Eine Schwierigkeit der Psychoanalyse
by Sigmund Freud · German · Gutenberg #29097 · 37,967 chars · public domain (US)
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Title: Eine Schwierigkeit der Psychoanalyse
Author: Sigmund Freud
Release date: June 11, 2009 [eBook #29097]
Most recently updated: January 5, 2021
Language: German
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*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK EINE SCHWIERIGKEIT DER PSYCHOANALYSE ***
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[ Anmerkungen zur Transkription:
Der Text stammt aus: Imago. Zeitschrift für Anwendung der
Psychoanalyse auf die Geisteswissenschaften V (1917). S. 1-7.
Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen.
Im Original gesperrt gedruckter Text wurde mit _ markiert.
]
Eine Schwierigkeit der Psychoanalyse[1].
Von SIGM. FREUD (Wien).
[1] Zuerst in ungarischer Sprache abgedruckt in der Zeitschrift
»_Nyugat_«, herausgegeben von H. _Ignotus_, Budapest 1917.
Ich will gleich zum Eingang sagen, daß ich nicht eine intellektuelle
Schwierigkeit meine, etwas, was die Psychoanalyse für das Verständnis
des Empfängers (Hörers oder Lesers) unzugänglich macht, sondern eine
affektive Schwierigkeit: etwas, wodurch sich die Psychoanalyse die
Gefühle des Empfängers entfremdet, so daß er weniger geneigt wird, ihr
Interesse oder Glauben zu schenken. Wie man merkt, kommen beiderlei
Schwierigkeiten auf dasselbe hinaus. Wer für eine Sache nicht genug
Sympathie aufbringen kann, wird sie auch nicht so leicht verstehen.
Aus Rücksicht auf den Leser, den ich mir noch als völlig unbeteiligt
vorstelle, muß ich etwas weiter ausholen: In der Psychoanalyse hat sich
aus einer großen Zahl von Einzelbeobachtungen und Eindrücken endlich
etwas wie eine Theorie gestaltet, die unter dem Namen der Libidotheorie
bekannt ist. Die Psychoanalyse beschäftigt sich bekanntlich mit der
Aufklärung und der Beseitigung der sogenannten nervösen Störungen. Für
dieses Problem mußte ein Angriffspunkt gefunden werden, und man
entschloß sich, ihn im Triebleben der Seele zu suchen. Annahmen über das
menschliche Triebleben wurden also die Grundlage unserer Auffassung der
Nervosität.
Die Psychologie, die auf unseren Schulen gelehrt wird, gibt uns nur sehr
wenig befriedigende Antworten, wenn wir sie nach den Problemen des
Seelenlebens befragen. Auf keinem Gebiet sind aber ihre Auskünfte
kümmerlicher als auf dem der Triebe.
Es bleibt uns überlassen, wie wir uns hier eine erste Orientierung
schaffen wollen. Die populäre Auffassung trennt Hunger und Liebe als
Vertreter der Triebe, welche das Einzelwesen zu erhalten, und jener,
die es fortzupflanzen streben. Indem wir uns dieser so nahe liegenden
Sonderung anschließen, unterscheiden wir auch in der Psychoanalyse die
Selbsterhaltungs- oder Ich-Triebe von den Sexualtrieben und nennen die
Kraft, mit welcher der Sexualtrieb im Seelenleben auftritt, _Libido_ --
sexuelles Verlangen -- als etwas dem Hunger, dem Machtwillen u. dgl. bei
den Ich-Trieben analoges.
Auf dem Boden dieser Annahme machen wir dann die erste bedeutungsvolle
Entdeckung. Wir erfahren, daß für das Verständnis der neurotischen
Erkrankungen den Sexualtrieben die weitaus größere Bedeutung zukommt,
daß die Neurosen sozusagen die spezifischen Erkrankungen der
Sexualfunktion sind. Daß es von der Quantität der Libido und von der
Möglichkeit, sie zu befriedigen und durch Befriedigung abzuführen,
abhängt, ob ein Mensch überhaupt an einer Neurose erkrankt. Daß die Form
der Erkrankung bestimmt wird durch die Art, wie der einzelne den
Entwicklungsweg der Sexualfunktion zurückgelegt hat, oder, wie wir
sagen, durch die Fixierungen, welche seine Libido im Laufe ihrer
Entwicklung erfahren hat. Und daß wir in einer gewissen, nicht sehr
einfachen Technik der psychischen Beeinflussung ein Mittel haben, manche
Gruppen der Neurosen gleichzeitig aufzuklären und rückgängig zu machen.
Den besten Erfolg hat unsere therapeutische Bemühung bei einer gewissen
Klasse von Neurosen, die aus dem Konflikt zwischen den Ich-Trieben und
den Sexualtrieben hervorgehen. Beim Menschen kommt es nämlich vor, daß
die Anforderungen der Sexualtriebe, die ja weit über das Einzelwesen
hinausgreifen, dem Ich als Gefahr erscheinen, die seine Selbsterhaltung
oder seine Selbstachtung bedrohen. Dann setzt sich das Ich zur Wehre,
versagt den Sexualtrieben die gewünschte Befriedigung, nötigt sie zu
jenen Umwegen einer Ersatzbefriedigung, die sich als nervöse Symptome
kundgeben.
Die psychoanalytische Therapie bringt es dann zustande, den
Verdrängungsprozeß einer Revision zu unterziehen und den Konflikt zu
einem besseren, mit der Gesundheit verträglichen Ausgang zu leiten.
Unverständige Gegnerschaft wirft uns dann unsere Schätzung der
Sexualtriebe als einseitig vor: Der Mensch habe noch andere Interessen
als die sexuellen. Das haben wir keinen Augenblick lang vergessen oder
verleugnet. Unsere Einseitigkeit ist wie die des Chemikers, der alle
Konstitutionen auf die Kraft der chemischen Attraktion zurückführt. Er
leugnet darum die Schwerkraft nicht, er überläßt ihre Würdigung dem
Physiker.
Während der therapeutischen Arbeit müssen wir uns um die Verteilung der
Libido bei dem Kranken bekümmern; wir forschen nach, an welche
Objektvorstellungen seine Libido gebunden ist, und machen sie frei, um
sie dem Ich zur Verfügung zu stellen. Dabei sind wir dazu gekommen, uns
ein sehr merkwürdiges Bild von der anfänglichen, der Urverteilung der
Libido beim Menschen zu machen. Wir mußten annehmen, daß zu Beginn der
individuellen Entwicklung alle Libido (alles erotische Streben, alle
Liebesfähigkeit) an die eigene Person geknüpft ist, wie wir sagen, das
eigene Ich besetzt. Erst später geschieht es in Anlehnung an die
Befriedigung der großen Lebensbedürfnisse, daß die Libido vom Ich auf
die äußeren Objekte überfließt, wodurch wir erst in die Lage kommen, die
libidinösen Triebe als solche zu erkennen und von den Ich-Trieben zu
unterscheiden. Von diesen Objekten kann die Libido wieder abgelöst und
ins Ich zurückgezogen werden.
Den Zustand, in dem das Ich die Libido bei sich behält, heißen wir
_Narzißmus_, in Erinnerung der griechischen Sage vom Jüngling
_Narzissus_, der in sein eigenes Spiegelbild verliebt blieb.
Wir schreiben also dem Individuum einen Fortschritt zu vom Narzißmus zur
Objektliebe. Aber wir glauben nicht, daß jemals die gesamte Libido des
Ichs auf die Objekte übergeht. Ein gewisser Betrag von Libido verbleibt
immer beim Ich, ein gewisses Maß von Narzißmus bleibt trotz
hochentwickelter Objektliebe fortbestehen. Das Ich ist ein großes
Reservoir, aus dem die für die Objekte bestimmte Libido ausströmt, und
dem sie von den Objekten her wieder zufließt. Die Objektlibido war
zuerst Ich-Libido und kann sich wieder in Ich-Libido umsetzen. Es ist
für die volle Gesundheit der Person wesentlich, daß ihre Libido die
volle Beweglichkeit nicht verliere. Zur Versinnlichung dieses
Verhältnisses denken wir an ein Protoplasmatierchen, dessen zähflüssige
Substanz Pseudopodien (Scheinfüßchen) aussendet, Fortsetzungen, in
welche sich die Leibessubstanz hineinerstreckt, die aber jederzeit
wieder eingezogen werden können, so daß die Form des Protoplasmaklümpchens
wieder hergestellt wird.
Was ich durch diese Andeutungen zu beschreiben versucht habe, ist die
_Libidotheorie_ der Neurosen, auf welche alle unsere Auffassungen vom
Wesen dieser krankhaften Zustände und unser therapeutisches Vorgehen
gegen dieselben begründet sind. Es ist selbstverständlich, daß wir die
Voraussetzungen der Libidotheorie auch für das normale Verhalten geltend
machen. Wir sprechen vom Narzißmus des kleinen Kindes und wir schreiben
es dem überstarken Narzißmus des primitiven Menschen zu, daß er an die
Allmacht seiner Gedanken glaubt und darum den Ablauf der Begebenheiten
in der äußeren Welt durch die Technik der Magie beeinflussen will.
Nach dieser Einleitung möchte ich ausführen, daß der allgemeine
Narzißmus, die Eigenliebe der Menschheit, bis jetzt drei schwere
Kränkungen von seiten der wissenschaftlichen Forschung erfahren hat.
a) Der Mensch glaubte zuerst in den Anfängen seiner Forschung, daß sich
sein Wohnsitz, die Erde, ruhend im Mittelpunkt des Weltalls befinde,
während Sonne, Mond und Planeten sich in kreisförmigen Bahnen um die
Erde bewegen. Er folgte dabei in naiver Weise dem Eindruck seiner
Sinneswahrnehmungen, denn eine Bewegung der Erde verspürt er nicht, und
wo immer er frei um sich blicken kann, findet er sich im Mittelpunkt
eines Kreises, der die äußere Welt umschließt. Die zentrale Stellung
der Erde war ihm aber eine Gewähr für ihre herrschende Rolle im Weltall
und schien in guter Übereinstimmung mit seiner Neigung, sich als den
Herrn dieser Welt zu fühlen.
Die Zerstörung dieser narzißtischen Illusion knüpft sich für uns an den
Namen und das Werk des Nik. _Kopernikus_ im sechzehnten Jahrhundert.
Lange vor ihm hatten die Pythagoräer an der bevorzugten Stellung der
Erde gezweifelt, und _Aristarch_ von Samos hatte im dritten
vorchristlichen Jahrhundert ausgesprochen, daß die Erde viel kleiner sei
als die Sonne und sich um diesen Himmelskörper bewege. Auch die große
Entdeckung des _Kopernikus_ war also schon vor ihm gemacht worden. Als
sie aber allgemeine Anerkennung fand, hatte die menschliche Eigenliebe
ihre erste, die _kosmologische_, Kränkung erfahren.
b) Der Mensch warf sich im Laufe seiner Kulturentwicklung zum Herren
über seine tierischen Mitgeschöpfe auf. Aber mit dieser Vorherrschaft
nicht zufrieden, begann er eine Kluft zwischen ihrem und seinem Wesen zu
legen. Er sprach ihnen die Vernunft ab und legte sich eine unsterbliche
Seele bei, berief sich auf eine hohe göttliche Abkunft, die das Band der
Gemeinschaft mit der Tierwelt zu zerreißen gestattete. Es ist
merkwürdig, daß diese Überhebung dem kleinen Kinde wie dem primitiven
und dem Urmenschen noch ferne liegt. Sie ist das Ergebnis einer späteren
anspruchsvollen Entwicklung. Der Primitive fand es auf der Stufe des
Totemismus nicht anstößig, seinen Stamm auf einen tierischen Ahnherrn
zurückzuleiten. Der Mythus, welcher den Niederschlag jener alten
Denkungsart enthält, läßt die Götter Tiergestalt annehmen, und die Kunst
der ersten Zeiten bildet die Götter mit Tierköpfen. Das Kind empfindet
keinen Unterschied zwischen dem eigenen Wesen und dem des Tieres; es
läßt die Tiere ohne Verwunderung im Märchen denken und sprechen; es
verschiebt einen Angsteffekt, der dem menschlichen Vater gilt, auf den
Hund oder auf das Pferd, ohne damit eine Herabsetzung des Vaters zu
beabsichtigen. Erst wenn es erwachsen ist, wird es sich dem Tiere soweit
entfremdet haben, daß es den Menschen mit dem Namen des Tieres
beschimpfen kann.
Wir wissen es alle, daß die Forschung Ch. _Darwins_, seiner Mitarbeiter
und Vorgänger, vor wenig mehr als einem halben Jahrhundert dieser
Überhebung des Menschen ein Ende bereitet hat. Der Mensch ist nichts
anderes und nichts besseres als die Tiere, er ist selbst aus der
Tierreihe hervorgegangen, einigen Arten näher, anderen ferner verwandt.
Seine späteren Erwerbungen vermochten es nicht, die Zeugnisse der
Gleichwertigkeit zu verwischen, die in seinem Körperbau wie in seinen
seelischen Anlagen gegeben sind. Dies ist aber die zweite, die
_biologische_ Kränkung des menschlichen Narzißmus.
c) Am empfindlichsten trifft wohl die dritte Kränkung, die
psychologischer Natur ist.
Der Mensch, ob auch draußen erniedrigt, fühlt sich souverän in seiner
eigenen Seele. Irgendwo im Kern seines Ichs hat er sich ein
Aufsichtsorgan geschaffen, welches seine eigenen Regungen und Handlungen
überwacht, ob sie mit seinen Anforderungen zusammenstimmen. Tun sie das
nicht, so werden sie unerbittlich gehemmt und zurückgezogen. Seine
innere Wahrnehmung, das Bewußtsein, gibt dem Ich Kunde von allen
bedeutungsvollen Vorgängen im seelischen Getriebe, und der durch diese
Nachrichten gelenkte Wille führt aus, was das Ich anordnet, ändert ab,
was sich selbständig vollziehen möchte. Denn diese Seele ist nichts
einfaches, vielmehr eine Hierarchie von über- und untergeordneten
Instanzen, ein Gewirre von Impulsen, die unabhängig voneinander zur
Ausführung drängen, entsprechend der Vielheit von Trieben und von
Beziehungen zur Außenwelt, viele davon einander gegensätzlich und
miteinander unverträglich. Es ist für die Funktion erforderlich, daß die
oberste Instanz von allem Kenntnis erhalte, was sich vorbereitet, und
daß ihr Wille überallhin dringen könne, um seinen Einfluß zu üben. Aber
das Ich fühlt sich sicher sowohl der Vollständigkeit und Verläßlichkeit
der Nachrichten als auch der Wegsamkeit für seine Befehle.
In gewissen Krankheiten, allerdings gerade bei den von uns studierten
Neurosen, ist es anders. Das Ich fühlt sich unbehaglich, es stößt auf
Grenzen seiner Macht in seinem eigenen Haus, der Seele. Es tauchen
plötzlich Gedanken auf, von denen man nicht weiß, woher sie kommen; man
kann auch nichts dazu tun, sie zu vertreiben. Diese fremden Gäste
scheinen selbst mächtiger zu sein als die dem Ich unterworfenen; sie
widerstehen allen sonst so erprobten Machtmitteln des Willens, bleiben
unbeirrt durch die logische Widerlegung, unangetastet durch die
Gegenaussage der Realität. Oder es kommen Impulse, die wie die eines
Fremden sind, so daß das Ich sie verleugnet, aber es muß sich doch vor
ihnen fürchten und Vorsichten gegen sie treffen. Das Ich sagt sich, das
ist eine Krankheit, eine fremde Invasion, es verschärft seine
Wachsamkeit, aber es kann nicht verstehen, warum es sich in so seltsamer
Weise gelähmt fühlt.
Die Psychiatrie bestreitet zwar für solche Vorfälle, daß sich böse,
fremde Geister ins Seelenleben eingedrängt haben, aber sonst sagt sie
nur achselzuckend: Degeneration, hereditäre Disposition,
konstitutionelle Minderwertigkeit! Die Psychoanalyse unternimmt es,
diese unheimlichen Krankheitsfälle aufzuklären, sie stellt sorgfältige
und langwierige Untersuchungen an, schafft sich Hilfsbegriffe und
wissenschaftliche Konstruktionen und kann dem Ich endlich sagen: »Es ist
nichts Fremdes in dich gefahren; ein Teil von deinem eigenen Seelenleben
hat sich deiner Kenntnis und der Herrschaft deines Willens entzogen.
Darum bist du auch so schwach in der Abwehr; du kämpfst mit einem Teil
deiner Kraft gegen den anderen Teil, kannst nicht wie gegen einen
äußeren Feind deine ganze Kraft zusammennehmen. Und es ist nicht einmal
der schlechteste oder unwichtigste Anteil deiner seelischen Kräfte, der
so in Gegensatz zu dir getreten und unabhängig von dir geworden ist. Die
Schuld, muß ich sagen, liegt an dir selbst. Du hast deine Kraft
überschätzt, wenn du geglaubt hast, du könntest mit deinen Sexualtrieben
anstellen, was du willst, und brauchtest auf ihre Absichten nicht die
mindeste Rücksicht zu nehmen. Da haben sie sich denn empört und sind
ihre eigenen dunklen Wege gegangen, um sich der Unterdrückung zu
entziehen, haben sich ihr Recht geschaffen auf eine Weise, die dir nicht
mehr recht sein kann. Wie sie das zustande gebracht haben, und welche
Wege sie gewandelt sind, das hast du nicht erfahren; nur das Ergebnis
dieser Arbeit, das Symptom, das du als Leiden empfindest, ist zu deiner
Kenntnis gekommen. Du erkennst es dann nicht als Abkömmling deiner
eigenen verstoßenen Triebe und weißt nicht, daß es deren
Ersatzbefriedigung ist.«
»Der ganze Vorgang wird aber nur durch den einen Umstand möglich, daß du
dich auch in einem anderen wichtigen Punkte im Irrtum befindest. Du
vertraust darauf, daß du alles erfährst, was in deiner Seele vorgeht,
wenn es nur wichtig genug ist, weil dein Bewußtsein es dir dann meldet.
Und wenn du von etwas in deiner Seele keine Nachricht bekommen hast,
nimmst du zuversichtlich an, es sei nicht in ihr enthalten. Ja, du gehst
so weit, daß du »seelisch« für identisch hältst mit »bewußt«, d. h. dir
bekannt, trotz der augenscheinlichsten Beweise, daß in deinem
Seelenleben beständig viel mehr vor sich gehen muß, als deinem
Bewußtsein bekannt werden kann. Laß dich doch in diesem einen Punkt
belehren! Das Seelische in dir fällt nicht mit dem dir Bewußten
zusammen; es ist etwas anderes, ob etwas in deiner Seele vorgeht und ob
du es auch erfährst. Für gewöhnlich, ich will es zugeben, reicht der
Nachrichtendienst an dein Bewußtsein für deine Bedürfnisse aus. Du
darfst dich in der Illusion wiegen, daß du alles wichtigere erfährst.
Aber in manchen Fällen, z. B. in dem eines solchen Triebkonfliktes,
versagt er und dein Wille reicht dann nicht weiter als dein Wissen. In
allen Fällen aber sind diese Nachrichten deines Bewußtseins
unvollständig und häufig unzuverlässig; auch trifft es sich oft genug,
daß du von den Geschehnissen erst Kunde bekommst, wenn sie bereits
vollzogen sind und du nichts mehr an ihnen ändern kannst. Wer kann,
selbst wenn du nicht krank bist, ermessen, was sich alles in deiner
Seele regt, wovon du nichts erfährst, oder worüber du falsch berichtet
wirst. Du benimmst dich wie ein absoluter Herrscher, der es sich an den
Informationen seiner obersten Hofämter genügen läßt und nicht zum Volk
herabsteigt, um dessen Stimme zu hören. Geh in dich, in deine Tiefen und
lerne dich erst kennen, dann wirst du verstehen, warum du krank werden
mußt, und vielleicht vermeiden, krank zu werden.«
So wollte die Psychoanalyse das Ich belehren. Aber die beiden
Aufklärungen, daß das Triebleben der Sexualität in uns nicht voll zu
bändigen ist, und daß die seelischen Vorgänge an sich unbewußt sind und
nur durch eine unvollständige und unzuverlässige Wahrnehmung dem Ich
zugänglich und ihm unterworfen werden, kommen der Behauptung gleich, daß
_das Ich nicht Herr sei in seinem eigenen Haus_. Sie stellen miteinander
die dritte Kränkung der Eigenliebe dar, die ich die _psychologische_
nennen möchte. Kein Wunder daher, daß das Ich der Psychoanalyse nicht
seine Gunst zuwendet und ihr hartnäckig den Glauben verweigert.
Die wenigsten Menschen dürften sich klar gemacht haben, einen wie
folgenschweren Schritt die Annahme unbewußter seelischer Vorgänge für
Wissenschaft und Leben bedeuten würde. Beeilen wir uns aber
hinzuzufügen, daß nicht die Psychoanalyse diesen Schritt zuerst gemacht
hat. Es sind namhafte Philosophen als Vorgänger anzuführen, vor allen
der große Denker _Schopenhauer_, dessen unbewußter »Wille« den
seelischen Trieben der Psychoanalyse gleichzusetzen ist. Derselbe Denker
übrigens, der in Worten von unvergeßlichem Nachdruck die Menschen an die
immer noch unterschätzte Bedeutung ihres Sexualstrebens gemahnt hat. Die
Psychoanalyse hat nur das eine voraus, daß sie die beiden dem Narzißmus
so peinlichen Sätze von der psychischen Bedeutung der Sexualität und von
der Unbewußtheit des Seelenlebens nicht abstrakt behauptet, sondern an
einem Material erweist, welches jeden einzelnen persönlich angeht und
seine Stellungnahme zu diesen Problemen erzwingt. Aber gerade darum
lenkt sie die Abneigung und die Widerstände auf sich, welche den großen
Namen des Philosophen noch scheu vermeiden.
*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK EINE SCHWIERIGKEIT DER PSYCHOANALYSE ***
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Project Gutenberg is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of
computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
from people in all walks of life.
Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg’s
goals and ensuring that the Project Gutenberg collection will
remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg and future
generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
Sections 3 and 4 and the Foundation information page at www.gutenberg.org.
Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non-profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service. The Foundation’s EIN or federal tax identification
number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
U.S. federal laws and your state’s laws.
The Foundation’s business office is located at 41 Watchung Plaza #516,
Montclair NJ 07042, USA, +1 (862) 621-9288. Email contact links and up
to date contact information can be found at the Foundation’s website
and official page at www.gutenberg.org/contact
Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation
Project Gutenberg™ depends upon and cannot survive without widespread
public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine-readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment. Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.
The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements. We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
DONATIONS or determine the status of compliance for any particular state
visit www.gutenberg.org/donate.
While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.
International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
Please check the Project Gutenberg web pages for current donation
methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations. To
donate, please visit: www.gutenberg.org/donate.
Section 5. General Information About Project Gutenberg electronic works
Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
Gutenberg concept of a library of electronic works that could be
freely shared with anyone. For forty years, he produced and
distributed Project Gutenberg eBooks with only a loose network of
volunteer support.
Project Gutenberg eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
edition.
Most people start at our website which has the main PG search
facility: www.gutenberg.org.
This website includes information about Project Gutenberg,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
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