Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache
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Title: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache
Author: Gustav Goedel
Release date: May 22, 2012 [eBook #39762]
Language: German
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*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK ETYMOLOGISCHES WÖRTERBUCH DER DEUTSCHEN SEEMANNSSPRACHE ***
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Etymologisches Wörterbuch
der
deutschen Seemannssprache.
Von
Gustav Goedel.
Kiel und Leipzig.
Verlag von Lipsius & Tischer.
1902.
A.
*A.*
Dieser Buchstabe wird in der deutschen Seemannssprache angewandt zur
Bezeichnung der Klasse, in der ein Schiff sich nach der Einschätzung
seines Wertes durch den Germanischen Lloyd befindet. Die Jahre nach
deren Verlauf die Besichtigung zu einer neuen Einschätzung zu
wiederholen ist, werden dem Buchstaben eingefügt ([Symbol]), deuten also
schon den höheren oder geringeren Wert eines Schiffes an, der dann noch
näher bestimmt wird durch eine dem A vorgesetzte Zahl, die bis 100 gehen
kann und die Klassennummer des Schiffes angibt; je höher die Nummer,
desto größer der Wert. Im Übrigen s. Schiffsregister.
*a. m.*
heißt ante meridiem. Von den astronomischen Berechnungen her ist dem
Seemann diese Bezeichnung so geläufig, daß er sie auch am Lande gerne
als Zeitbestimmung anwendet. Es ist auch deutlich und bequem zugleich,
die Zeit von nachts 12 h bis mittags 12 h mit a. m. und die Zeit von
mittags 12 h bis nachts 12 h mit p. m. (post meridiem) näher zu
bestimmen. Es heißt dann a. m. nicht bloß vormittags, sondern auch
morgens und nachts; denn 1 h a. m. bedeutet nachts 1 h; und p. m. heißt
nicht nur nachmittags, sondern auch abends und nachts, indem 11 h 50 p.
m. nachts 10 Minuten vor zwölf bedeutet. h. ist hora, Stunde, Uhr und
kommt ebenfalls von den nautischen Berechnungen her.
*abandonniren*,
von Seiten des Versicherten dem Versicherer ein verunglücktes oder vom
Feinde genommenes Schiff gegen einen gewissen Prozentsatz der
Versicherungssumme _überlassen_ und sich aller Ansprüche darauf
begeben. Ein Wort, das wir zwar in französischer Form gebrauchen, das
auch samt dem Substantiv Abandonnement aus dem französischen Seerecht zu
uns herübergekommen ist, das aber seinerseits doch wieder von dem echt
deutschen Worte ban, bann stammt, welches ein Gebot oder Verbot unter
richterlicher Strafandrohung, Gerichtsbarkeit und deren Gebiet bedeutet,
entsprechend dem angelsächsischen bann, englisch bann, Bann, Acht,
Aufgebot, Bekanntmachung (Kluge). Schon früh entlehnten die Franzosen
das Wort aus dem Deutschen, vermutlich in der Merowingerzeit, und
machten das altfranzösische bandon, Befehl, Jurisdiction, öffentliche
Verkündigung daraus; in Verbindung mit dem Präfix a und der Endung er
ward es zu dem neufranzösischen Zeitwort abandonner ausgestaltet, mit
seinen zahlreichen Bedeutungen, denen allen aber der Begriff verlassen,
aufgeben gemein ist.
*abgewinnen.*
Es gilt für ein Zeichen besonderer seemännischer Tüchtigkeit, wenn es
dem Kapitän eines Schiffes gelingt, einem anderen die Luv oder den Wind
abzugewinnen, d. h. sein Schiff so geschickt zu führen, daß es näher,
höher, dichter an den Wind kommt als das andere. Zu Zeiten der
Herrschaft des Segels konnte dies für Kriegsschiffe in der Seeschlacht
von entscheidender Bedeutung werden und ist es mehr als einmal geworden;
jetzt handelt es sich dabei mehr um einen seemännischen Ehrenpunkt. Das
andere Schiff ist dann »unter dem Winde« und hat die Luv verloren. Man
sagt auch: einem den Wind _abkneifen_.
*abdichten* s. kalfatern.
*Abendwache* s. Wache.
*abentern* s. entern.
*abfallen* s. abhalten.
*Abfahrtssignal* s. Blauer Peter.
*abflauen* s. flau.
*abfieren* s. fieren.
*abhalten*
1. so segeln, dass das Schiff, das beim Winde segelt, raumeren (s. d.)
Wind erhält, also »die Richtung des Schiffes dergestalt ändern, daß der
Wind, welcher vorher auf das Vorderteil oder die Seite desselben
gerichtet war, mehr von hinten in die Segel fällt« (Roeding). Natürlich
kann man aber ein Schiff nur soweit abhalten bis der Wind recht von
achtern kommt; würde das Abhalten dann noch fortgesetzt, dann würde
Anluven daraus (s. d. und »Halsen«).
2. überhaupt eine Kursveränderung vornehmen, ohne Rücksicht auf die
Windrichtung, auch auf Dampfschiffen, wenn es gilt auf ein Ziel, das
außerhalb der bisher gesteuerten Richtung lag, loszusteuern, z. B.
abhalten auf ein begegnendes Schiff, auf ein treibendes Boot. Das Wort
abhalten führt uns in die ältesten Zeiten germanischer Schiffahrt
zurück, in denen man mit einem Riemen steuerte, den man frei in der Hand
hatte und hielt; daher steuern im Althochdeutschen auch haban, halten
hieß; abhalten also wörtlich: das Schiff von seiner alten Richtung ab in
eine neue steuern.
Die Bewegung, die das Schiff macht, auf dem abgehalten wird, heisst
*abfallen*, das Schiff fällt ab; was freilich auch manchmal ohne
Abhalten, d. h. ohne Absicht, in Folge von Unachtsamkeit beim Steuern
geschehen kann.
Abfallen ist fälschlich mit Abtreiben (s. d.) für eins gehalten worden.
Die Friesen gebrauchen affalle in übertragenem Sinne. »Wie täusche ich
mich«: »Ho falt my dat af« (Halbertsma).
*abkleiden* s. kleiden.
*abkneifen* s. abgewinnen.
*ablandig*,
von einem Winde, der vom Lande ab nach See zu weht. Das Wort wird schon
im Jahre 1400 gebraucht in einer Segelanweisung für die französische
Küste: »Item van der Pleymark to Gloylande dat sind twe Kenninge; dat
Kors is ostsutost up enen afflandigen wynt«. »Item wille gy tusschen den
sande doer segelen bet toe Kerkloe up enen afflandigen wint, so mote gy
tusschen sunte Margreten sande unde deme lande insegeln uppe 6 offte 7
vademe unde leyden dat sant bet to Jerremode«. (Eine Kenning war in
jenen Tagen nicht nur ein Kennzeichen, sondern besonders eine gute
Anseglungsmarke; hier aber ist eine gewisse Strecke Weges gemeint, drei
oder vier Meilen, je nachdem ene cleyne, gude oder grote Kenning gemeint
war. leyden heißt vorbeifahren).
*Ablenkung* s. Variation.
*ablegen*,
gleichbedeutend mit *absetzen* im Sinne von: ein Boot mit einem
Bootshaken so weit vom Fallreep (s. d.) oder der Landungstreppe
entfernen, daß man die bis dahin hochgehaltenen Riemen fallen lassen und
anrudern kann. Beide Worte, ablegen und absetzen, haben auch die
allgemeine Bedeutung von abfahren, jedoch nur der gegebenen Erklärung
gemäß, mit dem Boot, nie mit dem Schiff«. »Das Boot legt um 6 Uhr von
der Mole ab.« »Der Kutter setzt Punkt 2 Uhr von Bord ab;« dabei ist die
für das Boot eigentlich passive Bedeutung in die aktive Rede
umgewandelt. Absetzen ist etwas gebräuchlicher als ablegen.
*abmallen*,
auch bemallen. Wenn die Schiffszimmerleute ein Stück Holz in eine
bestimmt und genau vorgeschriebene Form behauen wollen, so machen sie
sich erst aus dünnen Brettern ein *Mall*, d. h. eine Art Modell. Nach
diesem zeichnen sie sich die richtigen Linien auf dem zu behauenden Holz
vor: das heißt ab- oder bemallen; offenbar nichts weiter als das
Hochdeutsche malen, welches von Mal kommt, und dieses bedeutet Fleck,
Narbe, Zeichen, malen also: mit einem Zeichen versehen.
Mit dem weitverbreiteten niederdeutschen Adjectiv mall hat das Wort wohl
kaum etwas zu tun, denn das bedeutet wirbelig, mutwillig, leichtfertig,
unklug, töricht, verliebt, toll, verrückt, schlimm, schlecht u. s. w.
Eine viel größere und wichtigere Rolle spielt das Mall im modernen
Eisenschiffbau, wo es als Holzschablone, nach welcher die Eisenspanten
und andere Teile des Schiffes ausgearbeitet werden, unentbehrlich ist.
*Mallkante* der Spanten ist diejenige Kante, von welcher aus auf dem
Schnürboden (s. d.), wo ein Schiff zuerst für die Bauausführung in
natürlicher Größe aufgezeichnet wird, die Schmiege (s. d.) des Spantes
der Schiffsform entsprechend abgesetzt wird. Eben nach der Linie der
Spantenkanten wird das Mall angefertigt.
*Gemallte Tiefe* ist die Tiefe eines Schiffes, welche gemessen, bezw.
berechnet wird um den Freibord (s. d.) festzustellen, oder die
Tieflade-Wasserlinie. Hier heißt mallen einfach messen.
Wenn die Ableitung von malen nicht so nahe läge, müßte man sich versucht
fühlen an das lateinische Wort für Maß modus zu denken, modulus, im
Altfranzösischen contrahirt zu molle; englisch mould.
*abmoien.*
Das nicht mit dem allgemein niederdeutschen Worte moie, Muhme, Tante,
auch nicht mit moie, Mühe, Arbeit, Kummer, in Verbindung zu bringende
Adjectiv *moi* scheint -- außer im seemännischen Gebrauch -- nicht über
Holland und Ostfriesland hinausgekommen zu sein. Hier ist es aber ganz
allgemein verbreitet und im Sinne von *schön* im Gebrauch; en moie meid
(holl: een mooie meisje) ein hübsches Mädchen, moi weer, schönes Wetter.
Verfasser fuhr einmal in ostfriesischem Sprachgebiet durch frisches
Maiengrün auf dem Rade. Da begegnete ihm ein Bauer, der mühsam etliche
Schweine vor sich her trieb. »Dat is moier dan Swindriven,« meinte er
vom Radeln.
Wenn das Wetter sehr trübe und stürmisch war und der Himmel wird klarer
(klart auf, siehe aufklaren 1.) und der Sturm nimmt ab, dann sagt der
Seemann »es moit ab.« Beide Begriffe, das Schönerwerden des Wetters und
das Abnehmen des Sturmes sind in abmoien sehr treffend vereinigt;
offenbar hat auf die Zusammensetzung der Präposition ab mit dem von moi
gebildeten Zeitwort moien der Gedanke an das Abnehmen, Abflauen (s. d.)
des Windes eingewirkt.
Die Spanier erst scheinen das jetzt so sehr eingebürgerte Wort nach den
Niederlanden gebracht zu haben. Sie führten wohl als Kenner weiblicher
Schönheit ihr Wort majo, zierlich, geputzt, geschmückt, viel im Munde.
Daß es mit dem Mai, als dem Monat der die Natur schmückt, zusammenhängt,
muß bezweifelt werden. Das hat sich ein Dichter so zurechtgelegt; die
Sprache verfährt nüchterner. Hat doch »Wonnemonat« nicht einmal etwas
mit Wonne zu tun. Bleibt also für majo nur die Herkunft aus dem
lateinischen majus, groß, hehr, ansehnlich, stattlich, übrig.
*abmustern* s. mustern.
*abreiten*,
einen Sturm vor Anker. Es lag nahe an das Reiten auf einem Pferde zu
denken, denn das vor einer oder mehreren Ketten auf den hochgehenden
Wogen auf- und abtanzende Schiff mag wohl mit einem mutig stampfenden
und steigenden Pferde verglichen werden, aber es hat dieses »reiten«
damit so wenig zu tun wie Friedhof mit Frieden. Denn einmal sagt man
nicht bloß: »Das Schiff reitet einen Sturm ab«, sondern es reitet auch
bei schönem Wetter, sobald es auf einer Reede vor Anker liegt. Sodann
müßte das Wort, wenn es unser hochdeutsches Reiten anginge,
niederdeutsch riden heißen, es heißt aber reiden, weil es von dem
niederdeutschen reide = Reede kommt, von der Reede auf der ein Schiff
liegt, wenn es zur Abfahrt bereit ist, oder die es aufsucht um besseres
Wetter vor Anker abzuwarten; reiden, rheden war im Mittelniederdeutschen
gleich »vor Anker liegen«; wir würden also gut tun, größerer
Deutlichkeit halber auch heute noch reiden und abreiden zu schreiben.
Althochdeutsch ritan. Das heißt übrigens nicht reiten in unserem
modernen Sinne, sondern überhaupt sich von einem Orte zum anderen
bewegen, fahren zu Wagen oder *zu Schiff*, von einem Stamme rid mit dem
Grundbegriff der Ordnung, der ordnungsmäßigen Bewegung. Und so kommen
(wie Friedhof und Freithof) das Reiten auf einer Reede und das Reiten
auf einem Pferde schließlich doch auf einen und denselben Ursprung
hinaus. Das Nähere unter Reede.
*abschaken* s. schaken.
*abschlagen.*
1. Auf Kriegsschiffen mit der Trommel ein Zeichen geben,
daß die Musterung oder sonst ein Schiffsdienst beendet ist und die Leute
wegtreten können.
2. Allgemein seemännisch: Ein Segel von einer Rahe losmachen, nicht im
Sinne des Kommandos: Segel los! sondern im Sinne der Taklerarbeit ein
Segel völlig von der Rahe loslösen und an Deck nehmen; das Gegenteil von
»ein Segel unterschlagen«. Der Gebrauch beider Wörter, wie auch von
Beschlag und beschlagen, erklärt sich aus dem unter *Schlag* Gesagten.
3. = Abschnüren (s. d.)
*abschleppen* s. schleppen.
*abschlingern.*
Wenn ein Schiff so heftig schlingert (s. d.), daß von der Gewalt der
Schlingerbewegung ein Mast bricht und über Bord geht, so hat sich das
Schiff diesen Mast abgeschlingert.
*abschnüren.*
(Vergl. abmallen und Schnürboden). Mit einer Meßschnur die Form und
Gestalt der einzelnen Teile eines zu erbauenden Schiffes im natürlichen
Maßstabe aufzeichnen.
*absegeln.*
1. In See gehen. Ursprünglich von Segelschiffen gebraucht, erhielt es
die allgemeine Bedeutung von abfahren, abreisen und wird heutzutage in
diesem Sinne auch von Dampfern gebraucht die gar keine Segel führen.
2. Einen Mast, gewöhnlicher: sich einen Mast absegeln. Es geschieht wenn
für die betreffende Windstärke zu viel Segel geführt werden oder wenn
bei plötzlich aufkommender Bö die Segel nicht schnell genug verkleinert
bezw. geborgen werden können.
3. Eine bestimmte Strecke in einer bestimmten Zeit unter Segel
zurücklegen.
*abschricken* s. schricken.
*absetzen.*
1. ein Boot s. *ablegen*.
2. Das Besteck, (s. d.), den Ort des Schiffes, an dem es sich nach der
Mittags- oder einer sonstigen Berechnung oder auch nach Gissung (s. d.)
zur Zeit befindet, auf der Karte durch ein kleines Kreuz mit einem
Kreis darum ([Symbol: crosshairs]) bezeichnen. Setzen (Factitiv von
sitzen, urgermanisch aus der Wurzel sed, gothisch sitan, lateinisch
sedere) verbunden mit ab, letzteres aus der Vorstellung heraus, daß das
Etmal, (s. d.) das abgesetzt wird, ein von der ganzen zurückzulegenden
Strecke abzuziehender, abzunehmender, abzurechnender Teil ist.
3. Das Deck mit dem Absetzer. Dieser ist ein einem Schrubber ähnliches
Werkzeug, mit dem nach einem Regen oder nach dem Deckwaschen das Wasser
nicht nur oberflächlich beseitigt, sondern, soweit es sich tun läßt, aus
den Decksplanken herausgedrückt und gepreßt wird, damit sie desto
rascher trocknen. Noch vor zwanzig Jahren nahm man auch auf
Kriegsschiffen zu diesem Zweck ein einer Handspake (s. d.), nicht
unähnliches Stück Holz, das an einem Ende entsprechend abgeflacht war,
jetzt noch auf kleinen Handelsschiffen in Gebrauch ist und Handabsetzer
heißt. Die K. M. gebraucht nur noch die schrubberähnlichen
Gummiabsetzer.
4. *Absetzdock* nennt man eine neue besondere Art von Schwimmdocks (s.
d.), welche das aus dem Wasser gehobene Schiff auf eine entsprechend
konstruierte Helling abladen (absetzen) können, worauf sie dann sofort
ein neues Schiff zu heben und abzusetzen im Stande sind. Englisch
depositing dock.
5. Auf dem Schnürboden (s. d. und abmallen): die Formen des zu bauenden
Schiffes in natürlicher Größe aufzeichnen.
*abstoppen*, Abstopper s. stoppen.
*abtakeln* s. takeln.
*Abtrift.*
Das niederdeutsche Wort drift (Wurzel drib) heißt: 1. Viehweide, weil
man dahin das Vieh treibt. 2. Eine Herde, die getrieben wird. 3.
Betreiben, Trieb, Eifer, Ungestüm. 4. Das Antreiben von Schiffen und
Gütern an den Strand. Eine Oldenburgische Urkunde vom Jahre 1565 sagt,
dat alle angeschlagene roerlose schepe, wrack, drift und guider der
hogen overicheit vorfallen sin. 5. Das Antreiben eines Schiffes an ein
anderes. Ein altes Bremer Statut bestimmt: So welk man den anderen
anzeghelt up ene drifft ... de anzeghelinge effte de drift scal men
tughen (verklaren, s. d.). Dazu das Adjectiv driftich, auf dem Wasser
treibend, von Schiffen und Gütern; Bremische Urkunde von 1564: Jacob R.
sy mit synem bochsprete inn ohre houwet tow gedreuen, dar her also se
beide thosamende drifftich gewurden unde inn grundt gedreuen weren.
Abtrift, Abtreiben (nicht zu verwechseln mit Abfallen) ist zwar nicht so
schlimm, wie denn überhaupt das Wort drift seiner schlimmsten Bedeutung
nach und nach verlustig gegangen ist und jetzt eigentlich nur noch den
Sinn von Bewegung hat, indessen ist doch etwas Unangenehmes, weil nicht
genau Berechenbares dabei. Abtrift entsteht nämlich wenn ein Schiff beim
Winde segelt; dann kann die Richtung der Fortbewegung nicht ganz gleich
der Richtung des Kieles sein, es wird stets etwas nach Lee (s. d.),
nämlich nach der Seite hin abgetrieben, nach der der Wind weht. Daher
bei Notierung des gesteuerten Kurses stets ein gewisser Bruchteil eines
Kompaßstriches nach mutmaßlicher Schätzung als Abtrift in Rechnung
gebracht werden muß.
Die Abtrift wird auch der Leeweg genannt. (s. Lee).
*abwracken*, s. Wrack.
*Ache*, die.
Hochdeutsches, wohl nur mundartlich gebrauchtes Wort; die Ache, oft auch
der Achen, niederdeutsch ak und aak, französisch aque, acque.
Früher hießen am Rhein hochbordige Boote mit flachem Boden so, in denen
der Rheinwein nach Holland gebracht wurde. Jetzt kann man am Rhein jedes
beliebige Ruderboot »Ache« nennen hören. In Ostfriesland heißt but-ak
ein kleines Boot zum Buttfang. In Holland aak eine Art von Lastschiffen
mit plattem Boden, eine »Kölnische« aak. Es ist unser allbekanntes
Nachen mit abgefallenem N. Dieses selbst ist freilich in seiner
Abstammung noch zweifelhaft. Kluge läßt die Verwandtschaft mit dem
lateinischen Worte navis, bezw. den Übergang des indogermanischen nav --
in das germanische naq -- dahin gestellt. Doornkaat steht nicht an,
nicht nur ein abgefallenes n anzunehmen, sondern meint, es sei auch vor
dem n noch ein s abgefallen, wie lateinisch nix aus snix entstanden sei.
Dann böte die Abstammung aus der Wurzel snu, bewegen, laufen, eilen,
fließen, schwimmen und treiben sehr wenig Schwierigkeit, und es wären
zugleich auch die beiden Bootsbezeichnungen Schnicke und Schnacke und
der Schiffsname Schmacke erklärt, (ostfriesisch smak, holländisch smakk,
englisch, schwedisch smack) wovon französisch semaque, italienisch
semaca, spanisch, portugiesisch zumaca kommen, »ein Seeschiff oder
Frachtfahrzeug mit flachem Boden, was vorne und hinten sehr voll und
rund gebaut ist und neben dem Hauptmast (aus einem Stück) hinten auf dem
Heck noch einen kleinen Besahn-Mast hat«. Dann wäre das Wort auch mit
dem ostfriesischen snake, snak, Schlange, englisch snake verwandt,
entweder wegen der Gestalt oder der Bewegung.
*Achtknoten*,
Knoten in Gestalt einer 8; wie dergleichen Knoten geknüpft werden, ist
einem, der nicht in die Geheimnisse des »Splissens und Knotens«
eingeweiht ist, schwer verständlich zu machen.
*achter*, *achtern*
steht allgemein im Niederdeutschen an Stelle des Hochdeutschen after,
*hinter*, *hinten*. Im Altniederdeutschen, z. B. noch im Heliand, hieß
es auch after, aber im 9. und 10. Jahrhundert brach sich die
Lautverschiebung von f in ch Bahn; vergl. Luft mit lucht, Kraft und
Kracht, Graft mit gracht.
Als Präposition, als Adjektiv, als Adverbium, stets bezieht sich achter
oder achtern auf das Hinterteil des Schiffes, allein oder in
Zusammensetzungen. Hier einige der wichtigsten. *Achterebbe*, die letzte
Zeit der Ebbe, und achtervlot, die letzte Zeit der Flut, kommen an der
Nordseeküste nachweislich schon um das Jahr 1400 vor. *Achtersteven* (s.
Steven) ist schon 1548 bei Kilianus Duffläus zu finden, der puppis bald
mit achtereynde, bald mit achterkasteel, bald mit achtersteven
wiedergibt. Wenn ein Schiff sich rückwärts bewegt weil die Segel »back«
(s. d.) stehen, so wird nicht ohne Galgenhumor gesagt: »wir segeln über
den Achtersteven«; wofür man auch sagen kann, »over stür«, oder noch
kürzer aber weniger fein »achterärs«, welcher Bezeichnung die alte
französische Redewendung culer ziemlich genau entspricht, um 1700 bei
Aubin vorkommend. In Westfalen (Woeste) kommt ächteraers für rückwärts
im Allgemeinen vor, vergl. die Redensart: »dat get ächteraers as de hane
krasset,« wie denn daselbst auch von einem, der zwei Fliegen mit einer
Klappe schlägt, gesagt wird: »vör bitt hä, ächter schitt hä«, von einem
Bauer hergenommen, der Birnenessen und seinen Behuf verrichten zu
vereinigen wußte.
Die hintere Last (s. d.) im Schiffe heißt *Achterlast*; ist es hinten zu
schwer beladen, so ist es *achterlastig* (welches Wort man in der Gegend
von Groningen zur Bezeichnung eines gewissen Dranges anwendet).
Bekanntes Kommando: »Alle Mann *achteraus*!« wenn die Mannschaft eines
Kriegsschiffes sich auf dem *Achterdeck*, das sie nur dienstlich
betreten darf, versammeln soll.
Auf größeren Schiffen hat der Kommandant außer einer mehr offiziellen
Vor- noch eine mehr private *Achterkajüte*.
Edda: aptr, rückwärts, hinten, wieder, zum zweiten Male. Beówulf: äfter,
darauf, nachher, zurück, in Folge; im Angelsächsischen blieb das f
unverschoben und ist so ins Englische übergegangen.
*Admiral*, der.
»Von gewalt, Amt und Befelch eines General Obersten, den man auff dem
Wasser oder Meer Admiral pflegt zu nennen,« schreibt 1565 Leonhart
Frohnsperger, »Bürger zu Ulm«, in seinem Buch »Von Kayserlichen
Kriegßrechten etc. etc.: »Erstlich, wo ein Herr selbs nit bey dem
fürgenommen Krieg sein kann, wil oder wer, der mag oder soll an statt
sein, ein fürtrefflichen, erfahrnen, geübten, dergleichen der dazu von
hohem stammen, oder sonst ehrlichs geschlechts geboren, zu einem
Obersten über alle Schiff und Hauffen, zu Roß und Fuß, Geschütz,
Munition und was dern notturft mehr erheißt, haben, ordnen und dem
Kriegsvolck fürsetzen etc. etc.« Noch bis in das 17. Jahrhundert hinein
bedeutet das Wort Admiral ganz allgemein einen Befehlshaber zur See;
titelhaft ist es erst vor etwa 250 Jahren geworden. Wir unterscheiden:
Admiral mit dem Range eines Generals der Infanterie, Vize-Admiral mit
dem eines Generallieutnants, Kontre-Admiral mit dem eines Generalmajors;
zusammenfassend werden alle drei als Flaggoffiziere bezeichnet, weil sie
das Recht haben, als Zeichen ihrer Kommandogewalt eine Admiralsflagge zu
hissen.
Das Wort hat eine lange Geschichte. Seine Abstammung aus dem Arabischen
ist unbestritten. Nur fragt es sich, ob es bloß aus amir oder aus
amir-al-bahr entstanden ist. Letzteres heißt Befehlshaber zur See,
ersteres bloß Befehlshaber. Insofern wäre die Abstammung von
amir-al-bahr entschieden vorzuziehen, wenn nur nicht die älteste Form
des Wortes im Spanischen, das es uns übermittelt hat, almiraje *de la
mar* hieße, hernach almirante de la mar. Wenn almiraje und almirante aus
amir-al-bahr entstanden wären, dann hießen sie ja schon allein für sich,
ohne das de la mar, Befehlshaber zur See, da man sich aber veranlaßt
sah, um einen Befehlshaber zur See zu bezeichnen das de la mar
hinzuzufügen, so folgt daraus, daß almiraje oder almirante für sich
allein noch nicht Befehlshaber zur See bedeutete, also nicht aus
amir-al-bahr, sondern aus dem einfachen amir entstanden war, da man doch
annehmen kann, daß in alten Tagen die Spanier arabisch genug konnten, um
zu wissen, daß al-bahr = de la mar war.
Zwar spricht wegen der Endung al in Admiral der erste Eindruck für die
Ableitung aus amir-al-bahr, denn sie klingt arabisch genug. Es stellt
sich aber bei näherem Zusehen heraus, daß das al in der Endung mit der
arabischen Genitivpartikel al gar nichts zu tun hat, denn in der ersten
Zeit der Übernahme aus dem Arabischen fehlt das al am Schlusse ganz, es
ist also nicht mit übernommen worden. Die Endung des Wortes hieß
vielmehr zunächst echt spanisch aje (almiraje) und verwandelte sich
hernach, offenbar in Anlehnung an die geläufigen Endungen von
commandante und imperante, ebenfalls in ante (almirante). Daß ein l
zwischen a und m gelangt ist, so daß zuerst der Anfang des Wortes so
lautete wie jetzt der Schluß, al, hat vielleicht in einer unbewußten
Huldigung an die arabische Herkunft seinen Grund, das l hat sich aber
kein allgemeines Bürgerrecht zu erwerben gewußt, nicht einmal im
Spanischen selbst, wo neben almirante sich immer wieder auch amirante
findet.
In diesen beiden Formen ging das Wort auf die Wanderschaft. In der
Provence machte man amirat, dann amirant, daraus; im Altfranzösischen
amirant. In Italien nahm es zuerst die Form almiraglio an, assimiliert
in ammiraglio, ausgesprochen ammiralio. Nun ward es ins
Mittellateinische übersetzt: amiratus. Von hier aus erklärt sich die
Entstehung der Anfangssilbe ad. Man brachte amiratus mit admiror in
Verbindung, etwa mit dem Gedankengang, daß ein Admiral ein -- nicht etwa
wunderlicher, sondern bewundernswerter Mann sei, wie denn wirklich im
Jahre 1508 Admiral mit »ein wunderer des Meeres Oceani«, 1534 mit
»verwunderer des Meeres« übersetzt ward. Aus admiratus, wie das Wort nun
hieß, bildete man in Erinnerung an ammiraglio die weitere Form
admiralius, welche sich bequem an bekannte Wörter wie general und
official anpaßte; daraus ist endlich durch Wegfallen der Endung ius
unser heutiges Wort Admiral entstanden.
Für die Abstammung aus dem bloßen amir spricht auch der Umstand, daß in
der Tat das Wort Admiral in seinen verschiedenen Durch- und
Übergangsformen nur im Allgemeinen zur Bezeichnung eines Befehlshabers,
ohne Bezugnahme auf die See, im Gebrauch war; der Fürst der Sarazenen
hieß so; der Emir von Babylon wird im 13. Jahrhundert in dem nach einer
altfranzösischen Quelle bearbeiteten Gedichte »Flore und Blancheflur« so
genannt; sogar der deutsche Kaiser zur Zeit der Troubadoure. Es wird
behauptet, durch die Sicilianer und Genuesen sei das Wort zu seiner
jetzigen Bedeutung gekommen, wie auch, daß es durch die Kreuzzüge aus
der Levante gekommen sei. Sicher ist, daß in Spanien 1246 Ramon Bonifaz
aus Burgos vom König Ferdinand dem Heiligen zuerst mit der Würde eines
almirante im Sinne von Seebefehlshaber bekleidet wurde. Er war also der
erste *Admiral*. Lange blieb daselbst die Admiralswürde bei dem Hause
Enriquez; später wurde der Infant Don Felipe damit bekleidet.
In Frankreich wurde das Amt dem Florent de Varenne 1270 beigelegt. Bis
dahin hieß auch der Befehlshaber einer Flotte capitaine. »La Charge
d'Amiral supprimée en France l'année 1626 fut rétablie en faveur de M.
le comte de Vermandois l'an 1669, aiant été suppléée pendant cet
intervalle, par la charge de Grand-maître, chef et Surintendant de la
navigation et commerce de France qui demeura éteinte, par la mort de M.
le duc de Beaufort, arivée la même année 1669.« (Aubin). Im 18.
Jahrhundert war die höchste Admiralswürde bei dem Hause der Herzöge von
Penthièvre erblich unter dem Titel »Amiral de France,« »das ist
Generalissimus der Flotten und Vorsteher des ganzen Seewesens«.
In den Vereinigten Niederlanden war der Erbstatthalter Admiraal
Generaal, die Würde war im Hause der Prinzen von Oranien erblich und
konnte selbst auf den weiblichen Stamm fallen.
In England kommt admiral schon 1300 in Robert of Gloucester's chronicle
vor. 1632 ward der Posten eines Lord high admiral mit der
Kommandobefugnis über die ganze britische Marine geschaffen. Der Herzog
von York, der spätere König Jakob II., bekleidete ihn eine Zeit lang.
Sonst ist er selten besetzt gewesen.
Im Mittelniederdeutschen hieß das Wort amiral, ammiral, ammeral, war
aber so wenig titelhaft, daß in den Tagen der Hansa ein und derselbe
Mann bald ammeral bald scypper = Schiffer genannt wurde. Bei Kilianus
(1548) sehen wir zwei Versuche, das Wort ameral zu erklären, neben
einander her laufen. Er übersetzt es einmal mit praefectus, dominus,
patronus, ohne von der See zu reden, und leitet es von dem uralten
deutschen Worte ambaht, ambacht = Amt ab, indem er Ammann, Amtmann als
Übergangsglied in Anspruch nimmt. Sodann aber übersetzt er es auch mit
archithalassus, praefectus maris, praefectus classis, und kommt richtig
darauf: arabice amir, rex, sive imperator.
Beinahe sieht es so aus als ob dem Verfasser der »Durchläuchtigsten
Seehelden« noch etwas davon vorgeschwebt hätte, daß Admiral
ursprünglich, dem Arabischen entsprechend, nur einen Befehlshaber
überhaupt bedeutete, denn er berichtet, Sultan Soliman habe den
Chaireddin Barbarossa zum »See-Admiral« ernannt. Er hatte zwar zur See
keine Seide gesponnen, »der Groß-Herr hat ihn dennoch mit einem sehr
guten Gesichte empfangen (wol wissend, daß alles mehr dem abwechselnden
Glück, als seinem Versaumnuß, oder dem Mangel seiner Tapferkeit und
Anführung zuzuschreiben) und hat ihn in Vergeltung seines guten Willens,
und in Erkändtnis seiner Tapferkeit und Anführung, zum See-Admiral
gemacht« ... Über die Aufnahme des Wortes ins Hochdeutsche sagt Kluge:
»Erasmus Alberus und Dasypodius 1540 und Frisius 1541 kennen es noch
nicht; Amiral findet sich 1561 bei Maaler, 1570 bei Hadr. Junius
Nomencl., 1582 bei Golius Onomast., Admiral 1562 bei Crusius Gramm.
Schon Henisch 1616 bevorzugt die Form Admiral.«
Der Merkwürdigkeit halber sei angeführt, wie weit man mit Erklärungen
vorbeihauen kann. Das Groot Nederduitsch Taalkundig Woordenboek von
Weiland schreibt, Admiral komme »van het oude ital. miraglio dat den
spiegel van het schip beteekent; dewyl hier vorheen de plaats des
bevelhebbers was, en hy zyn bevelen al miraglio gaf.«
»Der Admiral« wird auch oft kurzweg gesagt, wenn man das Admiralsschiff,
das Flaggschiff meint. »Wir folgen im Kielwasser des Admirals.«
»Durchläuchtigste Seehelden«: »Die Schiffe waren: Amsterdam groß 400
Last als Admiral, und hatte 237 Mann auf, 20 Metalline und eiserne
Stücken Geschütz. Delft der Vice-Admiral war gleichfalls 400 Last groß,
mit 242 Köpffen bemannt« ...
Auch ist Admiral eine nicht nur im Scherze, sondern in vollem Ernste
dienstlich gebrauchte Bezeichnung für Pütze (s. d.) = Eimer. Sie stammt
offenbar noch aus der Zeit wo man statt Admiral noch Ammeral sagte und
statt Eimer Ammer. Wie leicht konnte ein scherzhafter Matrose darauf
verfallen, einmal statt ammer ammeral zu sagen, und das bürgerte sich
hernach so ein, daß niemand mehr etwas dabei fand; Eimer, Emmer, Ammer,
Ambar, amphora.
*Admiralität*
hieß bis etwa vor zehn Jahren die oberste kaiserliche Marine-Behörde,
als Oberkommando und Verwaltung noch in einer Hand lagen, in der Hand
des »Chefs der Admiralität.« Die Behörde ist aufgehoben, nur der Titel
*Admiralitätsrat* ist geblieben. *Admiralitätsanker* s. Anker.
*Ahoi!*
Der Ruf mit dem ein Schiff oder ein Boot angerufen wird, »Schiff ahoi!
Boot ahoi!« Man muß sich hüten tiefere Bedeutungen suchen zu wollen wo
keine sind. Das Wort ist eine einfache Interjektion, weiter nichts,
gebildet und gewählt von dem Bedürfnis weithin gehört zu werden. Im
Englischen heißt es to hail a ship. Das hat man wohl übersetzt: einem
Schiffe Heil zurufen; ist aber auch nur eine Interjektion und hat mit
Heil nichts zu schaffen. Niederdeutsch halen, anhalen; es ist im Grunde
dasselbe Wort wie das im Hochdeutschen so häufig gebrauchte holen. Das
heißt niederdeutsch auch halen. Die Bedeutung der zu Grunde liegenden
Wurzel ist: einen Ton oder Laut von sich geben; tönen, rauschen, lauten,
schreien, rufen, hallen, Hallo machen, durch Halloschreien jemanden
herbeirufen, näher kommen machen, also herbeiholen, man könnte sagen:
einen herbeihalloen.
Auch der Ruf Gut Heil! oder All Heil! hat mit Heil nichts zu tun,
sondern ist eben nur ein Ruf, ein Zuruf, ein Gruß, eine Interjektion.
Ebenso der alte Schlachtruf der freien Friesen: »Eala fria Fresena!«
Auch hier hat man eala mit Heil übersetzen wollen, da es doch nur eine
Interjektion ist, wie die angelsächsische Übersetzung von Luc. VII. 14:
»Jüngling, ich sage dir, stehe auf!« mit »eala geonge aris!« beweist.
Wird bei Dunkelheit ein auf ein Kriegsschiff zukommendes Boot mit ahoi!
angerufen und die Antwort lautet nein! nein! so ist kein Offizier im
Boot; ja! ja! so ist ein Offizier oder im Offizierrang Stehender
darinnen; wird der Name des Schiffes geantwortet, so ist der Kommandant
im Boot; heißt es: »Flagge«! so kommt ein Flaggoffizier (Admiral).
*Ahming*, die.
Auch kurzweg die Ahm genannt, bedeutet dieses Wort das vorn und hinten
am Schiff angemalte Maß, welches den Tiefgang desselben anzeigt; beruht
nach Kluge auf mittellateinischem Worte ama, Gefäß, Weinmaß, griechisch
ame, lat. ama, Feuereimer. Im Mittelhochdeutschen wurde, wie in Mond,
das a zu o, daher das neuhochdeutsche Ohm. Im Mittelniederdeutschen hieß
es ame und bedeutete »das bei der Obrigkeit aufbewahrte (gewöhnlich
kupferne) Richtmaß, nach welchem die im Verkehr zu gebrauchenden
Meßgefäße geprüft und alsdann mit einem Zeichen ihrer Richtigkeit vom
Eichmeister versehen wurden«. Auch dieses Zeichen hieß ame; die
Thätigkeit des Eichmeisters amen; hochdeutsch ahmen; daher das Wort
*nachahmen*, das einzige von der Sippe, das uns in der Umgangssprache
geblieben ist und alle Tage gebraucht wird: »nach Maßgabe eines Musters
sich ähnlich ausdrücken oder betragen«. Dieses Nachahmen hieß lange Zeit
einfach ahmen.
Das Wort Ahming ist in Gefahr durch »*Tiefgangsmarke*« verdrängt zu
werden; es wäre schade, man könnte dann auch ebenso gut
Ausschlammungs-Maschine anstatt Bagger oder Holzglättungsinstrument
anstatt Hobel sagen.
*»Alle Mann!«*
Das Kommando demzufolge jeder an Bord, der an Manövern mit »Alle Mann«
oder an der »Alle Mann-Musterung« teilzunehmen verpflichtet ist, an
Deck, beziehungsweise an der ihm angewiesenen Stelle anzutreten hat, sei
es, daß das Manöver zur Übung geschehe, sei es, daß eine Bö so stark
einsetzt, daß ihr die Wache nicht gewachsen ist, daß ein »Mann über
Bord« fiel oder sonst eine Arbeit zu tun sei, die alle Hände (engl. »all
hands«!) erfordert, z. B. wenn ein Schiff auf einem Korallenriff
auffährt und nun alsbald die Bemühungen beginnen, wieder loszukommen; da
heißt es dann abwechselnd »Alle Mann an Steuerbord« und »Alle Mann
Backbord«, »Alle Mann voraus«, »Alle Mann achteraus«.
Im Binnenlande rednerisch und dichterisch sehr oft, aber selten
seemännisch ganz richtig gebrauchte Wendung; oft hört man »Alle Mann auf
Deck!« sagen, was an Bord nicht gesagt wird, wo es bloß »Alle Mann!«
heißt, allenfalls noch: »Alle Mann auf!«, dann wird aber jedesmal
hinzugefügt: »Klar zum Manöver!«
*am Winde*
segeln heißt so viel wie »beim Winde« segeln. Richtig am Winde liegen
oder beim Winde segeln heißt so steuern, daß bei richtiger
Segelstellung, bei welcher die unteren Segel etwas weiter angebraßt
werden als die oberen, der Wind so weit von vorne einkommt, daß das
Vorliek des Großoberbramsegels sich eben bewegt, oder, wie der Seemann
sagt, killt (s. d.), dann stehen die übrigen, niedrigeren und größeren
Segel alle voll Wind, weshalb auch beim Kreuzen das Kommando gegeben
wird: »Voll Segel halten« oder »voll und bei«. Wird zu hoch am Winde
gesteuert, so besteht die Gefahr, daß man »eine Eule fängt«, daß das
Schiff »durchdreht«.
*An Bord.*
In dieser Wendung zeigt sichs besonders deutlich wie pars pro toto,
Bord für Schiff gebraucht wird. An Bord gehen, an Bord sein, sich an
Bord befinden, Bordkommando, Bordaufenthalt, Bordleben, Bordessen,
Bordkleidung u. s. w. Bei diesen und unzähligen anderen
Zusammensetzungen kann man für Bord Schiff einsetzen ohne den Sinn zu
ändern. Das Signal für diejenigen, die an Bord gehören, daß sie an Bord
kommen sollen, weil das Schiff in See zu gehen beabsichtigt, ist eine
blaue Flagge, genannt »*der blaue Peter*«.
*Anholen.*
Wenn beim Bootssegeln beim Winde gesteuert werden soll, so muß der zu
Luvart sitzende Bootssteurer das Großsegelsschothörn (s. Schothörn)
möglichst nahe, oder wie der Seemann sagt möglichst hart, an sich
heranbringen; was geschieht, indem er die Großsegelsschot *anholt*.
Bei Rahesegeln müssen, wenn vor dem Winde gefahren wird, beide Schoten
angeholt werden, damit das Segel möglichst steif steht und seine ganze
Fläche in möglichster Ausdehnung dem Winde darbietet. Schon Kilianus
(1547) hat das Wort, und zwar gebraucht er die Wendung: anhaelen het
seyl; aber er übersetzt das falsch mit stringere vela, es muß heißen
pandere vela.
*Anbrassen* s. brassen.
*Anker*, der.
Lehnwort aus dem Lateinischen, ancora. Plinius schreibt die Erfindung
des Ankers den Tyrrheniern zu. »Aber schon die Griechen hatten
vervollkommnete Anker mit Armen und Zähnen daran, die in den Grund
fassen konnten«, die daher oft geradezu odontes, dentes, Zähne genannt
wurden. Sehr früh, lange vor dem Jahre 1000 unserer Zeitrechnung, ist
das Wort ins Deutsche übernommen worden, denn schon im »Béowulf« finden
wir ancor und ancor-bend = Ankertau. Das ältere, einheimische Wort für
die Sache hieß im Althochdeutschen senchil und senchilstein. Die
Bedeutung ist ohne Weiteres jedem klar, der etwa einmal in der
Magellanstraße die Pescheräh-Frauen (die da alle Arbeit tun müssen) ein
Boot durch Versenkung eines an einem Tau befestigten Steines »verankern«
sah. Nach dem Bericht der ältesten Schriftsteller gebrauchten die ersten
Völker anstatt der Anker nur Körbe voller Steine und Säcke voller Sand,
die sie an Taue gebunden in die See warfen. Auf solche Weise banden die
Helden auf dem Argo ihr Schiff an Felsen oder warfen an Stricke
gebundene Steine ins Meer, um sich damit festliegend zu machen, solcher
simplen Anker bedienen sich auch noch heutzutage manche Völker, bei
denen die Schiffahrt noch in ihrer Kindheit ist«. Übrigens geschieht
solches auch bei anderen Völkern, man kann es selbst bei deutschen
Bootsführern oft genug sehen.
Die althochdeutsche Form war ancher. Indessen scheint das Wort im
Althochdeutschen doch noch nicht allgemein bekannt gewesen zu sein,
wenigstens lesen wir in einer Bemerkung zu einer um das Jahr 1000
geschriebenen Übersetzung des Boëthius de consolatione philosophiae:
»anchorae daz sint suarin isen«. Das hätte nicht gesagt zu werden
brauchen, wenn man es als allgemein bekannt hätte voraussetzen können.
Merkwürdig ist die Wandlung des Geschlechtes. Im Lateinischen ist das
Wort weiblich, im Hochdeutschen männlich, der Seemann aber gebraucht es
gerne sächlich.
Teile eines Ankers: Der Schaft, das Kreuz, die Arme mit den Händen,
Spaten, Schaufeln oder Pflügen, der Ankerstock, durch das obere dünnere
Ende des Schaftes gesteckt, das Auge mit dem Schäckel d. h. der Röring.
(s. d.)
Man unterscheidet nach ihrer Gestalt, ihrer Konstruktion oder ihren
Konstrukteuren: Admiralitäts- oder Normalanker, Inglefieldanker,
Hallanker, Martinsanker, Trotmannsanker, Smithanker, Porteranker,
Rodgeranker, Schirm-, Pilz-, Schild- oder Minenanker, Dregganker. (s.
d.)
Nach Art der Verwendung unterscheidet man Buganker, Heckanker,
Warpanker, Rüst- oder Reserveanker, Not- oder Pflichtanker, (s. Pflicht)
Bootsanker.
Siehe auch Katten, Fischen, Schweinsrücken, Baxterlagerung.
*Ankerboje*, die.
Da das vor Anker liegende Schiff schwoit (s. schwoien), d. h. sich unter
dem Einfluß des Windes oder Stromes um seinen Anker herumbewegt, also
seinen Ort des Öfteren wechselt; da es aber nötig ist, stets zu wissen,
wo der Anker liegt, so wird ehe derselbe zu Wasser gelassen wird eine
Boje (s. d.) an ihm befestigt; die schwimmt dann über ihm auf dem
Wasser, zeigt seine Lage an und heißt Ankerboje.
*Ankerdobber*, der.
*Ankerflott*, das.
*Ankerkogert*, der.
Alle drei Wörter bezeichnen einfachere Vorrichtungen mit demselben
Zwecke, der heutzutage hauptsächlich der Ankerboje zugewiesen ist, die
Stelle wo der Anker liegt kenntlich zu machen.
*Dobber* ist ein schwimmendes Stück Holz, das seinen Namen daher hat,
daß es im bewegten Wasser stets in Bewegung ist, immer mit den Wellen
hin und her, auf und nieder geht. Im Ostfriesischen kommt das Wort in
der Form Dubber = Stößer vor, im niederländischen heißt das Zeitwort
dazu dobbern, ostfriesisch dubbern, Frequentativum zu dubben, zur Wurzel
dhu, sich heftig bewegen, gehörig.
*Flotten* kommen gewöhnlich und hauptsächlich bei Fischernetzen vor. So
heißen die runden Holz- oder Korkstücke rings um das Netz herum, die es
flott (s. d.) d. h. schwimmend erhalten.
*Kogert* dürfte mit Kogge (s. d.) zusammenhängen, sei es, daß etwa die
Kriegskoggen der Hansa zuerst solche Vorrichtung führten, sei es, daß
das Zeichen in Gestalt einer Kogge aus Holz oder Kork geschnitten war,
sei es, daß das Wort mit Kogge zusammen auf die Muschelgestalt
zurückgeht. Jedenfalls ist das Wort alt und stammt aus der Zeit der
Koggen, denn in dem »ältesten Stadt-, Schiff- und Landrecht Hamburgs«
steht die gesetzliche Verordnung: »unde licht enich anker sunder douwer
efte kogert, unde schade aff queme, den schall he half beteren.« (307,5,
herausgeg. v. Lappenberg, vergl. Schiller und Lübben, II, 513.)
*Ankergrund*, der.
Die Stelle wo man zu Anker gehen kann. Wenn der Grund daselbst die
geeignete Tiefe hat, nicht zu weich (schliekig, s. d.) zum Festhalten
des Ankers ist, wenn er rein, d. h. ohne Klippen ist, so heißt er guter
Ankergrund.
Es liegt auf der Hand, daß alles, was auf das wichtige Geschäft des
Ankerns Bezug hat, in der Gedankenwelt und demgemäß auch in der
gewöhnlichen Umgangssprache des täglichen Lebens der Seeleute und
Küstenbewohner auch am Lande eine große Rolle spielt. So ist der Anker
das Sinnbild der Hoffnung geworden, auch bei Binnenländern, so spricht
ein alter Seemann auch »am Wall«, daß er irgendwo vor Anker gehe, so
heißt es von einem ungeschickten Menschen, er sei wie ein Anker, der
immer ins Wasser komme und doch nicht schwimmen lerne und im Friesischen
(vergl. Halbertsma, Lex. Fris.) wird das Wort Ankergrund bildlich so
gebraucht: »Lien him nat; daer is nin ankergroun«, borg ihm nicht, er
kanns nicht wiedergeben.
Im Mittelalter (Seebuch, 1400) sagte man: »dar is gud anckerholt«; ein
Grund, der den Anker gut »hält«.
*Ankern*,
zu Anker gehen. Das ganze seemännische Ankermanöver wird damit
bezeichnet, von dem Kommando an: »Klar zum Ankern« bis zum Ausbringen
der Fallreepstreppe. Im Jahre 1400 ist im Niederdeutschen ancker setten
bezeugt, auch wohl kurzweg setten. Besonders auch Waghenaer, 1588, und
die »Beschriving van der Kunst der Zeevaerdt«, 1673, gebrauchen setten
oder setzen für ankern.
*Anlaufen* s. Anlegen.
*Anlegen.*
Ein *Boot* legt an. Von seegehenden Schiffen sagen Seeleute nicht, daß
sie anlegen im Sinne von »irgendwo ankommen«. Es wird im Gegenteil als
unseemännisch belächelt und höchstens einer Dame verziehen, wenn sie
fragt: »Legen Sie auch in Montevideo an?« schon weil man daselbst gar
nicht »anlegen«, sondern nur ankern kann. Wird ein Hafen vorübergehend
besucht, so heißt es ihn anlaufen; »wir laufen Singapore an«. Wenn man
den Bestimmungshafen nennen will, sagt man: »Das Schiff geht nach Rio«
... »ist unterwegs nach Newyork«, »ist bestimmt nach Kalkutta«, »segelt
(auch von Dampfern) nach, oder besser noch: *auf* Valpareiso, fährt auf
Yokohama«. Englisch: bound for ... und das kommt nicht etwa von to bind,
binden, so daß das Schiff mit gebundener Segelordre führe, sondern heißt
eigentlich boun. Das d ist angehängt entsprechend dem d in sound, von
sonus; isländisch buinn, von bua, bearbeiten, vorbereiten, fertig
machen, verwandt mit »Bauer«.
Willing wie sought your shores, and hither bound
The port so long desired at length we found.
Dryden.
Am Bestimmungsort angekommen, geht das Schiff vor Anker, legt sich
längsseit einer Pier oder Kaje (Quai) oder »macht fest« an einem
Bollwerk, einem Dükdalben, einer Boje. Wird ja das Wort anlegen
gebraucht, so geschieht es mit dem Akkusativ: »Das Schiff legt an *das*
Bollwerk an«, während ein Boot an *dem* Bollwerk, an der Treppe, an dem
Fallreep anlegt.
*Anliegen.*
»Was liegt an?« Diese Frage bedeutet dem Sinne nach dasselbe wie:
»Welcher Kurs wird gesteuert?« Nur wird erstere mit größerer Genauigkeit
und Bestimmtheit gestellt, etwa vom Kommandanten im Sinne der
Beaufsichtigung, wenn er sich vergewissern will, ob der befohlene Kurs
auch wirklich gesteuert wird, was, wenn das Schiff beim Winde segelt,
nicht immer möglich ist. Das Wort erklärt sich aus der Einrichtung des
Kompasses, dessen Scheibe in Striche eingeteilt ist und der an seinem
festen Teile einen Strich hat, nach dem gesteuert wird. Der dem zu
steuernden Kurs entsprechende Strich der beweglichen Kompaßscheibe muß
»anliegen« d. h. an dem Strich liegen, genau dem Strich gegenüber
liegen, der an der unbeweglich mit dem Schiff verbundenen Kompaßdose
angebracht ist und die Richtung des Kiels angibt.
Französisch: »ou as-tu le cap?«; wohin ist der Bug, der Schnabel, oder
wie der Seemann lieber sagt, die Nase gerichtet?
*Anluven* s. luv.
*Anmustern* s. mustern.
*Anracken* s. Rack.
*Anschlagen.*
Mit der Glocke oder der Trommel ein Zeichen zum Beginn eines allgemeinen
Schiffsdienstes geben, anschlagen zur Musterung, zu »Klar Schiff«, zum
Gottesdienst.
*Ansegeln.*
1. Das Ansegeln, die Eröffnung der Segeljahreszeit beim K. »Yachtklub«
zu Kiel.
2. einen Hafen, einen Leuchtturm, ein anderes Schiff ansegeln, ihm
segelnd nahen. Früher sagte man »antun«, sich dem Lande nähern, in Sicht
von Land kommen, soviel wie:
*Ansteuern.*
Ist das Fahrwasser unbekannt, ist anzunehmen daß die Karten ungenau sind
oder hat man sonst Grund besonders vorsichtig zu sein im Ansegeln einer
Küste oder Hafeneinfahrt, so schickt man ein Boot dem Schiffe voraus,
das Fahrwasser auszuloten; dieses Verfahren nennt man, weil dabei die
Wassertiefe festgestellt wird: *Antiefen*.
*Arbeiten.*
Der Seemann personificirt sein Schiff gerne. Darüber hat sich der
Dichter und Reichsministerialrat Wilhelm Jordan in einem Etatsvorschlag
für die ehemalige deutsche Flotte so ausgesprochen: »Das Schlimmste aber
ist, daß auf dem Dampfer wie schon oben angedeutet, kein vollendeter
Seemann ausgebildet werden kann. Denn seine Segel sind nur Nebenkraft
und selbst bei voller Bemastung und Takelung läßt sich die feinere
Segelführung, die das Schiff zugleich durch die Leinwand steuert, daß
es, wie das Pferd der bloßen Führung am Halse, dem leisesten Winke
gehorcht, auf dem langgestreckten und rudergelenkten Dampfschiff niemals
gründlich erlernen. Darum ist es auch dem Seemann ein toter, äußerlich
bewegter Körper, dem nicht er, sondern der stets mit scheelen Augen
angesehene Maschinist und der mißachtete Heizer gebieten, während ihm
sein Segelschiff zum lebendigen Wesen wird, mit dem er bald durch eine
geistige Zuneigung verwächst. Und dies in jeder Schilderung des
Seelebens als sein innerster Kern, als sein höchster Reiz hervortretende
eigene Verhältnis, das es dem Matrosen notwendig macht, sein Fahrzeug
als Femininum zu denken und benennen, ist keineswegs bloß ein schöner
Flitter des Seeberufs: es ist von der höchsten praktischen Bedeutung, es
bildet ein Hauptfundament der Seemannsehre, und wo es fehlt, da ist der
Gehorsam und die Pflichttreue bis zur Wagnis des Lebens für die
Erhaltung des Schiffes bloß ein abstraktes Gebot. So seltsam sich eine
solche Hinweisung auf ein so feines und phantastisches psychologisches
Moment in Gesellschaft der trockenen Zahlen einer Budgetvorlage
ausnehmen muß, kann ich doch nicht umhin, es als einen Hauptgrund mit
geltend zu machen für die Notwendigkeit, baldmöglichst auch einige
Segelschiffe auf den Stapel zu stellen«.
Eine Personification ist es auch, wenn gesagt wird: »das Schiff
arbeitet«, d. h. es bewegt sich schwer in stürmischer See. Es liegt dann
auch nahe, die dabei unvermeidlichen Reibungs- und andere Geräusche als
Seufzen, Ächzen und Stöhnen zu bezeichnen.
Daß Arbeit, wie Doornkaat gemeint hat, aus der Vorsilbe ar und dem
althochdeutschen Zeitwort peitjan, gebieten, kommen soll, will nicht
einleuchten, schon weil in deutschen Mundarten Arbeit vielfach Arwed
heißt, mit dem Ton auf dem ganz langen A und sehr kurzem e,
(angelsächsisch earfod, earfede) und das bedeutete doch eine gar zu
starke Tonverschiebung. Man hat auch an die in aro, ich pflüge, liegende
Wurzel, also an die erste aller Arbeiten, die Feldarbeit, gedacht (»im
Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen«), allein ein
anderer Gedanke liegt näher: In uralten Tagen überließ der freie
Deutsche alle Arbeit dem Unfreien. Daher liegt in dem Worte Arbeit, das
mit altslovenisch rabu = Knecht, mit böhmisch rabota = Arbeit,
Knechtsarbeit und mit dem vorgermanischen orbho = Knecht, zusammenhängt,
leider nicht der Begriff freier, fröhlicher Mannesarbeit, sondern der
der seufzenden Knechtesarbeit, der Mühe, der Beschwerde, der Not, und
der ist auch in der Redewendung »das Schiff arbeitet« vorhanden.
*Armada*, die.
Das spanische Wort für Kriegsflotte kommt meines Wissens im Deutschen
zum ersten Male vor in dem 1565 zu »Frankfurt am Mayn« erschienenen
Buche von Leonhart Frohnsperger: »Von Kayßerlichen Kriegßrechten
Malefitz und Schuldhändeln, Ordnung und Regiment« x. x., aus welchem ein
Abdruck der die Kriegsführung zur See betreffenden Abschnitte in der
Marine-Rundschau, 1898, 2. Heft mit seemännischen Anmerkungen erschienen
ist.
*Arsenal*, das,
aus dem Arabischen dar-azzana, Werkhaus, unter Carl V. und durch den
damaligen lebhaften Verkehr der Deutschen mit Italien und Spanien zu uns
gekommen, wie Armada (s. d.) und viele andere Mittelmeerwörter. Werkhaus
erinnert an die eigentliche Bedeutung von Werft (s. d.). Nach Roeding
(1794) begriff man zu seiner Zeit unter dem Namen Arsenal nicht allein
die Gebäude, in welchen alle zur Ausrüstung einer Flotte erforderlichen
Sachen aufbewahrt werden, sondern auch die Werftstellen, wo solche
verfertigt werden, als Reepschlägereien, Segelmachereien,
Stückgießereien, Ankerschmieden, Bäckereien, Schiffszimmerwerfte u. s.
w. Er schreibt: »Die ältesten Arsenäle, wovon wir Nachricht haben, sind
diejenigen, welche der König Salomo anlegen ließ. Eins derselben befand
sich zu Joppe für seine Schiffe auf der mittelländischen See, und das
andere zu Eziongeber, welches für seine Schiffe auf dem Roten Meer
bestimmt war. Die Griechen und Römer hatten ebenfalls Arsenäle, wovon
der letztern ihre sich zu Ravenna, Misena und Frejus, am Pontus Euxinus,
am Rhein und an der Donau befanden. (Thucid. lib VII. Sueton in August.
c 49, Tac. Annal. lib IV). Das berühmteste von allen See-Arsenälen ist
jetzt das Venezianische, wo sogar Linienschiffe unter Dach liegen«.
*Auf und nieder*,
ein der Seemannssprache -- auch im Holländischen (op en neer), Dänischen
(op og ned) und Schwedischen (up och ned) eigentümlicher, aber die Sache
sehr deutlich und anschaulich treffender Ausdruck für die Richtung in
der sich ein Gegenstand befindet, die wir senkrecht oder lotrecht
nennen, die Rahe ist »auf und nieder« (zum Aufhissen), der Anker ist
»auf und nieder«, d. h. er hängt frei am Krahnbalken, bereit entweder
fallen gelassen oder gekattet zu werden. (s. Katten).
*»Auf Riemen!«*
Kommando beim Bootsrudern, veranlaßt die Bootsruderer, ihre Riemen mit
dem Blatt so hoch aus dem Wasser zu nehmen, daß sie in der Richtung der
Duchten (s. d.) frei in die Luft hinausragen, und sie in dieser Lage,
genau ausgerichtet, so lange zu halten, bis das Kommando »Ruder an!«
kommt. Es geschieht teils zur Minderung der Fahrt, teils als
Ehrenbezeugung für Offiziere, während für Kommandanten und
Flagg-Offiziere »Riemen hoch!« kommandiert wird, worauf die Riemen
senkrecht »auf und nieder« gehalten werden.
*Aufbänken.*
Wenn aus irgend einem Grunde eine Zeit lang kein Dampf gebraucht wird,
die Maschine aber doch bereit sein soll, baldigst wieder in Gebrauch zu
treten, so werden die Feuer unter den Kesseln aufgebänkt, d. h. klein
gemacht, dadurch daß man sie nicht über den ganzen Rost ausgebreitet
brennen läßt, sondern in Gestalt einer schmalen Bank aufhäuft, doch so,
daß sie in kurzer Zeit wieder ausgebreitet und zum vollen Brennen
gebracht werden können.
*Aufbrassen*, s. brassen.
*Aufduven*, s. lenzen.
*Aufentern*, s. entern.
*Auffangen*,
greifen, fassen, festmachen (skr. pàça, Strick, weil dieser »faßt!«).
Die seemännische Bedeutung ist: etwas festbinden, was lose ist, aber
nicht lose sein soll und sich nicht bewegen darf. Offenbar ist das Wort
in Gebrauch gekommen im Gedanken an ein sich bewegendes, im Winde oder
von der Bewegung des Schiffes hin und her schlagendes Tau, das man zu
fangen, zu erhaschen suchen muß; das ist die erste Bedeutung von
auffangen. Aber zur Tätigkeit des Fassens gehört die des Haltens, daß
das Tau nicht wieder schlagen kann; das wird verhindert durch
Festbinden, welches die zweite Bedeutung von auffangen ist. Die hat sich
dann dahin erweitert, daß man auch nichtschlagendes Tauwerk auffängt;
wenn z. B. Deck gewaschen werden und das an Deck aufgeschossene Tauwerk
nicht im Wege sein und nicht naß werden soll, wird es aufgefangen, d. h.
zusammengebunden und hoch gehängt. Von hier aus ist der Begriff noch
weiter und zwar so ausgedehnt worden, daß auffangen ganz allgemein für
aufhangen gebraucht wird, so daß man, wenn die niederdeutsche Form
opvangen dem nicht entgegen wäre, auf den Schluß kommen könnte, es müßte
auffangen dasselbe wie aufhangen sein.
*Auffrischen*
ist dasselbe Wort das auch das Neuhochdeutsche gebraucht, wenn es sagt:
»Der Maler frischt das Bild auf,« nur daß es hier transitiv gebraucht
wird, während es im Seemännischen intransitiv ist: »Der Wind frischt
auf«. Frisch ist etwas, das eben erst entstanden ist, frisches Obst,
frisches Gemüse. »Es frischt auf« heißt also: es kommt ein neuer und
zwar stärkerer Wind auf, es fängt stärker an zu wehen.
*Aufgeien.*
Vermittelst der Geitaue, Bukgordinge und Nockgordinge die Segel unter
die Rahen holen, damit sie festgemacht werden können. Das Wort kommt nur
in der Seemannssprache vor, niederländisch opgyen, schwedisch giga up,
dänisch gige, gie op; die Etymologie ist unter geien gegeben.
*Aufhissen*, s. hissen.
*Aufholen.*
Der Unterschied zwischen aufholen und aufhissen wird schwerlich ganz
genau festgehalten werden können. Sie bedeuten beide dasselbe, nur der
seemännische Sprachgebrauch entscheidet, wo das eine, wo das andere Wort
anzuwenden ist. Im Allgemeinen muß jedoch gesagt werden, daß aufholen
sich -- von den Fällen, in denen es sich um einen *Aufholer* handelt,
abgesehen -- auf die allereinfachste Tätigkeit mittels eines
allereinfachsten Werkzeuges, nämlich eines schlichten Taues bezieht.
Wenn z. B. einem Manne im Mars ein Teertopf hinaufgegeben werden soll,
so läßt er ein Tau herab, der Topf wird daran befestigt und dann *holt*
er ihn Hand über Hand *hinauf*; hier könnte man nicht von aufhissen
sprechen. Doch darf man darum nicht denken, daß einer immer oben ist,
wenn er »aufholt«; wenn z. B. irgendwo ein Aufholer geschoren ist, der
durch einen oben befestigten Block an Deck läuft oder eine Talje
darstellt, so kann von unten aus aufgeholt werden, und dafür kann
man ebenso gut auch aufhissen sagen, wie beim Aufholer eines
Stagsegels, Rackaufholer, Brokaufholer, Dempgordingsaufholer. Beim
Stückpfortenaufholer wird man indessen seiner ganzen Beschaffenheit nach
nur von aufholen, nicht von hissen sprechen.
*Aufklaren.*
1. Gleich »sich aufklären«, hell werden, besser Wetter werden. »Es klart
auf«, es wird schön. 2., »Klar Deck« machen d. h. nach einem Manöver
wieder alles aufräumen, wegbringen was im Wege ist, und alles so in
Stand setzen, daß es zu einem neuen Manöver gebrauchsfähig ist. Das
Kommando heißt »Deck aufklaren«. 3., Überhaupt: Ordnung machen,
aufräumen. Siehe klar.
*Aufkommen*,
eigentlich in die Höhe kommen, zu Macht, Ansehen, Einfluß, Stellung und
Geltung kommen; neu auf der Bildfläche erscheinen und näher kommen;
seemännisch: »Das eine Schiff kommt dem anderen auf«, es fährt
schneller, holt es ein; dann: nach gelegtem Ruder wieder auf die alte
Ruderlage kommen, überhaupt sagt man, wenn ein Schiff dem Ruder gut
gehorcht: »es kommt vor seinem Ruder auf«.
*aufmachen*,
in der Verbindung »Dampf aufmachen«, heißt Dampf erzeugen und bereit
halten, damit auf gegebenes Kommando die Maschine angehen könne. Dampf
»aufmachen« kommt nicht etwa daher, daß ein Absperrventil aufgemacht,
geöffnet würde, ist auch nicht in dem Sinne gebraucht in dem der
verlorene Sohn sagte: »ich will mich aufmachen und zu meinem Vater
gehen«; auch nicht wie man sagt »eine Ware hübsch aufmachen«, zurichten,
zurechtmachen, sondern »Dampf aufmachen« ist falsch geschrieben, es muß
heißen »»Dampf auf!« machen«, so wie man sagt »»Alle Mann!« machen«
oder: »wir machen »Anker auf!«« Das Kommando heißt: »Dampf auf«. Wenn
das ausgeführt ist, dann hat das Schiff »Dampf auf«. Man kann aber eben
so gut sagen »das Schiff liegt »*unter* Dampf««. Die Präposition »auf«
ist also nicht so genau zu nehmen; man könnte sonst an das Aufsteigen
des Dampfes beim Sieden des Wassers denken.
*Aufkreuzen*, s. kreuzen.
*Aufkrimpen*, s. krimpen.
*Aufscheeren*,
vergl. *scheeren*. Wenn ein seemännisches Manöver zu Ende ist und »klar
Deck« gemacht wird, so wird das laufende Tauwerk »aufgeschoren«, d. h.
zu neuem Manöver in Ordnung gebracht (s. aufschießen). Aufscheeren ist
also der Teil des Deckaufklarens, der sich auf das Tauwerk bezieht. Das
letzte Kommando z. B. beim Wenden war früher nicht »Klar Deck«, sondern
»Scheert auf die Taue«.
Aufscheeren bedeutet auch so viel wie aufkommen, ein anderes Schiff
einholen, ihm längsseit kommen.
*Aufschiessen*,
im Hochdeutschen im Sinne der Seemannschaft nicht gebräuchlich, kommt
vom althochdeutschen sciozan, fortschnellend bewegen. Eine solche
Bewegung machen die Matrosen, wenn sie bei »Klar Deck« das laufende Gut
aufklaren, aufscheeren oder aufschießen. Man unterscheidet: mit der
Sonne, gegen die Sonne, segelklar, in Scheiben, in Buchten aufschießen.
*Aufpentern.*
Das was jetzt Krahnbalken heißt (und auf Kriegsschiffen auch bereits »im
Verschwinden gepeilt« wird) hieß früher Penterbalken: der vorn am
Schiffe außenbords quer abstehende Balken an dem der Anker frei auf und
nieder hängen kann. Das Substantivum Penterbalken ist veraltet, aber das
Zeitwort aufpentern ist geblieben: den am Penterbalken oder vielmehr
Krahnbalken hängenden, aufgekatteten (s. katten) Anker mit dem
Penterhaken fassen und mit der Pentertalje an das Schiff heranholen und
festmachen. Mittelniederdeutsch pin, niederländisch penn, ostfriesisch
penne, niederdeutsch penn heißt Pinne (s. d.), Pflock, Zapfen zum
Festhalten, zum Festmachen. Davon dürfte das Zeitwort, das ja festmachen
bedeutet, weitergebildet sein. Das t ist das ostfriesische Einschiebe-t
vor n in Diminutivformen; so wie aus Anna Antje, so wird aus penn pentje
gemacht und davon pentjern, pentern gebildet sein.
*Aufschricken*, s. schricken.
*Aufstoppen*, s. stoppen.
*Auftakeln.*
Mit der Takelage (s. d.) versehen, ein Schiff seemännisch zurüsten. Auch
in übertragenem Sinne: aufputzen, nicht nur im Munde der Seeleute,
Immermann im »Münchhausen« spricht von einem »ganz blümerant
aufgetakelten« Fräulein. Man erzählt sich einen Scherz, der von keiner
geringeren Stelle als von der allerhöchsten stammen soll. »Warum ist im
Englischen Schiff stets weiblich und auch im Deutschen ein männlicher
Schiffsname weiblich gebraucht (»die Moltke«)?« »Weil es so viel kostet
es aufzutakeln«.
*Auftun.*
»Die Küste tut sich auf« heißt sie kommt in Sicht, bildlich gesprochen
wegen des allmählichen Höherkommens, Heraufkommens des angesteuerten
Landes; wohl auch im Gedanken daran, daß sich irgendwo eine vorerst dem
Auge noch nicht sichtbare Einfahrt öffnen, auftun wird.
*Auftoppen*, s. toppen.
*Auftuchen*,
ein Tuch, Kleid (s. d.), Segel, einen Teppich, eine Flagge
zusammenlegen, zusammenrollen. Wenn eine Flagge kunstgerecht
»aufgetucht« ist, so kann sie aufgetucht vorgehißt werden, um erst auf
ein gegebenes Kommando alsbald ausgerissen zu werden und sofort
auszuwehen.
*Aufziehen.*
»Segel aufziehen« ist in der heutigen Seemannssprache nicht mehr
geläufig, man sagt dafür Segel setzen, aufholen, hissen etc. etc., es
scheint aber früher eine sehr gangbare Redewendung gewesen zu sein, da
dieselbe in übertragenem Sinne im Neuhochdeutschen weit verbreitet ist:
»Alle Segel aufziehen« um etwas zu erreichen, alle Minen springen
lassen, etwas mit allem Eifer und allen Mitteln betreiben; neuerdings:
etwas mit »Volldampf« betreiben.
*Auge*, das.
Jede in ein Tau gemachte künstliche Schlinge, auch eine runde Öffnung in
einem Handwerkszeug, im Ankerschaft, in einem Bolzen, daher Augbolzen;
eines Stags Auge ist der Teil des Stags der um den Top des Mastes liegt.
Immer ist die Erklärung aus der bildlichen Redeweise gegeben. Auch sonst
gebräuchlich, wo irgend etwas nur von Ferne einem Auge ähnlich sieht:
Fettauge, Pfauenauge, Punkt auf dem Würfel, Loch im Hammer für den
Stiel. Ochsenauge hat eine doppelte Bedeutung; seemännisch bezeichnet es
eine kleine, runde Fensteröffnung; gastronomisch das was man gewöhnlich
Spiegeleier nennt.
Augplatte und Augsplissung erklären sich hiernach von selbst.
*»Aus dem Ruder laufen«*
ist eine in engem Fahrwasser, in Kanälen und Flußläufen sehr
gefährliche, in ihren Ursachen noch kaum ganz aufgeklärte Erscheinung.
Sie zeigt sich (nach Dick und Kretschmer, Handbuch der Seemannschaft)
sowohl bei Schraubendampfern als auch bei Raddampfern und Schleppzügen
und charakterisiert sich dadurch, daß ein seitlich der tiefen Fahrrinne
fahrendes Schiff plötzlich scharf nach der tieferen Seite des
Fahrwassers hinüberscheert und in dieser Bewegung auch durch Ruderlegen
hartgegenan nicht oder wenigstens nicht sofort aufgehalten werden kann.
Fällt in diesem Fall nicht sofort ein Anker oder kann man der
Drehbewegung nicht sofort durch verschiedenen Schraubengang wirksam
entgegentreten, so läuft das Schiff in der Regel auf dem gegenüber
liegenden Ufer auf. Auch können unter solchen Umständen leicht
Kollisionen stattfinden.
*ausfahren.*
1. = ausreisen, das Schiff ist auf der Ausfahrt, gleich Ausreise, ein
Gegensatz zu Heimreise.
2. transitiv: eine Leine, eine Trosse ausfahren, deren eines Ende an
Bord des Schiffes bleibt. Das andere Ende wird in einem Boot an irgend
eine Stelle gefahren um es da an einer Boje, einem Poller, einem Spill
festzumachen. Wird dasselbe dann weiter an einem andern Poller
festgemacht, so heißt diese Tätigkeit verholen. Über das Verholen eines
Schiffes s. verholen.
*Ausfracht*, s. Fracht.
*Ausguck*, der,
nicht bloß seemännisch sondern auch sonst im Reich gebraucht für den
Ort, von wo aus einer Ausschau hält, für die Tätigkeit des Ausguckens
und für den Mann der ausguckt, (letzteres ähnlich wie der Posten, die
Schildwache, das Frauenzimmer, der Hof gebraucht). Doch ist das
Ausgucken nicht auf den Ausguck beschränkt, »sie hat sich schier die
Augen ausgeguckt nach ihrem Liebsten.« Die »Gucke« heißt in
Süddeutschland das Tuch, das die Mädchen und Frauen bei Feldarbeit so
weit über den Kopf gezogen haben, daß sie nur eben noch herausgucken
können. Der Ort hieß in alten Zeiten Wart oder Luginsland, welch
letzteres Wort heute noch als Ortsbezeichnung vorkommt (Worms).
Niederdeutsch Kieken, s. Kieker. Im Allemannischen heißt gucken lugen
und in der österreichischen Marine dementsprechend der Ausguck Auslugg,
(s. Dabovich, nautisch. techn. Wörterbuch).
*Ausholer*, der,
ist ein laufendes Tau das etwas ausholt, oder vielmehr mit dem etwas
ausgeholt wird. Ein Gaffelsegel wird mit dem Ausholer so geholt, daß es
sich bis zur Nock der Gaffel oder bis zur Nock des Besansbaums ausdehnt,
ausbreitet, ausspannt. Auch der Klüver hat seinen Ausholer, das
Gegenteil des Klüverniederholers. Sogar der Klüverbaum kann einen
Ausholer haben, durch den er nach außen geschoben wird; hier vertritt
dann der Ausholer die Stelle dessen, was bei den Stängen Windreep heißt.
*ausklarieren*, s. verklaren und klar.
*auslegen.*
Auf das Kommando »leg aus!« laufen die vorher aufgeenterten und bereit
stehenden Matrosen nach Steuerbord und nach Backbord auf die Rahe hinaus
und legen sich da mit dem Leibe auf die Rahe, die Füße in die Pferde (s.
d.) stellend, den Rücken nach hinten, den Kopf und den Oberkörper nach
vorn geneigt um, auch ohne sich mit den Händen festzuhalten, das
Gleichgewicht zu behalten.
*Ausleger*
heißt ein bewegliches Bugspriet oder ein beweglicher Besan zum Ein- und
Ausholen; auf Wangerog utliger.
*Auslieger.*
1. ein Schiff das »draußen« liegt oder fährt als Küstenwachtschiff.
2. die eigenartige Vorrichtung der Südseeinsulaner bei ihren Booten, die
sich gleichsam als ein zweites, kleineres Boot neben dem Hauptboot
darstellt, mit ihm fest verbunden zur Verhütung des Kenterns. Durch
zahlreiche aus der Südsee mitgebrachte, von dortigen Fischern
verfertigte Modelle ist diese sinnreiche Einrichtung bei uns bekannt
geworden.
*auslothen* s. lothen.
*ausösen* s. ösen.
*ausscheiden*,
aufhören mit einer Arbeit, aufhören zu reden u. s. w., ein sonst im
Deutschen in diesem Sinne ungewöhnliches Wort. Man sagt wohl »aus einer
Gesellschaft oder einem Verein ausscheiden«, »einen Fall aus der
Verhandlung ausscheiden« u. s. w. »Ausscheiden mit Zeugflicken«,
»ausscheiden mit Deckwaschen«, »ausscheiden mit Unterricht« u. s. w. im
Sinne von aufhören ist aus dem Niederdeutschen in die Seemannssprache
gekommen, und zwar nicht in dem Sinn, daß etwa ein Einzelner aus der
Reihe der Zeugflickenden ausscheiden solle, sondern daß das ganze
Zeugflicken ein Ende zu nehmen habe. Doch ist auch hier der Begriff
*trennen* der ausschlaggebende: wenn die Leute sich vom Deckwaschen
trennen, so bedeutet das eben das Aufhören des Deckwaschens. Vergl.
*scheitern*.
*ausscheeren* s. scheeren.
*aussegeln.*
1. in See gehen.
2. ein Schiff aussegeln heißt schneller fahren als es, es ein- und
überholen (also mehr wie ihm »aufkommen«). Man kann auch den Wind
aussegeln, das müßte aber eigentlich ausdampfen heißen, denn es wird
gesagt wenn der Wind von hinten kommt und das Schiff unter Dampf so viel
Fahrt macht, daß der Wind nicht zu spüren ist, weil man vor ihm
herläuft.
*Aussenhaupt* s. Schleuse.
*Aussenschot* s. Schot.
*auswehen* s. auftuchen.
*Aviso*, der,
engl. advice-boat, franz. barque d'avis, ital. barca d'avviso, span. und
portug. yaque de aviso. Vom lat. visum gesehen, altital. viso,
provençalisch, altfranz. vis, Gutachten, Nachricht, Anzeige; also ein
Nachrichtenschiff.
*Axiometer*, der.
Eine Vorrichtung aus der am Standorte des Kapitäns oder wachhabenden
Offiziers, ohne daß das Ruder sichtbar ist, doch ersehen werden kann,
wie dasselbe liegt, d. h. ob es *richtig* liegt, vom griech. axioo, ich
halte für wahr, für richtig.
*Azimuth*, der.
Der Bogen des Horizontes, welcher zwischen dem Mittagspunkt und dem
Scheitelkreise des Sterns enthalten ist; arabisch as-semuta, die Wege.
B.
*Baas*, der.
Seemännisch wird das Wort hauptsächlich in der Verbindung Heuerbaas
gebraucht, den Mann zu bezeichnen, der es als Geschäft betreibt,
unbeschäftigten Matrosen eine Heuer zu vermitteln. Auch Schlafbaas kommt
im seemännischen Sprachgebrauch vor für Quartiergeber oder Logiswirt.
Sonst wird das Wort Baas gebraucht um das zu bezeichnen, was man im
Hochdeutschen einen »Kerl« nennt. Althochdeutsch faths, Herr,
Vorgesetzter; sanscr. patir, Herr; indogermanische Wurzel pa, schützen,
erhalten, wovon unser »Vater«. Insbesondere hat das Wort jetzt den Sinn
»Meister«, Handwerksmeister. In Westfalen: akesbas = Flußschiffer,
Bootsmann. Bei Kilianus heißt das Wort baes, er sagt: »Sicambri regem
suum Basan sive Basanum solent appellare, anno ut scribit Tritemius,
ante Christum natum 284.« Dieffenbach: »mittellat. vassus = Diener;
daher vasallus, vasletus, valetus = valet, kymr, gwas = Knabe, Diener;
Breizonnek: gwaz = Mann. Gaedhelisch: uasal = elevé, excellent. Daher
basus = Hauptmann, Krieger, Ritter im Capitol. Carol.
*Back*, die.
1. Der vorderste, erhöhte Teil des Schiffes.
2. Ein Gefäß, rund, flach, aus hölzernen Dauben, von hölzernen oder
eisernen Reifen zusammengehalten, mulden- oder kummenartig aussehend;
als Eßback, Spülback, Speiback im seemännischen Gebrauch; sonst auch
noch Regenback, Wasserback.
3. Adverbium. »Das Segel steht back«, d. h. der Wind füllt es von der
verkehrten Seite, von vorn anstatt von hinten.
4. Backbord, die linke Seite des Schiffes von hinten aus gesehen und
gerechnet, und zwar die ganze linke Seite von hinten bis ganze vorne,
nicht etwa nur wie Weigand zuerst fälschlich gemeint hat, »die linke
hintere Seite des Schiffes.« So genau der treffliche Mann in seiner
geliebten Wetterau Bescheid wußte, so fern lag ihm die See. Lebte er
doch in einer Zeit, in der eine Denkschrift über eine zu gründende
preussische Kriegsflotte die denkwürdigen Worte gelassen aussprechen
konnte: »Da das Wasser bekanntlich nicht unser Element ist.« ... Es ist
auch leicht zu verstehen und demgemäß zu verzeihen, daß dieser Irrtum
entstanden ist. Offenbar hatte ein Kundiger ganz richtig gesagt:
»Backbord ist die linke Seite von hinten gesehen« und daraus konnte ein
Fernstehender leicht »linke hintere Seite« machen.
5. Backschaft, die Genossenschaft derer die zu einer Back, zu einer
Eßback natürlich, gehören; besonders heißt aber auch noch Backschaft
derjenige, welcher in der Back das Essen aus der Kambüse herbeischafft.
6. Backstag. Ein Stag das nicht wie die andern abwärts, sondern
rückwärts, backwärts läuft. Daher: Backstagsbrise, ein Wind der fürs
Segeln der allergünstigste ist. Er weht in der Richtung des Backstags,
also etwa in einem Winkel von 45° die Längsachse des Schiffes treffend.
Es liegt dieser ganzen Sippe eine Wurzel zu Grunde, die bewegen
bedeutet, und zwar »sich biegend, krümmend bewegen.« Die gemeinsame
Bedeutung der genannten sechs Wörter ist also: etwas Gebogenes,
Gekrümmtes, Rundliches, Rundes. Es liegt auf der Hand, daß hieraus sich
ein sehr reichhaltiger Wortschatz entwickeln mußte. Nach Dieffenbach
kommt daher das kymrische bach, gälisch bac = Haken. Nach Kluge kommt
das Wort Bauch von einer Wurzel biegen, (allerdings wohl kaum als
»biegsame Stelle«, sondern eher als »gebogene«, runde Stelle). Im
Niederdeutschen heißt Back der (gekrümmte, gebogene) Rücken. Von der
Rundung dürfte auch althochdeutsch bacho, altfranzösisch bacon, englisch
bacon, Speckseite, Schinken kommen, (entsprechend Bache das (weibliche)
wilde Schwein). Daß Backe noch das ganze Mittelalter hindurch auch in
Deutschland Schinken bedeutete, erhellt aus der reizenden Geschichte,
die Simrock, Mythologie, 6. Aufl. S. 333 von dem Backen am roten Turm zu
Wien erzählt. In einer Urkunde des Königs Jaroslav Jaroslawitsch von
Nowgorod (Nogarden) vom Jahre 1269 wird gesagt, daß der lodienman, der
Mann der die lodie, das Leichterfahrzeug, führt, für eine Fahrt die Newa
auf und ab »enen baken« zur Beköstigung haben solle.
Im Angelsächsischen finden wir die Form bäc = dorsum und bäcling =
retrorsum. In der Edda bedeutet bakfall das Rückwärtsfallen, die
Rückwärtsbewegung des Oberkörpers beim angestrengten Rudern. Im
Einzelnen ist zu den genannten sechs Wörtern zu bemerken:
Zu 1. Die Bezeichnung Back für den vordersten Teil des Schiffes ist
vielleicht von dem niederdeutschen bek = Schnabel beeinflußt, wegen der
Nähe des Schiffsschnabels, des rostrums; doch genügt zur Erklärung ein
Hinweis auf die da vorne besonders starke Biegung (s. Bug) des Schiffes.
Die Wurzel bleibt überall dieselbe. Auf und unter der Back vor dem
Fockmast ist die eigentliche Heimat des Kriegsschiffsmatrosen; hier
fühlt er sich frei, hier darf er sich gehen lassen; »hier bin ich
Mensch, hier darf ichs sein«, wenigstens in der Freizeit.
Zu 2. »Zehn Minuten vor acht Glas, Zeit zu Backen und Banken«, soll, als
seiner Zeit der neue Chef der Admiralität General von Caprivi zum ersten
Male an Bord eines Kriegsschiffes war, ihm gemeldet worden sein, und er
soll diese Meldung mit einem liebenswürdigen Lächeln des
Unverständnisses entgegengenommen haben. »Backen und Banken« ist das
Kommando, daß man am Kürzesten mit »Tischdecken und Auftragen«
übersetzen könnte, wenn der Tisch für die Mannschaften an Bord überhaupt
gedeckt würde. Es bedeutet, daß die (Tische und) Bänke, die bis dahin
der Raumersparnis wegen zusammengeklappt an der Decke befestigt waren,
heruntergenommen, aufgeklappt und aufgestellt werden sollen und daß die
»Backschaft« mit der »Back« zur Kambüse gehn und das Essen holen soll.
In früheren Zeiten gab es keine Tische, da mußten sich die Leute so gut
sie konnten zum Essen um ihre »Back« gruppieren. Als die Tische
aufkamen, war der Seemann so an seine Back gewöhnt, daß er diesen Namen
ohne Weiteres auf den Tisch übertragen hat. So nennt man ja auch, durch
einen ähnlichen Vorgang bewogen, die viereckigen Stücke Glas in unsern
Fenstern Scheiben, wiewohl eine Scheibe doch eigentlich etwas Rundes
bedeutet. Back heißt nun sowohl das runde Gefäß als auch der viereckige
Tisch auf dem es steht. Halbertsma in seinem Lexicon Friesicum übersetzt
das eine Mal ganz richtig bak mit »alveus, linter in qua coquus cibum
nautis offert«, und das andere Mal übersetzt er das Kommando: »Kom oan'e
bak« mit: »accedite ad mensam!« Auch sonst wohl wird im Holländischen in
Anlehnung an die Seemannssprache bak für Tisch gebraucht. »Van de bak
noa't gemak is's menschen gerak.« (Bedarf, Bedürfnis, Notdurft sagt man
im Groningen'schen.) Doch wußte man wenigstens vor zweihundert Jahren
daselbst noch genau, was eigentlich eine Back ist, denn da ist es
französisch mit plat wiedergegeben und Backsgesellen sind, »ceux qui
mangent à même plat«, und zwar natürlich plat de bois. Zu dem Kommando
»Banken« ist übrigens die Verwandtschaft des Wortes in den romanischen
Sprachen zu vergleichen. Bank heißt italienisch, spanisch und
portugiesisch banco, bedeutet aber heute nicht mehr bloß Bank, sondern
auch Tisch, Wechslertisch; daher Bank im Sinne von Geldinstitut, Bankier
und Bankrott, letzteres von der dem Zahlungsunfähigen öffentlich entzwei
gebrochenen Bank. Der Ursprung, ebenso wie vom französischen banc, ist
deutsch. Abgeleitet ist italienisch banchetto, Bänkchen und Gasterei,
banchett are Gasterei halten, bankettieren, ursprünglich »Bänke zum
Gelage zurüsten«; mittelhochdeutsch benken: »Hie ward gebenket schone,
tuoch unde brot uf geleit.«
Zu 3. Wenn der Wind von vorn in ein Segel weht, was übrigens nicht immer
auf Unachtsamkeit, sondern dann stets mit Absicht herbeigeführt wird,
wenn das segelnde Schiff seine Fahrt mindern und still liegen will, ohne
daß es Segel birgt und ankert, so sind sie vom Winde nach rückwärts
gerundet, und der Rücken heißt, wie gesagt, niederdeutsch bak.
Zu 4. Backbord ist ein sehr wichtiges und viel gebrauchtes Wort,
namentlich darum weil das ganze Schiff nach seiner Längsrichtung in zwei
große Hälften eingeteilt wird, die mit Steuerbord und Backbord
bezeichnet werden, und weil alles an und auf dem Schiffe was sich
doppelt, auf der einen und auf der anderen Seite, findet nach Steuerbord
oder nach Backbord unterschieden wird: Steuerbord-Bordwand,
Backbord-Bordwand; Steuerbord-Anker, Backbord-Anker; Steuerbord-Kutter,
Backbord-Kutter; Steuerbord-Nock, Backbord-Nock; ja sogar
Steuerbord-Wache und Backbord-Wache mit entsprechenden Abzeichen auf der
rechten oder linken Schulter. Und dann das wichtige Kommando für den
Mann am Ruder: »Backbord!« Wir müssen daher fragen, was das Wort
bedeutet und wie es aufgekommen ist.
Ein holländischer Sprachforscher hat behauptet: »De stuurman heeft de
roerpen aan de regterzyde en, derwaarts gekeert, heeft hy dus hes
linkerboord achter den rug, vandaar stuur = en bakboord.« Darauf
antwortet aber ein anderer treffend: »Neen, de sturman heft de roerpen,
nu aan de regter- dan aan de linkerzyde, al naar dat de wind van dezen
of genen kant invalt, en bakboord blyft niet te min onverandert bakboord
en gevolgelyk ook stuurboord, stuurboord.« So weit ist das richtig. Aber
im Weiteren irrt auch er. »Volgens eene vry algemeene overlevering is de
vorsprong van de spreekwyse stuurboord en bakbord de volgende. De
stuurlieden hadden vorheen hun verblyf in hutten, aan de regterzyde van
het schip; de matroozen daarentegen in bakken (om by bepalde getale te
schaften) afgedeeld aan de linkerzyde, en van daar stuur- en bakboord.«
Ein dritter aber stellte sich die Sache so vor: »Een stuurman met de
regterhand aan het roer, en ter linkerzyde den schaftbak, om onder de
hand te kunnen eten.« Man braucht sich das Bild nur auszumalen um die
Erklärung immer abenteuerlicher zu finden. Auch die Unterscheidung
zwischen Steuerleuten und Matrosen ist willkürlich und die Behauptung,
jene hätten in Hütten an Steuerbord, diese hätten ohne Hütten in
Backschaften abgeteilt an Backbord logiert, ist völlig unhaltbar; als ob
die Steuerleute nicht auch in Backschaften abgeteilt gewesen wären!
Nein, -- sondern wer einmal ein altes Vikingerfahrzeug sich angesehen
und mit einiger Aufmerksamkeit auf dem Boden des Museums Vaterländischer
Altertümer in Kiel geweilt hat, dem kann die Entstehung des Ausdruckes
nicht mehr zweifelhaft sein. Der Steuermann saß in alten Tagen hinten im
Boot rechts und steuerte mit einem pagaienartigen Riemen, den er in
beiden Händen hielt, also daß beide Arme über das Dollbord hinausragten.
Dabei mußte sich der Leib, -- nicht der Kopf, denn der war mit dem
Gesicht auf den Bug gerichtet, -- ganz dem Bord, über den gesteuert
ward, zudrehen und demgemäß war der Back, der Rücken des Steuernden, dem
entgegengesetzten Bord zugewandt. Bei dieser Erklärung kommt auch die
zweite Silbe in Backbord zu ihrem Rechte; der Steurer war ja fest an die
Bordwand angelehnt.
Zuerst kommt das Wort in der Form bacbort, backbort im Seebuch (1400)
vor. »Unde sal so insegelen, dat he twedeel van dem watere schal hebben
an backbort van eme«.
Der 1475 in Cleve erschienene »Teuthonista« hat nur bak im Sinne von
Gefäß, capisterium, »eyn muede oder eyn trog, do die pherde +uss
essent.«
Cornelius Kilianus Duffläus im Dictionarium teutonico-latinum von 1548
hat backbord zwar, gibt aber eine kindliche Erklärung: »navigii sinistra
pars, pars navigii quae furnum et focum continet«, also am Backbord sei
der Backofen und der Herd gewesen.
Nicht unbemerkt soll bleiben, daß eine alte pommersche Übersetzung des
23. Psalms den fünften Vers (Luther: »Du schenkest mir voll ein«)
wiedergibt mit: »Du givst mi een ganz bak vul.«
*Backen und Füllen*,
ist ein seemännisches Manöver, das zwar in unserer Zeit des Dampfes und
der Schleppdampfer nicht oft mehr gemacht wird, das aber doch dem
Kapitän oder Lootsen, der es versteht, großen Nutzen bringt, indem er
sich durch Backen und Füllen seiner Segel durch einen Revier oder ein
sonstiges enges und gekrümmtes Fahrwasser hindurchbringen kann,
vorausgesetzt, daß er die Gezeiten, die Wassertiefe, die
Stromkabbelungen u. s. w. genau kennt. Es besteht darin, daß man die
Segel abwechselnd »back« (s. d.) kommen läßt und dann wieder so braßt,
daß sie voll Wind werden.
*Backstag*, das,
ist beim Klüverbaum das, was bei den Untermasten die Wanttaue sind,
dient also dazu, dem Klüverbaum nach den Seiten zu Festigkeit zu geben.
Es fährt vom Kopfe des Klüverbaums nach beiden Seiten durch die Nocken
der blinden Rahe nach dem Vorschiff, wo es befestigt wird. Da Klüverbaum
und Rahe einen rechten Winkel bilden, so sind sie die beiden Katheten
des rechtwinkligen Dreiecks und das Backstag ist die entsprechende
Hypotenuse, die in einer Richtung verläuft, die auch da, wo sie mit dem
Backstag garnichts zu tun hat, doch »*backstags*« genannt wird, z. B.
sagt man: »es weht eine *Backstagsbrise*« d. h., der Wind kommt in
derselben Richtung auf die Segel zu, wie das Backstag von der Nock der
blinden Rahe auf den Kopf des Klüverbaumes; also in der
vorteilhaftesten, die es zum Segeln geben kann.
*Badegast*, der.
So werden diejenigen Mitglieder der Offiziersmesse genannt, welche weder
Seeleute noch Kombattanten sind: Ärzte, Auditeure, Pfarrer, Zahlmeister
etc. Wie kam man dazu, ihnen diesen Namen beizulegen? Es ist vermutet
worden, weil sie ein bequemes, bademäßiges Leben führen. Es mag ja sein,
daß wohl ein Offizier, der nachts auf die stürmische Wache muß, denkt
und sagt: ja, diese Herren, die haben es gut, die brauchen nicht vier
Stunden auf der Kommandobrücke zu stehn, die führen das reine Badeleben.
Aber der Ursprung des Wortes ist doch ein ganz anderer. Das Wort hieß
früher nicht Badegast, sondern Badequast, und dieses diente als
Bezeichnung von Leuten, die nicht gern kämpfen wollten, und von diesen
ist es übertragen auf solche, die überhaupt zu kämpfen nicht bestimmt
und berufen sind.
Das Wort muß sprachlich und geschichtlich erklärt werden.
Sprachlich. Ein Badequast war im ganzen Mittelalter ein kleiner Quast
oder Besen, eine Art Rute, aus Birken- oder anderen Zweigen gebunden,
wie man sie zu mehrfachen Zwecken beim Baden gebrauchte. Einmal vertrat
solch ein Quast in Ermangelung von Badehosen diese durch Bedeckung der
Blöße. Aber der Hauptzweck war ein gesundheitlicher. Man rieb, scheuerte
oder peitschte sich mit dem kleinen Besen die Haut zur Reinigung und
Anregung ihrer Tätigkeit. Diese Tätigkeit nannte man quästen oder
questen. Gustav Freitag erzählt eine Geschichte aus der Selbstbiographie
des 1520 geborenen Stralsunder Bürgermeisters Bartholomäus Sastrow. Der
hatte in seiner Jugend einmal gegen das Verbot seines Vaters gebadet. Da
sprach dieser: »Habt ihr gebadet, so muß ich euch *quästen*;« dabei
ergriff er die Rute, warf dem Söhnlein die Kleider über den Kopf und
lohnte ihm nach Verdienst.
Althochdeutsch questa, mittelhochdeutsch queste, Büschel von Reisig,
Laubbüschel, Wedel zum Fegen und Kehren, also unser heutiges »Besen«;
badequeste, badekoste, Badewedel, Badeschürze. Die das »Questen«
besorgende Bademagd, die auch riberin, die Reiberin, hieß, war nicht
immer die allertugendhafteste, so daß das Wort bald einen zweideutigen
Sinn erhielt.
Questenbinder = Besenbinder. Irrtümlicherweise wird das Wort Quast
heutzutage sogar für Kranz gebraucht, vergl. was Jakob Grimm nach Otmars
Volkssagen von einem alten Gebrauche in dem besenbindenden Dorfe
Questenberg am Harz erzählt.
Bei Reuter kommt die Bezeichnung Questen für Tannenzweige vor.
Teuthonista: qwast, wyqwast, Weihwedel; er gebraucht qwesten geradezu
für balneare. Kilianus: quast = quispel, borstel, Kleerborstel,
Kleiderbürste. Edda: Kvistr, Zweig; nordfriesisch quest, Ast, Zweig.
Dänisch Kost, Laubbüschel; schwedisch quast, Besen, Wedel. Bremisches
Wörterbuch: heid-queste, abgestumpfter Besen von Heidekraut zum
Scheuern. Quast heißt heutzutage in der Seemannssprache jedweder Pinsel,
insonderheit spricht man von einem Theerquast, welches Wort aber auch
am Lande seit unvordenklicher Zeit in Niederdeutschland in Gebrauch ist.
Bei Riepe in Ostfriesland liegt ein Stück Land das Theerquast heißt,
weil der frühere Besitzer seinem Ortsgeistlichen mit dem Theerquast ins
Gesicht geschlagen hat und für diesen Frevel das Stück Land zur Strafe
hergeben mußte.
Geschichtlich. Das Wort ist ursprünglich ein Schimpfwort gewesen; es lag
der Vorwurf des Verrates und der Feigheit darin. Und zwar finden wir in
zahlreichen Urkunden, daß besonders die Lübecker mit diesem Worte
verhöhnt wurden. Hernach erst hat Badequast im Allgemeinen die Bedeutung
eines furchtsamen Menschen empfangen. Wie das gekommen sein mag, ahnen
wir, wenn wir an den doppelten Sinn des Wortes »Waschlappen« denken,
welches ja sowohl in der eigentlichen als auch in der übertragenen
Bedeutung an beide Bedeutungen von Badegast, Badequast erinnert. Die
Lübecker sind aber bei einer ganz bestimmten geschichtlichen
Veranlassung zu dem Schimpfnamen Badequast gekommen. Im Jahre 1427
hatten sich die Hamburger und Lübecker verabredet, daß ihre Schiffe sich
zum Kampfe wider die Dänen im Belt versammeln sollten. Es war ein
bestimmter Tag und eine bestimmte Stunde dazu festgesetzt worden. Damit
nun die befreundeten Hamburger und Lübecker sich auch im Gewühl einer zu
erwartenden Seeschlacht als Freunde erkennen könnten, verabredeten sie
ein gemeinschaftliches Erkennungszeichen. Dieses war ein »achter up de
compannien« steckender *Badequast*, also ein Besen, wie sie ja auch zur
Bezeichnung des Fahrwassers an den Küsten ausgesteckt werden.
Aber die Hamburger erschienen eher auf dem Sammelplatz als die Lübecker.
Und da die Dänen bereits zur Stelle waren, ging der Tanz alsbald los, da
diese keine Veranlassung hatten, erst noch auf die Lübecker zu warten.
Als es zwischen Dänen und Hamburgern bereits heiß herging, erschienen
endlich auch die Lübecker. Als sie aber sahen, wie die Sache stand,
dachten sie: weit davon ist gut vor dem Schuß, und machten, anstatt
tapfer in den Kampf mit einzugreifen, daß sie wieder in ihre Trave
kamen; »do se auerst segen, dat de sake so stunt, *steken se den
badequast hynder* und leden dragen na der Trauen; und worden de
Hamborger gefangen und ore schepe genamen.« Wer will es ihnen da
verdenken, daß sie auf die Lübecker wütend waren, und sie nicht grade
sehr liebenswürdig und schmeichelhaft an jene Badequäste erinnerten? Und
obwohl bald darauf, 1431, die Lübecker durch die Einnahme von Flensburg
jene Scharte glänzend wieder auswetzten, so ist doch ein solcher Beiname
leichter erworben als wieder in Vergessenheit gebracht. Noch im Jahre
1511 »stupede ein schipper vom Amsterdam to Ryga den arent (Adler), dat
lubsche wapent, mit roden.« »Ein anderer schipper kerede den lubschen
arent umb, dat hovet neden, de voete baven, und bestak sin schip mit
questen vom mey (Maien, Birkenreisern) gemaket den Lübschen tho hone
undt tho spotte.«
Also Badequast ist ein Schimpfwort gewesen für einen, der sich um die
aktive Teilnahme an einer Seeschlacht drückte, oder überhaupt an einer
Schlacht. In einem alten Spottverse heißt es:
Vord an bist ein wundderlich gast,
Du sleist hinder na mit Philippes badequast,
Nener logen deistu di schemen,
Du segst, do id scholde an ein drepend gan
Do fund man de heren hinder dem busche stan,
Dat mag di wol hebben gedromed.
In einem anderen:
Ok Bokelen fast
Du den badequast
Nu forest in dinem schilde,
Dar na bestan
Du woldest han
Den vor Marien bilde.
Von hier bis zu Leuten, deren Beruf die Führung der Waffen überhaupt
nicht ist, war, wahrscheinlich im Anfang scherzhafterweise, kein weiter
Weg. Und bald konnte man die Nichtkämpfer an Bord der Kriegsschiffe um
so eher und harmloser und ohne sie zu beleidigen Badequäste nennen als
nach und nach die Lübecker Geschichte in Vergessenheit geraten und die
ursprüngliche Bedeutung des Wortes dem Sprachbewußtsein entschwunden
war. Man hatte Badequäste an Bord ohne zu wissen was Badequäste waren.
Da kam denn das Neuhochdeutsche und gewann, gerade auf den
Kriegsschiffen, immer mehr Einfluß. Offenbar wurde nun Badequast als
eine mundartliche, plattdeutsche Verschlechterung von Badegast
angesehen, »sie haben ja auch ein so bequemes Leben, diese Badegäste«,
und so hat sich das Wort Badegast eingebürgert. Um den Vorgang ganz zu
verstehen braucht man nur an jene »höhere Tochter« zu denken, der
Klopstock nicht fein genug war, sie schrieb »Klopfstock«.
Im Andenken an die Lübecker Quastgeschichte mag hernach in Hamburg und
anderen niederdeutschen Gegenden das Schimpfwort »Hans Quast«
aufgekommen sein. In dem niederdeutschen aus dem Jahre 1618 stammenden,
von J. Bolte und W. Seelmann herausgegebenen Schauspiel »Hanenreyerey«
schimpft einer einen anderen neben den schönen Ehrennamen Hans
Schubberug, Hans Hasenkihl, Hans Kladdehack, Hans Rustefihl auch Hans
Quast, und die Herausgeber bemerken hierzu: »Vgl. ndl. Kwast, Pinsel,
bildlich Narr.« Hans Quast kommt als Schimpfwort im Hannöverschen (s.
Schambach) besonders aber auch in Hamburg vor, vgl. Schütze 2, 102 Hans
Quast, alberner, närrischer Mensch. »Hans Quast vom Steendoor Settet sie
Mütz up een Oor.« Nach einem mir zugegangenen Schreiben eines
Seeoffiziers ist das Schimpfwort auch in der Mark Brandenburg verbreitet
und hat sogar noch heute in seiner Bedeutung einen Anklang an den
ursprünglichen Sinn, indem ein Knabe einen anderen, den er vergeblich
zum Kampfe herausgefordert hat, »Hans Quast« nennt.
Daß aber Quast anstatt Gast gesagt wurde, und zwar nicht hie und da
einmal, sondern oft, so daß es dem Munde des Volkes durchaus geläufig
war, wird dadurch bewiesen, daß Quast in ein vielgebrauchtes Sprichwort
übergegangen ist, mittelniederdeutsch: »darna man darna quast« d. h. wie
der Mann ist, so wird er als Gast behandelt.
*Bagger*, der.
Eine in neuerer Zeit zu immer größerer Bedeutung gelangte Vorrichtung
zum Ausschöpfen von Schlick, Sand, Erde aus dem Wasser. Ursprünglich ein
höchst einfaches Werkzeug, ähnlich einem Obstpflücker oder einem
Klingelbeutel: an einem langen Stiel ein Ring mit einem Säckchen daran.
Dieses Säckchen hieß im Niederdeutschen bag, wie noch heute im
Englischen Bag einen Sack, Reisesack, Geldsack, Kornsack bedeutet. Man
hat sogar heute noch in England die alte einfache Vorrichtung: »bag and
spoon«, »an arrangement used in dredging for river sand, and consisting
of a bag attached by the mouth to an iron hoop which is fastened to a
long pole, by means of which it is sunk to the bottom of the river and
dragged along so that the bag is filled.« Auch in Deutschland hat man
in kleinen Verhältnissen noch immer etwas Ähnliches im Gebrauch. Das
Ende des 18. Jahrhunderts erschienene sogenannte »Bremer Wörterbuch«
übersetzt Bagger mit »mudder-hamen« und bemerkt dazu: »Ein eiserner
Ring, woran ein Netzbeutel befestigt ist, mittelst dessen man den
Schlamm aus den Wasserlösen, Wetterungen und Sielgräben ziehet;« wobei
die Frage entsteht, was ein Netzbeutel sei, ein Netz, oder ein Beutel?
Auch in Holland gebraucht man dieses einfache Werkzeug noch; Halbertsma
im Lexikon friesicum übersetzt baggern mit: »reti vel sacco ex panno
cannabino extremitati gracilis conti (Stange) affixo coenum trahere e
fundo aquae«, wobei sich auch wieder die unbegreifliche Unbestimmtheit
reti vel sacco findet, da der Stoff doch mit ex panno cannabino deutlich
genug bestimmt ist als aus Leinwand bestehend. Also kein Netz, sondern
ein Sack, niederdeutsch bag; daher Bagger.
Zuweilen wird der durch den Bagger zu Tage geförderte Schlamm, Mud,
Mudder oder Schlick (s. d.) auch Bagger genannt. Das mag man als
Abkürzung von Baggerschlamm (Groningen: bagger-cerde, bagger-modder)
oder Bagger-Erde gelten lassen, wie ja im Ostfriesischen auch der
baggel-turf kurzweg baggel heißt, aber darum hätten sich deutsche
Sprachforscher doch nicht zu der Behauptung versteigen dürfen, Bagger
käme daher, daß man den Bagger vom Meeresgrund herausbefördere. Das ist
eine völlige Umkehrung der Tatsache, denn die geförderte Masse ist nach
dem fördernden Werkzeug benannt. Das hieß, wie gesagt, ursprünglich Bag.
Die damit ausgeübte Tätigkeit hieß baggern. Als nun später der Ursprung
von baggern aus Bag dem Bewußtsein entschwunden war, und der
niederdeutsche Name Bag nicht verstanden ward von hochdeutschen
Wasserbaumeistern, aber doch das Bedürfnis nach einem Namen für das
inzwischen zur Maschine herangewachsene Werkzeug sich einstellte, so
kehrte man nicht etwa zu dem ursprünglichen Bag zurück, sondern bildete
aus dem, aus dem Substantivum Bag entstandenen Zeitwort baggern ein
neues Substantivum Bagger. Diese Neubildung ist wenigstens noch
einigermaßen kurz und gut ausgefallen; was hätte werden können, vermögen
wir zu ahnen, wenn wir lesen, daß in einer wissenschaftlichen
Zeitschrift jemand dem das Wort Bagger fern lag, den Vorschlag machen
konnte, das holländische Wort modder-molen mit Ausschlammungsmaschine
zu übersetzen.
Das Etymon von Bag ist Balg, Tierbalg, vergl. Balje, Bagienrahe, Bilge,
Packetdampfer.
*Bagienrahe*, die.
Die unterste Rahe am Kreuzmast, ohne Segel. Dieser letztere Umstand, daß
die Rahe kein Segel hat, scheint mir, ähnlich wie bei der blinden Rahe,
den Ausschlag bei der Benennung gegeben zu haben, die eine *Bettel*-Rahe
bedeuten dürfte. Im Französischen heißt sie, oder hieß sie 1702
Pöbel-Rahe, la vergue de foule; zur gleichen Zeit ward sie holländisch
een onnutte ree, eine unnütze Rahe genannt: »De begyn ree is een lose en
onnutte ree, behalven om de schooten van het kruis-zeil daar by van
onderen uit te halen.« Wir müssen auf das unter Bagger behandelte bag
zurückgehen. Es hat eine weite Verbreitung, auch starke
Bedeutungsverschiebungen erlebt. In die romanischen Sprachen ist es
stark eingedrungen. Provençalisch bagua, spanisch baga = Packseil;
altfranzösisch bague, Bündel. Davon bagage = Gepäck. Insofern nun die
alten Kriegsknechte mit den Erbeuteten und Erplünderten (dem »Plunder«)
nicht haushälterisch umgingen, sondern es bald wieder an den Mann oder
vielmehr an die Frau (Marketenderin) brachten, so ward trotz der
Plünderung reicher Städte die Bagage eines Söldners als etwas
Verächtliches und Geringes angesehen, und aus bagage ward bagatelle.
Weil sich aber bei den Bagagenwagen nicht nur allerlei Männlein
zweifelhaften Handwerks, sondern auch allerlei Fräulein zweifelhaften
Rufes herumtrieben, so kam wie das deutsche Wort Hurenpack, Lumpenpack,
Diebespack, so im Italienischen bagascia, in Spanien bagasa, in Portugal
bagasca, in der Provence baguassa, im Altfranzösischen bagasse, bajasse
auf zur Bezeichnung einer feilen Dirne. Im Niederdeutschen dagegen
entwickelte sich der Sinn von bag in anderer Richtung. Das wichtigste
Ausrüstungsstück eines Bettlers war entweder ein Scherben für die
Bettelsuppen oder ein Sack für das Bettelbrot. Von diesem bag haben
Bettelnonnen den Namen Bagienen empfangen. Nach ihnen mag -- zuerst
scherzhaft -- die des Segels entbehrende Rahe wegen ihrer Armut genannt
worden sein. Hat man doch in Holland auch eine Kuh ohne Hörner bagyn
genannt, und in Westfalen heißt heute noch Begine nicht nur ein
verschnittenes Schwein, sondern auch ein törichtes, unnützes
Frauenzimmer. Zu Kilianus' Zeiten hieß beghyne ein aschfarbener Ochse,
weil die Bagienen solche Kleider trugen. In Bremen nannte man und nennt
man wahrscheinlich noch eine gewisse Art von Hauben Begine, weil diese
Nonnen dergleichen getragen haben. Weigand schreibt: »Adelung acht dezen
naam, waarschynlykst, afkomstig van het oude begge d. i. bedelen, dewyl
de Begynen voornamelyk van het bedelen bestonden,« kann sich aber,
trotzdem dies doch der Wahrheit sehr nahe kommt, doch nicht enthalten
von einer Herzogin Begga von Brabant zu fabeln, die im Jahre 635
ermordet worden sein soll.
Im Teuthonista ist das Wort Baghyne geschrieben. Die Nonnen des Namens
waren in niederdeutschen Seestädten sehr weit verbreitet, die Anwendung
des Namens in übertragener Bedeutung lag daher nahe. Es heißt, nach
Waghenaer, »Spiegel der Zeewaerdt«, 1573, sogar ein Felsen in der
Hafeneinfahrt von Brest Bagiene.
*Bai*, die,
ist ein aus den romanischen Sprachen zu uns gekommenes Wort für
Meerbusen. Bei Aubin, Dictionaire de Marine, 1702 baye und baie.
Derselbe gibt für das Niederländische die Form baai an. Italienisch
baja, spanisch baja, Hafen. Aus dem Niederländischen ins Niederdeutsche
und von hier um die Mitte des 17. Jahrhunderts ins Hochdeutsche
gedrungen.
*Bake*, die.
»Signum secundum quod navis regitur«, diese Erklärung Halbertsma's
dürfte in ihrer Kürze am treffendsten die verschiedenartigen Bedeutungen
des Wortes Bake zusammenfassen. Denn wie eine Bake auch aussehen und wo
sie auch angebracht sein möge, ihr Zweck ist für den Seemann doch immer
der, seinem Schiff weisend und warnend den rechten Weg zu zeigen. Ein
sehr altes deutsches Wort, das ursprünglich noch keineswegs ein
Seezeichen, Segelmarke, Feuerzeichen, Landmarke u. dergl., sondern ganz
allgemein Zeichen bedeutete. Es ist mit bücken verwandt, und dieses mit
biegen. Die einfachsten und ursprünglichsten Zeichen sind ja die, daß
man mit dem Kopfe nickt, den Oberkörper nach vorn biegt, sich bückt oder
eine ähnliche Körperbewegung macht. Jeder der auf eine größere
Entfernung einem anderen ein Zeichen giebt, wird unwillkürlich dabei
seinen Oberkörper vornüber beugen, und eben diese Bewegung ist das was
die Alten baken oder beken nannten. Dieser Name ward dann schon früh auf
eine Stange übertragen, mit der man jemandem zuwinkte (Zaunpfahl!) oder
die man als ein Zeichen für irgend etwas in den Boden steckte. Damit
man diese Stange auf größere Entfernung desto besser sehe, wurde an
ihrer Spitze ein Bündel Stroh oder Reisig befestigt. Noch heute stecken
unsere Landleute da, wo die Polizei eine Warnungstafel anbringen würde,
eine Stange mit einem Strohwisch in die Erde, und jeder weiß was das
bedeutet.
Solche Baken, also Pfähle mit Reisigbündeln, haben in alten Tagen für
das Signal- und Nachrichtenwesen eine große Rolle gespielt. Wenn in
Friesland hohe Fluten drohten oder ein Wind nahte, dann wurde die
Gemeinde zusammengerufen durch »tha Klocka an to slan, iefta (oder) tha
bekena of to stekene.« Oder die Gefahr wurde »mith boeda iefte bakena«
den Freunden kund getan. Nachts ward das Reisigbündel auf der Stange
angesteckt und hieß dann Feuerbake, »vierbaeck.« Es war den Wächtern
genau vorgeschrieben, wann und in welchen Zeitabständen sie ihr
Feuerzeichen zu entzünden hatten. Wie sehr aber in altfriesischen Zeiten
der allgemeine Begriff von Zeichen noch galt, geht daraus hervor, daß
auch das Läuten der Glocken ein baken genannt wird. Im Theuthonista (XV.
Jahrh.) steht bake gleichbedeutend mit hagelkruys und bezeichnet ein zur
Erinnerung an einen verwüstenden Hagel errichtetes Gedenkzeichen in Form
eines Kreuzes. Im Angelsächsischen ward beácen sogar vom Kreuze Christi
gebraucht, als Siegeszeichen, sige-beácen. Im Beówulf (VIII. Jahrh.)
steht becn schlechthin als Zeichen; beácen heißt Feldzeichen,
Feldherrnzeichen, was aber damals noch keine Flagge, sondern der am Mast
aufgehißte Schild des Höchstkommandierenden war; auch kommt
heofones-beácen vor, Himmelszeichen, d. h. Feuersäule.
Brennende Baken dienten als Hochzeitsfackeln im friesischen Brautzuge.
In dem oldenburgischen Saterland, jener friesischen Enclave im Moor nach
dem Münsterländischen zu, wo sich viele Reste des Altfriesischen
erhalten haben (gesammelt von J. U. Minßen und in Ehrentrauts
friesischen Archiv veröffentlicht) feierte man noch im XIX. Jahrhundert
den Dienstag Abend der Fastnacht als »Bekenseivend.« Darüber berichtet
Strackerjan (»Aberglaube und Sagen aus dem Herzogtum Oldenburg«): »Wer
noch beinhaft (gehfähig, also noch einigermaßen nüchtern) war, machte
sich ein langes Strohbündel von 4 bis 6 Zoll im Durchmesser und 8 bis 12
Fuß Länge, das dicht und straff mit Bändern umwickelt war. Diese Beken
(plattdeutsch Baken) wurden mit Dunkelwerden angezündet, und die Leute
schwärmten damit in den Feldern umher, tolle Lieder singend und wild
schreiend.«
Bake als Seezeichen im engeren Sinne, also nicht blos als
Warnungszeichen, sondern als Wegzeichen oder vielmehr als Segelzeichen
finden wir zum ersten Male in dem auf der Kommerzbibliothek in Hamburg
aufbewahrten, von Karl Kloppmann, Arthur Breusing und Christoph Walter
herausgegebenen »Seebuch«, das um das Jahr 1400 geschrieben worden ist
und zahlreiche Segeldirektionen enthält, mit Berücksichtigung der Tiden,
Stromläufe, Seezeichen u. s. w. Da lesen wir: »also gy wilt segelen int
Vly so sole gy den torne unde de baken over en bringen.«
Dann findet sich das Wort in einer alten Chronik des Landes Dithmarschen
in ähnlichem Sinne: »Im Augusto vell ein gruwlich water ... welches
allenthalben den acker und wege dergestalt verdekde, also dat men ...
pale und baken stecken moste, dat man nicht des rechten weges feilede.«
Kilian aber erklärt Bake schon nur mehr mit »seemerk« und nennt auch
Bake das was heutzutage im seemännischen Gebrauche Boje heißt.
Jedenfalls ist das Wort jetzt ausschließlich Seemannseigentum. Kluge
erklärt es mit »Zeichen an der Hafeneinfahrt und zur Warnung vor
Untiefen«, und berichtet, daß es im Hochdeutschen zuerst von Sperander
1727 als »Leuchtturm« verzeichnet worden ist.
Ins Englische ist das Wort schon zu der angelsächsischen Zeit
übergegangen und es lautet jetzt beacon. Naturgemäß spielt es in dieser
Sprache eine große Rolle: »a mark or object of some kind placed
conspicuously on a coast or over a rock or shoal at sea for the guidance
of vessels.« »Various hills in England got the name of Beacon from the
fact of signal-fires having been formerly lighted on them.« Überhaupt
scheint in England der Gedanke an Feuer oder Licht in den Begriff von
beacon heute noch hineinzuspielen, denn das Zeitwort to beacon heißt to
afford light or aid, as a beacon; to light up; to illumine; to signal,
welch letztere Bedeutung sich mit besonderer Kraft behauptet hat, was
uns das noch verwandte Zeitwort to beckon beweist, »to make a sign to
another by nodding, winking, or a motion of the hand or finger«.
Von beacon kommt dann weiter beaconage, eine Abgabe zur Unterhaltung der
Baken. Das ward in Deutschland als juristen-lateinisches Wort
beconagium bekannt, wie die Gelehrten des Bremer Wörterbuches uns
berichten, ist zum Glück aber wieder außer Gebrauch gekommen. Die Bake
selbst aber ist nicht nur geblieben, sondern hat sich im Laufe der Zeit
und des großen technischen Fortschrittes der Seemannschaft zu etwas ganz
anderem ausgewachsen als einer sich beim Anblick eines mittelalterlichen
Strohwisches hätte träumen lassen. Gibt es jetzt doch sogar Baken, in
denen Nahrungsmittel, Betten, Decken für Schiffbrüchige enthalten
sind, also Rettungsbaken, wie es Baken mit Richtungsfeuer,
Landerkennungsbaken, Pfahlbaken, Steinbaken, Treibbaken, Signalbaken und
Winkbaken gibt.
Wegen der nahen Bedeutungsverwandtschaft ist Boje zu vergleichen. Das
Wort Bake hat sich so allgemeine Geltung verschafft, daß es beinahe
ausschließlich herrscht, und daß alle anderen Bezeichnungen für dieselbe
Sache, wie Fuse, Prikke, Steuder, Wacker, Wethe kaum mehr bekannt und
höchstens noch auf beschränktem Gebiet in einzelnen Gegenden im Munde
der Leute sind.
Das älteste mir zu Gesicht gekommene Bild einer Bake hat Lucas Janszoon
Waghenaer, Steuermann zu Enckhuysen, in seinem berühmten Buche: »Spiegel
der Zeevaerdt,« das in Leyden gedruckt, in »Amsteeredam« in eben dem
Jahre 1588 erschienen ist, in dem die »unüberwindliche Armada«
überwunden ward. Da heißt es -- vergl. Tonne --: »ende aen de ander
zyden op de sanden ofte platen staen gemeenlyck de Baekens met korven
bouen op in deser manieren«, und ist dann eine Stange abgebildet mit
einem Ball aus Korbgeflecht an der Spitze, wie man ihn auch heute noch
als Sturmball etc. etc. gebraucht.
*Balje*, die.
1. Ein Wasserbehälter = Bütte.
2. Ein Wasserlauf zwischen den Watten, fahrbar auch bei Ebbe, z. B. die
blaue Balje bei Wangeroog.
Französisch 1702: baille; holländisch 1702: baalie; Groningen: boalie,
boalje, melkboalie, Melkeimer.
Beide Bedeutungen sind aus alten Zeiten bezeugt, indem das »Seebuch«
balge für Wasserlauf hat und der Teuthonista baly für vas, Faß. Das
Gemeinschaftliche der Bedeutung ist der Begriff »Wasserbehälter«. Die
Balje im Watt behält ja ihr Wasser auch bei ablaufendem Wasser, bildet
also gleichsam eine Balje im Sinne von Bütte. Es ist auf das unter
»Bagger« Gesagte zu verweisen. Das heute noch in England gebräuchliche
bag hieß altenglisch bagge, a beggars bagge, ein Bettelsack; gälisch
bag, kymrisch baich, bretonisch beach = Last, Bündel. Der Dudelsack oder
die Sackpfeife heißt im englischen bekanntlich bagpipe. »The bagpipe
consists of a leathern bag, which receives the air from the mouth, or
from bellows; and of pipes, into which the air is pressed from the bag
by the performers elbow.« Was heute »a leathern bag« ist, das war, wie
bekannt, früher ein Balg, Ziegenbalg oder dergleichen. Wenn wir nun
bedenken, daß im Lombardischen der Weinschlauch baga heißt, und daß
Weinschläuche nichts anderes waren und sind als Bälge, so kommen wir auf
Balg als Etymon zu Bag. In der Tat sind überall die ersten Säcke der
Menschen abgebalgte Tierhäute gewesen. Bag ist aus Balg durch Schwund
des unbequemen l entstanden. Hieß doch im angelsächsischen bag noch
baelg, und im gälischen kommt neben bag auch balg vor. Natürlich wurde
solch ein Balg nicht bloß zum Weintransport benützt, er diente,
namentlich auch bei seegehenden Schiffen, als Wasserbehälter und
Wasserbehälter ist die Balje. Das Wort wird oft auch Balge geschrieben
und erinnert in dieser Schreibart noch mehr an seine Abstammung von
Balg. Gotisch balgs = Schlauch, mati-balgs = Brotsack, Reisetasche,
Eßsack; althochdeutsch: balg, was ins keltische als bulga übergegangen
ist; Festus: »bulgas Galli sacculos scorteos vocant«. Mittelhochdeutsch:
balc = Hülse (gleichsam das abgezogene Fell des Korns), Schlauch, großes
Trinkgefäss.
Um zu verstehen, wie aus Balge Balje geworden ist genügt es, an die
Schreibweise im »Seebuch« ballighe, oder noch einfacher und näher
liegend an die weitverbreitete Aussprache des g wie j zu denken.
*Ballast*, der.
Eine Last aus Sand, Eisen etc. die nur eingenommen wird um dem Schiffe
den nötigen Tiefgang zu verleihen.
Über die Bedeutung diese Wortes ist vielerlei vermutet worden. Es sollte
von Bale = Bole = Last kommen, weil es eine Last sei, die auf Bohlen
liegt. Aber dann wäre jede Last Ballast, denn worauf soll sie anders zu
liegen kommen als auf Bohlen?
Es sollte Back-Last, Rücklast, sein; allein, nicht jede Rücklast ist
Ballast, sie kann sogar sehr wertvoll sein. Dann hat man an das
keltische bal = Sand gedacht, aber nicht jeder Ballast ist Sand.
Halbertsma hat sich folgender Phantasie hingegeben: Bar-lest = saburra,
ex bara, unda, et lest, onus; »saburra enim impedit quo minus vacua
navis vi undae et venti in latus prosternatur«.
Und doch ist die Erklärung, auf die meines Wissens noch niemand
verfallen ist, sehr einfach. Man muß zunächst von Kriegsschiffen ganz
absehen und an Handelsschiffe denken, denen alles darauf ankommt,
gewinnreiche Ladung zu bekommen für Hin- und Rückfahrt. Wenn ihm das
nicht gelingt, so muß es freilich des nötigen Tiefganges wegen irgend
eine Ladung einnehmen, auch solche, die hernach einfach wieder
ausgeladen und als unnütz beiseite geworfen werden muß. Das ist dann
eine schlechte, böse, üble, nicht lohnende Last. Und eben darum heißt
sie Ballast. Bal hieß in allen germanischen Sprachen, heißt teilweise
sogar heute noch schlecht. Gotisch balvjan, einem Böses tun, ihn plagen;
althochdeutsch bale, malitia, balemund, schlechter Vormund, auch palo
und bale, Verderben, Bosheit, Qual, Pein (Ballast zu fahren macht den
Schiffer Qual und Pein genug); altsächsisch balu, Übel, baluwerk,
Übeltat, baluspraka, verderbliche, schlechte Rede; angelsächsisch balu,
bealu, perniciosus, malus; altenglisch bale, malus; altfriesisch bael,
böse, bael mond, baelmond, schlechter Vormund. Im späteren Friesisch
finden wir baldedich, gewalt-übel-tätig, balstiurrich, schlecht zu
steuern, von einem, der in seinem Zorn, seiner Wut schwer zu behandeln
ist; bal-éarich ist einer der schlecht hört. Auch im Nordfriesischen
(Outsen) kommt balstürig, schwer zu lenken, als sehr bekanntes Wort vor.
Desgleichen in Bremen für frevelhaft, gewalttätig. In Groningen sagt
man: »doar is't bal«, da ist es verkehrt, da steht es böse, da ist's
nicht in Ordnung. Ein unnützes Kind heißt da geradezu ballast. Ein
Junge, der nicht hören will, ist ein »Schlechtohr«, »'n baloorn van 'n
jong«. Ähnlich heißt in Westfalen balhaerig, schlecht hörend, und zwar
nicht taub, sondern schwerhörig von einem der aus Bosheit und Unart
nicht hören will.
Also »unnütze Last«. Das Richtige scheint schon der Teuthonista geahnt
zu haben, der es mit onnutte scheepvracht wiedergibt.
Desgleichen Kilianus: bal vet. Holl. malus, inutilis, baldaed
malefactum, baldaedigh maleficus; ballast: inutilis farcina, inutile
onus, quo navis oneratur, ut stabilior sit.
Im Übrigen ist die älteste Urkunde, in der ich das Wort gefunden habe,
ein Hansa-Receß vom Jahre 1442.
*Banjerdeck*, das,
eigentlich bloß Banjer, heißt auf kleinem Schiff mit nur einem Deck der
kleine Platz vor der Kajüte wo die Leute ihre »Logis« haben. Banje ist
Diminutivum vom niederdeutschen ban, das nicht nur wie im Hochdeutschen
Bahn einen freien Weg, sondern überhaupt eine freie Strecke, einen
freien Platz oder Raum bedeutet. Also: Der für die Mannschaft freie
Raum.
*Bank*, die.
1. Im eigentlichen Sinne: Bank zum Sitzen, s. Backen und Banken;
Ruderbank, s. ducht. 2. Übertragen: Austernbank, Felsenbank,
Korallenbank, Mudderbank, Sandbank, Nebelbank, Wolkenbank, Nagelbank
(mit den Koveinnägeln s. d.) Bank wird als nasalierte Form von Back,
Rücken, rundliche Erhöhung angesehen, was mit den Wörtern, bezw.
Zusammensetzungen in übertragener Bedeutung nicht übel stimmt, besonders
mit Sandbank, wofür man auch Sandrücken sagt. Kluge gibt einen
vorgermanischen Stamm bhangi an, was der Verwandtschaft mit Back
widersprechen würde, falls bhangi nicht eine vorgermanische Nasalierung
der Wurzel von Back -- bhag -- wäre.
*Baratterie*, die.
Dieses in der deutschen Marine ungebräuchliche, von Dabovich,
»Nautisch-technisches Wörterbuch der Marine« für die österreichische
Seemannssprache bezeugte Wort war dem gelehrten Roeding in Hamburg vor
hundert Jahren kein fremdes. »Hierunter versteht man alle Betrügereien,
die von Schiffern, zum Schaden der Rheder und Befrachter, gemacht werden
können. Z. E. Verfälschung und Bestehlung der Güter, oder Nebenwege, die
mit dem Schiff, ohne Wissen der Rheder, gemacht werden.« Holländisch,
dänisch, schwedisch Baraterie, englisch barattery, französisch
baratterie, italienisch, spanisch, portugiesisch baratteria. Diese
Einmütigkeit ist auffallend. Man hat unter den Rhedern wohl
übereinstimmend solches Verfahren verurteilt als eine Art von Seeraub,
wollte es aber nicht geradezu Piraterie nennen und verfiel daher auf
dieses ähnlich genug und doch nicht so hart lautende Wort.
*Barbetteschiff*, das,
ein (Panzer-) Schiff mit gepanzerten Barbettetürmen, die wegen der darin
aufgestellten Geschütze besonders starke Panzer tragen, während der
übrige Teil des Schiffes leichter gepanzert ist. Der Name kommt von der
heiligen Barbara, bei den Katholiken die Schutzpatronin der Artillerie;
ihr zu Ehren heißt auf französischen Kriegsschiffen die Pulverkammer St.
Barbe. Die heilige Barbara war eine römische Jungfrau, die um ihres
christlichen Glaubens willen den Märtyrertod erlitt, ihre Henker aber
wurden vom Blitz erschlagen.
*Barbican.*
Insofern deutsche Kriegsschiffsboote an der Treppe dieses Namens an der
Kaje zu Plymouth anzulegen pflegen, gehört dieses Wort hierher. Im
Mittelhochdeutschen hieß barbigan der Teil der äußersten Festungswerke,
aus dem Ausfälle gemacht wurden. Altfranzösisch barbacane, Brustwehr mit
Schießscharten. Soll aus dem Arabischen bab-kanah, a gateway, kommen.
*Bardse*, s. Bark.
*Bark*, die.
Ein Segelschiff mit drei Masten, von denen die beiden vordersten Rahen,
der dritte nur Schratsegel führt. In der Form Barke bedeutet es
überhaupt ein Schiff oder ein Boot, namentlich, und jetzt so ziemlich
ausschließlich, in dichterischer Rede. Die Erklärung bietet zwei
Möglichkeiten: man denkt entweder an bark = Rinde oder man greift auf
die Wurzel bhar, tragen, zurück. Fände sich das Wort nur in den
germanischen Sprachen, so könnte man mit Wackernagel das altnordische
barkr, Bark, mit börkr, Borke, Rinde, für nahe verwandt halten. Wie
manche Naturvölker heute noch tun, so mögen in uralten Zeiten auch
unsere Väter Boote aus Baumrinde verfertigt haben. Aber bezeugt ist es
uns nicht, und wer die neuerdings hie und da ausgegrabenen Schiffe
gesehen hat, der weiß, daß die Verdrängung des altdeutschen Einbaums
durch kunstvoll zusammengefügte Holzschiffe schon nach Jahrtausenden
gezählt werden kann. Überdies haben auch alle romanischen Sprachen das
Wort, und es kommt als barca bereits im frühesten Mittellatein vor; dann
italienisch, spanisch, portugiesisch barca, französisch barque,
(kymrisch, Breizonek und gälisch barc) wovon barge, Boot, baril und
barique, Faß.
Da ist es doch das Einfachste, zumal ein griechischer Name baris für
einen Kahn, besonders ein ägyptisches Nilschiff, bezeugt ist, an
griechisch phero, lateinisch fero, deutsch im ganzen niederdeutschen
Sprachgebiet heute noch bören, zu denken, ein Wort das in sehr
verschiedener Bedeutung vorkommt: gebähren, gebahren, Gebühren, Bahre,
Beere, Birne, Baron, aber immer den Begriff des Tragens ausdrückt. Bei
einem Schiffe, das ganz besonders zum Tragen bestimmt ist, liegt also
bören näher als Borke.
Schon früh im Mittelniederdeutschen kommt die Form bardse, barse, im
Seebuch 1400 bartze, bardzee vor. Hätte man damals das Bewußtsein
gehabt, einem einheimischen Worte gegenüber zu stehen und an Borke
gedacht, man hätte solche sonderbare Veränderungen davon nicht
vorgenommen; dies ist wenigstens eher zu begreifen, wenn man annimmt,
daß ein Lehnwort mundgerecht gemacht werden sollte.
*Barkasse*, die.
Das größte der Schiffsbeiboote, zum Rudern und Segeln eingerichtet,
manchmal auch Dampfbarkasse.
Einige Erklärungen haben es sich leicht gemacht und einfach gesagt:
Barkasse von Bark, aber wie oder wo sich diese ja an sich nicht
undenkbare Weiterbildung vollzogen hat, das sagen sie nicht. Das Wort
hat anderen Ursprung. Vom lateinischen arca ward ein italienisches
arcaccia, spanisch arcaza, Kasten, gebildet, französisch arcasse =
Kastell im Hinterteil des Schiffes. An dieser arcasse war ein großer
Balken, grande barre, angebracht, der (grande) barre d'arcasse hieß und
als Davit diente (s. d.), nämlich zum Aufhängen, Hissen und Fieren des
größten Schiffsbeibootes. Und das empfing von dem Balken an dem es hing
den Namen Barkasse.
*Barkun*, der.
»Barkuns sind hölzerne oder eiserne, nicht drehbare, dafür aber
auslegbare Krähne, an welchen ein oder mehrere Boote klar zum Fieren
aufgehängt werden können.« Nach dieser von Dick und Kretschmer, Handbuch
der Seemannschaft, gegebenen sachlichen Erklärung und nach dem, was
unter »Barkasse« nachzulesen ist, dürfte es klar sein, daß Barkun im
Gedanken an barce d'arcasse gebildet, nämlich abgekürzt und mit einer
neuen mundgerechten Endung, und zwar, wie ein Blick auf Pardun und
andere Wörter ähnlicher Endung beweist, in niederdeutschem Sprachgebiet,
versehen worden ist, denn die Bedeutung von Barkun ist so ziemlich
dieselbe von barre d'arcasse.
*Barring*, die.
Barrings sind von Bord zu Bord reichende und in guter Deckshöhe über dem
Oberdeck oder Aufbaudeck angebrachte Decksbalken, die häufig, namentlich
bei kleineren Schiffen, noch mit einem Deck, dem Barringsdeck, belegt
sind; bestimmt zum Tragen von Schiffsbeibooten und Reservehölzern etc.
Ebenso wie Bark und Barre von der Wurzel bhar = tragen abstammend, sei
es daß dabei unmittelbar antragen, sei es daß an barre, Tragbalken,
gedacht ist; wahrscheinlich letzteres, so daß wir also das hochdeutsche
Barre mit niederdeutscher Endung vor uns haben.
*Bare* = Welle, s. Barre.
*Bärme* s. Berme.
*Barre*, die,
seichte Stelle vor einer Flußmündung, durch Ablagerung des vom Flusse
mit sich geführten Sandes, ein Hindernis, eine Beschränkung des Aus- und
Einsegelns. Schranke ist die zu Grunde liegende Bedeutung. Von der unter
Bark erwähnten Wurzel bhar, tragen, kommt althochdeutsch bara, para,
Balken, zunächst als etwas Tragendes, Tragbalken, sodann aber auch etwas
Beschränkendes, Schranke, eingehegtes Stück Land, abgeteiltes Stück
Feld. Mittelhochdeutsche barre = Schranke, Zaun, Gehege; verbarren durch
Schranken versperren; englisch bar; französisch barriére, besonders aber
barre, Stange, Balken, Rost, Klampe, Ruderpinne, barres de hune =
Salingshölzer; und das unter Barkasse nachzulesende barre d'arcasse;
barre de cabestan, Spillspaken. Keltisch bar, Ast. Spanisch barrera,
davon embarazo, französisch embarras, Sperrung, Hindernis, und barricade
(barricata).
Von gleicher, »tragen« bedeutender Wurzel kommt auch das niederdeutsche
bar, bare, mittelniederländisch baere, niederländisch baar, Woge, Welle,
Sturzwelle, Brandung; vergl. Lüpkes Seemannssprüche: »barra waegen,
barra streamen«, »Wellen wogen, Wellen strömen«; sei es daß die Wellen
tragen, sei es daß sie getragen (gehoben bewegt) werden.
*Bauchgording*, die,
gewöhnlich Bukgording, oft auch noch kürzer Buggerding lautend, wie
Nockgording (s. d.) Noggerding. Ein vom Winde gefülltes Segel sieht in
der Mitte aus wie ein wohlgerundeter Bauch; die Taue die dazu dienen
beim Segelbergen diese bauchige Stelle des Segels aufzugeien heißen
Bauchgordinge. Gording, Görde, Gördel ist ein Gurt, Gürtel, Band,
Riemen, irgend etwas zum Binden und Gürten, besonders Beinkleider. Die
altdeutschen Frauen banden ihre Haare mit einer wida, einer Weide, auf;
da ist es nicht zu verwundern wenn die Männer für Befestigung ihres
Anzuges eine (schwanke, biegsame) *Gerte* verwandten; gothisch gairda,
angelsächsisch gyrd, altenglisch gurd, englisch girt, altnordisch
gjördh, isländisch gjörd, norwegisch gjord und gyrda. Gording im
seemännischen Gebrauch wird man also am besten mit Gurttau übersetzen;
also Bauchgurttau.
*Batterie*, die.
Der Standort der Geschütze; ist ein eigenes Deck für die Geschütze da,
so heißt dieses das Batteriedeck, oder auch kurzweg die Batterie.
Besonders aber heißt, wie am Lande, eine unter sich zu einem bestimmten
Verbande gehörige Anzahl von Geschützen Batterie; Steuerbordbatterie,
Backbordbatterie; auch die Gesamtheit aller Geschütze, vergl. das
Kommando beim Geschützexerzieren: »Batterie halt!«
Mit Bataillon einer Herkunft, sowie mit Bataille, von battre schlagen;
wahrscheinlich auch wie Bataillon Lehnwort des 30jährigen Krieges und
von der Landarmee an Bord übertragen.
*Baxterlagerung*, s. Baxterspill.
*Baxterspill*, das,
eine nach dem Erfinder genannte verbesserte und vereinfachte neue Art
von Spill (s. d.). Durch Trennung der Kettentrommel vom Spillkörper ist
erreicht worden, daß die »mühsame Arbeit, welche früher das Legen der
Kette um das Spill und das Abnehmen derselben vom Spill verursachte«
erspart wird. »Das Spill ist im Moment klar zum Hieven, und auch das
Abstoppen der laufenden Kette vollzieht sich in erheblich sicherer und
einfacherer Weise.«
»In Verbindung mit dem Baxterspill kommt in neuerer Zeit auch bei
Kriegsschiffen für die Buglagerung der Inglefield und Hall-Anker,
seltener für die Hecklagerung die sogenannnte *Baxterlagerung* zur
Anwendung.« »Diese Lagerung charakterisiert sich dadurch, daß die Anker
in die Klüsen hineingehievt werden.« Früher hingen die Anker längsseits.
Das kommt auch jetzt noch vor, ist aber veraltet; ebenso wie das
»Gang«-Spill.
*Bedaren*,
zur Ruhe kommen, vom Sturm; auch von einem aufgeregten Menschen, daher
bedard, beruhigt, und bedardheit, Ruhe, Bedächtigkeit. Doornkaat meint,
das Wort komme nur im Niederdeutschen und Niederländischen und sonst
nirgends, so weit ihm bekannt, vor. Es ist aber außerdem noch ein
dänisches (bedare) und schwedisches (bedara) Seemannswort, und zwar
dorten wie bei uns im Sinne von abmojen, kalmen gebraucht. Roeding:
»Wenn das Wetter anfängt still und ruhig zu werden, und der Wind aufhört
zu wehen, so sagt man: es bedaart.« Es ist allerdings ein Wort mit
auffallend geringer Sippschaft; von der Wurzel dhar, halten, haften,
bleiben, abstammend.
*Befahren.*
Als Zeitwort so viel wie auf etwas fahren, einen Weg, eine Straße, das
Meer befahren. Als Adjektiv einen Mann bezeichnend, der viel zur See
gefahren ist; oder vielmehr, wie der Seemann sagt, gefahren hat. Ist
einer so befahren, daß er das Kap Hoorn und das Kap der guten Hoffnung
umschifft hat, so darf er, wie verlautet, an einigen Küstenplätzen in
seemännischer Gesellschaft -- beide Beine auf den Tisch legen. Einen
nicht-befahrenen, unerfahrenen Seeoffizier nennt Aristophanes, wie
Roeding behauptet, einen »Asalaminrium«, also einen, der nicht ist wie
die von Salamis.
*Befluten*,
»unter Wasser setzen«. Alle Munitionskammern an Bord S. M. Schiffe sind
zum Unterwassersetzen (Befluten) einzurichten, damit bei einem
Schiffsbrande der Explosionsgefahr begegnet werden kann. Es gibt
natürliche Beflutung bei tiefliegenden Munitionskammern, die unmittelbar
durch Bodenventile beflutet werden können; künstliche Beflutung bei
hochliegenden Munitionskammern, die durch Dampfpumpen beflutet werden
müssen; und gemischte, wo beide Arten in Kraft treten, die Worterklärung
ergiebt sich von selbst aus Flut (s. d.)
*Bei.*
Das Kommando für die Leute am Ruder wenn sie bei dem Winde, am Winde (s.
d.) steuern sollen. Wenn nicht so hart am oder beim Winde gesegelt, also
nicht »gekniffen« werden soll, dann heißt das Kommando: »voll und bei!«
*Beiboote*, die,
auch Schiffsboote; »jedes Schiff ist mit einer Anzahl von Booten
ausgerüstet, welche die verschiedenartigsten Anforderungen zu erfüllen
im Stande sein sollen. Dieselben dienen nämlich zum Verkehr der
Besatzung mit dem Lande oder anderen Schiffen, zur Beschaffung von
Material, Wasser, Proviant u. s. w., zum Ausfahren von Ankern und
Trossen, zum Auffischen über Bord gefallener Menschen oder Gegenstände,
zur Ausbildung der Mannschaft im Rudern und Segeln, als Rettungsmittel
für die Besatzung bei Schiffsunfällen, bei Landungszwecken zum Aus- und
Einschiffen des Landungskorps, zum Ausloten unbekannter Fahrstraßen, zur
Herstellung von Sperren.« »Da zur Erfüllung dieser verschiedenen Zwecke
teilweise ganz verschiedenartige Rücksichten und Anforderungen maßgebend
sein müssen, so ergibt sich ohne Weiteres die Notwendigkeit
verschiedener Bootsklassen oder Gattungen.« (Dick u. Kr.) Als da sind
(in der K. Marine): Dampfbeiboote, Motorboote, Barkassen, Pinassen,
Kutter, Gigs, Jollen, Dingis, Walfischboote und Beiboote für
Torpedoboote.
*Beidrehen*
heißt an den Wind gehen (s. »am Winde«) oder auch das segelnde Schiff
sonst auf irgend eine Weise zum Stillstand bringen, hauptsächlich durch
Backbrassen der in Betracht kommenden Segel. Vor allen Dingen ist aber
wichtig das seemännische Manöver des Beidrehens, des an den Wind Gehens,
im Sturm. Wenn das Schiff eine Weile »gelenzt« hat, d. h. vor dem Sturm
gelaufen ist, und der Kapitän kann wegen zu hohen Seeganges oder will,
weil ihm die Richtung nicht paßt, das Lenzen nicht fortsetzen, so dreht
er bei. Das muß mit Geschick und Umsicht gemacht werden, damit
Sturzseeen dem Schiff nicht gefährlich werden. Die Folge des Beidrehens
ist das *Beiliegen*. Das Schiff »liegt bei« (dem Winde) bis besser
Wetter eintritt, und es handelt sich hauptsächlich darum, daß es mit dem
Kopfe auf der See liegt, nicht abfällt (s. d.), weil es dann die See
besser hält, weniger Sturzseeen übernimmt.
*Beibuchten.*
Wenn ein Tau aufgeschossen wird, was, je nachdem es gedreht ist, mit der
Sonne oder gegen die Sonne zu geschehen hat, so entstehen so viele
Buchten -- von biegen -- so viele Kreise das Tau beim Aufschießen
bildet. Wenn diese Kreise oder Buchten nicht so viel Platz einnehmen
oder aus irgend einem Grunde, z. B. beim Deckwaschen aufgehängt werden
sollen, so werden sie mit einem Band oder Bändsel zusammengebunden,
damit sie nicht »unklar« werden und leicht wieder gebrauchsfähig gemacht
werden können. Dieses Zusammenbinden heißt beibuchten. Im übertragenen
Sinne heißt einen beibuchten ihn einsperren, in Arrest schicken.
*Beilbrief*, der,
früher Bielbrief, niederländisch bylbrief, dänisch bül-brev, schwedisch
bil-bref. Weil das Wort englisch bill of sale heißt, so könnte vermutet
werden, diese bill hätte dem Beilbrief den Namen gegeben, er würde also
eine Tautologie darstellen. Das würde nun an sich nichts ausmachen, weil
es öfters vorkommt, aber ich sehe doch nicht an, bei dem Worte an Beil,
Schiffszimmermannsbeil zu denken. Es bedeutet ja einen Kontrakt zur
Erbauung eines Schiffes, der zwischen »einem Zimmermann und Demjenigen,
der ein Schiff bauen läßt, gemacht,« schriftlich abgeschlossen wird; das
Beil aber ist und bleibt doch immer des Zimmermanns Hauptwerkzeug.
Bestärkt wurde ich in diesen Gedanken durch das Eigenschaftswort
beilfertig, bielfertig, niederländisch bylvaardig, dänisch bilfaerdig,
schwedisch bilfardigt, welches das Schiff als fertig im Holzwerk
bezeichnet ohne Takelage und Zubehör, also in dem Stande, bis zu welchem
das Beil die Hauptarbeit an ihm getan hat.
*Bekaier*, der,
heißt dem Wortlaut nach ein Tau das zum Kaien dient, hieß aber früher
auch der Oberlee-Segelsniederholer, auch das Tau, womit das oberste Ende
der »Besansrute« aufgetoppt wurde, beim »Überstaggehen«, und heißt auf
Schmacken, Jachten und Kuffen die Braß der Bagienrahe, die nach vorne
fährt.
*Bekleiden*, das,
Tauwerk an Stellen, wo es dem Reiben, also dem Schamvielen, ausgesetzt
ist, mit Schmarting, Matten, Schlatting, Schiemannsgarn, Sarving,
Platting etc. umwickeln; es wird auch Leder dazu genommen; die
wichtigste Bekleidung aber ist die der Wanttaue, die, nachdem sie mit
einer Trensing versehen sind, in ihrer ganzen Länge mit Schiemannsgarn
fest umwickelt werden. Auch das Deck eines Schiffes kann bekleidet
werden, s. Kleid.
*Belauf*, der,
die Gestalt und Richtung, in der ein Balken, z. B. ein Lieger,
Bauchstück oder eine Wrange, Bodenwrange verläuft; dementsprechend auch
die äußere Gestalt des Schiffsbodens, oder die Verengung desselben,
vorne oder hinten; man sagt von einem Schiff, daß es einen feinen Belauf
hat, wenn es sich vorn und hinten sehr verengt und spitz zuläuft.
(Roeding, Datovich).
*belegen*,
ein »laufendes« Tau mehrmals um ein Belegholz, z. B. eine Klanpe oder
einen Koveinnagel, kreuzförmig über einander schlagen, um es fest zu
machen. Die Koveinnägel heißen darum auch Belegnägel und die Bank an der
sie befestigt sind, Belegbank, so wie die Klanpe auch Belegklanpe
genannt wird. Man spricht auch vom Belegen eines Befehls, wenn einem
gegebenen Auftrage nicht weitere Folge gegeben werden soll, oder wenn er
zurückgenommen wird; das ist bildlich: das belegte Tau bewegt sich nicht
mehr und der belegte Befehl gilt nicht mehr.
*belemmern.*
Wo es, wie auf einem Schiffe, auf Ausnützung des Raumes ankommt, da muß
dafür gesorgt werden, daß keiner der vielen Gegenstände, die an Bord
gebraucht werden, dem anderen im Wege stehe und seinen Gebrauch
verhindere oder erschwere, d. h. belemmere. Auch ein Mensch kann den
andern belemmern, wenn er ihm Wege steht oder »zu nahe auf der Pelle
sitzt«. Es bedeutet aufhalten, hemmen, hindern, *lähmen*. Es ist
verwandt mit lahm, ein Frequentativum des mittelniederdeutschen belemen,
althochdeutsch bilemjan, pilemmen, bilemen. Es wird auch gebraucht, wenn
ein Raum, ein Boden, eine Last zu voll gepackt ist, daß man sich nicht
darinnen bewegen, rühren kann.
Daß die »Beschriving van der Kunst der seefahrt«, das Loggen als eine
»belemmering« ansieht, ist unter Log nachzulesen; wie Fritz Reuter
Belemmerung anwendet, s. unter praien. Belemmertheit ward im
Mitteldeutschen aber zuweilen auch für Beschäftigung gebraucht: »De
ander remedie (gegen gulsicheit, Gefräßigkeit) is ... Van redelike
dinghen belemmerthede.«
*benauen.*
Ein Schiff benaut das andere, wenn es ihm, »die Luv (-seite)
abgewinnend«, den Wind zum Segeln wegnimmt. Sodann heißt benauen ein
feindliches Schiff in einem Hafen einschließen und bewachen, daß es
nicht heraus kann. Endlich sagt man, wenn die Luft von Natur schwül oder
durch Verbrauch im engen Raum mit vielen Menschen verdorben ist, »es ist
benaut«.
Vom niederdeutschen nau, mitteldeutsch nouwe, niederländisch naauw,
dicht, enge, beengt, bedrängt, beschränkt, knapp, genau; das *nau* in
genau ist die hochdeutsche Verwandtschaft.
*Bendsel*, der und das,
auch Bindsel, ein Band, ein Stück Bindfaden; nicht zu verwechseln mit
dem hochdeutschen Bändel, welches ein Diminutivum von Band ist; vielmehr
dürfte Bindsel eine Verkürzung von Bindseil sein und Bendsel nur eine
Nebenform dazu.
*Bergen*.
Am häufigsten findet sich im seemännischen Gebrauch die Wendung »Segel
bergen«, ein Kommando das immer ertönt, wenn die Segel »eingezogen« d.
h. festgemacht werden sollen. Daneben spricht man vom Bergen einer
Ladung bei gestrandetem oder sonst gefährdetem Schiffe, man sagt auch
»sich bergen«. Der gemeinschaftliche Begriff ist: in Sicherheit bringen,
und zwar ist, da dem Stamme bhergh die Bedeutung »hoch, Anhöhe«
beiwohnt, der ursprüngliche Sinn ohne Weiteres klar: sich vor einer
Flut, einer Überschwemmung oder sonstigen Gefahr auf einen Berg
(womöglich in eine Burg) begeben und so in Sicherheit bringen. Nur bei
»Segel bergen« hat sich die Bedeutung so weit verflacht, daß es, auch
wenn kein Sturm naht und kein Segel in Gefahr steht weggerissen zu
werden, sondern auch beim Segelmanöver im Hafen und bei gutem Wetter
gesagt wird. Eigentlich nur noch bei Seeleuten übrig, die andern sagen
jetzt verbergen und haben noch den Begriff des heimlichen, des
Versteckens hinzugetan. Althochdeutsch pergan (gothisch bairgan)
angelsächsisch beorgan, niederländisch bargen. Vergl. Herberge,
althochdeutsch heriberga, Ort wo ein Heer geschützt lagern kann. Die
älteste Bedeutung des jetzt so friedlichen Wortes ist also kriegerisch;
italienisch albergo, altspanisch, neuspanisch und portugiesisch
albergue, altfranzösisch herberc, neufranzösisch auberge. In alten
Zeiten hatte man vielfach »Freiberge« (woher die zahlreichen
Städtenamen), Berge wohin ein Verfolgter fliehen konnte und wo er eine
Zeit lang unverletzlich war. Es gab in Eiderstedt und Dithmarsen
Freyberge, davon 3 in Eiderstedt, einer bei jedem Gericht, »wo ein
Missetäter auf drei Tage sich frei und sicher bergen konnte.« Daher die
Türme auf den Höfen mittelalterlicher Burgen Bergfriede, richtiger
Bergfriete, Bergfreite. Und was jetzt bei uns Friedhof heißt, müßte
Frithof = Freithof geschrieben werden.
*Berghölzer*, die,
sind Verstärkungen der Außenbordwand und somit des ganzen (hölzernen)
Schiffes; sie laufen der Länge nach um das ganze Schiff herum, sind also
eigentlich Außenbordsplanken, nur stärker wie diese und daher über sie
herausragend und die glatte Fläche der Bordwand unterbrechend. Das
Zeitwort bergen, ostfriesisch bargen, heißt im niederdeutschen
Sprachgebrauch nicht nur verstecken, in Sicherheit bringen, sondern auch
sonst sichern, bedecken, schützen. Da nun das große Bergholz grade an
der breitesten Stelle des Schiffes angebracht ist, so bedeutet der Name
nicht nur eine Sicherung und Befestigung des Schiffes im Allgemeinen,
sondern auch im Besonderen einen Schutz der am meisten gefährdeten
Stelle gegen Stoß oder Anprall an ein anderes Schiff, an ein Bollwerk,
eine Kaje, eine Pier etc. etc. Ich finde das Wort (in der
niederdeutschen Form Barchholt) zum ersten Male in der »Beschriving van
der Kunst der Seefahrt,« 1673, in einer Segelanweisung wie man »by
Harvestdagen upt sekerste dorch dat Schager Rack, offt uth den Sund na
den Schagen« segelt. »Truwet awerst den Schagen by Nacht nicht tho veel,
ydt wehr den Saack dat gy gut und sichtlick Wedder hadden, alß men by
Dage buten de Trendel langest segelt, und dat men den upt Barchholt mit
de Foeten by dat Water steit, so kom men Lesö by klaren Weder even
sehen« ...
*Berme*, die,
Deichberme, Deichrand; französisch berme, Rand eines Festungsgrabens;
spanisch berma; englisch brim, angelsächsisch brymme, Rand, Saum;
niederländisch kommen beide Formen vor; breme, Rand und berme, Deich.
Beweis, daß Berme nichts weiter als eine durch Metathesis veränderte
Form von bram ist, welches (vergl. Bram und Bräm) den äußersten Rand
bedeutet.
Ob der Name der Stadt Bremen von breme, brim, Rand, so daß Bremen also
ein Uferort wäre, oder von brim, Meer, so daß er einen Meerort
darstellte, oder vom angelsächsischen breme, berühmt, abzuleiten ist,
haben die Bremer die Wahl.
*Besan*, der.
Das große Gaffelsegel am Kreuzmast, der, wenn er keine Rahen hat, also
wenn das Schiff Barktakelage besitzt, eben nach dem Besan Besanmast
genannt wird. Die Erklärung des Namens wird erschwert durch das
Vorkommen anderer, ähnlich lautender. So gab es im Mittelalter eine
Münze, die italienisch bisante, spanisch und portugiesisch besante,
provençalisch bezan, altfranzösisch besant, englisch ebenfalls besant
hieß. Sie hat aber, aus dem Mittelmeer stammend, mit unserm Besan nichts
zu tun, (trotzdem dieser in seiner Gestalt an ein lateinisches Segel
erinnert), denn sie hieß lateinisch byzantus, griechisch byzantos; es
ist also klar, woher sie stammt (wie der Taler von Joachimstal, der
Heller aus Hall, der Batzen aus Bern seinen Ursprung an der Stirn trägt)
und was sie bedeutet.
Sodann gab es nach Kilian ein niederländisches Wort besaen, das
Eierschale und eine Art billigen alaungegerbten Leders bezeichnete;
damit ist auch nichts gewonnen. Wichtiger für uns ist es, daß Kilianus
ein Wort besane hat, das er mit epidromus übersetzt, dessen Wichtigkeit
aber darin besteht, daß er dafür auch die Form mesaene beibringt, denn
nun dürfen wir auch annehmen, daß unser Besan einmal mit m angelautet
hat. Er heißt zwar im Holländischen und Schwedischen auch bezaan, besan,
aber dänisch mesan, englisch mizen, italienisch mezzana, spanisch
mezana, portugiesisch mezena, französisch mizaine -- und alle diese
Wörter sollen aus dem Lateinischen stammen, und zwar nach Kluge aus
medius, so daß also ursprünglich an einem anderen, *mittleren*, Standort
das Segel seine Verwendung gefunden haben muß. 1695 Mesansegel, 1732
Bezaansegel, jetzt kurz: der Besan.
*Besatzung*, die,
eines Schiffes heißt die Gesamtheit derer die auf ihm eingeschifft sind
zu dauerndem, dienstlichen Aufenthalt; die Schiffsmannschaft, früher
Equipage, welches Wort in seiner fremden Gestalt uns kaum noch daran
erinnert, daß es von dem niederdeutschen scip stammt und niederdeutsch
eskipage hieß, alles zusammenfassend was zur Bemannung und Ausrüstung
eines Schiffes nötig ist; bald auch die Ausrüstung eines sich auf dem
Lande bewegenden Fahrzeuges, Kriegsgepäck, Reisegerät, Kutsche und
Pferde.
*beschlagen*, s. Beschlagseising.
*Beschlagseising*, der.
Beschlagen, althochdeutsch bislahan, mittelhochdeutsch beslahen:
schlagen auf, festschlagen, umfangen, umschließen (s. Schlag),
verschließen, bedecken u. s. w. Die meisten Bedeutungen sind im
seemännischen dieselben wie im Hochdeutschen, nur beschlagen bedarf der
Erwähnung insofern es das Festbinden der aufgegeiten Segel an die Rahe
bedeutet; solches geschieht mittelst der Beschlagseisings, Bändseln, an
denen das eine Ende spitz zuläuft, das andere mit einem Auge versehen
ist; s. seisen.
*Beschute*, die.
Seemännisch nur in Verbindung mit Hartbrot, »eine Beschute Hartbrot«,
sei es wegen der Gestalt, sei es wegen des Hartgebackenen,
Zwiebackähnlichen. Niederländisch bischuyt, nichts anderes denn eine
volkstümliche Form des französischen biscuit. Zwey-Back sagt der
Übersetzer der »durchläuchtigsten Seehelden« 1681. Er beschreibt die
Entdeckung der Magellanstraße und erzählt von einem Patagonier, der »auf
einer Mahlzeit einen ganzen Korb mit Zwey-Back aufgegessen, und in einem
Zuge soviel Wein, als ein Wasser-Eimer halten möchte, ausgesoffen.« Als
ob sie auf dem Geschwader Magellans ihr Brot und ihren Wein nicht besser
hätten anwenden können, die wahrlich knapp genug waren.
*Beschmarten*, s. Schmarting und bekleiden.
*Besetzt sein*, s. Legerwall.
*Besteck*, das.
1. Der Entwurf, der genaue Plan eines zu bauenden Schiffes; auch eines
zu bauenden Hauses. Ein ähnliches Wort wie Riß von ritzen (Runen ritzen,
writan, to write, schreiben); ein Plan, der nicht umrissen, sondern mit
Stichen bezeichnet, mit Stecknadeln abgesteckt ist. 2. Das
Mittagsbesteck oder überhaupt die Bezeichnung der Stelle, wo sich nach
genauer Berechnung, wenn es aber nicht anders sein kann, auch nach
Gissung, das Schiff zu einer bestimmten Zeit befindet, der Punkt, wo
Länge und Breite sich schneiden (s. absetzen), ein Punkt, an welchem die
Spitze des Zirkels ein kleines Loch in das Papier der Seekarte
*sticht*. In der weiteren Entwicklung des Begriffes Besteck = Plan, Maß,
ist Besteck auch schlechthin zu Maß geworden; ein Maß von Torf.
Groningen: »alles noa bestek hebben«, alles so haben, wie es sich
gehört. Auch gleichbedeutend mit Regel, Ordnung, Zeiteinteilung.
Ostfriesland: »wat hebben dei menschen 'n roar bestek, zy eten om vier
uur.« Ein Abstecher ist demnach eine Abweichung von dem ursprünglichen
Reiseplan und -Wege.
Daß »Besteck« in der Tat von dem »Stich« des Zirkels in das Papier der
Seekarte den Namen hat, geht aus einer Stelle bei Waghenaer, »Spiegel
der Zeevaerdt«, »Amstelredam« 1588, hervor: »Soo sal hy alsdann nemen
twee Passers, (Zirkel) met d' een de mylen metende die hy ghist ghezeylt
te hebben. Ende met den anderen Passer lancxt Compasse stryckende de
Cours die hy ghezeylt heefd tot dat de voeten van de Passers aen den
anderen comen, daer weder een *sticke met eenen scherpen Passer oft
plompe naelde settende*, soo datment met cryt wederom wt doen cän«.
*Bestroppen*,
einen Stropp (s. d.) um einen Block, der zu diesem Zwecke mit einer Keep
(s. d.) versehen ist, legen und festbändseln, damit er irgendwo, wo er
Halt hat, befestigt werden kann. Im übertragenen Sinne gebraucht der
Seemann das Wort häufig da, wo ein anderer sagen würde: das wollen wir
schon machen, das wollen wir wohl kriegen.
*Betel* s. Kalfatern.
*Beting*,
die eine Vorrichtung zur Befestigung der Ankerketten an Bord, starkes
querschiffs laufendes, abgestütztes Gestell. Bett und Beet haben beide
die Bedeutung: Bleib-, Haft-, Sitz- oder Ruheding, von der Wurzel bhad =
binden, fesseln, festen und haften, halten, tragen. Beting ist ein
niederdeutsches Wort von derselben Herkunft, bei dem der Gedanke an das
Halten, Festhalten des Ankertaues zum Ausdruck gekommen ist.
*Beweert*
ist ein Schiff, wenn es wegen schlechten Wetters verhindert ist, in
See zu gehen. Doch kommt das Wort nicht etwa davon her, daß widriger
Wind oder sonst schlechtes Wetter ihn solches wehrte, vielmehr ist
beweert eine Zusammenziehung von bewettert, oder vielmehr, da es sich um
niederdeutsches Gebiet handelt, von beweddert; das niederdeutsche wedder
ist ja durchgängig im Munde des einsilbigen Volkes zu weer, wér
geworden.
*Bilander*, der,
ein zweimastiges Schiff in Schweden, England und besonders in Holland
gebräuchlich, das als besonderes Unterscheidungsmerkmal eine eigenartige
Stellung der großen Rahe und dieser entsprechende trapezförmige Gestalt
des Großsegels hat. Die Rahe macht mit dem Mast ungefähr einen Winkel
von 45°, ihre oberste Nock befindet sich über dem Heck, die unterste
über dem Mittelschiff. Diese Gestalt ist offenbar mit Rücksicht auf
enges Fahrwasser gewählt, um nicht so viel Raum in Anspruch zu nehmen.
Denn für Binnenschiffahrt und Fahrt »*bi Lande*« ist das Fahrzeug
bestimmt. Vier bis fünf Mann genügen zur Handhabung der Segel.
»Why choose we, then, like bilanders to creep
Along the coast, and land in view to keep.«
Dryden.
*Bilge*, die.
Der unterste Raum des Schiffes in dem sich das eingedrungene Wasser
sammelt; auch dieses Wasser selbst. Letzteres ist die ursprüngliche
Bedeutung des Wortes, welches mit Balg nahe verwandt ist. Balg aber
entstammt einer Wurzel, die »anschwellen« bedeutet. Offenbar hatte man,
wie ja alle Sprache ursprünglich Bildersprache war, einen aufgeblasenen
oder mit Wasser gefüllten Balg vor Augen. Aus derselben Wurzel stammt
das in Ostfriesland vielfach gebrauchte Verbum belgen, niederländisch
belghen, angelsächsisch belgan, englisch to bulge. Auch im
Mittelniederdeutschen war dieses belgen gebräuchlich. Es bedeutet in
Bewegung kommen, in Hitze und Zorn geraten, dick werden, anschwellen,
»geschwollen sein auf jemanden«, weil einem zornigen Menschen das Blut
zu Kopf steigt, das Gesicht sich rötet, die Adern aufschwellen und dick
hervortreten. Der Begriff des Anschwellens ist auf das Wasser angewandt
worden, (»das Wasser rauscht, das Wasser schwoll«). Eine solche
rauschende, schwellende Woge heißt, entsprechend dem erwähnten belgen,
Bülge; schwedisch bölja, dänisch, bolge, altnordisch bylgja, wie denn
sinnreich und bedeutungsvoll eine der Töchter des Meergottes Ägir in der
Edda Bylgia genannt wird. Dieses Bülge aber brauchen wir nur mit i
anstatt mit ü zu schreiben, (im Englischen wird es sowohl bulge als auch
bilge geschrieben), dann haben wir unser urdeutsches, nur etwas
anglisiert ausgesprochenes Seemannswort Bilge. Mit einiger Phantasie
können wir uns leicht vorstellen, wie bei den alten deutschen
Seefahrern in ihren immerhin kleinen, oft offenen Schiffen diese im
untersten Schiffsraum hin- und herwogenden, schwellenden Bülgen, deren
Anschwellen es mit aller Macht zu bekämpfen galt, eine wichtige Rolle im
Schiffsleben gespielt haben.
Im Althochdeutschen hieß bulga ein Ranzen, Felleisen, lederner Sack und
belgan aufgebracht sein, zornig sein, aufschwellen; mittelhochdeutsch
bulga die aufgeschwollene Woge. Aber gegen bulga im Sinne von Bilge hat
sich das Hochdeutsche lange gesträubt, denn nicht immer ist den
Deutschen die *Bewegung* des Bilgewassers bei der Benennung das
Ausschlaggebende gewesen. Es scheint als ob der Begriff der Bewegung
erst an der im Vergleich zum Mittelmeer so viel bewegteren Nordsee in
den Vordergrund getreten und daß Bilge daher lange Zeit ausschließlich
niederdeutsches Eigentum gewesen wäre. Im Althochdeutschen hatte man
zwar, wie bemerkt, das Wort bulga, aber die Bilge nannte man sentine.
Dieses Wort stammt aus dem Mittelmeer, es ist das lateinische sentina
und beweist, daß man in jenen sanfteren Gewässern bei der Namengebung
mehr an den üblen Geruch des betreffenden Wassers als an seine Bewegung
gedacht hat, denn sentina heißt Jauche, Abwasser, Auswurf, Hefe, Unflat;
daher französisch sentine zugleich Pfuhl und Bilge heißt, englisch
sentine Senkgrube, Sammelstelle stinkenden Wassers. Wer einmal
Bilgewasser gerochen hat, der wird sich also über die Benennung im
Althochdeutschen nicht wundern.
Als unterster Raum im Schiffe diente die sentine in Zeiten, da man auf
Hygiene wenig achtete und sich um die Gesundheit der Gefangenen nicht
viel bekümmerte, auch als Gefängnis, als Arrestlokal. Und dieser Umstand
könnte vielleicht zur Erklärung des Wortes sentinelle, englisch sentinel
dienen. Daß dasselbe von sentire, wahrnehmen, direkt abgeleitet wäre,
ist doch kaum anzunehmen, man müßte denn einem Posten, einer
»Schildwache« eine ganz besondere, in der Nähe der sentine noch dazu
sehr übel angebrachte Sensibilität zuschreiben wollen. Daß aber der
Posten vor der sentine sentinelle genannt worden ist, wird den nicht
wundern, der weiß, daß der Mann, der bei den Schilden Wache stand,
selbst Schildwache genannt worden ist.
Holländische Matrosen nennen die Bilge nicht unwitzig pis-bak, auch
pis-gat, kurzweg auch bloß gat, Loch. Das ging ins Französische über als
gatte, jatte, und die französischen Matrosen machte daraus scherzweise
-- Agathe.
Es gab früher noch ein drittes Wort für Bilge, das aber meines Wissens
nur noch im Gröningenschen im Gebrauch ist: durk. Halbertsma erklärt es:
»spatium in navis fundo inter tabulatum interius et exterius,
receptaculum aquae stillantis per rimas, sentina«. Im ostfriesischen
kommt das Wort nur noch in der Form turk vor, Bezeichnung für den
hintersten, abgeteilten, dunklen Teil eines Mäherzeltes. Aber im
schwedischen ist es erhalten, nur daß da durk einen Schiffsraum
bedeutet, der als Last dient, also immerhin die der Bilge nahen Räume.
Der Teuthonista hat das Wort in der Form dorrick, »dat dyepste van den
scheep den water naist«; »dorrick in en schip, dair sych al dat water in
den schip vergadert, sentina«. Angelsächsisch thurruc, auch im
englischen noch als thorruke bekannt. Mittelniederdeutsch hieß es dork;
aber durk dürfte die ursprüngliche, auf Lautmalerei beruhende Benennung
der da unten, wo es fürchterlich ist, gurgelnden Gewässer sein.
Ein viertes Wort wird heute noch gebraucht: Sod, oft in der
Zusammensetzung Pumpensod; »der niedrigste Ort im Schiffe beym großen
Mast, wo die Pumpen stehen und wohin sich wegen der Krümmung oder des
Springs des Schiffes alles im Raum befindliche Wasser durch die
Nüstergaten zusammenzieht« (Röding II 310). Dieser Raum heißt in der
»Beschriving van der Kunst der Seefahrt« 1673 »Soet«. Die Bedeutung
kommt der von Bilge sehr nahe, denn Sod ist das niederdeutsche und
niederländische sod oder sot = Brunnen, und kommt mit sode = das Sieden,
Kochen, Brodeln, Aufkochen, Aufwallen, Aufquellen, Aufstoßen, (daher
»Sodbrennen«) von seden = sieden, kochen, wallen.
*Bewulen* s. (wulen) Wuling.
*Billen*, die.
Die untere Rundung des Schiffes hinten, wodurch der Spiegel mit der
Seite des Schiffes vereinigt wird; auch Backen genannt; italienisch il
rotondo della poppa. Der zu Grunde liegende Begriff ist der des Runden;
heißen doch die ebenfalls Rundungen bedeutenden Backen am menschlichen
Leibe, da wo der Rücken nicht mehr anständig ist, im Niederdeutschen
billen; »Kinder fan willen (die sagen »ich will« anstatt »ich bitte«)
krigen wat för de billen.« »Der Stuhl ist noch billenwarm von dem eben
jemand aufgestanden ist.«
Also ein ziemlich derbes Wort, aber treffend und deutlich, und darauf
kommts der Sprache vor allen Dingen an.
*binnen*,
inwendig, drinnen. Althochdeutsch binnen, mittelhochdeutsch binnen,
jetzt im Hochdeutschen so ziemlich auf »Binnenland« eingeschränkt,
während in Niederdeutschland das Wort noch in manchen anderen
Verbindungen erhalten ist. In Holland wird so oft jemand an die Tür
klopft da wo wir herein! rufen würden »binnen!« gerufen. Seemännisch:
binnenbords, Binnengewässer, Binnenseite, Binnenhafen, binnen laufen
(für Schutz suchen in einem Hafen, auch bloß gleich einlaufen)
Binnenschoot (am Leesegel). Entstanden aus beinnen, wie boven aus
be-oben und buten aus be-uten.
*Brise*, die,
jetzt für gewöhnlich gleichbedeutend mit Bö ohne Rücksicht auf die
Himmelsrichtung für einen plötzlich aufkommenden, scharfen, wo möglich
von Schnee und Hagel begleiteten Wind. Das war früher anders. Da konnte
man nicht sagen: es kommt eine Brise aus Osten auf, so wenig wie eine
Zeitung die in einer Hafenstadt erscheint hätte schreiben dürfen:
»Boreas blies mit vollen Backen aus Südwest«, oder wie es auf dem
Vogelsberg mit Recht gesagt werden kann: »Hier bläst der Nordwind aus
allen Himmelsrichtungen.« Denn da wußte man noch, daß Bise Nordwind
bedeutet. Althochdeutsch bîsa, mittelhochdeutsch bise, boreas;
piemontesisch und provençalisch bisa, Nordwind; französisch bise. Ein
deutsches Wort, das Weigand I. 223 wohl nicht mit Unrecht als
»Beiß«-Wind erklärt.
Dazu gehört italienisch bigio, provençalisch und französisch bis = grau,
schwärzlich; das hängt damit zusammen, daß man in Frankreich den
Nordwind bise nannte, mit seinem altdeutschen Namen, und daß bei
Nordwind der Himmel grau und schwärzlich war. Ja man dachte sich den
Norden überhaupt schwarz und dunkel, denn im Altfranzösischen hieß bise
geradezu nördliche Gegend, Norden.
*Blakepumpe* s. Pumpe.
*Bleilatsch*, der,
ein an Bord gespieltes Unterhaltungsspiel, bei dem es auf die
Geschicklichkeit im Werfen mit einer Bleischeibe nach einer an Deck
aufgezeichneten Figur ankommt. Eine Latsche ist ein niedergetretener
Schuh oder ein solcher ohne Kappe oder Hinterleder; latschen heißt gehen
ohne daß man die Füße recht vom Boden aufhebt, mit den Sohlen auf dem
Boden dahinschlurren und -schleichen. So gleitet die durch die Luft
geworfene Bleiplatte eine Zeit lang an Deck hin, ehe sie an ihrem Ziele
liegen bleibt.
*»Blauer Peter«* s. »an Bord.«
*Blinde Rahe*, die,
ist ein kurzes Rundholz am Bugspriet, das den Zweck hat, demjenigen Teil
des stehenden Gutes, der den Klüverbaum nach den Seiten zu rückwärts
stützen soll, eine größere Spreizung, also mehr Halt und Festigkeit zu
geben. Ein Segel hat diese Rahe nicht. Aber in früheren Zeiten hatte sie
eins. Es gab da sogar zwei blinde Rahen mit Segeln, mit viereckigen
Rahsegeln. Sie nützten zwar wenig, diese Segel, und hießen darum Blinde,
obere Blinde und untere oder große Blinde, und eben daher hießen die
beiden Rahen Blinde-Rahen. Überhaupt hieß jedes Segel, wenn und solange
es, durch ein anderes stehendes Segel verdeckt oder »benommen«, ohne
Wind war, ein blindes Segel. Da dies bei den beiden Segeln unter dem
Bugspriet allermeist der Fall war, waren sie eigentlich zwecklos und
leisteten nichts. Mit der Bezeichnung »blind« wird wie mit »taub«, etwas
benannt, was nicht ganz so ist wie es sollte sein, nicht leistet wozu es
bestimmt ist, z. B. blindes Glas, blindes Fenster, blinder Passagier,
»mit dem Blinden spielen.« Im Friesischen und Angelsächsischen heißt
unsere »taube Nessel« »blinde Nessel« als eine Pflanze die blüht, ohne
Frucht zu bringen; vergl. »taube Nuß«, Nuß die keinen (Frucht) Kern hat.
Die Würfelseite ohne Punkte, (Augen) heißt friesisch bline dobbelstien.
In Westfalen nennen sie das, was man anderwärts einen »Nachtwächter« am
Wege nennt, einen blinnen hasen, weil es nicht wegläuft wenn man darauf
tritt. Englisch ist die »schwache Seite« eines Menschen seine blindside.
»He is too great a lover of himself, this is one of his blindsides; the
best of men, I fear, are not without them.«
Weil die »Blinde« genannten Segel überflüssig waren, kamen sie ab, aber
die eine »Blinde-Rahe« ist als blinde Rahe geblieben, denn sie ist, wie
oben angegeben, nicht überflüssig und zwecklos, wenn sie auch den
entsprechenden Namen erhalten bezw. behalten hat. Insofern der
eigentliche Zweck einer Rahe der ist, ein Segel zu tragen, führt sie ihn
auch mit einem gewissen Recht. Auf den Seekarten des Lucas Janszoon
Waghenaer im »Spiegel der Zeevaerdt«, 1588, ist der freie Raum, den das
Meer bietet, mit Vertonungen, schön verzierten Titelkartuschen und
dergl. ausgefüllt; daneben auch mit allerlei Seetieren und namentlich
mit Schiffen unter Segel. Die meisten von diesen haben die Blinde
gesetzt.
*Blinkfeuer*, das.
»Ein Leuchtturm mit rotierendem Leuchtapparat, dessen Licht durch kurze
Intervallen von Dunkelheit unterbrochen wird und dann plötzlich wieder
erscheint.« Ein »Blink« ist eine klare Stelle am Himmel, die sich
zuweilen bei nebligem oder dunklem Wetter zeigt. Während im
Hochdeutschen die Sippe seltener vorkommt, z. B. in der Allitteration
»blink und blank«, als Zeitwort blinken und in der Wendung »mit den
Augen blinkern«, findet sie im Niederdeutschen um so zahlreichere
Verwendung, zumal auch blick und bliken dazu genommen werden müssen, da
blink und blinken davon nur nasaliert sind. Blik = Schein, Glanz,
Strahl, Leuchten, Zeichen, Kennzeichen; davon bliksem, bliksen, bliks =
Blitz.
Blink, ebenfalls Blitz, Glanz, momentanes Leuchten, kurzer heller
Schein; »alle dre mienuten smit dat lücht fan de furtorn 'n blink afer
't water.«
Blinke, blink »eine glänzende Stelle im Watt, welche namentlich beim
Sonnenschein durch ihren hellen Schein weithin sichtbar ist. Es sind
diejenigen Stellen, welche nach eingetretener Ebbe wegen ihrer
Undurchlässigkeit länger naß bleiben« (Doornkaat). Es gibt auch noch ein
blinke, blink als grüner Anger bei Dörfern und Städten, was wohl von
brink kommt, einen erhöhten, bewachsenen Weideplatz bezeichnend. Dazu
die Zeitwörter bliken = Schein und Glanz machen, wonach aussehen,
sichtbar und offenbar werden, erhellen, sich zeigen, und blinken =
blinken, leuchten, glänzen, blitzen, funkeln; davon das Frequentativum
blinkern, zwinkern, blinzeln. Kommen alle mit Birke wegen der glänzenden
scheinenden Rinde von der Wurzel bhrag, bharg, bhark, glänzen.
Schon althochdeutsch blican, glänzen, blicfiur, Blitzfeuer.
Angelsächsisch blican, leuchten; aber altenglisch blink = aspectus.
Roeding kennt »Blickfeuer, gewisse Signäle die man in der Nacht auf
Schiffen durch Ansteckung etwas Pulvers von Zeit zu Zeit macht, um sich
unter einander Nachricht zu geben, wo man sich befindet.«
*Block*, der.
Dieses für die Seemannschaft so wichtige Werkzeug, das einem jeden aus
der Physik als Teil eines »Flaschenzuges« bekannt ist und das
hauptsächlich aus zwei Teilen, dem Gehäuse und der Scheibe, besteht, hat
seinen Namen von einem Klotz; denn nichts anderes bedeutete das
althochdeutsche biloh, mittelhochdeutsch bloch, als Klotz, Stück eines
Baumstammes, dickes Brett, Bohle, Holzblock, Block in Gefängnissen;
altfriesisch bloc, »vppa thet bloc iefta inna thet kalde yrsen sle,« in
diesem Sinne wird aber meist, schon im Mittelniederdeutschen, Stock
gesagt. Indessen ist Block die treffendere Bezeichnung, denn es kommt
vom gothischen lukan, althochdeutsch luhhan, angelsächsisch lucan, und
das heißt schließen, verschließen (s. Luke). Das Wort Block führt also
in die frühesten, einfachsten Zeiten zurück in denen man zum
Verschließen von Öffnungen weiter nichts hatte als einen Holzklotz.
Es gibt eine große Anzahl von Blöcken an Bord, mit verschiedener Gestalt
und Bestimmung, die auch je nach Art und Zweck verschiedene Namen
führen. Die meisten davon erklären sich durch Zusammensetzungen wie
Hakenblock, Bauchgordingsblock, Leesegelsfallblock von selbst. Sonst s.
Violinblock, Warrelblock, Steertblock, Kinnbacksblock, Dodshofd und
Spinnekopf.
*Block an Block* s. tublocks.
*Blockade*, die.
Sperrung eines Hafens, einer Küste. In diesem Worte ist die
ursprüngliche Bedeutung von Block (s. d.) wieder zum Vorschein gekommen:
Verschluß. Das französische bloc und bloquer, das italienische bloccare,
das spanische bloquear sind also deutschen Ursprungs. Blockieren war in
Deutschland schon vor dem 30jährigen Kriege gebräuchlich. Blockade
dagegen wird nach Kluge erst seit 1686 verzeichnet.
*blockieren* s. Blockade.
*Blüse*, die.
Neben den Leuchttürmen hatten sich lange Jahrhunderte hindurch offene
Feuer an erhabener Stelle erhalten die gleichem Zwecke dienten, jetzt
aber unseren modernen Beleuchtungsmitteln gewichen sind. Sagt doch schon
Roeding: »Auf Blüsen brennt gewöhnlich ein Steinkohlenfeuer, da aber die
Flammen desselben, wenn frische Kohlen aufgeschüttet werden, eine
Zeitlang erlöscht, oder auch durch die Nachlässigkeit des Hüters, der es
nicht oftmals genug auffrischt, nur ein schwaches Licht von sich wirft,
so sind die Leuchttürme, auf welchen Lampen brennen, diesen Blüsen
vorzuziehen.« Mit blasen verwandt, anblasen, anfachen, brennen und
flammen machen; englisch to blush, rot werden, erröten.
Auf Wangeroog war erst ein Leuchtturm, dann eine Blüse oder Feuerbake
und dann wieder ein Leuchtturm. Winckelmann hat in seiner um die Mitte
des siebzehnten Jahrhunderts verfaßten oldenburgischen Chronik davon
berichtet. »Dieses Eyland ist vorzeiten viel grösser als gegenwärtig,
gewesen, solle, nach der Alten Berieht, sowohl in- als auswendig des
Hafens oder Strandes, durch hohe Wasserfluten und starke Stürme, mehr
als die Helfte mit der Zeit sich verloren haben, ist itzo nur eine halbe
Meile lang, und eine halbe vierteil Meile breit, und denen auf der West-
oder Nordseefahrenden sehr nützlich, als dahin sie sich bei Sturmzeiten
begeben und vor dem Schiffbruch retten können, wie sichs dann oft
begiebt, daß am selbigen Ort 40, 50, 60 und mehr große Lastschiffe
zusammenkommen und sich daselbst to lang, bis das Ungewitter vorbey,
aufhalten, dahero solche Stelle von den Schiffleuten pro tutissima
navium statione, vor einem sicheren Schiffhafen gerühmt wird. Auf diesem
Eylandt sind zwo Kirchen, die eine ins Norden, ist noch vor kurzer Zeit,
die andere aber ins Westen mitten auf dem Eylandt mit einem hohen dicken
Turm und einem Dorf gestanden. Jene ist durch die Ungestümigkeit des
Meeres in Vorjahren hinweg gangen, deren Rudera und Kennzeichen, auch
zur Ebbezeit die Abteilung der Äcker und die bei den Häusern gehabte
Brunnen, man noch merklich sehen kann. Die Einwohner finden jehands
daselbst einige alte silberne Münze und andere Sachen. Der Ort wird
sonsten Oldenoge genand, worüber nun mehr die allergrosseste Schiffe
fahren. Der ins Westen stehende ansehnlicher dicker Turm ist im Jahre
1597 von Herrn Graf Johansen, auf der Elterleut zu Bremen schrift- und
mündliches Ersuchen zum besten zu erbauen angefangen und im Jahr 1602
vollendet worden; dessen Kosten an Materialien und Handwerkslohn,
ohne die Fuhren und Frohnen der Untertanen, sich auf die
vierundzwanzigtausend Reichstaler belauft. Oben darauf hat eine große
eiserne mit Rüben-Öhl gefüllete brennende Lampen durch 48 Fenster
geleuchtet, den Seefahrenden Leuten bey tunkelen und einfallenden
Sturmgewitters Zeiten, zu verhütung Schiffbruchs, die Gegend und den Ort
in der See zu zeigen, daß man davon sagen mögen:
Naufragus aequoreis ne Nauta periret in undis
Hac facibus turri nocte docetur iter.
Dieweilen aber solche Lampen durch die Fenster nicht weit in die See
geschienen, und nachgehends die Feuerbaken erfunden sind; Als lässet
Herr Graf Anthon Günther eine Feuerbake ins Norden auf einen Sandhügel
und noch zwey und zwanzig Stuffen hoch aufrichten, und das Feuer mit
Schottischen Steinkohlen von Michaelis bis gegen Christtag, und wieder
gegen Fastnacht bis Ostern, alstets unterhalten, welches in die
vierdhalb Meile wegs aus der See gesehen wird.
*Bö*, die.
Eine plötzlich entstehende, kurze Zeit dauernde Windsbraut, bei der man
je nach der Stärke oder den Begleiterscheinungen von Sturmbö, Hagelbö,
Regenbö, spricht. Es dürfte mit Bake verwandt sein. Hört man genauer zu,
so sagt ja der niederländische Seemann nicht schlechthin und kurzab Bö,
sondern er macht das ö lang und zieht es am Schlusse in ein i hinüber.
Wer jemals einen Kieler Fischer den Namen des Seebades und Fischerdorfes
Laboe aussprechen hörte, der wird den Klang kennen, wenn Laboe auch eine
andere Herkunft aufweist. Im ostfriesischen heißt das Wort geradezu
Böje. Und dieses i dürfte der letzte Rest eines flüchtig gewordenen
Gutturallautes sein, eines k oder g, wie denn im dänischen das Wort,
heute das g noch hat, byge. Zu Grund wird ein Zeitwort liegen, das
altfriesisch und saterländisch beja, nordfriesisch boje, dänisch boje,
westfriesisch buwgjen, holländisch buigen heißt, das deutsche beugen,
biegen, bücken. Eben davon haben wir Bake abgeleitet, wegen der
biegenden, beugenden, bückenden Bewegung des Körpers. Nun eröffnet sich
für die Entstehung von Bö eine doppelte Möglichkeit. Entweder, was das
Nächste sein dürfte, die Bö biegt, beugt Bäume und Masten, (oder bricht
sie, wenn sie nicht biegen wollen), oder sie ist eben aufzufassen als
eine Biegung, Beugung, Ablenkung, eine plötzliche Veränderung des
Wetters.
Und wie wir in Bezug auf die Gemütsstimmung eines Menschen wohl von
»schlechtem Wetter« sprechen, so wird in Ostfriesland für unbeständige,
umspringende, sich hin- und herdrehende Stimmung, für eine
wetterwendische Gemütsart die Bezeichnung Böje gebraucht. Und gerade
dieser Gebrauch hilft die Vermutung der Verwandtschaft mit Bake stützen,
denn für Böje in diesem Sinne wird noch häufiger Bök oder Böke gesagt,
das Wendung, Kehr, Drehung, Wechsel, Laune bedeutet.
*Bock*, der,
ein aus zwei Stangen aufgerichtetes Gestell, mit dessen Hilfe man Lasten
aufwindet. Ungleich dem Sturmbock, der von des Ziegenbocks Neigung zum
Stoßen den Namen hat, ist dieser Bock nach dem mit seinen Hörnern sich
vornüber neigenden Ziegenbock genannt, während Sägebock einfach das
Bild eines solchen Tieres in seiner ganzen äußeren Gestalt darstellt.
Wohl von einer Wurzel bhug, wegen des Sichbückens zum Stoß.
s. Krahn.
*Boden*, der,
»ein uraltes indogermanisches Wort« mit der Bedeutung »Grund und Boden«;
dann auch das Untere, Unterste, Unterlage für etwas, davon:
Aufbewahrungsort. Das Wort hieß althochdeutsch bodam, mittelhochdeutsch
bodem; so heißt es auch heute noch in deutschen Mundarten. Angelsächsich
botm, englisch bottom. Dieses in der ursprünglichen Form ist für die
Seemannssprache wichtig wegen Bodmerei (s. d.). Man spricht von
Außenboden, Innenboden, Doppelboden u. s. w.
*Bodenwrange*, die,
auch Bauchstück genannt, das unterste, zunächst am Kiel sitzende
Spantstück. Es hat seinen Namen von der Krümmung. Wenn auch gerade das
unterste (Bauch-) Stück des Spants noch nicht so sehr gekrümmt ist, so
beginnt doch bei ihm die Krümmung; es ist daher zweifellos, daß Wrange
von wringen, biegen, drehen, kommt. Wrange heißt in Ostfriesland auch
ein »verdrehter« Mensch; das hochdeutsche, wie gewöhnlich das anlautende
w vor r abwerfend, sagt dafür Range.
Davon das französische varangue.
*Bodmerei*, die,
ein Darlehensgeschäft, Vorschuß auf die, auf dem Boden (früher Bodem)
des Schiffes, d. h. im Schiffe liegenden, zur Ausfahrt geladenen Waren.
Französisch la bomerie; Aubin: »Comme l'argent que l'on préte, et qui
raporte quinze, vingt et jusques à trente pour cent, selon les risques,
n'est prêté, pour l'ordinaire, que sur la quille du vaisseau, qui chez
les Hollandais s'apelle Bodem, d'où ils on fait Bodmerye, on a aussi
apellé ce prêt, Bomerie.«
Kilianus Duffel.: boomerye rectius bodemrye, tax: bodmerye a bodem i.
carina navis, foenus nauticum, usura maritima.
In Holland heißt verbodemt hout hout dat komt per bodem, d. h. an Bord
eines Schiffes und mit einem Floß.
Die über das Geldgeschäft aufgenommene Urkunde heißt Bodmerei-Brief,
unterschieden von Beilbrief (s. d.), weshalb die Erklärung »Vorschuß auf
den Kiel eines Schiffes« ungenau ist, weil man dabei an den Bau eines
Schiffes denken könnte, während doch die Ladung des Schiffes gemeint
ist.
*Boje*, die.
Ein Seezeichen, nach Zweck und Gebrauch ähnlich der Bake, nur daß die
Boje schwimmt und die Bake meistens auf dem Lande oder dem Meeresgrunde
befestigt ist. Nach der Gestalt unterscheidet man Bakenboje, Blockboje,
Glockenboje, Kegelboje, Pfahlboje, Spierenboje, Tonnenboje, wie denn
auch Tonne (s. d.) allein häufig, ebenso wie Boje und Bake, für
Seezeichen gebraucht, und zwar, wie es scheint, in neuerer Zeit immer
häufiger angewandt wird. (»Lootsen- und Betonnungswesen«). Nach der
Farbe unterschieden giebt es weiße, schwarze, rote, gestreifte und
gewürfelte Bojen. Nach ihrem Zweck: Ankerboje, Anseglungsboje,
Hafenboje, Mooringsboje, Rettungsboje, Signalboje, Verholboje,
Vertäuboje, Festmacherboje, Warnboje, Warpboje, Wrackboje,
Deviationsboje. Boje ist ein Lehnwort aus dem Lateinischen und bedeutete
ursprünglich nur Fessel. Bei dem lateinischen Schriftsteller Festus
kommt es mit der Erklärung vor: »genus vinculorum tam ferreae quam
ligneae,« ist dann in das Altitalienische übergangen, wo es noch boja
hieß, ins Provençalische, wo es die Form boia annahm, und ins
Französische, wo es altfranzösisch als buie, Kette, Fessel vorkommt.
Weil der Henker dem Spitzbuben gleichsam eine Halsfessel anlegt, so
heißt er im Italienischen boja. Boja bedeutet nicht bloß Kette, sondern
irgend ein zum Fesseln geeignetes Ding, zum Beispiel einen Riemen, aus
einer Tierhaut, genauer einer Ochsenhaut geschnitten, und da bos der
Ochse heißt, so ist also Riemen aus Ochsenhaut die älteste Bedeutung.
Nun fesselte man, band man fest an solchen Riemen, an ein Tau, an eine
Kette ein Stück Holz in der Weise, daß das eine Ende am Holze fest war,
das andere an einem auf dem Meeresgrunde liegenden Stein. Und bald
übertrug man den Namen des haltenden Dinges auf das Gehaltene und nannte
das Stück Holz nach der boja, die es festhielt, Boje. Offenbar hat sich
diese Bedeutungsübertragung auf dem Durchgang durch das Französische
vollzogen, wo 1702 Boje in der Form bouée vorkommt: »une marque faite
d'un morceau de bois ataché à l'orin.«
Aber noch weiter ist man mit der Übertragung der Bedeutung gegangen, so
weit, daß von der ursprünglichen gar nichts mehr vorhanden ist. Diese
Neugeburt kam in drei Abschnitten zu Stande: 1. Boje = Fessel. 2., Boje
= gefesseltes Stück Holz oder Kork oder dergl. 3., ein Stück (Ring von)
Kork ganz ohne Fessel, frei durch die Luft als Rettungsboje dem ins
Wasser Gefallenen zugeworfen.
Doch war im Holländischen vor 200 Jahren die Bedeutung Fessel auch den
Seeleuten noch durchaus geläufig, denn einen »in de ysers of boyen
setten«, hieß einen in Eisen, in Fesseln legen. Kilianus, über 150 Jahre
früher, hat das Wort als bouye = vinculum pedis; dann aber auch =
anchoralia tabula, anchorae index in superficie aquae natans, also
Ankerboje. Diese Bedeutung im übertragenen Sinne ist also die älteste
und ist auch hauptsächlich in das Bewußtsein der (nichtseemännischen)
Schriftsteller übergegangen: Schreibt doch Weiland: »boei = eene ton, of
een blok hetwelk op het water dryft en de plaats aanwyst, waar het anker
ligt.« Sonst kennt er auch boei noch als Band, »met de stalen boei aan
't been.« In der Mehrzahl heißt es: Gefängniß. Auch bildlich gebraucht:
»met de boejen des huwelyks (der Ehe) belast.«
Siehe auch »Tonnenboyer.«
*Bollwerk*, das,
kommt in der Seemannssprache nur im Sinne von »hölzerne Brücke« vor, aus
Pfählen und Bohlen entlang einer Mauer, einem Wall oder Damm als
Liegeplatz für Schiffe erbaut, oder auch ins Wasser hinausgebaut zum
(vorübergehenden) Anlegen von Schiffen. So leidet es keinen Zweifel, daß
das Wort von Bohle kommt. Schon im »Seebuch« 1400 lesen wir: »unde van
Nergeden to Revele achter dat bolwerk, dat sind dre weke seys.« »dat
Kors ist ost.« (»weke sees« ist ein noch zweifelhaftes Wegemaß zur See
aus jener Zeit.) Aus dieser Segelanweisung ersehen wir, wie sehr die
Hansa auf gute Hafenanlagen bedacht war.
Das deutsche Wort drang als boulevard ins Französische; es war also von
den Leuten zu Mainz doppelt Unrecht, daß sie anfänglich ihre schönste
neue Straße Boulevard genannt haben.
Von Bollwerk kommt ein Zeitwort bollwerken, das ein Bollwerk machen
bedeutet, figürlich aber für schwer arbeiten, scherzweise auch als
verbollwerken für verarbeiten, bewältigen, verprügeln gebraucht wird.
*Bolzen*, der.
Alle die verschiedenen Arten von Bolzen die es an Bord gibt, haben, wie
im ganzen deutschen Sprachgebiet, die Bedeutung eines (längeren oder
kürzeren, dickeren oder dünneren) Nagels. Man unterscheidet aber je nach
Gestalt und Bestimmung Ringbolzen, die am Kopfe einen beweglichen Ring
haben, Augbolzen, deren Kopf ein Auge, eine augenförmige Öffnung hat;
Splintbolzen, die an der Spitze ein kleines längliches Loch zum
Durchstecken eines Splints haben usw. »Klar beim Bolzen!« ist ein aus
seemännischem Munde oft zu hörendes, scherzweise auch da, wo es gar
keine Bolzen zu besetzen und zu bedienen gibt, gebrauchtes Kommando mit
der Bedeutung »nun aufgepaßt!«
*Bonnet*, das,
ist bei uns veraltet, bei den Franzosen aber kommt es als bonnette, den
Engländern als bonnet noch vor. Es ist eine Vergrößerung der Untersegel,
die bei gutem Wetter und beständigem Winde angebracht wird. Also etwas
Ähnliches wie Leesegel, nur daß ein solches *neben* dem eigentlichen
Segel, das Bonnet aber an der *Unter*kante des Segels angebracht wird.
Mittelhochdeutsch bonit, 1461: »en holk, geheten Marienknecht, mit deme
segel, bonitzs, veer kabels, veer ankers« u. s. w. Bonnet war der Name
einer Art von Zeug, Leinwand oder dergl., daher eine aus solchem Zeug
verfertigte Mütze bonnet hieß und in England heute noch so heißt. Aus
gleichem oder ähnlichem Zeug war auch die Verlängerung des Segels; man
gebrauchte sie auch zum Verstopfen eines Lecks.
Da das Bonnet eine Verlängerung des Segels bedeutete, so nahm es auch,
den Begriff Verlängerung besonders auffassend, ganz allgemein die
Bedeutung »Verlängerung« an, Verlängerung eines Baumes, einer Leiter,
eines Löschbordes u. s. w.
Eine andere Erklärung ist, da obige nicht ganz überzeugend zu sein
scheint, unter Leesegel gegeben; sie dürfte vielleicht eher einleuchten,
zumal im Französischen, vergl. Aubin, 1702, bonnette nicht nur Bonnet in
obigen Sinne, sondern auch im weiteren Sinne Leesegel heißt und Leesegel
ein Schönwettersegel bedeutet.
*Boot*, das.
In Hochdeutschland kommt dieses Wort auch heute noch kaum vor, dafür ist
es desto weiter im niederdeutschen Sprachgebiet verbreitet; und was ein
richtiger niederdeutscher Seemann ist, der sagt »die Boot«.
Das erste Zeugnis für das Vorkommen des Wortes finde ich in einer
Urkunde des Königs Äthelred (978-1016): »Qui ad pontem venisset cum uno
bato, ubi piscis inesset.« In der Edda finden wir es als batr (neben
eikja, einem aus einer Eiche ausgehöhltem Boote). Kluge sagt: »Der
Ursprung von angels. bat = germ. baita -- (vorgerm. bhoido --?) ist noch
nicht aufgeklärt.«
Die altnordische Form beit erinnert an das Schiffszimmermannswerkzeug
Beitel, und von hier aus liegt die Vermutung nicht allzu fern, es möchte
wegen der Bearbeitung mit dem Beitel dem Worte ein Stamm zu Grunde
liegen, der graben, stechen, hauen, spalten bedeutet, zumal es ein
mittelniederdeutsches Zeitwort booten gibt, das schlagen, stoßen,
stechen bedeutet. An die Wurzel bhad stoßen, oder bhid hauen wird also
zu denken sein, so daß Boot etwas Ausgehauenes oder Ausgestochenes,
etwas aus einem Baumstamm mit dem Beitel Ausgehöhltes wäre, ein
»Einbaum«. Noch heute hat man in Ostfriesland das Zeitwort böten,
schlagen, stoßen; althochdeutsch bozan. Und daneben in ganz
Norddeutschland, im ganzen niederdeutschen Sprachgebiet das Zeitwort
böten, heizen. Die beiden könnten mit einander verwandt sein, insofern
zum Heizen die menschliche Tätigkeit des Stoßens, Stechens, Stocherns,
Stokens unentbehrlich ist. Da aber böten auch feuern bedeutet, so
erinnert es uns daran, daß man dem Beitel mit Feuer zu Hilfe gekommen
ist und in uralten Zeiten das Boot mit Feuer ausgehöhlt hat, so daß uns
also das Wort in die allerersten Culturanfänge zurückführen könnte.
Zusammensetzungen wie Bootssteurer, Bootssegel, Bootskompaß sind ohne
Weiteres verständlich. *Bootspfropfen* nennt man den Korkpfropfen mit
dem das kleine Wasserablaufloch im Boden des Bootes verstopft wird, ehe
man das Boot zu Wasser läßt.
*Bootsmann*, der.
Der Deckoffizier dem die Aufsicht über die gesamte Takelage und das
eigentlich Seemännische, soweit es Arbeitsverteilung und Verwaltung des
Inventars betrifft, übertragen ist. Englisch boatswain, ein
eigentümliches Wort, denn swein bedeutet Knecht, Schweineknecht,
Schweinhirt; swain junger Hirt, Junge, Bursch der etwas mit der
Schweinherde zu tun hat (vergl. Steward). Französisch bossemann. Im
Seebuch 1400 kommt die Form boesman vor, sonst mittelniederdeutsch
bosmann, wo es aber noch jeden bezeichnet, der in einem Boot ist, so daß
also alle Leute im Boote Bootsleute waren; schließlich hieß überhaupt
jeder Seemann bosmann. »De boslüde hebben Rode Clawes vorkregen, welk
ein bose tyranne west was, und hebben en in grapenbraden stucke
tohowen.« (Schiller und Lübben II. 153) s. a. Hochbootsmann.
Ein *Bootsmannsstuhl* ist eine (aus Segeltuch hergestellte)
Sitzgelegenheit die an einem Tau auf- und niedergeholt werden kann. Er
wird gebraucht Verwundete aus dem Mars an Deck niederzulassen,
seemännische Arbeiten in der Takelage auszuführen und dergl. So nennt
man auch den »Stuhl« der an einem Tau fährt, das vom Mast eines
gestrandeten Schiffes an Land gegeben ist um Schiffbrüchige zu retten.
*Bootsmannshellegat*, s. Hellegat.
*Bootsmannsmaat*, siehe Maat.
*Bootsmannsstuhl*, siehe Bootsmann.
*Börtschiff*, das,
ein Schiff, das zu einer festen und bestimmten Zeit regelmäßige Fahrten
nach einem und demselben Orte (und wieder zurück) macht; »d'r is 'n
börtfard up Amsterdam inrigt.« Mit bören = tragen von phero, fero, aber
nicht weil das Schiff die Lasten trägt, sondern weil es ihm *gebührt*,
regelmäßig zu fahren, nachdem der börtmann oder börtschipper sich einmal
dazu verpflichtet und die Sache übernommen hat, oder auch, weil das, was
sich gebührt in der Ordnung, in der Reihe ist: (regelmäßige) Reihenfahrt
betreibt. Weiterhin bedeutet bört die Reihenfolge nach der sich etwas
wechselweise zuträgt »de bört is an mi«; »'t is nu min bört«. Brem.
Wörterbuch: Börtlüde sind die Schmackschiffer, die wöchentlich von
Bremen nach Amsterdam und Hamburg, in einer privilegierten Anzahl,
wechselweise fahren müssen.
*Bord*, der.
Dieses im Munde des Seemannes so häufig gehörte Wort heißt ursprünglich
weiternichts wie *Brett* und stammt mit »bören« und der ganzen
weitverbreiteten Sippe von der Wurzel bhar, bedeutet also etwas
Tragendes. Früh schon entwickelte sich, weil man mit Brettern etwas
baute, einen Raum einschloß und begrenzte, die Bedeutung Rand, Rand des
Schiffes, Schiffsbord; worauf dann der Teil für das Ganze genommen und
*Bord für Schiff* gesagt wurde, doch nicht ohne daß die beiden
ursprünglichen Bedeutungen daneben im Gebrauche geblieben wären.
Ein gemeingermanisches Wort, im gothischen als fötubaurd, Fußbrett,
Schemel bezeugt, althochdeutsch bort, Brett, Tafel, Tisch, altnordisch
bord, Tafel, Brett, (Edda: bord, Bord des Schiffes, Tisch). Die
Bedeutung Tafel, Tisch ist aus der von Rand hervorgegangen, weil man um
den Rand des Tisches herumsitzt. Und im Altsächsischen hieß bord nicht
nur Tisch, sondern auch Haus, aus Borden, Bördern gebaut, ähnlichem
Gedankengang folgend der heute noch anstatt »in meinem Hause« sagt: »in
meinen vier Wänden, in meinen vier Pfählen.«
Für »*Schiff*« wird bord schon früh, im Angelsächsischen, »on borde« und
im Altfriesischen gebraucht: »and taegh ne weer inoer boerd«, »und zog
ihn wieder binnenbords.«
Aus dem althochdeutschen bort, Rand, ist unser neuhochdeutsches Borte
hervorgegangen. Es ist auch als bordo ins Italienische, Spanische,
Portugiesische gegangen, als bord ins Französische, = Rand,
Schiffsrand. Daraus entstand das spanische Zeitwort bordar, einfassen,
(mit einem Rande besticken) sticken; das französische (border) broder,
woher unser Fremdwort Bordure, mit der fremden Form aber dem
einheimischen alten Sinn. Im Altfranzösischen hieß borde Baracke, davon
bordele, bordel (ital. bordelle) = Hüttchen, kleine, unansehnliche,
schlechte (Bretter-) Bude.
Zu vergleichen ist die Bedeutungsentwicklung von Diele, althochdeutsch
dilo, dil, mittelhochdeutsch dile: Brett, bretterne Wandbekleidung,
Zimmerdecke, Bretterwand, (»gedielter«) Fußboden, »Diele«,
Schiffsverdeck. Vielleicht ist Bord zeitweilig ebenso wie Diele für
Deck, Schiffsverdeck gebraucht worden. In der Zollrolle der Gräfin
Margarethe von Flandern vom Jahre 1252 heißt es: »Scuta que bordum habet
debet Comiti duos dinarios; si vero bordo carent, debet Comiti unum
denarium.« Sartorius und Lappenberg bemerken dazu: »Die Schute mit einem
(größeren, höheren) Bord ist von größerem Umfange, als die ohne oder mit
einem kleinen Bord.« Durch diese Erklärung wird aber die Sache nur noch
dunkler, denn die Begriffe »größer« und »kleiner« sind hineingetragen.
Es steht da nur von einer Schute die einen Bord hat und von einer die
keinen hat. Einen Bord im Sinne von Rand muß aber jedes Schiff haben,
auch das kleinste. So darf man vielleicht annehmen, es sei Deck gemeint,
so daß ein gedecktes Schiff das Doppelte der Abgabe eines ungedeckten zu
zahlen hatte. Diese Vermutung gewinnt an Wahrscheinlichkeit, wenn man in
einer Bremer Urkunde von 1312 und 1315 liest: »Si naui, que dicitur eke,
hoc commiserint, centum, si alia vocata *bortskip*, sexaginta marcis
etc. etc. debebunt emendare.« Es gab also Schiffe die Bortschiffe
hießen; da aber jedes Schiff einen Bord hat, so muß etwas anderes als
Bord, Rand, gemeint sein, das den Namen gab, und da liegt Deck am
nächsten. Dasselbe gilt für das mittelniederdeutschen Urkunden eigene,
noch heute in den west- und ostpreußischen Häfen gebräuchliche bordinge;
Brem. Stat. 1489: »nemondt schall myt synen bordinghen of schepenn
legghen oan der slacht (Bollwerk), dat wuppengeldt (Krahngeld,
Hafenabgabe) sy dann thovoren entrichtet.« Oldenburgische Urkunde von
1549: »Ike hadde ene burdinge dat is ein stark schepe als ein punte, dar
er siene perde mit auer furde«.
S. »an Bord«, »von Bord«, »über Bord.«
*borden*,
ungefähr gleichbedeutend mit entern (s. d.), auch anborden, sich an
jemandes Bord mit seinem Borde legen, Schiff an Schiff (Bord an Bord)
liegen, namentlich im Nahekampfe einer Seeschlacht. Von einem anderen
mittelalterlichen, ebenfalls in der Zeit der Hansa viel gebrauchten
borderen, welches Zweikampf, Turnier, bedeutet (und von Buhurt kommt)
wohl zu unterscheiden. Je niedriger ein Schiff ist, desto mehr ist es im
Kampfe gegen ein hochbordiges im Nachteil. In einem Hansa-Receß von 1440
lesen wir: ... »unde hadden nicht so vele skepe to huss alse dar do
injegen behoff was, unde de skepe de gi hadden, se weren ok nicht so
grote, dat se myt den Hollenders skepe borden konden, wente se hadden
grote Spansche schepe.«
*Borg*
-- in Borgbendsel, Borgbraß, Borgrahe, Borgstag, Borgstenge, Borgwanttau
u. a. m. bedeutet das was wir heute Reserve zu nennen belieben, wenn wir
uns gebildet ausdrücken wollen. Der Seemann ist aber bei seinem Borg
geblieben, welches eigentlich Sicherheit bedeutet. Um auf alle Fälle,
auch wenn eine Rahe oder Stenge bricht, sicher zu gehen, nimmt man eine
zweite Rahe oder Stenge mit an Bord die dann Borgrahe, Borgstenge heißt.
Breusing tadelt Roeding, daß er nicht gesagt hat, daß dieses Borg nichts
mit dem auf Borg geben gemein hat; mit Unrecht, denn einmal lag es
überhaupt nicht in Roedings Absicht, etymologische Untersuchungen
anzustellen, und dann: was ist denn der Unterschied zwischen Borg in dem
einen und Borg in dem andern Sinne? Es handelt sich beide Male um
Sicherheit. Und wenn beim Borgen auch jetzt nicht immer mehr ein Pfand
als Sicherheit verlangt oder gegeben wird, so tritt zwar der Begriff
Sicherheit nicht mehr so in den Vordergrund, er ist aber doch noch
vorhanden, und wäre es nur in dem Wort, in dem Versprechen des
Schuldners, zu einer gewissen Zeit das Geborgte wiederzugeben.
*Bottelier*, der.
Der Unteroffizier der den Proviant an Bord zu verwalten hat, also eine
sehr wichtige Persönlichkeit, was schon daraus zu erkennen ist, daß er
sich nicht Botelir sondern Bottelié nennen läßt, als ob es französisch
wäre. Und es ist doch gut deutsch. Im Althochdeutschen hieß der Bottich
botacha, mittelhochdeutsch botige; davon kommt butiglaere, büttiglaere,
putigler, der Schenk, Mundschenk. Von Bottich kommt Bütte, von Bütte als
Verkleinerungsform Buttel (Buddel), niederdeutsch Bottel, und hiervon
kommt Bottelier, nur daß im seemännischen Gebrauch die verengte
Bedeutung wieder erweitert ist, daß man nicht bloß an Flaschen, sondern
vor allen Dingen an Fässer denkt, auch wenn sie gar kein Getränk,
sondern Fleisch oder Butter oder Hartbrot enthalten. Noch mehr ist der
Begriff in Westfalen erweitert, wo eine Magd, die auf größeren Gütern
für das Bier und *die Wäsche* des Gesindes sorgt, Buddeliersche heißt,
während anderseits der Kellermeister des Abtes von Werden den Titel
buttelierer führte.
In Holland haben sie ein Sprichwort, das läßt tief blicken. »Als kok en
bottelier zamen kyven, hoort men, waar de boter gebleven is.« Lüpkes hat
das übersetzt: »Wenn Koch und Kellermeister mit einander streiten,
zanken, hört man (durch ihre wechselseitigen Vorwürfe), wo die Butter
geblieben ist.« »Kellermeister« ist, da es selbst das vornehmste Schiff
bis jetzt noch nicht zu einem Keller gebracht hat, sehr kühn angewandt,
wahrscheinlich in Erinnerung an das andere Sprichwort: »Da weiß kein
Mensch, wer Koch oder Kellermeister ist.« Es hätte sehr wohl Bottelier
können stehen bleiben, denn das Wort ist unter den Lesern der
»Seemannssprüche« allgemein bekannt.
In seinem großen Werke über Japan erzählt der Deutsche Kämpfer, der aber
sein Buch holländisch herausgegeben hat, der erste Taikun Taikosama sei
in seiner Jugend Bottelier bei einem japanischen Edelmann gewesen.
*Brabank*, die.
Ursprünglich ein Ort wo seemännische Arbeit getan wurde, an einer Küste
oder einem Ufer; also bedeutungsverwandt mit Lastadie und Werft. Während
nun Lastadie -- habent sua fata verba! -- so ziemlich aus dem Mund der
Menschen gekommen ist, hat Werft ein großartiges Glück in der Welt
gemacht; Brabank hat sich zwar erhalten, aber in bescheidenen, enger
gewordenen Grenzen, indem es jetzt die Gesamtheit der auf einer Werft
beschäftigten Seeleute bedeutet. »Er ist auf der Brabank, von der
Brabank, gehört zur Brabank,« das heißt er gehört dem Allgemeinen
Betriebsdepôt der Werft an, verrichtet allerlei vorkommende
Seemannsarbeit, besorgt das Verholen von Schiffen, widmet sich dem
beschaulichen Geschäft eines Liegers etc. etc. Im Niederdeutschen hieß
das Wort das ganze Mittelalter hindurch Brakbank, und die Tätigkeit die
auf der Brakbank ausgeübt wurde nannte man braken. Nun hat Grimm bei
Besprechung des Zeitworts braten, welches von der Wurzel bhrag stammt,
den Gedanken geäußert, daß vor dem t in braten ein k ausgefallen sei,
daß also braten für brakten stehe oder das k mit t einfach getauscht
habe. Durch die Form Brakbank wird das vermutete k zur Gewißheit. Und
gegen einen Tausch zwischen k und t ist nichts zu erinnern, er kommt in
jeder Kinderstube täglich vor, und es gibt ganze Völkerschaften, die die
beiden Buchstaben so durcheinander werfen, ohne daß sie sich dessen
überhaupt bewußt sind, ob sie ein k, ob sie ein t sprechen. Wenn in
einem alten Hamburger Schauspiel eine Frau Lackin anstatt Latin sagen
konnte, dann konnte man sicher auch braten für braken sagen. Und man tat
es auch. Im Hochdeutschen hieß das Wort und heißt es braten, im
Niederdeutschen braden; doch hielt sich hier nach niederdeutscher Art in
der Erinnerung an den Stamm bhrag auch braghen. In dem »Redentiner
Osterspiel,« so genannt weil es von einem Ungenannten am 20. November
1464 zu Redentin im Kirchspiel Neuburg bei Wismar vollendet wurde, geht
Lucifer mit den verschiedenen Handwerkern wegen ihrer Handwerkskniffe
und -Betrügereien ins Gericht. Dem Schneider (niederdeutsch scroder oder
schrodere, daher der weitverbreitete Familienname Schroeder) fällt er
das Urteil:
»Desseme schrodere dat syn recht
Unde werpet ene an der helle grunt,
Dar schal he ligghen so en hunt
Unde an der ewighen nette braghen
He heft so mennighen man bedraghen.«
Der niederdeutsche Seemann blieb zunächst, sich auf nichts Neues
einlassend, bei dem gutturalen Laut, nur daß er statt der Media die
Tenuis nahm und nicht Bragh = sondern Brakbank sagte. Als aber im Laufe
der Zeit das Hochdeutsche auf seinem Siegeszuge zu mächtig wurde, konnte
er sich doch einer Änderung, einer sprachlichen Weiterentwicklung nicht
entziehen. Aber lieber als daß er den beliebten Tausch von k und t
mitgemacht hätte, machte er kurzen Prozeß, warf den unbequemen
Konsonanten vor dem b ganz hinaus und sagte in seiner kurzen, bequemen
Art kurzweg Brabank.
Es hat sich indessen auch noch ein Wort Brakbank erhalten, hochdeutsch
Brechbank, das aber mit dem unsrigen nichts zu tun hat, wiewohl es auch
nicht ganz ohne Beziehung zur Seemannschaft ist, denn so heißt ja die
hölzerne Bank zum Brechen des Haufes, auf der die Schäven gebrochen
werden, damit sie sich von der Hanffaser lösen. Unser Brabank aber ist
keine wirkliche Bank, sondern, wie Sandbank, bildlich, für eine erhöhte
Stelle an einer Küste oder einem Ufer angewandt, und zwar war es ein
Ort, wo besonders das Dichten und Kalfatern vorgenommen wurde. Ein
Schiff kalfatern nannte man bragen: »Item wen ein schipper dichten en
bragen leht.« Im Lübeckischen alten Zunftrecht heißt es; »Idt schall ock
kein werckmann uf der braeckbank to werkende angenahmen werden, idt sy
den hie genochsamb vor einen werckmann up der lastadien (Werft) bekandt
und darto duchtig« (Befähigungsnachweis!). Der Kalfaterer hieß brager.
Nun hieß altnordisch bradha -- so früh schon hatte sich der t-Laut
verschoben -- theeren, verpichen, mit Theer oder Pech überziehen, bradh
das mit Ther bestrichene Holz. Wir haben dabei an braten im Sinne von
heiß machen, wärmen, erhitzen, durch Hitze zum Schmelzen bringen zu
denken, wie man Speck ausbrät. Der Theer muß erst vom Feuer gleichsam
gebraten, d. h. flüssig gemacht werden, ehe man mit ihm kalfatern kann.
Kalfatern (s. d.) thut, trotzdem es erst ihr Hauptgeschäft war, die
Brabank aber jetzt nicht mehr, das wird von Schiffszimmerleuten, die
nicht zur Brabank gehören, besorgt. Roeding hatte also die alte Brabank
noch im Auge, da er vor 100 Jahren schrieb: »Ein am Ufer befindlicher
Platz, der mit Spillen, Gienen und anderem Zubehör versehen ist, um
daselbst Schiffe zu kielholen.«
Wie Lastadie als Straßenbezeichnung erhalten geblieben ist, so muß es in
Danzig eine Straße oder einen Platz des Namens Brabank geben.
Eine auffallende Ähnlichkeit hat das bretonische rabank, es hat aber
nichts mit Brabank zu tun, sondern kommt von rap = Reep.
*Bewulen* s. Wuling.
*brack*,
salzig, bitter, trübe, schlammig, verdorben, schlecht, unbrauchbar.
Brackwasser ist Süßwasser mit Salzwasser gemischt, also zum Trinken
unbrauchbar. Dann übertragen auf andere unbrauchbare Dinge, verdorbene
Waren, nicht vorschriftsmäßige Lieferungen oder nicht verwendbare Teile
einer solchen; bracken heißt dergleichen Gegenstände als brack
bezeichnen, condemniren, ausmustern, verwerfen. Schon Kilianus hat das
Wort brack in beiden Bedeutungen: »salsus, aquae marinae saporem quodam
modo referens« und brack goed, »merces submersae, salo sive aqua marina
corruptae.« Die Bedeutung ist also ursprünglich: »durch Salzwasser
verdorben«, dann überhaupt verdorben. Und zwar hat der Gedanke an bei
einem hereinbrechenden Unglück hereinbrechendes Meerwasser den Ausschlag
bei der Benennung gegeben. Das Wort kommt also von brechen; an
Schiffbruch und Deichbruch ist zunächst zu denken und dann an die
dadurch verursachte Beschädigung.
Das »Bremer Wörterbuch« schreibt: »Brack = Salzwasser mit Flußwasser
gemengt. »Brakke Grund« ein Boden der salziges Wasser gibt.« Und daher
soll Brake an der untern Weser seinen Namen haben, »weil Wasser, was auf
diese Weise vermengt ist, gebrochen pflegt genannt zu werden.« Kaum,
sondern Brack, Brake ist eine Stelle wo einmal ein Deich gebrochen war.
S. a. *Wrack*. Die Bedeutung kommt nach Sinn und Form unserem
»Gebrechen«, »gebrechlich« nahe.
*Bram*
= Bramstänge, Bramrahe, Bramsegel, Bramtuch, Bramsaling, Bramtoppnanten,
Brampardunen, Bramschoten, Bramwanten, Brambulin, Bramfall, Brambraß,
Bramleesegel, überhaupt: Bramgut. Alle diese Wörter -- in deren
Zusammensetzung je das zweite Wort an seiner Stelle nachzusehen --
erklären sich aus ihrer Verbindung mit der Bramstänge. Es gilt also das
*bram* in diesem Worte zu erklären. Bekanntlich ist die Bramstänge die
Fortsetzung der Marsstänge nach oben. Sie war früher, ehe die
Oberbramstänge erfunden war und ist auf Schiffen, die solche nicht
führen, der höchste, obere Teil des Mastes.
In Holland sagt man von einem Manne, der bei uns Großhans heißt, der
also »den grooten heer uithangt«, er sei ein »heelen bram,« er sei hoch
gestochen. Dies bram heißt hoch. Es stammt von der »Hasenheide«, die hin
und her in ganz Europa an Feldrainen, auf Waldlichtungen, auf dürrer
Heide wächst und, außer Hasenheide, noch Pfriemenkraut, Brämme, Bräme,
Bram heißt, spartium scoparium L. Die uns bekannteste Art ist die mit
den grünen, dünnen, schwanken Reisern und den gelben, weithin
leuchtenden Schmetterlingsblüthen. Sie heißt vielfach Ginster. In
Frankreich genêt (von genista) und hat Verwandte die als Ziersträucher
dienen. Ein Reis (plant) dieses genêt pflegte Gottfried von Anjou an
seinen Helm zu stecken, woher der berühmte Name Plantagenet. Wir machen
Besen aus dem Ginster und nennen es Besenginster, jedoch nur auf
hochdeutsch. Das Volk sagt Bräme oder Bram, auch wohl Bremme,
(»Wirtshaus zur goldenen Bremme« bei Saarbrücken kriegerischen Andenkens
vom Sommer 1870), Brom in Brombeere ist damit gleicher Abstammung.
Althochdeutsch hieß prama, brama, mittelhochdeutsch brame Dornstrauch,
stachligter Strauch, Brombeerstrauch. Sehr bezeichnend, denn die
Grundbedeutung von Bram ist spitz, scharf, stechend, vorstehend,
vorragend, Spitze, Höchstes, Äußerstes. Die Bramstänge heißt also so als
Spitze, Höchstes, Äußerstes des Mastes und überhaupt des ganzen
Schiffes. Der Name kommt demnach nicht sowohl von der Gestalt einer
dünnen, langen, schwanken Ginster = Dornenstrauch- oder Brombeergerte,
sondern von dem Hinaufstehen, Hervorragen, Aufwärtsstreben der Reiser.
Wäre jenes anzunehmen, dann wäre Bramstänge eine Tautologie. Nicht als
ob solche nicht denkbar wäre, es giebt ihrer genug, aber einfacher und
klarer ist doch das Bild, wenn wir die Vorstellung »hinaufragen«
festhalten.
*Bräm*, der.
Vergl. Bram; dieses heißt nicht nur das Höchste nach oben zu, sondern
auch das Äußerste nach außen zu, also nicht bloß Anhöhe, sondern auch
Ufer, Küstensaum, Saum eines Gewandes, Rand, Rand einer Mütze,
Mützenbräm der Offiziere etc. Da dieser Mützenbräm der Väter mit Pelz
besetzt war, so sagt man: Die Mütze war mit Pelz verbrämt, wie man auch
von einem verbrämten Kleide spricht, wenn der Saum besetzt ist. (Sogar
Augenbraue und Augenwimper kommen von Bram. Mittelhochdeutsch hießen sie
augbram und windbram, Rand über dem Auge, Schutz des Augenrandes vor dem
Winde.)
*Brandung*, die.
Die Bewegung der an einer Küste, einem Felsen etc. etc. sich brechenden
Meereswogen. Schon im Beówulf kommt brant, bront vor für tosend,
schäumend, von Schiff und Flut gebraucht. Es ist bei der Benennung
ausgegangen von dem was das Ohr hört, nicht von dem was das Auge sieht,
denn Brandung ist mit Brand dasselbe Wort, und man hat dabei an das
Geräusch des Brennens, das Brausen, Zischen und Gischen einer
Feuersbrunst zu denken. Das Zeitwort dazu heißt *branden*, vom
niederdeutschen brannen = brennen und von Brandung beeinflußt. In
Ostfriesland gebraucht das Volk das Wort Brandung selten oder nie, sagt
vielmehr See.
Daß das Geräusch den Ausschlag gab, geht aus dem Altnordischen,
Angelsächsischen und Altenglischen hervor, wo Brandung brim heißt, von
breman, brummen, brausen, lateinisch fremere, griechisch bremein.
Indessen kommt schließlich alles auf eines hinaus, denn im Sanscrit
heißt bhramas prasselnde Flamme.
*Brander*, der,
heißt eigentlich Brenner. Die Form ist niederdeutsch, in Anlehnung an
Brand und brannen = brennen. In Holland heißt ein Mann der irgend etwas
brennt, sei es Kaffee, Branntwein oder Backstein ein brander.
Seemännisch, ein Schiff das anderen sich brennend naht um sie in Brand
zu stecken.
*Brass*, die.
Das Tau an der Nock der Rahe mit dem diese gebraßt d. h. vorwärts oder
rückwärts bewegt wird, je nachdem die Segel nach dem Winde gerichtet
werden müssen. Die beiden vom Mast abstehenden Teile einer Rahe gleichen
zwei ausgebreiteten Armen. Daher ist anzunehmen, daß das Tau an solchem
Arm mit dem lateinischen und griechischen Worte für Arm, brachium,
brachion, verwandt und durchs Romanische zu uns gekommen ist.
Französisch brasse, Klafter, Schnur, Seil; provençalisch brassa,
spanisch und portugiesisch braza, Klafter (was man mit den Armen fassen,
greifen, umfassen kann); englisch brace, Tragband, Handhabe; diese
letztere Bedeutung würde dem Gebrauche von Braß als Handhabe am Ende der
Rahe am besten entsprechen. Das seemännische Braß heißt französisch
bressin, weil das den Namen tragende Tau am bras (Arm) befestigt ist; es
müßte daher eigentlich brassin lauten; aber brassin hieß schon das
Gebräu, und davon sollte es unterschieden werden.
*Anbrassen* heißt so brassen, daß das Segel mit der Luvseite weiter nach
vorn kommt, aufbrassen, daß es weiter nach hinten kommt.
*Brassen und toppen* heißt nach einem Segelmanöver, im Hafen aber vor
der Morgenmusterung die gesamte Takelage einer genauen Besichtigung
unterziehen und, wenn nötig, in einen tadellosen hafenmäßigen Zustand
bringen; besonders jede Rahe in den rechten Winkel zur Längsachse des
Schiffes brassen und sie in den rechten Winkel mit ihrem Maste toppen.
*Bratspill*, das.
Vorrichtung einfacher Art zum Ankerlichten. Muß eigentlich heißen
Bratspitt = Bratspieß, weil es wie ein solcher gedreht wird. Da aber die
Vorrichtung wie das Spill gebraucht wird, so lag die etymologisierende
Veränderung in Bratspill, als Anlehnung an den stärker gewordenen
Begriff nahe. In Holland heißt das Werkzeug -- eine horizontale hölzerne
Welle -- braadspit; das englische windlass und das französische vindas
haben das Bild einer hölzernen Welle oder Achse, die oder mit der man
windet, ebenfalls deutlich festgehalten. In der »Beschriving van der
Kunst der Seefahrt«, Lübeck, 1678 steht: »weil die Pallen von das
Bratspieß weg wahren.«
*Breitfock* (Brefock), die.
Wenn Schiffe, die für gewöhnlich nur Gaffel-, Spriet- oder Gieksegel
(Schratsegel) führen, vor dem Winde fahren, so setzen sie ein breites,
viereckiges Rahsegel -- das einzige das sie setzen können; -- es
befindet sich -- nach Roeding -- an der Bagienrahe, (die am Großmast
angebracht ist, weil ein Kreuzmast nicht vorhanden). Dieses Segel heißt
Breitfock, da es dem achterlichen Winde eine möglichst breite
Angriffsfläche darbieten soll um besser ziehen (s. Fock) zu können.
*Briese*, die.
Das Wehen des Windes, besonders wenn er nicht zu stark weht. Man sagt
zwar »es briest auf« oder »es briest tüchtig« und spricht von einer
frischen, kräftigen, strammen Briese, aber sobald der Wind zum Sturm
anwächst, wird er nicht mehr Briese genannt. Da in England breeze ein
sanfter Wind, in Italien brezza ein kalter, windiger Nebel, in Spanien
bisa der Nordostwind heißt und in letzterer Sprache bisa und brisa
gleichbedeutend sind und neben einander gebraucht werden, so mag Briese
nur eine andere Form für Biese, Bise (s. d.) sein. Wenigstens fällt es
schwer, das Wort mit dem niederdeutschen brusen, brausen, oder mit dem
niederländischen brysen, brechen, zusammenzubringen, es müßte denn sein,
daß man sich eine »spiegel«-glatte See vorgestellt hätte, deren Spiegel
von der aufkommenden Briese »gebrochen« und mit Katzenpfötchen bedeckt
wird.
*Brigg*, die,
ein Segelschiff mit zwei mit Rahen versehenen Masten. Das Wort kommt
-- wie wohl auch die Sache -- aus dem Mittelmeer. Die Grundbedeutung ist
Unruhe, Geschäftigkeit. Italienisch briga, Lärm, Getümmel, Geschäft,
brigare, eifrig streben, dringend bitten, brigata, Gesellschaft, Rotte,
Heerschaar, (Brigade); brigantino Raubschiff, Seeräuberfahrzeug. In
diesem Sinne ist es zuerst ins Deutsche gekommen, oft mit der Umstellung
Bergantine; so hat es schon Kilianus: bergantine = navis piratica. Es
liegt auf der Hand, daß ein Seeräuberschiff ein schnelles Fahrzeug sein
mußte, das der ehrliche, »erlaubte« Handel (»Nahrungszweig«) sich zum
Muster nehmen konnte. Das hat er auch getan, aber das Wort war dem
niederdeutschen einsilbigen Seemann zu lang, er kürzte es ab in Brigg.
*Brille*, die.
Was eine Brille im Munde des Seemanns bedeutet ergibt sich am
deutlichsten aus der Beschreibung der *Brille für den Aussenklüverbaum*
bei Dick und Kretschmer. Sie »besteht aus einem vierkantigen und einem
runden Teil; beide Teile sind durch einen Steg mit einander verbunden.
Die Brille wird mit dem Vierkant so über die Nock des Klüverbaums
gestreift, daß der zur Aufnahme des Außenklüverbaums bestimmte runde
Teil sich am Steuerbord befindet.« Also eine Art von Eselshaupt. Der
runde Teil, der Einfassung einer alten runden Brille ähnlich, hat den
Namen veranlaßt. Brille stammt von dem Edelstein beryllus, der zuerst
als Zauber- und Wahrsageglas diente, dann als Sehglas geschliffen zur
Unterstützung schwacher Augen; zunächst für *ein* Auge, dann für beide.
*Brook*, die,
ein Tau oder ein Geflecht von dünner Leine, dazu bestimmt, etwas
festzuhalten und zu sichern damit es an seiner Stelle bleibe; auch ein
Stück geteertes Segeltuch vor einer Öffnung befestigt, in die kein
Wasser eindringen soll. Verleihung von Festigkeit und Schutz ist also
der Zweck einer Brook. Beides wird dem menschlichen Leibe durch die --
Hose gewährt, namentlich wenn sie nicht mit Hosenträgern getragen,
sondern durch einen Gürtel oder, wie beim Seemann üblich, durch einen
enganliegenden Hosenbund gehalten wird. Hose heißt aber niederdeutsch
Brook; ein sehr altes Wort, das bei den Römern braca hieß, aber als
Fremdwort bekannt war, wie denn auch nicht nur die Perser, sondern auch
die Germanen und die Gallier unter dem gleichen Namen ein Kleidungsstück
trugen das nicht nur den Beinen Schutz, sondern auch den Hüften Halt und
Festigkeit verlieh. (Hosen-) Gurt wird also die Hauptbedeutung des
Wortes am sinngemäßesten wiedergeben.
*Buchse*, die,
wird im seemännischen Sprachgebrauch vielfach anstatt Büchse gesagt;
Beweis, wie sehr dieser am Alten auch da festhält, wo das ihm so nahe
liegende Niederdeutsche Weiterbildung mitgemacht hat. Denn das vom
griechischen pyxis (aus puxos Buchs, Buchsbaum) stammende Wort, das
mittelhochdeutsch buhse, mittelniederdeutsch busse hieß, hat sogar im
Neuniederdeutschen den Umlaut angenommen (büsse) den die Seemannssprache
bisher mit Erfolg abgelehnt hat. Das englische box wird auch in
deutsch-seemännischen Munde oft gehört, sogar (scherzweise) für Kammer,
um die Enge einer solchen zu kennzeichnen.
*Bucht*, die.
1. Die Biegung eines aufgeschossenen oder sonst »gebogenen« Taues. 2.
Bucht im neuhochdeutschen Sinne eines kleinen Meerbusens, Ort wo die
Küste sich einbiegt. Nach Heyne ist das Wort erst im 18. Jahrhundert aus
Niederdeutschland in die hochdeutsche Schriftsprache gedrungen. So hat
also das Niederdeutsche diesen althochdeutschen Besitz vor dem Verluste
gerettet, denn von dem althochdeutschen biogan biegen gab es schon in
alten Zeiten ein Substantivum biugo = sinus.
*Bug*, der.
Der vorderste, stark gebogene Teil des Schiffes; die Biegung ist das den
Ausschlag bei der Benennung Gebende. Das hat Weigand (I. 278) zwar
geleugnet, indem er sagt, bug käme nicht von biegen wegen des uo im
althochdeutschen und mittelhochdeutschen buoc; aber ohne Erfolg, denn
woher soll das althochdeutsche buog, das obere Gelenk des Oberarms und
des Schenkels, anders kommen als von biogan? Gothisch biugan, biegen und
beugen; Sanscrit bhug, inflectum esse (gekrümmt). Es ist behauptet
worden: »Die uralten Bezeichnungen von Körperteilen wie Arm, Bug, Herz,
Nase, Niere etc. etc. beruhen auf dunklen Wurzeln, von denen wir
nirgends mehr eine Spur finden; sie gehören eben zum allerältesten
Wortbestande der indogermanischen Sprache.« Für Bug liegt aber die
Annahme einer Wurzel die biegen bedeutet so nahe, daß man sich ihr nicht
entziehen kann. Auch Bogen ist verwandt, altdeutsch bogo, boge =
Halbkreis, Waffe, Sattelbogen; niederländisch boog, wozu Aubin bemerkt:
»ce mot se dit de toutes les choses qui se sont en ligne courbe.« Bug
heißt niederländisch allerdings nicht boog sondern boeg, aber Weiland
sagt: »boeg van buigen, het voorste gedeelte van een schip, waar het
sterk gebogen is.«
Kilianus gebraucht bocht und boech als völlig gleichbedeutend.
Angelsächsisch bôg, englisch bough. In der Edda wird für Biegung,
Krümmung, bugr gebraucht.
»Über den Steuerbord-, über den Backbordbug anliegen oder segeln« heißt:
Das Schiff liegt auf der Steuerbord-, auf der Backbordseite am Winde,
segelt mit der Steuerbord-, mit der Backbordseite der Segel beim Winde.
Das sind zwei sehr verschiedene Fälle; will der Seemann aber sagen: »auf
alle Fälle«, so sagt er: »über jeden Bug«, auch da wo es sich nicht um
Seemannschaft handelt; Groningen: »Hy prebjerret it op alle bugen um rik
to wirden.«
*Bugsieren*,
ein Schiff durch ein anderes schleppen, in dem der schleppende Dampfer
die schleppende Troß, die an seinem Heck belegt ist, am Bug des zu
schleppenden Schiffes festmacht. Wenn das s nicht wäre, so könnte man
annehmen, das ieren sei einfache Endung, so aber muß an eine
Zusammensetzung gedacht werden. Diese ergibt sich aus dem Holländischen
und Ostfriesischen, wo sjoren, festmachen, sjuren, ziehen, schleppen
bedeutet. Man hat also die Wahl, anzunehmen daß bugsieren vom
holländischen sjoren kommt und von Bug, so daß also das Wort hieße: »ein
Tau am Bug festmachen,« oder vom ostfriesischen sjuren und Bug, so daß
es hieße: »ein Schiff an seinem Bug ziehen, schleppen«; vielleicht haben
auch beide Bedeutungen in einander gespielt.
Eine eigenartige Form hat der Übersetzer der »Durchlauchtigsten
Seehelden,« Sulzbach 1681, dem Worte gegeben. Er beschreibt die
Seeschlacht bei Lepanto und gibt an, daß die Nachhut der Christen unter
dem Marquis de Santa Cruz Alvaro Bacciano hauptsächlich aus Galeazzen
bestanden habe, »von denen jedwede sechs und fünfftzig grosse
Stück-Geschütz, zwölffe in den Vordertheil, zwölffe in den Hindertheil,
und sechzehn an jedweder Seite, und sechs hundert Fuß-Knechte auf
hatten, ... und weil sie so schwer waren, hat man, damit sie nicht
dahinten bleiben sollten, sie nahe an den Feind büchsiren oder
fortziehen lassen, daher sie auch die ersten waren, welche auf den Feind
ohne Verhinderung der andern Galeyen zu schießen begunten.«
*Bug
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