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Versuch einer Ethnographie der Philippinen

by Ferdinand Blumentritt · German · Gutenberg #40867 · 400,578 chars · public domain (US)

The Project Gutenberg eBook of Versuch einer Ethnographie der Philippinen
    
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Title: Versuch einer Ethnographie der Philippinen

Author: Ferdinand Blumentritt


        
Release date: September 26, 2012 [eBook #40867]
                Most recently updated: October 23, 2024

Language: German

Other information and formats: www.gutenberg.org/ebooks/40867

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*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK VERSUCH EINER ETHNOGRAPHIE DER PHILIPPINEN ***

               VERSUCH EINER ETHNOGRAPHIE DER PHILIPPINEN

                                  von

                        Prof. FERD. BLUMENTRITT.



                          Nebst einem Anhange:

  Die maritimen Entdeckungen der Spanier im Archipel der Philippinen.
                    Mit einer Karte der Philippinen.

        (Ergänzungsheft No. 67 zu "Petermann's Mittheilungen".)

                         Gotha: Justus Perthes.
                                 1882.







INHALT.


                                                                   Seite

    Einleitung                                                         1

    I. Negritos                                                        3

    II. Malaien                                                        9

         1. Tagalen                                                    9
         2. Pampangos                                                 20
         3. Zambalen (Zambales)                                       20
         4. Pangasinanen (Pangasinanes)                               21
         5. Ilocanen (Ilocanos)                                       22
         6. Ibanags oder Cagayanen (Cagayanes)                        23
         7. Igorroten (Igorrotes) mit Buriks und Busaos               24
         8. Altasanen (Altasanes) und Ilamuts                         32
         9. Bujuanos                                                  32
        10. Panuipuyes                                                32
        11. Isinays                                                   32
        12. Abacas                                                    32
        13. Italonen (Italones)                                       32
        14. Ibilaos                                                   33
        15. Ilongoten (Ilongotes)                                     33
        16. Mayoyaos nebst Quianganen, Pungianen und Silipanen        33
        17. Ifugaos                                                   34
        18. Gaddanen (Gaddanes)                                       34
        19. Itetapanen (Itetapanes)                                   35
        20. Guinanen (Guinanes)                                       35
        21. Calauas oder Itaves                                       35
        22. Gamunangen und Bayabonanen                                36
        23. Dadayags                                                  36
        24. Nabayuganen (Nabayuganes)                                 36
        25. Aripas                                                    36
        26. Calingas                                                  36
        27. Tinguianen (Tinguianes)                                   36
        28. Adangs                                                    38
        29. Apayaos                                                   39
        30. Catalanganen                                              39
        31. Irayas                                                    41
        32. Catubanganen (Catubanganes)                               42
        33. Vicols                                                    42
        34. Manguianen (Manguianes)                                   45
        35. Mundos                                                    45
        36. Carolanen (Carolanos)                                     46
        37. Visayer (Visayas)                                         46
        38. Manobos                                                   48
        39. Mamanuas                                                  49
        40. Tagbalays                                                 49
        41. Bagobos                                                   50
        42. Guiangas                                                  50
        43. Vilanen (Vilanes)                                         50
        44. Tagacaolos                                                50
        45. Sanguils                                                  50
        46. Mandayas                                                  50
        47. Subanos                                                   50
        48. Manguangas                                                51
        49. Sameacas                                                  51
        50. Guimbas                                                   51
        51. Die Piratenstämme von Mindanao und Sulu                   51


    III. Chinesen, chinesische Mestizen und Japanen                   55

        1. Chinesen                                                   55
        2. Chinesische Mestizen                                       57
        3. Japanen                                                    58


    IV. Weisse und andere Bevölkerungsbestandtheile                   58

        1. Weisse und deren Mischlinge                                58
        2. Sonstige Bevölkerungsbestandtheile                         59


    Anhang. Die maritimen Entdeckungen der Spanier im Archipel der
        Philippinen                                                   59

    Alphabetisches Register der Citat-Abkürzungen                     69




KARTEN:


Tafel: Karte der Philippinen zur Darstellung der Ethnographischen
Verhältnisse, der administrativen Eintheilung und der gegenwärtigen
geographischen Kenntniss. Maassstab 1:3 000 000.

Nebenkarte: Skizze zur Entdeckungsgeschichte der Philippinen. Maassstab
1:10 000 000.







                               Den Herren

                    Dr. A. B. Meyer und Dr. F. Jagor

                       hochachtungsvoll gewidmet
                                  vom
                               Verfasser.







EINLEITUNG.


Die Urbevölkerung der Philippinen bilden die Negritos, welche
jetzt nur noch in geringer Individuenzahl über den ganzen Archipel
zerstreut sind. Die einwandernden Malaien verjagten die ehemaligen
Herren in die unzugänglichen Bergwildnisse der Binnenlandschaften,
nur der nördlichste Strich der Ostküste Luzons blieb von der
malaiischen Invasion verschont, dort blieben die Negritos im Besitze
der Meeresgestade. Die ersten eindringenden Malaien besetzten die
Küsten und vermischten sich mit den Negritos zum Theile, indem sie
die Weiber der von ihnen Besiegten und Erschlagenen in ihre Hütten
aufnahmen. Wenn wir Luzon in Betracht ziehen -- über die anderen Inseln
liegt zu dürftiges Material vor --, so können als die Nachkommen der
ersten malaiischen Einwanderer jene Stämme gelten, welche heute im
Innern der grossen Insel wohnen, einst aber die Bewohner der Küsten
waren, während die von ihnen gegenwärtig besiedelten Landstriche von
Negritos noch eingenommen wurden. Von den meisten dieser Stämme wird
oder wurde die Kopfjägerei geübt, wie von den Igorroten, Apayos,
Zambalen, Abacas, Isinays, Italonen, Ibilaos, Ilongoten, Ifugaos,
Mayoyaos, Guinanen und Calingas, diess ist constatirt; dieselbe
Sitte scheint auch bei den Adangs, Gaddanen, Itetapanen, Aripas,
Dadayags &c. ausgeübt zu werden oder wurde es in vergangener Zeit,
nur von den Bergstämmen der Tinguianen, Catalanganen und Irayas wissen
wir bestimmt, dass sie keine Kopfjäger sind. Auch in ihren sonstigen
Sitten haben diese Kopfjägerstämme viele Anklänge an die Dayaks von
Borneo aufzuweisen. Für Mindanao nennen wir als Repräsentanten dieser
Kopfjäger den Bergstamm der Manobos. Dass diese Stämme in einer Zeit
eingewandert sein müssen, wo die Negritos viel zahlreicher waren als
heute, darauf weist der Habitus so mancher derselben hin, in welchem
sich eine sehr starke Dosis von Negritoblut deutlich offenbart, obwohl
manche dieser Stämme in Gegenden wohnen, wo heute kein Negrito mehr
existirt oder doch in so geringer Individuenzahl, dass eine Beimischung
in moderner Zeit nicht im Stande gewesen wäre, den Typus des gesammten
Stammes wesentlich und dauernd zu differiren. Diese Bergstämme wären
also die Repräsentanten der ersten Periode der Malaieninvasion,
und man würde nicht fehlgehen, wenn man die im Centrum Nord-Luzons
wohnenden Völker als die Nachkommen der ersten Einwanderer betrachtete,
so dass die heute in den Provinzen Nueva Vizcaya, Bontok und Isabela
sesshaften Stämme zu denselben gerechnet werden müssten. Die Igorroten,
Tinguianen, Apayos &c. sind demnach in einem späteren Zeitabschnitt auf
Luzon angelangt, der aber noch in die erste Periode der malaiischen
Invasion fällt. In diese zweite Hälfte der ersten Periode wäre jene
Beimischung von chinesischem und japanesischem Blute zu verlegen,
welche nach Semper u. A. die Igorroten, Tinguianen und Catalanganen
in ihren Gesichtszügen documentiren. Später kann sie nämlich
nicht erfolgt sein, da dann diese Stämme durch andere Malaien --
mit Ausnahme der Zambalen -- vom Meere getrennt wurden, und diese
letzteren zwar mit Chinesen und Japanesen in Handelsbeziehungen traten,
aber diese Berührung wurde durch eine geringe Individuenzahl jener
beiden Mongolenstämme vermittelt, so dass sie nicht im Stande war,
den Rassentypus zu verändern oder zu differiren.

Dann kam die zweite Periode der malaiischen Invasion, welche
jene Stämme nach den Philippinen brachte, welche bei der Ankunft
der Spanier bereits im Besitze beinahe aller Küstenstriche des
Archipels waren und einen etwas höheren Grad der Civilisation
und mildere Sitten aufzuweisen hatten, als die Malaien der ersten
Invasionsperiode. Diese Einwanderer (Tagalen, Pampangos, Visayer,
Vicols, Ilocanen, Pangasinanen und Cagayanen) unterwarfen sich
wie gesagt die Küstenstriche und zwangen die früheren Bewohner
derselben sich in die Binnenlandschaften zurückzuziehen, wo sie
noch heute wohnen. Es ist natürlich, dass die neuen Einwanderer
sich auch in ähnlicher Weise mit zurückgebliebenen Malaien der
ersten Invasionsperiode vermengten, wie es letztere mit den Negritos
gethan. Diesem Umstande ist die Ähnlichkeit zuzuschreiben, welche in
vielen Beziehungen hauptsächlich in der Religion [1], ein gemeinsames
Band um alle Malaien dieses Archipels schlingt. Je weiter wir nach dem
Norden Luzons vorwärtsschreiten, desto mehr sehen wir die Küstenmalaien
in Sitten und Bräuchen sich mehr denjenigen der Binnenlandstämme
zuneigen, ein Beweis, dass die Zahl der Einwanderer der zweiten Periode
nach dem Norden zu immer geringer wurde, diese daher nicht im Stande
waren, die dort sesshaften Stämme vollständig zu vertreiben, sondern
die friedlicheren Glieder derselben zahlreich als Heloten aufzunehmen
und sich mit ihnen zu einem Volke allmählich zu verschmelzen, in
welchem viele Züge des Volkslebens der früher eingewanderten Stämme
sich erhielten. Dieser Vorgang ist auch ganz natürlich, denn da die
Invasion von Süden her erfolgte, so nahm nach den nördlichen Breiten
zu auch ihre Expansivkraft und Individuenzahl ab; hatte ja doch auch
die Invasion der ersten Periode ihre Kraft bereits verbraucht, als
sie das rechte Ufer des Rio grande de Cagayán überschritten hatte;
die Küste von Casiguran-Paranan bis zum Cap Engaño blieb auch nach
der zweiten Invasion im unbestrittenen Besitze der ursprünglichen
Herren des Archipels, der Negritos! Daher auch die Erscheinung, dass
im Süden der Philippinen, in dem Visayer-Archipel auf vielen Inseln
die Nachkommen der Einwanderer der ersten Periode ganz in dem Stamm
der neuen Ankömmlinge, der Visayer, aufgingen oder vernichtet wurden,
welcher Vorgang auch bei den Vicols, vielleicht auch den Tagalen
und Pampangos, Statt gefunden hat. Nur auf den grösseren Inseln --
Mindoro (?) und Mindanao (hier unzweifelhaft) -- gelang es, den erst
Eingewanderten sich unabhängig zu erhalten. Auf Mindanao scheinen
mir die Subanos und Caragas solche Mischlinge zu sein, bei ersteren
prävaliren die Elemente der ersten, bei den letzteren jene der zweiten
Invasionsperiode. Deshalb auch fanden die Spanier bei jenen (nicht
allen) Visayern und Vicols, welche die ersten Einwanderer nicht zu
vertilgen oder zu verjagen vermocht und daher sich mit diesen vielfach
gekreuzt hatten, vielfache Überbleibsel in Tracht und Sitten vor,
welche an die Bergstämme erinnerten, z. B. die auf Cebú Und Panay,
wie auf den Catanduanes übliche Sitte des Tätowirens, während die
Visayer jener Inseln, auf welchen die ersteingewanderten Malaien in
die Binnenlandschaften gedrängt (wie auf Mindoro) oder vertilgt worden
waren (wie auf Leyte, Sámar und Bóhol) diese Sitte nicht übten. Der
spanische Katholicismus bringt jetzt eine bedeutende Änderung dieser
Verhältnisse hervor, die verschiedenen Malaienstämme des Archipels
verschmelzen langsam aber sicher zu einem einzigen Stamme [2].

Eine dritte malaiische Invasion wurde durch die Ankunft der Spanier
unterbrochen und theilweise auch verhindert. Zu Anfang des XVI.,
vielleicht auch schon in der zweiten Hälfte des XV. Jahrhunderts
begannen die Malaien des Reiches Brunai oder Borneo nach den westlichen
Visayern sich zu wenden. Es war diess zugleich, wenigstens in der
Zeit von 1521-1565, eine religiöse Conquista, denn die "Mauren
[3] von Burney" verbreiteten auch den Islam unter den Indiern der
Philippinen. Die Insel Palawan selbst wurde ein Bestandtheil des
Reiches Burney oder Brunai (Borneo), während solche Einwanderer an
der Bai von Manila und in den heutigen Provinzen Batangas und Tayabas
sich neue Reiche gründeten. Camarínes, Mindoro, Panay, Negros, Cebú
und die übrigen Visayer wurden vorläufig nur von Borneo-Kauffahrern
besucht. Gleichzeitig mit diesem Zuge von Borneo her, fand eine andere
Immigration von den Molukken her Statt, welche sich auf Mindanao
und den Sulu-Archipel erstreckte. Bei Palawan stiessen diese beiden
Einwanderungsströme zusammen. Das Erscheinen der Spanier machte dieser
dritten malaiischen und islamitischen Einwanderung ein Ende; auf Luzon
und in den Visayern wurde der eben erst eingedrungene Islam durch das
Christenthum unblutig verdrängt und so mussten die Einwanderer der
dritten Periode sich mit dem Besitze von Süd-Palawan, den Sulu-Inseln
und dem grösseren Theile der Mindanao-Küste begnügen. Es war ein
grosses Glück für die Bewohner der Philippinen, dass die Spanier noch
rechtzeitig genug kamen, ehe der Islam festen Fuss gefasst hatte,
sonst wären sie für die europäisch-christliche Civilisation verloren.

Auf Sulu scheinen noch andere Malaienstämme eingewandert zu sein:
Malaien von Johore und Javanen im Mittelalter, doch bin ich nicht
in der Lage gewesen, darüber Studien zu machen, da mir die nöthige
Kenntniss des Holländischen vorläufig noch abgeht. Mangkassaren dienten
zwar zahlreich in den Kriegen der Sulus gegen die Spanier von 1599-1646
als Söldner in den Heeren dieser Piraten, und haben gewiss auch im
Lande Nachkommen hinterlassen, doch fällt diese Blutmengung hier nicht
sehr in Betracht. Auch die Ansiedlungen katholischer Ternataner in
Marigondon an der Bai von Manila, welche auf Betrieb der Jesuiten,
bei der 1661 erfolgten Räumung Ternates durch die Spanier, entstand,
ist zu unbedeutend, als dass sie irgend einen Einfluss auf die Tagalen
hätte ausüben können.

Nächst den Malaien verdienen die meiste Beachtung die Chinesen,
welche besonders im Norden von Luzon sich stark mit den Malaien,
insbesondere den Bergstämmen vermengt haben sollen, ob zwar manche und
triftige Gründe dagegensprechen, dass vor der Ankunft der Spanier die
Chinesen besonders zahlreich gewesen wären; im Gegentheile erst die
Ankunft der edlen Castilianer lockte sie in grösseren Mengen nach den
Philippinen, der Acapulco-Handel, der so viele chinesische Waaren mit
dem in China so hochgeschätzten amerikanischen Silber baar bezahlte,
war es, der die Chineseneinwanderung nach unserem Archipel lenkte. Die
Spanier fanden bei ihrer Ankunft nirgends Chinesenansiedlungen vor,
sondern nur einzelne chinesische Kauffahrer. Die Chinesen haben seit
ihrer Niederlassung im Lande durch Erzeugung einer Mischlingsrasse,
der Mestizos de Sangley, einen neuen Bevölkerungsbestandtheil den
Philippinen zugebracht, der durch seine Intelligenz berufen ist,
einst eine grosse Rolle zu spielen.

Die Japanesen traten in ähnlicher Weise wie die Chinesen in dem
Archipel auf; seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts aber, wo
die letzten derselben Manila verliessen, kamen keine mehr nach den
Philippinen.

In den ersten Zeiten der Conquista wurden auch Neger- und
Kaffer-Sclaven von portugiesischen Händlern eingeführt; die aber noch
unter Philipp II. erfolgte Aufhebung der Sclaverei auf den Philippinen
machte diesem Handel zum Glücke ein rasches Ende und ersparte den
Indiern die Verseuchung durch Negerblut. Von diesen Schwarzen ist
keine Spur mehr vorhanden.

Von "kaukasischen" Völkern kommen zunächst die Spanier in Betracht,
welche mit den Eingeborenen sich vermengten und so die Kaste der
Mestizos españoles schufen. Portugiesen wanderten besonders im XVI. und
Anfangs des XVII. Jahrhunderts ein, von ihnen haben sich keine Spuren
mehr erhalten, sie gingen in die Spanier auf. Andere europäische
Nationen kommen gar nicht in Betracht. Unbedeutend war auch die im
XVII. und XVIII. Jahrhundert dann und wann Statt findende Einwanderung
von Armeniern [4], Klings und anderen Stämmen Südindiens, diese
Einwanderung beschränkte sich übrigens nur auf Manila. Die wenigen
Araber, welche als Proselytenmacher und Kaufleute nach Mindanao und
Sulu kamen, waren auch nur Tropfen im Meere.

Die Linientruppen, welche die Spanier im XVII. und XVIII. Jahrhundert
in Manila und Zamboanga unterhielten, bestanden der Hauptmasse nach aus
mejicanischen, zum Theile auch peruanischen Indianern und Mestizen,
welche alle mit Tagalinnen sich verheiratheten. Für Manila bedeutet
diese Blutmischung bei der geringen Anzahl der Truppen und der starken
Bevölkerung so viel wie Nichts, für Zamboanga aber, welches früher
eine nur unbedeutende Bevölkerung und eine verhältnissmässig starke
Garnison besass, fällt diese Blutmischung stärker in die Wagschale.







I. NEGRITOS.


Die Negritos oder Aëtas sind beinahe im ganzen Archipel der
Philippinen zu finden, jedoch nirgends in grösserer Anzahl, und nur
an der Nordostküste Luzons sind sie noch Strandbewohner geblieben,
sonst haben sie nur die Gebirgswildnisse der Binnenlandschaften
inne, wenngleich sie in jenen Landschaften, wo sie mit Spaniern und
Malaien in freundlichem Verkehre stehen -- diess ist nicht überall
der Fall --, auch zu den Gestaden des Meeres kommen, um dort Waaren
einzutauschen. Sie bilden, besonders auf Luzon, eine grosse Anzahl
von Rassen-Inseln, welche durch weite Strecken von Malaien bewohnten
Landes von einander getrennt sind.

Ihr Hauptgebiet liegt im Nordosten Luzons, den Provinzen Nueva Écija
(nördlicher Theil), Príncipe, Isabela und Cagayán. Hier sind sie,
wie kurz vorher erwähnt, auch Strandbewohner, indem sie den nördlichen
Theil der Ostküste von Luzon von Palanan im Süden bis zum Cap Engaño
im Norden bewohnen (Semper, Skizzen 49) und zwar ausschliesslich,
denn bis zu diesen sturmgepeitschten Gestaden sind die malaiischen
Eroberer nicht vorgedrungen. Diese Küste ist der letzte Fleck Bodens
der Philippinen, in welchem die ursprünglichen Herren des Archipels,
die Negritos, sich im ungeschmälerten Besitze des heimischen Bodens
behaupteten. Auch der Ostabhang jener gewaltigen Cordillere, welche
sich längs dieser Küste hinzieht, ist ihr unbestrittener Besitz,
während am Westabhange die Negritos bereits das Land mit Stämmen
malaiischer Abkunft theilen müssen. Auf diesem Boden besitzen sie auch
ihre "grösste Reinheit der physischen wie der geistigen Charaktere"
(Semper, a. a. O.). Im Thale des Rio Cagayán (Grande) oder Tago
leben sie gleichfalls, bei Furao, Gamú, Ilagan, Tumauini, Cabagan
und Tuguegarao (Mas, pobl. p. 39-40), aber auch im Stromgebiete des
Rio chico de Cagayan bei Tuao und Malaueg begegnen wir ihnen (Mas,
a. a. O., p. 41). Die Nordküste der Provinz Cagayán wird von ihnen
nur in der Nähe des C. Engaño berührt, wo wir sie beim Vulcane Cagua
häufig antreffen, von dem Meere durch Malaien, die Cagayanen oder
Ibanags, getrennt, wohnen sie südöstlich und westlich von Abulug und
in den Waldwildnissen von Masi (Mas, pobl. 42).

Ihr Vorhandensein in Ilócos ist von Semper (Erdk. XIII,
89) abgesprochen worden, doch ist diess wohl nur ein Versehen,
indem Semper nur, so fasse ich es wenigstens auf, ihre Existenz im
südlichen Theile jener Landschaft, d. h. in den heutigen Districten
Benguet, Lepanto, der Provinz Union und dem südlichen Theile der
Provinz Ilócos Sur verneinte, und diess ist auch richtig, denn
jener Landstrich wird von den Igorroten bewohnt, einem ungemein
kriegerischen Malaienstamm, der gewiss schon vor Jahrhunderten die
Negritos, die in seinem Gebiete wohnten, vernichtet hat. Für den
Militärdistrict Lepanto bestätigt Lillo de Gracia (Dist. de Lep.,
p. 18) diese Thatsache, indem er ausdrücklich erwähnt, dass sich
in dem ganzen Districte keine Negritos befinden. In dem nördlichen
Theile der Provinz Ilócos Sur existiren aber Negritos, Diaz Arenas
nennt uns sogar die Ziffer, welche die den Spaniern unterworfenen
Angehörigen dieses Stammes in Ilócos Sur ausmachen: 145 Köpfe. Buzeta
erwähnt einer Negrito-Ranchería (kleine Niederlassung) bei Candon. In
Abra dürften nur wenige Negritos anzutreffen sein, dagegen ist ihre
Anwesenheit in Ilócos Norte sichergestellt (Ilustr. 1860, Nr. 12,
p. 153; Hügel, S. 359). Die Zahl der die Autorität der spanischen
Behörden anerkennenden Negritos der Provinz Ilócos Norte betrug 1848
nach Diaz Arenas 113 Seelen, neuere Daten sind mir nicht bekannt.

In Pangasinán begegnen wir ihnen wieder (Mas, pobl. p. 1), Diaz Arenas
erwähnt einer Ranchería bei S. Miguel, sie zählte nur 32 Köpfe,
offenbar sind es bereits unterworfene Leute. Was Diaz Arenas von
4000 Negritos in dem Grenzgebirge zwischen Pangasinán und Zambales
spricht, ist ein offenbarer Irrthum. Denn die Grenze Pangasináns gegen
Zambales berührt jenes Gebirge nur in seinen äussersten Ausläufern,
kann also unmöglich eine so grosse Zahl dieser Wilden beherbergen,
und schliesslich bemerkt Drasche (Fragm., S. 21) ausdrücklich, dass
der nördliche Theil jener Cordillere unbewohnt sei. Es ist also jene
(jedenfalls übertriebene und auf roher Schätzung beruhende) Ziffer
nur auf die in der Provinz Zambales (südl. Theil) wohnenden Negritos
zu beziehen. In Zambales und Bataán sind sie häufig, Dr. A. B. Meyer
hat sie dort selbst aufgesucht und uns nicht nur genaue Nachrichten,
sondern auch Skelette mitgebracht, desgleichen Dr. Schadenberg. 1848
zählte man nach Diaz Arenas 825 den Spaniern unterworfene Negritos. In
dem centralen Theile von Luzon leben sie nur in vereinzelten Horden:
in der Provinz Bulacán (beim Monte Angal und S. José), in den Wäldern
von S. Mateo und Bosoboso in der nächsten Nähe der Hauptstadt (Waitz,
V, 57. -- Mas, pobl. 1. -- Jagor, Phil. 51. -- Meyer, Negr., S. 25). In
Cavite und Taal scheinen sie zu fehlen, doch deutet eine Sage über
die Laguna de Bombon auf ihre frühere Anwesenheit. Über ihre Existenz
in Tayabas berichtet nur ein Gewährsmann, Diaz Arenas, der von 516
unterworfenen Negritos spricht, und Cavada 1, 198. Auf der Insel Alabat
(Ostküste Luzons) sind sie auch vorhanden (Semper, Skizzen 49).

Das Südende Luzons bildet die langgestreckte, stark gegliederte
Halbinsel Camarínes, auf welcher sich die Provinzen Camarínes Norte,
Camarínes Sur und Albay befinden. Ob hier Negritos wohnen, war früher
zweifelhaft. Semper (Skizzen, 49) sagt: "im südlichen Luzon scheinen
sie zu fehlen" und Jagor (Phil. 106): "reine Negritos kommen, so weit
meine Erkundigungen reichen, in Camarínes nicht vor". Dem entgegen
berichtet Drasche (Fragm. 66), dass am Vulcan Iriga eine Ansiedlung von
Negritos und eine andere von Mischlingen von Negritos und Vicol-Malaien
existirte. Da aber Jagor ausführlich über jene wilden Stämme am Iriga
berichtet und sie nicht zu den Negritos zählt, so schien jene Meldung
ein Irrthum des Geologen Drasche zu sein. Andererseits befindet
sich in den Sammlungen der Berliner Anthropologischen Gesellschaft
ein männliches Negritoskelett vom Iriga, welches Dr. Schetelig
mitgebracht hatte (Virchow, Verh. d. Berl. Anthr. Ges. 1871,
S. 36). Drasche erwähnt (Fragm. 61), dass in den Gebirgswildnissen
von Camarínes Norte Negritos leben, woran gewiss nicht gezweifelt
werden kann, denn jene Territorien sind sehr dünn bevölkert, und die
Vicol-Malaien, welche an den Küsten und in den Flussthälern wohnen,
eine indolente und unkriegerische Rasse, somit alle Vorbedingungen
zur Existenz von Negritos vorhanden. Diaz Arenas spricht von 500
Negritos in den Bergen von Albay (1848), Cavada (1, 221) erwähnt,
dass sie in den Bergen bei Malinao hausen.

Über die Existenz der Negritos auf den einzelnen Inseln des
Visayer-Archipels begegnen uns manche Widersprüche, und wir sehen uns
bei den spärlichen Nachrichten genöthigt, mitunter auf Quellen aus dem
XVIII. ja XVII. Jahrhundert zurückzugehen; diess ist gleich bei Mindoro
der Fall. Diese grosse Insel ist nur selten von wissenschaftlich
gebildeten Europäern betreten worden, und so kommt es, dass wir auf
das aus 14 dickbäuchigen Bänden bestehende Geschichtswerk des Fray
Juan de la Concepcion zurückgehen müssen, welches beim Jahre 1716
(T. VII, p. 11) erwähnt, dass auf Mindoro neben wilden "Indiern"
auch wilde Negritos ("negritos cimarrones") lebten. Dr. A. B. Meyer
zweifelt nicht daran, dass hier Negritos existiren (Negr. 11). Diess
ist alles, was uns über die Negritos von Mindoro bekannt ist, wobei
ich darauf hinweise, dass nur ein schmaler Küstensaum den Spaniern
unterworfen, das ganze Innere aber eine terra incognita ist.

Über Panay, die reichste und bevölkertste Insel der Visayas,
fliessen reichlichere Quellen: schon Fray Gaspar de San Augustin
und Gemelli-Carreri berichten, dass im Innern der Insel Negritos
wohnen. Dr. A. B. Meyer sah sie dort (Meyer, Negr. 11 u. 26). Sie
bewohnen die Gebirgswildnisse und kommen oft zur Küste herab, selbst
nach Ilo-ilo. Der Augustiner Mozo nennt speciell die Berge von
Bosoc als den Hauptschlupfwinkel derselben (Misiones, p. 142). Diaz
Arenas giebt für die Negritos der Provinz Ilo-ilo die Zahl von 500
Köpfen an, von den übrigen Provinzen der Insel weiss er keine Daten
anzugeben. Cavada bestätigt ihre Existenz auf Panay (II, 98). Auf
der kleinen Insel Tablas sind zwei Negrito-Niederlassungen (Cavada
II, 127).

Die Insel Negros dankt ihren Namen den Negritos, welche dort in der
Zeit der Conquista in viel grösseren Massen gewohnt haben müssen,
als wie diess heute der Fall ist. Übrigens ist es nicht einmal nöthig
diese anzunehmen, denn die Spanier konnten der Insel den Namen auch nur
des Umstandes wegen gegeben haben, weil sie dort zuerst auf Negritos
überhaupt stiessen, denn wie aus Morga, Fray Gaspar de S. Agustin,
Fr. Juan de la Concepcion &c. erhellt, war schon in jener Zeit die
Küste in den Händen der Indier oder Malaien, die freilich eine starke
Dosis von Negritoblut in ihren Adern besassen, wie sich das noch heute
erkennen lässt (Meyer, Negr. 26). Semper (Skizzen 49) spricht nur von
"wenigen Negerfamilien", welche um den Vulcan Malaspina "hausen". Dem
widerspricht die bestimmte Zahl von 3475 Köpfen, welche Diaz Arenas für
Negros angiebt, und Dr. A. B. Meyer erwähnt ausdrücklich, dass sie dort
zahlreich vorkommen (Negr. 11). Zu Gemelli-Carreri's Zeit müssen sie
noch zahlreich gewesen sein (man vgl. auch: Allg. Hist. d. Reisen XI,
412). Cavada (II, 171) schätzt die Zahl der Negritos in Nord-Negros
auf 8900 Seelen.

Auf Cebú traf sie Dr. A. B. Meyer (Negr. 11 u. 26), doch dürfte ihre
Zahl dort eine nur geringe sein. Über Bóhol liegen mir absolut keine
Nachrichten vor, so dass ich sogleich zu den beiden grossen Inseln
Leyte und Sámar übergehen will. Dr. Jagor (Phil. 227) sagt: "Negritos
sind weder auf Sámar noch Leyte vorhanden", wogegen Dr. A. B. Meyer
es nicht für unmöglich hält, dass dort Negritos wohnen. Spanische
Schriftsteller schweigen gänzlich über diesen Punkt.

Auf der Insel Palawan (Paragua der Spanier) und der Gruppe der
Calamianes leben nach Waitz, V, 57, Negritos, desgleichen nach S. 55
desselben Werkes im Innern der Hauptinsel von Sulu. Bezüglich letzterer
ist es nur auffallend, dass weder ältere (Combez) noch moderne (Pazos)
spanische Autoren hierüber etwas melden. Man könnte diese Negritos
von Sulu und Palawan mit den Idaanes oder Idanes identificiren, welche
(Waitz, V, 46) auf der Ostküste von Palawan (d. h. wo auch die Negritos
wohnen sollen) und im Innern von Sulu wohnen. Zwar heisst es, dass nur
die Heiden (also im Gegensatze zu den Moslim) so genannt würden, aber
auffallend ist immerhin einerseits die Nachricht, dass der Name Idan
eine Collectivbezeichnung sei, indem die Idan verschiedene Sprachen
sprächen, andererseits die Ähnlichkeit von "Idan" mit den Bezeichnungen
"Etas", "Itas", welche sich die Negritos von Luzon selbst beilegen
oder von den Eingeborenen erhalten. Insbesondere auffallend ist die
Ähnlichkeit mit dem Namen "Idayan", welchen ein Negritodialekt in
Nord-Luzon führt. Doch widerspricht dieser Hypothese entscheidend die
Nachricht, dass die Idanes -- welche übrigens den spanischen Autoren
nicht bekannt sind -- nach Dalrymple (Waitz, V, 98) hellfarbiger sein
sollen als die Küstenbewohner. Für Sulu (Hauptinsel) möchte ich die
Existenz von Negritos schon deshalb verneinen, als im Innern dieser
Insel ein ungemein kriegerischer Malaien-Stamm, jener der Guimbas,
wohnt, der gewiss die Negritos ebenso ausgerottet haben dürfte,
wie diess unter ähnlichen Verhältnissen in den Ländern der Igorroten
auf Luzon geschehen ist. Dass die Insel Palawan Negritos beherbergt,
ist wohl nicht zu bezweifeln, dagegen dürfte gegen ihre Anwesenheit in
den Calamianes einiges einzuwenden sein, obwohl man bei den spärlichen
Nachrichten und der geringen Kenntniss des Landes sich hierüber nur
sehr reservirt aussprechen darf. Ich mache nur darauf aufmerksam,
dass die Spanier unter der Bezeichnung Calamianes auch den nördlichen
Theil Palawans mitverstehen, wodurch leicht Irrthümer entstehen können.

Der südlichste Theil des Generalcapitañats der Philippinen, die grosse
Insel Mindanao, wird ebenfalls von Negritos bewohnt. Der berühmte
Jesuit P. Francisco Combez, der gründlichste Kenner jenes Landes zu
seiner Zeit, constatirt ihre Existenz auf Seite 36 seiner Geschichte
von Mindanao, und auch Dampier und Gemelli-Carreri bestätigen
diess. Selbst der 25. Bd. der Halle'schen Welthistorie berichtet,
dass im Innern Mindanao's Neger hausen. Ihr Hauptsitz soll der
nordöstliche Winkel Mindanao's sein, was sehr natürlich erscheint,
indem ja die malaiische Invasion von Südwest erfolgte, eine Analogie
haben wir bereits auf Luzon gefunden, nur sind die Negritos von
Mindanao von der Küste durch Malaien getrennt. Dr. F. Jagor schätzte
ihre Zahl auf dieser Insel auf 10 000 Köpfe, fügt aber hinzu, dass
ihre Rassenreinheit sehr fraglich wäre (Phil. 322). Cavada (II, 206)
constatirt ihre Existenz in dem zur Provinz Surigao gehörigen Theile
Mindanao's.

Die Negritos sind also beinahe in allen Theilen des Archipels zu
finden, mit Ausnahme der beiden Inselgruppen der Batanes und Babuyanes
und vielleicht von Sámar, Leyte, Bóhol und Sulu. Trotz dieser grossen
Verbreitung ist ihre Zahl eine sehr geringe, und wenn Mas (pobl.,
p. 9) und Mallat (II, 94) ihre Zahl auf 25 000 schätzen, so ist
diess jedenfalls eher zu viel als zu wenig, wie diess schon Semper
(Skizzen 138) hervorgehoben hat.

Was ihr Äusseres anbelangt, so haben darüber die ausgezeichneten
Untersuchungen von Hofrath Dr. A. B. Meyer, Prof. Virchow, Prof. Semper
und Dr. Schadenberg genug Eingehendes über diesen Gegenstand
gebracht, so dass ich mich mit einer kurzen Zusammenstellung des
Gegebenen begnüge. Ihr Körperbau ist klein, schmächtig, die Waden,
wie diess die Photographie in dem so überaus interessanten Werke
Dr. Meyer's "Über die Negritos &c." drastisch zeigt, fast gar
nicht vorhanden. Durchschnittshöhe der Männer (Prov. Zambales)
1445 mm. Der Kopf ist vollständig negerähnlich, der Kiefer ein
wenig vorspringend, die Lippen schwach gewulstet, die Nase ist
plattgedrückt; man vergleiche darüber die Skizzen Dr. Meyer's in
seinem oben erwähnten Werke. Das Haar ist wollig, dick und schwarz
oder braunschwarz, Prof. Semper hebt seine Glanzlosigkeit hervor, es
wird kurzgeschoren getragen. Ihre Körperfarbe ist schwärzlich-braun
(dunkelkupferfarben). Wie bei vielen Stämmen, die in ähnlichen
Verhältnissen leben, findet man bei ihnen verhältnissmässig grosse
Bäuche. Der spärliche Bartwuchs beschränkt sich meist auf den
Backenbart (Schadenberg 147). Auffallend ist die Geschicklichkeit,
mit welcher sie sich ihrer Zehen zum Greifen und Festhalten zu bedienen
wissen (Schadenberg 143).

Ihr Temperament ist ein sehr lebhaftes, und dass sie nicht so unbegabt
sind, wie es die spanischen Geistlichen gern darthun möchten, beweist
nicht nur der Umstand, dass sie ausser ihrer eigenen Sprache oft noch
zwei Dialekte der angrenzenden Malaien sprechen (Meyer, Negr. 15),
sondern auch die Thatsache, dass unter den malaiischen Irayas in
Nordost-Luzon sich die Negritos sogar zu fester Niederlassung und
sogar zum Ackerbau [5] haben bewegen lassen. Das sind auch ihre
einzigen festen Niederlassungen, sonst leben sie als Nomaden in
ihren Wäldern, selbst die Rancherías der den spanischen Behörden
unterworfenen Negritos haben nur einen festen Namen (oft auch
diesen nicht), aber keinen fixen Platz. Ihr einziger Schutz gegen
die Unbilden der Witterung besteht in leicht beweglichen Schirmen,
welche schräg gegen die Windrichtung oder gegen die Sonne gestellt
werden. Sie sind aus Palmenblättern geflochten und haben oft eine
Oberfläche von 25-30 Quadratfuss (Semper, Erdk. XIII, 253). Die
Küsten-Negritos von Nordost-Luzon, welche Dumagat genannt werden,
liegen unter diesen Schutzdächern je nach dem Vermögensstande auf
Strohmatten, Stücken von Baumrinde oder nur auf der nackten Erde
(Semper, l. c. und Ilustracion 1860, n. 17, p. 193), diese Schutzdächer
tragen sie bei ihren Wanderungen mit sich herum.

Um sich vor der Nachtkälte in den Bergwäldern zu schützen, legen
sie sich so nahe an das Feuer, dass man glauben sollte, ihre Haut
müsse versengt werden, oder sie legen sich sogar in die heisse Asche
hinein. Da sie sonst auch sehr unreinlich sind, so ist es kein Wunder,
wenn ihr Körper mit Schmutzkrusten bedeckt ist.

Bis zum Eintritt der Pubertät laufen sie ganz nackt herum (Mundt-Lauff,
Natur V, 458), dann schlagen sie sich ein Tuch um die Lenden oder
tragen ein oft ungenügendes Suspensorium (Meyer, Negr. 15). Die Weiber
jener Horden, welche in einem freundschaftlichen Handelsverkehre mit
den Christen stehen, tragen ein kurzes Jäckchen (auf den Philippinen
Hemd -- camisa -- genannt) und den Tapis der philippinischen Malaien
(Ilustr. 1860, n. 17, p. 193). Unter den Männern tragen einige
auch einen erhandelten Mantel um die Schultern und auf dem Kopfe
ein Tüchlein (Ilustr., l. c.). Die Leibbinde besteht aus einem
selbstbereiteten Baumrindenstoff oder aus gekaufter Baumwolle. Es
giebt aber auch Negrito-Horden, welche die Tracht der christlichen
Malaien angenommen haben (Cavada I, 221; II, 127).

Sie kennen und üben die Sitte des Tätowirens. Bei den Negritos von
Zambales und Bataán (Sierra Mariveles) werden die Tätowirungsmuster,
welche aus geradlinigen Mustern bestehen, durch Hauteinschnitte
mittelst geschärfter Bambussplitter erzeugt. Dadurch entstehen schwach
erhöhte Narben, welche aber erst in grosser Nähe in die Augen fallen
(Meyer 16). Auch die Dumagat-Negritos tragen geradlinige Muster
auf Brust, Oberleib, Schultern und Rücken, hier (Nordost-Luzon)
aber werden keine Hauteinschnitte gemacht, sondern jene Muster
wie bei den umliegenden Malaien mittelst einer Nadel eingestochen
(Semper, Skizzen 50). Sobald die Tätowirung vollständig ist, wird der
Negrito-Jüngling ein selbständiger Mann, er kann jetzt heirathen und
eine Familie gründen (Schadenberg 136).

Bei einigen Horden werden die Schneidezähne sägeförmig zugefeilt (Jagor
374; Meyer, Negr. 23 u. 27), diese Sitte ist aber nicht allgemein,
denn Mas (pobl. I) sagt ausdrücklich, er hätte nur einige Negritos
gesehen, welche die Zähne spitzgefeilt trugen, was auch Schadenberg
bestätigt (136). Semper will diese Sitte nur auf die Negritos von
Mariveles oder Zambales beschränkt wissen (Palau-Inseln 364). Über
künstliche Schädeldeformation ist wenig bekannt, doch muss dieselbe
wenigstens theilweise Statt finden (Schadenberg 135).

Ledige Männer tragen in den Haaren Kämme aus Rohr (m. vgl. die
Abbildungen bei Schadenberg), angeblich zum Zeichen ihres ehelosen
Standes (Ilustr. 1850, n. 17, p. 193), doch scheint letzteres nicht
für alle Horden zu gelten, am allerwenigsten für die Negritos der
Sierra Mariveles. D. Sinibaldo Mas (pobl. 2) erwähnt, dass bei den
Negritos der Waldwildnisse des Mte. Camachin die Mädchen Halsbänder
aus Palmenblättern trugen. Von ähnlichen Halsbändern aus Bast- oder
Bejucoschnüren spricht Dr. Schadenberg (S. 141). Die Negritos von
Zambales tragen nur selten Ohrgehänge, welche mitunter aus Muscheln
bestehen, die Dumagat-Männer sowie alle Negrito-Weiber tragen in
ihren Ohren verschiedene Schmuckgegenstände oft der verwunderlichsten
Art. Es sind oft nur Stücke Rohr oder Holzsplitter, welche an den Enden
ganz zerfasert sind, so dass faustgrosse leicht gekräuselte Büschel
dadurch entstehen; Semper (Erdk. XIII, 253) fand diesen Schmuck
bei den Dumagat-Negritos. Die Weiber benutzen ihre Ohren auch als
Transportmittel, indem sie Rollen jener Pflanzenrinde, welche ihnen
zur Bereitung ihrer Kleiderstoffe dient, in die Ohrlöcher stecken
(Semper, Erdk. XIII, 253). Manche Weiber tragen auch ein Zweiglein
sammt seinem Blüthenschmucke in den Ohren (Ilustr. 1860, n. 17,
p. 193), die Weiber tragen auch schön verzierte Bambuskämme in den
Haaren (Schadenberg 141). Ringe werden an Armen und Beinen getragen
(Semper, Skizzen 50). Glasperlen und Messingdraht (um den Hals zu
tragen) dienen den Frauen zum Schmucke (Meyer, Negr. 15). Sonst
schleppen sie noch selbstverfertigte Beutel mit sich herum, in denen
sie den leidenschaftlich begehrten Tabak und Betel verwahren. Da
ich schon vom Tabak spreche, so sei erwähnt, dass sie ihn nur in
Cigarrenform rauchen, wobei sie das glimmende Ende zwischen die Zähne
nehmen (Schadenberg 146). Eine Zierde der Männer ist der Hayabung,
d. h. eine mit Wildschweinborsten, Glasperlen und Fledermausfellen
verzierte Schnur, die oberhalb der Wade getragen wird (Schadenberg
141). Nach Dr. Jagor legt diesen Schmuck nur derjenige an, dem es
geglückt ist, ein Wildschwein zu erlegen.

Man hat ihnen früher jede Religion abgesprochen. Bastian (Reisen V,
268) berichtet, dass sie ausser Gott ("Cambunian") Mond und Sterne
verehren. Beim Donnern opfern sie Schweine und dem Regenbogen bringen
sie Gebete dar. Nun ist aber der Cambunian eine Igorroten-Gottheit,
ebenso ist, was Mas (pobl. 4) von der Religion der Negritos vom
Mte. Camachin erwähnt, der alte Glaube der Tagalen. Nur was den
Mondcultus anbelangt, ist Bastian im Rechte, denn Schadenberg
erzählt (S. 144), dass sie in Vollmondnächten mit Bogen und
Pfeil auf den Schultern Tänze abhalten, an denen auch die Weiber
theilnehmen. Dr. A. B. Meyer konnte bei den Negritos der Sierra
Mariveles weder Götzen oder den Göttern geweihte Stätten entdecken. Bei
den Dumagat-Negritos existiren einige "rohe Mythen, die sich um Essen
und Trinken drehen"; auch feiern sie in Gesängen eine grosse Schlange,
welche ihnen im Traume die Orte weist, wo das Wild oder der Honig zu
finden ist (Semper, Erdk. X, 254).

Die Frauen gebären leicht und schnell, bei schweren Geburten vertritt
ein altes Weib die Stelle der Hebamme. Die Nabelschnur wird durch
einen scharfen Bambus abgetrennt und das Kind abgewaschen, und zwar mit
Wasser, welches an der Sonne gestanden hat. Die Kinder werden rittlings
auf der Hüfte und später auf dem Rücken getragen (Schadenberg 135);
das Stillen dauert beiläufig zwei Jahre (l. c.).

Die Ehen werden frühzeitig vereinbart, aber erst später nach erlangter
Pubertät vollzogen, es giebt Eheleute oder vielleicht richtiger
gesagt Verlobte, welche nur 8 oder 9 Jahre zählen (Ilustr. 1860,
n. 17, p. 193). Nach Mundt-Lauff (Natur V, 458) heirathen die Männer
nicht vor dem fünfzehnten, die Weiber nicht vor dem dreizehnten
Jahre. "Monogamie ist bei ihnen Regel" berichtet Schadenberg
(135). Bei den Negritos von Albay wird die Braut durch Kauf vom
Schwiegervater erworben; wird die Ehe durch Untreue der Gattin
gelöst, so muss dieser Kaufpreis dem Schwiegersohne rückgestellt
werden (Cavada I, 221). Die heutigen Negritos von Zambales-Bataán
suchen ihre Frau sich womöglich aus der eigenen Verwandtschaft,
während bei den Negritos auf Negros Ehen innerhalb derselben Horde,
wenigstens am Ausgange des XVII. Jahrhunderts, nicht gestattet waren,
man konnte die Weiber nur durch Raub von fremden Horden erlangen,
und diess führte zu endlosen Kriegen (Allg. Hist. XI, 412). Die
Hochzeit selbst wird durch Gesang und Tanz gefeiert, wobei Braut und
Bräutigam in festlichem Schmucke erscheinen (Schadenberg 137). Die
Frau hat alle Lasten des Lebens zu tragen, dem Manne obliegt nur die
Jagd, er hat auch eine unumschränkte Macht über alle Glieder seiner
Familie (l. c.). Ein angenehmer Zug im Charakter der Negritos ist die
hohe Achtung vor dem Alter, erwerbsunfähige Greise werden von ihren
Angehörigen liebevoll gepflegt (Schadenberg 135).

Da sie nur mit Misstrauen sich den Christen nähern, so ist uns auch
über ihre sonstigen Bräuche wenig bekannt. Ihre Festlichkeiten bestehen
in Tänzen und Gesängen. Der Tanz Acubac wird in folgender Weise
ausgeführt: ein oder mehrere Mädchen stellen sich in die Mitte eines
Kreises, welcher von Männern gebildet wird. Diese halten einer den
anderen beim Gürtel fest und drehen sich um die Weiber, indem sie mit
den Füssen den Boden nach dem Takte eines monotonen und langweiligen
Gesanges stampfen. Ähnliches berichtet Dr. Schadenberg. Dieser
Gesang heisst "inalug" und wird von den Weibern gesungen, die
Männer wiederholen oder antworten mit einem ähnlichen Wechselgesang
(Ilustr. 1860, n. 17, p. 194). Der Text besteht aus sinnlosen und
zufälligen Phrasen (Meyer 16), alte Männer halten es unter ihrer
Würde mitzusingen, diess gebührt nur den jungen. Mas (pobl., p. 3)
vergleicht diese Gesänge der Negritos mit dem Comintan der Tagalen,
jedenfalls müssen diess andere sein, wie der eben beschriebene
Acubac. Nach Semper besingen sie auch kriegerische Grossthaten. Die
Negrito-Weiber vom Mte. Camachin besassen eine Art von Guitarre oder
Zither, welche aus Rohr verfertigt war, die Stelle der Saiten vertraten
drei dünne Fäden, welche aus Wurzelfasern bestanden, doch gab es auch
solche von Sehnen. Das Instrument besitzt keinen Griff und wird mit
der linken Hand gespielt (Mas, l. c.). Mit dieser Zither oder Guitarre
begleiteten sie im 2/4 Takte den Gesang anderer Mädchen, wobei die
Spielenden mit dem Fusse taktförmig stampften, auch die Männer wussten
das Instrument zu handhaben. Dr. Schadenberg fand ausser Muschelhörnern
keine Musikinstrumente bei den Negritos von Zambales vor.

Ackerbau ist ihnen als herumstreifenden Jägern und Fischern fremd,
nur die unter den Irayas wohnenden und die Negritos von Tarlac bauen
Reis, sonst nähren sie sich durchweg von Waldfrüchten und anderen
Vegetabilien, Honig, Wildpret und Fischen. Unter den ersteren sind es
die Herzen der Palmensorten und die Wurzeln wilder Aroideen, welche
ihnen die meiste Nahrung aus dem Pflanzenreiche liefern (Semper,
Skizzen 52). Ihr Hauptleckerbissen ist der Honig der zahlreichen wilden
Bienen; die Zeit, wo die von den Bienen besiedelten Bäume gefüllt
sind, ist ihre Erntezeit. Das Wachs verhandeln sie an Christen und
Chinesen für Tabak und Betel, denn sie sind nicht nur leidenschaftliche
Tabakraucher, sondern auch Betelkäuer (Semper, l. c.). Das Fleisch der
erlegten Thiere braten sie in Gruben (Schadenberg 144, nach P. Felipe
Calayag). Was sonst kriecht und fliegt und schwimmt wird von ihnen
gegessen, wenn sie nur dessen habhaft werden können, aber diess ist bei
dem elenden Zustande ihrer Waffen nicht so leicht. Letztere bestehen
aus Bogen, Pfeil und Waldmesser, die Pfeile haben eine eiserne Spitze,
die sie durch Handel erlangen; früher bestand die Pfeilspitze,
wie Gemelli-Carreri berichtet, meist aus Kieselsteinen, Knochen
oder Holz. Die Pfeile werden in einem primitiven Köcher -- einem
Stück Bambusrohr getragen (Ilustr. 1860, n. 17, p. 193). Dr. Meyer
(Negr. 15) und Dr. Mundt-Lauff (Nat. V. 479) haben keine vergifteten
Pfeile bei ihnen vorgefunden, dagegen aber Dr. Jagor (Phil. 51),
desgleichen Mozo, welcher (Misiones, p. 110) erzählt, dass sie das
Pfeilgift aus der Rinde eines von ihnen Camandag genannten Baumes
und mehreren anderen Wurzeln und Kräutern bereiten. Vergiftete
Pfeile erwähnt Cavada nicht bei ihnen, wohl aber bei den mit ihnen
wahrscheinlich identischen Balugas. Sie haben drei Gattungen Pfeile,
nämlich für Vögel, Wildschweine und grösseres Wild (Schadenb. 138). Gut
wissen sie auch Steine zu schleudern, seltener trifft man bei ihnen
Lanzen an (l. c., p. 140 f.). Bei der Jagd werden sie von Hunden,
ihren einzigen Hausthieren, unterstützt (Mozo 106, Schadenberg 146).

Selten gelingt es ihnen, ein grösseres Thier zu erlegen, so dass ihre
animalische Kost sich nur auf das Fleisch von Schlangen, Fröschen
und Fischen reducirt (Meyer, N. 14), letztere werden nicht geangelt,
sondern mit Pfeilen geschossen (Semper, Skizzen 52).

Stirbt ein Negrito (in Ilócos Norte), so wird er im Gebirge begraben,
in das Grab werden ihm Feuerstein, Waffen und Stücke Wildpret
mitgegeben, desgleichen von allem, was dem Verstorbenen nahe ging,
wenigstens ein Theil (Ilustr. 1860, n. 12, p. 153). Dr. Meyer fand
die Leichen der Zambales-Negritos in ausgehöhlten Baumstämmen [6],
nur einen Fuss tief unter der Erdoberfläche, in diesen rohen Särgen
fand sich nur hie und da eine Eisenspitze. Der Kopf der Todten wird
in ein rohes Gewebe gehüllt (Schadenberg 148). Die Gräber waren auch
äusserlich kenntlich: sie besassen ein Schutzdach von Bambus und
Palmzweigen, ein Bambusgitter umgab das Grab (Meyer 17), letzteres
sah auch Mas bei den Negritos vom Mte. Camachin (Mas, pobl. 4). Diese
pflegen ein Jahr lang die Grabstätte gänzlich zu meiden, die Negritos
von Nordost-Luzon verlassen zwar den Ort, bleiben aber in der Nähe,
um zu verhindern, dass jemand die Stätte betritt. Wer diess thut,
wird aus sicherem Verstecke durch Pfeilschüsse getödtet [7] (Semper,
Erdk. X, 255); sollte diess nur eine Strafe für die Entweihung der
Stätte sein, oder soll durch die Tödtung des Fremden der Verlust des
eigenen Stammes gleichsam wettgemacht werden?

Ihre Zersplitterung macht sie ihren Feinden gegenüber ohnmächtig,
selbst die kleinen, 20-30 Köpfe zählenden Horden haben gar keine feste
Organisation oder irgendwelche Disciplin, sie kennen eben nur die Bande
der Familie (Meyer, Negr. 15), doch geniessen die älteren Männer ihrer
Erfahrung wegen einen freilich nicht schwerwiegenden Einfluss. Der
Häuptling bestimmt die Lagerplätze und die Zeit des Aufbruches
(Schadenberg 137). Die Negritos der Provinz Ilo-ilo erkennen diejenigen
als Häuptlinge an, welche von den spanischen Missionären eingesetzt
werden (Buzeta II, 103 f.). Einzelne Horden zahlen der spanischen
Regierung eine Abgabe in Naturalien als Zeichen der Unterwerfung, doch
geschieht diese Zahlung sehr unregelmässig und hängt nur von dem guten
Willen der Negritos ab, da die spanischen Behörden ihren Wildnissen
gegenüber machtlos sind. Solche "unterworfene" Negritos besitzen
dann einen "Gobernadorcillo (Gemeindevorsteher)", eine Puppe, welche
den Verkehr zwischen der Behörde und den Negritos vermittelt. Der
Gobernadorcillo wird aus den ältesten der Horde erwählt, hat aber unter
seinen Stammesgenossen gar keine Macht, sein Amt ist sehr einträglich,
denn die spanischen Beamten und Pfarrer pflegen ihn reichlich zu
beschenken. Manche Horden stehen mit den Spaniern auf Kriegsfuss,
ein Mal kamen 700-900 feindliche Negritos bis vor Lingayen (Mas,
pobl. 2). Die Malaien haben vor ihnen trotz ihrer schwachen Zahl und
ihren armseligen Waffen einen bedeutenden Respect. Die einzelnen
Horden sind in beständige blutige Fehden mit einander verwickelt,
wodurch sie immer mehr decimirt werden. Scheidnagel (Filipinas
30) sagt von den Zambales-Negritos, dass sie wild und blutdürstig
wären. Die Negritos zwischen Baler und Casiguran sind im ständigen
Kampfe mit christlichen wie heidnischen Malaien begriffen (Semper,
Erdk. XIII, 252). Sie wurden von den heidnischen Stämmen oft auch
bekriegt blos um Gefangene zu erhalten, letztere wurden der Familie
eines Erschlagenen von jener des Mörders übergeben, um als Sühne für
den Ermordeten abgeschlachtet zu werden.

Nach dem Erzählten ist es leicht begreiflich, dass die Gesammtzahl
der Negritos nur eine sehr geringe sein kann, Mas (pobl. 9) schätzt
sie auf 25 000, Mallat (II, 94) giebt dieselbe Ziffer an, Semper hält
diess mit Recht für übertrieben (Skizzen 138). Jedenfalls beträgt
ihre Anzahl mehr als 10 000 Seelen, wobei ich von Mindanao ganz absehe
und mich nur auf Luzon und die Visayas beschränke. Sie gehen langsam,
aber sicher ihrem Untergange entgegen.

Ehe ich zu den Malaien übergehe, habe ich noch den interessanten
Stamm der Balugas zu erwähnen, welcher in Pangasinán und zwar der
Centralebene Luzons wohnt. Semper hat die Balugas selbst gesehen
und bezeichnet sie als eine Mischlingsrasse von Negritos und Malaien
(Skizzen 53); der Name ist nach ihm tagalisch und bedeutet soviel als
schwarzer Mestize, schwarzer Bastard (Skizzen 136). Diese Mischung mit
malaiischem Blute ist aber nicht stark genug, um die den Negritos
charakteristischen Eigenthümlichkeiten verschwinden zu machen;
im vorigen Jahrhundert haben diese Balugas ein Leben geführt,
das sich in gar Nichts oder wenigstens so gut wie gar nicht von
jenem der Negritos unterscheidet, so dass man geneigt wäre, sie in
jener Zeit als noch unvermischt anzusehen. Es darf nicht unerwähnt
bleiben, dass nach Mas (pobl.) die Negritos neben dem spanischen
Namen Negrillos auch noch die eingeborenen: aëtas, itas, etas und
balugas führen und Scheidnagel (Filipinas 61) bemerkt ausdrücklich:
"Se les suele denominar por los indios con el nombre de balugas",
ebenso spricht Cavada (I, 164) von Balugas ó Aëtas. Die Malaiinnen
Luzons haben einen Abscheu vor den Negritos und gehen trotz ihrer
starken Sinnlichkeit keine geschlechtlichen Verbindungen mit den
Männern der schwarzen Rasse ein, wie Fr. Gaspar de S. Augustin schon
bemerkt (die Visaya-Malaiinnen sollen nicht so heikel sein), es kann
daher jene Vermischung nur durch geraubte Malaiinnen Statt gefunden
haben oder durch Remontados, das heisst durch Malaien, welche eines
Verbrechens wegen oder um den Steuern zu entgehen in die Wälder
flohen und sich unter jenen Negritos niederliessen, was aber nicht
gut möglich ist, da die Negritos gegen diese Exchristen ein starkes
Misstrauen hegen. Es ist also nur der erste Fall der wahrscheinlichere.

Fray Antonio Mozo überschreibt das VIII. Cap. seines Werkes mit:
"Missiones de Balugas ó Aëtas", er will also Balugas mit Negritos
identificiren, wie auch aus dem Inhalt des ganzen Capitels erhellt. Was
er von dem Leben und Treiben der Balugas erzählt, ist eben so gut auf
die heutigen Negritos anwendbar. Die Balugas von Pangasinán, welche
Professor Semper sah, müssen also erst seit der Mitte des vorigen
Jahrhunderts mit malaiischem Blute sich gemengt haben, und man wird
vorsichtig mit dem Namen Baluga umgehen müssen, nachdem, wie wir
soeben gesehen, auch Vollblut-Negritos so genannt wurden und werden.

Noch sei zum Schlusse bemerkt, dass es eine Zeit gab, wo man zweifelte,
ob die Negritos sich im Besitze eines eigenen Idioms befänden. Diess
kam daher, weil die Negritos im Verkehre mit Spaniern und Indiern sich
der Sprache ihrer malaiischen Nachbarn bedienen. Durch die gründlichen
Untersuchungen der Herrn Dr. A. B. Meyer, Dr. v. Miklucho-Maclay
und Dr. A. Schadenberg ist sichergestellt, dass die Negritos sich
im Besitze einer eigenen Sprache befinden, welche freilich von den
malaiischen Nachbar-Dialekten nicht unbeeinflusst geblieben ist.







II. MALAIEN.


1. Tagalen.

Der bedeutendste Zweig der malaiischen Rasse auf den Philippinen
wird von den Tagalen (Tagales) gebildet. Die Tagalen bewohnen den
centralen Theil Luzons. Die Provinzen und Districte: Manila, Laguna,
Cavite, Batangas, Bulacán, Morong, Infanta, Tayabas, Bataán und die
Corregidor-Insel werden beinahe ausschliesslich von ihnen bewohnt,
nur in Manila bilden Weisse, Chinesen und die Mischlinge dieser Rassen
einen erheblichen Bruchtheil der Bevölkerung, wie die officiellen
Censuslisten aufweisen. Überdiess wohnen sie in nicht unbedeutender
Stärke in der Provinz Zambales, ferner in den Provinzen Príncipe,
Isabela und Nueva Écija. An der Nordostküste Luzons ist der nördlichste
von ihnen bewohnte Punkt Paranan (Semper, Erdk. X, 258). In der
Provinz Camarínes Norte reichen sie von Nordwesten her bis zu dem
durch seine reichen Goldminen bekannten Orte Paracáli, wo bereits
mehr Tagalisch als Vicol gesprochen wird (Jagor, Phil., 149). Hier hat
also das Tagalog seit den Tagen der Conquista bedeutende Fortschritte
gemacht, denn in der Zeit des Don Juan de Salcedo waren jene Gegenden
von Camarínes Norte ausschliesslich mit Vicols besiedelt. Die grosse
Insel Mindoro wurde im XVII. Jahrhunderte nur an den Nordküsten von
Tagalen bewohnt (Allg. Hist. XI, 406), heute herrscht auf der ganzen
Insel, so weit sie Spanien unterworfen ist, d. h. an den Küsten,
die tagalische Sprache. Die Insel Marinduque war bei der Ankunft der
Spanier von Visayern bewohnt, welche unter tagalischen Häuptlingen
lebten, die Zahl der Tagalen war gering, auch hier bewährte sich die
tagalische Sprache als Siegerin, sie ist heute die herrschende, wie die
Censuslisten aufweisen. Auf der Ostküste Luzons wird die Insel Polillo
gleichfalls von ihnen bewohnt. Verstreut, aber nur in geringer Anzahl,
sind sie in allen Theilen der Philippinen zu finden, selbst ausserhalb
des Archipels, so fand Jagor auch welche in Singapore (Jagor, Skizzen
35). In Zamboanga auf Mindanao, ferner auf den Marianen bilden Tagalen
und deren Mischlinge einen erheblichen Theil der Bevölkerung (Buzeta I,
66). Ebenso giebt es tagalische Niederlassungen seit 1848 im Meerbusen
von Davao auf Mindanao (Cavada II, 224).

Die Tagalen zeigen eine grössere Verschiedenheit vom malaiischen Typus
als die Visayas (Bastian, Reisen V, 273). Ihre Hautfarbe ist bräunlich
mit einem gelblichen Tone, in Manila durch Kreuzung mit Europäern und
Chinesen etwas heller als in den anderen Provinzen. Der Körper ist gut
gewachsen, die Gliedmaassen sehr zart. Der Kopf ist rund, hinten platt,
die Nase ist etwas plattgedrückt und mit breiten Flügeln versehen,
der Mund ist gross, die Lippen ziemlich dick. Die Backenknochen
treten stark hervor, die Stirne ist niedrig. Die Augen sind gross
und dunkel, nach Mallat lebhaft, nach Cañamaque das Gegentheil. Einen
eigenthümlichen Eindruck machten auf mich stets die zwei Hautfalten,
welche von den Nasenflügeln sich zu den Mundwinkeln hinziehen und die
man auf Abbildungen und Photographien selbst jugendlicher Personen
schärfer hervortreten sieht, als diess bei Europäern desselben Alters
der Fall ist. Dieser Umstand ist noch von Niemandem bemerkt worden. Der
Haarwuchs ist ein ungemein üppiger, das Haar schwarz, aber grob.

Die Beweglichkeit ihrer Zehen ist eine auffallende, sie sind im
Stande die Füsse zur Unterstützung ihrer Hände herbeizuziehen,
mit Leichtigkeit erfassen sie die kleinsten Gegenstände mit den
Zehen und heben sie vom Boden auf, um sich die Mühe des Bückens zu
ersparen; beim Klettern kommt ihnen besonders diese Eigenschaft zu
gute (Ilustr. 1858, n. 7, p. 53). Wir haben bereits oben Ähnliches
bei den Negritos gefunden. Die grosse Zehe ist auch von den übrigen
durch einen grösseren Zwischenraum getrennt (Buzeta I, 59).

Nicht minder ausserordentlich ist ihr Geruchssinn. Selbst in einer
grösseren Gesellschaft erkennen sie an dem Geruche der Taschentücher
deren Besitzer (Jagor, Skizzen 39). Es giebt Diener, welche durch
Beriechen unter einem Dutzend fremder, frischgewaschener Hemden
das Eigenthum ihres Herrn sofort herausfinden. Liebende tauschen
Kleidungsstücke &c. aus, um sich am Beriechen derselben zu erfreuen,
ist der fremde "Duft" durch den eigenen verdrängt, findet neuer
Austausch Statt. Nach Mas (pobl. 87), dem ich auch das Obige entnehme,
sollen die Weiber durch ihren Geruchssinn es erkennen, ob ein in
ihrer Nähe befindlicher Mann geschlechtlich erregt ist oder nicht (?).

Die Tagalen siedeln sich stets unmittelbar an einem grösseren Wasser
an, sei es ein Fluss, ein Bach, ein See oder das Meer selbst, ihr
Name selbst soll soviel wie Flussbewohner bedeuten, die Ebene und das
Thal sind ihre Heimath, die steilen Hänge, die Gebirgsgelände meiden
sie nach Thunlichkeit. In den Zeiten ihrer Unabhängigkeit waren ihre
Niederlassungen klein und zersplittert, die Spanier aber zwangen sie,
sich in grössere Ortschaften zusammenzusiedeln, welche Pueblos (wenn
sie eine autonome Gemeinde bilden) oder Barrios heissen. Es gehörte
viel dazu, die zum isolirten Vegetiren sich hinneigenden Tagalen zu
dieser Concentration zu bringen, zum Glück begegneten sich da die
Absichten der Regierung mit den Interessen der Geistlichkeit und des
durch kluge Concessionen gewonnenen eingeborenen Adels.

Die Hütten der Tagalen stehen auf Pfählen; der von den Pfählen
eingeschlossene Raum wird durch Bambuslatten abgesperrt (Jagor,
Phil. 20), in denselben werfen die Tagalen durch die Spalten des Bodens
der Hütte den Kehricht herunter (Semper, Skizzen 50). Die Hütten
selbst sind aus Rohr, bei Reicheren aus Brettern und Balken erbaut,
meist besteht jedoch nur das Gerüste aus diesem Material, die Wände
werden dann aus Pandanusblättern verfertigt. Die Fenster haben Läden
aus Fächerpalmblättern oder Bambusrohr. Selten fehlt die Azotea oder
Batalan, eine Art Galerie oder Veranda. Das Dach wird mit Blättern der
Nipapalme gedeckt, welche oft zu förmlichen Ziegeln geformt sind. Es
giebt Hütten, welche sammt dem Mobiliar zwei Centner wiegen (Jagor,
Phil. 20). Beim Baue wird zuerst das Dach, dann erst die Hütte selbst
hergestellt (Jagor, Phil. 46; Scheidnagel 54). Der Aufstieg geschieht
auf einer Leiter oder einem eingekerbten Bambus, bei Nacht wird die
Hütte durch Aufziehen der Leiter unnahbar. Die Hütten haben nur ein
Stockwerk, dessen Fussboden ungefähr einen Meter über der Erde erhaben
ist (Scheidnagel 54). Vornehme Indier, die Principales oder Glieder der
Dorf-Aristokratie, haben bessere zum Theil aus Stein erbaute Häuser,
welche mitunter ein mit Zink gedecktes Dach besitzen (Scheidnagel
l. c.). Das Mobiliar besteht bei der Mehrzahl der Tagalen nur aus dem
Kochgeschirr und Matten. Jagor fand die stattlichsten Tagalenhäuser in
der Provinz Bulacán, in denselben fehlten weder Stühle, noch Tische,
Bänke, Schränke, selbst Spiegel und Lithographien waren vorhanden
(Jagor, Phil. 48).

In den Provinzen laufen die Kinder ganz nackt herum oder tragen nur
das philippinische Hemd, die Camisa, d. h. eine Jacke, welche nicht
einmal den Nabel bedeckt. Selbst grössere Burschen begnügen sich
mit dem Tapa-Rabo, einem Baumwollstoffe, welcher zwischen die Beine
geschlagen und am Gürtel festgemacht wird (Vila 7). Die Tracht der
erwachsenen Männer ist sehr einfach, sie besteht aus der erwähnten
Camisa und Beinkleidern, nur pflegt hier das Hemd meist so lang wie das
der Europäer zu sein, was aber um so unanständiger erscheint, indem
das Hemd über den Hosen getragen wird. Die Hemden der Vornehmen sind
oft reich gestickt oder wenigstens mit rothen Knöpfen versehen. Reiche
Leute tragen Perlen oder Brillanten als Knöpfe (Scheidnagel 60). Die
Mitglieder des eingeborenen Adels tragen über dem Hemde eine schwarze
Tuchjacke, doch ist diess nicht ihr ausschliessliches Privileg, wie
in einigen Werken zu lesen ist. Lächerlich nehmen sich die Kutscher
europäischer Herren aus: Das Hemd über den Hosen, eine gallonirte
Jacke, Gamaschen und Cylinderhut! Die Füsse tragen sie meist nackt,
selbst die eingeborenen Truppen der Spanier tragen Schuhe nur zur
Parade, und in der Stadt, bei Märschen und im Felde gehen sie barfuss,
sonst würden sie bald marschunfähig werden. Die Vornehmen tragen
mitunter selbst Lackschuhe (Scheidnagel 60).

Auf dem Kopfe tragen sie einen grossen Hut, den Salacot oder
Salacó. Dieser hat die Form eines Kugelsegments und ist sehr häufig
mit einer Spitze versehen, welche aus Silber oder gar aus Gold
besteht (Scheidnagel, l. c.). Das Material sind Palmenblätter, Stroh
&c. Vornehme tragen gern Hüte europäischer Façon, ja mit Vorliebe
Cylinder.

Ärmere Frauen tragen nur die kurze Camisa und dann die Saya. Letztere
ist ein Frauenrock, der von der Hüfte bis zu den Knöcheln reicht, oft
aber auch die Waden ganz unbedeckt lässt. Bei der Kürze der Camisa
bleibt häufig ein Streifen nackten Leibes den Blicken der Männer
ausgesetzt. Reichere tragen noch den Tápis, dieser besteht aus einem
Zeuge, welches um den oberen Theil der Saya herumgewunden wird. Sie
wissen den Tápis in einen schönen Faltenwurf zu bringen. Man liebt
besonders gestreifte Stoffe, am berühmtesten sind die Tápisstoffe,
welche in Balívag (Provinz Bulacán) fabricirt werden, sie sind
dunkelbraun und weiss gestreift. Die Stoffe zu diesen Kleidern werden
aus Baumwolle, Abacá oder Seide verfertigt. Das Haar tragen die Weiber
aufgelöst oder in einem durch einen Kamm zusammengehaltenen Knoten
("pusod") geknüpft. Zum Schmucke der Haare dienen Blumen. Geschmeide
wird gleichfalls getragen, doch ist es meist europäischen oder
chinesischen Ursprunges oder doch fremden Mustern entlehnt. Die
Füsse stecken bei allen Bemittelten in eigenthümlichen Pantoffeln,
den sogenannten Chinelas, deren Oberdecke so kurz ist, dass sie kaum
die Zehen bedeckt.

Die Tagalen leben vom Fischfang und Ackerbau. Der Reis ist ihre
Hauptnahrung, deshalb wird er auch am meisten gebaut. Auf einer
Ausstellung zu Manila wurden 60 angeblich verschiedene Reisgattungen
ausgestellt, welche sämmtlich in den Philippinen gebaut werden (Jagor,
Skizzen 37). Dem Reisbau wenden sie auch die grösste Sorgfalt zu,
obwohl sie nicht viel mehr zu bauen pflegen, als sie selbst zum
Unterhalte brauchen. Wo die Äcker an Waldwildnisse grenzen, werden sie
durch lebendige Hecken aus einer sehr stacheligen Bambusart geschützt
(Semper, Skizzen 135). Die Ackergeräthe sind sehr plump und meist
aus Bambus zusammengesetzt. Den Pflug zieht der Carabao-Büffel,
von dem ich noch weiter unten sprechen will. Reis ist ihre tägliche
Nahrung, und man sieht die Weiber stets damit beschäftigt, den noch
in der Hülle steckenden Reis--"pálay" genannt--durch Stossen in einem
Holzmörser--lusong--zu enthülsen. Diejenige Speise, welche bei ihnen
nicht nur die Stelle unseres Brotes vertritt, sondern für viele die
ausschliessliche Nahrung ist, besteht nur aus in Wasser gekochtem, oft
ungesalzenem Reis, der Name derselben ist: Morisqueta oder Canin. Auch
ihre Leckereien und Delicatessen bestehen meistentheils aus Reis,
so die Bibinca (gekochter Reis mit Cocosmilch) &c. Aus Reis wird
auch ein Branntwein gebrannt. Die Vorliebe für den Reis ist so gross,
dass selbst der Chocolade gerösteter Reis zugesetzt wird.

Nächst dem Reis werden noch Camóte und Mais gebaut. Camóte (Convulvulus
batatas) wuchert beinahe ohne jede Pflege, sie ist "eine unversiegbare
Vorrathskammer für den Besitzer, der das ganze Jahr hindurch seinen
Bedarf dem Felde entnehmen kann" (Jagor 122). Von Nahrungspflanzen für
heimischen Bedarf werden noch Gabi (Caladium), Ubi (Dioscorea) und zwei
Arumarten cultivirt. Der Cacaobaum wird zwar gepflanzt, liefert aber
bei der Indolenz der Eingeborenen und der Empfindlichkeit des Baumes
einen schlechten Ertrag. Der Caffeebau, für den Export bestimmt,
nimmt immer mehr zu, Zuckerrohr wird von den Tagalen nicht in der
Menge gebaut, wie von den Visayern. Die Fruchtbäume des ostindischen
Archipels werden auch von den Tagalen gezogen, ich gebe hier die
wichtigsten nach der "Ilustracion filipina" (1859, n. 12, p. 99)
mit den tagalischen Namen an: Manga (Mangifera indica), Saguing
(Musa paradisiaca) von den Spaniern "plátano" genannt, Atte (Annona
squamosa), Sapote (Sapote nigra), Tampoy (Eugenia Malaccensis),
Piña (Bromelia ananas), Mangostan (Garciana mangostana), Sagú
(Sagus Rumphii). Die Cocospalme ist nächst der Musa paradisiaca
der wichtigste Fruchtbaum. Sie wird in grossen Wäldern oder Hainen
(Cocales) gepflanzt, bekannt sind die Cocoteros von Pagsanjan, die
Cocosnüsse werden von dort in haushohen Pyramiden über die Laguna
de Bay und den Pasig nach Manila gerudert: "diese Massen haben keine
weitere Unterlage als die Cocosnüsse selbst, deren unterste Schicht
mit Stricken zusammengebunden ist" (Hügel 236). Aus der Milch der
Cocosnuss bereiten sie verschiedene süsse Speisen und Bäckereien,
insbesondere die Speise Macapumi (Scheidnagel 75), diese Palme liefert
ihnen den so beliebten Tuba-Wein, und das Cocosöl dient zum allgemeinen
Leuchtmaterial, sowie zur Pomade. Aus dem Zuckerstoffe der Buripalme
bereiten sie die Zuckerspeise Chancaca, desgleichen aus Pilikörnern [8]
(Scheidnagel, l. c.). An den Flussläufen wird Nipa littoralis gezogen,
von welcher auch Branntwein gewonnen wird. Von Nutzpflanzen werden
von den Tagalen Baumwolle, Indigo und Abacá (Manilahanf) gebaut. Der
Tabak wurde vor der Einführung des Monopols von den Tagalen fleissig
gepflanzt, jetzt (seit 1781) ist sein Anbau auf bestimmte Provinzen
beschränkt. Von den erwähnten Pflanzen sind folgende erst durch die
Spanier eingeführt worden: Indigo(?), Tabak, Mais, Caffee, Cacao
und Camóte.

Die Hausthiere der Tagalen vor Ankunft der Spanier bestanden nur aus
dem Carabao-Büffel, dem Schweine, Hunde und Geflügel, unter letzterem
besonders Hühner und Enten. Erst die Spanier brachten Rind, Pferd,
Schaf und Esel, doch haben diese beiden letzteren Thiergattungen sich
in diesem Lande nicht bewährt und werden demgemäss auch nicht mehr oder
nur hie und da gezüchtet. Der Carabao dient nicht nur als Zugthier, er
wird auch zum Reiten benutzt (Cañamaque, Recuerdos I, 152). Das Schwein
galt bei den Tagalen der Conquista als ein äusserst wichtiges Thier,
wesshalb es bei Opferfesten stets als Schlachtopfer diente, bei vielen
religiösen Ceremonien war wenigstens Schweineblut erforderlich. Auch
heute noch bildet Schweinefleisch eine Lieblingskost der Tagalen,
doch pflegen sie gar keine Sorgfalt auf diese Thiere zu verwenden,
welche sich meist nur von menschlichen Excrementen nähren (Jagor,
Phil. 124). Vom Rinde kommen zwei Gattungen vor, die spanische,
im XVI. Jahrhunderte über Neuspanien eingeführt und der indische
Zebu (Scheidnagel 104), der erst in neuerer Zeit eingeführt worden
sein muss, da ältere Werke hierüber gar Nichts erwähnen. Beide
Rindergattungen werden hauptsächlich des Fleisches wegen gezogen,
zur Arbeit gebraucht man nur den Büffel. Ziegen sind sehr selten
(Scheidnagel 105), ebenso wie Schafe. Die Pferderasse ist ein kleiner
Schlag, gemischt aus andalusischem, chinesischem und japanischem Blute
(Jagor 123 und 315, nach Morga fol. 130 und 161).

Von Geflügel werden hauptsächlich Hühner und Enten gehalten,
erstere nicht blos des Fleisches oder der Eier wegen, sondern, wie
ich es weiter unten ausführlicher besprechen werde, um die Hähne
zum Kampfsport aufzuziehen. Die Entenzucht der Tagalen hat auf den
Philippinen einen weiten Ruf, insbesondere sind es die Ortschaften am
Pasig und der Laguna de Bay, deren Bewohner sich mit der Entenzucht
im grossartigsten Maassstabe befassen, besonders Pateros erfreut
sich einer grossen Berühmtheit, und zwar werden die Eier künstlich
ausgebrütet. Die Ilustracion filipina (1860, n. 4, p. 38) berichtet
darüber folgendes: Das Weib--mit dieser "Industrie" befassen sich nur
die Weiber--richtet 1000-1500 Enteneier zu, dann schlägt sie Pálay
(Reis in der Hülse) in ein rohes Gewebe ("tigbó") und macht diesen
Haufen entweder durch ein Feuer oder die Glut der Sonnenstrahlen
warm. Darauf wird ein grosser Korb genommen und in diesem eine Schicht
des gewärmten Pálay's ausgebreitet, darauf folgt eine Schicht Eier und
so abwechselnd fort, bis die oberste Schicht wieder von Pálay gebildet
wird. Diese Operation wird durch mehr als zwei Wochen täglich zwei Mal
ausgeführt, hierauf werden die Eier in einen Trog, der mit Reishülsen
gefüllt ist, gelegt und mit Zeug bedeckt, um ein Ausstrahlen der
Wärme zu verhindern, andererseits wird wieder gelüftet, um die nöthige
gleichmässige Temperatur zu erhalten. 12 oder 14 Tage nachher kriegen
die jungen Enten aus den Eiern hervor, 800-1000 an der Zahl. Sie
werden sofort in eingezäunte Wasserplätze gebracht. "Vor jeder Hütte
befindet sich gegen den Fluss (Pasig) zu ein grosser eingezäunter
Platz, wo diese Thiere sich sonnen und nach Belieben im Wasser baden
können. Der vom Fluss bespülte Boden des kleinen Geflügelhofes wird
jeden Morgen mit Sorgfalt gereinigt, umgegraben und täglich von Neuem
mit einer grossen Menge von Schalthieren angefüllt, welche den Enten
zum Futter dienen und von den Eingeborenen in kleinen Canoës aus
dem See (Laguna de Bay) geholt werden, wo dieselben zu Milliarden
im Schlamm leben. In Pateros werden jährlich Millionen von Enten
als Handelsartikel gezogen, indem die Tagalen, gleich den Chinesen,
halbausgebrütete Eier und Küchlein für besondere Leckerbissen halten"
(Scherzer, Novara-Reise I, 602). Gänse wurden von den Spaniern aus
China importirt (Jagor, l. c.).

Nächst dem Reis und der Camóte bilden Fische die Hauptnahrung der
Tagalen. Die Hauptbeute liefert der Dalag-Fisch (Ophicephalus vagus,
Peters). "Wenn in der Dürre die Bäche zu einer unzusammenhängenden
Kette von Tümpeln einschrumpfen, dann beginnt der Dalag-Fang. Der
Dalag gräbt sich im Schlamme weiter fort, deshalb werden zunächst
flussabwärts in den Schlamm engmaschige Bambusgitter gesteckt,
um ein Entweichen des Fisches zu verhindern, darauf wird das
Wasser aus den Lachen herausgeschöpft und die Fische ausgegraben"
(Jagor, Phil. 47). In der nassen Zeit sind sie auch so häufig in
allen Gräben und Reisfeldern zu finden, "dass sie mit Knitteln
todtgeschlagen werden" (Jagor, l. c.). In Flüssen und Bächen werden
die Fische dadurch gefangen, dass man die betäubende Frucht des
Tuba-Tuba-Baumes in das Wasser wirft oder in der Nacht sie durch
Fackeln, besonders die Aale, in den Handbereich lockt (Scheidnagel
151). Die Strandbewohner des Meeres und der Binnen-Seen fangen die
Fische auf ähnliche Weise und durch Harpunirung (Semper, Skizzen 31),
oder sie fangen sie durch besonders construirte Netze und Fangapparate,
welche die Küstenschifffahrt behindern. Die Netze beruhen auf einem
Hebelapparate, der auf einem grossen von Bambusrohr gebauten Floss
steht (Semper, Skizzen 111). Die kleinen Fische werden meist an
der Sonne getrocknet oder gesalzen (Scheidnagel 60), sie bilden die
picante Zukost zum faden Reis.

Der Jagd verdanken sie den geringsten Theil ihrer Nahrung. Der wilde
Carabao wird zu Pferde, welche zu diesem Zwecke besonders abgerichtet
sind, und mit der Lanze gejagt (Näheres: Ilustr. 1859, n. 10, p. 78)
oder man lockt ihn durch eine zahme Carabao-Kuh heran und haut ihm
dann in seiner blinden Liebesbrunst die Sehnen mit dem scharfen
Campilan entzwei (l. c.). Gefangen wird er mit dem Lazo. Hirsche und
Wildschweine kommen häufig vor. Wildenten werden gejagt, indem der
Tagale den Kopf sich mit Zweigen bedeckt und schwimmend oder watend
sich den Enten nähert und eine nach der anderen unter das Wasser zieht
(Scheidnagel 150). Der fliegende Hund wird seines wohlschmeckenden
Fleisches wegen gleichfalls verfolgt (Jagor, Skizzen 217). Heuschrecken
werden in irdenen Pfannen geröstet, jedoch nur die Köpfe und Rücken
gegessen (Jagor, Phil. 219). Trotz ihres hochentwickelten Geruchssinnes
essen die Indier gern faules Fleisch (Jagor, Skizzen 39). Der Tagale
isst drei Mal des Tags, um 7 Uhr Morgens, 12 Uhr Mittags und um 7 oder
8 Uhr Abends. Alle Speisen sind stark mit spanischem Pfeffer gewürzt
(Jagor, Phil. 126).

Die Waffen der Tagalen in der Zeit der Conquista bildeten Lanze,
Schild und Campilan (säbelartiges Waldmesser), alles noch heute
vorhanden. Bogen und Pfeile sind noch heute im Gebrauche (Meyer,
Negr.). Zahlreich sind ihre verschiedenen Schiffsgattungen. Da ist
die Falúa oder Lorcha, ein grosses, bequemes, aber schwerfälliges
Ruderschiff, das Pontin, ein Zweimaster mit Mastensegeln von etwa 100
Tonnen Gehalt. Am häufigsten ist am Pasig der Casco, ein Zweimaster
ohne Deck, jedoch mit Strohmatten überdacht, längs der Bordseiten läuft
ein Trittbret, auf welchem die Schiffsleute sich bewegen, wenn sie mit
ihren langen Stangen das Fahrzeug vorwärts stossen. Der Casco führt
einen Holzanker und ist am Vordertheile meist weiss und roth bemalt
(Ilustr. 1860, n. 5, p. 49). Barotos sind kleine Handelsschiffe. Die
Bancas sind Kähne mit einem Schutzdache, sie werden mit Rohrstangen
vorwärts bewegt. Die tagalischen Fischerboote in der Bai von Manila
haben sämmtlich Auslieger (Hügel 95). In den Zeiten der Conquista
besassen noch die Tagalen niedrige, leichte Schiffe ohne Verdeck mit
Ausliegern, Barangay oder Balangay genannt. Die Barangayes besassen
ein bis zwei Maste, konnten aber auch durch Ruder fortgetrieben werden,
über den Ruderbänken befand sich eine Galerie aus Bambus, auf welcher
die Krieger standen (Jagor 311, Morga fol. 128, Morga-Stanley 297).

Als die Spanier mit den Tagalen zum ersten Male in Berührung kamen,
fanden sie bei ihnen bereits den Islam vor, der erst kurz vorher von
Borneo aus importirt worden war; aber, obwohl überall unter den Tagalen
verbreitet, waren in den Binnendistricten es nur die Häuptlinge,
die den neuen Glauben angenommen hatten (Morga-Stanley 307 f.). In
einem Berichte, den der Vicekönig von Neuspanien, Dr. Martin Enriquez,
an Philipp II. am 5. December 1573 von Méjico aus richtet, bemerkt
er über die Luzon, dass der Islam seinen Bewohnern aufgezwungen
wäre und noch keine festen Wurzeln gefasst hätte, "weil viele von
ihnen Wein trinken und Schweinefleisch essen" (Cartas de Indias,
fol. 291). In der That hing noch der grösste Theil der Tagalen fest
an seinem alten heidnischen Glauben, und als dann das Christenthum
ihre Religion wurde, blieben noch die meisten religiösen Anschauungen
ihres Heidenthums bei ihnen wach und sind es auch bis zum heutigen
Tage, alle Bemühungen der Mönche vermochten nicht die nunmehr zum
Aberglauben gestempelten altreligiösen Bräuche auszurotten.

Ihre alte Religion enthielt den Glauben an einen Weltschöpfer und
Hauptgott, der im Himmel throne, überdiess noch an eine grosse Zahl
von bösen und guten Dämonen, neben dieser Mythologie besassen sie noch
den Ahnencultus, indem die Seelen der als Grossväter verstorbenen, die
Anitos oder Nonos, zu Hausgöttern oder Schutzgottheiten gewisser Plätze
werden. Sie besassen auch Priester (Catalonanes) und Priesterinnen
(Catalonas), welche von ihrem Hohenpriester, dem "Sonat", zu ihrem
Amte geweiht wurden.

Noch heute existirt die heilige Scheu vor den Seelen der Verschiedenen,
den Nonos, ich werde bei Gelegenheit der Todtenbestattungen noch
darauf zurückkommen. Freilich in Manila und dort, wo die Spanier
zahlreicher wohnen, treten diese Erscheinungen nicht so grell zu
Tage. Abergläubische Indier pflegen (wohl nur Abends) etwas Speise
am Tische liegen zu lassen, damit die Geister der Verstorbenen sich
sättigen können (Mas, pobl. 94). In vielen Dörfern besteht noch der
Brauch "Pasing-tabi sa Nono", d. h. die Tagalen bitten die Seelen ihrer
verschiedenen Ahnen, sie mögen die Arbeit oder das Werk, womit sie
sich gerade beschäftigen wollen, zu einem guten Ende führen (El Indio
viejo von F. de P. Martinez in Ilustracion 1859, n. 7, p. 54). Grosse
stattliche Bäume, charakteristisch geformte Berge gelten ihnen als
Wohnsitze der Nonos oder Anitos. Niemand geht vorbei, ohne zu rufen:
"mit Deiner Erlaubniss", sonst würde ihnen der Nono schweres Unheil
oder Krankheit senden. Wenn sie einen Baum (Waldbaum?) fällen müssen,
so bitten sie den Nono um Entschuldigung und rufen unter anderem:
der Padre (Pfarrer) hat es befohlen, es ist nicht unsere Schuld und
auch nicht unser Wille (Mas, pobl. 90). Die alten Götter und Dämonen
Tigbalang, Patianac, Sava &c. leben in ihrem Glauben noch heute, nur
sind sie zum Range von Gespenstern heruntergesunken (Mas, l. c.). Sie
glauben auch an eine Art Wünschelruthe, den "Antinantin", welcher ihnen
Reichthümer und Glückseligkeit verschaffen soll (Mas, pobl. 91). Einen
eigenthümlichen Aberglauben hegen sie Schlafenden gegenüber; es gilt
für die schwerste Beleidigung, über einen Schlafenden hinwegzuschreiten
oder ihn plötzlich und schroff aus dem Schlafe zu wecken (Jagor,
Phil. 132). Mas führt diese Sitte auf die Furcht der Indier zurück,
im Schlafe zu sterben (Mas, pobl. 77).

Äusserlich [9] hängen sie fest an dem katholischen Glauben. Das
Tragen von Scapulieren, Rosenkränzen, Reliquien und Heiligenbildern
ist allgemein (Mas, pobl. 100). Baron Hügel sah 1834 bei den Tagalen
an der Laguna de Bay, dass sie am Boden des Salacó ein Heiligenbild
oder Amulet trugen, von welchem sie glaubten, dass es sie schütze. Sie
beteten zu ihm, indem sie den Hut abnahmen und auf das Bild starrten;
sah irgend ein Anderer in den Hut und erblickte er das Bild, so war die
Zauberkraft desselben vollständig erloschen (Hügel 207). Festlichen
Gottesdienst, Processionen und Kirchenfeste machen sie sehr gern mit
(Scheidnagel 62), in Manila soll diess weniger der Fall sein als
auf dem Lande (Mas, pobl. 103). Die Beichte ist bei allen dieselbe,
sie haben stets nur drei Sünden: am Fasttage Fleisch gegessen,
am Sonntage die Messe versäumt und eitel geschworen zu haben (Mas,
l. c.). Sie erzählen gern von Visionen, die sie gehabt hätten (Mas,
pobl. 95), noch zu Anfang dieses Jahrhunderts war der Glaube an
Hexen weit verbreitet (Mas, pobl. 122). Die tagalischen Maler malen
gewöhnlich die Christus- und Heiligenbilder nach Modellen ihrer eigenen
Rasse, diesen Heiligenbildern erweisen sie aber geringere Verehrung,
indem sie sagen, die Heiligen wären sämmtlich Spanier gewesen (Mas,
pobl. 102). Um Diebe zu entdecken, bedienen sie sich verschiedenartiger
katholisch gefärbter Bräuche: so, um nur einen herauszugreifen,
wird eine Kerze dem hl. Antonius von Padua angezündet, rings herum
knieen die Verdächtigen, neigt sich die Kerze oder Fackel gegen
einen derselben, so ist dieser der Schuldige (Mas, pobl. 93, nach
Fr. Tomas Ortiz, Práctica del Ministerio). Neben den Heiligenbildern
und Reliquien, welche meist von Weibern getragen werden, tragen
sie noch andere Amulete mit sich herum, welche aus Wurzeln, Rinden,
Fellstückchen, Knochen &c. bestehen, denen sie die Gewalt zuschreiben,
sie entweder in Gefahren zu schützen oder Reichthümer und Liebesgenuss
zu verschaffen (l. c.). Der Glaube an Prophezeiungen und Unglückstage
ist gleichfalls verbreitet (l. c.).

Machen sich bei einer Frau die Geburtswehen fühlbar, dann trifft der
Gatte alle Anstalten, um dem Patianac und dem Usuang entgegenzutreten,
beides sind böse Dämonen. Der Patianac sucht die Geburt unmöglich
zu machen und ebenso wie der Usuang die neugeborenen Kinder zu
tödten (Mas, pobl. 92). Man schreibt dem Vogel Tictic es zu, dass er
diesen beiden Unholden durch seinen Gesang jene Orte anzeige, wo eine
Kreisende sich befinde. Um nun diese bösen Geister abzuhalten, steigt
der Gatte der Wöchnerin ganz nackt [10] oder nur mit einem Schurze
bekleidet auf das Dach seiner Hütte, bewaffnet mit dem Campilan, der
Lanze und womöglich mit einem Schilde, um das Haus stellen sich seine
Freunde auf und nun haut und sticht er wüthend in der Luft herum,
damit die beiden Unholde nicht in die Hütte eindringen können (Mas,
pobl. 123). Oft suchen sie den Patianac dadurch irre zu führen, dass
sie die Kreisende schnell in eine andere Hütte bringen und so den
Unhold im Besitze des leeren Hauses lassen (Fr. Tomas Ortiz in Mas,
pobl. 92).

Im Wochenzimmer selbst werden alle Thüren und Fenster fest verschlossen
(Jagor, Phil. 130), um dem Patianac das Eindringen unmöglich zu
machen. In der Stube selbst sammeln sich die Verwandten und erfüllen
die ohnehin stinkige Luft des Zimmers mit den Rauchwolken ihrer
Cigarren und Cigarritos. Hildebrand (Kossak, III, 32) sah, dass auch
die Kreisende in den Pausen ihrer Wehen sich die Zeit durch Rauchen
verkürzte. Sobald die Geburt Statt gefunden hat, pressen die anwesenden
Weiber mit aller Kraftanwendung von beiden Hüften aus den Bauch
der Wöchnerin zusammen, "um die inneren Organe wieder in den alten
Status zurückzubringen" (Mas, pobl. 88). Ist das Kind geboren, so ist
damit noch nicht alle Gefahr vor jenen beiden Unholden zu Ende, zwar
stellen der glückliche Vater und dessen Freunde das Luftgefecht ein,
aber um das Kind vor den Klauen jener Ungeheuer zu schützen, werden
Räucherkerzchen angezündet (Mas, pobl. 85), bis die Taufe alle Gefahr
beseitigt. In entfernteren Provinzen soll von den Tagalen noch heimlich
die Beschneidung ausgeübt werden, der Schnitt wird von oben bis unten
geführt (el corte se hace de arriba abajo); es ist diess nicht etwa
eine Erinnerung an den Islam, denn auch die heidnischen Stämme der
Philippinen übten zur Zeit der Conquista schon die Beschneidung (Mas,
domin. I, 21), doch scheinen die einwandernden Moslim aus Borneo die
Sitte nach Luzon gebracht zu haben (Morga-Stanley 308).

Hatte Jemand die Absicht, ein Mädchen zu heirathen, so war es
früher üblich, dass der Bräutigam drei bis vier Jahre bei seinem
zukünftigen Schwiegervater nicht nur Wohnung nahm, sondern auch
die schwierigsten Knechtsarbeiten verrichtete. Dann erst erhielt der
Ehestandscandidat die Ersehnte zur Frau, wobei seine Eltern die Hütte,
Kleider &c. hergeben. Diese Sitte hat sich nicht mehr halten können, da
die Pfarrer gegen das Anstössige derselben mit allem Eifer arbeiteten;
wo sie noch hie und da erhalten ist, darf der Bräutigam zum wenigsten
nicht in der Hütte seiner Braut wohnen (Mas, pobl. 87). Will der
Tagale der Jetztzeit heirathen, so schenkt er seiner Auserwählten
irgend eine werthvolle Sache oder Geld, welches ihre Eltern sich in
der Regel aneignen, letztere pflegen auf diese Gabe so erpicht zu
sein, dass sie ihre Tochter, selbst wenn sie geschwängert ist, lieber
ledig lassen, als dass sie auf jenes Geschenk verzichten würden (Mas,
pobl. 88 u. 125).

Die Hochzeit wird mit einem festlichen Gelage ("Catapusan") gefeiert,
von diesem bringen sie einige Gerichte unter den von ihnen als Sitz
der Nonos verehrten Balete-Baum: es ist schon vorgekommen, dass sie bei
einer solchen Festlichkeit sich vom Pfarrer Weihrauch zu erschwindeln
wussten, um diesen dann unter dem heiligen Baume zu verbrennen (Mas,
pobl. 88). Bei der grossen Sinnlichkeit der Tagalen ist Ehebruch
nichts weniger als selten, er wird auch sehr gelinde gestraft, die
Frau wird gehörig durchgeprügelt, womit die Sache abgethan ist, dem
Verführer geschieht gar Nichts (Jagor, Phil. 129). Die Behandlung
der Frauen ist eine gute, die Männer aber sind meist liederlich
(Jagor, l. c.). Sind die Gatten einander überdrüssig geworden, so
verschwindet der unzufriedene Theil, oder sie gehen in grösster
Gemüthsruhe auseinander (Cañamaque, Recuerdos I, 136). Alt und
Jung, Weiber und Männer schlafen bunt durch- und nebeneinander (Mas,
pobl. 124, nach Fr. Manuel Ortiz), bei ihrer Geilheit und Ungenirtheit
ist Incest nicht ausgeschlossen (Cañamaque, Rec. I, 168 u. 174),
letzteren Vorwurf erhebt auch Renouard de St.-Croix (a. v. St.),
doch darf man nicht vergessen, dass sowohl St.-Croix wie Cañamaque
gern grelle Farben auftragen.

Trotz der Bemühung der spanischen Mönche ist die Sittenlosigkeit eine
grosse und zwar nicht nur in Manila, sondern auch auf dem Lande. Auf
Jungfräulichkeit wird gar nicht gesehen, die Mädchen geben sich ohne
Weiteres jedem Liebhaber preis, nur wenige treten im jungfräulichen
Zustande zum Traualtar (Mas, pobl. 124), es rührt diess noch aus
den Zeiten des Heidenthums her, wo der jungfräuliche Stand in gar
keinem Ansehen stand. Der Coitus wird nach Cañamaque (Recuerdos I,
174) angeblich ganz ungenirt auf offener Strasse vollzogen, derselbe
Autor beschuldigt (l. c.) selbst Kinder der Unzucht (?). Cañamaque
(Recuerdos I, 43) spricht ihnen auch alles Schamgefühl ab: Männer wie
Weiber, besonders in der Provinz, lassen sich splitternackt erblicken,
ohne die geringste Verlegenheit zu zeigen! Prostitution ist vorhanden
(Vila 10).

Diebstähle kommen unter ihnen häufig vor, am allerhäufigsten
Spaniern gegenüber, indem sie behaupten, alles, was jene besässen,
sei Landeseigenthum (Mas, pobl. 80). Zum Räuber- und Piratenleben sind
sie sehr geneigt, und diess hängt mit ihrer Neigung zum unabhängigen
Müssiggang zusammen. Der Tagale hat einen ausgesprochenen Hang, isolirt
zu leben, wären nicht die Pfarrer und die Dorfältesten (cabezas de
barangay) für die Abgaben ihrer Untergebenen solidarisch haftbar, die
Städte und Dörfer würden dann längst sich in Familienniederlassungen
(Ranchos) aufgelöst haben (Jagor, Phil. 106). Trotz der Wachsamkeit
dieser Behörden verlassen viele Tagalen ihre Dörfer und flüchten sich
in die undurchdringlichen Bergwildnisse, wo ihnen die Gendarmerie
Nichts anhaben kann. Diese Flüchtlinge, welche ganz in die
Ungebundenheit der Wilden zurückfallen, heissen Remontados. Aus ihnen
und entlaufenen Verbrechern und eingeborenen Deserteuren recrutiren
sich die nicht seltenen Räuberbanden. Diese Räuber ("Tulisánes")
vereinigen sich oft zu grösseren Corps und ihre Verwegenheit ist
nicht gering; hat doch zu Anfang der sechziger Jahre eine Bande von
Tulisánes die Frechheit gehabt, einen Vorort Manila's anzugreifen,
bis das schnell herbeieilende Militär sie wieder hinauswarf (Jagor
181). 1866 wurden 50 Räuber aufgeknüpft und 140 zur Zwangsarbeit
verurtheilt (Jagor 182, Note 101). Trotz der Unermüdlichkeit der
Gendarmerie wuchert das Räuberunwesen fort, wenngleich nicht mehr in
so hohem Grade wie früher. 1876 fand Ritter v. Drasche (Fragmente,
54) im Nordwesten der Laguna de Bombon Räuberbanden, 1877 wurde
in der Prov. N. Écija eine grosse Bande durch zwei Compagnien
Infanterie ausgehoben, dasselbe wiederholte sich 1880 (Scheidnagel
67). Im letzteren Jahre wurden die Banden des Antonio Sumicat und Juan
Martin zersprengt und ihre beiden Führer, welche sich zusammengefunden,
endlich erwischt und hingerichtet. Die beiden Kerle ritten auf Carabaos
(Diario 1880, Num. 165).

Das Betelkauen ist die Hauptleidenschaft des Tagalen. Die Betelportion
heisst Buyo. Der Buyo wird in verschiedenen Sorten fabricirt, deren
beste den Namen "buyo de castila", d. h. spanischer Buyo, oder Buyo der
Weissen führt (Ilustr. 1859, n. 8, p. 62). Die Areca heisst Bonga, der
Betel Icmo (l. c.). Mit dem Verkaufe befassen sich meist junge Mädchen,
die Buyeras, deren Kramläden von Verehrern ihrer Reize stets umschwärmt
werden. Alte Leute, denen die Zähne ausgefallen sind, zerstossen sich
den geliebten Buyo in kleinen Mörsern aus Bambusrohr, welche Calicot
oder Calicut heissen (Ilustr. 1859, n. 7, p. 53). Bei Festtafeln der
Tagalen wird auch Buyo präsentirt (Cañamaque, Recuerdos I, 35). Der im
Munde zerkaute Buyo wird Sapa genannt, welchen Liebende mit einander
als Zärtlichkeitsbeweis austauschen (Cañamaque, Recuerdos I, 150). Die
Tagalen hungern lieber, als dass sie auf den Buyo verzichten (Ilustr.,
l. c.).

Nächst dem Buyo und dem Tabak liebt der Tagale den Hahnenkampf über
alles. Dr. Jagor erwähnt (Phil. 21), dass die Hahnenkämpfe erst von
den Spaniern und zwar von deren mejicanischen Soldaten eingeführt
worden wären, nun ist aber der Hahnensport auch bei den übrigen Malaien
verbreitet (Waitz V, 158), die Javaner lassen nicht nur Hähne, sondern
auch Wachteln mit einander kämpfen (Bastian, Reisen V, 215), auch auf
den Carolinen findet man diesen Sport (Waitz V, 2. Abth. 129), und
was am schlagendsten ist: die Spanier fanden bei der Entdeckung der
jetzt Marianen genannten Inseln diese Thierquälerei vor (Oviedo XX,
16). Es ist daher nicht so unwahrscheinlich, dass die Tagalen schon
vor Ankunft der Spanier mit diesem Sporte bekannt waren.

Fast jeder Tagale besitzt einen Kampfhahn, den er mit mehr Sorgfalt
behandelt als seine Kinder; das erste, was der Indier beim Erwachen
macht, ist, sich nach seinem Hahne umzusehen, das letzte, was er vor
dem Einschlafen thut, ist, das geliebte Thier zu liebkosen (Cañamaque
Recu. a. v. St., Mas, pobl. a. v. St.). Keines ihrer Hausthiere wird so
gepflegt, wie dieses. Wenn der Indier arbeitet, so hat er seinen Hahn
in der Nähe angebunden, um in den (zahlreichen) Ruhepausen den Liebling
zu streicheln oder wenigstens an seinem Anblicke sich zu sättigen. Für
einen guten Hahn zahlt ein Tagale oft 40 bis 70 Pesos (Cañamaque,
Recu. II, 7), besitzt er den Hahn schon einige Zeit hindurch, dann
ist er ihm überhaupt nicht mehr feil. Sie tragen den Hahn unter dem
Arme auf ihren Spaziergängen, setzen ihn zeitweilig auf die Erde und
suchen ihn zum Kampfe dadurch zu üben, dass sie einen anderen Hahn in
die Nähe des ihren bringen und beide aufeinander loshacken lassen. Die
Leidenschaft für den Hahnenkampf ist bei ihnen so tief gewurzelt, dass
es wohl kaum einen Indier giebt, der sich nicht einen Kampfhahn hält,
"selbst wenn er Nichts zu essen hat, findet er Geld zum Hahnenkampf"
(Jagor, Phil. 127).

Der Hahnenkampf selbst darf nur in besonderen zu diesem Zwecke
erbauten Arenen Statt finden, indem dieser Sport seit 1779 mit einer
eigenen Steuer belegt ist, welche "Gallera" heisst. Zum Kampfe werden
die Hähne mit Stahlsporen versehen, welche aus alten Rasirmessern
verfertigt werden. In der Arena macht das Phlegma des Tagalen einer
leidenschaftlichen Erregung Platz, die Höhe der Wetten ist gesetzlich
auf das Maximum von 50 Pesos beschränkt (Jagor, Phil. 22), sonst
würden die Indier all' ihr Hab und Gut verspielen, was trotzdem nicht
selten geschieht.

Stiergefechte werden auf Luzon zwar auch gegeben, doch dienen diese
nur zur Belustigung der Spanier Manila's, die Tagalen haben bisher
diese nationale Sitte ihrer weissen Herren nicht acceptirt. Dagegen
hat sich das Billardspiel bei ihnen eingebürgert, das Billard der
Tagalen besteht oft nur aus "Pandanusmatten mit Banden von fünf
Rotan, spanischen Röhrchen" (Hügel 148), der Tisch ruht oft auf
steinernen Pfeilern. Gewöhnlich treten an Stelle der elfenbeinernen
Kugeln solche aus hartem Holze (Ilustr. 1860, n. 10, p. 109). Auf
diesen Billards wird Carambol, Einunddreissig und Kegelpartie (mit
neun Kegeln) gespielt (l. c.). Auch Karten spielen sie mit grosser
Leidenschaftlichkeit, besonders "Einunddreissig", doch dürfen sie nur
zu gewissen gesetzlich bestimmten Stunden spielen (Scheidnagel 58),
diess ist um so nothwendiger, als sie sonst ganze Nächte hindurch
dem Hasard fröhnen würden, wie es denn nicht selten geschehen
ist, dass Cabezas de barangay (Viertelmeister) den ganzen Tribut
(Kopfsteuer) ihres Viertels im Kartenspiele verloren haben (Mas,
pobl. 71). Unglückliche Spieler liefern ein nicht unerhebliches
Contingent zu den Remontados.

Sie kennen auch andere harmlosere Spiele, selbst solche, welche unseren
Pfänderspielen gleichen (Mas, pobl. 71). Von den Chinesen haben sie es
gelernt, Papierdrachen ohne Schweif in die Höhe steigen zu lassen, ein
Vergnügen, das sich bei ihnen nicht allein auf die Kinder beschränkt
(Scheidnagel 101).

Bei ihren Kirchenfesten fehlt das Pala-pala selten: Auf einem Gerüste,
welches dem Traubengelände des europäischen Südens gleicht, wird Laub
aufgehäuft, dann buntfarbige Lampions darin aufgehängt, in deren Nähe
ganze Büschel von frischen oder getrockneten Früchten, Bäckereien
und Zuckerwerk aufgehängt werden. Ist es Abend geworden, so werden
die Lampions angezündet und auf ein gegebenes Zeichen stürzen die
Festtheilnehmer in die Pala-pala-Lauben, um sich die Leckereien
gegenseitig abzujagen. Manchmal ist das Pala-pala nur für Kinder
hergerichtet, dem entsprechend ist das Gerüste dann sehr niedrig
(Ilustr. 1860, n. 12, p. 143).

Grosse Vorliebe hegen die Tagalen für das Theater. Man darf nicht
vergessen, dass sie ein eigenes Alphabet besassen, von welchem in Mas
(Informe), wie auch in der englischen Übersetzung des Morga Proben
gegeben sind. Diese Vorliebe für dramatische Spiele wurde bei der
Christianisirung der Tagalen von den Mönchen nicht angetastet, im
Gegentheile, letztere übten mit ihren Pfarrkindern Schauspiele in
spanischer wie tagalischer Sprache ein (Morga-Stanley 320). Es giebt
ein ständiges tagalisches Theater und zwar in Tondo, das sogenannte
"Teatro de Tondo" (Scheidnagel 19), doch die eigentlichen nationalen,
freilich schon christlich gefärbten Theatervorstellungen der Tagalen
muss man auf dem platten Lande suchen, wo dieselben bei Gelegenheit
von Kirchenfesten unter freiem Himmel gegeben werden. Die Dramen haben
die Kämpfe zwischen Christen und mohammedanischen Piraten--"Moros"
der Spanier--zum Gegenstande. Die Vorstellungen sind endlos, indem sie
sich oft 3 Tage und Nächte hindurchziehen, auf der Bühne treten oft
Hunderte von Personen auf, wobei zu bemerken ist, dass die Darsteller
keine professionsmässigen Schauspieler, sondern schlichte Landleute
sind. Die Darstellung eines Gefechts nimmt mindestens eine Stunde in
Anspruch und die Kämpfenden gerathen mitunter in eine solche Wuth,
dass es zu wirklichem Blutvergiessen kommt. Das oft aus 2000 Familien
bestehende Publicum nimmt an diesen Gefechtsscenen den lebhaftesten
Antheil, besonders an dem Schicksale der Christen, von allen Seiten
erschallen lebhafte Verwünschungen und Flüche gegen die Darsteller
der Moros &c. Da diese tagelangen Vorstellungen ohne Unterbrechung
fortdauern und das Publicum sich nicht eher entfernt, als bis das Drama
mit dem Siege der Christen endet, so nehmen die Zuschauer Lebensmittel
mit, wer schläfrig wird, schläft ungenirt auf seinem Sitze ein. Bei
Nacht werden Fackeln angezündet (Cañamaque, Recu. I, 60 u. f.).

Mitunter werden in den Landstädten von Spaniern Versuche gemacht,
spanische Theaterstücke von Tagalen aufführen zu lassen, doch
misslingen sie in der Regel, indem die Tagalen in dem fremden Stoffe
und der fremden Ideenwelt sich nicht auskennen und sich daher sehr
linkisch benehmen (Jagor, Phil. 84).

Auch die lyrische Poesie wird von den Tagalen gepflegt, es sind meist
Liebeslieder, welche in Begleitung von Musikinstrumenten gesungen
werden. In einem Liebeslied aus Tayabas heisst es: "Wenn mir mein
Bräutchen sterben sollte, ich würde mich über ihren Grabhügel werfen,
damit nicht ihre Gebeine Kälte leiden" (Oriente 1878, n. 11, p. 20
nach D. Juan Alvarez Guerra). Bei Festgelagen treten Improvisatoren
auf, welche bei Begleitung eines Blasinstrumentes vierzeilige Lieder
singen (Cañamaque, Recuerdos I, 39).

Am beliebtesten sind zwölfsilbige Verse, die vierzeiligen Strophen
haben alle denselben Reim, wobei zu beachten ist, dass bei den Tagalen
der Reim lediglich aus dem letzten Buchstaben oder Laute des Verses
besteht (Mas, pobl. 115), diess gilt auch, wenn sie in spanischer
Sprache dichten, so sind z. B. die Worte: estrellas, cielos, veces,
nubes bei ihnen Reime, weil sie mit einem s endigen. Jedes lyrische
Gedicht muss von Musik begleitet werden (Mas, pobl. 116). Von
ihren Nationalmelodien--wenn ich mich so ausdrücken darf--ist
die bekannteste und beliebteste der Comintan, der zugleich ihre
Nationalhymne und ihr Nationaltanz ist. Der Comintan ist im 3/4 oder
6/8 Tact gesetzt (Hügel, 307), seine Weise wird ebenso beim Begräbniss
von Kindern gesungen, wie bei festlichen Gelegenheiten nach derselben
getanzt wird (l. c. 145). Wird der Comintan getanzt, so tritt nur
ein Paar auf, welches pantomimisch eine Liebeserklärung darstellt
"von dem Ausdrucke des einfachen Wohlgefallens bis zu der heftigsten
Leidenschaft" (Hügel, 307). Eine andere Art des Comintans besteht
darin, dass die tanzenden Personen körperliche Gebrechen nachahmen
(l. c.). Ein anderer Nationaltanz ist der Talindao, er "wird zu vier
Personen getanzt, die sich einzeln gegenüberstehen, meistens ihren
Platz nicht verlassen und nur mit wenigen Bewegungen tanzen. Die Musik
ist höchst romantisch, ernst, und von Zeit zu Zeit fallen alle vier
Personen mit rauschendem Castagnettenschlage ein" (l. c.). Baron
Hügel sah bei einem Kirchenfeste im Orte Pasig einen Tanz, der
nicht wie die beiden erwähnten bereits spanische Einflüsse offenbart,
sondern noch ein Überbleibsel aus den Zeiten vor der Conquista zu sein
scheint. Die Tänzer waren Tagalen, welche in der Tracht und Bewaffnung,
wie sie vor Ankunft der Spanier üblich war, einhergingen. Sie tanzten
unter grosser Bravour und Leidenschaftlichkeit eine Art Waffentanz
(Hügel, 186). Übrigens tanzen die Tagalen auch alle europäischen und
specifisch-spanischen Tänze als Walzer, Polka, Bolero &c. Die Weiber
tanzen mit den Chinelas (Pantoffeln) an den Füssen.

Sie sind grosse Freunde der Musik, fast jedes Dorf hat seine Musikbande
(Cañamaque, Recu. I, 50). Europäische Musikstücke spielen sie recht
brav, insbesondere Märsche (l. c. 35), und die Militärmusikcapellen
Manila's, deren Musikanten sämmtlich Tagalen sind, werden von allen
europäischen Besuchern belobt.

In früheren Zeiten schrieben die Tagalen sämmtliche Krankheiten dem
Einflusse bösgesinnter Nonos zu, weshalb sie in Krankheitsfällen
denselben, unter den von ihnen bewohnten Bäumen, Opfer darbrachten,
welche im Verbrennen einzelner Kräuter und Deponirung von Speisen,
Getränken, Tabaksblättern und Buyo bestanden (Mozo, a. v. St.). Auch
glaubten sie früher, dass mannigfache Krankheiten und Irrsinn
durch Dämone erzeugt werden (Mas, pobl. 92). Heutzutage ist der
Glaube so ziemlich verschwunden, dagegen blühen Kurpfuscherei und
Wunderkuren. Tagalische Kurpfuscher und Quacksalber giebt es in
jedem Orte. Werden diese zu einem Kranken gerufen, so lassen sie
sich vorerst von den Angehörigen desselben gehörig bewirthen und
mit Tabak beschenken, dann befühlen sie erst dem Patienten den Puls
und verordnen, wie es ihnen gerade einfällt, Umschläge, Aderlässe,
Hausmittel und Schröpfköpfe (Ilustr. 1859, p. 121). Schröpfen
ist sehr beliebt, da die heutigen Tagalen der Ansicht huldigen,
dass die Krankheiten dadurch rasch geheilt würden, wenn die böse
verdorbene Luft aus dem Innern des Patienten entfernt werde (Mas,
pobl. 88). Unter ihren Hausmitteln ist auch eine Epheu-Gattung
("Malacatmon") zu erwähnen, auch Vanille und die Cardamome werden
gern von jenen Volksärzten verwendet (Ilustr. 1860, n. 7, p. 80).

Sobald der Tagale die Sterbestunde herannahen fühlt, wird eiligst
zu dem Pfarrer geschickt oder, wenn dieser weit entfernt lebt, der
Sterbende hingetragen, um die Sterbesacramente zu empfangen, da sonst
ein ehrliches Begräbniss verweigert wird (Mas, pobl. 101). Stirbt
ein Kind, so wird es unter grosser Lustbarkeit und den Weisen des
Comintans zu Grabe getragen (Hügel, 145), hier haben also die Tagalen
die spanisch-christliche Anschauung vollständig adoptirt, nach welcher
man über den Tod eines unschuldigen Kindes sich nur freuen müsse,
da seine Seele doch sofort unter die Englein aufgenommen würde. Bei
den Todtenfesten zu Ehren erwachsener Verstorbenen überwiegen aber
vollständig die Bräuche und Sitten des früheren Heidenthums. Sobald
ein Erwachsener gestorben ist, wird die ganze Verwandtschaft desselben
in das Sterbehaus eingeladen, angeblich, um Rosenkränze zu beten,
kaum aber sind einige Gebete heruntergeschnarrt, so wird gegessen,
getrunken und getanzt und diess durch volle neun Tage (Mas, pobl. 85,
Ilustr. 1859, n. 7, p. 55). Dieses neuntägige Fest, welches mitunter
zur Orgie ausartet (Vila 10), heisst Siam-na-arao oder Tibao. Am
wichtigsten ist der dritte Tag dieses Festes, denn die Tagalen glauben,
dass die Seele des Verstorbenen an diesem Tage wieder in das Sterbehaus
zurückkehre, um an dem Festmahl Theil zu nehmen. Es werden deshalb
Kerzen angezündet und eine mit Asche bestreute Matte ausgebreitet,
letzteres geschieht, um an den allenfallsigen Fussabdrücken in der
Asche zu erkennen, ob die Seele des Verschiedenen wirklich erschienen
wäre oder nicht Vor die Thüre der Hütte wird Wasser in einem Gefäss
hingestellt, damit die heimkehrende Seele sich die Füsse waschen
könnte (Mas, pobl. 91). Um diesen "Aberglauben" zu unterdrücken,
suchen die Pfarrer auf alle Weise es zu verhindern, dass die Hütte
eines Verstorbenen den dritten Tag nach seinem Tode von irgend Jemand
besucht wird. Die Bestattung ist ganz und gar katholisch, jede
nationale Sitte hat hier der Macht der Kirche weichen müssen. Die
Tagalen sterben übrigens mit grosser Resignation, und zwar sowohl in
der friedlichen Hütte, wie draussen auf dem Schlachtfeld.

In den Zeiten der Unabhängigkeit gab es unter den Tagalen ebensoviele
Staaten als Dörfer, eine Ausnahme hiervon machten nur die kleinen
Reiche von Manila und Tondo, von denen einige kleine Vasallengebiete
abhängig waren, doch machte sich hier der Einfluss von Borneo
bemerkbar. Die tagalische Ständegliederung war damals folgende:
Fürsten oder Häuptlinge (Manguinoos, Dattos), freie Leute (Mahaldicas),
Freigelassene (Timaua), Vasallen der Dattos (Cabalangay), Leibeigene
(Aliping namamahay), Halbsclaven, Sclaven (Aliping saguiguilir). Die
Spanier hoben bei der Occupation des Landes die Leibeigenschaft
und Sclaverei auf und gewannen dadurch die Sympathien dieser
Volksclassen. Die entthronten Dattos wurden in kluger Weise fest
mit ihren Interessen an die spanische Herrschaft geknüpft, indem
ihnen eine Menge Vorrechte gegeben wurden, so z. B. der Titel Don,
und indem man sie mit ihren erstgeborenen Söhnen von der Zahlung
des Tributes enthob. Ihre sonstige Gewalt wurde dadurch geschwächt,
dass in den neuen Pueblos, welche aus verschiedenen Tribus gebildet
wurden, jetzt Leute friedlich nebeneinander wohnen mussten, die früher
feindlich gegen einander gesinnt waren, und bald durch Wechselheirathen
miteinander vollständig verschmolzen, wodurch die einzelnen Dattos
gleichsam ihre früheren Unterthanen verloren. Von diesen Dattos
stammt zum grössten Theile die heutige Principalia, der Patricierstand
oder der Dorfadel der Tagalen ab. Die Bevölkerung der neuen Pueblos
wurde in Abtheilungen eingetheilt, welche Barangayes [11] genannt
wurden. Jedem Barangay wurde ein Chef vorgesetzt, welcher Cabeza
de Barangay hiess und der Principalia entnommen wurde. Der Cabeza
de Barangay sammelt in seinem Barangay den Tribut (Kopfsteuer) ein,
für dessen vollständige Eintreibung er haftet. Aus der Principalia
wird der Bürgermeister gewählt, welcher Gobernadorcillo oder (im
gewöhnlichen Verkehr) Capitan genannt wird.

Der Gemeinderath besteht aus den Cabezas de Barangay, überhaupt
aus Mitgliedern der Principalia. Gehört zur politischen Gemeinde
noch ein zweites Dorf (visita, barrio, anejo), so besitzt es einen
Vice-Chef, den Teniente. Sonstige Gemeindebeamte sind der Teniente
mayor (Bürgermeister-Stellvertreter), Juéz mayor de Ganado (Richter für
Streitigkeiten, welche Vieh-, Weideangelegenheiten &c. betreffen), Juéz
mayor de Sementeras (Richter über Feldstreitigkeiten), ein Juéz mayor
für Polizeivergehen, dann der Teniente segundo, der Teniente tercero,
ferner zwei Alguaciles (Polizeiwachtmeister), von denen der erstere
gewöhnlich "el actual" heisst und gewöhnlich mit der Escortirung
von Reisenden betraut wird. Nur der Gobernadorcillo und der Teniente
mayor müssen dem Gesetze nach dem eingeborenen Adel angehören. Der
Ex-Gobernadorcillo heisst gewöhnlich "Capitan pasado", ein Ex-Teniente
"Titulado". Da die Mitglieder dieser tagalischen Municipien, besonders
in den Provinzen, selten oder nur schlecht spanisch sprechen oder gar
schreiben können, so wird zum Verkehre mit den spanischen Behörden
ein Secretär von der Gemeinde aufgenommen, der Directorcillo genannt
wird. Jede Gemeinde unterhält ein Haus, Tribunal genannt, in welchem
der Gemeinderath tagt, Gericht gesprochen, europäische Reisende
untergebracht werden, und das zugleich als Arrestlocal und Zeughaus
dient. Die Arrestanten werden sehr gut verpflegt, doch pflegen die
tagalischen Richter meist nur Prügelstrafen zu dictiren. Die nicht dem
Adel angehörigen Indier sind verpflichtet, 40 Tage im Jahre öffentliche
Arbeiten (polos y servicios) bei Strassen- und Brückenbauten &c. zu
leisten, eine Woche im Tribunal Dienst zu leisten und eine Woche
Nachtwache zu halten. Von diesen Dienstleistungen kann man sich
loskaufen, und zwar in Form einer Geldstrafe. Die Leute, welche im
Tribunal Dienst zu leisten haben, heissen Semaneros, sie stehen "gegen
geringen Tagelohn als Boten oder Träger zur Verfügung der Reisenden"
(Jagor, Phil. 37). Zur Aufrechterhaltung der Ordnung, zum Schutz gegen
Angriffe von Räuberbanden oder Horden wilder Bergstämme dient eine
Art Bürgergarde oder irreguläre Miliz, deren Streiter Cuadrilleros
genannt werden.

Der Volksschulunterricht ist obligat, jede Gemeinde hat ihre
Schule. Der Unterricht soll in spanischer Sprache erfolgen, was
aber bis in die neueste Zeit ausserhalb des nächsten Umkreises von
Manila nur selten vorkam, indem einestheils spanisch sprechende
Individuen sich selten in die Provinz verirrten und anderntheils die
Geistlichkeit mit Händen und Füssen sich dagegen sträubte, dass die
Indier sich die spanische Sprache aneigneten, da sie dadurch ihre
Vermittlerrolle zwischen den spanischen Behörden und den Indiern
verlieren musste. Heute hat die Geistlichkeit diesen Widerstand
aufgegeben, und es sieht in dieser Beziehung etwas besser aus. Die
Localinspection wird von den Pfarrern ausgeübt. Vor mehr als zwanzig
Jahren schon sagte Bastian (Reisen, V. 265) über die Tagalen der
Prov. Laguna: "Man erstaunt über die verhältnissmässig grosse Menge
derjenigen, die zu schreiben und zu lesen verstehen". Tagalen findet
man als Schreiber in allen Regierungsbureaux. Die grösste Freude
tagalischer Eltern ist es aber, wenn sie ihren Sohn als Priester
erblicken. Die Weltgeistlichkeit besteht beinahe ausschliesslich nur
aus Mestizen und Tagalen, Visayern &c. Die farbigen Priester stehen
in geringem Ansehen; wenn sie nicht besser sind als ihr Ruf, stehen
die Sachen schlimm (m. vgl. darüber: Jagor, Phil. 104, n. Cañamaque
a. v. St.). Selbst der ultramontane Baron Hügel sagt hierüber:
"Es giebt in der That indische Pfarrer, welche eine Frau haben, mit
der sie in der Pfarrei leben, und die Kinder nennen sie nach meiner
eigenen Erfahrung ohne Umstände Papa" (Hügel, p. 287), und weiter:
"Der Indier ist im Allgemeinen wenig dazu geeignet, die Pflichten eines
Geistlichen und Pfarrers zu erfüllen. Ich ..... füge hier nur noch
hinzu, dass sie manchmal ausschweifend leben, ihren Pfarrkindern dann
ein schlechtes Beispiel geben, und dass ihre Pfarrbücher sich meistens
in grosser Unordnung befinden" (l. c. 349). Eine grosse Anzahl von
Aufständen hat eingeborene farbige Priester zu Urhebern gehabt, die
sich durch Blutdurst und Grausamkeit gegen die Weissen auszeichneten.

Das Christenthum hat bei den Tagalen die unter dem Namen Amoklaufen
bekannten Wuthausbrüche nicht beseitigen können, doch kommen derartige
Fälle seltener vor als in den übrigen malaiischen Ländern (Jagor,
Phil. 131). Die Amokläufer werden "posong" genannt (Mas, pobl. 119).

Die Industrie der Tagalen beschränkt sich meist auf Gewebe
und Stickereien. Aus den Fasern der Ananasea sativa werden
feine, vollkommen durchsichtige Zeuge gemacht, welche Piña oder
Grasscloths heissen, sie werden mit zierlichsten Dessins bestickt
und dann oft zu horrenden Preisen--ein Stück 2000 Thaler (Jagor,
Phil. 112)--verkauft. Zu den Piña-Webereien werden statt eiserner
Messer Bambusspäne benutzt (Jagor, Skizzen 176). Aus Abacá (Manilahanf)
werden ebenfalls dünne und durchsichtige Hemdstoffe und Zeuge
verfertigt, welche Sinamay und Nipis genannt werden und eine grössere
Dauerhaftigkeit aufweisen als die Piña-Zeuge (Scherzer, Novara-Reise
I, 600; Diaz Arenas 291). Beim Weben der Nipis-Stoffe pflegen sich die
Arbeiterinnen vollständig einzuschliessen, damit nicht ein Luftzug die
dünnen Fäden entzweireisse (Cañamaque, Filipinas 27). Tapis-Stoffe aus
Seide und Baumwolle, blaucarrirte Baumwollenstoffe (Cambayas) werden
ebenfalls von den Tagalen und zwar in ziemlichen Mengen fabricirt (Diaz
Arenas, l. c.). Die Tapis-Weberei hat ihren Hauptsitz in der Provinz
Bulacán (Jagor, Phil. 48). Aus Abacá werden auch leichte Luxusstoffe,
"Júsi" genannt, verfertigt (Scheidnagel 75). Aus der Rohrgattung
Nito werden Hüte europäischer Façon, Jalacó's und Matten geflochten
(Scheidnagel, l. c.). Hüte und Matten werden noch aus anderen
Materialien--z. B. der Burí-Palme--gearbeitet (Scheidnagel 27; Jagor,
Phil. 59). Aus dem unteren Ende der Blattstiele einer Calamus-Art
werden Cigarrentaschen von ausserordentlicher Feinheit fabricirt,
welche zu hohen Preisen, von 2-50 Dollar das Stück, verkauft werden
(Jagor, Phil. 48). Kabel und Taue werden nicht nur aus den Fasern des
Manilahanfes verarbeitet, auch die Gomuti-Palme (Arenga saccharifera)
liefert ein ungemein festes und dauerhaftes Material, den sogenannten
Cabo-negro, es ist diess eine schwarze Faser, welche den Ursprung der
Blattstiele am Stamme jener Palme bekleidet (Jagor, Skizzen 10). Aus
Pandanus-Gattungen, dann aus dem Bambus werden Maurerpinsel gemacht
(Jagor, Skizzen 176). Aus der kletternden Mimose "Gogo" wird durch
Zerklopfen der Rinde ein Seifenstoff gewonnen, der nicht allein beim
Bade und der Kleiderwäsche benutzt wird, sondern auch den Goldwäschern
dienlich ist; bei der Goldwäsche "wird dem Wasser der schleimige Saft
des Gogo zugesetzt, der feine schwere Sand bleibt darin länger schweben
als in blossem Wasser und lässt sich somit leichter vom Goldpulver
trennen" (Jagor, Phil. 142). Dem Apíton-Waldbaume wird ein harziges Öl,
der Baláo oder Malapájo, abgezapft, welches Eisen zehn Jahre lang vor
dem Rosten schützt und zum Firnissen der Schiffe verwendet wird (Jagor,
Phil. 230). Aus der Cocos-Palme wird ein Branntwein bereitet, welcher
"Tuba" heisst, diese Industrie wird insbesondere am Südufer der Laguna
de Bay betrieben (Jagor, Phil. 57, Mozo 89). Auch Öl wird von dieser
Palme gewonnen, über deren vielfache Ausbeutung Scheidnagel (p. 74)
viel Interessantes berichtet. Das Bambusrohr wird in ähnlicher Weise
ausgenutzt, wie in allen übrigen Theilen des ostindischen Archipels. Zu
Handwerkern macht Indolenz, Faulheit und Liederlichkeit die Tagalen
unbrauchbar (man vgl. Mas, pobl. 66 u. 72). In Manila existirt eine
eigenartige Klein-Industrie, es werden kleine Modelle einheimischer
Fahrzeuge, Hütten &c. und Figuren zum Verkaufe an Fremde gearbeitet
(Scheidnagel 121). Im Schiffsbau stehen sie noch ohne alle chinesische
Concurrenz da und leisten wenigstens etwas hierin.

Zum Schlusse sei noch bemerkt, dass die Tagalen sehr starke
Beimischungen fremden Blutes in ihren Adern haben, nicht nur Chinesen
und Spanier, auch Japanesen (XVI. u. XVII. Jahrhdt.) haben zur
Aufbesserung der Rasse beigetragen. Andere Beimischungen sind gering
oder verwandter Natur; so fanden die Spanier bei der Besitznahme
des von den Tagalen bewohnten Landstriches Luzon (verhältnissmässig)
zahlreiche Borneaner angesiedelt, theils als Kaufleute, theils als
mohammedanische Priester und Missionäre, wenn ich überhaupt den
letzteren Titel ihnen geben darf. Die Spanier hingegen ergänzten
die Mannschaft ihrer auf den Philippinen stehenden Linientruppen
seit der Mitte des XVII. Jahrhunderts beinahe ausschliesslich mit
mejicanischen (mitunter auch peruanischen) Indianern, welche sämmtlich
nach abgelaufener Dienstzeit im Lande blieben und sich eingeborene
Weiber nahmen. In Marigondon, an der Bai von Manila, liessen sich
auch im Jahre 1661 Ternataner (Insel Ternate der Molukken) nieder.




2. Pampangos.

Die Pampangos wohnten zur Zeit der Conquista und noch im
XVII. Jahrhundert an den nördlichen Gestaden der Bai von Manila,
und ihre Wohnsitze erstreckten sich von da bis an den Knotenpunkt
des mächtigen Caraballo Central, ohne aber im Gebirge selbst Fuss zu
fassen. Heutzutage sind sie durch die Tagalen beinahe ganz vom Meere
getrennt, und die wenigen dort lebenden Pampangos werden schnell
"tagalisirt". Die heutigen Wohnsitze der Pampangos befinden sich
in folgenden Provinzen: Porac, Tarlac, Pampanga, Bataán, Zambáles
und Nueva Écija. Porac und Tarlac werden nahezu ausschliesslich von
Pampangos bewohnt, Pampanga in überwiegender Mehrzahl, doch beginnt die
seit Anfang dieses Jahrhunderts immer grössere Dimensionen annehmende
Einwanderung der Ilocanen die Herrschaft des Pampango-Dialektes stark
zu gefährden. In Nueva Écija werden die nordöstlichen, in Bataán
die nordwestlichen und in Zambáles die westlichen Territorien dieser
Provinzen von den Pampangos eingenommen.

In ihrer körperlichen Erscheinung, wie in ihren Sitten und Bräuchen
gleichen sie unter allen Malaien Luzons am meisten den Tagalen, so dass
alles von diesen Gesagte auch für die Pampangos volle Geltung hat. Sie
galten und gelten auch noch jetzt als die tapfersten unter den Malaien
der Philippinen, die eingeborenen Truppen der Spanier recrutirten
sich bis auf die Einführung der Conscription zum grössten Theile aus
diesem kriegerischen Stamme, und sie haben ihrem Rufe überall Ehre
gemacht, sowohl in den Kämpfen gegen die mohammedanischen Fürsten der
Molukken, von Mindanao und Sulu als auch gegen europäische Soldaten,
gegen Holländer und Briten. Bei der Unterdrückung der furchtbaren
Chinesenaufstände von 1603 und 1639 haben sie sich besondere Verdienste
erworben.

Als die Spanier sie unterwarfen (1571) waren sie zum grössten Theile
Heiden, doch hatte auch hier der Islam bereits Eingang gefunden. Ihre
ursprüngliche Religion kannte auch den Ahnencultus der Tagalen und war
auch sonst mit jener der Tagalen identisch. Sie sind dann durch die
Spanier zum Katholicismus bekehrt worden, doch gab es noch i. J. 1848
Heiden unter ihnen, denn Diaz Arenas spricht von 100 unterworfenen
heidnischen (infieles) Pampangos, welche in dem erwähnten Jahre der
spanischen Herrschaft unterworfen waren.

Sie besitzen auch Schlangenbeschwörer, welche Schlangenbisse heilen,
diese Heilkünstler werden "Tavac" genannt (Mozo 97). Ihre Industrie
ist im Vergleiche zu jener der Tagalen gering, sie umfasst dieselben
Zweige wie bei den letzteren.




3. Zambalen (Zambales).

Die Zambalen oder Tinos bewohnen den mittleren und südlichen Theil
der Provinz Zambáles, doch sind sie als wilde Bergstämme in geringer
Zahl auch in den nördlichsten Theilen von Bataán anzutreffen. Erst zu
Ende des XVII. und im Anfange des XVIII. Jahrhunderts gelang es den
Spaniern mehr durch den Eifer der Missionäre als durch Waffengewalt
sie zu unterwerfen, obgleich noch heute ein nicht unbeträchtlicher
Theil dieses blutdürstigen Stammes in den Bergwildnissen entweder
volle Unabhängigkeit behauptet oder durch Zahlung einer geringen
Geldsumme sich die Freiheit sichert.

Die Zambalen zur Zeit der Conquista trugen das Haar bis auf eine
frei herabwallende Locke geschoren (Morga-Stanley 269), von ihrer
sonstigen Tracht wird Nichts erwähnt. Ihre Waffen waren Lanze, Schild,
Messer und Pfeile, welche sie gut zu brauchen wussten. Sie lebten in
Polygamie (Cañamaque, Filipinas 226). Grössere Hausthiere, nämlich
Büffel (?), Rinder und Pferde erhielten sie erst durch die Missionäre
(Cañamaque, Filipinas 134), Ackerbau scheint weniger als die Jagd
getrieben worden zu sein, was vielleicht auf eine starke Beimischung
von Negritoblut hinweist. Andererseits erwähnen Buzeta und Bravo,
dass sie ein dem tagalischen ähnliches Alphabet besessen hätten,
was für eine höhere Culturstufe spricht. Ihre Dörfer wurden nur von
10-30 Familien bewohnt und bildeten jedes einen Staat für sich, so
dass wir hier derselben staatlichen Zersplitterung begegnen, wie bei
den Tagalen. Die Häuptlinge waren bejahrte Leute, welche nur einen
geringen Einfluss auf ihre Untergebenen auszuüben vermochten. Die
einzelnen Dörfer waren in beständige Fehden miteinander verwickelt,
eine Folge ihrer eigenthümlichen Sitten. Starb nämlich Jemand, so
legten seine Hinterbliebenen Trauer, d. h. eine schwarze Kopfbinde
an, welche sie nicht eher ablegen durften, als bis sie Jemanden
getödtet hatten, was an eine ähnliche Sitte der Negritos lebhaft
erinnert. Dann wurde die Binde abgelegt und die Trauer mit einem
Saufgelage beendet. Ein Mord oder Todtschlag innerhalb eines und
desselben Tribus wurde entweder mit Gold oder Silber gesühnt oder
es wurde der Familie ein Sclave oder Negrito (Cañamaque, Fil. 128)
gegeben, um als Sühnopfer abgeschlachtet zu werden.

Die Zambalen waren wie noch jetzt die Dayaks wüthende Kopfjäger,
je mehr Köpfe erschlagener Feinde ein Zambal von einem Kriegszuge
heimbrachte, desto höher stand er im Ansehen der Seinen, wodurch
ihre angeborene Mordlust noch mehr gesteigert wurde (Cañamaque,
Filipinas 126). Sie stiegen deshalb von den Gebirgen in die Ebenen
der benachbarten christlichen Provinzen und lauerten Reisenden auf
oder suchten zur Nachtzeit sich an die Dörfer heranzuschleichen. Die
Schädel der Erschlagenen benutzten sie angeblich (Mozo 86) als
Trinkgefässe. Auf einer Art Trophäe, welche sie beständig mit sich
herumtrugen, machten sie die Zahl der erbeuteten Schädel ersichtlich
(Cañamaque, Fil. 127). Nach P. Juan Ferrando (Historia de los
P. P. Dominicos en las Islas Filipinas in Cañamaque, Filipinas 124)
pflegten die Zambalen in ihrer Gier nach Feindesschädeln jeden Menschen
zu tödten, der nicht gerade zu ihrem Stamme gehörte, und führten
dann um die Schädel "satanische" Tänze auf; Ähnliches berichtet Mozo
(l. c.), indem er erwähnt, dass sie die abgeschlagenen Köpfe zur
Verherrlichung ihrer Feste heimschleppen. Durch diese Kopfjägerei
unterscheiden sie sich auffallend von den Tagalen und Pampangos,
welche diese Sitte nicht kannten.

Die Religionen der alten Tagalen und Zambalen waren nicht, wie Buzeta
und Bravo berichten, identisch, aber doch sehr ähnlich. Sie kannten
einen obersten Gott ("Malyari"), zwei minder mächtige Hauptgottheiten
Acasi und Manglobag und eine Anzahl Diiminores. Der Priesterstand
spielte bei ihnen eine wichtigere Rolle als bei den übrigen Malaien
der Philippinen. Der Hohepriester oder Papst ("Bayoc") weihte den
einzelnen Gottheiten unter langen Ceremonien die Priester. Nach
Ferrando (Cañamaque, Fil. 129) spendete der Bayoc auch--wenn gleich
selten--eine Art Taufe mit Schweineblut, wie denn auch hier, wie
überall in diesem Archipel, das Schwein als das den Göttern angenehmste
Opferthier galt. Die heiligen Feste arteten in Orgien aus. Wie viele
von diesen Bräuchen sich noch heute bei den unabhängigen Zambalen
(den "Cimarrones" oder "Infieles" [12]) erhalten haben, ist mir
unbekannt. Sie leben in kleinen Dörfchen (Rancherías), deren Häuptlinge
(Reyes oder Reyezuelos) den Verkehr mit den spanischen Behörden
vermitteln. Sie leben von erlegtem Wilde, Honigwaben und Bataten
(Camote), deren Anbau ihnen erst durch die Spanier bekannt wurde. Reis
kaufen sie von ihren christlichen civilisirten Brüdern und bezahlen
ihn mit den von den Chinesen hochgeschätzten Bezoarsteinen und Tabak,
den sie heimlich bauen und in der Nachtzeit in die christlichen Dörfer
einschmuggeln [13]. Die meisten Horden stehen zu den Spaniern auf dem
Kriegsfuss, wohl hauptsächlich aus dem Grunde, weil die spanischen
Finanzwächter ihre Tabakpflanzungen vernichten, doch scheint ihre
Mordlust und Kopfjägerei längst erloschen zu sein, sie sind froh,
wenn man ihnen Ruhe giebt.

Die christlichen Zambalen weisen dieselbe Tracht auf wie die Tagalen,
deren Agricultur und Industrie auch die ihre ist, wenn auch letztere
noch in den Kinderschuhen liegt. Ein Rest alter heidnischer Sitte
zeigt sich bei den Leichenfeierlichkeiten. So lange die Leiche im
Sterbehause liegt, werden alle Eintretenden mit Speise und Trank
reichlich bewirthet, und ungenirt zeigt sich allenthalben unter den
Gästen frohe Lustbarkeit. Auch bei dem eigentlichen Begräbnisse
herrscht keine Trauer, nur das gemiethete Klageweib heult in
ohrzerreissenden Tönen hinter dem Sarge (Cañamaque, Recuerdos I, 21
u. f.). Ob der Ahnencultus bei den christlichen Zambalen sich ebenso
erhalten hat wie bei den Tagalen, ist mir unbekannt geblieben.

Es scheint nicht als ob die Zambalen sich als besonderer Dialektstamm
werden erhalten können, die zahlreichen Einwanderer von Ilócos drohen
vermöge ihrer activen Kraft diesen an und für sich schwachen Stamm
ganz in sich aufzusaugen, wie diess in Bataán durch die Tagalen
geschehen ist.




4. Pangasinanen (Pangasinanes).

Die Pangasinanen bewohnen die westlichen und südlichen Gestade
des Golfes von Lingayen. Auch sie werden von den Ilocanen mehr und
mehr zurückgedrängt; in den Zeiten Don Juan de Salcedo's waren die
südlichen Küstenstriche der heutigen Provinz La Union von Pangasinanen
besiedelt, wo jetzt der Ilocos-Dialekt der herrschende ist. Selbst
in dem Stammlande dieses Malaienzweiges, in Pangasinán, behaupten
sie sich nur noch an dem Meeresstrande, das ganze Hinterland und
der nördliche Theil dieser Provinz ist der friedlichen Invasion der
thätigen Ilocanen anheimgefallen, welche in diesen Strichen Luzons
dieselbe Rolle spielen, wie die angelsächsischen Squatter unter den
spanischen Hacenderos von New Méjico und Tejas. Pangasinanen sind als
Colonisten auch in dem District Benguet anzutreffen, Niederlassungen
derselben findet man auch in der Provinz Nueva Écija. Compact aber
wohnen sie, wie gesagt, nur am Golf von Lingayen vom Cap Bolinao bis
S. Fabian.

Seit 1572 sind sie der spanischen Krone unterworfen, seit 1574-76 auch
ziemlich alle christianisirt worden, so dass wir bei ihnen dieselben
Einrichtungen und Institutionen, Tracht und Bräuche antreffen, wie
bei den Tagalen. Die Pangasinanen sind sehr fleissige Ackerbauer,
Reis, Zuckerrohr und Indigo werden stark gebaut (Scheidnagel 29),
der Reis speciell wird in grossen Massen exportirt, und nicht
allein nach China, sondern auch nach Annam und Siam (Jagor, 239)
ausgeführt. Mais wird gleichfalls sehr stark gebaut, doch dient er
nur zum Viehfutter; nur in Zeiten, wo die Reisernte missrathen ist,
auch zur Nahrung der Menschen (Ilustr. 1861, p. 104). Ausgedehnte
Cocospflanzungen sind allenthalben zu finden, in welchen unter anderen
die schöne und von den Indiern so hochgeschätzte Macalimba-Varietät
dieser Palme bevorzugt wird. In den Zeiten der Conquista waren die
Cocoshaine (Cocales) viel ausgedehnter als wie heute, wo der Mais-
und Indigobau sowie die Pflege des Zuckerrohrs die Pangasinanen die
Cultur dieser Palme um so eher vernachlässigen liess, als einige Mal
ein kleines Insect riesige Cocosbestände in kurzer Zeit verwüstete.

Ihre Industrie beschäftigt sich mit denselben Artikeln wie jene der
Tagalen, als besondere Specialitäten der Pangasinan-Industrie werden
sehr feine Hüte aus Nito- und Bejuco-Geflecht genannt (Scheidnagel
30). Aus der Rinde des Coliao-Baumes arbeiten sie sehr haltbare Taue
und Stricke, welche nach dem Baume Coliaos heissen (Scheidnagel 127).

Zur Zeit der Conquista hatten sie dieselben religiösen Anschauungen
wie die Tagalen, heute sind alle insgesammt Katholiken. Heiden giebt
es nicht mehr unter ihnen, auch findet bei den Pangasinanen seltener
das "Remontarse" Statt, d. h. die Flucht in die Wälder, um dort wie
ein Wilder zu leben.




5. Ilocanen (Ilocanos).

Zur Zeit der Conquista bewohnten die Ilocanen einen schmalen
Küstenstrich vom Golf von Lingayen an bis hinauf zum Cap
Bogeador. Nach dieser Zeit breiteten sie sich, zum Theil unter dem
Schutze der spanischen Bajonnette, immer weiter und weiter aus. Sie
besitzen eine grössere Expansivkraft als die so vielgepriesenen
Tagalen. Heute bewohnen die Ilocanen die Provinzen Ilócos Norte (nur
den Küstenstrich), Abra (neben Tinguianen und Igorroten), Ilócos Súr
und La Union. Dann haben sie den nördlichen Theil und das Hinterland
von Pangasinán inne. Zahlreiche ilocanische Einwanderer haben das fast
gänzlich entvölkerte Thal von Benguet mit hoffnungsvollen Ansiedelungen
versehen, in Zambáles, Pampanga und Nueva Écija ist ihre Zahl beständig
im Steigen begriffen, dasselbe gilt vom westlichen Küstenstrich von
Cagayán. Selbst nach den Batanes- und Babuyanes-Inseln treibt sie
ihre rege Wanderlust, ja sogar im District Príncipe, an der Ostküste
Luzons, haben sie sich als strebsame Colonisten mitten unter Tagalen
und Ilongoten niedergelassen. In den Districten Lepanto und Bontoc sind
sie gleichfalls mitten unter den Bergstämmen der Igorroten zu finden,
doch muss hier ausdrücklich bemerkt werden, dass in diesen beiden
Districten alle getauften Indier, gleichgültig ob sie nun Igorroten,
Buriks sind, Ilocanos genannt werden, ohne Rücksicht auf ihre Abkunft
(Lillo Gracia 17). Es pflegen auch in der That die getauften Igorroten
die Sprache der (ihnen nahe verwandten?) Ilocanen ganz anzunehmen,
und es mag vielleicht diese--freilich geringe--Beimischung mit dem
Blute dieses so tapferen und kräftigen Bergvolkes auch etwas zu der
lebendigen Kraft und Expansionsfähigkeit beigetragen haben, welche
die Ilocanen so vortheilhaft vor der Passivität der übrigen Indios
civilisados auszeichnet.

Die Tracht gleicht mehr oder minder jener der Tagalen. Unentbehrlich
erscheint ihnen das Waldmesser "Sual", welches sowohl zum Bearbeiten
der Erde als auch zum Behauen der Balken und Fällen der Bäume dient
(Scheidnagel 124). Als Jagdwaffe benutzen sie denselben Wurfspiess
wie die Igorroten, den sie gleichfalls "Cayang" nennen.

Sie bauen Reis, Indigo, Mais, Zuckerrohr, Cacao, Kaffee, Cocos, Oliven
und Weinreben (Ilustr. 1860, n. 14, p. 164) und überdiess Baumwolle
(Ilustr. a. a. O., Cañamaque, Filip. 29). Die Hauptnahrung ist auch
hier der Reis, nächst diesem werden sehr viele Fische genossen; aus
dem Fische Ipon oder Dolon, der massenhaft gefangen wird, bereitet
man durch Einsalzen desselben die Speise "bayon" (Ilustr. 1860, n. 12,
p. 152). Die Viehzucht ist in blühendem Zustande, indem die Ilocanen
an den Bergvölkern gute Käufer ihrer Büffel, Rinder und Schweine
finden. Die Pferde von Ilócos gehören angeblich zu den besten der
Philippinen (Ilustr., l. c.). Früher war Viehraub an der Tagesordnung
(Mas, pobl. 80).

Die Industrie der Ilocanen ist ziemlich entwickelt, sie besitzen sogar
eine Specialität, nämlich aus Baumwolle gewebte Mäntel, die sogenannten
"mantas de Ilócos", welche einen wichtigen Exportartikel nach den
übrigen Theilen von Nord-Luzon bilden. Nach Diaz Arenas (p. 291)
liefert Ilócos Sur ausgezeichnete Sinamay- und Nipis-Zeuge. In Ilócos
Norte kommt die Abacá (Manilahanf) nicht mehr fort, als Surrogat
dient die Mague-Pflanze, deren Fasern ähnliche Eigenschaften besitzen
(Ilustr. 1860, n. 17, p. 200). Sonstige Industrieartikel entsprechen
den tagalischen. Scheidnagel nennt drei Ölgattungen, welche in Ilócos
erzeugt werden: Palo-María, Macabujay und Tagumbao.

Über ihre Religion zur Zeit der Conquista ist mir Nichts bekannt,
sie wurden durch den Cortés der Philippinen, Don Juan de Salcedo, der
spanischen Krone unterworfen, und sind schon über drei Jahrhunderte
Christen. Aus den Zeiten ihrer Unabhängigkeit datirt das grosse
Missverhältniss zwischen Reich und Arm. Die Edelleute (principales)
haben den Reichthum in ihren Händen, ihnen gegenüber steht die
grosse Masse der immer mehr verkommenden Plebejer, der sogenannten
Cailianes. Die Edelleute pflegten den Cailianes Seide oder Baumwolle zu
geben, welche sie zu Geweben verarbeiten sollten. Bei der Ablieferung
derselben pflegten die Cailianes bedeutend verkürzt zu werden,
indem die Principales bald schlechte Beschaffenheit des Gewebes oder
zu geringes Gewicht zum Vorwande nahmen, um die Cailianes zu ihren
ihnen rettungslos verfallenen Schuldnern zu machen, indem sie ihnen
keinen Lohn zahlten (Mas, hist. II, 60). Diese harte Bedrückung
verursachte zwei blutige Plebejer-Aufstände in den Jahren 1762 und
1811. Obwohl diese Übelstände in der Neuzeit so ziemlich beseitigt
erscheinen, so ist es vielleicht nicht unwahrscheinlich, die rege
Auswanderungslust der Ilocanen auf die unerquicklichen Verhältnisse
der Heimath zurückzuführen.




6. Ibanags oder Cagayanen (Cagayanes).

Die Ibanags werden gewöhnlich Cagayanes genannt, weil ihr Hauptsitz
die Landschaft Cagayán und der Unterlauf des gleichnamigen Stromes
ist. Diejenigen von ihnen, welche auf den Batanes- und Babuyanes-Inseln
wohnen, wurden früher als ein besonderer Stamm angesehen, doch lässt
sich hierüber nichts Sicheres sagen, da unsere Nachrichten über die
Batanes mehr als spärlich sind. Sie bewohnen die Babuyanes-Gruppe,
welche auch den Namen Islas de Ibanag führen, die Batanes-Inseln,
ferner das Küstengebiet der Provinz Cagayán; ihre Ansiedelungen gehen
das Thal des Rio Grande de Cagayán hinauf bis nach Furao hin in der
Provinz Isabela. Der Ibanag-Dialekt dient im ganzen Stromgebiete
des Rio Grande als Verkehrssprache mit den wilden Bergstämmen, es
dürfte hier das Ibanag-Idiom nach und nach die Sprachen jener Horden
vollständig verdrängen. Ich glaube, dass ein ähnlicher Vorgang auch
auf den Batanes sich abgespielt hat, denn die Beschreibung, welche
Dampier von jenen "Bashee"-Insulanern giebt, lässt sich schwer
mit den Schilderungen in Übereinstimmung bringen, welche uns die
Spanier von dem Habitus, der Tracht und Lebensweise der Cagayanen
zur Zeit der Conquista niederschrieben. Baron Hügel schreibt über die
Batanes (S. 69): "Die Bewohner werden als ein starker, gutmüthiger und
vollkommen harmloser Menschenstamm geschildert". Diess stimmt nicht mit
dem Charakter der Ibanags Luzons überein, denn diese werden einstimmig
von allen Schriftstellern, von den ältesten bis zu den modernsten
herab, als ein kriegerischer und trotziger Stamm geschildert, und es
hat auch in der That den Spaniern die Eroberung Cagayans mehr Blut
gekostet, als jene der übrigen Provinzen Luzons. Reisbau, Schweine-
und Ziegenzucht, sowie die Bereitung eines Branntweines aus Zuckerrohr
oder Reis entsprechen ganz den ähnlichen Verhältnissen von Cagayán. Den
Golddraht, den die Batanes um die Arme tragen, trugen die Cagayanen in
den Zeiten der Conquista ebenfalls. Nach Waitz (Anthr. V, 62) sind die
Bewohner physisch den Dayaks ähnlich, auf S. 101 werden sie wie folgt
beschrieben: Farbe: dunkelkupferbraun, Gestalt: klein und untersetzt,
Gesicht: rund, Stirne: niedrig, Augen: klein mit starken Augenbrauen,
Nase: kurz und klein, Haar: dick und schlicht. Diese Beschreibung
entspricht auch dem Bilde der Cagayanen.

Die Ibanags von Cagayán sind seit dem XVI. Jahrhundert Christen,
ebenso jene der Babuyanen, die Batanes sind aber noch zum grösseren
Theile Heiden, leider ist es mir nicht möglich gewesen, etwas über
ihre Religion zu erfahren. Die Cagayanen bekannten sich in der Zeit
der Conquista ebenfalls zu einer Art von Ahnencultus, wie die Tagalen,
Pampangos &c.

Wie bei den naheverwandten Ilocanen war auch hier die tiefe
Scheidewand zwischen den Edelleuten und Plebejern vorhanden. Die
letzteren heissen in Cagayan "timavas", was wohl mit dem tagalischen
"timauas" identisch ist, womit bei den Tagalen Freigelassene in den
Zeiten vor der Conquista benannt wurden. Auch hier machte sich der
Hass der unterdrückten Kaste durch blutige Aufstände Luft.

Die Ibanags von Cagayan und Isabela bauen dieselben Pflanzen
wie die Ilocanen, die Hauptmasse der Bevölkerung widmet sich
aber--zwangsweise--dem Tabaksbau, denn der Tabak dieser beiden
Provinzen ist der beste der Philippinen. Die Härte, womit
die Zwangscultur dieser Pflanze von der Regierung überwacht und
durchgeführt wird, lässt keine nennenswerthe Industrie aufkommen (man
vgl. darüber: Semper, Skizzen 41 f. und 131 f.). Die Finanzbehörde
der Colonie bleibt den Tabakbauern oft Jahre hindurch den Betrag für
die abgelieferten Blätter schuldig (Cañamaque, Filipinas 30).

Auch bei den Ibanags herrscht eine grosse Auswanderungslust, besonders
Manila zieht sie an, wo sie halbnackt in grossen Schaaren anlangen
(Buzeta I, 240).




7. Igorroten mit Buriks und Busaos (Igorrotes).

Mit dem Namen "Igorrotes" wird viel Unfug getrieben. Spanische
Schriftsteller haben alle heidnischen sogenannten "wilden" Bergstämme
Luzons Igorrotes getauft, und so kamen auch unter anderen "Igorroten
von Camarínes", "Igorroten von Tayabas" in die ethnographische
Literatur. Andere Autoren, wie z. B. der gelehrte D. Sinibaldo de Mas,
bezeichneten mit diesem Namen alle Bergstämme Nord-Luzons, mit Ausnahme
der Tinguianen, was immerhin eine gewisse Berechtigung hätte. Ich fasse
unter dieser Bezeichnung die Igorroten im engeren Sinne und die Busaos
und Buriks zusammen, denn diese haben eine gemeinsame Sprache, welche
nur geringe dialektische Verschiedenheiten aufzuweisen hat (mündliche
Mittheilung von Herrn Gumersindo Morales). Auch unterscheiden sich
diese Stämme nur durch Tracht und Tätowirung voneinander, während
Sitten und Bräuche nur unerheblich voneinander abweichen.

Die Heimath der Igorroten bilden die Provinzen oder Districte: Benguet,
Lepanto, Tíagan und Bontoc. Nach Scheidnagel (a. v. St.) finden sich
auch Igorroten-Niederlassungen in den Provinzen Abra, Nueva Vizcaya
und Isabela vor, doch ist es fraglich, ob Scheidnagel nicht hier den
Namen der Igorroten in der oben angegebenen Weise missbraucht. Die
Busaos haben die nördlichsten Sitze inne. Von der Cordillere Tila
oder Tovalina an wohnen sie in den Districten Tiagan, Lepanto
(nördliche Hälfte) und in Bontoc, in letzterem im Quellgebiete des
Rio Caycayan. Nach der Ilustracion del Oriente (Jgg. 1818, Nr. 1,
p. 4) sind sie auch in Benguet wohnhaft, was mir unwahrscheinlich
vorkommt, da sie von diesem Districte durch die Buriks getrennt
sind. Zu Grenznachbarn haben sie im Norden die Tinguianen und
Guinanen, im Osten die Itetapanen und vielleicht auch die Suflin;
südlich von ihnen wohnen die Buriks, im Osten von Santa Cruz und
im Westen des Monte Data. Ihre wichtigeren Orte sind: Suyuc, Cayan,
Sabangan, Cabugatan, Banao und Mancayan (Yamcayan).

Südlich von den Buriks wohnen die eigentlichen Igorroten, deren
Stammland das Thal von Benguet ist, obwohl sie jetzt in diesem Thale
nur in verhältnissmässig geringer Zahl wohnen, indem die blutigen
Kriege, welche in den zwanziger und dreissiger Jahren dieses Säculums
zur Unterwerfung dieses kriegerischen Stammes führten, das blühende
Land beinahe entvölkerten. Ihre wichtigeren Orte sind Benguet, Apayao,
Cabacan (Cabagan), Buguias (Bujias) &c. v. Drasche (Fragm. einer
Geologie, p. 27) traf Igorroten zwischen S. Nicolas am Rio Agno und
Bambang (Provinz Nueva Vizcaya), bis zum Caraballo Sur. Auch hier muss
ihre Zahl erheblich sich vermindert haben, denn gegen die geringe Zahl
der Individuen stach die Menge der verlassenen und verfallenen Hütten
ab. Einst war das von den Igorroten bewohnte Territorium grösser,
im XVII. Jahrhundert wird noch der Berg von Sto. Tomas als in der
"Tierra de Ygolotes" [14] liegend mehrfach erwähnt, und noch 1747
reichte das Gebiet der Igorroten bis zum Weichbilde der Pueblos Agoo
und Aringay (Mozo 81). 1829 war die Grenze bis zum Monte Tongló (beim
Monte Sto. Tomas) zurückgewichen (Mas, pobl. 46). In den Districten
Lepanto und Bontoc zählte man 1876 19 852 unterworfene und 29 600
unabhängige Igorroten incl. Buriks und Busaos, während Diaz Arenas für
das Jahr 1848 die Zahl 12 304 für die damaligen Provinzen Pangasinán
("in der Cordillera grande"), Abra und Ilócos Sur angiebt.

Ihre Hautfarbe ist ein "nicht sehr dunkles Olivenbraun, seltener das
Gelb der Mestizen" (Semper, Erdk. XIII, 90) oder gelblich kupferfarben
(Ilustr. 1860, n. 12, p. 151). Nach Buzeta und Bravo (Diccionario
I, 52) zeigt ihre Haut die Farbe gekochter Quitten. Ihr Körperbau
ist kräftig, die Muskulatur gut entwickelt (Ilustracion, l. c.,
Semper, l. c.). Die Durchschnittshöhe der Männer beträgt nach Semper
(Erdk. XIII, 89) 4' 8'' 2''', bei Weibern 4' 5'' 4''' Pariser Maass.

Professor Virchow nennt einen Igorrotenschädel "ausgezeichnet
dolichocephal", "von den Malaienschädeln ganz verschieden" und
bemerkt weiter, "er nähere sich mehr den Formen von Palembang". Nach
Professor Semper ist auch das Gesicht länglicher und die Stirne mehr
gebogen und zurücktretend als bei den Tagalen (Erdk., XIII, 90). Die
Augen sind schwarz und gross, der äussere Augenwinkel ist spitz und
etwas schräg nach oben gestellt (Semper, l. c.; Buzeta y Bravo I,
52; Ilustracion 1860, n. 12, p. 151). Die Wangen sind gross und
breit (Buzeta, l. c.). Das dichte Haar ist schwarz, glatt und ohne
Glanz (Semper, Erdk., XIII, 91; Mas, pobl. 24). Erwähnenswerth ist,
dass nach Lillo Gracia (p. 17) es auch reinblütige Leute giebt, die
einen ebenso dichten Bart haben wie Europäer, doch lassen sich nur
einzelne Berg-Igorroten von Lepanto den Bart stehen, die überwiegende
Mehrzahl zieht sich die Haare am Kinne, der Brust, den Achselhöhlen und
Schamtheilen mit einer kupfernen Zange aus (Semper, Erdk. XIII, 91).

Allgemein wird behauptet, dass die Igorroten stark mit chinesischem
Blute gemengt seien, ja es wird sogar von Mischung mit Japanern
gesprochen (Novara-Reise, Ethnogr. Th., p. 32; Semper, Erdk. XIII,
89). Semper sagt: "Jemehr man sich nördlich wendet, um so schärfer
tritt der mongolische Charakter hervor". Nach ihm (Erdk., l. c.) zeigen
die grossen Individuen chinesischen, die kleinen malaiischen Typus. An
einer anderen Stelle (l. c., S. 91) bemerkt er: "Die Weiber nähern sich
im Allgemeinen mehr dem malaiischen Typus". Mozo bemerkt hierüber:
"aparecen muy semejantes á los Chinos ..... especialmente en los
ojos, en que no los quitan pinta" (Misiones, p. 63). Mas (pobl. 24)
findet es auffallend, dass in ihrer Sprache der spanische Laut ch,
entsprechend dem deutschen tsch, vorkommt, den angeblich die Dialekte
der übrigen Malaienstämme nicht kennen. Lillo Gracia sagt von ihrer
Sprache, sie sei einem corrumpirten Ilocanisch ähnlich, besitze
aber eine eigenthümliche nasale Accentuirung, die an das Chinesische
erinnere. Eine Vermengung mit Chinesen lässt sich nicht gut nachweisen,
sie müsste jedenfalls vor der Einwanderung der Ilocanen erfolgt sein,
so lange die Igorroten noch im Besitze der Küste waren, denn sonst
müssten die Ilocanen auch einen chinesischen Typus aufweisen, da die
Chinesen wohl mehr Berührungspunkte zu einem intimen Verkehre mit
diesen vorfanden, als mit den tieferstehenden Igorroten. Jedenfalls
heisst es in dieser Frage nicht voreilig sein, sondern specielle
Untersuchungen über diesen Gegenstand abwarten.

Das Haar tragen Männer und Weiber "vorn geradlinig über der Stirn
und zu beiden Seiten des Gesichts abgeschnitten, so dass es fast
die ganze Stirn bis zur Nasenwurzel, sowie die Ohren bedeckt";
am Hinterkopf lassen sie es oft lang wachsen und binden es in
einen Knoten zusammen (Semper, Erdk. XIII, 91). Doch wechselt die
Haartracht bei den einzelnen Stämmen (Lillo 30). Die Igorroten im
engeren Sinne des Wortes tätowiren ihren Körper an Händen, Armen und
der Brust (Lillo 31), doch beschränkt sich diese Sitte in den meisten
Dörfern nur auf ein rohes Sonnenbild, welches auf die Handrückenfläche
gemalt wird (Semper, Erdk. XIII, 90), insbesondere die Weiber dehnen
die Tätowirung zumeist auf keinen anderen Körpertheil aus (Lillo,
l. c.). Die Tätowirungsmuster auf Brust und Armen sind Combinationen
gerader und krummer Linien, seltener findet man bildliche Darstellungen
von Menschen und Thieren (Semper, l. c.). Die Tätowirungsmuster haben
eine schmutzig-blaue Farbe und werden der Haut durch Nadelstiche
beigebracht, die Nadel selbst ist in eine Farbmasse getaucht,
welche aus Öl und einem Pulver, das durch Verbrennung blauer
Baumwollenstoffe gewonnen wurde, zusammengesetzt ist (Lillo 31). Die
Busaos-Igorroten tätowiren sich Blumengebilde auf die Arme (Mas,
pobl. 25; Ilustracion, 1860, 152 und 285; Bastian, Reisen V. 273;
Ilustr. del Oriente, 1878, Nr. 1, p. 4), andere Körpertheile werden
nicht tätowirt. Die Buriks-Igorroten tätowiren sich den Körper in
einer Weise, dass er wie mit einem Panzerhemde bedeckt erscheint,
während die Arme mit schlangenartigen Mustern versehen werden (Mas,
pobl. 25). Bemerkenswerth ist die Sitte, dass bei Vornehmen die Zähne
mit einem breiten Goldblech bedeckt werden (Semper, Erdk. XIII,
90). Denselben Brauch fanden die Spanier bei der Eroberung des
Archipels bei Tagalen und Visayern vor.

Den schmutzigen Körper und die nie gekämmten Haare verhüllen
verschiedenartige Tracht und Gewandung. Bei der Feldarbeit wird
von den Männern nur der Bajaque oder Baac--eine Art Schurz--getragen
(Lillo 31). Der Bajaque besteht aus Baumwollenzeug oder Baumrinde (Mas,
pobl. 23). Sonst wird noch ein Mantel getragen, "aus Baumwollenzeug
verfertigt und ilocanischer Provenienz", da dieser "Mantel" viereckig
ist, könnte er wohl besser Plaid genannt werden. Der Plaid ist lang
genug, dass er doppelt um den Leib herumgeschlagen werden kann, er ist
blau und weiss gestreift oder schwarz; wenn ganz von weisser Farbe,
gilt er als Trauergewand (Mas, pobl. 23). Diese anscheinende Anlehnung
an chinesischen Brauch liefert aber kein neues Beweismaterial für
die Chinesen-Abstammungs-Hypothese, denn die Spanier fanden in den
Zeiten der Conquista Weiss als Trauerfarbe im ganzen Archipel, und
noch heute ist es so auf den Sulú-Inseln.

Der Kopf wird meist unbedeckt getragen (Semper, Erdk. XIII, 89), sonst
tragen die Berg-Igorroten ein Zeug turbanartig um den Kopf gewunden,
während die Thalbewohner mit dem Salacó das Haupt bedecken (Lillo
31). Die Tracht der civilisirten Indier (gleich der tagalischen)
beginnt bereits in den Grenzdistricten die nationale zu verdrängen
(Lillo, l. c.). Die Weiber tragen eine bis zu den Knieen reichende
Schürze, ferner ein jackenartiges Hemd mit langen Ärmeln, welches die
Brüste durch einen Schlitz erblicken lässt, beide Kleidungsstücke sind
indigoblau mit weissen Streifen (Semper, Erdk. XIII, 89; Ilustr. 1860,
p. 151). Die Häuptlinge tragen im Kriege einen eigenthümlichen Barigués
oder Porta-itac genannten Gürtel, welcher aus kleinen blendend weissen
Steinchen zusammengesetzt ist (Scheidnagel 124). Die Kleider werden
nie gewaschen (Lillo 31).

Als Schmuckgegenstände dienen beiden Geschlechtern Ringe und Schnüre
um Hals, Arme und Beine, sowie Ohrgehänge. Um den Hals werden mit
Glasperlen und Steinen bedeckte Schnüre getragen (Semper, Erdk. XIII,
90), manche legen einen aus Kupferblech bestehenden Halsschmuck
an, einige tragen förmliche Hunde-Halsbänder (Lillo 30). Die Arm-
und Beinringe bestehen aus Metalldraht, Glasperlenschnüren oder
Pflanzenflechtwerk (Semper, Erdk. XIII, 90); eine besondere Gattung
dieser Ringe heisst Bali, wird aus Kupfer verfertigt und ist mitunter
vergoldet (Scheidnagel 125). Die Ohrgehänge, welche auch von den
Männern getragen werden, bestehen aus Gold, Kupfer und Hundezähnen
(Lillo 30; Scheidnagel, l. c.). In Ermangelung von etwas besserem
werden auch Holzpflöcke in die Ohren gesteckt. Je grösser die
Ausdehnung des Ohrläppchens ist, desto grösser der Stolz.

Tabak, Geld und andere Gegenstände werden in einer Art Patronentasche
aus Rohrgeflecht getragen, welche an einem Bandelier hängt (Lillo
30). Semper sah viele Igorroten, welche an einer (Glas-) Perlenkette
einen Ohrlöffel und jene Kupferzange beständig mit sich trugen,
welche zum Auszupfen der Barthaare dient.

Von ihren Geräthen und Waffen fällt zunächst ihre Axt Ligua (Aligua,
Aliva) in die Augen, sie hat die Gestalt eines Trapezoids (Scheidnagel
124) und ist mit einer Spitze versehen, welche zum Aufspiessen des
abgeschlagenen Feindeskopfes dient (Lillo 24). Dann kommt zunächst
das zweischneidige Waldmesser Bujías oder Talibong (Talibon) in
Betracht. Breite einschneidige Hackmesser, gleich den ilocanischen,
und ebenso Bolos genannt, sind gleichfalls im Gebrauche. Der Talibong
wird bei den Busaos nicht vorgefunden (Ilustr. 1860, p. 152). Zur Jagd
wie zum Kriege dient als Hauptwaffe ein Wurfspiess mit eiserner Spitze,
welcher Cayang genannt wird. Sie besitzen zwar auch Pfeil und Bogen,
wissen aber diese Waffe nicht gut zu gebrauchen (Mas, pobl. 24). Als
Schutzwaffe dient der aus Holz verfertigte Schild, Calata (Lillo
24). Sämmtliche Angriffswaffen sind aus Metall verfertigt, bezw. haben
sie aus diesem verfertigte Spitzen, Eisen wird natürlich bevorzugt,
kommt aber nur durch Handel in ihre Hände, weshalb in früheren Zeiten
das Kupfer das Material zur Herstellung ihrer Waffen und Werkzeuge
nahezu ausschliesslich hergab.

Von Transportgeräthen sind erwähnenswerth der Apirang und der Cayabang,
ersterer ist ein auf dem Rücken zu tragender Korb aus Rohr und Bambus,
letzterer ist gleichfalls ein Korb von vollendeter Arbeit, welchen
nur Weiber tragen, er hat die Gestalt eines abgestumpften Kegels; zum
Fortschaffen und Aufbewahren verschiedener Gegenstände dienen auch die
Sackgattungen Upit und Sagupit, beide aus Bejuco und anderen Rohr-
und Gras-Gattungen geflochten. Der Upit hat einen doppelten Boden
(Scheidnagel 126).

Die Dörfer der Igorroten sind nicht klein und erscheinen noch grösser
durch den Umstand, dass jedes Haus von dem anderen durch einen
viereckigen Hofraum geschieden ist (Semper, Erdk. XIII, 90), dieser
Hofraum ist von einem aus rohbehauenen Steinen zusammengefügten
Walle umgeben. Die Hütten sind je nach der Lage des Dorfes aus
verschiedenen Materialien hergestellt; wo spanisches Rohr und
Cogongras noch fortkommen, werden aus ersterem die Wände, aus
letzterem die Bedachung verfertigt, in den höheren Gebirgen dienen zum
Hausbaue Dielen und Balken aus Fichtenholz (Ilustracion 1860, n. 12,
p. 151). Die Igorroten-Hütten in den Niederungen von Lepanto haben
bereits ilocanisches Gepräge (Lillo 31). Der Grundriss ist viereckig,
die Zimmer sind vier Fuss hoch; zwischen der Zimmerdecke und dem
Dache ist der Reis aufgehäuft; selten läuft um das Haus eine Galerie
(Semper, Erdk. XIII, 90). Die Hütten haben keine Fenster und nur eine
einzige niedrige Eingangsthür, zu welcher man auf einer Leiter--denn
auch hier ruhen die Hütten etwas erhöht über dem Erdboden--gelangt
(Lillo 31). Der Feuerherd befindet sich gewöhnlich in der Mitte des
einzigen Zimmers (Semper, Erdk. XIII, 90). In manchen Gegenden umgeben
die Igorroten ihre Häuser mit Bambuszäunen (Scheidnagel 75). Das Innere
der Hütten starrt von Schmutz, Russ und Asche (Semper, Erdk. XIII, 90;
Mas, pobl. 24; Ilustracion 1860, n. 12, p. 151). Früher schmückten die
Igorroten das Äussere und Innere ihrer Behausungen mit den Köpfen der
erlegten oder geschlachteten Thiere aus, wodurch die ganze Umgebung
der Hütte durch infernalischen Gestank verpestet wurde (Mas, pobl. 20;
Semper, Erdk. XIII, 94), jetzt beginnt diese Sitte zu verschwinden,
wenigstens in Benguet und Lepanto.

Die Igorroten sind fleissige Ackerbauer, sie bauen Reis, Mais,
Patatas, Camote und verschiedene Gemüsegattungen, ferner Tabak. Kaffee
wird zwar in ihrem Lande gepflanzt, aber diese Plantagen sind im
Besitze und in Verwaltung von Spaniern und Mestizen (Lillo 41). Vor
dem Auftreten der Spanier scheinen sie nur Reis gebaut zu haben und
diesen nicht in genügender Menge, denn zu Ende des XVII. Jahrhunderts
tauschten die Igorroten in Ilócos nicht allein Schweine und Büffel,
sondern auch Reis ein (Morga-Stanley 284). Lillo Gracia sagt von
den Igorroten von Lepanto, dass sie beständig darnach streben, neue,
ihnen unbekannte Sämereien und Pflanzen anzubauen. Hie und da, wo das
schon kühlere Klima ihres Landes es zulässt, bauen sie Zuckerrohr,
Mangobäume und Apfelsinen (Semper, Erdk. XIII, 72).

Bewunderungswürdig ist die Anlage ihrer Felder an steilen Berglehnen
und das Berieselungssystem, welches ihren Äckern das nöthige Wasser
bringt. Die schroffsten Abhänge sind durch mühseliges Aufthürmen von
Felsblöcken in Terrassenfelder verwandelt worden (Semper, Skizzen 59,
und in Erdk. XIII, 91; Lillo 39). Den Feldern wird das Wasser durch
ausgezeichnet nivellirte Canäle zugeführt, Schluchten und Bergklüfte
werden durch primitive Aquäducte überbrückt, welche aus rinnenartig
ausgehöhlten Baumstämmen hergestellt sind (Lillo 40). Um fruchtbare
Äcker zu gewinnen, brennen die Igorroten grosse schöne Fichtenwaldungen
nieder (Lillo 46). Das Pflügen und der Terrassen- und Canalisirungs-Bau
liegt den Männern ob, alle übrige Feldarbeit ist Sache der Weiber und
Kinder (Lillo 32). Der Reis wird nicht geschnitten, sondern Halm für
Halm ausgerissen (Semper, Erdk. XIII, 91). Nach der Ernte werden die
Felder unter Wasser gesetzt und dann gepflügt. Zu letzterer Arbeit
wird nur in den Niederungen der Büffel mit benutzt, in den Berghöhen
arbeitet der Mensch allein (Lillo 39). Der Pflug ist eine Art Harke
(Semper, l. c.). In Lepanto besteht er aus eisenbeschlagenen Stäben,
welche die Erde aufreissen, worauf die Schollen durch Daraufschlagen
zerbröckelt werden (Lillo, l. c.).

Von einer Viehzucht in dem bei uns üblichen Sinne des Wortes ist
bei den Igorroten keine Rede. Sie besitzen zwar Büffel, Schweine
(und seltener) Rinder und Pferde, aber ohne sich mit deren Zucht
und Pflege zu befassen, so dass sie genöthigt sind, diese Thiere in
grossen Mengen in Ilócos aufzukaufen, denn bei ihren Festschmäusen
werden ungeheuere Massen Fleisch vertilgt, der Bedarf ist daher
ein grosser. Die Pferde werden nur des Fleisches wegen gezogen,
die wenigen, welche nicht dem Schlachtmesser verfallen, sind durch
frühe Dienstleistung bald ruinirt (Lillo 41). Auch der Hund muss sein
Fleisch hergeben. Da das letztere Thier, sowie das Schwein und das
Huhn nur unter gewissen Ceremonien und unter priesterlicher Beihülfe
geschlachtet werden können (Semper, Erdk. XIII), so ist der Schluss
berechtigt, dass diese drei Thiergattungen die einzigen Hausthiere der
Igorroten waren, als sie Luzon betraten und ihre jetzigen Wohnsitze
einnahmen. Trotz dieser Vorliebe und religiösen Scheu Schweinen und
Hühnern gegenüber sind die Igorroten von Lepanto so nachlässig und
träge, dass sie, anstatt diese Thiere selbst zu ziehen, solche zu
ziemlich hohen Preisen von ilocanischen Händlern einkaufen (Lillo
42). Die Hunde werden hingegen gut gepflegt und sogar Nachts in
die Hütte mitgenommen, wo Menschen und Thiere sich in der Nähe des
wärmenden Herdes lagern (Semper, Erdk. XIII, 90). Ställe für Büffel,
Rinder und Pferde giebt es nicht, diese Thiere müssen im Freien die
kühlen Nächte (in Benguet +7° R.) zubringen.

Ihre gewöhnliche Nahrung besteht in Camote, Reis, dem Fleische
ihrer Hausthiere und Wildpret, letzteres wissen sie für längere
Zeit zu conserviren (Ilustracion 1860, n. 12, p. 152). In der
Bereitung der Fleischspeisen sind sie nichts weniger als heikel, für
gewöhnlich braten sie das Fleisch, doch essen sie es auch im rohen
Zustande, selbst die Büffelhaut wird nicht verschmäht und in lange
Streifen zerschnitten noch blutig verschlungen (Semper, Erdk. XIII,
94). Ein Leckerbissen ist den Igorroten der in den Eingeweiden eines
frischgeschlachteten Büffels befindliche Koth (Mas, pobl. 23). Semper
(Erdk. XIII, 94) sah bei einem Festschmause, wie sie den Saft aus den
Excrementen eines geschlachteten Büffels als Sauce auf rohes Fleisch
auspressten. Sie geniessen das Fleisch auch im Fäulniss-Zustande
(Lillo 28).

Den grössten Theil ihrer Reisernte verwandeln sie in Bundang oder
Siniput, ein saures, berauschendes Bier (Semper, Erdk. XIII, 92). Ein
anderer gegohrener Trank wird aus Zuckerrohr bereitet und heisst
"Basig" oder "Basi".

Von den civilisirten Malaienstämmen der Philippinen unterscheiden
sie sich vorteilhaft dadurch, dass sie keinen Buyo kauen, dagegen
rauchen Männer und Weiber von früher Jugend an leidenschaftlich Tabak,
und zwar aus Pfeifen (Lillo 30). Letztere werden von ihnen selbst
fabricirt und bestehen aus Stein, Holz oder Bronze (Messing).

Sobald ein Weib Geburtswehen fühlt, eilt sie zu einem Flusse oder
Bache, in dessen Wasser sie das neugeborene Kind sofort badet,
dann legt sie das Kindlein in eine Art Korb, der über den Schultern
festgehalten wird und geht damit heim (Ilustracion 1860, n. 12,
p. 152). Werden Zwillinge geboren, so wird das zuletzt geborene Kind
der ersten besten Familie geschenkt, die es adoptiren will; findet
sich Niemand, der sich des armen Wesens erbarmt, so wird das Kind
erwürgt oder lebendig begraben (Lillo 25). Dieser barbarische Brauch
ist im raschen Schwinden begriffen. Das neugeborene Kind erhält den
Namen desjenigen, der es zuerst beschenkt, doch werden die Namen im
Leben mehrmals gewechselt (Lillo, l. c.).

Entgegen den liederlichen Sitten der Tagalen und Visayer hüten die
Igorroten ängstlich die Keuschheit ihrer Mädchen. Sobald die Kinder
geschlechtsreif werden, tritt eine vollständige Isolirung der Jünglinge
und Mädchen ein. In jedem Dorfe giebt es zwei grosse Häuser, in dem
einen bringen die Jungfrauen, in dem anderen die Jünglinge die Nacht
zu; ein Greis bei den letzteren, eine Greisin bei ersteren führen die
Oberaufsicht und verhindern, dass Jemand zur Nachtzeit sich hinaus-
oder hereinschleiche (Lillo 27). Bei Tage werden die Jungfrauen bei
jedem Ausgange von älteren Frauen ihrer Familie oder dem Vater selbst
begleitet und bewacht (Lillo, l. c.). Der Fehltritt eines Mädchens
wurde bei einigen Stämmen mit dem Tode (Mas, pobl. 23), bei anderen
durch schwere Züchtigung bestraft (Lillo 29). Diese Strenge bewirkte,
dass die Mädchen, welche ihren Trieben freie Zügel schiessen liessen,
indem sie die Wachsamkeit ihrer Aufseher täuschten, vorgaben, von Affen
im Walde genothzüchtigt worden zu sein (Mittheilungen des Fray Lorenzo
Juan in Mas, pobl. 23). Der Verkehr mit den eingewanderten christlichen
Ilocanen und Pangasinanen, sowie mit den Soldaten der Forts hat diese
reinen Sitten auf vielen Punkten untergraben (Lillo 32).

Verliebt sich ein Jüngling in ein Mädchen und sind beide Eltern einem
Ehebündnisse ihrer Kinder geneigt, so gestatten die Eltern der Braut
dem Jünglinge, mit ihrer Tochter im Concubinate zu leben, denn es gilt
vor Allem, die Fruchtbarkeit derselben zu erproben (Lillo 27). Wird
die Braut binnen einer bestimmten Frist schwanger, so findet erst die
Hochzeit Statt, im entgegengesetzten Falle tritt der Bräutigam zurück
(Lillo, l. c.). Wer ohne Grund seine Braut verliess, wurde früher
geköpft (Lillo 29). Die Hochzeit beginnt mit einem religiösen Acte:
die Priesterin erscheint, und unter Anrufung der Anitos verrichtet sie
in Gegenwart aller Verwandten ihren Hocuspocus. Während der ganzen
Ceremonie ruht der Fuss des Bräutigams auf dem der Braut (Lillo
27). Dann folgt der Festschmaus, welcher oft 8 bis 9 Tage dauert,
während dieser Zeit bleibt das Ehepaar unsichtbar (Mas, pobl. 19).

Die Igorroten kennen nur die Monogamie, und die Heiligkeit der Ehe
wird ungemein hochgehalten. Die noch unabhängigen Igorroten tödten
jedes ehebrecherische Weib durch Kopfabschlagen, die unter spanischer
Herrschaft stehenden lassen es mit einer schweren körperlichen
Züchtigung bewenden (Lillo 29). Die Ehen sind nur durch den Tod
löslich (Lillo 27). Die Witwe gehört zur Familie ihres verstorbenen
Gatten, ohne deren (seltene) Einwilligung sie sich nicht wieder
vermählen darf, in welchem Falle sie jedes Recht auf ihre Kinder
von ihrem ersten Gatten verliert, deren Vormundschaft und Schutz
der Familie desselben zufällt (Lillo 27). Der Witwer darf sich erst
nach sieben Jahren wieder verheirathen, während dieser ganzen Zeit
fordert der gute Anstand von ihm, durch dumpfes Stillschweigen und
Vorsichhinbrüten, sowie durch gänzliche Vernachlässigung der ohnehin
geringen körperlichen Reinlichkeit, seine Trauer um die verstorbene
Gattin zur Schau zu tragen (Lillo, l. c.).

Im Familienleben der Igorroten fällt angenehm die Hochachtung auf,
welche den Greisen gezollt wird (Lillo 29), minder vortheilhaft
klingt die Meldung, dass noch im Anfange dieses Jahrhunderts die
Igorroten ihre Kinder gern an die guten Christen von Ilócos und
Pangasinán verkauften. Die Kinder wurden von den "edlen" Indiern zu
Viehhirten und Knechten aufgezogen, der Preis schwankte zwischen 20
bis 30 Pesos, nur mit grosser Mühe gelang es der spanischen Regierung,
diesen schändlichen Handel mit lebendigem Menschenfleisch auszurotten
(Mas, pobl. 34).

Ist ein vornehmer Igorrote verschieden, so wird eine Priesterin geholt,
welche an die Leiche Fragen stellt, wie z. B.: "Warum hast du deine
Verwandten und Freunde verlassen?" Dann werden alle Verwandten, auch
die entferntesten, von dem Todesfalle benachrichtigt, welche auch
insgesammt erscheinen; jeder tritt vor den Todten, grüsst ihn und
drückt ihm die Hand, wobei er die oben erwähnte Frage der Priesterin
wiederholt. Der Leichnam wird nicht eher begraben, als bis alle
Blutsfreunde ihm diese letzte Ehrenbezeugung erwiesen, was oft 8 bis
9 Tage währt; bei den mehr civilisirten Igorroten wird die Leiche
früher bestattet oder wenigstens auf den Friedhof gebracht (Lillo
25 f.). Während der ganzen Zeit, wo der Todte von seinen Verwandten
begrüsst und besucht wird, feiert man vor dem Hause ein Cañao (Fest),
d. h. es werden ungeheuere Quantitäten Fleisch und Reis verschlungen
und noch viel mehr Basi getrunken. Der Aufwand ist oft so übertrieben,
dass manche Familie durch ein solches Todtenfest vollständig verarmt
(Lillo 26). Die Igorroten von Benguet begraben ihre Todten ohne die
angeführten Ceremonien und überdiess kurze Zeit nach der Sterbestunde
(Semper, Erdk. XIII, 95). In einigen Gegenden werden die Leichen
über einem Feuer gedörrt (Lillo 26 u. Semper, l. c.) in anderen,
wiewohl selten, auch einbalsamirt (Semper, Erdk., l. c.). Der Leichnam
wird sitzend (Lillo 26, Semper, l. c.) in einen kistenartigen Sarg
gesteckt, welcher, wenigstens in Lepanto, aus einem Holze verfertigt
wird, das angeblich die Fäulniss verhindert (Lillo, l. c.). In Benguet
bestehen die Särge, an welchen mitunter Schnitzereien angebracht sind,
aus Fichtenholzbrettern (Semper, Erd. XIII, 96). In den Sarg werden
Lebensmittel mitgegeben. Ein Sarg enthält oft zwei und mehr Leichen
(Semper, Erdk. XIII, 96). In Benguet werden die Todten meist unter
oder neben den Häusern bestattet (Semper, Erdk. XIII, 95), jedoch
werden mit Vorliebe Höhlen zu Begräbnissplätzen ausgesucht (Lillo 6),
was um so bemerkenswerther ist, als auch die Visayer vor der Annahme
des Christenthums dieselbe Weise der Todtenbestattung ausübten. Die
Höhlen werden, wo die Natur sie nicht gebildet, künstlich vermittelst
des Feuers in den Felsen hineingearbeitet (Semper, Erdk. XIII, 96). Die
Begräbnissstätten der Häuptlinge und Vornehmen heissen "Luddut", jede
Familie hat da ihren bestimmten Platz, gleichsam ihre Familiengruft
(Mas, pobl. 18). Früher geschah es mitunter, dass die Leiche (bei
Leuten geringeren Standes) von den Cañao-Festgenossen aufgezehrt
wurde. Mas (pobl. 19) erwähnt einen solchen Vorfall, der sich in der
Igorroten-Niederlassung Baruncucureng bei dem Pueblo Tagudin noch in
diesem Jahrhunderte zugetragen hat.

Jeder Mord und Todtschlag, welchen ein Fremder verübt, wird durch
Blutrache gegen dessen Dorf gesühnt, falls nicht Wehrgeld erlegt
wird (Mas, pobl. 18). Bei ihrem zu Gewaltthaten geneigten Sinne
und dem Ruhm, den jener geniesst, der seine Hütte mit recht vielen
Menschenschädeln schmücken kann, nimmt die Schlächterei unter ihnen nur
dort ein Ende, wo die Autorität der spanischen Behörden volles Gewicht
hat. Die Igorroten von Benguet zeichneten sich durch eine grössere
Kriegslust aus als die Buriks und Busaos. Die Bewohner von Ilócos und
Pangasinán waren in den Zeiten, wo die Igorroten noch unabhängig waren,
beständig durch Banden dieser Kopfjäger beunruhigt. Bei einzelnen
Stämmen herrschte früher der Brauch, dass, wenn ein Todter 2, 3,
4 &c. Finger der Hand ausgestreckt hielt, seine Hinterbliebenen
ebensoviele Menschen tödten mussten; so nahm das Morden kein Ende
(Mas, pobl. 23). In der bestialischen Wuth tranken sie mitunter das
warme Blut des Unglücklichen, dem sie soeben den Kopf abgeschlagen
(Mas, pobl. 22). Kehrte ein Kopfjäger mit seiner schauerlichen
Beute heim, so erschienen die gesammten Bewohner des Ortes in dem
Hause desselben und tanzten unter wildem Geschrei und Gejohle um die
blutigen Feindesköpfe, Reis- und Zuckerrohr-Branntwein wurde in Massen
vertilgt, und Tage verstrichen oft, ehe diese entsetzliche Festlichkeit
endete, welche den Blutdurst und die Roheit der Igorroten in grellem
Lichte offenbarte (Lillo 24). Den Krieg führten sie am liebsten im
Hinterhalte, wurden sie aber vom Feinde im offenen Felde angegriffen,
so wussten sie sich mit grosser Bravour zu vertheidigen. Wollten die
Igorroten herannahenden Fremden erklären, dass ein Betreten ihres
Gebietes gleichbedeutend mit einer Kriegserklärung wäre, so legten
sie Bogen und Pfeil auf den Weg und besprengten die Erde mit Blut
(Mas, pobl. 44). Sie warfen auch Schanzen auf, um Feinden den Zugang
in ihre Thäler zu versperren (Galvey's Tagebuch in Mas, pobl. 58).

Ihre Religion erinnert lebhaft an jene der alten Tagalen. Sie glauben
an ein oberstes göttliches Wesen, welches die ganze Schöpfung regiert
und nennen es "Apu" oder "Apo" oder (in Lepanto) "Lumaoig" (Lillo
21). Die Gemahlin des Apu heisst Bangan, seine Kinder sind der Sohn
Ubban und die Tochter Bugan. Ausserdem giebt es zwei Untergötter:
Cabigat und Suyan. Diese Gottheiten wohnen am westlichen Himmel und
stehen mit den Menschen durch die Anitos im Verkehr (Lillo, l. c.). Die
Namen der Götter werden in jedem Dorfe verschieden angegeben. Donnert
es, so sagen sie, der Gott Cabuniang verlange Schweine [15] zum
Opfer, sie kommen auch seinem Verlangen unter grossen Festlichkeiten
nach (Mas, pobl. 16). Den Igorroten am Rio Agno wird die Sonne zur
Gottheit, als deren Kinder die Götter Magsib und Caspök gelten, welche
letzteren in Krankheitsfällen angerufen werden und auch sonst einen in
Festlichkeiten bestehenden Cultus besitzen (Semper, Erdkunde XIII, 94).

Den Göttern wird aber viel weniger Verehrung erwiesen, als den Seelen
der verstorbenen Ahnen, den Anitos. In jedem Dorfe befindet sich
ein heiliger Baum, den man als Wohnsitz von Anitos ansieht. Unter
diese Bäume werden Opferstöcke hingestellt, welche natürlich dem
ersten vorbeistreifenden Hunde ein willkommenes Fressen bieten. Vor
diesen Bäumen stehen oft (Lillo 20) Felsblöcke oder Steine in
Form von Altären, auf welchen die Opfer den Anitos dargebracht
werden. Am unteren Rio Agno giebt es nur hie und da Opferplätze
(Semper, Erdk. XIII, 94). Der Anito-Cultus zieht wie der rothe
Faden in dem Tauwerk der englischen Marine durch alle Anschauungen,
Sitten, Bräuche und Lebensgewohnheiten der Igorroten. Bei jedem
Anlasse werden sie angerufen und jeder Vorfall, besonders wenn er
schlimmer Natur ist, ihrem Einflüsse zugeschrieben, deshalb sucht
man sie sich stets gewogen zu erhalten. Vor der Aussaat des Reises
wird ihnen ein grosses Opferfest abgehalten, damit sie Saaten und
Felder schützen &c. Die Anitos rufen auch die Krankheiten hervor und
erzeugen verderbliche Dünste in Feld und Flur. Die Igorroten des in
Lepanto liegenden Ortes Cabugatan halten die Aale ihres Baches für
Verkörperungen ihrer Anitos, weshalb sie ihnen nicht nur kein Leid
zufügen, sondern sie selbst füttern (Lillo 21). Mitunter findet man
(in Lepanto) rohe Holzbilder, welche einen stehenden oder hockenden
Mann darstellen, es sind diess Bilder der Anitos. Semper traf bei den
südlichen Igorroten keine derartigen Bilder. Besonders zur Nachtzeit
ziehen die Anitos herum, um Schaden zuzufügen (Mas, pobl. 17).

Die Igorroten besitzen einen Priesterstand, dessen Mitglieder der
Mehrzahl nach Weiber sind, wie diess bei den Tagalen und Visayern
in den Zeiten der Conquista ebenso der Fall war. Der männliche
Priester heisst Mambunung, in jedem Dorfe ist nur einer, der erst
auf dem Todtenbett seinem Sohne die Gebetsformeln mittheilt (Semper,
Erdkunde XIII, 94). Diese Mambunungs heilen auch Krankheiten, indem
sie das Gesicht des Leidenden mit dem Blute eines geschlachteten
Opferthieres beschmieren; als Bezahlung erhalten sie Gold und die
besten Fleischstücke des Opferthieres (Semper, l. c.). Schweine,
Hunde und Hühner dürfen nicht geschlachtet werden, ausser sie werden
vom Mambunung eingeweiht und Theile ihres Fleisches den Göttern oder
Anitos geopfert.

Meist werden alle religiösen Ceremonien durch Priesterinnen, die
sogenannten "Asiteras", geleitet, es sind diess gewöhnlich alte
Weiber, welche die Opfer bei den religiösen Festen, den Cañaos,
zu verrichten haben. Die Anlässe zur Veranstaltung solcher sind
verschiedenartigster Natur, wie: Erkrankung, plötzliches Umstehen des
Viehes, eine Leichenbestattung, Hochzeiten, das Erblicken gewisser
Vögel oder einer Ratte, welche den Weg kreuzt, ferner der Neubau
eines Hauses oder der Aufbruch eines Kopfjägers, der Blutrache ausüben
will (Lillo, 19 f.). Die Asiteras leiten das Fest, das in ein Fress-
und Saufgelage ausläuft, mit dem Schlachten eines Opferthieres ein,
indem sie unter Hersagen verschiedener Stossgebete und Ausrufungen
mit dem Opferblute die Umstehenden oder das Anitobild besprengen. Die
Asiteras geben vor, von einem Anito begeistert zu sein (Lillo 20). Zum
Abhalten dieser religiösen [16] Feste, Cañaos, besitzt jedes Dorf einen
kleinen Schuppen, vor dem ein offener Platz sich befindet (Lillo 24).

Das Erscheinen des Regenbogens halten die Igorroten für ein gutes Omen,
kreuzt hingegen eine Schlange den Weg, so kehren sie augenblicklich um
(Mas, pobl. 16). Wenn sie irgendwohin aufbrechen wollen, so zünden sie
ein Feuer an, schlägt der Rauch nach der ihrem Ziele entgegengesetzten
Richtung, so halten sie diess für ein sehr schlimmes Zeichen und
unterlassen sofort den Zug (Mas, l. c.). Unter ihren "abergläubischen"
Bräuchen verdient folgender einer Erwähnung: Wenn bei dem Neubaue eines
Hauses Jemand bei der Errichtung der Grundpfeiler niest, so muss der
Bau sofort unterlassen werden, sonst würde von den Betheiligten einer
bald sterben müssen (Lillo 23).

Das Christenthum hat zwar bei ihnen Eingang gefunden, breitet sich aber
nur langsam, wenn auch sicher, aus. Man hat schon in den vergangenen
Jahrhunderten Versuche gemacht, sie zum Christenthume zu bekehren, aber
P. Mozo (Misiones 80) gesteht freimüthig, dass die wenigen Igorroten,
welche die Taufe nahmen, diess nur thaten, um ihre Stammesgenossen um
so leichter und wohlfeiler mit Mänteln, Schweinen, Kühen und (Palm-)
Wein zu versehen.

Über ihre nationalen Rechtsverhältnisse ist mir so gut wie Nichts
bekannt. In zweifelhaften Fällen waren Gottesurtheile, wenn ich diesen
Ausdruck hier anwenden darf, üblich. Zwei Arten derselben erwähnt
Lillo (Lepanto 20). Mit einem spitzen Eisen von der Grösse und Gestalt
eines kleinen Nagels werden die Köpfe der Streitenden geritzt, wer
bei dieser Operation mehr Blut verliert, hat den Streit verloren. Ein
anderes Mal wird ein kleiner Scheiterhaufen angezündet, worauf jeder
der Streitenden ein gefesseltes Huhn in die Flammen wirft. In dem
Augenblicke, wo die armen Thiere in den letzten Zügen liegen, werden
sie wieder aus dem Feuer herausgezogen und der Leib geöffnet, wessen
Huhn eine grössere Galle besitzt, der hat den Process verloren.

Das Jahr zählen sie nach Ernten, die Monate nach Monden, die
Stunde nach dem Stande der Sonne (Lillo 44). Ihre Gesänge sind
monoton und nach unseren Begriffen unharmonisch, der Kriegsgesang
besteht eigentlich nur aus einem gellenden Geschrei (Lillo 24). Ihre
Musikinstrumente sind nicht zahlreich, zu erwähnen wäre zunächst
der Batitin, eine Trommel aus einem ausgehöhlten Baumstamme (Lillo
28), denselben Namen giebt Semper (Erdk. XIII, 93), nur mit einer
geringen Modification--batiting--, den auch bei den Igorroten üblichen
Gongs. Prof. Semper erwähnt an derselben Stelle auch eine Trommel,
welche die Form einer Kanone besitzt und mit einem Stück Stierleder
überzogen ist. Der Gong der Igorroten von Lepanto heisst la Ganza,
er besteht aus Bronze. Zur besseren Handhabung ist an die Ganza ein
Henkel angemacht, welcher aus dem Kinnbacken eines Feindesschädels
besteht, so adjustirte Ganzas haben einen besonderen Werth (Lillo 29).

Die vornehmen Igorrotenfamilien wetteifern miteinander in
Veranstaltungen von grossen Festschmäusen. Zu diesen Festen werden
nur die Vornehmsten des Ortes persönlich eingeladen, die übrigen
Dorfbewohner erscheinen auf das Signal von Trommelschlägen. Ehe das
Gelage seinen Anfang nimmt, wird getanzt. Bei den südlichen Igorroten
treten bei solchen Festen als Tänzer ein Weib mit drei bis vier
Männern auf. "Das Weib dreht sich, die Arme bald weit ausstreckend,
bald sie über die Brust kreuzend, wobei sie sich tief gegen die (schon
bereitstehenden und mit Reisbier gefüllten) Krüge verneigt, nach
einer Seite im Kreise um diese herum, in entgegengesetzter Richtung
bewegen sich die Männer, deren Anführer ein breites buntfarbiges Tuch
über Brust und Schultern trägt und lebhaft mit den Armen gesticulirt"
(Semper, Erdk. XIII, 93). Der Tanz der Igorroten von Lepanto besteht
in einem schnellen Bewegen der Beine, ohne die Füsse vom Boden zu
erheben oder den Körper zu bewegen, dabei halten die Mädchen ein
Tuch in den Händen, hinter welchem sie sich anscheinend zu verbergen
suchen, ähnliches thut der Mann, nur fingirt er das fehlende Tuch;
es tanzt immer nur ein Paar, welches rasch durch ein anderes ersetzt
wird (Lillo 29).

Beim Kriegstanze ahmen die mit Schild und Lanze bewaffneten Tänzer
ein Gefecht nach (Lillo, l. c.), doch beginnt diese Sitte rasch zu
schwinden, da bei den den Spaniern unterworfenen Igorroten keine
Kriege mehr geführt werden.

Ihre Industrie ist nur in Bezug auf Metallarbeiten und Bergbau von
Belang. Sie besitzen zwar kleine Webeapparate (Lillo 42), können
aber damit nur den geringsten Theil ihres Bedarfes an Baumwollgeweben
decken. Aus der Rinde des mächtigen Baumes Baliti bereiten sie durch
Klopfen und Dörren an der Sonne einen überaus haltbaren Stoff, welchen
sie zu ihrem Kopfbunde, zu Schlafteppichen &c. verwenden (Scheidnagel
126). Im Flechten von Körben, Matten und Hüten sind sie sehr geschickt,
letztere Industrie nimmt immer mehr an Bedeutung zu. Aus Holz werden
verschiedene Sachen, als Tabakspfeifen, Schüsseln &c. geschnitzt. Die
"Latoc" genannte Holzschüssel hat zwei Höhlungen, eine für das Salz,
die andere viel grössere für die eigentliche Speise (Scheidnagel
126). Sie sind ausgezeichnete Schmiede, ihre Werkstätten liegen
nie im Dorfe, sondern tief im Walde versteckt (Semper, Erdk. XIII,
92). Aus Kupfer fabriciren sie Kessel, Kochtöpfe, Tabakspfeifen,
Ketten und ähnliche Dinge. Auch Felle wissen sie gut zuzubereiten,
besonders verdienen die aus dem bunten Felle der Bergkatze bereiteten
Tabaksbeutel Beachtung (Scheidnagel 127).

Im Bergbau übertrafen sie die übrigen Malaienstämme der
Philippinen. Die reichen Kupferminen um den Mte. Datá, in Mancayan
&c. werden von ihnen ergiebig ausgebeutet, ebenso die Goldgruben von
Acupan, Apayao und Suyuc. Jede Familie in den erzführenden Districten
hatte ihr eigenes streng abgegrenztes Schürfgebiet. "Zur Förderung
des Erzes bedienten sie sich des Feuersetzens, indem sie an geeigneten
Stellen Feuer anzündeten, um durch die Spannkraft des in den Spalten
enthaltenen erhitzten Wassers, mit Zuhülfenahme eiserner Werkzeuge
den Felsen zu zerkleinern. Die erste Scheidung des Erzes wurde in dem
Stollen selbst vorgenommen, das taube Gestein blieb liegen und erhöhte
den Boden, so dass bei späterem Feuersetzen die Flamme der Holzstösse
stets die Decke traf" (Santos, Informe sobre las minas de cobre,
in Jagor, Reisen, p. 147). Reiche Erze wurden einfach geschmolzen,
die quarzhaltigen einer sehr starken Röstung unterzogen (Jagor,
l. c.). Scheidnagel (p. 98) führt die Gattungen des Goldgewinnes
an: Die einfache Wäsche, Galerienbau und Zerklopfen des erzhaltigen
Gesteines. Die Schmelzöfen der Igorroten bestehen aus einer runden
Vertiefung im Thone und haben einen Durchmesser von 0,3 m und eine
Tiefe von 0,15 m. "Eine damit in Verbindung stehende 30° gegen die
Vertiefung geneigte conische Röhre von feuerfestem Gestein nahm
zwei Bambusrohre auf, die in die unteren Enden zweier ausgehöhlter
Fichtenstämme eingepasst waren, in denen sich zwei an ihrem Umfange
mit trockenem Grase oder Federn bekleidete Scheiben abwechselnd auf-
und abbewegten und die für das Schmelzen erforderliche Luft zuführten"
(Jagor, l. c. 148). Der Kupferbergbau hat stark nachgelassen (Drasche,
Fragm. zu einer Geol. 36), indem die reichsten Kupferminen sich
jetzt im Besitze spanischer Actiengesellschaften und Capitalisten
befinden, bei denen die Igorroten, die einstigen Grubenbesitzer,
Taglöhnerdienste verrichten (Lillo 52). Das Goldwaschen ist noch heute
in ihren Händen; in den Zeiten ihrer Unabhängigkeit war der Goldhandel
allein Monopol der vornehmen Familien, denen die Plebejer--wenn ich
so sagen darf--alles gefundene Gold abliefern mussten (Mozo 81). Die
Igorroten in der Umgebung von Suyuc bringen noch jetzt Gold im Werthe
von 12 000 Dollars in den Handel (Lillo 42).

In den Zeiten der Unabhängigkeit bildete--und für die noch jetzt nicht
unterworfenen Stämme gilt dasselbe--jedes Dorf einen Staat für sich
(Lillo 17), wir finden also hier, wie schon Mas erwähnte (Mas, historia
I, 10), dieselbe staatliche Zersplitterung wie bei den heutigen
Indios civilisados in der Periode der Conquista. Der Häuptling des
Dorfes gehört dem Adel an, jedoch scheint diese Würde nicht in einer
einzigen Familie erblich zu sein, sondern der Tapferste--dann Mainguel
genannt--oder Reichste wird Chef eines Dorfes (Lillo 17). Seine Macht
ist sehr beschränkt, denn die eigentliche Regierung liegt in den Händen
der gesammten Adeligen (Lillo 18). Diese werden "Bacnanes" genannt,
ihnen gehört der ganze Boden und das Ackerland des Dorfstaates, in
welchem gewöhnlich vier, sechs oder mehr solcher Magnatenfamilien
leben. Die übrigen Dorfbewohner sind nichts anderes als Leibeigene
des Adels, dessen Felder sie zu bestellen haben und denen sie sonst
zu Diensten stehen; als Lohn erhalten sie dafür Speise und Trank
(Lillo 18). In Lepanto werden sie Cailianes genannt (Lillo, l. c.),
d. h. ebenso, wie die Plebejer in Ilócos. Die einzelnen Dorfstaaten
waren beständig miteinander im Kriege begriffen.

Den ersten Versuch, die Igorroten der spanischen Krone und dem
Katholizismus zu unterwerfen, unternahmen die Spanier 1660, er misslang
so wie mehrere andere Expeditionen, bis es 1829 den Spaniern gelang,
festen Fuss im Lande zu fassen, seitdem ist ein Igorroten-Territorium
nach dem anderen durch Güte und Gewalt annectirt worden. Vom 4. bis
7. März 1880 fanden neue blutige Kämpfe mit noch unabhängigen
Bergstämmen Statt, welche siegreich für die Spanier endeten.

Die unterworfenen Igorroten haben dieselbe Gemeindeverfassung und
Autonomie erhalten, wie die übrigen Eingeborenen der Philippinen. Jede
Ranchería (Dorf) wählt einen Gobernadorcillo oder Gemeindevorsteher,
Wähler sind die vornehmsten Dorfbewohner, d. h. die Bacnanes (Lillo
34). Die Gemeindegebiete sind scharf abgegrenzt, um Zusammenstösse
und Streitigkeiten bei den fehdelustigen Igorroten zu vermeiden. Sie
haben ebenso die Servicios und Polos zu leisten wie die Tagalen, es
ist jedoch bemerkenswerth, dass diese öffentlichen Arbeiten meist
von Weibern verrichtet werden, welche ihre Männer vertreten. Nur
in Bezug auf den Tribut (die Kopfsteuer) haben die Igorroten einen
grossen Nachlass, sie zahlen gleichsam nur eine Taxe.

Die spanische Regierung hat auch unter ihnen Schulen gegründet, in
denen die Kinder im Lesen und Schreiben der spanischen Sprache, im
Rechnen und in der katholischen Religion unterrichtet werden. 1876
besass der District Lepanto 7 Schulen, welche von 562 Kindern
regelmässig besucht wurden, von welchen 110 fertig spanisch lesen
und schreiben konnten (Lillo 44). Einige erwachsene Igorroten von
Lepanto verstehen im ilocanischen Dialekte zu schreiben, andere können
wenigstens ihren Namen unterschreiben (Lillo, l. c.). Jedenfalls
verdient der gute Wille der Colonialregierung alle Anerkennung.




8. Altasanen (Altasanes) und Ilamuts.

Wo diese beiden den Igorroten naheverwandten Stämme ihre Wohnsitze
haben, war mir nicht möglich sicher zu ergründen. Nicht einmal der
Name des ersteren Stammes ist sichergestellt, indem Mas (pobl. 14)
und nach ihm Bastian (Reisen V, 272) Altabanes schreiben, während
Buzeta y Bravo die Schreibweise Altasanes führt. Merkwürdigerweise
scheint Dr. Bastian, durch diese verschiedene Schreibweise verleitet,
Altasanes und Altabanes für zwei verschiedene Stämme zu halten
(vgl. Bastian, Reisen V, 272 u. 274). Altasanen und Ilamuts verehren
einen Gott Namens Cabiga und dessen Frau, welche bei Buzeta (Dicc. I,
60) Bujan, bei Mas (pobl. 14) Bujas heisst. Das ist Alles, was wir
über diese beiden Stämme wissen. Ihre Wohnsitze sind jedenfalls in
der Provinz Nueva Vizcaya zu suchen.




9. Bujuanos.

Die Bujuanos sind ein ebenfalls den Igorroten naheverwandter Stamm
in der Provinz Isabela (Scheidnagel 35). Ihre Wohnsitze konnte ich
nicht näher ermitteln.




10. Panuipuyes.

Die Panuipuyes oder Panipuyes sind Igorrotenstämme, von denen
nichts weiter bekannt ist als der Name (Mas, pobl. 28; Buzeta I,
58). Wohnstätten wahrscheinlich im westlichen Nueva Vizcaya oder
Isabela. Vielleicht sind sie nur ein Zweig der Mayoyaos.




11. Isinays.

Die Isinays wohnen am mittleren Rio Agno bis gegen den von den
Spaniern Caraballo Sur genannten Gebirgsstock, im westlichen Theile
der ehemaligen Provinz Ituy. In ihren Sitten und Bräuchen gleichen
sie den Bergstämmen der nördlichen Nachbarstriche. Zwischen 1715-40
wurden sie zum Christenthume bekehrt (Mozo 40 f.). Im Jahre 1788 gab
es noch 3900 wilde Isinays (Mas, pobl. 38). Sie scheinen jetzt ihren
Dialekt einzubüssen und vollständig in die Pampangos und Pangasinanen
einzugehen.

Mit ihnen naheverwandt scheinen die Jumangis zu sein, die seit Mozo
(Misiones 58) kein neuerer Schriftsteller erwähnt.




12. Abacas.

Die kleine Nation der Abacas lebt südlich vom Bergstock Caraballo Sur,
in der Umgegend von Caranglan. Ihre Sprache scheint erloschen zu sein,
wenigstens machen die spanischen Censuslisten hiervon keine Erwähnung,
früher besassen sie aber ein eigenes Idiom, das sich selbst von dem
der ihnen sonst in Sitten ähnlichen Italonen unterschied, wie diess
Fr. Antolin de Alzaga, der unter ihnen 1702 als Missionär lebte,
ausdrücklich hervorhebt (Mozo 20). Von den Italonen, mit denen sie in
beständigem Kriege begriffen waren, unterschieden sie sich auch durch
die Polygamie, die bei ihnen üblich war (Mozo, l. c.). Sie scheinen
Kopfjäger gewesen zu sein, heute sind sie friedliche Christen.




13. Italonen (Italones).

Die Italonen wohnen nördlich vom Caraballo Sur im südlichen Theile
der Provinz Nueva Vizcaya, wo auch ihre grösseren Orte Lublub,
Bayombon, Dupax &c. liegen. Sie sind erst seit dem Anfange des vorigen
Jahrhunderts allmählich zum Christenthum bekehrt worden, das aber nur
oberflächlich an ihnen haftet. Im Jahre 1702 zählten sie 52 Dörfer,
welche ein nettes Aussehen hatten, ihre Hütten waren von ansehnlicher
Grösse. Obwohl sie eifrige Jäger waren und der Fischfang in ihren
Bächen und Flüssen reichliche Beute lieferte, so bildete dennoch Reis
ihre Hauptnahrung, sie bestellten die Äcker mit Sorgfalt und waren
durch Aufspeichern von Reisvorräthen in der Lage, bei etwa eintretenden
Missernten der Hungersnoth vorzubeugen (Mozo 19 u. 26). Ob sie andere
Hausthiere als den Hund besassen, ist mir nicht bekannt, obwohl manches
darauf schliessen lässt, dass der Büffel und das Schwein wenigstens
in geringer Zahl gezüchtet oder eingehandelt wurden. Aus Zuckerrohr
bereiteten sie ein berauschendes Getränk, Ilang genannt (Mozo 32). Ihre
Waffen waren Lanze, Waldmesser und Schild. Ihre unbändige Kriegslust,
die gegen ihre sonstige Liebenswürdigkeit (Mozo 19) eigenthümlich
abstach, reizte sie zu beständigen Fehden mit den Nachbarstämmen,
insbesondere den Abacas und den Balugas, wobei derjenige den grössten
Ruhm davontrug, der die meisten Feindesschädel heimbrachte, denn sie
waren Kopfjäger (Mozo 32, 35). Diese eigenthümlichen Trophäen wurden
in der Hütte sorglich aufbewahrt, nur pflegten sie vorher den Schädel
seiner Zähne zu berauben, um damit den Handgriff ihres Hackmessers
auszuschmücken (Mozo 22). Ihre Kriegführung beruhte hauptsächlich auf
List und Überrumpelung, der offene Kampf, Mann gegen Mann, wurde so
sehr als möglich gescheut; am liebsten überfielen sie den Feind in der
Nachtzeit (Mozo 34). Die erlittenen Wunden, sowie andere Krankheiten
heilten sie durch verschiedene Kräuter, über welche Mozo (Misiones
56) eingehend berichtet. Sie sollen auch das Blut der erschlagenen
Feinde getrunken und Theile von deren Hinterhaupte und Eingeweiden roh
verzehrt haben, um den Muth des Erschlagenen zu erben (Mozo 32 f.; Mas,
pobl. 22). Starb ein angesehener Häuptling, so hüllten sie ihre Waffen
zum Zeichen der Trauer ein, und diese Ceremonie nannten sie Magbalata.

Wie bei den Igorroten war auch bei ihnen nur Monogamie üblich,
die Ehen konnten nur durch den Tod eines der Gatten gelöst werden
(Mozo 19). Kebsweiber neben der Gattin zu halten, war untersagt,
auch durften Blutsverwandte keine Ehen untereinander eingehen (l. c.).

Über ihre frühere Religion stehen mir nur die dürftigen Notizen des
Augustiners P. Arzaga zur Verfügung. Nach diesen glaubten sie an
einen einzigen Gott, der die Guten belohne und die Bösen bestrafe,
doch wussten sie nicht zu sagen, in was die Belohnung bezw. Strafe zu
bestehen hätte. Dieser Gott hatte nach ihrer Ansicht im Himmel seinen
Wohnsitz. Auffallend ist, dass dieser Gott unbeweibt lebt, während
sonst alle Bergstämme von Nord-Luzon nur Götterpaare kennen. Sie
glaubten auch an die Unsterblichkeit der Seele, was den Schluss zu
ziehen gestattet, dass der Ahnencultus ihnen nicht unbekannt gewesen
sein mag.

Von diesen erwähnten und dargestellten Bräuchen und Sitten hat sich
wenig erhalten, das Christenthum hat ihrem ganzen Leben tagalisches
Gepräge verliehen.




14. Ibilaos.

Die wilden Ibilaos wohnen in den Grenzdistrikten von Nueva Vizcaya und
Nueva Écija, vom Caraballo Sur gegen Norden und Nordwest ihre Sitze
ausdehnend. Bei den Orten Levang, S. Fabian und Tongbon treten sie
in unmittelbare Berührung mit den civilisirten Indiern. Sie streichen
bis zum Caraballo del Baler hinüber.

Sie sind von kleiner Statur und geringer Körperstärke (Buzeta I,
57). Sie scheinen keinen Ackerbau zu treiben, sondern nur von der
Jagd und dem Raube sich zu nähren, was vielleicht auf eine starke
Beimischung mit Negritoblut zurückzuführen ist. Buzeta und Bravo
bezeichnen das Leben, welches sie führen, als ein nur elendes (Buzeta,
l. c.).

Wie bei den meisten Bergstämmen Luzons herrscht auch bei ihnen die
Sitte der Kopfjägerei (Buzeta I, 57; Mas, pobl. 28). Sie lauern
im Hinterhalte auf den Nichts ahnenden Reisenden, den sie mit
sicherer Hand mit ihren Pfeilen tödten (Mas, l. c.). Es erinnert
diess auffallend an die Negritos. Ihre Pfeile sollen nach Bastian
(Reisen V, 274) vergiftet sein, ich weiss nicht, welcher Quelle diese
Notiz entnommen ist. Auch sie schmücken ihre Waffen mit den Zähnen
der erschlagenen Feinde. Ihre Zahl ist sehr gering (Mas, pobl. 28);
am 2. Mai 1851 zählte man in der Provinz Nueva Vizcaya 330 erwachsene
unterworfene Ibilaos (Diaz Arenas 515).

Von ihrer Religion ist Nichts bekannt; nach Semper (Erdkunde XIII,
94) "sollen" sie am Caraballo Sur Tempel besitzen, was höchst
unwahrscheinlich erscheint.

Einzelne Ibilao-Stämme leben mit den Spaniern in Frieden, besonders
jene der Provinz Nueva Écija (Cavada II, 464).




15. Ilongoten (Ilongotes).

Die Ilongoten, auch Ilungut oder Ylungut genannt, wohnen in den
Provinzen Nueva Vizcaya, Isabela und Príncipe, streifen aber auch
nach Nueva Écija herüber. Die Cordillere zwischen Baler und Casiguran
ist ihr Hauptsitz. Nach einer durch die Liebenswürdigkeit des Herrn
Hofrathes Dr. A. B. Meyer mir zur Ansicht geliehenen Photographie
sind ihre Augen langgeschlitzt und schief gestellt. Oberlippe und
Kinn haben einen Bartanflug. Das Haar wird auch von den Männern lang
getragen; es wird in einen Zopf geflochten, der oft bis zu den Hüften
reicht. Ihre Kleidung besteht nur aus dem auch bei den Igorroten
üblichen Lendengewand. Den linken Unterarm zieren eng aneinander
(spiralförmig?) gefügte Ringe, offenbar aus Metalldraht. Semper
(Skizzen 138) charakterisirt sie mit folgenden Worten: "Sie gehören
mit zu den wildesten Stämmen des Landes, und sie stehen mit den
Christen sowohl, wie mit den nahe wohnenden Negritos in beständiger
Fehde". Sie sind leidenschaftliche Kopfjäger (Mas, pobl. 28; Semper,
Erdk. XIII, 251). Sie bekämpfen nicht nur die Negritos und fremden
Stämme, ein Dorf gegen das andere steht feindlich auf, um die kostbare
Schädelbeute zu erjagen. Auf eigenen Instrumenten werden die blutigen
Trophäen heimgetragen und an der Thüre des Siegers aufgehängt. Ähnlich
wie bei anderen Bergstämmen Luzons wird die Rückkehr einer siegreichen
Kopfjägerbande mit grossen Festlichkeiten und Tänzen gefeiert. Semper
(l. c.) nimmt die Ilongoten gegen den Vorwurf des Cannibalismus in
Schutz.--Ihre Religion besteht in einem Ahnencultus (Semper, Erdk. X,
265). Über ihre Zahl ist mir nichts Näheres bekannt, am 2. Mai 1851
zählte man in Nueva Vizcaya 252 erwachsene und 255 noch im Kindesalter
stehende friedliche Ilongoten. Die Ilongoten der Provinz Isabela
leben im Augenblicke im Frieden mit den Spaniern, doch trauen ihnen
diese nicht.




16. Mayoyaos (nebst Quianganen, Pungianen und Silipanen).

Die Mayoyaos oder Mayayaos sind die westlichen Nachbaren der Igorroten,
durch die Cordillera Central von diesen getrennt. Sie wohnen in den
Grenzdistrikten von Bontoc und Nueva Vizcaya, hauptsächlich aber
in letzterer Provinz, wo die Pueblos Mayoyao, Ozcariz, Vilanova und
Nueva Ocaña ihre Hauptniederlassungen sind. Zu ihnen sind zu zählen
die Pungianen (Panguianen), Quianganen und Silipanen, alle in Nueva
Vizcaya sesshaft [17]. Ich vermuthe überhaupt, dass die Mayoyaos
mit den Ifugaos zusammen einen einzigen grossen Dialektstamm bilden,
doch lässt sich bei den dürftigen Nachrichten über diesen Gegenstand
Nichts auch nur mit einiger Sicherheit behaupten. Eine Beschreibung
vom Jahre 1850 sagt folgendes (Dias Arenas 506): "Einige tragen ein
breitmächtiges Bracelet am linken Arm, bei anderen sahen wir Armbänder,
bestehend aus dickem Kupferdrahte, welcher das Handgelenk in vielen
(spiralförmigen) Windungen umschlang. Etwelche trugen Ohrgehänge,
aus bis zu zwei Finger dicken Perlmuscheln zusammengesetzt, welche
bis auf die Schultern herabfielen. Bei einem von ihnen sahen wir ein
Halsband, welches aus einem durchlöcherten kreisrunden Stückchen Bein
und weissen Steinchen, die vermittelst einer Schnur zu einer Kette
verbunden waren, sich zusammensetzte; diese zierlich auslaufende
Kette war drei Mal um den Hals geschlungen. Bartlos waren nicht alle,
die uns zu Gesichte kamen, einige wiesen Kinn- und Schnurrbart auf,
wenngleich der Haarwuchs kein dichter war". Die Kleidung der wilden
Mayoyaos und auch die der Mehrzahl der unterworfenen besteht nur
aus einem Lendenschurz. Ihre Zahl muss eine recht stattliche sein,
obwohl sie erst 1849 durch die Missionen der Dominicaner friedlich
den Spaniern unterworfen worden sind, so zählte man dennoch 1851
4416 Mayoyaos, 1251 Silipanen, 6076 Quianganen und 2400 Pungianen,
wobei zu bemerken ist, dass bei den Silipanen nur die Erwachsenen
gezählt wurden (Dias Arenas 515).

Der von Cavada (I, 82) erwähnte Stamm der Bungananes ist mit den
Pungianen identisch.




17. Ifugaos.

Die nächsten Verwandten der Mayoyaos sind die Ifugaos; dieser
mächtige Stamm wohnte einst weiter nördlich und wurde erst später
zu Ende des XVII. oder Anfang des XVIII. Jahrhunderts nach seinen
heutigen Wohnsitzen durch die Gaddanen verdrängt. Sie wohnen heute
hauptsächlich am linken Ufer des Magat, südlich und südwestlich von
Furao zwischen Mayoyao und Camarag in der Provinz Nueva Vizcaya.

Ihr Äusseres soll vielfach an die Japanesen erinnern (Buzeta I,
55). Sie bauen zwar Reis, ziehen es aber vor, durch Raub sich zu
ernähren. Auf das Erjagen von Feindesschädeln sind sie noch erpichter,
als die Ilongoten. Auch bei ihnen ist derjenige der Angesehenste,
welcher die meisten Schädel erbeutet hat, und sie begnügen sich
nicht damit, die schauerliche Beute als Prunkstück in ihrem Hause
aufzuhängen, sie suchen auch durch eine Art von Decoration ausserhalb
der Hütte ihren Ruhm zur allgemeinen Kenntniss zu bringen, indem sie
in den Ohren so viel Ringe aus Bambusrinde [18] (?) tragen, als es
ihnen gelungen ist, Schädel zu erjagen (Buzeta I, 56). Die feige,
hinterlistige Art und Weise, mit der sie die Opfer ihres Blutdurstes
überfallen, ist überaus kennzeichnend: Im Dickicht versteckt, lauern
sie auf den einsamen Reisenden, dem sie plötzlich eine Art Lazo um
den Hals werfen, so dass er zu Boden geworfen wird, worauf sie dem
Wehrlosen den Kopf abschlagen (Buzeta, l. c.). Der Lazo ist eine auf
den Philippinen ungewöhnliche Waffe. Sonst sind sie mit Lanze, Pfeil
und Bogen, ferner mit zweierlei Gattungen von Waldmessern bewaffnet,
am geübtesten sind sie im Gebrauche des Lazo. Alle Nachbarstämme,
besonders die christlichen, haben unter ihren Nachstellungen viel
zu leiden, von ihrer Mordwuth kann man sich einen Begriff machen,
wenn man erfährt, dass der Oberst Galvey nach einem Gefechte mit
diesen Wilden unter ihren zurückgelassenen Todten einen Krieger fand,
der im Ohre 32 der obenerwähnten Mordzeichen stecken hatte (Mas,
pobl. 27). Auch untereinander sind sie ewig im Kriege begriffen.

Ihre Religion im Allgemeinen, sowie einzelne Namen ihrer Götter
erinnern an die Gotteslehren der Igorroten und anderer Bergstämme
Nord-Luzons. Ihr höchster Gott heisst Cabunian, dieser hat zwei Söhne,
Sumabit und Cabigat, und zwei Töchter, Buingan und Daunguen, diese
Geschwister heiratheten untereinander und wurden so die Erzeuger
der Menschen (Mas, pobl. 15). Der Regengott heisst Pati; gebetet
wird zu den Dii minores: Balitoc, Piti, Misi, Sanian, Liniantacao,
Bangeiz, Sipat, Batacagan, Sadibubu, Dasiasoiat, Capaiat, Dalig;
Göttinnen geringeren Ranges waren: Libongan, Libugon und Limoan (Mas,
l. c.). Der Ahnencultus scheint auch ihnen nicht unbekannt zu sein.

Die Ileabanes und Ifumangiës, welche Diaz Arenas als in der Provinz
Nueva Vizcaya sesshaft anführt, sind Ifugao-Stämme.




18. Gaddanen (Gaddanes).

Die Gaddanen (richtiger: Gad-danen) werden besonders in Missionswerken
älteren Datums auch Yogades genannt. Ihr Hauptgebiet ist die
Commandancia Saltan, welche von ihnen nahezu ausschliesslich bewohnt
wird, von hier dehnen sich ihre Wohnsitze nach den benachbarten
Provinzen Isabela, Nueva Vizcaya und Cagayán aus. Man findet sie
ebenso bei Gabagan am Rio de Calao, bei Tarnauini, Ilagan, Furao
im Stromgebiet des Rio Grande de Cagayán, wie bei Tuao am Rio Chico
de Cagayán. Am dichtesten wohnen sie zwischen dem Rio Magat und Rio
Chico de Cagayán.

Ihre Hautfarbe ist dunkler, als jene der übrigen Bergstämme Luzons. Sie
besitzen einen gedrungenen Körperbau, rundgeformte Augen und eine
grosse plattgedrückte Nase (Buzeta I, 56), überdiess sind sie wie
die Igorroten schmutzig und unreinlich.

Ihre Hütten stehen auf sehr hohen Pfählen, um der Feuchtigkeit des
Erdbodens nicht ausgesetzt zu sein und um feindliche Angriffe zu
erschweren, es wird deshalb zur Nachtzeit und in Kriegsgefahr auch
bei Tage die Leiter, welche in die Wohnräume führt, aufgezogen. Die
Hütten sind aus Holz oder Cogongräsern erbaut (Cavada I, 82).

Ein grosser Theil der Gaddanen ist zum Christenthum bereits bekehrt,
wenn auch nur äusserlich. Die heidnischen Gaddanen verehren einen
Gottschöpfer Amanolay und dessen Gattin Dalingay (Mas, pobl. 4; Buzeta
I, 60), überdiess ist bei ihnen auch der Ahnencultus heimisch (Semper,
Erdk. X, 165). Sie sind von sanfteren Sitten als ihre Nachbarstämme.




19. Itetapanen (Itetapanes).

Die Itetapanen wohnen östlich von den Busao-Igorroten und westlich
von den Gaddanen, welch' letzteren sie ungemein ähnlich sind, indem
sie gleichfalls eine geringe Körpergrösse und sehr dunkle Hautfarbe
besitzen (Ilustr. 1860, p. 285). Auch an Unreinlichkeit können sie
mit ihren östlichen Nachbarn wetteifern. Mas (pobl. 26) bezeichnet
ihr Äusseres geradezu als widerlich. Durch die runde Formung der
Augen unterscheiden sie sich, ebenso wie die Gaddanen, streng von
den Igorroten. Buzeta und Bravo schreiben: "Die Itetapanen besitzen
den vollen Negritotypus in Körperbau, Farbe und Nasenform, aber
in Bezug auf Haare, Augen &c. gleichen sie den Tagalen" und weiter
"Es ist ebenso schwierig, sie von ihrem wilden Leben abzubringen,
wie die Negritos, mit welchen sie mehr in Bezug auf Charakter, Sitten
und Bräuche als im äusseren Habitus Ähnlichkeit besitzen". Es scheint
demnach, dass die Itetapanen eine starke Beimischung von Negritoblut
aufzuweisen haben. Auffallend ist bei ihrer Tracht eine Kappe,
ähnlich dem Tschako der deutschen Bergleute, nur etwas niedriger. Diese
Kappe, sowie alle aus Bejuco-Rohr verfertigten Gegenstände wissen sie
lebhaft-roth zu färben, doch hüten sie die Bereitung dieser Farbe als
ein strenges Geheimniss, obwohl anzunehmen ist, dass sie durch eine
Mischung verschiedener, in ihren Wäldern wachsender Farbehölzer,
insbesondere des Sibucao, erzielt wird (Buzeta I, 54). Die Farbe
selbst soll unaustilgbar am Bejuco haften. Die Schultern bedecken
sie mit einem aus Palmblättern oder Cogongras geflochtenen Kragen,
"anaos" oder "anas" genannt (Buzeta I, 54; Ilustracion 1860, 285). Ihre
Waffen sind Lanze, Pfeil und die Aliva der Igorroten.




20. Guinanen (Guinanes).

Die Guinanen werden auch Guinaanes, Quinanes oder Quinaanes
genannt. Ihre Wohnsitze liegen nördlich von denen der Busao-Igorroten,
hauptsächlich auf dem Ostabhange jener Cordillere, welche die Provinz
Abra von Cagayán trennt. Das rechte Ufer des Rio Abra und das linke
seines Nebenflusses Pusulguan bezeichnen die Westgrenze dieses wilden
und kriegerischen Stammes. Der Pueblo Bauang ist eine ihrer grössten
und wichtigsten Niederlassungen.

Zu ihrem äusseren Habitus, sowie in ihren Bräuchen ist die nahe
Verwandtschaft mit den Igorroten nicht zu verkennen. Ihre unbändige
Kriegslust wird durch den Ruhm, den ein beutereicher Kopfjäger
geniesst, beständig angefacht, und ihre Nachbarn, besonders die
friedlichen Tinguianen haben vor ihnen nicht einen Augenblick Ruhe. Mit
der Hinterlist, welche allen Kopfjägerstämmen eigen ist, beschleicht
der Guinane sein Opfer, um demselben dann den Kopf abzuschlagen. Ist
diess geschehen, so eilt der Sieger mit der bluttriefenden Beute in
das heimathliche Dorf, wo die Heldenthat dann durch ein mehrtägiges
Trinkgelage gefeiert wird; der Schädel selbst wird als eine kostbare
Trophäe sorgfältig aufbewahrt (Ilustracion 1860, N. 12, p. 152). Haben
sie keine stammfremden Feinde zu bekämpfen, so führen die einzelnen
Dörfer gegen einander Krieg, und zwar in der oben erwähnten Form. Ein
Theil der Tinguianen entrichtete ihnen früher Tribut (Mas, pobl. 26).

Sie sind übrigens nicht ohne alle Kunstfertigkeit, in dem Pueblo Bauang
verfertigen ihre trefflichen Schmiede ausgezeichnete Aliva-Hackmesser,
welche besonders von den Busao-Igorroten gern gekauft werden
(Ilustracion 1860, 285); über ihre Religion ist Nichts bekannt.




21. Calauas oder Itaves.

Die Calauas (sprich: Cala-ú-as) wohnen von Santacruz (an einem Zuflusse
des Rio Chico de Cagayán) bis Nachsiping am Rio Grande. Sie reichen
bis Piat und Tuao im Süden und Malaueg im Norden, nach letzteren Orten
werden sie und ihr Idiom auch Malaueg oder Malauec genannt. Bei den
nördlichen Stämmen ist der Name Itaves der gebräuchlichere, im Süden
aber Calauas. Ihre Tracht erinnert an ihre Nachbarn, die Guinanen,
während ihre ganze Lebensweise in's volle Gegentheil schlägt. Sie
sind noch friedfertiger als die ihnen nach Mas (pobl. 28) ähnlichen
Gaddanen, und zeichnen sich besonders durch fleissigen Feldbau
aus. Nächst Reis wird am intensivsten Tabak gebaut, dessen Anpflanzung
sie eine besondere Pflege zuwenden (Buzeta I, 56). Ihr Tabak wird als
der beste der Provinz Cagayán bezeichnet, und das will so viel sagen,
als dass der Tabak des Calaua-Gebietes der beste der Philippinen
ist. Nach der Tabakernte werden die gesammelten Blätter zuerst einem
Gährungsprocesse unterworfen, dann aber wieder an der frischen Luft
getrocknet. In kleine Ballen gepackt wird dann der Tabak nach Ilócos
Sur und Abra eingeschmuggelt (Mas, pobl. 8; Buzeta I, 56).

Religion unbekannt. Sie sind wie die Guinanen noch unabhängig, doch
ist in diesem Jahre ein Truppencorps gegen sie abgeschickt worden,
um sie zu unterwerfen.




22. Gamunangen und Bayabonanen.

Der Name dieser beiden Stämme findet sich nur an einer einzigen
Stelle bei Mas (pobl. 41) vor, nach dieser leben sie in den Bergen
östlich und südöstlich von Tuao. Es ist nicht so unwahrscheinlich,
dass sie nur Zweige eines grösseren Stammes, etwa der Dadayag sind.




23. Dadayags.

Die Dadayags oder Dadayas wohnen in der Provinz Cagayan, und zwar am
linken Ufer des Mittellaufes des Rio Grande de Cagayan (jedoch nicht
unmittelbar an diesem Strome), etwa in der Höhe des Ortes Cabagan. Über
ihre Lebensweise ist nichts Näheres bekannt.




24. Nabayuganen (Nabayuganes).

Dieser Volksstamm wird auch nur einzig und allein von Mas (pobl. 41)
erwähnt. Sie wohnen im Westen von Malaueg, einem Orte, welcher an
einem der nördlichsten Nebenflüsse des Rio Chico de Cagayan liegt. Die
Nabayuganen sind im Besitze eines eigenen Idioms. Das ist Alles,
was wir gegenwärtig von ihnen wissen.




25. Aripas.

Die Aripas (auch Aribas, Aripanes genannt) wohnen in dem Landstriche
südlich von der Vereinigung des Rio Grande und Rio Chico de Cagayán
zwischen Nagsiping und Tubang, dann hausen sie auch in dem südlichen
Theile jenes Gebirgszuges, welcher die Wasserscheide zwischen dem
Stromsystem des Rio Grande de Cagayán und dem Rio Apayo bildet.

Sie sind sehr friedfertiger Natur (Buzeta I, 310). Ein Theil von ihnen
giebt den Missionären grosse Hoffnung baldiger vollständiger Bekehrung.




26. Calingas.

Nach Semper (Erdk. X, 256) scheint der Name Calinga eine
Collectivbezeichnung "unbekannter" Bedeutung zu sein, da so auch
alle die Provinzen Isabela, Cagayán und Nueva Vizcaya bewohnenden
Infieles (Heiden) genannt werden, Semper nennt deshalb auch die
Irayas Calingas. Ich bezeichne hier mit diesem Namen jenen heidnischen
Malaienstamm, welcher in demselben Gebirge wie die Aripas nur mehr im
nördlichen Theile wohnt und speciell Calingas genannt wird. Über sie
ist wenig bekannt. Sie sollen viel chinesisches Blut in ihren Adern
haben (Schadenberg 165). Sie sind kriegerischer als die Aripas. Nach
der Zahl der getödteten Feinde ziehen sie Streifen auf ihre Arme
(Bastian, Reisen V, 274).




27. Tinguianen.

Die Tinguianen werden auch Itanegas, Tinggianes, seltener Tingues
(so bei Morga) genannt. Sie bewohnen ein sehr ausgedehntes Gebiet,
welches von Candon in Ilócos Sur sich ungefähr bis zum Mte. Pacsan an
der Grenze Cagayans und Ilócos Norte ausdehnt, ja ihre am meisten nach
Süden vorgeschobenen Niederlassungen reichen bis Santa Cruz in der Nähe
der Punta Darigallos (Namagpacan), so dass sie die Bewohner von drei
Provinzen sind, nämlich von Ilócos Sur, Abra und Ilócos Norte. Der
an der Küste von Ilócos Sur 1736 begründete Pueblo Santiago war die
erste christliche Niederlassung derselben, früher scheinen sie nicht
bis zu den Gestaden des Meeres gereicht zu haben, sie gehen hier auch
allmählich in die Ilocanen auf, indem sie deren Sprache annehmen, so
dass der südliche Theil der Tinguianen unrettbar der Entnationalisirung
anheimgefallen ist. Besser erhalten sie sich in den am linken Ufer
des Abra liegenden christlichen Pueblos Banguet und Tayun, obwohl
auch hier durch ilocanische Zuwanderer Gefahr droht. Die christliche
Religion trägt auf den Philippinen am meisten zur Entnationalisirung
bei, es trifft bei allen bekehrten Malaien dasselbe Bild ein mutatis
mutandis, das wir von den Tagalen entworfen haben.

Bei den Spaniern finden wir die Neigung vor, die Tinguianen für einen
von den übrigen Bergstämmen Luzons gänzlich verschiedenen Stamm
zu halten, indem sie ihre diessfällige Meinung auf die sehr hel

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