Die Last
by Annette Kolb · German · Gutenberg #44258 · 53,059 chars · public domain (US)
The Project Gutenberg eBook of Die Last
This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms
of the Project Gutenberg License included with this eBook or online
at www.gutenberg.org. If you are not located in the United States,
you will have to check the laws of the country where you are located
before using this eBook.
Title: Die Last
Author: Annette Kolb
Release date: November 23, 2013 [eBook #44258]
Most recently updated: October 23, 2024
Language: German
Other information and formats: www.gutenberg.org/ebooks/44258
Credits: Produced by Jens Sadowski
*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE LAST ***
ANNETTE KOLB
DIE LAST
Max Rascher Verlag A.-G. in Zürich 1918
1. bis 3. Tausend
Copyright by Max Rascher Verlag A. G., in Zürich 1918
Buchdruckerei zur Alten Universität, Zürich
Epilog zu den Briefen an einen Toten.
Es gibt Leute, welche die Worte: »Ich bin nicht gekommen, den Frieden zu
bringen, sondern das Schwert« mit besonderer Vorliebe herausgreifen, andere
wieder, welche meinen, Christus könne sich unmöglich so geäussert haben.
Ich zweifle keinen Augenblick, dass er so sprach, so wenig ich glaube, dass
er dabei an unsere heutigen Stickgase, Flatterminen und Sprengbomben
dachte. Aber ich weiss eine Schlacht, zu der ich noch als ein Schatten
jubelnd hinstürmen würde, tagte er endlich, der grosse europäische Bruch
mit unseren Trollen, unseren Ab- und Unterarten und dem Tross der
Seelenlosen, deren Triumph das heutige Chaos besiegelt. Denn eines Tages
werden wir es vor uns herjagen, das Heer der böswilligen Toren wie der
Unterworfenen, nicht länger gewillt, ihre Übermacht zu ertragen. Von langer
Hand ist der Rache vorzuarbeiten, von jetzt ab schon und inmitten der
unerhörten Niederlage noch, welche die Kinder des Lichts von den Söhnen der
Finsternis erdulden. Ist das, was sich heute ereignet, etwas anderes als
das erweiterte Bild desjenigen Krieges, der unablässig auf der Erde wütet,
das Glück der Familien untergräbt und die Häuser niederreisst? Haben die
Knechtischen jemals aufgehört, den Besonnenen zu verfolgen? Ist je ein
Waffenstillstand zwischen ihnen gewesen? Liessen sie je ab, den Edlen zu
bedrängen, auf dass er stürze oder sein Wirken wieder vereitelt werde? Kein
Gesetz, nichts auf Erden störte sie je, das goldene Saitenspiel seines
Herzens zu zerschlagen. Wir wissen genug. Wer brennenden Auges in diese
Welt hineinsah, dem ist dieser Krieg kein Rätsel, noch die Worte
desjenigen, dessen Kommen der Engelsruf verkündete: »Friede den Menschen,
die guten Willens sind,« und der doch gesagt hat: »Ich bin nicht gekommen,
den Frieden zu bringen, sondern das Schwert.« Die weit verstreuten
_Menschen_ sind heute überall die Unterlegenen, die ihre Einigung noch
nicht festlegten, um als das auserwählte Volk -- furchtbar genug -- den
Fuss auf den Nacken der Schlechten, der Unentwickelten, der Unterarten zu
setzen, nicht mehr willens, mit ihnen, die nichts so sehr scheuen wie ihre
Namen, die Herrschaft über diesen Planeten zu teilen. Durch alle Nationen,
alle ihre Schichten hindurch ist der Genius dieses Krieges, seinem
Charakter entsprechend, der Würgengel der Besten gewesen, der besten Söhne
überall, und der ungeborenen Söhne dieser Söhne. Fragt einen Arbeitgeber,
wo immer Ihr wollt: seine besten Leute sind es, die er beklagt. Rache für
sie, für alle Prediger in der Wüste, für alle jene Staatsmänner auch, die
-- hier und drüben -- mit reinen Händen in diesen Krieg gerissen wurden,
Rache für sie und ihren Gram. _Ihre_ Erhebung und _ihr_ Zusammenschluss ist
die grosse Notwendigkeit. Man sage mir nicht, dass es unmöglich sei. Ein
Ruf dringt schon durch das Getöse. Wie mit Feuerzungen ist schon die Luft
von den Stimmen der Dichter erfüllt. Inmitten welcher Drangsal, welcher
Todesnot, aus ihren Gräben, ihren Gräbern ach! haben sie nach der
Herrschaft des guten Menschen gerufen.
»Sein ist die Kraft, das Regiment der Sterne.«
Und es gilt nicht von Utopien zu reden. _Es gibt keine Utopien._ Er wäre
denn nur ein Utopist gewesen, der nicht gekommen ist, den Frieden zu
bringen, sondern das Schwert, und der gesagt hat: »Selig sind die
Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen.«
Ausblick.
In einem Essay über die Markgräfin von Bayreuth schrieb ich vor einigen
Jahren, der Frau fehle es zwar nicht an literarischer Begabung, wohl aber
an literarischer Perspektive, und für die Realität des geschriebenen Wortes
wohne ihr auch nicht entfernt dasselbe scharfe Gefühl inne wie dem Manne.
Heute füge ich hinzu, ihr Interesse und ihr Verständnis für Presse wie für
Parteiwesen sei in der Regel gering, und auf jene allerletzten Endes so
gedankenlose Parole: right or wrong my country (an welche sich übrigens die
überlegteren Engländer während des Burenkrieges nicht hielten), wäre die
Frau nicht verfallen.
So wird sie denn nur wenig von bisheriger Politik verstehen, dafür um so
mehr von der kommenden. Denn es ist ganz gewiss falsch, zu behaupten, man
dürfe Politik nicht mit dem Gefühle treiben. Wie veraltet die ohne Gefühl
betriebene sogenannte Realpolitik im Grunde schon war, hatten die zuletzt
auf dem Plan erschienenen jungslavischen Völker sehr wohl erkannt, als sie
jenen brüderlichen Balkanbund zu gründen beschlossen, welcher dann am
Widerstand der europäischen Kabinette scheiterte. So dringen Schneeglocken
verfrüht an die schneidende Luft und werden von der Härte des Winters
getötet, aber die Ahnung des Frühlings lassen sie zurück.
Es klingt ja angesichts der Tatsachen so grotesk, dass man es kaum zu sagen
wagt, aber die Welt ist besser geworden. Denn rohe Gewaltmittel, mögen sie
sich noch so radikal durchsetzen, haben jedes Ansehen verloren. Es waren
auch in der Tat schon Ansätze vorhanden zu der Erkenntnis, dass die Politik
nicht mehr wie auf dem Schachbrett zwischen _Spielern_ betrieben werden
dürfte, und es dämmerte die Erkenntnis von der Unhaltbarkeit des Satzes:
»In der Politik gibt es keine Moral.« Mit richtigem Instinkt waren die
Nationen durch überlebensgrosse Menschengestalten versinnbildlicht worden:
Marianne, John Bull, Michel, Uncle Sam . . . Von hier aus zog sich mit
vollkommener Deutlichkeit ein Weg zur Einsicht, dass den Beziehungen
zwischen hochstehenden Völkern billigerweise genau dieselben Grundsätze
unterliegen sollten wie zwischen hochstehenden Menschen. Diese, statt sich
zu überlisten und brutal zu übervorteilen, suchen sich im Gegenteil an
Schonung, Grossmut und Rücksicht _gegenseitig_ zu überbieten. Der Wetteifer
um den Rücksitz hat als Ergebnis, dass man sich darin teilt; statt einander
zu berauben, hilft man einander aus. Man gesteht sein Unrecht und wird
vernommen statt verdammt.
Ich hätte mir vorstellen können -- ich weiss nicht, ob ich es noch kann --,
dass auf einer solchen Grundlage hin ein Dialog zustande gekommen wäre
zwischen Michel und der unversöhnlich von ihm abgewandten Marianne. Ich
könnte mir wahrhaftigen Gottes vorstellen, dass er -- nach Art der
Liebhaber -- zu ihren Füssen hingerissen, in leidenschaftlicher
Selbstanklage die elsässische Frage vor ihr zur Sprache brächte; ich könnte
mir vorstellen, dass im Laufe dieses Dialogs endlich ein Wendepunkt sich
ergäbe, von wo ab beteuert würde, was verneint worden war . . . und in
dieser Tonart lange hin und wieder so beharrlich! -- bis die wunde Frage
sich zwischen ihnen isolierte auf einen höheren Plan gehoben, langsam, über
ihren Häuptern wie eine enthüllte Morgengabe schillerte . . .
Wem dies zu dumm ist, der begebe sich hinaus zu den vordersten Kampflinien,
wo die gehegten Söhne holder Mütter wie Tiere jämmerlich verenden, und aus
der Wut und Not ihrer Verlassenheit heraus den . . . Kriegskorrespondenten
verfluchen, dessen Bericht (o würdiger Trumpf einer realpolitischen
Presse!) mit ekler Schönfärberei ihre unnennbaren Martern unterschlägt.
Bald nach Friedensschluss wird man sich zwar an den Kopf greifen über die
heutige Welt; und dann wird vermutlich das andere Schlagwort aufkommen vom
Antagonismus der weissen und der gelben Rasse; und dann wird sich der
Himmel verfinstern von all den Schrecknissen; und dann werden die
Überlebenden nicht mehr bestreiten, dass die europäische Psyche durch die
Assimilierung der asiatischen eine unendliche Bereicherung, ja geradezu
ihre letzte Vollendung erführe.
Und die grauenvollen Erfahrungen, die geopferten Generationen, die
vergeudeten Jahrzehnte, Jahrhunderte werden notwendig gewesen sein, um
diese Welt zu Anschauungen zu bekehren, welche sich der elementarsten
Nachdenklichkeit aufdrängen. In so verzweifelt weiten Schleifen rückt die
Menschheit ihrem Ziel entgegen. Warum? Welch ein Geheimnis!
Aber all diese Kriege, und die gewesenen sind ja nur Vorstufen zu einem
letzten Kampf, dessen Stunde zugleich mit der Stunde der Vergeltung
schlagen wird für jene Elemente, welche von jeher Kriege verursacht und die
schlechte Sache in der Welt betrieben oder die gute verdorben haben. Die
Leute also, welche auf den ewigen Krieg schwören, mögen zufrieden mit mir
sein; denn bevor jene Elemente (und es sind stets überall dieselben) nicht
gekennzeichnet und untergeordnet werden, glaube auch ich an keinen
dauernden Frieden.
Zum Aufruf an die Frauen.
Andreas Latzko hat einen Aufruf an die Frauen veröffentlicht, welcher
ebenso berechtigte wie unberechtigte Vorwürfe enthält.
Ich gebe vollkommen zu, dass heute ein Plädoyer zu ihren Gunsten schwer
fiele. Nachdem in den ersten Augusttagen die Männer das Zeichen des grossen
Umfalles mit einer Promptheit gegeben haben, die man noch tags zuvor für
unmöglich hielt, wurden die Frauen von der Schwere dieses Sturzes
mitfortgerissen.
Fast alle Zeitungen arbeiteten damals Tag und Nacht an der Herstellung
vergifteter Pfeile in Form von Lügen und Verleumdungen und sandten sie mit
fieberhafter Eile nach allen Richtungen aus. In Millionen von Aushängebogen
wurden »die Feinde« täglich neu als eine schlechtere Abart von Menschen
dahingestellt.
Männer mit neun Gymnasialklassen und vier Universitätsjahren hinter sich,
zur Unabhängigkeit des Denkens systematisch geschulte Männer waren es,
welche solche Märchen verkündeten und kolportierten; es ist demnach
anzunehmen, dass sie sie auch glaubten. Welche Gelegenheit für die Frauen
zu beweisen, dass sie einsichtiger und besser seien, und wie gründlich
wurde sie verscherzt!
»Anderthalb Jahrtausende, schreibt Latzko aber, haben an dem Bild der
christlichen Frau gemodelt; jedes Jahrhundert hatte das Antlitz mit neuen
Zügen vertieft, veredelt, verfeinert« . . . sehr wahr und sehr schön. Aber
der Verfasser des Aufrufs ist ein Dichter und hat als solcher Illusionen
über die Menschheit.
Die _Norm_ der Frauen taugt nicht viel mehr und nicht viel weniger als die
Norm der Männer. Warum auch? Stammen sie nicht ebensowohl auch von ihren
Vätern wie die Söhne auch von ihren Müttern ab? Wer war es nur, der einmal
behauptete (ich glaube, ich bin es selbst gewesen!), dass wenn die Männer
so leicht bei der Hand seien, um zwischen den Frauen und einer gewissen
Abart schnatternder Vögel Vergleiche anzustellen, es ebensosehr das
Wesentliche trifft, wenn zwischen den Männern und einem gewissen
langohrigen Haustier eine Analogie gefunden wurde. Ich vermute, auf die
erstere verfiel zuerst ein Mann, auf die letztere eine Frau. In Wahrheit
sind beide Analogien sehr glücklich.
Latzko zitiert erbitterten Gemütes eine dumme Person, welche ihren
zurückgekehrten Gatten mit unglaublich gefühlsrohen Fragen anwidert. Aber
jener selbe Mann, oder jedenfalls _sehr_ viele andere Männer waren ja zu
Anfang vor Kriegsbegeisterung ganz ausser sich und hatten sich das
Entsetzen und die Tränen ihrer Gattinnen ungeduldig verbeten. Ihrer Angst
und Sorge überlassen, waren diese einzig auf ihre neu eingetrichterte
Mentalität gestellt, die in der Tat in diesem Falle nichts anderes sein
konnte als eine ungeheure Verdrängung mit all ihren Folgeerscheinungen. O
der Fahnen, o der Siege, an denen die Armen sich so geschwätzig weideten, o
der entsetzlich vielen Worte, mit denen sie ihre Bangigkeit zu betäuben
suchten -- den ganzen Tag -- und als einzige Ablenkung für ihre tägliche
Ungewissheit hatten sie dabei nur die täglichen Schauergeschichten der
Zeitungen, diese Musterbilder der Roheit.
_Also angeleitet_ und bei dem Gedanken an die Grausamkeit des Feindes und
dem Schicksal ihrer Männer erstarrten und verrohten die Gemüter der Frauen.
Heute ruft man ihnen zu: »Ach! seid wie früher! Gut und tränenreich! »Lüge,
alles Lüge.« Es ist nicht wahr! die Menschen zerfallen überall in gute,
mittelmässige und schlechte! die Welt ist überall gleich!«
Ja, aber warum hätten die seit Jahrtausenden zur Unselbständigkeit des
Denkens systematisch angehaltenen armen Dinger glauben sollen, dass Ihr sie
belogt? Dass die Männer, zu welchen sie aufblicken sollten, Lügner waren,
die noch dazu wussten, dass sie logen, oder nicht einmal wussten, dass sie
logen?
»Lüge, alles Lüge?« ja, aber wer hat denn gelogen? Und ist es an dem Lügner
den Belogenen abzukanzeln? Nein ihr Herren! Wenn die Frauen versagten, so
habt Ihr an ihnen die Saaten eurer Lügen geerntet. Wenn Latzko den Frauen
zuruft: »Ich weiss, Ihr seid nicht alle so. Vielleicht sind Viele, ich
glaube die meisten von Euch sind anders. Aber, wo seid ihr? Man hört Euch
nicht!« . . . so könnten sie ihm erwidern: »Wir sind da. Wo seid Ihr, dass
Ihr uns nicht vernehmt, wenn wir unsere Stimme erheben? Aber wir sind noch
ohnmächtiger wie ihr!«
Wer hat vielen von ihnen die Pässe verweigert, als sie in Holland tagen
wollten, lang bevor Ihr an Stockholm dachtet. Wer hat vor diesem Kriege
gewarnt, ein Lebensalter hindurch nichts anderes getan und wurde dafür von
den Männern verhöhnt und zur lächerlichen Figur gestempelt? Wer hat die
»dicke Berta« der »Friedensberta« vorgezogen, wenn nicht die allmächtigen
Männer?
Denn das grosse Verbrechen der Menschheit, das ihr durch diesen Krieg ein
Denkmal ewiger Schande setzte, bestand schon vorher. Gedankenlosigkeit,
Trägheit des Geistes wie des Herzens, Sünde wider den Geist hat uns in den
Abgrund gestürzt.
Menschen (würdig des Namens!), ob Männer oder Frauen, verbündet Euch!
Schliesst Euch zusammen, und knechtet den geistigen Mob. Er ist es, der zur
Herrschaft gelangte und sich triumphierend behauptet. Setzt ihn ab. Er ist
der Feind. Erkenntnis ist Güte. Der Verfasser des Aufrufes gehört, seinem
Werk wie seiner Gesinnung nach, zur auserwählten Klasse derer, welche den
Kampf um die Vorherrschaft »bis zum siegreichen Ende« führen müssen. So
wenig zahlreich sie sind, wären sie, durch die ganze Welt hindurch
geeinigt, mächtig genug, um ihr Tribunal zu eröffnen, das die Schlechten
unterjochen würde und alle Mittelmässigen wie alle Esel und alle Gänse an
den richtigen Platz verwiese. Gelingt es den Auserwählten nicht, durch alle
Länder und über alle Grenzpfähle hin ihre Macht durch ihre Einigung zu
sichern, so wird der Friede ohnmächtig und mit leeren Händen vorüberziehen.
Letzte Folgerungen.
Nicht die so brennenden und viel erörterten Probleme der Rassen und der
grossen Interessen, nicht Sieg oder Niederlage, selbst die fernerliegenden
oder die unmittelbaren Ursachen des Krieges nicht, sondern was er
_bedeutet_, das ist's, was heute die Aufmerksamkeit der Nachdenklichen in
immer steigendem Masse beschäftigt. Immer deutlicher geht für sie aus dem
ungeheuren Trugwerk dieses Krieges, seiner Einsätze und seiner Schlagworte
-- der Triumph des Sklaven über den Freien hervor, und immer drohender die
Forderung, dass dieser Triumph uns nicht nur eine Lehre und eine Warnung
sei (denn dies genügt schon lange nicht mehr!), sondern dass wir uns selbst
aus der gemachten Erfahrung jenes letzte Gericht erstehen lassen, von dem
geschrieben steht, dass es auf immer die Scheidung zwischen den Menschen,
die guten Willens sind -- und den anderen -- entscheidet, ja! nicht die
grosse Einigung, den grossen _Bruch_ gilt es, als Lohn für alle die Opfer
zu erzielen. Es muss die unlösliche, herrische und heilige Allianz der
menschenwürdigen Menschen zustande kommen, um jene »Untermenschen«, welche
schon Villiers de l'Isle Adam mit so grossem Nachdruck beim Namen nannte,
an die rechte Stelle zu weisen.
Nicht nur Europa, die Menschheit selbst steht heute vor ihrem
gefährlichsten Wendepunkt. Ihr Niedergang ist unaufhaltsam, wenn jenen
untergeordneten, allzu lange geduldeten Elementen, dasselbe Stimmrecht wie
bisher verbleibt. Denn ihnen danken wir es, dass noch alle grossen und
bahnbrechenden Ideen in Verwirrung ausarteten, und dass eine Sache um so
sicherer verdarb, je edler sie war. Das Christentum selbst ist unter die
Räder geraten, weil _Unzulänglichkeit_, und weil _Niedertracht_ das grosse
Wort zu führen in der Lage sind. Die Welt hat nichts zu hoffen, solange
diese Gattung ihr Herrenrecht behält. Solange nicht ein neuer Korpgeist
entsteht, wird die Menschheit wie ein Kranker sein, der sein Übel zu
betäuben sucht, indem er sich auf seinem Schmerzenslager dreht und wendet,
oder, hoch aufgerichtet, nach Atem ringt, um doch nur eine illusorische
Erleichterung zu finden. -- So wird sie alle Regierungsformen, eine nach
der andern, erproben, und ob sie auch ihre Könige gegen Republiken
eintauscht -- oder umgekehrt --, es werden doch nur falsche Monarchien und
falsche Republiken sein, und auch die Anarchie wird sich als nichts anderes
herausstellen als einen Missbrauch der Macht.
Es gibt ja Leute, ich weiss, welche ganz ehrlich der Meinung sind, dieser
Krieg sollte von Rechts wegen noch recht lange dauern. Die moralischen
Ansichten, die sich dabei geltend machen, sind auch nur deshalb so heillos
falsch, weil dieser Krieg eine auf _Zurückentwicklung_ gerichtete Zuchtwahl
ist und jede Schlacht die Zahl der Tauglichen herabsetzt zugunsten der
Untauglichen wie der Schuldigen und der Profiteure. Letztere sind ja so
fest entschlossen, dem Abgrund zu entrinnen, den sie offen halten oder
bereiteten, dass ihre Spitzfindigkeit auch die strengste Kontrolle
überlisten wird. Nichts scheuen ja diese Leute so sehr wie das Ende des
Krieges, da sie wissen, dass seine Verlängerung sehr wohl mit ihrer
Gnadenfrist zusammenfallen dürfte, und dass die Untersuchung gegen die
Verantwortlichen so lange unterbleiben wird, als das Gemetzel der
Unschuldigen anhält. Ach! Dies sollten jene Moralisten wohl bedenken,
welche diesen Krieg bis ans letzte Ende geführt sehen möchten, auf dass er
seinen endgültigen Garaus fände. Ach, was glauben sie denn? Glauben sie
wirklich an einen Rückfall in diesen Zustand? Glauben sie allen Ernstes,
dass nach einer solchen Erfahrung die Völker sich noch einmal narren
liessen? Haben sie so wenig die Geschichte der menschlichen Irrtümer
ergründet, und erkannten sie noch nicht, dass ihr normaler Verlauf (wie die
Ärzte sagen) dem der Epidemien gleichkommt und darin besteht, dass ihre
Keime anfänglich unter trügerischen Symptomen um sich greifen, um toll und
mörderisch auszubrechen und endlich zu ersticken, indem sie triumphieren.
So erreichten die Religionskriege ihren Paroxysmus und verschwanden.
So ist durch die eklatante Torheit und Schmach dieses rückständigen Krieges
die Rechnung der Kriege, wenigstens für die europäischen Völker, gemacht.
Ich fürchte von der Zukunft kein Dementi für diese Behauptung. Nein! Die
Welt fällt nicht zweimal in dieselben Irrtümer zurück. Aber wehe den Neuen!
Wenn die rohen und bösartigen Elemente in diesen Tagen ihre Betriebsamkeit
unendlich erhöhten und sich überall unendlich bösartiger und roher
erwiesen, so sind dafür die Guten überall unendlich besser geworden. Ihre
Einigung und infolgedessen ihre Machtstellung durch alle Länder hin hat der
Welt noch immer gefehlt. Es gilt, ihre Reihen zu schliessen und ihre
_Solidarität_ zu organisieren im Hinblick einer letzten und unerbittlichen
Fehde; -- und es gilt den Frieden, weil der Kampf um die wahre
Vorherrschaft nicht entbrennen kann, solange dieser Krieg noch besteht.
Und die Freiheit?
Wie aber könnte die einzig wirkliche Freiheit entstehen, wenn nicht durch
die Knechtung desjenigen Pöbels, der allerorts alle Klassen der
menschlichen Gesellschaft, von den höchsten bis zu den sogenannten
niedrigsten Schichten verheert. Hierarchien aber sind es ja gerade --
weniger rudimentär und kindisch nur als diejenigen, welche man sich bisher
aufoktroyieren liess. _Hierarchien_ sind es, die auf neuer und
gerechtfertigter Basis zu errichten sind. Geben wir uns keinen Täuschungen
hin: die Klasse der Könige, der Fürsten und der Herren, ja der ganze Tross
der kleinen Gentry sogar, er ist vorhanden (nur so anders!) und alle wahren
Adelsbriefe, die sich in unendlichen Fluktuationen aus der menschlichen
Würde ergeben, existieren auch sie. In allen »Kreisen« aber und durch alle
Zeiten hin wurde die wahre Elite gepeinigt, geopfert oder zu wahrer
Ohnmacht verdammt, weil urteilslose oder niedrig gesinnte Elemente, die
sich weder in Gleichheit noch in Brüderlichkeit zu ihr verhalten, dasselbe
Stimmrecht geniessen.
Echte Demokratien sind die Notwendigkeit: sie sind aber nur insofern nicht
illusorisch, als sie aristokratisch sind. Man rede also für die Zukunft
nicht von Utopien, sondern von neuen Gesetzbüchern und neuen Statuten.
»Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.«
»Je songe à une guerre de droit
ou de force, de logique bien imprévue.
C'est aussi simple qu'une
phrase musicale.«
_(Rimbaud.)_
Jedes Innehalten ist heute vermehrte Unrast. Wir sind halbwegs Gebliebene,
sofern wir Zeit unseres Lebens stillestehen. So ist es über uns verhängt,
weil unsere Existenz mit so gewaltigen Umwälzungen zusammenfällt, dass
Fragen, die gestern noch in ihren Anfängen steckten, plötzlich zu
überhitzter Reife ans Licht gerissen wurden. Es sind aber Fragen,
Erkenntnisse und Entdeckungen so schwieriger Natur, dass der einzelne, wie
stark er immer sei, niemals imstande sein könnte, ihre Geltung
durchzusetzen. Sie wäre nur möglich durch das kollektive Wirken ganz
bestimmter, durch Erfahrungen aufmerksam gewordener Menschen, welche das
Schicksal zusammenführte, damit sie die Tabelle ihrer Erlebnisse
vergleichen. So bedurfte es der Konstellation einer Konstellation, um der
Sinnfälligkeit einer Wahrheit so vorzuarbeiten, dass sie wie ein von jeher
dagewesenes, aber noch nie vorher gesichtetes Sternbild zu voller
Deutlichkeit gelangt.
Aber noch schwebt sie nicht über uns, diese heute schon nicht mehr
wegzudenkende Wahrheit, sondern sie harrt noch unerlöst am Wegesrand, so
alt sie ist. Von Natur aus gerät ja keiner auf sie, Erfahrung allein kann
den Menschen darauf bringen, und noch immer stürzte er, ohne sie zu
erkennen, über sie hin. Weil aber der Zeitpunkt gekommen ist, an dem sie
ein Gesicht erhalten soll und Augen, uns anzustarren, ergab sich eben jener
Komplex von Erfahrungen, mit dem sich das grosse 2 × 2 = 5 dieser Welt so
gründlich vornehmen lässt wie eine Haussuchung mit Hilfe richtiger
Schlüssel.
Dass sich jene weit verstreuten paar Menschen mit den analogen
Wahrnehmungen, den analogen Erlebnissen und der analogen Geistesart eines
Tages begegneten, gehört zu den grossen sogenannten Zufällen des Lebens.
Auf jeden Fall obliegt es ihnen, die Dinge, um welche es heute geht, in
allen Tonarten und den weitausgreifendsten Steigerungen zu formulieren.
Erkenntnismässig ist ja ihr Weg vollkommen deutlich ausgestreckt, und schon
sind alle Hochgefühle irgendwie von der Bewältigung seiner Fährnisse
abhängig. -- O Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit! wie bezeichnend ist
es, dass euer göttlicher Impuls euch nicht davor bewahren konnte, zum
Kompendium aller Irrtümer zu werden! Die Menschen sind _nicht_ gleich. Ihre
schief aufgerichtete Gleichheit wird vornüber stürzen, mit ihrer
Brüderlichkeit wird es so eine Sache sein wie bisher, und die auf krummer
Axe gehobene Welt läuft Gefahr, endgültig ihren falschen Dreh zu nehmen,
wenn nicht alle Anstrengungen geschehen, die missverstandene Brüderlichkeit
und die misshandelte Freiheit nach einer anderen Himmelsrichtung und unter
veränderten Gesichtspunkten neu aufzurichten. Wie aus einer brennenden
Stadt müssen wir heute diese Begriffe retten und aus dem zerfallenen Tor
unserer Zeit mit ihnen fliehen. Wer die menschliche Gesellschaft in allen
ihren Schichten kennen lernte, hat keine Illusionen mehr. Dass es einen
Plebs im Adel gibt, macht den Pöbel um nichts schöner! Tausendfältige
Ungleichheit ist eben das Prinzip, auf dem die Menschheit wie auf Sprossen
anhebt. Ein Feststellen, ein Unterordnen der wahren, bis in die tiefsten
Ursprünge zurückzuleitenden Ungleichheiten könnte allein die wahre
Gleichheit zu ihrem Rechte bringen und nur in Wahrung der (ach so
vorhandenen!) Distanzen könnte die Brüderlichkeit unverletzt aufleben. Hier
liegt das Problem der künftigen Jahrzehnte, Jahrhunderte. Es ist der Sinn
der Leiter, von welcher Jakob träumte, und wir leben heute wirklich nur
noch um der Erläuterungen willen, welche diese Dinge verlangen.
Wiederholungen.
So hätten wir heute alles von der Methode jener glücklichen Spekulanten zu
lernen, welche sich offenkundig als die weitaus schärfsten Psychologen
erwiesen, indem sie irgend ein Präparat, eine Zahntinktur oder ein Extrakt
dadurch zu allgemeinster Geltung verhelfen, dass sie deren Bezeichnungen in
grellen Riesenbuchstaben an Mauern, Säulen und Schlöten anschlagen, sich
gleichsam an die Fersen des Vorübergehenden heften, selbst auf Bergeshöhen
sich zwischen ihm und der Aussicht schieben, ja von Felswänden herab ihm
unerwartet Odol! Haarlin! oder Bovril! entgegenschreien.
Wäre heute nicht die Beachtung gewisser Zustände mit einer so vorbildlichen
Hartnäckigkeit zu erzwingen? Durch ein ungeheures Preisausschreiben etwa,
das an alle Maler, der ältesten wie der neuesten Schule erginge, um auf
Bildern oder Plakaten, mit beliebigem Raumverbrauch die Wirklichkeit zu
illustrieren und zu illuminieren; allen Brücken und Wegen entlang sie
immerzu neu einer Allgemeinheit zu veranschaulichen, deren geistigen
Stumpfsinn nur jene Menschenkenner von Spekulanten voll ergründeten. Dass
es keine intellektuelle Notwehr, dagegen einen hemmungslosen Mangel an
Logik gibt, und dass wir lieber untergehen, als dass wir dächten, hielten
wir ja nicht für möglich, bevor wir es erlebten. Wie hätte sonst über
unsere Köpfe hinweg jene Phalanx der Niedrigen zustande kommen können, die
sich heute mit so bewundernswerter Regie über alle Grenzen hin in die Hände
arbeiten? Dass sie dabei sehr ausdrücklich in Freunde und Feinde zerfallen,
macht ihren stummen Pakt nur um so fester. Wir anderen aber, welche den
entsetzlichen Humbug dieser »Feindschaft« durchschauen, auf uns, die ihn
gewähren lassen, auf uns fällt der Fluch dieser Zeit zurück. Nicht auf die
Schlechten, deren Tun im Einklang steht mit ihrem Wollen; auf uns, nicht
auf die Knechte, welche sich zu unsern Herren machten, sondern auf uns, die
wir uns von ihnen knechten liessen! Sollte der Tag hereinbrechen, an dem es
zu spät sein wird für unser Zusammengehen, so werden wir, die guten Willens
sind, als die Schuldigen stehen, weil uns der Mut unseres besseren Wissens
gebrach, dem Genius des Krieges, die Siegermaske von der gedankenlosen
Stirn zu reissen. Ah! wir bedachten nicht den tiefen Sinn jener Sage,
welche dem Drachentöter die Sprache der Vögel verstehen liess, als er vom
Blut des erlegten Ungeheuers genoss.
So läge es in unserer Macht, das Elend des Weltkrieges zum Segen zu wenden,
wenn wir aus den Trümmern, die er häufte, das _Weltgericht_ mit letzter
Anstrengung und letzter Entschlossenheit heben; mit ihm die grosse
reinliche Scheidung, das Ende der Verkehrtheit, der falschen
Gleichstellungen und des Gewühls; den Anfang jener neuen Hierarchie, nach
der wir lechzen.
Uns aber, der kleinen, geschlagenen Avantgarde, welche der Krieg um ihre
letzte Neugier brachte, wir, die seine Verwerflichkeit und Stupidität von
jeher, lang bevor es ein Wort wie Defaitismus gab, kennzeichneten, uns
steht heute das traurige Vorrecht zu, die neue Scheidung und den neuen
Kampf hinauszurufen, bevor der Schutt der alten Zeit uns begräbt.
Schlusswort.
Die Heftigkeit, mit welcher wir unsere Notsignale abgeben, hindert nicht,
dass sie schon unter dem Druck einer geradezu monströs gewordenen
Langeweile aufziehen, und dass unser eigener Pathos mit der ganzen Öde
eines Frohndienstes auf uns lastet.
Es kann jedoch sein, dass unser Gewissen oder unsere innere Stimme (wie man
es nennen will) laut und unerbittlich die Forderung an uns stellt dies oder
jenes _noch zu sagen_, bevor wir schweigen. Wer von uns wird nach dem
Kriege noch von ihm reden? heute aber will ein désintéressement von den
Dingen, die geschehen, erst erworben sein, denn unsere Zeugenschaft hat uns
zu ihren Teilhabern gemacht, und auch wir haben verspielt.
Von allen, die heute leben, wird keiner den Bau betreten, zu dessen
Grundlegung ich Steine herbeischleppe -- so eilfertig und unter
Hohngelächter gewiss! -- denn wo fände ich Glauben? -- Das Gerüst allein
dürfte die Arbeit von Generationen sein, sein Ausbau die von Jahrhunderten
vielleicht, ja, vielleicht sind die ewig unvollendet gebliebenen
Kathedralen sein Symbol. Aber worauf es ankommt: bei allen Opfern, die er
erheischen wird, allen Kämpfen, die ihm bevorstehen, ist er _möglich_.
Bis zum heutigen Wendepunkt unserer Geschichte gehörte es zu ihren
integralen Beständen, dass unseren vielgenannten »heiligsten Gütern«
niemals auch nur von ferne ein schützendes Patent zuteil wurde, je
erhabener eine Idee, um so grauenhafter die Verbrechen, die in ihrem Namen
geschahen, je tiefer eine Erkenntnis, desto grösser der Unsinn, der daraus
entstand.
Die richtige Einsicht, dass es (merkwürdigerweise) niedrige und hohe
Menschen gibt, führte folgerichtig zu Rang- und Standesunterschieden. Bei
ihrer Aufrechthaltung aber gerieten jene Ungleichheiten, welche doch erst
die Berechtigung solcher Klassifikationen bilden, immer mehr ausser acht,
und bei dem Schrittmachen, das im Schwunge blieb, mischte sich in immer
gemeinerer Weise das Bestreben jene Distanzen, welche der Wert zwischen den
einzelnen liegt zu ignorieren. Das Missverständnis artete immer wilder aus:
der königliche Mozart speiste mit dem Gesinde, und ein lakaienhafter
Kavalier warf ihn mit einem Fusstritt ohne weiteres vor die Tür. In der
Tat, wir wissen alle, was wir der französischen Revolution verdanken. Doch,
als sie das falsche Spiegelbild in edler Empörung zerschlug, wurde mit
diesem drastischen Vorgehen leider erst recht nur eine halbe Massnahme
getroffen.
Kein Missbrauch wurde an der Wurzel gefasst, vielmehr entrann der
Missetäter froh durch die Tür. So brach die französische Revolution wie das
Christentum, dem sie entsprang, in sich selber zusammen und wir sind heute
wie bankrotte Leute, die von vorn anfangen müssen. Wir stehen wieder am
Anfang aller Tage. Das heisst am Ende. Denn für das erkennende Auge sind ja
die Menschen längst in jene zwei Lager zerfallen, von welchen geschrieben
steht. Freilich ist vorläufig erst der Aufmarsch der Böcke geglückt, und
unsere Absicht, ihrem Konsortium entgegenzutreten, dürfte auch fernerhin
ein frommer Wunsch verbleiben, solange wir jene dunkle und geheimnisvolle
Tatsache nicht ergründeten, dass die von schlechten Instinkten Gemeisterten
so viel deutlicher die Hochgesinnten herausspüren, als diese sich unter
sich erkennen. Wahrlich diese dunkle und rätselvolle Tatsache birgt
Perspektiven von lockender Tiefe, und sie ziehen sich wie weite
Zimmerflüchte nach allen Richtungen, reich an Verborgenheiten, hin. --
Es heisst vom Himmelreich, es litte Gewalt. Indessen sehen wir zu, wie die
Hölle immer mehr das Erdreich verschlingt. Dass allerorts so und so viele
darüber jammern, ja auch vernünftig darüber raisonieren, hilft uns keinen
Schritt vorwärts. Denn wo bleibt unser Zustrom, wo insbesondere bleibt
unsere Sichtung?
Um Machtfragen werden sich nach wie vor die Dinge drehen, und nach wie vor
wird sich herausstellen, dass es nichts Neues unter der Sonne gibt. Macht
wird vor Recht gehen, denn Macht geht vor Recht. Es ist Sache des Rechts,
die Macht an sich zu reissen, eine neue Realpolitik zu ermöglichen, nicht
ausdrückbar durch Lüge, Feuer und Mord; eine Exekutive zu befestigen,
welche die aus Lüge, Feuer und Mord errungenen Vorteile verschmähen, und
Lüge, Feuer und Mord nicht ausspielen würde gegen Lüge, Feuer und Mord.
Sache des Rechts ist es, die Bahn solcher Gewalthaber zu bereiten, und was
mich angeht, so musste ich, um meiner eigenen Grabesruhe willen, diese
zukünftigen, für ein feineres Ohr heute schon ödesten Gemeinplätze noch
äussern, bevor ich schweige oder von etwas anderem rede.
INHALT.
Seite
Epilog zu den Briefen an einen Toten 3--4
August 1916 »Weisse Blätter«
Ausblick 4--6
Mai 1917 »Friedenswarte«
Zum Aufruf an die Frauen 6--8
26. August 1917 »Neue Zürcher Zeitung«
Letzte Folgerungen 8--11
22. Oktober 1917 »Neue Zürcher Zeitung«
Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit 11--12
März 1918 »Friedenswarte«
Wiederholungen 12--14
Juli 1918 »Friedenswarte«
Schlusswort 14--15
Anmerkungen zur Transkription
Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt
(vorher/nachher):
[p. 4]:
... besitzen. ...
... besitzen.« ...
[p. 6]:
... Aber all diese Kriege und die gewesenen sind ja nur Vorstufen ...
... Aber all diese Kriege, und die gewesenen sind ja nur Vorstufen ...
[p. 7]:
... ihrer Gattinen ungeduldig verbeten. Ihrer Angst und Sorge
überlassen, ...
... ihrer Gattinnen ungeduldig verbeten. Ihrer Angst und Sorge
überlassen, ...
[p. 8]:
... die ganze Welt hindurch geeinigt, mächtig genug, um ihr Tribmal ...
... die ganze Welt hindurch geeinigt, mächtig genug, um ihr Tribunal ...
[p. 9]:
... l'Ile Adam mit so grossem Nachdruck beim Namen nannte, an ...
... l'Isle Adam mit so grossem Nachdruck beim Namen nannte, an ...
[p. 12]:
... veränderten Gesichtspunken neu aufzurichten. Wie aus einer ...
... veränderten Gesichtspunkten neu aufzurichten. Wie aus einer ...
[p. 13]:
... des Gewühls; den Anfang jener neuen Hierarche, nach der ...
... des Gewühls; den Anfang jener neuen Hierarchie, nach der ...
*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE LAST ***
Updated editions will replace the previous one—the old editions will
be renamed.
Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright
law means that no one owns a United States copyright in these works,
so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United
States without permission and without paying copyright
royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part
of this license, apply to copying and distributing Project
Gutenberg™ electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG™
concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark,
and may not be used if you charge for an eBook, except by following
the terms of the trademark license, including paying royalties for use
of the Project Gutenberg trademark. If you do not charge anything for
copies of this eBook, complying with the trademark license is very
easy. You may use this eBook for nearly any purpose such as creation
of derivative works, reports, performances and research. Project
Gutenberg eBooks may be modified and printed and given away—you may
do practically ANYTHING in the United States with eBooks not protected
by U.S. copyright law. Redistribution is subject to the trademark
license, especially commercial redistribution.
START: FULL LICENSE
THE FULL PROJECT GUTENBERG™ LICENSE
PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK
To protect the Project Gutenberg™ mission of promoting the free
distribution of electronic works, by using or distributing this work
(or any other work associated in any way with the phrase “Project
Gutenberg”), you agree to comply with all the terms of the Full
Project Gutenberg License available with this file or online at
www.gutenberg.org/license.
Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg
electronic works
1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg
electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
and accept all the terms of this license and intellectual property
(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all
the terms of this agreement, you must cease using and return or
destroy all copies of Project Gutenberg electronic works in your
possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a
Project Gutenberg electronic work and you do not agree to be bound
by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the person
or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.
1.B. “Project Gutenberg” is a registered trademark. It may only be
used on or associated in any way with an electronic work by people who
agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
things that you can do with most Project Gutenberg electronic works
even without complying with the full terms of this agreement. See
paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
Gutenberg electronic works if you follow the terms of this
agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg
electronic works. See paragraph 1.E below.
1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation (“the
Foundation” or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection
of Project Gutenberg electronic works. Nearly all the individual
works in the collection are in the public domain in the United
States. If an individual work is unprotected by copyright law in the
United States and you are located in the United States, we do not
claim a right to prevent you from copying, distributing, performing,
displaying or creating derivative works based on the work as long as
all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope
that you will support the Project Gutenberg mission of promoting
free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg
works in compliance with the terms of this agreement for keeping the
Project Gutenberg name associated with the work. You can easily
comply with the terms of this agreement by keeping this work in the
same format with its attached full Project Gutenberg License when
you share it without charge with others.
1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
what you can do with this work. Copyright laws in most countries are
in a constant state of change. If you are outside the United States,
check the laws of your country in addition to the terms of this
agreement before downloading, copying, displaying, performing,
distributing or creating derivative works based on this work or any
other Project Gutenberg work. The Foundation makes no
representations concerning the copyright status of any work in any
country other than the United States.
1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:
1.E.1. The following sentence, with active links to, or other
immediate access to, the full Project Gutenberg License must appear
prominently whenever any copy of a Project Gutenberg work (any work
on which the phrase “Project Gutenberg” appears, or with which the
phrase “Project Gutenberg” is associated) is accessed, displayed,
performed, viewed, copied or distributed:
This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms
of the Project Gutenberg™ License included with this eBook or online
at www.gutenberg.org. If you
are not located in the United States, you will have to check the laws
of the country where you are located before using this eBook.
1.E.2. If an individual Project Gutenberg electronic work is
derived from texts not protected by U.S. copyright law (does not
contain a notice indicating that it is posted with permission of the
copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in
the United States without paying any fees or charges. If you are
redistributing or providing access to a work with the phrase “Project
Gutenberg” associated with or appearing on the work, you must comply
either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or
obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg
trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9.
1.E.3. If an individual Project Gutenberg electronic work is posted
with the permission of the copyright holder, your use and distribution
must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any
additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms
will be linked to the Project Gutenberg License for all works
posted with the permission of the copyright holder found at the
beginning of this work.
1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg
License terms from this work, or any files containing a part of this
work or any other work associated with Project Gutenberg.
1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
electronic work, or any part of this electronic work, without
prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
active links or immediate access to the full terms of the Project
Gutenberg License.
1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including
any word processing or hypertext form. However, if you provide access
to or distribute copies of a Project Gutenberg work in a format
other than “Plain Vanilla ASCII” or other format used in the official
version posted on the official Project Gutenberg website
(www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense
to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means
of obtaining a copy upon request, of the work in its original “Plain
Vanilla ASCII” or other form. Any alternate format must include the
full Project Gutenberg License as specified in paragraph 1.E.1.
1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
performing, copying or distributing any Project Gutenberg works
unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
access to or distributing Project Gutenberg electronic works
provided that:
• You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
the use of Project Gutenberg works calculated using the method
you already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed
to the owner of the Project Gutenberg trademark, but he has
agreed to donate royalties under this paragraph to the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid
within 60 days following each date on which you prepare (or are
legally required to prepare) your periodic tax returns. Royalty
payments should be clearly marked as such and sent to the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in
Section 4, “Information about donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation.”
• You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
does not agree to the terms of the full Project Gutenberg™
License. You must require such a user to return or destroy all
copies of the works possessed in a physical medium and discontinue
all use of and all access to other copies of Project Gutenberg™
works.
• You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of
any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
electronic work is discovered and reported to you within 90 days of
receipt of the work.
• You comply with all other terms of this agreement for free
distribution of Project Gutenberg™ works.
1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project
Gutenberg™ electronic work or group of works on different terms than
are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing
from the Project Gutenberg Literary Archive Foundation, the manager of
the Project Gutenberg™ trademark. Contact the Foundation as set
forth in Section 3 below.
1.F.
1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
works not protected by U.S. copyright law in creating the Project
Gutenberg™ collection. Despite these efforts, Project Gutenberg™
electronic works, and the medium on which they may be stored, may
contain “Defects,” such as, but not limited to, incomplete, inaccurate
or corrupt data, transcription errors, a copyright or other
intellectual property infringement, a defective or damaged disk or
other medium, a computer virus, or computer codes that damage or
cannot be read by your equipment.
1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the “Right
of Replacement or Refund” described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg™ trademark, and any other party distributing a Project
Gutenberg™ electronic work under this agreement, disclaim all
liability to you for damages, costs and expenses, including legal
fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.
1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
written explanation to the person you received the work from. If you
received the work on a physical medium, you must return the medium
with your written explanation. The person or entity that provided you
with the defective work may elect to provide a replacement copy in
lieu of a refund. If you received the work electronically, the person
or entity providing it to you may choose to give you a second
opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If
the second copy is also defective, you may demand a refund in writing
without further opportunities to fix the problem.
1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you ‘AS-IS’, WITH NO
OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT
LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of
damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement
violates the law of the state applicable to this agreement, the
agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or
limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or
unenforceability of any provision of this agreement shall not void the
remaining provisions.
1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg™ electronic works in
accordance with this agreement, and any volunteers associated with the
production, promotion and distribution of Project Gutenberg™
electronic works, harmless from all liability, costs and expenses,
including legal fees, that arise directly or indirectly from any of
the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this
or any Project Gutenberg work, (b) alteration, modification, or
additions or deletions to any Project Gutenberg work, and (c) any
Defect you cause.
Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg
Project Gutenberg is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of
computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
from people in all walks of life.
Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg’s
goals and ensuring that the Project Gutenberg collection will
remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg and future
generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
Sections 3 and 4 and the Foundation information page at www.gutenberg.org.
Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non-profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service. The Foundation’s EIN or federal tax identification
number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
U.S. federal laws and your state’s laws.
The Foundation’s business office is located at 41 Watchung Plaza #516,
Montclair NJ 07042, USA, +1 (862) 621-9288. Email contact links and up
to date contact information can be found at the Foundation’s website
and official page at www.gutenberg.org/contact
Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation
Project Gutenberg™ depends upon and cannot survive without widespread
public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine-readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment. Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.
The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements. We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
DONATIONS or determine the status of compliance for any particular state
visit www.gutenberg.org/donate.
While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.
International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
Please check the Project Gutenberg web pages for current donation
methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations. To
donate, please visit: www.gutenberg.org/donate.
Section 5. General Information About Project Gutenberg electronic works
Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
Gutenberg concept of a library of electronic works that could be
freely shared with anyone. For forty years, he produced and
distributed Project Gutenberg eBooks with only a loose network of
volunteer support.
Project Gutenberg eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
edition.
Most people start at our website which has the main PG search
facility: www.gutenberg.org.
This website includes information about Project Gutenberg,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
Showing first 200,000 characters. Full text: gutenberg.org/ebooks/44258