dich for fremde Hunde inach!«

Es war schon Midtag wi ich zu Tante Betsey kam. Ich hatte nich bemerkt
das ich hungrig wahr bis ich die gebackenen Pastehtchen roch. Sie aß
ganz allein zu Midtag, wi ich herein kam.

»Großer Godt! Schorschi Hacker!« schri si un liß ihr Messer so fest
aufn Teller falln, das ein Stick fom Rand herausbrach. »Woher komms
du? Was ist mit deinen Gewand geschehn? Wer hat dir das Gesicht so
zerkratzt? Das ist doch --!«

»Tante Betsey,« sagte ich, »ich will nich lügn, ich bin dafongelaufn.«

»Dafongelaufn! Dafongelaufn fon deinen libn Heim, fon deinen gutn Papa,
deiner theiern Mamma, deinen brafen Schwe--«

Hir herte sie pletzlich auf, wi wenn ihr was im Hals schteckn geblibn
wer. Sie erinnerte sich gewiß, wie sie sie nich zur Gesellschaff habn
wolltn.

»Ich wundre mich nich,« sagte sie dann, »dise Medchen sin genug, um
jedermann aus dem Haus zu treibn. Erzehl mir alles, mein armes Kind!«

Ich erklehrte ihr also die ganze Geschichte. Ich sagte ihr auch, das
mir das Hertz blutet, das ich sie damals bei uns so bös gemacht hab.
Wi ich ihr fon die Fotografihn erzehlte, glänztn ihre Augn, so erfreut
wahr sie, das meine Schwestern in der Patsche warn.

»Es wahr nich recht fon dir, Schorschi,« sagte sie, »aber Bubn bleibn
nun eimal Bubn. Es freut mich, das du zu mir gekommen bist. Geh nur
hinaus in der Kiche un wasche dich und dann komm schnell zurick sonst
wern die Hihnchen kalt.«

»Versprichs du mir, Tante, ihnen nich zu schreibn, wo ich bin?«

»Wenn sies nich erfahrn, bis ichs ihnen schreib,« sagte sie kurz,
»wirst du bei mir bleibn, bis du groß bist.«

Man siht sie hadte einem Haß auf meine Leite, weil ich ihr erzehlt
hadte, daß sie sie nich zur Gesellschaff wolltn. Sie schtopfte mich
so foll, das ich schon bein dridtn Schtick Pastehte nich mehr weiter
konnte un besserte mir meine Jacke aus un wahr so gut zu mir als man
nur sein kann.

Lange for fier Uhr kam fon Papa ein Tellergramm: »Ist Schorschi dort?«

Tante tellergrafiert zurick: »Was meins du?«

So wußtn sie also nich ob ich war oder nich.

Ich habe fergessen zu sagn, das ich mein Tagbuch mitgebracht hadte in
mein Taschntuch eingebundn un ein reines Hemd un ein par Schtrümpfe.

Es war Tante Betseys Lawor das ich zerbrach, wi ich das Mäuschen fangen
wollte. Es wahr aus so schpaßgen blauen Porzllan -- das Lawor, nich
das Mäuschen -- un Tante wahr sehr bös. Ich firchtete sie wird mich
deswegn nachaus schickn.

       *       *       *       *       *

Ich bin nun schon 2 Tag hir, sie behelt mich nur um meine Leite zu
ergern, aber oh! sie laßt mich arbeitn, wi ein Schklafe. Es wird mir
schon zu fad. Ich muß Schnitzl aufklaubn un sogar die Fisoln aufbindn
-- eine waare Schande! bei uns zuhaus macht das die Kechinn. Sie
leßt mich nich mit die andern Jungen schpiln. Zwei mahl hab ich mich
schon zum Deppoh geschlichn um den Bremser zu suchn, er soll mich mit
zuricknehmen. Er wird es tun, das weiß ich sicher. Heimweh is etwas
schreckliches.

       *       *       *       *       *

Fier lange, lange Tage un Nechte! Wi langsam die Zeit kricht, wi
eine Schneke! Ich bin deschpart, kein Geld, keine Freinde un keine
Gelegnheit den Bremser zu sehn. Heut hab ich zwelf Virtl Heidlbeern
klaubn missen un mein Schtolz fertragt eine solche Ernidregung nich.

Oh kennt ich noch eimal die Heimath meiner Kindheit sehn ich were ein
brafer Junge! Umsons sin dise traurige Gedankn! Warte! -- Hurrah! Ich
hab eine Ideh! Ich wills nich in mein Tagbuch schreibn, weil ich glaube
das Tante Betsey es list wenn ich nich zuhaus bin.

       *       *       *       *       *

Oh glicklicher Junge! Wider zuhause! Trenen ferdunkln meine Augn, wenn
ich an die Ssene denk, wi mein Fater mich in Triumf nachaus brachte.
Meine Mutter schluchste, meine Schwester kißtn mich, selbs di Kechin
weinte un Betti hilt sich die Schirze for die Augn. Die ganze Schtadt
hat solches Aufsehns fon mir gemacht als ob ich der armer Kaptehn Roß
wer. Bein Deppoh warn eine große Menge Leite um mich zu erwartn. Nein
so was! Papa wahr so zornig auf der Tante, das er kein Wort mit ihr
redete, wi er mich holn kam, weil alle Leite sagtn ich muß tot oder
geschtohln sein. Wi ich das Geld zum tellergrafihrn bekam, war so: sie
schickte mich Heidlbeern klaubn zum einmachn, aber ich verkaufte sie un
ging zum Deppoh un tellergrafihrte:

»Ich bin bei Tante Betsey -- bitte, bitte, komm un hol mich nachaus.
Dein Sohn Schorschi.«

Meine Schwestern sin greßlich libe Medchen. Ich will nie, nie wider so
lang ich leb etwas thun, was sie ergert. Ich bin fest beschlossn den
Fater unsres Lands zum Forbild zu nehmen und wenn ich groß wer, ein
berihmter un guter Mensch zu sein.

Der neuer Predger kam heut Abens zu uns zum Tee. Er heißt Ehrwirdn
Nebnezer Slokum. Er is 26 Jar alt wi er selbs gesagt hat. Er is bleich
tregt weiße Fatermerder un hat Medchen un Zuckerbeckerein sehr gern, wi
ich bemerke. Er patschte mir aufn Kopf -- ich kann es nich ausschtehn
am Kopf gepatscht zu wern, das paßt fir Jungen fon drei oder fier. Ich
denke er macht sich angenehm zu Lil aber sie will ihm nich habn. Die
einzge Sehle auf der Erde um die sich Lil kimmert is Montag de Jones.
Heut formidtag trug ich ihm 1 Brif hin. Sie gab mir ein 10 Centschtick
wenn ich ferschprech niemandn dafon zu sagn. Er schrib einen andern
zurick un gab mir auch 10 Cent. Lil wartete in Hof, wi ich zurickkam.
Sie schtekte dem Brif schnell in der Tasche un lif henauf. Was hat das
zu bedeitn?

Nach den Tee gingn wir alle im Sallohn. Herr Slokum fragte mich ob ich
gern Gummizuckerl esse, weil ich grad eins in den Mund schteckte. Wir
warn allein bein Fenster. Ich sagte ja un das ich mir immer kaufe,
wenn Herr de Jones mir Geld gibt, weil ich ihm einen Brif fon meiner
Schwester Lil gebracht hab. Was machte ihm nur so grin im Gesicht wi
ich das sagte? Un dann fragte er, wi oft ich mir kaufe un ich sagte,
jedn Tag. Er seifzte ein bischen, wi wenn er zufil gegessn hädt un bald
darauf sagte er, er muß nachaus gehn un eine Predig schreibn.

Oh Gott! So etwas! Eimal schimpftn sie nich auf dem armen Schorschi un
prigltn ihm nich un schicktn ihn nich bei hellen Licht zubed. Pa sagt
er wird mir nechste Woche ein Welozipeh kaufn. Es scheint ich hab mich
sehr nitzlich gemacht wenn ich auch erst 8 Jar alt bin. Letztn abens,
wi ich in mein Tagbuch geschribn hadte un nich ein bischen schlefrig
war ging ich in Lilys Zimmer um mir eine fon ihre Umhilln zu nehmen um
Betti zu erschrekn, da fihlte ich auf eimal etwas in der Tasche, was
ein Brif wahr, den ich las. Es schtand drin: »Der Wagn wird heut Abens
neun Uhr an der Ecke wartn -- schleiche forsichtig henaus, alles wird
gut gehn. Laß mich nich fergebns wartn, theierste Lil.«

»Was is das?« sagte ich. »Es is beina neun. Ich will hingehn un
zuschaun.«

Ich hengte die Umhille zurick in dem Kastn, kroch iber der hintere
Treppe und kam auf der Gasse. Ich ferschteckte mich hinter ein Faß mit
Asche. Richtig schtand mein Wagn an der Ecke. Eine Menute schpeter kam
meine Schwester Lil im Regnmantl mit einen Bündl in der Hand. Herr de
Jones schprang aus den Wagn, half ihr henein, schlug die Thir zu und
fort warn sie. Der Kutscher haute auf die Ferde, wi wenn es hinter ihm
brennte.

Ich lif so schnell ich nur konnte zuhaus, platzte henein wo die Leite
saßn un schnappte: »Ihr thetet besser, euch zu beeiln, wenn ihr sie
noch erwischen wollt. Ich glaube man sollte dem Kutscher einschperrn,
weil er die Ferde so priglt.«

»Wofon sprichs du?« sagte Mamma.

»Oh nichs. Nur Lil ist mit ihm in einen Wagn dafongelaufn. Sie gehn
nach Platville um sich traun zu lassn. Ich hab sie wegfahrn gesehn.«

Dann sagte Papa etwas sehr schlechtes. Elsbett lif henauf in Lils
Zimmer, um zu sehn ob ich die Wahrheit gesagt hab. Ich wurde zubett
gejagt wi immer wenns einen Schpaß gibt, un wi ich heut aufkomm un zum
Frühschtick henuntergeh war meine libe Lil wider mit den andern bein
Tisch un nach den Frühschtick sagte sie zu mir: »Oh Schorschi, wi
konntes du uns nur ferratn!« und fengt auf eimal laut zu weinen an.

Ich winsche, ich hedts nich getan.




»Er wußte nicht, daß sie geladen war«


In unsern Haus ist ein Unfall passihrt. Mir wirde es nich sehr zur Ehre
gereichn, wenn ich erzehlte, wer Schuld wahr. Ich bin ein entsetzlicher
Junge. Dir, mein Tagbuch will ich alle meine Sindn geschtehn. Ich
wollte es ja gar nich tun. Ferdin ich also dafir Schelte? Ich winschte
die großn Leite mechtn mich nich immer so schimpfn. Ich bin ein
schreklicher Junge aber nich absichtlich, es passihrt nur grad so.
Jetz is die ganze Schtadt withend auf mir. Papa sagt er erwartet, das
ich ins Gefengnis muß. Oh mein theires Tagbuch has du je gedacht das
dein kleiner Eigenthimer in dem Kerker kommen wird? Oh es is greßlich
den Kirchnforschteher un den Richter un das alte Fräuln Harkneß so die
Schtirn auf sich runzln zu sehn, als wenn man ein herzloser Ferbrecher
wer -- wenn man es nich eimal hat tun wolln. In der Frih wahr ich ein
sehr brafes Kind ich schpilte dribn bei Hansi Braun und nichs geschah
-- außer das ich bein Essn dribn blib, obwohl Hansis Mudter es nich
wollte und dann kam er heriber un wir unterhiltn uns sehr gut. Wir
warn obn in Mammas Zimmer wi sie zu Besuch aus wahr. Ich schtellte
einen Sessl aufn Tisch un kraxlte henauf zu den oberstn Bredt fon
den Kamihnschrank un nahm ein par Medezinflaschn un gab es Henschen
zu kostn, weil er sagte es schmekt gut. Aber dann war er pletzlich
ganz blaß un so krank in seinen Magn das er nich wußte ob er auf di
Fiße oder aufn Kopf schteht. Also liß ihm Betti eine Schale schmutzign
warmen Wasser mit Senf heneingemischt trinkn, so ein schreklicher
Saft, das er alles wider henausschmeißn mußte un dann wahr ihm gut. Wi
Betti um den Senf ging, gukte ich in Papas Tasche un fand dort so eine
schpaßige Pestole. Hansi sagte es is ein Rewolwer un ich verbot ihm ein
Wort zu sagn un lif un ferschtekte ihm unter meinen Polster.

[Illustration]

»Wir wolln uns damit Schpaß machn, wenn dir wider ganz gut is,« sagte
ich aber er mußte nachaus gehn nachdem er gebrochn hadte, sein Kopf tat
ihm so weh.

Ich liß die Pestole unter meinen Polster weil ich mich firchtete Betti
kennte sie sehn. Ich wollte meine Schwestern damit erschrekn, weil ich
nich glaubte das sie geladn is, aber sie werdn doch erschrekn, wi wenn
sie were. Medchen schrein immer wi toll, wenn sie eine Flinte oder
Pestole sehn.

Also Herr Slokum kam wider zum Tee. Predger sin am libstn dabei zum
Tee zu kommen, es is ihre halbe Arbeit herumzugehn un mit die Damen
zu schpeisn. Ich blib ferschtekt. Pa mußte zu einer Fersammlung und
Mamma ging sehn wi es Hansi geht. Susann ging mitn Dokter schpazirn un
Elsbett un Lil gabn acht das der Predger in Sallohn nich einschlaft.
Lily hadte seit den Abend wi sie weggelaufn war kein Wort zu mir
gesprochn. Sie is gar nich mehr wi sie früer wahr, sie war so gut wi
ein Junge zu einen Witz oder Schpaß, jetz mecht ich mich nich wundern,
wenn sie einen Farrer heiratn mecht, so erns is sie. Ich winsche ich
hedte das damals nich ausgetratscht, sie sagt, sie hedte mich zu sich
genommen wenn sie Herrn Jones geheiratet hädte. So schwindn meine
Hoffnungen eine nach der andere -- das is eine traurige Welt.

»Nun,« sagte ich, »jetz will ich henauf schleichn un die Pestole holn,
in Sallohn heneingehn un sie ein bischen aufschtörn. Sie is nich
geladet. Oh was fir ein Schpaß, sie so quitschn zu hern! Betti,« sagte
ich, »borg mir dein Umhengtuch, ein par Menutn, ich will Indjahner
schpiln.«

Sie treimte nich in entferntsten fon einen Rewolwer un lieh mir ihr
Tuch. Ich wiklte mich henein, nahm einen Schtock auf der Schulter
schtatt einer Flinte un kroch hinauf, ganz leise damit sie nich
bemerkn, das Indjahner ihr Lager umzingeln. Ich machte die Thir ganz,
ganz leise auf un gukte henein. Der Predger un Elsbett warn am dribern
Ende fon Zimmer am Sofa. Lil schtikte an einer Lampntatze, alles wahr
ruig -- die Schtunde war gelegen, der Moment war gekommen un mit einen
unmenschlichn Geheil schtirzte ich in ihr Lager schrie dreimal »Hurra!«
zilte mit der Pestole un sagte: »Ibergebt euch oder ich schise!«

Elsbett schlug die Hende for die Augn un kreischte un kreischte, Lily
schtand auf un sagte gans sanff: »Schorschi, oh Schorschi gib sie weg!
Si is geladn!« »Ibergib dich, blasser Heiptling!« antwortete ich un
tanzte runderum un zilte immer mit meiner Waffe auf dem Predger.

»Oh Schorschi!« bat Lil un kam näer, »hör auf, hör auf!«

»Ich werde dem blassn Heiptling auf dem Krigsfade tetn!« sagte ich.

Schlecht wi mir is, muß ich doch lachn, wenn ich mich erinner, wi Herr
Slokum iber der Sofalehne schprang un henunterkroch. Lily packte meinen
Arm. Ich schittlte sie ab un feierte.

Ach theires Tagbuch, muß ich dir noch mehr sagn? Das alte Ding war doch
geladet! Das wahr ein greßlicher Irrtum, dem ich machte. Wer wirde
gedenkt habn, das sie ganz fertig geladn war, das sie losgehn mußte wi
ich nur dem Dricker berihrte? Die Kugl ging durch der Sofalehne wi wenn
gar keine dagewesn wer un ferletzte Herrn Slokum grade auf der Schtirn,
und machte eine große un gefehrliche Wunde, wenigstns sagt der Dokter
so.

Jetz ligt er obn in den bestn ibrign Zimmer. Der Doktor is bei ihm un
noch fiele andre Leite. Er sagt gar nichs, weil er nich schprechn kann,
er is bewußtlos. Ich bin sicher, kein andrer Junge kann sich schlechter
driber fihln wi ich.

Ich winschte ich hedte das alte Ding nie angegriffn. Wozu war es
iberhaupt geladet? Ich bin in mein Zimmer eingeschperrt un soll for
einen Monath nich herausgelassn wern. Zehn zu eins, wenn er schtirbt
sind sie gemein genug un lassn mich nich zum Begrebniß gehn. Sie solltn
nich so hart sein zu dem kleinen Schorschi, ich wußte nich, das sie
geladn wahr! Oh Godt! oh Godt! Warum macht so ein kleines Schtickchen
fon einer Kugl so fil Unrue im Kopf! Ich bin froh es wahr nich Lil, sie
is ein so libes Medchen. Si kißte un besemftigte mich wi ich so fest
schrie, es schteckte mir ein Klumpn in der Kehle. Ich dachte ich muß
erschtickn, so erschrokn un engslich war ich. Alle außer ihr schautn
so finster auf mir, wi wenn ich der Teufl wer. Wenn ich jemals ein
Mann werd, werd ichs hoffentlich besser wissn als den kleinen Hansi zu
vergifftn oder auf dem Predger zu schißn. Aber ich werde es nie nie
werdn, denn wenn ich im Gefengnis komme un aufgehengt werd kann ich
nich lebn um groß zu wern. Oh was fir ein Gedanke!

Ich weinte mich gestern Nacht in Schlaf. Diser Tag wahr tausnd Meiln
lang. Brod un Wasser zum Frühschtik, Brod un Wasser zu Midtag, Brod un
Wasser am Abens, keine Sehle zu schprechn, die Thir zugeschperrt. Ich
muß nur schnell mein Leid ausschittn, denn es demmert schon un mir is
keine Lampe erlaubt -- nich eimal eine Kertze oder ein Zindholz. Sie
habn mich allein gelassn damit ich meine Sinde in finstern mit Schweign
bisse. Oh Betti, Betti komm! Horch, ich here wispln bein Schlißlloch --
wer is das? Es war meine Schwester Lil.

»Schorschi,« sagte sie grad durchs Schlißlloch, »armer Junge, fihl dich
nich so schlecht, es geht ihm besser.« -- »Hurrah!« schrie ich.

»Es ging nich bis ins Gehirn. Das Sofa brach die Gewalt der Kugl. Sie
wurde fon Schtirnbein aufgehaltn un Dokter Moor nahm sie henaus. Jetz
sitzt er im Bed un ißt Tee un Butterbrod. Er wird in ein oder zwei Tagn
nachaus gehn kennen.«

»Ich winsche, ich kennte Tee un Butterbrod essn.«

»Lily du bist ein gutes Medchen. Heirate dem Herrn Slokum nich, denn er
helt in Feier nich schtand. Wenn das foriber is, will ich dir helfen
Montagu zu heiratn un alles tun, was du ferlangst. Bitte, Lil, wills
du zu Papa gehn un ihm bittn, mir ein Licht zu erlaubn? Sag ihm es
is grausam kleine Jungen richn zu lassn, wi man Waffln beckt, wenn
sie selber keine kriegn solln. Sag der Kechin, sie soll di Kichnthir
zumachn, damit ich nich weiß das Eier un Schinkn zum Frihschtik kommen.
Wird mein Eichhernchen reglmeßig gefittert? Ich glaube Hektor denkt,
ich bin tot.«

»Sage der Mamma, ich firchte das ich krank werd, ich habe so ein
unheimliches Gefihl auf den Bodn fon mein Magn.«

Ich sage Lil is ein fortreffliches Medchen! Sie hat einen Schlissl zu
meiner Thir gefundn un mir ein neues Buch, ein großes Schtick Kuchn
un eine Kerze gebracht. Der Kuchen schmekte greßlich gut. Wenn man
Robinson Kruso in ein Zimmer eingeschperrt hädte, wer er dort geblibn?
Nein er hädte fersucht, sich zu befrein. Wenn ich eine Schere hädte
mechte ich meine Bedtdeke zerschneiden zu ein Seil zusammknüpfn un mich
fom Fenster henunterlassn.

Ich fand keine Schere, aber ich konnte das Leintuch ganz leicht
zerreißn. Ich machte ein langes Seil band ein Ende an den Handgriff fon
der Schreibtischlade, der nebenan schtand, kroch aus den Fenster hilt
mich fest an den Seil wi die Leite tun, wenn das Haus brennt und liß
mich henunter.

Was dann geschah, kann ich nich sagn, denn wi mein Kopf an der Hofmauer
anschlug, wußte ich eine gute Weile nichs fon mir. Kann sein, das die
Schreibtischlade herausrutschte, kann sein, die Ticher warn nich fest
genug zusammgeknipft, alles was ich weiß is, das ich zuers die Schterne
sah un dann -- wahr alles schwarz wi die Nacht. Fater sagte wi ich
wider zu mir kam: »Er is unferbesserlich. Ich gebe ihm auf, es is alles
umsons. Oh wi schade, das er wider zu sich gekommen is!«

Nun, warum krigtn sie mich dann? Ich habe es nich ferlangt. Warum
krigtn sie nich einen gutn kleinen Jungen fon Frau Meyer anschtatt so
einen schlechtn, schlechtn Jungen wi mich? Ich glaub wenn Papa bei
Brod un Wasser eingeschperrt, war wi ein Strefling in Zuchhaus, mechte
er die Leintücher noch erger zerreißn wi ich. Große Leite sin sehr
ungerecht zu Kindern.




Unter dem Tisch


Ich weiß nich warum Susann immer so eilt, wenn die Post kommt. Man
kennte glaubn sie mecht schterbn, wenn sie ihre Brife nich finf
Menutn, nachdem die Post kommt ferschlungen hat. Ich muß aufhern Kugl
zu spiln oder was ich grad tu, un direk zur Post hin gehn -- es leg mir
ja nix dran, wenn sie mir nur ein Schpil ferdorbn hedt, aber sie hat
mir wengstens 3 hundert ferpatzt.

Ich kann dise Post nicht auschtehn. Heut schikte sie mich wider, wi
gewehnlich. Ich war in große Eile; ich hadte Tommi Tilden ferschprochn
hinter der Scheune fon seinen Fater zu kommen um ihm das Taschnmesser
abzukaufn, das ihm sein Onkl Ben bein Wegfahrn geschenkt hadte un ich
firchtete er mechte es einen andern Jungen ferkaufn. Weil also nur
1 Brif fir Susann da wahr, un noch dazu nich eimal fil drinschtehn
konnte, so ein kleiner rosafarbner war es, dachte ich, ich kann ihm
lesn un wenn er nich sehr wichtig is, wegwerfn un mich nich noch damit
ergern, das ich deswegn zuhaus laufn muß.

Der Postmeister un ein par andre Kerle lachtn wi si sahn das ich ihm
aufriß. So einen Brif hab ich noch nie gesehn; die Seitn warn klein
aber ganz klein follgeschribn un dann noch driber geschribn un die Eckn
auch noch follgeschmirt. Ich wollte die Zeit nich mit solchn Unsinn
lesn ferbringen un gab ihm den Postmeister zurick zum aufhebn, bis
jemand fon unsre Leit kommt ihn zu holn. Un jetz is wider der Schpetakl
fertig.

Wie gewehnlich bin ich wider schuld. Un grad nur, weil der Postmeister
eine sehr alte Schwester hat di so neigirig wahr den Brif zu lesn un
das Medchen, die ihm geschribn hadte, fragte Susann aus Schpaß: »Sin
dise Fleschchen Haarfarbe, die mit der Post kommen, wirklich fir Fräuln
Hornbleser?«

Das is seine Schwester.

Sie wahr so wild wi eine Humml und ferplauschte sich das sie den Brif
gelesen hadte un so ein Schkandal war noch nich da. Sie is bös auf
Susann. Susann is bös auf sie, un beide sin bös auf mich. Medchen sin
immer bös aufeinand, wegn irgend was. Ich glaub schon gar nich mehr,
das ich noch ein brafer Jung wern kann. Ich wer greßlich froh sein,
wenn ich einmal groß bin.

Ich glaube aber nich das ich eimal heiratn wer.

Jungen die Schwestern habn, wissn fiel zu fiel. Diese Medchen, welche
schpet am Nachmittag in Sallohn henunterkommen sin nich diselbn die ich
immer obn in ihrn Zimmer sehe, eingewiklt in ihre Frisihrmentl, die
par Haare rikwerts am Kopf zu einen Knotn zusammgewiklt un di Haarwikl
herausschtehn wie Herner, wenn sie sich das Gesicht mit Budtermilch
waschn un mir schaffn ich soll ihnen die Zeitung heraufbringen.

Ich mechte nur wissen was sie mit alle dise Zeitungen machn? Kann
sein sie machn sich ein Sammelbuch. Ich hab mir eins gemacht. Es is
hibscher wi mein Tagbuch, foll fon schpaßge Sachn. Ich hab die Bilder
zun heneinpickn aus Papas Bicher in der Biblotek herausgeschnidtn. Er
weiß es aber noch nich. Die machn mein Sammelbuch greßlich hibsch. Man
mechte lachn, wenn man eins siht, das ich gestern herausgeschnittn hab.

Es wahr ein Bub unter einen Tisch. Er zwikt den Ferehrer fon seiner
Schwester mit der Zuckerzange in Fuß un alle schpringen in der Hehe --
so eine Beschehrung! Ich werd es auch machn. Morgn kommt Herr Prim zu
uns zum Essn. Ich herte Papa zur Mamma sagn er wolle fersuchn ihm das
Haus un Grundschtick in der Schmidtschtraße zu verkaufn. Er is so ein
Schtock -- grad der passenste es zu probihrn.

Die Kechin wahr schreklich widerlich, weil sie ein feines Midtagmahl
herrichtn sollte. Sie wollte mir die Masche nich bindn un liß mich nich
in der Kiche henein, wi die Sachn fertig warn. Un justament will ich
in der Kiche sein du heßliches altes Ding! sagte ich. Ich schtellte
mich, wi wenn ich henibergehn wollte zu Henschen aber ich tats nich un
ferschtekte mich in der Schpeiskammer hinter der Thir. Zimlich bald
kam sie herein mit so einer Woschingtn Torte di so gut sin wenn sie
grad fertig sind lauter Krehm inwendig un lauter Schichtn fon Kuchn
mit Krehm dazwischen bis obn henauf un sie schmiß sie aufn Tisch und
brummte: »So will ich hoffn, das wird der gnä' Frau eimal recht sein.«

Dann ging sie henaus un ich blib ganz ruig wi eine Maus, bis sie draußn
wahr. Unsre Schpeiskammer hat ein Fenster. Ich schtellte die Torte
henaus auf dem Gesims, kledterte henaus, pakte sie un machte mich
auf un dafon. Ich ferschtekte sie im Holzschupfn, holte Hansi un sie
schmekte uns ausgezeichnet. Wi schon nichs mehr da war, wischte ich mir
den Mund ab un ging in Sallohn, wo alle wahrn.

»Schorschi,« sagte Mamma so siß wie Zukker, »du kanns gehn un mit Hansi
schpiln, bis wir gegessn habn.«

»Gut,« sagte ich.

Aber ich hadte andre Plähne. Ich kroch unter dem Tisch in
Schpeiszimmer; das Tischtuch ging bis auf dem Fußboden un ferschtekte
mich ganz. Ich hadte die Zukkerzange, ein Gabl un ein Bischl weiße
Weintraubn di ich fon den Aufsatz genommen hadte un machte mirs
bekwehm. Sie kamen herein un setztn sich nider un Herr Prim sagte das
Tischgebet. Er hadte Schue an un so zwikte ich ihn leise in dem Knechl
grad genug das er glaubn konnte eine Schpinne beißt ihm. Un wi er
sagte: »Wir dankn dir, o Herr --« herte ich Susann kichern aber sie
wußte nich weshalb er es so schpaßig sagte. Herr Prim is ein schreklich
heflicher Mensch. Er hädte nich um der Welt untern Tisch gegriffn um
zu schaun was es wahr, un ich kitzlte ihm, wi ein Insek, das henauf un
henunter kricht -- er bewegte seinen Fuß un zapplte, wi wenn er Sank
Veitstantz hätte, aber er liß sich nichs dafon merkn. Das Midtagmahl
dauerte greßlich lang, aber es lag mir nix dran, ich war nich hungrig,
ich hadte zufil Torte gegessn. Dann herte ich die Medchen zu Mamma
wispeln und dann sagte sie: »Ich bin in greßliche Ferlegnheit Herr
Prim. Die Katze hat das Dessehr aufgefressn. Sie werdn sich mit den
Gefrornen, Obst un Kaffeh begnign missn.«

Dann schprachn Papa un Herr Prim wegn den Haus miteinand. Er sagte er
wolle es um den Preis nehmen un werend sie redtn sagte er auf einmal:

»Haltn sie Hunde?«

»Nur eine Dogge,« sagte Papa.

»Ich dachte es were einer untern Tisch,« sagte er.

»Oh nein,« sagte Papa.

»Winschen sie Kaffeh mit Sahne oder nur schwarz?« fragte Mamma.

»Ich bitte um schwarzen,« sagte er.

Er is schreklich anschtendig. Grad da pakte ich ihm mit der Zange bein
Schihnbein un zwikte ihn tichtig hinein.

»Au! Au! Au!« schrie er un schprang auf.

Die Kaffehschale schmiß er auf die gleserne Tasse mit Eingemachtes, der
Kaffeh war auf den Tischtuch ferschidtet, die Tasse, die Schale un der
Teller wahrn zerbrochn -- so was! Ich weiß ich wurde ganz blaß. Ich
wollte ihm nich so fest zwikn aber das Mallehr war geschehn.

»Ich krig di Hundswut! O weh!« kreischte Herr Prim. »Ferdammter Hund!
Schikn sie schnell um dem Dokter das er es herausschneidet. Mir hat
immer geahnt, ich werd an der Wasserscheu schterbn un jetz bin ich
gebissn -- ich bin gebissn! Oh Godt, mein Fuß! Schikn sie schnell um
den Dokter oder es is zu schpet! Oh wi schreklich an diser greßlichen
Krankheit zugrund zu gehn, oh! oh! oh!«

Die Medchen schprangen alle auf Sessln un schrien. Ich winschte der
Fußbodn mechte auseinand gehn un mich in dem Keller falln lassn, aber
er tat es nich. Papa machte die Thir auf um den tolln Hund henauszujagn
schtieg auch auf einen Sessl un schtocherte un schtocherte mit den
Schtock untern Tisch un schrie: »Henaus mit dir, marsch!« bis er mid
wahr.

Pletzlich kam ihm ein Gedankn, er schtig henunter hob das Tischtuch auf
und gukte.

»Es is nur der nichtsnutzige Junge! Schorschi komm herfor! wozu tates
du das, du Schlingl? Ich bin sehr böse auf dir. Geh auf dein Zimmer
un warte dort bis ich Zeit hab, mich mit dir zu bescheftign. Du solls
schtreng beschtraft wern. Gut, gut, Freund Prim, immer noch besser fon
einen schlechtn kleinen Jungen gefoppt zu wern, als die Wasserscheu
habn, was? Setzn sie sich, setzn sie sich! Geht fon den Schtühln
herunter, Medchn. Frau, schenke eine andre Schahle Kaffeh fir unsern
Gast ein.«

Aber der alte Kerl war withend wi ein Heuhopser nahm seinen Hut un ging
weg. Sie sagn Papa machte das Gescheft meintwegn nich -- immer bin ich
schuld.

Was soll man anfangen wenn man so ein schlechter Junge is? Ich krigte
greßliche Prigl. Ich fihle mich heut Abens sehr nidergeschlagn,
theires Tagbuch. Alle sin aufgebracht über mir armen Kerl, wenn ich
nur das geringste tu. Man mechte denkn ich bin ein blutiger Mörderer.
Ich winsche sie wern alle fort außer Susann un Betti. Betti is gut.
Sie brachte mir Mammas Migrehnschtift und Susanns Glizerihn un ein
par Salbn fon ihr un eine Tasse Gefrornes. Wenn ich iberhaup eimal
ein Medchen heirat, so is es Betti. Wenn sie abbrechn will mit den
rothaarign Schuft, den sommerschprossign Milchmann der sie heiratn un
eine Milchwirtschaff anfangen mecht, so mecht ich sie gleich heiratn
wenn ich groß bin. Ein Medchen das einen Jungen durch Dick und Dinn
hilft, das is ein Medchen fir mich.

       *       *       *       *       *

Ich glaube Papa wahr ergerlich das er mich for drei Tagn so fest
priglte weil er mich gestern abens in der Schtadthalle mitnahm, wo
Hermann seine Forschtellungen gibt. Er is ein Prestidigatehr ein Mensch
der wunderbahre Zauberein macht, wi wenn er der alte Teufl selber wer.
Man kann nich sehn wi ers macht. Ich gab greßlich gut Obach, aber ich
konnte ihm nich dabei erwischn. Ich winsche, ich wißte wi ers macht.
Ich glaube ich kann ein par fon die Kunsschticke selbst machn. Wenn ich
groß bin werd ich auch einer, ich mein Zauberer -- ein par sin wirklich
sehr leicht. Ich werde das mit die Eier un den Taschentuch probihrn, un
das Schwertschluckn un fon einer Dame di Uhr ausborgn un noch ein par
andere Kunsschticke. Die Medchen wern iberrascht sein zu sehn, das ihr
kleiner Bruder es auch kann. Ich werde mich heimlich ibn bis ich die
schwarze Kunst kann un dann wer ich im Sallohn einen Tisch aufschtelln
un meine Schwestern und ihre Ferehrer Kartn ferkaufn un ihnen zeign,
wi mans macht. Ich bin froh, das es mir eingefalln is ein Zaubrer zu
wern. Ich glaub, das Geschefft wird mir gefalln.




Der kleine Prestidigitateur


So ein Schpetakl wahr noch nich da, wi die letztn par Tage in unsern
Haus. Filleich kann ich eher ein Zirkusreiter wern aber der Fersuch
ein Magjer zu sein is mir follschtendig mißlungen. Es ging doch nich
so leicht wi ich mir forschtellte. Es schaut sehr leicht aus, wenn man
sith wi ers macht, aber wenn mans selbs probihrt is man sehr entäuscht.
Ich hoffte den Abens nachdem ich mit Papa bei Hermann gewesn wahr
selber eine Forschtellung gebn zu kennen.

Lotti Herbst un 2 andre Medchn warn zu besuch bei meine Schwestern.
Ich ging in der Schpeiskammer un anglte mir ein Dutzen Eier. Mit Lotti
Herbst wahr noch ein junger Mann gekommen, so ein rechtes Gigerl
aus Nuyork. Ich hadte schon die Eier un weil ich nur noch einem Hut
brauchte wi Hermann, so nahm ich seinen fon Hutrechn in Forzimmer --
es wahr so ein glenziger Biberhut fon der neueste Mohde. Ich schlug
die Eier in den Hut un stellte meine Sachen auf einen kleinen Tisch
im Hinterzimmer, so das ich Zaubrer schpiln konnte und dann rif ich:
»Bitte nur hereinschpazihrt meine Herrn un Damen! Hir is der berihmte
Zauberkinstler un Prestegatehr Hermann zu sehn! Antreh blos 26 Cents!«

Sie lachtn alle un kamen henein. Der junge Gigerl gab mir 25 Cent fir
alle zusamm. Ich pakte den Hut schittlte ihn un sagte: »Meine Herrn un
Damen, das sin di ferzauberte Eier!«

Sie gucktn alle hinein un sahn die Eier in einen Quatsch. Der Kerl
wußte nich, das es sein Hut wahr un meine Schwestern dachtn zuers nich
un so lachtn sie alle.

»Ich bitte nur genau hinzuschaun!«

»Ja,« sagten sie.

»Un jetz sin sie wider ganz -- hokuspokus --« sagte ich un schittlte
sie ganz so wi der Zaubrer, aber die ferteiflte Eier wolltn nich wider
zusammgehn. Ich mußte es enlich aufgebn. Der Gigerl lachte wi wenn er
erschtikn mißt, aber wi ich sagte, ich bin sehr besorgt das ich ihm
seinen Hut so beschmihrt hab, weil er jetz nichs zum nachausgehn hat,
wurde er greßlich geschwind ganz erns; sein Gesicht war filleich 3 Fuß
lang un er schaute auf mir, wi wenn er mich auffressn wollt. Elsbett
jagte mich henaus Susann sagte sie wird es Papa erzehln un so gehts
immer -- ein unschulger kleiner Junge kann nich das geringste tun ohne
das er henausgeworfn oder hin und her geschtoßn wird. Offt un offt hab
ich mir schon gewinscht, so ein kleiner Junge aus Gummi lasti zu sein.

Am nechstn Tag wollte ich die Forschtellungn im Schtall gebn. Ich
ernidrigte den Antreh auf 1 Cent. Alle Jungen kamen herein. Ich hadte
Mammas Uhr di ich aus ihrer Schreibtischlade genommen hadte, wi sie
bein Essn war -- un den Mörser un Schtößl in den die Kechin immer Nisse
un Mandln schtoßt. Ich sagte: »Will eine Dame so gütig sein un mir ihre
goldne Uhr leihn?« wi Hermann gefragt hadte un Hansi den ich umsons
hereinkommen lassn hadte sagte: »Ich will ihnen meine borgn« un gab mir
Mammas Uhr di ich deswegn früer in seiner Tasche geschtekt hadte un ich
nahm sie un zerschtampfte sie in Mörser. Sie war schreklich schwer zu
zerschtoßn -- nur das Glas ging ganz leicht. Zuletzt mußte ich einen
Schtein nehmen. Dann sagte ich: »Sie sehen, meine Herren, die Uhr is
follkommen zerschtampft?«

Sie schrien alle: »Ja, ja!«

Ich nahm sie un hilt sie eine Menute hintern Rickn un dann zeigte ich
sie ihnen wider. Ich wahr sehr erschrokn wi ich sah, das sie noch immer
zerschtampft war un nich wider zusammengehn wollte, so hibsch wi sie
früer wahr.

Die Jungen warn auch erschrokn un so ferschtektn wir sie in der Krippe
damit die Leute glaubn, das Prinz -- das is unser Ferd -- sie aus der
Lade genommen un zerkaut hat.

»Du hast aber das Schwert nich geschlukt!« schrie der kleine Willi
Braun.

Ich sagte ich hedte kein Schwert, um es zu schlukn.

»Geht es nich mit einen Taschnmesser?« fragte Bob Schmidt.

Ich sagte ich wills probihrn. Dann machte er sein großes Taschnmesser
auf un gab mirs heriber. Ich versuchte es zu schlukn aber ich wirgte
greßlich dran -- das Blut kam mir aus den Mund, bis Bob schrie: »Laß es
nur gehn! Du bist ein Zaubrer? Nicht einen Heller wert!«

Alle Jungn sagtn ich hab sie beschwindlt un ich muß ihnen das Antreh
zurickgebn. So tat ich es auch -- die Zunge tat mir greßlich weh un
wurde so dick, wie nur was. Ich war so zornig wi eine Humml, weil sie
so fon mir redetn un ging ins Haus zurick.

Mamma fragte mich, was ich denn am Mund habe. Ich sagte, filleich is es
fon di rotn Ribn die wir zu Midtag hatn.

Mir wahr der ganzn Nachmidtag nich sehr gut. Die Zunge brannte mir wi
Feuer un ich wahr sehr engslich wegn Mammas Uhr.

Wi wir bein Tee saßn un ich den Biskitt in meinem Tee eintauchte, weil
meine Zunge so zerschnidtn wahr, kommt Sam herein -- unser Kutscher --
direk in das Schpeiszimmer mit der Kechin un Betti un helt die Uhr in
der Hand. Alle schautn hin un dann auf mir. Warum nur grad auf mir?

»Ich fand sie in der Krippe!« keichte Sam und gab sie Mamma.

»Mamma,« sagte ich, »ich glaube Prinz muß sie aus der Lade genommen
un zerkaut habn. Laß mich schaun, ob ich noch seine Zehne am Deckl
eingedrikt sehn kann.«

»Oh mein Kind, mein Kind, mein Kind!« sagte Mamma, »errinners du dich
nich an der Erzehlung fon deinen Namensbruder den kleinen Schorschi
Woschten un seiner Axt?« dann schaute si nochmals auf der Uhr fing zum
Weinen an un ging henaus.

»Wi bis du dazu gekommen?« fragt mein Fater so erns, das ich zidtern
mußte.

Aber ich will liber den Forhang iber der haarschtreibende Ssene falln
lassn, wi man in die Geschichtnbicher immer sagt. Ich will deine Seitn
mein Tagbuch nich mit den beflekn, was dann geschah. Genug wenn ich
sage das mein einzger großer Gedanke in der nechste Woche wahr: »Oh
wenn ich nur Edisen wer um ein Patent zu bekommen, kleine Jungen aus
Gummielasti zu machn!«

Wenn ich groß werde un Familje hab, werd ich sie nich fir das
beschtrafn, was sie gar nich tun wolltn. So eine Ungerechtkeit is
genug, das ein Junge sein Nachthemd un die Zahnbirschte zusammpakt
un dafonlauft zu die Indjahner. Warum gingen sie nich eine andre Uhr
kaufn? Es sin noch genug in den Juwelihrladn fon Herrn Goldschmitt,
anschtatt so einen Schpetakl deswegn zu machn.

Schlißlich habn sie doch etwas andres zu denkn gefundn, als das
Schorschi so ein böser Junge is. Si sin so gemithlich un gutmithig
jetz wi ein Korb foller Schnitzl. Di alte Tante fon Montag de Jones in
Irrland is geschtorbn un hat ihm finftausend Fund hintergelassn. Ich
weiß nich was fir Fund das sind -- kann sein fon Geld, das wer greßlich
fiel. Er un Lily solln jetz heiratn. Papa sagt er hat immer gedacht,
Montag ist ein netter junger Mann -- blos zu jung zum heiratn. -- So
is alles wider gut. Ich will fersuchn bis nach der Hochtzeit ein sehr
brafer Junge zu sein, weil Lil mich zu sich in ihr Zimmer nahm, un
mit Trenen in di Augn zu mir sprach un mir einen Golddoller gab, ich
soll fersuchn bis nach der Hochtzeit nichts anzuschtelln, weil alle in
solche Eile sin un so fiel zu tun habn un sie winschte di Hochtzeit
mechte ruig foribergehn, ganz ohne einen Zufall.

Lil is ein gutes Medchen. Ich hab sie am libtsn. Ich will fersuchn ihr
zu folgn damit ich bei ihr wohnen darf wenn sie ihre eigne Wirtschaff
hat. Sie sagt, ich darf. Sie wird ein kleines Zimmer eigens fir mich
habn mit einer Brummsäge, ein Feßchen Negl, un alle Werkzeige.

Ich denke ich werde Montag nich erzehln, das sie sich das Haar mit
Teerseife bleicht um es so goldfarbig zu machn -- es wahr früer so
schwarz wi Kohle. Oh Godt! bin ich froh! so eine Menge Kuchn! Die Leite
fon kleinen Hans habn keine Hochtzeit wi wir. Heut hat er sich eimal
duckn missn!

Ich wahr so beschefftigt, das ich schon greßlich lang nich in mein
Tagbuch geschribn hab. Ich glaube manchmal sin kleine Brider sehr
nitzlich, wenn man sie nur heflich bidtet.

Meine Fiße sin so mid, wenn ich zu Bed geh, weil ich den ganzn Tag
laufn muß um Schpuln Zwirn, Seide, Kattuhn, Nadln, Muster, Citrohnen,
Rosihnen, zur Post, zu Herrn de Jones mit Brifchen un so weiter. Ich
wollte, ich kennte sie abschnalln wi der alter Willi Giles um abens
tut.

Morgn is der großer Tag, wo die Hochtzeit sein soll. Ich muß nur
schnell schlafn gehn, damit ich frih auf bin.

Nun is alles foriber. Ich wahr sehr zeitlich auf un ganz munter. Sie
solltn um elf Uhr in der Kirche heiratn. Die Kechin un alle hadtn zu
fiel zu tun um mir Frihschtik zu gebn. Sie sagte: »Nimm dir selbs Brot
un Budter. Ich hab schreklich fiel zu tun.«

Ich wußte nich, das kleine Jungen Budterbrot essn missn, wenn ihre
Schwestern heiratn. Ich ging hinein, wo sie eine große lange Tafl
aufgeschtellt hadtn mit Blumen un Salat, Kuchn, Austern un noch fiele
andre Sachn. Weil ich schtehnblib konnte ich noch 2mal so fiel essn,
als wenn ich mich nidergesetzt hedte.

Es wahr nimand da. Ich ferschittete einen Krug mit rotn Wein am
Tischtuch. So ein großer Flek! so ein Geruch fon Wein! Ich lif
so geschwind ich nur konnte henaus, damit sie denkn Betti hat es
ferschittet.

Betti sagte »komm laß dich anzihn!« un zog mich dann an, gab mir
ein Knopflochbukeh un ein Taschntuch, das mir aus der Brusttasche
herforschaute un glänzige Schue.

»Setz dich nider,« sagte sie, »bleib ruig sons beschmutzt du dir di
Kleider wider.«

Ich saß eine kleine Weile ruig aber dann schlipfte ich zu Henschen
henüber ein bischen zu schpiln damit die Zeit fergeht. Henschen sagte
»da is eine hibsche große Lake, wo wir unsre Schiffe schwimmen lassn
kennen« aber dabei schtiß er mich, das ich heineinplumste aber da wahr
ich doch gewiß nich schuld dran.

Wi ich nachaus kam mußtn sie alle wartn bis man mir die alte Kleider
angezogn hadte un Mamma weinte wegn den Tischtuch, aber sie sagte
weil ihre Tochter weggeht, un Papa wischpelte mir zu »er wird mit mir
schprechn, wenn alles foriber is«.

Lil wahr wunderhibsch, wi sie die Treppe henunterkam, mit den weißn
Kleid, die Wangen so rot wie Rosn un einem großn weißn Schleier ganz
über ihr. Auch Susann wahr sehr hibsch. Sie war Kranzljungffer. Herr
de Jones sah aus als kennte er nich glaubn, das Oktober is, so heiß
un unbekwem wahr ihm, er schtig auf Lilys Schleppe un zerriß si, so
das sie sie mit einer Nadl festschtekn mußte, er wunderte sich wo sein
Hut is un hadte ihm am Kopf un zerriß fir par Glassehandschuhe beim
Anzihn, in solcher Eile war er. Dann schpendelte ich Tante Betseys
rotseidnes Taschentuch hintn an seinen Rok un nimand bemerkte es bis er
den Kohrgang henaufgehn wollte. Alle lachtn ein bischen un der Dokter
riß es henunter. Er glaubte es will ihm wer etwas sagn blib schtehn un
schaute zurik un Lil merkte es nich un ging forwerts. Alle Leite lachtn
jetz laut un er wurde so rot wi ein Krebs.

Das machte ihm ganz ferlegn un wi der Predger dem Ring ferlangte liß er
ihm falln un er rollte weg bis unter der Kanzl un Susann mußte einen
fon ihre herborgn.

Jetz konnte er schon keinen fon andern unterscheidn un ging mit Tante
Betsey aus der Kirche. Lil sagt ich soll dafir büßn un nich mit ihr
kommen. Mir ligt nichs dran. Ich werd meinen Bruder fon ihre Brife
erzehln die ihr der andre Kerl zurikgeschikt hat, der forgen Winter
immer bei uns wahr, weil sie so kokett is. Ich werd ihm erzehln wi sie
sich immer das Schulterblatt auschtopfft un was fir Launen sie hat.

Es wahr der selber Predger auf den ich geschossn hadte, der sie jetz
ferheirate. Er hat eine Narbe auf der Schtirn un sah greßlich bleich
aus.

Wir gingen alle im Schpeisezimmer wi wir nachaus kamen. Ich glaube es
warn Serwjetten ausgebreitet wo ich den Wein ferschidtet hadte.

Es warn eine Menge Hochtzeitstortn. Sie trankn Tohste un Tohste. Die
Leite warn sehr gut aufgelegt; einer gab mir ein Glas Wein un sagte:
»Nun Schorschi, trinke auf die Gesundheit deiner Schwester!«

Ich sagte: »Meine Schwester, die sich heut ferheiratet hat, soll lebn!
Megn ihre kleinen Jungen nie gepriglt wern oder bei den Haarn gezogn
oder sich di Fiße ablaufn, wi ihr kleiner Bruder!«

Sie mußtn sich zum Zug eiln. Elsbett warf dem Wagn ihrn Pantoffl nach.
Alle sagtn Lebwohl. Deswegn fermißtn sie mich nich un ich benitzte die
Gelegnheit un trank alln Wein aus den sie stehn lassn hadtn.

Wi Mamma kam um mich zu suchn lag ich untern Tisch un mir wahr greßlich
schlecht. Ich fragte sie ob ein Erdbebn wahr. Sie sagte warum? Ich
erzehlte ihr das der Bodn sich umgedreht hat un das ich nich schtehn
konnte un die Sessl un der Tisch drehtn sich herum, wi wenn sie auch
nich schtehn kenntn. Dann rif sie Betti, mich henaufzutragen un zubed
zu legn un seifzte un seifzte, wi wenn ihr das Hertz brechn mißte un
sagte: »Oh, Schorsch, was wirs du nun beginnen!«

»Mich ins Bed legn, Mamma!« sagte ich un das war doch wahr.




Herr Wilkins fährt mit seiner Schwester aus


Tante Betsey wahr zur Hochtzeit gekommen, trotzdem sie so bös war. Sie
machte Lil ein Präsennt mit einer seidne Bedtdeke di si selbs zusamm
gepatzt hadte. Ich sagte ihr aber, das ich glaube Lil wird entäuscht
sein, weil sie hofft das Tante Betsey ihr ein silbernes hibsches
Teeserwiß bringen wird. Unsre Elsbett is nach der Tante genannt um
dem Namen in der Familje zu erhaltn aber nach wen Betti unser Medchen
genannt is, das weiß ich nich. Ich will sie eimal fragn wenn ich dran
denk. Die Tante schprang so wild herum wi eine Henne mit abgeschnidtnen
Kopf -- si sagte, sie glaubt, wenn sie Elsbett ein Teeserwiß schenkn
wird, so ist es genug. Sie wirde ihr Geld einen Waisnhaus fermachn un
sie solltn nich einen Heller dafon berihrn, wenn eine seidne Bedtdeke
nich gut genug fir Lil is. Sie hedte Elsbett etwas gegebn, weil sie
nach ihr benannt is, aber Schorsch Woschten hedte mir auch ni etwas
geschenkt trotzdem ich sein Namensbruder bin. Elsbett sagte ich hedte
wider unitzn Schpetakl gemacht, un nun wirde sie nichs bekommen wenn
sie dem Dokter heiratet. Sie sagte ich sei ein Schternfried. Ich fragte
sie was das is: ob es so wi ein Eichernchen oder eine Glukhenne is? --
sie sagte es hat 2 Fiße un eine schreklich schnelle Zunge.

Zu uns kommt jetz immer ein neuer junger Mann. Ich glaube er kommt
wegn Elsbett. Ich fragte Betti ob sie das auch glaubt un sie sagte ja.
Sie tetn besser, ihm sehr heflich zu behandln, si is schon so alt, es
is rein lecherlich -- 23 den letztn Mai! Ich herte Mamma eimal zu ihr
sagn, sie geht durch dem Wald un wird sich zuletz einen krummen Schtekn
aufklaubn -- aber ich weiß nich, was das heißt.

Der neie junge Mann heißt Wilkins. Letztn Abend ging ich in Sallohn wi
er un Elsbett mit einand redetn un ging hin zu ihm un schaute ihm genau
an. Nein, is der aber schpaßig! Elsbett winkte mir, ich soll fortgehn.
Ich wußte sie schenihrt sich es laut zu sagn un so machte ich mich nix
wissn.

»Wi gehts dir, kleiner Mann?« sagte er.

»Ich bin kein kleiner Mann,« sagte ich, »ich bin ein Bub. Glaubn si ich
bin der Tom Deimling oder sons ein Zwerg?«

Er lachte.

Ich fragte ihm: »Was is das, was so glenzt, wenn sie lachn? Is es Gold,
wi das, was der Zahnarz in Elsbetts Zehne schtekte?«

»Du bist ein schpaßiger Junge,« sagte er, aber er lachte nich, so das
ich nich sehn konnte was in seinen Mund so glenzte.

»Si sin auch schpaßig,« sagte ich. »Was habn sie denn auf den andern
Aug, es bewegt sich ja gar nich? Is es aus Glas?«

»Du bist wirklich roh,« sagte Elsbett. »Geh fort oder ich werds Mamma
erzehln.«

Ich ging ein bischen fort, kam aber gleich wider zurick, weil ich wissn
wollte, warum sich sein andres Aug nicht bewegt un schtand un gukte auf
ihm bis Elsbett wi sie schpeter sagte beina fortlaufn wollte.

»Schorschi,« sagte sie so siß wi Torte, »wills du nich so freindlich
sein un Betti sagn, si soll Kuchn un Lemonade bringen?«

Ich kam gleich wider zurick, wi ich ihrs gesagt hadte un schaute noch
fester auf ihm, weil ich nich begreifn konnte was mit sein Aug wahr.
Sein Haar war schreklich rot. Elsbett enschuldigte sich dann, um
eine Menute ins andre Zimmer zu gehn un wi sie herauskam, sagte sie:
»Schorschi, du solls sofort zu Mamma kommen.«

Also mußt ich heneingehn un Mamma sagte, es sei greßlich unheflich
Besuche so anzuschtarrn.

»Aber Mamma,« sagte ich, »warum ziht er das Aug nich auf, damit es sich
bewegt, wie das andre?«

Große Leite sin schreklich unferninftig zu Kindern. Schtatt mirs zu
erklern sagte si:

»Es is Zeit, zubedt zu gehn Schorschi!«

Herr Wilkins kommt regelmeßig jedn andern Abens. Der Dokter un Susann
sitzn in Forderzimmer er un Elsbett in Hinterzimmer. Warum sitzn si
nich alle zusamm? Er will morgn nachmittag mit Elsbett ganz allein
ausfahrn. Ich glaube sie hedtn mich auch fragn kennen ob ich mit will.

Ich glaube ich werde just mit fahrn! Es wer sehr schpaßig, wenn ich
mich untern Sitz ferschtekte un zuhör, was er sagt, er hat so eine
zwitschige Schtimme. Ich wer fersuchn, obs geht. Ich mechte Hansi
mitnehmen aber es wird nich genug Platz sein.

Herr Wilkins kam um 4 Uhr for das Haus mit einen neun Zweireder, ein
schwarzes Ferd mit fergoldetn Geschirr forgeschpannt. Ich schtand beim
andern Eck fom Haus un gab Obach un wi er eine Menute ins Vorhaus ging
um zu sagn das er da is, schprang ich aufn Wagn kroch unter dem Sitz un
gab das Leder wider for, das man mich nich sehn konnte.

Meine Kni warn sehr eingezwengt. Ich legte mich so gut ich konnte un
hilt mich schtill wi der Tod werend si einschtign. Er pakte die Zügl un
fort wahrn wir.

Das Ferd, das flog nur so, bis wir filleich 8 Meiln for der Schtadt
warn. Es tat mir greßlich leid das ich mitgekommen wahr, weil ich sehr
mid wurde, so eingepreßt in den engn Kastn. Oh, wi mir alles weh tat!

Wi es kihl wurde nach Sonnenuntergang lif das Ferd nich mehr so
schnell, es ging so langsam das ich glaubte ich muß schterbn.

Ich hadte ein dikes Pack Rakettn un ein par Zindhelzer in der Tasche,
aber weil ich hern wollte was er zu ihr sagte, liß ich si damals noch
nich los. Ich war so mid das ich nich eimal denkn konnte ob seine Augn
gleich sind.

»Meine siße, siße Elsbett!« sagte er, wi wenn si ein Babi fon filleich
6 Monath wer.

Meine Schwester sagte kein Wort.

»Sie sind mir nich bös?«

Grad wi wenn da was dran gewesn wer, bös driber zu sein! Ich glaube,
er dachte, so ein altes Medchen mechte sich nich gern wi ein kleines
Kind behandln lassn. Un dann sagte er so eine Menge siße Sachn wi wenn
si ein Zuckerladn wer -- so was hab ich noch nich gehert! Ich dachte:
»Herr Wilkins, wenn sie deine Ohrn so gezogn hedt, wi meine, mechst du
ihr nich Teibchen oder Engl sagn.« Dise Medchen di ihre kleine Brider
so puffn un schtoßn, wern ni zornig, was auch die großn Jungen immer
machen, das hab ich schon bemerkt, aber ich dachte mir, ich sag ihm
liber nichs, soll er sie habn, wenn er so ein Narr sein will.

»Das Schnittwarngeschefft geht jetz gut,« sagte er, nachdem er sie mehr
als 1 Dutznmal einem Engl genannt hadte, »und ich glaube wir kennen es
wagn so um Weihnach herum Hochtzeit zu haltn.«

Dann sagte Elsbett: »Ich habe ni fiel fon lange Ferlobungen gehaltn,
Karl, un wenn sie glaubn zu Weihnacht, so will ich fersuchn, bis dahin
fertig zu wern.«

Dann sagtn sie eine Menute oder 2 nichs un ich herte etwas ein bischen
Zwitschn. Kann sein, es wahr das Rad. Ich glaube es war es. Die Kni
tatn mir so weh das ichs nich sicher sagn kann. Mir wahr so kalt un
mir hungerte un die Ellbogn warn mir so eingezwikt das ich dachte ich
werd Herrn Wilkins erschrekn damit er heununterschpringt.

»Es is irgend was untern Sitz,« sagte Elsbett. »Oh barmherzger Himmel!
Oh Karl, es is gewiß ein Hund!«

»Firchtn si sich nich,« sagte er, »ich will sie mit meinen Lebn be--
Auh! auh! was kann das nur sein?«

»Oh haltn sie das Ferd! Lassn sie mich henunter!« schrie Elsbett.

»Lassn sie mich sehn, was es is,« sagte Herr Wilkins.

Er fihlte unter dem Sitz. Seine Hand schtreifte an meinen Haaren. Ich
biß ihm ein bischen in der Hand, damit er denkt es is ein Hund.

»Es is ein Hund!« schrie er, »ein withender Hund! Er hat mich gebissn!
Oh ich werde toll werdn!«

Damit hopste er aus den Wagen un liß meine Schwester allein drin sitzn.
(Das zeigt, wi gern er sie hadte!)

»Die Zeit is gekommen,« dachte ich, »um ein bißchen Schpaß zu habn.
Er soll nich mehr einschteign. Das Ferd soll erschrekn un mit mir un
Elsbett dafonrennen un dann wer ich herfor krichn un es aufhaltn.«

Also zindete ich ein Schtreifholz an, hilt die Rakettn dazu un schmiß
si dem Ferd unter die Fiße, das es dafonlif wi der Teifl. So eine
Rakette wahr noch nich da -- psch-zsch-psch-zsch krrrrr -- krach --
bum! bum!

Elsbett kreischte, Herr Wilkins jammerte, das Ferd lif in greßtn Karreh
-- so was hat die Welt noch nich gesehn! Ich wahr selber greßlich
erschrokn. Ich kroch herfor un wollte die Zügl pakn aber sie warn
henuntergefalln zum Ferd un es wahr schon so finster wi Pech. Ich
erwartete nichs andres, als das wir beide erschlagn wern.

Bum-burum-bum! fort ging es eine Meile nach der andere! Herr Wilkins
war auf der Schtraße geblibn -- weit, weit hintn. Elsbett krisch bei
jedn Hopser den das Vih machte. Es wahr aber wirklich schreklich.

Enlich kamen wir zu der Schtadt, wo schon licht war. Leite lifn heraus
un wolltn uns aufhaltn. Nach einer Weile lif das Ferd direk in dem
Mietschtall wo es hingeherte. War das nich ein gescheites Ferd? Dort
schtand es ganz schtill un zidterte. Di Leite halfn uns aus den Wagn.
Dann sagte ich zu Elsbett: »Warum has du nur so geschrin? Es war doch
nich so gefehrlich!«

»Schorschi, bis du es? Ich glaubte es sei ein toller Hund, der mich
die ganze Zeit beißn wollte. Was hat denn dann dem Lerm gemacht? Ich
hab mich noch ni im Lebn so gefirchtet. Du nichsnutziger godtloser
Junge! Du hedtest mein Tod sein kennen! Du solls aber heute den Schtock
geherig zu kostn bekommen! Ich glaube, das ich mich nie, nie fon disn
Abend erholn werd. Oh Herr Mietschtallbesitzer wolln sie nich ein
andres Ferd nehmen un zurick fahrn um Herrn Wilkins -- er is irgendwo
an der Schtraße ein par Meiln hinter uns. Oh was fir ein Wunder das
wir nich in 10 000 Schtike zerschmedtert worn sind! Oh, ich werde
ohmechtig! Du greßlicher schlechter unruiger Junge, schau was du
angeschtellt hast! Papa wird dir heut schon helfn.«

»Ich wollte nichs böses tun,« sagte ich, »ich kroch unter dem Sitz um
zu hörn, was Herr Wilkins sagn wird. Ich glaube, wenn ich ein Medchen
Engl nenne, mecht ich nich henausschpringen, um sie mit einen withenden
Hund allein lassn. Oho, er wird die Wasserscheu krign, was? Filleich
hat er sie schon, er is greßlich gebissn! Kann sein, das sich sein
andres Aug bewegt, wenn er Kremfe krigt. Wenn er schon toll wird, so
will ich hoffn, noch for Weihnach, Fräuln Elsbett --«

Ich konnte nich ausredn, weil sie mir die Hand forn Mund hilt. Die
Menner grinstn un ich mußte nachausgehn, weil Elsbett mich puffte.

Sie saßn bein Tee wi wir hereinkamen. Die Sachn rochn so gut un ich
wahr schreklich hungrig, aber ich hadte ein schweres Herz -- ich wußte
ich wers krign.

»Follkommen unferbesserlich!« sagte Papa, wi Elsbett fertig wahr. »Du
gehst zubedt, bis ich bereit bin, mit dir zu ferhandln.«

Wi ich langsam un sorgnfoll die Treppe henaufging herte ich Susann un
den Dokter lachn, wi wenn sie erschtikn mißtn -- ich weiß nich woriber.

Betti schlipfte so gegn nein Uhr zu mir un brachte mir ein gutes warmes
Nachmahl. Betti is ein Juwehl. Sie kann Herrn Wilkins auch nich leidn
-- weniger noch wi ich. Sie sagt es is schreklich, wi oft ich in der
Patsche komme, so ein unschulger kleiner Junge, der gern ein Muster
sein mecht. Si erzehlte mir, das Herr Wilkins grad zurikgekommen is,
greßlich schmutzig un die Schtifl zerrissn wi er aus den Wagn schprang.
Ich fragte sie ob sich sein Glasaug schon bewegt. Sie sagte sie will
Mamma bittn, Papa zu sagn, das er mich dismal nich priglt.

So, nun lebwohl mein Tagbuch. Ich bin zur letzte Seite gekommen. Ich
hab dir alle meine Hoffnungen un Besorgnisse erzehlt -- wi Lil in ihren
sagt. Libe Lily, di helt jetz selber Haus. Ich will sie nechste Woche
besuchn, wenn ich meine Schtrafe iberleb. Betti is sehr beschefftigt
mir Watte in di Hosn un dem Rock einzunehn, so das ich schwache
Hoffnung hab, di Prigl zu iberlebn. Ich bete, das ichs mechte. Ich here
meinem Fater auf der Treppe -- fahr wohl mein Tagbuch! Ich hab einen
Plahn zu entwischn. Dir will ich ihm erzehln. Ich will in die untre
Schreibtischlade krichn, dort wird er mich nich suchn. Betti wird di
Lade bis auf einen Zoll zumachn, das ich atmen kann. Oh was fir ein
Schpaß, Papa eimal dran zukrign!

Wenn ich nich genißt hedte, er hedt mich um der Welt nich gefundn.
Warum muß man nur grad immer nißn, wenn man nich will? Das Nißn kam
mir theier zu schtehn -- aber ich laß den Forhang falln, die Ssene
is zu schreklich um beschribn zu wern. Ich hab noch 2 dike Bindl
Rakettn ibrig -- Rache is siß -- wenn Papa heut nacht nich pletzlich
aufwacht un Mamma fregt -- »Is das ein Erdbebn oder der Tag des jingstn
Gericht?« will ich nich Schorschi Hacker heißn!




Er hilft seinen Schwestern auf dem Jahrmarkt


Kleine Medchen sin der reine Unnitz. Sie sin zu nichs zu gebrauchn wi
kleine Jungen. Eines is jetzt mit ihrer Mamma auf eine Woche bei uns.
Sie heißt Milly Dennis. Meine Mamma ferschprach mir ein Welozoped, wenn
ich braf bin so lang si hir sind. Ich will mich bemihn, so fest ich
kann.

Das is das sexte Mal das mir ein Welozoped ferschprochn worn is, wenn
ich braf bin un immer passihrt was, das ich es nich krieg. Man sagt
Unfelle kommen in den bestn Familjehn for un ich glaube unsre Familje
muß greßlich gut sein, weil bei uns immer was passihrt. Ich hoffe es
wird nichs forkommen, solang Milly hir is denn wenn ich ein Welozoped
hab, kann ich in einer Menute eine Meile weit sein un das is greßlich
fiel.

Ein Tag fon die siebn is langsam foriber gegangn. Wir schpiltn mit
einer Puppe, weil Milly ein weißes Kleid anhadte un ihre Mutter ihr
nich erlaubn wollte es zu zerknilln. Es wahr eine feine Tocke -- Flora
hiß sie -- beina so groß wi Milly selbs. Ich wollte gern wissn was ihre
Augn immer so auf- un zugehn macht un ich endekte daß es 2 Schtike
Blei auf einen Drat in Kopf drin wahrn, aber jetz is sie schieläugig
wi nur was, un Milly weinte, blos weil ich so ein nettes Loch in Kopf
obn gemacht hadte -- Medchen sin solche Kinder! Grad weil die Augn ein
bischn krumm sind!

Eimal ging sie Zucker holn damit wir Teegesellschaff schpiln kennen;
wi sie zurickkam lag eine greßliche Menge Sägschpehne am Teppich, die
aus Floras Magn herauskamen, weil ich sehn wollte womit sie so schreit.
Mamma sagt, ich muß ihr eine neie Puppe fir mein Geld kaufn un das is
wirklich gemein. Ich hab mirs auf einem Bogn un Feile geschpart. Ich
hab gehert, es sin keine wilde Truthehne in der Gegnd aber Herr Petus
iber der Schtraße hat eine Menge zahme un zum probihrn sin die gut
genug. Ich kennte in seinen Feld ferschtekt lign, bis ich zum Schuß
komm -- tote Truthehne erzehln keine Geschichtn.

Aber ich muß weiter erzehln. Theires Tagbuch mechstu glaubn, das mir
das das Herz schwer macht wofon ich geschribn hab? Mechstu glaubn ich
bin nich imschtand auch nur einem Tag fon die sibn ohne gewehnliches
Pech zuzubringn? Ich kann es nich ertragn, selbs dir die Gefihle
mitzuteiln die meinem Busn bedrickn, wi Lil in ihrem sagte. Aber ich
hab ferschprochn dir nichs zu ferschweign. Gut also, wir schpiltn
Teegesellschaff un Besuch bis es mir fad wahr un Milly war zohnig
weil ich sagte es is Medchengeschpil was es auch wahr un ich sagte zu
ihr: »Es is schon schpeht un unsre Leute wern filleich erst in einer
Schtunde nachmahln. Ich schlag for, wir schpiln fon armen Scharl Roß.«

Sie sagte, sie mechte es ganz gern. Mamma un Frau Dennis wahrn
zu Besuch gegangn, Elsbett half der Kechin Kuchn bakn, weil wir
Gesellschaff hadtn un es war nimand da, der mich dem armen Scharly
entführn sah, so nahm ich ihm -- das heißt sie -- in mein Zimmer un sie
zog ihr weißes Kleid aus un mein andern Anzug an, um ein Bub zu sein.
Dann nahm ich meinen Mahlkastn mischte ein bischen gebrannte Sjenna un
malte si wi wenn sie ein Neger wer, greßlich braun. Dann schlipfte sie
die Schtign henunter un ging hinaus auf dem Trottoar un ich schtekte
Bettys Schehre in der Tasche un zog meinen Eilwagn zum Forderthor un
wi ich bei ihr forbeikam, sagte ich: »Mechstu filleich ein bischen
ausfahrn, kleiner Junge?«

Un sie sagte: »Oh ja, ich danke, sehr gern,« un schtig ein.

Dann zog ich den Wagn so schnell ich laufn konnte bis wir aus den Ort
draußn auf einen ganz einsamen Platz warn.

»Schteig aus,« sagte ich, »ich muß dir dise lange Haare abschneidn,
damit sie dich nich mehr als ihrn kleinen Jungen widererkennen.«

»Mamma wird es nich gern habn, das du mein Haar abschneidst,« sagte sie
un das kleine Bibchen fing zu weinen an, aber ich schnidt ihr alle ganz
dicht bein Kopf ab, sons hädtn sie sie zu leicht wider erkannt.

Sie schrie un schrie, aber ich machte mich nichs hern, weil ich schpiln
wollte das sie ferlorn is. Es wahr ein triber Tag un es fing grad zu
regnen an. Es wahr ganz dunkl wi ich zuhause kam. Sie warn alle beim
nachmahln, der Kuchn wahr glasihrt und schaute ferlockend auf dem
hungrign Jungen.

»Oh da sin sie,« sagte Mamma un schaute ganz erleichtert aus. »Wo ist
Milly, Schorschi? Sag ihr sie soll zum Essn kommen un du komm auch. Es
is Platz fir beide.«

»Oh wir schpiln Scharl Roß un Milly is ferlorn.«

»Wo is sie ferlorn?« sagte Mamma un lechelte.

»Oh filleich eine Meile fon hir,« sagte ich un setzte mich zun Tisch.
Aber sie schprangen alle auf, wi wenn der Blitz eingeschlagn hedte un
es hadte doch nur grad ein bischen gedonnert.

»Schprichs du im Erns?« fragte Papa un pakte mich bei der Axl, das ich
glaubte ich muß schrein, so fest hilt er mich.

»Ja Papa. Wir wolltn es schpiln un sie wahr Scharly un ich war der
Kerl der ihm enfihrte un ich liß sie ein gutes Schtik fon hir schtehn,
damit man sie nich leicht findn kann. Ich bin jetz engslich weil es
regnet, wi mit Heigabln. Ich glaube wenn ihr ein Schtikchen auf der
Nordschtraße hinausgeht un in alle Zauneckn schaut, werdet ihr sie
gleich findn.«

Keiner außer mir aß auch nur einem Munfoll Nachmahl. Frau Dennis schlug
die Hende zusamm un sagte ihr Kind wird sich zu tod firchtn, sie
erschrekt so for Blitz un Donner un sie wirde dem Tod dafon habn, das
sie so durchneßt wird -- alles zusamm zehlte sie filleich ein Dutzen
Sachn auf fon di sie schterbn mißte, wenn man sie nich gleich findet.
Aber ich sah gar nich ein, das man so eiln muß, sie wahr doch nich fon
Zucker oder Saltz, aber ihre Mamma wahr greßlich aufgeregt.

»Du bist ein böser, Böser, BÖSER Junge,« sagte Susann, un riß mir den
Kuchn for der Nase fort wi ich mir ein Schtick nehmen wollte.

»Wi kanns du die Frecheit habn, dich hir ruig niderzusetzn, wenn der
armer kleiner Engl draußn ist in der kaltn kaltn Nacht! Was schaut da
aus deiner Tasche heraus, du kleiner Thunichgut?«

»Nichs, nur Millys Haar,« sagte ich. »Ich mußte ihrs abschneidn sons
hedtet ihr sie daran erkannt. Ihr mißt wissn, sie is ferkleidet. Ihr
dürft kein Medchn suchn, sondern einen Jungen, ihr Haar is so kurz un
sie is so sonnferbrannt, ihr werdet glaubn, sie is ein Westindejahner.
Wenn ihr einem kleinen zerlumptn Bubn begegnet mit meine alten Kleider
an, das ist sie.«

Frau Dennis setzte sich fest auf dem Platz nider, wo sie grad schtand.
Mamma schpritzte ihr Wasser im Gesicht un weinte selbs un Papa nahm
eine Laterne un Susi un filleich firzig fon die Nachbarsleite gingen
mit.

Das wahr mir eklhaff. So ein Lerm! Aber es war eigntlich schpaßig, ganz
wi wenn sie wirklich ferlorn gegangen wer -- so natirlich wi das Lebn.
Ich mußte mein Essn schtehn lassn un mit ihnen gehn um den Platz zu
zeign.

Es war wirklich schkandelös, wi sie fon mir redtn, wi wenn ich gar nich
dabei gewesn wer, un einer erzehlte den andern, das ich der schlechste
Bub bin, der nur je auf der Welt war un immer was anschtell. Ein Junge
kann gar nichs schpilln ohn Unrue zu machn, weil sie sagn ich thu es
mitfleiß un es is doch immer grad nur ein Zufall. Ich bin so gesorgt,
wi ich nur sein kann -- ich hädte es doch nich gethan, wenn ich gewußt
hädte, es is schlecht! Ob es mich filleich besser macht, wenn ich
zu Herrn Slokum geh un ihm bidte fir mich zu betn? Ich will ihm das
nechstemal fragn, wenn er zu Elsbett kommt.

Frau Dennis will morgn frih gleich nach dem Frihschtik wegfahrn »sie
kann meinem Anblik nicht fertragn«, sagt sie, weil es regnete wie
Milly ferlorn ging. Ich glaube das Haar wird ihr wider wachsn, wenn
es auch wirklich kurz abgschnittn is -- ich hab ihr ja nich dem Kopf
abgeschnittn!

Ich wurde auch naß, wi ich sie suchn ging, aber mich umarmtn un kißtn
sie nich, oder machtn mir heißn Tee mit einer Menge Zucker un gabn mir
kein Firsich un Krem oder lißn mich aufn Sofa lign, das ich di ganze
Gesellschaff sehn kann. Nein, mich jagtn sie in meinen Zimmer, wi wenn
ich ein Hund wer un Papa sagte er wird bald bei mir sein. Hm! Ich weiß
was das heißt. Ich werde mir aber eine Barrekahde baun, wi sie in Paris
gemacht habn, wi dort Krig wahr. Wenn sie mich erwischn, wird es nur
iber die Trimmer fom Waschkastn un Schreibtisch sein. Ich will leise in
der Schpeiskammer schleichn un mir Kuchn un eine kalte Zunge holn, dann
kann ich ganz gut eine Belagrung aushaltn.

Pst! mein Tagbuch! Alles is fertig zum Kampf! Der Proweant is
hereingebracht, di Thire ferschperrt, das Bedt dagegn geschtemmt, der
Schreibtisch aufn Bedt un ganz obn drauf der Schpigl.

So, jetz kommt Papa un klopft ich soll ihm heneinlassn. Ich will mich
so schtill haltn, wi klein David in der Höhle. Ich winsche irgnd eine
freindliche Schpinne mechte for meiner Thir ihr Netz machn, das der
Feind es siht un glaubt ich bin nich drin. Wenn er die Thir filleich
aufbricht, das mecht einen Krach gebn! Ich mechte wissn, wi lang man
fon einen großen Kuchn lebn kann. Es wirde ihnen ehnlich schaun, zu
sagn, wenn der Schpigl gebrochn wird, ich habs getan -- wirklich alles,
alles thut der böse Junge!

»Nach Regn kommt Sonnschein!« Drei Tage wahr alles finster -- jetz is
lauter Sonnschein -- Fride is beschlossn -- die Belagrung aufgehobn --
fir dismal is klein Schorschi der Siger. Sie sagtn, sie wirdn mich nich
berihrn, wenn ich heraus komm un ich wahr froh driber, denn der Hunger
nagte an meine Eingeweide un so wurdn di Mebl geredtet -- di Barrekahde
wurde fortgeräumt.

Frau Dennis is mit Milly nachaus gefahrn. Mitwoch un Donnerstag soll
bei unsern Kirchschpiel Jahrmark sein. Das is der Grund, warum sie so
angenehm sind -- sie brauchn meine Hilfe. Ich hadte heute Nacht Zahnwe
in meine Fiße, ich hab so fiel herum laufn missn.

Es wird ein sehr lustiges Fest wern. Susi hat verschprochn mir 10
Kartn fir di Drehorgl zu kaufn wenn ich braf bin, ihnen helfe un nichs
anschtell. Ich dreh so gern auf den Werkl! Ich kennt mir damit den
Lebensunterhalt ferdinen un meine Eltern nich mer zur Last falln. Wenn
ich ein Werkl un einem Affn hädte, mechte ich alle Idehn aufgebn ein
Bremser zu wern.

Der Jahrmark is enlich foriber.

        Die Lichter vergliht
        Die Blumen verbliht.

Der erster Abens ging wunderbar foriber. Nih hadt es einem bessern
Jungen gegebn. Ich hadte ein Knopflochbukeh un ferkaufte finfcent
Zigarrn um 20 Cent -- das wahr ein hibscher Profet, sagte Susi un sie
weiß das ich sechzig Schtik ferkaufte, wirklich ein gutes Geschefft.
Auch wahr ein junger Mann aus der Schtadt bei den Fest -- er glaubte
er is ein neier Robinson -- »König fon alles, was er erblikte« aber di
Medchen machtn sich nichs aus seiner Dummheit, weil er das Geld ausgab
wi Wasser un so lachtn sie sich in der Faust un lißn sich ihm aufblasn
wi ein Fau, schmeichltn ihm un krigtn ihm dran sibn Nadlpolster un
8 Teekesselhalter zu kaufn un noch eine Menge solche Sachn, di ein
junger Mann ni braucht. Ich glaube, meine Schwestern wundertn sich, wi
nitzlich sich klein Schorschi machn kann.

Der 2te Abens ferging auch ganz gut. Es wahr schon di hechste Zeit fir
mich die Orgl zu drehn -- ich konnte es nich mehr aushaltn. Es wahr
schon sehr schpeht un so sagte ich zu ein paar junge Damen: »Mechtn
sie filleich mein Schpringinkerl sehn?«

Sie sagtn »ja« un ich nahm es aus der Tasche un schtellte es auf dem
Tisch un heraus schprang eine Maus die ich nachmittag heneingeschtekt
hadte -- eine kleine, winzige unschulge Maus.

Ich frag dich, mein Tagbuch, war es meine Schuld, das sie aufschprangn,
dafon lifn un den Tisch umwarfn das die Lampe zerbrochn wurde un das
Petroljum iber alle Sachn rinnen machte? Warum erschrektn dise dummen
Medchen iber einer Maus? Wenn sie sich ferninftig benommen hedtn, wer
nichs passihrt. Sie leschtn es nich eimal aus, so wenig Besinnung hadtn
sie. Ein paar Leute filn fon der Schtige hinunter un sie drengtn un
quetschtn so, das ein paar beschedigt wurdn. Es wahr ein reines Wunder,
das kein Lebn ferlorn ging. Es tut mir leid, das der hibscher junger
Mann sich den Fuß gebrochn hat, er war in solche Eile daß er iber das
Gelender schprang -- das hette er doch nich zu tun brauchn.

Meine Schwestern habn sich die Kleider greßlich zerrißn. Sie hadtn nich
Zeit die Geldlade mitzunehmen un so gingen 250 Doller in Flammen auf.
Der Schade in der Schtadthalle sagt man is 3 tausend.

Medchen sin so dumm! wegn einer kleinen Maus!

[Illustration]

Schorschi Hacker -- das bin ich -- is natirlich wider an allen Schuld.
Die Birger fon unsern Ort wolln eine Petezjohn an Papa schreibn, mich
in einer Erziungsanschtald zu schikn. Herrn Müllers Geschefft fing
Feuer fon der Schtadthalle un brannte auch ab; aber es mechte mir nich
fiel dranlign wenn nich meine Handorgl mit ferbrannt wer, die ich hedte
drehn dirfn. Ich hadte 10 Kartn dazu. Sie schpilte mehre Schtike. Es
is eine greßliche Schande, sie so ferbrennen zu lassn -- dise Medchen
machn sich wirklich rein lecherlich!




-- Die Überraschungs-Gesellschaft


Papa wollte mich in ein Inschtetut gebn aber Mamma sagte: »Nein, er
wird so zurikgeschikt wern, also wozu?« weil die Birger habn wolltn,
ich soll fort gehn. Der hibscher junger Mann, der sich dem Fuß gebrochn
hat, kann wider ausgehn un das is sehr ergerlich weil mir die gutn
Sachn, die ihm meine Schwestern immer schicktn, sehr abgehn wern. Der
Mund wessert mir, wenn ich dran denke. Ehrwirdn Herr Slokum kann seine
Harfe schon auf dem Weidenbaum hengen, denn Betty erzehlte mir gestern
abens im fertraun, Elsbett is schterblich ferlibt in dem Schtadtjungn
un Betty ferschteht sich drauf -- sie weiß selbs wi das is. Sie hat
einem rothaarign Ferehrer, der so ausschaut, wi einer fon den Kirbissen
mit einer Kerze drin, mit denen ich sie immer schreke, wenn sehr
finster is. Ich glaube sie sollte nich dafor erschrekn -- sie sind das
follkommne Ebnbild fon ihren Ferehrer.

Herr Jenner, dessn Fuß wider gut is, wahr gestern abens hir, Elsbett
besuchn; er sagte er muß morgn in der Schtadt zurick, aber er wird
widerkommen. Elsbett wisplte mir zu, es ist schon Zeit zu Bedt zu gehn
un so sagte ich: »Gute Nacht Herr Jenner!« un ging so ruig henaus wi
ein Lamm, schlich aber dann zurik ins fordre Zimmer un legte mich
aufs Sofa, weil ich noch so wach wahr, wi ein Habich un herte Elsbett
sagn: »Bleibn sie bis Freitag Herr Jenner; Donnerstag soll eine
Iberraschungsgesellschaff feranschaltet wern un ohne sie wolln wir nich
gehn. Ich mechte den kleinen Schorschi nicht um der Welt hir habn --
ich firchte, er wirde wider was anschtelln -- das is der Grund, weshalb
ich es ihnen nich sagte, bis er zu Bedt war. Er soll bei Richter Bell
sein un wir werdn uns sehr gut unterhaltn.«

Er sagte, er wirde ihr zulib bleibn un drikte ihre Hand wi wenn sie
eine Oransche wer. Es muß wahr sein was Betty sagt, sie werdn gewiß
heiratn. Ich wollte eine Papirkugl auf ihnen schmeißn, aber ich dachte
es is besser wenn ichs nich thu, damit Elsbett nicht denkt ich hab fon
der Iberraschungsgesellschaff gehert un lag ganz ruig.

Er fragte sie, ob sie mit Herrn Slokum ferlobt is. Sie sagte sie wirde
ihm nich heiratn un wenn er der einziger Mann auf der Welt wer, weil
sie nich gut genug is fir die Frau fon einen Predger. Dann fragte er,
ob sie filleich gut genug is, um seine Frau zu wern? Ich weiß nich was
sie sagte, sie redete so leise, aber er aß sie beina auf, wie wenn si
fon Zucker wer un ich schlif ein.

Alles wahr finster, wi ich aufkam un ich schlich so leise hinauf
als ich konnte, aber die Schtige krachte un Papa schtirzte heraus un
feierte die Pestole ab. Die Kugl riß mir ein kleines Schtick fon meinen
rechtn Ohr henunter un machte mich di Treppn henunterfalln so das Papa
glaubte er hat dem Einbrecher erschossn. Er nahm die Lampe un Susi un
Elsbett schperrtn ihre Thirn zu un schrien inwendig un er un Mamma
kamen herunter wo ich ganz zusammgerollt lag un sie rif:

»Oh Gott es is unser liber kleiner Schorschi! Oh mein Sohn mein Sohn!«

Papa seifzte, wi wenn er getroffn gewesn wer, Mamma sah das Blut auf
meinen Gesicht un schrie: »Er is tot!«

Aber ich wahr nur ferwundet wi ein Soldat un schprang auf un sagte: »Es
is mir nichs geschehn« un dann hadte Mamma wider hesterische Kremfe.
Nein so was! Mein Ohr wurde ferbundn un ich wurde zubedt gelegt, wi es
schon licht war. Betty brachte mir mein Frihschtik aber nich eimal ihr
erzehlte ich fon der Iberraschungsgesellschaff.

Mamma weinte wider ein bischen, wi sie zu mir kam, um nachzusehn.
Ich quelte sie, bis sie mich aufschtehn liß. Wi ich angezogn wahr,
schlipfte ich unbemerkt henaus lif zu Richter Bell hiniber, fragte nach
Fräuln Anna un erzehlte ihr, es keme heut Abens eine große Gesellschaff
zu ihnen un sie sollte nur so iberrascht wi meglich sein. Sie lachte un
sagte, sie wollte -- sie war froh das ichs ihr erzehlte, weil sie jetz
ihre Haarwikl nich herausnehmen wollte bis abens un di Polsterdekn
aufbreitn un dem Medchen sagn sie soll unter den Bedtn herforkehrn.

Dann ging ich un ladete Frau Tuckins ein, die in Tagarbeit geht un
Willi Giles der Weichnwerter bei der Eisnbahn, is mit nur 1 Bein un
die Wittwe Robinson di immer unsre Kiche anschtreicht un die zwei
Grünmedchen die Schneiderinnen sind -- oh, eine ganze Menge Leute, wi
im neun Testerment schteht, das man einladn soll, wenn man Gesellschaff
gibt -- un sie warn alle froh un ferschprachn zu kommen un den ganzn
Tag nichs auszuplauschn.

Die Leute, di ich eingeladet hadte, kamen alle sehr zeitlich. Sie warn
früer da als alle andere un Richter Bell glaubte es is ein Auflauf weil
er ausgegangen wahr un Fräuln Anna war so zohnig, das sie ihren Hut
aufsetzte un fortging. Also nahm di Iberraschungsgesellschaff ihren
Kuchn un Krem un di Musik un kam damit zu uns heriber, wo sie sich sehr
gut unterhiltn.

Papa wahr greßlich ergerlich, weil er un Richter Bell Freinde sind.
Er wunderte sich, wer das wider angeschtellt hat. Aber ich dachte, es
is doch nich schön, das alle dise Leite weggehn mußtn ohne belegte
Buttersemmel oder Kuchn wi wir hadtn! Ich glaube es erzehlte ihm
jemand, das es Schorschi war, ders getan hat, weil er so scharf auf mir
schaute das ich dachte ich werd ein bischen in den Hof gehn un schaun
ob der Mond untergegangen is.

In den Hof war eine fremde Katze. Sie wahr weiß un schwarz geferbt. Ich
sagte: »Miez, miez, miez!« aber sie lief dafon. Es roch greßlich so
das ich es nich aushaltn konnte un ich ging deswegn henein. Die Leute
warn im Schpeiszimmer un nahmen grad Erfrischungen un so ging ich auch
henein. Sie schprangen auf un schrien wi wenn ich ein wildes Thir wer.
»Oh geh henaus, geh henaus!«

Die Dahmen nahmen ihre Taschnticher form Gesicht wi wenn sie Zahnwee
hädtn. Papa pakte mich bei der Schulter un fihrte mich henaus im
Schtall setzte mich auf einen Heihaufn un sagte ich soll dort bleibn
bis di Gesellschaff fort is.

Das wahr schreklich gemein. Ich herte die Musik schpiln aber ich hadte
noch gar nichs gegessn, es war kalt un finster da drin un so ein Geruch
das ich beina geschtorbn wär.

Betty kam nach einer Weile heraus un brachte mir ein Schtik Kuchn.
Wi sie das Thor aufmachte, scheinte der Mond herein, so das ich sehn
konnte wer er wahr.

»Betty, libe Betty,« sagte ich foller Freude, »da bin ich.«

»Oh,« sagte sie, »ich kennte dich mit der Nase findn, Schorschi un
wenns noch so finster wer!« un sie lachte, das sie beina zerplatzt wer.
Aber ich wahr nich zohnig, weil es so lib fon ihr wahr mir an disn
traurign Plaz etwas zu essn zu bringen.

Ich fragte sie ob sie bei mir bleibn will, aber sie hadte zufil zu
thun. Sie sagte sie wird mir so schnell sie nur kann mein andres Gewand
bringen. In einer halbe Schtunde filleich, brachte sie mirs un sagte
ich soll heneinkommen wenn ich angezogn bin.

Betty is ein fortreffliches Medchen, das muß ich wirklich sagn. Ich kam
ein bischen früer henein, befor di Gesellschaff ging.

»Du mußt mit fremde Katzn keine Freundschaff schlißn, Schorschi,« sagte
Dokter Moor.

Alle nektn mich. Herr Jenner fragte mich, ob ich mein Taschntuch mit
Eßbukeh eingeschpritzt hab?

Papa aber sagte ganz erns: »Schorschi hastu disem Gesindelpak gesagt,
zu Richter Bell heniberzukommen?«

Grad da, befor ich antwortn konnte, wahr draußn auf eimal ein
firchterlicher Schpektakl -- alte Hefndekl, Trompettn, Herner un
Feifen, genug um einem firs ganze Lebn taub zu machn. Alle schautn auf
mir, wi wenn ich der schuldiger Ferbrecher wer.

»Was is das schon wider?« schtehnte Mamma.

Dismal wahr aber mein Gewissn rein.

»Ich weiß nich Mamma, filleich is es eine Katznmusik?«

Nun weißt du, libes Tagbuch, ich hadte zu ein paar Kerle, di bein Depoh
warn, gesagt, sie bekommen Kuchn un Wein, wenn sie zu Richters gehn un
der Iberaschungsgesellschaff eine Saranahde machn, un si hadten dort
gehert es is in unsern Haus un warn deswegn heribergekommen. So ein
Narrnthurm, was sie machtn, hat di Welt noch nich gesehn -- es warn
filleich 3 Dutzen fon ihnen da. Wenn ich gewußt hedte, die Gesellschaff
wird zu uns kommen, hedte ich sie nich eingeladet. Dokter Moor ging
henaus, um die Leite zu beruigen, die grad wi lauter Teufl heiltn un
schrien un kam mit die Finger in die Ohrn wider herein.

»Sie werden ihnen etwas geben missn, um sie los zu werdn,« sagte er.

Mamma ging henaus, um Kuchen zu holn, aber die Gesellschaff hadte alles
aufgegessn un es wahr keine Zeit mehr, frischn zu bakn un ein Bursche
schmiß grad einen Schtein durchs Sallohnfenster -- sie brilltn noch
mehr -- es war mir sehr leid, das ich dise gemeinen Kerle etwas fon der
Saranahde gesagt hadte.

Dann sagte enlich Elsbett es were ein großer Fruchtkuchn draußn in der
Forratskammer fir das Dankfest un sie wirde ihm holn; also schikte Papa
den Kuchen un eine Menge Wein henaus mit einer Emfehlung un wi sie das
aufgegessn hadtn, schrien sie dreimal »Hurrah der kleiner Schorschi
soll lebn!« un wolltn nich eher fortgehn, bis ich eine Rede halte.

Ich war firchterlich erschrokn aber Papa sagte: »Du hast uns in
die Patsche gebracht, mein Junge -- jetz schau, wi du uns wider
herausbringst!«

Dr. Moor setzte mich also auf seiner Axl un trug mich henaus. Ich
fermute ich war blaß, aber wie sie anfingen zu lachn un zu kreischn
wurde ich zohnig un sagte ganz laut zu ihnen: »Mitbirger,« sagte ich,
wi ich fon Papa in der Schtadthalle gehert hab, »wir habn heite Abens 2
unerwartete Besuche zu unsere Iberaschungsgesellschaff gehabt -- Einer
kam im Hinterhof, es war ein Schtinkthir. Der anderer kam im Forderhof,
das war di Katznmusik. Ich weiß nich, welchen ich dafon liber hab.
Gute Nacht!«

[Illustration]

»Du wirst noch eines Tags ein Folksredner wern, mein Sohn,« sagte Papa,
wi sie so ruig weg gegangen warn wi Lemmer un lachte un lachte sofil,
bis er aufherte wegn der Geschichte bes zu sein mit mir, aber meine
beste Kleider sind runihrt, sie sind im Gartn begrabn ich kann morgn
nich in der Sontagsschule gehn. Es tut mir sehr leid, denn ich wollte
Harry Hauk mein Federmesser bringen, weil er mir die Gummilastieidekse
dafir gebn wollte, di er fon seiner Tante bekommen hat ich wollte Betty
erschrekn.

Nechste Woche is Dankfest. Ich hoffe un bete, meine Kleider solln dann
nich mehr begrabn sein, denn wir erwartn unsre ganze Ferwanschaff zum
Essn un iber nacht. Es wird sehr lustig sein. Dankfest is die beste
Zeit fom Jahr außer Weinach, das is noch besser. Kinder habn alle
Weinachtn so gern. Ich weiß etwas dafon, was nich wahr is, aber ich wer
es nich ferratn.

Man mechte gar nich glaubn was fir eine Menge gute Sachn in
Fleischpastehtn sind, wenn man sie ißt -- Fleisch, Äpfl, Fett,
Zibebn, Zitrohne, Liköhr, Muschkatnuß, Zimmt, Eierschaum -- in manche
auch Schnupftaback. Die Kechin liß mich zuschaun. Ich hadte die
Schnufftabackbixe fon Hansis Großmama di ich mir ausborgte ohne das
sies wußte. Es schaute greßlich genau wi Zimmt aus un ich schmiß den
ganzn henein wi di Kechinn in der Schpeise ging. Ich hoffe es is gut in
Pastehtn.

Oh, das wahr ein beschefftigter Tag! Elsbett nahm mich iber nachmittag
mit aufs Land. Es war ein Junge dort un eine Menge Nisse auf die Bäume
im Wald un Kihe. Wir klaubtn uns auf sofil wir wolltn. Er erzehlte mir
wi di Schlangen sich ein neues Gewand anzihn. Das is merkwirdig! Ich
hadte noch mein altes an, weil ich Nisse suchn ging un mein andres noch
eingegraben is. Eimal kann ich dich zumachn, mein Tagbuch ohne deine
Bledter mit einen traurigen Zufall zu beflekn. Sie sagtn ich bin ein
sehr brafes Kind.

Elsbett is in einen Bognschitzn-Klubb in unseren Ort. Si nahm ihren
Bogn un Feile mit um draußn zu schißn, weil dort sofil Plaz is. Wie sie
mid wahr, borgte ich un der andre Junge uns ihm aus.

Elsbett gab ihm uns, wenn wir nich auf das Haus zu oder auf etwas
lebendiges schißn wolln. Wir gingen auf der Weide un machtn ein Schtik
Zeitung auf einen dikn Baum fest anschtatt eine Zilscheibe; aber dise
ferfluchte Küe schpazirtn immer so herum un grad wenn wir auf dem
Zeitungspepir ziltn, waklte eine mit den Schweif un ging langsam bei
den Baum foriber wi wenn sie ferrikt wern, oder gar kein andrer Plaz
da zum Promenihrn. Zuletz traf einer fon di Feile die beste Ku fon dem
Jungen seinen Fater grad im Aug wi sie sich niderlegn wollte un sie
schtiß noch einmal aus un gab dem Geist auf.

[Illustration]

Ich firchte wenn die Kuh nicht zum Melkn im Schtall kommt, wird sein
Fater nicht mehr denkn Schorschi Hacker is so ein anschtänger kleiner
Kerl! Aber ich wollte es ja nich thun -- nein, wirklich nich! Ich zilte
auf keinem einzign Ding außer der Zeitung, un wenn dise dumme Kuh grad
foribergeht, wessn Schuld is es -- ihre oder meine? -- -- -- --




Er geht zur Kirche


Manchmal leßt mich Dokter Moor zu ihm in sein Gescheft kommen un ein
bischen dort schpiln, er hat ein sehr schnelles Ferd un einen leichtn
Einschpenner aber er will mich nich allein dort lassn, weil runderum
sofil giffge Medezinen schtehn. Gestern mußte man ihm plezlich rufn --
ein Mann hadte einen Anfall un er sagte zu mir: »Schorschi, du bleibs
in den Sessl, bis ich zurikkomm!«

Ich saß schtill bis ich gehnen mußte, wi wenn mir der Kopf abfalln
mecht -- dann kam das alte Fräuln Baxter herein schaute durch ihre
Brilln scharf auf mir un fragte wo der Dokter is.

»Ein Mann hat einem Anfall bekommen, kann ich ihnen filleich mit etwas
dihnen Fräuln?« sagte ich sehr heflich.

»Du, Schorschi Hacker?« sagte sie in so wegwerfign quitschign Ton. »Du
mechtest mich vergifftn, wenn ich dumm genug wer dichs zu lassn. Alles
was ich brauche is ein bischen Medezin un ich hedte so keinen Doller
dafir bezalt.«

Dabei gukte sie herum auf alle Flaschn un Sachn -- man sagt sie is
schreklich neidisch, der reine Geizkragn -- un sah eine Flasche mit
Seidlezpulwer, ging schnell hin nahm ein blaues un ein weißes un legte
finf Cent am Tisch.

Auf den Tisch schtandn ein paar Gleser un ein bischen Eiswasser un
in einer Schaale Zucker. Ich fragte sie ob ich ihr das Pulwer mischn
soll. Sie dachte sie kann den Zucker dabei umsons bekommen un sagte
ja. Ich machte es sehr siß in 2 Gleser un sagte sie soll zuers das
blaue un dann das weiße trinkn un sie tat es auch. In filleich einer
Menute hadte sie auch einem Anfall -- Oh einen schreklichn Anfall! Ich
kann mir nich forschtelln, wofon es kam, die Pulver warn ganz richtig.
Si fil grad zurik un wurde so schwarz im Gesicht, wi wenn si Dinte
geschlukt hedte; sie wer beina zutot erschtikt. Ich rannte henaus auf
der Schtraße um den Dokter zu suchn, aber ich sah ihm nirgns. Ich
sagte einige Leute, Fräuln Baxter schtirbt in unsrer Potheke un sie
ranntn henein un paktn sie auf un legtn sie am Sofa; ihre Brilln warn
zerbrochn, ihr Kleid auseinand gerissn un die Trenen kamen ihr aus die
Augn, wi wenn sie bei ein Begrebnis wer.

Sie fragtn sie, was denn geschehn is; sie sagte sie hat es nich richtig
eingenomen -- die Eksplosjohn war in ihren Magn anschtatt in den Glas
losgegangen -- ich glaube sie hadte recht. Sie zahlte 5 Cent fir das
Seidlezpulwer, aber ein par neie Augngleser kostetn ihr filleich 50
-- sie erschparte nich so fil dabei, wi si glaubte. Si schittlte ihrn
grinen Regnschirm zu mir, wi sie wegging, wi wenn ich schuld wer --
warum wollte sie den Dokter betrign?

Unter den Tisch wahr eine Lade, in der war ein hibsches Morrekoetwi.
Ich glaubte es is ein Schmuck drin aber wi ich nachschaute, warns
lauter kleine Messer un Sachn. Sie warn so scharf wi nur meglich. Dann
kam ein kleines Medchen herein mit 25 Cent un ein Schpahn in der Hand,
ich glaube sie is auf einen Treppngelender hinuntergeglitscht. Ich
sagte sie soll wartn, der Dokter wird sehr bald kommen, aber sie sagte
es tut greßlich weh un ich sagte: »Wenn du schtillhaltst, will ich ihn
herausschneidn« aber das kleine Ding hilt nich schtill. Sie zukte grad
zur unrechte Zeit, so das ich ihr grad iber der Hand einen schreklichn
Schnitt machte. Wer sie ruig gewesn, es wer nich passihrt.

Das Blut rann iber dem ganzen neun Teppich un ich sagte ihr deswegn,
sie soll schnell zu ihrer Mutter laufn un es sich ferbindn lassn.
Es war schon so schpeht un ich wahr so hungrig, das ich nich wartn
konnte bis der Dokter zurikkommt un di Flekn am Teppich siht. Aber ich
firchtete, das Dibe einbrechn un schtehln, wenn ich weggeh, deswegn
schleppte ich das Schkelett aus der Kammer, setzte er im Sessl un
schtekte ihm ein medezinisches Enschtrument in der Hand. Dann nahm ich
ein bischen Fosfer aus einem Fleschchen heraus, machte damit ein paar
Augn auf Papir un schtekte es in seinen Kopf. Es wahr firchterlich
anzuschaun -- genug um jedem Einbrecher zu erschrekn, un so firchtete
ich nich die Potheke unter der Wache fon dem Skelett zu lassn un ging
nachaus nachmahln.

Jetz sagt der Dokter, ich soll nich wider auf der Potheke Obach gebn,
weil das alte Fräuln Baxter withend is un Emmeline Elder krank ligt
mit Gehirnenzindunk weil sie schnell in der Potheke lif um ein bischen
Kloreform fir Zahnweh un dem totn Kerl mit di Knochn un die glenzign
Augn sitzn sah, weil es schon finster wahr un sie schrie laut un fil in
Ohnmacht.

Wie sie wider zu ihr kam war sie ganz allein mit den Schkelett un
schrie nocheimal un ferlor di Besinnung. Dann kam der Dokter zurik, un
brachte sie zu sich, aber si hat jetz Fiber un schreit die ganze Zeit
-- aber deswegn brauchn sie doch auf mir nich zu schimpfn ich schtellte
es fir Einbrecher auf un nich fir Medchen un das war ganz recht.

Ich fergaß fon den Jungen zu erzehln der hereinkam mit Zahnweh. Es
tat ihm so weh, das ers nich aushaltn konnte bis ich das Schkelett
herausgeschleppt hadte und er half mir es am Sessl zu setzn un ich liß
ihm aus der Kloreformflasche richn un er roch dran un ich sagte ihm er
soll sich ein bischen aufs Saktuch gißn es wird ihm dann nich mehr weh
tun.

Er legte sich aber grad zurik un liß die Flasche falln. Sie zerbrach un
er wollte mir nich antwortn wie ich ihm fragte ob der Zahn noch weh tut
also ging ich fort un liß ihm dort, weil es so schtark fon Kloreform
roch, das ich weggehn mußte. Er un Emmeline lagn beide bewußtlos dort,
wi der Dokter zurikkam.

Es tut mir leid, das di Flasche zerbrochn is, denn sie wahr 3 Doller
wert un der Bub schtarb beina -- aber ich hoffe er hadte kein Zahnweh
mehr.

Ich dachte nich, Emmeline wird for den Ding erschrekn, das ich doch nur
fir Reiber aufgeschtellt hadte.

Der Dokter sagt es muß troz allen doch ein Dib hereingekommen sein,
weil die Schachtl mit di Gummizukerl weg is. Aber Hansi un ich wissn
gut, wo si is, hinter der Scheine.

Morgn is Dankfest. Aber ich werd den ganzen Tag kein Schtikchen
Pastehte krign, weil der Schnupftaback fon Hansis Großmutter so ein
greßliches Quatsch aus unsrer Pastehte machte, das wir die ganze
fortschmeißn mußtn. Es is noch eine Menge Apfeltorte un Kuchn da aber
ich soll doch nichts bekommen. Ich glaube, das is wirklich gemein. Ich
hab Torte ganz besonderst gern.

Meine Schwester Elsbett is so schtolz, weil sie Herrn Wilkins
fortgeschikt hat der seit damals nich bei uns war, wi das Ferd dafon
lif, un dafir Herrn Jenner gekrigt hat, das man beina kein Wort zu ihr
schprechn kann.

Unsre libe Lil is gestern gekommen, um morgn bei uns zu sein. Sie
fragte ob ich noch so schlimm bin, wi früer, weil sie mich gern auf
eine Woche nachaus nehmen mecht.

Ich mechte sehr, sehr gern gehn. Warum hetzn sie alle auf, zu sagn, ich
bin ein nichsnutziger Junge? Wir habn alle unsre Fehler. Ich habe ein
paar, wi andre Leite auch. Bin ich godtlos, weil ich nich wußte, das
Schnufftaback die Pastehte runihrt, oder das alte Fräuln Baxter zischn
wird, wi ein Feierwerksrad fon 4. Juli wenn sie ihre Sachn nich mischt,
befor sie sie schlukt?

Jeder Mensch muß erst eine Menge Sachn aus eigner bittre Erfarung
kennen lernen.

Lily sagt, ich soll mit ihr kommen un wenn ich auch allen Schnikschnak
zerbrech, was sie mitgebracht hat; sie wahr immer so ein liber Kerl;
sie weiß, kleine Jungen habn ihre unruige Mommente, wi große Leite.

Libes Tagbuch, auf deine Seitn beschliße ich feierlich morgn ein
so brafer Junge zu sein, wi nur meglich, damit ich mit Lil nachaus
fahrn darf. Ein Tag soll iber meinen Kopf gehn in Rue un Fridn;
formittag will ich in der Kirche gehn un nachmittag lesn in der
Sonntagsbibloteck. Ich wer mein Gewand nich beschmuzn un so anschtendig
sein, wi man nur sein kann.

Tante Betsey is auch hir. Papa schrib ihr einen Brif un sagte ihr, sie
soll wider gut sein, un an unsern Dankfesttruthahn mitessn -- un so is
sie gekommen. Sie gab mir ein Goldschtik, wi sie kam, auch Herr Jenner
kommt aus der Schtadt zum Essn -- er is jetz einer fon unsrer Familje.

Elsbett sagt, sie winscht, das die Tante ihm siht -- sie denkt gewiß
an dem silbernen Teeserwiß. Lilly hat mir ein schpaßiges Schpilzeig
mitgebracht, es is kinesisch -- es schtekt in einen kleinen Schtik
Tuch un wenn man di Nadl schnell wegziht, schpringt etwas schwarzes
heraus durch das halbe Zimmer, beina wi eine Schlange. Ich habe schon
die Kechin un alle damit erschrekt, es macht sie schrein, weil es so
schnell herausschpringt. Montagu brachte mir so eine Menge Zukerl, das
ich glaub ich werd morgn garnichs zu Mittag essen kennen. Ich hab ihm
auch sehr gern -- er will, ich soll mit ihnen zurikfahrn.

Dankfest is gekommen un wider foriber. Ich werde nicht mit meiner
ferheiratete Schwester nachausfahrn. Du mußt mich enschulgen, libes
Tagbuch, die Trenen in meine Augn machn, das ich so krumm schreib.
Ich schtand zeitlich auf un schtrengte mich sehr fest an, ein solcher
Prachjunge zu sein, wi in die Bicher schteht.

Nach den Frischtik trug ich ein paar Zukerl zu Hansi heniber. Seine
Mutter hat ein Babi, das for filleich 2 Wochn gekommen is; ich
schteckte ihm eine Zukerflaume in Mund, wi die Amme nich hinschaute
weil es beim Essn so schpaßig war, das wir lachn mußtn, aber der kleine
Dummrian wollte es schlukn, befor es zerkaut wahr un wirgte so dran
das die Amme erschrekte un es am Kopf schtelln mußte un seine Mutter
schikte mich direk nachaus.

Ich ging zur Schtadt henunter um mir etwas fir mein Goldschtik zu kaufn
aber di Ledn warn alle geschperrt un so kaufte ich Pat Finegans jungen
Bulldock um 2 Doller aber ich blib ihm einem schuldig.

Wi ich zuhaus kam, wahr es Zeit in der Kirche zu gehn. Ich ferschtekte
meinen Hund im Schtall un ging nebn Lil die so hibsch ausschaute un
ein so ellgantes Kleid anhadte, das ich schtolz war auf ihr.

Herr Slokum betete ein schrecklih langes Gebet, so das ich ganz
schlefrig un hungrig wurde. Ich winschte, ich hedte das kinesische
Schpilzeig nicht in der Tasche mitgenommen, weil mir so fad wahr, das
ich es auf dem Pult herauslegte um zu schaun ob es nich zerbrochn is,
aber di Nadl ging pletzlich ganz zufellig heraus un befor ich es wußte
flog das lange schwarze Ding grad durch der Kirche un paschte Herr
Slokum auf der Nase, weil er die Augn beim Gebet zugemacht hadte. Dann
purzelte es henunter im Kohr un zapplte, wi wenn es lebendig wer.

Die junge Dahmen, die ihm Kohr singen glaubtn es is eine Schlange
un schprangen alle auf ihre Sitze -- so was in der Kirch wahr doch
wirklich unanschtendig! Wie sie bemerkte was es war kam einer feierlich
herfor, putzte seine Brilln un sagte: »Dise godtlose schenliche Person,
di einem solchn Scherz im allerheiligstn feribn kann, is zu ferdorbn
um zu wissn, wi schlecht sie is. Ein solches schenliches Betragn is zu
nidrig fir uns, um beachtet zu wern -- Laßt uns singen!«

Ich glaubte ich muß im Fußbodn fersinkn, weil alle auf mir schautn als
ob sie wißtn, wer es gethan hat. Ich liß mein Gesangbuch falln, weil
ich mich so eilte, das Lid zu findn un wi ich mich bikte, es aufzuhebn,
fil mir die Pestole aus der Tasche, die mir Pat Finegan gelihn hadte,
anzuschaun ob ich sie filleich kaufe un ixplodihrte. So ein Knaller!
Papa pakte mich bei der Schulter un fihrte mich den Gang henunter auf
den Fridhof setzte mich sehr fest auf einem Grabschtein un sagte:

»Schorschi, du bis ein schweres Kreiz. Du bist ein Schkandal fir deiner
Familje. Ich bin mit meinen Ferschtand zuend, was ich mit dir anfangen
soll!« un ging auf un ab un schtehnte, wi wenn ihm die Schue drikn
mechtn. Ich wußte auch nich was er mit mir anfangen soll -- ich war
deschpraht. Zuletz sagte ich:

»Ich winschte ich wer mit dem Zirkus weggelaufn, der hir war, jetz
is zu schpeht im Jahr fir das, Papa -- filleich is es besser ich wer
ein Mischonehr wi Herr Slokum wern will. Wenn mich dann di Kannebahln
aufessn, wirstu nich mehr fon meine Streiche beunruigt wern. Ich
winsche ich mechte die Mahsern bekommen un schterbn, wenn ich nich gut
genug bin zu lebn. Ich winsche ich wer in Gefengniß eingeschperrt oder
fest angebundn, damit solche Sachn nich mehr passihrn kennen, di dich
so schtehnen machn.«

»Das is das richtige!« rif Papa erleichtert aus. »Ich werde dich
anbindn, mein Birschchen!«

Un er marschirte mit mir zuhaus befor die andern aus der Kirche gingn
un band mich im Holzschupfn an einem Balkn an un di Hende hinter mir wi
die Kechin den Truthahn zum bratn anbindet.

Ich herte die Teller klappern un roch das Essen, wi alle zuhaus
warn -- so langsam is mir di Zeit noch nie fergangen. Ich hadte eine
greßliche Freide wi ich Hansi im Hof feifn herte. Ich rif ihm leise. Er
segte den Schtrik auseinand un band mir di Hende los.

»Plausche nichs zu meine Leite aus, Hansi« sagte ich. »Ich nehme mein
Eichhernchen un meinen Bulldok un will irgendwohin gehn, wo die Leite
noch nich wissn, wi schlecht ich bin.«




Er wird ein Einbrecher


»Halloh!« sagte einer so ruhig wi nur was, »wohin geht der junger Mann
so eilig?«

Es wahr ein Landstreicher. Er saß unter einen Baum bei der Schtraße
un aß eine ganze Fleischpastehte. Ich wahr filleich schon 2 Schtundn
gelaufn. Mein Eichhernchen hadte ich in der Tasche aber mein Hund wahr
nich mit, weil er durchging wi ihm Pat Finegan fiff, wi wenn ich nich
einen Doller fir den kleinen Dib bezalt hette -- so ein unerlicher Hund!

»Selber Halloh!« sagte ich.

»Setz dich nider, ruh dich aus un eß ein Schtik fon meiner Pastehte,«
sagte er.

»Danke schön,« sagte ich, »sehr gern,« denn ich war greßlich hungrig so
das ich glaubte meine Fiße wern mich keinen Schritt weiter tragn.

»Wo gehstu hin?« fragte er wi ich aufgegessn hadte.

Ich wußte, Lanstreicher sin selber nich sehr gut, so dachte ich, ich
kann ihm die ganze Wahrheit erzehln.

»Ich bin fon zuhaus weggelaufn weil ich so ein schlechter Junge bin das
sie sich iber mir schemen.«

»Oh,« sagte er, »du bist ein schlechter Junge! So, so!« un lachte.
»Was has du angeschtellt, Junge? Jemand umgebracht oder in einen Ladn
eingebrochn?«

»Ach nein, so was nich, Herr Lanschtreicher,« sagte ich »aber ich komm
immer in der Patsche, wi wenn ich der schlechste Bub fon der Welt wer.
Wenn ich einen Affn un eine Drehorgel hedt, so kennt ich mich selbs
erhaltn un meine Eltern brauchtn sich nich zu ergern mit mir.«

»Ich habe sie alle 2,« sagte er sehr schnell. »Sie sind im Wald hintn
mit ein paar fon unsre Leite. Du solls beides habn, wenn du hinkommen
un bei uns bleibn willst. Wir habn ein prächges Lebn, reißn Äpfl un
Nisse fon die Bäume un kochn unser Essn in einen Kessl auf einen großn
Feuer.«

Also sagte ich, ja ich will fersuchn wi es mir gefellt.

Im Wald warn finf andre Kerle die greßlich ausschautn. Es tat mir leid
das ich dort war, aber sie lachtn, patschtn mir am Kopf un sagtn »oh
was fir ein brafer Junge bis du!« Aber es war kein Feuer dort auch kein
Kessl un kein Affe aber sie hadtn eine Drehorgl un gabn mir Brot un
Käs un wi es dunkl war legtn wir uns nider. Mir wahr so kalt, das ich
weinte, denn da warn keine Betti mich warm einzuwikln, aber ich liß
ihnen nich merkn das ich weinte. Zimlich bald schlif ich ein aber sie
wektn mich auf un sagtn:

»Komm mit, wir missn jetz maschirn, wenn du ein guter Junge bist un
heut nach tust was wir dir sagn is dein Glik gemacht. Wenn du aber nich
genau tust was wir dir sagn, so erlebst du morgn nich mehr die Sonne
aufgehn zu sehn!«

Keine Zunge kann sagn was ich fihlte, wi ich dise schrekliche Worte
herte. Wir gingen bis ich so mid wahr, das ich die Fiße kaum aufhebn
konnte. 2 fon ihnen blibn zurik un wir kamen in einen Ort wo Häuser auf
beidn Seitn schtandn. Es war greßlich finster un fing zu schneien an un
wir gingen in einem Hof.

Die Menner wischpeltn mir zu, wenn ich schpreche oder Lerm mache,
werdn sie mich zutot wirgn. Sie wolltn mich durch ein kleines Fenster
schibn un ich sollte sehr leise zur Forhausthir oder zur Kichnthir
krichn, aufrigln un sie heneinlassn. Es wahr eine Menge Gold in den
Haus das sie habn wolltn. Sie machtn die Rigl fon einen kleinen winzign
Fenster auf, hobn mich henauf un schtopftn mich durch -- so eine eklige
Quetscherei!

»Hir sin ein paar Zindhelzchen,« wischpelten sie. »Zinde sie an un such
den Weg zu einer Thire. Wenn du einen Laut fon dir gibst werdn sie dich
als Einbrecher fangen un du wirst als ein Dib aufgehengt.«

Der kalter Schweiß schtand auf meiner Schtirn -- meine Glider zidtertn.
Was wirde meine theire Mamma sagn, wenn sie wißte, ihr kleiner Sohn is
ein Einbrecher! Ich wahr weggelaufn um ein guter Junge zu wern un jetz
war ich noch 1000 mal schlechter wi früer. Das is schon mein Pech.

»Tumml dich, du da!« brummte eine raue Schtimme durchs Fenster. Ich
zindete ein Zindhelzchen an. Es ging aus. Ich zindete ein anres an un
schaute herum.

       *       *       *       *       *

Hm! Diser schlechte Junge Schorschi Hacker wahr heute der Lewe der
Schtadt. Selbs der Predger hat mir die Hand geschitlt, weil die Leite
fro sind, das dise schreklichen Menschen gefangen un im Gefengnis
geworfn sind. Sie habn filleich 20 Häuser in ferschidene Pleze
ausgeraubt. Die Sachn un das Silber fand man ferschtekt in einen holen
Baum, wo ich ihnen zeigte, das dise Kerle im Wald gegessn hadtn. Ich
will dir alles erklern, theires Tagbuch.

Wi ich das Zindhelzchen anzindete schaute ich herum un sah unsre eigne
Forratskammer, di Schirze fon der Kechin auf einen Nagl un die Reste
fon Flaumenkuchn auf einen Teller. Mein Herz schlug fest, ich tastete
di Schtige henauf, es war pechfinster aber ich wußte den Weg!

»Oh Papa,« schrie ich, »steh auf un erschieß sie, bitte! damit sie
Schorschi nich erwirgn kennen!« So eine Ssene! Anfangs ferschtandn
sie mich nich. Montagu schtirzte heraus, di Dinsleute kamen aus der
Dachschtube herunter, sie hattn 2 Pestoln un eine Schißbixe, wi sie auf
den Feind herausschtirztn. Erst konnten sie sie nicht finden aber dann
wecktn sie den Scheriff auf un holtn ein par Ferde heraus. Es wurde
schon Tag un sie nahmen mich mit, den Weg zu zeigen. Sie erwischtn alle
5 un so glaub ich, ich werd nich wider mit Lanschtreicher gehn, sondern
zuhaus bleibn un anschtendig sein.

Es is schon eine Woche, das ich nich in dem Tagbuch geschribn hab.
Weihnacht kommt immer näer. 2 Tage nach Dankfest ging ich mit Lilly
nachaus um eine Woche bei ihnen zu bleibn. Sie haltn nich selber Haus,
sie wohnen im Hotell.

»Benimm dich so anschtendig, wi du nur kannst!« sagte Lil zu mir. »Es
sind eine Menge feine Leute in dem Haus. Ich winsche nicht, mich meines
kleinen Bruders schemen zu missn.«

»Wissn sie, das ich ein böser Junge bin?« fragte ich sie.

»Nein un sie solln es auch nie erfahrn, wenn du es nich selbs ferrätst!«

Das Mitagmal wahr fertig, wi wir hinkamen, wirklich ein großartiges
Mitagmahl -- eine Menge Genge un zuletz Gefrornes un di Diner die
bei Tisch bedintn warn grad so heflich zu mir wi zu den andern
erwaksnen Leutn. Wisawi uns bei Tisch war ein kleines Medchen, in
einen Seidnkleid mit Glassehanschuhe un einer Rosascherpe -- ein sehr
hibsches Medchen. Ich schaute sehr fest auf ihr heniber un sie grad so
oft auf mir. Montagu erzehlte mir, die Kinder werdn dann im Sallohn
tanzn un wenn ich tanzn will wird er mich heneinnehmen. Minna hiß das
kleine Medchen. Ich unterhaltete mich ausgezeichnet. Sie wahr sehr
gefellig zu mir un ich tanzte ein paarmal mit ihr. Ich dachte mir ich
werde Betty doch nich heiratn mag sie noch so gut zu mir sein. Wenn ihr
schiläugiger Bursche sie nich heiratet, wird sie eine alte Jungffer
wern missn.

Ich erzehlte Minna, das ich denke ich werde Betty nie heiratn. Sie
schaute auf ihre Pantofln herunter aber sie sagte nichs. Ich schtellte
dismal rein gar nichts an außer das ich eimal den Fuß plezlich
ausschtrekte, so das ein Junge driber fil -- aber das wahr in Schpaß.

Ich schlif auf einen Diwan in Lils Zimmer weil das Hotell ganz foll
war. Wi ich auf kam, war noch sehr zeitlich; ich schtand leise auf, zog
mich an un schlipfte hinunter um mir die Schtadt anzusehn. Es war ein
großer Ort, fil greßer wi unsrer. Ich konnte Schiffe un Wasser sehn un
fragte deswegn einen Mann. Er sagte es is der Hudsonschtrom. Dann ging
ich henunter um zu sehn was sie dort machn. Eine Menge Leute gingen auf
das Schiff un so ging ich auch mit, blos um ein bischen herumzusehn un
den Mann beim Rad etwas zu fragn.

»Wann fehrt es ab?« fragte ich ihn.

»Is ebn abgefahrn,« sagte er.

Un wirklich! Das Rad schpritzte wi nur was. Das Brett war hereingezogn.

»Bitte schön, ich mechte hinunter!« sagte ich. Er lachte un
antwortete: »Du wirst ein bischen wartn missn!«

»Kann ich nicht meiner Schwester tellergrafihrn? Sie wird glaubn, ich
bin ferlorn gegangen.«

Er wahr ein ganz ordenehrer Kerl. Alles was er sagte, war:

»Gibs nich!« un dann grinste er, wi wenn ihm etwas kizlte. Ich
schpirte die Threnen kommen, aber ich wollte ihm nich zeign das mir
so weinerlich wahr. So fiff ich also. Mir war kalt. Ich hadte nich
gefrihschtikt. Ich hadte kein Geld fir der Fart un hadte Heimwee. Ich
glaube ich war ganz blau, denn er sagte mir bald darauf ob ich nich in
der Kabine gehn will es is eingeheizt dort. Also ging ich.

Es warn eine Menge Herrn un Damen drin. Erst bemerktn sie mich nich
aber nach un nach fragtn sie mich wem ich geher. Ich sagte ich bin aus
Irrtum mitgenommen worn; sie warn besorgt um mich un fragtn mich so
fil iber meinen Namen un wo ich wohne, das ich ihnen zuletz fon meinen
Tagbuch erzehlte un was ich fir ein schlechter Junge bin, das ich immer
in der Patsche komm, wenn ichs gar nich tun will un das Lil jetz denkn
wird ich bin ein schreklich godtloser Junge das ich dafongelaufn bin un
ich wollte doch nur das Wasser anschaun un warum die Reder sich immer
so drehn.

Eine Dame rif den Aufwerter er soll mir was zum Frihschtik bringen.
Dann sagte mir ein Herr wenn ich ein Tellergramm schreibn will, so wird
ers selber wegschikn wenn wir in der Stadt kommen. Si gabn mir ein
Schtik Papir un einen Bleischtiff un ich schrib:

»Libe Lil -- ich wollte es nich thun. Das Schiff is schuld dran. Seit
nich beunruigt. Klein Schorschi is ganz munter. Ich komm abens mit den
Bod zurik. Bitte, sag ihnen sie solln mit den Essn wartn bis ich komm!«

Der Herr gab dem Aufwerter einen Doller, damit er auf mir acht gibt un
sagte mir ich soll den ganzen Tag in der Kabine bleibn un ich werd ganz
sicher sein. Sie schidtltn mir die Hand zum Abschid, wi si fom Schiff
gingen. So eine Menge Schiffe war noch nie da! Es wahr Mitag. Das Boot
sollte um 3 zurikfahrn. Es war fad, weil das Boot nich mehr fuhr. Ich
aß ein paar Äpfl die sie mir gegebn hadtn, befor sie Mitagessn gegangen
warn. Plezlich dachte ich an Herrn Jenner.

»Ich glaube es wird noch Zeit genug sein, hinzugehn, befor das Boot
wegfehrt,« sagte ich zu mir selbs un so schlipfte ich henaus ohne eine
Wort zu den Aufwertern zu sagn aus Angs, sie mechtn es mir ferbitn.

Großer Godt! Wi ich aus disn Holzkastn auf der Schtraße kam, glaubte
ich, es muß wo brennen -- so ein Gedrenge! Ich ging iber die Schtraße
un schaute auf die Schilder nach Herrn Jenners Namen aber ich sah ihn
nicht un fragte deswegen einen Mann, ob er nich so gut sein mechte mir
zu sagn, wo Herr Jenner wohnt?

»Weiß nicht, Junge,« war seine Antwort, »frag einen Pollezeimann.« --
Ich ging ein bischen weiter, dann sah ich einen Beckerladn ging henein
un ferlangte ein paar Feffernisse.

»Wi fiele?« fragte die Frau.

»Villeich 9,« sagte ich.

Dann dankte ich ihr sehr heflich un wollte henausgehn aber sie fing zu
schrein an, das sich ein Bär gefirchtet hädt.

»Wo is das Geld, du kleiner Schufft?«

Also erzehlte ich ihr das ich ferlohrn bin un legte die Feffernisse
zurik un ging sehr traurig henaus. Ich fragte jedem den ich solang
aufhaltn konnte wo das Boot is un wo Herr Jenner wohnt.

Solche ungebildte Leute warn noch nich da! Keiner wußte es. Ich sah auf
einem Kirchturm das schon 4 Uhr wahr un fing zu weinen an weil die Fiße
mir so weh tatn. Ein großer diker Mann in einen blaun Rock pakte mich
bei der Axl.

»Was gibts junger Mann?«

»Oh Herr,« sagte ich, »ich winsche ich wer nich auf das Boot
henaufgegangen un ich winsche ich wer nich fom Boot henuntergegangen
un ich winsche die Leite in der Schtadt wern nich so dumm. Sie kennen
einen kleinen ferirrtn Jungen nich einmal sagn wo Herr Jenner wohnt.
Ich bin der kleiner Schorschi Hacker der immer in der Patsche kommt,
aber ich kann ni etwas dafir. Wenn das Boot nich weggefahrn wer, befor
ich es wußte, wer ich nich ferlorn gegangen. Ich wollte es wirklich
nich thun.«

»Gut Schorschi,« sagte er, »wenn du ferlorn bist, missn wir fersuchn
dich wider zu findn.«

Der Herr war sehr gut zu mir nur wollte er alles aus mir herausfragn.
Er fragte mich sofil das ich kaum mein Nachmahl essn konnte. Die Leute
in der Schtadt essn im Keller -- so eine schundige Angewohntheit! Dise
Nacht schlif ich fest auf einer Pritsche, so ein schpaßiges Bett wi
eine Schachtl! Irgendwer wekte mich auf mit Schluchzn wi wenn ihm das
Herz brechn mißt. Ich setzte mich auf un rib mir di Augn.

»O du nichsnutziger schlimmer sißer Junge,« rif Lil.

Sie war ganz blaß nur ihre Augn warn rot. Montagu war auch da. Sie warn
mit der Eisenbahn hergekommen, wie das Boot ohne mir zurikkam. Ich
fragte sie ob Minna besorgt is, weil ich ferlorn gegangen bin? habn sie
mit dem Nachmahl gewartet? warum weins du? Sie sagte sie weint, weil
sie mich enlich gefundn hedte. Ich sagte ihr sie is eine libe dumme
Gans. Sie hedte weinen kennen, wenn sie mich nich gefundn hedte -- aber
jetz is ja alles wider gut un sie soll den Leutn zuhaus nich erzehln,
das ich wider was angeschtellt hab -- ich hab es nich gern gethan.
Also schidtlte ich den Herrn in den blaun Rock die Hand un ladete ihm
ein eimal zu kommen un mich zu besuchn un Montagu nahm uns in einer
Restaurazjon um den ibrign Abens zu ferbringen -- aber ich hab Lil (im
fertraun) erzehlt, ich glaube nich, das Herr Jenner so ein bedeitender
Mensch is, wi Elsbett glaubt, sons wirdn die Leite in Nujork mehr fon
ihm gewußt habn. -- -- -- -- -- -- --




Der letzte Strohhalm


Ich hab alle Jareszeitn gern, besonderst Weinach weil es meistens so
lustig is. Di Kechin is zo giftig weil sie Feffernisse backn muß un
Fruchtkuchn oder Gefligl filln, das ein Junge nich eimal ein Pak Zibebn
oder ein Schtik Zimmt nehmen kann ohne das sie ihm anschnappt wi eine
Feierrakette. Sie will mir nich erlaubn mit di Muskattnisse Kugl zu
schpiln oder den Leffl abzulekn mit den sie den Teig umrihrt oder mein
Drumm Kreide auf ihrn nei'n Reibeisn abzureibn oder irgend ein bischen
Schpaß in der Kiche zu habn. Ich muß die ganze Zeit draußn bleibn -- es
richt so gut drin, es is hart fir einen Jungen.

Elsbett un Susi wolln zu Neujahr Besuch empfangen. Sie sagn es macht
schreklich fiel Unbekwemlichkeit alle Tag Besuch zu bekommen un
eingemachte Austern forzubereitn oder Kaffeh un kaltes Huhn un Kuchn
un immer die neu'n Kleider anzuhabn. Ich glaube ich sollte ein par fon
die Kerle bidten den andern zu sagn, wegzubleibn, weil meine Schwestern
sagn, es macht sofil Unrue.

Ich hab schon seit mehr als einer Woche ein Gedankn in Kopf. Ich war
in obern Schtock un unten. Gestern probihrte ich aufs Dach zu krichn
un im Schornstein henunter zu gukn, aber es war so schlipfrig das ich
beina henuntergerollt wär un mich erschlagn hedt, so daß ich es aufgebn
mußte. Ich untersuchte den Kamihn in Mammas Zimmer ganz genau. Ich kann
bei meinen Lebn nich einsehn, wi der alter Kerl durch so ein enges
Loch henunterkommen kann. Wenn er filleich schtekn bleibt, das wer ein
greßliches Mallehr.

Ich winsche, ich wißte, was er mir bringen wird. Ich weiß, was mir
meine Schwestern gebn wern, weil ich in eine Schachtl gegukt hab
unter einer andern Schachtl in den Kastn in ihren Zimmer un ich sah
ein par Schlidtschue fon ungefehr meine Greße eine greßlich hibsche
Schreibmappe un ein par Taschnticher mit G. H. eingeschtikt. Also
erzehlte ich dem Dokter Moor in fertraun, daß Susi ihm das hibscheste
Rauchschakett schtikt, was man sich nur denkn kann, weil ich durchs
Schlißlloch gukte un sie dran arbeitn sah.

Er sagte: »Du bist ein trauriger Schurke, Schorschi.«

Aber ich bin gar nich traurig, außer wenn Papa sagt: »Geh in dein
Zimmer un warte bis ich komm.« Das macht mich erns.

Ich bin aber doch ein bischen traurig, weil Sankt Klaus sich nich
durch unserm Schornschtein durchzwengn kennen wird. Es ligt mir immer
im Kopf. Ich kann es nich abschidtln. Ich fragte Papa, ob er nich
filleich die Maurer kommen lassn will un ihm greßer machn lassn, aber
er schidtlte den Kopf. Er sagte, er hofft der alter Klaus wird gescheid
genug sein un sich selbs in ach zu nehmen.

Ich glaub es wer sehr schad wenn den altn Kerl was passihrn mecht --
so fiele andre Kinder mechtn entäuscht sein in den Häusern, wo er noch
nich wahr. Ich hab in unsern Rauchfan henaufgeschaut un glaub wenn ein
par Zigl draußn wern, kennt er so bekwem in unser Haus schlipfn, wi nur
was. -- --

Weinach war kein sehr hibscher Tag in unsern Haus -- lang nich so
hibsch wi ich erwartete. Ich lag den ganzen Tag krank in Bedt un auch
noch 3 Tage schpeter. Mamma wahr auch krank. Kann sein, das ich eine
Menge Geschenke bekommen hab. Ich weiß nich genau. Es war damals so ein
schrekliches Durcheinand.

Mir scheint, es passihrte wider ein Zufall am Weinachsabend in unsern
Haus. Es wahr filleich nein Uhr. Lil un Montagu un Herr Jenner un
alle warn in Sallohn. Wir hadtn Nisse un Äpfl un Kuchn un Mamma sagte
ich thete besser, zeitlich zubedt zu gehn, denn wenn Sank Klaus kommt
un mich wach findet, geht er wider weg. Also ging ich die Treppe
henauf, aber so langsam wi eine Schneke weil ich nich ein bischen mehr
schlefrig war wi Herr Jenner.

Finf Menutn, nachdem ich iber der letzn Schtufe gegangn war, war
auf einmal ein so lauter Krach wi wenn die Welt einschtirzn mecht
-- etwas traf mich am Kopf, das tat schreklich weh -- sie sagn ich
wußte filleich 6 Schtunden lang nichs fon mir. Es schihn, als were
der Kamihn in Mammas Zimmer in 1000 Schtike zerschprungn un ein Zigl
hadte mich auf der Seite fon meinen Kopf getroffn -- es is ein Wunder,
das ich nich erschlagen wurde, denn di Zerschterung is follkommen.
Alle Glasscheibn sin gebrochn, der Schpigl zertrimmert, die Decke
is abgefalln un der Teppich is ganz naß, weil di Wasserleitung
zerschprungn is. Die Mamma is for Schrekn krank geworn. Papa sagt, es
is ein Wunder, das das ganze Haus nich in Fransn gegangen is. Wi ich zu
mir kam, wundertn sie sich wiso es geschehn wahr.

Ich sagte, filleich hadte Sank Klaus ein paar Rakettn in seinen Sak un
sie gingn los. Dokter Moor sagte:

»Ja, das muß es gewesn sein!«

Dann sagte Papa:

»Schorschi, wozu has du Schißpulwer in dem Kahmin geschidtet?«

Ich schrie: »Oh Papa! Ich wollte es nich thun -- ich wollte es wirklich
nich thun! Ich hab nur eine Teeschale foll heneingeschidtet, grad nur
genug um drei oder fier Zigl henauszublasn, damit er ein bischen weiter
wird. War da etwas schlechtes dabei, Papa?«

»Oh nein Schorschi,« sagte er ganz schpettisch, »nein, durchaus nichs.
Die Repratuhr wird mich mehr kostn wi 3000 Doller, un warscheinlich
ligt dir nichs dran, das Mamma krank is un du keine Weinachsgeschenke
bekommst.«

Ich bin sehr nidergeschlagn, seit er das gesagt hat. Ich mache meiner
Familje schrekliche Auslagn. Es is ungenehm bei so kaltn Wetter in Haus
arbeitn zu lassn, un was am ergstn is, ich bekomm die Presennte nich,
auf di ich mich schon seit ein par Wochn freue. Bei die Bemerkungen,
die einige Leite machn, seh ich, das sies liber gehabt hedtn, wenn
ich schtatt alles andre in der Luft gegangen wer. Papa sagt, es wird
ihm unmeglich sein, seine Fersicherung in diser Schtadt noch eimal zu
erneiern, er wird in der Haupschtadt gehn missn, wo sie noch nichs fon
mir wissn. Erwaksene Leite sin sehr unferninftig, sie glaubn, Kinder
solln alles wissn, befor sie es ausprobihrt habn.

Jimmy Black war heit bei mir un sagte, ich hedte den Rauchfang nich
weiter zu machn gebraucht, weil Sank Klaus iberhaupt nur Papa un Mamma
sin. Ich fragte Susi deswegn, aber sie sagte Jimmy is ein Narr. Er
zeigte mir das neie Messer, das er gekrigt hat. Ich wollte schaun,
ob es wirklich scharf is un schnidt ein Loch ins Bedtuch aber Betti
ferschprach mir, sie wird es schtopffn.

Meine Schwestern sin sehr besorgt, das das Haus noch for Neijahr
reprihrt wird. Ich glaube sie brauchtn sich nich zu sorgn weil ich
den jungen Leiten unten bei der Post am Tag for Weinach sagte, sie
tätn besser uns nich zu besuchn -- es is zufil Unrue. Ich redte meine
Schwestern gern for alle Unrue, wenn ich kann. Die Beile auf meinen
Kopf ferschwindet schon nach un nach.

Dokter Moor sagt, ich kann morgn schon ausgehn. Es is eine
ausgezeichnete Schlidtenbahn, der Schnee is 1 Fuß tif -- alle Jungen un
Medchen unterhaltn sich un die Gleckchen klingln. Ich bin schreklich
ergerlich, das meine Schlidtschue ferlorn sin weil der Rauchfang in der
Hehe ging. Übermorgn abens soll eine Beschenkgesellschaff bei Predgers
sein -- nich bei Herrn Slokum -- bein andern. Sie hoffn es wird sehr
gut ausfalln, weil di Schtraße gut is un weil Feiertag is. Die Frau
fonn Predger wahr bei uns, um zu sehn wies mit mein Kopf schteht un sie
un Mamma redetn fon der Beschenkung. Ich herte wi si so mit ein bischen
Lachn sagte, sie hofft, es wird ihr jemand eine Bikse Schterke bringen,
weil ihre gar ist un ihr Mann gern schteife Kregn hat. Ich glaube ich
werd morgn zu Peters henibergehn un ihm fon der Schterke sagn, er hat
ein Gemischtwarngescheft. -- --

Theires Tagbuch, leb wohl, ich muß fort -- mein Koffer is gepakt. Betti
un Mamma habn geweint, das ihre Augn rot sind. Ich soll wegfahrn in
einer Schule filleich 100 Meiln weit un in dem Brif schteht:

»Ein gesundes Heim auf den Lande fir einige Knabn. Meßige Bedingungn,
gute Narung, sorgfeltiger Unterrich.«

Ich bedauer di, wohin ich komm, weil ich so ein Monstrem bin, das meine
Schwestern withend sind. Mein Fater sagt, ich bin ein Schadnschtifter
-- ein noch nich dagewesner Schadnschtifter, aber Betti sagt, es
is eine brennende Schande einem armen ferlassnen kleinen Jungen
fortzuschikn in einer Erziungsanschtalt.

Unsre Leute wolltn mich nich zur Beschenkgesellschaff mitnehmen --
ich quelte sie drum, weil ich sehn wollte, was jeder mitbringt, es
is so spaßig, un so ging ich allein for ihnen hin. Der Predger wahr
grad mitn Nachmahl fertig, aber sie lißn mich dort bleibn. Herr Peters
kam un brachte Schterke. Herr Blackland kam un brachte Schterke. Herr
Jones brachte Schterke. Herr Robinson brachte Schterke. Alle brachtn
Schterke. Zuers lachtn di Leite fom Predger, aber wis so fortging wurdn
sie zohnig un enlich sagte er ganz erns:

»Wenn das ein Scherz is, meine Freinde, so is es ein sehr armseliger.«

Un dann schautn sie alle zu mir hiniber, wo ich grad ein Fotografialbum
anschaute un sagtn:

»Schorschi hats uns gesagt!«

Ich hadte es nur getan, weil ich sie sagn herte, sie braucht welche.
Ich dachte ich will machn, das sie ihr genug bringen. Ich dachte nich,
das ich dafir ferdin bein Ohr genommen un for die Erfrischungen nachaus
geschikt zu wern. Manche Leite wern froh gewesn wenn sie's gehabt hedtn
Schterkpudig damit zu machn. Ich bin ganz entmutigt das zu thun, was di
Leute wolln.

Am nechstn Tag wahr große Schlidtnfahrt. Nimand ladete Elsbett ein
mitzufahrn, weil sie ferlobt is un ihr Ferlobter is in der Schtadt.
Ich herte wi sie sagte, sie mechte greßlich gern mitfahrn un weil ich
zufellig bein Ladn fon den Kerl wahr, den si den Laufpaß gegebn hat,
wi ihm das Ferd durchging fragte ich ihm, ob er Elsbett nich auf der
Schlidtnpartih mitnehmen mecht? Er sagte:

»Nein, das mecht ich nich, un wenn sie das einzige Frauenzimmer auf der
Welt wer!«

Elsbett hedte mich nich dafir zu klapsn gebraucht, das ich ihm fragte
-- weil ichs nur that, weil sie so gern mitwollte.

Nechstn Tag war Neijahr. Zu unsern Haus kam aber gar kein Besuch, di
Medchen warn schon außer sich for wartn. Eine Menge junge Leute gingen
foriber, ein paar kamen auch zum Haustohr aber sie kamen nich herein,
weil ich einen Korb an den Griff fon der Glocke angebundn hadte, di
Kartn hineinzuschmeißn, damit meine Schwestern keine Unrue habn. Gegen
Abens pakte mich Elsbett bei der Axl un sagte: »Schorschi, du hast
wider was angeschtellt -- schau mir grad in die Augn un sag mir, was
du getan hast!«

Ich schaute ihr grad in die Augn.

»Ich habe gar nichs gethan, nur eich fon der Unrue befreit, die Besuche
zu emfangen.«

»Was has du getan?« widerholte sie un schidtlte mich fester un fester.

»Ich hab nur ein par Worte geschribn, un in der Zeitungsekspedezjon
getragn, wi die andern Leite machn, wenn sie was anonzihrn wolln.«

Dann haschte Elsbett nach der Zeitung fon gestern un las alles schnell
durch bis sie zu der Anonznschpalte kam un dort schtand:

  An alle di es angeht:

  Di Fräulein Hackers wolln Neijahr nich zuhaus sein, weil ihre
  Gesundheit sehr schwach is, sie habn immer Hiftschmerzn wenn si ihr
  neies Seidnkleid tragn un es macht greßlich fiel Unbekwemlichkeit
  eine feine Tafl herzurichtn, Austern sind teuer, es zalt sich nich
  aus, denn di junge Menner sin iberhaup sehr seichte Geschepfe -- sie
  bidtn fir heier um Enschulgung.

                                                  Susi Hacker.

                                                  Elsbett Hacker.

Susann schaute iber der Schulter fon Elsbett, alle 2 warn so rot wi
Feier -- dann so bleich wi Kreide un setztn sich zugleich nider, wi
auf ein Kommander. Es wahr so schtill, wi wenn man mittn in der Nacht
aufkommt, die Gleckchen klingltn lustig draußn un eine Menge junge
Leite gingen frehlich bei unsern Haus forbei.

»Schorschi, fon diser Schtunde an ferleigne ich dich!« schnappte Susi
zuletz.

»Das is zufil! zufil! Ich werde meinem Kopf ni wider aufrech tragn
kennen! Das is der letzte Schtrohalm!«

So fil ich sehn konnte, war iberhaupt kein Schtroh da -- ich wollte
meine Schwestern blos freie Zeit machn.

Medchen sin sehr undankbahr, sie ferdinen es nich das ihr kleiner
Bruder sie lib hat un 25 Cent fon seinen eignen Geld ausgibt, fir ihnen
eine Anonnze in der Zeitung zu gebn! Ich dachte, wenn di junge Leute
nich kommen, werd ich eine Menge Kuchn habn un Bonbons un alles was sie
nich essn kennen, weil si nich da sind. Anschtatt das habn sie mich
henausgeworfn un mir geschafft obn zu bleibn. Neijahr war der lengster
Tag fon alle in meinen Lebn; wenn die Katz nich hereingekommen wer wo
ich wahr, ich glaube ich wer ferrikt geworn. Katzn erzehln einem Jungen
nich die ganze Zeit, er is unausschtehlig un ich fermute Fräuln Elsbett
wird seh ibrascht sein, wenn sie ihre Hutschachtl aufmacht um den nei'n
Hut fir der Kirche aufzusetzn un di Katz schpringt heraus -- ich hab
sie gestern heneingeschtekt.

So, nun noch eimal lebwohl. Ich will in der Schule sehr braf sein. Ich
hab Mamma ferschprochn, ihr keine Schande zu machn, wenn ich kann. Ich
hab mein Eichhernchen in der Tasche geschtekt, nimand weiß, das ichs
mitgenommen hab. Ich mecht wissn ob di Bubn lachn mechtn wenn ich es
das erstemahl wenn ich zun Frihschtik komm am Tisch schtell?

Oh Godt, wi einsam fihl ich mich. Der alter Herr auf den nechstn Sitz
schlaft fest. Ob er aufschpringen mecht, wenn ich ihm mit einer Nadl
heneinschtech, un ob ihm di Augngläser henunterfalln mechtn?




Ein großer Fortschritt


Wi traurig is es Heimwe zu habn! Lezte Nacht war ich lang, lang wach --
mehr wi einer halbe Schtunde -- un dachte an Betti un ihrn schilaugign
Ferehrer zuhaus in unsrer Kiche. Un hir war ich -- ein armer kleiner
Bub, ferbannt fon den Heim seiner Fäter, so krank un mid fon der Welt,
mir schmekte nich einmal das Ingwerbrot, das sie uns zum Nachtmahl gabn.

Oh Mamma, schike her un laß deinen armen Schorschi nachaus holn! Ich
kann es nich ertragn wi der Professer Pitkins iber mein bukschtabirn
redet. Ich kann das gehakte Fleisch un den Haferbrei nich fertragn, den
sie zum Frihschtik habn. Ich kann di Ferhehnungen fon die großn Jungen
nich fertragn. Mir scheint, sie denkn ein kleiner Bub hat nich mehr
Gefihl wi eine Krete. Einer Krete kann man den Kopf abschneidn un sie
macht sich nichs draus. Ich glaube das is greßlich schpaßig -- nur muß
man sie zuerst erwischt habn!

»Besondre Sorge wird fir jingre Schiler getragn,« stand in den Zirkulah.

Frau Pitkins schidtlte meinen Fater di Hand: »Ich will ihm eine Mutter
sein,« sagte sie un das machte mich sehr ergerlich. Ich will sie nich
bemihn damit. Ich bin doch kein Babi; ibrigns sagt auch Mamma nich, ich
bin mirrisch, wenn ich blos Heimwe hab, un wi soll ich nich wenn sie
mir bein Essn ein Werterbuch am Sessl legn, damit ich henauf kann un
ferschtohln immer iber mir lachn? Wi di einen Jungen queln is genug ihn
ferrikt zu machn.

Ich bin so mit Schneballn beschmissn, wi wenn ich ein Zaunfahl wer,
Betti mechte weinen, wenn sie's sehn kennt. Mein seidnes Halstuch is
weg, meine Fäußlinge sin am Dach, weil di Katze sie hinaufschlepte wi
sie sie ihr am Kopf schtektn. Ich hab aber nich ein bischen geweint.
Sie kennen mich nich unterkrign.

Jack Benze sagt, ich bin ein fester Kerl un er wird zu mir haltn. Er is
ein sehr großer Junge un so hab ich wenigstens einen Freind.

Oh wi schreklich, so weit weg zu sein, fon alle di man gern hat, grad
wenn Fleischpastehtn un Nisse reif sind! Wenn ich auf die 3 Fesser foll
siße Apfl in unsern Keller denk, is mir, als ob ich wegflign mißt.

Frau Pitkins is eine sehr dike Dahme, aber ich weiß nich wiso das
kommt, hechstens sie eßt allein zwischn di Malzeitn. Ich sitz nebn ihr
bein Tisch auf den Werterbuch fon Webster, damit ich höer bin.

Heut frih wollte ich sehr heflich sein, wi der ferbige Kellner in den
Hotell wo Lilly wohnt un schprang schnell fon Werterbuch henunter, wi
sie aufstand, um ihr den Sessl wegzuschtelln, aber sie wußte nich, das
ich so heflich bin un setzte sich dummerweis wider nider. Sie setzte
sich richtig aufn Fußbodn. Oh so ein Bumpser! Aber war es rech das sie
zohnig wurde un sagte ich hab es zu fleiß getan?

Sie will jetz an meine Leite schreibn das ich der schlechste Junge in
der Schule bin, nur muß sie noch ein Tag oder zwei wartn, bis sie wider
gesund is. Sie is greßlich unwohl. Wenn si Porzlan gewesn wer, so wer
sie zerbrochn.

Ich hab angefangen Gografih zu lernen. Dort schteht di Erde is rund,
aber ich kanns nich sehn. Wir habn eine große Erdkugl im Schulzimmer.
Man kann sie mit der Hand umdrehn. Ich muß mit meinen Messer ein Schtik
herausschneidn, weil ich schon lang wissn mecht, ob sie inwendig hol is
oder ob der Schmutz ganz durch un durch geht. Ich lerne auch Ritmetik.
Es is ein komisches Buch. Es schteht drinn, wenn Henschen sibn Drachn
hat un Karl 2 mal so fil, so hat er 14 un das is doch zu fil fir einen
Jungen, hechstens es is sehr windig un di Schnire gehn auseinand.

In Merz is di Zeit zum Drachnschteign. Wenn ich aber auf disn Plaz
bleibn muß, firchte ich, wer ich nich fiel Lust dazu habn. Ausgekochter
Reis mit Sirupp is so entmutignd, das ich Betti schreibn werd wi ich
ihr ferschprochn hab -- sie hat immer so fil Entresse fir dir gehabt
libes Tagbuch -- der Kechin zu sagn sie soll mir eine Schachtl schikn
un Betti soll ihr helfn Zibebn klaubn, damit keine Zeit ferlorn geht.

Hir is auch ein Fräuln. Sie prift die kleinen Jungen. Ich hab sie sehr
gern aber Jack Benze sagt, sie is eine alte Jungffer. Was is dabei,
wenns sie's is? Sie heißt Fräuln Haven. Ich glaube sie hat mich auch
gern. Ich hab ihr in Fertraun erzehlt, das sie zuhaus sagn ich bin ein
schlechter Junge, aber ich thus nicht mitfleiß. Sie bedauert mich sehr.
Sie hat gesagt, ich soll in ihr Zimmer kommen, wenn mir einsam is. Ich
glaube ich wer heut abens zu ihr gehn.

Betti sagt immer, Freitag is ein Unglikstag -- ich glaub es is wahr.
Alle Bubn sin jetz bein Nachmahl nur ich nich. Ich soll keins bekommen.
Es is sehr traurig, schon in der ersten Woche Schtrafe zu bekommen wenn
man in einer fremde Schule is. Wenn sich eimal ein Junge fest geplagt
hat, nich zu thun, was er nich thun wollte, so bin ich der Junge. Ich
bin zu den Beschluß gekommen, das ich ein Unglikskind bin. Kann sein,
wenn ich taub un schtumm wer, un nich sehn kennt, das mir dann nich
sofiel Zufälle passihrn mechtn. -- -- -- -- -- -- -- --

Professor Pitkins hat Schnupfn. Man sollte ihm nur nißn un nißn hern --
aber er hat sich in einem großn rotseidnen Schnupftuch eingebundn un
das is doch besser wi garnix. Frau Pitkins ligt noch immer in Bedt,
aber sie hat um mir geschikt un mir noch eimal gesagt, das ich ein
schlechter, schlechter Junge bin. Ich winschte, sie mecht mir etwas
neies erzehln. Sie weinte, wi wenn sie Zahnwe hedt, wi sie mir sagte,
sie firchtet es wird der Tod fon Professor sein. Ich sagte: »Wenn es
sein Tod is wird dann die Schule geschlossn un ich nachaus geschikt? Oh
Freude iber Freude! --« wi die Kinder singen.

Sie sagte: »Du bist ein herzloser, kleiner Teifl!«

Ich glaube, das is nich herzlos, wenn ich nachaus kommen will. Das mitn
Professor wahr aber so:

Filleich eine Schtunde gestern nach den Tee ging ich im Schpeiszimmer
schaun, ob das Medchen fergessn hat, den Kuchn wegzutragn. Es wahr
greßlich warm dort, weil sie es auch als Wohnzimmer benitzn. Professor
Pitkins lag ausgeschtrekt auf einen Diwan hinter den Ofn mit einen Buch
aber ohne zu lesn, weil er fest eingeschlafn wahr. Frau Pitkins war
nich da weil sie noch immer in Bedt ligt fon damals, wi sie sich auf
der Erde setzte. Wir warn ganz allein. Die Kuchn warn eingeschperrt.
Ich ging ganz nah zu ihm hin um zu schaun, warum er so schpaßig
schnacht. Ich firchtete mich nich er wahr ja fest eingeschlafn! Ich
glaubte zuers es tut ihm was we, weil er so schnachte; wenn man Wasser
aus eine Flasche gißt un zugleich dazu feifft, is es ganz dasselbe.
Auf einmal bemerkte ich, das sein Kopf obn ein bischen abgefalln wahr.
Ich erschrekte zuers, weil ich glaubte er wird dran schterbn. Ich lif
henauf zu Jack Benze un erzehlte es ihm. Er sagte: »Ah, was! er tragt
eine Pericke, die Pericke is ein bischen henuntergeruscht.«

Ich fragte ihm, was das is, eine Pericke?

Er sagte, es is das, was di Indejahner herunterschneidn, wenn sie einen
Menschen schkalpirn.

Ich fragte: »Is denn der Professer Pitkins schkalpirt worn?«

Er sagte: »Nein, aber es wer ihm recht geschehn damit. Er is so gemein
-- schkalpirn is noch fil zu gut fir ihm.«

Jack hadte so fil zu tun, mit seiner lateinsche preprazjon das ich
zurikkroch ins Schpeiszimmer. Die Messer lagn am Tisch, 1 bei jedn
Teller. Ich nahm ein Messer un schlich zum Professer hin so leise wie
eine Maus. Ich fihrte das Messer rund um seinem Kopf herum, wi ich
gelesn hab, das die Rotheite es machn, un nahm ihm den Schkalp greßlich
langsam herunter damit er nich dabei aufkommt. Dann kroch ich auf Hende
un Fiße iber dem Teppich, wi wenns Gras wer. Er wachte nich auf un so
schlich ich in der Forhalle henaus, schprang auf un rannte in das lange
Zimmer, wo di Bubn lernten.

»Uff! Uff!« heilte ich, aber ich durfte nich sehr laut schrein. »Ich
habe ihm dem Schkalp abgenommen! Wenn ich ein Girtl hedt, mecht ich mir
ihm anhengen!«

So ein Schpetakl war noch nich da wi dise Kerle machtn.

»Hurrah! Hoch Schorschi! Du wirs ausgeschlossn wern!«

»Der Professer wird greßlich withend sein!«

»Wi kanns du dich das unterschtehn?«

»Behalt sie nur, Schorschi!«

»Laß schaun wi sie aussiht!«

Ich gab sie herum. Wir hadtn einen firchterlichn Schpaß damit. Ich
probihrte mir sie an, un alle andern setztn sie auch auf. Dann setztn
sie sie mir wider auf un schtelltn mich auf den hohn Tisch un schrien:
»Halte eine Vorlesung, Schorschi!«

Also schtekte ich di Hand hintern Rikn, wi wenn es di Frakscheßl fom
Professer wern, hustete, reisperte mich un sagte: »Hem! Meine Herrn,
ich mechte heite ihre Aufmerksamkeit auf das Thirreich lenkn, welches
fon alle greßn un Artn is. Der Elefant is filmal greßer wi der Floh,
aber der Floh ibertrifft ihm, wenns zum Hipfn kommt. Ich mechte nich
winschn, das mir ein Ellefant am Rikn auf- un abschpazirt, wenn ich
schlaf. Ich will sie heit nich lenger aufhaltn meine Herrn, weil ich
weiß, das sie Schorschi Hacker, dem kleinsten Jungen in der Schule mit
Schneeballn bewerfn mechtn.«

Dann lißn sie mich herunterschteign. Jack Benze wispelte mir zu ich
soll sie liber zurikgebn, un ich sagte, ich will. Aber grad, wi ich
am Gelender herunterglitschte, um es zu tun, kam der Professer sehr
schnell im Forhaus. Ich konnte mich wirklich nich mehr aufhaltn. Der
Schtekl fon meine Schue traf ihm grad im Mund un er blutete ein bischen
un die Zehne filn ihm heraus.

Das wahr zu dumm. Ich wußte nich, das seine Zehne herausfalln kennen,
-- un dann ibrigns kann ich nichs dafir. Wi er sich das Blut abwischte,
schlipfte ich ins Zimmer un schmiß die Perike schnell in Ofn, denn er
warh so zonig, das ich mich nich zu sagn traute, ich hab sie ihm mit
den Messer heruntergeschnidtn.

Das obere fon sein Kopf schaute aus wi das Straußei das mein Kusehn
mitgebracht hat; er fragte mich, wo seine Perike is? Ich fragte ihm, ob
er glaubt, es wahr die Katz? Er schidtlte mich so greßlich fest, das
ich weinen mußte, dann sagte ich, filleich habn di Indejahner einen
Einfall gemacht un ihm schkalpirt, wi er treimte. O, wi finster schaute
er drein!

Er liß alle Bubn zusammrufn. Keiner konnte ihm sagn, was mit seinen
Kopf geschehn is. Ich sagte, filleich habn di Rattn es in ein Loch
geschlept.

Er wurde immer withiger un withiger un dann fing er zu nißn an. Wi ich
ihm nißn herte, tat er mir leid, das ich das alte Ding ferbrannt hab.
Ich wußte nich, das ein großer Mensch so leicht Schnupfn krigt. Ich
sagte ihm er soll sich liber ins Bedt legn un ein Semfpflaster am Kopf
gebn.

Er sagte, wenn es nich so bald nach di Feiertage wer, mecht er die
Schule aufhebn; solche godtlose Jungen ferdinen Schtrafe. Er were beina
sicher, das ich es getan hab, un er wirde es bald herausfinden un dann
wehe den Schuldign!

Ich dachte das Mamma mir gesagt hadte, wi schlecht es is eine Lige
zu sagn. Ich drikte mein Weinen henunter: »Herr Professer, die
andern Jungen sin nich schuld -- es wahr die Katz. Ich hab sie damit
schpiln gesehn, wi ich druntn war, um zu schaun, ob Brigitt die Kuchn
eingeschperrt hat un ihr zu sagn sie solls liber thun, damit die andern
nich naschn.«

Der Herr Professer setzte seine Augngleser auf un schaute eine gute
Weile auf mir, greßlich scharff, wi wenn ich so ein Wirmchen wer, di
man unter den Mikreschkob anschaut. Mir wahr, wi wenn ich zu nichs
einschrumpfn mecht. Es war notwendig fon etwas andern zu reden un ich
fragte ihm: »Sin sie kaalkepfig geborn Herr Professer? Hat ihre Amme
fergessn, ihnen Zehne zu bringen? Warum hat sie ihnen nich ein Paar
Augn mit lebnslenglicher Garantih gebracht, damit sie nich Gleser
aufsetzn missn, um einen Jungen fon meiner Greße zu sehn? Es thut mir
sehr leid, das si schnupfn habn, aber ich glaube nich, das sie schon
alt genug sin um zu schterbn, ohne deswegn so ein Schpetakl zu machn?«

Er wurde so rot wi ein Krebbs un runzlte firchterlich di Schtirn -- ich
glaub, er wollte was sehr schtrenges sagn, weil er anfing: »Du bis der
impertenenteste kleine -- haptschi! den ich je -- haptschi!«

Dann kehrte er sich schnell um un ging henaus, weil di Jungen in ihre
Taschnticher kichertn -- er geht heut den ganzn Tag mit eingebundnen
Kopf herum -- er schaut nich aus wi ein Professer. Sie sagn, er hat
um einer Pericke tellgrafihrt, man soll sie ihm heut abens Perekspreß
schikn. Di Jungen habn heut frei, un so glaubn sie, es is alles recht,
aber ich bin in mein Zimmer eingeschperrt mit Brot un Sirupp un das is
nidertrechtig.

Ich weiß nich wi ich disn langweilgen Tag ferbracht hedt, wenn ich
nich ein Ofnrehrnloch im Fußbohn gesehn hedt, zugedekt mit einen
kleinen rundn Schtik Blech. Wi ich durchgukte, wahr es grad iber den
Schreibtisch fon Frau Pitkins auf den eine Menge Sachn lagn; ich bog
mir eine Schteknadl um, un band sie an einer lange Schnur, di ich in
der Tasche hadte un schpilte fischn, um mir die Zeit zu fertreibn.
Ich hab eine Menge komische Fische gefangen: ein paar Brasleh, ein
Schpitzndekchen fom Nadlpolster, ein paar schreklich schpaßige
Leckchen, sibn Haarnadeln ein paar Kregn un Manschettn, drei Dekchen,
eine Flasche Odekolon, an der ein blaues Band gebundn wahr, wo sich
die Nadl sehr leicht einhakte, eine Puderbikse -- nur das der Dekl
herunterfil un der Puder sich auf alles anschidtete, so das ich schnell
das Loch zudekte, damit ichs nich bekomm, weil ichs ferschidtet hab.

Libes Tagbuch, ich muß jetz an Mamma schreibn, wifil ich schon Gografih
un andre Sachn gelernt hab. Sie mechte nich glaubn, das ich so Heimwe
hab, das sie mir über schnell eine Fruchttorte schikn kennt. Ich bin
so fortgeschridtn in bukschtabirn un gutes Betragn, das sie noch eine
Krehmtorte dazu gebn kennt.




Er wird Kleptomane


Es is merkwirdig wi fiel ein Junge lernt, wenn er in einer
Erziungsanschtalt geht. Arthur Braun hat mir gezeigt, wi man Papirkugln
schmeißn kann, so das nimand bemerkt, wer es geworfn hat. Willi Wilson
hat mir gezeigt, wi man nachn Schlafngehn wider aufschteht un eine
Menge Schpaß macht; auch wi man di Antwortn auf einen Zettl schreibn
kann, un ins Buch legt, damit man nich so fil zu lernen braucht.
Kopfrechen is greßlich schwer -- man muß alles im Kopf machn -- un hat
Kopfwe wenn man Schlidtschu laufn will.

Auf der Tafl is es fiel leichter, weil man da dem Professer aufzeichnen
kann, wenn man nich grad zusammaddirn muß. Un auch Frau Pitkins kann
man sehr dik malen, nur muß mans geschwind abwischn, befor sie einem
dabei erwischt, weil es sie schreklich zohnig macht, wenn man sie
breiter zeichent, als sie lang is. Gestern erwischte sie mich dabei.
Ich mußte mich in der Mitte fon Zimmer schtelln mit einer Narrnkappe
fon ferbiges Papir am Kopf. Ich machte mir nix draus, nur Betti wird
zohnig sein, wenn ich ihr schreib, wi sie mich behandln. Ich sagte ihr,
ich trage es noch liber wi eine Perike -- sie wurde so rot wie Feier.

Mir scheint, sie habn was gegn mir, wegn den Zufall, der mit der Perike
passihrt is -- un er hat doch jetz eine beßre dafir bekommen! Sie sin
bereit, jedesmal auf dem armen Schorschi herzufalln, wenn was schif
geht. Ich wahr es nich, der di Dinte fon ein End fom Zimmer zum andern
geschidtet hat -- es is ungerech, mich deswegn zu scheltn, wenn alles
was ich gethan hab, war, das ich das Dintnzeig der Katze am Schwanz
angebundn hab -- die Katz hat die Dinte ferschidtet, nich ich.

Der Professer sagt, wenn so etwas noch eimal passihrt, wer ich
sußpendihrt. Ich fragte Jack, was das heißt »sußpendihrt«? Er sagte
mir, ich soll in den dikn Werterbuch nachschaun, auf den ich bein
Essn immer sitz, dort schteht: »befestign an etwas obn befindlichn;
aufhengen.«

Oh, was fir ein Geschik fir einen kleinen Jungen! Ich habe geglaubt,
nur elende Merder wern aufgehengt.

Fräuln Haven sagt, ich werd nich aufgehengt, nur nachaus geschikt, un
das will ich ja grad; aber sie sagt Mamma un di Schwestern wirdn sehr
bes driber sein -- er were eine Schande -- nein so was! wi kann das
eine Schande sein ihren eignen kleinen Bruder widerzusehn? Aber ich hab
dem Fräulein ferschprochn braf zu sein un so was nich wider zu thun.

Sie hat einen Bräutegam. Ich hab seine Fotografih gesehn. Ich erzehlte
ihr fon Lil un Montagu un fragte sie, wann sie heiratn wird. Sie sagte,
sie weiß nich, wann ihr Schiff enlich gliklich in dem Hafn einlaufn
wird -- ich glaube er muß ein Seemann sein. Ich sagte ihr, es thut mir
leid, wenn sie gewartet hedt, bis ich groß bin hedte ich sie selber
geheiratet. Sie is fiel hibscher wi Frau Pitkins. Ich glaube sie is
hir nich gliklich, weil sie weinte, wie ich in ihr Zimmer kam, aber
filleich hat si grad Fefferminzzeltl gegessn, da kommt einem auch
manchmal das Wasser in di Augn.

Frau Pitkins hat große Angs for Einbrecher, di Jungen sagn, es is
nich eine Nacht, wo sie dem Professer nich aufwekt un schreit er soll
aufschtehn, es sin Einbrecher im Haus. Ich wißte nich wozu, hechstens
wenn sie di Jungen schtehln wolln.

Es is schad, das er so offt umsons aufschtehn soll, ohne einem zu
findn, un so war letzte Nacht wirklich einer unter ihrn Bedt. Er
wartete bis sie fest eingeschlafn wahrn.

Frau Pitkins schnahcht im Schlaf, wi wenn man Wasser aus einen Krug
ausgißt. Auf eimal kam sie auf un wispelte:

»Pitkins! Pitkins! Es sin Einbrecher unterm Bett!«

Er sagte: »Unsinn! Schlaf nur.«

»Es is einer!« sagte sie. »Ich schpir, wi er sich unter der Matraze
herum bewegt. Pitkins, schteh auf! Feier! Merder! Dibe! Oh Pitkins,
zind ein Licht an!«

Er sagte ihr, sie is eine Nerrin. Grad den Augnblik schtiß der Reiber
mit den Rikn auf der Matraze unter ihm. Er schprang auf dem Fußbodn, wi
ein Gummiballn. Sie wollte ihm nach un schnappte dabei um Luft, aber
sie purzlte um, un wahr so erschrokn, das sie nich wider aufschtehn
konnte un schrie dabei, der Einbrecher bringt sie um, er helt sie bei
der Gurgl. Deswegn lif Herr Pitkins schnell im Forhaus un rif Jack
Benze un noch ein paar große Jungen. Sie machtn Licht. Es war zum
lachn wi sie ausschaute mit di Haare in Papir gewiklt un mit einer
flanellne Nachtjake. Jack leichtete unter dem Bedt. Es war nimand
druntn, weil ich mich in finstern henausgeschlichn hadte un schon fest
schlif wi Jack zurikkam. Jetz is wider alles ruig. Dises eimal wahr der
kleiner Schorschi nich in der Affehr ferwiklt. Frau Pitkins hat ihre
Busnnadl un seine Hemdknepfe in einer Kassa in der Schtadt geschikt.
Ich hoffe es wird ihnen nix passihrn. Es were ein schreklicher Ferlust.

Ach! zu denkn das Schorschi der Libling seiner Mutter so ein langes
ekliches Ding sen soll wi ein Kleptomahner! Das is das neiste Ereignis.
Ich bin einer. Gestern mußte ich den ganzen Tag mit einen Papir auf der
Schtirn herumgehn auf dem geschribn wahr:

                    »=Kleptomahner=.«

Das heißt, man kann sich nich zurikhaltn Sachn zu nehmen. Wi ich dazu
kam, einer zu sein, war so. Ich hab dir erzehlt theires Tagbuch, fon
den Ofnrehrnloch iber Frau Pitkins ihrn Schreibtisch.

Gut, sie besuchtn meinen Koffer so gut wi di fon die andern Jungen um
herauszufindn, ob es Radtn warn oder Geister, oder was es wahr. Das
war eine schöne Bescheerung, was sie alles in meinen armen kleinen
Koffer fandn! Frau Pitkins Lohrnette, Schpitznkragn, Schönheitswasser,
2 Schteknadlpolster, 6 Taschnticher, 1 Kideparih, 1 Flederwisch,
1 Redekühl un eine Briftasche mit 50 Cent drin, ein zugebundnes Pakett,
das si grad eingekauft hadte, ein par neie Kamaschn un zuletz aber nich
als wenigstes Professer Pitkins silberne Uhr un seine neie Perike, um
die er tellergrafihrt hadte, wi ich seine alte im Ofn schtekte, un di
er unforsichger Weis am Schreibtisch lign liß, wi er in der Badwanne
schtig un fon der sich niman erklern konnte, wiso sie ferschwundn wahr,
hechstens das di Radtn sie ferschleppt habn, un das war ein schwerer
Ferlust. Sie kostete 20 Doller, außer das es noch so ungenehm wahr,
bei kaltn Wedter so kaalkepfig zu gehn. Also sagtn sie, ich muß ein
Kleptomahner sein.

Aber ich mechte wissn, wi ein kleiner Junge mit einer Nadl an einer
Schnur iber einen offnen Ofnrehrnloch schtehn soll, ohne zu fischn,
wenn di Lufft rein is! Ich wollte die Sachn ja zurikgebn, wenn
Gelegnheit is, aber sie sagn ein Kleptomahner gibt oft die Sachn wider
zurik un das macht es noch klahrer, das ich einer bin. Also is das Loch
zugeschtopft worn un alles is wider so fad wi früer.

Jedn Freitag ziht der Professer einen reinen Kragn an un di Leite
kommen nachmittag aus dem Ort zur Prifung. Ein paar Jungn lesn Aufsetze
for, ein paar sagn Gedichte auf, di sie auswendig gelernt habn un mehre
sagn zusammen etwas auf.

An den Tag birstet Fräuln Haven mir di Haare un kißt mich un sagt ich
bin sehr hibsch in meinen neun Gewand. »Nun sei ein brafer Junge,
Schorschi, un ich wer schtolz auf dir sein!«

Ich hab sie so lib, wi meine Schwestern, außer Lilly. Ich hoffe ihr
Schiff wird bald im Hafn laufn. Ich werd sie besuchn, wenn es is.
Ich mechte wissn, ob sie auf den Schiff wohnen wird. Ich hoffe.
Heute sollte ich etwas aufsagn. Ich schtig auf dem Podeum, machte
eine Ferbeigung un sagte es sehr laut. Frau Pitkins hadte mir es
aufgeschribn. Es war iber der Schule. Sie schrib mir auf:

»Wi gliklich sin unsre Schultage! Di gliklichsten unsres Lebens.

»Kleine Jungen, deren Eltern es aufwendn kennen, ihre Kinder in eine
gute Schule zu gebn, solltn der Forseung sehr dankbar sein. Die armen
Kinder der Schtraße sehnen sich fergeblich nach solchem Glik. Wir
soltn es uns zu Herzn nehmen solang unser Geist jung un emfindlich
is: -- Unsre Nazjohn ferdankt ihre Greße nur ihren forziglichen
Erziungsmittln, unter welchn di Erziungsanschtalt fir Knaben zur
Forbereitung fir die hehern Schulen den ersten Rang einimmt.«

Das hadte Frau Pitkins geschribn. Ich hab es hir zum abschreibn in mein
Tagebuch. Ich kann nich lign. Ich iberschrib es also, wi ich es habn
wollte un las es sehr laut und schnell for. Sie wußte nich das ich es
abgeendert hadte:

»Die Schule. Die Schule is schreklich. Kleine Jungen dern Eltern si in
der Schule schikn, sin zu bedauern. Die armen Kinder auf der Schtraße
unterhaltn sich besser. Sie schpiln fon frih bis abens templhipfn un
Kugeln. Ich mechte liber ein Schtraßnjunge sein.

»Erziungsanschtaltn sin die schlechsten. Budter oder Eingemachtes krigt
man nur eimal, Haferbrei is mehr da zum essn, als sons was. Man muß
auf dem Kopf in der Ecke schtehn wenn man nur das geringste thut. Wenn
ich groß wär un eine Schule hädt, ich wer nich so widerlich, wi Frau
Pitkins. Das is alles was ich fon der Schule weiß.«

Ich glaub die Leite fandn es fir sehr gut fir so einen kleinen Jungen.
Alle lachtn; der Professer un Frau Pitkins lachtn auch, aber so, wi
wenns ihnen weh thäte. Wi sie wegwarn, un ich mir grad die Rihmen auf
meine Schlidtschue festmachte, damit ich den ibrign nachmittag noch ein
bißchen Schpaß hab, kam Frau Pitkins zu mir un sagte sehr siß:

»Du brauchs dich nich zu bemihn mit deine Schlidtschue, Schorschchen,
du kanns den ibrigen nachmidtag im Schulzimmer bleibn un addihrn. Warum
has du das abgeendert, was ich geschribn hab, du godtloser Junge? Du
mußt fon Natur aus ferdorbn sein. Wenn dein Fater fir 2 Jungen bezaln
mecht, wer es noch kein Ersatz fir di Mihe so einen schlechtn Jungen
bei sich zu habn, der die andern Schiler ferdirbt!«

[Illustration]

Sie fiehrte mich zum Schulzimmer, schtiß mich henein un ferschperrte
die Thir. Ich hadte mich die ganze Woche auf Freitag gefreit. Ich
konnte hern, wi di andern Jungen jauchztn un sich unterhiltn. Das
Feier wahr ausgegangen. Ich hadte so Heimwe, das ich glaubte ich muß
in 10 tausend Schtike zerschpringen. Bei jeder Zal di ich addihrn
wollte, fihln mir die Trenen auf der Tafl, das ich den Schwamm gar nich
in Wasser zu tunkn brauchte. Meine Finger warn so schteif, das ich das
Ofnthirl aufmachte um zu schaun, ob das Feier noch brennt -- es wahr
grad nur eine Kohle mehr drin. Ich zerriß ein Schreibheft un legte das
Linjahl drauf; es brannte wunderschehn. Ich schmiß noch eine Menge
Rithmetikhefte drauf bis mir ganz warm wahr. Wi ich aber die Ofnrehre
fest machn wollte, fihl das alte rostige Ding herunter. Ich konnte sie
nich mehr festmachen. Der Rauch wahr greßlich. Ich schrie, weil es so
in die Augn biß; dann fing ich an zu erschtikn. Ich pumperte an der
Thir un rif Frau Pitkins sie soll mich herauslassn. Aber sie wahr mit
den Schlißl in der Tasche in der Schtadt gegangen. Fräuln Haven sagte
ich soll ein Fenster aufmachn un den Kopf henausschtekn, bis sie einen
Mann findet, der aufmachn kann. Aber die Fenster warn fest eingefrorn
un wolltn sich nich rihrn. Fräuln Haven draußn wahr greßlich außer
sich. Sie schrie herein: »Schlage ein Fenster ein, Schorschi, befor du
erschtikst!«

Ich fihlte mich ganz erleichtert, wi ich das herte. In zehn Menutn war
nich eine ganze Scheibe in alle 5 Fenster. Ein Mann kam un brach di
Thir auf. Der Professer war bleich for Wut, wi er di Ferwistung sah.

»Warum has du alle Scheibn zerbrochn, du kleiner Dummkopf?« fragte er
mich. »Ich werde eine Woche brauchn, das Zimmer wider in Ordnung zu
bringen. Ich werde die Rechnung aber schon deinen Fater schikn!«

»Adonijab,« sagte Frau Pitkins, »glaubs du nich es wer gescheiter den
Jungen gleich mit der Rechnung zu schikn? Wir sind runihrt, wenn wir
ihm bis zum Termihn behaltn. Er is erger wi die egiptischn Plagn.
Ich winsche, ich hedte ihm schleifn gehn lassen. Filleich wer er
eingebrochn un hedte sich ertrenkt.«

Nimand scheint mich zu brauchn. Meine Leite habn mich hergeschikt
weil sie mich nich zuhaus habn wolln, un jetzt winscht Frau Pitkins,
ich wer tot. Ich hab mirs iberlegt, was ich tun wer. Ich hab eimal in
der Zeitung gelesn: »Ein gesunder Knabe zu adobtihrn gesucht.« Ich
werde der Zeitung einen Brif schreibn, damit mich jemand adobtihrt.
Ich will sagen ich bin gesund. Es wird sich nimand treimen lassn wi
schlecht ich bin. Sie werdn mich fir einen gutn kleinen Jungen haltn.
Schön angefoppt! Ich wers heut abens schreibn. Jack wird mirs zur
Zeitung tragn: »Ein gesunder Junge winscht adobtihrt zu wern. Auf gute
Behandlung wird mehr gesehn als auf Bezahlung.«




Er wird ausgeschlossen


Das wahr eine Ssene letztn Abens wi ich nachaus kam! Sie hadtn dem
Konduktehr gesagt er soll acht auf mir gebn, um die letztn Worte fon
den Professer warn: »Gebn sie nur gut acht auf dem Jungen, Konduktehr!
Er is ein ganz schreklicher Kerl. Ich mußte ihm fon meiner Akademih
auschlißn.« Un wie er kam, mein Billeh einzwikn, lachte er zu mir.

»Was has du gethan, Birschchen, das du ausgeschlossn worn bist? Du
schaust so unschulg drein, wi ein Lamm. Man sollte nich glaubn, das du
so ein godtloser Junge bist!« Un patschte mir dabei am Rikn.

»Oh, ich hab eine ganze Menge greßliche Sachn angeschtellt,« antwortete
ich ihm. »Ich machte dem Professer sehr große Auslagn in Perikn, aber
es war immer nur ein Zufall -- ich hab nie etwas zufleiß gethan, nie!
-- es war nur Pech. Ich bin sehr ungliklich,« figte ich dazu mit einen
tifn Seifzer. »Aber der letzter Zufall der mir passihrt is, hat den Faß
den Bodn eingeschlagn -- das heißt, der Frau Pitkins.«

»Gut,« sagte er, »wenn ich fertig bin komme ich zurik un du kannst mir
erzehln, wi dir das passihrt is.«

Also kam er dann zurik un setzte sich auf der andere Helfte fon Sitz.

»Mechtn sie glaubn, Herr Konduktehr,« sagte ich, »das man einen kleinen
Jungen -- einem wirklich gutn hibschn, kleinen Jungen ausschlißn kann,
blos weil er ein Schtikchen rohe Pastehtnrinde aus der Kiche genommen
hat?«

»Das wer wirklich zufihl,« sagte er so ein bischen in Gedanken.

»Nun, sie habns getan!« sagte ich. »Alles was ich gemacht hab is, das
ich ein Schtikchen genommen hab filleich so groß wi meine 2 Feiste
-- es wär nich mehr gewordn wi ein Schtik, so groß als Frau Pitkins
fir gesund fir einen Jungen helt. Ich nahm es henauf in mein Zimmer,
weil der Professer in der Schtadt untn ein Fisotgihforlesung haltn
mußte zu woltetign Zwek. Frau Pitkins war ganz allein un ich pakte die
Gelegnheit bein Schopff, wi sie in der Kiche war un der Kechin sagte
sie soll die Eier zu den Fischn zum Frischtik nich ferschwendn un
schmirte mir den Teig um das ganze Gesicht wi wenn ich eine Pasthete
wer un machte ein Loch hinein, wi die Kechin thut, wo mein Mund war.
Dann schlich ich in Frau Pitkins ihr Zimmer, setzte mich auf einem
Sessl in der Ecke un nahm ein Leintuch iber mir, so das es bis auf der
Erde henunterging. Es wahr finster im Zimmer, un wi sie heneinkam mit
der Lampe fihl das Licht grad auf dem Geist. Si fing zu schrein an un
lif dafon. Alles wer ganz gut gegangen un nichs geschehn, nur liß das
dumme Fraunzimmer die Lampe falln un sie machte einen großn Fettflek am
Teppich un ihr Kleid fing zum brennen an. Sie wär ferbrannt, aber Jack
schmiß im Forhaus seinen Iberrok iber ihr un sie hadte grad nur eine
Blase auf der Hand, aber das Kleid wahr hin -- es war ein ganz neies
-- un for Angs krigte sie hesterische Kremfe un sagte, sie weiß jetz
ganz gut, warum meine Mutter mich in der Schule geschikt hat, aber sie
mechte mich nich um 10 000 Doller in Gold behaltn. Es wahr mir sehr
leid, um ihr neies Kleid un ich wollte ihr mein golnes finfdollerschtik
gebn, damit sie sich ein andres kaufn kann. Sie nahms aber nich. Sie
sagte, sie wird es schon auf der Rechnung schreibn. Oh Godt, oh Godt!
Was wird Papa sagn, wenn er die Rechnung siht! Es sin mir so fihle
Mallehre passihrt! Immer bin ich in der Patsche!«

»Herr Konduktehr, brauchn sie keinen Jungen fon meiner Greße um
Zeitungen auf der Bahn zu ferkaufn, oder Schinknsemmel oder Malzbombon?
Ich mechte mich gern selbs erhaltn kennen, ich hob schon sofihle
Auslagn gemacht!«

Er sagte, zu den Geschefft braucht man greßere Jungen.

»Un jetz mein Junge,« sagte er, »bleib ruig auf deinen Sitz, da has du
eine Zeitung mit Bilder, schau sie dir an. Ich werde manchmal schaun
kommen, wies dir get.«

Ich bedankte mich sehr heflich bei ihm. Grad wi er im nechstn Wagn gehn
wollte, kam ein Junge mit Bombons. Ich kaufte 4 Pak un gab ihm einen
Doller. Ich dachte mir ich wer das Geschefft auch probihrn, un wi er
fort wahr, schprang ich auf, ging den Gang henunter un rif »Bombons
gefellig!« wi er.

Die Leite lachtn, aber keiner wollte kaufn, ich machte also die Thir
auf un ging auf der Pladtform weil ichs im nechstn Wagohn probihrn
wollte.

Es wahr greßlich windig un ich glaube di Wagohns wakltn sehr schtark,
weil das nechste, was ich weiß, is, das ich aus einen Schneehaufn
herauskroch. Meine Ohrn warn foller Schnee, mein Mund auch -- es war
schreklich! Der Zug wahr schon weit weg -- er fuhr wi der Blitz -- un
ich wahr ganz allein auf einen Feld.

Fräuln Haven weinte, wi ich aus der Schule wegmußte un gab mir ein
Schtik Kuchn auf den Weg mit; ich hadte es in der Tasche un nahm es
heraus un aß es. Auch ein Pak Bombon hadte ich, un hilt es noch immer
fest in der Hand. Ich dachte mir, ich werde es essn un wenn ich schon
zutot ferhungern muß, wird es wenigstens nich so bidter sein -- wi
ich auf eimal ganz erschtaunt seh, wi der Zug rikwerts kommt, wi ein
Krebs. Ich mußte lachn; der Konduktehr, alle Bremser, der Inschenehr
un der Heizer alle lehnten sich heraus, um meine Schtike zu suchn un
di Fenster wahrn offn un di Passachihre schtektn die Kepfe hinaus.
Filleich 200 Leite kamen heraus, wi der Zug schtehn blib.

Der Konduktehr war so bleich wi ein Geschpens aber wi er mich Bombons
essn sah, wurde er ganz schreklich zohnig.

»Schau, das du henaufkommst!« sagte er, »ich hab schon 10 Menutn
ferseimt. Geh henauf, du kleiner Schlingel! Was machst du für Schpeße
mit uns?«

»Es tut mir sehr leid, Herr Konduktehr,« sagte ich. »Ich wers nich
wider tun. Ich wollts gar nich thun, ich bin nich schuld, nur der Wagn
-- er waklte so.«

Er schtiß mich henauf un es wahr firchterlich ungenehm, wi di Dahmen
alle iber mir weintn un meine Hende un Fiße angriffn ob ich nich
zerbrochn bin. Ich mußte alle Gedankn an dem Bombongeschefft fir den
Momennt aufgebn aber ich nahm mir for etwas anzufangen um mich selbs zu
erhaltn, wenn mir noch eimal etwas passihrt.

Du sihst, libes Tagbuch, ich durfte den Konduktehr nich erzehln weswegn
ich wirklich ausgeschlossn worn bin, weil er geglaubt hedte, ich habs
zufleiß getan. Nur ein sehr, sehr beser Junge konnte an einer Dahme wi
Frau Pitkins, so ein impertenentes Wallentin schikn. Das, welches ich
an Fräuln Haven schrib hadte 2 Taubn drauf un es wahr so:

»Ich wer fersuchn, besser zu wern un alles thun, was Sie winschn

                         fon Ihren, sie libendn kleinen Freind

                                     =Schorschi=.«

Frau Pitkins bekam eins, worauf schtand:

        Rot is di Rose
        Das Feilchen blau,
        Aber wi Essig
        So sauer die Frau.

[Illustration]

Kann sein, das Jack es geschikt hat, aber sie sagte, es is meine
Schrifft. Es lag ihr nichs an den Brifchen; das war noch gar nichs.
Weßwegen sie einen Schpektakl machte wahr das: Irgnd ein Junge hadte
ein Schtik Fleisch auf einem Fischhakn geschteckt un damit ihre
Maltehserkatz gefidtert, aber auch das hedte noch nichs gemacht, aber
er wahr auch in der Glaskugl fischn gewesn un zog alle Goldfische
heraus, doch das hedte sie noch ertragn kennen, wenn er nich am
Sonntagnachmidtag schleifn gegangen un in einem Loch eingebrochn wer
so das man ihm ohne Atem herauszihn mußte, un er ein solches Quatsch
machte mit seinen nassn Gewand, das sie sagte ihre Nerfn kommen in
einer traurign Ferfassung. Sie wahr ganz weg. Sie konnte es nich mehr
aushaltn -- besonderst wi er sich am nechstn Tag das Gesicht un die
Hende mit Dinte schwarz machte den Kichbesen nahm un im Schornschtein
fom Wohnzimmer henaufkledtern wollte, aber henunterfihl un sich eine
Beile am Kopf schlug, so groß wi ein Gansei -- aber das alles hedte
sie fergebn un fergessen, wenn er nich ein Schtik Papir auf ihrem
Rikn geschpendlt hedte, auf den schtand: »Das is das Faß, welches
bein letztn Tropfn iberging.« Aber das wahr nur Schpaß un sie hedte
sich nichs draus gemacht, wenn er nich alle die komische Vögl aus den
Werterbuch herausgeschnidtn un alle in einer lange Reie auf der Wand
hinter seinen Bedt aufgepikt hedt, damit er was zur Unterhaltung hat,
wenn er zeitlich aufkommt -- un wenn er nich di goldnen Augngleser
fom Professer zerbrochn hedt, wi er sie der Eile in der Biblotehk
aufsetzte, so das sie henunterfihl, un sich enlich nich angewehnt
hedte, genau so wi der Professer zu hustn un wi er nur in ihr Zimmer
heneingeschikt wurde um seine Gografih besser zu lernen nahm er ihre
Nachjacke zog sie dem Pintsch an un machte ihm heuln, das er weglif un
sie durch dem ganzn Ort schlepte.

Wi also der Konduktehr zurikkam, hadte er schon fergessn, wegn die
ferseimten 10 Menutn zohnig zu sein. Nein, wi das alte Ding fortsaußte!
Aber ich dachte es is besser, wenn ich nich mehr fon den früeren rede
un er sagte: »Junge es is ein großes Glik, das du auf einem Schneehaufn
gefalln bist! Das kenntes du nich zum 2. mal fersuchn. Ich glaube, du
bist zum Hengen geborn.«

Dann erzehlte ich ihm, wi ich damals in dem Frachwagohn dafonlif un fon
den freundlichn Bremser.

»Wenn sie zuhaus ergerlich sin, weil ich zurikkomm, werd ichs ihnen
sagn lassn Herr Konduktehr« sagte ich, »dann mechte ich bei ihnen
wohnen.«

»Da wirds dir nich sehr gut gehn,« sagte er, »ich bin ein alter
Jungesell.«

»Desto besser,« sagte ich, »so wird ihre Frau nich dabei sein, um uns
zu ergern. Meine Schwestern sin wirklich libe hibsche modische Medchen,
aber einen Jungen wolln sie garnix erlaubn. Sie lassn mich nich Balln
schpiln im Sallohn, wenns regent, oder mich unterhaltn wi ich will.
Sie mechtn mich gern auf einen Sessl fon Pech festsezn, damit ich nich
aufschtehn kann.«

»Sagn sie, Herr Konduktehr, habn sie denn einen Korb bekommen, das sie
noch Jungesell sind?«

Er seifzte un schaute ein bischen traurig aus. Aber bald wahr er wider
lustig un fragte mich ob meine Schwestern bein Deppoh sein wern um mich
zu erwartn. Ich wußte es nich un konnte ihm keine Antwort gebn.

»Ich hädte sie gern ein bischen gesehen,« sagte er. »Wir sin schon da,
mein Junge.«

Etwas kam mir in der Kehle, wi ein Schtik Knochn. Ich schaute eifrig
henaus, wi ich das Schild sah iber Peters Ladn un den Weichnwerter
mit den helzernen Bein un das Deppoh -- ich hedte geweint, wenn ich
die Trenen nich fest zurikgedrikt hedte. Der Herr Konduktehr schtand
beim Trittbrett, damit ich sicher henunterkomm un da wahr Susi,
greßlich hibsch mit einen nei'n Hut un einen Sillskinnmantl un Elsbett,
wirklich auch sehr lib un sie wollte mich umarmen un kissn un rif: »Oh
Schorschi, du nichsnutziger, schlechter, liber, guter Junge laß dich
kissn!«

Ich sagte: »Herr Konduktehr, das sin meine Schwestern aber sie sin
schon beide ferlobt. Das tut mir leid eiretwegn. Adjeh, kommen sie
eimal un besuchn sie uns. Sind meine Schwestern nich hibsch?« un er
griff am Hut un lachte un der Inschenehr un der Bremser un alle rifn:
»Hurrah! Adjeh Schorschchen!« un das war sehr heflich fon alle.

Betti war auch drunten bein Deppoh un lachte un weinte, wi eine Gans.

»Du hast uns sehr gefelt Schorschi, es wahr schreklich ruig zuhaus un
kein schlechter Junge da, der uns was zu tun gegebn hädt.«

»Wirklich, das is wahr,« sagte Susann. »Wir habn ein fedtes Kalb
geschlachtet fir den widergefundnen ferlornen Sohn -- es is schon
gekocht un schteht am Tisch« -- aber es wahr nich eimal Kalbfleisch,
sondern gebakener Truthahn mit Sulz runderum, gereste Austern, kalter
Schinken, schwimmende Insl, Kuchn, Eingemachtes -- eine ganze Menge.
Ich aß, wi wenn ich nichs als gederrte Apflpastehte gegessen hädt,
seit ich fon zuhaus fort bin, nur Papa schaute erns drein, wi er die
Rechnung fom Professer las un Mamma wurde ganz blaß, wi ich dem Dokter
erzehlte, wi ich fom Wagohn heruntergeschmissn worn bin. Dokter Moor
war sehr erfreit mich zu sehn -- auch unser Hund, er kommt oft zu uns,
weil er un Susi im Frihjar heiratn solln.

Nach dem Nachmahl sagte Papa: »Schorschi, ich winsche, das du jetz ein
neies Lebn beginns, du wirst jedn Tag elter. Fersuche, nich so fihle
Dummheitn anzuschtelln. Denke zweimal, befor du einmal handlst --« di
Thir fihl grad zu un wollte dem Hund den Schwanz einzwikn un er rif
schnell: »halte sie auf, Schorschi!« aber ich wartete, weil ich zuers
2 mal denkn wollte, un den Hund sein Schwanz war weg.

Der Dokter sagt, ich soll bei ihm Medezihn schtudirn bis ich groß
bin. Sein Etwi, wo er di Medezihnen drin hat, war in der Tasche fon
seinen Iberzier im Forhaus, un ich dachte mir, das is eine gute
Gelegnheit, gleich zu doktern anzufangen un nahm ein bißchen weißes
Pulwer aus einen kleinen Fleschchen un gab ein winziges bischen meinen
Eichhernchen ein. Heite nachmitag hab ich es begrabn -- Hansi wahr bein
Begrebnis.

Oh, wi hibsch un gemithlich is mein Zimmer! Wi siß hab ich letzte Nach
getreimt! Betti is fedter wi je -- sie is ein sehr libes Medchen. Mein
Herz is foll. Ich will fersuchn, nie, nie wider was anzuschtelln, so
lange ich lebe un atme un damit gute Nach, mein Tagbuch.

NB. Hansi un ich nahmen Susanns Arbeitskestchen, das der Dokter ihr
zu Weinach geschenkt hat, um mein Eichhernchen drin zu begrabn. Ich
glaube, Susi wird es nich recht sein, aber der arme Benny muß doch
einen Sarg habn -- es wahr ein sehr hibscher Sarg.




»Mein Gott, es war die Katze!«


Dokter Moor un Susi habn ihre Ferlobung aufgehobn. Es is ein
schreklicher Ferlust fir Susi, weil sie die ganze Auschtattung
schon fertig hadte. Ich firchte, sie wird aus der Mohde kommen,
befor sie einen andern findet, der so gut is wi der Dokter, der ein
ausgezeichneter Mensch is, wi ich glaube, un die Mohdn weksln so
schnell.

Der Hochzeitkuchn soll aber nich ferderbn, solang Hansi un ich wissn,
wo er aufgehobn is. Es is ein prachfoller Kuchn un sehr nitzlich fir
einen Jungen, wenn er schleifn geht, oder bis zum Nachmahl nich nachaus
kommen will.

Letzte Woche wahr wider eine Anzeige in der Zeitung -- Susi weinte
deswegn bis ihre Augn so rot warn, wi Hansis wi ich rotn Feffer in den
Backofn fon seiner Mutter schtreite. Ich glaube, schwarzer Feffer hedte
nich so rot gemacht. Die Anzeige wahr so:

»Große Aufregung herrscht in der bessere Gesellschaff iber ein Gericht,
das eine gewisse Heirat in fornehmstn Kreise nich schtattfindn
soll. Nach unsrer posetiwn Kenntnis sind die Einladungen gedrukt un
beina alle verteilt, aber di Beteiligtn schprechn nich miteinand.
Die Uhrsache dises pletzlichn Wechsls im Programm is nich in der
Öffntlichkeit gedrungen -- sofihl is gewiß, das es nich die Schuld des
Herrn is.«

Arme Susi, du dauerst mich! Wi fro bin ich, das sie nich fermutet ihr
Bruder setzte es in der Zeitung! Ach, wi traurig is es, ein schlechtes
Gewissn Tag fir Tag mit sich herumzutragn. Ach! ich bin di Uhrsache,
das dise Ferlobung aufgehobn wurde. Alles wer fridlich un ruig, hedte
Susi nich einen so schlechtn Jungen zun Bruder. Un denoch glaub ich,
das diser Edisn oder wi er heißt mehr Schuld is wi ich. Warum setzte er
sich hin un plagte sich, bis er das ellektresche Licht erfundn hadte?
Sie habn nemlich alle dafon geschprochn, un wi fihl sich Herr Edisn
damit ferdinen wird un was es fir ein Ding is un der Dokter erzehlte,
das er eine Badterih in seinen rikwertign Ladnzimmer hat, was ich schon
wußte, weil er mich eimal den Griff in der Hand nehmen liß un es wahr
sehr schpaßig -- deswegn erzehlte ich es Henschen in der Frih, un er
un ich wartetn bis der Dokter in seinen Zweiradler wegfuhr un dann
klettertn wir durch das Fenster in den rikwertign Ladn un ich goß ein
bischen aus einer Flasche henein, wi der Dokter es gemacht hat und gab
Henschen di Griffe zu haltn un er schprang in der Lufft un fihl dann
nider un schtrekte sich aus.

Ich schrie, er soll die Griffe auslassn, aber er sagte kein einziges
Wort, wi wenn er tot wer un ich nahm ihm die Griffe aus der Hand un
sagte ihm er soll sich aufsetzn, aber er herte mir nich zu un ich
firchtete mich, weil ich ihm sehr lib hab un holte ein paar Menner,
die auch durchs Fenster kledtern mußtn. Sie schpritztn ihm mit Wasser
an un sagtn ich bin ein schlechter Junge -- sie glaubtn ich hab ihm
umgebracht un trugn ihm nachaus un seine Mudter wollte nich einmal
schprechn mit mir. Ich glaube, sie hädte dankbahr sein solln, das er
enlich nach langer, langer Zeit zu sich kam. Fom Dokter krigte ichs
greßlich. Er sagte, ich runihre ihm seine ganze Prakses -- di Leite
firchtn sich, seine Medizihnen zu nehmen aus Angs, ich habe die Hende
dabei gehabt -- un das ich ein so liber, kleiner Junge bin, wi nur
meglich, wenn ich mich anschtendig benehm, aber ich soll seine Sachn
nich anrihrn.

Ich sagte ihm, es thut mir sehr leid -- ich werde es auch nich wider
thun. Ich wollte mein Ferschprechn auch wirklich haltn un wi ich das
nechstemal bei ihm wahr, bemerkte ich eine Maus di immer in un aus
ihren Loch kroch. Ich dachte, ich will ihm eimal eine Gefellikeit thun,
weil ich ihm schon sofihl Schadn gemacht hab -- un wi er am Abens zu
uns zum Tee ging, schtekte ich die Katze im Ladn, damit sie schnell di
Maus fangt un der Dokter sie nich sehn soll. Er ging zu Susi auf Besuch
nach dem Nachmahl un ich fermutete, er wird zimlich lang dort bleibn.
Wi er zur Potheke zurikkam, wo er im rikwertign Zimmer schlaft, herte
er die greßlichste Katznmusik, wi wenn 1000 Katzn jammern mechtn. Er
schperrte die Thir auf un zindete so geschwind er nur konnte ein Licht
an.

Arme Miez! Die Maus war auf der Stellasch geschprungen, un sie ihr
nach, weil alle Flaschn heruntergeschmissn un zerbrochn wahrn --
so eine Beschehrung war noch nich da! die heßliche Medezihn auf
seinen neien, hibschn Teppich -- aber der armen Miezekatze gings am
schlechstn. Eine Flasche mit Witreol war zerbochn un sie hadte dem
Fuß heneingeschtekt, kein Wunder, das sie miaute un herumschprang wi
ferrikt, so das sie dem Dokter wi er hereinkam grad ins Gesicht fuhr,
aber er hob zum Glik den Arm auf -- das redtete ihm die Augn -- so das
sie blos seine Nase un Schtirn zerkratzte -- das machte ihm so komisch
ausschaun am nechstn Tag -- un wi er sie zuletz abschittlte, schprang
sie direk zur Thir un nimand hat sie seitem gesehn. Das schrekliche
Witreolöl fraß ein großes Loch im Teppich, was noch nich so arg gewesn
wär aber es fihl auf dem Sofa, befor es auf dem Fußbodn rollte un goß
eine Menge fon den greßlichn Schtoff über seinen neien Anzug, dem man
ihm am selbn Tag gebracht hadte un in dem er heiratn sollte. Er wahr
ganz runihrt. Ich glaub es wer noch nich so schlecht gegangen -- arg
wi es wahr -- nur fing Susi, wi er am nechstn Morgn kam, um den Unfall
zu erzehln, so zu lachn an, wi sie sein Gesicht foll Hefftpflaster sah
un seine Nase 2 mal so groß wie gewehnlich, un sie lachte un lachte
wi wenn sie nich aufhern kennt, bis er sagte: »Es mag fir sie Schpaß
sein, Fräuln Hacker, fir mich is es der Tod. Ich habe genug fon ihren
kleinen Bruder gehabt un auch fon ihnen -- wenn das der ganze Dank is
fir das, was ich schon hab ertragn missn. Ich glaube nich das ich in di
Familjeh eines Jungen wi Schorschi heiratn werde. Un so lebn sie wohl
Fräuln Hacker -- fir immer!« un er schlug di Thir sehr fest zu un ging
so schteif weg, wi wenn er gefrorn wer.

Dann aber ferging Susi das Lachn -- aber es wahr alles umsons -- er
wahr nich bei uns seitdem, un das is 2 Wochn her; so schikte ich also
ferschtohln di Anzeige zu der Zeitung un sie wird gewiß heneingesetzt
wern.

Die ganze Familjeh is withend auf mir wegn der Katze un ich hab es doch
nur in der bestn Absich gethan. Wer hedte es foraus wissn kennen, das
Susann als alte Jungffer schterbn wird, blos weil ich di Katz in der
Potheke fon ihren Bräutegamm liß, um eine Maus zu fangen? Das is nun
einmal mein Pech. Ich bin ein sehr ungliklicher Junge. Susi ißt nich
eimal sofihl wi ein Vogl zum lebn braucht un Elsbett orfeigt mich jedes
mahl, wenn sie nur nah genug kommt, grad als ob der Dokter auch nur ein
bischen früer zurikkäm, wenn sie mich orfeigt. Susann sagt, sie kennte
ihm alles fergebn, bis auf dise Anzeige in der Zeitung: »es wahr nich
die Schuld des Herrn.« Gut, war es filleich? Das sagte ich ihr auch,
aber ich hoffe un bete, das sie es nich endekt, wer es gethan hat. Ich
hab schon genug angeschtellt, ohne erwischt worn zu sein; das were der
Kipflpunkt.

Gestern hadte Susi wider ein bischen zu weinen, di Medchen warn in
ihren Zimmer un ich ferschtekt in ihrer Kammer nebnan, weil ich grad
einen fon ihre Gummischue in Schtreifn zerschnidt, um mir einen Balln
draus zu machn, un ich herte wi Elsbett ihr sagte, das man sich erzehlt
der Dokter ginge jedn Abns zu Agnes Schtein.

Fon Agnes sagt man sie is das hibscheste un modischte Medchen in der
Schtadt. Unsre Lil is ferheiratet un weg; un so wahr Susi firchterlich
eifersichtig un weinte bis sie nich mehr konnte un wollte nich zum
Nachmahl henuntergehn, so das ich nich wußte wi ich aus der Kammer
herauskommen soll. Ich glaubte ich muß zutot hungern, aber wi es sehr
finster wahr schlipfte ich henaus, so schtill wi eine Maus. Wi sie
ihrn Gummischuh nich fandn, sagte Elsbett immer, eine Ratte muß ihm
weggeschlept habn, um drin zu schlafn.

Wi ich allein mein Nachmahl aß, nur mit Betti, di mir ein Schtik
Pastehte brachte, die sie nich mehr zum Essn brauchte, iberlegte
ich mir, ich bin zu schlecht etwas zu essn, außer Pastehte un noch
ein Schtikchen Kuchn, wenn Susi sich obn mit langsamen ferhungern
selbsmordn will, un dachte mir, wenn ich irgend was thun kann, um das
Unglik gut zu machn, das ich angeschtellt hab, so will ichs thun. Ich
sagte zu Betti: »Sage den Leutn, sie solln nich besorgt um mir sein --
ich geh nur zu einen Freund un bin in einer halbn Schtunde wider zurik.«

Damit schlipfte ich aus den hintern Thor. Filleich 10 Menutn schpeter
leutete ich bei Richter Schtein.

»Is Fräuln Agnes zuhaus?« fragte ich.

Sie sagte ja un so fragte ich, ob ich sie einen Momment sehn kann. Sie
sagte: »Geh nur in den Sallohn hinein.«

Ich nahm dem Hut ab un ging henein.

Fräuln Agnes wahr bei den Peano, großartig angezogn, das Haar
herausgeputzt, di Wangen rot.

Sie fing zu lachn an, wi sie mich sah.

»Wi gehts dir, Schorschchen?« sagte sie.

Ich sagte: »Fräuln Agnes, kennen sie Pinafohr?«

»Oh ja, sehr gut!« sagte sie.

»Erinnern sie sich an dem rihrenden Schtik, wo er sagt:

  »Mein Godt! es wahr di Katze!«

Das is grad dasselbe, wi es in Ladn fom Dokter war. Un jetz Fräuln
Agnes, glaubn sie es is ehrnhaff un gerecht fon ihm, meiner Schwester
das Herz zu brechn, blos weil di Katz ein paar fon seine schundige
Medezihnflaschn zerbrochn hat? Ich mechte das sie ihm heit abens sagn,
wenn er herkommt, das ich ihnen erzehlt hab, das Susi nich zu der
Helfte fon di Malzeitn kommt, sie hat den ganzn Apptit ferlorn un die
Kleider sin ihr schon alle zuweit. Der Grund warum sie lachte is, weil
sie einen hesterischn Anfall hadte, so erschrekt war sie un hesterische
Leite missn lachn, wenn sie auch noch so wenig Lust dazu habn. Es is
eine Schande, wi er sie behandlt hat un ich will ihm wegn gebrochnen
Freschprechn ferklagn, so wahr ich lebe un atme, un wenn ich groß bin
muß er sich mit mir duellihrn, er wird mir nich auskommen!«

Grad da hilt mir jemand fon rikwerts di Hand aufn Mund hob mich dann in
der Hehe un setzte mich auf der Aksl un wi ich henunterschau, wahr es
der Dokter selbs! So was!

»Nein, Schorschi,« sagte er, »wir wolln uns nich duellihrn, wir wollns
liber gut sein lassn un wider Freundschaff schlißn. Mir gehts grad so
wi deiner Schwester. Ich glaub, das beste was ich thun kann is, das
ich mit dir nachaus geh un ihrs selber sage, wenn Fräuln Schtein uns
enschuldign will.« Also gingen wir.

Wie wir dort wahrn, sagte ich: »Gehn Sie im Sallohn, Herr Dokter, ich
will henaufgehn un sie rufn. Sie weint sich obn in finstern die Augn
aus. Die Leite sin im Wohnzimmer.«

Dann lif ich henauf, schprang in ihr Zimmer un schrih: »Wo bis du Susi?
Du solls schnell hinunterkommen. Im Sallohn is eine Auschtellung. Das
große Wunder hir is fon Barnem ausgekommen!«

Sie pakte mich so fest bein Arm, das er noch jetz blau un schwarz is.

»Was sags du, Schorschi?« fragte sie ganz atemlos.

»Ich sage, wer zuletz lacht, lacht am bestn.«

Dabei flog si schon die Treppn hinunter wi der Wind. Ich lif so schnell
nach, wi ich konnte, aber ich kam nich so schnell henunter als ich
wollte, weil ich schtehn blib, um die Uhr im Forhaus aufzuzihn, aber
sie zerbrach, weil sie den Tag früer aufgezogn worn wahr un jetz wird
sie wahrscheinlich reprihrt wern missn; wi ich enlich henunterkam, wahr
eine Ssene im Sallohn! -- aber ich lasse dem Forhang falln. Schorschi
schteht mommentahn in hoer Gunst. Sie brummtn nich eimal, wi sie das
greßliche Loch in den Hochtzeitkuchn sahn, das irgend eine Maus gemacht
hat. »Wir kennen einen andern machn,« sagte Susann ganz gleichgilltig.
Die Zermonih soll for sich gehn, wenn das Flaster fon dem Dokter seiner
Nase geht.




Er macht einen Drachen und läßt ihn steigen


Rosa Prinz wird eine Gesellschaff gebn; sie is schon ein großes
Medchen, un die Gesellschaff soll an ihren zehntn Geburtstag sein. Sie
sagt sie werdn eine großartige Unterhaltung habn, jemandn, der Klawihr
schpilt zum tanzn, un ein wirkliches Abendessn auf einer langen Tafl --
nich nur so herumgetragn, aber sie weiß nich ob sie mich einladn darf,
weil ich noch zu jung bin un so schlecht. Ihre Mudter sagt, sie soll
mich liber auslassn. Ich sagte ihr, sie is in Irtum, ich bin jetz ein
Musterjunge, sie soll nur meine Mutter fragn, ob ich nich die letzte
Zeit schreklich braf wahr; es is gemein mich nich einzuladn un ich
werde sie auch nich einladn, wenn ich meine Gesellschaff gebe un Mamma
hat mir ferschprochn, das ich es darf, wenn ich fortfahr braf zu sein.
Also hat sie mich eingeladn un ich darf gehn. Es is morgn abens.

Ich geh jetz in unserer Schtadtschule; ich hoffe mich in lesn un
schreibn schnell zu ferbessern, der Lehrer sagt, ich bin gescheit genug
um eimal Presedent zu wern, wenn ich nur aufmerksam sein mecht, aber es
sin hunderterlei Sachn in der Schule, um einen zerschtreit zu machn,
mehr als man glaubn mechte, wenn man nie in der Schule gegangen is. Im
Winter sin keine Flign da, aber man hat genug zu thun mit Papirknedl
im Mund zu machn un ferschtohln herum zu schaun was ein andrer Junge
einen fir Zeichn macht un das nimmt eine Menge Zeit weg oder den Lehrer
auf der Tafl zu zeichnen mit einer dike Nase un es schnell wegzuleschn,
wenn mans in der Hehe gehaltn hat. Oder einen Apfl zu essn unter der
Bank, weil es ferbotn is oder dem Lehrer nerwehs zu machn, weil der
Griffl bein Schreibn durchaus kratzt. Ich hab sehr wenig Zeit for
lauter lernen, aber es noch immer besser, wi in einer Erziungsanschtalt
geschikt zu wern.

Elsbett sagt das Haus is ein Paradihs, wenn ich in der Schule bin --
ich fragte sie, ob auch Engl in den Paradihs sin, weil ich keine sehn
kann. Ich hab sie gebettlt, sie soll mir einen Drachn machn, aber sie
hat keine Zeit bis di Hochtzeit forbei is. Alle Jungen habn Drachen,
es is jetz die richtige Zeit dazu; es is zu dumm, herumzulaufn un
zuzuschaun, wi die andern Jungen ihre schteign lassn. Ich denke, ich
wer in dem Ladn gehn un mir 2 Schtekn kaufn un mir selber einen Drachn
machn; ich kann ihm obn in meinen Zimmer machn; ich nehm mir Papas
Gummirabi, Mammas Schehre ein paar Zeitungen un den Wollknäul. Ich will
ihm machn, befor ich in der Frih in der Schul geh.

Heute Abens gibt Rosa Prinz ihre Gesellschaff. Ich bin sehr einsam un
sitze in meinen Zimmer mit der Thire fon außn zugeschperrt. Ich glaube,
sie wern sehr lustig sein, bei ihrn feinen Nachmahl -- ich hab keins
bekommen -- nich ein Schtikchen hab ich seit den Gablfrihschtik gegessn
un das wahr um 11 Uhr.

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