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Rückreise von Java nach Europa mit der sogenannten englischen Überlandpost im September und October 1848

by Franz Wilhelm Junghuhn · German · Gutenberg #45393 · 370,287 chars · public domain (US)

The Project Gutenberg eBook of Rückreise von Java nach Europa mit der sogenannten englischen Überlandpost im September und October 1848
    
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Title: Rückreise von Java nach Europa mit der sogenannten englischen Überlandpost im September und October 1848

Author: Franz Wilhelm Junghuhn


        
Release date: April 14, 2014 [eBook #45393]
                Most recently updated: October 24, 2024

Language: German

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*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK RÜCKREISE VON JAVA NACH EUROPA MIT DER SOGENANNTEN ENGLISCHEN ÜBERLANDPOST IM SEPTEMBER UND OCTOBER 1848 ***

  Rückreise von Java nach Europa
  mit der
  sogenannten englischen Überlandpost
  im September und October 1848

  von

  Franz Junghuhn

  Aus dem Holländischen übertragen
  von
  J. K. Haßkarl.


  Mit 4 Ansichten und 2 Karten.

       *       *       *       *       *

  Leipzig,
  Arnoldische Buchhandlung.
  1852.




Vorwort.


Anfangs war es nicht meine Absicht, diese Reise zu veröffentlichen,
besonders weil andere Arbeiten mich sehr beschäftigten. Ich hatte jedoch
das Meiste ~auf der Reise~ (von Java bis Holland) ~selbst~ schon
niedergeschrieben, und Freunde, welche dieses Manuscript lasen oder
denen ich einzelne Erlebnisse von der Reise erzählte, munterten mich
kräftig auf, mich doch der kleinen Mühe zu unterziehen, meine
Aufzeichnungen zu einem Ganzen zu vereinigen, wo es nöthig war, weiter
auszuarbeiten und bekannt zu machen, -- welchem Rathe ich endlich
folgte.

Dies möge zur Erklärung des ~späten~ Erscheinens dieser Beschreibung
dienen.

~Leyden~ im Januar 1851.

                                                  #Der Verfasser.#




Inhalt.


                                                       Seite

  _I._   Von Java bis in die Nähe der Insel Socotora       1

  _II._  Von Arabien bis Alexandrien                      71

  _III._ Von Egypten bis nach Holland                    167




_I._

Von Java bis in die Nähe der Insel Socotora.


Meine Gesundheit war zerrüttet und die Kräfte meines Körpers waren nach
einem 13jährigen Aufenthalte auf Java und Sumatra geschwächt. -- Ich
litt an den Folgen der so viele Jahre lang nicht mehr unterbrochenen
Einwirkung einer größern Hitze, der nur wenige nordische Naturen auf die
Dauer widerstehen können. -- Wohl reiste ich noch in Krawang, mit
geologischen Untersuchungen beschäftigt, mußte aber oft (erschöpft) die
höhern, kühlern Gebirgsgegenden aufsuchen, um dem glühenden Klima nicht
zu unterliegen.

Der letzte Berggipfel, den ich, durch solche Gründe veranlaßt, den 17.
Juni 1848 erstieg, war der Gunung-Tangkuban Pra. Meine Hütte stand auf
dem höchsten Punkte seiner südlichen Kratermauer, der sich 6030 par. Fuß
über das Meer erhebt und eine mittlere Temperatur genießt von ohngefähr
56° F., während in den Tiefländern am nördlichen Fuße des Gebirges die
mittlere Wärme 81,5° beträgt. In der kühlen Luft dieser Region kehrte
wieder etwas Willenskraft in die Seele zurück, die mit dem Körper
ebenfalls erschlafft und in Gleichgültigkeit versunken war. Die
Ermahnungen von Freunden, die mich in meiner Einsiedelei besuchten,
trugen dazu bei, mich in meinem Vorhaben zu bestärken, und so gedieh
endlich mein Entschluß zur Reise, das Land des ewigen Sommers ein Paar
Jahre lang zu verlassen und in das Vaterland zurückzukehren, das den
eisigen Polen so viele Grade näher liegt.

Hier auf dem Kraterrande des Vulkans war es auch, wo ich die Zeitungen
aus Europa empfing, die in der Mitte des Juni mit der Landmail nach
Batavia gebracht waren. -- Revolution in Paris, kaum geahnt und schon
beendigt, -- Republik ausgerufen, -- ~Louis Philipp~ entflohn! -- dieser
vorsichtige König, den alle Welt so fest auf seinem Throne
glaubte. -- Dies waren die Nachrichten, die auf das Unerwartetste, ganz
mährchenhaft, vermeldet wurden und die alle Gemüther auch auf Java in
die ängstlichste Spannung versetzten. Es glich die Aufregung der Völker,
dadurch veranlaßt, der electromagnetischen Kraft, die sich mit
unsichtbarer Schnelle durch die halbe Welt fortpflanzt. -- Dazu kamen
später noch die Nachrichten aus Bali, -- Reformbewegungen, politische
Demonstrationen zu Batavia, -- ungewöhnliche Witterungserscheinungen,
 -- Höhenrauch, -- Regen, -- Überströmungen, -- Erdbeben! -- vulkanische
Ausbrüche, -- ein erwarteter Komet allhier -- und dort in Europa Aufruhr
und Krieg; -- -- so waren die Nachrichten, die zu dieser Zeit auf uns
einstürmten und die, wenn auch nicht alle erfreulicher Art, denn doch
geeignet waren, auch das erschlaffteste Gemüth aus seiner Lethargie zu
erwecken.

Die Auspicien einer Reise also zu dieser Zeit nach Europa waren nicht
günstig. Ich war aber krank und bedurfte als Heilmittel der Kälte. Meine
Abreise ward daher beschlossen und mein Gesuch um Erlaubniß abgesandt an
die hohe Regierung zu Batavia, in deren Auftrag ich reiste.

Ehe ich den Berggipfel und die schönen Wäldchen, die ihn umgrünen,
verließ, sah ich noch einmal nieder in das weite Kesselthal des
Kraters, dessen Grund 800 Fuß tief zu meinen Füßen lag und ließ dann
meinen Blick über den jenseitigen (weniger hohen) Kraterrand hinweg- und
hinabgleiten in das ferne Land von Krawang, das 6000 Fuß tiefer lag und
das sich mit dem ewigen Grün seiner Felder und Wälder bis an's Meer
hinzog. So glatt und blinkend, wie ein silberner Spiegel lag dies stille
javanische Meer vor uns da, während die Morgensonne mit ihren ersten
Strahlen hinter den fernen Kegeln Tj[)e]rimai und Tampomas hervorblickte
und mit dem Lichtglanze, der sie umgab, einen goldenen Hintergrund
bildete, auf welchem sich die dunkeln Gestalten dieser hohen Berge
deutlich abzeichneten; -- sie vergoldete dann noch manche andre
Bergspitzen und goß ihren Schein aus über das weite grüne Land, in
welchem Tausende von Menschen und Thieren zu neuem Leben erwachten.

Es war ein Bild schöner und majestätischer Ruhe, vergleichbar mit dem
menschlichen Gemüthe, das in ~Frieden~ lebt. Dicht zu unsern Füßen aber
lag der weite, wüste Schlund des Kraters und dieser erinnerte an die
Leidenschaften der Menschen, wenn diese in Wuth ausbrechen, sich selbst
und ihre Werke zerstörend. Zwar lag auch dieser Mund des Vulkans jetzt
in tiefer Stille da, -- auf der Kraterwand zu unsrer Linken lächelte
lieblich der erste Sonnenschein und ließ grell den Schatten erkennen von
einigen Falken, die langsam und friedlich über den weiten Raum
hinüberschwebten. -- Nichts als das Echo hallte wieder, wenn man
hinabrief oder einen Stein in die Tiefe warf, -- sonst war Alles
still; -- aber die Kahlheit der Felsen, die Hunderte von Fußen hoch
emporstarren, -- die hingestreckten Wälder und schwarzgebrannten
Baumstämme des äußern Gehänges, -- die bleiche Farbe der Asche, wovon
Alles überschüttet war, -- die Abwesenheit von aller Vegetation im
Innern, -- der völlig nackte Grund, aus dem man bei genauerer
Betrachtung doch noch Dämpfe emporsteigen sah, -- dies Alles rief dem
Reisenden warnend zu: »Traue dieser Ruhe des Kraters nicht, denn sie
gleicht mit der schönen belebten Natur umher ganz dem menschlichen
Gemüthe und dem Leben der Völker, das leicht durch Leidenschaften
getrieben wird, sein eignes Glück zu vernichten, -- aber so wie die
Waldung rund um den Krater nur so lange blüht und grünt, bis ein neuer
Ausbruch aus dem Schlunde kommt, der Alles wieder verwüstet und, was in
langen Jahren allmählig wuchs, oft in einer Nacht zerstört.«

Dennoch konnte ich diesen Berggipfel nicht verlassen ohne ein
wehmüthiges Gefühl. Sind doch diese Kraterthäler die schönsten auf Java
und von allen Landschaften der Insel am reichsten an malerischer
Abwechselung, -- tritt doch das Starre, Nackte der Felsen, das Kolossale
der Dimensionen daselbst in den anziehendsten Contrast mit dem
umgebenden Grün, -- sind doch die niedrigen Alpenbäumchen, die dort
wachsen, die lieblichsten der Insel, die fast immer mit den schönsten
farbigen Blüthen geschmückt sind, -- ist doch die Luft auf diesen Höhen
so rein, so kühl, genießt man doch von dort die herrlichste Aussicht
rundum über das weite, tiefe Land, -- ist das Innere der Krater doch so
einsam, so ungestört, so beschützt vor allen Winden, -- lächeln die
Seen, die in vielen derselben liegen, den Reisenden doch so freundlich,
so friedsam an, -- und giebt ihnen der Gedanke an die gewaltsamen,
vernichtenden Kräfte, die ~unter~ ihnen in der Tiefe schlummern, doch
einen so eigenthümlich bangen Reiz, daß man unwillkührlich gemahnt wird
an den Wechsel des Schicksals im Leben der Menschen und an die
Vergänglichkeit alles irdischen Glücks, -- und hatte mich doch eine
lange Reihe von Jahren mit allen diesen Kratern auf Java so vertraut
gemacht, daß sie mir lieb geworden waren, wie eine zweite Heimath! --

Erinnerungen und Gefühle dieser Art fesselten mich an den Ort und ich
saß (von Thibaudiabäumchen überwölbt) ~noch~ am Kraterrande, als meine
javanischen Begleiter den Gipfel schon verlassen hatten und am Gehänge
hinabeilten. Ich warf noch einen Blick hinab und rundum -- und folgte
ihnen. Doch war es mir unmöglich von diesem Berge (dem letzten, den ich
vor meiner Rückkehr nach Europa ersteigen sollte,) Abschied zu nehmen
und ihm das »Lebt wohl, ihr Berge!« -- zuzurufen, ohne den heimlichen,
aber innigen Wunsch zu empfinden: »~auf Wiedersehn~.«

Diese Hoffnung auf Wiedersehn tröstete mich auch, als ich, kaum erquickt
von der größeren Kühle dieser Region, wieder herab in das tiefere Land
stieg und dem heißen Batavia zueilte.

       *       *       *       *       *

Ich kann nicht unterlassen, der wohlwollenden Rücksicht hier zu
gedenken, welche die Regierung auf meine geschwächte Gesundheit nahm,
nicht nur, um mir den erbetenen Urlaub nach Europa zu bewilligen,
sondern auch um meine Abreise in ein kälteres Klima zu beschleunigen.
Besonders verpflichtet bin ich Sr. Excellenz dem Hrn. Generalgouverneur
J. J. ~Rochussen~, der mich sehr liebreich behandelte und mich beim
Abschied mit den herzlichsten Wünschen entließ.

Dennoch verzögerte sich meine Abreise bis gegen Ende August und dieser
fast zweimonatliche Aufenthalt in dem heißen Klima von Batavia wirkte
noch mehr erschlaffend auf meine geschwächte Gesundheit. -- Erst mit dem
Kriegsdampfer ~Etna~, den der erste Lieutenant ~Eschauzier~ commandirte,
war es mir vergönnt, nach Singapure zu gehn, von wo die mit der Landmail
aus Europa angekommenen Briefe abzuholen und andere dahin gerichteten zu
überbringen waren.[1]

Endlich, in dem Nachmittag des 27. August konnte ich Batavia verlassen
und begab mich an Bord des ~Etna~ in Begleitung meines Freundes und
Collegen _Dr._ ~Schwaner~, der erst vor Kurzem von seinen weiten Reisen
auf Borneo zurückgekehrt war und zur Ausarbeitung seiner Karten noch
einige Zeit auf Java zu bleiben gedachte.[2] -- Den folgenden Morgen
sollte das Dampfschiff die Rhede verlassen. Dieser Gedanke stärkte mich
verbunden mit der Einwirkung der kühlen Seeluft, die ich des Abends auf
dem Verdecke genoß und nun erst fing ich an, mich zu freuen, denn erst
nun konnte ich die Schwierigkeiten, die sich meiner Abreise
entgegengestellt hatten, für überwunden achten und die Hoffnung hegen,
dem Vaterlande ~sicher~ zuzueilen.

Wir verließen am 28. August 1848 früh die Rhede von Batavia. Die
Wasserfläche war todtstill, -- sie glich einem glänzenden Spiegel und
die Schiffe, die unbeweglich darauf lagen, glichen den Häusern einer
Stadt; auf dem einen Schiffe wurde gesungen, auf dem andern getrommelt
und gepfiffen, -- und auf noch andern ertönte, den Rhythmus der
täglichen Verrichtungen der Seeleute abmessend, die Schiffsglocke, deren
Klang weit über die glatte Fläche hinscholl. _Falco pondicerianus_
umkreiste die Masten noch eben so, wie vor 13 Jahren, als ich den Busen
voll geschwellter Erwartungen, erhoben durch unbegrenzte Hoffnung hier
ankam, -- die Physiognomie der Küste mit ihren weißen und rothen
Häusern, die durch das Grün hindurchschimmerten, war noch ganz
dieselbe, -- auch der Zuckerhut des Gunung-Panggerango blickte aus
blauer Ferne noch eben so, wie damals, über die untern dunstreichen
Luftschichten herab, -- die ganze Natur war die alte, unveränderlich
getreu in allen ihren Nüancen, -- -- nur ~ich~ war nicht mehr derselbe,
ich in meiner Denkweise, in meiner Empfänglichkeit für die Eindrücke der
Außenwelt war ein Andrer geworden und sah nun kalt, erregungslos und
gleichgültig auf dieselbe Welt herab, die mich vor 13 Jahren, als ihr
Antlitz für mich noch ein ganz fremdes war, so lebhaft erregte, so
unwiderstehlich anzog und zur Erforschung ihrer Eigenthümlichkeiten
entflammte.

Außer der Schwächung des Körpers durch die anhaltende Hitze und den
verlornen Reiz der Neuheit nach allmählig genauer gewordener
Bekanntschaft mit der tropischen Natur, ist es, glaube ich, vor Allem
der ~Mangel an Abwechselung~ in den Jahreszeiten und in den
Erscheinungen des Luftkreises, -- es ist die zwischen den Tropen
ununterbrochene Dauer des Sommers, es ist das ewige Grün, das den Geist
der Europäer auf Java zuletzt erschlafft und in Gleichgültigkeit gegen
die Schönheiten javanischer Natur versinken läßt. -- Man verlangt
endlich nach Veränderungen, von welcher Art auch, man hat Bedürfniß nach
etwas Neuem. Eben so sehnsüchtig, wie ich vor 13 Jahren nach dem üppigen
Grün der tropischen Wälder verlangte, so sehnte ich mich jetzt nach
einer kahlen Winterlandschaft, -- ich verlangte nach ~Eis~, nach
~Schnee~.

Unser Schiff setzte sich um 6-3/4 Uhr des Morgens in Bewegung, -- das
eiserne Dampfboot ~Onrust~[3] fuhr vor uns hin und die befreundete
Küste trat immer mehr zurück. -- Ich hatte gestern von meinen
Bekannten ziemlich gleichgültig Abschied genommen, -- jetzt erst, nun
ich unwiderruflich von ihnen getrennt war, nun ich mich mit jeder
Minute weiter von ihnen entfernte, bemächtigte sich meiner ein
Gefühl, das mich zu ihnen zurückzog, -- eine lebhaftere Theilnahme
erwachte, -- meine Gedanken kehrten zu ihnen zurück, zu den Bewohnern
dieses Landes, die mir durch einen vieljährigen Umgang lieb geworden
waren und ich bedauerte nun mit einem reuigen Gefühl, gestern in
meiner Gemüthserschlaffung, in dem Scheintode aller herzlichen
Gefühle, ihnen nicht wärmer die Hand gedrückt zu haben!

Den 28sten hatten wir bei stets heiterem Wetter eine stille,
kleinwellige See und wenig Wind. -- Außer den vielen kleinen Inseln der
Rhede von Batavia und denen, die von der Rhede an nach Norden zu
regellos zerstreut vorkommen, sahen wir die sogenannten
~Tausend-Inseln~, die zwei-, drei-, ja vierfach hinter einander
gruppirt, einen von Süd nach Nord ausgedehnten kleinen Archipel bilden,
an dessen Ostseite wir vorüberfuhren. Sie blieben also links liegen, die
nächsten etwa drei bis vier englische Meilen entfernt. (Ihre Lage: der
Lampongspitze gegenüber, doch dem Meridian von Batavia näher, als dem
von Bantam.) Der sogenannte »Süd- und Nordwächter« bezeichnen ihre
Grenzen der Längenausdehnung nach. Sie gleichen vollkommen den Inseln
der Rhede und allen übrigen, die wir in diesem Meere sahen, -- die
größten haben drei bis fünf englische Meilen, die kleinste eine
Viertelmeile im Durchmesser; sie sind ~flach~, mit Wald bedeckt. Jede
Insel ist nur ~ein~ Wald. -- ~Kein~ kahles Fleckchen. Die nähern lassen
zwischen ihrer grünen Waldung und dem glänzendblauen Meere noch einen
weißen Küstenstreifen erkennen.

Ihre Zahl ist etwa 40-45. Sie sind eine rechte _terra incognita_, noch
nicht aufgenommen, denn die Schiffe fahren in weiter Entfernung nur um
sie herum, weil die Untiefen, Klippen, -- Korallenbänke, womit die
Inseln untermeerisch verbunden sind, alle Annäherung verbieten. Nur
Räuberfahrzeuge besuchten sie früher. Sie liegen regellos zerstreut und
sind wahrscheinlich nur einzelne Punkte ~einer einzigen~ großen
Korallenbank, -- nämlich ~die~ Punkte derselben, die (einige Fuß) ~über~
den Meeresspiegel hervorragen. -- Ob die Korallen auf Tertiärschichten
ruhen? -- auf einer submarinen Erhebungslinie, die der Ostküste von
Sumatra (den Lampong's) parallel läuft?

Vom »Nordwächter,« der im Nachmittag des 28sten noch sichtbar war, sahen
wir keine Inseln mehr; wir durchschnitten nun vom 28sten Abends an die
Nacht durch, nord-nord-westwärts den langen Raum zwischen diesen
nördlichsten der Tausend-Inseln und der Insel Lucipara, die am südlichen
Eingang der Straße Bangka liegt; -- als der Abend fiel, wurden zwei
verschiedenfarbige Laternen an den Masten aufgehängt, die eine mit
rothem Glas und rothem Lichtschein hinten am Fockmaste und die andere
mit grünlich-gelbem Lichte vorn am großen Maste (das Zeichen der
Dampfschiffe bei Nacht).

Die Nacht war hell und windstill, -- die See kleinwellig.

Den 29sten des Morgens um 7-1/2 Uhr bei ganz heiterem Wetter kam uns die
Lucipara-Insel zu Gesicht und etwas später erschien als ein langer
dunkler Streifen auch die flache, niedrige Küste von Sumatra. Wir
dampften zwischen beiden hindurch. Lucipara, die rechts liegen blieb,
war eben so flach und waldig, wie die vorigen Inseln und hatte in ihrer
Mitte einen kleinen kegelförmigen Höcker. Ihr Durchmesser beträgt nach
den Seekarten 1-1/2--2 engl. Meilen. --

Schon um 7 Uhr fing das Wasser an sich immer grünlich-heller zu färben.
Um 8 Uhr waren wir noch 7 engl. Meilen von der Küste entfernt und
erblickten vorn, im Eingang der Straße Bangka, sieben (größere und
kleinere) Schiffe, die dem Meere ein recht belebtes Ansehen gaben. Als
wir uns der Richtung: West von Lucipara-Insel und Ost von
Lucipara-Spitze (Sumatra's) näherten, fingen wir an zu peilen und
unsern Cours Nord-West bei 4-1/2--5 Faden Wasser in Nord-Nord-West zu
verwandeln. Wir näherten uns also mehr der Küste von Sumatra, die
deutlicher wurde und sich als niedriges, flaches, sumpfiges Land
darstellte, mit Waldung bedeckt.

Wie eine Mauer stieg der Waldsaum dieser Küste von Sumatra empor und
erhob sich gewöhnlich in einer doppelten Terrasse, zweimal hinter
einander. 1º Man unterschied einen vordern niedrigen Waldstreifen, der
wahrscheinlich aus Rhizophoren bestand und sich wandartig aus dem Meere
erhob, -- 2º einen hintern höheren Wald, der eben so mauerartig und
scharf begrenzt war und der hier und da, wo der erstere fehlte, bis an's
Meer vorgerückt erschien und dann unmittelbar aus dem Wasser
aufstieg. -- In diesen Waldmassen bildeten die Bachmündungen schmale
Klüfte und erschienen wie schroff hindurchgehauene Straßen oder
scharfbegrenzte Kanäle. Ein röthlich-schmutziger Strand war vor diesem
Waldsaume kaum zu erkennen. -- Wir kamen mehren Schiffen nahe vorbei und
waren nur 2--3 engl. Meilen von der Küste Sumatra's entfernt.

Um 11 Uhr befanden wir uns der ersten vorspringenden Ecke Sumatra's
(_het eerste punt_ der holl. Seekarten) gegenüber, deren Waldung aus
mäßig hohen Bäumen zusammengesetzt war und mit einer scharfen Grenze wie
eine Mauer endete; -- wir konnten die weißlichen, schlanken und geraden
Stämme deutlich unterscheiden; -- der Strand machte sich durch eine
trübe schlammig-braune Färbung des Wassers kenntlich, die bis weit vom
Lande ab in die See hinaus reichte. Auch Bangka wurde in größerer
Ausdehnung sichtbar und stellte sich als ein flaches oder doch sehr
niedrig-hügeliges Land dar.

Von 1 Uhr an kam uns der höchste Berg Parmasan auf Bangka zu Gesicht und
bildete einen langgedehnten, convex-buckligen Wulst, der in der
Richtung von Süd-West nach Süd-Ost seine größte Längenerstreckung zu
haben schien. Weil sich sein Gehänge Absatzweise erhebt, so glaubt man,
daß er aus mehren, in der angegebenen Richtung hintereinander liegenden
Bergen bestehe, von denen der mittelste der höchste ist. Wir schätzten
diesen auf 2--2-1/2 tausend Fuß. -- Seitwärts, sowohl zur Linken als zur
Rechten, dieses Bergzuges war Alles, was wir sahen, nur niedriges Land,
das eine eben solche flache Waldküste bildete, wie das gegenüber
liegende Sumatra. Während der Himmel über der letzteren Insel, die, so
weit man hier sehen konnte, flach ist, heiter war, so lag über dem
gebirgigen Bangka eine düstere Wolkendecke ausgestreckt und die Berge
erschienen in einem dunkeln Blau, das Meerwasser war aber grünlich-hell
(s. Fig. 1, Gunung-Parmasan). -- Indem wir durch die Straße von Bangka
weiter dampften, die an ihrer schmalsten Stelle, gegenüber _het eerste
punt_ nur 5, übrigens aber 7--10 engl. Meilen breit ist, kamen uns
Erscheinungen entgegen, die schon Columbus als Beweise nahe liegender
großer Flußmündungen betrachtet hatte, nämlich eine Menge treibendes
Holz und Bambus; -- zugleich rückte uns mit dem gedrehten Winde, der nun
aus Norden blies, die schwarze Luft immer näher und bald fing ein
Gewitterregen an herabzuströmen, der mit starkem Nordwind bis 3 Uhr
anhielt.

Auf unserer Weiterfahrt durch die Straße blieb der Anblick der flachen
Küste von Sumatra und der ebenfalls flachen, nur hier und da mit
niedrigen Bergzügen oder Hügeln bedeckten Küste von Bangka bis gegen
Abend derselbe, und es fing schon an zu dämmern, als uns zuerst der Berg
Manumbing sichtbar wurde, an dessen Fuße Muntok, die Hauptstadt
Bangka's, liegt. -- Es war schon völlig Nacht, als wir uns der Küste
näherten, und es mußten drei Kanonenschüsse hintereinander gelöst
werden, um den Bewohnern Muntok's zum Signal zu dienen. Alsbald,
nachdem die Schüsse gefallen waren, wurden drei helle Lichter an der
Küste sichtbar, die unserm Schiffe die Richtung des zu befolgenden
Courses vorschrieben und die uns auch bald darauf auf der Rhede von
Muntok willkommen hießen, wo wir um 9 Uhr ankerten.

Als am 30. August auf eine helle Nacht, in welcher ein starker Landwind
geweht hatte, ein gleich heitrer Morgen folgte, lagen wir südwärts von
Muntok und erblickten den langen, waldigen Berg Manumbing nun in voller
Klarheit im Norden (s. Fig. 2). -- Dann dampften wir noch näher und
legten der Stadt gerade gegenüber in Süd-Süd-West an (s. Fig. 2). --
Außer dem Manumbing und den Vorbergen und Hügeln, die sich ihm auf
beiden Seiten anreihen und die in einer Linie von Nord-Ost nach Süd-West
zu liegen scheinen, ist alles Andere, was man von Bangka sieht,
niedriges Land; -- es ist aber keine Ebene, viel weniger eine
Alluvialfläche, sondern es erhebt sich in den mehrsten Gegenden schon
von der Küste an oder in geringer Entfernung von dieser und steigt
50--100 Fuß steil empor, um sich dann in kleine Platten auszubreiten.
Auf einer solchen Platte liegt die _Benteng_ (Schanze, s. Fig.
3), -- von welcher herab ein weißes Haus mit seinem rothen
Dache, -- wahrscheinlich die Commandantenwohnung -- weit in die Ferne
schimmert. -- Am Fuße dieses Festungsberges, zur Linken desselben, liegt
die Stadt, die dermaßen im Gebüsch von Fruchtbäumen verborgen ist, daß
man nur einige dem Strande näher liegende Häuser und Hütten derselben
gewahr wird; und auch diese sind noch mit Gebüsch umgeben und von
Kokospalmen überragt. Nur zwei größere (** auf Fig. 3) von ihnen sind
weiß mit rothen Dächern (wahrscheinlich Packhäuser), die übrigen sind
graue, oder schmutzig-bräunliche Bambushütten der Eingebornen, die
auf dem gelblich-falben Sande zerstreut stehen. Alles Andere ist
waldig-grün.

[Illustration: _¡Fig. 1.¡_

_¡Insel Bangka, Gunung Parmasan, W.S.W Seite (um 2 Uhr)¡_]

[Illustration: _¡Fig. 2.¡_

_¡Insel Bangka, Gunung Manumbing (S. Seite)¡_]

[Illustration: _¡Fig. 3.¡_

_¡Insel Bangka, Muntok¡_]

[Illustration: _¡Fig. 4.¡_

 _¡Berg auf der Insel Bintang (S. Seite)¡_]

[Illustration: _¡Fig. 5.¡_

_¡Berg auf der Insel Bintang (S.W. Seite)¡_]

[Illustration: _¡Fig. 6.¡_

_¡Goldberg auf der N. Küste Sumatras¡_]

Nur in manchen Gegenden, wie im Süden des Berges auf Fig. 2, ist dem
Hügellande ein flacher Strand von etwas größerer Breite vorgelagert;
dieser ist dann gewöhnlich mit Rhizophoren bedeckt, die sich
zungenförmig in's Meer hinausziehn und deren dunkele Stämme, da sie sich
grell auf dem weißlichen Sandboden abzeichnen, man schon aus großer
Weite in See unterscheiden kann.

Nachdem der Zweck unseres Anlegens auf Muntok erfüllt, nämlich die
Postpackete abgegeben und ein für Palembang bestimmter Offizier an's
Land gesetzt war, -- setzten wir um 8-1/2 Uhr die Cylinder unsrer
Dampfmaschine wieder in Bewegung, schifften um die scharfbegrenzte,
spitze Landecke herum, welche in West-Nord-West von Bangka in's Meer
ragt und fuhren dann nach Norden weiter. Wir kamen so nahe an der Küste
vorbei, daß wir Baumstämme, Felsen, Alles mit bloßen Augen deutlich
unterscheiden konnten. Es zieht sich von jener Spitze ein verflachter,
~weißlich~-falber Strand nach Norden und eine Menge rauher, wie
angefressener Klippen von ~schwärzlicher~ Farbe ragen, bald einzeln,
bald zu ganzen Kämmen, aus diesem Sande hervor, mit dessen Farbe sie
einen grellen Contrast bilden; sie vereinigen sich hier und da zu
kleinen Wänden und Felspartien und verschwinden dann unter dem Grün von
struppigen, nicht hohen Wäldern, die Alles, was vom Lande sichtbar ist,
bedecken und in denen man, an ihrem pyramidalen, tannenartigen Wuchse
viele Casuarinen (_Cas. equisetifolia L. = Tj[)e]mara laut_) bald
einzeln, bald zu ganzen Gruppen gewahr wird. -- Ähnliche schwarze
Klippen tauchen auch noch links aus dem Spiegel des Meeres auf.

Auch noch weiter nord- und nord-ost-wärts von Muntok behielt die Küste
von Bangka, so lange wir sie sehen konnten, diese Beschaffenheit und
ging einwärts in Landschaften über, die weder ebene Flächen, -- noch mit
eigentlichen Bergen besetzt waren, sondern die ein 30, 40--100 Fuß
hohes, verflachtes Hügelland von felsiger, wenig fruchtbarer Oberfläche
zu bilden schienen.

Von Sumatra war nichts zu sehen; der Manumbingberg, convex von Form wie
ein gekrümmter Katzenrücken, trat, je mehr wir nach Norden avancirten,
immer weiter unter den Horizont zurück -- und kaum war die letzte
Nordspitze Bangka's aus dem Gesicht verschwunden, als das anfangende
stärkere Schwanken unseres Schiffes uns verkündete, daß wir uns auf
freierem Meere, weiter von Landtheilen entfernt, befanden.

So heiter der Morgen gewesen war, so düster war die Wolkendecke, die den
ganzen Tag lang alles Blau des Himmels vor unsern Blicken verbarg und
die oft einen feinen Regen herabströmen ließ. Auch folgte eine eben so
trübe Nacht auf den trüben Tag, während wir unter stetem, sehr starkem
Schwanken des Schiffes unsern Cours nach Norden verfolgten. Das starke
Schwanken des Schiffes bei gleichzeitiger Windstille scheint sich aus
der Lage der See zu erklären, die wir durchschifften. Diese steht
nämlich nach Nord-West hin offen bis weit in die chinesische See hinein
und die Wogen aus dieser See, in der es vielleicht stürmte oder gestürmt
hatte, rollten, in Beziehung auf den Cours unseres Schiffes, in fast
querer Richtung zu uns heran.

Was die Form der höheren Berge auf Bangka betrifft, so würde man schon
aus dieser Form, auch ohne eine nähere Kunde vom geologischen Bau der
Insel zu besitzen, mit Wahrscheinlichkeit ableiten können, daß es weder
trachytische Berge, die sich fast immer kegelförmig vorthun, viel
weniger Vulkane sind, -- noch auch erhobene Theile einer sedimentären
Formation, weil die letztern sich immer als langgezogene Ränder
darstellen oder als Ketten, die auf der einen Seite breit sind, sanft
ansteigen und dann auf der andern Seite, vom höchsten Rande an,
plötzlich fallen. Die Berge Bangka's sind aber breite, stumpfe Wülste
und bestehen wahrscheinlich aus granitischen Gesteinen oder
Porphyrarten, während das tiefe Land zwischen ihnen von granitischen und
quarzigen Schuttmassen, Felsentrümmern (mit dem Zinnerz) erfüllt ist.

Wahrscheinlich hat Bangka seinen Zinnreichthum (im Diluvialboden, aus
dem das Erz ausgewaschen wird) mit dem nahen Biliton, so wie mit vielen
Gegenden der Halbinsel Malaka (den Staaten Kalantan, Pahang, Perak,
Salangore) und einigen östlichen Landschaften von Sumatra (Tana Hualu,
nord-westwärts von Bila, Asahan, vielleicht auch Delhi) gemein.


Literatur über Bangka:

     _J. ~Crawfurd~, History of the Indian Archipelago. Edinburg, 1820._

     _~Court~, Exposition of the relations of the British Gouvernment
     with the Sultan and State Palembang._

     _v. ~Siebold~, Voyage au Japon. t. 1, p. 17--60_ (mitgetheilter
     Berichte über Bangka und seine Zinnminen).

     _Dr._ ~Epp~, Schilderungen aus Ostindien's Archipel. Heidelberg,
     1841.

     _Dr. P. ~Bleeker~, Bijdragen tot de kennis von de statistiek der
     bevolking von Banka en Biliton. In Tijdschr. voor Nêêrl. Indië
     Jaarg. 1850. afl. 11. p. 348 etc._

     Verschiedene andere zerstreute Berichte über Bangka in derselben
     Zeitschrift (_voor Nêêrl. Indië_) Jahrgang _V_, 2, 392, -- _VI_, 2,
     49, -- _VIII_, 4, 125 (wo auch eine Karte der Insel mitgetheilt
     wird, welches die beste und ausführlichste der bis jetzt
     erschienenen ist), -- _IX_, 1, 117. -- Das ~Hauptwerk~ aber ist:

     _~Thomas Horsfield~, Verslag aangaande het eiland Banka. In
     Tijdschr. voor Nêêrl. Indië. Jaarg. 1850. p. 192 etc._ --
     (Übersetzt aus: _The Journal of the Indian Archipelago and Eastern
     Asia._ 1848.) -- Ein vortreffliches Werk, obgleich mehr in
     politischer und administrativer Beziehung, ist auch: _H. M.
     ~Lange~, Het eiland Banka en sijne aangelegenheden. d'
     Hertogenbosch_ 1850. Mit einer vom Verfasser zusammengestellten
     Karte der Insel, welche ~dieselbe~ ist, die bereits (wie so eben
     bemerkt) in der Zeitschr. für Niederländisch Indien. _VIII, afler._
     4 mitgetheilt wurde.

       *       *       *       *       *

Nach _Dr._ ~Bleeker~ betrug die Gesammtbevölkerung zufolge einer
Zählung, die gegen Ende von 1848 bewerkstelligt worden war, 41,246 Köpfe
über die ganze Ausdehnung (223 geogr. Quadratmeilen) von Bangka, oder
185 auf eine Quadratmeile, während diese Zahl auf Java 4000 auf einer
Quadratmeile beträgt.

Ein eben so trüber, regniger Himmel wie gestern begleitete den 31.
August unsre Fahrt auf der Ostseite der Insel Linga vorbei nach Bintang.
Wir sahen kein Land vor 8-1/2 Uhr, zu welcher Zeit uns zuerst die
kleinen Inseln zu Gesicht kamen, welche dem Südende der größern Insel
Bintang Rio vorgelagert sind. Die äußerste kleinere davon (Burean) und
dieser zur Linken eine noch kleinere sind bloße Bergscheitel, die aus
dem Meere auftauchen. Sie sind wie alle andern dieser Gruppe, mäßig
hoch, ohne eigentliche Kegel zu bilden. -- Indem wir unsern Cours nach
West zu Nord nahmen, nämlich zwischen der Insel Batang (deren Küste wir
nicht sehen konnten) und Bintang, der letztern viel näher, hindurch, so
blieben die bintang'schen Vorinseln uns zur Rechten liegen.

Der Hauptinsel näher kommend, fuhren wir nach 1 Uhr zwischen der Insel
Alligator und 5 kleinen Inselgipfeln hindurch, -- sahen uns bald darauf
fast auf allen Seiten, rundumher von convexen, flachhügligen Inseln
umgeben, die nur mit einer struppigen, häufig unterbrochenen Waldung
bedeckt waren und durch deren Pflanzendecke überall eine röthliche
Bodenart hindurchschimmerte, und warfen um 2 Uhr auf der Rhede von
Bintang Rio nämlich süd-westwärts vom Fort und süd- zu westwärts von dem
Berge von Bintang Anker. Dieser einzige hohe Berg der Insel blickte aus
Nord zu Ost über die Mitte der Insel Pulu Patingit (Marsinsel der
Seekarten) zu uns herüber, deren östlicher Strand mit den kahlen Hütten
eines Dorfes bedeckt war (s. Fig. 4.). --

Einige englische Meilen von uns in Nord-Ost, auf einem verflachten,
niedrigen Bergwulste lag das Fort von Rio, das wir an seinem
Flaggenstock und der weißen Farbe seiner Ringmauer erkannten.[4] Der
flache Berg, worauf es lag, war mehr bräunlich als grün und eben so kahl
wie dieser, kaum hier und da mit etwas struppiger Waldung bedeckt
erschienen auch die andern Theile der Insel Rio links und rechts vom
Fort, die sich als ein niedriges (nach Schätzung nur 2--300 Fuß hohes),
nicht flaches, sondern in weiten Abständen ~welliges~ (sanft erhobenes
und gesenktes) mageres Land darstellten. -- So weit man sehen konnte,
war die Insel aus solchen langhingezogenen, flach-convexen Landwülsten
zusammengesetzt, aus deren magerer Erddecke der nackte Grund an vielen
Orten röthlich, selbst bolusroth, hindurchschien, und wo man an der
Küste Waldung sah, war diese mit Casuarinen vermengt, struppig. Am
kahlsten, magersten sah die Patingit-Insel aus.

Wir dachten an die luxuriösen, feuchten, schattigen, kein Fleckchen
unbedeckt lassenden Waldungen Java's, -- an den ~vulkanischen~ Boden,
der diese trägt und glaubten schon hieraus, so wie aus der äußern
Landform von Bintang auf eine ganz andere geologische Zusammensetzung
dieser ~kahlen~ Inseln, wenigstens auf die Abwesenheit von Trachyt und
von Lava, also auf den Mangel an leicht verwitterndem, den Boden mit
Kali speisendem Feldspath schließen zu können. Auch auf Java in den
wenigen Gegenden, wo vulkanische Producte fehlen z. B. in manchen
Districten Sukapura's, herrscht eine ähnliche Baumleerheit des Bodens
und Alang-Gras vertritt die Stelle der Wälder.

Nachdem ein angekommenes Boot das Postpacket für Rio von uns in Empfang
genommen hatte, setzten wir um 2-1/2 Uhr unsere Reise nach West zu Nord
fort, ließen das Westende der Patingit-Insel zur Rechten liegen und
erblickten neue flache (oder nur niedrighüglige) Inselküsten, die uns
bald wieder auf ~allen~ Seiten umgaben. Manche waren so niedrig und
flach, daß sie kaum aus dem Wasser hervorragten, z. B. Pulu Sori,
Terkoli, -- sie waren wenig mehr als Sandbänke, auf deren ~weißlichem~
Grunde sich sparsames Gebüsch mit einzelnen Casuarinen erhob. Das linke
Ende der letztgenannten Insel lag uns um 3-1/4 Uhr gegenüber in Nord-Ost
und in derselben Richtung erschien im Hintergrunde der Bintang-Bai die
linke Ecke × des Gipfels vom gleichnamigen Berge (s. Fig. 5. -- × ist
der sogenannte kleine Bintang-Berg).

Der Waldreichthum der Küsten von Inseln, die wir nun sahen, nahm
allmählig zu, je weiter wir nach Nord-West steuerten. Wir befanden uns
um 4 Uhr dem Süd-Ostende von Loboan besar gegenüber, aus deren
Pflanzendecke zunächst über dem Meere hier und da auch noch ein rother
Boden hindurchschimmerte, -- und sahen ringsherum fast überall nur
Küsten mit ~hohem~ Wald.

Wir näherten uns nämlich dem Ausgange der Straße, welche von Süd nach
Nord zwischen der westlichen oder links liegenden Insel Batang und der
östlichen oder rechts liegenden Insel Bintang hindurch führt, und welche
kaum 3 geographische Minuten breit ist. Kleine Inseln liegen hier vor
den Küsten der größern und vor den kleinen liegen noch kleinere und alle
zusammen mit ihren schmalen, oft nur flußähnlichen, geschlängelten und
einander durchkreuzenden Durchgängen bilden ein so geheimnißvolles, kaum
zu entwirrendes Labyrinth von Kanälen zwischen düstern und einander so
sehr gleichenden, menschenleeren Waldküsten, daß die Eingebornen von
andern benachbarten Inseln selbst, wenn sie durch diese Straßen schiffen
oder rudern, Signale an den Ufern setzen oder an hohen Bäumen befestigen
müssen, um sich nicht zu verirren und eine Insel wieder zu erkennen!

So fuhren wir zwischen den Waldinseln auf stiller See wie zwischen den
beiderseitigen Ufern eines breiten Flusses dahin und kamen besonders der
Küste von Bintang (auf unsrer Ostseite) oft bis auf einen Gewehrschuß
nahe, so daß wir alle Bäume zählen konnten, die sich einwärts von dem
bräunlich-falben Strande erhoben. Casuarinen waren auch unter diesen
nicht selten.

Erst gegen halb sechs Uhr wurde die Straße breiter, die seitlichen
Küsten traten mehr und mehr zurück, und bald hatten wir in der
Abenddämmerung weiter nach West-Nord-West dampfend, den Genuß, die
Süd-Ostecke der malaischen Halbinsel als ein mäßig hohes Land vor uns
auftauchen zu sehen. Wir hatten also die südlichste Spitze des großen
asiatischen Continents vor uns und begrüßten den Anblick von Kap
Remunia.[5]

Es war ein schöner stiller Abend. Die See war so ruhig wie der Spiegel
eines Binnensees und die Luft war warm, doch eher angenehm als drückend.
Die Natur um uns her zwischen diesen Wäldern war friedlich; sie dämmerte
in ~menschenleerer~ Stille. Das Meer erweiterte sich allmählig wieder
und wir fuhren im Halblichte dahin, das die Sterne und die Mondessichel
aus dem klaren Azur des tropischen Himmels auf uns herabgossen und das
zwischen ~diesen~ Umgebungen doppelt zauberisch war.

Indem wir durch den narcotischen Reiz der Abendlandschaft
unwiderstehlich hingerissen nach den Sternen dort ~oben~ blickten und
unser Schiff Etna nach West-Nord-West zu immer weiter dampfte, -- da
erschienen auch eine Menge Sterne tief am Horizont, -- mehr und mehr
solcher leuchtender Punkte tauchten vor uns auf, -- bald bildeten sie
eine lange Reihe von Lichtern neben einander, -- dunkele Körper, wie der
Rumpf großer Schiffe zeichneten sich in Umriß von ihnen ab, -- die Scene
belebte sich, -- Menschenfleiß mit seinen Werken fing an die waldigen
und wässerigen Öden zu ersetzen -- und auf unserm Schiff erscholl das
Commando: -- «_halve kracht_,» -- «_stop_,» -- «_laat vallen het
anker!_» -- -- Es war 9 Uhr und wir hatten die Anker auf der Rhede vor
der Stadt Singapur geworfen, deren Lage in einem Halbmond entlang des
Strandes nur jene lange Reihe von Lichtern bezeichnete.

Wir waren am 1sten September schon früh munter an Bord und standen auf
dem Verdeck, um den Anbruch des Tages zu erwarten. Es war Neugierde,
endlich selbst einmal die berühmte Stadt zu sehen, die sich seit 1819 in
so kurzer Zeit zum Hauptstapelplatz des Handels zwischen Britisch Indien
und China erhoben hatte, welche uns so frühzeitig weckte.

Es dauerte nicht lange, -- die Schöpfung von Sir St. Raffles lag vor
uns in Nord-West, und die aufgehende Sonne warf ihre ersten Strahlen
auf das zierlich-schöne Bild der Stadt, die, in ihrer ganzen
halbmondförmigen Ausdehnung nach uns ihre Front zukehrte. Wir sahen
fast lauter zweistöckige Häuser, von denen einige weiß, andere
gelblich angestrichen waren; -- hübsche Wohngebäude mit Balconen oder
Estraden, die auf Säulen ruhn, -- kleine zierliche Paläste, -- zwei
Kirchen mit kleinen Thürmchen, -- Packhäuser mit Bogengängen
dichtgedrängt, -- reihten sich an einander und bildeten eine lang
hingedehnte Gruppe, die sich unmittelbar auf dem halbmondförmigen
Strande zu erheben schien. Dazwischen blickte einiges, doch sparsames
Grün von Frucht- und Zierbäumen hervor und sanft gerundete Hügel
erhoben sich im Hintergrunde, von denen viele ebenfalls mit Gebäuden
bedeckt waren; dazu gehört namentlich der nächste gerundete Hügel
nord-westwärts hinter der Stadt, die er beherrscht, -- _Government-hill_
genannt, weil er die Wohnung des Gouverneurs mit dem Telegraphen trägt.

Von den schattig-kühlen Fruchtbäumen java'scher Dörfer und den Tausenden
von Kokospalmen, deren Wipfel dort aus den Gewölben der Laubbäume
hervorragt, war Nichts zu sehen, die Pflanzennatur in und um Singapur
war kahler, baumleerer; aber eben darum hatte der Ort ein viel mehr
städtisches, europäisches Ansehen, als das fast überall in
Fruchtbaumwaldungen versteckte Batavia.

Bald kamen eine Menge Kähne (_tambangan's_) zu uns herangerudert und
umschwärmten unser Schiff mit wiederholten, laut ausgeschrienen
Anerbietungen, um die Passagiere und unsere Bagage an's Land zu bringen.
Einige wurden von Malaien gerudert, andere, die kein Steuer hatten, von
Chinesen und in diesen saß jederzeit nur ~ein~ Ruderer, -- die mehrsten
aber wurden von Kalinganesen und Bengalesen regiert und diese waren es
auch, die es an Zudringlichkeit allen Andern zuvorthaten. -- Sie kamen
an Bord, warfen, ohne viel zu fragen, Stücke Bagage, deren sie habhaft
werden konnten, in ihre Böte und waren dann, wenn sie glaubten, den
Passagier in ihrer Gewalt zu haben, unverschämt genug, einen Dollar
(spanische Matte) für die kurze Überfahrt zu fordern, die nur einige
Minuten dauert und nicht mehr als einen halben, höchstens einen Gulden
kostet.

An's Land gestiegen und auf der schmalen, etwa 10 Fuß über dem Meere
liegenden Küstenfläche angekommen, befindet man sich unmittelbar
gegenüber dem «_London Hôtel_,» das aus zwei hübschen Gebäuden
nebeneinander (zu zwei Vertiefungen) besteht und etwa 2--300 Fuß von der
Küste entfernt liegt. -- Da hier fast alle Reisende, die mit
Landmailschiffen ankommen, einzukehren pflegen, so ist es besonders
während der Zeit, zu welcher diese Schiffe auf der Rhede liegen, als
auch in der Zwischenzeit der Ankunft zweier einander ablösender,
correspondirender Schiffe, von Passagieren überfüllt. (Diese Bemerkung
gilt auch von allen andern Hotels zwischen hier und Alexandrien.) Das
Logis, worin begriffen ist ein Zimmer mit einem guten Bett und sehr
schlechter Bedienung, Kost an _table d'hôte_, nämlich Frühstück um 9,
_Tiffet_ um 12, _Diner_ um 4-1/2 Uhr, -- kostete hier täglich 3 Dollar.

Ich blieb acht Tage (vom 1sten bis mit 8ten September) zu Singapur,
nämlich in Erwartung des Dampfschiffes, das die Reise von China über
Singapur bis Ceylon zu vollbringen bestimmt war. Es war der _Landmail
Steamer Braganza_ und wurde täglich erwartet. -- Den 5ten kam ein
Dampfschiff der Landmail von Ceylon an und brachte auch die für
Niederländisch Indien bestimmten, etwa in ein Dutzend Kisten gepackten
Zeitungen und Briefe mit. Nachdem diese vom Etna in Empfang genommen
waren, fuhr dieser den 7ten Sept. des Morgens früh wieder ab, um nach
Batavia zurückzukehren und ich sagte den Offizieren (den Herren de Jong
und de Graaf) für die freundliche Bewirthung an Bord, ein dankbares
Lebewohl. -- Erst den 8ten Sept. Vormittags kam die Braganza von Kanton
an.

Wenn man als Fremder durch die Straßen von Singapur wandelt, so ist man
verwundert, fast keine andern Farben zu erblicken, als das bleiche
~Gelb~ der Häuser (die zweistöckig und meistens eng an einander gebaut
sind) und das ~Bolusroth~ der Straßen, deren Staub auch an den
gelblichen Wänden der Gebäude sichtbar wird. Nur hier und da wird das
Auge erquickt von dem Grün lebender Hecken von Schlingpflanzen, die oft
bis zur zweiten Etage der Häuser hinanreichen. -- Übrigens hat Alles ein
mehr europäisches, städtisches Ansehen, als in den Küstenplätzen von
Java.

Am rechten Ufer des schlammigen Flusses von Singapur (süd- und
süd-westwärts von der übrigen Stadt) liegen außer den Packhäusern und
den Bureaux der europäischen Kaufleute, hauptsächlich die eng
aneinandergedrängten Wohnungen der ~Chinesen~ (chinesischer _Kampong_),
die vielleicht den größten Theil der eigentlichen Stadt einnehmen, von
denen aber viele ein sehr verfallenes Ansehn haben.

Eines Besuches werth sind außerdem: der prächtig verzierte chinesische
Tempel, -- der Tempel der Hindu's und der _Government-hill_, von dessen
flachgerundetem Scheitel man eine belehrende und schöne Aussicht über
Rhede und Stadt und über die angrenzenden Gegenden des Innern der Insel
genießt. -- Von den Ruinen auf der Nord-Westseite dieses Berges, die
nach Crawfurd aus den Zeiten abstammen sollen, in welchen der König Sri
Iskander Shah (in der ersten Hälfte des 13ten Jahrhunderts[6]) über
Singapur regierte, sind wenig mehr als noch einige Terrassen und
Sandsteinblöcke zu sehen, ohne Inschriften und ohne Sculptur.

So weit man vom Scheitel des _Government-hill_ sehen kann, besteht das
Innere der Insel aus bald mehr gerundeten, bald flacher ausgebreiteten
1-1/2--3 Hundert Fuß hohen Hügeln, die sich einer an den andern reihen
und dadurch ein wellenförmiges, labyrinthisch-unebenes Ganzes bilden,
das einwärts, in größerer Entfernung von der Stadt auch waldiger wird,
auf dessen näher gelegenen Anhöhen aber man noch eine Menge kleiner, oft
zierlicher, europäischer Wohnungen, hier und da zerstreut, erblickt.
Diese nähern Theile der Insel sind ziemlich kahl, weder mit
Anpflanzungen, noch mit eigentlichen Wäldern bedeckt, sondern nur mit
Graswuchs und vereinzeltem Gebüsch bekleidet. Wie bekannt, wird auf
Singapur, so wie auf den benachbarten Inseln (Bintang, Rio u. a.)
besonders der ~Gambir~-strauch (_Nauclea Gambir_, _Unkara_ der Malaier)
cultivirt, wovon das mit dem _Siri_- (_Betel_-) Blatt gekaute, bittere
Gummiharz _Gambir_ kommt (in Europa mehr noch unter dem Namen _Terra
japonica_, _Catechu_ bekannt); aber auch von diesem Culturgewächs habe
ich in der Nähe der Stadt nichts gesehen.

Die Wege in und in der Nähe der Stadt sind gut und bestehen aus klein
geschlagenem, fein und festgestampftem Thoneisenstein, der
bräunlich-roth und gepulvert fast roth aussieht; das allgemein
gebräuchliche Transportmittel sind Palankin's, die auf vier Rädern
ruhn, von einem Pferd gezogen werden und einen Dollar täglich kosten.
Der stets bengalische Fuhrmann «_Zeis_» sitzt auf keinem Wolkenthrone,
wie Zeus, nicht einmal auf einem Bocke (denn einen solchen hat das
Fuhrwerk nicht) sondern läuft ~neben~ her und hört nicht, wenn ihm der
eingeschlossene Reisende zuruft, still zu halten. -- Er bringt seine
Pflegebefohlenen daher, _nolens volens_, ohne Anhalten an die einmal
angegebene ~letzte~ (endliche) Bestimmung der Fahrt. Diese ringsum
geschlossenen, viereckigen Kasten stehn weit hinter den eleganten, mit
ledernen Niederschlägen versehenen und von zwei Pferden gezogenen
Miethwagen Batavia's zurück, in denen man schneller und bequemer reist.

Von öffentlichen Vergnügungs- und Versammlungsorten Singapur's weiß ich
nichts zu sagen, ich glaube auch nicht, daß es deren giebt, oder man
müßte die Spielhäuser der Chinesen dahin rechnen, -- die Kegelbahn der
deutschen Kaufleute (deren Zahl hier 13 beträgt) -- und die
Regimentsmusik der Sipoy's, die sich jeden Freitag, des Abends von 5-1/2
bis 7-1/2 Uhr, auf dem offenen Platze zwischen dem Strande und dem
_London Hôtel_ hören läßt. Da sowohl der erste als der letzte Tag meines
Aufenthaltes auf Singapur ein Freitag war (der 1ste und 8te Sept.) so
hatte ich zweimal Gelegenheit diese Musik zu hören. -- Die Sipoy's mit
ihren schwarzbraunen Gesichtern, ihrer weißen Kleidung und rothen Kragen
kommen um die bestimmte Zeit, schaaren sich im Kreis und spielen von
einem deutschen Kapellmeister in Civilkleidung dirigirt, meistens alte
beliebte Stücke, Märsche, Symphonien, die sie gut ausführen, wenigstens
ungleich besser, als die Chöre java'scher Musikanten, denen man hier und
da auf Java das Spielen europäischer Instrumente gelehrt hat.

Dieses ist auf Singapur der Ort und die Zeit, wo die gebildete (schöne
und nichtschöne) Welt zusammenkommt, -- zu Fuß, zu Pferd oder in
Palankin's, deren Pferd dann, so lange die Musik dauert, ausgespannt
wird, -- wo Kaufleute und Freunde einander treffen, wo Bekanntschaften
mit Fremden angeknüpft und wo auch wohl noch zartere _Rendez-vous_
gehalten werden. Wenn nach Untergang der Sonne die Dunkelheit zu sehr
zugenommen hat (um die ~Noten~ sehn zu können) -- dann wird bei
Laternenlicht gespielt, und es ist ein eigenthümlich angenehmes
Schauspiel zu sehen, wie in der erfrischenden Abendkühle, bei
Sternenlicht oben, und Laternenschein unten, -- Menschen der
verschiedensten Art durch einander wimmeln, wie Privatpersonen, Beamte,
Offiziere, elegante Damen, Kaufmänner und Seeleute in buntem Gewühl den
engen Kreis der Musici umfluthen oder sich in Gruppen rund um den
schönen Inhalt (in seidnen Gewändern) mancher Palankin's schaaren -- und
wie um diese europäische elegante Welt weiter außen noch Hunderte von
Chinesen, Bengalesen, Arabern, Javanen und Malaien herumziehn, alle
vergnügt und still genießend, -- während die harmonischen Klänge der
Musik im weiten Concertsaale verhallen, den keine andren Wände als
Himmel und Meer verengen.

Den ~geologischen Bau~ der Insel habe ich nur in den Gegenden kennen
gelernt, welche dem Strande am nächsten liegen und welche ich bis zu 5
engl. Meilen Abstand von der Küste nach West- und Nord-West durchkreuzt
habe. In diesen flachhügligen Gegenden der Insel habe ich nur
sedimentäre, unter verschiedenen Winkeln, oft steil, einfallende
Schichten gefunden, nämlich von Mergeln, von Thon, von Sandsteinen und
auch von gröbern Conglomeraten. Vorherrschend ist hier ein fester,
meistens feiner, quarziger, weißer, zuweilen auch rother, nämlich durch
Eisenoxyd gefärbter und verkitteter ~Sandstein~, aus dem auch
hauptsächlich der _Government-hill_ hinter der Stadt besteht. Zwischen
solchen Schichten kommen häufig sehr mächtige Lagen von ~Thoneisenstein~
vor, der unter andern auf der Nordseite des genannten Berges in Tagebau
gebrochen und in Stückchen zerschlagen zur Belegung und Ausbesserung der
Wege benutzt wird. Nachdem er auf diesen Wegen allmählig fein gestampft
und gefahren ist, wird er zu einer ziemlich festen, harten Masse. -- Der
Boden in der kleinen Bucht, die sich südwärts vom genannten Berge in's
Land hineinzieht, und die zwischen sumpfigen Ufern der Fluß durchströmt,
ist Alluvialgrund. -- Nach Colebrooke sollen diese Schichten einer
~Secundär~formation angehören. Er theilt keine Versteinerungen daraus
mit. Ich habe zwar auch keine darin finden können, da aber die
sedimentären Bildungen, die ich auf Sumatra (in den Batta-Landen, also
ziemlich in derselben Breite mit Singapur) kenne, eben so wie die
kohlenhaltenden auf Borneo ~tertiäre~ sind und da die große neptunische
Formation auf Java, aus der ich viele ~Hunderte~ versteinerte Conchylien
und andere Thiere gesammelt habe,[7] ebenfalls eine ~tertiäre~ ist, so
habe ich Ursache zu vermuthen, daß auch die Gesteinschichten von
Singapur und dessen nachbarlichen Inseln keinem ältern, als dem
~Tertiär~gebirge angehören, zumal da sie in petrographischer Hinsicht
der java'schen Formation in manchen Gegenden vollkommen gleichen. -- Es
scheint, daß ältere als tertiäre Gebirgsformationen erst weiter in
Norden (in der malaischen Halbinsel und in Britisch Indien) vorkommen,
wo auch größere Massen von Granit- und Syenitgebirgen auftreten, welche
auf Java nur in vereinzelten und sehr beschränkten Punkten (der obersten
Spitze von Gängen) bis zur jetzigen Oberfläche des Landes gelangt sind.

Wer etwas mehr über Singapur zu wissen wünscht, der lese außer vielen
Aufsätzen verschiedener Art im _Singapore Chronicle_ und der _Hist. of
the Indian Archip._ von J. Crawfurd, dessen _Descr. and History of
Singapore_, in seinem _Journal of an Embassy to the Courts of Siam and
Cochinchina, 1828, Ch. XIV, p. 529 etc._ --, dann (über die
Naturbeschaffenheit überhaupt) _G. ~Finlayson~, Journal of the Mission
to Siam and Hué, London 1826, 8, p. 78 etc._ --, und (über die
geologische Beschaffenheit in's Besondre) _H. T. ~Colebrooke~, Notice
respecting the Rocks of the Island of Penang and Singapore_, in den
_Transact. of the Geol. Soc. Sec. Ser. 1822, 4. vol. I, p. 165
etc._ -- Auch kommen in den _Transact. of the Royal Asiatic Society_,
z. B. im Anhang zu _vol. I_, Nachrichten über das Klima vor. -- Ferner
_~Newbold~, Political and statistical account of the British settlements
in the straits of Malacca 1839_. -- Nach dem _Singapore Chronicle_
betrug die Population in 1841: 35,400 Seelen, wovon die Hälfte Chinesen
waren.

Nachdem ich meine Bagage schon am Morgen früh auf die Braganza befördert
hatte, begab ich mich am 9ten Sept. um die Mittagsstunde selbst an Bord
dieses Dampfers und verließ Singapur mit der Überzeugung, daß es sowohl
in Schönheit der Natur, als in Größe und Pracht der Menschenwerke eben
so weit hinter Batavia zurücksteht, als es von letztgenannter Stadt an
Regsamkeit menschlichen Verkehrs und Treibens übertroffen wird. Nur die
häufige Ankunft von Dampfschiffen, seitdem die Landpost besteht und die
Druckpresse mögen hiervon eine Ausnahme machen. Doch war der Eindruck,
den das freundliche Städtchen in mir hinterließ, ein recht
angenehmer, -- auch hatte ich von verschiedenen Kaufleuten, besonders
von Herrn ~Rautenberg~ daselbst, eine sehr hülfreiche, gefällige
Behandlung genossen und es war mit einem Gefühle aufrichtiger
Erkenntlichkeit, als ich meinen neuen Freunden Lebewohl! sagte.

An Bord des Schiffes bekümmerte sich um mich eben so wenig Jemand, als
dies in der Stadt Singapur ~oder~ im Hotel bei meiner Ankunft daselbst
der Fall gewesen war, -- keinem Menschen fiel es ein, nach meinem Paß
oder nach meinem Namen zu fragen, -- ~diese~ Waare galt hier
nicht, -- ein Jeder war ~scheinbar~ vollkommen frei; -- die Matrosen
packten meine Kisten auf, ohne erst zu fragen: von wem -- von wo -- oder
wohin? -- sie warfen dieselben ohne Weiteres in den Schiffsraum und erst
als das Schiff schon in Bewegung und auf der Abreise begriffen war,
wurden den Passagieren ihre Hütten (_Cabin's_[8]) angewiesen und ihnen
die Quittungen für die zu Singapur (im _Landmail-office_) bezahlten
Passagegelder abgefordert. Also -- Geld ~allein~ war hier ein gültiger
Paß. -- Ein andres Dampfschiff, dessen Verdeck vollgepfropft von
Menschen war, kam eben an, fast in demselben Augenblicke, als wir die
Rhede (es war um 2-1/4 Uhr) verließen. Die Kühle der See und der
Luftzug, dem wir durch das schnelle Dahingleiten unseres Kieles durch
die Wogen bloßgestellt waren, that uns wohl, denn die Sonne brannte warm
und es war heiteres Wetter, eben solches, als an allen vorigen Tagen
meines Aufenthaltes zu Singapur geherrscht hatte. Nur den 6ten Sept. von
4 Uhr des Morgens an hatte ein stürmischer West-Süd-Westwind geweht,
welcher Regengestöber vor sich hertrieb, sich aber schon um die
Mittagsstunde wieder legte.

Ich warf noch einen letzten Blick auf die freundliche Stadt, die
perspectivisch kleiner wurde, -- ich dachte an die Veränderungen in der
Schifffahrt seit der Zeit, als im Jahre 1160 unter Turi Buwana die Insel
Singapur zuerst bevölkert wurde, und -- ließ mich dahin führen durch
den, nur von unsern Schiffsrädern bewegten Spiegel der See, dessen weite
Flächen mit ihren Inseln für mich (und vielleicht auch noch für Andre)
eine _terra incognita_ waren.


Einschaltung.

Ehe ich weiter erzähle, will ich hier eine Übersicht der Passagekosten
für die Reise mit der englischen Landmail in 1848 folgen lassen, die
vielleicht manchem Leser erwünscht ist. -- Von Batavia bis Singapur kann
man nur gelegentlich mit einem Segelschiff gelangen oder durch
Begünstigung des Kommandanten der Indischen Seemacht mit einem
Kriegsdampfer der Kolonialen (_Nêêrlandsch-Indischen_) Marine, der
zwischen dem 26sten und 28sten eines jeden Monats zur Überbringung und
Abholung der Packete für die Landmail die Reise nach Singapur und zurück
macht. Natürlich wird auf Kriegsschiffen keine Passage bezahlt. Auch
kann man nur durch Begünstigung der Offiziere Platz nehmen an deren
Tafel, wofür der Begünstigte 5 Fl. per Tag in die Menagekasse einzahlt.
Die Reise nach Singapur dauert gewöhnlich 4 Tage.

Wenn man von Singapur direkt nach England (Southampton) Passage nimmt,
so werden 71 Pfund, nämlich die Hälfte der ganzen Fracht vorausbezahlt.
Will man sich nicht bis England verbinden, so ist der Frachtpreis höher
und kann nur bis Suez und von dort wieder bis Alexandrien bezahlt
werden. -- Nach dem Tarif sind 300 Pf. Bagage frei, von welcher kein
Stück schwerer als 80 Pf. sein darf, jede 100 Pf. mehr sollen mit 3 Pf.
St. bezahlt werden; ich habe jedoch nicht gesehen, daß Kisten der
Passagiere jemals gewogen wurden und ich hatte mehr als 500 Pf. bei mir,
ohne daß sich Jemand darum bekümmerte.

Was das coursive Geld betrifft, so waren damals auf Batavia silberne
Gulden nicht zu bekommen und die Recepisse waren außerhalb Java nicht
gewillt. Guineen (_Sovereing's_) waren auch nicht oder nur sehr wenige
zu haben. Deßhalb hatte ich zu Batavia Willem's d'or eingekauft, das
Stück für 12-1/2 Gulden Recepis und Dukaten, das Stück für 7 Guld.
Recepis. -- Dieses holländische Goldgeld (sonst auf der ganzen Reise für
den vollen europäischen Werth beliebt,) wurde aber am _Landmail-office_
zu Singapur nicht angenommen und mußte bei Chinesen umgewechselt werden,
der Dukaten für 2,25 und der Willem's d'or für 3,80 Dollar.

  =========================================================================
               ~Reise.~                   |     ~Passagekosten~
  (Unter Passage wird auch jederzeit      |   für Passagiere erster Klasse.
  die Beköstigung mit verstanden, sowohl  |--------------------------------
  an Bord der Seeschiffe als durch die    | _Pound_   |         | In holl.
  Wüste und an Bord der Flußdampfschiffe  |_Sterling._| Dollars.| silb. Fl.
  auf dem Nil.)                           |           |         | nach
                                          |           |         | europ.
                                          |           |         | Cours
  =========================================================================
  Von Singapur bis England (Southampton)  |           |         |
  die Reise durch Egypten                 |           |         |
  mitgerechnet                            |    142    |  681,60 |    1704
                                          |           |         |
  Von Singapur bis Suez                   |    105    |  506,00 |    1260
                                          |           |         |
  Von Suez bis Alexandrien. (Man          |_en 8 Sh._ |         |
  kann nach Belieben in Cairo bleiben     |           |         |
  und die Ankunft einer folgenden oder    |           |         |
  nachfolgenden Mail abwarten; das        |           |         |
  bezahlte Passagebillet bis Alexandrien  |           |         |
  bleibt so lange gültig.)                |     12    |   57,60 |     144
                                          |           |         |
  Von Alexandrien bis Triest (wo 1848     |           |         |
  keine Quarantaine gehalten wurde.       |           |         |
  Mit österreich. Lloyd'sdampfern)        |     18    |   86,40 |     216
                                          |           |         |
  Von Alexandrien bis Marseille (wo       |           |         |
  zehn Tage Quarantaine gehalten          |           |         |
  wurde) 580 Francs                       |     23    |  111,00 |     249
                                          |           |         |
  Von Alexandrien bis Southampton,        |_en 4 Sh._ |         |
  (wo keine Quarant. gehalten wurde)      |     40    |  192,00 |     480
                                          |           |         |
  Also von Singapur bis Triest            |           |         |    1620

Was den Aufenthalt in den Zwischenstationen betrifft, so bezahlt man in
den ersten Hotels für Logis und Kost per Tag zu

    ~Batavia~ 5 Gulden, -- für einen Miethwagen halbtäglich 3 Gulden.

    ~Singapur~ 3 Dollar, -- für einen Miethwagen täglich einen Dollar.
    Wenn man von Batavia kommt, so muß man wenigstens 3, oft 8 Tage auf
    das Dampfschiff aus China warten.

    ~Pulu Penang~, der Aufenthalt dauert selten länger als 12 Stunden.

    ~Point de Galle~, gewöhnlich nur 6--12 Stunden.

    ~Aden~, gewöhnlich nur 12 Stunden, wie auf den vorigen Stationen,
    nicht länger als nöthig ist, um Kohlen einzunehmen.

    ~Suez~, 4--12 Stunden.

    ~Cairo~, in Hotel d'Orient 10 Francs, ein Wagen für nur eine Fahrt
    15, ein Bad 3 Francs, ein gesattelter Esel einige Sous. Wenn man,
    ohne in Egypten zu bleiben, nach Alexandrien durchreisen will, so
    dauert der Aufenthalt 1--1-1/2 Tage.

    ~Alexandrien~, Aufenthalt 1/2--1 Tag.

    ~Malta~, 2 Tage.

    ~Gibraltar~, 3--4 Stunden. (Auf den Schiffen und in den Poststationen
    der Landmail ist unter Kost auch Wein und Bier begriffen, -- in
    den Hotels nicht.)

       *       *       *       *       *

Unser Cours ging von der Rhede von Singapur aus zuerst nach
Süd-Süd-West. -- Wir fuhren ganz nahe an den kleinen (und oft sehr
kleinen) Inseln vorbei, die in Süden von Singapur liegen und kamen ihnen
zuweilen so nahe, daß man sie mit einem Büchsenschuß hätte erreichen
können; sie alle hatten eine hüglige Beschaffenheit und waren mit vielen
Bergschlipfen an den steilen Ufergehängen und hier und da mit einem
hellern (gelblich-falben) sandigen Küstensaume versehen, auch waren
alle, wenn auch nur dürftig bewaldet. -- Die Stadt in Norden und die
Küste von Malaka hinter ihr (in Nord-Ost), trat immer weiter zurück und
verschwand vor unsern Augen hinter den vordern Inseln, sobald wir
west-süd-westlich steuerten; nun lagen auch links von uns ferne Ufer,
auf der rechten Seite aber traten in frappanter Nähe immer neue Inseln
zum Vorschein, die alle aus niedrigen Hügeln, kleinen Bergzügen oder aus
flach gewordenem Hügelland bestanden, während manche nur ~ein~ einziger
Hügel waren.

Die kahlen Erdschlipfe an den steilern Ufergehängen zogen meine
Aufmerksamkeit auf sich, sie schimmerten bräunlich hell durch die
dürftige Vegetation, durch die Sträucher und struppigen Bäume, die auf
dem Grasgrunde zerstreut standen und erinnerten mich an die helle Farbe
der Gesteine unsrer java'schen Tertiärformation.

Abends dampften wir west-nord-westwärts und näherten uns immer mehr der
Insel Kerman, die links vor uns lag und die viel gebirgig-höher, als
andere, war, die wir seit unsrer Abreise von Java gesehen hatten; zur
Rechten zog sich eine niedrige, flache Waldküste in unabsehbarer Länge
hin, es war der Küstensaum der malai'schen Halbinsel, die unserm in die
Ferne schweifenden Auge hier nur ~ein~, zwar langgezogenes, aber doch
isolirtes Gebirge vorzuzeigen hatte.

Also -- ~unaufhörlich~ waren uns seit unsrer Abreise von Batavia
~Inseln~ erschienen, größere, kleinere und kleinste, -- alle waren nur
~ein~ Wald, unbewohnt und ihrer Natur nach unbekannt; -- doch sind alle
nur ein kleiner Theil des Indischen Archipels, und der Indische Archipel
selbst ist nur ein kleiner Theil der Erde; -- wie groß ist nicht auf
derselben das Feld der Entdeckungen! -- wie viel Jahrtausende werden
wohl vergehen, bis diese den Forschungen der Naturkundigen und
Geographen ~nichts~ Unbekanntes mehr zu bieten hat?

Wir befanden uns am 10ten Sept. des Morgens früh der Küste von Malaka
gegenüber, welcher auch wieder eine Menge kleiner und kleinste Inseln
vorlagen, von denen keine flach, sondern die meisten mäßig hoch und
einige selbst sehr hoch und steil waren, -- auf dem Festlande selbst
erschienen zwei, zwar isolirte, aber nicht kegelförmige Gebirge, von
denen das eine südliche um 6-1/2 Uhr nord-nord-ostwärts, nämlich zur
Rechten vor uns lag, während wir west-nord-westwärts dampften, -- das
andere, weiter vorn gelegene aber in Nord-West. -- Ich schätzte ihre
Höhe auf 6000 Fuß. -- Sie schienen durch ein flaches niedriges Land von
einander getrennt zu sein, dem kleine isolirte Hügel sowohl als ganze
Hügelzüge ein unebenes, gebirgig-höckeriges Vorkommen gaben, nicht
unähnlich vielen Maulwurfshügeln, die man auf einer niedrigen Fläche
umher zerstreut. -- Links, auf der Seite von Sumatra war kein Land
sichtbar.

Um 7-1/2 Uhr, (unser Cours war Nord-West zu West) befanden wir uns
gerade gegenüber jener Weltberühmten Stadt, die in 1511 der
portugiesische Seeheld ~Albuquerque~ eroberte, die 1-1/2 Jahrhunderte
später (in 1660) den siegreichen holländischen Waffen anheimfiel und die
in 1825 von den Niederländern an die Briten abgetreten wurde,[9] ich
meine die einst prächtige, üppige, große, nun aber Glanzverblichene und
halbverlassene ~Malaka~,[10] die uns freilich unsichtbar war, die aber
in der Richtung zwischen den genannten zwei Gebirgen und dem südlichen
viel näher nord-ost- zu nordwärts von uns, an der flachen Küste liegen
mußte; -- später wurden zwischen 8 und 10 Uhr, mehre eigentliche
Berg~ketten~ tief im Innern des Landes in wegschmelzender Bläue
sichtbar. Um 9 Uhr kamen wir bei einer Landecke vorbei, die aus einem
mäßig hohen Gebirgsrücken gebildet, weit zu uns in's Meer
hinausragte, -- und dann, während wir immer weiter nach Nord-West
dampften, wurde die Küste, die stets mit Waldung bedeckt blieb, wieder
niedrig und flach.

Um 3 Uhr Nachmittags war uns diese Waldküste ganz nahe und deutlich
sichtbar, sie zeigte nur ~einen~ isolirten, kegelförmigen Hügel, dem wir
um 4 Uhr (mit nord-west- zu westlichem Cours) quer gegenüber lagen,
links und rechts aber von diesem Hügel war Alles flach. -- Gegen Abend
waren wir einem vorspringenden Theile von ganz flachem niedrigem Lande
nahe gekommen, das von Zwischenräumen und eindringenden Meeresarmen
durchbrochen war und das wir deßhalb zunächst aus ~Inseln~
zusammengesetzt wähnten, welche der eben so flachen Küste der
malai'schen Halbinsel hier vorgelagert waren.

Am 11ten Sept. des Morgens früh erblickten wir links vor uns eine kleine
Hochinsel mit steilen Ufern, rechts mehre hohe Inseln und vorn nach der
rechten Hand noch mehre Gebirge und Gebirgszüge der Halbinsel selbst,
die sich in duftiger Bläue verloren.

Seit unsrer Abreise aus dem Freihafen von _Rafflesia_ (ich meine die
Stadt, gegründet vom Entdecker jener Riesenblüthe, welche der Botaniker
~Robert Brown~ ihm zu Ehren _Rafflesia_ nannte,) war keine Stunde
vergangen, in welcher wir nicht wenigstens ~ein~ Schiff gesehen hätten,
ja Einmal waren uns ein halbes Dutzend davon zugleich erschienen, alle
mit schwellenden Segeln, die durch die Straße von Malaka fuhren, »durch
diesen uralten Durchgang maritimer Civilisation«.[11] Ich glaube, daß
verhältnißmäßig manche Landstraßen in Europa weniger belebt sind von
Fuhrwerken, als dieses häufig besuchte Fahrwasser von Britisch Indien
nach China von Schiffen.

So begegneten wir um 10 Uhr wieder einer Fregatte, die in gerade
entgegengesetzter, in Beziehung auf uns querer Richtung steuerte, die
nämlich nach West zu Süd segelte, während wir nach Nord zu West
dampften; sie kreuzte also unsere Fahrt und brachte uns die große
Geschwindigkeit, womit ein Dampfschiff sich bewegt, recht handgreiflich
vor die Augen, so daß wir das Schiff nach einer Viertelstunde eben so
weit fast noch auf demselben Flecke hinter uns sahen, als wir es zuerst
vor uns erblickt hatten.

Auf der malai'schen Halbinsel nahmen wir rechts und vorn in blauer Ferne
abgebrochene Gebirgsketten wahr, die einen ungleichen, gezackten Saum
hatten und zwischen ihnen sahen wir Räume, in denen keine Berge lagen.

Wir hatten den ganzen heutigen Tag mehr oder weniger einen nördlichen
Cours beigehalten und erblickten um 3 Uhr, vor uns in Norden, den
ungleichen, mit Wolken bedeckten Saum einer hochgebirgigen Insel, die
unsere Schiffsleute als Insel (Pulu) Penang begrüßten und zu deren Seite
sich auch die (ebenfalls gebirgige) Küste der malai'schen Halbinsel
darstellte.

Wir rückten weiter nach Norden vor, die Inseln schwammen uns näher und
näher, sie wurden deutlicher und tauchten immer höher aus dem Meere
auf, -- wir zweifelten aber ihren Hafen heute noch zu erreichen; denn
wir befanden uns erst einer süd-westlichen Vorinsel von Pulu Penang
gegenüber, als schon die Sonne gesunken war und der volle Mond nun an
ihrer Statt den stillen Spiegel des Meeres beleuchtete, dessen Farbe
schon seit 5 Uhr immer grünlicher, heller geworden war. Wir fuhren in
der Richtung nach Norden so nahe an den Inseln, die zur Linken liegen
blieben, vorbei, daß man ihre felsig-steil aus dem Ocean emporstrebenden
Ufer mit einem Steinwurfe hätte erreichen können. -- Unser Blick haftete
auf diesen sonderbar gestalteten Land- und Bergkörpern, die zwischen dem
hellern Hintergrunde des Himmels und dem spiegelnden Vordergrunde des
Meeres, wie düstre Gespenster dalagen. Obgleich der Mond sein
Zauberlicht in wunderbarer Klarheit auf sie herabgoß, so konnten wir
doch nicht viel mehr, als die schroffen Umrisse dieser Inseln erkennen,
über deren wandartigen Felsgestaden, die etwas heller vom Mond
beleuchtet waren, sich oben die ganz schwarze Kappe düstrer Waldungen
hinzog.

So dampften wir langsam dahin, -- wir fuhren einem weiten Zwischenraume
zwischen zwei Inseln und darauf einem langhingezogenen Gebirgslande, die
beide zur Linken liegen blieben, vorbei, ließen aber, weil unsere
Offiziere die natürlichen Signale der Ufer nicht mehr zu erkennen
vermochten, um 7 Uhr die Anker fallen. -- Ein Paar Kanonenschüsse, die
wir thaten, verhallten unbeantwortet auf der Wasserfläche.

Da lagen wir nun einsam, ohne die geringste Bewegung, in einer,
wenigstens uns Passagieren unbekannten Bucht des Oceans. -- Der
Mondschein war so hell wie der Tag, -- die See war spiegelglatt, -- und
eben so wenig, wie sich ein Lüftchen regte in der Atmosphäre, eben so
wenig rührte sich ein Wassertropfen in dem wie erstarrten Meere. Wir
glaubten ringsum oder doch auf mehren Seiten von Bergesufern umgeben zu
sein; wir setzten daher eine Schaluppe aus, die in weiten Kreislinien
um das Schiff herumfuhr, um die Tiefe zu sondiren, und das sanfte
Dahingleiten dieser Schaluppe war die einzige Bewegung, -- die einzige
Spur von Leben, die weit umher im Wasser- und Luftraume zu entdecken
war.

Obgleich das Meer wegen seiner geringern Tiefe an sich selbst schon
grünlich und hell gefärbt war und außerdem noch der hellste Mondschein
von seinem Spiegel zurückgestrahlt wurde, so leuchtete das Wasser doch
bei jedem Ruderschlage und verbreitete ein höchst eigenthümliches,
grünliches Licht. -- Aber Alles war todtstill um uns her, -- wie
ausgestorben, und wir hätten glauben können, uns auf einem unbewohnten,
fernen Planeten zu befinden; -- weder an nahen, noch an fernen Küsten
war ein Lichtchen sichtbar, -- kein Vogel schrie, -- kein Laut eines
andern Thieres war vernehmbar; -- dort vor uns lag das dunkle starre
Land: ein lang hingezogener Rücken, -- hier der Silberspiegel des
Meeres, und oben stand der goldne Mond am tiefen, schweigsamen Himmel.

Die ganze Natur schlief und war bedeckt mit einem Schleier von so
friedsamer, so schöner und so erhabner Ruhe, -- daß ich mit Worten eben
so wenig im Stande bin, den Zauber, den sie athmete, auszudrücken, als
Einer, welcher der Noten unkundig ist, den harmonischen Klang einer
schönen Musik zu beschreiben vermag.

Nach einigen Stunden angestellter Untersuchungen war es dem Führer
unsres Schiffes gelungen, sich zu orientiren; -- wir lagen noch 12 oder
13 englische Meilen südwärts von dem Orte unserer nächsten Bestimmung
entfernt, setzten uns zwischen 9 und 10 Uhr wieder in Bewegung und
warfen noch vor Mitternacht unsre Anker auf der Rhede der Hauptstadt von
Pulu Penang.

Weil die Matrosen gleich vom Augenblick unsrer Ankunft an auf der Rhede
beschäftigt waren, einen neuen Vorrath von Steinkohlen einzunehmen, die
in schon bereit liegenden Prauen von Penang angebracht wurden, so war
das Schiff die ganze Nacht hindurch so voll Lärm und voll Thätigkeit,
daß die Erscheinung jenes einschläfernden Magnetiseurs, der kein
Geräusch liebt, bis spät in den Morgen von unserm Lager abgehalten
wurde.

Die Sonne war daher schon längst aufgegangen, als ich am 12ten Sept.
erwachte und -- neugierig auf das Verdeck eilte. Aber die Überraschung
war desto größer.

Da lachte mir unerwartet der allerfreundlichste Anblick eines schönen
Städtchens entgegen, das westwärts vom Schiff in frappanter Nähe vor mir
lag. Buschiges Grün um- und überschattete seine Gebäude und der bunte
Farbenschmelz der Häuser, hellerleuchtet von der Sonne, malte sich in
schroffem Contraste ab auf dem dunklen Hintergrunde des Waldgebirges,
das zu einer imposanten Höhe emporstieg. -- Es war seit meiner Abreise
von Java das Erstemal wieder, daß ich eine gebirgig-großartige und
zugleich schöne Natur in der Nähe erblickte.

Der unterste Streifen des Landes war ein kahler Sandstrand von heller,
bräunlich-grauer Farbe, -- dieser erhob sich zu einer etwa 10 Fuß hohen
Fläche, auf welcher man rechts das Fort und links die hellfarbigen
Gebäude der Stadt erblickte, die sich ungleich bebuschter, grüner, von
viel zahlreichern Fruchtbäumen und Gruppen von Kokospalmen beschattet,
als die von Singapur, darthaten.

Und jenseits der Stadt sah man gegen das steile Gehänge der Gebirgskette
an, die Penang von Süd nach Nord durchzieht und die fast den ganzen
Körper der Insel bildet. Da wir die schmale Zwischenfläche nicht sehen
konnten, so schien es, als erhöbe sie sich unmittelbar hinter der Stadt.
Ihre waldig-düstre Front stellte sich den Blicken in ihrer ganzen
Ausdehnung dar und man konnte deutlich die Schlangenlinien von zwei
Wegen unterscheiden, die an ihr hinanführten. Der nördlicher liegende
dieser Wege endete etwa in der halben Höhe der Wand an einem kleinen
Gebäude, das den Gipfel eines Vorberges oder einer vorspringenden Rippe
bedeckte, und das, an seiner weißen Farbe auf dem dunklen Waldesteppich
deutlich erkennbar, wie ein kleines Schloß von seiner Höh'
herabschaute; -- der zweite Weg schlängelte sich in der Richtung hinter
der Stadt hinan und konnte mit den Augen verfolgt werden bis dicht unter
den höchsten Saum des Gebirges, wo man auf einem Vorsprunge ein Häuschen
erblickte. Über diesem Häuschen sah man auf dem höchsten Saume (der
Firste der Kette) selbst zwischen noch mehren Gebäuden den Telegraph und
die Stange mit der britischen Flagge, welche hier 2000 Fuß hoch, und
weit hinaus in's Meer nach Ost und West sichtbar, in den Lüften
flatterte.

Von dieser Höhe herab, die von allen Seiten frei und nirgends von einer
andern dominirt ist, muß die Aussicht über das Gebirge, die Stadt und
die ganze Insel hinweg, bis weit in die malai'sche Halbinsel hinein,
oder in die Malakastraße hinaus, großartig sein.

Aber auch von unten erblickt, mit Augen, die hinauf sehen, gewähren
diese luftig-hohen Menschensitze einen romantischen, schönen
Anblick. -- Wenn ich die Physiognomie eines Flachlandes oder niedrigen
Hügellandes mit: -- »unbefriedigend, endlos, nirgends fesselnd,
wegschmelzend, -- Gemüthabstumpfend«, -- bezeichnen möchte, so sind
dagegen: -- »erhaben, anziehend, aufmunternd, Hoffnungerweckend und doch
auch wieder Sehnsuchtstillend, beruhigend, -- heimisch« -- die Worte,
die einigermaßen den Eindruck schildern, den jede große Gebirgsnatur
(wenigstens in mir) hervorruft. Dies war auch hier der Fall, mein Auge
wandte sich ungern vom Panorama ab und ich fühlte gewissermaßen: »nur im
Hochgebirge kann ich glücklich sein.«

Obgleich ich den obersten Kamm der Bergkette von Pulu Penang, die nur
einfach ist,[12] mehrmals mit Wolken umhüllt sah, so konnte ich seine
Höhe doch nicht für mehr als 2000 par. Fuß halten, weil auf dem höchsten
Punkte neben den Gebäuden noch Kokospalmen wuchsen, die man von der
Rhede aus eben so deutlich zu erkennen vermochte, wie die einzelnen
Wölbungen der Waldbäume auf der Firste überhaupt, -- und weil es bekannt
ist, daß sich rund um die Gipfel von Bergen, welche isolirt im Meere
liegen und mit Waldung bedeckt sind, schon in geringerer Höhe
Niederschläge bilden und Wolken bilden. Die große Steilheit des Gehänges
aber, bei großer Schmalheit der Küstenfläche, (der bedeutende
Gesichtswinkel, unter dem sich der Kamm des Gebirges darstellt,) ist
Ursache, daß man den Bergsaum für höher und entfernter hält.

Außer einigen hellgrünen, wahrscheinlich bebauten Flecken, durch die der
bräunliche Boden hindurchschimmerte, nämlich da, wo die Waldung gefällt
war, -- außer noch einigen andern, bräunlich-hellen Streifen, die man in
den Klüften, Bachrinnen, besonders des nördlichen Theils der Kette
bemerkte, und die wahrscheinlich von stattgehabten Bergschlipfen
verursacht waren, -- und außer dem langen, schmalen Strahle eines
Wasserfalles (Gießbaches) in derselben Gegend, war das dunkle Waldgrün
der Hauptkette nirgends unterbrochen.

So war die Aussicht, die sich uns von unserm Schiffe aus auf der
~West~seite darbot. Wir lagen der Insel am nächsten und zählten noch 20
größere und etwa eben so viel kleinere Schiffe, die weiter ostwärts auf
der Rhede zerstreut lagen.

Auf dieser ~Ost~seite erblickten wir die niedrige, flache Küste der
malai'schen Halbinsel, nämlich des Staates Queda, dessen König einen
kleinen, etwa 12 Stunden langen und ein Paar Stunden breiten Saum der
Küstenfläche, nämlich den Theil derselben, welcher der Insel Penang
gerade gegenüber liegt, an die Briten abgetreten hat. -- Obgleich viel
weiter von uns entfernt als Penang, lag diese Küste doch nahe genug, um
auf dem hellgefärbten, wahrscheinlich sandigen Strande die Casuarinen
deutlich von andern Bäumen unterscheiden zu können, namentlich von den
Kokospalmen, welche wie in regelmäßigen Reihen gepflanzt erschienen und,
ganze Wälder bildend, sich unabsehbar lang am Strande hinzogen.

So weit unser Blick der Küste entlang reichte, war das Land flach und
niedrig, wahrscheinlich alluvial, und erst in einer Entfernung von der
Küste, die wir auf 10--20 englische Meilen schätzten, waren Hügelzüge
sichtbar, hinter denen sich, noch weiter im Innern, etwa 20--30 engl.
Meilen entfernt, größere Bergketten erhoben. Auch einige hohe,
~isolirte~ Berge, die übrigens nicht kegelförmig und also wahrscheinlich
auch keine Vulkane waren, stellten sich unsern Blicken dar, ein näherer
in Osten und ein fernerer mehr nordwärts, die bis in die Wolken
reichten.

Nach eingezogenen Berichten soll dieser, den Briten unterworfene
Küstenstrich, der Penang zunächst gegenüberliegt, (und der auch wohl
~Wellesleyland~ genannt wird,) besonders gut bebaut und fruchtbar sein
und außer Kokospalmen und andern Fruchtbäumen, besonders viel ~Pfeffer~
produciren; wir konnten jedoch der Entfernung wegen keine bewohnten
Plätze, keine Hütten an seinem Gestade erkennen.

Die zutrauliche Nähe der Stadt von Pulu Penang aber, die auf unsrer
Westseite lag, munterte uns zu einem Besuche auf.

Ich setzte mich in einen der kleinen Kähne, deren Führer (theils
Chinesen, theils Bengalesen) sich anboten, die Passagiere für einen
halben Gulden an's nahe Land zu bringen.

Als ich in meinem Kahne dahin glitt, fing -- lauter ~Kanonendonner~ an,
meine Ankunft zu begrüßen.

Von ~zwölf Salutschüssen~ erbebte die Luft, während ich mich dem
Hafenkopfe näherte.

(Ich befürchte, daß mich einige Leser hier verdacht halten werden, meine
Reiseerzählung mit figurativem Kanonendonner ausgeschmückt zu
haben, -- ich kann aber in ~Ernst~ versichern, daß mir meine Ohren von
den Schüssen dröhnten; denn die sechs Kanonen, womit geschossen wurde,
standen ganz dicht am Strande, unter der Mauer der Festung, in deren
Nähe ich landen mußte. -- -- Um aber allen möglichen Zweifeln und
ungläubigem Kopfschütteln vorzubeugen, will ich lieber folgende
Erklärung ablegen. Ich bin nämlich der Meinung, daß auf der Rhede und in
der Stadt Pulu Penang Niemand war, der jene Ehrenschüsse auf ~mich~
bezogen hätte, -- am allerwenigsten war ~ich~ einer von denen, die das
thaten, ich vermuthete vielmehr, daß die 12 Pfund Pulver zu Ehren des
Gouverneurs von Singapur verschossen worden sind, welcher sich (in einer
etwas bessern Schaluppe, wie ich) gerade zu der Zeit an Bord eines
kleinen Dampfers begab, der bald darauf _via_ Singapur, die Rhede von
Penang verließ.)

Ich ~kam doch aber unter Kanonendonner an~, -- stieg die steinernen
Treppen des Hafenkopfes hinauf und zögerte nicht, mir so schnell wie
möglich einen Palankin[13] zu miethen, um in der kurzen Zeit, die mir
bis zur festgesetzten Abreise unseres Dampfers um 10 Uhr übrig blieb,
noch so viel wie möglich von der Stadt und ihren Umgebungen zu sehen.
(Denn, Leser! glaube mir, ich war weit entfernt, zu befürchten, daß man
bei meiner Rückkehr an Bord Salutschüsse für mich thun würde, -- ich war
sogar nahe daran zu vermuthen, daß das Schiff sich die Freiheit nehmen
würde, um 10 Uhr 0 Minuten ~ohne mich~ abzureisen, wenn ich mich um 9
Uhr 59 Minuten noch nicht an Bord befände.) Ich lebte hier sehr frei,
also auch sehr glücklich, denn Niemanden fiel es ein, mich zu belästigen
und Notiz von mir zu nehmen, außer dem Chines vom Kahne und dem Zeis vom
Palankin, die bezahlt sein wollten.

So viel ich von Penang gesehen oder durch Andre vernommen habe, ist die
Fläche, deren östliches (an die See grenzendes) Ende Stadt und Fort
trägt, die einzige Ebene auf der ganzen Insel. Sie besitzt von der Stadt
an nach Westen bis zum Fuße der Berge ihre größte Breite von etwa zwei
englischen Meilen, nimmt aber in Norden und in Süden der Stadt sehr
schnell an Breite ab. Sie hat nämlich fast die Form einer halben
Scheibe, deren größte Rundung nach Osten in's Meer vorspringt, deren
Basis aber dem Fuße der Bergkette angeheftet ist, so daß sich dieser Fuß
in den übrigen Gegenden der Insel (nordwärts und südwärts von dieser
vorgelagerten Fläche) ~unmittelbar~ und ohne Küstensaum aus dem Meere
erhebt. Wie der Kamm der Kette, so streckt auch der Fuß (die Küste der
Insel) im Allgemeinen von Süd nach Nord. -- Die Fläche scheint
vorzüglich aus einem hellen, bräunlich-grauen Sandgrunde zu bestehen und
erhebt sich von der Stadt an (wo ihre Höhe 10 Fuß betragen mag,) sehr
allmählig und unmerklich nach dem Fuße der Berge.

Die Stadt ist bedeutend kleiner als Singapur, hat aber viel Ähnlichkeit
mit dieser. In dem größten Theile derselben, besonders in dem, in
welchem die Inländer (Nichteuropäer) wohnen, sind die Häuser eben so eng
an einander gebaut, reihenförmig und bilden eben solche gerade Straßen,
die sich kreuzen, wie in Singapur.

Viele von den Häusern, und diese scheinen die ältern, zuerst erbauten zu
sein, in denen jetzt die ärmern Menschen wohnen, haben eine offene
Vorhalle zwischen viereckigen Säulen von Stein, welche den vordern
(vorspringenden) Theil des obern Stockes tragen. Auf den Säulen ruhen
nämlich quere Balken und auf diesen Balken ruht das Mauerwerk des obern
Stockes, gerade so wie es in einem großen Theile vom chinesischen
Kampong in Singapur der Fall ist. Und eben so wie dort, sind auch hier
zu Penang viele von diesen Querbalken in der Mitte schon gesenkt,
concav, den Einsturz drohend, ja man sieht, eben so wie in Singapur,
ganze Straßen, welche diese _facies hippocratica_ haben und doch noch
bewohnt sind.

Die Wege in und in den Umgebungen der Stadt sind gut, hart und eben,
nämlich mit Meeressand (Korallensand) belegt, der eine bräunlich-hellgraue
Farbe hat.

Der schönste Theil der Stadt aber ist der, welcher von der Küste am
weitesten absteht und die Wohnungen der (wohlhabendern) Europäer
enthält. Diese Wohnungen nämlich liegen mehr vereinzelt und zwischen
Gebüsch zerstreut und viele davon sind eine Zierde der kleinen,
umgrünten Plätze, in deren Mitte sie sich erheben. Auch einige kleine
Kirchen zeichnen sich auf solchen Plätzen aus. Die Zahl der Fruchtbäume,
die sich zwischen diesen Wohnungen oder Villen emporwölben, ist viel
größer, -- das Ganze ist viel belaubter, schattiger als zu Singapur und
das schöne Grün der Bäume, das mit dem hellen Sandboden lebhaft
absticht, giebt den Häuschen oder kleinen Palästen, die darin zerstreut
liegen, ein viel wohnlicheres, lieblicheres, einladenderes Ansehn, wie
dort. Auch bemerkt man, besonders an Wegen und Plätzen viele Casuarinen
unter den Bäumen.

Die kleinen Tempel der Chinesen, Bengalesen und andern Indischen
Nationen, nebst den M[)e]sigit's (Moskee'n) der Malaien und Araber, in
denen Mahomed für den ~einzig~ wahren Propheten gilt, -- sieht man hier
in nachbarlicher Eintracht zusammenstehn mit den Kirchen des Kreuzes. --

Nachdem ich die Stadt genugsam durchkreuzt und im, beiläufig gesagt,
sehr kleinen, kneipenartigen Hotel eine Tasse schlechten Kaffee
getrunken hatte, der aber, weil es am Lande war, mir und andern besser
schmeckte, als der gute Kaffee bei uns an Bord, warf ich mich wieder in
die Arme des Zeis vom Palankin, der mich zum Hafenkopfe, und des Kee's
(Chinesen) vom Kahne, der mich an Bord brachte, wo ich eben noch zur
rechten Zeit ankam, um die Spazierfahrt nach Europa mitzumachen.

Wir verließen die Rhede präcis um 10 Uhr (den 12ten September) des
Vormittags, gerade in dem Augenblicke, als ein Regenschauer vor der
Bergkette von Penang vorbeizog, während ringsum der heiterste
Sonnenschein glänzte, und fuhren nord- zu west-wärts zwischen Pulu
Penang und der Küste von Queda, natürlich der erstern viel näher, dahin.
Eine Viertelstunde später veränderten wir unsern Cours nach
Nord-Nord-West und erblickten nun von der Nordseite her den ~flachen~
Theil der Insel, den wir nun seiner Breite nach sahen und der sich von
hier aus nur wie ~ein~ einziger Wald von Kokospalmen darthat, von der
Küste an reichend bis dicht an den Fuß des Gebirges.

Als wir in dem grünlichen, untiefen Wasser der Malakastraße noch weiter
nach Norden gekommen waren, sahen wir die von vielen Kokospalmen
beschatteten Hütten eines Dorfes auf dem Strande stehn, welcher sich
schnell und steil zum Gebirge erhob. Die Wälder, welche dieses bedecken,
waren über dem Dorfe beträchtliche Strecken weit gelichtet und mit
Bäumen (vielleicht Muskatbäumen oder Pfefferstauden) in regelmäßigen
Reihen bepflanzt und in diesen gelichteten Gegenden des Gebirges war es,
wo wir eine Menge von Felsblöcken zu erkennen vermochten, die, von zum
Theil kolossaler Größe, am Gehänge herum zerstreut lagen und die in
einer weißlichen oder hellgrauen Farbe schimmerten. -- Auf der
malai'schen Halbinsel sahen wir ferne Gebirgsketten, die bis in die
Wolken reichten; ja diese Ketten, die später scheinbar zu isolirten
Bergen wurden, (weil die wenigen hohen Theile derselben, je weiter wir
uns von ihnen entfernten, immer weiter unter dem Meere verschwanden,)
waren, wenn auch nur schwach und tief im Horizonte, auch des Abends um 6
Uhr noch sichtbar, als wir uns schon in der Entfernung von beinahe einem
Längegrade von der Mitte von Penang und gewiß von 1-3/4 Graden von den
Bergen der Halbinsel selbst befanden. Ihre Höhe muß hiernach sehr
bedeutend sein und ~wenigstens~ 9000 Fuß betragen. Das vor ihnen
liegende Küstenland Queda's aber schien eine Breite von 30--40 engl.
Meilen zu haben und flach oder doch nur niedrig zu sein.

Es war zwischen 12 und 1 Uhr, als wir um das Nordende von Penang
herumbogen und nun mit ~west~lichem Cours in das immer dunkler werdende
Meer hineindampften. In demselben Maße, in welchem wir uns von ihr
entfernten, tauchte die Betelnußinsel[14] tiefer unter den
Horizont, -- ihr Ufersaum war schon um 1-1/2 Uhr nicht mehr
sichtbar, -- ihre Bergkette wurde niedriger, konnte aber deßhalb, in
ihrer Gesammtausdehnung, desto deutlicher übersehen werden.

Diese westliche (oceanische, pelagische) Seite von Pulu Penang, die der
Stadt mit ihrem Hafen entgegengesetzt ist, stellt sich schon den bloßen
Augen weit steiler als die östliche oder Landseite dar, sie steigt fast
ohne Strand unmittelbar aus dem Meere und ist, nach eingezogenen
Berichten, vom Meere aus unzugänglich, ohne Ankerplatz und fast ganz
unbewohnt. (In Vergleich mit dem niedrig-hügligen Singapur ist Penang in
der That hochgebirgig zu nennen.)

Sie wurde immer blässer und blässer, sank immer tiefer unter den
Horizont, -- und um 6 Uhr des Abends, als die Mondesscheibe schon 20°
hoch am östlichen Himmel stand, war sie nur noch mit guten Augen an dem
Saume des Meeres wie ein schwaches Wölkchen zu erkennen.

Wir fuhren die ganze Nacht bei hellem Mondschein nach West zu Nord durch
eine ~spiegelglatte~ See, in welcher unser Schiff wohl eine engl. Meile
weit, eine schnurgerade Fahrt zurückließ, wie eine Straße oder
Eisenbahn, die perspectivisch kleiner wurde. In der Mitte war die Bahn
concav, aber glatt -- zu beiden Seiten der Mitte war ein convexer, von
den großen Wellen der Räder gehobener und bewegter Rand; -- dann kam an
der äußern Seite dieser Wellenlinien ein breiterer, von ganz kleinen,
spitzen und dicht an einander gedrängten Wellen bewegter Streifen -- und
endlich zu den Seiten dieses letzterern lag die todtstille, wie polirte
Oberfläche des Meeres.

Als uns nun wieder der Ocean umfluthete und auf allen Seiten nur noch
eine einförmige Wasserfläche lag, auf deren Spiegel das Auge vergebens
nach einiger Abwechselung suchte, -- da erwachte das freundliche und
doch so großartige Bild von Pulu-Penang, so wie wir es von der Rhede aus
gesehen hatten, mit erneuerter Lebendigkeit in unsrer Phantasie. Der
langhingezogene Gebirgsrücken, der sich steil erhebt und dessen
ungleichhoher Saum bis in die Wolken reicht, -- die hellfarbigen,
(meistens weiß übertünchten) Gebäude der Stadt, hinter denen das waldige
Berggehänge, wie ein dunkelgrüner Teppich ausgespannt ist, -- die Wege,
die in Zickzacklinien an der steilen Böschung hinanführen, die weißen
Gemäuer, welche vom Gipfel eines Vorgebirges, wie ein altes Schloß
herabschauen, -- die Signal- und Flaggenstange nebst den Gebäuden,
welche aus der düstren Waldung des ~hochobersten~ Rückens jäh auf die
Rhede herabblicken und auf die Schiffe, die so nahe an ihrem Fuße
ankern, -- -- dies voral waren die Hauptzüge, welche unsrer Erinnerung
noch lange eingedrückt blieben.

Weitere Nachrichten über Pulu-Penang findet man in den oben bei Singapur
angeführten Werken von _~Crawfurd~_, (_Journal_), _~Finlayson~_
(_Journal, p. 23 etc._), _~Colebrooke~_ (_Notice_), _~Newbold~_
(_Account_) und _T. ~Ward~_, _short sketch of the geology of Pulo Penang
etc._ -- in _Asiat. Research. Calcutta, 1833. vol. XVIII, p. 149 etc._

Aus diesen Werken entlehne ich die folgenden allgemeinen Notizen.

In 1783 kam die Insel zuerst in Privatbesitz des Capitains bei der
britischen Marine, ~Ligt~, der sie vom König von Queda als Brautschatz
einer Prinzessin erhielt, welche er heirathete; in 1786 wurde die Insel
Eigenthum der englischen Krone. -- Sie ist 16 engl. Meilen lang und etwa
halb so breit. Die Bergkette, die mit ihren Abhängen und Vorgebirgen den
größten Theil der Insel ausmacht, besteht aus ~Granit~, der oft in
Syenit übergeht, und erhebt sich in ihren höchsten Punkten zu einer
(bloß geschätzten[15]) Höhe von 23--2500 engl. Fuß. -- Der Boden ist im
Allgemeinen dürr, felsig, und weder zum Anlegen von Sawah's, noch zum
Anpflanzen von Zuckerrohr, sehr gut, aber zur Kultur des Muskatnußbaumes
und noch mehr des ~Pfeffers~ geeignet, der zweimal jährlich reiche Ernte
giebt, die von Chinesen besorgt wird. Reis wird aus Bengalen und aus dem
gegenüberliegenden Queda eingeführt. Die Hochwaldung, welche die Berge
bedeckt und von vielen Affen bevölkert ist, zeichnet sich durch
säulenförmige Stämme aus. Die Einwohner sind Malaien, Buginesen,
Batta's, Chinesen, Siamesen, Bengalesen, Malabarer, Coromandelesen,
Araber, Perser, Europäer; ihre Zahl belief sich, den der Insel Penang
gegenüberliegenden Küstenstrich mitgerechnet, im J. 1844 zufolge dem
_Singapore Chronicle_ auf 91,700 Seelen, wovon die größte Zahl Malaien
waren. Werth der Ausfuhr (nach Crawfurd) betrug in 1825: 5-1/2 Million
Dollar; die Einnahmen waren 200,000 und die Ausgaben fast doppelt so
viel. In 1836 betrugen diese Größen nach Newbold in Siccaropoijen[16]:
6,578,013 (Ausfuhr), -- 190,859 (Einnahme), -- und 54,740 (Ausgaben).

Den 13ten Sept. war unser Cours bei heitrem Wetter und spiegelglatter
See erst West zu Nord und später West-Nord-West. -- Wir fuhren also in
der Richtung nach der Nord-West-Spitze von Sumatra und erblickten zuerst
gegen Abend zu unsrer Linken, nämlich in Süden, eine Bergkette auf der
Insel Sumatra, und zwar diejenige, worin der sogenannte
~Elephantenberg~ liegt, die aber so blaß waren, daß man sie kaum zu
erkennen vermochte.

Wir hatten uns bis dahin auf unsrer Fahrt durch die Straße von Malaka
des heitersten Wetters erfreut, nur am 10ten war es trübe gewesen und
öfters feiner Regen gefallen, doch war es windstill geblieben, -- am
Abend des heutigen Tages (den 13ten Sept.) aber trat ein stürmischer
West-Süd-West-Wind mit Regen ein, der die ganze Nacht anhielt und unsrer
Fahrt also fast gerade entgegengesetzt war. Das Wetter änderte sich also
zur Zeit, als wir der Insel Sumatra näher kamen.

Erst am Morgen des 14ten Sept. (unser Cours war West, gegen den Wind)
konnten wir zu unsrer Linken die Bergketten auf Sumatra deutlich sehen,
obgleich sie sich nur in blasser Ferne darstellten und der Küstensaum
unter dem Horizonte blieb. Besonders ein Berg, den wir des Morgens um
6-1/2 Uhr in Süden sahen (s. Fig. 6), zeichnete sich durch seine
Kegelform aus; es war der sogenannte ~Goldberg~, der zwischen Pedir und
Atjin liegt. Weiter westwärts von diesem erschien noch ein andrer, hoher
Berg, der drei, halb in den Wolken verborgene Gipfel hatte und mit dem
vorigen durch ein mäßig hohes Zwischenland verbunden war, -- und noch
weiter nach Westen zu erhob sich eine lange, aber sehr ungleich hohe
Kette, die viel näher als jene beiden Berge lag, also auch deutlicher,
dunkler war, und deren höhere Punkte ebenfalls in die Wolken reichten.

Dies war Alles, was uns von Sumatra (Atjin) sichtbar wurde, und es war
zugleich das ~letzte~ Land des Indischen Archipels, in dem ich nun 12
Jahre lang gelebt und gereist hatte, das wir erblickten. -- Wie die
Berge mehr und mehr dahin schwanden in blasse Ferne, erwachte lebhaft in
mir die Erinnerung an die Batta-Länder, die dort hinter jenen Bergen
liegen und in denen ich zwei der kräftigsten von jenen 12 Jahren meines
Lebens zugebracht hatte, unter Menschen, die zwar in gewissen Fällen
nach ihrem Gesetz Cannibalen, aber sonst gut und treu sind. Ich dachte
an die schönen, romantischen Thäler und Berge von Angkola, -- an das
Plateau von Tobah, auf dem man, mitten unter dem Äquator in einer Luft,
so kühl, wie in Europa lebt, -- an die Fichtenwälder von Tobah und
Hurung, durch die der Wind dort säuselt, -- ich dachte an den Hochgenuß
einer ~freien~ Existenz in schöner, erhabener, reicher Natur, -- ich
dachte an die Abentheuer und wechselnden Schicksale, die ich dort, unter
dem guten Volke, erlebt hatte, -- und die Berge verschwanden, für mich
vielleicht für immer, -- sie tauchten unter in's Meer, und das Schiff
fuhr dahin, -- um mich in andre Länder und unter andre Völker zu
bringen, bei denen man wenigstens (wenn man seine Abgaben richtig
bezahlt,) der Gefahr ~aufgegessen~ zu werden, nicht ausgesetzt sein
wird.

       *       *       *       *       *

~Den 21sten Sept. Abends.~ -- Wir haben nun vom 14ten Sept. an bis jetzt
acht Tage zugebracht mit dem Durchschiffen der indischen See, südwärts
vom Golf von Bengalen, um den Raum zwischen Sumatra und Ceylon
zurückzulegen. Unser Cours war fast fortwährend rein westlich und der
Wind blies anhaltend aus West-Süd-West; er war ~gewöhnlich~ nur
mäßig-heftig, -- verstärkte sich aber ~sehr oft~ auf eine stürmische Art
und war dann jederzeit von Regenschauern begleitet, die von vorn und
links schief über das Verdeck hinwegstrichen, aber wie der stürmische
Wind selbst, nur von ~kurzer~ Dauer waren; -- der Himmel war meistens
trübe, gleichmäßig bewölkt und nur selten von einem blauen Fenster
unterbrochen. Die See ging hohl, das Schiff schwankte stark und alle
Luken auf der Windseite mußten geschlossen werden, weil häufige Seen
(Wellenspitzen) hinter dem Räderkasten herauf auf das Verdeck schlugen
und bis zum Steuerruder spritzten.

Nur an drei von diesen acht Tagen (den 16ten, 20sten und 21sten) hatten
wir ziemlich gutes, heitres Wetter gehabt, ohne Regenschauer. Den 20sten
um 10 Uhr wurde unser westlicher Cours verändert in einen
west-süd-westlichen und der Rauch unsers Dampfers, der bis jetzt schief
nach hinten und rechts geflogen war, strich nun als langer schwarzer
Streif gerade nach hinten. Auf dem einförmigen Meere, wo andere
Gegenstände der Beobachtung fehlen, achtet man gern auf solche
Besonderheiten, wie gewöhnlich und häufig sie auch sind. -- Den 21sten
von 12 Uhr an begannen wir mit west-nord-westlichem Cours zu fahren;
auch der Wind war seit dem vorigen (20sten) Abend von 8 Uhr an weniger
beständig und blies erst aus West, dann aus West zu Süd, West-Süd-West
und zuletzt selbst aus Süd-West. -- Wir glaubten am 21sten Abends uns
nahe bei Ceylon zu befinden, blickten oft nach West und Nord-West,
konnten aber noch kein Land sehen, was uns nicht wenig besorgt machte.
Das Dampfschiff nämlich, das die Passagiere von Ceylon bis Suez bringen
muß, darf seiner Instruction zu Folge nicht länger zu Point de Galle
warten, als bis zum 22sten Abends 6 Uhr und ~muß~ dann abreisen, auch
wenn das Schiff von China und Singapur noch nicht angekommen ist. -- Wir
hatten aber die ganze Zeit über seit dem 13ten Abends Wind,
Wellenschlag, Strömung -- Alles gegen uns und waren nur langsam vorwärts
gekommen.

Wir waren während dieser Zeit zwei Schiffen begegnet, dem einen am 19ten
des Morgens früh, dem zweiten am 20sten um 2 Uhr; dieses letztere
kreuzte mit vollen Segeln unsere Fahrt und ging wahrscheinlich von
Calcutta nach dem Kap der guten Hoffnung. Außerdem hatten wir in unserm
Gesichts- und Wirkungskreise nichts Fremdartiges erlebt, keine
Veränderung war vorgefallen.[17] -- Nur am 14ten Vormittags, als wir uns
noch gegenüber der Nordspitze von Sumatra befanden, hatten wir den
ängstlichen Anblick, ein Geschöpf, das nicht zu einem Wasserbewohner
geschaffen war, eine Zeit lang mit den Wellen ringen zu sehen, wir
glaubten in Todesfurcht. Ein chinesischer Matros nämlich war über Bord
gefallen, der Korkring wurde ihm nachgeworfen, den er auch schwimmend
erreichte und faßte, -- und in aller Eile wurde die hintere Schaluppe
herabgelassen; aber obgleich die Maschine augenblicklich gestoppt wurde,
so war das Schiff in seiner schnellen Fahrt doch schon so weit
vorausgegangen, daß wir den Schwimmenden nicht mehr sehen konnten, der
gewiß 3/4 englische Meile von uns entfernt war, als ihn die Schaluppe
fand und aus dem ziemlich bewegten Meere auffischte. -- Als nach einem
halbstündigen Aufenthalte der Mann wieder an Bord gebracht wurde, ging
er ganz gleichgültig an seine Arbeit und Niemand bekümmerte sich um ihn.

Endlich! -- den 22sten Sept., des Morgens früh, erblickten wir das Land
des Zimmtes, der Elephanten, Perlen und Edelgesteine, -- nämlich das
seit zwei Tagen schon von uns ersehnte Taprobane der Alten,[18] die
~Insel Ceylon~ der Neueren, die sich in blasser Ferne vor uns zur
Rechten als ein mäßig hohes Land hinzog, das einen fast ebnen, nur wenig
gekerbten Saum hatte. -- Unser Cours war West und der Wind wie an den
vorigen Tagen West-Süd-West, von 8 Uhr an aber West.

Die Küste schien sich von Nord-Ost nach Süd-West hinzuziehn, denn wir
rückten, westwärts steuernd, dem Lande allmählig näher und sahen erst an
einigen Stellen und bald überall den weißen Saum der Brandung. Um 7-1/2
Uhr segelten wir einer vorspringenden Ecke vorbei und konnten nun erst
das Land deutlich unterscheiden, das sehr niedrig war und aus
ausgebreiteten (verflachten) Hügelzügen zu bestehen schien, auf deren
Saume man den Umriß der einzelnen Bäume wohl zu unterscheiden vermochte.
Wir waren etwa drei englische Meilen von der Küste entfernt und
bewunderten vor Allem die ausgedehnten Wälder der Kokospalme, die das
Gestade bedeckten.

[Illustration: Fischerboot]

Wir fuhren um 8 Uhr zwischen einer Menge von kleinen Fischerböten
hindurch, die von sehr eigenthümlicher Bauart, nämlich sehr schmal,
dabei aber sehr hoch (der innere Raum sehr tief) waren, so daß die drei
Mann, die sich in einem jeden befanden, mehr als zur Hälfte darin
verborgen blieben, sich aber kaum umdrehen konnten, ohngefähr so, als
wenn sie in einer Straßenrinne (schmalen Wasserleitung) gestanden
hätten. -- So waren alle Kähne der Singalesen gebaut, die wir auf der
Südküste von Ceylon sahen und sie waren nur auf einer Seite mit einem
balancirenden Bambusrohr versehen. -- Um diese Zeit (8 Uhr) befanden wir
uns einem hohen Vorsprunge gegenüber, welcher eine weite Bucht, deren
Ostecke wir um 7-1/2 Uhr gesehen hatten, in Westen begränzte, -- der
oben mit kurzer Waldung bedeckt, plattenartig ausgebreitet war und sich
dann als ein steiles, mauerähnliches Felsgehänge in's Meer herabsenkte.
Die Farbe der Felsen war ein helles, gelbliches Braunroth; sie bestanden
vielleicht aus Sandstein.

Ferner kamen wir auf der Weiterfahrt nach Westen, während uns immer
mehre von den so eben beschriebenen Kähnen begegneten, noch einer Menge
solcher Buchten und vorspringenden Ecken vorbei und befanden uns
demzufolge bald in einer Entfernung von drei, bald von sechs engl.
Meilen von der Küste, die wir, weil der Himmel bewölkt und der Horizont
dunstig war, im Hintergrunde der Buchten nur undeutlich zu unterscheiden
vermochten. -- Von 9-1/2 Uhr an war der nächste sichtbare Theil des
Landes ein niedriger, flacher Küstensaum, der sich einwärts zu
ausgebreiteten Hügeln erhob, ~ein mehr verflachtes, als wellenförmiges
Hügelland~ bildend, das hier und da, wo der Küstensaum fehlte, auch bis
zum Meere selbst vorgeschoben war. Dieses flache Gestade nebst den
Gehängen des angränzenden Hügellandes sahen wir (wie überhaupt schon
seit 7-1/2 Uhr alle andern Theile der Küste) mit ungemein ausgedehnten
Kokoswäldern bedeckt, die ununterbrochen bis Point de Galle gleichsam
nur einen einzigen Palmenwald bildeten, der ganzen Küste entlang, so
weit man sehen konnte.

Wir veränderten unsern Cours um 10-1/2 Uhr, parallel mit der Richtung
der Küste, nach West-Nord-West, bekamen aber erst um 12 Uhr vorn zu
unsrer Rechten die Stadt Point de Galle zu Gesicht, von deren Gebäuden
wir nur einen säulenförmigen Leuchtthurm und die Giebel der Häuser
sahen, so weit sie aus grünem Gebüsch und aus einer Ringmauer, welche
die Stadt umgiebt, emporragten, oder so weit die dunstvollen untern
Schichten der Atmosphäre in zweifelhaftem Schimmerlicht sie zu erkennen
erlaubten. Die Bucht diesseits der Stadt, in welche wir einlaufen
mußten, ist von zwei vorspringenden Felsenecken begränzt, die einander
von West-Nord-West nach Ost-Süd-Ost gegenüber liegen. Auf der
west-nord-westlichen Felsecke steht die Stadt, -- die ost-süd-östliche
Felsecke ist das Ende eines langen, ausgebreiteten Hügelrückens, der
1--200 Fuß hoch sein mag und sich an manchen Stellen, 20--30 Fuß hohe
Wände bildend, felsig-steil in's Meer herabsenkt, in den übrigen
Gegenden aber durch einen hellgelblichen Sandstrand vom Meere getrennt
ist. Nordwärts geht diese ost-süd-östliche Hügelecke in ein ganz
niedriges, flaches Küstenland über, das nicht nur die Bai auf den
übrigen Seiten, sondern auch die Stadt auf der innern Seite umgiebt, so
daß der erhabne Grund, worauf diese liegt, dadurch von allen andern
Hügeln abgeschnitten und in eine isolirte Felsinsel verwandelt wird, die
auf drei Seiten vom Meere und auf der vierten von flachem Alluvialboden
begränzt ist.

Wir wendeten um 12-3/4 Uhr unser Schiff direct nach Norden und fuhren
durch den engen Eingang zwischen zwei Schwimmern, die das von Klippen
freie, schmale Fahrwasser anzeigten, hindurch in die stille, tiefe Bucht
hinein; zur Rechten blieb jenes Felskap, -- zur Linken der Fels mit dem
Leuchtthurm und die Stadt Point de Galle (oder _Punto Galle_), die nun
in voller Klarheit, nahe vor uns lag. Schwärzliche Felsen, vom weißen
Schaume der Brandung bespritzt, starren jäh und rauh aus dem Meere empor
und tragen die Ringmauern der ~festen~ Stadt, über welche, eng
zusammengruppirt, die rothen und weißen Giebel und Zinnen der Häuser
herüberblicken, vermengt mit dem Gebüsch von Fruchtbäumen, deren schönes
Grün sich freundlich auf den starren Fels und das Meer, das ihn
umschäumt, herunter neigt.

Dieser Menschensitz, diese Hauptfestung Süd-Ceylon's unter den
Niederländern seit 1642, -- als wir ihn so erblickten, gleichsam im
Bewußtsein von unbesorgter Sicherheit innerhalb seines Gemäuers,
 -- freundlich, grün, auf starrem Fels im Meere und auf drei Seiten von
der Brandung umtobt, gewährte einen äußerst romantischen,
alterthümlichen Anblick und erinnerte mich an manche Stadt in Europa
aus den Zeiten des Mittelalters, die ich seit so langen Jahren nicht
mehr gesehen hatte.

Wir ließen um 1 Uhr, der Stadt ostwärts gegenüber, die Anker fallen und
lagen nun zwischen dieser und dem großen Dampfschiff ~Bentinck~,
demselben, das von Calcutta angekommen war und schon zwei Tage lang auf
unsre Ankunft allhier gewartet hatte. Da dessen Abreise von hier, _via_
Aden, noch vor Eintritt des Abends festgesetzt war, so blieben uns zu
einem Besuche der Stadt nur die wenigen Stunden übrig, welche die
Schiffe nöthig hatten, um die Bagage von Bord der ~Braganza~ herüber an
Bord des ~Bentinck~ zu befördern, was ohne Zuthun der Passagiere
geschah. Rathsam war es aber und dafür wurde es auch von allen
Passagieren gehalten, die ~kleinen~ Stücke der Bagage, die man jederzeit
nöthig hat, beim Übersteigen auf das neue Schiff, was in Kähnen der
Inländer geschieht, die man bezahlt, selbst mit zu nehmen, weil sie
sonst leicht mit in den Schiffsraum, in das allgemeine Magazin der Güter
geworfen werden oder aus dem Haufen der Hunderte von Packeten und Kisten
nicht so leicht wieder herauszufinden sind. Es könnte also wohl
geschehen, daß man darauf warten müßte. Doch verloren geht nicht leicht
ein Stück.

Ich setzte mich also in einen singalesischen Kahn und fuhr -- aber,
halt, das ging so schnell nicht; denn viele Dutzende von solchen größern
und kleinern Kähnen umwimmelten das Schiff und ihre Führer stritten sich
um die Ehre, einen Passagier für 1/2--1 Gulden an's Land zu bringen. Es
war ein ohrbetäubendes Geschrei von Stimmen, die sich mit einander
verwirrten, eben so wie die Kähne, die mit ihren Seitenstangen oder
Segeln in Wirrwarr geriethen und man lief große Gefahr, bei dem
Überspringen von dem einen in den andern ein Bein zu brechen, in's
Wasser zu fallen oder zwischen den Kähnen, die aneinander stießen,
zerquetscht zu werden. Um meine geringe Person stritten sich, so laut,
daß mir die Ohren davon dröhnten, wenigstens fünf Kahnführer, die mein
Malai'sch eben so wenig verstanden, wie ich ihr Singalesisch und ich
achtete mich glücklich, als die Bataille so weit beendigt war, daß ich
aus den Händen von Fünfen endlich in die von ~Einem~ kam, welcher
siegestrunken Besitz von mir nahm und unter herausfordernden Mienen
gegen die Andern, die ihm Verwünschungen nachschrien und
nachgesticulirten, mit mir eiligst der Stadt zuruderte.

Am Ufer angekommen, sahen wir Hunderte von neuen Plagegeistern auf dem
Hafenkopf bereit stehen, um uns Fremdlinge zu empfangen. Es waren
eingeborne (singalesische) und fremde (besonders bengalische) Kaufleute,
meistens arme Lumpen oder Straßenbuben, deren jeder etwas in der Hand
oder in einem Sacke hielt, um es dem Reisenden zu verkaufen oder besser
gesagt, aufzudringen. Daß dies mit einem lauten Concert durch einander
kreischender Stimmen begleitet war, versteht sich von selbst. Sie
drückten dem Reisenden ihre Waaren mit Gewalt in die Hand, -- verlangten
dann ungeheure Preise dafür, z. B. für einen kleinen Bambusköcher 5, für
ein Stück Quarz oder Jaspis, das sie in dem ersten besten Bache
aufgelesen hatten, 10 Gulden, und weigerten sich, wenn der Reisende den
Preis zu hoch fand, hartnäckig, ihre Waare wieder anzunehmen, verfolgten
ihn vielmehr unter lautem Geschrei, Schritt für Schritt. Ich sah
Passagiere, die von 20 dergleichen Schreiern begleitet waren. Ich war so
glücklich, mit einer Eskorte von bloß sechs abzukommen, die mir auf
meiner Rundreise durch die Straßen der Stadt, als getreue Trabanten, auf
dem Fuße folgten und bald von der linken, bald von der rechten Seite,
etwas zu kaufen vorhielten, in welchem Geschäft sie eine
bewundernswürdige Ausdauer an den Tag legten. Ich kaufte ihnen endlich
etwas ab, z. B. Onyxe, fossile Elephantenzähne (von _Elephas
primigenius_), die sie auf der einen Seite geschliffen und polirt
hatten, und hoffte mich dadurch, wenigstens von einem Theile derselben,
zu befreien; aber, -- wie irrte ich mich! Kaum hatten die Andern, welche
durch die Straßen schlenderten, gesehen, daß ich nachgiebig, d. i.
überwindlich war, als sie zu ganzen Truppen herbeiströmten und sich
meine Satellitenschaar dadurch wenigstens um das Zehnfache
vermehrte, -- so daß ich nahe daran war, diese Kaufleute für eine eben
so stabile Plage der Reisenden in den Städten, -- wie die kleinen
Springblutegel[19] in den Wäldern Ceylon's zu halten.

Man schreitet von der Land- d. i. Nordseite her unter hohen, gewölbten
Thoröffnungen durch die alten Backsteinmauern und Wälle der Festung, und
gelangt in's Innere der Stadt, deren Straßen vom höchsten Punkte des
Hügelwulstes, auf welchem sie erbaut ist, sich am stärksten nach Süden,
der See zu, herabsenken. -- Sie enthält keinerlei ausgezeichnete Gebäude
und die mehrsten Häuser sind klein, einstöckig und fast alle von Stein.
Ich habe wenig Leben oder Verkehr, auch keine großen Kaufläden oder
Packhäuser bemerkt und glaubte hieraus schließen zu dürfen, daß Punto
Galle seine alte Größe als Handelsstadt verloren und nur erst seit der
Einrichtung der Landmail, als Station für die Schiffe zwischen Indien
und Arabien, eine erneuerte Wichtigkeit erhalten habe. Die Stadt scheint
zum Theil auf Gneiß von grauer Farbe, zum Theil auf weißem Korallenfels
erbaut, und liegt an der Südküste von Ceylon unter 6° 1' nördl. Breite
und 80° 10' östl. Länge von Greenw.

Interessanter als das Innere der Stadt, war mir der Anblick der flachen
Gegenden der Insel, welche die Stadt nord- und nord-ost-wärts begränzen
und mit einer allerüppigsten (angepflanzten) Vegetation bedeckt
waren. -- Von Hochwaldung sah ich zwar nirgends eine Spur, aber -- das
Gehänge der Hügel und noch mehr das flache Gestade rund um die Bai und
die Stadt waren mit ungeheuern Waldungen der Kokospalme bedeckt, die man
nicht übersehen konnte. -- Welche dichte Zusammengruppirung von
schlanken, säulenförmigen Stämmen, -- welche dunkle Schatten zwischen
den 70--100 Fuß hohen Säulchen, tief unter den rauschenden
Wedeln, -- welche an ~Urwald~ gleichende Wildniß von ~Palmen~, -- welche
Verwirrung von in allen Richtungen durch einander geworfenen,
senkrechten, überhängenden und ganz niedergestreckten Stämmen! -- -- ich
mußte gestehen, daß ein solcher Kokoswald, eine solche ununterbrochene,
Tagereisen weit reichende Ausdehnung von dicht gedrängten Palmen auf
Sumatra und Java ~nicht~ anzutreffen ist. -- Wahrscheinlich ist die
sandige Beschaffenheit der Gestade und die Quarznatur des Sandes, bei
gleich günstigen Verhältnissen eines gleichmäßig warmen, nicht zu
feuchten Klima's, ein Hauptbedingniß zu ihrem üppigern Gedeihen.

Als ich von der ~Braganza~, welche ich nach meiner Rückkehr aus der
Stadt noch einmal besucht hatte, an Bord des ~Bentinck~ angekommen war,
war mir etwa so zu Muthe, wie Jemandem, der aus einer Provinzialstadt in
eine Kapitale wie Paris oder London eingetreten ist. Dieser
_Landmail-steamer_, befehligt vom Capt. A. ~Kellock~, ist einer der
größten, welchen die _Peninsular and Oriental Steam Navigation Compagny_
besitzt, er mißt 1800 Tonnen, hat 520 Pferdekraft und nur noch einer
(der »~Hindustan~«, commandirt von Capt. S. ~Lewis~) kommt ihm an Größe
gleich.

Als ich dem Gewühl sich einander durchkreuzender Interessen entkommen
war und, zur Ruhe gelangt, auf dem Hinterdeck des Lord Bentinck saß,
kostete es mir Mühe, mich an die Überzeugung zu gewöhnen, daß ich mich
auf dem Verdeck eines ~Schiffes~ befand, -- so lang und breit dehnte
sich die reinliche Bretterfläche vor mir aus, die durch ihren Reichthum
an verschiedenartigen Gegenständen dem darauf Spazierenden Abwechselung
und Zerstreuung gewährte, -- die zum Theil mit Zelten überspannt, und
mit Bänken und Stühlen besetzt war. Nur auf dem Vorderdeck, in der Nähe
des Bugspriet, und sonst nirgends im Schiff, durfte geraucht werden. Ein
Neuling lief Gefahr, in den drei Vertiefungen des Innern, die man auf
eleganten, theils geraden, theils wendelförmigen Treppen hinabstieg,
sich zu verirren, wenn er in den langen Gängen zwischen den Zimmern
herumschritt; denn die Anzahl dieser Zimmer (_Cabin's_) war groß genug,
um Jedem der 100 Passagiere erster Klasse, die sich an Bord befanden,
einen besondern Schlafplatz zu verschaffen, außer den Offizieren, dem
Schiffsvolke und den Passagieren zweiter Klasse. In den mehrsten Cabin's
wohnten zwei, in manchen drei, vier, in wenigen nur ein Passagier, je
nachdem die Cabin's mehr oder weniger Schlafplätze enthielten (deren
wenigstens zwei ~über~ einander angebracht waren). Sie waren mit guten
Matrazen, Spiegeln, Waschtafeln und Zubehör, Bänken, Stühlen und andern
Bequemlichkeiten versehen und Bettzeug und Handtücher wurden fleißig
gewechselt. Trink- und Waschwasser wurde in Überfluß gereicht und an
einem Badezimmer, einem Regenbade, das nach geöffnetem Krahne aus einer
siebartigen Öffnung der Decke herabträufelte, fehlte es nicht, leider
aber auch nicht an Kakerlaken (_Blatta orientalis_), die, wie es
scheint, eine allgemeine Plage aller Schiffe in den Tropengegenden sind.
In den dunkeln Räumen der Hütten, zwischen den Brettern, waren diese
zollgroßen, schnelllaufenden Thierchen nur allzu häufig und man konnte
sie nur auf kurze Zeit von seinem Lager mit _Eau de Cologne_ vertreiben.
Ich würde jedem Reisenden anrathen, auch der Kühlung wegen sich mit
einem recht großen Vorrath dieses destillirten Wassers zu versehen.
Übrigens war die Hitze im Innern des Schiffes erträglich, da zweckmäßig
angebrachte Ventilatoren für Abkühlung und frische Luft sorgten. -- Das
Installiren verschiedener Reisenden in ~ein~ Zimmer wurde stets mit
Discretion verrichtet, und gewöhnlich blieb es den Passagieren selbst
überlassen, sich mit einander zu verständigen und ihre Stubengefährten
nach eignem Geschmack zu wählen. Es war Einer an Bord, mit dem ~Niemand~
zusammenwohnen wollte, und dieser erhielt ein Zimmer allein. -- Um 8 und
12 Uhr zur Zeit des Frühstücks und Tiffets wurde Kaffee, Thee, mit
Eiern, Brot, kalten Speisen etc. gereicht und um 4 Uhr zum Diner
geläutet. Abends wieder Thee. Der Speisesaal war elegant, mit drei
langen Tafeln versehen, an denen alle Passagiere (der ersten Klasse)
Platz hatten, mit Spiegeln und Gemälden decorirt, so daß man, an der
Tafel sitzend, zwischen solchen Umgebungen ganz vergaß, sich auf dem
Meere, an Bord eines Schiffes zu befinden, zumal, da von dem Arbeiten
der Maschine und dem Brausen der Räder nichts zu hören oder zu fühlen
war. Das Schiff glitt seiner Größe wegen, von Ceylon bis Suez, so
gleichmäßig dahin, daß auf dem Verdeck auch nicht das geringste
Schwanken zu verspüren war und man erst über Bord blicken mußte, um sich
zu überzeugen, daß sich das Schiff fortbewege. Schafe, Schweine, Kälber,
Rinder, Tauben, Hühner, Enten, Gänse, Truthähne etc. befanden sich,
nicht etwa wie in der Arche Noäh in bloß einem Paar, sondern in ganzen
Heerden und Schaaren bei uns an Bord und versahen die Tafel, Tag für
Tag, mit mannigfach zubereiteten Fleischspeisen von alle den genannten
Arten und an frischem Brot und Gemüse fehlte es nicht, so daß ich im
Ernst versichern kann, noch nie eine so überflüssig, ich möchte sagen,
so ~massiv~ (besonders mit Fleischspeisen) besetzte Tafel gesehen zu
haben. Das Buffet war mit englischem Bier (_pale ale_) und allen Arten
von Weinen versehen, die ein Jeder _ad libitum_ trank. Nur der
Champagner machte hiervon eine Ausnahme und wurde von den Passagieren
nicht gefragt, sondern nach jeder Mahlzeit in einer bestimmten Anzahl
Flaschen ~gereicht~. Auch das Dessert war vorzüglich und überhaupt ließ
die Beköstigung, wie die ganze Einrichtung an Bord, nach der Meinung
Aller, Nichts zu wünschen übrig. Zur Unterhaltung der Passagiere war
eine Bibliothek, die besonders Reisebeschreibungen enthielt, nebst
andern Zerstreuungsmitteln, Spielen etc. im allgemeinen Versammlungs-
und Speisesaal vorhanden. Unter den Reisenden waren etwa sechs Damen,
von denen die Engländerinnen sehr zurückgezogen und steif, fast
holländisch, -- die Französinnen aber freundlich und gesprächig waren
und nebst einigen Kindern viel zur angenehmen Unterhaltung beitrugen.

Wir lichteten am 20sten Sept. des Abends die Anker, waren um 7 Uhr flott
und fuhren zwischen zwei leuchtenden Feuern (großen Fackeln) hindurch,
die man an der Stelle jener zwei schwimmenden Kugeln, in Kähnen
angesteckt hatte, um uns den Weg in's Fahrwasser mitten zwischen den
Klippen hindurch zu zeigen. So wie den Tag über die Luft bewölkt gewesen
war, ob es gleich nicht geregnet hatte, so war auch die Nacht dunkel,
und kein Himmelslicht war sichtbar.

So dampften wir nun wieder, nach kurzem Aufenthalte auf trockenem Boden,
in das _altum mare_ hinaus. Die Lichter, die auf den Schiffen und in den
Gebäuden brannten, traten immer weiter zurück, aber erst spät am Abend
verschwand das Feuer des Leuchtthurms.

       *       *       *       *       *

Von den vielen über Ceylon erschienenen Werken und in Zeitschriften
zerstreuten Aufsätzen, mögen hier nur folgende ~allgemeinere~ genannt
sein.

     _~Rob. Knox~, Historical Relation of the Island of Ceylon. London,
     1817. 4._

     _~Jan. Cordiner~, Description of Ceylon. London, 1807. 4._

     _~Montgomery Martin~, History of the British Colonies. London,
     1834._ Das Hauptwerk aber ist:

     _~J. Davy~, Account of the Interior of Ceylon etc. London, 1821.
     4. -- ~J. Davy~, On the Mineralogy of Ceylon in Transact. of the
     Geol. Soc. vol. V, p. II, p. 311 etc._

     _Major ~Forbes~, Eleven years in Ceylon comprising sketches of the
     field sports and Natural History of that colony and an account of
     its History and antiquities. 2 vol. 8. London, 1840._

Ceylon wurde bekanntlich in 1505 von den Portugiesen entdeckt, die
jedoch erst seit 1536 in vollständigen Besitz der Insel (der Küste)
gelangten und in 1658 (aus Point de Galle bereits in 1642) wieder von
den ~Niederländern~ daraus vertrieben wurden. Diese letztern besaßen die
Insel bis 1796, in welchem Jahre sie an die Englisch-Ostindische
Compagnie überging.

Die Insel wird von Davy mineralogisch reich, aber geologisch arm genannt
und soll vorherrschend aus sogenannten primitiven Gebirgsarten, ~Gneiß~
und Granit, bestehen, die sehr einförmig verbreitet und in vielen
Gegenden von sehr mächtigen ~Quarz~gängen durchsetzt sind. Außerdem
zeichnen sich diejenigen Felsberge aus, in denen die berühmten, großen
Salpeterhöhlen der Insel liegen und die aus Dolomit[20] bestehen sollen.
Die primitiven Gebirge sind aber auch von sehr ausgebreiteten
~Sandstein~bänken umlagert, deren geologische Stellung, in Beziehung auf
die Formation, der sie angehören, und auf die fossilen Reste, die sie
umschließen, unbekannt ist. An den Gestaden kommt jüngster
Meeressandstein vor, nebst Kalkbänken (Korallenkalk?) und außerdem
Alluvialboden.

Sehr bezeichnend und allgemein verbreitet auf Ceylon aber sind
~Trümmerbildungen~, Lager von zerstörten Felsarten, die in den Thälern
und Flußbetten als Gerölle vorkommen. Und diese Trümmergesteine im
Diluviallande sind es, welche den Reichthum Ceylon's an ~Edelsteinen~
enthalten, an allen Arten der ~Quarz~gattung (Onyx, Amethyst etc.),
 -- an Turmalin, Topas, Granat, Zircon, Rubin (Sapphir, Spinell) u. a.,
die daher vorzugsweise in Flußbetten gefunden werden. Ebenso Eisenerze.
 -- Meeressalz wird in Lachen an den Küsten reichlich gewonnen.

Vorherrschende ~Quarz~trümmer und ~Quarz~sand sind für viele Gegenden
von Ceylon bezeichnend und bedingen die Production der feineren Arten
von Zimmt. -- Regen fällt auf Ceylon fast das ganze Jahr hindurch
gleichmäßig vertheilt und unabhängig von den Mussonwinden, die vom Mai
bis Anfang November (während bei nördlicher Declination der Sonne die
Temperatur von Asien größer ist, als die des Ocean's) aus ~Süd-West~ und
von November bis März (während bei südlicher Declination die Wärme des
Ocean's und Südafrika's größer ist, als die Asien's) aus ~Nord-Ost~
wehen.

Eine große Plage für den Menschen haben die Gebirgswälder Ceylon's mit
denen Java's, Sumatra's, Dekan's und Hinter-Indien's gemein, nämlich die
kleinen Springblutegel (_Hirudo ceylanica ¡Blainville¡, dict. des sc. nat.
t. 47, p. 271_), die nebst den Mosquiten auf Java und besonders auf Sumatra
mich oftmals mehr der Verzweiflung nahe brachten, als alle Elephanten,
Tiger, Rhinocerosse, wilde Stiere und andre große Thiere der Wildniß
zusammengenommen zu thun im Stande waren. Man lese hierüber beliebig nach
_J. ~Davy~, l. c., p. 102, tab. II, fig. 4. -- ~Leschenault de la Tour~,
Relation abregée d'un voyage aux Indes Orient., im Mém. du Museum d'hist.
nat. Paris, 1822. t. X. p. 268._

       *       *       *       *       *

Den 23sten Sept. Wir hatten auf unsrer heutigen Fahrt durch das indische
Meer trübes Wetter und öfteren feinen Regen. -- Unser Cours war West zu
Nord und der Wind blies aus West-Süd-West bis zu Süd-West. --

Des Abends wurde der Wind stärker, der Himmel wurde heiter, alle Sterne
funkelten -- und nun bot uns das Meer ein wundervolles Schauspiel!

Der Mond schien auf die Wasserfläche herab, auf welcher wir Nichts
würden haben unterscheiden können, wenn nicht der Schaum, und ~nur~ der
Schaum hell und weiß wie Schnee gewesen wäre. Das ganze Meer sah
~pechschwarz~ aus, war aber bedeckt von unzähligen, weiß-leuchtenden
Streifen, wie mit erhellten Kähnen oder länglichen Laternen, die darauf
schwammen und die nach dem Horizonte zu an das nächtliche Bild einer
großen Stadt mit ihren Lichtern erinnerte, wenn man diese von einer
Rhede aus erblickt. -- Also Millionen streifenförmiger, ~schnee~heller
Fackeln, die auf einem pechschwarzen Meere schwammen -- welcher Anblick!

Vorn am Bugspriet flogen Wolken von Lichtschaum halb kreisend, zur
Seite -- und am Ruderkasten war das schäumende Wasser so hell, daß ein
Lichtschein aus dem Meere heraufgeworfen wurde und die eine Seite des
Bootes, das zur Seite des Schiffes hing, erhellte, gleichsam als wenn der
Mondschein aus den Wellen heraufschiene, -- aber außer dem Schaume
leuchtete ~Nichts~ und nirgends konnte man helle Körper, nirgends Funken
entdecken, die man in andern Nächten oftmals durch das Wasser blitzen
sieht; -- hinter den Räderkasten, zur Seite des Schiffes glühte ein
~schnee~weißes Feuer, ein Feuer, das nur wenig in's Grünlich-Blaue
überging, etwa so, wenn man ein helles Licht durch eine Eisscholle scheinen
läßt, -- von da kräuselte das bewegte Wasser in Ringen und Streifen weiter,
vereinigte sich hinter dem Schiff mit dem der andern Seite und bildete dann
noch weit, weit hinaus hinter unserm Dampfer, der schnell vorwärts eilte,
einen langen, so hell wie Schnee glänzenden, aber von vielen pechschwarzen
Flecken unterbrochenen Schweif -- gleichsam eine Milchstraße, deren
Sternenschimmer von schwarzen, leeren Räumen, durch welche man in die
unendliche Tiefe hinaus oder hinab blickt, unterbrochen ist, -- und rund um
diesen Schweif hinter dem Schiffe und dem Lichtsaum zur Seite desselben,
umgaukelten und umflimmerten uns noch, bis an den fernsten Horizont jene
Millionen von schwimmenden Laternen! -- Es war unbeschreiblich schön und
eigenthümlich.

So fuhren wir die ganze Nacht lang dahin durch ein Meer von Licht, das
seinen anfänglichen schneeweißen, nur wenig in's Eisgrüne übergehenden
Schein gegen Mitternacht in einen weiß-gelblichen veränderte.

Diese Erscheinung des weißleuchtenden Schaumes wiederholte sich nur noch
Einmal in der folgenden Nacht (von dem 24sten zum 25sten) nach 12 Uhr,
aber nicht so lebhaft, wie den 23sten und wurde nachher von uns nicht
mehr gesehn.

Wir schifften nun vom 25sten Sept. an noch neun Tage lang durch das
indische Meer und kamen erst in der Nacht vom 3ten October, also nach
einer Fahrt von elf vollen Tagen und sechs Stunden seit unserer Abfahrt
von Point de Galle auf der Rhede von Aden an. Unser Cours war während
dieser Zeit bis nach Aden fast anhaltend West zu Nord, -- der Wind war
Anfangs West und West-Nord-West und erst seit dem 29sten, als wir uns
dem Zwischenraume zwischen Arabien und der Insel Socotora näherten,
vorherrschend Süd-Süd-West oder Süd-West, er wurde aber immer schwächer,
je näher wir dem Lande kamen, -- das Meer immer stiller,
spiegelglatter, -- das Wetter heitrer, ich möchte sagen
~egyptischer~, -- die Wärme aber auch immer drückender. Im rothen Meere
war unser Cours bis Suez fast anhaltend Nord-Nord-West, auch herrschten
dort nord-westliche, sehr schwache, Winde vor. -- Je näher wir der Küste
von Arabien kamen, um so mehr verschwanden auch die kleinsten Wölkchen
aus der Luft, und der feine Regenschauer am 23sten war die letzte
atmosphärische Feuchtigkeit, die wir auf dieser Reise sahen. Von diesem
Tage an sah ich in der indischen See, zu Aden, auf dem rothen Meere und
in Egypten dreißig Tage lang keinen Regentropfen mehr, kein Wölkchen
mehr am stets heitern Himmel und erst am 24sten October, als ich im
mittelländischen Meere war, sah ich wieder Wolken, die sich in einer
langen Reihe an den Gebirgszügen der Insel Candia, dem alten Kreta, bei
übrigens heitrer Luft, gelagert hatten.

Unser Schiff glitt auf dem indischen und rothen Meere so gleichmäßig,
so gestadig dahin, daß man, auf der Mitte des Verdeckes sitzend oder
stehend, nicht mehr glaubte, sich auf einem schwimmenden Körper zu
befinden; das Schiff schien fest zu liegen. -- Aber noch nirgends, und
am allerwenigsten unter dem Äquator (auf Sumatra, Java), hatte ich eine
so drückende Hitze ausgestanden, so ohne alle Erfrischung und Abkühlung,
als unter diesen nördlichen Breiten vom 15ten bis zum 30sten Grade auf
dem ~rothen Meere~.

Nach diesen, meist klimatographischen Bemerkungen, die ich
vorausgeschickt habe, weil sie für die weite Landstrecke von Socotora
bis Alexandria von ~allgemeiner~ Gültigkeit sind, verfolgen wir unsre
Reise und kehren auf unser Schiff zurück.

Wir hatten auf dieser Fahrt seit dem 22sten Sept., an welchem Tage wir
Ceylon verließen, um nach Arabien zu schiffen, kein Land mehr erblickt,
und bekamen zuerst wieder etwas Festes, Trocknes zu sehen, als am 3ten
October, des Mittags um 1 Uhr die Insel Socotora vor uns aus dem Meere
auftauchte.


Fußnoten:

[1] Diese Überfahrt wird Beamten und andern Personen, die dazu empfohlen
sind, vom Commandanten der Seemacht natürlich gratis zugestanden, so daß
die Passagiere, denen die Offiziere erlauben, an ihrer Tafel Theil zu
nehmen, nur 5 Fl. täglich in die Kasse der Menage zu zahlen
haben. -- Ich fand an Bord eine trefflich bestellte Tafel und von den
Herren Offizieren die liebreichste und zuvorkommendste Behandlung.

[2] Leider ist derselbe -- ein Deutscher, der seine Ausbildung auf der
Universität Bonn genossen -- im Laufe des vorigen Jahres gestorben.

                                                 ~Anm. des Übers.~

[3] Nach der kleinen Insel auf der Rhede von Batavia so benannt, auf
welcher ein Marineetablissement eingerichtet ist. Onrust bedeutet
Unruhe.

[4] Man vergl. Fig. 20, die Abbildung der Insel Pontjang kitjil in der
Bai von Tapanuli.

[5] Gewöhnlich, doch fälschlich Romania genannt.

[6] Zufolge malaischer Chroniken giebt Crawfurd an, daß malaische
Auswandrer aus Menangk[)e]bo auf Sumatra unter Turi Buwana in 1160 den
neuen Staat Udjung Tana und dessen Hauptstadt Singapur (von den
Sanskritwörtern _Singa_ ~Löwe~ und _Pura_ ~Stadt~) gründeten. Der letzte
König, der sich nicht zum Islam bekehren wollte, war Sri Iskander Shah.
Er wurde von dem Kaiser von Modjopaït auf Java bekriegt, in 1253 von
Singapur vertrieben und soll darauf Malaka gestiftet haben. Seit 1253
war Singapur eine Wildniß oder nur der Aufenthalt von Seeräubern (_orang
laut_) bis es sich in 1819 durch Raffles zu seiner jetzigen Größe erhob.

[7] Man sehe diese Sammlungen im Reichs-Museum für Naturgeschichte zu
Leyden.

[8] In manchen _Cabin's_ war nur eine, in manchen waren 4, in den
meisten aber waren zwei Schlafstellen und wo mehre waren, befanden sich
stets zwei übereinander. Es war ein Schiff von 800 Tonnen Last und 80
Pferdekraft.

[9] Nachdem sie schon vor dieser Zeit zweimal, wenn auch nur für kurze
Zeit, im Besitz der Briten gewesen war, nämlich das erste mal in 1795
bis zum Frieden von Amiens, und das zweite mal während des
Continentalkrieges bis 1814.

[10] _Malaka_ (sunda'sch) und _Kamlaka_ (java'sch) ist auf Java der Name
des Bäumchens _Emblica officinalis ¡Gärtn¡_.

[11] Wie C. Ritter sie nennt (Asien _IV_, 1, _p._ 42).

[12] Wenn ~Ward~ u. A. von drei Bergketten sprechen, welche von Süd nach
Nord durch die Insel streichen sollen, so können mit zweien davon nur
Vorgebirge oder Vorgebirgszüge gemeint sein, die eigentlich nur schief
ausgebreitete Rippen der (einzigen) Hauptkette sind. Eine solche,
weniger hohe Vorkette ist unter andern die, worauf wir jene Villa
erblickten.

[13] Einrichtung und Preis der Palankin's ist eben so wie zu Singapur.

[14] _Pulu_: ~Insel~; _Penang_ (_Poön-Penang_ d. i. Baum-Penang) ist der
malai'sche Name der überall in den Dörfern Indien's gepflanzten Palme:
_Areca communis_, welche die beim Betel-(Siri-)kauen gebräuchlichen
Nüsse liefert, also _Pulu-Penang_ eigentlich Betelnußbaum-Insel, von den
Engländern auch Prinz Wales-Insel genannt.

[15] Oder nach dem Siedepunkt des Wassers bestimmte Höhe. -- Wir sahen
am 12ten Abends den Saum der Kette nur in der Entfernung von 47 bis
höchstens 49 geographischen Minuten noch deutlich; hiernach kann er
nicht höher als ~höchstens~ 2000 par. Fuß sein (2121 engl.), weil
bekanntlich (wegen der Rundung der Erde) 2000 Fuß hohe Gegenstände nur
49-1/5 Minuten (12,30 Meilen) weit sichtbar sind.

[16] 1000 Siccaropijen = 1333 holl. Gulden.

[17] Verirrte Landvögel, die einen Ruhepunkt suchen auf dem Schiff und
ermüdet vom Fliegen, sich leicht mit den Händen fangen lassen, sind eine
den Seefahrern gewiß sehr gewöhnliche Erscheinung.

[18] Der Zeitgenossen Alexander's des Großen, Ptolemäus, nach ihm Strabo
etc.

[19] _Hirudo ceylanica ¡Blainv.¡_ (s. unt.)

[20] Auf Java wird Salpeter aus der Erde bereitet, welche den Boden der
Höhlen in tertiären Kalksteinbänken bedeckt. Diese Erde ist aber mit dem
Miste der Fledermäuse vermengt, die schaarenweis in den Höhlen wohnen.




_II._

Von Arabien bis Alexandrien.


Wir befanden uns der östlichsten Spitze von Socotora um 1-1/2 Uhr am
3ten October gegenüber. Wir fuhren bei west- zu nördlichem Cours an der
Nordseite der Insel vorbei, die also zur Linken liegen blieb. Ihre
Spitze stieg zackig-ausgesägt aus dem Meere empor, ging dann aber bald
in den geraden Saum eines langhingezogenen Bergrückens über, der sich in
der Richtung nach Norden wandartig steil herabsenkte. Die obern drei
Viertheile dieser steilen nördlichen Böschung waren dunkel- und das
untere Viertheil weißlich-, hellgefärbt, doch so, daß sich sowohl von
dem obern Theile dunkle Streifen, die das Meeresufer nicht erreichten,
herab-, als auch von dem untern Theile weißliche Streifen hinaufzogen,
die sich bis zum Saume ausstreckten.

Indem wir zwischen 2 und 3 Uhr näher kamen, entfaltete sich diese
verschiedene Beschaffenheit der Insel, die wir anfangs nur der Farbe
nach hatten unterscheiden können, immer deutlicher vor unsern Blicken
und wir erkannten allmählig, daß der dunkle obere Theil aus nackten
Felsmassen und der helle untere nur aus losem Sand bestand. Der erste,
der gewiß drei Viertel des Raumes einnahm, war umbragrau, mit einer
schwachen rostbräunlichen Nüance und der letzte, der nur ein Viertel
des uns sichtbaren Raumes betrug, war weißgrau von Farbe, in's Gelbliche
spielend. ~Alles~, was wir sahen, war vollkommen kahl, von aller
Vegetation entblößt und hatte in seiner dunkel- und weißgestreiften
Färbung, seiner eingerissenen Beschaffenheit, ein sonderbares, ödes,
trauriges Ansehn, -- mir um so fremder, da ich 13 Jahre lang
ununterbrochen in der allerüppigsten Natur geweilt hatte, in einem
Lande, wo alle Felsen, wo die Kraterschlünde selbst bewaldet
sind! -- Hier aber, auf dieser Insel, schien alles organische Leben
erstorben zu sein, -- todt und starr lag sie da -- das Gesicht der
~Wüste~ blickte uns an.

Der obere Saum der Bergmasse schien ohngefähr 1000 Fuß hoch zu liegen.
Er zog sich in einer geraden, ungekerbten Linie hin und senkte sich nach
Norden bis auf die halbe Höhe der ganzen Insel oder noch tiefer, steil
wie eine Mauer herab. Diese Mauer bildet mehr oder weniger deutliche
Vorsprünge und ist offenbar der Bruchrand eines einseitig erhobenen
neptunischen Gebirges, dessen parallele, oft horizontale oder nur
schwach geneigte, zuweilen auch etwas gebogene Schichtung wir deutlich
zu erkennen vermochten. Die Schichten, die von Ost nach West streichen,
fallen also wahrscheinlich nach Süden ein, so daß das Gebirge von seinem
höchsten Saume an eine nach Süden geneigte Platte bilden wird, ähnlich,
wie das Gebirge und eine Küstengegend am rothen Meere, das wir in Fig.
14 abgebildet haben. Obgleich die am meisten vorherrschende Farbe der
Felswände graubraun (umbrabraun) ist, so kommen doch auch sowohl große
weißliche Flecke, als auch deutlich begränzte parallele weiße Streifen
dazwischen vor, die wahrscheinlich Bänke von Kalk oder hellgefärbten
Mergeln oder Thonen sind und zwischen den übrigen dunkleren Schichten
liegen. Das Eigenthümlichste dieses Landes aber sind die hellgefärbten
Sandmassen, welche, durch ihre Bedeckung die Schichten oft ganz
unsichtbar machend, an den Felswänden anliegen. Sie entspringen oftmals
schon ganz oben am Saume als schmale, hervorstehende Leisten, laufen
Stützen gleich herab, werden nach unten zu immer breiter und vereinigen
sich zuletzt zu einem großen Ganzen, das als ein weißliches, sanft
gesenktes Vorland -- dünenartig -- und abwechselnd bald nur den fünften,
bald den vierten, bald den dritten Theil der gesammten Inselhöhe
einnehmend, zwischen dem Meeresufer und dem Fuße der Felswand liegt.
Sehr ähnlich sind viele Küstentheile der Halbinsel Sinai gestaltet, wie
in Fig. 13 abgebildet ist.

Der einspringende, weiter einwärtsliegende Raum der Felswände läuft
demgemäß zwischen den breiter werdenden Sandrippen schmal nach unten zu
und davon kommt es, daß man aus der Ferne dunkle Streifen sieht, die
nach unten, -- und helle, die nach oben schmäler werden. -- Beim Anblick
dieser ungeheuren Sandmassen, die den Fuß der Mauer bedecken und sich
noch, als Leisten, hoch bis zu ihrem Saume hinanziehen, entstand bei mir
die Frage: ist dieser Sand angeschwemmt oder ~angeweht~? -- wie können
durch Ausspülung von Wasser solche Rippen gebildet werden in einem
Lande, wo es fast niemals regnet? -- gehört ihre Entstehung einer
vorhistorischen -- der Diluvialperiode -- an? oder kann ihre Bildung der
Wirkung des Windes allein zugeschrieben werden?

Da die Nordküste von Socotora im Allgemeinen nach West-Nord-West
gerichtet ist und unser Cours West zu Nord war, so kamen wir allmählig
näher und vermochten den geschichteten Bau der Insel immer deutlicher zu
erkennen. Zuweilen war der obere Theil der Mauer fast ganz aus weißen
Felsmassen zusammengesetzt, die deutlich untergeschichtet und hier und
da abgebrochen, von vertikalen Spalten durchzogen waren, -- die Farbe
der Hauptmassen blieb aber bräunlich-grau. Manche Theile der Wände waren
in ihrer Kahlheit, in ihrer queren Schichtung, mit Vorsprüngen, worauf
Schutt und Sand liegt und in ihren Stützen von Sand, die sich an ihrem
Fuße ausbreiten, gewissen ~Kratermauern~ Java's so täuschend ähnlich,
daß, wären jene kreis- oder halbkreisförmig gewesen, man beide hätte
verwechseln können. Und doch ist die Bildung beider gewiß auf eine sehr
verschiedene Art vor sich gegangen, jener durch Wasser, dieser durch
Feuer, -- bei jenen wurde der Sand den Wänden angeschwemmt oder
angeweht, bei diesen regnete er herab aus der Luft, nachdem ihn
Kraterschlünde ausgespien hatten.

Zwischen 3 und 4 Uhr kamen wir einer Gegend vorbei, wo sich
Zwischenräume zwischen den Bergmassen oder Ketten befanden, die also aus
verschiedenen Abtheilungen oder Gruppen bestehen. Hier lagen kleine
Buchten und wir blickten in das Innere der Insel, nämlich in Thäler und
Thalgründe hinein, die sich tief und flach zwischen den Gebirgen
hinzogen und die in ihrem gekrümmten Laufe in geheimnißvoller Ferne vor
unsern Blicken verschwanden. Wir glaubten auf dem flachen Boden des
einen einige Dattelpalmen zu erkennen, übrigens aber waren sie eben so
kahl, wie die Bergwände, die sie umgaben. -- Nur Einmal (um 3-3/4 Uhr)
meinten wir einige krüppelige Sträucher zu sehen, die sich wie
vereinzelte schwärzliche Punkte auf dem hellern Sandgrunde vorthaten.
Wir befanden uns nämlich einer flach-convexen Strandgegend gegenüber,
die aus Sand aufgebaut war und sich als niedrige Vorterrasse bis zum
Fuße einer Bergkette hinzog. Diese Kette war viel höher, als alle
zeither gesehenen und hatte auch eine ganz andere äußere Beschaffenheit,
sie war kahl wie jene, erhob sich aber viel klüftig-durchfurchter,
zackiger, wilder und endete in einem gezähnt-zerrissenen
Kamm, -- bestand also wahrscheinlich nicht aus geschichteten
(neptunischen) Gesteinen, sondern aus plutonischen oder vulkanischen
Massen. Von der Sandterrasse, die ihrem Fuße vorgelagert ist, zogen sich
an mehren Stellen streifenförmige Partien an der schroffen Bergwand bis
zu einer großen Höhe hinan; diese oft sehr breiten Sandstreifen waren
~ganz glatt~, ~kahl~, sie waren, wie der übrige Sand hellgefärbt und
riefen, -- so wie sie da, scharfbegränzt, zwischen dunklern Umgebungen
der Felsen lagen, -- das Bild von ~Gletschern~, die sich von den Jöchen
der Alpen herabziehn, lebhaft in unsre Erinnerung zurück.

Um 4 Uhr waren wir einer vorspringenden Landecke bis auf ein Paar
englische Meilen nahe gekommen, von hier an aber trat die Küste zurück
und bildete eine große weite Bucht, deren jenseitigen (westlichen) Ecken
wir uns erst um 7 Uhr gegenüber befanden, als die Dunkelheit der
fallenden Nacht schon nicht mehr erlaubte, das Gestade deutlich zu
erkennen. Nirgends konnten wir Feuer am Ufer entdecken, so wie wir
überhaupt nirgends einige Spuren von Bewohntsein auf dieser nördlichen
Seite der Insel, der wir entlang gefahren waren, hatten bemerken können.
Doch sollen die innern, des Wassers nicht ganz ermangelnden und nicht
ganz von Pflanzenwuchs entblößten Thäler der Insel von einer geringen
Anzahl arabischer Familien bewohnt sein.

Was die ~Literatur~ betrifft, so habe ich über Socotora Nichts finden
können, außer ein Paar dürftigen Stellen in C. ~Ritter's~ Erdkunde, nach
Nachrichten in _J. ~de Barros~ Asia_. -- ~Ritter~ beklagt sich (a. a. O.
_I_, _p._ 123) über die so dürftigen Mittheilungen, was diese Gegenden
betrifft, obgleich (wie er hinzufügt) »Socotora, wegen des Schutzes vor
den Nordwinden, oft das Winterquartier portugiesischer Flotten in
diesen Gewässern war.« -- Die gegenüberliegende Küste von Afrika, von
Magadoro an nordwärts bis zum Kap Guardafu, mehr als 100 geographische
Meilen weit, wird als »wüst, ohne Menschen und unbekannt« bezeichnet. An
einer andern Stelle (Asien _IV_, 1, _p._ 443) heißt es: »Schon nach
~Arrian's~ _Periplus_« (330 vor Chr.) »ließen sich Fremdlinge aus
Indien, nebst Arabern und Griechen, um den Gewürzhandel nach Egypten und
Äthiopien zu betreiben, auch Reis, Musselin und Schildkrötenschaalen zu
bringen, auf der Insel Dioscorides, d. i. Socotora nieder, die dem
_promontorium aromatum_ vorliegt.« -- »~Vasco da Gama~ fand diese Indier
bei seiner ersten Umschiffung Südafrika's zu Melinde, was nicht fern von
Socotora liegt, wo er sie Bancani nennt.« -- »~Edrisi~ (1150) nennt
Socotora berühmt durch seine Aloë.« (Asien _VIII_, _p._ 262, 264.)

Bald war die wüste Insel mit ihren Bergen nur noch ein Schattenriß und
verschwand endlich ganz in der Nacht, während wir in der Finsterniß
dahin dampften. Die See war unbewegt und das Meerwasser war dunkel, mit
Ausnahme einzelner runder Stellen, die einen schwachen Lichtschein von
sich gaben und mit Ausnahme von kleinen Körpern, die hier und da mit
großer Schnelle, gleichsam zuckend, durch das Wasser fuhren und in
schlangenförmigen oder gezackten Linien ein ~hell~ leuchtendes Licht
verbreiteten. So oft diese Körper, wahrscheinlich Fische, sich bewegten,
so oft glaubte man ~Blitze~ in der Tiefe des Meeres aufzucken zu sehen
und wenn diese Blitze, wie oft geschah, in Millionenzahl auf Einmal
aufflammten, so gewährten sie in der That, da Alles umher so dunkel war,
ein prachtvolles Schauspiel.

Erst um 11 Uhr wurden zu ~unsrer Rechten~ wieder Gestalten sichtbar, die
dunkler waren, als der nächtliche Himmel; wir hatten uns der gebirgigen
Küste Arabien's genähert, der wir nun entlang fuhren, -- einzelne
Lichter wurden am Abhange dieses gebirgigen Landes sichtbar, -- nachher
sahen wir auch Schiffe mit Lichtern und um 12 Uhr des Nachts ließen wir
unsre Anker fallen.

Als wir den folgenden Morgen (4ten October) erwachten und uns auf das
Verdeck begaben, bemerkten wir, daß wir auf allen Seiten von Land
umgeben waren und uns in einer rundum geschlossenen Bucht befanden. Wir
lagen in der westlichen Bai[21] der kleinen Halbinsel Aden, der
sogenannten Back-Bai vor Anker.

Ich verweise den Leser in Beziehung auf die folgende Beschreibung von Aden
auf die kleine Kartenskizze Fig. 16, die, was die Größenverhältnisse
betrifft, freilich nur figurativ ist, die außerdem aber dem Leser über die
Positionsverhältnisse von Aden im Allgemeinen und über die Configuration
seiner Berge in's Besondere ein getreues, richtiges Bild verschaffen wird.

Die Umgebung dieser geräumigen Meeresbucht war die folgende. Den Eingang
in die Bucht sahen wir von unserm Schiff in West zu Nord. -- Rechts von
diesem Eingange erhob sich eine gebirgige Halbinsel Dschebel Hasan, die
wir in West-Nord-West erblickten und die sehr steil zu einem scharfen,
rauhen, spitzigausgezackten Kamme emporstieg. Sie soll aus Granit
bestehen und zwei Stunden lang sein. Ihre obere felsige Region erschien
dunkelgefärbt, umbragrau und ihre unteren Gegenden, die ohne Zweifel aus
Sand bestehen, gelblich-hell. Manche ihrer Berggruppen und zackigen
Felspartien waren durch geneigte Sandflächen (geglättete Sandgehänge)
von einander getrennt. Sie gingen einwärts (rechts) in ein flaches,
niedriges Land über, das die Bucht, in der wir lagen, in einem weiten
Halbkreise auf der Nord- und Ostseite unsers Schiffes umgab, und stellte
sich wie ein in's Meer hinaus- und der Westecke von Aden
entgegengeschobenes Vorgebirge dieses flachen Landes dar, das eine
Sandwüste zu sein schien, auf der wir nirgends eine Spur von Bergen oder
Hügeln bemerken konnten. Die Halbinsel Dschebel Hasan ist demgemäß nur
ein isolirt aus dem Sande hervorragender Felskamm. Ihre Lage scheint
nord-westwärts in Beziehung zur äußersten Westecke Aden's zu sein.

Je einförmiger, flacher dieses nördliche Ufer der Bai war, desto
gebirgiger stellt sich das ~Süd~ufer derselben, nämlich die ~Nordseite
der Halbinsel Aden~ dar, der wir, in einer kleinen Einbiegung der Bai,
so nahe lagen, daß wir den Menschen, die auf dem Lande waren, zurufen
konnten. -- Hier erhoben sich in frappanter Nähe die Gebirgsketten und
stiegen kühn und steil zu den schwindlichsten Höhen empor. Sie schlossen
unsere Aussicht von Ost bis West-Nord-West und endigten sich dort jener
zuerst genannten Halbinsel gegenüber in die westlichste Felsecke von
Aden: Ras Marbut, doch so, daß zwischen beiden ein geräumiger Kanal
übrig bleibt, der Eingang in diese für sehr sicher gehaltene Bucht.

Besser als eine Beschreibung wird vielleicht die von mir entworfene
Ansicht (obgleich sie nur eine flüchtige Skizze ist,) im Stande sein,
den Leser mit der Physiognomie dieser Berge bekannt zu machen. Er wird
dadurch zugleich ein Bild erhalten von dem landschaftlichen Charakter
des westlichen Theils vom Südgestade Arabien's überhaupt, wovon diese
Berge nur ein kleiner, den übrigen vollkommen ähnlicher Theil sind. Man
werfe daher einen Blick auf Fig. 17.

[Illustration: _Fig. 17._     _Lith. Anst. v. J. G. Bach, Leipzig._]

Hier wird das Auge zuerst getroffen durch den Anblick eines Gebäudes,
das die Aufmerksamkeit um so mehr auf sich zieht, weil es fast das
einzige ist, das man in dieser wüsten Gegend gewahr wird. Wir sahen es
von Bord unsres Schiffes in Süd-Süd-Ost. -- Einsam liegt das Häuschen da
am Gestade, in der stillen Bucht, die muldenförmig nach innen
ansteigt, -- halbversteckt zwischen den Bergen, die sich schroff und
kühn auf allen Seiten emporthürmen. Ihre Wände steigen glatt, nur von
oben nach unten von kleinen parallelen Furchen durchzogen, steil wie
eine Mauer empor und endigen sich hoch oben in einen Kamm, der den
Thalbewohnern den Anblick des Himmelslichtes noch lange nach dessen
Aufgange verbirgt und lange, finstere Schatten in die Klüfte wirft. Der
Saum hat eine eingerissene, höckrige, gekerbte Beschaffenheit, hebt und
senkt sich in den wildesten, regellosesten Formen und malt sich in
schroffen Umrissen, zackig-durchklüftet, wie eine Säge am Blau des
Himmels ab. Hinter den vordern Bergzügen, die lauter schmale, an ihren
Seiten wandartig steile Jöche sind, thürmen sich in der Ferne noch
höhere Jöche, noch wüster und rauher als die vorigen empor, -- aber, so
unbesteigbar sie dem Auge erscheinen, so verkündet doch ein hoch in die
Lüfte hingepflanztes Signal, -- ein für die christliche Menschheit so
bedeutungsvolles Zeichen, -- ein ~Kreuz~, das von der höchsten Zacke des
höchsten Joches »Schamshan« herab auf die Rhede blickt, daß menschliche
Wißbegierde sich auch zu diesen unwirthbaren Höhen einen Zugang
verschaffte. -- Die Meereshöhe dieses Punktes soll 1660 par. Fuß
betragen.

Nur auf dem unmittelbar an's Meer gränzenden Saume des schmalen Gestades
bemerkt man sandige Stellen, die wie jene sandigen Theile der zuerst
genannten kleinen Halbinsel gelblich hellgefärbt sind. Alles andere bis
hoch hinauf auf die Firsten der Berge liegt in einer einförmigen,
düstern Schminke da, nämlich in einer ~schwärzlichen~, ~grau-braunen~
(umbrabraunen) Farbe, die nirgends von einer verschiedenen Nüance
abgewechselt wird und die den unwirthbaren, gleichsam bangen,
furchteinflößenden Anblick der Gegend noch düstrer macht. -- Vergebens
sucht das Auge nach einem Baume, vergebens nach einem Strauche; kein
Grashalm, kein einziges grünes Fleckchen ist weit und breit zu
entdecken. Dunkel, umbragrau düstert Alles umher. Nur nackte, kahle
Felswände, wohin er sich wendet, blicken den Reisenden an und die
furchtbar zerrissene Zackenform der Bergkämme blickt drohend auf ihn
nieder. Sähe man das Häuschen nicht, das dort aus seiner stillen Bucht
im Kesselthale freundlich hervorblickt, -- wäre der blaue, heimathliche
Himmel nicht, der über diesem Gebirgschaos herablächelt, so könnte man
glauben, sich auf einem fremden, verwüsteten Planeten zu befinden.

Wenigstens in mir brachte der Anblick Aden's den Eindruck hervor, der
ich solche eingerissene Bergform, -- solch' öde Wüstennatur zum ersten
Mal anschaute. -- Alles vegetabilische Leben schien von hier verbannt zu
sein und Nichts war vorhanden, was mich an die reiche Pflanzenwelt von
Java, in deren Wäldern ich so viele Jahre lang geweilt hatte, hätte
erinnern können. Ich befand mich hier in einer Natur, die jener in
~schroffem~ Contraste gegenüber stand. Nur ~ein~ Wesen zeigte sich, das
mich an Java erinnerte, als wenn es mich auf der Reise von dort hierher
begleitet hätte, -- ein thierisches Geschöpf nämlich, -- ein Vogel.
_Falco pondicerianus_ flog, hier wie dort, in Kreisen um das Schiff.

Da der Führer unsres Schiffes bekannt gemacht hatte, daß wir wegen
einiger kleinen wünschenswerthen Reparaturen und des nothwendigen
Einnehmens eines neuen Vorraths von Steinkohlen, nicht vor 8 Uhr des
folgenden Morgens weiter reisen würden, so begab ich mich, um von
diesem Aufenthalte so viel als möglich Nutzen zu ziehen, den 4ten
October früh an's Land, um den heutigen Tag nebst dem folgenden Morgen
zum Durchstreifen der Halbinsel in verschiedenen Richtungen und zu
geologischen Untersuchungen derselben zu benutzen. Weil man überall
natürliche und oft sehr schöne Entblößungen der Felsen findet, so war
der geologische Theil der Untersuchungen leicht, und stand in gar keinem
Verhältniß zu den Schwierigkeiten, die sich der Erforschung vom innern
Bau des Landes auf Java entgegenstellen.

Ich begab mich in dem Kahne eines Somali[22] (eines Abyssiniers aus dem
Arabien südwärts gegenüberliegenden Lande Somali), der schöne
Gesichtszüge, aber dünne Waden hatte, an's nahe Land und wanderte, nur
mit einem tüchtigen geologischen Hammer und einigen Thermometern
bewaffnet, über die schmale Strandfläche hin, dem Hotel zu, das in
geringer Entfernung von der Küste im hintern Theile der Sandfläche lag,
da, wo diese anfängt, sich schon etwas zu erheben, um in die
muldenförmigen Thalgründe zwischen den Bergjöchen emporzusteigen.

Dutzende von arabischen Buben drängten sich zu mir heran und wollten
durchaus nicht erlauben, daß ich zu Fuß ginge, zumal da ein jeder einen
gesattelten Esel am Zaume führte. Sie priesen die guten Eigenschaften
und den ruhigen Gang ihrer Thiere um die Wette und waren so besorgt um
meine Bequemlichkeit, -- obgleich das Hotel kaum 200 Fuß weit von uns
entfernt lag, -- daß ich mich bald zwischen lauter Eseln eingeklemmt sah
und meine Thermometer Gefahr liefen, zu brechen. Erst nachdem ich mit
einem von ihnen (zum Behufe eines Ausflugs in die Insel) für ein Paar
Gulden einen wechselseitigen Contract geschlossen hatte, zogen die
übrigen -- (Esel) ab.

Westwärts vom Hotel, dem Meere zunächst, lehnen sich die großen
Kohlenmagazine dem Fuße der Berge an, nämlich viereckige offene Räume,
in denen die Kohlen hoch auf einander gestapelt sind. Sonst sieht man
hier Nichts von Menschenhand Gemachtes. Ich nahm mein Absteigequartier
im Hotel, das, wenn ich nicht irre, außer dem Speisesaale 30 luftige,
mehr oder weniger geräumige Zimmer enthält. Es ist nur zum Theil aus
Stein erbaut, dem größern Theile nach aus Bambus, Schilf und
Dattelblättern zusammengezimmert und wird von einem Parsen gehalten.
Außer den sehr willkommenen, periodischen Gästen, die mit den
Landmailschiffen kommen und deren Zahl nicht groß ist, wird es noch von
vielen unwillkommenen, stationären Gästen, nämlich Ratten bewohnt. Die
Tafel (für die erstern) war weniger gut besetzt, als dies an Bord der
Fall war, denn da Aden selbst nicht das Geringste producirt, so müssen
alle Lebensmittel theils mit Schiffen, theils auf Kameelen aus fern
gelegenen Gegenden hier angeführt werden. -- Mein erster Ausflug galt
dem von hier entferntesten, östlichsten Theile der Halbinsel, wo sich,
ein Stündchen Wegs von hier, die auf alten Ruinen wieder neu errichtete
Stadt befindet. Da noch viele andere Passagiere vom Schiff dieselbe
Absicht hatten, die Stadt zu besuchen, so waren die vielen Esel, deren
leitende Nebengeister vor dem Hotel ungeduldig auf angenehme Befrachtung
harrten, binnen Kurzem alle besetzt. Wir bedauerten einige schöne, zarte
Damen, die so gütig waren, uns ihre Gesellschaft zu schenken und die
ebenfalls mit diesem langgeöhrten Transportmittel vorlieb nehmen mußten,
dem einzigen nämlich, das man außer seinen eigenen Füßen hier haben
konnte. Die Sättel auf den in Arabien sehr geehrten Thieren waren
ungemein hoch, aber sehr lose angeschnallt und wackelten unerbaulich hin
und her. Sobald unsere Karavane vollständig beritten oder besser gesagt
beeselt war, zogen wir auf der neuen Straße, welche die Engländer auf
dem schmalen Raume zwischen dem Meere und dem Fuße der Berge angelegt
und oft durch hervorragende Felsecken hindurchgehauen haben, dahin und
umschrieben einen weiten Halbkreis rund um den Fuß des Gebirges, erst
nach Nord-Ost, dann nach Ost und endlich nach Süd. -- Ein jeder Esel
hatte einen leitenden Geist oder Maschinist, der, mit einem tüchtigen
Stocke in der Hand, hinter ihm herging. Wenn nun die vierfüßigen
Unterthanen zuweilen etwas schläfrig wurden und »Eile mit Weile« in
Ausübung brachten, so schlugen die zweibeinigen Maschinisten auf's
Locomotiv hinten auf, das dann gewöhnlich einen vertikalen Sprung mit
den Hinterbeinen machte, während es mit den Vorderbeinen plötzlich
stille stund. Die Reiter wippten dann, oder richtiger, ~wurden~ in die
Höhe gewippt, einen halben bis einen Fuß hoch, und wurden dadurch wider
Willen an die Erdbeben erinnert, die ohne Zweifel einmal an diesen
Felsen gerüttelt und geschüttelt und eben dadurch die Gebirge so
zerstückelt hatten, wie sie jetzt sind. Man konnte solchen vertikalen
Stößen um so weniger widerstehen, je unerwarteter sie kamen und die
Folge davon war, daß manche schlechten Reiter herabplumpsten in den Sand
und -- mit Ausnahme der schönen Reiterinnen, die bei diesen Exercitien
»das Unterste zu oberst« jederzeit viele Beweise der zärtlichsten
Theilnahme empfingen, -- von den Übrigen ausgelacht wurden. Manche
blieben, wenn sie durch solche Stöße das Gleichgewicht verloren hatten,
auf der Seite schweben und Andre, die sich an den Sattel hatten fest
halten wollen, der sich aber nach den Gesetzen der Schwere herumdrehte,
kamen unter den Bauch der Esel zu hängen, die dann, durch diese
verkehrte Art zu reiten, außer Fassung gebracht, wie vom Teufel besessen
davon galoppirten. Die Nebengeister der Esel liefen dann, unter einem
lauten Halloh, was sie laufen konnten, hinter drein, das arme Opfer,
das in einer so »schwebenden Pein« hing und das vielleicht schon an das
tragische Schicksal eines ~Mazeppa~ dachte, schrie, was es schreien
konnte und -- die Andern lachten. Doch lief die Pilgerfahrt glücklicher
Weise ohne Halsbrechen und ohne andre Beschwerden, als Hitze, Sand- und
Staubwolken ab.

Erst von da an, wo sich die Straße am Ostfuße eines Joches ganz nach
Süd-Ost und Süd gedreht hat, fängt sie an, am Gebirge hinanzusteigen und
nähert sich immer mehr einer schmalen, tief durch den Kamm eines Joches
hindurchgehauenen Kluft. Die Bergwand, welche sich hier zur Rechten,
nämlich auf der ~West~seite des Weges erhebt und welche in der Richtung
nach Osten in die, hier geschlossene[23] Bai herabschaut, ehe man jene
Kluft erreicht hat, -- zeichnet sich durch eine Menge großer Löcher,
oder ~buchtartiger Höhlungen~ aus, die nicht deutlich in Reihen liegen,
sondern ziemlich regellos an der Wand zerstreut vorkommen. Sie ähneln
den Aushöhlungen, die an manchen Küsten durch die Brandung des Meeres
verursacht werden, liegen aber 1--300 Fuß über dem Niveau des Meeres und
sind vielleicht (?) durch Kunst ausgehauene Cisternen (Tank's), die zu
Wasserbehältern dienten und bestimmt waren, das hier so selten fallende
Regenwasser aufzufangen.

Je höher man steigt und je mehr man sich der angedeuteten Kluft durch
den Bergrand nähert, um so mehr wird man mit Bewunderung erfüllt über
die ungeheuern Festungsbauten, welche die Engländer hier angelegt haben.
Schon diese Befestigungswerke rufen in dem Reisenden die Ahndung hervor,
daß er sich dem ~einzigen~ Zugange zu einer auf allen Seiten von der
Natur durch unübersteigliche Felsjöche befestigten Stadt nähere. Da, wo
diese Felsjöche eine Lücke, die Möglichkeit eines Zugangs ließen, da
sieht man diese Zugänge verstopft durch Bastionen und gewaltige Mauern,
welche daselbst errichtet sind und erblickt solche Mauern in Höhen von
mehren Hundert Fuß an den steilsten Wänden, wie angeklebt, oder auf den
höchsten Bergkämmen, wie aufgewachsen.

Die Kluft, der wir näher treten, ist ein durch die Kunst noch um 25--30
Fuß tiefer gemachter Einschnitt in die Felsen an einer Stelle, wo schon
die Natur eine Kerbe im Kamme eines Joches gebildet hatte. -- Feste
Mauern engen den Weg zu beiden Seiten ein, der zu ihr hinanführt, und
eine gewaltige Batterie, die sich auf der Ost- d. i. linken Seite, wenn
man von außen (von Norden) kommt, auf terrassenförmig höher steigendem
Gemäuer erhebt, vertheidigt den Eingang. Die hindurchgebrochene Kluft
selbst ist zu einem festen, überwölbten Thore umgestaltet, und durch
dieses Thor, -- durch diesen ~einzigen Zugangspaß von der Nordseite her
zur Stadt~, -- muß der erstaunte Reisende hindurchschreiten, wenn er zum
Orte Aden gelangen will, zu einer Stadt, die von Natur schon fester als
Gibraltar ist. Die Flur (oder die Sohle) des Thores mag 400 Fuß hoch
über dem Meere liegen. -- Sobald wir hindurchgeschritten waren, blickten
wir in ein Kesselthal hinab, in dessen Umfange sich fast auf allen
Seiten steile Bergwände herumzogen und beinahe eine Kreislinie bildeten,
wodurch der kleine Thalgrund gewissermaßen vor den Blicken aller Welt
verborgen gehalten wird. -- Sein ziemlich flacher Grund mochte 300 Fuß
tiefer, als der Paß durch den Bergrand, den wir auf der Nordseite des
Kessels überschritten hatten, also etwa 100 Fuß über dem Meere liegen
und eine englische Meile im Durchmesser haben. Nur auf seiner Ostseite,
wo er sich zum Ufer der östlichen (Aden-) Bai hinabsenkt, waren keine
umringenden Berge vorhanden. Dort war der Rand des Thalgrundes wenig,
und theilweis gar nicht erhöht.[24]

Aus diesem Thalgrunde, so recht im Innersten der Gebirge versteckt, die
ihn unzugänglich machen, blickte mit ihren Ruinen, neuen Gebäuden,
Hütten, Krambuden und Kasernen die ~Stadt Aden~ zu uns herauf, die wir
besuchen wollten. -- Wir stiegen auf dem Schlangenpfade der Straße hinab
und wanderten bald zwischen Ruinen von alten, bald zwischen Bruchstücken
von neu aufgerichteten Häusern, bald zwischen Menschen, die beschäftigt
waren, mit Hülfe von Lastthieren Wasser aus tiefen Brunnen zu schöpfen
und Mörtel zu neuen Bauten damit anzumengen und bald zwischen Arbeitern,
die alte Brunnen aufräumten oder neue gruben, dahin und gelangten so in
die Straßen der Stadt, die wir durchschlenderten.

So wie aber die Stadt und der ganze Kessel, in dem sie lag, von oben,
vom Paßthore herabgesehen, wohl einen öden, doch keinen freundlichen
Anblick gewährt hatte, so sah auch ihr Inneres durchaus nicht einladend
aus. Auch hier war nirgends ein grünes Fleckchen zu entdecken, viel
weniger ein Baum, Alles war kahl und wüst, -- man sah nur Sand,
Gebirgsschutt oder nackten Fels. Die Bewohner, deren Anzahl, außer der
Garnison und einigen europäischen und armenischen Kaufleuten, auf 7000
angegeben wurde, bestehn aus Abyssiniern (Somali), Juden, und
hauptsächlich aus Arabern, welche alle drei verschiedene Abtheilungen
der Stadt bewohnen. Die meisten Häuser waren niedrig, nur aus
Bambusrohr, Schilf, aus dem Holze und den Blättern der Dattelpalme
aufgerichtet, auch mit den Blättern dieser Palme, mit Schilf und Matten
gedeckt, und oben platt; nur wenige, worin vorzugsweise Juden wohnten,
waren, doch nur roh, von Stein gebaut. Ich sah nur wenige bessere und
zweistöckige Gebäude, in denen englische, armenische und chinesische
Kaufleute wohnten; die übrigen waren niedrig, unregelmäßig und die
Straßen zwischen ihnen schmutzig. Hier lag Kehricht in Haufen umher,
dort standen getrocknete Fische zu Kauf, hier wurden Kuchen in Öl
gebacken, dort standen Körbe voll Datteln, die zum Theil schon halb in
Gährung übergegangen waren, zur Schau, -- und, außer dem Geruche, den
diese Herrlichkeiten aushauchten, sorgten die Myriaden von Fliegen, die
davon angelockt, in den engen Gassen herumschwirrten, dafür, daß die
Reisenden daselbst nicht länger, als nöthig war, verweilten.

Wir besahen einige von den gegrabenen tiefen Brunnen, die in großer
Anzahl im Umfange des Thalkessels, am Fuße der Berge, besonders auf der
West- und Süd-Westseite liegen, da, wo diese Berge am höchsten sind. Die
meisten waren in Gereibsel- (Conglomerat-) und Tuffmassen, wenige in
compakten Fels ausgegraben und 30--40 Fuß tief. Sie liefern ein
vorzügliches Trinkwasser, das übrigens auch das einzige Wasser ist,
welches die Bewohner der Halbinsel besitzen. Nachdem wir die Stadt
durchkreuzt und einige Erfrischungen zu uns genommen hatten, trennte ich
mich von meinen Begleitern und machte nun Ausflüge zu Fuß in
verschiedenen Richtungen durch die Gebirge, während jene auf ihren Eseln
in's Hotel am Ufer der Back-Bai zurückkehrten. Ich will jedoch die
Beobachtungen, die ich über die topographischen und geologischen
Verhältnisse Aden's auf diesem, so wie auf spätern Zügen machte, welche
ich an diesem Tage durch die östlichen und mittlern, und am folgenden
Morgen vom Hotel aus durch die westlichen Gegenden der Insel unternahm,
in ~ein~ gedrängtes Bild zusammenfassen.

Alle Berge, die ich sah, hatten aus einiger Ferne erblickt, überall
dasselbe schwärzlich-grau-braune (umbrabraune) Kolorit und waren überall
gleich nackt, ohne eine Spur von Verwitterungskrusten, ohne den
geringsten Anflug von Flechten. Sie waren gewöhnlich vom Fuße an, bis
zur Hälfte ihrer Höhe in Schutthalden (Gebirgsschutt, Gereibsel)
verborgen, ja die weniger steilen Gehänge waren bis zu drei Viertel der
Höhe hinan mit Gereibsel überstreuet, so daß nur die obersten Jöche als
~compaktes~, nicht zertrümmertes Gestein hervortraten. Ihrer Gestalt
nach waren es sehr schmale, aber lang hingezogene Ketten oder große
Rippen, die sehr steile, oft mauerartige Seitenwände hatten und sich
oben in einen noch schmälern, meistens ganz scharf zulaufenden,
höckrigen, gekerbten, oder scharf eingerissenen, ja oft auf das
Wunderbarste ausgezackten und spitzgezähnelten Kamm (Firste, Gräte)
endeten. Sie stellten sich dar als auf das Gewaltsamste zerrissen und
zerklüftet und strebten ungemein kühn und zackig-rauh empor. Die Firsten
der meisten sind gewiß unübersteiglich und unbeklimmbar.

Was die Lage und Verbindung dieser Jöche betrifft, so streicht ein
höchstes, centrales Joch, das die Araber ~Dschebel~ (Berg) ~Schamshan~
nennen, von West-Nord-West nach Ost-Süd-Ost durch die Halbinsel und von
diesem Hauptjoche laufen Querzweige oder Seitenrippen, die übrigens eben
so gestaltet und in der ersten Hälfte ihrer Erstreckung nicht viel
weniger hoch sind, nach dem Meere aus, indem sie sich allmählig tiefer
senken. Ihre Anzahl nimmt durch Spaltung, durch das Auftreten neuer
Schluchten zwischen ihnen nach der Meeresküste hin zu, und so entsteht
ein merkwürdiges, auf den ersten Anblick labyrinthisches Gegitter von
schroffen Bergleisten und engen Schluchten zwischen ihnen, von denen die
meisten in ihrem Grunde eben so schmal sind, wie die Bergrippen auf
ihrer Firste. Nur einige von diesen Schluchten haben einen mehr
muldenförmig-gerundeten Grund und breiten sich in ihrer untersten
Gegend zu kleinen Sandflächen aus, die vorn an's Meer gränzen und kleine
sandige Buchten zwischen den Bergrippen bilden. Die größte und fast
kreisförmig gestaltete dieser Buchten ist das Kesselthal, worin die
Stadt Aden liegt, begränzt auf der Süd- und Westseite durch die
auslaufenden Rippen des Dschebel Schamshan und auf der Nordseite durch
ein kleineres Joch, das auch weniger hoch ist, aber mit einer Rippe des
Schamshan auf der Nord-Westseite des Thales ununterbrochen
zusammenhängt. Über die Kerbe, den tiefsten Punkt zwischen beiden führt
der uns bekannte Paß. Auf der Ostseite, der Insel Sira gegenüber, steht
die Bucht offen und senkt sich steil zum Meere herab, auf ihrer
Westseite aber erheben sich die höchsten Zacken des Schamshan, die man
auch von der Back-Bai aus sehen kann (s. × auf Fig. 17). So bilden Jöche
und Nebenjöche (mit Zwischenklüften) die ganze Halbinsel. Viele ragen
mit ihren Enden, die sich steil hinabsenken, oft weit in's Meer hinaus
und bestimmen dadurch die elliptische, in vielen Zacken vorspringende
Form von Aden's Küstensaume. Der größte Durchmesser der Halbinsel von
Ost-Süd-Ost nach West-Nord-West beträgt ohngefähr 1-1/2 Stunden. Die
höchste Spitze des Schamshan soll 1660 Fuß hoch sein.

In einer Richtung, die der Streichungslinie des Hauptjoches von
West-Nord-West nach Ost-Süd-Ost fast entgegengesetzt ist, nämlich in
Nord-Ost, ist die Halbinsel mit dem Festlande von Arabien durch einen
schmalen Isthmus verbunden, der, wie das angränzende Festland selbst,
ganz niedrig, flach, sandig ist und nur aus zertrümmerten Korallen und
Muscheln besteht. Wäre dieser Isthmus nicht, so würde das Gebirge von
Aden eine ~vollkommen isolirte Berginsel~ sein.

Die steilen Abstürze, welche die meisten Rippen seewärts bilden, bieten
dem Geologen schöne Entblößungen an. Ich habe deren besonders auf der
Nord- und Nord-Westseite untersucht. Wegen der Kahlheit und dem Mangel
bedeckender Erdschichten bietet aber auch das Innere der Halbinsel, in
den Thalklüften, an den steilen, mauerartigen Gehängen der Jöche (da, wo
diese in keinen Schuttmassen, Felsbruchstücken verborgen sind) fast
überall eine reiche Gelegenheit dar, die geologische Structur zu
erkennen.

Ich habe keine andern Gesteine, als Lava-Arten, nämlich trachytische,
doleritische, basaltische Gesteine, nebst Trümmerbildungen derselben
Steinart (Conglomerate) und Tuffe gefunden. Die Halbinsel ist also ganz
vulkanisch zusammengesetzt und die Trümmerbildungen, die theils
Gluthbrezzien, theils unter Wasser abgesetzte oder als Schlamm geströmte
Gereibsel- und Tuffbänke sind, nehmen keinen geringen Antheil an dieser
Zusammensetzung. Am massigsten kommt trachytisches Gestein vor in den
mittlern Jöchen der Halbinsel, wo es leistenartig, oben schmäler
werdend, als mächtiges Ganggestein emporragt. Die trachytischen sowohl,
als die basaltischen Laven, welche man findet, sind bald dicht, bald mit
wenigen, aber großen Blasenräumen versehen und diese sind bald leer,
bald mit Kalkspath, Quarz, selbst Gypsspath ausgefüllt und verwandeln
die Felsart alsdann in einen vulkanischen Mandelstein, bald sind sie
ganz bimssteinartig porös. -- Was zu Aden meine Aufmerksamkeit am
meisten auf sich zog, da ich es auf Java zwar häufig in neptunischen
Gebirgen, aber nie in ~vulkanischen~ Bergen gesehen habe, waren
vertikale, bald gerade, bald im Zickzack verlaufende Gesteingänge,
welche durch die übrigen Massen von Nord-Ost nach Süd-West
hindurchsetzten, also fast in einer queren Richtung zur
Hauptstreichungslinie des Schamshan verliefen. Sie bestanden bald aus
trachytischem, porphyrähnlichem Gestein, bald aus Lava von einer mehr
dichten, basaltischen Beschaffenheit und ragten hier und da, gewöhnlich
aus losem Material (Reibungsconglomerat) als gewaltige Felsmauern oder
Kämme hervor; ich bin daher geneigt, zu glauben, daß jene steil
ansteigenden, oben zackig-geendeten Trachytleisten oder Rippen der
Halbinsel auch weiter nichts, als solche, sehr massive, vertikale
Gesteingänge sind. -- Mehr im ~Umfange~ der Halbinsel, also am ~Fuße~
der Rippen, besonders auf der West-Nord-Westseite kommen ähnliche
Steinarten in mehr ausgebreiteter, plattenartiger Form vor, nämlich als
Lavabänke, die parallel über einander liegen und bald gleichmäßig nach
außen, nach dem Meere zu geneigt, übrigens platt, bald gewölbeartig
gebogen sind, in welchem letztern Falle dann ihr vertikaler Durchschnitt
(die senkrechte Wand, die sie an der Küste bilden), ein zwiebelartiges
Ansehn erhält. Die schönsten Entblößungen dieser bankförmig über
einander gelagerten Gesteinmassen sah ich am Ufer der Back-Bai,
besonders auf der Nord-Westseite der Halbinsel, in der Nähe des Eingangs
in die Bai. Hier haben sie eine Mächtigkeit bald nur von 3, bald von 15
Fuß und wechseln sehr oft mit lockern Gereibsel- (Conglomerat-) und
Tuffschichten ab, zum Beweise, daß sie 1) wie die spaltenfallenden Gänge
und Bergleisten selbst, zu verschiedenen Malen und in verschiedenen
Perioden, aber alle in tertiären oder vortertiären, nicht in
historischen Zeiten ~unter dem Meere~ gebildet, theils als submarine
Lavaströme ergossen, theils aus dem Wasser, als Trümmer-, Schlamm- und
Tuffbildungen abgesetzt wurden, 2) daß sie eine ältere geschichtete (in
Bänke gesonderte) Bildung sind, als jene vertikalen, meist trachytischen
Gesteingänge, von denen sie durchbrochen und mit emporgehoben
wurden. -- Die meisten bankförmigen Gesteine, die ich sah, bestanden aus
schwärzlicher, basaltischer Lava.

An manchen Stellen war diese Lava dünnschiefrig, abgesondert, in den
mehrsten Gegenden aber in parallele Unterabtheilungen (Unterbänke)
getheilt; diese waren zuweilen in verschiedenen Richtungen
halbkreisförmig gebogen, -- an manchen Stellen, wo das Gereibsel unter
diesen Bögen fehlte, wo es weggewaschen oder weggekrümelt war, bildeten
sie überhängende Buchten oder Gewölbe, unter denen Grotten übrig
blieben, geräumig genug, um eine Anzahl Menschen zu befassen. An einigen
Stellen liefen die Biegungen der plattenförmigen Abtheilungen dieser
Lava sogar ~ganz kreisförmig zusammen~ und bildeten dann eine
~ausgezeichnet-kuglige, concentrisch-schaalige Absonderung~. An vielen
Stellen war diese Lava in allen möglichen, oft queren Richtungen, sowohl
von dünnen Adern, als auch dickern Massen von ~Gypsspath~ durchzogen;
auch fand ich Gereibselmassen, Steintrümmer, die durch dieses Mineral
hier und da brezzienartig zusammengebacken waren.

Ihre so ungemein zerrissene, zackig-zerstückelte Beschaffenheit hat die
Halbinsel wahrscheinlich erhalten durch die Wirkung der Meeresfluthen,
so lange sie noch unter dem Meere lag, aus dem sie ~allmählig~, in
häufig wiederholten absatzweisen Hebungen emporstieg. Dadurch mußten die
Conglomeratbildungen, die zwischen den senkrechten Gesteingängen lagen,
da wo sie nicht von plattenförmig ausgebreiteten Lavamassen bedeckt und
dadurch vor den Wogen geschützt waren, besonders leicht zerstört werden
und dadurch wurde vielleicht die große Tiefe der Schluchten und die
schroff hervorragende Leistenform der Berge zwischen ihnen bedingt oder
vermehrt. In den Gegenden der Halbinsel, wo der innere Bau des Landes
aus der vorhin bezeichneten bankförmigen (platten oder gebogenen)
Absonderung besteht, was besonders im äußern Umfange der Insel der Fall
ist, da ist die äußere Form der Berge flach oder wulstig, man sieht
gleichmäßigere und sanfter gesenkte Gehänge. Auf dem verflachten
Scheitel eines solchen Bergwulstes im west-nord-westlichsten Ende der
Halbinsel haben die Briten ein kleines Fort erbaut, das dem Eingange in
die Back-Bai, den es beherrscht, gegenüber liegt. Man kann dieses Fort
auf einem bequemen, neu angelegten Wege besuchen, der vom Hotel, dem
Landungsplatze aus, in entgegengesetzter Richtung, als jener zur Stadt
führende, nämlich nach West leitet. Er läuft hart am Fuße der Berge
zwischen diesem und dem Meere hin und schmiegt sich allen Unebenheiten
der Küste an, die bald in Zacken hervorragt, bald in kleinen sandigen
Buchten einspringt. Nach einer halbstündigen Erstreckung vom Hotel
steigt er, um das Fort zu erreichen, hinan am Berggehänge, auf welchem
sich die englischen Offiziere aus Holz, Bambus, Schilf und
Dattelpalmblättern mehre luftige Wohnungen erbaut haben. Selbst kleine
Gärtchen für Blumen und Gemüse haben sie versucht, in der Umgebung ihrer
Schilfhäuser anzulegen und haben die fruchtbare Erde, die dazu nöthig
war, Tagereisen weit aus entfernten Gegenden Arabiens kommen lassen.
Denn der steinige Boden ist auf der ganzen Halbinsel überall so
vollkommen nackt, daß man nirgends die Spur einer Verwitterungskruste
findet und nicht einmal den Thallus einer Flechte auf den Felsen
antrifft. -- Doch habe ich auf meinen Ausflügen eine Anzahl kleiner
Sträucher und Halbsträucher gefunden, für deren besondere Organisation
dieser Boden gedeihlich scheint und die wild in losem Sande oder in
Felsspalten wuchsen. Sie waren nicht höher wie 1/2-2, höchstens 3 Fuß
hoch und bestanden aus 6 verschiedenen Arten, worunter ich eine
stachelige _Acacia_, -- eine halbstrauchartige _Reseda_, -- _Capparis
spinosa_, -- und eine _Euphorbia_ erkannte.

In den Bergschluchten sollen sich viele Füchse von grauer Farbe und
selbst einzelne Hyänen aufhalten. Ich habe von thierischen Bewohnern
außer einem Raubvogel (_Falco pondicerianus_) nur Ratten und zahme Esel
gesehen.

Es schien mir nicht unwichtig, einige Beweisstücke über das vom
geologischen Baue Aden's Mitgetheilte zu besitzen. Zu diesem Behufe
schlug ich von den verschiedenen Felsarten Stücke ab, von denen ich
jedoch nur eine Anzahl der am meisten bezeichnenden, vorherrschenden und
auch von diesen nur ~kleine~ Exemplare habe mitbringen können.[25] Diese
habe ich unter den folgenden Bezeichnungen und Nummern im
naturhistorischen Museum zu Leyden deponirt.

~Aden Nr. 1~. Ein porphyrartiges Gestein. Eine gleichförmige
Felsitgrundmasse, die nur dem bewaffneten Auge sehr feinkörnig
erscheint, eben von Bruch, blaß-röthlich von Farbe, enthält vereinzelte,
matte, wenig glänzende Feldspathkrystalle, die dem bloßen Auge wie
unregelmäßige, eine Linie große weiße Flecke erscheinen, nebst vielen,
kleinen, durch die ganze Gesteinmasse zerstreuten Magneteisentheilchen,
die aber nur zum Theil mit der Loupe in Gestalt sehr kleiner Körnchen,
auch kleiner Adern sichtbar sind. In noch kleinern, kaum mit der Loupe
sichtbaren Theilchen kommt Eisenkies darin vor. Die ganze Gesteinmasse
funkt zum Theil am Stahl. -- Von einem der senkrechten Gesteingänge, im
nord-östlichen Theile der Insel, unweit vom befestigten Thore auf dem
Rande des Kesselthals. -- ~Aden Nr. 2~. Eine braunrothe Lava-Art. Eine
dem bloßen Auge gleichförmige, nur unter der Loupe feinkörnige
Grundmasse enthält vereinzelte glasige Feldspathkrystalle und ist von
vielen engen Blasenräumen durchzogen, aber fest und compakt, weil die
Gesteinmasse zwischen den Poren viel dichter ist, als diese weit
sind. -- Von Rippen des Schamshan. -- ~Aden Nr. 3.~ Graues, im Bruche
blättrig-splittriges, gleichförmiges, dichtes, mehr phonolith- als
trachytartiges Felsitgestein, hier und da mit einem vereinzelten
Ryakolithkrystall, oft in Platten brechend. -- Dieses, so wie alle
Gesteine Aden's sind sehr unscheinbar. -- ~Aden Nr. 4.~ Dem vorigen
gleichendes, nur noch dichteres, schwärzliches, basaltisches Gestein; in
plattenförmige Stücke brechend, und auf den Absonderungsflächen mit
dünnen Lagen von dichtem schwefelsaurem Kalk (Gyps) überzogen. Diese
letztere Substanz ist nebst kohlensaurem Kalk für Aden sehr bezeichnend
und kommt nicht nur in dieser, sondern in ~allen~ Felsarten der
Halbinsel in Menge vor. Beinahe alle diese Felsen sind nämlich von
vielen, meist sehr gedrängten, feinen, dem bloßen Auge oft gar nicht
sichtbaren Rissen (Absonderungsspalten) durchzogen, und diese Risse sind
mit papierdünnen oder höchstens eine Viertellinie dicken Schichten
theils von kohlensaurem, meistens aber von schwefelsaurem Kalk erfüllt,
der sich in Gestalt dünner Blättchen leicht vom Gestein ablösen läßt. In
Folge von diesen (zum Theil mit Kalk ausgefüllten) vielen Rissen
schilfern die Felsen außerordentlich leicht ab, es lösen sich Theile von
ihrer Oberfläche und die Schutthalden am Fuße der Felswände werden
größer. -- ~Aden Nr. 5.~ Poröse Lava, die ihrer Structur nach der Nr. 2
vollkommen gleich, nur grau von Farbe ist. -- ~Aden Nr. 6.~ Schwarze,
von sehr kleinen, zahlreichen Blasenräumen durchzogene, ganz poröse,
aber harte, feste und schwere Lava. -- ~Aden Nr. 7.~ Dergleichen mit
viel größern Blasenräumen durchzogene Lava. -- ~Aden Nr. 8.~ Dergleichen
Lava mit sehr großen, weniger gedrängten, nach ~einer~ horizontalen
Richtung verlängerten Blasenräumen. -- Nr. 6, 7 und 8 gehen durch
Zwischenformen in einander über und bestehn aus einem und demselben,
gleichförmigen, basaltischen Lavateige, in welchem auch das bewaffnete
Auge fast keine Bestandtheile zu erkennen vermag. -- Im nord-westlichen
Theile der Insel, am Ufer der Back-Bai. -- ~Aden Nr. 9.~ Hellgraue, fast
weißliche, mit Alaun durchdrungene, unter der Loupe körnige
Feldspathmasse, mit vielen kleinen, unregelmäßigen, zersetzten
Hornblendekörnern, ohne Magneteisen. Es ist ein bröckliges, fast
sandsteinartiges, innig mit Alaun durchdrungenes, von Gewicht schweres
Agglomerat von Feldspath- und zersetzten Hornblendekrystallen. -- ~Aden
Nr. 10~, _a_ und _b_. Mehr oder weniger gebleichte Feldspathlaven, die
wahrscheinlich lange Zeit der Einwirkung saurer Dämpfe bloßgestellt
waren. _a._ Mit sehr vielen kleinen Krystallen von Magneteisen; viele
von diesen sind sehr klein, nur unter der Loupe sichtbar und bilden hier
und da auf den Absonderungsflächen ganze Anflüge, die dem bloßen Auge
nur als schwarze, pulverige Flecke erscheinen. -- Dieses Gestein giebt
sich zu erkennen als identisch mit Nr. 1, nur in etwas verändertem,
gebleichtem Zustande. -- Schwefelbeschlag ist selten. _b._ Ohne
Magneteisen; aus Feldspath und Quarzkörnern mit veränderter zersetzter
Hornblende bestehend, innig und stark mit Alaun durchdrungen,
ungleichförmig, körnig, gesprickelt, oft gestreift. Schwefelbeschlag
hier und da. -- ~Aden Nr. 11.~ Rothbraune, gleichförmige, dichte
Felsitgrundmasse, hier und da mit einem Schwefelanflug und auf den
Absonderungsflächen des zerspaltenen Gesteins mit dünnen,
lamellenartigen, leicht abschilfernden Überzügen von kohlensaurem Kalk.
An einigen Stellen befindet sich in dieser Felsart eine 1/2--2 Linie
dicke Schicht von Thoneisenstein, die sich als eine gerade
hindurchlaufende schwarze Ader darstellt. -- ~Aden Nr. 12.~ Eine tuff-
und brezzienartige Lava. Sie besteht aus dünnen, lamellenartigen,
parallelen, horizontal hingezogenen, oft auch wellenförmig gebogenen
~Streifen~ einer feinkörnigen, schwärzlich-grauen Lava, die von einander
getrennt sind durch eine Zwischensubstanz von weniger hartem, heller
gefärbtem, gelblich-grauem Tuff, -- und erscheint dadurch in
horizontaler Richtung abwechselnd hell und dunkel gestreift. -- War
diese merkwürdige Lava ein vulkanischer, glühender Schlammstrom, durch
den sich wirkliche geschmolzene Gesteinmassen hindurchzogen, ergossen
unter sehr starkem Druck? -- In den nord-westlichen Gegenden, am Ufer
der Back-Bai. -- ~Aden Nr. 13.~ Quarz und Chalcedon. Kommt bald an der
Oberfläche in 1/4--1 Zoll dicken Überzügen, oft traubig gestaltet, bald
im Innern der Laven, die Blasenräume und Spalten derselben ausfüllend,
vor. -- ~Aden Nr. 14.~ Gypsspath. (Blättriger schwefelsaurer Kalk.
Marienglas.) Bald die Spalten und Blasenräume der Laven füllend, bald
die Felsmassen in 1/2--2 Zoll dicken Adern durchsetzend. -- Ufer des
nord-westlichen Theiles der Insel an der Back-Bai.

Was die Literatur über Aden betrifft, so sind die Hauptwerke unter den
neuern Schriften nach ~Carl Ritter~ die folgenden: _R. ~Forster~, Short
Topographical Description of the Cape of Aden_; mit einer Karte; (in den
_Proceedings of the Bombay Geogr. Soc. May 1839. 8._) -- _Capt. S. B.
~Haines~_ (welcher damals Gouverneur von Aden war) _Memoir of the South
and East Coasts of Arab._ (im _Journ. of the Lond. Royal Geogr. Soc.
1839. vol. IX_). -- _~Fr. Burr~, Sketch of the Geology of Aden_ (in
_Transact. of the Geolog. Soc. of London, Sec. Ser. vol. VI. P. 2.
London, 1842_). -- _J. P. ~Malcolmson~, Account of Aden_ (im _Journ. of
the Roy. Asiat. Soc. of. Gr. Britain. and Ireland. London, 1845, Nr.
XVI, p. 1_).

Außer den ältern Werken seit der Römer Zeiten und außer mehr
vereinzelten Berichten bei neuern Reisenden, sind es besonders die hier
angegebenen Schriften, aus denen ~Carl Ritter~ geschöpft hat. Seine
Arbeit über Bab el Mandeb, Aden u. s. w. (Erdkunde _XII_, _p._ 664--707)
ist so gründlich und umfassend, daß wenigstens für unsern Zweck kein
erneuertes Studium der Quellen nöthig schien. Auch konnte ich mir nur
die Abhandlung von ~Burr~ und ~Malcolmson~ verschaffen, die ich nachlas.
Es sei mir daher erlaubt, nach diesen beiden Autoren und nach der
allgemeinen Bearbeitung von ~Ritter~ Dasjenige hier einzuschalten, was
ich in der kurzen Zeit eines Tages nicht selbst erfahren oder nicht
selbst beobachten konnte.

Die Stadt Aden (auf der Ostseite der Halbinsel) war schon in den ältesten
Zeiten als ein berühmter Seehafen und Handelstapelplatz bekannt. Sie kommt
unter dem Namen Athana bei ~Plinius~ vor, -- Madoce bei ~Ptolemäus~, und
ist der Hafenort _Arabia felix_ des Periplus. Sie wurde wahrscheinlich
schon bei der ~Salomon~'schen Ophirfahrt besucht 670 vor Chr. und auf der
Periplusfahrt (des ~Pseudo-Arrian~) 330 v. Chr. -- Unter Kaiser
~Constantinus~ in der Mitte des 4ten Jahrhunderts nach Chr. wurde eine
Kirche zu Aden gebaut, und außer den Römern besuchten indische und
chinesische Kaufleute häufig den berühmten Ort. -- ~Edrisi~ erwähnt ihrer
in 1150. Als ~Marco Polo~ in 1293 und ~Ebn Batuta~ in 1328 sich daselbst
befanden, war sie noch der große, berühmte Markt für arabische Pferde und
indische Gewürze. Im J. 1513 war Aden noch sehr blühend und so fest, daß
~Albuquerque~ mit seiner Flotte auf die Eroberung derselben Verzicht
leisten mußte. In 1538 aber wurde Aden von den Türken unter ~Suleiman~ _I._
erobert und von Türken bewohnt und beherrscht bis 1630. -- Theils durch
diese Türkenherrschaft, -- theils durch die veränderte Richtung des
indischen Handels rund um die Südspitze von Afrika, -- theils auch durch
die geringe Civilisation und die Raubsucht der arabischen Stämme, welche
sich in 1705 von ~Jemen~ losrissen und sich unter eignen, unabhängigen
Sultanen in Besitz von Aden setzten, versank das alte Emporium immer mehr
in Ruin; sein Reichthum und Glanz verschwand dermaßen, daß in 1839 die
ganze Halbinsel nur noch 1000 Einwohner hatte, lauter arme Araber, die in
elenden Hütten wohnten.

Die Denkmäler, welche die verschiedenen frühern Bewohner Aden's seit den
Zeiten von ~Constantinus~ im Jahre 350 nach Chr. und noch mehr seit der
Türkenherrschaft von 1538 bis 1630 hinterlassen hatten, fielen immer
mehr in Schutt. Zu diesen Ruinen gehören unter andern eine kolossale
Wasserleitung aus Backsteinen, die über den Isthmus drei Stunden weit
in's Innere von Arabien führt, zu einem nun auch versiegten
Brunnen; -- ferner das Mausoleum des Sheikh ~Idris~, -- große in Fels
gehauene oder gemauerte Wasserbehälter und eine Menge sehr tiefer
Brunnenschächte in den Umgebungen der Stadt, -- Mauern von
Gebäuden, -- Kunststraßen, -- Treppen, -- Grabmäler, Befestigungswerke
u. s. w.

In 1839 unterhandelten die Engländer über die Abtretung der Halbinsel
mit dem damaligen Sultan des ~Abd-Ali~-Stammes, zu dessen Herrschaft sie
gehörte und der sieben Stunden nord-westwärts von Aden in der
Binnenstadt Lahedsch (oder Ladsch) residirte; da dieser Sultan aber die
geschlossenen Contracte treulos brach, so wurde Aden mit Gewalt der
Waffen eingenommen. -- Nicht nur als Station für die Dampfschiffe der
sogenannten Landmail zwischen Indien und Egypten, sondern auch als
Festung, -- als zweites Gibraltar, -- in der Nähe des Eingangs zum
rothen Meere und Hafen und Stapelplatz überhaupt zwischen Indien und
Arabien, dessen Kaffeeausfuhr man hoffen durfte, von Mochha allmählig
hierher zu ziehen, war sein Besitz für die Engländer von Wichtigkeit. --
Seit der Zeit nun hat die Halbinsel eine gänzliche und schnelle
Umgestaltung erlitten, -- kolossale Festungswerke sind gleichsam aus den
Felsen herausgewachsen, -- die Eintausend halbzerlumpten Einwohner sind
schon auf 20,000 gestiegen, worunter 12--13,000 Araber, 3-1/2 Tausend
Truppen und die übrigen fremde Nationen, -- die Brunnen sind wieder
aufgeräumt worden, -- eine Menge Gebäude, Hotel's, Kasernen sind
errichtet, und so hat Aden allerdings die Aussicht, binnen noch einigen
Jahren zu seinem alten Glanze nicht nur wiedergekehrt zu sein, sondern
diesen noch zu übertreffen. Bis jetzt kostet es aber den Engländern
jährlich 90,000 Pfund, ohne etwas aufzubringen.

Erst seit dieser Zeit (1839) ist Aden besonders durch die Arbeiten vom
Capitain Ingenieur R. ~Forster~ und dem Arzte ~Malcolmson~, was seine
topographischen und physikalischen Verhältnisse betrifft, genauer
bekannt geworden. -- Die Stadt liegt unter 12° 46' nördl. Br. und 45°
10' östl. Länge von Greenwich und die höchste Zacke des Schamshan erhebt
sich nach Messungen von ~Haines~ 1666 par. Fuß hoch.

Was das ~Klima~ dieses Landes betrifft, so theilen die genannten
Beobachter das Folgende darüber mit, dem ich einige von mir selbst
gemachte Beobachtungen hinzufügen will.

~Der heiße~ oder Süd-West-Musson herrscht von April bis October. Der
Wind, der sich aber durchgehends des Nachts legt, treibt oft Staubwolken
von den Bergen herab und in diesen steigt die Hitze auf 104° Fahrh. Oft
wehen auch stürmische Nordwinde, die wegen der großen Hitze und den
Staubwolken, die sie anbringen, eine der Hauptplagen für die Bewohner
Aden's sind.

~Der kalt~e oder Nord-Ost-Musson herrscht von October bis März. Während
dieser weht, ist die Luft feucht und die Felswände schwitzen alsdann,
nach ~Malcolmson~, häufig »alkalische Salze« aus. Dies scheint ein
Irrthum zu sein. Ich habe außer Alaun keine Spur von im Wasser
auflöslichen Salzen in Aden finden können, wohl aber sehr häufig
~Kalkerde~, die in dünnen Überzügen auf den Absonderungsflächen, die
meistens nur papierdünnen Risse der Felsen ausfüllend, vorkam. Es war in
den meisten Fällen ~schwefelsaurer Kalk~ (Gyps), zuweilen aber auch
kohlensaurer Kalk, der hier und da, in den Blasenräumen und größern
Spalten der Felsen, auch in reichlichern Massen auftrat.[26]

Doch fallen nur zuweilen in November, Januar und Februar Regenschauer
von kurzer Dauer. Das ganze übrige Jahr hindurch ist die Luft trocken
und der Himmel sehr heiter. In den kalten Monaten beträgt nach
~Malcolmson~ die größte Wärme über Tag und die größte Abkühlung des
Nachts 86 und 64° Fahrh. Während meines Aufenthaltes war in der Bucht,
wo das Hotel steht, die Differenz zwischen Tag- und Nachttemperatur noch
größer und betrug 29 Grade; am 4ten October nämlich des Mittags zwischen
2 und 3 Uhr war die Wärme im Schatten 95 und am 5ten des Morgens kurz
vor Sonnenaufgang 66° Fahrh. -- Diese große Abkühlung des Nachts, die
gewöhnlich, so trocken auch die Luft sein mag, wenn es windstille ist,
starken Thau zur Folge hat, war für das Gefühl empfindlicher, als die
Hitze des Mittags und brachte Frösteln hervor. Auch blieb das
Badewasser, das aus einem gegrabenen Brunnen hinter dem Gebäude
geschöpft wurde und seines bittern Geschmackes wegen, vielleicht weil es
_Sulphas Magnesiae_ aufgelöst enthielt, untrinkbar war, bis in die
Mittagsstunden empfindlich kühl. Daß übrigens die organische
Empfänglichkeit für Wärme (das Gefühl derselben) ein sehr betrügerischer
Thermometer ist, leuchtete mir sehr deutlich zu Aden ein; denn die 95
Grade Luftwärme, die ich hier in dieser trockenen, arabischen Luft
athmete, kamen mir weniger drückend, weniger heiß vor, wie die ~feuchte~
Luft zu Batavia, wenn diese auch nur 84 oder 82° warm ward.

So wie es nur höchst selten regnet, so ist auch kein Bach, keine Pfütze,
kein Tropfen Wasser auf der Oberfläche der Halbinsel zu finden. Nur in
künstlich gegrabenen Brunnen (cylindrischen Brunnenschächten), deren
mittlere Tiefe 40 Fuß beträgt, sammelt sich ein nicht nur trinkbares,
sondern auch vortreffliches Wasser an. Solche, an ihrer obern Öffnung
mit einer niedrigen Mauer umgebene Brunnen findet man im Kesselthale und
dessen Umgebungen 350 an der Zahl. Von diesen sind die meisten ~alte~,
schon in einer frühern Zeit, von frühern Bewohnern Aden's gegrabene
Brunnen, welche von den Briten seit 1839 nur wieder aufgeräumt wurden.
Sie liegen sämmtlich am Fuße der hohen Bergjöche und sind, wie ich
gesehen habe, mehr in Gereibsel-, als in compakten Felsmassen
ausgegraben. Ihren Reichthum an Wasser, der das ganze Jahr hindurch
unveränderlich ist, doch nie über ein gewisses Niveau in den Brunnen
steigt, hält ~Malcolmson~ in einem so trockenen Lande, wie dieses, nur
durch Zufluß in unterirdischen, heberförmigen Gängen aus dem gebirgigen
Innern Arabien's und durch hydrostatischen Druck für erklärbar, auf
gleiche Art, wie die Bildung artesischer Brunnen möglich ist. Ohne die
Anwesenheit dieses Brunnenwassers würde Aden unbewohnbar sein, denn die
gegrabenen Schächte in den Strandgegenden liefern nur Brakwasser.

Ich lasse die Hypothese von Tagereisen weitem, unterirdischem Zufluß
dahin gestellt sein und bemerke nur Folgendes.

Da über Tag die Hitze sehr groß ist, so steigen aus dem Meere, das die
Halbinsel auf allen Seiten umfluthet, viele Dünste auf, da aber die
Abkühlung des Nachts wieder desto stärker ist und oft einen Unterschied
von 30° mit dem Maximum der Tageswärme bildet, so fällt jede Nacht ein
starker Thau, der durch die Gereibselmassen, die einen großen Theil der
Halbinsel bilden und die durch die zerspaltenen Felsen hindurchsickern
und sich in ~der~ Tiefe, in welcher er auf ~un~durchklüftete Felslagen
stößt, zu Wasser anhäufen muß. Dazu kommt noch, daß, nach ~Malcolmson's~
eignem Bericht, die Luft von October bis März, während des
Nord-Ost-Musson's, feucht ist, daß die Berggipfel alsdann oft in Wolken
gehüllt sind, ja, daß es in den Monaten November, Januar und Februar
zuweilen regnet. -- Es entsteht nun die Frage, ob diese atmosphärische
Feuchtigkeit, die in einer Ausdehnung von 1-1/2 Stunden lang und 3/4
Stunden oder mehr breit, auf zum Theil 1660 Fuß hohen Gebirgen
niedergeschlagen wird, allein nicht hinreichend geachtet werden kann, um
jene Brunnen, die in dem tiefsten Innern der Insel, -- dem
Kesselthale -- liegen, mit Wasser zu speisen? -- und ob sich das stets
gleiche Niveau dieser Brunnen nicht sehr natürlich erkläre dadurch, daß
sie, ~oberhalb~ einer undurchdringlichen Felssohle, etwa einer Lavabank
(bis auf welche sie reichen), alle mit einander in Verbindung stehen,
weil sie sich in einem lockern Sand- und Gereibselboden befinden, der
vom Wasser wie ein Sieb durchdringbar ist? --

Was den ~geologischen Bau~ von Aden betrifft, so stimmen über die
Zusammensetzung der Insel aus vulkanischen Gesteinen die Beobachtungen
der englischen Forscher mit den meinigen überein. -- Das Kesselthal
aber, worin die Stadt liegt, wird von ihnen ~ein erloschener Krater~ und
die ganze Halbinsel ~ein ehemaliger, submariner Vulkan~
genannt, -- eine Ansicht, womit ich mich nicht vereinigen kann. Jener
Thalgrund hat allerdings eine Trog- oder Kesselform und die Gehänge, die
ihn umringen, sind an vielen Seiten, besonders auf der Westseite,
wandartig steil; aber 1) bilden die Bergjöche, denen diese Wände
angehören, nach außen zu, auf ihrer vom Kesselthale abgewendeten Seite
eben so steile Wände; 2) andre, vom Thale entfernte Jöche auf Aden sind
eben so steil und mauerartig; 3) nicht nur die benachbarte kleine
Halbinsel Hasan, die dem Eingange der Back-Bai gegenüber liegt, sondern
auch manche Bergjöche auf der Insel Socotora und fast alle Bergketten,
die ich auf den Küsten von Arabien gesehen habe, haben vollkommen
dieselbe schmale, auf ihrem Kamme ausgezackt-zerrissene und an den
Seiten wandartig steile Form, wodurch man sie als plutonisch-vulkanische
Gebilde, die gangförmig aus der Erde stiegen, auf den ersten Blick von
den Flötz- oder geschichteten Gebirgsmassen unterscheiden kann. Jene
bilden aufrecht stehende zackige Kämme, diese liegende Bänke oder
Schollen. Man vergleiche die Figuren 11, 12, 15 und 16 mit 13 und 14,
auf welchen dieser Unterschied in die Augen fällt. 4) Die Inseln des
rothen Meeres, die ganz in der Nähe liegen und die ~bestimmt~ Vulkane
sind, haben eine ganz andere, kegelförmige und geglättete Gestalt. Siehe
Fig. 7, 8, 9 und 10. 5) In andern Welttheilen habe ich freilich keine
Krater gesehen, aber auf Java und Sumatra ein halbes Hundert. So groß
die Verschiedenheit dieser auch ist, man möge nun einige davon als
Erhebungs- oder, wie ich thue, ~alle~ als Ausbruchskrater betrachten, so
stimmen sie doch sämmtlich darin überein, daß die Gesteinschichten, bald
feste Lava, bald lockere Gereibselmassen, aus denen ihre Umgebung
besteht, von allen Seiten her nach einem idealen Mittelpunkte zu
ansteigen und sich dann plötzlich endigen und eben dadurch den Krater,
nämlich die Kreismauer des Kesselthales bilden, das man Krater nennt.
Die abgebrochenen Köpfe erkennt man dann an der Mauer als quere,
parallele, oft treppenartig vorspringende Streifen oder Bänder. Von
einer solchen Bauart habe ich an den Wänden, welche das Kesselthal von
Aden umringen, keine Spur gesehen. Ich sah nur leistenförmige Bergkämme,
Jöche, die, als senkrecht emporgestiegene Gebirgsgänge, von ~beiden~
Seiten steil sind, die sich hier und da gitterartig verzweigen und durch
ihre Aneinanderreihung unter andern ein trogförmiges Thal -- das Thal
von Aden -- umschließen.

Auch hat ~Malcolmson~ wohl nicht daran gedacht, daß seine Hypothese über
den Zufluß des Wassers auf unterirdischen Wegen aus den Tagereisen weit
entfernten Gebirgen Jemen's oder Hadhramaut's, um die Brunnen im
Kesselthale mit Wasser zu versehen, eine Unmöglichkeit sein würde, wenn
der Grund, worauf die Stadt Aden steht, der Kraterboden eines ehemaligen
Vulkans wäre!

Ich erkletterte am 5ten früh, um Abschied von der wüsten Halbinsel zu
nehmen, noch eines ihrer höchsten Jöche. Ich übersah von dort den
größten Theil der Gebirge in ihrer ganzen schauderhaften Wildheit.
Übrigens, so imposant sie sich auch darstellten, so sind sie in der That
doch nur winzig klein in Vergleich mit den Dimensionen der meisten Berge
auf den Sunda-Inseln und es schien mir, daß es der gänzliche Mangel von
höhern Bergen in der Umgegend, nebst der völligen Abwesenheit von Bäumen
(also jeden Maßstabes zur Beurtheilung) war, der ihre Höhe Eindruck
weckend machte. Denn wenn man nur 12 Rasamalabäume[27] von Java an den
steilen Wänden übereinander stellte, so würde der oberste von diesen
schon höher sein, als die höchste Zacke des Schamshan. Ja, so
respectabel die Gebirgsmasse zwischen den beiden Meeresbusen in Ost und
West aussah, so wahr ist es doch, daß man die ganze Halbinsel Aden, mit
Allem, was sie trägt, in manche von den Kratern Java's, z. B. in den
Kratern des Berges Raon oder des T[)e]ngg[)e]r bequem würde
hineinstecken und darin verbergen können, ohne daß auch nur die Spitze
ihres höchsten Gipfels Schamshan daraus hervorragte! -- Hat doch der
Boden des Kraters vom Gunung-T[)e]ngg[)e]r auf Java eine geograph. Meile
im Durchmesser und ist von einer 1000--1700 Fuß hohen Ringmauer
umzogen, -- und ist der des Gunung-Raon doch über 2000 Fuß tief,[28]
während der größte Durchmesser der Halbinsel Aden von Ost-Süd-Ost nach
West-Nord-West nach ~Forster~ nur 1--1-1/2 Stunden beträgt! --

Ich sagte der wüsten Halbinsel Lebewohl und zwar gern; denn neben ihr
stiegen jene herrlichen Gebirge Java's in meiner Phantasie empor, als
wollten sie fragen, wo in der Welt findet man eine so großartige und
doch so wunderschöne, grünende und ewig blühende Natur, als bei
uns? -- Die Antwort war: vielleicht nirgends, ~hier~ aber den Gegensatz.

Wir lichteten am 5ten October des Morgens um 8 Uhr die Anker, richteten
unsern Cours nach West-Süd-West und dampften zwischen der Westspitze von
Aden (Ras Marbut), auf welcher jenes detachirte Fort steht, in Süden und
der gebirgigen Halbinsel (Dschebel Hasan) in Norden, zum Eingange der
Back-Bai hinaus. Wir ließen dieses Halbinsel-Gebirge also zur Rechten
liegen und erblickten bald darauf, weiter westwärts, noch ein ähnliches,
aber kleineres felsiges Vorgebirge (Ras Amran), das sich eben so isolirt
aus flachen, sandigen Umgebungen erhob und sahen dann, indem wir in
einem Abstande von drei bis vier englischen Meilen der Küste Arabien's
entlang fuhren, nichts, wie das ~falbe~ Kolorit eines niedrigen, flachen
Sandgestades, dessen Einförmigkeit wir nur um 1-1/2 Uhr durch einige
isolirte Hügel unterbrochen fanden, die nur an ihren Gipfeln dunkler,
als der Sand gefärbt waren, wahrscheinlich weil nur diese aus den
bedeckenden Sandmassen hervorragten. Dann kam wieder flaches Sandland,
das jedoch etwas höher lag, als die vorige Sandebene und etwa, wie uns
schien, 50 Fuß hoch liegen mochte, -- und erst um 2 Uhr, zur Zeit, als
wir unsern west-süd-westlichen Cours in west-halb-nördlichen
veränderten, stellten sich auf der Küste, die stets auf unsrer (rechten)
Nordseite liegen blieb, wieder Gebirge unsern Blicken dar. Es waren
langgezogene Felsenketten, Dschebel Khoran u. A., von derselben
umbragrauen Farbe und demselben zackig-rauhen Saume, wie alle, die wir
bis jetzt auf Socotora und in Arabien gesehen hatten. Hinter den
vordern, küstennächsten Zügen erhoben sich noch mehre höhere Ketten,
die, immer blässer werdend, tiefer im Innern des Landes lagen, sich
jedoch nicht sehr weit von der Küste zu entfernen schienen, mit welcher
sie alle parallel, von Ost nach West strichen.

Dieser Theil Arabien's ist also keine ~flache~ Wüste, kein einförmiges
Flachland, sondern ein gestaltenreiches Land mit Gebirgszügen und mehr
oder weniger hohen Zwischenthälern und Zwischenflächen, ein Land, das,
hätte es vegetabilisches Leben, zu den schönsten gehören
könnte; -- aber, so wie es daliegt, von aller Dammerde, von allem
Pflanzenwuchse entblößt, in den Gebirgen nur nackter Fels und in den
Ebenen nur nackter Sand, von keinem Grashalm geschmückt, kann man es nur
eine traurige Einöde nennen.

Wenn man nach den Ursachen der Kahlheit des Landes und der Trockenheit
der ewig heitern Luft forscht, -- nach zwei Erscheinungen, die ohne
Zweifel einen gegenseitigen Einfluß auf einander ausüben, so entsteht
die Frage, welche von beiden ist die Ursache der andern, welche war die
~erst~ vorhandene Erscheinung und welche ist die Folge, die Wirkung von
dieser? -- eine Frage, die nur auf den ersten Blick schwer zu
beantworten scheint, übrigens der Lösung fähig ist. Denn, ~wenn~ der
Boden mit fruchtbaren Erdschichten und Wäldern, die auf diesem ruhn,
bedeckt wäre, so könnte die Luft so trocken nicht sein, es würden sich
Wolken bilden, Regen würde fallen, und Bäche würden das Land
durchströmen; -- und ~wenn~ jeden Tag erquickende Regen in die
Sandwüsten von Arabien und Afrika herabfielen, so würde der nackte Sand
und Fels bald verwittern und sich allmählig mit Wäldern
schmücken. -- Also muß die Nacktheit des Bodens die zuerst vorhandene
Erscheinung gewesen sein, obgleich es nicht zu verkennen ist, daß die
~dadurch einmal bedingte~ Trockenheit der Luft den Boden, vielleicht
noch für Tausende von Jahren, -- verurtheilt, in dem Zustande, worin er
ist, zu verbleiben.

Da man selbst in den Wüsten Egypten's fossile Baumstämme von großer
Dicke, also den Beweis des ehemaligen Vorhandenseins von Wäldern findet,
so ist es offenbar, daß diese Gegenden von Arabien und Afrika erst durch
irgend eine Naturrevolution ihrer Pflanzendecke beraubt und in
Sandwüsten verwandelt wurden, deren Erhitzung nun, durch aufsteigende
vertikale Luftströme, alles vorüberziehende Gewölk verscheucht.

Um 3 Uhr traten in weiterer Entfernung von diesen Küstenketten innere,
tiefer im Lande gelegene Ketten hervor, -- die Küstenkette aber
~endigte~ sich und das zunächst an's Meer gränzende Land wurde nun
wieder eine flache Sandwüste, die mehre englische Meilen breit zu sein
schien und die in manchen Gegenden mit einzelnen dunkeln Tüpfelchen
besetzt war. Ob dies Sträucher waren? -- Um 4 Uhr aber, -- während wir
fortwährend an der Küste hin nach West dampften, -- erhob sich wieder
ein niedriger, auf seinem Kamme, wie gewöhnlich, ausgezackter Bergzug,
der der Küste näher lag und etwa nur eine englische Meile von ihr
entfernt sein mochte, und hinter dem vordern blieben, wie seit 2 Uhr der
Fall gewesen war, die innern Züge sichtbar in doppelten, ja drei- und
vierfachen Reihen, die alle von Ost nach West strichen. Erst der
fallende Abend entzog uns den wechselnden Anblick dieser abgebrochenen,
am Gestade bald verschwindenden, bald wieder auftretenden, doch im
Innern stets sichtbar bleibenden, uns also bald näher, bald ferner
liegenden, gleichsam alternirenden Parallelketten.

Wir sahen Nichts vom letzten, westlichsten Kap und Gebirge der Südküste
Arabien's, eben so wenig, als von der Insel Perim, die in der Straße
liegt, -- denn wir dampften ~im Dunkeln~ durch den so berüchtigten
Eingang in's rothe Meer, den unser Schiffsführer übrigens doch nicht für
so sehr gefährlich halten mochte, da er es wagte, mitten in der Nacht
durch »das Thor der Trauer«, durch »die Pforte der Gefahr« ~Bab el
Mandeb~[29] zu schiffen! -- Kaum die näher liegenden Küstenberge und
Inseln vermochten wir als schwarze Schattenrisse zu erkennen. -- Auch
von der Stadt Mochha, an der wir vorbeikamen, sahen wir Nichts. --

Als am folgenden Morgen (6ten October) der Tag zu grauen anfing, lag die
gebirgige Küste Arabien's zu unsrer Rechten, ostwärts von uns, in
undeutlicher Ferne, -- links aber, in Westen, lagen in großer Nähe eine
Menge großer, kleiner und sehr kleiner, meist kegelförmiger Inseln, die
»Harnish Islands«,[30] deren meisten wir schon vorbeigesegelt waren, da
wir sie hinter uns erblickten. Wir dampften nach Norden.

Kurz vor 7 Uhr befanden wir uns dem südlichen Ende einer größern Insel,
Dschebel Zoogur (¿dsh-b-l l-gh-w-r¿), unter 14° n. Br. gegenüber, die zu
unsrer Linken liegen blieb (s. Fig. 7). -- Wir brauchten mehr als eine
halbe Stunde Zeit, um an der östlichen Seite der Insel vorbei zu
dampfen. Ihre Länge konnte mehr als eine Stunde betragen. Sie war mäßig
hoch und unterschied sich von allen Gebirgen, die wir auf dem Festlande
von Arabien, so wie auf Socotora gesehen hatten, durch ihren zwar
ungleich hohen, aber nicht ausgezackten Saum und durch die auffallend
glatte Oberfläche ihrer Böschung, die sich auch ungleich sanfter, als
die der Bergketten auf Aden herabsenkte. Übrigens war ihre umbragraue
Farbe dieselbe, wie die der früher gesehenen Berge und war nur an
einzelnen Stellen mit etwas Bräunlich-roth oder mit einem hellern Grau
nüancirt. Nur vereinzelt in einigen Gegenden des Strandes bemerkt man
gelbliche, falbe Sandstreifen. -- Sie mußte offenbar ein ~Vulkan~ sein
und die Gleichmäßigkeit ihrer Seitengehänge durch Überschütten mit Sand
oder Überströmen mit Lava erhalten haben. Ein kleiner Kegel erhob sich
auf ihrem linken Saume; er war glatt und dunkler gefärbt, als der
Abhang, der sich vor ihm hinzog; außerdem aber sahen wir noch einen
andern stumpf-abgestutzten, konischen Hügel, der mitten auf dem Gehänge
der Berginsel auftauchte und der nebst dem vorigen nichts Andres, als
ein seitlich aufgeworfener ~Eruptionskegel~ sein kann. Man sah, wie
die Lava- oder Trümmerströme vo

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