Geologische Beobachtungen über die Vulcanischen Inseln
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Title: Geologische Beobachtungen über die Vulcanischen Inseln
Author: Charles Darwin
Release date: May 1, 2010 [eBook #32201]
Most recently updated: February 16, 2021
Language: German
Other information and formats: www.gutenberg.org/ebooks/32201
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*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK GEOLOGISCHE BEOBACHTUNGEN ÜBER DIE VULCANISCHEN INSELN ***
ANMERKUNGEN ZUR TRANSKRIPTION
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beibehalten.
Ch. Darwin's
~gesammelte Werke.~
~Aus dem Englischen übersetzt~
von
J. Victor Carus.
Autorisirte deutsche Ausgabe.
Elfter Band. Zweite Hälfte.
~Vulcanische Inseln.~
Mit einer Karte und vierzehn Holzschnitten.
STUTTGART.
E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (E. Koch).
1877.
Geologische Beobachtungen
über die
=Vulcanischen Inseln=
mit
kurzen Bemerkungen über die Geologie
von
Australien und dem Cap der Guten Hoffnung.
Von
=Charles Darwin=.
Nach der 2. Ausgabe aus dem Englischen übersetzt
von
J. Victor Carus.
Mit einer Karte und vierzehn Holzschnitten.
STUTTGART.
E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (E. Koch).
1877.
K. Hofbuchdruckerei Zu Guttenberg (Carl Grüninger) in Stuttgart.
Vorrede zur zweiten Ausgabe.
Die erste Ausgabe meiner »Geologischen Untersuchungen über die
Vulcanischen Inseln, welche während der Reise von S. M. S. Beagle unter
dem Commando des Capt. FITZROY besucht wurden«, erschien unter
Gutheiszung der Lord Commissioners of Her Majesty's Treasury im Jahre
1844, und meine »Beobachtungen über Süd-America« im Jahre 1846. Da diese
beiden Werke jetzt vergriffen sind, und da ich glaube, dasz sie doch
noch Sachen von wissenschaftlichem Werthe enthalten, schien es mir
räthlich, sie neu herauszugeben. Sie handeln von Theilen der Erde,
welche so selten von wissenschaftlichen Leuten besucht worden sind, dasz
mir nicht bekannt ist, dasz etwa Vieles nach später angestellten
Beobachtungen verbessert oder zugefügt werden könnte.
In Folge der groszen Fortschritte der Geologie in neuerer Zeit dürften
meine Ansichten über einige wenige Punkte etwas veraltet erscheinen; ich
habe es aber für das Beste gehalten, sie so zu lassen, wie sie
ursprünglich erschienen sind. Um meinen Bericht über die während der
Reise des >Beagle< angestellten geologischen Beobachtungen zu
vervollständigen, will ich hier noch auf vier besonders erschienene
Abhandlungen hinweisen: 1. Ȇber den Zusammenhang gewisser vulcanischer
Erscheinungen in Süd-America«, im Jahre 1838 gelesen, in Bd. 5 der
>Transactions of the Geological Society< erschienen; 2. Ȇber die
Verbreitung der erratischen Blöcke und die gleichzeitigen geschichteten
Ablagerungen von Süd-America«, gelesen 1841 und in Bd. 6 der nämlichen
Abhandlungen veröffentlicht; 3. »Eine Schilderung des feinen Staubs,
welcher häufig auf Schiffe im Atlantischen Ocean fällt«, in den
Proceedings derselben Gesellschaft, 4. Juni 1845; und 4. vom 25. März
1846 in demselben Journal »Über die Geologie der Falkland-Inseln«.
Inhalt. Seite
Erstes Capitel. 1
S. Jago, im Cap Verdischen Archipel.
Gesteine der untersten Reihe. -- Eine kalkige,
sedimentäre Ablagerung, mit recenten Muscheln, durch
die Berührung mit darüber liegender Lava verändert;
ihre horizontale Lage und Ausdehnung. -- Später
erfolgte vulcanische Ausbrüche, in Begleitung mit
kalkiger Substanz in erdiger oder fasriger Form und
häufig innerhalb der einzelnen Scorien-Zellen
eingeschlossen. -- Alte und obliterite
Auswurfsöffnungen von geringer Grösze. --
Schwierigkeit, über eine nackte Ebene neuere Lavaströme
zu verfolgen. -- Landeinwärts gelegene Berge von
älterem vulcanischen Gestein. -- Zerfallener Olivin in
groszen Massen. -- Feldspathige Gesteine unterhalb der
oberen krystallinischen basaltischen Schichten.
-- Gleichförmige Structur und Form der älteren
vulcanischen Berge. -- Form der Thäler in der Nähe der
Küste. -- Conglomerat jetzt den Strand bildend
Zweites Capitel. 24
~Fernando Noronha.~ -- Steil abstürzender Berg von
Phonolith. -- ~Terceira.~ -- Trachytische Gesteine; ihre
eigenthümliche Zersetzung durch Dampf von hoher
Temperatur. -- ~Tahiti.~ -- Übergang von Wacke in
Trapp; eigenthümliches vulcanisches Gestein; dessen
Blasenräume halb mit Mesotyp erfüllt sind. --
~Mauritius.~ -- Beweise für seine neuere Erhebung. --
Structur seiner älteren Gebirge; Ähnlichkeit mit S.
Jago. -- ~St. Paul's Felsen;~ nicht-vulcanischen
Ursprungs; -- ihre eigenthümliche mineralogische
Zusammensetzung
Drittes Capitel. 36
Ascension.
Basaltische Laven. -- Zahlreiche Cratere, welche an der
nämlichen Seite abgestutzt sind. -- Eigenthümliche
Structur vulcanischer Bomben. -- Explosionen gasförmiger
Massen. -- Ausgeworfene granitische Bruchstücke. --
Trachytische Gesteine. -- Eigenthümliche Adern. --
Jaspis, seine Bildungsweise. -- Concretionen in
bimssteinartigem Tuff. -- Kalkige Ablagerungen und
frondescirende Incrustationen an der Küste.
-- Merkwürdige blättrige Schichten, welche mit Obsidian
abwechseln und in solchen übergehen. -- Ursprung des
Obsidians. -- Blättrig-werden vulcanischer Gesteine
Viertes Capitel. 75
St. Helena.
Laven der feldspathigen, basaltischen und submarinen
Reihe. -- Durchschnitt des Flagstaff-Hill und des Barn.
-- Turk's Cap und Prosperous Bay. -- Basaltischer Ring.
-- Centraler craterförmiger Rücken, mit einer innern
Leiste und einer Brustwehr. -- Phonolith-Kegel. --
Oberflächliche Schichten von kalkig Sandstein.
-- Ausgestorbene Landschnecken. -- Schichten von
Detritus. -- Erhebung des Landes. -- Denudation. --
Erhebungscratere
Fünftes Capitel. 101
Galapagos-Archipel.
Chatham-Insel. -- Aus einer besondern Art von Tuff
zusammengesetzte Cratere. -- Kleine basaltische Cratere
mit Höhlen an ihren Basen. -- Albemarle-Insel, flüssige
Laven, ihre Zusammensetzung. -- Tuff-Cratere, Neigung
ihrer äuszeren divergirenden Schichten, und Structur
ihrer inneren convergirenden Schichten. -- James-Insel,
Segment eines kleinen basaltischen Craters; Flüssigkeit
und Zusammensetzung ihrer Lava-Ströme und der von ihr
ausgeworfenen Fragmente. -- Schluszbemerkungen über die
Tuff-Cratere und über den durchbrochenen Zustand ihrer
südlichen Seiten. -- Mineralogische Zusammensetzung der
Felsarten des Archipels. -- Erhebung des Landes. --
Richtung der Eruptionsspalten
Sechstes Capitel. 120
Trachyt und Basalt. -- Verbreitung der vulcanischen
Inseln.
Das Einsinken von Krystallen in flüssige Lava.
-- Specifisches Gewicht der constituirenden
Bestandtheile des Trachyt und Basalt und ihre spätere
Trennung. -- Obsidian. -- Scheinbar nicht erfolgende
Trennung der Elemente der plutonischen Gesteine. --
Ursprung der Trappgänge in der plutonischen Reihe. --
Verbreitung vulcanischer Inseln; ihr Vorherrschen in
den groszen Oceanen. -- Sie sind meist in Reihen
angeordnet. -- Die centralen Vulcane L. VON BUCH'S
zweifelhaft. -- Vulcanische Inseln Continente umsäumend.
-- Alter vulcanischer Inseln und ihre Erhebung in Masse.
-- Eruptionen auf parallelen Spaltungslinien innerhalb
einer und derselben geologischen Periode
Siebentes Capitel. 133
~Neu-Süd-Wales.~ -- Sandstein-Formation. --
Eingeschlossene Pseudofragmente von Schiefer. --
Stratification. -- Sich kreuzende Lagen. -- Grosze
Thäler. -- ~Van Diemen's Land.~ -- Palaeozoische
Formation. -- Neuere Formation mit vulcanischen
Gesteinen. -- Travertin mit Blättern ausgestorbener
Pflanzen. -- Erhebung des Landes. -- ~Neu-Seeland.~ --
~King George's Sound.~ -- Oberflächliche eisenhaltige
Schichten. -- Oberflächliche kalkige Ablagerungen mit
Abgüssen von Zweigen. -- Ihr Ursprung aus angetrifteten
Stückchen Muscheln und Corallen. -- Ihre Ausdehnung. --
~Cap der Guten Hoffnung.~ -- Verbindung des Granits und
Thonschiefers. -- Sandstein-Formation
Anhang. 164
Beschreibung fossiler Muscheln, von G. B. SOWERBY.
Muscheln aus einer tertiären Ablagerung unter einem
groszen basaltischen Strom auf S. Jago im
Cap-Verdischen Archipel. -- Ausgestorbene Landschnecken
von St. Helena. -- Palaeozoische Muscheln von Van
Diemen's Land S. 156.
Beschreibung von Corallen aus der palaeozoischen
Formation von Van Diemen's Land, von W. LONSDALE
Erstes Capitel.
St. Jago, im Cap Verdischen Archipel.
Gesteine der untersten Reihe. -- Eine kalkige, sedimentäre
Ablagerung, mit recenten Muscheln, durch die Berührung mit darüber
liegender Lava verändert; ihre horizontale Lage und Ausdehnung. --
Später erfolgte vulcanische Ausbrüche, in Begleitung mit kalkiger
Substanz in erdiger oder fasriger Form und häufig innerhalb der
einzelnen Scorien-Zellen eingeschlossen. -- Alte und obliterite
Auswurfsöffnungen von geringer Grösze. -- Schwierigkeit, über eine
nackte Ebene neuere Lavaströme zu verfolgen. -- Landeinwärts
gelegene Berge von älterem vulcanischem Gestein. -- Zerfallener
Olivin in groszen Massen. -- Feldspathige Gesteine unterhalb der
oberen krystallinischen basaltischen Schichten. -- Gleichförmige
Structur und Form der älteren vulcanischen Berge. -- Form der Thäler
in der Nähe der Küste. -- Conglomerat jetzt den Strand bildend.
Die Insel St. Jago dehnt sich in einer nord-nordwestlichen und
süd-südöstlichen Richtung dreiszig Meilen in der Länge aus bei einer
Breite von ungefähr zwölf Meilen. Meine während zweier Besuche
angestellten Beobachtungen haben sich auf die südliche Partie innerhalb
einer Entfernung von einigen wenigen Stunden von Porto Praya beschränkt.
Das Land bietet vom Meere aus gesehn einen abwechselnden Umrisz dar:
glatte, kegelförmige Berge von einer röthlichen Färbung (wie der Red
Hill in dem Holzschnitt S. 2)[1], und andere weniger regelmäszige, mit
ebenen Gipfeln und von schwärzlicher Farbe (wie A, B, C), steigen von
hintereinander liegenden, stufenförmigen Lavaebenen empor. In der
Entfernung durchzieht eine viele tausend Fusz hohe Bergkette quer das
Innere der Insel. Auf St. Jago findet sich kein activer Vulcan, und
überhaupt nur einer in der ganzen Gruppe, nämlich auf Fogo. Seitdem die
Insel bewohnt ist, hat sie nicht von zerstörenden Erdbeben zu leiden
gehabt.
[Illustration: Fig. 1. Theil von St. Jago, einer der capverdischen
Inseln.]
Die untersten, an der Küste in der Nähe von Porto Praya sich dem Blicke
darbietenden Gesteine sind in hohem Grade krystallinisch und compact;
sie erscheinen als von altem, submarinem, vulcanischem Ursprung; sie
werden in discordanter Lagerung von einer dünnen, unregelmäszigen,
kalkigen Ablagerung bedeckt, welche äuszerst reichlich Muscheln einer
späten tertiären Periode enthält, und diese wiederum wird bedeckt von
einer breiten Fläche basaltischer Lava, welche in aufeinander folgenden
Strömen aus dem Innern der Insel zwischen den plattgipfeligen Bergen A,
B, C u. s. w. herabgeflossen ist. Noch neuere Lavaströme sind von den
zerstreut stehenden kegelförmigen Hügeln, wie Red Hill und Signal Post
Hill ausgeworfen worden. Die oberen Schichten der plattgipfeligen Berge
sind in ihrer mineralogischen Zusammensetzung und in anderen Beziehungen
eng verwandt mit der untersten Reihe der an der Küste anstehenden
Gesteine, mit welchen sie in continuirlichem Zusammenhange zu stehen
scheinen.
~Mineralogische Beschreibung der Gesteine der untersten Reihe.~ -- Diese
Gesteine besitzen einen äuszerst verschiedenartigen Character; sie
bestehn der Grundmasse nach aus schwarzen, braunen und grauen compacten
Felsarten mit zahlreichen Krystallen von Augit, Hornblende, Olivin,
Glimmer und zuweilen glasigem Feldspath. Eine sehr häufig vorkommende
Varietät ist beinahe ganz und gar aus Krystallen von Augit mit Olivin
zusammengesetzt. Bekanntlich kommt Glimmer nur selten da vor, wo Augit
reichlich vorhanden ist; auch bietet wahrscheinlich der vorliegende Fall
keine wirkliche Ausnahme dar; denn der Glimmer ist (wenigstens in meinem
characteristischsten Handstück, an welchem ein Einschlusz dieses
Minerals beinahe einen halben Zoll lang ist) so vollkommen abgerundet
wie ein Rollstein in einem Conglomerate und ist offenbar nicht in der
Grundmasse, in welcher er jetzt eingeschlossen ist, krystallisirt,
sondern ist aus der Schmelzung irgend eines schon vorher hier gewesenen
Gesteins hervorgegangen. Diese compacten Lava-Arten wechseln mit Tuffen,
Mandelsteinen und Wacke und an einigen Stellen mit grobem Conglomerate
ab. Einige von den thonsteinhaltigen Wacken sind von einer dunkel grünen
Färbung, andere sind gelblich grün und noch andere nahezu weisz; ich war
überrascht, als ich fand, dasz einige von den letztgenannten Varietäten,
selbst von den weiszesten, zu einem pechschwarzen Email schmolzen,
während manche von den grünen Varietäten nur eine blaszgraue Perle vor
dem Löthrohr ergaben. Zahlreiche, hauptsächlich aus in hohem Grade
compacten augitischen Gesteinsarten und aus grauen amygdaloiden
Varietäten bestehende Gänge durchsetzen die Schichten, welche an
mehreren Stellen mit beträchtlicher Gewalt in ihrer Lagerung gestört und
in sehr stark geneigte Stellungen geworfen worden sind. Eine Linie einer
solchen Störung geht quer durch das nördliche Ende von Quail Island
(eine kleine Insel in der Bucht von Porto Praya) und kann bis auf das
Festland verfolgt werden. Diese Störungen haben vor der Ablagerung der
neueren sedimentären Schichten stattgefunden, und auch die Oberfläche
hat schon vorher in einem hohen Grade eine Denudation erfahren, wie es
sich in vielen abgestutzten Gängen zeigt.
~Beschreibung der kalkigen Ablagerung, welche die vorstehend erwähnten
vulcanischen Gesteinsmassen überlagert.~ -- Diese Schicht ist wegen
ihrer weiszen Farbe und wegen der auszerordentlichen Regelmäszigkeit,
mit welcher sie sich einige Meilen der Küste lang in einer horizontalen
Linie hinzieht, sehr in die Augen fallend. Ihre mittlere Höhe über dem
Meere, von der oberen Verbindungslinie mit der darüber liegenden
basaltischen Lava aus gemessen, beträgt ungefähr 60 Fusz; und ihre
Mächtigkeit kann, trotzdem sie wegen der Unebenheiten der darunter
liegenden Formation bedeutend schwankt, zu ungefähr 20 Fusz geschätzt
werden. Sie besteht aus völlig weiszer kalkiger Substanz, welche zum
Theil aus organischen Bruchstücken und zum Theil aus einer Masse
zusammengesetzt ist, die man ganz passend ihrem äuszern Ansehn nach mit
Mörtel vergleichen kann. Gesteinsbruchstücke und Rollsteine sind durch
diese ganze Schicht zerstreut und bilden häufig, besonders in dem
unteren Theile, ein Conglomerat. Viele von den Gesteinsfragmenten sind
von einer dünnen Schicht kalkiger Substanz, wie von einer Tünche
überzogen. Auf Quail Island wird die kalkige Ablagerung in ihrem
untersten Theile durch einen weichen, braunen, erdigen Tuff voll von
Turritellen vertreten; dieser wird von einer Schicht Geschiebe bedeckt,
welches in Sandstein übergeht und mit Bruchstücken von Echinen,
Krebsscheren und Muscheln untermischt ist; die Austermuscheln hängen
noch an dem Gesteine fest, an welchem sie wuchsen. Zahlreiche weisze
Kugeln, wie pisolithische Concretionen, von der Grösze einer Wallnusz
bis zu der eines Apfels sind in dieser Ablagerung eingebettet; sie haben
gewöhnlich einen kleinen Geschiebestein in ihrer Mitte. Obgleich sie
Concretionen so ähnlich sind, überzeugte mich doch eine nähere
Untersuchung, dasz es Nulliporen waren, welche zwar ihre eigenthümliche
Form beibehalten hatten, aber an ihrer Oberfläche unbedeutend abgerieben
waren: es bieten diese Körper (Pflanzen, für was sie jetzt allgemein
angesehen werden) unter dem Mikroskop bei gewöhnlichen Vergröszerungen
keine Spur von Organisation in ihrem innern Bau dar. Mr. GEORGE R.
SOWERBY ist so freundlich gewesen, die Schalthiergehäuse, welche ich
gesammelt habe, zu untersuchen, es finden sich vierzehn Species darunter
in einem hinreichend vollkommenen Zustande, um ihre Charactere mit
irgend einem Grade von Sicherheit zu bestimmen, und vier, welche nur in
Bezug auf die Gattung, zu der sie gehören, bestimmt werden können. Von
den vierzehn Muscheln, deren Verzeichnis im Anhange mitgetheilt wird,
sind elf recente Species; eine davon, obschon noch unbeschrieben, ist
vielleicht mit einer Art identisch, welche ich im Hafen von Porto Praya
lebend gefunden habe; die zwei noch übrigen Arten sind noch unbekannt
und von Mr. SOWERBY beschrieben worden. So lange als die Schalthiere
dieses Archipels und der benachbarten Küsten nicht besser bekannt sind,
würde es voreilig sein zu behaupten, dasz selbst diese beiden letzten
Species ausgestorben wären. Die Zahl von Species, welche mit Sicherheit
zu den noch jetzt lebenden gehören, ist freilich nur gering, aber doch
immerhin grosz genug, um zu beweisen, dasz diese Ablagerung einer
späten tertiären Periode angehört. Nach ihren mineralogischen Merkmalen,
nach der Anzahl und Grösze der eingeschlossenen Fragmente und nach dem
so reichlichen Vorhandensein von Patellen und andern littoralen Muscheln
ist es wohl offenbar, dasz die ganze Schicht in einem seichten
Meerestheile in der Nähe eines alten Küstengebiets zur Ablagerung
gelangte.
~Wirkungen, welche durch das Flieszen der darüber liegenden basaltischen
Lava über die kalkige Ablagerung auf letztere hervorgebracht worden
sind.~ -- Diese Wirkungen sind sehr merkwürdig. Die kalkige Masse ist
bis zur Tiefe von ungefähr einem Fusze unter der Verbindungslinie hinab
verändert worden; und es läszt sich eine äuszerst vollkommene Abstufung
verfolgen von lose zusammengeballten kleinen Stückchen von
Schalthiergehäusen, Corallinen und Nulliporen bis zu einer Gesteinsform,
in welcher nicht eine Spur von einem mechanischen Ursprunge selbst mit
dem Mikroskope erkannt werden kann. Wo die metamorphische Veränderung am
gröszten ist, kommen zwei Varietäten vor. Die erste ist ein hartes,
compactes, weiszes, feinkörniges Gestein, welches in einigen wenigen
parallelen Linien von schwarzen, vulcanischen Partikeln gestreift und
einem Sandstein ähnlich ist, welches aber bei näherer Untersuchung sich
als durch und durch krystallisirt herausstellt, mit so vollkommenen
Spaltungsflächen, dasz sie leicht mit dem Reflexions-Goniometer gemessen
werden können. An Handstücken, bei denen die Veränderung weniger
vollkommen gewesen ist, kann man, wenn sie befeuchtet und unter
einer starken Lupe untersucht werden, die interessanteste Abstufung
verfolgen: einige von den abgerundeten Stückchen haben die ihnen
eigenthümliche Form bewahrt und andere verschmelzen unmerkbar zu der
körnig-krystallinischen breiigen Masse. Die dem Wetter ausgesetzt
gewesene Oberfläche dieses Steines nimmt, wie es bei gewöhnlichen
Kalksteinen so häufig der Fall ist, eine ziegelrothe Färbung an.
Die zweite metamorphosirte Varietät ist gleichfalls ein hartes Gestein,
aber ohne irgend welche krystallinische Structur. Sie besteht aus einem
weiszen, opaken, compacten kalkigen Steine, welcher dicht mit
abgerundeten, wenn auch unregelmäszigen Flecken einer weichen, erdigen,
ockerartigen Substanz gefleckt ist. Diese erdige Substanz ist von einer
blassen gelblich-braunen Färbung und ist augenscheinlich eine Mischung
von kohlensaurem Kalk mit Eisen; sie braust mit Säuren auf, ist
unschmelzbar, wird aber vor dem Löthrohr schwarz und wird magnetisch.
Die abgerundete Form der minutiösen Fleckchen erdiger Substanz und die
stufenweisen Übergänge bis zu ihrer vollkommenen Ausbildung, welche an
einer Reihe von Handstücken verfolgt werden kann, zeigen deutlich, dasz
sie sich entweder in Folge irgend eines Aggregationsvermögens, welches
die erdigen Partikel unter einander besitzen, oder noch wahrscheinlicher
in Folge einer starken Anziehung der Atome kohlensauren Kalkes und
folglich einer Sonderung der diesen fremdartigen erdigen Substanz
gebildet haben. Diese Thatsache gewährte mir bedeutendes Interesse, weil
ich häufig Quarzgesteine gesehen habe (so z. B. auf den Falkland-Inseln
und in den unteren silurischen Schichten der >Stiper-stones< in
Shropshire), welche in einer völlig analogen Art und Weise mit kleinen
Fleckchen einer weiszen erdigen Substanz (erdigem Feldspath?) durchsetzt
waren; und es waren gute Gründe zur Vermuthung vorhanden, dasz diese
Gesteine der Wirkung der Hitze ausgesetzt gewesen waren, -- eine
Ansicht, welche hiernach Bestätigung erhält. Diese gefleckte Structur
kann möglicherweise einen Fingerzeig abgeben, diejenigen Formationen von
Quarz, welche ihre gegenwärtige Structur der Wirkung des Feuers
verdanken, von denen zu unterscheiden, welche allein durch die Wirkung
des Wassers erzeugt worden sind; es lag hier ein Zweifel vor, welchen,
wie ich nach meiner eigenen Erfahrung meinen möchte, die meisten
Geologen erfahren haben müssen, wenn sie sandig-quarzige Districte
untersuchten.
Der unterste, am meisten schlackenartige Theil der Lava hat, als er sich
über die kalkige Ablagerung auf dem Grunde des Meeres ergosz, grosze
Mengen einer kalkigen Substanz aufgenommen, welche jetzt eine
schnee-weisze, in hohem Grade krystallinische Grundmasse einer Breccie
bildet, die kleine Stücke von schwarzen, glänzenden Schlacken
einschlieszt. Ein wenig über dieser Lage, da wo der Kalk weniger
reichlich vorhanden und die Lava mehr compact ist, nehmen kleine, aus
Spiculis von Kalkspath, die von gemeinsamen Centern ausstrahlen,
zusammengesetzte Kugeln die Zwischenräume in der Lavamasse ein. An einem
Theile von Quail Island ist in dieser Weise der Kalk durch die Hitze der
darüber liegenden Lava, wo sie nur 13 Fusz an Mächtigkeit besitzt,
krystallisirt worden; auch ist die Lava nicht etwa ursprünglich dicker
gewesen und ist nicht seitdem durch Verwitterung an Umfang vermindert
worden, wie sich nach dem Grade der zelligen Beschaffenheit ihrer
Oberfläche bestimmen läszt. Ich habe bereits bemerkt, dasz das Meer, in
welchem diese Ablagerung angesammelt wurde, seicht gewesen sein musz. In
diesem Falle ist daher die gasförmige Kohlensäure unter einem Drucke
zurückgehalten worden, welcher verglichen mit dem, welchen Sir JAMES
HALL ursprünglich als zu diesem Zwecke erforderlich hielt (eine
Wassersäule von 1708 Fusz Höhe) unbedeutend erscheint; aber seit der
Zeit, in dem seine Experimente angestellt wurden, ist entdeckt worden,
dasz der Druck weniger mit dem Zurückhalten von Kohlensäure-Gas zu thun
hat, als die Beschaffenheit der umgebenden Atmosphäre; und daher kommt
es, wie es nach FARADAY's[2] Angabe wohl der Fall ist, dasz Massen von
Kalk zuweilen selbst in gewöhnlichen Kalköfen geschmolzen und
krystallisirt werden. Kohlensaurer Kalk kann nach FARADAY's Angabe
beinahe auf jeden beliebigen Grad in einer Atmosphäre von kohlensaurem
Gas erhitzt werden, ohne zersetzt zu werden, und GAY LUSSAC hat
gefunden, dasz Kalkstücke, in eine Röhre gelegt und bis zu einem Grade
erhitzt, welcher an sich noch nicht ihre Zersetzung verursacht, doch
sofort ihre Kohlensäure abgeben, wenn ein Strom von gewöhnlicher Luft
oder von Dampf über sie hingeleitet wird: GAY LUSSAC schreibt dies der
mechanischen Verdrängung der im Freiwerden begriffenen gasförmigen
Kohlensäure zu. Die kalkige Masse unterhalb der Lava und besonders jene,
welche die krystallinischen Spiculae in den Lücken zwischen den
Schlacken bildet, konnte, trotzdem sie in einer wahrscheinlich
hauptsächlich aus Dampf zusammengesetzten Atmosphäre erhitzt wurde, doch
nicht den Einwirkungen eines durchtretenden Dampfstroms ausgesetzt
gewesen sein; und daher kommt es vielleicht, dasz sie unter einem Drucke
geringeren Grades ihre Kohlensäure behalten hat.
Die in der krystallinischen kalkigen Grundmasse eingeschlossenen
Schlackenbruchstücke sind von einer pech-schwarzen Farbe und haben einen
glänzenden Bruch wie Pechstein. Indessen ist ihre Oberfläche mit einer
Schicht einer röthlich-orangenen, durchscheinenden Substanz überzogen,
welche leicht mit einem Messer abgekratzt werden kann; sie sieht daher
aus, als wäre sie von einer dünnen Schicht Lack bedeckt. Einige der
kleineren Fragmente sind theilweise durch und durch in diese Substanz
verwandelt, eine Umänderung, welche von gewöhnlicher Zersetzung gänzlich
verschieden zu sein scheint. Auf dem Galapagos-Archipel werden (wie in
einem spätern Capitel beschrieben werden wird) grosze Lager aus
vulcanischer Asche und Schlackenstückchen gebildet, welche eine ganz
ähnliche Veränderung erlitten haben.
~Die Ausdehnung und die horizontale Lagerung der kalkigen Schicht.~ --
Die Begrenzungslinie der oberen Fläche der kalkigen Schicht, welche so
auffallend ist, weil sie vollkommen weisz und beinahe ganz horizontal
ist, zieht sich der Küste entlang in der Höhe von ungefähr 60 Fusz über
dem Meere meilenweit hin. Die Basaltlage, von welcher sie bedeckt wird,
ist im Mittel 80 Fusz dick. Westlich von Porto Praya jenseits Red Hill
ist die weisze Kalkschicht mit dem darüber liegenden Basalt von noch
neuern Strömen bedeckt. Nördlich von Signal Post Hill konnte ich sie mit
dem Auge verfolgen, wie sie sich mehrere Meilen weit den Uferklippen
entlang hinzog. Die hierbei beobachtete Entfernung beträgt ungefähr 7
Meilen; nach ihrer Regelmäszigkeit kann ich aber nicht zweifeln, dasz
sie sich noch viel weiter erstreckt. In einigen rechtwinklig auf die
Küste treffenden Schluchten sieht man, dasz sie sanft nach dem Meere zu
einfällt, wahrscheinlich mit derselben Neigung, unter welcher sie rings
um die alten Ufer der Insel abgelagert wurde. Ich habe landeinwärts nur
einen einzigen Durchschnitt gefunden, nämlich am Fusze des mit A
bezeichneten Berges, wo diese Schicht in der Höhe von einigen hundert
Fusz exponirt war; sie ruhte auf dem gewöhnlichen augitischen mit Wacke
vergesellschafteten Gesteine, und wurde von dem weit verbreiteten Lager
neuer basaltischer Lava bedeckt. In Bezug auf die horizontale Lagerung
der weiszen Schicht kommen einige Ausnahmen vor: auf Quail Island liegt
ihre obere Fläche nur 40 Fusz über dem Meeresspiegel; auch beträgt hier
die Lavadecke nur zwischen 12 und 15 Fusz an Mächtigkeit; andererseits
erhält auf der nordöstlichen Seite vom Hafen von Porto Praya die kalkige
Schicht ebenso wie das Gestein, auf welchem sie ruht, eine das mittlere
Niveau übersteigende Höhe: die Ungleichheit des Niveaus in diesen beiden
Fällen ist, wie ich meine, nicht eine Folge einer ungleichen Erhebung,
sondern ist durch Unregelmäszigkeiten auf dem Meeresgrunde verursacht
worden. Für diese Thatsache, wie sie sich auf Quail Island darstellt,
fand sich ein offenbarer Beweis darin, dasz die kalkige Ablagerung an
einer Stelle von einer viel bedeutenderen Mächtigkeit war, als sie im
Mittel zeigte, und dasz sie an einer andern Stelle gänzlich fehlte; in
diesem letztern Falle ruhten die modernen basaltischen Lava-Massen
direct auf denen älteren Ursprungs.
[Illustration: Fig. 2. Signal Post Hill.]
Unter dem Signal-Posten-Berge fällt die weisze Schicht in einer
merkwürdigen Art und Weise in das Meer hinein. Dieser Berg ist
kegelförmig, 450 Fusz hoch und zeigt noch einige Spuren davon, dasz er
einen craterförmigen Bau gehabt hat; er ist hauptsächlich aus Massen
zusammengesetzt, welche später nach der Emporhebung der groszen
basaltischen Ebene ausgeworfen worden sind, zum Theil aber aus Lava von
augenscheinlich submarinem Ursprung und beträchtlich hohem Alter. Die
den Berg umgebende Ebene, ebenso wie die östliche Seite desselben ist in
steile, in das Meer überhängende Abstürze ausgewaschen worden. An diesen
steilen Abstürzen kann man die weisze kalkige Schicht in einer Höhe von
ungefähr 70 Fusz oberhalb des Meeresstrandes für einige Meilen weit nach
Norden und Süden vom Berge aus in einer, dem Anscheine nach vollkommen
horizontalen Linie hinlaufen sehen; aber auf einer Strecke von einer
Viertel Meile Länge direct unter dem Berge fällt sie in das Meer ein und
verschwindet. Auf der südlichen Seite ist das Fallen ganz allmählich,
auf der nördlichen dagegen ist es plötzlicher, wie es in beistehendem
Holzschnitt zu sehen ist. Da weder die kalkige Schicht, noch die darüber
liegende basaltische Lava (so weit die letztere von den noch neueren
Auswurfsmassen unterschieden werden kann) dem Anscheine nach an Dicke
zunehmen, wo sie einfallen, so schliesze ich hieraus, dasz diese
Schichten nicht ursprünglich in einer Mulde angehäuft wurden, deren
Mittelpunkt später ein Eruptionspunkt geworden ist, sondern dasz sie
später gestört und verbogen worden sind. Wir können annehmen, entweder,
dasz Signal Post Hill nach seiner Emporhebung mit dem umgebenden
Lande gesunken ist, oder dasz er niemals zu der nämlichen Höhe wie
jenes emporgehoben worden ist. Dies letztere scheint mir die
allerwahrscheinlichste Alternative zu sein; denn während der langsamen
und gleichmäszigen Erhebung dieses Theils der Insel wird aller
Wahrscheinlichkeit nach die unterirdische bewegende Kraft, da sie einen
Theil ihrer Wirkung auf das wiederholte Auswerfen von vulcanischer Masse
aus dem Innern unterhalb dieses Punktes verwandt hat, weniger Fähigkeit
gehabt haben, denselben in die Höhe zu heben. Etwas ganz Ähnliches
scheint in der Nähe des Red Hill vorgekommen zu sein; denn als ich die
bloszliegenden Ströme von Lava von der Nähe von Porto Praya aus aufwärts
nach dem Innern der Insel hin verfolgte, wurde ich stark zu vermuthen
veranlaszt, dasz die Neigung des Landes seit der Zeit, wo die Lava
geflossen war, unbedeutend modificirt worden ist, entweder dadurch, dasz
in der Nähe von Red Hill eine geringe Senkung eingetreten ist, oder
dadurch, dasz jener Theil der Ebene während der Erhebung des ganzen
Gebiets nur bis zu einer geringeren Höhe emporgehoben worden ist.
~Die basaltische Lava, welche die kalkige Ablagerung überlagert.~ -- Die
Lava ist von einer blasz blauen Farbe und schmilzt vor dem Löthrohre zu
einem schwarzen Email: ihr Bruch ist beinahe erdig, concretionär uneben;
sie enthält Olivin in kleinen Körnern. Die centralen Theile der Masse
sind compact oder höchstens von einigen wenigen minutiösen Höhlungen
fein gekerbt oder punktirt und häufig säulenförmig abgesondert. Auf
Quail Island hatte die Lava diese Structur in einer sehr auffallenden
Art angenommen; sie war an der einen Stelle in horizontale Lamellen
getheilt, welche an einer andern Stelle durch senkrechte Spalten in
fünfseitige Tafeln zerspalten waren; und diese wiederum, eine auf die
andere gehäuft verschmolzen unmerklich unter einander und bildeten
schöne symmetrische Säulen. Die untere Oberfläche der Lava ist blasig,
aber zuweilen nur bis zur Dicke von einigen wenigen Zollen; die obere
Fläche, welche gleichfalls blasig ist, ist in Kugeln getheilt, welche,
häufig selbst bis zu 3 Fusz im Durchmesser haltend, aus concentrischen
Schichten gebildet sind. Die Masse besteht aus mehr als einem Strome;
ihre totale Mächtigkeit beträgt im Mittel ungefähr 80 Fusz: die untere
Partie ist sicherlich unter dem Meere hingeflossen und wahrscheinlich
gleicherweise auch der obere Theil. Die hauptsächlichste Masse dieser
Lava ist von den centralen Districten zwischen den auf der
Holzschnitt-Karte mit A, B, C u. s. f. bezeichneten Bergen her
geflossen. Die Oberfläche des Landes in der Nähe der Küste ist ganz eben
und kahl; nach dem Innern zu erhebt sich das Land in aufeinander
folgenden Terrassen, von denen, aus einiger Entfernung gesehen, vier
gezählt werden konnten.
~Vulcanische Eruptionen, welche später nach der Erhebung des
Küstenlandes eintraten; die ausgeworfene Masse in Verbindung mit erdigem
Kalke.~ -- Diese neueren Lava-Massen sind von jenen zerstreut liegenden,
kegelförmigen, röthlich-gefärbten Bergen ausgegangen, welche steil und
plötzlich aus dem ebenen Lande in der Nähe der Küste aufsteigen. Ich
habe einige derselben bestiegen, will aber nur einen von ihnen
beschreiben, nämlich den Rothen Berg, Red Hill, welcher als Typus dieser
Classe gelten kann und in einigen besondern Beziehungen merkwürdig ist.
Seine Höhe beträgt ungefähr 600 Fusz; er wird aus einem hell rothen, in
hohem Grade schlackigen Gestein einer basaltischen Beschaffenheit
gebildet; auf der einen Seite seines Gipfels findet sich eine Höhlung,
wahrscheinlich der letzte Überrest eines Craters. Mehrere von den andern
Bergen dieser Classe sind, nach ihrer äuszern Form zu urtheilen, von
viel vollkommeneren Cratern gekrönt. Als wir der Küste entlang
hinsegelten, konnten wir ganz deutlich erkennen, dasz eine beträchtliche
Masse von Lava vom Red Hill aus über eine Klippenreihe von ungefähr 120
Fusz Höhe in's Meer geflossen ist: diese Klippenreihe ist mit der in
continuirlichem Zusammenhange, welche die Küste bildet, und auch die
Ebene auf beiden Seiten dieses Berges begrenzt; diese Lava-Ströme wurden
daher nach der Bildung der Uferklippen aus dem Rothen Berge ausgeworfen,
als er schon, wie er es jetzt thut, über dem Meeresspiegel gestanden
haben musz. Diese Schluszfolgerung stimmt mit dem in hohem Grade
schlackigen Zustande sämmtlichen Gesteins an ihm überein, welches als an
der Luft entstanden erscheint; und dies ist von Wichtigkeit, da sich in
der Nähe seines Gipfels einige Schichten einer kalkigen Substanz finden,
welche nach einem flüchtigen Blicke fälschlich für eine untermeerische
Bildung genommen werden könnten. Diese Schichten bestehn aus weiszem,
erdigem kohlensaurem Kalke, welcher so auszerordentlich zerreiblich ist,
dasz er mit dem geringsten Drucke zerquetscht werden kann; die
compactesten Handstücke widerstehn nicht einmal dem Drucke der Finger.
Manche von diesen Massen sind so weisz wie ungelöschter Kalk und
augenscheinlich absolut rein; untersucht man sie aber näher mit der
Lupe, so sind immer minutiöse Stückchen von Schlacken zu sehn, und ich
habe keine finden können, welche nicht, wenn sie in Säuren aufgelöst
wurden, einen Rückstand von dieser Beschaffenheit hinterlassen hätten.
Es ist überdies schwierig, ein Stückchen von diesem Kalke zu finden,
welches nicht vor dem Löthrohre die Farbe änderte; die meisten derselben
werden sogar glasirt. Die schlackigen Bruchstücke und die kalkige Masse
sind in der allerunregelmäszigsten Art und Weise mit einander verbunden,
zuweilen zu undeutlichen Schichten, aber viel allgemeiner zu einer
verwirrten Breccie, in welcher an einigen Stellen der Kalk und an andern
Stellen die Schlacken am reichlichsten vertreten sind. Sir HENRY DE LA
BECHE ist so freundlich gewesen, einige von den reinsten Handstücken
analysiren zu lassen, in der Absicht um nachzuweisen, ob sie, in
Anbetracht ihres vulcanischen Ursprungs, viel Magnesia enthielten; es
wurde indessen nur eine geringe Menge davon gefunden, so wie sie in den
meisten Kalksteinen vorhanden ist.
Bruchstücke der in der kalkigen Masse eingebetteten Schlacken bieten,
wenn sie zerbrochen werden, die Erscheinung dar, dasz viele von ihren
zelligen Räumen mit einem weiszen, zarten, ganz excessiv zerbrechlichen,
moosartigen oder vielmehr confervenähnlichen Netzwerk von kohlensaurem
Kalke ausgekleidet und theilweise erfüllt sind. Die Fasern dieses
Maschenwerkes erscheinen unter einer Lupe von einem Zehntel Zoll
Focaldistanz untersucht, cylindrisch; sie messen eher etwas mehr als ein
Tausendstel Zoll im Durchmesser; sie sind entweder einfach verzweigt
oder noch gewöhnlicher zu einer Masse eines unregelmäszigen Netzwerks
verbunden, dessen Maschen von sehr ungleicher Grösze und ungleicher
Seitenzahl sind. Manche von den Fasern sind dick mit äuszerst minutiösen
Spiculis bedeckt, welche gelegentlich zu kleinen Büscheln
zusammengeballt sind; in Folge dessen haben sie ein haariges Ansehn.
Diese Spiculae sind ihrer ganzen Länge nach von dem nämlichen
Durchmesser; sie lösen sich leicht ab, so dasz der Objectträger des
Mikroskops bald ganz von ihnen überstreut ist. Innerhalb der zelligen
Räume vieler Fragmente von Schlacken bietet der Kalk diese faserige
Structur dar, aber meistens in einem weniger vollkommenen Grade. Diese
zelligen Hohlräume hängen augenscheinlich nicht einer mit dem andern
zusammen. Wie sofort gezeigt werden wird, kann es nicht bezweifelt
werden, dasz der Kalk untermischt mit Lava im flüssigen Zustand zum
Ausbruch gelangte; ich habe es daher für der Mühe werth gehalten,
minutiös diese merkwürdige faserige Structur zu beschreiben, von welcher
mir nichts Analoges bekannt ist. Wegen der erdigen Beschaffenheit der
Fasern ist diese Structur dem Anscheine nach nicht mit einer
Krystallisation verwandt.
An andern Bruchstücken des schlackigen Gesteins von diesem Berge sieht
man häufig, wenn sie zerbrochen werden, dasz sie mit kurzen und
unregelmäszigen weiszen Streifen gezeichnet sind; es ist dies eine Folge
davon, dasz eine Reihe einzelner Zellen entweder zum Theil oder gänzlich
mit weiszem kalkigem Pulver erfüllt ist. Diese Structur erinnerte mich
sofort an das Aussehn von Gebäck mit schlecht geknetetem Teig, an Kugeln
und lang ausgezogene Streifen von Mehl, welche unvermischt mit dem
übrigen Teig zurück geblieben sind; und ich kann nicht daran zweifeln,
dasz kleine Massen von Kalk in derselben Weise unvermischt mit der
flüssigen Lava geblieben, und lang ausgezogen worden sind, als die ganze
Masse in Bewegung war. Ich habe sorgfältig, durch Zerkleinerung und
Auflösung in Säuren, Stücke der Schlacken untersucht, nicht ganz einen
halben Zoll von jenen zelligen Räumen entfernt, welche mit kalkigem
Pulver gefüllt waren, und sie enthielten nicht ein Atom von freiem
Kalke. Es ist hier augenfällig, dass die Lava und der Kalk in groszem
Maszstabe nur unvollkommen mit einander gemischt worden sind; und wo
kleine Portionen Kalk innerhalb eines Stückes der zähflüssigen Lava
eingehüllt worden sind, ist der Umstand, dasz sie jetzt in Form eines
Pulvers oder eines faserigen Netzwerks die blasigen Hohlräume einnehmen,
wie ich meine, offenbar eine Folge davon, dasz die eingeschlossenen Gase
sich am leichtesten an den Punkten ausgedehnt haben, wo der nicht
zusammenhängende Kalk die Lava weniger klebrig machte.
Eine Meile östlich von der Stadt Praya findet sich eine ungefähr 150
Yards breite Schlucht mit steilen Seitenwänden, welche durch die
basaltische Ebene und die darunter liegenden Schichten eingeschnitten
gewesen, aber seitdem durch einen Strom noch neuerer Lava wieder
ausgefüllt worden ist. Diese Lava ist dunkel grau und an den meisten
Stellen compact und grob säulenförmig; aber in einer geringen Entfernung
von der Küste schlieszt sie in einer unregelmäszigen Art und Weise eine
breccienartige Masse von rothen Schlacken ein, welche untermischt sind
mit einer beträchtlichen Quantität weiszen, zerreiblichen, und an
einigen Stellen beinahe rein erdigen Kalkes, ähnlich dem am Gipfel des
Red Hill. Diese Lava mit dem eingeschlossenen Kalke ist sicherlich in
der Form eines regelmäszigen Stromes herabgeflossen, und nach der
Gestaltung der Schlucht zu urtheilen, nach welcher der Wasserabflusz des
Landes (so unbedeutend er auch gegenwärtig sein mag) noch immer hin
gerichtet ist, und nach der äuszern Erscheinung der Schicht von losen
vom Wasser abgenagten Blöcken, deren Zwischenräume, wie in dem Fluszbett
eines Bergstromes, nicht ausgefüllt sind, einer Schicht, auf welcher die
Lava ruht, können wir schlieszen, dasz der Strom an der Luft (nicht
unter Wasser) seinen Ursprung hatte. Ich bin nicht im Stande gewesen,
ihn bis zu seiner Quelle zu verfolgen, aber seiner Richtung zufolge
scheint er vom Signal-Post-Berge hergekommen zu sein, welcher eine und
eine Viertel Meile entfernt liegt und ähnlich wie Red Hill ein
Eruptionspunkt noch nach der Emporhebung der groszen basaltischen Ebene
gewesen ist. Es steht in Übereinstimmung mit dieser Ansicht, dasz ich
auf dem Signal-Post-Berge eine Masse von erdiger kalkiger Substanz von
der nämlichen Beschaffenheit mit Schlacken vermischt gefunden habe. Ich
will hier bemerken, dasz ein Theil der kalkigen Masse, welche das
horizontale sedimentäre Lager und besonders die feinere Substanz bildet,
mit welcher die eingeschlossenen Gesteinsbruchstücke wie mit einer
Tünche überzogen sind, wahrscheinlich von ähnlichen vulcanischen
Eruptionen herrührt, ebenso wie von der Zerkleinerung organischer Reste:
die darunter liegenden, alten, krystallinischen Gesteine sind
gleichfalls mit kohlensaurem Kalke reichlich untermischt, welcher
amygdaloide Hohlräume erfüllt und unregelmäszige Massen bildet; die
Natur dieser letzteren bin ich nicht im Stande gewesen zu verstehn.
In Anbetracht der auszerordentlich reichlichen Menge von erdigem Kalke
in der Nähe des Gipfels von Red Hill, einem vulcanischen Kegel von 600
Fusz Höhe und von einem nicht submarinen Ursprung, sondern an der Luft
entstanden, -- in Anbetracht der innigen Art und Weise, in welcher
äuszerst kleine Partikel und grosze Massen von Schlacken in den Massen
beinahe reinen Kalkes eingebettet sind, und andererseits der Art, in
welcher kleine Kerne und Streifen des kalkigen Pulvers in soliden
Schlackenstücken eingeschlossen sind, -- in Anbetracht ferner des
ähnlichen Vorkommens von Kalk und Schlacken innerhalb eines
Lavastromes, von dem mit triftigen Gründen angenommen wird, dasz er
gleichfalls modernen, an der Luft erfolgten Ursprungs ist, und dasz er
von einem Berge aus herabgeflossen ist, wo auch erdiger Kalk vorkommt:
-- in Anbetracht aller dieser Thatsachen läszt sich, glaube ich, nicht
daran zweifeln, dasz der Kalk mit der geschmolzenen Lava vermischt zum
Ausbruche gelangt ist. Mir ist nicht bekannt, dasz irgend ein ähnlicher
Fall beschrieben worden ist: wie es mir erscheint, ist er ein
interessanter, umsomehr als die meisten Geologen doch über die
wahrscheinlichen Wirkungen eines vulcanischen Heerdes Betrachtungen
angestellt haben müssen, welcher durch tief gelagerte Schichten von
verschiedener mineralogischer Zusammensetzung ausbricht. Der grosze
Reichthum an freier Kieselerde in den Trachyten mancher Länder (wie
BEUDANT aus Ungarn und P. SCROPE von den Ponza Inseln beschrieben haben)
wird vielleicht durch die Annahme tief liegender Quarzschichten erklärt;
und wir sehn wahrscheinlich hier eine ähnliche Antwort auf die Frage
nach der Abkunft eines bestimmten Elements, wo die vulcanische
Thätigkeit unten liegende Massen eines Kalksteins durchsetzt hat. Man
wird natürlich dazu veranlaszt, sich darüber eine Vermuthung zu bilden,
in welchem Zustande der gegenwärtig erdige kohlensaure Kalk existirt
hat, als er mit der intensiv erhitzten Lava ausgeworfen wurde: nach der
auszerordentlich zelligen Beschaffenheit der Schlacken auf dem Red Hill
zu urtheilen, kann der Druck nicht grosz gewesen sein; und da die
meisten vulcanischen Eruptionen von Auswürfen groszer Mengen von Dampf
und andern Gasen begleitet werden, so haben wir hier, nach den
gegenwärtig von den Chemikern vertretenen Ansichten, die
allergünstigsten Bedingungen für das Austreiben von Kohlensäure[3]. Es
kann nun gefragt werden: hat die langsam wieder eintretende Absorption
dieses Gases dem Kalke in den zelligen Hohlräumen der Lava jene
eigenthümliche faserige Structur, wie die eines efflorescirenden Salzes
gegeben? Endlich will ich noch auf den groszen Contrast hinweisen, der
in dem äuszeren Aussehen dieses erdigen Kalkes, welcher in einer freien
Atmosphäre von Dampf und andern Gasen erhitzt worden sein musz, und des
weiszen, krystallinischen, kalkigen Spaths besteht, welcher von einer
dünnen einzelnen Lavaschicht (wie auf Quail Island) hervorgebracht
worden ist, die über ähnlichen erdigen Kalk und zerfallene organische
Reste am Grunde eines seichten Meeres hingeflossen ist.
~Signal Post Hill.~ -- Dieser Berg ist bereits mehrere Male erwähnt
worden, besonders in Bezug auf die merkwürdige Art und Weise, in welcher
die weisze kalkige Schicht, welche an andern Orten so horizontal ist,
unter ihm in das Meer hineinfällt (s. Holzschnitt Fig. 2). Er hat einen
breiten Gipfel mit undeutlichen Spuren einer craterförmigen Structur und
wird aus basaltischen Gesteinen[4] gebildet, von denen einige compact,
andere in hohem Grade zellig sind, mit geneigten Schichten loser
Schlacken; von denen einige mit erdigem Kalke untermischt sind. Wie Red
Hill ist er die Quelle von Eruptionen gewesen, welche nach der
Emporhebung der umgebenden basaltischen Ebene eingetreten sind; aber
verschieden von jenem Berge hat er beträchtliche Denudation erlitten und
ist bereits der Sitz vulcanischer Thätigkeit in einer weit
zurückliegenden Zeit gewesen, als er noch unter dem Meeresspiegel lag.
Ich folgere dies letztere aus dem Umstande, dasz ich auf seiner
landeinwärts gelegenen Seite die letzten Überreste von drei kleinen
Eruptionspunkten gefunden habe. Diese Stellen bestehn aus glänzenden
Schlacken, welche durch krystallinischen kalkigen Spath mit einander
verkittet sind, genau dem der groszen submarinen kalkigen Ablagerung
gleich, wo die heisze Lava über dieselbe geflossen ist; ihr gestörter
Zustand kann, wie ich meine, nur durch die denudirende Wirkung der
Meereswellen erklärt werden. Ich wurde zu der ersten Öffnung dadurch
geführt, dasz ich eine ungefähr 200 Yards im Geviert messende Lavafläche
mit ziemlich steilen Seiten fand, welche auf der basaltischen Ebene
gelagert war, ohne irgend einen Hügel in der Nähe, von welchem dieselbe
hätte zum Ausbruch gelangen können, und die einzige Spur eines Craters,
welche ich zu entdecken im Stande war, bestand aus einigen geneigten
Schichten von Schlacken an einem seiner Ränder. In der Entfernung von 50
Yards von einem zweiten ebengipfeligen Lavaflecken, der aber von
geringerer Grösze war, fand ich eine unregelmäszige kreisförmige Masse
von cementirter, schlackenhaltiger Breccie, ungefähr von 6 Fusz Höhe,
welche ohne Zweifel früher einmal den Eruptionspunkt gebildet hat. Die
dritte Öffnung ist jetzt nur noch durch einen unregelmäszigen Kreis
unter einander verkitteter Schlacken von ungefähr 4 Yards im Durchmesser
bezeichnet, welcher in seinem höchsten Punkte kaum 3 Fusz über das
Niveau der umgebenden Ebene sich erhebt, deren Oberfläche dicht rings
herum ihr gewöhnliches Aussehn darbietet: wir haben daher hier einen
horizontalen durch die Basis gelegten Durchschnitt eines vulcanischen
Ventils, welches zusammen mit der durch dasselbe ausgeworfenen Masse
beinahe ganz und gar verwischt ist.
Der Lavastrom, welcher die enge Schlucht[5] erfüllt, östlich von der
Stadt Praya, scheint, nach seinem Laufe zu urtheilen, wie bereits vorhin
bemerkt wurde, von dem Signal-Post-Hügel gekommen und über die Ebene
nach deren Emporhebung geflossen zu sein: dieselbe Bemerkung gilt auch
für einen Strom (möglicherweise nur ein Theil des nämlichen), welcher
die Uferklippen ein wenig östlich von der Schlucht überlagert. Als ich
diese Ströme über die steinige horizontale Ebene zu verfolgen versuchte,
welche beinahe ganz von Erde und Pflanzenwuchs entblöszt ist, war ich
sehr überrascht zu finden, dasz, obgleich sie aus harter basaltischer
Masse gebildet und keiner Abnutzung durch das Meer ausgesetzt gewesen
sind, doch jede deutliche Spur von ihnen bald gänzlich verloren gieng.
Ich habe indessen seitdem auf dem Galapagos-Archipel beobachtet, dasz es
häufig ganz unmöglich ist, selbst grosze Überschwemmungen von völlig
recenter Lava quer über alten Strömen zu verfolgen, ausgenommen durch
die Grösze der auf ihnen wachsenden Gebüsche oder durch den
verhältnismäszigen Grad von Glänzend-sein ihrer Oberfläche, -- Merkmale,
welche gänzlich zu verwischen selbst eine kurze Zeitdauer vollständig
genügen würde. Ich will noch bemerken, dasz in einem ebenen Lande mit
einem trockenen Clima und wo die Winde beständig in einer Richtung wehn
(wie auf den Inseln des Capverdischen Archipels) die Wirkungen der
atmosphärischen Zerstörung wahrscheinlich viel gröszer sind, als auf den
ersten Blick hätte erwartet werden können; denn in diesem Falle sammelt
sich Erde nur in einigen wenigen geschützten Höhlungen an, und da sie
stets in einer Richtung fortgeweht wird, so schreitet sie immer in der
Form des feinsten Staubes nach dem Meere zu weiter und läszt die
Oberfläche der Gesteine kahl, so dasz dieselben der vollen Einwirkung
der sich beständig erneuernden meteorischen Kräfte ausgesetzt werden.
[5] Die Seiten dieser Schlucht sind da, wo die obere basaltische Schicht
durchsetzt wird, beinahe senkrecht. Die Lava, welche sie seitdem
ausgefüllt hat, ist beinahe so fest diesen Seiten angeheftet, wie ein
Gang seinen Wänden. In den meisten Fällen, wo ein Lavastrom ein Thal
hinab geflossen ist, wird er auf beiden Seiten von schlackigen Massen
eingefaszt.
~Landeinwärts gelegene Berge von älterem vulcanischen Gestein.~ -- Diese
Berge sind auf dem Holzschnittkärtchen nach dem Augenmasze eingetragen
und mit A, B, C u. s. w. bezeichnet. In ihrer mineralogischen
Zusammensetzung sind sie mit den untersten der an der Küste dem Blicke
ausgesetzten Gesteinsmassen verwandt und stehn wahrscheinlich mit
denselben in directem continuirlichem Zusammenhang. Werden diese Berge
aus der Entfernung gesehn, so erscheinen sie so, als hätten sie früher
einmal einen Theil eines unregelmäszigen Tafellandes gebildet, und nach
ihrer sich entsprechenden Structur und Zusammensetzung zu urtheilen, ist
dies wahrscheinlich der Fall gewesen. Sie haben platte, unbedeutend
geneigte Gipfel und sind im Mittel ungefähr 600 Fusz hoch; sie bieten
ihre steilsten Abhänge dem Innern der Insel zu dar, von welchem Punkte
aus sie nach auszen hin strahlenförmig sich verbreiten, und sind von
einander durch breite und tiefe Thäler getrennt, durch welche die
groszen Lavaströme, welche die Küstenebenen bilden, herabgekommen sind.
Ihre inneren und steileren Abdachungen sind in einer unregelmäszig
gekrümmten Linie angeordnet, welche in grobem Umrisz der Uferlinie
folgt, zwei oder drei Meilen landeinwärts davon gelegen. Ich habe einige
wenige dieser Berge bestiegen, und von andern, welche ich im Stande war
mit einem Teleskope zu untersuchen, habe ich durch die Freundlichkeit
Mr. KENT's, des Assistenz-Arztes des >Beagle<, Handstücke erhalten;
obgleich ich auf diese Weise nur mit einem, fünf oder sechs Meilen
langen Theile der Reihe bekannt geworden bin, so möchte ich doch wegen
ihrer gleichförmigen Structur kaum zögern, bestimmt auszusprechen, dasz
sie Theile einer einzigen groszen Formation sind, welche sich um ein
groszes Stück des Umfangs der Insel herum erstreckt.
Die obern und untern Gesteinsschichten dieser Berge sind in ihrer
Zusammensetzung bedeutend von einander verschieden. Die oberen sind
basaltisch, meistens compact, aber zuweilen auch schlackig und
amygdaloid, mit Massen von Wacke verbunden: da wo der Basalt compact
ist, ist er entweder feinkörnig oder in sehr grober Art krystallisirt,
im letztern Falle geht er in ein augitisches, viel Olivin enthaltendes
Gestein über; der Olivin ist entweder farblos oder von den gewöhnlichen
gelben und trübe rothen Schattirungen. Auf manchen von diesen Bergen
sind Schichten von kalkiger Substanz, sowohl in einer erdigen als in
einer krystallinischen Form, welche Fragmente glänzender Schlacken
enthalten, mit den basaltischen Lagern verbunden. Diese Lager sind von
den Strömen basaltischer Lava, welche die Küstenebenen bilden, nur darin
verschieden, dasz sie compacter sind und dasz die Augitkrystalle und die
Körner von Olivin von viel bedeutenderer Grösze sind: -- Charactere,
welche mich, mit der äuszern Erscheinung der mit ihnen verbundenen
kalkigen Schichten zusammengehalten zu der Annahme bestimmen, dasz sie
submariner Bildung sind.
Einige beträchtliche Massen von Wacke, welche mit diesen basaltischen
Schichten verbunden sind, und welche in gleicher Weise in der basalen
Reihe an der Küste, besonders auf Quail Island vorkommen, sind
merkwürdig. Sie bestehn aus einer blassen gelblich-grünen thonartigen
Substanz, von krümlicher Textur wenn sie trocken, aber fettig-schmierig,
wenn sie feucht ist: in ihrer reinsten Form ist sie von einer
wundervollen grünen Färbung mit durchscheinenden Rändern und
gelegentlich mit undeutlichen Spuren einer ursprünglichen Spaltbarkeit.
Vor dem Löthrohre schmilzt sie sehr leicht zu einer dunkel-grauen und
zuweilen selbst schwarzen Perle, welche in unbedeutendem Grade
magnetisch ist. Nach diesen Characteren glaubte ich natürlich, dasz es
eine der zersetzten blaszen Species der Gattung Augit wäre, -- eine
Folgerung, welche dadurch unterstützt wurde, dasz das nicht veränderte
Gestein voll von einzelnen groszen Krystallen von schwarzem Augit und
von Kugeln und unregelmäszigen Streifen einer dunkel-grauen augitischen
Gesteinsart war. Da der Basalt gewöhnlich aus Augit besteht und aus
Olivin, welcher häufig gefleckt und von einer schmutzig rothen Färbung
ist, so wurde ich darauf geführt, die einzelnen Stadien der Zersetzung
dieses letzteren Minerals zu untersuchen; und da fand ich denn zu meiner
Überraschung, dasz ich eine beinahe vollkommene Abstufungsreihe von
unverändertem Olivin an bis zu der grünen Wacke verfolgen konnte. Ein
Theil eines und des nämlichen Korns verhielt sich in einigen Fällen vor
dem Löthrohre wie Olivin, seine Farbe wurde nur unbedeutend verändert,
und ein andrer Theil ergab eine schwarze magnetische Perle. Ich kann
daher nicht daran zweifeln, dasz die grünliche Wacke ursprünglich als
Olivin existirte; es müssen indessen bedeutende chemische Veränderungen
während des Actes der Zersetzung bewirkt worden sein, um in dieser Weise
ein sehr hartes, durchscheinendes, unschmelzbares Mineral in eine
weiche, schmierige, leicht schmelzbare, thonartige Substanz
umzuwandeln[6].
Die basalen Schichten dieser Berge, ebenso wie einiger benachbarter,
getrennt stehender, kahler, abgerundeter Hügel, bestehn aus compacten,
feinkörnigen, nicht krystallinischen (oder so unbedeutend
krystallinisch, dasz es kaum bemerkbar ist), eisenschüssigen,
feldspathigen Gesteinsarten, welche sich meistens im Zustande einer
halben Zersetzung finden. Ihr Bruch ist auszerordentlich unregelmäszig
und splittrig; doch sind kleine Bruchstücke häufig sehr zähe. Sie
enthalten viel eisenhaltige Substanz entweder in der Form minutiöser
Körner mit einem metallischen Glanze oder in der Form brauner
haarähnlicher Fäden; das Gestein nimmt in diesem letzteren Falle eine
pseudo-breccien-artige Structur an. Diese Gesteine enthalten zuweilen
Glimmer und Adern von Achat. Ihre rostig braune oder gelbliche Farbe ist
zum Theil Folge der Anwesenheit von Eisenoxyden, aber hauptsächlich von
unzähligen mikroskopisch kleinen schwarzen Flecken, welche, wenn ein
Bruchstück erhitzt wird, leicht schmelzen und offenbar entweder
Hornblende oder Augit sind. Diese Gesteine enthalten daher, trotzdem sie
auf den ersten Blick wie gebrannter Thon oder wie irgend eine veränderte
sedimentäre Ablagerung erscheinen, doch alle die wesentlichen
Bestandtheile des Trachyts; sie weichen von demselben nur dadurch ab,
dasz sie nicht hart sind und dasz sie keine Krystalle von glasigem
Feldspath enthalten. Wie es so häufig mit trachytischen Formationen der
Fall ist, so ist hier keine Stratification bemerkbar. Man würde wohl
nicht leicht glauben mögen, dasz diese Gesteine als Lava geflossen sein
könnten; und doch finden sich auf St. Helena (wie in einem der folgenden
Capitel beschrieben werden wird) gut characterisirte Ströme von beinahe
ähnlicher Zusammensetzung. Mitten unter den aus diesen Gesteinsarten
bestehenden Hügeln fand ich an drei Stellen glatte kegelförmige Hügel
von Phonolith, welcher auszerordentlich reich an schönen Krystallen von
glasigem Feldspath und an Hornblende-Nadeln war. Diese Kegel von
Phonolith stehn, wie ich meine, in demselben Verhältnis zu den
umgebenden feldspathhaltigen Schichten, in dem an einer andern Stelle
der Insel einige Massen eines grob-krystallisirten augitischen Gesteins
zu dem umgebenden Basalt stehn: ich glaube nämlich, dasz beide injicirt
sind. Dasz die Gesteine von einer feldspathigen Beschaffenheit ihrem
Ursprunge nach früher vorhanden waren, als die basaltischen Schichten,
welche sie bedecken, und auch als die basaltischen Ströme der
Küstenebenen, stimmt mit der gewöhnlichen Reihenfolge dieser beiden
groszen Abtheilungen der vulcanischen Reihe überein.
Die Schichten der meisten dieser Berge sind im oberen Theile, wo die
Begrenzungsebenen allein zu unterscheiden sind, unter einem kleinen
Winkel vom Innern der Insel aus nach der Meeresküste zu geneigt. Die
Neigung ist nicht an jedem Berge dieselbe; in dem mit A bezeichneten ist
sie geringer als in den B, D oder E bezeichneten; bei dem Berge C sind
die Schichten kaum aus der horizontalen Ebene heraus gebogen, und bei F
sind sie (so weit ich es beurtheilen konnte, ohne den Berg selbst zu
besteigen) unbedeutend in der umgekehrten Richtung geneigt, d. h.
einwärts und nach dem Mittelpunkte der Insel zu. Ungeachtet dieser
Verschiedenheiten der Neigung scheint die Übereinstimmung in ihrer
äuszern Form und in der Zusammensetzung sowohl ihrer oberen als unteren
Theile, -- ihre relative Stellung in einer einzigen gekrümmten Linie,
mit ihren steilsten Seiten landeinwärts gekehrt, -- scheint, sage ich,
alles dies zu beweisen, dasz sie ursprünglich Theile eines einzigen
Plateaus gebildet haben, welches Plateau sich, wie vorhin schon bemerkt
wurde, wahrscheinlich um einen beträchtlichen Theil des Umfangs der
Insel herum erstreckte. Die oberen Schichten sind sicherlich als Lava,
und zwar wahrscheinlich unter dem Meere geflossen, wie es vielleicht
auch mit den unteren feldspathigen Massen der Fall gewesen ist: wie
kommt es nun, dasz diese Schichten ihre gegenwärtige Stellung einnehmen,
und von woher sind sie zum Ausbruche gelangt?
In der Mitte der Insel[7] finden sich hohe Berge; sie sind aber von den
steilen landeinwärts gekehrten Abhängen dieser Berge durch eine breite
Strecke niedrigen Landes getrennt: überdies scheinen die im Innern
gelegenen Berge die Quelle jener groszen Ströme basaltischer Lava
gewesen zu sein, welche, sich bei ihrem Durchtritt zwischen den hier in
Rede stehenden Bergen hindurch sich zusammenziehend, in die Küstenebenen
ausgebreitet haben. Rings um die Küsten von St. Helena findet sich ein
undeutlich gebildeter Ring von basaltischen Gesteinen, und auf Mauritius
finden sich Überreste eines andern derartigen Ringes um einen Theil,
wenn nicht um das Ganze, der Insel; hier tritt uns dann wiederum die
nämliche Frage sofort entgegen: wie kommt es, dasz diese Massen ihre
gegenwärtige Stellung einnehmen und von woher sind sie zum Ausbruche
gelangt? Die nämliche Antwort, welches auch dieselbe immer sein mag,
gilt wahrscheinlich für alle diese drei Fälle; in einem spätern Capitel
werden wir auf diesen Gegenstand zurückkommen.
~Thäler in der Nähe der Küste.~ -- Diese sind breit, sehr flach und
meistens von niedrigen, aus Felsklippen gebildeten Seiten eingefaszt.
Theile der basaltischen Ebene werden von ihnen zuweilen beinahe oder
auch gänzlich isolirt, für welche Thatsache der Raum, auf welchem die
Stadt Praya steht, ein Beispiel darbietet. In dem groszen Thale westlich
von der Stadt ist der Boden bis zu einer Tiefe von mehr als 20 Fusz mit
gut abgerundeten Rollsteinen aufgefüllt, welche an einigen Stellen durch
eine weisze kalkige Masse fest mit einander verkittet sind. Nach der
Form dieser Thäler kann daran kein Zweifel sein, dasz dieselben durch
die Wellen des Meeres während jener gleichförmigen Erhebung des Landes
ausgehöhlt worden sind, für welche die horizontale kalkige Ablagerung
mit den darin enthaltenen jetzt existirenden Species mariner Fossilreste
einen Beweis gibt. Bedenkt man, wie gut Schalthiergehäuse in dieser
Schicht erhalten worden sind, so ist es eigenthümlich, dasz ich in dem
Conglomerate auf dem Grunde der Thäler auch nicht einmal ein einziges
Muschelfragment finden konnte. Die Schicht von Rollsteinen in dem Thale
westlich von der Stadt wird durch ein zweites, sich mit diesem als ein
Nebenthal verbindendes gekreuzt; aber selbst dieses Thal erscheint viel
zu breit und flachgrundig, als dasz es durch die geringe Menge Wasser
hätte gebildet werden können, welches hier nur während der einen kurzen
nassen Jahreszeit niederfällt; denn zu andern Zeiten des Jahres sind
diese Thäler absolut trocken.
~Recentes Conglomerat.~ -- An den Ufern von Quail Island fand ich
Bruchstücke von Ziegeln, eiserne Bolzen, Rollsteine und grosze
Basalt-Fragmente mittelst einer spärlichen Grundmasse von unreiner
kalkiger Substanz zu einem festen Conglomerate verbunden. Um zu zeigen,
wie auszerordentlich fest dieses neuere Conglomerat ist, will ich
erwähnen, dasz ich mit einem schweren geologischen Hammer den Versuch
machte, einen dicken eisernen Bolzen herauszuschlagen, welcher ein wenig
oberhalb der Ebbgrenze eingeschlossen war, dasz ich aber nicht im Stande
war, dies zu erreichen.
[1] Der Umrisz der Küste, die Lage der Ortschaften, Wasserläufe und der
meisten Berge auf diesem Holzschnitte sind nach der an Bord des »Leven«
gemachten Karte copirt. Die plattgipfeligen Berge (A, B, C u. s. w.)
sind nur nach dem Augenmasze eingezeichnet, um meine Beschreibung zu
erläutern.
[2] Ich bin Mr. E. W. ~Brayley~ sehr dafür verbunden, dasz er mir die
folgenden Verweisungen auf Abhandlungen über diesen Gegenstand gegeben
hat: ~Faraday~, in: New Philosoph. Journal, Vol. XV. p. 398; ~Gay
Lussac~, in: Annales de Chimie et de Physique, Tom. LXIII. p. 219,
übersetzt in: London and Edinburgh Philos. Magazine, Vol. X. p. 496.
[3] So lange er noch tief unter der Oberfläche war, fand sich, wie ich
vermuthe, der kohlensaure Kalk im flüssigen Zustande. Es ist bekannt,
dasz ~Hutton~ der Ansicht war, dasz alle Mandelsteinbildungen durch
Tropfen geschmolzenen Kalksteines, welche im Trapp wie Öl im Wasser
schwämmen, hervorgebracht wären: dies ist ohne Zweifel falsch; wenn aber
die den Gipfel des Red Hill bildende Masse unter dem Drucke eines mäszig
tiefen Meeres oder innerhalb der Wände eines Gangs abgekühlt wäre, so
würden wir aller Wahrscheinlichkeit nach ein mit groszen Massen
compacten, krystallinischen kalkigen Spaths verbundenes Trappgestein
haben, welches nach den von vielen Geologen getheilten Ansichten nur
fälschlich einer spätern Infiltration zugeschrieben worden sein würde.
[4] Von diesen ist eine häufige Varietät merkwürdig, weil sie voll ist
von kleinen Bruchstücken eines dunkel jaspis-rothen Minerals, welches
bei sorgfältiger Untersuchung eine undeutliche Spaltbarkeit zeigt; die
kleinen Fragmente sind der Form nach länglich, weich, sind ehe und
nachdem sie erhitzt waren, magnetisch und schmelzen mit Schwierigkeit zu
einem trüben Email. Dies Mineral ist offenbar nahe mit den Eisenoxyden
verwandt; ich kann aber nicht genau ermitteln, was es ist. Das dies
Mineral enthaltende Gestein ist mit kleinen Höhlungen durchsetzt, welche
mit gelblichen Krystallen von kohlensaurem Kalke ausgekleidet und
erfüllt sind.
[5] Die Seiten dieser Schlucht sind da, wo die obere basaltische Schicht
durchsetzt wird, beinahe senkrecht. Die Lava, welche sie seitdem
ausgefüllt hat, ist beinahe so fest diesen Seiten angeheftet, wie ein
Gang seinen Wänden. In den meisten Fällen, wo ein Lavastrom ein Thal
hinab geflossen ist, wird er auf beiden Seiten von schlackigen Massen
eingefaszt.
[6] ~D'Aubuisson~, Traité de Géognosie (Tom. II. p. 569), erwähnt, nach
der Autorität von ~Marcel de Serres~, Massen grüner Erde aus der Nähe
von Montpellier, von welcher angenommen wird, dasz sie durch Zersetzung
von Olivin entstanden ist. Ich finde indessen nicht, dasz bemerkt worden
ist, wie sich das Verhalten dieses Minerals vor dem Löthrohr gänzlich
ändert, wenn es der Zersetzung unterliegt; und die Kenntnis dieser
Thatsache ist von Wichtigkeit, da es auf den ersten Blick in hohem Grade
unwahrscheinlich erscheint, dasz ein hartes, durchscheinendes, schwer
aufzuschlieszendes Mineral in einen weichen, leicht schmelzlichen Thon,
wie dieser von St. Jago, verwandelt würde. Ich werde später eine grüne
Substanz beschreiben, welche innerhalb der zelligen Räume einiger
blasigen basaltischen Gesteine von Van-Diemens-Land Fäden bildet und
sich vor dem Löthrohre wie die grüne Wacke von St. Jago verhält; aber
ihr Vorkommen in cylindrischen Fäden beweist, dasz sie nicht das
Resultat einer Zersetzung des Olivins sein kann, eines Minerals, welches
immer in der Form von Körnern oder Krystallen existirt.
[7] Von den landeinwärts gelegenen Theilen der Insel habe ich sehr wenig
gesehn. In der Nähe des Dorfes St. Domingo finden sich prachtvolle
Klippen von ziemlich grob krystallisirter basaltischer Lava. Folgte man
dem Laufe des kleinen Flusses in diesem Thale bis ungefähr eine Meile
weit oberhalb des Dorfes, so ergab sich die Klippe als aus einem
compacten, feinkörnigen Basalt gebildet, der in concordanter Lage von
einer Schicht Geschiebe bedeckt war. In der Nähe von Fuentes traf ich
auf warzenförmige Hügel der compacten feldspathigen Gesteinsreihe.
Zweites Capitel.
~Fernando Noronha.~ -- Steil abstürzender Berg von Phonolith. --
~Terceira.~ -- Trachytische Gesteine; ihre eigenthümliche
Zersetzung durch Dampf von hoher Temperatur. -- ~Tahiti.~ --
Übergang von Wacke in Trapp; eigenthümliches vulcanisches Gestein;
dessen Blasenräume halb mit Mesotyp erfüllt sind. -- ~Mauritius.~
-- Beweise für seine neuere Erhebung. -- Structur seiner älteren
Gebirge; Ähnlichkeit mit St. Jago. -- ~St. Paul's Felsen.~ -- Nicht
vulcanischen Ursprungs; -- ihre eigenthümliche mineralogische
Zusammensetzung.
~Fernando Noronha.~ -- Während unsres kurzen Besuchs auf dieser und den
folgenden vier Inseln habe ich nur sehr wenig beobachtet, was der
Beschreibung werth gewesen wäre. Fernando Noronha ist im atlantischen
Ocean 3° 50' s. Br. und 230 Meilen von der Küste von Süd-America
entfernt gelegen. Es besteht aus mehreren einzelnen kleinen Inseln,
welche zusammen 9 Meilen lang und 3 Meilen breit sind. Das Ganze scheint
vulcanischen Ursprungs zu sein, obgleich kein Anzeichen irgend eines
Craters oder irgend einer mittleren Erhöhung vorhanden ist. Der
merkwürdigste Zug im Bilde dieser Insel ist ein 1000 Fusz hoher Berg,
von welchem die oberen 400 Fusz aus einem sich steil erhebenden,
eigenthümlich gestalteten Gipfel bestehn; derselbe ist aus
säulenförmigem Phonolith gebildet, welcher zahlreiche Krystalle von
glasigem Feldspath und einige wenige Nadeln von Hornblende enthält. Von
dem höchsten erreichbaren Punkte dieses Berges aus konnte ich an
verschiedenen Stellen der Inselgruppe noch mehrere andere kegelförmige
Berge, allem Anscheine nach von derselben Beschaffenheit, erkennen. Auf
St. Helena finden sich ähnliche grosze, kegelförmige, vorspringende
Massen von Phonolith, von nahezu 1000 Fusz Höhe, welche durch das
Eindringen flüssiger feldspathiger Lava in nachgebende Schichten
gebildet worden sind. Wenn dieser Berg hier, wie es wahrscheinlich ist,
einen ähnlichen Ursprung gehabt hat, dann ist Denudation in einem
ungeheuren Maszstabe wirksam gewesen. In der Nähe der Basis dieses
Berges beobachtete ich Schichten weiszen Tuffs, von zahlreichen Gängen
durchsetzt, andere von amygdaloidem Basalte und andere von Trachyt;
ferner auch Schichten von schiefrigem Phonolith mit nordwestlich und
südöstlich gerichteten Spaltungsflächen. Stellenweise war dieses
Gestein, da wo die Krystalle nur spärlich vorkamen, gewöhnlichem
Thonschiefer sehr ähnlich, der durch die Berührung mit einem Trapp ganz
verwandelt worden ist. Das Blättrig-werden von Gesteinen, welche
zweifellos früher einmal flüssig gewesen sind, scheint mir ein der
Aufmerksamkeit sehr werther Gegenstand zu sein. Am Strande fanden sich
zahlreiche Bruchstücke compacten Basalts, aus welcher Gesteinsart eine
in einiger Entfernung zu sehende Säulen-Façade gebildet zu werden
schien.
~Terceira in den Azoren.~ -- Die centralen Theile dieser Insel bestehn
aus unregelmäszig abgerundeten Bergen von keiner bedeutenden Erhebung;
sie sind aus Trachyt zusammengesetzt, welcher im allgemeinen Character
dem sofort zu beschreibenden Trachyt von Ascension sehr ähnlich ist.
Diese Formation ist an vielen Stellen, in der gewöhnlichen Ordnung der
Aufeinanderfolge, von Strömen basaltischer Lava überlagert, welche in
der Nähe der Küste beinahe die ganze Oberfläche bilden. Der Verlauf,
welchen diese Ströme von ihren Cratern aus genommen haben, kann häufig
mit dem Auge verfolgt werden. Die Stadt Angra wird von einem
craterförmigen Berge (Mount Brazil) überragt, welcher ganz und gar aus
dünnen Schichten eines feinkörnigen, spröden, braun gefärbten Tuffes
aufgebaut ist. Man sieht, dasz die oberen Schichten die basaltischen
Ströme, auf welchen die Stadt steht, überlagern. Dieser Berg ist in
seiner Structur und Zusammensetzung beinahe identisch mit zahlreichen
craterförmigen Bergen im Galapagos-Archipel.
~Wirkungen von Dampf auf die trachytischen Gesteine.~ -- Im mittleren
Theile der Insel findet sich eine Stelle, wo Dampf beständig in Strahlen
vom Grunde einer kleinen schluchtartigen Höhlung, welche keinen Ausweg
hat, ausgestoszen und gegen eine Reihe von trachytischen Bergen
angetrieben wird. Der Dampf tritt durch mehrere unregelmäszige Spalten
aus: er ist geruchlos, schwärzt Eisen in kurzer Zeit und ist von einer
viel zu hohen Temperatur, als dasz er von der Hand ertragen werden
könnte. Die Art und Weise, in welcher der feste Trachyt an den Bändern
dieser Öffnungen verändert wird, ist merkwürdig; zuerst wird die
Grundmasse erdig mit rothen Flecken, offenbar in Folge der Oxydation von
Eisenpartikeln; dann wird sie weich; und zuletzt unterliegen selbst die
Krystalle des glasigen Feldspaths der auflösenden Wirkung. Nachdem die
Masse in Thon umgewandelt worden ist, scheint das Eisenoxyd aus einigen
Stellen gänzlich entfernt zu sein, welche vollkommen weisz bleiben,
während es an andern daneben liegenden Stellen, welche von der hellsten
rothen Farbe sind, in gröszerer Menge abgelagert zu sein scheint; einige
andere Massen sind mit diesen beiden verschiedenen Farben marmorirt.
Portionen des weiszen Thons können nun, wo sie trocken sind, mit bloszem
Auge nicht von der feinsten präparirten Kreide unterschieden werden; und
wenn man sie zwischen die Zähne bringt, ergeben sie sich gleicherweise
als weichkörnig; die Einwohner benützen diese Substanz zum Weiszen ihrer
Häuser. Die Ursache davon, dasz das Eisen an der einen Stelle aufgelöst
und dicht daneben wieder abgelagert wird, ist dunkel; die Thatsache ist
aber an mehreren andern Orten beobachtet worden[8]. An einigen halb
zerfallenen Handstücken fand ich kleine, kugelige Aggregate von gelbem
Hyalith, arabischem Gummi ähnlich, welche ohne Zweifel durch den Dampf
niedergeschlagen worden waren.
Da es für das Regenwasser, welches die Seiten der schluchtähnlichen
Höhlung, aus welcher der Dampf herauskommt, hinabrieselt, keinen Ausgang
gibt, so musz es ganz durch die Spalten am Boden der Höhle abwärts
dringen. Mehrere von den Einwohnern theilten mir mit, dasz ein Bericht
existire, dasz ursprünglich Flammen (irgend eine leuchtende
Erscheinung?) von diesen Klüften ausgegangen seien, und dasz dem
Ausbruch der Flammen später der Dampf gefolgt sei; ich bin aber nicht im
Stande gewesen, weder zu ermitteln, wie lange dies wohl her sei, noch
irgend etwas Bestimmtes über die Sache zu erfahren. Als ich mir die
Stelle ansah, stellte ich mir vor, dasz die Injection einer groszen
Gesteinsmasse, wie des Phonolithkegels auf Fernando Noronha, im
halbflüssigen Zustande, durch eine Überwölbung der Oberfläche eine
keilförmige Höhlung mit Rissen am Boden hervorgebracht haben könnte, und
dasz dann das in der Nähe der erhitzten Masse durchsickernde Regenwasser
wohl während vieler spätern Jahre in der Form von Dampf wieder
ausgestoszen werden könnte.
~Tahiti~ (~Otaheite~). -- Ich habe nur einen Theil der nordwestlichen
Seite dieser Insel besucht, und dieser Theil besteht durchaus aus
vulcanischem Gesteine. In der Nähe der Küste finden sich mehrere
Varietäten von Basalt, einige auszerordentlich reich an groszen
Krystallen von Augit und schmutzig geflecktem Olivin, andere compact und
erdig, -- einige in unbedeutendem Grade blasig und andere gelegentlich
mit amygdaloider Bildung. Diese Gesteine sind meistens bedeutend
zersetzt, und zu meiner Überraschung fand ich an mehreren
Durchschnitten, dasz es unmöglich war, auch nur annäherungsweise die
Trennungslinie zwischen der zerfallenen Lava und den abwechselnden
Tuffschichten zu unterscheiden. Seitdem die Handstücke trocken geworden
sind, ist es im Ganzen leichter, die zersetzten plutonischen Gesteine
von den sedimentären Tuffarten zu unterscheiden. Dieser Übergang im
Character zwischen Gesteinsarten, welche einen so weit von einander
verschiedenen Ursprung haben, dürfte, wie ich glaube, wohl dadurch
erklärt werden, dasz die erweichten Seiten der blasenartigen Hohlräume,
welche in vielen vulcanischen Gesteinen einen verhältnismäszig groszen
Theil ihres Raumumfangs einnehmen, unter Druck nachgeben. Da die
Blasenräume meistens an Grösze und Zahl in den oberen Theilen eines
Stromes von Lava zunehmen, so werden auch die Wirkungen ihrer
Zusammendrückung hier sich vergröszern; überdies musz das Nachgeben
jedes tiefer gelegenen Blasenraums dahin streben, die sämmtliche darüber
liegende erweichte Masse zu stören. Wir dürfen daher erwarten, eine
vollkommene Abstufung von einem unveränderten krystallinischen Gestein
in ein solches verfolgen zu können, in welchem sämmtliche Partikel
(obgleich sie ursprünglich einen Theil einer und derselben soliden Masse
bilden) eine mechanische Verschiebung erlitten haben; und derartige
Partikel können kaum von andern von ähnlicher Zusammensetzung
unterschieden werden, welche als Sediment abgelagert worden sind. Da die
Laven zuweilen in ihrem oberen Theilen blättrig sind, so kann man sich
selbst auf die horizontalen Linien, welche wie solche eines in Wasser
erfolgenden Absatzes erscheinen, nicht in allen Fällen als auf ein
Erkennungszeichen eines sedimentären Ursprungs verlassen. Nach diesen
Betrachtungen ist es nicht überraschend, dasz früher viele Geologen an
wirkliche Übergänge von aus Wasser sich absetzenden Niederschlägen durch
die Wacke bis zu vulcanischen Trappen geglaubt haben.
In dem Thale von Tia-auru sind die häufigsten Gesteinsarten Basalte mit
viel Olivin, welche auch in manchen Fällen aus groszen Krystallen von
Augit zusammengesetzt sind. Ich nahm einige Handstücke auf mit viel
glasigem Feldspath, welche sich im Character dem Trachyt näherten. Es
fanden sich dort auch viele grosze Blöcke von blasigem Basalt, dessen
Hohlräume wunderschön mit Chabasit (?) und strahlenförmig angeordneten
Bündeln von Mesotyp ausgekleidet waren. Einige von diesen Handstücken
boten ein merkwürdiges Aussehn dar in Folge des Umstandes, dasz eine
Anzahl der Hohlräume halb erfüllt waren von einem weiszen, weichen,
erdigen, mesotyp-artigen Mineral, welches vor dem Löthrohre in einer
merkwürdigen Weise aufblähte. Da die Oberflächen desselben in allen den
halberfüllten Zellen genau parallel sind, so geht hieraus offenbar
hervor, dasz diese Substanz in Folge ihres Gewichts auf den Boden einer
jeden Zelle hinabgesunken ist. Zuweilen füllt sie indessen die Zellen
ganz aus. Andere Zellen sind entweder ganz mit kleinen Krystallen,
augenscheinlich von Chabasit, erfüllt oder mit solchen ausgekleidet:
auch kleiden diese Krystalle häufig die obere Hälfte derjenigen Zellen
aus, welche zum Theil mit dem erdigen Mineral gefüllt sind, ebenso wie
die obere Fläche dieser letzten Substanz selbst mit solchen überzogen
ist, in welchem Falle die beiden Minerale in einander zu verschmelzen
scheinen. Ich habe niemals irgend ein anderes amygdaloides Gestein[9]
gesehn, dessen Zellen in der hier beschriebenen Art halb erfüllt gewesen
wären; und es ist schwierig, sich die Ursachen vorzustellen, welche das
erdige Mineral dazu bestimmte, seiner Schwere nach auf den Boden der
Zellen zu sinken, und das krystallinische Mineral dazu, in einem
Überzuge von gleicher Dicke ringsum den Seiten der Zellen anzuhängen.
Die basaltischen Schichten an den Seiten des Thales sind sanft nach dem
Meere zu geneigt, und habe ich nirgends irgend ein Zeichen einer
Störung beobachtet; die Schichten sind von einander durch dicke compacte
Lager von Conglomerat getrennt, in welchem die Bruchstücke grosz, einige
abgerundet, die meisten aber eckig sind. Wegen des Characters dieser
Lager, des compacten und krystallinischen Zustandes der meisten
Lavaschichten und wegen der Natur des infiltrirten Minerals wurde ich
auf die Vermuthung geführt, dasz sie ursprünglich unter dem Meere
hingeflossen seien. Diese Folgerung stimmt mit der Thatsache überein,
dasz Mr. W. ELLIS marine Fossilreste in einer beträchtlichen Höhe
gefunden hat, welche, wie er glaubt, zwischen Schichten vulcanischer
Substanz gelegen haben, wie es nach der Beschreibung der Herren TYERMAN
und BENNETT gleicherweise auf Huaheine, einer andern Insel des nämlichen
Archipels der Fall ist. Auch STUTCHBURY entdeckte in der Nähe des
Gipfels eines der höchsten Berge von Tahiti, in der Höhe von mehreren
tausend Fusz eine Schicht halbfossiler Corallen. Keiner dieser
Fossilreste ist specifisch bestimmt worden. An der Küste, wo Massen von
Corallen-Gestein den klarsten Beweis dargeboten haben würden, habe ich
vergebens nach irgend einem Zeichen neuerer Emporhebung gesucht. In
Bezug auf die oben angezogenen Autoritäten und wegen weiterer einzeln
ausgeführter Gründe dafür, dasz ich nicht glaube, dasz sich Tahiti in
neuerer Zeit emporgehoben hat, musz ich auf mein Buch über den Bau und
die Verbreitung der Corallen-Riffe verweisen (Übers. p. 182-183).
~Mauritius.~ -- Nähert man sich dieser Insel von der nördlichen oder
nordwestlichen Seite her, so sieht man eine gekrümmte Kette kühn
emporsteigender, mit zerklüfteten Gipfeln gekrönter Berge sich von einem
glatten Rande cultivirten Landes erheben, welches sanft nach der Küste
hinabfällt. Auf den ersten Blick wird man anzunehmen versucht, dasz das
Meer vor Kurzem noch den Fusz dieser Berge erreicht habe, und bei
näherer Untersuchung ergibt es sich, wenigstens mit Rücksicht auf den
untern Theil dieses Randes, dasz diese Ansicht vollkommen correct ist.
Mehrere Autoren[10] haben Massen von emporgehobenem Corallen-Gestein
rings um den gröszeren Theil des Umfangs der Insel beschrieben. Zwischen
Tamarin Bay und dem Great Black River habe ich in Gesellschaft mit Capt.
LLOYD zwei Hügel von Corallen-Gestein beobachtet, welche in ihrem untern
Theile aus harter kalkiger Substanz und in ihren obern Theilen aus
groszen, leicht zusammengeballten Blöcken von _Astraea_ und _Madrepora_
und aus Fragmenten von Basalt gebildet waren; sie waren in Schichten
getheilt, welche meerwärts, in einem Falle unter einem Winkel von 8°, in
einem andern von 18° einfielen; sie hatten das Ansehn, als wären sie vom
Wasser ausgenagt, und stiegen steil von einer glatten Oberfläche aus
empor, welche bis zu einer Höhe von ungefähr 20 Fusz mit abgerollten
Stücken organischer Reste überstreut war. Der »Officier du Roy« hat in
seiner äuszerst interessanten, 1768 ausgeführten Tour rings um die Insel
Massen emporgehobener Corallen-Felsen beschrieben, welche noch immer den
grabenartigen Bau beibehalten haben, welcher für die lebenden Riffe
characteristisch ist (s. mein Buch über die Corallen-Riffe p. 73). An
der Küste nördlich von Port Louis fand ich, dasz die Lava eine
beträchtliche Strecke weit landeinwärts von einem aus Corallen und
Muscheln gebildeten Conglomerate verdeckt wurde, ähnlich denen am
Strande, aber durch eine rothe eisenhaltige Masse fest geworden. BORY DE
ST. VINCENT hat ähnliche kalkige Lager beschrieben, welche beinahe die
ganze Ausdehnung der Ebene der Pamplemousses bedeckten. In der Nähe von
Port Louis habe ich, als ich einige grosze Steine umwendete, welche in
einem Fluszbette am oberen Ende einer geschützten Bucht in der Höhe von
einigen Yards über dem Niveau der Springfluthen lagen, mehrere
Serpula-Röhren gefunden, welche noch an deren unterer Seite festhiengen.
Die zerklüfteten Berge in der Nähe von Port Louis steigen bis zu einer
Höhe von zwischen 2000 und 3000 Fusz empor; sie bestehn aus
Basalt-Schichten, welche durch fest aggregirte Lager von fragmentärer
Masse undeutlich von einander getrennt sind; sie werden ferner durch
einige wenige senkrechte Gänge durchsetzt. Der Basalt ist an einigen
Stellen auszerordentlich reich an groszen Krystallen von Augit und
Olivin und ist meistens compact. Das Innere der Insel bildet eine Ebene,
welche wahrscheinlich ungefähr ein tausend Fusz über dem Meeresspiegel
erhoben ist und aus Lavaströmen besteht, welche um die zerklüfteten
Berge herum und zwischen denselben hindurch geflossen sind. Diese
neueren Lavamassen sind gleichfalls basaltisch, aber weniger compact und
einige sind sehr reich an Feldspath, so dasz sie vor dem Löthrohr selbst
zu einem blasz gefärbten Glase schmelzen. An den Ufern des Great River
ist ein nahezu 500 Fusz tiefer Durchschnitt dem Blicke ausgesetzt,
welcher durch zahlreiche dünne Blätter von Lava dieser Reihe
ausgearbeitet ist, die durch Schlacken-Schichten von einander getrennt
sind. Sie scheinen auf dem Lande entstanden und aus mehreren
Eruptionspunkten des centralen Plateau herabgeflossen zu sein, unter
welcher der Piton du Milieu einer der hauptsächlichsten sein soll. Es
finden sich auch mehrere vulcanische Kegel, augenscheinlich aus dieser
modernen Zeit, rings am Umfange der Insel, besonders an dem nördlichen
Ende, wo sie besondere kleine Inselchen bilden.
Die aus dem mehr compacten und krystallinischen Basalt zusammengesetzten
Berge bilden das Hauptskelett der Insel. BAILLY[11] gibt an, dasz sie
sämmtlich »se développent autour d'elle comme une ceinture d'immenses
remparts, toutes affectant une pente plus ou moins inclinée vers le
rivage de la mer, tandis au contraire, que vers le centre de l'île elles
présentent une coupe abrupte et souvent taillée à pic. Toutes ces
montagnes sont formées de couches parallèles inclinées du centre de
l'île vers la mer.« Diese Angaben sind, wenn auch nicht im Einzelnen,
von QUOY in FREYCINET's Reise bestritten worden. So weit meine geringen
Beobachtungsmittel reichten, fand ich sie vollkommen richtig[12]. Die
Berge an der nordwestlichen Seite der Insel, welche ich untersucht habe,
nämlich La Pouce, Peter Botts, Corps de Garde, Les Mamelles und allem
Anscheine nach auch noch ein anderer weiter nach Süden gelegener, haben
genau die von BAILLY beschriebene äuszere Gestalt und Schichtung. Sie
bilden ungefähr den vierten Theil seines Wallgürtels. Obgleich diese
Berge gegenwärtig vollständig einzeln stehn, von einander durch, selbst
mehrere Meilen breite Durchbrüche getrennt sind, durch welche ungeheure
Ströme von Lava vom Innern der Insel her geflossen sind, so fühlt man
sich doch, beim Hinblick auf ihre sehr grosze allgemeine Ähnlichkeit,
notwendigerweise überzeugt, dasz sie ursprünglich Theile einer einzigen
zusammenhängenden Masse gebildet haben. Nach der wundervollen Karte von
Mauritius zu urtheilen, welche die Admiralität nach einem französischen
Manuscript veröffentlicht hat, findet sich eine Reihe von Bergen (M.
Bamboo) auf der entgegengesetzten Seite der Insel, welche in Höhe,
relativer Stellung und äuszerer Form den eben beschriebenen entspricht.
Ob der Berg-Gürtel jemals vollständig war, könnte wohl bezweifelt
werden; aber nach BAILLY'S Angaben und meinen eigenen Beobachtungen kann
man getrost folgern, dasz Berge, deren landeinwärts gerichtete Seiten
steil abstürzten und welche aus Schichten bestanden, die nach auszen hin
einfielen, sich früher einmal um ein beträchtliches Stück des Umfangs
der Insel erstreckt haben. Der Ring scheint oval und von ungeheurer
Grösze gewesen zu sein; seine kürzere Axe, quer über von der innern
Seite der Berge in der Nähe von Port Louis zu denen in der Nähe von
Grand Port gemessen, beträgt nicht weniger als dreizehn geographische
Meilen an Länge. BAILLY stellt die kühne Vermuthung auf, dasz dieser
enorme Schlund, welcher seitdem in bedeutendem Masze von Strömen
moderner Lava erfüllt worden ist, durch das Einsinken des ganzen oberen
Theils eines einzigen groszen Vulcans gebildet worden ist.
Es ist eigenthümlich, in wie vielen Beziehungen diejenigen Theile von
St. Jago und von Mauritius, welche ich besucht habe, in ihrer
geologischen Geschichte mit einander übereinstimmen. Auf beiden Inseln
folgen Berge von ähnlicher äuszerer Gestalt, Stratification und
(wenigstens in ihren oberen Schichten) Zusammensetzung in einer
gebogenen Reihe der Uferlinie. Diese Berge haben augenscheinlich in
beiden Fällen ursprünglich Theile einer einzigen continuirlichen Masse
gebildet. Die basaltischen Schichten, aus denen sie zusammengesetzt
sind, scheinen nach ihrer compacten und krystallinischen Structur, wenn
man sie den benachbarten basaltischen Strömen von einem auf dem trocknen
Lande erfolgten Ursprunge entgegenhält, unter dem Drucke des Meeres
geflossen, und später emporgehoben worden zu sein. Wir dürfen annehmen,
dasz die breiten Durchbrüche zwischen den Bergen in beiden Fällen
während ihrer allmählichen Erhebung durch die Wellen ausgewaschen worden
sind; -- für den Hebungsprocesz innerhalb neuerer Zeiten finden sich
äuszerst zahlreiche Belege an dem Küstenlande beider Inseln. Auf beiden
sind ungeheure Ströme neuerer basaltischer Lavamassen von dem Innern der
Insel her um die ältern basaltischen Berge herum und zwischen denselben
durch geflossen; überdies sind auf beiden recente Eruptionskegel rings
um den Umfang der Insel zerstreut vorhanden; aber auf keiner von beiden
haben Eruptionen innerhalb der geschichtlichen Zeit stattgefunden. Wie
im letzten Capitel bemerkt wurde, ist es wahrscheinlich, dasz diese
alten basaltischen Berge, welche (wenigstens in vielen Beziehungen) den
basalen und gestörten Überresten zweier riesiger Vulcane ähnlich sind,
ihre gegenwärtige Form, Structur und Stellung der Wirkung ähnlicher
Ursachen verdanken.
~St. Paul's Felsen.~ -- Diese kleine Insel ist im Atlantischen Ocean,
nahezu einen Grad nördlich vom Äquator und 540 Meilen von Süd-America
entfernt, in 29° 15' w. L. gelegen. Ihr höchster Punkt liegt kaum höher
als 50 Fusz oberhalb des Meeresspiegels; ihr Umrisz ist unregelmäszig
und ihr ganzer Umfang miszt kaum drei Viertel Meilen. Dieser kleine
Felsenpunkt steigt plötzlich aus dem Ocean empor; und ausgenommen an
seiner westlichen Seite wurde selbst in der kurzen Entfernung von einer
Viertel Meile an seinem Ufer kein Grund erlothet. Er ist nicht
vulcanischen Ursprungs; und dieser Umstand, welcher den merkwürdigsten
Punkt in seiner Geschichte ausmacht (wie hernach noch angeführt werden
wird), sollte ihn eigentlich von einer Erwähnung im vorliegenden Bande
ausschlieszen. Er ist aus Gesteinsarten zusammengesetzt, welche keiner
von mir sonst angetroffenen gleichen und welche ich nicht durch irgend
einen Namen characterisiren kann; ich musz sie deshalb beschreiben.
Die einfachste Art, und eine der am allerhäufigsten vorkommende, ist ein
sehr compactes, schweres, grünlich schwarzes Gestein, welches einen
winkligen, unregelmäszigen Bruch hat; einige Spitzen daran sind eben
hart genug um Glas zu ritzen; es ist nicht schmelzbar. Diese Varietät
geht in andere von blassen grünen Färbungen und weniger harte über,
deren Bruch aber mehr krystallinisch und an den Rändern durchscheinend
ist; und diese schmelzen vor dem Löthrohr zu einem grünen Email. Mehrere
andere Varietäten sind hauptsächlich dadurch characterisirt, dasz sie
unzählige Fäden von dunkel grünem Serpentin und kalkige Substanz in
ihren Zwischenräumen enthalten. Diese Gesteine haben eine undeutliche
concretionäre Structur und sind voll von verschiedenartig gefärbten
winkligen Pseudo-Fragmenten. Diese winkligen Pseudo-Fragmente bestehn
aus der zuerst beschriebenen dunkel grünen Gesteinsart, aus einer
braunen weichern Art, aus Serpentin und aus einem gelblichen spröden
Stein, welcher vielleicht mit dem Serpentin verwandt ist. Es finden sich
noch andere blasige, kalkig-eisenhaltige, weiche Steinarten. Es ist
keine deutliche Stratification vorhanden, aber einzelne Stellen sind
unvollkommen blättrig; und das Ganze ist auszerordentlich reich an
unzähligen Adern und ader-artigen Massen, sowohl kleinen als groszen.
Von diesen ader-artigen Massen sind einige kalkige, welche minutiöse
Muschel-Fragmente enthalten, offenbar von späterem Ursprung als die
andern.
~Eine glänzende Incrustation.~ -- Stücke dieser Felsen sind in groszer
Ausdehnung von einer Schicht einer glänzenden polirten Substanz
überzogen, welche einen perlmutterartigen Glanz und eine graulich weisze
Farbe hat; sie folgt allen Ungleichmäszigkeiten der Oberfläche, an
welche sie fest angeheftet ist. Wird sie mit einer Lupe untersucht, so
zeigt es sich, dasz sie aus zahlreichen dünnen Lagen besteht, deren
Dicke zusammengenommen nur ungefähr ein Zehntel Zoll beträgt. Sie ist
beträchtlich härter als Kalkspath, kann aber mit einem Messer geritzt
werden; vor dem Löthrohre blättert sie sich ab, knistert, wird
unbedeutend schwärzlich, gibt einen fauligen Geruch aus und wird stark
alkalisch; mit Säuren braust sie nicht auf[13]. Ich vermuthe, dasz diese
Substanz sich aus Wasser niedergeschlagen hat, welches über
Vogelexcremente, mit denen die Felsen bedeckt sind, geflossen ist. Auf
Ascension habe ich in der Nähe einer Höhlung in den Felsen, welche mit
einer blättrigen Masse infiltrirter Vogelexcremente erfüllt war, einige
unregelmäszig gestaltete, stalactitische Massen von augenscheinlich
derselben Natur gefunden. Wenn diese Massen zerbrochen wurden, so hatten
sie eine erdige Textur; aber an ihrer äuszern Seite, und besonders an
ihren Enden, wurden sie von einer perlmutterartigen Substanz gebildet,
meistens in kleinen Kügelchen, wie der Schmelz der Zähne, aber
durchscheinender, und so hart, dasz sie eben Spiegelglas ritzte. Diese
Substanz wird vor dem Löthrohr leicht schwärzlich, gibt einen üblen
Geruch aus, wird dann ganz weisz, schwillt ein wenig auf und schmilzt
dann zu einem trüb weiszen Email zusammen; sie wird nicht alkalisch,
auch braust sie mit Säuren nicht auf. Die ganze Masse hatte ein
collabirtes Aussehn, als wenn bei der Bildung der harten glänzenden
Kruste das Ganze bedeutend zusammengeschrumpft wäre. Auf den
Abrolhos-Inseln an der Küste von Brasilien, wo sich gleichfalls massige
Vogelexcremente finden, fand ich eine grosze Menge einer braunen,
baumförmig sich verästelnden Substanz an manchen Trappfelsen festhängen.
In ihrer baumförmig verästelten Form ist diese Substanz manchen von den
verzweigten Species von _Nullipora_ eigenthümlich ähnlich. Vor dem
Löthrohre verhält sie sich wie die Stücke von Ascension; sie ist aber
weniger hart und glänzend, und die Oberfläche hat nicht das
zusammengeschrumpfte Aussehn.
[8] ~Spallanzani~, ~Dolomieu~ und ~Hoffmann~ haben ähnliche Fälle von
den italienischen vulcanischen Inseln beschrieben. ~Dolomieu~ sagt, dasz
das Eisen auf den Ponza-Inseln in der Form von Adern wieder abgelagert
wird (Mémoires sur les îles Ponces, p. 89). Diese Autoren nehmen
gleichfalls an, dasz der Dampf Kieselerde niederschlage: es ist jetzt
auf experimentellem Wege ermittelt worden, dasz Dampf in hohen
Temperaturen im Stande ist, Kieselsäure aufzulösen.
[9] ~MacCulloch~ hat indessen ein Trapp-Gestein beschrieben und eine
Abbildung davon gegeben (Transact. Geolog. Soc. 1. Series, Vol. IV. p.
225), dessen Hohlräume horizontal mit Quarz und Chalcedon erfüllt waren.
Die oberen Hälften dieser Hohlräume sind häufig von Lagern, welche jeder
Unregelmäszigkeit der Oberfläche folgen, und von kleinen herabhängenden
Stalactiten derselben kieseligen Substanzen erfüllt.
[10] Capt. ~Carmichael~ in: ~Hooker's~ Botan. Miscell. Vol. II. p. 301.
Capt. ~Lloyd~ hat vor Kurzem in den Proceedings of the Geological
Society (Vol. III. p. 317) sorgfältig einige von diesen Massen
beschrieben. In der »Voyage à l'Isle de France par un Officier du Roy«
werden viele interessante Thatsachen über diesen Gegenstand mitgetheilt.
Vergl. auch »Voyage aux quatre Isles d'Afrique« par M. ~Bory St.
Vincent~.
[11] Voyage aux Terres Australes, Tom. I. p. 54.
[12] ~Lesson~ scheint bei seiner Schilderung dieser Insel, in der Reise
der >Coquille<, ~Bailly~'s Ansichten zu folgen.
[13] In meiner Reise (Übers. p. 9 und 14) habe ich diese Substanz
beschrieben; ich glaubte damals, dasz es ein unreiner phosphorsaurer
Kalk sei.
Drittes Capitel.
Ascension.
Basaltische Laven. -- Zahlreiche Cratere, welche an der nämlichen
Seite abgestutzt sind. -- Eigenthümliche Structur vulcanischer
Bomben. -- Explosionen gasförmiger Massen. -- Ausgeworfene
granitische Bruchstücke. -- Trachytische Gesteine. --
Eigenthümliche Adern. -- Jaspis, seine Bildungsweise. --
Concretionen in bimssteinartigem Tuff. -- Kalkige Ablagerungen und
frondescirende Incrustationen an der Küste. -- Merkwürdige
blättrige Schichten, welche mit Obsidian abwechseln und in solchen
übergehen. -- Ursprung des Obsidians. -- Blättrig-werden
vulcanischer Gesteine.
Diese Insel ist im atlantischen Ocean in 8° s. Br. und 14° westl. Länge
gelegen. Sie hat die Form eines unregelmäszigen Dreiecks (s. die
beiliegende Karte), von welchem jede Seite ungefähr 6 Meilen lang ist.
Ihr höchster Punkt liegt 2870 Fusz[14] über dem Meeresspiegel. Das Ganze
ist vulcanisch und, wie ich nach dem Fehlen von Beweisen für das
Gegentheil glaube, nicht submarinen Ursprungs. Das Grundgestein ist
überall von einer blaszen Färbung, meistens compact und von
feldspathiger Beschaffenheit. In dem südöstlichen Theile der Insel, wo
das höchste Land gelegen ist, kommen gut characterisirter Trachyt und
andere Gesteine gleichen Ursprungs aus dieser formenreichen Familie vor.
Beinahe der ganze Umfang der Insel wird von schwarzen und zerklüfteten
Strömen basaltischer Lava bedeckt, während hier und da ein Berg oder
eine einzige Felsspitze (von denen die eine in der Nähe der Meeresküste
nördlich vom Fort nur 2 oder 3 Yards im queren Durchmesser miszt) von
Trachyt noch exponirt bleibt.
~Basaltische Gesteine.~ -- Die aufliegende basaltische Lava ist an
einigen Stellen äuszerst blasig, an andern nur wenig; sie ist von
schwarzer Färbung, enthält aber zuweilen Krystalle glasigen Feldspaths
und nur selten viel Olivin. Diese Ströme scheinen hier eigenthümlich
geringe Flüssigkeit gehabt zu haben; ihre seitlichen Wände und ihre
unteren Enden sind sehr steil und haben eine Höhe selbst bis zwischen 20
und 30 Fusz. Ihre Oberfläche ist auszerordentlich zerklüftet und
erscheint aus einer geringen Entfernung wie mit kleinen Crateren dicht
besetzt. Diese Vorsprünge bestehn aus breiten, unregelmäszig
kegelförmigen kleinen Hügeln, welche von Spalten durchsetzt und aus dem
nämlich ungleich schlackigen Basalt wie die umgebenden Ströme
zusammengesetzt sind, aber eine undeutliche Neigung zu einer
säulenförmigen Anordnung zeigen; sie erheben sich bis zu einer Höhe von
zwischen 10 und 30 Fusz über die allgemeine Oberfläche und sind, wie ich
vermuthe, durch das Anhäufen der klebrigen Lava an Punkten von gröszerer
Widerstandskraft gebildet worden. Am Fusze mehrerer dieser Hügel und
gelegentlich auch an ebeneren Stellen springen solide, aus eckig
abgerundeten Massen von Basalt gebildete Rippen, welche in ihrer Grösze
und ihrem Umrisse gebogenen Schleusenröhren oder Rinnsteinen aus Ziegeln
ähnlich, aber nicht hohl sind, zwischen 2 und 3 Fusz über die Oberfläche
der Ströme vor; welches ihr Ursprung gewesen sein mag, weisz ich nicht.
Viele der oberflächlichen Bruchstücke von diesen basaltischen Strömen
bieten eigenthümlich gewundene Formen dar; und manche Exemplare konnten
von Klötzen dunkel gefärbten Holzes ohne Rinde kaum unterschieden
werden.
Viele der basaltischen Ströme können entweder bis zu Eruptionspunkten am
Fusze der groszen centralen Masse von Trachyt oder bis zu einzeln
stehenden, conischen, roth gefärbten Hügeln verfolgt werden, welche über
die nördlichen und westlichen Ränder der Insel zerstreut liegen. Auf der
centralen Erhöhung stehend zählte ich zwischen 20 und 30 solcher
Eruptionskegel. Die gröszere Zahl derselben hatte Gipfel, welche schräg
abgeschnitten und abgestutzt waren, und sie fielen sämmtlich nach
Süd-Osten hin ab, von welcher Seite her der Passatwind weht[15]. Dieser
Bau ist ohne Zweifel dadurch verursacht worden, dasz die ausgeworfenen
Bruchstücke und Aschenmassen stets während der Eruptionen in gröszerer
Menge nach der einen als nach der andern Seite hin geweht worden sind.
MOREAU DE JONNÈS hat eine ähnliche Beobachtung in Bezug auf die
vulcanischen Öffnungen auf den westindischen Inseln gemacht.
[Illustration: Fig. 3. Fragment einer kugligen vulcanischen Bombe, die
innern Theile grob zellig, von einer concentrischen Schicht compacter
Lava, diese wieder von einer Rinde fein zelligen Gesteins umhüllt.]
~Vulcanische Bomben.~ -- Es kommen dieselben in groszer Anzahl über den
Boden zerstreut vor, und manche von ihnen liegen in beträchtlichen
Entfernungen von irgend einem Eruptionspunkte. Sie schwanken in ihrer
Grösze von der eines Apfels bis zu der eines menschlichen Körpers; sie
sind entweder kuglig oder birnenförmig, oder am hintern Ende (welches
dem Schwanze eines Cometen entspricht) unregelmäszig, mit vorspringenden
Spitzen besetzt und selbst concav. Ihre Oberfläche ist rauh und durch
sich verzweigende Sprünge gespalten; ihre innere Structur ist entweder
unregelmäszig schlackenartig und compact oder sie bietet ein
symmetrisches und sehr merkwürdiges Aussehn dar. Ein unregelmäsziges
Segment einer Bombe von dieser letzten Art, von denen ich mehrere fand,
ist in dem beistehenden Holzschnitte sorgfältig dargestellt worden. Ihre
Grösze war ungefähr die eines Manneskopfes. Das ganze Innere ist grob
zellig; die Zellen messen im Mittel ungefähr ein Zehntel Zoll, näher
nach der äuszern Seite nehmen sie aber allmählich an Grösze ab. Diesem
Theile folgt nach auszen hin eine wohl umschriebene Schale compacter
Lava, welche eine nahezu gleichförmige Dicke von ungefähr einem Drittel
Zoll besitzt; auf dieser Schale liegt dann ein etwas dickerer Überzug
von fein zelliger Lava (die Zellen schwanken in ihrer Grösze von einem
Fünfzigstel bis zu einem Hundertstel Zoll), welche die äuszere
Oberfläche bildet: die Trennungslinie zwischen der Schale von compacter
Lava und der äuszern schlackigen Rinde ist scharf ausgeprägt. Diese
Structur erklärt sich sehr einfach, wenn wir annehmen, dasz eine
klebrige, zähe, schlackige Masse mit einer rapiden drehenden Bewegung
durch die Luft geschleudert wird; denn während die äuszere Rinde in
Folge der Abkühlung fest wurde (bis zu dem Zustande, in dem wir sie
jetzt sehen), gestattete die Centrifugalkraft durch Verminderung des
Drucks in den inneren Theilen der Bombe den erhitzten Dämpfen sich
auszudehnen; dieselben wurden aber durch dieselbe Kraft gegen die
bereits erhärtete Rinde angetrieben und wurden daher immer kleiner und
kleiner oder weniger ausgedehnt, bis sie in eine compacte solide Schale
eingepackt wurden. Da wir wissen, dasz Splitter von einem
Schleifstein[16] fortgeschleudert werden können, wenn er mit
hinreichender Geschwindigkeit in Umdrehung gesetzt wird, so können wir
nicht daran zweifeln, dasz die Centrifugalkraft das Vermögen hat, die
Structur einer erweichten Bombe in der eben erwähnten Art und Weise zu
modificiren. Geologen haben die Bemerkung gemacht, dasz die äuszere Form
einer Bombe sogleich die Geschichte ihres Laufs durch die Luft verräth,
und wir sehn nun, dasz der innere Bau mit beinahe gleicher Deutlichkeit
für ihre drehende Bewegung spricht.
[Illustration: Fig. 4. Vulcanische Bombe von Obsidian aus Australien.
Die obere Figur gibt eine Flächenansicht, die untere eine Seitenansicht
desselben Gegenstandes.]
BORY ST. VINCENT[17] hat einige Lavakugeln von der Insel Bourbon
beschrieben, welche eine äuszerst ähnliche Structur zeigen: seine
Erklärung indessen (wenn ich sie richtig verstehe) ist von der, welche
ich gegeben habe, sehr verschieden; denn er vermuthet, dasz sie wie
Schneebälle an den Seiten eines Craters hinabgerollt sind. BEUDANT[18]
hat gleichfalls einige eigenthümliche kleine Kugeln von Obsidian
beschrieben, nie gröszer als 6 oder 8 Zoll im Durchmesser, welche er auf
der Oberfläche des Bodens umhergestreut fand; ihre Form ist immer oval;
zuweilen sind sie in der Mitte stark angeschwollen und selbst
spindelförmig; ihre Oberfläche ist regelmäszig mit concentrischen
Leisten und Furchen gezeichnet, welche sämmtlich an einer und der
nämlichen Kugel rechtwinklig auf einer Axe stehn: ihr Inneres ist
compact und glasig. BEUDANT vermuthet, dasz Lavamassen, so lange sie
weich waren, mit einer um dieselbe Axe rotirenden Bewegung in die Luft
geschossen wurden und dasz ihre Form und die oberflächlichen Leisten der
Bomben in dieser Weise hervorgebracht wurden. Sir THOMAS MITCHELL hat
mir etwas gegeben, was auf den ersten Blick wie die Hälfte einer stark
abgeplatteten ovalen Kugel von Obsidian aussieht; es hat ein
eigenthümlich künstliches Ansehn, welches in dem beistehenden
Holzschnitt (von natürlicher Grösze) gut dargestellt ist. Es wurde in
seinem gegenwärtigen Zustande auf einer groszen sandigen Ebene zwischen
den Flüssen Darling und Murray in Australien und in einer Entfernung von
mehreren hundert Meilen von irgend einer bekannten vulcanischen Gegend
gefunden. Es scheint in irgend eine röthliche tuffartige Masse
eingebettet gewesen zu sein, und könnte wohl entweder durch die
Eingebornen verschleppt oder durch natürliche Mittel weiter transportirt
worden sein. Die äuszere untertassenförmige Schale besteht aus compactem
Obsidian von einer flaschengrünen Farbe und wird von fein zelliger
schwarzer Lava erfüllt, welche viel weniger durchscheinend und glasig
ist als der Obsidian. Die äuszere Oberfläche ist mit vier oder fünf
nicht ganz vollkommenen Leisten gezeichnet, welche im Holzschnitt eher
etwas zu bestimmt dargestellt worden sind. Wir haben daher hier die von
BEUDANT beschriebene äuszere Structur und den innern zelligen Zustand
der Bomben von Ascension vor uns. Der Rand der untertassenförmigen
Schale ist leicht concav, genau so wie der Rand eines Suppentellers, und
seine innere Kante springt ein wenig über die central gelegene zellige
Lava vor. Diese Structur ist rings um den ganzen Umfang so symmetrisch,
dasz man zu der Vermuthung genöthigt wird, dasz die Bombe während ihres
rotirenden Laufes, ehe sie vollständig fest geworden war, geplatzt ist
und dasz hierdurch der Rand und seine Kanten leicht modificirt und nach
innen gewendet wurden. Es mag noch erwähnt werden, dasz die
oberflächlichen Leisten in Ebenen liegen, welche rechtwinklig auf eine,
zu der längeren Axe des abgeplatteten Ovals quer liegende Axe stehn; um
diesen Umstand zu erklären, können wir annehmen, dasz, als die Bombe
platzte, die Rotationsaxe verändert wurde.
~Explosionen gasförmiger Massen.~ -- Die Seitenabhänge des Grünen Berges
(Green Mountain) und das umgebende Land sind mit einer groszen Masse
loser Bruchstücke von einigen hundert Fusz an Mächtigkeit bedeckt. Die
untern Schichten bestehn meistens aus feinkörnigen, in unbedeutendem
Grade consolidirten Tuffen[19] und die obern Schichten aus groszen losen
Fragmenten, welche mit Schichten feinerer abwechseln[20]. Eine weisze
bandartige Schicht einer zerfallenen bimssteinartigen Breccie war in
merkwürdiger Art in tiefen ununterbrochenen Bogen unterhalb eines jeden
der gröszeren Fragmente in der darüber liegenden Schicht eingebogen.
Nach der relativen Lage dieser Schichten vermuthe ich, dasz ein Crater
mit enger Mündung, welcher nahezu an der Stelle des Grünen Berges stand,
wie eine ungeheure Windbüchse vor seiner endlichen Erlöschung diese
colossale Anhäufung loser Massen ausgeschossen hat. Später nach diesem
Ereignisse haben beträchtliche Lagenveränderungen stattgefunden und ein
ovaler Circus hat sich durch Senkung gebildet. Dieser gesunkene Raum
liegt am nordöstlichen Fusze des Grünen Bergs und ist auf der
beiliegenden Karte ganz gut dargestellt. Seine längere Axe, welche mit
einer von Nordost nach Südwest ziehenden Spaltungslinie in Zusammenhang
steht, beträgt in der Länge drei Fünftel einer nautischen Meile; seine
Seiten sind nahezu senkrecht, mit Ausnahme einer Stelle, und ungefähr
400 Fusz hoch; sie bestehn im untern Theile aus einem blassen Basalt mit
Feldspath und im obern Theile aus dem Tuff und ausgeworfenen losen
Bruchstücken; der Boden ist glatt und eben, und in beinahe jedwedem
andern Clima würde sich hier ein tiefer See gebildet haben. Nach der
Mächtigkeit der Schicht loser Fragmente zu urtheilen, von welcher das
umgebende Land bedeckt ist, musz die Masse gasförmiger Substanzen,
welche zu ihrem Auswerfen nothwendig war, ganz enorm gewesen sein; wir
dürfen es daher für wahrscheinlich halten, dasz nach den Explosionen
ungeheure unterirdische Höhlen blieben und dasz das Einsinken des Dachs
von einer derselben die eben beschriebene Vertiefung erzeugte. Auf dem
Galapagos-Archipel kommen grubenartige Löcher von ähnlichem Character,
aber von viel geringerer Grösze häufig am Fusze kleiner Eruptionskegel
vor.
~Ausgeworfene Bruchstücke von Granit.~ -- In der näheren Umgebung des
Grünen Bergs werden nicht selten Fragmente fremder Gesteinsarten mitten
in die Schlackenmassen eingebettet gefunden. Lieut. EVANS, welchem ich
für mancherlei Information verbunden bin, gab mir mehrere Stücke und ich
selbst habe andere gefunden. Sie besitzen nahezu sämmtlich eine
granitische Structur, sind brüchig, dem Gefühle nach rauh, und offenbar
von veränderter Färbung. ~Erstens~: ein weiszer Syenit, mit Roth
gestreift und gefleckt; er besteht aus gut krystallisirtem Feldspath,
zahlreichen Quarzkörnern und glänzenden, wennschon kleinen Krystallen
von Hornblende. Der Feldspath und die Hornblende sind in diesem und in
den folgenden Fällen durch das Reflexions-Goniometer, der Quarz durch
seine Erscheinung vor dem Löthrohr bestimmt worden. Der Feldspath in
diesen ausgeworfenen Fragmenten ist wie die glasige Art im Trachyt nach
seiner Spaltung ein Kali-Feldspath. ~Zweitens~: eine ziegelrothe Masse
von Feldspath, Quarz und kleinen dunklen Flecken eines zersetzten
Minerals; ein sehr kleines Stückchen desselben war ich seiner Spaltung
nach als Hornblende zu bestimmen im Stande. ~Drittens~: eine Masse
verworren krystallisirten weiszen Feldspaths mit kleinen Nestern eines
dunkel gefärbten Minerals, häufig angefressen, äuszerlich abgerundet,
mit einem glänzenden Bruche, aber ohne deutliche Spaltbarkeit; nach
einem Vergleiche mit dem zweiten Handstück zweifle ich nicht daran, dasz
es geschmolzene Hornblende ist. ~Viertens~: eine Gesteinsart, welche auf
den ersten Blick wie eine einfache Aggregation deutlicher und groszer
Krystalle von trüb gefärbtem Labrador-Feldspath erscheint[21]; aber in
den Zwischenräumen zwischen denselben findet sich etwas weiszer
körniger Feldspath, äuszerst zahlreiche Glimmerblättchen, ein wenig
veränderte Hornblende und, wie ich glaube, kein Quarz. Ich habe diese
Fragmente im Detail beschrieben, weil es selten ist[22], granitische
Gesteinsarten aus Vulcanen ausgeworfen zu finden, deren ~mineralische
Bestandtheile unverändert~ sind, wie es bei dem ersten Stücke und zum
Theile auch bei dem zweiten der Fall ist. Ein anderes groszes, an einer
andern Stelle gefundenes Fragment verdient eine Erwähnung; es ist ein
Conglomerat, welches kleine Bruchstücke von granitischen, zelligen und
jaspisartigen Gesteinsarten und von Hornstein-Porphyren in eine
Grundmasse von Wacke eingebettet enthält, die von zahlreichen dünnen
Schichten eines concretionären, in Obsidian übergehenden Pechsteins
durchzogen ist. Diese Schichten sind parallel, unbedeutend gewunden und
kurz; sie dünnen sich an den Enden aus und sind der Form nach den
Quarzschichten im Gneisz ähnlich. Es ist wahrscheinlich, dasz diese
kleinen eingeschlossenen Fragmente nicht einzeln ausgeworfen, sondern in
einem flüssigen vulcanischen, mit Obsidian verwandten Gestein
eingewickelt waren; und wir werden sofort sehn, dasz mehrere Varietäten
dieser letzteren Gesteinsreihe eine lamellöse Structur annehmen.
~Trachytische Gesteinsreihe.~ -- Dieselben nehmen die erhobeneren und
centralen und gleicherweise auch die südöstlichen Theile der Insel ein.
Der Trachyt ist meistens von einer blaszbraunen Färbung, mit kleinen
dunkleren Stellen gefleckt; er enthält zerbrochene und verbogene
Krystalle von glasigem Feldspath, Körner spiegelnden Eisens und schwarze
mikroskopische Punkte, welche letztere, da sie leicht schmelzen und dann
magnetisch werden, wie ich vermuthe, Hornblende sind. Die gröszere Zahl
der Berge besteht indessen aus einem weiszen, zerreiblichen Steine,
welcher wie ein trachytischer Tuff erscheint. Obsidian, Hornstein und
mehrere Arten von blättrigen, feldspathigen Gesteinsarten sind mit dem
Trachyt verbunden. Es findet sich keine deutliche Stratification; auch
konnte ich an keinem der Hügel dieser Reihe eine craterförmige Bildung
entdecken. Beträchtliche Dislocationen haben stattgefunden; viele
Spalten in diesen Gesteinen sind noch offen oder nur zum Theil mit losen
Fragmenten erfüllt. Innerhalb des hauptsächlich aus Trachyt gebildeten
Raumes[23] sind einige basaltische Ströme hervorgebrochen; und nicht
weit vom Gipfel des Grünen Berges findet sich ein Strom vollständig
schwarzer blasiger Lava, welche äuszerst kleine Krystalle glasigen
Feldspaths von abgerundetem Aussehn enthält.
Das oben erwähnte weiche weisze Gestein ist dadurch merkwürdig, dasz es,
wenn es in Masse zur Betrachtung kömmt, in eigenthümlicher Weise einem
sedimentären Tuff ähnlich ist: es dauerte lange, bis ich mich davon
überzeugen konnte, dasz sein Ursprung ein anderer gewesen sei; andere
Geologen sind durch äuszerst ähnliche Bildungen in andern trachytischen
Gebieten gleichfalls verwirrt worden. An zwei Stellen bildete dieses
weisze erdige Gestein isolirt stehende Hügel, an einer dritten war es
mit säulenförmigem und blättrigem Trachyt vergesellschaftet; ich bin
aber nicht im Stande gewesen, eine wirkliche Verbindung zu verfolgen. Es
enthält zahlreiche Krystalle glasigen Feldspaths und schwarze
mikroskopische Flecken und ist mit kleinen dunkleren Stellen gezeichnet,
genau so wie in dem umgebenden Trachyt vorkommen. Seine Grundsubstanz
ist indessen unter dem Mikroskop betrachtet meistens völlig erdig;
zuweilen aber bietet sie eine entschieden krystallinische Structur dar.
Auf dem als »Crater eines alten Vulcans« bezeichneten Berge geht das
Gestein in eine blasz grünlich-graue Varietät über, welche nur darin von
ihm verschieden ist, dasz sie eine andere Färbung besitzt und nicht so
erdig ist; der Übergang war in einem Falle unmerkbar, in einem andern
Falle machte er sich so, dasz zahlreiche abgerundete und eckige Massen
der grünlichen Varietät in die weisze Varietät eingebettet waren; -- in
diesem letztern Falle war die äuszere Erscheinung der einer sedimentären
Ablagerung sehr ähnlich, welche während der Ablagerung einer folgenden
Schicht zerbrochen und abgenagt wurde. Diese beiden Varietäten werden
von unzähligen gewundenen (sofort näher zu beschreibenden) Adern quer
durchsetzt, welche eingespritzten Trappgängen und in der That allen
andern Adern, welche ich jemals gesehen habe, gänzlich unähnlich sind.
Beide Varietäten schlieszen einige wenige zerstreute, gröszere und
kleinere Fragmente dunkelfarbiger schlackenartiger Gesteinsarten ein;
bei einigen derselben sind die Zellen zum Theil mit der weiszen erdigen
Gesteinsart erfüllt; sie schlieszen gleichfalls einige ungeheure Blöcke
eines zelligen Porphyrs ein[24]. Diese Gesteinsbruchstücke springen von
der verwitterten Oberfläche vor und sind vollständig den in einem echten
sedimentären Tuff eingebetteten Fragmenten ähnlich. Da es aber bekannt
ist, dasz fremdartige Fragmente zelligen Gesteins zuweilen in
säulenförmigen Trachyt, in Phonolith[25] und in andere compacte Laven
eingeschlossen sind, so bietet dieser Umstand keinen wirklichen
Beweisgrund für den sedimentären Ursprung des weiszen erdigen Gesteins
dar[26]. Der unmerkliche Übergang der grünlichen Varietät in die weisze
und ebenso der plötzlichere sich darin zeigende Übergang, dasz Fragmente
der ersteren in der letzteren eingeschlossen sind, dürften das Resultat
unbedeutender Verschiedenheiten in der Zusammensetzung einer und der
nämlichen Masse geschmolzenen Gesteins und der abschleifenden Wirkung
eines derartigen noch immer flüssigen Theils auf einen andern bereits
festgewordenen Theil sein. Die merkwürdig geformten Adern haben sich,
wie ich glaube, dadurch gebildet, dasz sich kieselige Substanz später
abgelöst hat. Der hauptsächlichste Grund aber für meine Annahme, dasz
diese weiszen erdigen Gesteine mit ihren fremdartigen Einschlüssen nicht
sedimentären Ursprungs sind, ist die äuszerste Unwahrscheinlichkeit,
dasz Krystalle von Feldspath, schwarze mikroskopische Stellen und kleine
Flecken von einer dunkleren Färbung in der nämlichen verhältnismäszigen
Anzahl in einem wässrigen Niederschlag und in Massen soliden Trachyts
vorkommen. Überdies erschlieszt, wie ich bemerkt habe, das Mikroskop
gelegentlich eine krystallinische Structur in der scheinbar erdigen
Grundsubstanz. Andererseits ist die theilweise Zersetzung solcher
groszen Massen von Trachyt, welche ganze Berge bilden, zweifellos ein
Umstand, der nicht leicht zu erklären ist.
~Adern in den erdigen trachytischen Massen.~ -- Diese Adern sind
auszerordentlich zahlreich und durchsetzen in der allercomplicirtesten
Art und Weise die beiden gefärbten Varietäten des erdigen Trachyts: sie
sind am besten an den Seitenabhängen des »Craters eines alten Vulcans«
zu sehen. Sie enthalten Krystalle von glasigem Feldspath, schwarze
mikroskopische Flecke und kleine dunkle Stellen, genau so wie in dem
umgebenden Gestein; die Grundsubstanz ist aber sehr verschieden, sie ist
auszerordentlich hart, compact, etwas brüchig und von einer eher weniger
leichten Schmelzbarkeit. Die Adern schwanken beträchtlich in ihrer Dicke
und zwar plötzlich von einem Zehntel Zoll zu einem Zoll; sie dünnen sich
häufig aus, und zwar nicht blosz an ihren Rändern, sondern auch in ihren
mittleren Theilen, wo dann runde unregelmäszige Öffnungen übrig bleiben;
ihre Oberfläche ist rauh. Sie sind unter allen nur möglichen Winkeln
gegen den Horizont geneigt oder auch horizontal; sie sind meistens
krummlinig und verzweigen sich häufig unter einander. Ihrer Härte wegen
widerstehn sie dem Verwittern, und erstrecken sich, 2 oder 3 Fusz
oberhalb des Bodens vorspringend, gelegentlich einige Yards an Länge
hin: werden diese plattenartigen Adern angeschlagen, so geben sie einen
Ton fast wie den einer Trommel und man kann deutlich sehn, dasz sie
schwingen; ihre über den Boden hin zerstreuten Bruchstücke klappern wie
Eisenstücke, wenn sie gegen einander gestoszen werden. Sie nehmen
zuweilen die eigenthümlichsten Formen an; ich sah ein Fuszgestell von
erdigem Trachyt, welches von einem halbkugligen Abschnitt einer Ader wie
von einem groszen Regenschirm bedeckt wurde, grosz genug, um zwei
Personen Schutz zu gewähren. Ich habe sonst nirgendwo derartige Adern
oder Beschreibungen solcher gesehn; ihrer Form nach sind sie aber den
eisenhaltigen Bändern ähnlich, welche, in Folge irgend eines
Absonderungsprocesses, nicht ungewöhnlich in Sandsteinen vorkommen, --
beispielsweise im Neuen Rothen Sandstein (Buntsandstein) in England.
Zahlreiche Adern von Jaspis und von Kieselsinter, welche auf dem Gipfel
des nämlichen Berges vorkommen, zeigen, dasz irgend eine äuszerst reiche
Quelle von Kiesel vorhanden gewesen ist, und da diese plattenförmigen
Adern vom Trachyt nur in ihrer gröszern Härte, Brüchigkeit und weniger
leichten Schmelzbarkeit verschieden sind, so erscheint es
wahrscheinlich, dasz ihr Ursprung der Absonderung oder Infiltration von
kieseliger Substanz zuzuschreiben ist, in derselben Art und Weise, wie
es in vielen sedimentären Gesteinen mit den Eisenoxyden der Fall ist.
~Kieseliger Sinter und Jaspis.~ -- Der kieselige Sinter ist entweder
völlig weisz, von geringem specifischem Gewicht und von einem etwas
perligen Bruche, in rosa perligen Quarz übergehend, oder er ist gelblich
weisz mit hartem Bruche und enthält dann in kleinen Höhlungen ein
erdiges Pulver. Beide Varietäten kommen entweder in groszen
unregelmäszigen Massen in dem veränderten Trachyt vor, oder in Bändern,
welche in breiten, senkrechten, gewundenen, unregelmäszigen Adern eines
compacten, derben Gesteins von einer trüb röthlichen Färbung, das wie
Sandstein aussieht, eingeschlossen sind. Dies Gestein ist indessen nur
veränderter Trachyt; und eine sehr ähnliche Varietät, nur häufig
wabenartig durchbrochen, hängt zuweilen den im vorigen Paragraphen
beschriebenen vorspringenden, plattenförmigen Adern an. Der Jaspis ist
von einer ockergelben oder rothen Farbe; er kommt in groszen
unregelmäszigen Massen und zuweilen in Adern vor, und zwar sowohl in dem
veränderten Trachyt als auch in einer zusammengehäuften Masse von
schlackigem Basalt. Die Zellen des schlackigen Basalts sind mit feinen,
concentrischen Schichten von Chalcedon ausgekleidet oder erfüllt, welche
von hellrothem Eisenoxyd bedeckt oder gefleckt sind. In diesem Gesteine,
besonders in den im Ganzen compacteren Theilen sind unregelmäszige
eckige Flecken des rothen Jaspis eingeschlossen, deren Ränder unmerklich
in die umgebende Masse übergeht; es kommen noch andere derartige
Flecken vor, welche einen zwischen dem des vollkommenen Jaspis und dem
des eisenhaltigen zerfallenen basaltischen Grundgesteins mitten
innestehenden Character haben. In diesen Flecken und gleicherweise auch
in den groszen aderartigen Massen von Jaspis kommen kleine abgerundete
Höhlungen vor von genau derselben Grösze und Form wie die Lufträume,
welche in dem schlackigen Basalt mit Schichten von Chalcedon erfüllt und
ausgekleidet sind. Kleine Fragmente des Jaspis unter dem Mikroskop
untersucht scheinen einem Chalcedon ähnlich zu sein, dessen färbende
Substanz nicht in Schichten getrennt, sondern in die kieselige Paste,
zusammen mit einigen Unreinigkeiten, eingemischt ist. Ich kann diese
Thatsache, -- nämlich den Übergang des Jaspis in den halb zersetzten
Basalt, -- sein Vorkommen in winkligen Flecken, welche deutlich
nachweisbar keine früher existirende Höhlungen in dem Gestein einnehmen,
-- und den Umstand, dasz er kleine mit Chalcedon erfüllte Blasen enthält
wie diejenigen in der schlackigen Lava, -- nur unter der Annahme
verstehn, dasz eine Flüssigkeit, wahrscheinlich dieselbe Flüssigkeit,
welche den Chalcedon in den Lufträumen absetzt, in denjenigen Theilen,
wo keine Höhlungen vorhanden waren, die Bestandtheile des basaltischen
Gesteins entfernte, an deren Stelle Kieselsäure und Eisen zurückliesz
und in dieser Weise den Jaspis erzeugte. An einigen Exemplaren von
verkieseltem Holze habe ich beobachtet, dasz in derselben Art und Weise
wie in dem Basalt die festen Theile in eine dunkel gefärbte homogene
Gesteinsmasse umgewandelt waren, während die von den gröszeren
Saftgefässen gebildeten Räume (welche mit den Lufträumen in der
basaltischen Lava verglichen werden können) und andere unregelmäszige
Höhlungen, die augenscheinlich durch den Zerfall entstanden waren, mit
concentrischen Schichten von Chalcedon erfüllt waren; in diesem Falle
läszt sich kaum daran zweifeln, dasz eine und die nämliche Flüssigkeit
die homogene Grundsubstanz und die Schichten von Chalcedon abgesetzt
hat. Nach diesen Betrachtungen kann ich nicht daran zweifeln, dasz der
Jaspis von Ascension als ein verkieseltes vulcanisches Gestein angesehen
werden kann, in demselben Sinne wie dieser Ausdruck auf verkieseltes
Holz angewendet wird; wir sind hier gleicherweise darüber in
Unwissenheit, durch welche Mittel ein jedes Atom von Holz, während es in
einem vollkommenen normalen Zustande war, entfernt und durch Kiesel
ersetzt wurde, wie darüber, durch welche Mittel in dieser Weise auf die
constituirenden Bestandtheile eines vulcanischen Gesteins eingewirkt
werden konnte[27]. Ich war dadurch zu einer sorgfältigen Untersuchung
dieser Gesteine und zu der hier mitgetheilten Schluszfolgerung geführt
worden, dasz ich Professor HENSLOW eine ähnliche Ansicht in Bezug auf
den Ursprung vieler Chalcedone und Achate in Trappgesteinen habe
aussprechen hören. Kieselige Ablagerungen scheinen in theilweise
zersetzten trachytischen Tuffen von sehr weitem, wenn nicht von ganz
allgemeinem Vorkommen zu sein[28]; und da diese Berge, nach der oben
mitgetheilten Ansicht, aus in situ erweichtem und verändertem Trachyt
bestehn, so dürfte das Vorkommen freier Kieselsäure in diesem Falle der
bekannten Liste als ein weiteres Beispiel noch hinzugefügt werden
können.
~Concretionen in bimssteinartigem Tuff.~ -- Der auf der Karte mit der
Bezeichnung »Crater eines alten Vulcans« versehene Berg hat keine
Berechtigung zu dieser Benennung, die ich hätte finden können,
ausgenommen in dem Umstand, dasz er von einem kreisförmigen, sehr
seichten, untertassenförmigen Gipfel von nahezu einer halben Meile
gekrönt wird. Diese Aushöhlung ist durch viele aufeinanderfolgende
Schichten von Asche und Schlacken verschiedener Färbungen beinahe
ausgefüllt, welche in geringem Grade consolidirt sind. Jede der
übereinanderliegenden, gleichfalls untertassenförmigen Schichten steht
im ganzen Umkreise des Randes an; sie bilden eben so viele Ringe von
verschiedener Farbe und geben dem Berg ein phantastisches Ansehn. Der
äuszerste Ring ist breit und von weiszer Farbe; er ist daher einer Bahn
ähnlich, auf welcher rund herum Pferde eingeritten worden sind; er hat
daher den Namen »des Teufels Reitbahn« erhalten, unter welchem er am
allgemeinsten bekannt ist. Diese aufeinander folgenden Schichten von
Asche müssen auf die ganze Gegend in der Umgebung des Berges gefallen
sein; sie sind aber überall wieder weggeweht worden, ausgenommen in
dieser Vertiefung, in welcher sich wahrscheinlich entweder während eines
Jahres wo auszerordentlicher Weise Regen fiel oder während der,
vulcanische Ausbrüche häufig begleitenden Stürme Feuchtigkeit
angesammelt hatte. Eine dieser Schichten von einer rosa Färbung und
hauptsächlich aus kleinen zerfallenen Bimssteinfragmenten bestehend ist
deshalb merkwürdig, dasz sie zahlreiche Concretionen enthält. Dieselben
sind meist sphärisch, von einem halben Zoll bis zu drei Zoll im
Durchmesser; sie sind aber gelegentlich cylindrisch, wie die
Eisenkies-Concretionen in der europäischen Kreide. Sie bestehn aus einem
sehr zähen, compacten, blasz braunen Gesteine mit einem glatten und
ebenen Bruche. Sie sind durch dünne weisze Unterschiede in concentrische
Schichten getheilt, welche der allgemeinen Oberfläche gleichen; sechs
oder acht solcher Schichten näher an der Auszenseite sind deutlich und
bestimmt; diejenigen aber nach dem Innern zu werden undeutlich und
verschmelzen zu einer homogenen Masse. Ich vermuthe, dasz diese
concentrischen Schichten durch das Zusammenschrumpfen der Concretion
beim Compactwerden derselben sich bildeten. Der innere Theil ist
meistens durch äuszerst kleine Spalten oder Durchzüge durchbrochen,
welche sowohl von schwarzen metallischen, als von weiszen und
krystallinischen Flecken überzogen sind, deren Beschaffenheit ich nicht
im Stande war zu ermitteln. Einige der gröszeren Concretionen bestehn
einfach aus einer kugligen Schale, welche mit leicht zusammengeballter
Asche gefüllt ist. Die Concretionen enthalten eine geringe Menge von
kohlensaurem Kalk; ein Stückchen vor das Löthrohr gebracht, decrepitirt,
wird dann weisz und schmilzt zu einem blasigen Schmelz zusammen, wird
aber nicht caustisch. Die umgebende Asche enthält keinen kohlensauren
Kalk; die Concretionen haben sich daher wahrscheinlich, wie es so häufig
der Fall ist, durch Zusammenhäufen dieser Substanz gebildet. Mir ist
nirgends eine Beschreibung ähnlicher Concretionen vorgekommen; und zieht
man ihre grosze Festigkeit und Compactheit in Betracht, so ist ihr
Vorkommen in einer Schicht, welche wahrscheinlich nur der Einwirkung der
atmosphärischen Feuchtigkeit ausgesetzt gewesen ist, merkwürdig.
~Bildung kalkiger Gesteine an der Meeresküste.~ -- An verschiedenen
Stellen des Meeresstrandes finden sich ungeheure Anhäufungen von
kleinen, gut abgerundeten Stückchen von Muscheln und Corallen, von
weiszer, gelblicher und rosa Färbung, dazwischen einige wenige
vulcanische Bruchstücke eingestreut. In der Tiefe von einigen wenigen
Fuszen findet man dieselben zu einem Gesteine verkittet, deren weichere
Varietäten zum Bauen benutzt werden; es gibt noch andere Varietäten,
sowohl grob- als fein-körnig, welche für diesen Zweck zu hart sind: ich
habe eine Masse solchen Gesteins gesehn, welche, in ebene Schichten von
einem halben Zoll an Mächtigkeit getheilt, so compact waren, dasz sie
beim Anschlagen mit einem Hammer wie Feuerstein klangen. Die Einwohner
sind der Ansicht, dasz die einzelnen Stückchen im Laufe eines Jahres mit
einander verbunden werden. Die Verbindung wird durch kalkige Masse
bewirkt; und in den compactesten Varietäten kann man deutlich sehn, dasz
jedes einzelne abgerundete Stückchen von Muscheln und vulcanischem
Gestein in eine Schale von durchsichtigem kohlensaurem Kalk eingehüllt
ist. Äuszerst wenig vollkommene Muscheln sind in diesen
zusammengekitteten Massen eingeschlossen: ich habe selbst ein gröszeres
Fragment unter dem Mikroskop untersucht, ohne im Stande gewesen zu sein,
auch nur die geringste Spur von Streifen oder andern Andeutungen der
äuszeren Gestalt zu entdecken; dies weist darauf hin, wie lange ein
jedes Stückchen umher gerollt worden sein musz, ehe es an die Reihe kam,
eingeschlossen und verkittet zu werden[29]. Wurde eine der compactesten
Varietäten in Säure gelegt, so wurde sie gänzlich aufgelöst, mit
Ausnahme von etwas flockiger thierischer Substanz; ihr specifisches
Gewicht war 2,63. Das specifische Gewicht des gewöhnlichen Kalksteins
schwankt von 2,6 bis 2,75; reiner Marmor aus Carrara hatte, wie Sir
HENRY DE LA BECHE fand[30], 2,7. Es ist merkwürdig, dasz diese Gesteine
von Ascension, welche so dicht an der Oberfläche sich bilden, beinahe so
compact sind, wie Marmor, welcher in den plutonischen Gegenden der
Wirkung der Hitze und des Drucks unterworfen gewesen ist.
Die grosze Anhäufung loser kalkiger Gesteinsfragmente, welche in der
Nähe der Niederlassung auf dem Strande liegen, beginnt im Monat October
und ist in ihrer Bewegung nach Südwesten gerichtet, was, wie mir Lieut.
EVANS mitgetheilt hat, die Folge einer Veränderung in der
vorherrschenden Richtung der Strömungen ist. Zu dieser Zeit werden die
zwischen den Fluthgrenzen liegenden Felsen am Südwest-Ende des Strandes,
wo sich der kalkige Sand anhäuft und um welches die Strömungen
herumbiegen, allmählich von einer kalkigen, einen halben Zoll mächtigen
Incrustation überzogen. Sie ist völlig weisz, compact, an einigen
Stellen unbedeutend spathig und fest an die Felsen angeheftet. Nach
einer kurzen Zeit verschwindet sie allmählich; sie wird entweder
aufgelöst, wenn das Wasser mit Kalk weniger beladen ist, oder noch
wahrscheinlicher, sie wird mechanisch abgerieben. Lieut. EVANS hat diese
Thatsachen während der sechs Jahre, in denen er auf Ascension gelebt
hat, beobachtet. Die Incrustation schwankt in verschiedenen Jahren in
ihrer Dicke: im Jahre 1831 war sie ungewöhnlich dick. Als ich im Juli
dort war, war kein Rest der Incrustation mehr übrig geblieben; aber an
einer Basaltkuppe, von welcher die Steinbrecher vor Kurzem eine Masse
des kalkigen Sandsteins entfernt hatten, war die Incrustation
vollständig erhalten. Zieht man die Lage der zwischen den Fluthgrenzen
befindlichen Felsen in Betracht und die Periode, zu welcher sie mit
diesem Überzuge versehen werden, so läszt sich nicht daran zweifeln,
dasz die Bewegung und Aufstörung der ungeheuren Anhäufung kalkiger
Theilchen, von denen viele theilweise mit einander verklebt sind, eine
so bedeutende Schwängerung der Meereswellen mit kohlensaurem Kalke
verursacht, dasz sie denselben an den ersten Gegenstand niederlegen,
welchen sie benetzen. Lieut. HOLLAND, R. N., hat mir mitgetheilt, dasz
sich diese Incrustation an vielen Stellen der Küste bildet; an den
meisten derselben finden sich, wie ich glaube, auch grosze Massen fein
zerkleinerter Schalthiergehäuse.
~Eine blattartige kalkige Incrustation.~ -- Es ist dies ein in vielen
Beziehungen merkwürdiger Niederschlag; er überzieht das ganze Jahr
hindurch die zwischen den Fluthgrenzen liegenden vulcanischen Felsen,
welche aus dem aus zerbrochenen Schalthiergehäusen bestehenden sandigen
Strande vorspringen. Sein allgemeines äuszeres Aussehn ist in dem
beistehenden Holzschnitt ganz gut wiedergegeben; aber die blattartigen
Gebilde oder Scheiben, aus denen er besteht, sind meistens so dicht
zusammengedrängt, dasz sie sich berühren. Diese laubartigen Gebilde sind
an ihren buchtigen Rändern fein crenelirt und springen über ihre Stiele
oder Träger vor; ihre obern Flächen sind entweder unbedeutend concav
oder leicht convex; sie sind in hohem Grade polirt und von einer dunkel
grauen oder ruszschwarzen Färbung; ihre Form ist unregelmäszig, meistens
kreisförmig, sie messen von einem Zehntel Zoll bis zu anderthalb Zoll im
Durchmesser; ihre Dicke oder die Höhe ihres Vorspringens von dem
Gesteine, auf welchem sie stehn, schwankt bedeutend, ein Viertel Zoll
ist vielleicht das gewöhnlichste Masz. Die laubartigen Bildungen werden
gelegentlich immer mehr und mehr convex, bis sie in blumenkohlartige
Massen mit gespaltenen freien Enden übergehn; finden sie sich in diesem
Zustande, so sind sie glänzend und intensiv schwarz, so dasz sie irgend
einer geschmolzenen metallischen Substanz ähnlich sind. Ich habe die
Incrustation sowohl in diesem letzt erwähnten als auch in ihrem
gewöhnlichen Zustande mehreren Geologen gezeigt, und nicht einer unter
ihnen konnte ihren Ursprung errathen, ausgenommen dasz sie vielleicht
vulcanischer Natur sei!
[Illustration: Fig. 5. Eine Incrustation aus kalkiger und animaler
Substanz, welche die zwischen den Fluthgrenzen gelegenen Felsen auf
Ascension überzieht.]
Die blattartigen Vorsprünge bildende Substanz hat einen sehr
compacten und häufig beinahe krystallinischen Bruch; die Ränder sind
durchscheinend und hart genug, um Kalkspath leicht zu ritzen. Vor dem
Löthrohre wird sie sofort weisz und entwickelt einen starken animalen
Geruch, ähnlich dem frischer Muscheln. Sie ist hauptsächlich aus
kohlensaurem Kalke zusammengesetzt; wird sie in Salzsäure gelegt, so
braust sie stark auf und läszt einen Rückstand von schwefelsaurem Kalke
und von Eisenoxyd, zusammen mit einem schwarzen Pulver zurück, welches
in heiszen Säuren nicht löslich ist. Diese letztere Substanz scheint
kohlenstoffhaltig zu sein; sie ist offenbar die färbende Substanz. Der
kohlensaure Kalk ist fremdartiger Gemengtheil; er kommt in einzelnen,
äuszerst minutiösen, lamellösen Blättern vor, mit welchen die
Oberflächen der laubartigen Gebilde besetzt sind und welche zwischen den
feinen Lagen, aus welchen dieselben zusammengesetzt sind, eingeschlossen
werden; wird ein Bruchstück vor dem Löthrohr erhitzt, so werden diese
Lamellen sofort sichtbar gemacht. Die ursprünglichen Umrisse der
blattartigen Gebilde lassen sich häufig entweder bis zu einem minutiösen
Muscheltheilchen, welches in einer Gesteinsspalte steckt, oder zu
mehreren solchen mit einander verkitteten hin verfolgen; diese werden
durch die auflösende Kraft der Wellen zuerst tief zu scharfen
Leisten angeätzt und werden dann von aufeinanderfolgenden Schichten
der glänzenden, grauen, kalkigen Incrustation überzogen. Die
Unebenheiten der ersten Unterlage beeinflussen den Umrisz jeder der
aufeinanderfolgenden Schichten, in derselben Art und Weise, wie man es
häufig an Bezoarsteinen sehen kann, wenn ein Gegenstand wie ein Nagel
den Mittelpunkt der Ablagerungen bildet. Die crenelirten Ränder indessen
sind augenscheinlich eine Folge der anätzenden Kraft der Brandung auf
ihren eignen Niederschlag, die abwechselnd mit frischen Ablagerungen in
Thätigkeit tritt. An einigen glatten basaltischen Gesteinen an der Küste
von St. Jago fand ich eine äuszerst dünne Schicht einer braunen kalkigen
Masse, welche unter der Lupe eine Miniatur-Ähnlichkeit mit dem
crenelirten und polirten frondescirenden Gebilden von Ascension darbot;
in diesem Falle boten keinerlei vorspringende fremdartige Theilchen
irgend welche Grundlage. Obgleich die Incrustation von Ascension das
ganze Jahr hindurch bestehn bleibt, so scheint doch nach dem abgenagten
Aussehn einiger Stellen und nach dem frischen Ansehn anderer Theile das
Ganze einen Kreislauf von Zerfall und Erneuerung durchzumachen,
wahrscheinlich in Folge von Veränderungen in der Form des beweglichen
Strandes und in Folge dessen auch in der Wirkung der Brandungswellen;
daher rührt es auch wahrscheinlich, dasz die Incrustation niemals eine
grosze Mächtigkeit erreicht. Nimmt man die Lage der incrustirten Felsen
mitten in dem kalkigen Strande, zusammen mit ihrer Zusammensetzung in
Betracht, so läszt sich, wie ich glaube, wohl nicht daran zweifeln, dasz
die Entstehung der Incrustation eine Folge der Auflösung und später
wieder erfolgenden Ablagerung der, die abgerundeten Muschel- und
Corallentheilchen zusammensetzenden Substanz ist[31]. Aus dieser Quelle
entnimmt die Incrustation die animale Substanz, welche offenbar das
färbende Princip in ihr ist. Die Beschaffenheit des Niederschlags in
seinen Anfangsstadien läszt sich häufig an einem Fragmente weiszer
Muscheln erkennen, wenn dasselbe zwischen zwei der blattartigen Gebilde
eingeklemmt ist; er erscheint dann genau wie der allerdünnste Anstrich
von einem blasz grauen Firnisz. Die Dunkelheit desselben schwankt ein
wenig, aber die tiefe Ruszschwärze einiger der laubartigen Gebilde und
der blumenkohlähnlichen Massen scheint eine Folge des Durchscheinens der
aufeinanderfolgenden grauen Schichten zu sein. Darin zeigt die
Ablagerung ein eigenthümliches Verhalten, dasz sie, wenn sie auf der
untern Fläche überhängender Felsstufen oder in Spalten gebildet wird,
immer von blasz grauer, perlenartiger Färbung erscheint, selbst wenn sie
von beträchtlicher Dicke ist; man wird daher zu der Vermuthung geführt,
dasz eine reichliche Menge von Licht für die Entwickelung der dunklen
Farbe nothwendig ist, in derselben Art und Weise, wie es mit den dem
Lichte ausgesetzten oberen Flächen der Schalen lebender Mollusken der
Fall zu sein scheint, welche immer, verglichen mit ihrer untern Fläche
und mit den gewöhnlich vom Mantel der Thiere bedeckten Stellen dunkel
sind. In diesem Umstande, -- in dem sofortigen Verlust der Farbe und dem
abgegebenen Geruche in der Flamme des Löthrohrs, -- in dem Grade der
Härte und des Durchscheinens der Ränder, -- und in der schönen Politur
der Oberfläche[32], welche im frischen Zustande mit der schönsten
_Oliva_ rivalisirt, besteht eine auffallende Analogie zwischen dieser
anorganischen Incrustation und den Schalen lebender Weichthiere[33]. Es
scheint mir dies eine interessante physiologische Thatsache zu sein[34].
~Eigenthümliche blättrige Schichten, welche mit Obsidian abwechseln und
in solchen übergehn.~ -- Diese Schichten kommen innerhalb des
trachytischen Districts am westlichen Fusze des Grünen Berges (Green
Mountain) vor, unter welchem sie mit starker Neigung einfallen. Sie sind
nur theilweise dem Blicke ausgesetzt, und von modernen Auswürflingen
bedeckt; aus diesem Grunde war ich nicht im Stande, ihre Verbindung mit
dem Trachyt zu verfolgen oder ausfindig zu machen, ob sie als ein
Lavastrom ausgeflossen sind oder ob sie zwischen die darüberliegenden
Schichten injicirt worden sind. Es sind drei Hauptschichten von Obsidian
vorhanden, von welchen die dickste die Unterlage des Durchschnitts
bildet. Die abwechselnden steinigen Schichten scheinen mir in hohem
Grade merkwürdig zu sein und sollen zuerst beschrieben werden, später
dann ihr Übergang in den Obsidian. Sie haben ein äuszerst
verschiedenartiges Aussehn; man kann fünf hauptsächliche Varietäten
beobachten, dieselben gehn aber durch endlose Abstufungen in einander
über.
Erstens: -- ein blasz graues, unregelmäszig und grob-blättriges[35],
sich rauh anfühlendes Gestein, Thonschiefer ähnlich, welcher mit einem
Trappgang in Berührung gewesen ist, und mit einem Bruche von ungefähr
demselben Grade krystallinischer Structur. Dies Gestein, ebenso wie die
folgenden Varietäten, schmilzt leicht zu einem blassen Glase. Der
gröszere Theil ist wabenartig von unregelmäszigen, winkligen Höhlungen
durchbrochen, so dasz das Ganze ein angefressenes Aussehn hat; manche
Bruchstücke sind in einer merkwürdigen Art und Weise verkieselten
Klötzen zerfallenen Holzes ähnlich. Diese Varietät ist häufig, besonders
da wo sie compacter ist, mit dünnen weiszlichen Streifen gezeichnet,
welche entweder gerade verlaufen oder einer nach dem andern die
länglichen cariösen Höhlungen umgeben.
Zweitens: -- ein bläulich graues oder blasz braunes, compactes,
schweres, homogenes Gestein mit einem winkligen, unebenen, erdigen
Bruche; betrachtet man es indessen unter einer Lupe von starker
Vergröszerung, so sieht man deutlich, dasz der Bruch krystallinisch ist;
es lassen sich selbst einzelne Mineralien unterscheiden.
Drittens: -- ein Gestein von derselben Art, wie das letzterwähnte, aber
mit zahlreichen, parallelen, unbedeutend gewundenen, weiszen Linien von
der Dicke eines Haares gezeichnet. Diese weiszen Linien sind
krystallinischer als die Stellen zwischen ihnen; und das Gestein spaltet
sich denselben entlang: sie dehnen sich häufig zu auszerordentlich
dünnen Höhlungen aus, welche häufig mit einer Lupe nur eben wahrnehmbar
sind. Die diese weiszen Linien bildende Substanz ist in diesen Höhlungen
besser krystallisirt, und Professor MILLER war nach mehreren Versuchen
so glücklich festzustellen, dasz die weiszen Krystalle, welche die
gröszten sind, aus Quarz bestanden[36], und dasz die äuszerst kleinen
grünen, durchscheinenden Nadeln Augit waren, oder, wie sie wohl
allgemeiner genannt werden dürften, Diopsid: auszer diesen Krystallen
finden sich einige äuszerst kleine, dunkle Flecken ohne eine Spur von
Krystallisation und eine schöne, weisze, granulöse, krystallinische
Substanz, welche wahrscheinlich Feldspath ist. Minutiöse Fragmente
dieses Gesteins sind leicht schmelzbar.
Viertens: -- ein compactes krystallinisches Gestein, in geraden Linien
von unzähligen Schichten in weiszen und grauen Farbenschattirungen
gestreift, welche in der Breite von 1/30 bis 1/200 Zoll variiren; diese
Schichten scheinen hauptsächlich aus Feldspath zusammengesetzt zu sein
und enthalten zahlreiche vollkommene Krystalle von glasigem Feldspath,
welche der Länge nach gestellt sind; sie sind auch dicht mit
mikroskopisch minutiösen, amorphen, schwarzen Flecken besetzt, welche in
Reihen geordnet sind und entweder einzeln stehn oder noch häufiger zu
zweien oder dreien oder noch mehreren mit einander zu schwarzen Linien
verbunden sind, welche dünner als ein Haar sind. Wenn ein kleines
Bruchstück vor dem Löthrohr erhitzt wird, so schmelzen die schwarzen
Flecke leicht zu glänzenden schwarzen Perlen, welche magnetisch werden,
-- Charactere, welche auf kein gewöhnliches Mineral passen, mit Ausnahme
von Hornblende oder Augit. Mit den schwarzen Flecken sind einige andere
von rother Farbe gemengt, welche schon vor dem Erhitzen magnetisch sind
und ohne Zweifel aus Eisenoxyd bestehn. An einem Handstück dieser
Varietät fand ich rings um zwei kleine Höhlungen die schwarzen Flecke zu
äuszerst kleinen Krystallen zusammengehäuft, welche wie Krystalle von
Augit oder Hornblende aussahen, aber zu trübe und klein waren, um mit
dem Goniometer gemessen zu werden; an diesem Exemplar konnte ich auch
zwischen dem krystallinischen Feldspath Körner unterscheiden, welche das
Aussehn von Quarz hatten. Bei einem Versuch mit dem Parallel-Lineal fand
ich, dasz die dünnen grauen Schichten und die schwarzen haar-ähnlichen
Linien absolut gerade und einander parallel waren. Man kann unmöglich
den allmählichen Übergang der homogenen grauen Gesteine in diese
gestreiften Varietäten verfolgen, ja selbst die Beschaffenheit der
verschiedenen Schichten an einem und demselben Handstück vergleichen,
ohne davon überzeugt zu werden, dasz die mehr oder weniger vollkommene
weisze Farbe der krystallinischen feldspathartigen Substanz von der mehr
oder minder vollständigen Verbindung diffundirter Massen zu den
schwarzen und rothen Flecken von Hornblende und Eisenoxyd abhängt.
Fünftens: -- ein compactes, schweres, nicht blättriges Gestein mit einem
unregelmäszigen, winkligen, in hohem Grade krystallinischen Bruche;
Krystalle von glasigem Feldspath sind äuszerst zahlreich in ihm und die
krystallinische Grundsubstanz und Feldspath ist mit einem schwarzen
Mineral gefleckt, welches an der verwitterten Oberfläche zu kleinen
Krystallen zusammengeschlossen zu sehn ist, von denen einige
vollkommen, die aber der gröszern Zahl nach unvollkommen sind. Ich
zeigte ein Handstück hiervon einem erfahrenen Geologen und frug ihn, was
es wäre; er antwortete mir, wie jeder Andere, glaube ich, gethan haben
würde, dasz es ein primitiver Grünstein wäre. Auch die verwitterte
Oberfläche der vorigen, gestreiften Varietät (No. 4) ist einem
abgeriebenen Fragmente fein blättrigen Gneiszes auffallend ähnlich.
Diese fünf Varietäten, mit noch vielen dazwischen liegenden, gehn nun
wiederholt abwechselnd in einander über. Da die compacten Varietäten den
andern vollständig untergeordnet sind, kann man das Ganze als blättrig
oder gestreift betrachten. Die einzelnen Blätter sind, um ihre
characteristischen Merkmale zusammenzufassen, entweder vollkommen gerade
oder in unbedeutendem Grade gewunden oder verschlungen; sie sind
sämmtlich einander und den dazwischen liegenden Schichten von Obsidian
parallel; sie sind meist von äuszerster Dünne sie bestehn entweder aus
einem dem Augenscheine nach homogenen, compacten, mit verschiedenen
Schattirungen grauer und brauner Färbung gestreiften Gesteine, oder aus
krystallinischen feldspathigen Schichten in einem mehr oder weniger
vollkommenen Zustande von Reinheit und von verschiedener Mächtigkeit mit
deutlichen, der Länge nach angeordneten Krystallen von glasigem
Feldspath, oder aus sehr dünnen Schichten, welche hauptsächlich aus
äuszerst kleinen Krystallen von Quarz und Augit, oder aus schwarzen und
rothen Flecken eines augitischen Minerals und Eisenoxyds, entweder gar
nicht oder nur unvollkommen krystallisirt, zusammengesetzt sind. Nachdem
ich den Obsidian ausführlich beschrieben habe, werde ich auf das Capitel
von der blättrigen Beschaffenheit der Gesteine der Trachyt-Reihe
zurückkommen.
Der Übergang der vorstehend geschilderten Lager in die Schichten des
glasigen Obsidians wird auf verschiedene Arten bewerkstelligt: entweder
erstens: es treten eckige knotige Massen von Obsidian, sowohl grosze als
kleine, plötzlich in einem schiefrigen, oder in einem amorphen, blasz
gefärbten feldspathigen Gestein mit einem einigermaszen perligen Bruche
auf. Oder zweitens: kleine unregelmäszige Knötchen von Obsidian, welche
entweder einzeln stehn oder in dünne, selten mehr als ein Zehntel Zoll
an Mächtigkeit messende Schichten vereinigt sind, wechseln wiederholt
mit sehr dünnen Lagen eines feldspathigen Gesteins ab, welches mit den
feinsten parallelen Farbenzonen wie ein Achat gestreift ist und welches
zuweilen in die Beschaffenheit des Pechsteins übergeht; die
Zwischenräume zwischen den Obsidiankörnern sind meistens mit weicher,
weiszer Substanz erfüllt, welche Bimssteinasche ähnlich ist. Drittens:
die ganze Substanz des angrenzenden Gesteins geht plötzlich in eine
kantig-concretionäre Masse von Obsidian über. Derartige Massen (ebenso
wie die kleinen Knötchen) von Obsidian sind von einer blasz grünen
Färbung und meist mit verschiedenen Farbenschattirungen gestreift,
welche den Blättern des umgebenden Gesteins parallel sind; sie enthalten
gleicherweise meistens minutiöse weisze Sphäruliten, deren eine Hälfte
zuweilen in eine Zone der einen Farbenschattirung, die andere Hälfte in
eine Zone einer andern Schattirung eingebettet ist. Der Obsidian nimmt
seine ruszschwarze Farbe und seinen vollkommen muschligen Bruch nur da
an, wo er in groszen Massen auftritt; aber selbst an solchen konnte ich
bei sorgfältiger Untersuchung und wenn ich die Exemplare in verschiedene
Beleuchtungen brachte, meistens parallele Streifen verschiedener
Schattirungen von Dunkelheit erkennen.
[Illustration: Fig. 6. Opake, braune Sphäruliten, in vergröszertem
Maszstabe gezeichnet, die oberen sind äuszerlich mit parallelen Leisten
gezeichnet. Die innere strahlige Structur der unteren ist viel zu
deutlich dargestellt.]
[Illustration: Fig. 7. Eine durch die Verbindung äuszerst kleiner
brauner Sphäruliten gebildete Lage, welche zwei andere ähnliche Lagen
durchschneidet; das Ganze ist nahebei in natürlicher Grösze
dargestellt.]
Eines der häufigsten Übergangsgesteine verdient in mehreren Beziehungen
noch eine weitere Beschreibung. Es ist von einer sehr complicirten
Beschaffenheit und besteht aus zahlreichen dünnen, leicht gewundenen
Schichten eines blaszgefärbten, feldspathigen Steins, welcher häufig in
einen unvollkommenen Pechstein übergeht und mit, aus zahllosen kleinen
Kügelchen von zwei Varietäten von Obsidian und zwei Arten von
Sphäruliten, die in eine weiche oder eine harte perlige Grundlage
eingeschlossen sind, bestehenden Schichten abwechselt. Die Sphäruliten
sind entweder weisz und durchscheinend, oder dunkel braun und opak; die
ersteren sind vollkommen sphärisch, von geringer Grösze und deutlich von
ihrem Mittelpunkte aus strahlig. Die dunkel braunen Sphäruliten sind
weniger vollkommen rund und schwanken im Durchmesser von 1/20 bis zu
1/30 Zoll; werden sie zerbrochen, so bieten sie nach ihrem Mittelpunkte
hin, welcher weiszlich ist, ein undeutlich strahliges Gefüge dar; sind
zwei von ihnen verbunden, so haben sie zuweilen nur einen einzigen
mittleren Punkt des Ausstrahlens; gelegentlich findet sich eine Spur
einer Höhlung oder einer Spalte in ihrem Mittelpunkte. Sie stehn
entweder einzeln oder sind zu zweien oder dreien oder vielen in
unregelmäszige Gruppen, oder noch häufiger in Schichten geordnet, welche
der Schichtung der ganzen Masse parallel laufen. Diese Verbindung ist in
vielen Fällen so vollkommen, dasz die beiden Seiten der in dieser Weise
gebildeten Schicht ganz eben sind; und in dem Masze als diese Schichten
weniger braun und opak werden, können sie von den abwechselnden
Schichten des blasz gefärbten feldspathigen Gesteins nicht unterschieden
werden. Sind die Sphäruliten nicht verbunden, so sind sie meistens in
der Ebene der Blätterung der ganzen Masse zusammengedrückt; und in
dieser nämlichen Ebene sind sie häufig im Innern von Zonen verschiedener
Farbenschattirungen und äuszerlich mit kleinen Leisten und Furchen
gezeichnet. In dem oberen Theile des beistehenden Holzschnittes (Fig. 6)
sind die Sphäruliten mit den parallelen Leisten und Furchen in einem
vergröszerten Maszstabe dargestellt, aber nicht gut ausgeführt; im
untern Theile ist die gewöhnliche Art ihrer Anordnung dargestellt. An
einem andern Handstück durchschneidet eine dünne, aus den braunen, dicht
mit einander verbundenen Sphäruliten bestehende Lage, wie im
Holzschnitt, Fig. 7, dargestellt ist, eine Lage von ähnlicher
Zusammensetzung; und nachdem sie eine kurze Strecke weit in einer leicht
bogenförmigen Linie weitergezogen ist, durchschneidet sie die andere
nochmals und gleicherweise eine zweite Schicht, welche eine kurze
Strecke weit unter der zuerst durchschnittenen liegt. Auch die kleinen
Knötchen von Obsidian sind zuweilen äuszerlich mit Leisten und Furchen
gezeichnet, welche meistens der Blätterung der Masse parallel laufen,
aber stets weniger deutlich als bei den Sphäruliten sind. Die
Obsidianknötchen sind meistens eckig mit abgestumpften Kanten; häufig
ist auf ihnen die Form der benachbarten Sphäruliten abgedrückt, sie sind
immer gröszer als diese; die einzelnen Knötchen erscheinen selten so,
als hätten sie einander durch Äuszerung einer gegenseitigen
Anziehungskraft ausgezogen. Hätte ich nicht in einigen Fällen ein
deutliches Attractionscentrum in diesen Obsidianknötchen gefunden, so
würde ich darauf geführt worden sein, sie als Rückstandsmasse zu
betrachten, welche während der Bildung des Perlsteins, in welchem sie
eingeschlossen sind, und der sphärulitischen Kugeln zurückgeblieben
wäre.
Die Sphäruliten und die kleinen Obsidianknötchen in diesen Gesteinen
ähneln in ihrer allgemeinen Gestalt und Structur den Concretionen in
sedimentären Niederschlägen so sehr, dasz man versucht wird, ihnen einen
analogen Ursprung zuzuschreiben. Sie sind gewöhnlichen Concretionen in
den folgenden Beziehungen ähnlich: -- in ihrer äuszeren Gestalt, -- in
der Vereinigung von zweien oder dreien oder von mehreren zu einer
unregelmäszigen Masse oder zu einer Schicht mit ebenen Seiten, -- in dem
gelegentlichen Durchschneiden einer derartigen Schicht durch eine
andere, wie es mit den Lagen von Feuersteinen in der Kreide der Fall
ist, -- in dem Vorhandensein von zwei oder drei Arten von Knötchen in
derselben Grundsubstanz, häufig dicht neben einander, -- in ihrer
faserigen, strahligen Structur, gelegentlich mit Höhlungen in ihrer
Mitte, -- in dem Nebeneinander-Bestehn einer blättrigen, concretionären
und strahligen Structur, wie dieselbe in den Concretionen im Zechstein
(magnesian limestone) die Professor SEDGWICK beschrieben hat[37], so gut
entwickelt ist. Concretionen in sedimentären Niederschlägen sind
bekanntlich die Folge einer Trennung einer bestimmten mineralischen
Substanz im Ganzen oder theilweise aus der umgebenden Masse und deren
Anhäufung um gewisse Attractionspunkte. Durch diese Thatsache geleitet
habe ich zu entdecken mich bemüht, ob der Obsidian und die Sphäruliten
(denen noch Marekanit und Perlstein, welche beide in knotigen
Concretionen in der Trachyt-Reihe vorkommen) in ihren constituirenden
Bestandtheilen von den allgemein die trachytischen Gesteine
zusammensetzenden Mineralien verschieden sind. Aus drei Analysen geht
hervor, dasz Obsidian im Mittel 76 Procent Kieselsäure enthält; eine
Analyse ergab, dasz die Sphäruliten 79,12% enthalten, und zwei Analysen,
dasz Marekanit 79,25, zwei andere Analysen, dasz der Perlstein 75,62%
Kieselsäure enthält[38]. Es bestehn nun die constituirenden Theile des
Trachyts, so weit dieselben unterschieden werden können, aus Feldspath,
welcher 65,21% Kieselsäure enthält, oder aus Albit mit 69,09, oder aus
Hornblende, die 55,27% enthält[39], und Eisenoxyd; so dasz die vorhin
geschilderten glasigen concretionären Substanzen sämmtlich einen höhern
Procentsatz an Kieselsäure enthalten, als ein solcher in den
gewöhnlichen feldspathigen oder trachytischen Gesteinen vorkommt.
D'AUBUISSON[40] hat gleichfalls das, im Verhältnis zur Thonerde grosze
proportionale Masz an Kieselsäure in sechs, in BRONGNIART'S Mineralogie
gegebenen Analysen von Obsidian und Perlstein hervorgehoben. Ich komme
daher zu dem Schlusse, dasz die vorhin geschilderten Concretionen durch
einen, jenem in wässrigen Niederschlägen stattfindenden streng analogen
Aggregationsprocesz gebildet worden sind, welcher hauptsächlich auf die
Kieselsäure, aber gleicherweise auch auf einige der anderen Elemente der
umgebenden Masse wirkt, und in dieser Weise die verschiedenen Varietäten
der Concretionen hervorbringt. Nach den allgemein bekannten Wirkungen
rapider Abkühlung[41], welche eine glasige Textur erzeugt, ist es
wahrscheinlich nothwendig, dasz in solchen Fällen wie auf Ascension die
ganze Masse mit einer gewissen Schnelligkeit abgekühlt ist; zieht man
aber das wiederholte und complicirte Alterniren von Knötchen und dünnen
Lagen einer glasigen Textur mit andern völlig steinigen oder
krystallinischen Lagen, die sämmtlich innerhalb eines Raumes von wenigen
Fuszen oder selbst Zollen liegen, in Betracht, so ist es kaum möglich,
dasz sie mit verschiedener Schnelligkeit abgekühlt sind und dadurch ihre
verschiedene Textur erlangt haben.
Die natürlichen Sphäruliten in diesen Gesteinen[42] sind denjenigen
auszerordentlich ähnlich, welche sich im Glas bilden, wenn es langsam
abgekühlt wird. An einigen schönen Exemplaren entglasten Glases im
Besitz des Mr. STOKES sind die Sphäruliten zu geraden Schichten mit
ebenen, einander parallelen Seiten, welche auch einer der äuszern
Flächen parallel sind, genau wie beim Obsidian, verbunden. Diese
Schichten verzweigen sich zuweilen unter einander und bilden Schlingen;
ich habe aber keinen Fall von wirklichem Durchschneiden gesehn. Sie
bilden den Übergang von den vollkommen glasigen Partien zu denjenigen,
welche nahezu homogen und steinig mit nur undeutlicher concretionärer
Structur sind. An einem und dem nämlichen Handstücke kommen auch
unbedeutend in der Färbung und in der Structur verschiedene Sphäruliten
dicht neben einander eingelagert vor. Zieht man diese Thatsachen in
Betracht, so dient es einigermaszen zur Bestätigung der oben angeführten
Ansicht von dem concretionären Ursprung der Obsidian- und der
natürlichen Sphäruliten, wenn wir finden, dasz DARTIGUES[43] in seinem
merkwürdigen Aufsatze über diesen Gegenstand die Entstehung der
Sphäruliten im Glase dem Umstande zuschreibt, dasz die verschiedenen
Ingredientien desselben ihren eigenen Attractionsgesetzen folgen und
zusammengehäuft werden. Zu der Annahme, dasz dies stattfindet, wird er
durch die Schwierigkeit geführt, sphärulitisches Glas wieder
umzuschmelzen, ohne das Ganze vorher wiederum durchaus gepulvert und
durcheinander gemengt zu haben; ferner auch durch die Thatsache, dasz
die Veränderung am leichtesten an Glas stattfindet, welches aus vielen
Bestandtheilen zusammengesetzt ist. Zur Bestätigung von DARTIGUES'S
Ansicht will ich noch bemerken, dasz FLEURIAU DE BELLEVUE[44] gefunden
hat, dasz die sphärulitischen Partien devitrificirten Glases sowohl von
Salpetersäure als von der Löthrohrflamme in einer verschiedenen Art und
Weise beeinfluszt wurden von der compacten Masse, in welcher sie
eingeschlossen waren.
~Vergleichung der Obsidian-Lager und der damit alternirenden Schichten
von Ascension mit denen in andern Ländern.~ -- Mir ist zu meiner groszen
Überraschung bedeutend aufgefallen, wie auszerordentlich die
ausgezeichnete Beschreibung der Obsidian-Gesteine von Ungarn, die
BEUDANT gegeben hat[45], und die von HUMBOLDT gegebene von derselben
Formation in Mexico und Peru[46], und gleicherweise die von
verschiedenen Autoren gegebenen Beschreibungen[47] der trachytischen
Gegenden auf den italienischen Inseln mit meinen Beobachtungen auf
Ascension übereinstimmen. Viele Stellen hätten sich ohne Abänderungen
aus den Werken der genannten Autoren übertragen lassen und würden auf
diese Insel gepaszt haben. Sie stimmen sämmtlich in der Schilderung des
blättrigen und geschichteten Characters der ganzen Reihe überein; und
HUMBOLDT sagt von einigen der Obsidian-Lager, dasz sie wie Jaspis
gebändert wären[48]. Sie stimmen sämmtlich in der Erwähnung des knotigen
oder concretionären Characters des Obsidians und des Übergangs dieser
Knötchen in Lager überein. Sie erwähnen auch sämmtlich das wiederholte,
häufig in wellenförmig gebogenen Ebenen angeordnete Abwechseln glasiger,
perliger, steiniger und krystallinischer Schichten; indessen scheinen
die krystallinischen Schichten auf Ascension viel vollkommener
entwickelt zu sein als in den obengenannten Ländern. HUMBOLDT vergleicht
einige der steinigen Schichten, wenn sie aus der Entfernung angesehn
werden, mit den Schichten eines glimmerigen Sandsteins. Sphäruliten
werden in allen Fällen als in ungeheurer Menge vorkommend beschrieben;
sie scheinen überall den Übergang von den vollkommener glasigen zu den
steinigen und krystallinischen Lagern zu bezeichnen. BEUDANT's
Schilderung[49] seines »perlite lithoide globulaire« hätte mit allen,
selbst den allerunbedeutendsten Einzelnheiten für die kleinen braunen
sphärulitischen Körnchen in den Gesteinen von Ascension
niedergeschrieben sein können.
Wegen der in vielen Beziehungen so groszen Ähnlichkeit zwischen den
Obsidian-Bildungen in Ungarn, Mexico, Peru und einigen der italienischen
Inseln und der von Ascension, kann ich kaum noch daran zweifeln, dasz in
allen diesen Fällen der Obsidian und die Sphäruliten ihre Entstehung
einem concretionären Zusammenballen der Kieselsäure und einiger der
andern constituirenden Elemente verdanken, welches eintrat, während die
verflüssigte Masse mit einer gewissen geforderten Schnelligkeit
abkühlte. Es ist indessen bekannt, dasz an einigen Orten Obsidian wie
Lava in Strömen geflossen ist, so z. B. auf Teneriffa, auf den
liparischen Inseln und auf Island[50]. In diesen Fällen sind die
oberflächlichst gelegenen Theile die am vollkommensten verglasten,
während in der Tiefe von einigen wenigen Fuszen der Obsidian in ein
opakes Gestein übergeht. In einer Analyse eines Exemplars von Obsidian
vom Hekla von VAUQUELIN, welches wahrscheinlich als Lava geflossen ist,
war das Verhältnis der Kieselsäure nahezu dasselbe wie in dem knotigen
und concretionären Obsidian von Mexico. Es wäre interessant zu
ermitteln, ob die opaken inneren Partien und der oberflächliche glasige
Überzug die nämlichen Mischungsverhältnisse der constituirenden Theile
zeigten: wir wissen durch DUFRÉNOY[51], dasz die äuszern und innern
Theile eines und des nämlichen Lavastroms zuweilen beträchtlich in ihrer
Zusammensetzung von einander verschieden sind. Selbst wenn sich ergeben
sollte, dasz der ganze Strom von Obsidian ähnlich zusammengesetzt wäre
wie der knotige Obsidian, so würde es, in Übereinstimmung mit den
vorstehenden Thatsachen doch nothwendig sein anzunehmen, dasz in diesen
Fällen Lava zum Ausbruch gelangt wäre, deren Bestandtheile in denselben
Verhältnissen gemischt waren, wie in dem concretionären Obsidian.
Blättrige Beschaffenheit vulcanischer Gesteine der Trachyt-Reihe.
Wir haben gesehn, dasz in verschiedenen und weit von einander entfernt
liegenden Ländern die mit Lagern von Obsidian abwechselnden Schichten in
hohem Grade blättrig sind. Auch die Obsidian-Knollen, sowohl grosze als
kleine, sind in verschiedenen Farbenschattirungen gebändert; in Mr.
STOKES' Sammlung habe ich ein Exemplar aus Mexico gesehn, dessen äuszere
Fläche unter Bildung von Leisten und Furchen verwittert war[52], welche
den Schichten verschiedener Verglasungsgrade entsprachen; überdies hat
auch HUMBOLDT[53] auf dem Pik von Teneriffa einen Obsidianstrom
gefunden, welcher durch sehr dünne, abwechselnde Schichten von Bimsstein
getheilt war. Viele andere Lava-Arten aus der Feldspathreihe sind
blättrig; so sind Massen von gewöhnlichem Trachyt auf Ascension durch
feine erdige Linien getheilt, denen entlang das Gestein sich spaltet und
dadurch dünne Schichten unbedeutend verschieden gefärbter Beschaffenheit
von einander trennt; auch ist die gröszere Zahl der eingeschlossenen
Krystalle glasigen Feldspaths längsweise in der nämlichen Richtung
angeordnet. P. SCROPE[54] hat einen merkwürdigen säulenförmigen Trachyt
von den Panza Inseln beschrieben, welcher in eine darüber liegende Masse
von trachytischem Conglomerat injicirt worden zu sein scheint: er ist
mit Bändern gestreift, welche, häufig äuszerst dünn, von verschiedener
Textur und Farbe sind; die härteren und dunkleren Bänder scheinen eine
gröszere Proportion von Kieselsäure zu enthalten. Auf einer andern
Stelle der Insel finden sich Schichten von Perlstein und Pechstein,
welche in vielen Beziehungen denen von Ascension ähnlich sind. Die
Bänder in dem säulenförmigen Trachyt sind meistens gewunden; sie
erstrecken sich über eine bedeutende Länge in senkrechter Richtung und
augenscheinlich den Wandungen der gangartigen Masse parallel. VON
BUCH[55] hat einen Strom von Lava auf Teneriffa beschrieben, welche
unzählige dünne, plattenartige Krystalle von Feldspath enthält, die wie
weisze Fäden einer hinter dem andern angeordnet sind und meist in
derselben Richtung liegen: auch DOLOMIEU[56] gibt an, dasz die grauen
Laven des neuen Kegels von Volcano, welche ein glasiges Gefüge haben,
mit parallelen weiszen Linien gestreift sind: er beschreibt ferner einen
soliden Bimsstein, welcher eine spaltige Structur besitzt, ähnlich der
gewisser glimmriger Schiefer. Auch Phonolith, welcher, wie ich bemerken
will, häufig, wenn nicht immer, ein injicirtes Gestein ist, besitzt
häufig eine spaltige Structur; dies ist meistens Folge der parallelen
Lage der eingeschlossenen Feldspath-Krystalle; zuweilen aber, so auf
Fernando Noronha, scheint es beinahe ganz unabhängig von deren
Anwesenheit zu sein[57]. Aus diesen Thatsachen sehen wir, dasz
verschiedene Gesteine der Feldspathreihe entweder eine blättrige oder
eine spaltige Structur besitzen, und dasz eine solche sowohl in Massen
vorkommt, welche in darüberliegende Schichten injicirt worden sind, als
auch in andern, welche als Lavaströme geflossen sind.
Die auf Ascension mit dem Obsidian abwechselnden Blätter der Schichten
fallen mit einem bedeutenden Winkel unter den Berg ein, an dessen Fusze
sie liegen; und sie erscheinen nicht so, als wären sie durch Gewalt in
ihre geneigte Stellung gebracht worden. Eine starke Neigung kommt diesen
Schichten gemeinsam in Mexico, Peru und auf einigen der italienischen
Inseln zu[58]; andererseits liegen in Ungarn die Schichten horizontal;
auch die Blätter einiger der oben erwähnten Lavaströme scheinen, so weit
ich die von denselben gegebenen Beschreibungen verstehen kann, stark
geneigt oder ganz senkrecht zu sein. Ich zweifle daran, ob in irgend
einem dieser Fälle die Blätter in ihre jetzige Stellung aufgestülpt
worden sind; und in manchen Fällen, so bei dem von Mr. SCROPE
beschriebenen Trachyt, ist es beinahe sicher, dasz sie sich ursprünglich
schon mit einer starken Neigung gebildet haben. Bei vielen von diesen
Fällen finden sich Beweise dafür, dasz die Masse des verflüssigten
Gesteins sich in der Richtung der Blätter bewegt hat. Auf Ascension
haben viele von den Luftblasen ein langausgezogenes Aussehn und werden
in der Richtung der Blätter von groben halbverglasten Fasern durchsetzt;
einige von den die sphärulitischen Körner trennenden Schichten haben ein
verschlacktes Ansehn, als wenn sie durch Rösten der Körner
hervorgebracht wären. Ich habe ein Exemplar von gebändertem Obsidian aus
Mexico in Mr. STOKES' Sammlung gesehn, an dem die Oberfläche der am
besten ausgeprägten Schichten mit parallelen Linien gestreift oder
gefurcht war; und diese Linien oder Streifen waren ganz genau denen
ähnlich, welche sich auf der Oberfläche einer Masse künstlichen
Glasflusses dadurch gebildet hatten, dasz er aus einem Gefäsz
ausgegossen worden war. Auch HUMBOLDT hat hinter Sphäruliten in
blättrigen Obsidian-Gesteinen aus Mexico kleine Höhlungen und Mr. SCROPE
andere Höhlungen hinter Bruchstücken, die in seinem blättrigen Trachyt
eingeschlossen waren, beschrieben, von denen er annimmt, dasz sie
während der Bewegung der Masse entstanden sind[59]. Nach solchen
Thatsachen haben die meisten Schriftsteller die Blätterung dieser
vulcanischen Gesteinsarten ihrer Bewegung im noch flüssigen Zustande
zugeschrieben. Obgleich es leicht einzusehn ist, warum jede einzelne
Luftblase oder jede Faser im Bimsstein[60] in der Richtung der sich
bewegenden Masse ausgezogen ist, so liegt es doch durchaus nicht auf den
ersten Blick klar vor, warum derartige Luftblasen und Fasern durch die
Bewegung in denselben Ebenen in absolut geraden und einander parallel
liegenden Blättern angeordnet werden, die auch häufig äuszerst dünn
sind; und noch weniger in die Augen fallend ist es, warum derartige
Schichten von unbedeutend verschiedener Zusammensetzung und von
verschiedener Textur sind.
In Bezug auf den Versuch, die Ursache der blättrigen Beschaffenheit
dieser plutonischen feldspathigen Gesteine aufzufinden, wollen wir zu
den so ausführlich beschriebenen Thatsachen auf Ascension zurückkehren.
Wir sehen dort, dasz einige der dünnsten Schichten hauptsächlich aus
zahlreichen, äuszerst minutiösen, wennschon vollkommenen Krystallen
verschiedener Mineralien gebildet werden, dasz andere Schichten durch
die Verbindung verschiedener Arten concretionärer Knollen gebildet
werden, und dasz die in dieser Weise gebildeten Schichten häufig nicht
von den gewöhnlichen Feldspath- und Pechstein-Schichten unterschieden
werden können, welche einen groszen Theil der ganzen Masse bilden. Die
faserige, strahlenförmige Structur der Sphäruliten scheint, nach vielen
analogen Fällen zu urtheilen, eine Verbindung der concretionären und
krystallinischen Kräfte anzudeuten; auch die einzelnen Krystalle von
Feldspath liegen sämmtlich in denselben parallelen Ebenen [61]. Diese
verwandten Kräfte haben daher bei der Hervorbringung der blättrigen
Beschaffenheit der Masse eine bedeutungsvolle Rolle gespielt, man kann
sie aber nicht als die primäre Kraft betrachten; denn die verschiedenen
Arten von Körnern, sowohl die kleinsten als die gröszten, sind innen in
äuszerst feinen Farbenschattirungen, welche der Blätterung des Ganzen
parallel ziehn, gebändert; und viele derselben sind auch äuszerlich in
derselben Richtung mit parallelen Leisten und Furchen gezeichnet, welche
nicht durch das Verwittern entstanden sind.
Einige von den feinsten Farbenstreifen in den steinigen, mit dem
Obsidian abwechselnden Schichten sind, wie man ganz deutlich sehen kann,
Folge einer beginnenden Krystallisation der sie zusammensetzenden
Mineralien. Die Ausdehnung, bis zu welcher die Mineralien krystallisirt
sind, steht, wie gleichfalls deutlich zu sehen ist, mit der
bedeutenderen oder geringeren Grösze und mit der Anzahl der minutiösen,
abgeplatteten, crenelirten Luftbläschen oder Spalten im Zusammenhang.
Zahlreiche Thatsachen, wie bei den Geoden und den Hohlräumen in
verkieseltem Holz, in primären Gesteinen und in Adern, zeigen, dasz die
Krystallisation durch die räumlichen Verhältnisse sehr begünstigt wird.
Ich komme daher zu dem Schlusse, dasz, wenn in einer Masse sich
abkühlenden vulcanischen Gesteins irgend eine Ursache eine Anzahl
minutiöser Spalten oder Zonen von geringerer Spannung erzeugt (welche
wegen der eingeschlossenen Dämpfe häufig zu zackigen Lufträumen
ausgedehnt werden), die Krystallisation der constituirenden
Bestandtheile und wahrscheinlich die Bildung von Concretionen in
derartigen Ebenen herbeigeführt oder bedeutend begünstigt werden wird;
und es wird in dieser Weise eine blättrige Structur der hier
besprochenen Art hervorgerufen werden.
Dasz irgend eine Ursache parallele Zonen von geringerer Spannung in
vulcanischen Gesteinen während deren Erstarrung wirklich erzeugt, müssen
wir für die Fälle annehmen, wo sich dünne abwechselnde Schichten bilden,
wie es bei Obsidian und Bimsstein HUMBOLDT beschrieben hat, und wo sich
kleine, abgeplattete, crenelirte Luftblasen in den blättrigen Gesteinen
von Ascension finden; denn unter keiner andern Voraussetzung können wir
einsehen, warum die eingeschlossenen Dämpfe durch ihre Ausdehnung
Luftblasen und Fasern in getrennten parallelen Ebenen anstatt
unregelmäszig durch die ganze Masse zerstreut bilden sollten. In Mr.
STOKES' Sammlung habe ich ein sehr schönes Beispiel dieser Structur an
einem Exemplar von Obsidian aus Mexico gesehn, welches wie der schönste
Achat mit zahlreichen, geraden parallelen, mehr oder weniger opaken und
weiszen oder vollkommen glasigen Schichten schattirt und gebändert ist:
der Grad der Opacität und Verglasung hängt von der Anzahl der
mikroskopisch kleinen, abgeplatteten Luftblasen ab; in diesem Falle
läszt sich kaum daran zweifeln, dasz die ganze Masse, zu der dieses
Fragment gehört hat, irgend einer, wahrscheinlicherweise fortgesetzten
Einwirkung unterlegen ist, welche eine unbedeutende Verschiedenheit der
Spannung in den aufeinander folgenden Ebenen verursachte.
Verschiedene Ursachen scheinen im Stande zu sein, Zonen verschiedener
Spannung in durch Hitze halbflüssig gewordenen Massen hervorzubringen.
In einem Stücke entglasten Glases habe ich Schichten von Sphäruliten
beobachtet, welche nach der Art und Weise, in welcher sie plötzlich
gebogen waren, durch die einfache Zusammenziehung der Masse in dem
Gefäsze, in welchem es abkühlte, hervorgebracht worden zu sein scheinen.
Bei gewissen Trappgängen am Aetna, welche ÉLIE DE BEAUMONT[62]
beschrieben hat und welche danach von abwechselnden Streifen schlackigen
und compacten Gesteins begrenzt sind, wird man auf die Vermuthung
geführt, dasz die Bewegung des Ausstreckens in den umgebenden Schichten,
welche ursprünglich die Spalten hervorgerufen hatte, noch fortdauerte,
so lange die injicirte Gesteinsmasse flüssig blieb. Durch Professor
FORBES'[63] klare Beschreibung der gebänderten Structur des
Gletscher-Eises geleitet, scheint indessen die bei weitem
wahrscheinlichste Erklärung der blättrigen Structur dieser feldspathigen
Gesteinsarten diejenige zu sein, dasz sie gestreckt worden sind, so
lange sie noch in einem teigigen Zustande langsam hinfloszen[64], in
genau derselben Art und Weise, wie Professor FORBES annimmt, dasz das
Eis sich bewegender Gletscher gestreckt und gespalten wird. In beiden
Fällen können die Bänder mit denen im schönsten Achate verglichen
werden; in beiden dehnen sie sich in der Richtung aus, in welcher die
Masse geflossen ist und die an der Oberfläche exponirten sind meistens
senkrecht; im Eise werden die porösen Lamellen durch das nachfolgende
Gefrieren des infiltrirten Wassers deutlich gemacht, in den steinigen
feldspathigen Laven durch später eintretende krystallinische und
concretionäre Einwirkung. Das Fragment von glasigem Obsidian in Mr.
STOKES' Sammlung, welches mit minutiösen Luftblasen gebändert ist, musz,
nach Professor FORBES' Beschreibung zu urtheilen, in auffallendem Grade
einem Stück gebänderten Eises ähnlich sein; und wenn die Schnelligkeit
seiner Abkühlung und die Beschaffenheit der Masse deren Krystallisation
oder concretionären Wirkung günstig gewesen wäre, so würden wir auch
hier die schönsten parallelen Bänder von verschiedener Zusammensetzung
und Textur finden. Bei Gletschern scheinen die Linien porösen Eises und
minutiöser Spalten Folgen eines beginnenden Streckens zu sein, welches
dadurch verursacht wird, dasz die central gelegenen Theile des gefrornen
Stromes sich schneller bewegen als die Seiten und der Grund, welche
durch Reibung aufgehalten werden: es werden daher bei Gletschern von
gewissen Formen und am untern Ende der meisten Gletscher die Bänder
horizontal. Dürfen wir anzunehmen wagen, dasz wir in den feldspathigen
Laven mit horizontalen Blättern einen analogen Fall vor uns haben? Alle
Geologen, welche trachytische Gegenden untersucht haben, sind zu dem
Schlusse gekommen, dasz die Laven dieser Reihe eine äuszerst
unvollkommene Flüssigkeit besessen haben; und da offenbar nur Substanz
von derartiger Beschaffenheit dem ausgesetzt sein wird, gespalten zu
werden und Bänder verschiedener Spannung in der hier angenommenen Art
und Weise zu bilden, so sehn wir wahrscheinlich hierin die Ursache,
warum augitische Laven, welche allem Anscheine nach meistens einen hohen
Grad von Leichtflüssigkeit besessen haben, nicht[65] wie die
feldspathigen Laven in Blätter verschiedener Zusammensetzung und Textur
gespalten sind. Überdies scheint in der Reihe der Augitgesteine niemals
irgend eine Neigung zu concretionärer Wirkung vorhanden zu sein, welche,
wie wir gesehen haben, bei dem Blättrigwerden der Gesteine der
Trachyt-Reihe oder mindestens beim Hervortretenlassen dieser
Bildungsweise eine so bedeutungsvolle Rolle spielt.
Was man nun auch immer von der hier vorgebrachten Erklärung der
blättrigen Structur der Gesteine der Trachyt-Reihe denken mag, so
erlaube ich mir nur, die Aufmerksamkeit der Geologen auf die einfache
Thatsache zu lenken, dasz in der Masse eines Gesteines auf Ascension von
unzweifelhaft vulcanischem Ursprung Schichten, oft von äuszerster Dünne
erzeugt worden sind, welche völlig gerade und einander parallel sind; --
einige sind aus deutlichen Krystallen von Quarz und Diopsid, mit
amorphen augitischen Flecken und körnigem Feldspath untermischt,
zusammengesetzt, -- andere bestehn ganz und gar aus derartigen schwarzen
augitischen Flecken mit Körnchen von Eisenoxyd --, und endlich noch
andere werden aus krystallinischem Feldspath in einem Zustande mehr oder
weniger vollkommener Reinheit, in Verbindung mit zahlreichen, längsweise
angeordneten Krystallen von Feldspath gebildet. Auf dieser Insel haben
wir Ursache anzunehmen und bei einigen analogen Fällen ist es als sicher
bekannt, dasz die Lamellen sich schon ursprünglich mit ihrer jetzigen
starken Neigung gebildet haben. Thatsachen von solcher Beschaffenheit
sind ganz offenbar in Bezug auf den Ursprung der Structur jener groszen
Reihe plutonischer Gesteine von Bedeutung, welche wie die vulcanischen
der Einwirkung der Wärme unterworfen gewesen sind und welche aus
abwechselnden Schichten von Quarz, Feldspath, Glimmer und anderen
Mineralien bestehn.
[14] Geographical Journal, Vol. V. p. 243.
[15] ~Lesson~ hat diese Thatsache beobachtet: Zoologie du Voyage de la
Coquille, p. 490. Mr. ~Hennah~ bemerkt ferner (Geolog. Proceedings,
1835. p. 189), dasz die ausgedehntesten Aschenschichten auf Ascension
ausnahmslos auf der Seite der Insel unter dem Winde vorkommen.
[16] ~Nichol~'s Architecture of the Heavens.
[17] Voyage aux Quatre îles d'Afrique, Tom. I. p. 222.
[18] Voyage en Hongrie, Tom. II. p. 214.
[19] Manche Stücke dieses Peperino oder Tuffs sind hinreichend hart, um
mit der gröszten Kraft von den Fingern nicht zerbrochen werden zu
können.
[20] Auf der nördlichen Seite des Grünen Bergs zieht sich ein dünnes,
ungefähr einen Zoll dickes Band von compactem Eisenoxyd in
beträchtlicher Ausdehnung hin; es hat eine concordante Lagerung im
untern Theile der geschichteten Masse von Asche und Bruchstücken. Diese
Substanz ist von röthlich brauner Farbe mit einem beinahe metallischen
Glanze; sie ist nicht magnetisch, wird es aber nach Erhitzung vor dem
Löthrohre, wo sie geschwärzt und zum Theil geschmolzen wird. Dieses Band
compacten Gesteins gibt dadurch, dasz es das wenige auf der Insel
fallende Regenwasser aufhält, einer kleinen tröpfelnden Quelle
Entstehung, welche zuerst von ~Dampier~ entdeckt wurde. Sie ist das
einzige Süszwasser auf der Insel, so dasz die Möglichkeit ihres
Bewohntseins gänzlich von dem Vorkommen dieser eisenhaltigen Schicht
abgehangen hat.
[21] Professor ~Miller~ ist so freundlich gewesen, dies Mineral zu
untersuchen. Er erhielt zwei gute Spaltflächen von 86° 30' und 86° 50'.
Das Mittel aus mehreren, welche ich erhielt, war 86° 30'. Prof. ~Miller~
gibt an, dasz diese Krystalle zu einem feinen Pulver zerstoszen in
Salzsäure löslich sind und etwas ungelöste Kieselsäure zurücklassen; der
Zusatz von oxalsaurem Ammoniak gibt einen copiösen Niederschlag von
Kalk. Er bemerkt ferner, dasz der Angabe ~von Kobell~'s zufolge Anorthit
(ein in den ausgeworfenen Massen von Monte Somma vorkommendes Mineral)
immer weisz und durchsichtig ist, so dasz, wenn dies der Fall ist, diese
Krystalle von Ascension für Labrador-Feldspath gehalten werden müssen.
Prof. ~Miller~ fügt hinzu, dasz er in ~Erdmann~'s Journal für technische
Chemie die Schilderung eines von einem Vulcane ausgeworfenen Minerals
gelesen habe, welches die äuszern Charactere des Labrador-Feldspaths
besasz, aber von der, von Mineralogen gegebenen Analyse dieses Minerals
abwich; der Verfasser schrieb diese Verschiedenheit einem Irrthum in der
Analyse des Labrador-Feldspaths zu, welche sehr alt ist.
[22] ~Daubeny~ bemerkt in seinem Buche über Vulcane (p. 386), dasz dies
der Fall ist; und ~Humboldt~ sagt (Personal Narrative, Vol. I, p. 236):
»Im Allgemeinen sind die Massen bekannter primitiver Gesteine, ich meine
diejenigen, welche vollkommen unsern Graniten, Gneisz und
Glimmerschiefer ähnlich sind, in Laven sehr selten: die Substanzen,
welche wir allgemein mit dem Namen Granit bezeichnen, welche vom Vesuv
ausgeworfen werden, sind Gemische von Nephelin, Glimmer und Pyroxen.«
[23] Dieser Raum wird nahezu von einer Linie umschlossen, welche um den
Grünen Berg herumgeht und die Berge mit einander verbindet, welche
Weather Port Signal, Holyhead heiszen und von denen der eine »der Crater
eines alten Vulcans« (im geologischen Sinne uneigentlich) genannt wird.
[24] Der Porphyr ist dunkel gefärbt; er enthält zahlreiche, häufig
zerbrochene Krystalle weiszen opaken Feldspaths, auch zerfallende
Krystalle von Eisenoxyd; seine Blasen schlieszen Massen von zarten
haarähnlichen Krystallen, augenscheinlich von Analcim ein.
[25] ~D'Aubuisson~, Traité de Geógnosie, Tom. II. p. 548.
[26] ~Daubeny~ (on Volcanos, p. 180) scheint zu der Annahme geführt
worden zu sein, dasz gewisse trachytische Formationen von Ischia und Puy
de Dôme, welche denen von Ascension in hohem Grade ähnlich sind,
sedimentären Ursprungs seien, und zwar hauptsächlich wegen der häufigen
Anwesenheit »von schlackenartigen Stücken in ihnen, die in der Farbe von
der Grundsubstanz abweichen.« ~Daubeny~ fügt andererseits hinzu, dasz
~Brocchi~ und andere bedeutende Geologen diese Schichten für erdige
Varietäten von Trachyt angesehen haben; er hält den Gegenstand für
weiterer Beachtung werth.
[27] ~Beudant~ (Voyage en Hongrie, Tom. III. p. 502, 504) beschreibt
nierenförmige Massen von Jaspis-Opal, welche entweder in das umgebende
trachytische Conglomerat übergehn oder wie Kreide-Feuersteine in ihm
eingeschlossen sind; er vergleicht sie mit den Stücken opalisirten
Holzes, welche in dieser Formation so häufig sind. ~Beudant~ scheint
indesz ihren Bildungsprocesz eher für einen Procesz einfacher
Infiltration als für eine moleculare Umwandlung angesehen zu haben; es
scheint mir aber das Vorhandensein von Concretionen, die von der
umgebenden Substanz gänzlich verschieden sind, wenn sie nicht in einer
vorher bestehenden Höhlung gebildet wurden, entweder eine moleculare
oder eine mechanische Umlagerung der Atome zu erfordern, welche den
später von ihnen eingenommenen Raum erfüllten. Der Jaspis-Opal von
Ungarn geht in Chalcedon über; es scheint daher in diesem Falle, wie bei
Ascension, der Jaspis seinem Ursprunge nach in inniger Beziehung zum
Chalcedon zu stehn.
[28] ~Beudant~ (Voyage Minér. Tom. III. p. 507) zählt Fälle des
Vorkommens auf aus Ungarn, Deutschland, dem mittleren Frankreich,
Italien, Griechenland und Mexiko.
[29] Die Eier der Schildkröte, welche von dem Weibchen begraben werden,
werden zuweilen in das solide Gestein eingeschlossen. ~Lyell~ hat
(Principles of Geology, Buch III, Cap. 17) eine Abbildung einiger Eier
gegeben, welche, schon die Knochen junger Schildkröten enthaltend, in
dieser Weise eingeschlossen gefunden wurden.
[30] Researches in theoretical Geology, p. 12.
[31] Der Selenit ist, wie ich bemerkt habe, den Gesteinen fremd und musz
aus dem Meerwasser herrühren. Es ist ein interessanter Umstand, in
dieser Weise zu finden, dasz die hinreichend schwefelsauren Kalk
enthaltenden Wellen des Oceans ihn auf die Felsen ablegen, gegen welche
sie in der Gezeit anschlagen. Dr. ~Webster~ hat (Voyage of the
Chanticleer, Vol. II. p. 319) Schichten von Gyps und Salz beschrieben,
welche bis zu zwei Fusz an Mächtigkeit durch Verdampfung des Flugwassers
auf den Felsen an der dem Winde zugekehrten Küste zurückbleiben.
Wundervolle Selenit-Stalactiten, welche in der Form denen von
kohlensaurem Kalk ähnlich sind, bilden sich in der Nähe dieser Küsten.
Auch amorphe Massen von Gyps kommen in Höhlen im Innern der Insel vor;
und auf Cross Hill (einem alten Crater) sah ich eine beträchtliche Menge
von Salz aus einem Schlackenhaufen vorquellen. In diesen letzten Fällen
scheinen das Salz und der Gyps vulcanische Producte zu sein.
[32] Nach der in meiner Reise (Übers. p. 14) beschriebenen Thatsache,
dasz ein von einem Bache abgesetzter Überzug von Eisenoxyd (wie ein sehr
ähnlicher Überzug an den groszen Cataracten des Orinocco und Nils) fein
polirt wird, wo die Brandung einwirkt, vermuthe ich, dasz auch in diesem
Falle die Brandung polirend wirkt.
[33] In dem der Beschreibung von St. Paul's Felsen gewidmeten Abschnitt
habe ich eine glänzende, perlige Substanz, welche die Felsen überzieht,
und eine verwandte stalactitenartige Incrustation von Ascension
beschrieben, deren Rinde dem Schmelz der Zähne ähnlich ist, aber hart
genug ist, Tafelglas zu ritzen. Diese beiden Substanzen enthalten
animale Substanz und scheinen von Wasser abgesetzt worden zu sein,
welches durch Vögelexcremente gesickert ist.
[34] Mr. ~Horner~ und Sir ~David Brewster~ haben (Philosoph.
Transactions, 1836, p. 65) eine eigenthümliche, »künstliche, Muscheln
ähnliche Substanz« beschrieben. Sie wird in feinen, durchsichtigen,
bedeutend polirten, braun gefärbten Blättern, welche eigenthümliche
optische Eigenschaften haben, auf der Innenseite eines Gefäszes
abgesetzt, in welchem zuerst mit Leim und dann mit Kalk präparirtes Zeug
rapid in Wasser in Umdrehung versetzt wird. Sie ist viel weicher,
durchscheinender und reicher an animaler Substanz als die natürliche
Incrustation von Ascension; wir sehn aber doch hier wiederum die starke
Neigung, welche kohlensaurer Kalk und animale Substanz darbieten, eine
feste, mit Schalensubstanz verwandte Substanz zu bilden.
[35] Dieser Ausdruck kann leicht miszverstanden werden, da er sowohl auf
Gesteine, welche in Blätter von genau derselben Zusammensetzung getheilt
sind, als auch auf fest aneinander geheftete Schichten ohne Neigung zur
Spaltbarkeit, aber aus verschiedenen Mineralien bestehend oder von
verschiedenen Farbenschattirungen, angewendet werden kann. Der Ausdruck
blättrig wird in diesem Capitel in dem letztern Sinne gebraucht; wo ein
homogenes Gestein wie in dem erstgenannten Sinne in einer gegebenen
Richtung spaltet, wie Thonschiefer, habe ich den Ausdruck spaltbar
gebraucht.
[36] Professor ~Miller~ theilt mir mit, dasz die von ihm gemessenen
Krystalle die Flächen _P_, _z_, _m_ der Figur 147 hatten, welche
~Haidinger~ in seiner Übersetzung von ~Mohs~ gibt; er fügt hinzu, es sei
merkwürdig, dasz keiner auch nur die unbedeutendste Spur der Fläche _r_
des regelmäszigen sechsseitigen Prismas hatte.
[37] Geological Transactions, Vol. III. P. I. p. 37.
[38] Die vorstehenden Analysen sind aus ~Beudant~, Traité de
Minéralogie, Tom. II. p. 113, und eine Analyse des Obsidians aus
~Philipps's~ Mineralogie entnommen.
[39] Diese Analysen sind aus ~Kobell's~ Grundzügen der Mineralogie,
1838, entnommen.
[40] Traité de Géognosie, Tom. II. p. 535.
[41] Dies ist bei der Fabrication des gewöhnlichen Glases und bei
~Gregory Watt's~ Experimenten an geschmolzenem Trapp zu beobachten;
ebenso auch an der natürlichen Oberfläche von Lavaströmen und an den
Seitenwänden von Trappgängen.
[42] Ich weisz nicht, ob es allgemein bekannt ist, dasz Körper, welche
genau dasselbe Aussehn wie Sphäruliten haben, zuweilen im Achat
vorkommen. ~Robert Brown~ zeigte mir an einem innerhalb einer Höhlung in
einem Stücke verkieselten Holzes gebildeten Achate einige kleine Flecke,
welche für das blosze Auge gerade eben sichtbar waren: als er diese
Flecke unter eine stark vergröszernde Lupe brachte, boten sie ein
wunderschönes Ansehn dar: sie waren vollkommen kreisrund und bestanden
aus den feinsten Fasern von brauner Färbung, welche mit groszer
Genauigkeit von einem gemeinsamen Mittelpunkte ausstrahlten. Diese
kleinen strahlenförmigen Sterne wurden gelegentlich von bandartigen
Farbenzonen im Achat durchschnitten oder es wurden Stücke von ihnen
völlig abgeschnitten. In dem Obsidian von Ascension liegen die beiden
Hälften eines Sphärulits häufig in verschiedenen Farbenzonen, sie werden
aber nicht von solchen abgeschnitten, wie im Achat.
[43] Journal de Physique, Tom. 59, (1804), p. 10, 12.
[44] Journal de Physique, Tom. 60, (1805), p. 418.
[45] Voyage en Hongrie, Tom. I. p. 330; Tom. II. p. 221 u. 315; Tom.
III. p. 369, 371, 377, 381.
[46] Essai géognostique, p. 176, 326, 328.
[47] ~P. Scrope~, in: Geological Transactions, 2. Ser., 2. Vol. p. 195.
Vergl. auch ~Dolomieu~, Voyage aux isles Lipari, und ~D'Aubuisson~,
Traité de Géognosie, Tom. II. p. 534.
[48] In Mr. ~Stokes'~ schöner Sammlung von Obsidianen aus Mexico bemerke
ich, dasz die Sphäruliten meistens viel gröszer sind als die von
Ascension; sie sind meistens weisz, opak und in deutliche Lagen
verbunden: es finden sich viele eigenthümliche, von allen auf Ascension
vorkommenden verschiedene Varietäten. Die Obsidiane sind schön
gebändert, in vollkommen geraden oder gekrümmten Linien, mit äuszerst
unbedeutenden Verschiedenheiten des Farbentons, der Zelligkeit und des
mehr oder minder vollkommenen Grades der Verglasung. Verfolgt man einige
der weniger vollkommen glasigen Zonen, so sieht man, dasz sie dicht mit
äuszerst kleinen weiszen Sphäruliten besetzt sind, welche immer
zahlreicher und zahlreicher werden, bis sie sich zuletzt vereinen und
eine deutliche Schicht bilden; andererseits verbinden sich auf Ascension
nur die braunen Sphäruliten zur Bildung von Lagen; die weiszen sind
immer unregelmäszig zerstreut. Einige Handstücke in der Sammlung der
Geologischen Gesellschaft, welche einer Obsidian-Formation in Mexico
angehören sollen, haben einen erdigen Bruch und werden durch Flecke
eines schwarzen Minerals in die feinsten parallelen Blätter getheilt,
ähnlich den Augit- oder Hornblende-Flecken in den Gesteinen von
Ascension.
[49] ~Beudant~'s Voyage, Tom. III. p. 373.
[50] Wegen Teneriffa s. ~von Buch~, Description des îles Canaries, p.
184 und 190; wegen der liparischen Inseln s. ~Dolomieu~. Voyage, p. 34;
wegen Island s. ~Mackenzie~'s Travels, p. 369.
[51] Mémoires pour servir à une déscription géologique de la France,
Tom. IV. p. 371.
[52] ~MacCulloch~ gibt an (Classification of Rocks, p. 531), dasz die
exponirten Flächen der Pechsteingänge in Arran »in wellenförmig
verlaufenden Linien gefurcht sind, welche gewissen Arten marmorirten
Papiers ähnlich sind, und welche offenbar das Resultat irgend einer
entsprechenden Verschiedenheit der blättrigen Structur sind.«
[53] Personal Narrative, Vol. I. p. 222.
[54] Geological Transactions, 2. Ser., Vol. II. p. 195.
[55] Description des îles Canaries, p. 184.
[56] Voyage aux îles de Lipari, p. 35 und 85.
[57] In diesem Falle, wie in dem des spaltigen Bimssteins ist die
Structur von der in den vorher erwähnten Fällen sehr verschieden, wo die
Blätter aus abwechselnden Schichten verschiedener Zusammensetzung oder
Textur bestehn. Bei einigen Sedimentärformationen indessen, welche allem
Anscheine nach homogen und spaltbar sind, wie bei glasigem Thonschiefer,
haben wir Grund zur Annahme, dasz, der Angabe ~D'Aubuisson~'s zufolge,
die Blätter wirklich die Folge äuszerst dünner abwechselnder
Glimmerschichten sind.
[58] ~Phillip~'s Mineralogy, in Bezug auf die italienischen Inseln, p.
136. Wegen Mexico und Peru s. ~Humboldt~, Essai géognostique. Auch Mr.
~Edwards~ beschreibt die starke Neigung der Obsidiangesteine des Cerro
del Navaja in Mexico, in: Proceed. Geolog. Soc. June, 1838.
[59] Geological Transactions, 2. Ser., Vol. II. p. 200 u. flgde. Diese
eingeschlossenen Bruchstücke bestehn in manchen Fällen aus abgebrochenem
blättrigem Trachyt, »welcher von den noch flüssig gebliebenen Theilen
eingehüllt wurde.« Auch ~Beudant~ erwähnt in seinem groszen Werke über
Ungarn (Tom. III p. 386) häufig trachytische Gesteine, welche
unregelmäszig mit Fragmenten derselben Varietäten gefleckt sind, die an
andern Stellen die parallelen Bänder bilden. In diesen Fällen müssen wir
annehmen, dasz, nachdem ein Theil der geschmolzenen Masse eine blättrige
Structur angenommen hat, ein frischer Ausbruch von Lava die Masse
zerbrach und Bruchstücke einschlosz, und dasz später das Ganze blättrig
wurde.
[60] ~Dolomieu's~ Voyage, p. 64.
[61] Es setzt allerdings die Bildung eines groszen Krystalls irgend
eines Minerals in einem Gestein von gemischter Zusammensetzung eine
Aggregation der erforderlichen Atome voraus, welche mit der
Concretionskraft verwandt ist. Die Ursache davon, dasz die
Feldspathkrystalle in diesen Gesteinen von Ascension sämmtlich
längsweise gestellt sind, ist wahrscheinlich die nämliche wie die,
welche alle die braunen sphärulitischen Körnchen (welche sich vor dem
Löthrohre wie Feldspath verhalten) in der nämlichen Richtung verlängert
und abgeplattet hat.
[62] Mémoires pour servir etc. T. IV. p. 131.
[63] Edinburgh New Philos. Journal, 1842, p. 350.
[64] Ich vermuthe, dasz dies nahezu dieselbe Erklärung ist, welche
~Scrope~ im Sinne gehabt hat, wenn er (Geolog. Transactions, 2. Ser.
Vol. II. p. 228) von der gebänderten Structur seiner trachytischen
Gesteine in der Weise spricht, dasz sie entstanden sei »in Folge einer
linearen Ausdehnung der Masse, so lange sie sich noch im Zustande
unvollkommener Flüssigkeit befunden habe, in Verbindung mit einem
concretionären Procesz.«
[65] Basaltische Laven und viele andere Gesteine sind nicht selten in
dicke Lamellen oder Platten von der nämlichen Zusammensetzung getheilt,
welche entweder gerade oder gekrümmt sind; dieselben werden durch
senkrechte Spaltungslinien durchsetzt und werden zuweilen zu Säulen
verbunden. Ihrem Ursprunge nach scheint diese Structur mit derjenigen
verwandt zu sein, bei welcher viele Gesteine, sowohl feurigen als
sedimentären Ursprungs, von parallelen Spaltensystemen durchsetzt sind.
Viertes Capitel.
St. Helena.
Laven der feldspathigen, basaltischen und submarinen Reihe. --
Durchschnitt des Flagstaff-Hill und des Barn. -- Turk's Cap und
Prosperous Bay. -- Basaltischer Ring. -- Centraler craterförmiger
Rücken, mit einer innern Leiste und einer Brustwehr. --
Phonolith-Kegel. -- Oberflächliche Schichten von kalkigem
Sandstein. -- Ausgestorbene Landschnecken. -- Schichten von
Detritus. -- Erhebung des Landes. -- Denudation. --
Erhebungscratere.
Die ganze Insel ist vulcanischen Ursprungs; ihr Umfang beträgt nach der
Angabe BEATSON's[66] ungefähr 28 Meilen. Der centrale und gröszte Theil
besteht aus Gesteinen einer feldspathigen Beschaffenheit, meistentheils
in einem ganz auszerordentlichen Grade zersetzt; sie bieten in diesem
Zustande eine eigenthümliche Sammlung von abwechselnden rothen,
purpurnen, braunen, gelben und weiszen, weichen, thonartigen Schichten
dar. Wegen der Kürze unsres Besuchs habe ich diese Schichten nicht mit
Sorgfalt untersucht; einige derselben, besonders diejenigen der weiszen,
gelben und braunen Schattirungen, bestanden ursprünglich als Lavaströme,
die gröszere Zahl derselben wurde aber wahrscheinlich in der Form von
Schlacken und Aschen ausgeworfen; andere Schichten von einer purpurnen
Färbung, porphyrartig mit krystallförmigen Flecken einer weiszen weichen
Substanz, welche jetzt fettig sind und wie Wachs beim Druck mit dem
Nagel einen polirten Strich darbieten, scheinen einmal als solide
Thonstein-Porphyre bestanden zu haben: die rothen, thonigen Schichten
haben meistens eine breccienartige Structur und sind ohne Zweifel durch
Zerfall von Schlacken gebildet worden. Indessen behalten mehrere
ausgedehnte, zu dieser Reihe gehörende Ströme ihren steinigen
Character: dieselben sind entweder von einer schwärzlich-grünen Farbe,
mit minutiösen nadelförmigen Krystallen von Feldspath, oder von einer
sehr blassen Färbung und beinahe ganz aus minutiösen, häufig
schuppenartigen Krystallen von Feldspath, auszerordentlich reich mit
mikroskopischen schwarzen Flecken bedeckt, zusammengesetzt; sie sind
meistens compact und in Blätter getheilt; indessen sind andere von
ähnlicher Zusammensetzung zellig und etwas zerfallen. Keines dieser
Gesteine enthält grosze Feldspath-Krystalle, oder hat den harten, dem
Trachyt eigenen Bruch. Diese feldspathigen Laven und Tuffe sind die
obersten oder die zuletzt ausgeworfenen; doch sind unzählige Gänge und
grosze Massen geschmolzenen Gesteins später in dieselben injicirt
worden. Sie convergiren, wie sie aufsteigen, nach dem centralen,
gebogenen Rücken zu, an welchem ein Punkt die Höhe von 2700 Fusz
erreicht. Dieser Rücken ist das höchste Land auf der Insel; er bildete
früher den nördlichen Rand eines groszen Craters, aus welchem die Laven
dieser Reihe floszen; wegen seines ruinösen Zustandes, wegen des
Umstandes, dasz die südliche Hälfte entfernt worden ist, und wegen der
gewaltsamen Verwerfung, welcher die ganze Insel ausgesetzt gewesen ist,
ist sein Bau sehr undeutlich geworden.
~Basaltische Reihe.~ -- Der Rand der Insel wird von einem
unregelmäszigen Kreise groszer, schwarzer, stratificirter Wälle von
Basalt gebildet, welcher nach der See hin einfällt und zu Klippen
ausgenagt worden ist, die häufig nahezu senkrecht sind und in ihrer Höhe
von einigen wenigen hundert Fusz bis zu zwei tausend schwanken. Dieser
Kreis oder vielmehr hufeisenförmige Ring ist nach Süden hin offen und
noch durch mehrere andere weite Zwischenräume durchbrochen. Sein Rand
oder Gipfel springt meistens wenig über das Niveau des anstoszenden
landeinwärts gelegenen Landes vor; und die neueren feldspathigen Laven,
welche von den im Mittelpunkte der Insel gelegenen Höhen herabsteigen,
stoszen meistens gegen seinen innern Rand an und überlagern ihn;
indessen scheinen sie an der nordwestlichen Seite der Insel (nach einem
Blick von der Entfernung aus zu urtheilen) über denselben weggeflossen
zu sein und Theile davon verdeckt zu haben. An einigen Stellen, da wo
der basaltische Ring durchbrochen ist und die schwarzen Wälle einzeln
stehn, sind die feldspathigen Laven zwischen ihnen hindurchgegangen und
stehn nun an der Meeresküste in hohen Uferklippen. Die basaltischen
Gesteine sind von schwarzer Farbe und dünn stratificirt; sie sind
meistens in hohem Grade blasig, gelegentlich aber compact; einige
derselben enthalten zahlreiche Krystalle glasigen Feldspaths und
Octaëder von titanhaltigem Eisen; andere sind auszerordentlich reich an
Krystallen von Augit und an Olivinkörnern. Die blasigen Zellräume sind
häufig mit äuszerst kleinen Krystallen (von Chabasit?) ausgekleidet und
werden selbst durch solche amygdaloid. Die einzelnen Ströme sind von
einander durch aschige Massen oder durch einen hellrothen,
zerreiblichen, salzführenden Tuff getrennt, welcher durch
übereinanderliegende Linien gezeichnet ist, wie sie bei Niederschlägen
aus Wasser vorkommen; zuweilen hat er einen undeutlich concretionären
Bau. Die Gesteine dieser basaltischen Reihe kommen sonst nirgends vor
auszer in der Nähe der Küste. In den meisten vulcanischen Districten
sind die trachytischen Laven von früherem Ursprung als die basaltischen;
hier sehn wir aber, dass ein sehr mächtiges, in seiner Zusammensetzung
der Familie der Trachyte sehr ähnliches Gestein in einer späteren Zeit
zur Eruption gelangt ist als die basaltischen Schichten; indessen weist
die grosze Zahl von Gängen, die auszerordentlich reich an groszen
Augitkrystallen sind, und mit welchem die feldspathigen Laven erfüllt
worden sind, vielleicht auf eine gewisse Neigung hin, zu der
gewöhnlicheren Ordnung der Übereinanderlagerung zurückzukehren.
~Basale submarine Laven.~ -- Die Laven dieser basalen Reihe liegen
unmittelbar sowohl unter den basaltischen als auch unter den
feldspathigen Gesteinen. Der Angabe Mr. SEALE's[67] zufolge sind sie in
gewissen Absätzen am Meeresstrande rings um die ganze Insel herum zu
sehen. An den Durchschnitten, welche ich untersucht habe, variirte ihre
Beschaffenheit bedeutend; einige der Schichten waren auszerordentlich
reich an Augitkrystallen; andere sind von einer braunen Farbe, entweder
lamellös oder in einem geschiebeartigen Zustande; und viele Stellen sind
durch kalkige Substanz in hohem Grade amygdaloid geworden. Die
aufeinander folgenden Schichten sind entweder dicht mit einander
verbunden oder durch Lager von schlackigem Gesteine oder von blättrigem
Tuff, der häufig gut abgerundete Bruchstücke enthält, von einander
getrennt. Die Zwischenräume dieser Lager sind mit Gyps und Salz erfüllt;
auch der Gyps kommt zuweilen in dünnen Schichten vor. Wegen der groszen
Menge dieser beiden Substanzen, wegen der Anwesenheit abgerundeter
Rollsteine in den Tuffen und wegen der auszerordentlich zahlreichen
Amygdaloide kann ich nicht daran zweifeln, dasz diese basalen
vulcanischen Schichten unter dem Meere geflossen sind. Diese Bemerkung
sollte vielleicht auch auf einen Theil der darüberliegenden basaltischen
Gesteine ausgedehnt werden; ich bin aber nicht im Stande gewesen, über
diesen Punkt gültige Aufklärung zu erhalten. Die Schichten der basalen
Reihe wurden, wo ich sie auch immer untersuchte, von einer
auszerordentlichen Zahl von Gängen durchschnitten.
[Illustration: Fig. 8. Die doppelten Linien stellen die basaltischen
Schichten, die einfachen die basalen submarinen Schichten dar, die
punktirten die oberen feldspathigen Schichten, die Gänge sind quer
schraffirt.]
~Flagstaff Hill und der Barn.~ -- Ich will nun einige der
bemerkenswerthesten Durchschnitte beschreiben und will mit jenen beiden
Bergen anfangen, welche den hauptsächlichsten Zug in der äuszern
Erscheinung an der nordöstlichen Seite der Insel bilden. Der viereckige,
winklige Umrisz und die schwarze Färbung des Barn weist sofort darauf
hin, dasz er zu der basaltischen Reihe gehört, während die glatte,
conische Form und die verschiedenartigen hellen Färbungen des Flagstaff
Hill es in gleicher Weise deutlich erkennen lassen, dasz er aus den
erweichten feldspathigen Gesteinsarten zusammengesetzt ist. Diese beiden
hohen Berge stehn (wie es in dem beistehenden Holzschnitt, Fig. 8,
dargestellt ist) durch einen schmalen Rücken mit einander in Verbindung,
welcher aus den geschiebeartigen Laven der basalen Reihe gebildet wird.
Die Schichten dieses Rückens fallen nach Westen ein, die Neigung wird
dabei nach dem Flagstaff Hill hin allmählich geringer; auch kann man,
wenn schon mit einiger Schwierigkeit, sehn, dasz die oberen
feldspathigen Schichten dieses Berges in concordanter Weise nach
West-südwest einfallen. Dicht am Barn liegen die Schichten des Rückens
beinahe senkrecht, sind aber durch unzählige Gänge sehr undeutlich
gemacht; unter diesem Berge ändern sie wahrscheinlich ihre Lage aus der
senkrechten in eine entgegengesetzte Neigung; denn die oberen oder
basaltischen Schichten, welche ungefähr 800 oder 1000 Fusz mächtig sind,
sind unter einem Winkel von zwischen 30 und 40 Graden nach Nordosten
geneigt.
Dieser Rücken, und ebenso auch der Barn und der Flagstaff Hill, ist von
Gängen durchschnitten, von denen viele einen merkwürdigen Parallelismus
in einer nord-nordwestlichen und süd-südöstlichen Richtung bewahren. Die
Gänge bestehn hauptsächlich aus einer Gesteinsart, welche porphyrartig
mit groszen Augitkrystallen ist; andere werden von einem feinkörnigen
und braungefärbten Trapp gebildet. Die meisten dieser Gänge sind mit
einer glänzenden Schicht[68] überzogen von einem bis zwei Zehntel Zoll
Dicke, welche, ungleich dem echten Pechstein, zu einem schwarzen Email
schmilzt; diese Schicht ist offenbar dem glänzenden oberflächlichen
Überzug vieler Lavaströme analog. Die Gänge können häufig sowohl in
senkrechter als wagerechter Richtung auf grosze Strecken hin verfolgt
werden und scheinen eine nahezu gleichförmige Mächtigkeit zu
behalten[69]. Mr. SEALE gibt an, dasz ein Gang in der Nähe des Barn in
einer Höhe von 1260 Fusz nur um 4 Zoll in der Breite abnimmt, -- nämlich
von 9 Fusz am Grunde bis zu 8 Fusz 8 Zoll am Gipfel. Auf dem
Verbindungsrücken scheinen die Gänge in ihrem Laufe in einem
beträchtlichen Grade von den abwechselnden harten und weichen Schichten
geleitet worden zu sein: sie sind häufig innig mit den harten Schichten
verbunden und bewahren ihren Parallelismus auf solch bedeutenden
Strecken, dasz es in sehr vielen Fällen unmöglich war, zu vermuthen,
welche von den Schichten derartige Ausfüllungsgänge und welche Schichten
Lavaströme waren. Obschon die Gänge auf diesem Rücken so zahlreich s
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